„Echte Gleichberechtigung wäre es Männer für 1.000 Jahre zu unterdrücken, seien sie lieber für Feminismus“

Auf der sonst tatsächlich Humor gewidmeten Seite „College Humor“ findet sich ein großer feministischer Strohmann:

Echte Gleichberechtigung

echte Gleichberechtigung

echte Gleichberechtigung

(Hinweis: Zweites Bild nach Hinweis nachträglich eingefügt)

Der Comic ist aus vielen Gründen ein ziemlicher Strohmann, hier ein paar:

  • Er gibt eine falsche Definition von dem Gegenstück der Gleichheit, die der Feminismus will, an und errichtet damit eine künstliche Binarität, in der dann der Feminismus als die besser Wahl erscheint
  • Tatsächlich ist mit „real equality“ ja üblicherweise gemeint, dass man nicht den Mann als Sündenbock ausbaut, sondern Gleichberechtigung für beide Geschlechter zu erreichen versucht.
  • Der Verweis auf die Vergangenheit errichtet insofern einen falschen Zusammenhang, in dem als andere Möglichkeit nur ein „historischer Ausgleich“ dargestellt wird. Tatsächlich sind historische Ungleichheiten aber irrelevant, sofern man die Ungleichheiten der Gegenwart lösen kann.
  • Selbst die Darstellung der „Ausgleichsmaßnahmen“ ist grotesk.
    • Im ersten Bild müsste im Gegenzug dem kleinen Mädchen beigebracht werden, dass es zu arbeiten hat, dass es den Jungen zu beschützen hat, dass es ihn ernähren muss und das es kein Weichei sein soll.
    • Im zweiten Bild wäre zu bedenken, dass in genug Ländern auch der Mann erst einmal das Vermögen und die Stellung haben musste, die sicherstellt, dass er die Frau auch ernähren kann.
    • Das dritte Bild würde die Frau wohl auch kaum so glücklich fortziehen sehen. Es ist ja gerade eines der „Probleme“ zwischen den Geschlechtern, dass Frauen wenn sie können weitaus lieber zuhause bleiben und lieber ihre Arbeitszeit verkürzen. Sie suchen nicht nach einem Hausmann, dem sie fröhlich ein „Bleib nicht wach“ zurufen können, während sie ihre Karriere vorantreiben.
    • Es fehlt natürlich auch das Bild, wo die Frau freudig Unterhalt zahlt, es freudig zur Kenntnis nimmt, dass er die Kinder bekommt, freudig Versorgungsanwartschaften und Zugewinn abgibt, weil ihr Leben als Mann einfach perfekt ist. Ebenso wie ihre Freude darüber, dass man Wettbewerb von ihr erwartet, oder darüber, wie sie ihren Wehrdienst absolviert oder Überstunden macht.
  • Wahrer wäre es ein Bild darzustellen, in dem sie sagt, dass sie „echte Gleichberechtigung“ will und dann darauf hinweist, dass Benachteiligungen von beiden Geschlechtern abgebaut werden sollen, dass beide Geschlechter die Gesellschaft mitgestalten, dass Diskriminierungen nicht bereits durch ungleiche Verteilungen entstehen, sondern das „warum“ gründlich prüfen muss.

Oder wie ein Kommentator unter dem Artikel es ausdrückte:

You forgot the part where, men sit at home while women go to war, work at coal mines, oil rigs in the middle of the ocean and cleaning disgusting places that you didn’t even knew existed. You know, the things that are about 99% male jobs at the moment. I as a man can say that i will be more then happy to stay home, cook (which is something i really enjoy and am good at), clean, do house work, take care of the kids, while someone esle goes to work and provides everything for me for a few thousand years. I can go shoe shopping, buy my self something pretty, go to a beauty salon (a man have to keep up his looks after all) ….. sight…… idiots

Just FYI i probably have more female friends than male, and i have never in my life discriminated any of them just because of gender.If they do something wrong its not because of what gender they are but coz they stupid and they fucked up. And thats because to me they are people. Not women, not men, just people, who btw think the same way. And that is equality for you.

