Boris von Heesen: Was Männer kosten: Der hohe Preis des Patriarchats (Gastbeitrag)

Ein Gastbeitrag von Ronin

Zum Autor
In Zeiten, in denen sämtliche politischen Lager auf Fake News und Propaganda setzen, ist es legitim, sich zunächst einmal den Autor eines Schriftstücks genauer anzusehen, um seine Expertise einschätzen und seine Glaubwürdigkeit als Quelle bewerten zu können.
Boris von Heesen taucht seit Kurzem in verschiedenen Medien als Interviewpartner auf und wird als Wirtschaftswissenschaftler bezeichnet. Auch er selbst bezeichnet sich im Buch mehrfach so. Laut seiner Vita hat er bisher außer zweier Monatskalender für Männer (mit feministischen Sprüchen! Nicht, was viele jetzt denken!) nichts weiter veröffentlicht. Seine fachliche Vorgeschichte beschränkt sich darauf, Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Soziales Marketing studiert zu haben – wo, wann und mit welchem Abschluss, war nicht in Erfahrung zu bringen – und zwei Unternehmen gegründet zu haben, über deren Natur (außer, dass das eine ein OnlineMarktforschungsintitut ist/war), Identität und Erfolgsgeschichte wir auch nichts erfahren. Ob man als geschäftsführender Vorstand eines Jugendhilfewerks irgendwas mit Wirtschaftswissenschaften zu tun hat, kann ich leider nicht beurteilen.

Zum Inhalt
Schon im Vorwort stellt der Autor klar, dass er in Bezug auf Geschlecht eine streng sozialkonstruktivistische Weltsicht vertritt. Biologische Geschlechtsunterschiede gibt es nicht, die Einteilung „Männer“ und „Frauen“ ist willkürlich, und alle Ungleichverteilungen, die uns in verschiedensten Bereichen begegnen, müssen folglich entweder das direkte Ergebnis von direkter Diskriminierung oder die mittelbare Folge schädlicher Geschlechterstereotypen sein. Im Folgenden möchte der Autor darstellen,
wieviel gesellschaftlichen Schaden diese Geschlechterstereotypen anrichten, und tritt an, diese ganz schlicht monetär sichtbar zu machen. Das Ziel: Da im Kapitalismus nichts mehr zählt als Geld, gelänge es vielleicht, die Machteliten darüber auf patriarchalische Missstände aufmerksam zu machen, dass man ihnen klar macht, wieviel Geld dabei verloren geht. Er bezeichnet diese Vorgehensweise als „friedliches Trojanisches Pferd“.
Zu Beginn des Hauptteils stellt der Autor zunächst seine Methodik dar. Dabei ist er zumindest noch dahingehend um Fairness bemüht, dass in seiner Kostenaufstellung nur die von Männern verursachten Schadenssummen enthalten seien, die über das hinausgehen, was Frauen im gleichen Bereich und Zeitraum verursachen. Beispiel: Von Frauen verübte Kriminalität verursacht einen Schadensbetrag von X, die von Männern verübte einen Schadensbetrag Y, dann ist der als „Kosten des Patriarchats“ ausgewiesene Betrag Y – X.
Damit hat es mit der Fairness allerdings auch schon wieder ein Ende. Denn in diesem Buch seien nur die Bereiche aufgeführt, in denen Männer mehr gesellschaftliche Schäden verursachen. Zwar möge es auch Bereiche geben, in denen Frauen mehr Schäden verursachen, aber die möchte er hier ausblenden, da es hier erst mal nur um Männer gehen soll und er außerdem vermeiden möchte, die Schäden von Männern und Frauen gegeneinander aufzurechnen, denn das würde ja nur zur Spaltung der Geschlechter beitragen. Aber schließlich kann uns der Autor beruhigen: Die Aussage, dass Männer aufgrund ihres Verhaltens daran Schuld sind, dass in Deutschland jährlich 63 Milliarden Euro verschwendet werden, soll natürlich keinesfalls als MännerBashing verstanden werden!
Es folgt dann eine lange Aufzählung an Bereichen, in denen Männer mehr gesellschaftliche Schäden anrichten als Frauen.
Sie belasten das Gesundheitssystem, indem sie mehr rauchen, nicht frühzeitig zum Arzt gehen, mehr Alkohol trinken und mehr Fleisch essen. Sie verursachen mehr Autounfälle, begehen mehr Verbrechen und verursachen damit sowohl direkte Schäden als auch indirekte, z.B. durch Polizeieinsätze und Unterbringung in Gefängnissen.
Sie sind häufiger arbeitslos, werden als Jugendliche häufiger auffällig und neigen deutlich mehr zu Suchtkrankheiten. Männer mögen gewalttätige Sportarten, in deren Umfeld es zu Randalen kommt (z.B. Fußball).
Und schließlich sind Männer auch schlecht für die Umwelt, da sie den Machtpositionen aus, die sie innehaben, umweltschädliche politische Entscheidungen treffen.
Auf eine weitere detaillierte Aufzählung der Litanei verzichte ich hier; ich denke, die Intention des Autors wird klar.
Wichtig ist jedoch zu erwähnen, dass der Autor in den Kapiteln über Kriminalität und Suchtverhalten auch eindringlich darauf hinweist, dass viele Hilfsangebote z.B. für verhaltensauffällige Jugendliche oder Suchkranke sich nicht speziell an Männer richten, obwohl diese überproportional von solchen Problemen betroffen sind.
Im folgenden Kapitel erfolgt dann noch eine Aufzählung aller nicht bezifferbaren Schäden, die das Patriarchat in der Gesellschaft anrichtet. Auch hier werde ich nicht auf jeden einzelnen Punkt eingehen, es handelt sich im Wesentlichen um die Punkte, die von feministischen Autoren und Autorinnen seit Jahren immer und immer wiedergekäut werden:
Klimakatastrophe, Umweltzerstörung, Rechtspopulismus, Rechtsextremismus, Antisemitismus, Incels, Amokläufe, Vergewaltigung, CumEx-Geschäfte, Sexismus in der UEFA, Blut, Verwüstung, Tod, Krieg und Horror – hinter allem steckt das Patriarchat.
Alles, was auf der Welt schief läuft, hat nur damit zu tun, dass an den wichtigen Schaltstellen der Macht zu viele Männer und zu wenige Frauen sitzen. Und dahinter wiederum stehen die schädlichen Stereotype, die den Männern einreden, dass sie miteinander und gegeneinander um Macht und Geld ringen müssten, während die Frauen zuhause sitzen und die Kinder hüten.
Hat der Autor im vorherigen Kapitel eine einzige, allumfassende Ursache für alle
Probleme gefunden, so kommt er im folgenden nun zur einzigen, allumfassenden Lösung: Feminismus! „Das Patriarchat ist allgegenwärtig“, schreibt er, doch mit dem Angriff des Feminismus wird das alles in Ordnung kommen.
Im Feminismus, schwärmt der Autor, gibt es keine Ungleichheit mehr, keinen Kapitalismus, keine Notwendigkeit mehr, sich gegenseitig zu übertrumpfen, alle sind gleichgestellt und glücklich. Die Männer müssten nur endlich begreifen, wie sehr das Patriarchat auch ihnen schadet, und wie gut der Feminismus auch für sie wäre. Endlich keine schädlichen Stereotype mehr, die sie in ihren Lebensentwürfen einengen; endlich würde man als Mann nicht mehr vom Patriarchat gezwungen, Physiker oder Automechaniker zu werden, obwohl man lieber Balletttänzer oder Erzieher geworden wäre (das ist kein Witz: Der Autor ist überzeugt, dass viele Leute sich in ihrer Berufswahl nicht nach ihren ureigenen Präferenzen richten, sondern danach, was Geschlechterstereotype ihnen vorgeben, und am Ende damit todunglücklich sind).
Zu Beginn des Kapitels bleibt die Definition von Feminismus des Autors etwas schwammig, doch im Verlauf wird klar, dass er sich darunter nicht nur Gleichberechtigung und Chancengleichheit oder auch materielle Gleichstellung vorstellt, sondern die völlige Auslöschung der Unterscheidung zwischen Mann und Frau, die nur durch einen völligen Umbau der Gesellschaft herbeizuführen sei.
Nach dieser Aufzählung der Vorzüge, die der dereinstige Sturz des Patriarchats auch für Männer haben wird, setzt sich der Autor damit auseinander, wie dieser denn zu bewerkstelligen sein wird.
Zunächst betrachtet er in etwa eineinhalb Seiten den historischen Ursprung des Patriarchats, sozusagen die Quadratwurzel allen Übels: Die bürgerliche Kleinfamilie.
Die bürgerliche Kleinfamilie sei etwa 3000 v.Chr. in böswilliger Absicht erfunden worden (Quelle: eine feministische Soziologin) und seitdem als alleiniges Modell des Zusammenlebens weitgehend stabil geblieben. Für den Autor ist dies erstaunlich, bedenkt man, dass die bürgerliche Kleinfamilie doch die Keimzelle des Kapitalismus sei, Gewalt, Machtmissbrauch, Vereinsamung und Leistungsdruck produziere, und zudem ineffizient und umweltschädlich sei (zumal sie häufig in Einfamilienhäusern stattfindet). Ihre Popularität kann laut dem Autor nur an Indoktrination durch patriarchalische Diskurse liegen. Zur Bekämpfung der bürgerlichen Kleinfamilie sei zunächst einmal das Ehegattensplitting abzuschaffen und das Sorgerecht zu reformieren, so dass auch nichtverwandte Bezugspersonen sorgeberechtigt sein sollen.
Einfamilienhäuser und -wohnungen sollen durch große WGs ersetzt werden, so dass Kinder nicht mehr von einem einzelnen Elternpaar, sondern von einer größeren Gemeinschaft aufgezogen werden – und das natürlich geschlechtsneutral.
Schädliche Geschlechtersterotype müssten überall bekämpft werden: In Kunst, Medien, Unterhaltung und vor allem Erziehung. Das ganze Bildungssystem muss auf die Vermeidung von Geschlechterstereotypen ausgerichtet werden. Staatliche und nichtstaatliche Organisationen, die sich dem Kampf gegen Geschlechterstereotype verschrieben haben, wie etwa Pinkstinks, der Deutsche Kulturrat oder die Bundesstiftung Gleichstellung, müssten großzügige staatliche Förderung erhalten. Aktionen für Geschlechtergerechtigkeit wie z.B. MeToo müssten gefördert werden, um sie über die feministisch-intellektuelle Blase hinaus bekannt zu machen.
Problematische Inhalte, wie etwa Fußball, TikTok mit seinen BeautyInfluencerinnen oder Germany’s Next Top Model, sollten mit einem Warnhinweis versehen werden, über dessen Vergabe „ein sensibles und verantwortungsbewusstes Gremium, das mit Menschen aus den unterschiedlichsten Feldern der Gesellschaft besetzt ist“ entscheiden soll.
Schließlich sollten Männern mehr Angebote zu machen, die sie von ihren ansozialisierten schädlichen Stereotypen wegbringen und überzeugen, den Feminismus anzunehmen. Er nennt u.a. das „Bundesforum Männer“ als positives Beispiel einer entsprechenden Lobbygruppen. Männergesundheit sollte mehr in den Vordergrund gestellt und mehr männerspezifische Gesundheits- und Hilfsangebote bereitgestellt werden.
Kampagnen für mehr Verkehrssicherheit sollen riskantes Fahrverhalten von Männern thematisieren.
Als letzte Maßnahme schlägt der Autor einen „Gleichstellungsmonitor“ vor; einen Dienst, der kontinuierlich Statistiken und Fakten zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und Kosten des Patriarchats für alle zugänglich und transparent bereitstellt. Dafür müssten natürlich entsprechende Organisationen (hier wird wieder die Bundesstiftung Gleichstellung genannt) mit deutlich mehr Geld gefördert werden – diese Förderung sei in Anbetracht der 63 Milliarden Euro Patriarchatskosten, die die Gemeinschaft dadurch jährlich sparen würde,eine echte Investition.

