Welche Vorhersagen lassen sich aus den Gendertheorien herleiten und treffen sie zu?

Ich hatte seinerzeit Joachim gefragt, ob er bezüglich seiner (genderfeministischen) Theorien auch Vorhersagen machen würde:

Wärst du eigentlich bereit, auf Basis deiner Nullhypothese testbare Vorhersagen abzugeben?

So etwas wie

„Mit mehr Gleichberechtigung sinken die Geschlechterunterschiede“

oder

„Hormone steigern Geschlechterunterschiede nicht“

oder andre?

Das halte ich nach wie vor für einen interessanten Ansatz: Zur Überprüfung einer Theorie aus ihr folgende Vorhersagen für andere Bereiche treffen und anhand des Nachvollziehens dieser Aussagen die Thesen überprüfen. Mich würde interessieren, ob man da gute Vorhersagen machen kann bzw. ob ein Durchdenken auf diese Art neue Argumente dafür liefern kann, dass diese Theorien nicht zutreffen

Ich fange mal an zu Brainstormen

  • Wenn Geschlechterunterschiede sozial durch Geschlechterrollen konstruiert, dann müsste es relativ wenig Überlappungen zwischen den Geschlechtern geben, gibt es große Überlappungen, dann sind die Geschlechterrollen zumindest recht schwach.
  • Frauen müssten, wenn die Theorien zutreffen, tatsächlich schlechtere Chefs sein, da sie gegen ihre Geschlechterrolle ankämpfen müssten.
  • Frauen müssten bei strengen Geschlechterrollen tatsächlich schlechter in Männerberufen sein
  • Kinder, die von Homosexuellen aufgezogen werden, müssten selbst eher homosexuell werden
  • Homosexuelle müssten ihre Vorlieben aufgeben oder ändern können

Ich würde mich über weitere Vorschläge oder Kritik an den obigen Schlußfolgerungen freuen

Humor und Ideologie

Bei der Mädchenmannschaft hat Lantzschi einen Artikel mit dem Titel „Du hast den Witz einfach nicht verstanden”. Es geht um diesen Werbespot

Falls jemand das Video nicht sehen kann:

Ein paar liegt im Bett, sie relativ sexy, sie murmelt leicht leidend „Ich kann nicht einschlafen“. Er beugt sich liebevoll wie zu einem Kuss zu ihr… um sie dann mit einem Headbutt in das Reich der Träume zu schicken. Message: Eine einfache Lösung, genau wie der Wechsel zu E wie einfach.

Der Humor soll hier – wie meist bei Humor – aus der Überraschung kommen und aus dem Gegensatz zu dem was man eigentlich erwartet. Statt Liebe gibt es Gewalt. Ein recht klassischer Ansatz, einen überraschenden Gegensatz zu konstruieren. Über diese Konstruktion als überraschender Gegensatz wird gerade deutlich, dass sie eben nicht normal ist – sonst wäre es nicht lustig.

Aber natürlich ist es sexistische Kackscheiße, denn Gewalt gegen Frauen kann nie lustig sein, sie beschönigt immer reale Gewalt, erzeugt sie, und ist damit sexistisch.

Lantzschi dazu:

Letztlich steckt immer der Wunsch dahinter nicht als schlechter Mensch zu gelten, der diskriminierende Inhalte lustig findet. Da die Sichtbarmachung von -Ismen in den meisten Fällen mit Tabus belegt wird, die zu durchbrechen angeblich den höchsten Frevel der Menschheit darstellt, werden Kritiker_innen mit allerlei rhetorischen Strategien beschäftigt gehalten, um ja nicht noch mehr Menschen vom diskriminierenden Inhalt des kritisierten Gegenstandes zu überzeugen. Eine Strategie neben Bildungsforderungen, Beschimpfungen und Alltagswissen ist die Degradierung der Kritiker_innen zu Menschen, die nicht mehr ganz bei Sinnen sind, mittels oben genannten Aussagen: Die Betroffenen haben einfach nicht verstanden, dass die sexistische Kackscheiße einfach nur witzig gemeint war.

Das ist in gewisser Weise lustig. Denn in der Tat wird hier die Gewalt gegen Frauen mit einem Tabu belegt, die Sichtbarmachung dieses Tabus gilt als hoher Frevel und es gibt allerlei rhetorische Strategien – Privilegien, heteronormative Matrix, hegemoniale Männlichkeit oder auch schlicht Rage und Snark – damit das nicht auffällt. Lantzsch Degradiert hier die Leute, die den Spott als nicht so schlimm ansehen zu hinterwäldlerischen Idioten, die einfach nicht erkennen, wie starkt der Sexismus ist. Die von dieser Kritik betroffenen haben einfach nur nicht verstanden, dass solche Werbung ein Kampfmittel der hegeominalen Männlichkeit ist.