Oder hier:

I find it genunily dissapointing that as a man I must attone for my forefathers sins in life before true gender and racial equality can be reached.
I still can’t cry or not pay for dinner on a first date without being looked down upon by both men and women.
I still cannot be a stay at home father without feeling like I am failing as a man
I still cannot pick my children up from school without the teachers saying „tell mum parents day has changed“
In the past few decades equal rights has come on in leaps and bounds to the point that men of around my age and younger are treated as lesser citizens to rectify the abbohorant mistakes of previous generations. Please realise that we have been taught equality and not all men are these stereotypical „butthurt“ misogynistic assholes.

Oder hier:

so because your demographic had it worse in the history, which has nothing to do with your life as it is now, it is okay to blame half of the population for this. it is okay, because feels, to take revenge on random people, because they somehow resemble things you hate. pure enforcing collective responsibility. you claim to be smashing the patriarchy, yet fall into hate-driven way of thinking and silencing opposing voices. the irony.

Oder hier:

it’s not funny because it’s enforcing a political agenda in the form of a joke, which would only be funny if one agrees with said agenda and is a total cringe if you don’t (people (or their feelings) are not hurt btw, people are annoyed or they cringed.) Your comment shows you agree, so of course you find it funny because it reinforces your moral ego of being superior in your depiction of equalists.
However, reality is that equalists are former feminists who no longer want to stand by all the arguments that are espoused by feminists, and by these arguments I mean not just the ones expressed by any person who calls himself a feminist online, but also those of prominent feminists.
Arguments made by such feminists include blaming inequality on obscure notions such as patriarchy or other obscure social constructs, and many farfetched examples of sexism (such as that calling are girl cute is sexist because it implies some sort of inferiority).
When calling oneself a feminist, one alligns oneself with such arguments. It is the reason why I, since I have come across many of such arguments have been reluctant in considering myself a feminist. Of course this doesn’t mean I can’t acknowledge equality of men and women.
By equality is meant, equality of rights, and in a broader sense that every choice made by a women should have the same consequenses as if that choice would have been made by a man, if that choice is made under the same circumstances (and in considering these circumstances someone being male or female always has the same value)
I can also imagine many others have also felt the need to distance themselves from such poor arguments but did not want to drop the principle of equality of men and women. Which is why they would prefer to go by a stricter label that only expresses the approval of the principle of equality and not of the obscure sociological arguments or farfetched forms of sexism typically endorsed by feminists. This label is equalism.

Was mir dabei auffällt: Wann immer solche Sachen auf Seiten gepostet werden, die ansonsten diese Ideologien oder den Geschlechterkampf nicht behandeln, gerade Seiten, die sonst eher lustiges als Inhalt haben, kommt einiges an Gegenwehr. Und das durchaus mit vielen guten Argumenten. Ich beobachte das schon länger beispielsweise auch auf 9gag.

Christina Hoff Sommers: Wie kriegt man mehr Frauen (und Männer) dazu sich als Feministinnen (bzw. Feministen) zu bezeichnen?

Freundlicherweise wurde mir eine deutsche Erstübersetzung des Textes „How to Get More Women (and Men) to Call Themselves Feminists“ von Christina Hoff Sommers zugeschickt, der sich auf ihr Buch „Freedom Feminism“ bezieht. Er scheint mir ein Versuch zu sein, den Begriff Feminismus etwas zu Reframen und ihn in Richtung eines Equity-Feminismus zu entwickeln:

Wie kriegt man mehr Frauen (und Männer) dazu sich als Feministinnen (bzw. Feministen) zu bezeichnen?

Christina Hoff Sommers, 25. Juni 2013

Auf die Frage „Sind sie Feminist oder Feministin?“ antworten die meisten Amerikaner mit „Nein“. Eine vor kurzem von der Huffington Post/YouGov durchgeführte Umfrage verdeutlicht dies: Nur 23 % der Frauen und 16 % der Männer identifizierten sich als „feministisch“. So bekannte als auch unterschiedliche Frauen wie Taylor Swift, Sandra Day O’Connor, Marissa Mayer und Beyoncé lehnen diese Bezeichnung ab.

Die Emanzipation der Frauen ist eines der Ruhmesblätter der westlichen Zivilisation und eines der großartigsten Kapitel in der Geschichte der Freiheit. Warum hat der Begriff, der dieses Erbe bezeichnet, einen so schlechten Ruf?

