Was ist „Männlichkeit“?

Eine Frage, die neulich aufgeworfen wurde ist:

Was ist Männlichkeit?

Dass ist ja auch hier immer wieder mal Thema, so dass es sich lohnt das Ganze zur Diskussion zu stellen.

Aus meiner Sicht ist es ein Konstrukt mit sozialen und biologischen Wurzeln:

  • Es ist häufig eine Beschreibung dessen, was Männer in intrasexueller Konkurrenz gut sein lässt und zudem als Partner interessant sein lässt, insofern eine idealisierte Verhaltensanforderung (stark, mutig, heldenhaft, Anführer, scheut nicht vor Wettbewerb zurück)
  • Es ist ebenso eine Beschreibung des aufgrund der Geschlechterunterschiede häufiger bei Männern in dieser Form vorkommenden Eigenschaftsausprägungen (eher an Casual Sex interessiert, wortkarger, weniger Gefühlsbetont etc)

Welche Ausprägungen in welchem Umfang als männlich gelten hat dabei natürlich wieder mit Kultur zu tun.

Welche Elemente machen für euch „Männlichkeit“ aus und wie ist es dazu gekommen?

 

Was ist aus Sicht von Männern wichtig für die männliche Identität?

Eine interessante Studie hat Männer befragt, was sie eigentlich wichtig für die männliche Identität finden bzw was sie denken, was andere wichtig finden.

ABSTRACT

Introduction. The Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study assessed the prevalence and correlates of erectile dysfunction, and examined men’s attitudes and behavior in relation to this dysfunction.

Aim. To report on the attitudes of men, with and without self-reported erectile dysfunction, concerning masculine identity and quality of life.

Methods. The MALES Phase I study included 27,839 randomly selected men (aged 20–75 years) from eight countries (United States, United Kingdom, Germany, France, Italy, Spain, Mexico, and Brazil) who responded to a standardized computer-assisted telephone interview.

Main Outcome Measure. Perceptions of masculinity and quality of life in men with and without erectile dysfunction.

Results. Men’s perceptions of masculinity differed substantially from stereotypes in the literature. Men reported that being seen as honorable, self-reliant, and respected by friends were important determinants of self-perceived masculinity. In contrast, factors stereotypically associated with masculinity, such as being physically attractive, sexually active, and successful with women, were deemed to be less important to men’s sense of masculinity. These findings appeared consistently across all nationalities and all age groups studied. For quality of life, factors that men deemed of significant importance included good health, harmonious family life, and a good relationship with their wife/partner. Such factors had significantly greater importance to quality of life than concerns such as having a good job, having a nice home, living life to the full, or having a satisfying sex life. Of note, rankings of constructs of masculinity and quality of life did not meaningfully differ in men with or without erectile dysfunction, and men with erectile dysfunction who did or did not seek treatment for their sexual dysfunction.

Conclusions. The present findings highlight the significance of partnered relationships and interpersonal factors in the management of erectile dysfunction, and empirically challenge a number of widely held stereotypes concerning men, masculinity, sex, and quality of life. Sand MS, Fisher W, Rosen R, Heiman J, and Eardley I. Erectile dysfunction and constructs of masculinity and quality of life in the multinational Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) study. J Sex Med 2008;5:583–594. Key Words. Erectile Dysfunction; Quality of Life; Masculinity; Gender Iden

Quelle: Erectile Dysfunction and Constructs of Masculinity and Quality of Life in the Multinational Men’s Attitudes to Life Events and Sexuality (MALES) Study

Männer finden es also wichtiger, dass sie als ehrenhaft, selbstsicher und respektiert von Freunden galten und definierten danach „Männlichkeit“. Andere Faktoren wie körperliche Schönheit, sexuelle Aktivität, Erfolg bei Frauen wurden dabei als unwichtiger bewertet, obwohl die Stereotype sie höher bewerten.