Meine ich damit, dass man die Werbung gut finden muss? Nein, keineswegs. Natürlich kann man gegen jegliche Gewalt gegen Menschen sein und eine solche nicht lustig finden. Aber daraus gleich den Untergang des Abendlandes zu zimmern, eine Entschuldigung für häusliche Gewalt und was weiß ich noch alles, dass muss trotzdem nicht sein. Man kann sogar, wenn man den entsprechenden Humor hat, über den unerwarteten Sprung lachen und gleichzeitig etwas gegen häusliche Gewalt, welches Geschlecht sie auch immer erleidet, haben.

Die perfide Botschaft hinter Aussagen wie “Du hast den Witz nicht verstanden” ist: Ich nehme deine Kritik nicht zur Kenntnis (weil ich’s kann/weil ich nicht muss) und unterstelle dir, dass du eine Perspektive auf den Gegenstand legst, die nicht der objektiven/neutralen/realitätsnahen entspricht. Der Zynismus hinter der Aussage könnte deutlicher nicht sein, denn Betroffene von Sexismus und anderen -Ismen sind in einer Welt sozialisiert worden, die ihnen täglich zu verstehen gibt, dass Unterdrückung Normalität ist und daher Witze darüber oder über bestimmte Gruppen völlig akzeptiert sind. Sie haben gelernt ihre Umwelt immer durch zwei Brillen zu sehen: die eigene und die der Mehrheitsgesellschaft. Sie haben gelernt, dass die “Default-Brille” die der Mehrheitsgesellschaft ist.

Da sind wir wieder bei „Frauen sind von Gewalt betroffen, Männer hingegen privilegiert“. Diese „Default-Brille“ legt man sich nicht in der Mehrheitsgesellschaft zu, sondern im radikaleren Genderfeminismus. Denn hier ist eben alles Konstruktion von Macht. Auch diese Werbung. Und wenn man meint, dass sie nicht so schlimm ist, dann ist das schlimm, dann wertet man die Perspektive ab, denn kritische Perspektiven sind wichtig und die wichtigste ist die der Opfer, alles andere wäre Opferblaming.
Natürlich wertet man damit auch diejenigen ab, die eben nicht alles unter dem Machtaspekt sehen wollen, die nicht in jeder Grenzüberschreitung zu Lasten bestimmter Gruppen gleich eine Unterdrückung sehen.

Lantzschis Fazit:

Ergo ist “Gaslightening” keine Form der Argumentation, sondern eine Form der Degradierung des_der Gegenüber_s, der Versuch Unterdrückung wieder in die Unsichtbarkeit zu verbannen und Problemverlagerung auf Betroffene. “Du hast den Witz nicht verstanden” ist Gewalt, da die kritisierte Diskriminierung noch einmal auf die Betroffenen zurückfällt.

 Richtig: Wer nicht meint, dass jede Darstellung, die ich als problematisch ansehe, eine Degradierung ist, der übt Gewalt aus. Wie kommt Lantzschi eigentlich darum herum, die Darstellung, dass man es eben auch anders, entspannter, sehen kann, ebenfalls zudegradieren und damit dann wieder Gewalt gegen diese Menschen auszuüben? Naja, sie haben eben die falsche Opfergruppe, Humorvoll wird durch Frauen (unterdrückte Frauen) selbstredend getoppt.

Daher dann auch Lantzschis Schluß, mit dem sie noch einmal die eigene moralische Überlegenheit feiert:

Allerdings wird mit “Du hast den Witz nicht verstanden” deutlich, dass es nicht die Betroffenen sind, deren Weltsicht eingeschränkt ist. Denn wir beide haben den Witz verstanden, ich bin nur schon einen Schritt weiter als du.

Natürlich ist sie weiter, ideologisch weiter. Daran kann kein Zweifel bestehen. Sie schränkt nur Weltsichten ein, die noch nicht so weit sind, will den anderen insofern bei ihrer Horizonterweiterung helfen. Weg von ihrem Sexismus, hin zur feministischen Ideologie.