Einige werden sagen, dass die Bewegung auf dem Rückzug ist, weil ihre wesentlichen Ziele erreicht wurden. Also warum sollte sie nicht einfach verblassen? Dies ist eine verständliche, aber dennoch falsche Schlussfolgerung. Obwohl die wesentlichen Kämpfe für Gleichberechtigung und gleiche Chancen innerhalb der Vereinigten Staaten ausgefochten und größtenteils gewonnen wurden, bleibt die Arbeit des Feminismus doch unbeendet. Über den ganzen Globus verteilt, kämpfen neugebildete Frauengruppen angesichts echter und oftmals gewaltsamer Unterdrückung darum zu bestehen. Die westliche Populärkultur beinhaltet starke Elemente von Frauenfeindlichkeit. Frauen haben weit mehr als Männer mit der Herausforderung zu kämpfen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen. Trotz des immensen Fortschritts für Frauen sind Frauen mit Kindern unverhältnismäßig stark von Armut betroffen.

Wer braucht den Feminismus? Wir. Die Welt. Aber eine effektive Frauenbewegung muss von ihrem gegenwärtigen Außenseiterstatus befreit werden. Jeder Mensch mit einem Interesse daran, den Status von Frauen in der Welt zu verbessern, sollte daran arbeiten eine Frauenbewegung zu schaffen, in der sich Frauen wiederfinden können. Ein realitätsbezogener, Männer respektierender, verständiger Feminismus könnte eine große Hilfe sowohl für Frauen in den Vereinigten Staaten als auch in der ganzen Welt sein. Ich nenne dies „Freiheits- Feminismus“ („freedom feminism“).

Freiheits-Feminismus steht für die moralische, soziale und rechtliche Gleichheit der Geschlechter – und für die Freiheit der Frauen ihren gleichberechtigten Status dazu zu benutzen um auf ihre eigenen vielfältigen Arten nach Glück zu streben. Freiheits-Feminismus steht nicht mit Weiblichkeit oder Männlichkeit auf Kriegsfuß und betrachtet Männer und Frauen nicht als miteinander verfeindete Stämme. Theorien von universeller patriarchaler Unterdrückung stehen nicht auf seinen Gründungstafeln. Ebenso wenig wie Gesinnungsprüfungen für Mitstreiter: er heißt Männer und Frauen quer durch das politische Spektrum willkommen. Einfach gesagt, bejaht Freiheits-Feminismus für Frauen, was er für jede Person bejaht: Würde, Fairness und persönliche Freiheit.

Ich habe diese gemäßigte Alternative entwickelt, indem ich die Geschichte der Frauenbewegung studierte. Seit ihren Anfängen im 18. Jahrhundert haben Reformerinnen unterschiedliche Positionen bezüglich Geschlechterrollen eingenommen. „Egalitaristen“ betonten die wesentliche Gleichheit der Geschlechter und versuchten Frauen von konventionellen Rollen zu befreien. Im Gegensatz dazu waren „Mutterschaftsorientierte Feministinnen“ nicht gegen Geschlechterrollen. Sie wertschätzten den Beitrag von Frauen als Ehefrauen und Mütter. Gleichzeitig suchten sie nach Wegen um Frauen größeren Respekt und Einfluss in der Öffentlichkeit zu verschaffen als auch mehr Schutz vor Missbrauch und Ausbeutung daheim.

Elizabeth Cady Stanton und Susan B. Anthony, Suffragetten des 19. Jahrhunderts, waren Egalitaristinnen; ihre Rivalin und unverzichtbare Verbündete im Kampf für das Frauen-Stimmrecht war die Temperenzler-Anführerin Frances Willard, eine überzeugte Mutterschafts-Feministin. Eleanor Roosevelt war ebenfalls lebenslang eine Mutterschafts–Feministin, die Männer und Frauen als gleichwertig, aber als verschieden ansah. Sie betrachtete das häusliche Leben als „vorrangiges Feld weiblicher Aktivität“, doch auf die Frage, ob der Platz einer Frau das Haus wäre, antwortete sie „natürlich, aber wenn sie sich wirklich um ihr Heim kümmert, dann wird sie weit herumkommen“.

