Japan, sexlose Grasesser und Testosteron

Ein interessantes Phänomen wird aus Japan berichtet:

Die Japaner werden immer einsamer. Klingt schnell dahingesagt, ist aber statistisch belegbar: 70 Prozent der ledigen Männer und 60 Prozent der unverheirateten Frauen zwischen 18 und 34 haben keine Beziehung. Fast die Hälfte von ihnen will auch gar keine. Zu diesem Schluss kam Japans Institut für Bevölkerungs- und Sozialstudien in einer Sexual-Untersuchung, die es seit 1987 alle fünf Jahre durchführt. 44Prozent der Männer und 42 Prozent der Frauen sagten, sie hätten noch nie Sex gehabt. Die Zahl nimmt zu, vor fünf Jahren waren es noch 36 Prozent der Männer.

Das sind schon sehr hohe Zahlen, mich würden die deutschen Vergleichszahlen interessieren, aber ich vermute, dass sie deutlich niedriger sind. 44% der Männer zwischen 18 und 34 haben noch keinen Sex gehabt? Das wäre wirklich erstaunlich hoch. Insbesondere wenn die Hälfte auch kein Interesse daran hat.

„Grasfresser“ nennen die Japaner junge Männer, die keinen Sex wollen. Sie seien freundlich und scheu, ohne Gefühl für ihre Männlichkeit. So beschreibt das zumindest der Philosoph Masahiro Morioka, der den Begriff mit seinem Buch „Liebes-Lektionen für herbivore Jungs“ bekannt machte. Grasfresser wollten keine großen Gefühle, niemanden verletzen und auf keinen Fall verletzt werden. Fragt man die jungen Männer, formulieren sie es einfacher: Beziehungen seien ihnen zu „umständlich“.

Eine Generation, die zu einem relativ großen Teil der Beziehung abgeschworen hat. Es ist aus meiner Sicht nicht verwunderlich, dass dies in einem Land wie Japan geschieht, denn bei diesen liegen auch im Schnitt andere biologische Gegebenheiten vor, die sich auf den Sexualtrieb auswirken.

Es scheint weniger das freie Testosteron zu sein als vielmehr die Fähigkeit, dieses entsprechend wahrzunehmen:

though plasma testosterone levels are an important factor in sex hormone-dependent features, they obviously cannot explain the ethnic differences in these features. These differences seem to be mediated instead by differential enzyme and androgen receptor activity [6].  Specifically,  5a-reductase, the enzyme that converts testosterone into DHT, activity seems to vary among ethnic groups.  DHT is an androgenic hormone whose affinity to the androgen receptor is multitudes times greater than testosterone. A study recorded the DHT:testosterone ratio, an indicator of 5a-reductase activity[7], among ethnic groups and found levels to be highest in African-Americans, intermediate in Caucasians, and lowest in Asian-Americans [5]. Tissue-specific coactivators of the androgen receptor also play a role in differences in tissue-specific androgenicity. Different levels of these coactivators are found in different tissues(heart, skeletal muscle, and liver), and help determine the responsiveness of these receptors by binding to the androgen-androgen receptor complex [8-12].
The genetic differences in the gene encoding the androgen receptor itself contributes greatly to its ability to respond to testosterone and other androgens [13-15].  One of the most distinctive and important genetic differences found is called the CAG repeat polymorphism. This refers to the glutamine-tag attached to the androgen receptor becomes the sequence CAG is translated into the amino acid glutamine. The number of CAG repeats an individual has in his or her androgen receptor gene determines how effective his or her androgen receptor is at binding testosterone; those with less repeats are more sensitive to testosterone and those with a greater amount of repeats are less sensitive [16-21].  It has been found that those with short CAG repeats have the same symptoms of men with high testosterone levels, increased skeletal muscle mass, lower good cholesterol (HDL), and have an earlier onset of prostate cancer [21]. Those born with too many repeats (>38) may be at risk for certain genetic disorders [22].

