Verinnerlichter Sexismus

Verinnerlichter Sexismus oder „internalisierter Sexismus“ ist ein Begriff aus dem Feminismus, mit dem erklärt wird, warum Frauen viele Diskriminierungen nicht erkennen und sie durch ihr Handeln sogar unterstützen.

Es erklärt also, warum man gleichzeitig ein sehr mächtiges Patriarchat haben kann, die meisten Frauen sich aber daran anscheinend nicht wirklich stören, jedenfalls nicht gegen das Patriarchat aufbegehren. Zudem erlaubt es Äußerungen von Frauen, die antifeministisch sind oder sich etwa dagegen aussprechen, dass Frauen unterdrückt werden, zu erklären.

Der Ansatz ist, dass diese Frauen aufgrund ihrer Erziehung stark in die in der sexistischen Gesellschaft vorhanden Regeln eingebunden sind und sich innerhalb dieser nur in den dort zur Verfügung gestellten Rollen und Mustern bewegen können: Wenn eine Frau also akzeptiert, dass sie eine Frau ist und daher gewisse Regeln für sie gelten, dann empfindet sie die dafür in der Gesellschaft bestehenden Rollen eben als angemessen.

Von der Seite Feminismus101:

ir leben in einer Gesellschaft, die uns vom Tag unserer Geburt an, bis zu dem Tag an dem wir sterben, mit sexistischen Botschaften bombardiert. Die Art, wie diese Botschaften ankommen, variiert von Person zu Person. Sie wird außerdem von Faktoren wie Zeit, Ort, Persönlichkeit oder Tagesform beeinflusst.

Wenn jemand einer bestimmten Botschaft ausgesetzt ist, wird er oder sie diese auf einer bewussten und unterbewussten Ebene interpretieren und anschließend entscheiden, wie diese Botschaft letztendlich verinnerlicht wird: sie wird akzeptiert, abgelehnt oder beides vermischt.

Jamet Thomas erklärt innere und äußere Unterdrückung:

Die sexistische Botschaft erreicht uns auf zwei Arten: äußere und innere Unterdrückung. Der äußere Sexismus sind Aussagen und Verhaltensweisen die uns von Außen, durch Institutionen oder Einzelpersonen erreichen, beispielsweise “Frauen sind zu emotional um Führungspositionen zu übernehmen”. Verinnerlichter Sexismus ist es, diese Stereotypen und Fehlinformationen zu glauben und zu übernehmen. Eine sexistische Gesellschaft vermittelt uns, was es bedeutet weiblich zu sein, z.B. “Was weißt ich schon…”, “Wer bin ich das zu sagen…”. Sowohl die äußere als auch innere Art der Unterdrückung ist schmerzhaft und einschränkend für Frauen als Einzelpersonen oder in einer Gruppe und entzieht uns die besten Gedanken, Entscheidungen und Handlungen.

Es ist also der Kampf gegen die große Gesellschaft, der einem zu groß erscheint und den man daher gar nicht mehr antritt. Statt dessen solidarisiert man sich in einer Art Stockholmsyndrom mit dem System und macht es sich zu eigen: So ist man kein Gegner mehr, der kämpfen muss, sondern kann innerhalb der Regeln eine positive Identität als Frau aufbauen. Das ganze scheint mir an Foucault festzumachen, der von einem ähnlichen Modell ausgeht.

Die Folgen eines solchen verinnerlichten Sexismus sind schrecklich:

Verinnerlichter Sexismus beeinflusst sowohl uns selbst negativ, als auch die Frauen in unserem Umfeld. Das zeigt sich hauptsächlich auf die folgenden Arten:

Verinnerlichter Sexismus ist eine unfreiwillige Reaktion auf Unterdrückung, die ausserhalb der eigenen Gruppe entsteht und dazu führt, dass Mitglieder der Gruppe sich selbst und gegenseitig verabscheuen und für die eigene Unterdrückung verantwortlich machen – anstatt zu erkennen, dass diese Meinungen durch das unterdrückerische, sozio-ökonomisch-politische System konstruiert werden.

– Penny Rosenwasser (Proceedings of the 41st Annual Adult Education Research Conference, 2000): Tool for Transformation: Cooperative Inquiry as a Process for Healing from Internalized Oppression.

Der Umgang mit dem eigenen Sexismus wird, wie das Verinnerlichen des von außen wirkenden Sexismus, durch verschiedenen Faktoren beeinflusst. Wenn Rosenwasser sagt, dass “Gruppenmitglieder sich selbst gegenüber abgeneigt sind” (Selbsthass), meint sie nicht, dass alle Frauen die ganze Zeit deprimiert sind, weil sie permanent darüber nachdenken, wie nutzlos sie sind, weil sie Frauen sind. Selbiges gilt für das “nicht mögen von Anderen in der Gruppe” – es bedeutet nicht, dass etwa Frauen, die Sexismus verinnerlicht haben, keine Beziehungen zu anderen Frauen aufbauen können. Was es allerdings bedeutet ist, dass es für Frauen – auch feministische – sehr leicht ist, eine “männliche” Perspektive einzunehmen und dadurch die “weiblichen” Standpunkte abzuwerten. Anders ausgedrückt:

Die Folgen, sich diese Rolle zu Eigen zu machen, sind ein enormes Reservoir an Selbsthass. Kein wirklich wahrgenommener oder hingenommener Selbsthass, die meisten Frauen würden das leugnen. Er kann sich dadurch ausdrücken, sich in seiner eigenen Rolle unwohl zu fühlen, als Gefühl der Leere, als Taubheit, Unruhe oder lähmende Ängstlichkeit. Es kann sich auch in einer Verteidigung der eigenen Rolle äußern. Aber er existiert, oft unterbewusst, vergiftet ihr Dasein, entfremdet sie von sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen, lässt sie auf andere Frauen wie eine Fremde wirken. Es folgt der Fluchtversuch: Identifikation mit dem Unterdrücker,, durch ihn leben, Status durch seine Macht und seine Errungenschaften erlangen. Und dadurch, sich nicht mit anderen “leeren Hüllen” zu identifizieren, wie sie selbst es sind. Frauen identifizieren sich nicht mit anderen Frauen, die ihre eigene Unterdrückung, ihren zweitrangigen Status, ihre eigenen Selbstzweifel widerspiegeln. Eine andere Frau damit zu konfrontieren ist letztendlich die Konfrontation mit dem eigenen Selbst, das man vermeiden wollte. Und in diesem Spiegel wissen wir, dass wir das, zu dem wir gemacht wurden, nicht wirklich lieben und respektieren können.