Die Geschichte deutet darauf hin, dass es den Frauen am besten ergeht, wenn beide Bewegungen – die progressive und die konservative – zusammenarbeiten. Wie sieht es heute aus? In den Augen vieler hat sich die gegenwärtige Frauenbewegung in eine engstirnige Spartengruppierung links von der Mitte verwandelt. Die Mehrheit der Frauen wurde dabei zurückgelassen.

Freiheits-Feminismus kombiniert Aspekte sowohl der egalitären als auch der mutterschaftlich orientierten Tradition. Mit dem Egalitarismus teilt er die Abneigung gegen vorgeschriebene Geschlechterrollen: Frauen sollen frei sein, sich von Stereotypen der Weiblichkeit zu lösen, wenn dies ihre Wahl ist. Gleichzeitig respektiert er die Wahlmöglichkeiten freier und selbstbestimmter Frauen, wenn diese sich für konventionelle weibliche Rollen entscheiden. Freiheits-Feminismus steht für gleiche Chancen, aber beharrt nicht auf gleiche Ergebnisse.

In einer Umfrage von 2013 bezüglich moderner Elternschaft, fragte das Pew Research Center Mütter und Väter was sie als ihre „ideale“ Arbeitsaufteilung bezeichnen würden. 61 % der Mütter sagten, sie würden es vorziehen in Teilzeit zu arbeiten; oder gar nicht. Väter antworteten anders: 75 % bevorzugten es in Vollzeit zu arbeiten. Catherine Hakim, Soziologin an der London School of Economics, kam zu ähnlichen Ergebnissen als sie die Präferenzen von Frauen und Männern in Westeuropa untersuchte.

Nach Meinung von vielen in der zeitgenössischen Frauen-Lobby sind diese konventionellen Wahlentscheidungen der Beweis für verwurzelten Sexismus und verinnerlichte Unterdrückung. „Die persönlichen Entscheidungen von Frauen sind voller Ungerechtigkeiten“, so die „American Association of University Women“. Die „National Organization for Women“ weist auf „hartnäckige Stereotypen“ und eine „Unzahl an Formen von Sexismus“ hin, die Frauen zu besonderen Karrierewegen und Familienrollen „hinlenken“. Aber US-amerikanische Frauen gehören zu den am stärksten selbstbestimmten Frauen in der Geschichte der Menschheit. Warum nicht ihre Wahl respektieren?

Die selbe Frage könnte man stellen bezüglich der Art von Karrieren, die Männer und Frauen einschlagen. Auch nach 40 Jahren der Bewusstseinsbildung betätigen sich Frauen beruflich eher in Bereichen wie Lehrtätigkeit, Kinderbetreuung, Sozialarbeit, Pflege und Kinderheilkunde. Männer betätigen sich eher als Ingenieure, Automechaniker, Metallurgen und Bauarbeiter. Sind diese Trends das Ergebnis von Geschlechterdiskriminierung, einem feindlichen Umfeld oder unsichtbaren Barrieren wie Gender-Aktivistinnen nicht müde werden zu betonen? Es wäre möglich. Aber ist es nicht ebenfalls möglich, dass Frauen und Männer im Streben nach Glück einfach verschiedene Wege gehen? Freiheits-Feminismus respektiert anhaltende menschliche Bestrebungen.

Frauen sind vielfältig. Trotz mehrerer Jahrzehnte des Warnens und Anprangerns bezüglich traditioneller Geschlechterrollen ist das häusliche Leben eine wesentliche Priorität für Millionen von Frauen geblieben. Und alle Überredungsversuche haben Frauen nicht davon abgeschreckt, sich weiterhin für typische Frauenberufe im Pflege- und Sozialbereich zu entscheiden. Obwohl sich die britische Komödienautorin Caitlin Moran als „streitbare Feministin“ bezeichnet, vermitteln viele Passagen in ihrem humorvollem Buch „How to be a Woman“ den Geist des Freiheits-Feminismus. Sie stellt die Frage: „Was ist Feminismus?“ und antwortet: „Ganz einfach, die Überzeugung, dass Frauen genauso frei sein sollten wie Männer, egal wie durchgeknallt, dämlich, schlecht gekleidet, fett, faul und eingebildet sie sein mögen.“

Wie würde sich die Frauenbewegung verändern, wenn Freiheits-Feminismus ihre vorherrschende Philosophie wäre?