Bewertung
Über weite Strecken liest sich das Buch wie ein religiöses Pamphlet. Über allem steht das Dogma vom Patriarchat, das das Böse schlechthin und die Ursache praktisch aller Probleme der Menschheit ist.
Demnach müssten nur alle den Feminismus als ihre:n Herr:in und Erlöser:in annehmen, dann würde alles gut werden. Wäre der Autor wirklich so wissenschaftlich, wie er sich darstellt, dann würde er sämtliche Fakten zusammentragen und versuchen, eine Theorie zu finden, die diese Fakten am Besten erklärt.
Was er aber tut, ist, ein Dogma zu vertreten, dessen Wahrheit von Anfang an als gegeben angenommen wird und nicht angezweifelt werden darf, und nun trägt er alle Daten zusammen, die sich auf Biegen und Brechen so interpretieren lassen, dass sie das Dogma stützen – die, bei denen das nicht geht, werden einfach ausgeblendet.
Glaubenssätze werden ohne Beleg aufgestellt, etwa, dass alles besser wäre, wenn mehr Frauen an der Macht wären. Für tatsächliche Zusammenhänge interessiert sich der Autor erkennbar nicht; wo immer eine Korrelation auftaucht, die sich im Sinne seines Dogmas interpretieren lässt, wird die erwünschte Kausalität einfach als erwiesen angenommen.
Beispiel: Norwegen „gilt“ als feministisch, gleichzeitig ist dort die Zahl der gesunden Lebensjahre über 65 bei Männern und Frauen annähernd gleich. Ob sich dieser Sachverhalt auch wirklich auf die angenommene Ursache zurückführen lässt, und ob die Aussage, Norwegen wäre „feministisch“, so überhaupt stimmt, wird nicht weiter untersucht. Allein die Möglichkeit, dass es so sein könnte, wird als Beweis akzeptiert, dass es so sein muss.
Noch ein Beispiel: Die Lebenserwartung von Mönchen ist, anders als die der männlichen Normalbevölkerung, im Vergleich zu den Frauen nicht reduziert.
Damit sei bewiesen, dass ein Unterschied in der Lebenserwartung nicht naturgegeben ist, worum wiederum bewiesen sei, dass für den Unterschied, den wir beobachten, nur das Patriarchat verantwortlich sein kann. Mit derselben Logik könnte man auch argumentieren, dass die Gegenwart von Frauen für Männer gesundheitsschädlich ist, und Mönche deshalb länger leben, weil sie weniger mit Frauen zu tun haben.
Die ganze Litanei seiner Statistiken dient weniger der Aufklärung, sondern eher der Vernebelung.
Viele der Zahlen, die er nennt, wirken eindrucksvoll, sind aber bei näherer Betrachtung eigentlich nichtssagend, da sie zu nichts in Relation gesetzt werden. Es mag sein, dass die Zahl der Autounfälle, die von Männern verursacht werden, viel höher ist als die derer, die von Frauen verursacht werden, aber wie hoch ist sie relativ zu den jeweils gefahrenen Kilometern? Es interessiert nicht, Hauptsache, wir haben eine hohe Zahl.
Allerdings, wenn es dann später um Umweltverschmutzung geht, sind die von Männern mehr gefahrenen Kilometer plötzlich wichtig.
Wir erfahren zwar, wieviel der Fleischkonsum der Männer das Gesundheitssystem kostet, aber nicht, ob das im Vergleich zu anderen Posten oder zum Gesamtbudget des Gesundheitssystems viel oder wenig ist.
Die eklatanteste Augenwischerei besteht darin, dass mit keinem Wort erwähnt wird, in welchem Verhältnis diese 63 Milliarden Euro, die Männer jährlich über Gebühr verbraten, zu dem Betrag stehen, die Männer im gleichen Zeitraum erwirtschaften. Es wird immer von Kosten geredet, aber unser Herr Wirtschaftswissenschaftler verschwendet anscheinend keinen Gedanken daran, von wem diese Kosten mehrheitlich beglichen werden.
Viele seiner Schlussfolgerungen gründen sich eher auf Philosophie als auf empirisch erlangtes Wissen. Insofern ist es kein Wunder, dass der angebliche Wirtschaftswissenschaftler auffällig häufig Philosophinnen und Aktivistinnen zitiert, und zwar quer durch das Who-is-Who des Twitter-Feminismus (Stokowski, Gesterkamp, Allmendinger, um nur 3 zu nennen).
Die Schlussfolgerungen nehmen teils absurde Züge an:
Die Tatsache, dass der Klimawandelleugner Donald Trump ein Mann, die voll auf Klimaneutralität setzende schwedische Umweltministerin aber eine Frau ist, ist für ihn ein Beweis mehr, dass Männer umweltschädlich sind.
Positiv herauszuheben ist, dass von Heesen die mangelnde Ausrichtung von Hilfsangeboten speziell für Männer bei Drogensucht, häuslicher Gewalt, Depressionen usw. kritisiert; er spricht an, dass Männergesundheit und Jungen als Bildungsverlierer in den Medien selten Thema sind. Einige seiner Ausführungen könnten, so wie sie gemacht wurden, glatt von Männerrechtlern stammen, doch genau die, die zumindest in diesen Punkten mit ihm voll auf einer Linie sind, stellt er im Kapitel über immaterielle Schäden des Patriarchats in eine Reihe mit rechtsextremen Amokläufern und radikalisierten Incels – eine Folge davon, dass er auf fundierte Recherche verzichtet und stattdessen nur von Veronika Kracher abschreibt.
Für die Unterrepräsentanz von Themen wie Männergesundheit, männliche Opfer von häuslicher Gewalt oder Suizide bei Männern macht er übrigens nicht die Feministinnen verantwortlich, die finden, dass das Ansprechen der Probleme von Männern nur „Whataboutism“ ist und Männerprobleme aufgrund ihrer Privilegien sowieso irrelevant seien, wie die von ihm hochgelobte Margarete Stokowski. Nein, die Ursache ist für ihn – wir ahnen es schon – auch wieder das Patriarchat, das mit seinen Geschlechterstereotypen bestimmt, dass Männer hart sein zu haben und Probleme anzusprechen als unmännlich gilt. Vielleicht ist ihm Logik auch schon zu patriarchalisch, vielleicht sieht aber, wenn man nur einen Hammer hat, eben alles wie ein Nagel aus.
Das ganze Buch macht den Eindruck, dass Boris von Heesen weder an einer fairen Darstellung gesellschaftlicher Sachverhalte noch an der Erforschung irgendwelcher Ursachen interessiert ist, sondern nur an der Erregung von Aufmerksamkeit und auf der Verfestigung seiner vorgefassten Meinung.
Jedesmal, wenn er sich belegmäßig auf dünnes Eis begibt, beginnt er zu schreiben, wie sehr er von irgendetwas überzeugt ist.
Was man z.B. vermisst, ist die Klärung, wieso wir das böse Patriarchat überhaupt Patriarchat nennen – stellt er doch selbst mehrfach heraus, wie sehr es einerseits auch Männern schadet, und wie es auch von Frauen gestützt wird, indem sie z.B. für sich die Rolle als Hauptbezugsperson der Kinder beanspruchen oder erfolgreiche, selbstbewusste Männer bevorzugen.
Dass es Geschlechtersterotype gibt und diese teilweise auch sowohl Männern als auch Frauen schaden können, ist ja unbestritten – aber der Autor geht ohne ausreichenden Beleg davon aus, dass diese Stereotype für alles verantwortlich sind, was nur schief gehen kann, und jede Abweichung von einem 1:1- Geschlechterverhältnis in irgendeinem Bereich nur das Ergebnis von Diskriminierung und Indoktrination sein kann, und betrachtet jegliche Empirie nur unter dem Gesichtspunkt, das zu bestätigen, was man ohnehin schon meint. Warum? Na, es ist ein Dogma, und Dogmen werden eben bestätigt.
Und wie nicht anders zu erwarten, kommt am Ende der Klingelbeutel: Finanzielle Unterstützung für alle möglichen feministischen Projekte wird gefordert, die auch alle einzeln genannt werden, allen voran Pinkstinks e.V. – für die von Heesen rein zufällig auch als Autor tätig ist. Ein Schelm, wer böses dabei denkt!

Andere Beiträge von Ronin oder anhand von Kommentaren von Ronin:

Ausreden, um scheitern zu dürfen

Das menschliche Gehirn ist teilweise darauf bedacht, dass man sich selbst nicht zu schlecht findet und wir Menschen neigen daher dazu, unsere Erfolge unseren Fähigkeiten und unsere Misserfolge externen Umständen oder jedenfalls Umständen außerhalb des eigenen Einflussbereichs zuzurechnen.

Mitunter scheinen mir solche Prozesse auch dazu zu führen, dass bestimmte Theorien, die so etwas einfach machen, populär werden.