Ich finde es ja immer wieder faszinierend, wie es der Feminismus zum einen schafft Frauen abzuwerten, die anscheinend dann umfassend Selbsthass haben und sich mit ihrem Unterdrücker identifizieren, und zum anderen sich damit gleichzeitig gegen jede Kritik immunisieren kann:

Eine Frau stimmt dem Feminismus nicht zu? Das arme Ding will sich nur seinen Selbsthass nicht eingestehen, es identifiziert sich mit dem Unterdrücker, schrecklich so was, vielleicht schafft sie es ja noch irgendwann ihre Unterdrückung einzusehen, dann wird sie sich wieder lieben können.

Kritik wird damit unmöglich und der Frau das eigene Denken abgesprochen.

Radikaler Feminismus und radikaler Islam

Ich habe einen interessanten Artikel dazu, warum teilweise die Kritik am radikalen Islam in Teilen des Feminismus quasi nicht vorkommt gelesen, auf dessen Thesen ich eingehen möchte

1. Radikaler Islam und Frauenfeindlichkeit

Ich möchte zunächst anführen, dass es meiner Meinung nach auch einen gemäßigten Islam gibt, in der die Anhänger genau wie viele Christen eigentlich mehr Traditionspflege und eine gewisse Gruppenidentität pflegen ohne damit andere auszuschließen oder sich groß um Gott zu kehren.

Vielleicht wird kein Schweinefleisch gegessen, aber es wird dennoch Alkohol getrunken, die Männer haben keinen langen Bart, wenn sie nicht Hipster sind und die Frauen kein Kopftuch, die Frau kann Anwältin sein (wie eine Türkin aus meinem Bekanntenkreis)  man ist in westlichen Ländern sozialisiert und findet das zu strenge Befolgen religiöser Regelungen veraltet.

Daneben gibt es einen radikalen Anteil, der leider religiöse Regeln sehr wichtig nimmt und auf „Ungläubige“ herabsieht und eine Vielzahl altertümlicher Sitten- und Moralvorstellungen für wichtig hält, die unter anderem auch ein sehr essentialistisches Geschlechterbild enthalten, in denen eine gewisse Höherwertigkeit des Mannes angenommen wird, der Vorstand der Familie ist.

Das gibt es natürlich auch noch im christlichen Bereich, ganz besonders in zB freikirchlichen Gemeinden oder anderen traditionellen Bereichen, ist aber üblicherweise im Christentum nicht mehr so ausgeprägt. Zudem ist im radikalen Islam der Gedanke, dass der Islam einen heiligen Krieg gegen die Ungläubigen führt, die insofern ebenfalls minderwertig und zu bekehren oder zu vernichten sind, deutlich ausgeprägter, was zu monströsen Ausprägungen wie ISIS führt.

Wichtig soll hier aber insbesondere das Geschlechterthema sein und ich muss sagen, dass mich solche essentialistischen und insbesondere von einem gewissen Rangverhältnis geprägten Geschlechtertheorien, wie sie sich in diesem radikalen Bereich finden, ärgern, denn es sind unnötige Einschränkungen beider Geschlechter und insbesondere eben auch der Frau. Als Atheist reagiere ich vielleicht noch sensibler, weil ich es doppelt unnötig finde, dass in dem Bereich alte Regeln aufgrund der Annahme einer eigentlich nicht existenten Gottheit umgesetzt werden, die letztendlich den Leuten das Leben erschweren.

In der Hinsicht gäbe es jedenfalls gute Gründe die dortigen Einschränkungen für Frauen, von Kleidungsvorschriften über Fahrverbote über die Weigerung eine Frau in einer bestimmten Position zu akzeptieren bis hin zu den Sexualvorschriften und diesbezüglicher Strafen abzulehnen und daran Kritik zu üben.

2. Der nichtintersektionalistische Genderfeminismus („Beauvoir-Feminismus“)

Der Feminismus „alter Schule“, also der klassische Genderfeminismus geht davon aus, dass sich Männer und Frauen in einem Kampf um die Macht befinden und Frauen mittels entsprechender Rollen unterdrückt werden. Er kämpft daher gegen diese Rollen und für eine Befreiung der Frau von der Unterdrückung bzw dafür, dass Frauen ebenfalls an der Macht teilhaben. Feministinnen dieser Ausrichtung sehen in den Einschränkungen aus religiösen Vorschriften wie etwa dem radikalen Islam eben einen Teil dieser Unterdrückung und äußern sich entsprechend. So hat beispielsweise Alice Schwarzer eine Vielzahl entsprechender Artikel verfasst.

Etwa in einem Artikel wie diesem:

Denn die Gewalt ist nur die Spitze des Eisberges des politisierten Islam, des Islamismus. Ihr geht eine ideologische Indoktrinierung voraus, der Drill der Gläubigen zur Selbstgerechtigkeit und Verachtung der „Anderen“, als da sind: Frauen, Juden, Homosexuelle, Kreative, „Ungläubige“. Dieses Schüren von Hass auf die Anderen ist die Saat der Gewalt. Mit der Kalaschnikow in der Hand geht die Saat auf.

In allen totalitären (Denk-)Systemen ist die Entmenschlichung der Anderen die Voraussetzung dafür, dass die Einen sich zu Herren über Leben und Tod der Anderen aufschwingen. Der Kadavergehorsam der Indoktrinierten beginnt in der patriarchalen Familie, in Koranschulen und in den orthodoxen oder gar islamistischen Moscheen. Und da reden wir nicht nur von salafistischen Moscheen. Wir reden unter anderem auch von den heute etwa 1000 Ditib-Moscheen in Deutschland, die finanziell wie personell von der Türkei abhängig sind. Vor der Machtergreifung Erdogans waren das Stätten eines echten Dialogs, heute weht da ein anderer Wind.

Die frühe Unterwerfung von Söhnen, Töchtern und Frauen findet ihre konsequente Fortsetzung in den Schmieden der Gottesstaatler, die aus Ich-schwachen jungen Männern waffenstarrende Gotteskrieger formen und aus verlorenen jungen Frauen hörige Bräute. (…)

Dennoch zeigen aktuelle Umfragen, dass die überwältigende Mehrheit der Menschen aus dem muslimischen Kulturkreis in Deutschland die Demokratie schätzen. 90 Prozent aller Muslime halten laut Bertelsmann-Studie nicht etwa den Gottesstaat, sondern die Demokratie für „eine gute Regierungsform“; ebenso viele haben „regelmäßigen Freizeitkontakt“ zu Nichtmuslimen. Und 60 Prozent bejahen nicht nur die Homosexualität, sondern sogar die Homoehe – was für Islamisten des Teufels ist.

Das sind wirklich gute Nachrichten! Die Muslime in Deutschland sind also mehrheitlich integriert. Doch genau darum sind sie die ersten Opfer der Islamisten, nicht wir.

