Nochmal zu „Eier sind teuer, Sperma ist billig“

Ein kurzes Eingehen auf zwei Kritikpunkte, die genannt worden sind

1. „Inzwischen ist Sperma nicht mehr billig, weil Männer hohe Kosten tragen“

„Sperm is cheap, eggs are Expensive“ ist eine Selektionsregel für Verhaltensweisen, die auf den Umstand hinweist, dass Eier teurer zu produzieren sind und Sperma relativ billig. Gerade bei Säugetieren kommt noch hinzu, dass die Minimalkosten für einen Mann bei der Fortpflanzung verschwindend gering sind (also was er theoretisch einsetzen muss, um mit niedrigsten vorstellbaren Kosten Nachwuchs zu bekommen = etwas Bewegung und leicht herzustellendes Sperma), während sie für eine Frau deutlich höher sind: Sie muss die Kosten der Schwangerschaft aufbringen und die Schwangerschaft dauert 9 Monate und danach ist eine Stillzeit einzurechnen. Ein Baby pro Jahr wäre da schon sehr viel.

Bereits daraus entsteht eine ganz spezielle Selektion:

Ein einfaches Beispiel wäre, dass es sich für eine Frau weitaus weniger lohnt mit vielen Männern zu schlafen, weil sie nur einmal schwanger werden kann. Es ist für sie günstiger, von einem guten Mann schwanger zu werden als von einem schlechten. Ein Mann könnte umgekehrt schlicht beide schwängern.

Es ist für diesen Punkt auch vollkommen egal, dass sie evtl Kosten auf einen Mann abwälzen kann, denn sie kann dennoch nur ein Kind produzieren, auch wenn er alle Kosten übernimmt. Hingegen könnte der Mann selbst dann noch mit einer anderen schlafen und sie theoretisch schwängern. Es kostet ihn erst einmal quasi nichts.

Aus dieser Diskrepanz wird deutlich, dass eine Selektion gegen Casual Sex bei Frauen oder für Casual Sex bei Männern oder bei beiden jedenfalls in die andere Richtung leicht erfolgen kann.

Zudem verkennt dieses Argument häufig, dass die Weitergabe der Kosten gerade eine Folge davon ist, dass Sperma billig und Eier teuer sind.

Wenn man zwei Arten von Hersteller hätte, die nur zusammen eine Produkt herstellen können, aus zwei Komponenten, und der eine (A) kann die eigene Komponente in 9 Monaten herstellen, der andere (B) aber die andere Komponente an einem Tag, der Gewinn müsste aber immer 50% zu 50% geteilt werden, dann wäre es wohl klar, dass es sich für B lohnt, dass er sich mit möglichst vielen As zusammen tut, und jede Gelegenheit nutzt, eines der Produkte herzustellen. Wenn jetzt B sich an den Kosten der Herstellung für A beteiligen könnte, etwa in dem er Ressourcen sammelt, dann ist A immer noch die teuere Komponente. B is Cheap, A is expensiv. Für B ist es immer noch günstiger, selbst wenn die meisten Bs nur dann ein Produkt mit einem A herstellen, wenn sich dieser A an den Kosten beteiligt, jeden A der es einfach so macht, zu nutzen um seinen Profit zu maximieren. Und es wäre auch verständlich, wenn die meisten As genau das eben nicht machen würden, sondern sich nur mit Bs zusammen tun, die einen Teil der Kosten abdecken.

As Teil ist nicht teurer geworden, nur die Gesamtproduktion des Produkts ist für A teurer geworden.

2. Die Fortpflanzungschancen eines Mannes bei Sex sind sehr gering, es lohnt sich für ihn nicht. 

Auch hier muss man sich bewusst machen, was Evolution bedeutet: Kleinste Vorteile führen zu einem stetigen Prozess der Anreicherung bestimmter Gene. Ein klein wenig mehr Muskeln führen zu einem Vorteil, der sich in einem Reproduktionsvorteil niederschlägt und mehr Gene in die nächste Generation bringt. (langfristige) Genweitergabe ist das was zählt, alles andere ist nur der Weg zum Ziel.