Deutlich wird das auch noch mal bei „Gender Trouble?„, der auf Lantzschis Text Bezug nimmt:

Was all diesen Reaktionen gemein ist, ist dass sie grundsätzlich missverstehen, was es bedeutet, auf Sexismus hingewiesen zu werden. Es geht nämlich (meist) nicht darum, auf persönliche Fehler hinzuweisen oder einzelnen Schuld zuzuweisen, sondern es geht darum, die Strukturen aufzuzeigen, die Sexismus hervorbringen und zur Reflektion darüber anzuregen, wie mensch selbst in diese Strukturen verstrickt ist.

Dieser Werbespot ist eine Struktur, die Sexismus hervorbringt. Denn jede Gewaltdarstellung gegen Frauen erleichtert über die daraus resultierenden Normen weitere Gewalt gegen Frauen. Dass dabei in allen Medien weit weit weitaus mehr Gewalt gegen Männer gezeigt wird, das ist dann wahrscheinlich nur eine Ablenkung von der Frauengewalt, eine neue Struktur, die man aufzeigen kann.

Dort weiter:

Wenn A einen “Witz” über Vergewaltigungen macht, dann ist das verwerflich. Auch, weil dieser eine spezielle “Witz” Menschen verletzt, aber vor allem, weil er nur deshalb vermeintlich witzig ist, weil wir in einer rape culture leben. Wenn die männliche Verfügungsgewalt über weibliche Körper nicht so selbstverständlich wäre, wie sie das leider immer noch ist, würde der “Witz” völlig seine Funktion (Aufrechterhaltung der rape culture) verlieren und aufhören “witzig” zu sein.

Hier ist es noch klassischer. Der Witz über eine Vergewaltigung (zB dieser gerade ergoogelte:  „Anruf bei der Polizei: „Hilfe, in unserem Nonnenkloster gab es eine Vergewaltigung!“ „Das ist ja schrecklich, wer wurde denn vergewaltigt?“ „Der Briefträger.“) dient dazu die Vergewaltigungskultur aufrechtzuhalten. Wer das nicht zugibt, der ist eben verblendet oder unterstützt die Vergewaltigungskultur. Wer zuviel Betonung dieser  Verschwörungstheorien Theorien kritisiert, der nimmt die Vergewaltigungskultur und damit den Sexismus in Schutz.

Ich denke es ist dieser ideologische Ansatz, nachdem bestimmte Themen per se nicht witzig sein können, sondern immer Ausdruck von Unterdrückung sind, der dem Feminismus seinen Ruf eingetragen hat, humorlos zu sein. Den gerade über Unterdrückung oder Missstände oder schreckliche Ereignisse wurden schon immer Witze gemacht. Das wird hier verboten und das ohne jede Diskussionsmöglichkeit. Weil jeder Humor hier Unterdrückung ist, wird alles humorlos.

Interessant dazu auch der Soup „Sexistische Kackscheiße, indem eifrige Feministinnen jedes Bild, was einen Geschlechterzusammenhang hat und bei 9gag,com etc läuft einstellen.

Beispiele wären:

Das Gamer Girl

Eine kleine Abgrenzung des Begriffs „Gamer Girl“: Eben nicht das Mädel, was irgendwie mal einen Controller in der Hand hat und damit possiert, sondern eine Mädchen, dass sich richtig in Games reinsteigert. Ich vermute mal, dass hier insbesondere die Abwertung „Slut“ diesen Titel der „Sexistischen Kackscheiße“ eingebracht hat. Hier würde mich auch interessieren, ob das Bild von einer Frau oder einem Mann gemacht wurde, die damit etwas In- und Put-Grouping betreiben wollte. Die Posergirls ohne Substanz gegen die wahren Fans.

Das Ballspiel:

Was hieran eine sexistische Kackscheiße ist, erschließt sich mir nicht. Es sei denn vielleicht man sieht es als einen essentialistischen Vorschlag an, nachdem jeder Mann und jede Frau so handeln würden. . Mir scheint es aber eine durchaus präzise, wenn auch überspitzte Darstellung der Realtität im Schnitt zu sein. Frauen reagieren eben eher als Männer mit emotionaler Unterstützung (Tend and Befriend) und können es sich eher leisten, Gefühle zu zeigen, während Jungs im Rahmen des „Rough and Tummble„-Play das ganze in einen Wettbewerb einordnen und sich daher eher ein paar Sprüche drücken.

Ist die Mädchenmannschaft rassistisch / behindertenfeindlich /Transphob?