Das wäre also eine Stellungnahme gegen den radikalen Islam, eben auch als klassische Vertretung von Frauenrechten (wobei Schwarzer nicht Schwarzer wäre wenn sie da nicht in anderen Artikeln deutliche Dämonisierungen von Männern mit hineingebracht hätte, wenn ich mich da richtig erinnere)

3. Der intersektionalistische Genderfeminismus 

Der intersektionale Genderfeminismus gilt als der „modernere Feminismus“ und fächert wesentlich breiter auf. In ihm kämpfen weniger Männer gegen Frauen, sondern es gibt verschiedene Ebenen, auf denen bestimmte gesellschaftliche Regelungen dafür sorgen, dass einige Menschen, die diese Regelungen umsetzen oder auf die sie zugeschnitten sind, Privilegien haben und damit andere Menschen innerhalb der gleichen Kategorie benachteiligen. Wer die meisten Privilegien hat, der unterdrückt am meisten und ist insofern – sofern er die Privilegien nicht hinterfragt und versucht die Nachteile der anderen auszugleichen – in gewisser Weise böse. Privilegierte Positionen können dabei alle nahezu alle Positionen sein, die irgendwie vorteilhaft sind, mit Ausnahme den Vorteilen einer Opferstellung. Bekannte Einordnungen sind Geschlecht (Mann privilegiert, Frau nicht) Rasse (Weiß privilegiert, andere Hautfarben nicht), sexuelle Orientierung (Heterosexualität privilegiert, andere Ausrichtungen nicht) aber auch Religion (christlich ist privilegiert, andere Religionen nicht) (dieser Punkt ist wohl etwas strittig, es kommt dabei wohl auf den Kontext an).

Hier einmal eine Grafik die einiges auflistet (auch wenn eine solche Zuordnung von Punkten und gerade die hier vorgenommene Wertung (+25 nur für weiß? +25 für jüdisch?) im Feminismus natürlich als problematisch anzusehen ist und zB hier Religion ausdrücklich rausgenommen wurde)

Privilegien Punktetabelle

Privilegien Punktetabelle

Es ist aber auch, wenn man Religion rausnimmt, unschwer zu erkennen, dass der typische Anhänger einer islamischen Religion häufig nicht sehr privilegiert ist: Er ist seltener weiß, er kommt seltener aus dem Westen, er wird häufig aus ärmeren Ländern kommen und arm sein (Saudi Arabien und andere Erdölnationen in der Nähe mal ausgeblendet).

Was hat das nun für Auswirkungen. Dazu hat mich der oben bereits angedeutete Artikel auf eine Idee gebracht:

Feminist can’t condemn radical Islam, for two very simple (and coherent) reasons, stemming from the “gender as a class” paradigm. It has nothing to deal with “double standards” or hypocrisy.

Firstly. They simply can’t condemn Islam, even if inclined to, because doing so they would put a spotlight on the differences among women living in different cultures; thus, tearing down the concept of women as a monolithic class of oppressed beings. Women in the “western” world dress burkas, get it. Indeed, if you carefully analyse the feminist usage of “sharia” victim card, you’ll notice that it isn’t brought up to draw a separation line between women’s status in the “western” world and those under sharia, but to build a bridge between the latter ones and first world grandmothers. The condition of women under radical Islam has nothing to deal with religion, but with lack of feminist enlightenment. Deal with it

Secondly. They can’t stress out men’s misogynistic attitudes under radical Islam otherwise they would downplay the evil implications of first world men’s attitudes, such peeing while standing, staring at women, catcalling and manspreading. Men are an oppressor class, and our grandfathers forced women in burkas as well. Nowaday we don’t thanks to feminism. Feminists, simply put, do not see differences between men; they only see different stages of oppression when male attitudes are not properly confined.

Condemning radical Islam, in essence, would undermine the very pillars of feminism. If feminis accepted just for a second that the status of people is pretty much situational, it would open the door to the possibility that women in the first world (in comparative terms with men) are not oppressed and maybe they have never been. And that men are not oppressors. And that maybe women not only are not oppressed, but they are, as a whole, a priviledged demographic. This is not simply conceivable.

Hier wären also die Argumente:

  • Durch die Betonung, dass es andere Frauen schlechter haben würde die Einheitlichkeit der Frau als unterdrückte Klasse beeinträchtigt
  • Durch die Betonung, dass es in anderen Kulturen Frauenfeindlicher ist, würde die Unterdrückung durch Männer in der westlichen Welt klein geredet werden
  • Dies alles könnte zur Folge haben, dass Frauen im Westen als weniger unterdrückt erscheinen und ihre Unterdrückung als triviale Kleinigkeiten.

Nicht in diesem Text enthalten ist die weitere Einordnung in den Intersektionalismus. Wenn der weiße, heterosexuelle, christliche Mann nicht mehr der oberste Schurke ist, dann stimmt einfach die dortige Hierarchie nicht mehr und man müsste, wie es der Text auch erwähnt, den weißen Mann „aufwerten“ und gleichzeitigt PoCs angreifen. Während man bestimmte Umstände in anderen Ländern noch auf die Kolonialzeit zurückführen kann und so wieder dem „weißen Mann“ zuordnen kann, wird dies beim Islam, der nie wirklich einen weißen Hintergrund hatte, schwierig.

Damit wäre Kritik am Islam nahe am Rassismus, da er das Dogma der Schuld des weißen Mannes in Frage stellt. Es wäre auch problematisch, weil der Islam nicht in  die klassischen Schemata einzuordnen ist, die eben vorgeben, dass die, die gesellschaftlich die meiste Macht haben, die sein müssen, die die Regeln vorgeben und die anderen unterdrücken.

Die verschiedenen Ebenen des intersektionalen Feminsmus erfordern hier also, dass man zu solchen Thema am besten schweigt. Allenfalls darf man darauf hinweisen, dass Frauen aus diesen Kulturkreisen damit nicht einverstanden sind und man sie darin unterstützt (aber ihnen gleichzeitig nicht die westlichen Regeln aufdrückt oder sich ihre Symbole aneignet  und sie natürlich machen können, was sie wollen).

4. Disclaimer

Kommentare, die an Einzelfällen die Fürchterlichkeit des Islams und den Untergang des Abendlandes darlegen wollen, bitte ich in anderen Blogs unterzubringen, hier werde ich sie löschen, da es nicht das Thema ist.

Das Mitnehmen von Vorteilen für Frauen aus dem Feminismus und das Potential für Widerstand

„Toxicvanguard“ schreibt in einem Kommentar:

du müsstest die Frauen in erster Linie dazu bringen einige ihrer Vorrechte aufzugeben. Von 1920 an haben Frauen nichts anderes gemacht als den Vorteilen, die die Feministinnen vorgeschlagen und rechtlich erarbeitet haben, zuzustimmen. Wie Karen Straughan (GWW) richtig gesagt hat :

But who has the “everywoman” sided with? What has the “everywoman” done? The non-radical, non-exceptional woman has consistently sided with feminist-won benefits and privileges, with little concern for men until the moment they were victimized by the changes through a man they love.