Ein Beispiel wäre etwa, dass Schönheit rein sozial konstruiert ist und eigentlich alles schön sein könnte. Und das man sich wegen Poster, die sportlich-schlanke Frauen zeigen, aufregen darf, weil diese ein zu hartes Schönheitsideal kreieren, wie gerade etwas dieses Werbeposter von „Protein-World“, welches für einen Shitstorm sorgte:

Protein World - Beach Body ready

Protein World – Beach Body ready

Die Frau hat ja in der Tat einen klasse Körper und viele Frauen werden auch gerne so aussehen oder viele Männer werden eine solche Frau ansehnlich finden. Hier wird, obwohl dies ja dann eigentlich „Thin-Shaming“ ist, der eigentlich sportliche und attraktive und auch wesentlich gesündere Körper abgewertet und als „krankhaft dünn“ heruntergeredet. Alle Körper seien schön und man müsse Diversität zulassen. Mit solchen Werbungen fördere man nur Magersucht, die armen Mädchen würden unter einem kaum auszuhaltenen Druck stehen, wenn sie solche Bilder sehen würden. Schon hat man eine Ausrede, um eben nicht „Beach ready“ zu werden. Dabei unterschlägt man, dass Magersucht nur etwa 0,6% aller Mädchen betrifft, krankhafte Fettsucht aber weitaus mehr Frauen und das Fettleibigkeit gravierende gesundheitliche Folgen hat, wohingegen einen Körper wie in dem Bild oben zu haben, wohl eher gesund ist

(Renee Sommerfield hat mit einem BMI von 16,6 (Körpergröße 1,77, Gewicht 52 kg) theoretisch Untergewicht, solange sie aber täglich genug ist, ergibt sich daraus meines Wissens nach kein Gesundheitsnachteil:

She admits to working out four to five times per week, including beach running and pilates with weights, and told website Glamour Edition that she has always been on the skinny side: „My physique is naturally very petite and I am quite tall (5’10). Growing up, this felt very awkward but I have grown to love and embrace my body!“

„I work hard to keep my body looking healthy and fit, which means eating 6+ times a day and working out with resistance and weights to make sure I maintain lean muscle… I don’t like looking too skinny!

„Confidence comes from how you feel. I feel my best and my most confident when I am fit and toned…. I love moving, being strong and always full of energy. I think there is definitely a noticeable difference between ’skinny-toned‘ and ’skinny-soft‘ – you know when a girl works for her body!“ she added.

Erzählmirnix hat das gerade auch an einem Beispiel einer Victoria Secret Kampagne und den dann folgenden immer dickeren Protestbildern sehr anschaulich besprochen.

Hier werden den Victoria Secret Modells extrem dicke Frauen gegenübergestellt und dies als positiv verkauft.

Der gesamte Gedanke, dass man sich selbst mit entsprechenden Modellen entlasten kann und dann auch entsprechend scheitern darf, sich also erlaubt, den Vorgaben nicht zu entsprechen und dadurch Druck abbaut, scheint mir ohnehin in den radikaleren Theorien in der Geschlechterdebatte eine große Rolle zu spielen:

Im Feminismus ist eigentlich alles darauf ausgerichtet, schuld von einem Weg hin zu anderen, externen Umständen zu verlagern. Mit dem Geschlecht „weiblich“ hat man bereits verloren, alle anderen sind privilegiert, das Patriarchat hat alle Fäden in der Hand, die Geschlechterrollen sind gegen einen etc. Frauen verdienen nicht weniger, weil sie eigene Entscheidungen treffen, wie etwa niedrigere Wochenarbeitszeiten, Berufe, die eher mit Kindern zu vereinbaren sind und die weniger auf Karriere und Geld ausgerichtet sind, sondern weil das Patriarchat sie unterdrückt und die anderen Privilegien haben. Und diese sollen dann bitte die Privilegien abbauen, auch hier müssen sich also die anderen anstrengen, man selbst muss den Umbau nicht vornehmen, es sind die (externen) Männer, die sich an ihre Privilegien klammern.

Im radikalen Antifeminismus und radikalen Maskulismus findet sich ähnliches. Der Staatsfeminismus macht eh jedes Handeln unmöglich, die Frauen sind so verwöhnt und in einer so hohen Position, dass sie auf Männer herabsehen und sie  nur ausbeuten wollen, alle Frauen sind schlecht und aufgrund dieser Schlechtigkeit lassen sie sich auch nicht auf einen ein. Men Going their own way (MGTOW) kann auch in seiner verbitterten Form in diese Richtung gehen („alle Frauen sind schlecht, also nehme ich sie komplett aus meinem Leben raus – nicht sie lehnen mich ab, ich lehne sie ab).

In der Interview-Reihe von David DeAngelo war auch noch ein interessantes Beispiel aus der Richtung: Er meint, dass Männer mitunter besonders blöde Anmachsprüche machen oder Frauen besonders schlicht anmachen („Ey, ficken?“ oder ein Hinterherpfeifen), weil sie damit in eine Rolle schlüpfen, die sie zum einen ein starker Mann sein lässt und zum anderen bei einer Ablehnung dann eben diese Rolle vorgeschoben werden kann: Sie hat dann nicht ihn abgelehnt, sondern nur die Rolle, die er gerade spielte. Ich hatte am Beispiel des Hinterherpfeifens mal folgendes geschrieben:

Aus diesem Gemisch lässt sich eine Theorie bauen, die ein hinterherpfeifen / hupen erklärt, auch wenn es sinnlos ist.

Es betont, dass man keine Ansprechangst hat und ist ein Umstand, der in der passenden Gruppe sehr schnell sozial bestraft werden kann. Da ein Hinterherpfeifen oder Hupen auch meist rein auf die Schönheit der Frau anspricht und insofern auch häufig sexuelles Gefallen bekundet, stellt es auch eher auf eine Kurzzeitstrategie ab, ein tatsächliches Interesse an der jeweiligen Person wird nicht bekundet. Es ist zudem eine Zeichen “Schau hier her, ich will dich”, was impliziert, dass man sich für gut genug hält, nicht abgelehnt zu werden oder zeigen zu können, dass einen die Ablehnung der Frau oder Sanktionen der Gesellschaft wegen der Überschreitung von Regeln nicht interessieren (“Outcome Indifference“).

Es signalisiert damit in gewisser Weise eine hohe Position und ist insofern gerade innerhalb der Männergesellschaft ein Costly Signal innerhalb der sexuellen Konkurrenz, dass schnell teuer werden kann, wenn die Frau darauf reagiert und man dann doch Ansprechangst bekommt.

Ich würde das ergänzen: Man spielt die Rolle von jemanden, der eine hohe Position hat und sich über die Regeln hinwegsetzen kann. Alle wissen, dass man es übertreibt, aber für den Fall, dass die Frau sich beschwert, regt sie sich quasi nur über den Regelbruch und die Persona auf, sie lehnt einen nicht als Person ab oder man kann eben zumindest sich selbst sagen, dass man es da wohl etwas übertrieben hat ohne es auf sich durchschlagen zu lassen.

Auch Pickuptechniken selbst können zu einer solchen Person sein, die man dem eigenen Ich vorschaltet. Gerade wenn man sie ohne wirkliches verstehen und ohne Kalibrierung auf die Situation anwendet. Wenn man also zB eine 5 ausgiebig neggt und dabei vergisst, dass ein Neg gerade keine Beleidigung ist und viel zu unlustig ist. Erfährt man dann die zu erwartende Ablehnung, dann kann man getrost sagen „Pickup ist Humbug, es ist als solches von der Frau abgelehnt worden, aber nicht ich“ und in seinen alten Trott zurückfallen, davon ausgehen, dass alles einfach irgendwie Glück ist, ohne wirklich an sich zu arbeiten oder eben auch den Gedanken beibehalten, dass Frauen an sich eben schlecht sind und es deswegen auch kein Gegenmittel gibt, außer vielleicht einen plötzlichen Lottogewinn (man flüchtet sich also in eine weitere Ausrede). Dieses Schema war denke ich auch gut bei „PUA-Hate“ zu beobachten, einem Forum bei dem sich nicht umsonst Ablehnung von Pickup mit Frauenhass zusammenfand, weil beides eben gute Ausreden sind, um ohne eigene Schuld scheitern zu können. Es ist eine Verschiebung nach außen, wenn man darauf abstellt, dass man eigentlich eine Frau verdient habe, alles richtig mache, und es nur Schuld der Frauen ist, wenn diese einen trotzdem ablehnen, weil sie eben schlecht sind. Es spart einem, sich den eigenen Fehlern zu stellen und an sich zu arbeiten.

Das zeigt auch schön, wie aus solchen Schuldverlagerungen, die einem erlauben, keinen Erfolg zu haben, Hass entstehen kann. Das Feindbild und die Abwertung ist erforderlich, um sich selbst davon überzeugen zu können, dass der andere das Hindernis ist, nicht man selbst. Der Andere muss einem das Gewollte – sei es „schön sein“, Gleichstellung, eine Partnerschaft oder was auch immer – aus Böswilligkeit vorenthalten bzw. Regeln so gestalten, dass man es nicht erreichen kann. Dann ist die Ausredenfunktion gewährleistet und das eigene Ich entlastet.

„Frauen werden diskriminiert“ als einzig zulässiger Erklärungsansatz

Eigentlich hatte ich vor einen Artikel zu „Frauen werden im Beruf ausgebremst“ zu schreiben, aber Tom hat bereits das Nötige gesagt.

Was mir aber dabei ganz allgemein noch einmal aufgefallen ist, ist der starre Frame, den all diese Artikel haben:

Die Idee, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern nur auf Diskriminierung oder einer Behinderung von Frauen beruhen können

Dieser Frame ist so stark, dass er gar nicht mehr hinterfragt wird, die Kausalität wird quasi automatisch in diese Richtung angenommen. Dabei kann sie eben auch genau andersherum verlaufen:

Nicht die Umstände sind schuld an der Position der Frauen, sondern die Frauen produzieren die Umstände selbst.

Tom führt das sehr berechtigt aus, dass diese Position durchaus nahe liegt:

Wieso ist “ständig verfügbarer Siegertyp auf der Überholspur” eine männliche Rollenvorstellung? Wir reden hier über einen Vorstandsjob. Nicht über den Schichtleiter bei Daimler. Fragt mal einen Gründer, wie verfügbar er sein muss. Und natürlich gehört auch Ehrgeiz dazu.

oder:

Man könnte sich nun hinstellen und sagen, ok, da hatten die befragten Frauen eine falsche Vorstellung, was es heisst, Topmanager zu sein. Das ist doch nicht meine Welt, mir ist mein Privatleben wichtiger als meine Karriere. Absolut ok, nachvollziebar und verständlich.
Aber nein. Die Arbeitswelt muss sich ändern.

Diese einseitige Berichterstattung, die nur eine Betrachtungsweise zulässt und eine Betrachtung der anderen nicht vornimmt, beruht auf einer erfolgreichen Tabuisierung.

Dieses Tabu zu hinterfragen scheint mir eine der vordringlichsten Aufgaben zu sein, der man sich stellen muss, wenn man Rationalität in die Geschlechterdebatte bringen will.

Im allumfassenden Patriarchat des Feminismus gibt es keine individuell handelnden Menschen

LoMi führt auf Geschlechterallerlei in den Kommentaren etwas interessantes dazu aus, dass es im Feminismus dank der umfassenden Patriarchatstheorie bzw. den Geschlechterrollen, aus denen man nicht ausbrechen kann, keine Individualität gibt:

Der Feminismus ist nur gerecht vor dem Hintergrund der Patriarchatsthese. Allein die Annahme übermächtiger und umfassender Herrschaft rechtfertigt alles das, was Feministen tun und Männern an-tun. Ohne diese These hat die feministische Moral keinen Boden mehr.