Erstens würden geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich Löhnen, politischer Führung und Berufen nicht mehr automatisch als Beweis für Diskriminierung angesehen werden. Freiheits-Feministinnen berücksichtigen, dass es harmlose Erklärungen für Unterschiede geben kann. Stattdessen würden sie sich auf tatsächliche Ungerechtigkeiten konzentrieren.

Zweitens würde die Frauenbewegung den Mut aufbringen um auf eine wesentliche Ursache der Armut in Amerika hinzuweisen: fehlende Väter. Freiheits-Feministinnen würden wohl mit ihren eher progressiven Schwestern darin zusammenarbeiten Initiativen zu unterstützen, um von Armut betroffenen alleinerziehenden Müttern zu helfen; aber ihr Hauptaugenmerk läge darauf, eine gegen Männer gerichtete Erziehungs- und Sozialpolitik zu bekämpfen, die dazu beigetragen hat, hat eine zerrüttete Kultur der Vaterlosigkeit zu erzeugen.

Drittens würde sich der geographische Schwerpunkt von den Vereinigten Staaten hin zu den Entwicklungsländern verschieben. In ganz Asien, Afrika und dem Mittleren Osten kämpfen moderne Elizabeth Cady Stantons und Frances Willards mutig für eine Lebensverbesserung der Frauen. Sie fragen nach unserer Hilfe. Die Geschichte legt nahe, dass eine Koalition von konservativen und progressiven Frauen eine starke Kraft für einen Wandel sein könnte. Dadurch, dass der Freiheits-Feminismus Frauen aus einem breiten weltanschaulichen Spektrum willkommen heißt, würde er diese beeindruckende Koalition erschaffen.

Mein Rat an die jungen Frauen von heute: Reformiert den Feminismus. Gebt gemäßigten und konservativen Frauen eine Stimme. Und vor allem, macht gemeinsame Sache mit den Frauen in der Welt, die für ihre grundlegenden Freiheiten kämpfen. Die Unterstützung wirklich unterdrückter Frauen würde dem heutigen westlichen Feminismus etwas geben, das ihm seit vielen Jahren gefehlt hat: ein zeitgemäßes Ziel, das seiner ruhmvollen Vergangenheit entspricht.

Christina Hoff Sommers hatte ich hier schon ein paar Mal:

Vieles, was sie an Kritik am Feminismus bringt, finde ich sehr gelungen. Gleichzeitig bin ich immer etwas vorsichtig, wenn von einem konservativen Feminismus und der Mutterrolle die Rede ist. Natürlich sollen Frauen auch die Mutterrolle übernehmen können, aber wenn man darunter versteht, dass sie immer und für lange Zeit das Wahlrecht haben müssen, ausschließlich Mutter zu sein, dann bedeutet das eben, dass dies jemand bezahlen muss. Irgend jemand muss das Geld dafür zahlen, was Unterhalt oder Steuern bedeutet. Dabei könnte das Rad für die Männer auch zurückgedreht werden, eben indem die Absicherung der Frauenrolle Lasten zum Nachteil von Männern begründet. Ich bin eigentlich recht froh darüber, dass das deutsche Unterhaltsrecht in diesem Zusammenhang die Eigenverantwortung mehr betont als früher und zumindest die Reduzierung auf einen Nachteilsausgleich statt einer strikten Lebensstandardgarantie in Gespräch gebracht hat. Wie Christina Hoff Sommers sich die Ausgestaltung der Mutterrollenwahlmöglichkeit vorstellt wäre da also im Detail interessant. Vielleicht hat ja jemand schon ihr neues Bucht gelesen und kann berichten?

Ein Umschwung des Feminismus dahin gehend, dass aus Unterschieden nicht mehr auf Diskriminierung geschlossen wird wäre hingegen ein eindeutiger Schritt nach vorne. Bei ihren anderen Punkten bin ich eher skeptisch. Was haltet ihr davon?

Gleichberechtigung vs. Gleichstellung

Ein häufig auftauchende Diskussion in der Geschlechterdebatte betrifft die Frage, ob man bezüglich der Geschlechter eine Gleichstellung oder Gleichberechtigung erreichen will.