Und das ist im Grunde alles, was jemals dazu gesagt werden muss. Frauen wollen Vorteile auf Kosten der Männer. Kein logisches Argument wird sie jemals davon abbringen und keine Aufhebung von irgendwelchen Tabus bezüglich Kritik wird da irgendetwas ändern, weil die Frauen die Vorteile wollen und gesellschaftlich absolut bereit sind, die daraus entstehenden Nachteile auf Männer abzuwälzen.

Darum ist jede ideologische Auseinandersetzung mit dem Feminismus mit dem Ziel die Ideologie zu bekämpfen um die nicht-feministischen Frauen von Gegenteil zu überzeugen dem Untergang geweiht. Denn wenn 90 von 100 Frauen für feministische Gesetzgebung stimmen, weil sie gerne Geld von ihrem Exmann hätten und du nun das Patriarchat widerlegst, dann stimmen immer noch 90 von 100 Frauen dafür ihren Exmännern das Geld wegzunehmen, weil sie nicht wegen dem Patriarchat dafür oder dagegen gestimmt haben, sondern weil sie gerne mehr Geld hätten. Feminismus liefert nur den ideologischen Überbau für ein solches Konstrukt.

Feminismus wird es dann schwer haben, wenn Frauen durch den Schaden, den sie indirekt Männern durch unfaire Gesetzgebung zufügen, selbst geschädigt werden. Sprich wenn die Männern nicht mehr wollen oder die wirtschaftlichen Verhältnisse sich zu stark zu Ungunsten der Männer entwickeln und keine Partner mehr übrig bleiben, die den Ansprüchen genügen (Siehe “Where have all the good Men gone”, bereits ein Massenphänomen in Amerika/UK).

Ich finde da wird recht schnell eine Handlung und Unterstützung unterstellt, wo sie gar nicht vorhanden ist. Den meisten Frauen ist weder bewußt, was feministische Theorie ist, was diese eigentlich vertritt, wie die Gesetze für Unterhalt eigentlich ausgestaltet sind und was das Familienrecht für den Fall einer Trennung so vorsieht.

Und in einer parlamentarischen Demokratie stimmt erst einmal niemand per se für ein bestimmtes feministisches Gesetz. Man stimmt für eine gewisse Regierung.
Schaut man sich die Wahlen an, dann haben Frauen nicht 78 80% die feministischeren Parteien wie die Grünen gewählt, sondern tatsächlich in der Mehrheit die CDU. Das mag daran liegen, dass es mehr alte Frauen gibt, aber dennoch, auch diese lassen sich scheiden. Die CDU ist insofern erst einmal die „unfeministischste Partei“ die wir in Deutschland haben. Sie macht dies vielleicht durch ein konservatives Weltbild, dass ebenfalls auf eine Absicherung für Frauen ausgerichtet ist, wett, aber das ist dennoch erst einmal keine „feministische Gesetzgebung“.

Hier möchte ich noch einmal meine These in den Raum stellen, dass man dem Feminismus nicht zuviel Macht zugunsten konservativer Frauenförderung einräumen sollte. Die letztere Ausrichtung ist für Männer durchaus gefährlich.

Aus meiner Sicht kann man den radikalen Feminismus (also auch den gegenwärtig vorherrschenden Poststrukturalistischen Feminismus) durchaus auch mit weiblicher Unterstützung bekämpfen: Denn er verkörpert viele Ideen, die keineswegs vorteilhaft für Frauen sind oder von diesen gewollt sind. Das dortige Bild der Frau als dem Manne gleich teilen durchaus nicht alle Frauen, sie mögen „maskuline Männer“ und wollen gar keine Männer, die beständig ihre Privilegien hinterfragen.Genauso wenig wollen sie beständig enthusiastischen Konsens darstellen müssen, wenn sie mal Sex wollen oder wegen jedem Eskalationsschritt gefragt werden. Sie sind gar nicht an einer Dämonisierung von Männern interessiert und diese ist auch gar nicht notwendig, um im Unterhalt etc gut dazustehen.

Die Ausrichtung des Feminismus, die über diese Ziele hinausgehen, sind insofern gar nicht mit der Art von Feminismus vergleichbar, der weiblichen Interessen nutzt.

Ganz im Gegenteil: Vieles im Feminismus wird gerade von Frauen als problematisch angesehen, die konservative Geschlechterrollen mögen. Die also Kinderbetreuen wollen in einer Ehe mit Arbeitsteilung und die gar nicht unbedingt Karriere machen wollen und insofern vielleicht gar nicht daran interessiert sind, dass sich die Geschlechterrollen auflösen.

Dieser – teilweise auch für Männer negative – Widerstand von Frauen gegen den Feminismus wird in der obigen Position weit unterschätzt. Man muss die Nachteiligkeit der Feministischen Theorie für Frauen soweit eben nur deutlich machen.

Women against Feminism – Frauen gegen den Feminismus

Women against Feminsm oder Frauen gegen Feminismus ist eine Aktion, die ich sehr schön finde. Darin stellen Frauen dar, warum sie gegen den (vorherrschenden) Feminismus sind.

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Dabei scheinen mir insbesondere die folgenden Argumente häufig vorzukommen

  • Ich bin nicht unterdrückt
  • ich mag Männer und sehe sie nicht als Feind
  • Ich möchte kein Opfer sein
  • Ich fühle mich in traditionellen Geschlechterrollen wohl und möchte deswegen nicht angefeindet werden
  • mir nahestehende Männer wie mein Sohn etc sind nicht der Feind
  • Feminismus ist nicht mehr auf gleiche Rechte ausgerichtet, sondern auf Frauenbevorzugung
  • Es ist unlogisch und geht von Unterdrückung/Diskriminierung aus, wo keine ist.
  • Feministinnen sind zu intolerant und beleidigen einen /greifen einen an, wenn man ihnen nicht zustimmt.

Zudem finden sich auch einige andere schöne Grafiken dort:

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Das traurige Gegenargument des Feminismus ist in der Regel lediglich:

  • Feminismus ist laut Lexikon für Gleichheit und Gerechtigkeit, also sind wir die Guten. Was wir darüber hinaus vertreten ist unbeachtlich
  • Ihr braucht Feminismus, ihr seid Opfer, ihr bemerkt es nur nicht
  • All das könnt ihr überhaupt nur sagen /haben, weil wir Feminsten für eure Rechte kämpfen
  • Wir mögen Männer doch!

Das verkennt natürlich, dass sich Feminismus inzwischen in vielen Ausrichtungen weit von dieser Definition entfernt hat. Es geht eben um eine ganz spezielle Form von Gleichheit und Gerechtigkeit, die stark auf Annahmen einer Unterdrückung von Frauen durch Männer aufbaut und erfordert, dass man Konstruktionen wie das Patriarchat, die Rape Culture, die Privilegierung aller Männer und die Opferrolle aller Frauen ebenso akzeptiert wie solche totalitären Konzepte wie Definitionsmacht etc.