The inverse association between the number of CAG repeats in the AR gene and functionality of the AR protein. Longer CAG tracts result in lower transcription of target genes and, thus, lower androgenicity. Expansion of the encoded polyglutamine stretch to beyond probably 38 leads to the neuromuscular disorder X-linked spinal bulbar muscular atrophy (XSBMA), a condition in which defective spermatogenesis and undervirilization are observed. Conversely, low numbers of CAG repeats are associated with increased androgenicity of susceptible tissues.

The inverse association between the number of CAG repeats in the AR gene and functionality of the AR protein. Longer CAG tracts result in lower transcription of target genes and, thus, lower androgenicity. Expansion of the encoded polyglutamine stretch to beyond probably 38 leads to the neuromuscular disorder X-linked spinal bulbar muscular atrophy (XSBMA), a condition in which defective spermatogenesis and undervirilization are observed. Conversely, low numbers of CAG repeats are associated with increased androgenicity of susceptible tissues.

The mechanism behind the weaker transactivation of androgen receptors with longer CAG repeats was found in a study done in 1999. A coactivator of the androgen receptor, ARA24, was discovered which bound differentially with the polyglutamine region of the androgen receptor. ARA24 was found to bind more weakly to androgen receptors with longer repeats and thus allowed for weaker signalling for the transcription of androgen-related genes [11].
Small but significant differences in the average CAG repeat length were found between different ethnic groups. Men of African descent were found to have the lowest number of repeats at 18-20, caucasians at 21-22, and east asians at 22-23[21]. Not only does this information reinforce our observations about body composition and androgenicity among different ethnic groups, but it also offers us some clinical value. The differences in enzyme, coactivator and androgen receptor activity may explain why certain individuals respond to testosterone therapy more strongly than others. It seems, however, that there is no clear winner in the roulette of testosterone sensitivity; one group may see greater strength in the earlier years of life, while the other gains vitality in the later years.
Das passt auch gut dazu, dass man bei Japanern eine sehr geringe Digit Ratio festgestellt hat:
digit-ratio
(Weiteres zu den Androgenrezeptoren und den CAG-Repeats auch hier)
Japan hat also Grundlagen, die dieses System begünstigen. Bei einem niedrigen reagieren auf Testosteron hätten wir:
  • einen geringen Sexualtrieb
  • ein eher passives, nichtmännliches Auftreten

Aus dem Artikel:

Viel besser geht es allerdings auch verheirateten Paaren nicht. In der regelmäßig wiederholten Studie des Kondom-Herstellers Durex haben japanische Ehepaare von allen untersuchten Ländern immer am wenigsten Sex und den am wenigsten befriedigenden noch dazu. Viele Japaner finden, das sei richtig so. Nach der Heirat müsse Schluss sein mit Romantik.

 Gut, dass hört man aus westlichen Ehen ja durchaus auch mitunter. Aber es könnte durch das obige Problem verschärft werden. Zudem kommen kulturelle Erwartungen dazu:

Das fehlende Interesse der jungen Männer an Sex und Beziehungen hat freilich einen weiteren Grund, über den in Japan nur ungern gesprochen wird. Etwa die Hälfte der Männer finden keinen festen Job, sie arbeiten für wenig Geld und ohne Perspektive. Diese Männer haben bei den Japanerinnen kaum Chancen, zumal die Gesellschaft bis heute am Modell festhält, der Mann müsse der Ernährer der Familie sein und die Frau solle mit der ersten Schwangerschaft ihre Stelle aufgeben.

Eine weitere Untersuchung vor einem Jahr fand heraus, dass ein Drittel der jungen Frauen keinen Mann heiraten würde, der nicht mindestens fünf Millionen Yen pro Jahr verdiene, etwa 44 000 Euro. Davon kann ein Zeitarbeiter nicht einmal träumen.