Ein weiteres Gerechtigkeitsproblem entspringt dem Menschenbild des Feminismus. Genau dieses Menschenbild führt zur hypoagency. Im allumfassenden Patriarchat gibt es keine individuell handelnden Menschen. Frauen sind allesamt bis tief in ihre Psyche hinein strukturiert durch das System und damit unterdrückt. Alles was sie tun und sogar denken, ist Ausdruck der Herrschaft. Diese Frauen können folglich keine Eigenverantwortung haben, denn sie sind ja gewissermaßen programmiert durchs Patriarchat.

Bei Männern ebenso: sie sind zwar handlungsmächtig, weil Herrscher, aber sie agieren als vollkommene Automaten im Dienste der Aufrechterhaltung der Männerherrschaft.

Beiden Geschlechtern wird keinerlei Fähigkeit einer kreativen Auslegung und Nutzung gesellschaftlicher Strukturen zugestanden. Deshalb zählen auch individuelle Handlungserklärungen auch nicht: Bei Frauen nicht, weil sie ja doch nur vollziehen, was ihnen die Männer eingeimpft haben. Sie können also nicht wirklich Spaß am Sex mit Männern haben. Bei Männern nicht, weil diese gar nicht bemerken, dass die von ihnen als harmlos eingestuften Handlungen (“hallo” auf der Straße) massive Unterdrückungshandlungen sind.

Insofern gibt es im Feminismus überhaupt keine Abwägung, die ein Tun individualisiert und das die dahinterliegenden Absichten miteinbezieht in das Urteil.

Man fragt sich nur, wie es den Feministinnen gelungen sein soll, sich quasi zu einem göttlichen Beobachterstandpunkt außerhalb des Systems aufzuschwingen.

Das hatte ich auch schon einmal in einem Artikel geschrieben:

An diesem Beispiel wird auch deutlich, dass Sozialisierungs-Theorien gegen biologischen Modellen mit fließenden Geschlechtergrenzen und lediglich Häufungen bei bestimmten Mittelwerten wesentlich essentialistischer und determinierter sein können.

Danach unterliegen dann eben ALLE Frauen einer bestimmten Sozialisierung, weil die gesellschaftlichen Normen, die weiblichen Identitäten, die Geschlechterrollen jeder einzelnen Frau kraft Phänoptyp zugewiesen werden und Druck auf sie in diese Richtung ausgeübt wird.

  • Wer von einer starken Sozialisation ausgeht, die Frauen und Männer betrifft, der muss auch gleichzeitig davon ausgehen, dass es eine geringere Individualität bezüglich dieses Sozialisationsaspektes gibt.
  • Wer von einer schwachen Sozialisation ausgeht, dem fehlt das Argument, warum Frauen sich nicht so leicht von dieser frei machen können.

Der Nachweis, dass es erhebliche Abweichungen gibt, würde damit bedeuten, dass Geschlechterrollen nicht stark sind, und damit dem Feminismus ein wesentliches Element seiner Theorien nehmen, der Nachweis, dass sie stark sind und Frauen hindern, würde hingegen Frauen gleichzeitig ungeeignet für andere Bereiche machen, die entgegen ihrer Rollen bestehen.

Da der Feminismus von starken Rollen ausgeht, müssen Menschen alle gleich sein, wie Marionetten an den Fäden ihrer Geschlechterrollen etc hängen und von diesen kaum abweichen können. Denn anscheinend erkennen beispielsweise Frauen noch nicht einmal, wie nachteilig die Gesellschaft für sie ist und das sie dies in einer Demokratie ändern können, da sie die Mehrheit haben. Ein weitergehendes Denken beider Geschlechter, jedenfalls aber der Frauen, ist mit dem feministischen System nicht vereinbar. Individualität dürfte es nur in den engen Grenzen der Geschlechterrolle geben.

„Wenn Frauen nicht Feministinnen sind, verstehen sie ihr Leben als Leben zweiter Ordnung“

Antje Schrupp schreibt einen Artikel dazu, dass Frauen nicht per se Feministinnen sind und zur Mitwirkung der Frauen am Patriarchat:

Es ist aber die traurige Wahrheit: Das Patriarchat ist nie einfach die Herrschaft von Männern über Frauen. Sondern überall dort, wo es existiert, kann es auf die Unterstützung von Frauen zählen. Viele Frauen akzeptieren die ihnen zugewiesene Rolle einer Existenz zweiter Ordnung. Einer Existenz, die vom Mann abgeleitet ist. Sie akzeptieren die ihnen zugewiesenen Aufgaben, mehr noch, sie machen sie sich zu Eigen. Und: Sie sind es, die diese Ordnung anderen Frauen gegenüber vertreten, oft unbarmherzig.

Frauen sind nicht von Natur aus Feministinnen, sie müssen es werden, in einem bewussten Akt der Entscheidung, die alte symbolische Ordnung der Vorherrschaft des Männlichen nicht mehr zu akzeptieren. Ob es wahrscheinlicher ist, dass eine Frau diese Entscheidung trifft als ein Mann? Vielleicht, weil der Leidensdruck höher ist, weil sie mehr zu gewinnen hat. Vielleicht aber auch nicht, weil auch der Preis höher ist, den sie bezahlt. Eine Frau hat oft auch mehr zu verlieren.

Finde ich klasse in der Einfachheit der Schuldverlagerung: Dass die Gesellschaft und alles, was einem daran nicht gefällt ein Patriarchat ist, dass ist wohl unumstößliche Wahrheit. Wenn Frauen dann mitmachen, dann eben nur, weil die Frauen sich unterordnen. Warum sollten auch Frauen ganz bewußt an so etwas schmutzigen wie dem Patriarchat (welches dann auch nicht definiert wird und vollkommen vage bleibt) mitarbeiten? Es gibt ja für sie anscheinend keinerlei Vorteile.

Und natürlich hat die Frau da auch mehr zu gewinnen. Was wird allerdings nicht gesagt. Eben so wenig wie etwa eine feministische Gegenwelt beschrieben wird. Klar, der Vorstandsposten gibt mehr Kohle, er kommt aber auch nicht selten mit einer Menge Arbeit, viel Stress etc. Und der Job einer Frau eines Vorstandschefs ist in dieser Welt Unterdrückung. Wie schrecklich das aussehen kann, sieht man zum Beispiel hier an Ursula Piech.

Selbstbestimmte Frauen, die eigene Ziele verfolgen kommen hier nicht vor. Was erstaunlich ist, denn diese Beschreibung macht eigentlich nahezu alle möglichen Lebensweisen für Frauen zu einer Unterordnung: Die Karrierefrau biedert sich dem Patriarchat genauso an wie die Hausfrau, weil beide nach dessen Regeln spielen. Es würde mich interessieren, bei welchen Lebensentwürfen Antje da keine Unterwerfung sieht.

Auch ein weiterer Absatz ist interessant:

Dass es beim Feminismus nicht um einen Kampf von Frauen gegen Männer geht, wird oft gesagt, aber diese Aussage ist zwiespältig. Einerseits ist es natürlich auf eine banale Weise wahr. Trotzdem habe ich dabei ein leichtes Unbehagen, weil dieses „Es geht nicht gegen Männer“ leicht so verstanden werden kann, als sollten wir unsere Radikalität im Zaum halten, um die Männer nicht vor den Kopf zu stoßen, sie einzubeziehen, sie „abzuholen“.

Aber das ist nicht der Punkt. Beim Feminismus geht es aus einem viel schlichteren Grund nicht um einen Kampf von Frauen gegen Männer: Weil viele Frauen einen solchen Kampf gar nicht kämpfen, sondern sich mit dem Bestehenden arrangieren oder es sogar gut finden. Oder weil sie schlicht noch gar nicht auf die Idee gekommen sind, dass sie es überhaupt in Frage stellen könnten. Weil sie, die ja genauso wie die Männer in der herkömmlichen symbolischen Ordnung aufgewachsen und sozialisiert worden sind, vielleicht zwar ein diffuses Unbehagen verspüren, aber dafür bisher keinen politischen Ausdruck gefunden haben.

Der Absatz scheint mir etwas misslungen zu sein: Feministinnen sind ja nach ihrer Auffassung diejenigen, die sich gerade nicht arrangiert haben oder es gut finden. Also können sie auch gegen Männer kämpfen, was ja dann irgendwie als Forderung durchschimmert. Oder ist es kein Kampf gegen Männer, weil es auch ein Kampf gegen Frauen ist, eben gegen die, die sich arrangiert haben?

Feminismus ist die Weigerung, eine gesellschaftliche und kulturelle Ordnung anzuerkennen, die Frauen als vom Mann abgeleitete Wesen versteht. Als Wesen, die nicht ihre eigenen Ziele verfolgen, sondern sozusagen nur über Bande mitspielen: Die die Welt verbessern, indem sie die Männer verbessern, die sich in der Welt behaupten, indem sie Männer imitieren, oder die die Gesetze der Männer anderen Frauen gegenüber exekutieren.

Eine recht sinnlose Definition, zumal die Hauptthese, dass diese Frauen in ihrem Leben keine eigenen Ziele verfolgen, kaum auch nur im Ansatz hinterfragt wird. Was ist, wenn Frauen zB das Ziel haben

  • in einer glücklichen Partnerschaft mit Arbeitssteilung zu leben
  • Mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen
  • Karriere nicht als Ziel sehen, dem sie ihre Lebensqualität unterordnen

All dies sind ja keine Ziele die nicht die eigenen eines Menschen sein können. Und was ist wenn sie beispielsweise sich gar nicht von ihrem Mann ableiten, sondern ebenso Forderungen an diesen stellen, etwa

  • das dieser ein guter Versorger und Beschützer ist
  • das der Mann nebenher noch möglichst sich an der Hausarbeit beteiligt
  • das der Mann auch ansonsten ihr zuarbeitet

Ist es dann eine Ableitung vom Mann, in dem sie leben?

Man kann den Mann verbesseren eben auch als Verlagerung von Tätigkeiten sehen, ein bestimmtes Verhalten nicht als imitieren sehen, sondern als Anpassung an einen Markt oder einen Beruf und dessen Regeln, die man als praktikabel und erfolgsversprechend erkannt hat und die „Gesetze der Männer“ als richtig ansehen, aus eigener Überzeugung, und in einer Demokratie als Gesetze der von einem selbst gewählten Vertreter im Parlament. Man kann auch von Männer gemachte Gesetze als frauenfreundlich und männerbenachteiligend ansehen, weil sich Männer anbiedern, um die Gunst weiblicher Wähler buhlen etc.

Eine Feministin erkennt man nicht an den Inhalten ihrer politischen Forderungen und Ansichten, sondern daran, ob sie aufgehört hat, ihr eigenes Leben (und das Leben anderer Frauen) als eines zweiter Ordnung zu verstehen

Also zB unabhängig von Unterhalt, Zugewinn, Versorgungsausgleich? Aber Spass beiseite: Eine ziemlich arrogante Aussage: Frauen, die ihr eigenes Leben leben, sind also zwangseingemeidet, alle anderen leben ein Leben zweiter Ordnung.