Auf eine echte Argumentation lässt sich der Feminismus nicht ein, er verweist eher trotzig darauf, dass der Feminismus gut, gut, gut ist. Und eben auch darauf, dass man Männer nicht hasst, auch wenn man sie oder eben ihr Verhalten für alles schlechte verantwortlich macht, was auf dieser Welt geschieht. Eigentlich sagen die oben dargestellten Bilder genug aus und wiederlegen diese Argumente hinreichend.

Frauen, die sich gegen den modernen Feminismus aussprechen, werden anscheinend wesentlich mehr wahrgenommen als Männer. Deren Vorteil ist, dass sie der angeblich „unterdrückten Gruppe“ zugehören und insoweit nicht in Verdacht stehen, dass sie direkt davon profitieren. Sich Frauen anzuschließen, die sagen, dass etwas frauenfeindlich ist, ist insofern unverdächtiger.

Aus meiner Sicht schadet das aber nicht. Um so mehr Leute erkennen, dass Feminismus eben nicht einfach nur Gleichberechtigung ist, um so besser. Aktionen dieser Art zeigen insofern auch, warum es sich lohnt, Frauen nicht als Feinde wahrzunehmen.

Weitere Artikel dazu:

(Wer weitere hat: gerne in den Kommentaren was dazu schreiben, ich ergänze dann)

Theresa Bäuerlein und Friederike Knüpling: Tussikratie

in einem Interview in der Brigitte erläutern die Autorinnen des Buches „Tussikratie“ einige ihrer Thesen:

Sie schreiben in Ihrem Buch: „So einen guten Ruf wie heute hatten Frauen in Deutschland noch nie.“ Das ist doch eine gute Nachricht. Warum gönnen Sie das den Frauen nicht?

Theresa Bäuerlein: Es ist nicht so, dass wir es den Frauen nicht gönnen, wir sind ja selber welche. Wir kritisieren, dass Frauen heute entweder als Weltenretter dargestellt werden, oder als arme Opfer, die von den Männern unterdrückt werden. Das ist ein Widerspruch, der verwirrend ist und unangenehm. Die beiden Extreme verstellen den Blick dafür, wie die Welt wirklich ist.

Es ist aus meiner Sicht kein Widerspruch, denn die diesbezügliche Geschichte lautet ja „Gegenwärtig werden Frauen unterdrückt, soweit sie sich aus der Unterdrückung befreien, wird die Welt besser“. Dabei muss man je nach Feminismus unterscheiden: In einem Differenzfeminismus liegt das an der besseren Art der Frauen, die eben eher Leben schaffend und nicht zerstörend sind, im einem poststrukturalistischen Genderfeminismus kann man das natürlich nicht so klar benennen, da sind Frauen lediglich der beste Garant dafür, dass jemand nicht nach dem Schema einer hegemonialen Männlichkeit auftritt und insoweit für eine bessere Welt sorgt. Hier liegt häufig der eigentliche Widerspruch, da man dann eben nicht bei einer höheren Frauenbeteiligung eine Verbesserung erreichen würde, sondern auch bei mehr Männern mit einer nichthegemonialen Männlichkeit, die also nicht „Mackerhaft“ auftreten, wobei dazu dann natürlich wieder gehören würde, dass sie Frauen im gleichen Maße an die Spitze lassen würden etc.

Theresa Bäuerlein: Natürlich sind wir in einer Übergangszeit. Aber ich halte es nicht für selbstverständlich, dass diese Zeit zu einer gleichberechtigten Gesellschaft führt. Im Moment sieht es eher so aus, als ginge es darum, den Spieß umzudrehen. Nach dem Motto ‚Die Männer haben es versaut, jetzt müssen die Frauen es richten.‘

Wäre interessant, wie sie es im Buch darstellen, denn es gibt ja die Theorie im vorherrschenden Feminismus so nicht wieder (wenn auch den abstrakteren Gedanken, der da mitschwimmt) und bietet insofern auch ein Einfallstor für Kritik. Es ist eben weniger „Männer haben es versaut“ als vielmehr „bestimmte Aspekte von Männlichkeit führen zur Unterdrückung des sozial geschaffenen Konstrukts Frau, Personen unter diesem Label können sich dadurch nicht entfalten und haben Nachteile, während die Männer dadurch privilegiert sind, in einer Welt nach unseren Vorstellung ginge es dagegen alles gut und jeder hätte gleiche Chancen, wir müssen die Rollen durchbrechen, indem mehr Frauen nach oben kommen, die noch nicht diese schädliche männliche Rolle verinnerlicht haben“.

In der Sache geht es aber ja durchaus in die Richtung und der Gedanke einer Umkehr im Sinne eines „wir waren Jahrtausende unterdrückt und ihr beschwert euch, wenn euch bei der Angleichung ein paar Privilegien weggenommen werden, dass ist doch keine Diskriminierung“ verschleiert im Feminsmus diesen Gedanken eher schwach, weil ja tatsächlich natürlich Gruppennachteile zugewiesen werden sollen und die Gründe für andere Verteilungen nicht untersucht und einfach von einer Diskriminierung ausgegangen wird.

Friederike Knüpling: Wir glauben, dass die ganze Gleichstellungdebatte den Frauen nicht guttut. Sie beschert ihnen eben nicht eine ‚Hochzeit in der Weltgeschichte der Frauen‘, wie es oft beschrieben wird. Es überfordert viele Frauen, dass sie ständig als diejenigen, die die Männer endlich überrunden sollen, dargestellt werden. Es ist eine schwierige Welt, in der wir leben, und die Probleme, die wir haben, müssen Männer und Frauen gemeinsam lösen.

Das finde ich eine interessante Aussage, die denke ich durchaus etwas für sich hat: Natürlich schafft auch die Rolle der Frau, die es jetzt den Männern zeigen muss und auch Karriere machen muss, einigen Druck, gerade wenn man eigentlich vielleicht auch etwas kürzer treten möchte und Kinder bekommen und dann „etwas von den Kindern haben“ möchte. Denn damit sind alle Wege irgendwie belastet: Der Karriereweg macht sie zur Rabenmutter oder Kinderlos, der Mutterweg erfüllt die Erwartungen nicht, dass sie auch Karriere macht und der Mittelweg bedeutet, dass sie in beiden Richtungen Kompromisse macht. Letztendlich ist das Baby eben kein Feminist. Und hier kann dann eben der Gedanke, dass man bestimmte Probleme einer Familie eben gemeinsam löst und dies auch mit Kompromissen – häufig bei ihm bei der Zeit, die er mit den Kindern verbringt und bei ihr mit der Zeit, die sie an ihrer Karriere arbeitet verbunden ist. Wenn es als kooperatives Spiel um die Organisation einer Familie dargestellt wird ist es eben etwas anderes als wenn man sich selbst nur als ein Spielstein in einem Kampf der Gruppe Frau um Macht mit der Gruppe Mann in einem Nullsummenspiel sieht.