Das ist ja mal eine sehr deutliche Darstellung weiblicher Anforderungen an einen Partner: Er muss reich genug sein, sie zu versorgen und ihnen den Ausstieg aus dem Beruf zu erlauben. Kann er das nicht, dann ist ein Großteil der Frauen nicht an ihm interessiert. Es ist ein schöner Gegensatz zu der beständigen feministischen Darstellung der Frau, die keinerlei Forderungen stellen kann und nur Spielball der Männer ist, unterdrückt und benachteiligt, weil sie nicht genau so viel verdient. Hier wird es als deutliches Ausschlußkriterium dargelegt, als ein Privileg, welches er der Frau bieten muss, wenn er eine Chance haben will. Was viele Männer anscheinend sowohl nicht können als auch anscheinend nicht wollen. Aus China hört man von ähnlichen Erwartungen.

Am wenigsten Interesse an Beziehungen zeigen Frauen in ihren späten Zwanzigern. Damit verhöhnen sie die Regierung von Premier Shinzō Abe geradezu, die voriges Jahr ankündigte, sie werde die Geburtenrate der Japanerinnen bis 2025 von derzeit 1,4 auf 1,8 Kinder erhöhen, um die demografische Krise zu bewältigen. Zurzeit sind 27 Prozent der Bevölkerung über 65, ihr Anteil steigt jedes Jahr. Wie die Regierung die Geburtenrate erhöhen will, hat sie bisher nicht gesagt. Kinder außerhalb der Ehe sind in Japan noch immer selten. Die Regierung müsste also Anreize zum Heiraten schaffen.

Also ein Land mit sehr starken kulturellen Regeln, welches darauf stößt, dass viele dieser Regelungen nicht mehr attraktiv erscheinen. Ein solches System kann schwer aufzulösen sein, wenn alles in ein System von Ehre und sozialen Wert eingebunden ist. Es kann dann eher einen hohen Wert signalisieren gar keinen Partner zu haben als einen, bei dem man noch arbeiten muss als Frau. Und es kann einen niedrigen Wert bedeuten außerhalb der Ehe Kinder zu bekommen, so dass diese Option nicht attraktiv erscheint. Beides zusammen kann eine Zwickmühle sein, die dazu führt, dass recht wenig Kinder geboren werden.

Für junge Frauen, die ihr romantisches Ideal wenigstens schon einmal nachstellen möchten, bietet eine Agentur in Kyoto beispielsweise „Solo-Hochzeiten“ an. Junge Frauen können sich selber heiraten, mit Hochzeitskleid, Spitzen, Blumen, Tüll und Hochzeitskuchen: Dabei geht es eigentlich nur um die Erinnerungsfotos. Ohnehin erfüllen japanische Hochzeitsagenturen fast jeden Wunsch – Paaren ohne Verwandte oder Freunde besorgen sie Gäste oder sogar fiktive Angehörige fürs Hochzeitsfest, unter Schauspiel-Statisten ein beliebter Job. Westliche Männer in Tokio werden von Theateragenturen auch als Priesterdarsteller an Hochzeitsveranstalter vermittelt.

„Solo-Hochzeiten“ als weibliche Trieberfüllung sind interessant. Passen aber zu den gängigen Geschlechterklischees.

Die schnelle Triebbefriedigung dagegen holen sich junge Männer vom Sexgewerbe oder immer häufiger auch online. Außerdem gewinnen Softporno-Filme auch bei den jungen Japanerinnen an Beliebtheit.

Das ist eben weitaus weniger kompliziert als die Forderungen eines Partners bzw. es kann als unproblematischer angesehen werden als ein unstandesgemäßer Partner.

vgl. auch:

Wie beeinflusst pränatales Testosteron die Digit Ratio?