Eine ziemliche Abwertung der wohl nach ihrer Auffassung meisten Frauen.

 

„Der Feminismus will doch gerade die negativen Geschlechterrollen auch für Männer aufheben“

In einer Diskussion zu der Frage, wann ein Feminist / Maskulist als vernünftig angesehen wird, bringt Onyx ein bereits häufiger im Feminismus verwendetes Argument:

In seiner Rezension listet Hoffmann einige Dinge auf, wo Männer benachteiligt werden (fehlende Hilfsangebote für Männer, höhere Suizidrate, Sorgerechtsstreitigkeiten, etc). Was er nicht sagt, ist, dass die meisten Punkte davon Ursachen haben, die Anne selbst kritisiert. Nämlich die Tatsache, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der es für Männer verpönt ist, schwach zu sein. In einer Gesellschaft, in deren Justiz selbst noch Gedankenkonstrukte herrschen, in denen “Frau und Muttersein” untrennbar miteinander verwoben ist, aber “Mann und Vatersein” immer optional, und mit vielen Diskussionen verbunden ist

Ich hatte es kürzlich auch schon hier etwas ausführlicher dargestellt, es ist – wie Leszek in der Diskussion bei Onyx auch richtig anführt – das „Patriarchy hurts men too“-Argument.

Meiner Meinung nach geht es an der Sache vorbei. Denn tatsächlich ist das, was der radikale Genderfeminismus dort anbietet, sehr wohl gegen Männer oder zumindest Männlichkeit gerichtet. Denn es wird ja nicht einfach darauf abgestellt, dass sich jeder verhalten soll, wie er will, sondern das ganze wird in eine Opferrolle der Frauen und eine Täterrolle der Männer eingeordnet.

Ein Vergleich macht vielleicht deutlich, warum der Genderfeminismus sich hier zwar formell das Helfen für Männer auf die Fahnen schreiben kann, tatsächlich aber eine Hilfe nicht erfolgt:

Wenn religiöse mittelalterliche Fanatiker anführen, dass sie doch die Probleme der Bauern genau benennen, nämlich schlechte Ernten und zuviel Hagel, und diese Beheben wollen, also eigentlich gut für die Bauern sind, ihre Hilfe aber darin bestehen würde, die Bauern ganz überwiegend für Sünder zu halten und diese Sünden durch das Feuer reinigen wollen, dann können sie sich natürlich in ihrer Gedankenwelt durchaus darauf beruhen, dass ein durch Verbrennen erlöster Sünder sowohl von seinen Sünden reingewaschen ist, was seiner unsterblichen Seele zugute kommt als auch das Dorf durch seine nun nicht mehr vorhandene Sündhaftigkeit auch vor einer Hungersnot bewahrt. Aber wir würden diese Maßnahme trotz dieses scheinbar „guten“ Ansatzes nicht für die heutige Zeit empfehlen, in der wir wissen, dass Dürre und Hagel unabhängig von Sünde existieren.

Der Fehler liegt hier darin, dass ein gutes Ziel  benannt werden kann, welches die anderen auch erreichen wollen, dass aber aufgrund einer falschen Theorie zu den Ursachen mit vollkommen falschen Mitteln angegangen wird, die überaus schädlich für die Bauern sind.

Auf den radikalen Genderfeminismus übertragen mag das gute Ziel sein, dass der Theorie nach auch stereotypes Verhalten von Männern aufgebrochen werden soll. Als Ursache wird aber „das Patriarchat“ angesehen, welches nicht existiert. Und das Mittel ist, dass man Männlichkeit an sich dämonisiert und in eine Privilegientheorie einordnet, innerhalb der Männer eine Art Erbschuld zugwiesen wird, die sie quasi zu Menschen zweiter Klasse macht, die sich beständig für alles exculpieren müssen, beständig ihre Privilegien hinterfragen müssen und selbst nicht diskriminiert werden können.

Verständlicherweise ist diese Position der beständigen Schuld für Männer nicht attraktiv, so dass sie der radikale Genderfeminismus hier eher vom Regen in die Traufe bringt.

Die feministischen Theorien unterschlagen dabei eben auch den Anteil der Frauen und deren Interesse an der Aufrechterhaltung der Geschlechterrollen. So etwas kommt im Feminismus allenfalls unter dem Stichwort vor, dass Frauen bestimmte patriarchische Regeln verinnerlicht haben und sie nur deswegen vertreten. Auch hier ist also die Frau allenfalls Opfer der Umstände oder Verbündete eines System, welches Männern nutzt, aber sie handelt nicht aus eigenem Interesse oder eigener Motivation

Eine Theorie, die darauf abstellt, dass auch Frauen Rollenbilder stützen, indem sie weinende Frauen lächerlich oder erbärmlich finden, weil sie eine Vorliebe für starke, selbstbewußte, Herausforderungen annehmende Männer haben, wird der Realität dabei viel eher gerecht. Und sie erlaubt beiden Geschlechtern eine Verantwortung an den Rollenbildern zuzuweisen, da eben auch die Männer innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz entsprechendes Verhalten abwerten. Zudem zeigt es auch die Schwierigkeiten auf, ein solches Bild zu überwinden, die realistischer sind als „eine unsichtbare Verschwörung der hegemonialen Männer hält die Geschlechternormen am Leben, auch wenn sie sonst keiner will“.

Die feministische Theorie ist insoweit nur scheinbar eine Hilfe. In ihrer radikalen Ausprägung fördert sie nicht die Freiheit der Männer, sondern eher deren bedingungslose Selbstkasteiung in der Hoffnung auf Gnade.

„Das Patriarchat hat mein Smartphone zu groß für meine Hände gemacht“

In einem bemerkenswerten Beitrag beschwert sich Zeynep Tufekci (Assistant Professor in Harvard) ,dass sie mit ihrem Smartphone, einem Nexus 4, keine klaren Photos machen kann, weil es einfach zu groß für ihre Frauenhände ist:

I cursed the gendered nature of tech design that has written out women from the group of legitimate users of phones as portable devices to be used on-the-go.

I cursed that what was taken for granted by the male designers and male users of modern phones was simply not available to me.

I cursed that I could not effectively document how large numbers of ordinary people had come to visit a park were being massively tear-gassed because I simply could not take a one-handed picture.

I especially cursed that I could not lift the camera above my head, hold it steadily *and* take a picture—something I had seen countless men with larger hands do all the time.

I’m 5 foot 2 inches on a good day and my hands are simply not big enough for effective one-handed use of the kind of phones that I want to use for my work.

Und sie ergänzt später:

There is no rule that says the screen size must get bigger with each upgrade in memory or capabilities, and yet it does. For most men, it’s just one small, added benefit. For many women, though it’s a reminder that the tech industry doesn’t always remember or count your existence.

Just so we are clear: I don’t want a pink phone, I don’t want “women’s applications” and I don’t want ruffles or hello kitty on my phone.

I merely want a design that acknowledges that women exist, and women often have smaller hands than men.

Warum sie sich dann kein kleineres Handy kauft als das Nexus, mit einr Größe von 5.27 x 2.7 x 0.35 Zoll und einem Bildschirm von 4,7 Zoll ist mir ein Rätsel.

Ein anderer Beitrag (von dem ich auch den Titel geklaut habe) geht ebenfalls darauf ein:

When she complains that she can’t operate the beast with one hand, it’s tempting to ask, “Well, instead of blaming the patriarchy, why didn’t you buy something a bit smaller?”*

The iPhone 5, for instance, is roughly 10 percent shorter and 20 percent skinnier. And you’re not sacrificing much, performance-wise: I assure you, you can grab some pretty great shots with the dainty iPhone camera. Or maybe she could’ve gotten one of those nifty new phones with the buttons on the back to ease one-handed use?

Aber auch auf dem Android-Bereich sind genug Handys mit 4.0 oder 4.3 Zoll verfügbar.

Dort heißt es weiter:

It is not annoying that she would want a phone that better fits her hands. It is annoying that she would blame society for her poor choice in mobile. (…) When one views life through the prism of gender—when one can’t help but see some sort of conspiracy, accidental or otherwise, in something as simple as the mobile phone market—it becomes easier to demand that debate be shut down.

Eigentlich ein schönes Beispiel dafür, wie innerhalb dieser Denkweise Verantwortung abgegeben wird  und damit weibliche Unterverantwortlichkeit gefördert wird. Auch interessant, wie in dem Beispiel weibliche Produktdesigner ausgeblendet werden und anscheinend davon ausgegangen wird, dass keinerlei Frauen an der Entwicklung beteiligt waren, aber einfach dennoch mit größeren Smartphones zurechtkommen.

Ich kenne einige Frauen, die ein Smartphone mit einem 4.7 Zoll Bildschirm haben und damit sehr zufrieden sind. Ich kenne andere, allerdings auch Männer, denen der Bildschirm zu groß ist und die sich daher ein kleineres Smartphone gekauft haben.

Hier wird einfach konstruiert, dass Frauen gezwungen werden, größere Smartphones zu kaufen, weil Patriarchat. Eine eigene Entscheidung und ein Überblick über den Markt wird ihnen anscheinend nicht zugetraut.

Schön auch einer der Kommentare:

This article is outrageous! What other reason could there be for phones to be big other than the Patriarchy seeking to only benefit men with the sum of human knowledge at HIS fingertips?

People, I mean people in their natural state without the Patriarchy, prefer to watch video on smaller screens, just as pre-Patriarchy people preferred living at one with Mother Gaia before the Patriarchy brought agriculture.

If science and engineering weren’t such male-dominated fields, they’d have certainly come up with a way to make a small phone have a large screen by now.