Theresa Bäuerlein: Die ‚Tussi‘ ist für uns keine bestimmte Person, sondern eine innere Haltung, die heute viele haben, Frauen wie Männer. Sie legen an jedes Thema die Perspektive der Frauenbenachteiligung an. Auch dann, wenn eigentlich andere Fragen wichtiger wären.

Friederike Knüpling: Auf diese Weise werden Geschlechterrollen eher zementiert als aufgelöst. Theresa und ich haben festgestellt, dass wir uns in den letzten Jahren durch die vielen Beiträge zur Frauenfrage plötzlich viel stärker ‚als Frauen‘ wahrgenommen haben als früher. Oft behindert uns das aber. Es kann einem die Energie nehmen, die in individuellen Zielen steckt. Stattdessen sieht man sich als eine von denen, die unweigerlich Opfer von Diskriminierung sind, selbst wenn sie das selbst vielleicht gar nicht spüren.

Das ist ein sehr zentraler Kritikpunkt, den ich auch schon häufiger gemacht habe: Nirgendwo ist die Frau mehr Opfer im Feminismus, nirgendwo ist ihre Lage düsterer („ Für ganz viele Frauen ist es extrem schlimm einfach schon auf die Straße zu gehen), nirgendwo lauert mehr Übel auf sie und nirgendwo ist jeder evtl Nachteil so eng mit dem Geschlecht verbunden. 

Wenn eine Frau nicht Karriere macht, sich für das falsche Studium entscheidet, lieber Mutter sein will oder einen Mann küsst, dann liegt das eben nicht an ihrer freien Entscheidung, sondern an den sexistischen Strukturen dieser Gesellschaft, einer strukturellen Diskriminierung, einer fest eingezogenen undurchlässigen Decke und dem Patriarchat. Dieser Feminismus bedient sich insoweit auch stark der „Female Hypoagency“ also der weiblichen Unterverantwortung und ist gerne ein Unmündigkeitsfeminismus.

Theresa Bäuerlein: Ja, aber es ist schon so, dass nur bestimmte Meinungen erlaubt sind. Wir nennen das auch ‚Diskurspolizei‘. Wer es wagt, ein anderes Bild von einer Frau zu zeichnen, von einer, die vielleicht keine Führungsposition oder keinen Job in einer Männerbranche will, wird abgestraft. Uns stört auch der Gruppenzwang. Wenn eine Frau keine Kinder möchte oder sich nicht automatisch auf die Seite der Mütter schlägt, wird sie angegriffen. Als würden alle Frauen das Gleiche wollen oder denken. Eine offene Diskussion sieht anders aus.

Die Diskurspolizei ist etwas sehr zutreffendes, im Diskurs darf eben falschen Positionen kein Raum gegeben werden. Es gibt auch gerade, weil es um eine Identitätspolitik des größtmöglichen Opfers und der Anerkennung und des Schutzes dieses Opfers geht kaum ein richtig, aber sehr viel falsch. Es ist insoweit ein „Nicht-Gut-Genug-Aktivismus„.

Sie sagen „Männer können heute nur alles falsch machen.“ Tun Ihnen die Männer leid?

Das an sich ist schon einmal eine interessante Frage. Man stelle sich vor, wie sie im sonstigen Netz-Gender-Feminismus beantwortet werden würde. Leidtun? Wenn sie alle Privilegien dieser Erde haben? Mimimi!!

Friederike Knüpling: Ich denke, dass Männer genauso von Rollenbildern eingeschränkt werden wie Frauen. Männer haben es zum Beispiel scheinbar viel schwerer, im Beruf auf Teilzeit zu gehen und sich mehr um die Familie zu kümmern. Es kommt mir oft so vor, als hätten Frauen insgesamt mehr Möglichkeiten zu wählen, auch in dem, was sie erleben wollen, was sie fühlen und artikulieren dürfen. Das zeigt sich schon in der Mode. Frauen können sich viel mehr ausdrücken, heute einen Anzug tragen und morgen ein Blumenkleid. Die Mode für Männer ist viel einseitiger.

Das ist ja durchaus ein positives Statement, dass aus meiner Sicht noch nicht einmal so umstritten sein sollte. Es wird im Netz-Gender-Feminismus vielleicht auch durchaus geteilt, nur eben mit dem Zusatz „daran sind aber die Männer selbst schuld, weil die einschränkenden Rollen ja alleine durch die hegemoniale Männlichkeit/das Patriarchat definiert werden. In unserer feministischen Welt würde das auch alles wegfallen und jeder kann tragen was er will (es sei denn was mackerhaftes! Das geht nicht!).

Theresa Bäuerlein: Mir tun die Männer leid, weil sie bislang keine echte Männerbewegung hatten. Und offenbar glauben, das bräuchten sie nicht. Es gibt zwar ein paar Gruppen, die sich zu Wort melden, aber das ist ein wütender Protest, der nicht viel bewirkt. Es geht selten darum, was Männer wirklich wollen. Das fängt bei den Kindern an: Den Mädchen wird beigebracht, dass sie alles einfordern sollen, was sie möchten. Und den Jungen bringen wir bei, sich zurückzunehmen. Wir schlagen ihnen vor, Berufe wie Erzieher oder Altenpfleger zu wählen, von denen Mädchen jetzt auch gern mal abgeraten wird. Und trotzdem wird am Ende der Hausmann, der mit selbstgebackenem Kuchen in der Kita erscheint, belächelt. Wir alle müssen unser Männerbild hinterfragen und über echte Wahlmöglichkeiten sprechen.

Auch das ein sehr interessantes Statement. Würde mich interessieren, ob die beiden Autorinnen sich die „maskulistische Blogszene“ angesehen haben, so gesehen haben sie ja durchaus recht, wir schreiben hier zwar so einiges, aber die erreichte Öffentlichkeit ist dabei noch relativ gering im Vergleich zum Feminismus.

Auch eine aus dem gängigen Netzfeminismus so wohl nicht zu hörende Position: Mädchen wird beigebracht, etwas einzufordern, Jungen sich zurückzunehmen. das ist mit der gängigen Vorstellung, dass Frauen zur Passivität erzogen werden und daraus alle späteren Karrierenachteile herrühren nicht in Einklang zu bringen.

Und dann wird auch noch angeführt, dass bei den Männern zwar eine Abweichung vom Rollenbild gefordert wird, dass Ergebnis aber eben gerade für Frauen nicht attraktiv, sondern eher lächerlich ist. Also ein gewisser Bezug dazu, dass auch das weibliche Partnerwahlverhalten die Geschlechterrollen stützt und bewirkt.

Ein erfreulicher frischer  Wind.

