Negative Grundeinstellungen

Aus einem Gespräch in einer Gruppe mit Kollegen:

Kollege (gut mit Frauen, mit einer hübschen Frau verheiratet): Ich war ja neulich mit meiner Frau an der Nordsee, ein paar Tage ausspannen. Da liegt da am Strand ein Typ mit 4 echt hübschen Mädchen um ihn herum. Da habe ich gleich mal zu meiner Frau gesagt „Der hat ja wohl alles richtig gemacht“

Kollege (schlecht mit Frauen, seit mindestens 5 Jahren Single, letzte Freundin hässlich): Die musste er bestimmt aushalten!

Ich glaube Pessimismus in dieser Hinsicht macht einem das Leben nur schwer. Lieber die positiven Seiten sehen und seine Frau etwas necken. Wer glaubt, dass Frauen nur an dem Geld interessiert sind, der weist sich einen geringen Wert zu, weil er nicht glaubt, dass Frauen aus anderem Gründen an ihm interessiert sein können.

Frauen wollen nicht, die Industrie oder die Gesellschaft will für sie

Susanne Klinger von der Mädchenmannschaft schreibt über ihre Probleme einen nicht gepolstersten Bikini zu finden (gefunden über den Mädchenblog).

Das dies anscheinend nicht möglich ist liegt nicht etwa an den Wünschen der Frauen mit einem gepushten Bikini eine möglichst gute Figur zu machen. Wünsche von Frauen sind im Feminismus selten für etwas verantwortlich, was die jeweilige Autorin nicht gut findet. Der Unterdrückerframe leistet ganze Arbeit:

„Es geht nicht um Schutz, sondern darum, etwas „unsichtbar“ zu machen. (…) Irgendjemand hat ein Problem mit Brüsten, wie die Natur sie wachsen lässt. Weibliche Nippel sollen unsichtbar werden. Und in wattierte Förmchen eingepackt, wird die weibliche Brust normiert. Kleine, große, spitze, hängende, runde, schiefe, lustige oder flache Brüste sieht man immer weniger. Mit Pulli- und T-Shirt-BH sieht jede Brust, die einem auf der Straße entgegenkommt, gleich aus: fest, rund und mittelgroß. So wird Frauen eingeredet, das, was sie schon haben, sei nicht ganz so super wie das, was sie haben können.“

Das es die Frauen selbst sind, die einfach möglichst gut aussehen wollen, klingt nicht an. Die Modeindustrie, so scheint es, ist ebenfalls nicht, wie ich naiv gedacht habe, auf Profitoptimierung aus, sondern möchte Brüste normieren. Das sich ungepolsterte Bikinis einfach nicht mehr verkaufen und es deshalb nicht lohnt sie ins Sortiment zu nehmen? Unwahrscheinlich. Das dieser „Jemand“ die Frauen, die Bikinis kaufen, sind, klingt im Text ebenfalls nicht an.  Stattdessen die Überlegung, dass es an der Zeit ist Bikinis zu verbrennen.

Jetzt könnte man sicherlich darüber reden, warum Frauen ihre Nippel nicht zeigen wollen und pushen. Dabei dürfte die Frage nach dem pushen schnell geklärt sein: Weil ein großer wohlgeformter Busen als attraktiv wahrgenommen wird.

Bei den Nippeln würde ich einmal praktische Gründe anführen: Größer machen und Nippel zeigen wäre kompliziert. Und zum anderen auf die größere Aussagekraft der Nippel abstellen.

Stehende Nippel können zum einen ein Merkmal von Erregung sein. Große Brüste sind ein Attraktivitätsmerkmal, stehende Nippel hingegen haben eine weitergehende Aussage, die die Frau vielleicht nicht tätigen möchte.

Zudem zeigt nasser ungepushter Stoff auch sehr viel. Was auch wieder einen sexuellen Beigeschmack hat. Gerade wenn gepushte Bikinis aufgrund ihrer Vorteile beliebt sind würde sich der Effekt der dann nur bei dieser Trägerin sichtbaren Nippel noch erhöhen. Ebenso würden ihre Brüste im Verhältnis kleiner und in der Form unangepasster werden. Im Krieg der Schönheitsideale entscheiden insofern die Frauen wie weit sie sich in ein Wettrüsten zwingen. Gleiches hatte ich schon zu hochhackigen Schuhen geschrieben. Dabei geht es wie so häufig im menschlichen Bereich darum ein Nash-Gleichgewicht zu finden. Nur ungepushte BHs ist ein solches Gleichgewicht, nur gepushte BHs ebenfalls.

Demnach hat der gepushte Bikini viele Vorteile: Er sendet Attraktivitätsmerkmale und spielt im Verhältnis zu anderen Bikinis die sexuellen Signale etwas herunter. Er vereint also in gewisser Weise den Madonna/Whore-Komplex in sich. Da beides gerade in Kombination eine sehr gewünschte Verbindung ist erstaunt nicht, dass sich der gepolsterte Bikini durchgesetzt hat.

Nachtrag: Der besprochene Beitrag ist jetzt auch bei der Mädchenmannschaft selbst als Blogbeitrag erschienen.