 

Strukturelle Diskriminierung

Ein Argument, welches immer wieder im Feminismus auftaucht, ist das Argument der „strukturellen Diskriminierung“. Frauen werden nach dieser Ansicht nicht als Einzelpersonen diskriminiert, sondern aufgrund struktureller Gründe. Es ist denke ich an der Zeit, diese Begriffe einmal näher zu behandeln: Dabei nehme ich als Startpunkt zunächst den Wikipediaeintrag zu dem Thema Diskriminierung, der folgende Einteilung bietet:

Kategorisierung Nach der Bewertung als Teil einer Kategorie werden die „Personen unter Absehung von ihren je besonderen Eigenschaften, Interessen und Verdiensten auf bloße Vertreter einer Kategorie reduziert“

Benachteiligung Benachteiligungen können auf allen Ebenen des Lebens stattfinden, insbesondere in Einschränkungen an der Teilnahme am öffentlichen Leben, in der Freizügigkeit, Gesundheit, Ausbildung, Berufsausübung oder beim Entgelt. Eine soziale Diskriminierung kann in vielen Erscheinungsformen auftreten. So unterscheidet man in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion vor allem die bewusste von der unbewussten Diskriminierung. Weitere mögliche Unterscheidungskriterien sind:[14]

  • unmittelbare und mittelbare Diskriminierung
  • alltägliche und strukturelle Diskriminierung
  • individuelle und institutionelle Diskriminierung

Individuelle Diskriminierung Individuelle Diskriminierungen (z. B. nach „schön“ und „hässlich“, oder „nahe-“ und „fernstehend“) werden in verschiedenen Theorieansätzen bei jedem sozialen Akteur als nie gänzlich zu vermeidende Verhaltensmuster vorausgesetzt.[16] Individuelle Diskriminierung kann im Zusammenhang mit struktureller oder institutioneller Diskriminierung erfolgen und bewusst oder unbewusst ausgeübt werden. Hier wird allgemein zwischen Vorurteil, Stereotyp und konkreter Diskriminierung unterschieden. Gegenüber Personen, die zu bestimmten Gruppen gezählt werden, bezeichnen Stereotype: hauptsächlich generalisierte Überzeugungen und Meinungen Vorurteile: darüber hinaus auch allgemeine Bewertungen, gefühlsmäßige Reaktionen und Verhaltensdispositionen individuelle Diskriminierungen: konkrete Handlungen und Verhaltensweisen[17] Die Ermittlung diskriminierender Einstellungen findet mittels der Vorurteilsforschung statt. Strukturelle Diskriminierung Strukturelle Diskriminierung ist die Diskriminierung gesellschaftlicher Teilgruppen, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft begründet liegen. So sind in einer patriarchal strukturierten Gesellschaft Frauen strukturell diskriminiert, Männer hingegen nur durch individuelle Stereotypen oder einzelne Institutionen. Strukturelle Diskriminierung ist zu unterscheiden von der institutionellen Diskriminierung. Thematisch verwandte Fragen zu Struktureller Diskriminierung behandeln Forschungen zur gesellschaftlichen Hegemonie (Antonio Gramsci) oder zur Dominanzgesellschaft (Birgit Rommelspacher). Abgrenzung Struktureller Diskriminierung von Unterdrückung Abzugrenzen von der Strukturellen Diskriminierung ist die Soziale Unterdrückung. Eine gängige Definition von Unterdrückung findet sich bei Iris Marion Young, die fünf Aspekte von Unterdrückung auflistet:

  • Ausbeutung
  • Kulturimperialismus
  • Marginalisierung
  • Machtlosigkeit
  • Gewalt

Unterdrückung beinhaltet nach Young ein gewaltsames „Niederhalten“ der benachteiligten Gruppe und geht oftmals mit Ausbeutung einher. Ein Aufbegehren gegen Unterdrückung wird mit gewaltsamen Repressionen rechnen müssen. Während das, was Young als Kulturimperialismus bezeichnet, sowie die Marginalisierung und Machtlosigkeit durchaus auch zur Diskriminierung zählen, muss Diskriminierung nicht mit Ausbeutung und Gewalt verknüpft sein. Institutionelle Diskriminierung Institutionelle Diskriminierung bezeichnet Diskriminierungen, die von organisatorischem Handeln von Institutionen ausgehen. Dieses findet häufig in einem Netzwerk gesellschaftlicher Institutionen, beispielsweise im Bildungs- und Ausbildungssektor, dem Arbeitsmarkt, der Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik, dem Gesundheitswesen und der Polizei statt. Historisch geht der Begriff der institutionellen Diskriminierung auf die Diskussion zum Institutionellen Rassismus in den USA und Großbritannien zurück. Im Gegensatz zur strukturellen ist die institutionelle Diskriminierung nicht gesamtgesellschaftlich präsent. Ein wesentlicher Bestandteil der institutionellen Diskriminierung ist die ökonomische Diskriminierung. Individuen gelten dann als ökonomisch diskriminiert, „wenn sie bei wirtschaftlichen Transaktionen mit Gegenleistungen konfrontiert werden, welche sich an persönlichen Merkmalen bemessen, die nicht in direktem Zusammenhang mit der Leistung stehen“. Eine ökonomische Diskriminierung findet insbesondere auf dem Arbeitsmarkt, dem Kreditmarkt, dem Versicherungsmarkt und dem Wohnungsmarkt statt und äußert sich häufig in einer Lohn- und Einkommensdiskriminierung.[20] Symbolische Diskriminierung Birgit Rommelspacher betont den Aspekt der Symbolischen Diskriminierung. Zwar werde oftmals betont, dass die diskriminierte Gruppe im Vergleich zur privilegierten Gruppe „weniger Lebenschancen, das heißt weniger Zugang zu Ressourcen und weniger Chancen zur Teilhabe an der Gesellschaft habe.“[21] Aber Diskriminierung findet auch auf der symbolischen Ebene statt. Hierher gehört beispielsweise als eine der von Berit Ås festgestellten fünf Herrschaftstechniken das Unsichtbarmachen diskriminierter Gruppen. Auch Axel Honneth betont den Aspekt der Unsichtbarkeit[22] Allgemein sieht er auf der Anerkennungsebene die Persönlichkeitskomponenten

  • der persönlichen Integrität durch Vergewaltigung und Misshandlung
  • der sozialen Integrität durch Entrechtung und Ausschließung und
  • der Würde durch Entwürdigung und Beleidigung

bedroht. Pierre Bourdieu betrachtet Phänomene symbolischer Diskriminierung unter dem Blickwinkel symbolischer Gewalt.

Individuelle Diskriminierung wäre demnach gegeben, wenn man relativ subjektive Kriterien anwendet, struktureller Diskriminierung, wenn die Gesellschaft auf eine bestimmte Weise ausgerichtet ist, die dazu führt, dass bestimmte Gruppen abgewertet werden. Ein Beispiel soll hier „das Patriarchat“ sein. In dem Spezialartikel zur strukturellen Diskriminierung findet sich folgende Definition der strukturellen Diskriminierung:

Als Strukturelle Diskriminierung werden die Formen von Diskriminierung gesellschaftlicher Gruppen, die in der Beschaffenheit der Struktur der Gesamtgesellschaft immanent begründet liegen, bezeichnet. Das Gegenstück zu Struktureller Diskriminierung stellt die Interaktionelle Diskriminierung dar (…) Ausgangspunkt sind Normen und Regeln, die für alle Gesellschaftsteile gleichermaßen gelten. Sie ziehen strukturelle Diskriminierung nach sich, wenn durch ihre Anwendung in Form von Haltungen oder Handlungen gesellschaftliche Teilgruppen gravierender Ungleichbehandlung ausgesetzt sind. Die Psychologin Ute Osterkamp stellt beispielsweise für den Rassismus fest, „dass rassistische Denk- und Handlungsweisen nicht Sache der persönlichen Einstellungen von Individuen, sondern in der Organisation des gesellschaftlichen Miteinanders verortet sind, welche die Angehörigen der eigenen Gruppe systematisch gegenüber den Nicht-Dazugehörigen privilegieren.“ Strukturelle Diskriminierung beruht auf eingespielten und dauerhaften, oft formalisierten und explizit geregelten institutionellen Praktiken.

In einem Vortrag der Uni Zürich findet sich auch noch etwas zur strukturellen Diskriminierung, was ich ganz anschaulich finde:

Unterrepräsentation: Zeichen struktureller Diskriminierung? Definition struktureller Diskriminierung: • Formale Chancengleichheit ist verwirklicht • Dennoch: auffällige Korrelation zwischen – Der Quote von Inhabern gut und besser dotierter Stellen, Ämter und Funktionen und – einer für diese Stellen, Ämter und Funktionen irrelevanten Eigenschaft: zB Geschlecht, Hautfarbe • Dann muss man annehmen, dass die Strukturen  dieser Gesellschaft die Diskriminierung von  gesellschaftlichen Gruppen fördern und  unterstützen. (Rössler)

Ein gern genommenes Beispiel ist dann wohl die Frage von Frauen in hohen Positionen, dass auch in weiteren Folien aus dem gleichen Vortrag ausgebreitet wird:

Problem: Anwendung auf den Fall eines Unternehmens • Kessler‐Harris: Sears muss diskriminiert haben – Geschlechtlich segregierter Arbeitsmarkt – Männliche Konnotation und entsprechende Vorurteile • Rosenberg: Sears muss nicht diskriminiert haben – Frauen sind traditionell daran interessiert, Familie und  Erwerbsarbeit miteinander zu verknüpfen – Frauen haben „feminine“ Werte internalisiert, solche  Präferenzen entwickelt und handeln entsprechend

Hier werden also zwei verschiedene Möglichkeiten aufgezeigt, einmal gilt der geschlechtlich aufgeteilte Arbeitsmarkt als Beleg und es wird darauf hingewiesen, dass bestimmte Jobs männlich gedacht werden und Männer in diesen bessere Fähigkeiten zugesprochen werden, zum anderen wird darauf verwiesen, dass Frauen andere Vorstellungen haben und sich frei entschieden haben. Das wird dann im Folgenden so entkräftet:

Differenzkeule und Autonomiekeule Aushebelung des Konzepts der „strukturellen Diskriminierung“ unter Verweis auf

  • das Anderssein („Differenzkeule“) und
  • die daraus resultierenden anderen Entscheidungen („freie Wahl“!)  von Frauen („Autonomiekeule“)

Das Anderessein ist natürlich bereits selbst im Genderfeminismus kein zulässiges Argument, da es dort eben kein tatsächliches Anderssein gibt, sondern nur künstlich herbeigeführtes „Anderssein“, das dann selbst Folge einer strukturellen Diskriminierung sein muss, denn den Frauen wird ja hier über das Anderssein der Platz an der Spitze bzw der bessere Job abspenstig gemacht. Freilich gegen ein anderes Verhältnis von Freizeit zu Arbeit und unter Berücksichtigung von mehr Zeit mit Kindern sowie meist unter Berücksichtigung eines Ehemannes, der die finanzielle Seite ausgleicht etc, aber das darf darf darf anscheinend keine Andersheit begründen und damit auch keine freie Entscheidung. Es gibt keine freie Entscheidung in einer strukturellen Diskriminierung, man darf die Vorteile nicht betrachten, man darf nicht überlegen, ob es für die jeweilige Frau vielleicht ein durchaus günstiger Tausch ist, oder ob sie tatsächlich anders ist, es ist schlicht Diskriminierung, basta. Das man dabei diverse Sachen nicht berücksichtigt und tatsächlich einiges für die Differenzkeule und die Autonomiekeule spricht, dass ist innerhalb dieses Systems nicht denkbar. Tatsächlich spricht aber einiges Dafür: Sowohl bei der Berufswahl:

Als auch bei den Faktoren, die für den Gender Gap sprechen:

Hinzu kommen die vielfältigen Argumente für ein Anderssein aus der Biologie.

Sprich: Aus meiner Sicht greifen die beiden Argumente, die hier abwertend als „Keule“ dargestellt werden, also wohl im Sinne eines Totschlagarguments, durchaus durch. Der Feminismus prüft sie nur ungenügend und entdeckt daher strukturelle Diskriminierungen, wo eigentlich keine sind.