In der feministischen Debatte ist die Zuweisung einer Diskriminierung oft einfach:

Wenn in einem Bereich weniger Frauen vertreten sind, dann liegt eine Diskriminierung vor.

Immer wieder hört man aus dem Bereich auch die Aussage, dass nicht die diskriminierte Gruppe (das wird dann vorausgesetzt) sich darum kümmern muss in einem Bereich mehr vertreten zu sein, sondern die privilegierte Gruppe sich darum kümmern muss, die nichtprivilegierte Gruppe anzulocken und einzubeziehen.

Ein Betrieb darf demnach, wenn er hauptsächlich Männer in Führungspositionen hat, nicht sagen, dass sich bei ihm ja keine Frauen für diese Position bewerben oder die Männer qualifizierter sind, sondern muss aktive Maßnahmen einleiten, um seine Frauenquote zu erhöhen. Er muss eben zB auf ein frauenfreundliches Klima achten (Abbau patriarchaler Strukturen, Betriebskindergarten, verbesserte Teilzeitbedingungen in der Führungsebene etc), aktiv geeignete Kandidatinnen ansprechen und suchen, Nachwuchsförderung auf dem Gebiet betreiben.

Gelingt dies alles nicht, dann ist dies ein Anzeichen für Diskriminierung und dem muss gegebenenfalls über eine Quote abgeholfen werden.

Dabei besagt Intersektionalität, dass auch Frauen Frauen diskriminieren können. Ein Beispiel beispielsweise in der Wikipedia ist, dass in der feministischen Bewegung insbesondere die weißen Frauen aus der Oberschicht das sagen haben.. Auch eine nichtprivilegierte „Minderheit“ kann andere Minderheiten wegen anderer Privilegierungskriterien diskriminieren, insbesondere natürlich Rasse, Behinderung und Klasse.

Dabei ist es ein Anzeichen der Privilegien, dass sie der privilegierten Gruppe oft zuletzt auffallen. Ich nutze also die Gelegenheit die Mädchenmannschaft und auch den Mädchenblog darauf aufmerksam zu machen, dass sie sich bisher nicht genug bemüht haben, um sich ihre Privilegierung auf dem Gebiet Rasse, Nichtbehindert und Transsexuell bewußt zu machen und diese abzubauen.

Trotz ca. 10 Autoren findet sich keine Autorin, die nicht kaukasisch ist, weder afrikanische noch asiatische feministische Meinungen werden angemessen repräsentiert. Ich meine es schreiben da auch nur Nichtbehinderte und keine transsexuellen Personen als feste Autorinnen.

Dies kann als Ursache nur Rassismus haben. Was dadurch zu beweisen ist, dass eben keine Personen dieser Herkunft dort vertreten sind.

Mädchenmannschaft, werde dir deiner Privilegien bewusst!

„Wenn sich das Andere dem Normalen gegenüber widerständig zeigt, muss es gewaltförmig zurückgestoßen werden“

 Nadine Lantzsch schreibt in ihrem Beitrag „Der Gaze Effekt und Feminismus“ das Folgende:

Wenn das Normale das Andere konstruiert und dem eigenen unterordnet, will es natürlich weiterhin Verfügungsmacht über das Andere haben, sich Gewissheit verschaffen, dass das, was da als Abweichung herunterdefiniert wurde, auch an dem Platz verbleibt, den es zugewiesen bekommen hat. Wenn sich das Andere dem Normalen gegenüber widerständig zeigt, muss es gewaltförmig zurückgestoßen werden, sonst könnte es die vermeintlich sichere Positionen gefährden

Das finde ich in der Geschlechterdebatte interessant, allerdings aus einer anderen Sicht als Lantzschi.

Heute gilt gerade im Politischen Gleichheit der Geschlechter und feministische Grundgedanken als normal und dem Mann oder „Der Männlichkeit“ ist die Unterdrückerrolle zugewiesen worden, zumindest innerhalb der feministischen Debatte. Der Unterdrücker wurde hier durch den Feminismus konstruiert.

An diesem Platz soll der Mann als Unterdrücker auch bleiben, denn sonst lassen sich die Überhöhungen der Frau und deren Opferstatus nicht mehr halten. Er muss also immer wieder auf diesen Platz zurückgestoßen werden, was man ja auch im Feminismus sehr gut beobachten kann: Alles kann auf den Mann als Unterdrücker, die Phallokratie, die hegemoniale Männlichkeit zurückgeführt werden.