2. Nachtrag: Die Autorin hat ihn auch noch auf ihren Blog gesetzt

Patriarchat, Feminismus und Framing

Gerade diesen Kommentar zum Thema Patriarchat beim Mädchenblog gelesen:

Eine ziemlich grundlegende Erkenntnis des Feminismus ist es, dass wir im Patriarchat leben. Das bedeutet: in einer Gesellschaft, die durch männliche Herrschaft strukturiert ist. […] [Patriarchat] meint die Manifestation und Institutionalisierung der Herrschaft der Männer über Frauen und Kinder innerhalb der Familie und die Ausdehnung der männlichen Dominanz über Frauen auf die Gesellschaft insgesamt.“

Ich persönlich sehe diese Herrschaft der Männer an sich über Frauen nicht (mehr). Familien scheinen mir in vielen Fällen gleichberechtigt zu sein, auch wenn der Mann arbeitet und die Frau die Kinder erzieht. Eher ist da die Frau in einer herrschenden Position, was Entscheidungen für die Familie angeht.

Die Herrschaft der Männer ist allenfalls ein Oligarchie einiger weniger Männer,  denen es aber nicht um einen Vorteil von Männern an sich, sondern um ihren Vorteil geht. Nehmen wir die Politik: Sicherlich sind mehr Männer oben, aber sie sind auf weibliche Wählerstimmen angewiesen, wenn sie weiter kommen wollen.Zudem ist zu bedenken, dass Männer häufig kein Interesse daran haben Männer als Geschlecht zu fördern, sondern eher einzelne Personen, insbesondere auch ihre Frauen, ihre Töchter und ihre Geliebten. Sicherlich werden sie häufiger Männer fördern, aber dies auch, weil diese Förderung ihnen selbst mehr bringt. Bringt die Förderung einer Frau mehr denke ich, dass sie auch Frauen fördern werden. Bei JJ als Kommentar auf der Mädchenmannschaft habe ich mal das schöne Bild gelesen, dass wir im Geschlechterkrieg alle aus einem geteilten Haus kommen, weil wir Mutter und Vater haben.

An der Idee des Patriarchats gibt es damit viel zu kritisieren. Meiner Meinung nach ist es im wesentlichen ein Frame, der das Denken vereinfacht und ein Feindbild erzeugt.

Unter einem Frame versteht man im NLP das Weltbild einer Person. Dieses Weltbild beeinflusst wie die Person die Umwelt wahrnimmt. Die Realität stellt in der Regel zu viele Informationen bereit um sie alle wahrzunehmen und sie zu verarbeiten. Ein Frame hilft uns beim Ausfiltern dieser Informationen, führt aber dazu, dass wir bestimmte Informationsteile ausblenden und andere Schlussfolgerungen daraus ziehen.

Über die Annahme, dass Männer eine Herrschaft aufbauen um Frauen zu unterdrücken läßt sich sehr gut alles unter einer Unterdrückerstruktur sehen. Ich habe das mal wie folgt erlebt:

Eine Frau hatte gerade in einer kleinen Firma angefangen. Ihr Chef hatte eine Besprechung mit ein paar wichtigen Geschäftskunden, die auf den späten Abend angesetzt war. Sie war aufgrund eines größeren Projekts noch die einzige außer diesem im Büro. Er schaute zu ihr herein und fragte, ob sie gerade etwas kopieren könne, was er für die Besprechung brauche. Sie hat dies unter dem Patriarchats- und Unterdrückungsframe gesehen und sich aufgeregt. Das wäre nur passiert, weil sie eine Frau ist und bei einem männlichen Angestellten in ihrer Position hätte er sich das nie erlaubt. Als sie es mir und einem Freund erzählt hat waren wir uns einig, dass es nicht deswegen passierte, weil sie eine Frau war, sondern weil sie die einzige im Büro war und das wir beide in vergleichbaren Situationen schon sehr oft Sachen für den Chef kopiert hatten. Ihr Vertrag wurde nach dem aufregen übrigens nicht über die Probezeit hinaus verlängert. Was natürlich daran lag, dass sie eine Frau war…

Ich denke, dass der Patriarchatsframe für Frauen sehr gefährlich ist und er im Feminismus dringend hinterfragt werden sollte. Wer sich selbst beständig gegen Feinde ankämpfen sieht, der verliert zuviel Energie,da man den Kampf gegen „das Patriarchat“ als Gegner ohne Körper nicht gewinnen kann.  Eine Frau, die sich stattdessen den Frame setzt, dass es einige rückständige Leute geben mag, aber keine weltweite Verschwörung gegen sie arbeitet, kann mehr Energie auf die eigentliche Arbeit lenken und lässt sich auch weniger entmutigen (selbst wenn es ein Patriarchat wie im Feminismus vertreten geben sollte).

(Der entmutigende Effekt des Feminismus wäre eh mal einen eigenen Beitrag wert. Wenn es schon verheerend für Frauen ist, wenn nicht „Bürgerinnen und Bürger“ gesagt wird, warum ist der Feminismus dann so interessiert daran, den absoluten Lohnunterschied so an die große Glocke zu hängen, der ja eher noch mehr Frauen davon abhält Karriere zu machen („Ich habe wegen der gläsernen Decke eh keine Karrierechanchen und würde viel weniger verdienen als mein Mann“))