Und es geht ähnlich weiter:

Nun, dabei könnte helfen, den Frauen die gleichen Gehälter wie den Männern zu zahlen. Sie kritisieren aber den Umgang mit dem ‚Gender Pay Gap‘ im Buch.

Theresa Bäuerlein: Das ist einer der Punkte, wo Frauen sich unglaubwürdig machen, weil sie die Fakten verzerren. Es wird so getan, als würden alle Frauen grundsätzlich 22 Prozent weniger verdienen als Männer, was einfach nicht richtig ist.

Friederike Knüpling: Die 22 Prozent kommen durch viele verschiedene Faktoren zustande. Die müssen wir uns genau anschauen, aber wir können nicht so tun, als sei die Frau grundsätzlich das arme Opfer und Diskriminierung der alleinige Grund. Diese Einstellung verstellt den Frauen den Weg.

Das ist eine Form der feministischen  Betrachtung, wie ich sie mir durchaus wünsche. Nämlich mit Blick auf die Fakten und dem Mut, auch alte feministische Mythen anzusprechen und sie als nachteilhaft zu benennen. Denn gerade eine falsche Darstellung des Gender Pay Gap schreckt eben doch wohl eher Frauen ab und die Faktoren sind keineswegs so einfach einer Diskriminierung zuzuordnen, sondern eben teilweise auch einfach anderen Lebensentscheidungen mit anderen Schwerpunkten.

Hiergegen wird der Netz-Gender-Feminismus eben anführen, dass ja diese Lebensentscheidungen und Schwerpunkte auch nur eine Folge der Geschlechterrollen sind, die diskriminierend zu Lasten von Frauen wirken. Wären diese nicht vorhanden, dann würde es genau so wenig Unterschiede in der Wahl von Frauen und Männern geben, wie zwischen blonden und braunhaarigen Menschen, denn auch das Geschlecht ist ja nur eine Konstruktion, bei der an bestimmten körperlichen Merkmalen gesellschaftliche Rollen festgemacht werden.

Das das Thema Geschlecht nicht so einfach ist und die Biologie hier erheblich hineinspielt wird insofern nicht wahrgenommen, dass Frauen eine bewußte, ihnen durchaus vorteilhaft erscheinende Lösung wählen, die ihren Vorlieben entspricht, auch nicht.

Theresa Bäuerlein: Am Ende haben Frauen noch ein schlechtes Gewissen, weil sie sich einen dieser ‚weichen Jobs‘ ausgesucht haben, für die man so schlecht bezahlt wird. Ich selbst habe manchmal das Gefühl, dass es cooler und politisch korrekter gewesen wäre, Physik zu studieren statt Journalistik. Viele Frauen glauben, sie müssten für die Sache der Frau Karriere machen und stellen eigene Wünsche zurück. Das bringt uns doch nicht voran.

In der Tat vergrößert so gesehen jede Studentin, die Gender Studies statt Physik studiert, den Gender Pay Gap. Dennoch scheint man dort nicht nach dieser Ansicht im 2. Semester auf Physik zu wechseln und so aus den zugewiesenen Rollen auszubrechen.

Aber ist es nicht schon wieder ‚typisch Frau‘, dass wir uns gegenseitig anzweifeln? Dass Sie also diejenigen, die Frauen fördern wollen, kritisieren statt sie zu unterstützen?

Friedrike Knüpling: Nein, wir wollen auf gar keinen Fall sagen: Frauen, lasst jetzt mal die armen Männer in Ruhe. Wir wollen Frauen nur bewusst machen, dass sie sich selbst beschränken, wenn sie sich als Repräsentantin des gesamten Geschlechts betrachten.

Theresa Bäuerlein: Frauen sollten sich schon bewusst sein, dass es noch Probleme gibt, aber trotzdem nicht ständig mit einem Opfergefühl durch die Welt laufen. Wir müssen unterscheiden können, ob wir schlecht behandelt werden, weil wir eine Frau sind – oder ob es um mich als Person geht. Es kann ja auch mal sein, dass ich einen Job nicht gut mache oder mich die Kollegen nicht mögen.

„Wir müssen unterscheiden können, ob wir schlecht behandelt werden, weil wir eine Frau sind – oder ob es um mich als Person geht“. Also nicht bei jeder kleinen Sache sofort auf die patriarchischen Strukturen verweisen und alle anderen dafür verantwortlich machen? Die eigene Unmündigkeit aufgeben und das eigene Verhalten hinterfragen? Also in gewisser Weise Opferblaming machen? („habe ich mich dem Patriarchat nicht gut genug angedient,  verdammt nein, noch radikaler, habe ich vielleicht was falsch gemacht?“)

Ich halte den zitierten Satz für sehr wichtig in der Geschlechterdebatte. Nicht alles passiert, weil man unterdrückt wird. Und wer überall Unterdrückung sehen will, der wird sie auch sehen, dass bedeutet aber nicht, dass sie unbedingt dort ist.

Was für eine Debatte wünschen Sie sich?

Friedrike Knüpling: Ich wünsche mir, dass wir mehr über Ungleichheit generell reden, unabhängig vom Geschlecht. Nicht jeder Mann ist Chef und nicht jeder Mann verdient gut. Chancengleichheit hat auch etwas mit sozialer Herkunft, Branchenzugehörigkeit oder Alter zu tun. Es gibt ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass die soziale Mobilität ’nach oben‘ zu gering ist, um diejenige aufzuwiegen, die ’nach unten‘ geht. Oben gibt es die gläserne Decke – aber keineswegs nur für Frauen, und auch nicht für alle von ihnen. Unten wiederum hat man dünnes Eis, während die Mieten munter steigen … Die Sorge, dass nur ja viele Frauen schick Karriere in diesem System machen mögen, ist mir zu kurz gedacht, denn an der Weise, wie gearbeitet und das Geld verteilt wird, ändert sich durch ein paar Karrieren nicht viel. Darüber sollten wir sprechen, das bringt die Gesellschaft wirklich weiter.

Auch ein schöner Hinweis auf die im Feminismus weit verbreitete Apex Fallacy, also den Gipfel-Trugschluss und die Theorie dort, dass Privilegien nach Gruppen, also zB Mann und Frau verteilt werden. Zwar nur mit dem Hinweis auf weitere Kategorien verbunden und insoweit in gewisser Weise auf einen Intersektionalismus, so dass auch hier viele Feministinnen sagen werden, dass es doch genau das ist, was sie eh längst vertreten, aber immerhin.

 

Das Anfeinden von Frauen im Maskulismus wegen der Unterstellung feministischer Positionen

Immer wieder Thema hier ist der Umgang mit weiblichen Kommentatoren, bei denen zu häufig ein Schwarz-Weiß-Denken auftreten soll.