Kritische Männerforschung

Gestern kam kurz das Thema kritische Männerforschung auf. Dazu aus der Wikipedia zunächst zur Männerforschung:

Männerforschung ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit dem Thema Mann und Männlichkeiten befasst. Dazu gehören sozialwissenschaftliche, erziehungswissenschaftliche, psychologische und historische Untersuchungen. Die Forschung findet analog zur Frauenforschung vor allem im Rahmen der Geschlechterforschung statt. Als eigenständige Disziplin konnte sie sich jedoch im deutschsprachigen Raum bislang nicht etablieren.

Männerforschung an sich ist natürlich eine gute Idee, ebenso wie Frauenforschung. Alllerdings sollte aus meiner Sicht natürlich auch eine medizinisch-biologische Forschung dazu kommen.

Kritische Männerforschung

Forschung ist aufgrund des systematischen Ausschlusses von Frauen aus den Universitäten bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein zumeist Forschung von Männern (Androzentrismus) gewesen, da eben nur Männer an ihr teilnehmen durften. In Abgrenzung zur männerdominierten Wissenschaft gab sich die in den 1980er Jahren entstehende Forschung über Männer und Männlichkeiten den Namen Kritische Männerforschung.

Da sieht man bereits, dass die kritische Männerforschung nahe an der feministischen Theorie ist. Die Forschung mag eine ganze Zeit männerdominiert gewesen sein, aber rein aus diesem Umstand heraus muss sie nicht falsch gewesen sein. Und wenn sie dies war, dann ist das beste Mittel zur weiteren Forschung nicht eine Art Standpunkttheorie, sondern die Anwendung empirischer Wissenschaft.

Die Kritische Männerforschung geht weitgehend von einem emanzipatorischen, teilweise auch von einem feministischen Ansatz aus. Das heißt sie hinterfragt bestehende Rollenbilder und teilt zentrale Konzepte, welche in feministischen Ansätzen der Geschlechterforschung begründet sind und entwickelt diese für ihre Zwecke weiter.

Damit ist sie eben nur in eine Richtung kritisch, wobei aus meiner Sicht diese Kritik bereits den falschen Ansatzpunkt hat, wenn sie einfach nur auf das Geschlecht der bisherigen Forscher abstellt. Sie ist insoweit – jedenfalls wohl teilweise – unkritisch gegenüber der anderen Richtung, eben den feministischen Ansätzen.

Das hinterfragen von Rollenbildern kann dabei natürlich sinnvoll sein, dagegen möchte ich gar nichts sagen. Es sollte allerdings mit einer gewissen Neutralität erfolgen und nicht zu einer Verdammung von Männlichkeit führen.

 Innerhalb der Kritischen Männerforschung ist allerdings umstritten, in welchem Verhältnis sie zur feministischen Frauen- und Geschlechterforschung steht. In den Anfängen gab es prominente Stellungnahmen von profeministischen Männerforschern, welche eine Unter- oder Nachordnung von Männerforschung postulierten. Andere sahen und sehen Kritische Männerforschung als wichtige Ergänzung zur feministischen Frauenforschung, welche sich ggf. auch kritisch mit den Blinden Flecken auseinandersetzen müsse.

Das ist ja immerhin etwas. Die Unter- und Nachordnung kennt man ja schon aus anderen profeministischen Männerbewegungen. Im wesentlichen ein Unterstützen und nicht zuviel Raum einnehmen und immer schon die eigenen Privilegien reflektieren. Denn da eine Frau nie privilegiert sein kann muss letztendlich alles auf Befreiung der Frau aus dem Patriarchat ausgerichtet sein, die Befreiung des Mannes folgt dann quasi als Lösung des Nebenwiderspruchs, wenn man den Hauptwiderspruch gelöst hat.

Meiner Meinung nach muss eine Männerforschung jederzeit eigene Theorien entwickeln können und muss nicht bei der Kritik blinder Flecken stehenbleiben, sondern kann natürlich umfassend kritisieren (oder auch zustimmen, je nach dem).

Prinzipien der Kritischen Männerforschung nach Jeff Hearn

Jeff Hearn entwickelte 1987 im Magazin der englischen Männerbewegung „Achilles Heel“ fünf Prinzipien, die für eine zukünftige kritische Männerforschung Anwendung finden sollten:

  •  Männer sollten die Autonomie der Frauenforschung respektieren, was nicht heißen soll, umgekehrt eine Autonomie der Männerforschung einzufordern.
  • Männerforschung soll Frauen und Männern offen stehen.
  • Das vorrangige Ziel der Männerforschung ist die Entwicklung einer Kritik an männlicher Praxis, zumindest teilweise aus feministischer Sichtweise.
  • Männerforschung ist interdisziplinär anzulegen.
  • Männer, die Männerforschung betreiben, müssen ihre Praxis des Forschens, Lernens, Lehrens und Theoretisierens hinterfragen, um nicht die patriarchale Form eines desinteressierten Positivismus zu reproduzieren. Ziel sei eine Bewusstseinserweiterung der Männer.

1990 ergänzte Jeff Hearn zusammen mit David Morgan in „The critique of men“ diese Prinzipien noch um die Punkte, dass (heterosexuelle) Männer sich nicht um Forschungsgelder und Universitätsposten bewerben sollen, die für Geschlechterforschung ausgeschrieben wurden, und dass feministische Wissenschaft und Frauenforschung in der eigenen Forschung und in den Institutionen zu unterstützen sei.

Da wäre natürlich die Frage, was überhaupt mit Autonomie der Frauenforschung gemeint ist. Natürlich sollte auch die Frauenforschung Theorien aufstellen können und Forschung jeder Art betreiben können. Aber natürlich kann es dabei keine Immunität geben. Jede Forschung muss immer hinterfragbar sein, und das natürlich aus jeder Ecke. Das Hinterfragen von Theorien und Forschung anderer ist aus meiner Sicht das Kernstück jeder Wissenschaft.

Und natürlich muss diese Freiheit auch für eine Männerforschung gelten. Gründe dafür, dass diese sich nur an die Frauenforschung anhängen dürfen sind aus meiner Sicht nicht ersichtlich. Es setzt sich dann eben die bessere Theorie durch.

Als Hauptpunkt einer Männerforschung Kritik an männlichen Praktiken zu fordern scheint mir auch eine sehr einseitige Ausrichtung zu sein. Zumal aus meiner Sicht dabei ein wesentlicher Aspekt verloren geht, nämlich die gegenseitige Beeinflussung der Geschlechter. Aus meiner Sicht lassen sich Geschlechterpraktiken nicht als reine Praktiken einer Gruppe erklären, die Unbeeinflusst von den Handlungen des anderen Geschlechts und der Biologie sind. Hier scheint mir der Gedanke vorzuherrschen, dass männliche Praktiken einfach Machtmittel sind, die die Gruppe der Männer anwendet. Wenn es sich lediglich um Praktiken handelt, die dazu dienen Frauen einzuschränken und Männern die Macht zu sichern, dann ist verständlich, wenn man diese Praktiken kritisieren und dann gegebenenfalls abschaffen möchte. Das ist aber eine sehr einfache Betrachtung: Einem Geschlecht einfach alle Unterschiede als Unterdrückung anzulasten geht aus meiner Sicht an der Realität vorbei.

„Die patriarchale Form eines desinteressierten Positivismus zu reproduzieren“ bedeutet wohl, dass man schnell in den alten Mustern hängen bleibt und diese dann durch nicht hinreichend mutiges Infragestellen beibehält, also die Forschung oder seinen Unterricht so anlegt, dass letztendlich etwas patriarchales dabei rauskommt. Auch hier ist natürlich hinterfragen gut. Aber der Aufbau eines Feindbildes, welches überall patriarchale Praktiken sieht schlecht. 

Das die Zurückhaltung bei den Fördergeldern aus meiner Sicht unsinnig ist, folgt bereits daraus, dass ich die wohl dahinterstehende Erbschuld nicht teile.

Roy Baumeister: Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?

Roy Baumeisters Buch „Is There Anything Good About Men?: How Cultures Flourish by Exploiting Men“ (deutsch: „Wozu sind Männer eigentlich überhaupt noch gut?: Wie Kulturen davon profitieren, Männer auszubeuten„) klingt nach einem Buch, welches für Leser dieses Blogs thematisch interessant sein könnte.

Baumeister zu seinem Buch in einem Vortrag:

My purpose in this talk is not to try to balance this out by praising men, though along the way I will have various positive things to say about both genders. The question of whether there’s anything good about men is only my point of departure. The tentative title of the book I’m writing is “How culture exploits men,” but even that for me is the lead-in to grand questions about how culture shapes action. In that context, what’s good about men means what men are good for, from the perspective of the system.

Es geht also nicht um „Männer sind besser“, sondern beide sind gut, werden aber verschieden „verwertet“.

Dazu auch noch das Folgende:

Hence this is not about the “battle of the sexes,” and in fact I think one unfortunate legacy of feminism has been the idea that men and women are basically enemies. I shall suggest, instead, that most often men and women have been partners, supporting each other rather than exploiting or manipulating each other. Nor is this about trying to argue that men should be regarded as victims. I detest the whole idea of competing to be victims. And I’m certainly not denying that culture has exploited women. But rather than seeing culture as patriarchy, which is to say a conspiracy by men to exploit women, I think it’s more accurate to understand culture (e.g., a country, a religion) as an abstract system that competes against rival systems — and that uses both men and women, often in different ways, to advance its cause.

Also keine Opferolympiade, aber eben auch keine einseitige Betrachtung als Patriarchat, sondern ein Verstehen der Zusammenhänge aus denen heraus sich eine bestimmte Kultur durchgesetzt hat.

Zum Einsatz der Männer schreibt er:

Seeing all this, the feminists thought, wow, men dominate everything, so society is set up to favor men. It must be great to be a man.

The mistake in that way of thinking is to look only at the top. If one were to look downward to the bottom of society instead, one finds mostly men there too. Who’s in prison, all over the world, as criminals or political prisoners? The population on Death Row has never approached 51% female. Who’s homeless? Again, mostly men. Whom does society use for bad or dangerous jobs? US Department of Labor statistics report that 93% of the people killed on the job are men. Likewise, who gets killed in battle? Even in today’s American army, which has made much of integrating the sexes and putting women into combat, the risks aren’t equal. This year we passed the milestone of 3,000 deaths in Iraq, and of those, 2,938 were men, 62 were women.

Ein Einwand, der in der Männerbewegung schon lange verwendet wird, beispielsweise von Warren Farrell. Es zeigt eben die andere Seite der Geschlechterverhältnisse, bei der deutlich wird, dass es nicht um eine einseitige, privilegierende Männerbevorzugung geht. Männer tragen eben auch viele der Lasten der Gesellschaft.

Baumeister zum Aufbau des Systems:

Most cultures have tended to use men for these high-risk, high-payoff slots much more than women. I shall propose there are important pragmatic reasons for this. The result is that some men reap big rewards while others have their lives ruined or even cut short. Most cultures shield their women from the risk and therefore also don’t give them the big rewards.