  • Gleichberechtigung wäre das Schaffen gleicher Rechte bezogen auf jede  Einzelperson, es zielt insofern auf eine Erweiterung der Optionen ab
    • diese Ausrichtung geht davon aus, dass mit hinreichend gleichen Rechten jedem selbst überlassen ist, ob er sie nutzt oder nicht. Wenn Personen aus einer Gruppe diese Option seltener nutzt als Personen anderer Gruppen, dann müssen eben nur gleiche Startbefindungen geschaffen werden, eine andere Beteiligung einr Gruppe an bestimmten Bereichen muss jedoch nicht au Diskriminierung zurückgehen, sondern kann auch eine Folge zB biologisch begründeter Unterschiede in den Motivationen, Vorlieben und Fähigkeiten sein.
    • Schwierig wird es hier, wenn Unterschiede tatsächlich außerhalb der Gesetze begründet werden, die sonst nicht auftreten, etwa aufgrund von Vorurteilen etc. Dann bleibt in dieser Richtung nur die gleiche Förderung.
  • Gleichstellung zielt hingegen auf eine zahlenmäßig gleiche Beteiligung des jeweiligen Geschlechts ab in bestimmten Positionen bzw. allgemein an der Gesellschaft ab.
    • Diese Ausrichtung geht davon aus, dass gleiche Rechte nicht ausreichend sind, wenn soziale Regeln oder Vorurteile dazu führen oder andere Hindernisse dazu führen, dass Mitglieder einer Gruppe diese Rechte gleich effektiv wahrnehmen können.
    • Sofern von Unterschieden ausgegangen wird angeführt, dass eine gleiche Beteiligung dennoch hergestellt werden sollte, weil diese Unterschiede sich – jedenfalls in den als positiv bewerteten Bereichen – nicht auswirken dürfen bzw. die Beteiligung im ungefähren Verhältnis zur Beteiligung an der Gesellschaft als Recht angesehen wird bzw. als etwas Gutes, was auch Benachteiligungen anderer rechtfertigt
    • Mittel der Gleichstellung sind insbesondere eine Quote aber auch Maßnahmen wie etwa umfangreiche Förderprogramme oder Werbekampagnen die eine Gleichstellung durch Verbesserung der Möglichkeiten oder Abbau von Vorurteilen erreichen sollen

Die Abgrenzung wird etwas unschärfer, wenn man in den Bereich der Gleichberechtigung auch soziale Regeln einbezieht und diese ändern möchte. Hier muss zunächst eine Einigung über die sozialen Regeln und auch die Möglichkeiten, die Umstände durch Regeländerungen zu ändern geprüft werden, wobei dann, wenn man bezüglich des Mittels davon ausgeht, dass eine Änderung der Mittel nur erreicht werden kann, wenn man eine gewisse Gleichstellung praktiziert

Was die Strömungen des Feminismus gemeinsam haben

DEN Feminismus gibt es ja bekanntlich nicht, es gibt eine Vielzahl von feministischen Strömungen, die sich teilweise erheblich widersprechen.

In dem Buch „Who is afraid of Charles Darwin – Debating Feminism und Evolutionary Theory“ wird eine interessante Definition vorgenommen, die diese Strömungen zusammenfasst:

„Sie beginnen regelmäßig damit, dass Frauen (und gelegentlich Männer) die Quellen der Unterdückung in ihrem Leben suchen und versuchen, sich von diesen zu befreien“.

Das ist sicherlich keine besonders spektakuläre Definition, aber sie macht aus meiner Sicht noch einmal deutlich, dass für viele Feministinnen genau diese Unterdrückung und die Möglichkeit sich von ihr zu befreien der wesentliche Kern ist und sie sich eben gerade in der Auffassung, was eigentlich der Grund ist, unterscheiden.
Im Differenzfeminismus unterdrückt der Mann das gute Wesen der Frau, die Differenzen und insbesondere das Vorhandensein eines weiblichen Weges müssen anerkannt werden, damit es der Welt besser geht.