Eine interessante Studie in „Human Genetics“ untersucht näher, wie der Mechanismus funktioniert mit dem pränatales Testosteron die Digit Ratio beeinflusst:

Men and women differ statistically in the relative lengths of their index and ring fingers; and the ratio of these lengths has been used as a biomarker for prenatal testosterone. The ratio has been correlated with a wide range of traits and conditions including prostate cancer, obesity, autism, ADHD, and sexual orientation. In a genome-wide association study of 979 healthy adults, we find that digit ratio is strongly associated with variation upstream of SMOC1 (rs4902759: P = 1.41 9 10-8 ) and a meta-analysis of this and an independent study shows a probability of P = 1.5 9 10-11. The protein encoded by SMOC1 has recently been shown to play a critical role in limb development; its expression in prostate tissue is dependent on sex hormones, and it has been implicated in the sexually dimorphic development of the gonads. We put forward the hypothesis that SMOC1 provides a link between prenatal hormone exposure and digit ratio.

Quelle: Genetic association suggests that SMOC1 mediates between prenatal sex hormones and digit ratio (PDF)

Erst einmal zur dortigen Darstellung der Forschung zu diesem Zusammenhang:

Digit ratio in humans is established during the first trimester of development (Malas et al. 2006), coinciding with a period of high testosterone production in males (Abramovich 1974). Furthermore, it appears to remain stable across the lifespan (McIntyre et al. 2005). Until recently, evidence for Manning’s biomarker hypothesis had come entirely from correlational studies (McIntyre 2006). For instance, males and females with congenital adrenal hyperplasia, a condition resulting in elevated androgen production, have been found to have lower, more masculinised, digit ratios (Brown et al. 2002; Okten et al. 2002). Also, men with complete androgen insensitivity syndrome, due to non-functional androgen receptors, show feminized digit ratios (Berenbaum et al. 2009). Furthermore, a significant relationship has been shown between digit ratio at age 2 and the ratio of testosterone to oestrogen, measured in amniotic fluid (Lutchmaya et al. 2004). However, the most convincing evidence comes from experimental animal studies, which now confirm that prenatal hormones control 2D:4D development (Talarovicova´ et al. 2009; Zheng and Cohn 2011). Zheng and Cohn (2011) showed that digit ratio in mice is determined by the ratio of testosterone to oestrogen acting on the fourth digit in a narrow window early in development.

Und der Weg auf dem der dort vorgestellte Mechanismus funktionieren soll:

Given the clear role of SMOC1 in limb development and given that it is associated with variation in digit ratio in the normal population, what could be the mechanism by which it controls the phenotype? How should we reconcile our finding with the prenatal sex hormone theory? Zheng et al. showed that digit ratio is determined by the ratio of testosterone to oestrogen acting on the fourth digit, which is rich in androgen and oestrogen receptors. They found that activity of these receptors regulated the expression of skeletogenic genes that control chondrocyte proliferation, and that this happened differentially in the second and fourth digits (Zheng and Cohn 2011). The androgen and oestrogen receptors regulate gene expression by acting as nuclear receptors: activation by steroids causes the receptor to enter the nucleus and bind to its target DNA as a transcription factor. Of special interest, therefore, is the finding that SMOC1 is up-regulated by androgen (Love et al. 2009; Schaeffer et al. 2008) and down-regulated by oestrogen (Coleman et al. 2006) in prostate tissue. SMOC1 has also been shown to have a role in the sexually dimorphic development of the gonads (Pazin and Albrecht 2009). It is thus plausible that prenatal testosterone and oestrogen affect the expression of SMOC1, thus controlling digit ratio.