Also erst einmal eine verschiedene Verteilung von Risiken, die auch zu anderen Nutzen führt. Letztendlich ein Tausch/Kompromiss. Zu diesem „Trade/off“ schreibt er weiter:

Tradeoff example: African-Americans suffer from sickle cell anemia more than white people. This appears to be due to a genetic vulnerability. That gene, however, promotes resistance to malaria. Black people evolved in regions where malaria was a major killer, so it was worth having this gene despite the increased risk of sickle cell anemia. White people evolved in colder regions, where there was less malaria, and so the tradeoff was resolved differently, more avoiding the gene that prevented malaria while risking sickle cell anemia.

The tradeoff approach yields a radical theory of gender equality. Men and women may be different, but each advantage may be linked to a disadvantage.

Hence whenever you hear a report that one gender is better at something, stop and consider why this is likely true — and what the opposite trait might be good for.

Da gibt es natürlich viele Beispiele: Männer haben mehr Kraftmuskeln, Frauen haben einen geringeren Energiebedarf, Frauen sind besser in Empathie, Männer weniger empfindlich etc

Ein weiterer Unterschied könnte eine verschiedene Motivation in bestimmten Bereichen sein:

Maybe women can do math and science perfectly well but they just don’t like to. After all, most men don’t like math either! Of the small minority of people who do like math, there are probably more men than women. Research by Eccles has repeatedly concluded that the shortage of females in math and science reflects motivation more than ability. And by the same logic, I suspect most men could learn to change diapers and vacuum under the sofa perfectly well too, and if men don’t do those things, it’s because they don’t want to or don’t like to, not because they are constitutionally unable (much as they may occasionally pretend otherwise!). Several recent works have questioned the whole idea of gender differences in abilities: Even when average differences are found, they tend to be extremely small. In contrast, when you look at what men and women want, what they like, there are genuine differences. Look at research on the sex drive: Men and women may have about equal “ability” in sex, whatever that means, but there are big differences as to motivation: which gender thinks about sex all the time, wants it more often, wants more different partners, risks more for sex, masturbates more, leaps at every opportunity, and so on. Our survey of published research found that pretty much every measure and every study showed higher sex drive in men. It’s official: men are hornier than women. This is a difference in motivation.

Das finde ich ein gutes Beispiel: Theoretisch, den Fähigkeiten nach, könnten Frauen sogar mehr Sex haben als Männer. Aber sie wollen es eben nicht, weil sie eine geringere „Motivation“ in Form eines geringen Sextriebs haben. Wir könnten vielleicht viele Arbeiten anders aufteilen, aber beide Geschlechter haben häufig eine andere Motivationslage, die die bisherige Aufteilung stützt.

Likewise, I mentioned the salary difference, but it may have less to do with ability than motivation. High salaries come from working super-long hours. Workaholics are mostly men. (There are some women, just not as many as men.) One study counted that over 80% of the people who work 50-hour weeks are men. That means that if we want to achieve our ideal of equal salaries for men and women, we may need to legislate the principle of equal pay for less work. Personally, I support that principle. But I recognize it’s a hard sell.

Der Lohnunterschied als reines Motivationsproblem bzw. als Problem verschiedener Interessen war hier auch schon häufiger Thema.

Einen Grund für diese Unterschiede sieht Baumeister in den unterschiedlichen Fortpflanzungsquoten bei Männern und Frauen:

Consider this question: What percent of our ancestors were women? (…) Recent research using DNA analysis answered this question about two years ago. Today’s human population is descended from twice as many women as men. I think this difference is the single most underappreciated fact about gender. To get that kind of difference, you had to have something like, throughout the entire history of the human race, maybe 80% of women but only 40% of men reproduced.

Bereits dieser Unterschied bedingt nach Baumeister, dass Männer wesentlich mehr zu den Extremen gelangen:

For men, the outlook was radically different. If you go along with the crowd and play it safe, the odds are you won’t have children. Most men who ever lived did not have descendants who are alive today. Their lines were dead ends. Hence it was necessary to take chances, try new things, be creative, explore other possibilities. Sailing off into the unknown may be risky, and you might drown or be killed or whatever, but then again if you stay home you won’t reproduce anyway. We’re most descended from the type of men who made the risky voyage and managed to come back rich. In that case he would finally get a good chance to pass on his genes. We’re descended from men who took chances (and were lucky).

Männer sind also eher das Produkt von risikobereiten Vorfahren, während Frauen aufgrund ihrer hohen Fortpflanzungsquote weniger das „Ob“ als das „Wie“ im Auge behalten mussten und insoweit weit weniger auf Risikobereitschaft selektiert worden sind.

Bei den Unterscheiden stellt sich Baumeister dann die Frage, ob Frauen sozialer sind als Männer:

The gist of our view was that there are two different ways of being social. In social psychology we tend to emphasize close, intimate relationships, and yes, perhaps women specialize in those and are better at them than men. But one can also look at being social in terms of having larger networks of shallower relationships, and on these, perhaps, men are more social than women. It’s like the common question, what’s more important to you, having a few close friendships or having lots of people who know you? Most people say the former is more important. But the large network of shallow relationships might be important too. We shouldn’t automatically see men as second-class human beings simply because they specialize in the less important, less satisfying kind of relationship. Men are social too — just in a different way.

Auch hier geht es also wieder um Unterschiede, nicht ein besser oder schlechter. Männer haben insofern einfach eine andere Art ein entsprechendes Freundesnetzwerk aufzubauen als Frauen.

Er erläutert die Unterschiede auch an dem Beispiel der Fairness:

Fairness is another example. Research by Major and others back in the 1970s used procedures like this. A group of subjects would perform a task, and the experimenter would then say that the group had earned a certain amount of money, and it was up to one member to divide it up however he or she wanted. The person could keep all the money, but that wasn’t usually what happened. Women would divide the money equally, with an equal share for everybody. Men, in contrast, would divide it unequally, giving the biggest share of reward to whoever had done the most work. Which is better? Neither. Both equality and equity are valid versions of fairness. But they show the different social sphere orientation. Equality is better for close relationships, when people take care of each other and reciprocate things and divide resources and opportunities equally. In contrast, equity — giving bigger rewards for bigger contributions — is more effective in large groups. I haven’t actually checked, but I’m willing to bet that if you surveyed the Fortune 500 large and successful corporations in America, you wouldn’t find a single one out of 500 that pays every employee the same salary. The more valuable workers who contribute more generally get paid more. It simply is a more effective system in large groups. The male pattern is suited for the large groups, the female pattern is best suited to intimate pairs.

Dazu, warum gerade Männer auf das Leben in der großen Gruppe ausgelegt sind, habe ich schon hier was geschrieben.

Aus diesem Gruppengefüge soll dann auch die Kultur entstanden sein. Baumeister zu der feministischen Begründung dazu:

Gender inequality seems to have increased with early civilization, including agriculture. Why? The feminist explanation has been that the men banded together to create patriarchy. This is essentially a conspiracy theory, and there is little or no evidence that it is true. Some argue that the men erased it from the history books in order to safeguard their newly won power. Still, the lack of evidence should be worrisome, especially since this same kind of conspiracy would have had to happen over and over, in group after group, all over the world.

In der Tat: Die Patriarchatstheorien sind Verschwörungstheorien, für die es keine Beweise gibt und gegen die sehr viel spricht. Eine Erklärung, wie sich trotz der Gleichheit immer wieder die  Männer durchsetzen konnten, kenne ich nicht.

Baumeisters eigene Erklärung sieht Kultur als direkte Folge der männlichen Gruppentheorien:

Let me offer a different explanation. It’s not that the men pushed the women down. Rather, it’s just that the women’s sphere remained about where it was, while the men’s sphere, with its big and shallow social networks, slowly benefited from the progress of culture. By accumulating knowledge and improving the gains from division of labor, the men’s sphere gradually made progress. Hence religion, literature, art, science, technology, military action, trade and economic marketplaces, political organization, medicine — these all mainly emerged from the men’s sphere. The women’s sphere did not produce such things, though it did other valuable things, like take care of the next generation so the species would continue to exist. Why? It has nothing to do with men having better abilities or talents or anything like that. It comes mainly from the different kinds of social relationships. The women’s sphere consisted of women and therefore was organized on the basis of the kind of close, intimate, supportive one-on-one relationships that women favor. These are vital, satisfying relationships that contribute vitally to health and survival. Meanwhile the men favored the larger networks of shallower relationships. These are less satisfying and nurturing and so forth, but they do form a more fertile basis for the emergence of culture.

Eine Entwicklung der Kultur und der größeren Gemeinschaften aus dem lockeren Verbund der Männer erscheint mir durchaus logisch und würde auch erklären, warum Matriarchate eher kleine Volksstämme sind und selten große Reiche.

Baumeister führt dazu weiter aus:

Thus, the reason for the emergence of gender inequality may have little to do with men pushing women down in some dubious patriarchal conspiracy. Rather, it came from the fact that wealth, knowledge, and power were created in the men’s sphere. This is what pushed the men’s sphere ahead. Not oppression.

Da könnte man natürlich einwenden, dass sie zwar dort kreiert worden sein mögen, sie nun mehr aber gleich zu verteilen sind. Allerdings hat dies eben auch biologische Folgen, wenn ein Umstand über einen evolutionär interessanten Zeitraum einem bestimmten Geschlecht zugeordnet ist, was eben wieder zu den verschiedenen Fähigkeiten und Motivation passt.

Baumeister führt dann an, wozu Männer in Kulturen gut sind:

  • First, culture relies on men to create the large social structures that comprise it. Our society is made up of institutions such as universities, governments, corporations. Most of these were founded and built up by men. Again, this probably had less to do with women being oppressed or whatever and more to do with men being motivated to form large networks of shallow relationships. Men are much more interested than women in forming large groups and working in them and rising to the top in them.
  • The second thing that makes men useful to culture is what I call male expendability. This goes back to what I said at the outset, that cultures tend to use men for the high-risk, high-payoff undertakings, where a significant portion of those will suffer bad outcomes ranging from having their time wasted, all the way to being killed. (…) Thus, men create the kind of social networks where individuals are replaceable and expendable. Women favor the kind of relationships in which each person is precious and cannot truly be replaced.
  • The phrase “Be a man” is not as common as it once was, but there is still some sense that manhood must be earned. Every adult female is a woman and is entitled to respect as such, but many cultures withhold respect from the males until and unless the lads prove themselves. This is of course tremendously useful for the culture, because it can set the terms by which males earn respect as men, and in that way it can motivate the men to do things that the culture finds productive

Klinkt etwas nach „Das Patriarchat ist an allem schuld“ aber anders als dort ist die Kultur nicht der Hauptwiderspruch, dessen wegfallen das irdische Paradies ausbrechen lassen würde, sonder ohne diese Form der Ausbeutung des Mannes wären die anderen Vorteile, die dieses System mit sich bringt, nicht mehr nutzbar.