Was aus meiner Sicht allerdings nicht bedeutet, dass diese anderen Faktoren von Männer nicht als wichtig angesehen werden, sie scheinen mir hier eher Anforderungen aufgeführt zu haben, die einen Mann positiv und gerade im Zusammenspiel mit anderen Männern ausmachen, während die anderen Faktoren eben auch negativ sein können: Jemand, der mit zB den Frauen seiner Freunde schläft mag sexuell aktiv sein und Erfolg bei Frauen haben, aber er ist damit eben nicht hoch angesehen (auch wenn viele Männer gerne seine Fähigkeiten hätten, natürlich um sie zum Guten einzusetzen). Es sind also eher Verhaltenspflichten im Umgang miteinander: Zu seinem Wort stehen, sich am gesagten festhalten lassen, seine Fähigkeiten kennen, den Respekt von Freunden genießen: Das alles sind also Werte die einen guten Verbündeten und Freund ausmachen, mit wie vielen Frauen er schläft ist hingegen für die Bewertung als Verbündeter relativ egal.

Ein Mann wird also in gewisser Weise auch unter Männern danach bewertet, wie er seine Pflichten anderen gegenüber erfüllt und erfüllen könnte.

Es ist aber dennoch eine interessante Auswertung weil man hier einmal etwas positives über Männlichkeit liest. Eine Männlichkeit, die von Ehre, Selbstsicherheit und Respekt geprägt ist, kommt so im Feminismus nicht vor und will auch gar nicht in das dortige Feindbild passen. „Ehre“, würde man da vermutlich im radikaleren Bereich schnauben, „ist es ehrenvoll Frauen zu diskriminieren, sich in seinen Privilegien zu suhlen und eine Rape Culture aufrecht zu erhalten? Verdient ein solcher Mann Respekt und wenn ja, was sagt das dann über unsere Gesellschaft aus?“ Aber da wären eben jede Menge Strohmänner vorhanden.

Interessant ist eine Aufschlüsselung nach Nationalitäten, die aus der MALES Studie entnommen ist:

Konstruktion von Männlichkeit

Konstruktion von Männlichkeit

Sehe ich es richtig, dass in Tabelle 2 die Deutschen Männer „Ehre“ weitaus weniger wichtig finden als die meisten anderen Nationen? Statt dessen wird die „Kontrolle über das eigene Leben“, der „gute Job“ und „selbst mit Problemen fertig werden höher bewertet. Könnte vielleicht auch schlicht damit zusammenhängen, dass Ehre in Deutschland ein belasteter Begriff ist. Es geht allerdings auch in dieser Tabelle nur darum, was man als das allerwichtigste angesehen hat, nicht um eine freie Aufteilung. Auch in Deutschland könnte also zB „Ehre“ auf Platz 2 liegen.

Eine andere interessante Auswertung ist diese:

Männlichkeit und Lebensqualität

Männlichkeit und Lebensqualität

Für ihre Lebensqualität an erster Stelle steht damit für deutsche die Gesundheit, dann auch sehr häufig als wichtigste Eigenschaft genannt eins harmonisches Familienleben und eine gute Beziehung zu seinem Partner.

Gibt auch nicht sehr viel zum Dämonisieren her.

„Fragen an Männer“ (#Questionsformen)

Auf Twitter läuft gerade die Aktion „Fragen an Männer“ „#Questionsformen„, die teilweise schon als „amerikanische Version des #Aufschrei bezeichnet wird.

Die Fragen sind dabei eher Vorwürfe an Männer, eine Art „Ist euch eigentlich bewußt, wie privilegiert ihr seid, und wie schwer wir Frauen es haben?“ Häufig haben sie auch die Form, dass eine aus deren Sicht unzulässige Frage an Frauen für Männer umformuliert wird. Eine Auswahl findet sich hier:

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Natürlich wurde auch hier der Hashtag umgekehrt bzw. teilweise wurden Fragen einfach beantwortet:

Vergessen wird insoweit natürlich mal wieder, dass Männer zwar gewisse Vorteile haben, aber eben auch Nachteile. Und das beide oft in Verbindung stehen. Und eben, dass Männer und Frauen auch verschieden sind.

Ich versuche mich mal an Antworten:

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Die Darstellung von Männerrechtlern als untervögelt ist nun nicht gerade ungewöhnlich. Kleine Schwänze, dich lässt eh keine ran, ihr seid ja nur frustriert, weil ihr keine abbekommt – eigentlich recht typisch

2.

Nein, sie haben von vorneherein erwartet, dass ich mich voll für Karriere entscheide. Die Betrachtung, dass ich etwas anderes will, kam dort gar nicht vor.

3.