Im Gleichheitsfeminismus ist Quelle der Unterdrückung die konstruierte Andersartigkeit der Frau, mit der sie in bestimmte Rollebilder gepresst wird und der Weg zur Befreiung ist die Aufhebung der Rollenbilder

Nach Connell wird die Unterdrückung von Mann und Frau durch die hegemoniale Männlichkeit hervorgerufen, die zu beseitigen ist, damit die Frau frei sein kann.

Der Equalityfeminismus hat demnach wahrscheinlich das Problem, dass er die Unterdrückung zu wenig anerkennt, sondern nur gesetzliche Regelungen ändern will. Er enthält insofern zu wenig Unterdrückung um wirklich in die Reihe der Feminismen eingeordnet zu werden.

Die Piratenpartei und der Feminismus: Ein offener Brief

Liebe Piraten,

ihr seid eine junge Partei, die in vielen Punkten erst ihren Weg finden muss. Gerade bei den Frauenfragen ist dies noch nicht geschehen, wie zahlreiche Diskussionen unter euch zeigen

Wie ein Pirat den Feminismus kennen lernte,  Piraten der feministischen SeeNerd gegen Femi-NerdPostgender, Feminismus, Antifeminismus Und GenderpopenderPostgender? Damit sind die Piraten von gesternKleiner Rant in die ungefähre Richtung der PiratenPiraten, Feminismus & KlischeedenkenLiebe EMMA!Feminismus und MännlichkeitNehmt den Männern den Feminismus aus der Hand!Kann eine Feministin Piraten wählen?Gender Trouble bei den PiratenEqualismus als gesellschaftliche Plattformneutralität (und ein bisschen Feminismus)Der Feminismus kauft dir keine Schokoladenfabrik, Genosse!Liebe EMMA-Redaktion. Ihr könnt mich mal!, Frauen im Boot bringt Unglück, Postgender in der Piratenpartei; Den eigenen Respekt bekommt man nicht von AnderenPiraten-Post-Gender: Nichts tun, wenns brennt?Was du nicht sehen willst ist trotzdem da oder warum Postgender im Falle der Piratenpartei antifeministisch istPostgender,  Warum mach ich den Scheiß eigentlich? und sicherlich noch viele mehr

Ihr habt inzwischen auch ein Positionspapier des KegelclubsKegelklub/PositionspapierEqualismus, in dem es heißt:

Zu den wichtigsten Zielen, die wir unterstützen und für deren Verwirklichung wir uns einsetzen wollen, zählen die Dekonstruktion des sozialen Geschlechtes, die Gleichstellung und echte Chancengleichheit der verschiedenen Geschlechter und die Abkehr vom binären Geschlechterdenken.

Aber ihr solltet auch hier eure Wurzeln beachten und überlegen, ob das feministische Dekonstruieren, also ein poststrukturalistischer Feminismus das Richtige für euch ist.

Ihr seid angetreten für Transparenz, für neue Wege, für Aufbrechen des Politikbetriebes. Ihr seid eine Schar junger Menschen, hauptsächlich Männer, die zum Großteil in technischen Bereichen anzusiedeln sind. Ihr seid sachlich denke Personen, die gerne Vorgängen auf den Grund gehen. Ihr seid zu einem nicht geringen Teil Nerds.

Warum wendet ihr das nicht auch auf den Genderbereich an?

Laßt euch nicht vom unwissenschaftlichen Genderfeminismus einwickeln und hinterfragt seine Grundlagen. Sie sind einfacher zu hinterfragen als ihr denkt.

Nehmt die Privilegientheorien. Kritik läßt sich, wie diese beiden Artikel „Kritik: „Männer sind privilegiert“  und Männliche Privilegien, weibliche Privilegien und wohlwollender Sexismus zeigen, recht schnell vorbringen.

Nehmt die Konstruktion der Geschlechter durch die Gesellschaft. Der zugrundeliegende Poststrukturalismus ist nicht eure Denkweise. Ihr denkt in Fakten, nicht in Beliebigkeiten. Ihr seht, dass E=mc2 keine sexistische Gleichung ist und wenn ihr euch die Argumente anschaut, die gegen diese Theorien sprechen, dann werdet ihr sehen, dass sie die wesentlichen Fragen nicht beantworten kann.