Und Sex zu haben ist für einen Mann jedesmal eine recht hohe Chance genau dort hin, weitaus größer als der Vorteil, den einen ein kleiner Zuwachs in zB Muskelmasse bringt. Es gibt – abgesehen davon die Chancen mit einer festen Partnerin zu gefährden – absolut keinen Grund nicht Sex zu haben, selbst bei relativ kleinen Chancen. Es ist, weil man die Kosten im Minimalansatz nicht trägt, immer günstiger den Sex zu haben als ihn nicht zu haben.

Tatsächlich sagt ja aber auch niemand, dass er nur einmal mit der Zweitfrau Sex haben muss. Er kann mit ihr theoretisch sogar die gleiche Menge an Sex oder mehr Sex haben wie mit seiner Ex-Frau:

Und es wird auch gerne übersehen, dass es nicht auf den reinen Vorteil ankommt, sondern für den Geschlechterunterschied auf die Differenz zwischen Mann und Frau. Für die Frau ist es eben der Erfolg bei dieser Strategie wesentlich geringer und es kann ihren Fortpflanzungserfolg verschlechtern, wenn sie mit vielen unterschiedlichen Männern unterschiedlicher Qualität schläft, zumal Vaterunsicherheit das beste evolutionäre Argument dafür ist, die Kosten für sie als Mann nicht zumindest anteilig zu übernehmen.

Selbst wenn er also nur +1 Fortpflanzungspunkt für einmal Sex bekommen würde, sie bekommt -10 Fortpflanzungspunkte. Damit wäre die Differenz schon bei 11 Punkten, was eine große Lücke schafft.

Dazu auch aus einer Besprechung des neuen Buches von Cordelia Fine:

Fine takes a stab at showing that there’s isn’t much point [in terms of extra evolutionary fitness] in men getting extra mates. She comes up with an unphysical and absurd example – mentioning how unlikely it would be for 100 one-night stands to generate an extra 100 babies. That’s totally irrelevant: all it shows is that she’s innumerate. Here’s the practical example: suppose some dude has a wife and a girlfriend next door. Suppose he has intercourse 50 times with each of them over a year – both are probably going to have a kid, while with just the wife , he would have had one. 2 > 1. Am I getting too abstract here? By the way, if sexual selection doesn’t really happen, what could explain men’s huge strength advantage? Eating Wheaties?

Fine seems to think that only producing a horde of extra kids could have any evolutionary significance – but she is wrong. One more kid is a big deal, fitness-wise. On average, over most of the human past, people only managed to raise two children to adulthood. In real life there are always other factors to consider, of course. Does he have enough resources to feed one more child? Is his girlfriend married, and will her husband be duped into raising someone else’s kid? Or will her husband get wise and clobber our protagonist?

Fine is inspired here by some work by Dorothy Einon, who attempted to show that a famous case, where Sultan Moulay Ismail (“the Bloodthirsty”) is said to have fathered 888 children, couldn’t possibly have happened. Einon was wrong: careful simulations show that it was possible, although Ismail did show real dedication. Fine manages to misunderstand Einon’s mistakes.

If you make a math model whose results that completely contradict common knowledge – if it predicts that the Saudi royal family does not exist, or that Miles Park Romney didn’t father 30 children – you would be well advised to recheck it. Just sayin’.

Fine goes on to criticize the ‘man-the-promiscuous-horny-hunter/woman-the-choosy-chaste-gatherer. It can’t be the case that men want sex more than women – why, if that were true, prostitution would exist. Ba-dum-bump. Among foragers, are men really the hunters, almost always? Of course they are: men have much greater upper body strength. Spears and arrows don’t launch themselves.

In der Tat ist ein Kind, welches überlebt und sich fortpflanzt, bereits ein sehr enormer Vorteil. Selbst wenn er mit seiner anderen Frau 3 Kinder hätte wären 4 Kinder ein enormer Vorteil. Ein noch größerer Vorteil, wenn er das Kind von anderen durchfüttern lässt, etwa einem anderen Partner oder eben ihren Eltern und anderen Verwandten. Das Kind hätte absolut keine Kosten ausgelöst, aber er hätte seine Fortpflanzungsrate enorm gesteigert. Der Weg dahin ist aber Frauen vollkommen verschlossen, weil sie selbst die Engstelle der Babyproduktion sind. Also wäre es ein großer Vorteil für einen Mann und eher ein Nachteil für eine Frau.

 

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