Ich halte es ja generell für richtig, möglichst sachlich zu diskutieren, gerade mit Leuten, die andere Auffassungen als man selbst vertreten. Daran versuche ich mich zu halten, wobei es sicherlich auch nicht immer klappt oder jeder meinen Versuch sachlich zu diskutieren, gleich bewertet. Auch mir ist es schon passiert, dass ich jemanden eine Position zugeordnet habe, die er gar nicht vertreten hat, auch wenn ich versuche, dass zu vermeiden und lieber zu fragen, was diejenige eigentlich vertritt.

Ich finde es nämlich selbst häufig nervig, wenn mir Positionen unterstellt werden, die ich gar nicht vertrete, etwa einen Essentialismus bzw. eine pauschale Zuweisung von Eigenschaften nach Geschlecht ohne Differenzierung. Allerdings habe ich dann den Vorteil auf eine recht umfangreiche Sammlung von Artikeln verweisen zu können, was sicherlich ein Vorteil ist. Zudem hat es sich als recht effektiv herausgestellt deutlich zu betonen, dass man das eben gerade nicht vertritt. Dennoch kann ich verstehen, wenn es Leute abschreckt, sich auf Diskussionen einzulassen.

Der Vorhalt sie als Frau wäre Feministin oder sogar sie als Feministin müsse dies oder jenes vertreten geht aus meiner Sicht vollkommen ins Leere und zeigt allenfalls, dass man ein recht undifferenziertes Feindbild aufgebaut hat. Es gibt genug Gründe für Frauen gegen einen radikalen Feminismus zu sein. Und natürlich erkennen auch viele Frauen das und gleichzeitig die dünnen theoretischen Fundamente, auf denen der radikale Feminismus steht.

Wortschrank hat einmal in einem sehr interessanten Beitrag geschrieben:

Es gibt keine “Masku-Allies”. Es ist ein Paradox für Menschen, die echte Augenhöhe anstreben. Diejenigen, die in meiner Twitterblase als Maskus bezeichnet werden, bestehen gut zur Hälfte aus Männern und Frauen. Aber das Interessante ist: Es spielt eigentlich überhaupt keine Rolle, wer von uns welchem Geschlecht angehört. Wir teilen uns in vielen Themen eine Meinung. Sicher nicht in allen, aber in vielen. Das macht Freunde und Freundeskreise aus und auch, dass man andere Meinungen neben seiner einfach auch erträgt, vielleicht sogar daraus lernt und sich entwickelt.

Und deswegen gibt es keine Masku-Allies, weil wir keine Erwartungshaltung (mehr) gegenüber dem anderen Geschlecht haben und somit auch keinen starren Verhaltenskatalog vorlegen können oder wollen. Bei uns ist die Augenhöhe und Gleichberechtigung schon lange angekommen und gemeinsam haben wir, dass wir jene zur Diskussion herausfordern, die glauben, nur 3000 Jahre Matriarchat seien die richtige Antwort auf 3000 Jahre Patriarchat.

Das wäre etwas, was ich mir auch für Diskussionen hier wünschen würde: Unabhängig vom Geschlecht einfach mal schauen, was derjenige vertritt und Frauen nicht auf eine Rolle wie den Mann im Feminismus zurechtstutzen, in dem er die Klappe zu halten hat zurechtstutzen. Aus den Fehlern des Feminismus lernen und gerade kein Feindbild Frau aufbauen, sondern offen auf die Leute zugehen und mit ihnen diskutieren, auch wenn sie nicht mit einem übereinstimmen. Frauen als Mitstreiter für die gemeinsame Sache ins Boot zu holen hat glaube ich enorme Vorteile für den Maskulismus. Gerade wenn auch Frauen deutlich machen, dass der radikale Feminismus nicht ihre Zustimmung findet und sie maskulistische Ansichten als berechtigt ansehen, dann kann man damit eine erhebliche Hürde überwinden und insbesondere auch den Feindbildaufbau „Die wollen nur Frauen unterdrücken“ erschweren. Gerade damit schreckt man nämlich auch viele Männer ab, sich offiziell für solche Ziele einzusetzen.

Zudem ist eine Bewegung, die sich auf breitere Teile der Gesellschaft stützt eben auch eher erfolgreich.

Und selbst wenn eine Frau hier feministische Theorien vertreten sollte man aus meiner Sicht sachlich mit ihnen diskutieren. Denn gerade dann besteht die beste Möglichkeit für andere Leser die Lücken in den Theorien deutlich zu machen. Ich würde daher jederzeit feministisch Gastbeiträge einstellen, wenn eine Feminstin oder ein Feminist hie seine Sache argumentativ vertreten will, weil ich recht überzeugt davon bin, dass ich gute Gegenargumente finde (und wenn nicht, dann sollte das nicht Grundlage für eine Ausblendung dieser Meinung sein, sondern für ein kritisches Hinterfragen meiner eigenen Meinung). Aber auch gerne einfach eine weibliche Sicht auf die Debatte auf eine bestimmte Position, sei es zum Thema Flirten, Gleichberechtigung oder sonstigen Themen. Ich denke nach wie vor, dass letztendlich eine gesellschaftlich akzeptable Lösung beide Perspektiven berücksichtigen muss.

Natürlich sollten im Gegenzug auch Frauen nicht überempfindlich reagieren, wenn Theorien von ihnen hinterfragt werden oder alles gleich als Angriff auf sich sehen. Hier wäre ein gegenseitiges sachlich werden sicherlich hilfreich für die Diskussion.

Feministische Fehlschlüsse: Kritik am Feminismus ist keine Kritik an Frauen

Leser David stellt einen häufigen feministischen Fehlschluß bzw. eine beliebte Diskursstrategie im Feminismus dar, nach dem Kritik an feministischen Theorien als Kritik an Frauen umgedeutet wird:

Zur Debatte um Rauchen in der Schwangerschaft schrieb er auf einen Kommentar hin:

Typische feminist fallacy: Kritik am Feminismus ist Kritik an Frauen.

Die allerwenigsten Frauen betrifft das. Frauen sind die größten Gegner von verantwortlungslosem und kindsschädigendem Verhalten

Aber für Feministinnen sind ungeborene Kinder nun mal nicht mehr als Zellhaufen, da beißt die Maus keinen Faden ab.

Während die Mutter natürlich während der Schwangerschaft ganz ganz besonderem Schutz bedarf. Sie ist schließlich schwanger. Nicht der Zellhaufen.

Es ist sozusagen das Gegenstück zu „wenn du für Gleichberechtigung bist, dann bist du Feministin„. Bei beiden wird versucht die Interessen der Frauen deckungsgleich mit den Forderungen des Feminismus darzustellen.

Beides kann aber, wie das Beispiel zeigt, stark voneinander abweichen und wird es auch häufig tun, denn viele Frauen halten ebenfalls nichts von den extremen Gendertheorien und haben ein weit geringeres Feindbild gegenüber Männern als es die Gendertheorien mit ihrem Vorwurf der Rape Culture und der patriarchischen Unterdrückung verlangen.