Warum soll alles konstruiert sein, wenn wir Wesen sind die langsam durch Evolution entstanden sind und wir ganz klassisch in das Schema passen, dass sich auch bei anderen Säugetieren und Primaten findet? Was ist überhaupt der Beleg dafür, dass alles konstruiert ist? Wie kann die genderfeministische Theorie die Zwillingsexperimente erklären, wie den Zusammenhang von Transsexualität mit Hormonrezeptoren?

Nerds sind nicht dafür bekannt, soziale Ansichten nachzubeten. Sie sind dafür bekannt logisch an eine Sache heranzugehen und sie im Detail auseinanderzunehmen. Diese Möglichkeit bietet euch die normale Foschung im Geschlechterbereich.

Die logischen Abwägungen der Sexual Strategies Theory sind nerdy, die abstrakte Betrachung von Schönheit als Attraktivitätsmerkmale ist nerdy, die Nachweise für die Red Queen Theory über Zwitterfische und ihre Geschlechterwahl ist nerdy.

Wer wäre ein besserer Beleg als Sheldon Cooper selbst:

Sheldon Cooper: New topic. Where are you in your menstrual cycle?

Penny: What?

Sheldon Cooper: I’ve been doing some research online, and apparently female primates, you know, uh… Apes, chimpanzees, you… They find their mate more desirable when he’s being courted by another female. Now, this effect is intensified when the rival female is secreting the pheromones associated with ovulation. Which brings me back to my question, where are you in…?

[Penny slams the door in his face]

Sheldon Cooper: Clearly, I’m 14 days too early

Die meisten von euch werden eh eher Dawkins lesen als Butler. Ihr müßt euch nur bewußt machen, wie sehr sich die beiden widersprechen.

Auch die Sokal-Affäre sollte euch näher sein als der Poststrukturalismus. Ihr glaubt nicht, dass der Mond der Hintern einer dicken Frau ist und würdet auch insoweit nicht auf eine Diskursanalyse, sondern auf Wissenschaft verlassen.

Es ist Zeit den Genderfeminismus mit spockscher Logik zu betrachten und festzustellen, dass er keine Grundlage hat und gegen wissenschaftliche moderne Feststellungen verstößt. Und das dann auch darzulegen.

Ihr seid in vielen Fällen genau der Nachweis, dass Männer nicht privilegiert sind. Weil Nerds genug gesellschaftliche Ausgrenzung erfahren und die Vorteile von Frauen in der Gesellschaft nur zu deutlich wahrnehmen. Weil ihr die Friendzone kennt. Lasst euch nicht einlullen von unlogischen Betrachtungen über Geschlechter.

Und keine Angst, das bedeutet nicht, dass ihr ein veraltetes Frauenbild vertreten müßt. Lasst euch keine Strohmänner entgegen stellen, die Biologie ist bezüglich der Einzelperson nicht festgelegt und flexibel.

Lasst euch euren Postgenderansatz nicht ausreden: Sein lassen ist ein guter Weg um den Geschlechtern gerecht zu werden, während verzweifelte Quoten nur zu Ungerechtigkeiten führen.

Fragt euren Kegelclub nach den Grundlagen, die üblicherweise nicht mehr behandelt werden dürfen. Fragt sie nach männlichen und weiblichen Privilegien, danach wie Sprache so allmächtig werden kann, fragt sie zur Wissenschaftsfeindlichkeit ihrer Theorien, fragt sie was eigentlich die Kernargumente sind, mit denen Butler ihre Ansicht begründet. Fragt sie, wie die Queertheorie mit sexueller Selektion vereinbar ist.

Ihr seid eine Partei der Hinterfragung und der Transparenz. Lasst nicht zu, dass auch bei euch einfach „Biologismus“ gerufen wird um eine Ideologie abzusichern!

Wer gegen die Auswirkungen verschiedener Spielarten des Feminismus ist, insbesondere den Genderfeminismus, der ist nicht frauenfeindlich. Haltet diesen Ausführungen lieber den Equityfeminismus entgegen, der für Gleichberechtigung ist, aber nicht für krampfhafte Gleichstellung über alle Unterschiede hinweg.

Er ist besser mit eurem Postgenderansatz vereinbar.

Beste Grüße

Christian