Ich nehme an, sie meint die „reproduktive Organs“. Und natürlich gibt es da diverse Debatten, zB warum alle Männer schwanzgesteuert sind. Wenn sie damit Verhütung oder Abtreibung meint, dann könnte ich natürlich anführen, dass Frauen natürlich über die Folgen dessen, was ich mit meinen reproduktiven Organen anstelle mitentscheiden, nämlich bei der Frage, ob ich dann Unterhalt zahlen sollte, was ich der Frau sagen darf, also zB inwieweit ich meine Meinung mitteilen darf, dass sie abtreiben sollte, weil ich kein Vater werden möchte etc.

4.

Ich wurde Masku, Frauenfeind oder ähnliches genannt. Und natürlich auch alle übrigen Beleidigungen

5.

Nein. Aber natürlich diverse Abhandlungen, warum diverse Witze nicht lustig sind von Frauen. Und auch Abhandlungen, warum Männlichkeit an sich toxisch ist. Allerdings würde ich auch eine Abhandlung eines Mannes, dass es keine lustigen Frauen gibt, schlecht finden. Eine Abhandlung, dass mehr Männer gute Comedians sind hingegen kann durchaus Hand und Fuß haben

6.

Gut. Aber ich nehme an es geht darum, dass ich das noch nicht gefragt worden bin, Frauen aber schon: Es liegt daran, dass Männer eh keine Wahl haben. Männer allerdings, die KEINE Karriere machen, ihre Frauen aber schon, kennen die Frage durchaus, dann mit leicht ironischen Unterton auf Karriere.

7.

Nein, aber ich wollte auch noch nie in einem Frauenbereich groß werden. Allerdings ist die Frage auch nicht verwunderlich: Sie soll abklären, wie sie mit Männern zurechtkommt und ob sie da feindselig reagiert: Ich vermute mal mit der Antwort: „Nein, ich komme mit Männern gut zurecht“ fährt man da besser als mit „Diese ganzen sexistischen Schweine, mit denen ich bisher gearbeitet habe, machen es einem schwer, ich hasse Männer“. Es sei denn man bewirbt sich im feministischen Millieu. Dann wäre es umgekehrt.

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Auch hier wieder: Als Mann hat man üblicherweise nicht die Wahl auszusetzen

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Ich habe tatsächlich schon mal gesagt „Tut mir leid, ich bin vergeben“. Allerdings war es nicht gelogen.

10.

Nein, aber die war auch immer in dem für Männer erlaubten Maß. Allenfalls für das Tragen einer 3/4 Lederhose im Winter („Nein, mir ist nicht kalt“).

11.

Das Lustige daran: Der Reporter wird es meist für eine Frauenzeitschrift fragen. Männer interessiert nicht, welche Firma ihre Kleidung herstellt.

12.

Es kam schon vor, dass mich Frauen nicht zu Wort kommen gelassen haben.

13.

Nein, aber mir wurde schon von Frauen vorgehalten, dass ich sie/andere Frauen beschützen solle, damit sie nicht vergewaltigt werden

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Nein, männliche Charaktere sind zwar ebenfalls stark idealisiert, aber das bekomme ich problemlos hin.

15.

Als ob das bei Frauen der Fall wäre. Friends hatte mehr als zwei Frauen, How I met your Mother auch. Allerdings habe ich auch Sex in the City geschaut, ebenso wie „Orange is the new Black“ ohne das ich das jetzt problematisch finde. Auf welche Show trifft der Vorwurf denn zu?

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Nein, allenfalls meiner Mutter oder Südländerin. Wenn damit gesagt werden soll, dass es notwendig ist, weil es für Frauen gefährlicher ist, dann würde ich das ersteinmal bestreiten. Es ist eher dem Umstand geschuldet, dass Frauen in der Hinsicht ängstlicher sind.

17.

Sicher schon ein paar Mal. Aber auch das dürfte eben daran liegen, dass dies bei Frauen seltener der Fall ist.

18.

Allenfalls bei meinem Plan ein feministisches Buch rauszubringen, das gerade so keine Satire ist, dafür in der feministischen Welt gefeiert zu werden und mich dann zu offenbaren

19.

Nein, aber ich bin auch kein Gamer (mehr, früher habe ich durchaus viel gespielt, jetzt fehlt die Zeit, damals gab es aber den Begriff noch nicht)

 

Eure Antworten/Anmerkungen, sei es zu den Fragen oben oder zu anderen im Netz, würden mich interessieren.

Gerne können auch weitere Fragen, die nach eurer Auffassung an Männer gestellt werden sollten, gepostet werden.