Andere Erklärungen, die dieses Weltbild gefährden, werden ebenfalls zurückgestoßen, und das mit dem üblichen Mittel, sie als „Backlash“ oder patriarchalistische Theorie zu sehen. Vor diesem Hintergrund können beliebig viele biologisch-medizinische Studien zu einer Unlogik, zu einem Nichtargument, zu etwas, was allenfalls neben der eigenen Meinung steht und ausgeblendet werden kann, weil man einen anderen Blickwinkel hat, erklärt werden. Dabei verzerrt man das Bild, das die Biologie zeichnet am Besten noch soweit, dass man es einfacher abwerten kann, eben zu einem Essentialismus.

Es erinnert mich an einen Dialog in „Coupling“, indem es ebefalls um Macht einer Gruppe ging, die als Widerstand angesehen wurde:

 

Patrick: Oh, don’t be so PC.

Howard: Typical leftie puritan.

Sally: Typical what? Come the revolution.

Patrick: What revolution? You guys are in power! We’re the revolution now.

Sally: No… no, it can’t be right.

Patrick: You’re the evil empire.

Sally: No!

Howard: Yes! Like Star Wars! And Patrick and me are the Rebel Alliance!

Sally: No! You’re not the goodies! We’re the goodies. We’re lefties! We’re always goodies!

Patrick: (Darth Vader voice) No, Sally, you are the establishment!

(Video habe ich leider nicht gefunden, wenn einer einen Link hat…)

Die moralisch überlegende Gruppe zu sein, die aber leider nichts ändern kann, weil sie nichts in der Hand hat und daher nur Widerstand leisten kann, ist eine dankbare Position. Das zeigen diverse Parteien auch in der Opposition. Ihre Politik muss sich weniger am machbaren Orientieren und kann theoretischer sein. Sie müssen sich weniger Sachzwängen beugen und können negative oder unerwartete Folgen ihrer Theorien in der Praxis oder fehlende Umsetzungsmöglichkeiten besser ausblenden. Kommen sie tatsächlich an die Macht ergibt sich dann mitunter ein Praxisschock, wie man es auch bei der SPD gesehen hat, die ihren sehr linken Flügel, der nunmehr die tatsächliche Revolution wollte, nicht mehr vertrösten konnte.

Deswegen wird auch beim Feminismus der Umstand hochgehalten, dass man der Underdog ist, der gegen das Übermächtige Patriarchat ankämpft. Das erlaubt freie Ziele, Feindbild, Gruppenzusammenhalt. Eigene Ziele und Gestaltungsmöglichkeiten herunter zu spielen kann für solche Gruppen sehr sinnvoll sein.

Interessant sind auch die von ihr genannten Reaktionsmöglichkeiten:

1. Gleichgültigkeit

Das ist die bevorzugte Strategie der Maße, die davon ausgeht, dass sie feministische Theorien nicht betreffen und einfach weiterlebt wie bisher

2. Assimilation

Das ist eine Strategie (pro-)feministischer Männer, aber auch eine Strategie des „Equity-Feminismus“, indem er anführt, auch ein Feminismus zu sein, dem es aber auf Gleichberechtigung ankommt, nicht auf Gleichstellung. Diese Assimilation war bisher nicht erfolgreich, da sie erkannt wurde, ermöglicht aber immerhin eine Entkräftung von Vorwürfen aus dem Bereich der relativ gleichgültigen.

3. Differenzierung und Radikalisierung

Auch in diesem Bereich kann man gemäßigtere feministische Theorien, eben auch den Equity Feminimus und auch die – beim ersten Ansatz – gemäßigtere Männerbewegung und den Maskulismus einordnen. Die radikaleren Teile der Männerbewegung und des Maskulismus haben dann eben die Radikalisierung bereits durch.

4. Verwerfung/Dekonstruktion

Diesem Bereich sind insbesondere weite Teile der medizinischen und biologischen Wissenschaft zuzuordnen, die den Geschlechterbereich betreffen. Allerdings wird meist nur der Unterschied selbst nageführt, ohne den Widerspruch direkt anzusprechen. Steven Pinker beispielsweise mindert Kritik, indem er sie auf „radikale Feministen“ bezieht und sich selbst über den Equity Feminismus dem gemäßigteren Bereich zuordnet.

Auch Maskulismus und Männerbewegung sind natürlich in diesem Bereich tätig und behandeln feministische Theorien und Mythen wie etwa die Lohndiskriminierung, Falschbeschuldigung und Vergewaltigung etc.