Interessantes auch zu den Unterschieden zwischen verschiedenen Völkern:

There are ethnic differences in digit ratio: populations of African origin have lower digit ratios than Caucasians, whereas Chinese populations have higher ratios than Caucasians (Manning et al. 2004). It is therefore interesting that the polymorphism in SMOC1 parallels ethnic differences in digit ratio. Although the frequency of the C allele at rs4902759 is 0.46 in the European population of the 1000 Genomes project and 0.48 in our own European sample, its frequency is 0.85 in African populations and 0.19 in Asians (1000 Genomes Project Consortium 2010). The difference in digit ratio between Africans and Chinese is of a similar order to the effect size for the two alleles at rs4902759. Thus, the ethnic differences in digit ratio could be derived from the distribution of the SMOC1 polymorphism between populations.

vgl. auch:

„Der feminisierte Affe“

Manning schreibt in seinem Buch „The Finger Book„, in dem es hauptsächlich um die Digit Ratio geht, am Ende die folgende Schlußfolgerung:

I conclude that our fingers provide clues as to what has happened to humans since we split from our ape ancestors some 5 million or to humans since we split from our ape ancestors some 5 million or so years ago. Comparisons between modern humans, apes, and the leries of early hominids that led to modern humans suggest that we arc at the end of a long line of events that have resulted in the progressive feminisation of our species. This process has increased our manual dexterity, made language possible and enabled us to become more intelligent. However, it has brought with it a reduction in male competitiveness, with an increased tendency for a loss in cardiovascular efficiency and a reduction in sperm numbers and viability. In short, we are the feminised ape, and we are intelligent. Yet this intelligence is continuing to evolve in a way that might have serious consequences for the long-term success of our species.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass eine Selektion auf einen geringeren Testosteronspiegel stattgefunden hat oder dessen Effekte abgeschwächt worden sind.

Wenn man davon ausgeht, dass unsere Vorfahren eher gorillaartig waren und dann ein Prozess stattgefunden hat, der zu einem Abbau inrasexueller Konkurrenz und dem Aufbau von Paarbindung geführt hat, dann könnte damit eine Selektion auf eine höhere relative Friedfertigkeit und geringere relative Konkurrenz verbunden gewesen sein.

Ein Weg dahin wäre eben eine „Feminisierung“, also im Endeffekt ein weniger männlicher Ausbau in zumindest einigen Bereichen.

Es könnte auch zusätzlich erklären, warum es mehr männliche Homosexuelle gibt, weil bei einer solchen Feminisierung durch weniger Testosteron eben auch die Wahrscheinlichkeit steigen würde, dass es zu einer Homosexualität kommt.

Zwillinge und Homosexualität

Eine Studie dazu, welchen Anteil Umwelt bzw. Gene an Homosexualität haben anhand einer Zwillingsstudie:

There is still uncertainty about the relative importance of genes and environments on human sexual orientation. One reason is that previous studies employed selfselected, opportunistic, or small population-based samples. We used data from a truly population-based 2005–2006 survey of all adult twins (20–47 years) in Sweden to conduct the largest twin study of same-sex sexual behavior attempted so far. We performed biometric modeling with data on any and total number of lifetime same-sex sexual partners, respectively. The analyses were conducted separately by sex. Twin resemblancewas moderate for the 3,826 studied monozygotic and dizygotic same-sex twin pairs. Biometric modeling revealed that, in men, genetic effects explained .34–.39 of the variance, the shared environment .00, and the individualspecific environment .61–.66 of the variance.Corresponding estimates among women were .18–.19 for genetic factors, .16–.17 for shared environmental, and 64–.66 for unique environmental factors. Although wide confidence intervals suggest cautious interpretation, the results are consistent with moderate, primarily genetic, familial effects, and moderate to large effects of the nonshared environment (social and biological) on same-sex sexual behavior.

Quelle: Genetic and Environmental Effects on Same-sex Sexual Behavior: A Population Study of Twins in Sweden

Aus der weiteren Zusammenfassung:

It has been suggested that individual differences in heterosexual and homosexual behavior result from unique environmental factors such as prenatal exposure to sex hormones, progressive maternal immunization to sex-specific proteins, or neurodevelopmental instability (Rahman, 2005). Although the unique environmental variance component also includes measurement error, the present results support the notion that the individual-specific environment does indeed influence sexual preference. In conclusion, although confidence intervals were wide, we believe this study provides the most unbiased estimates presented so far of genetic and non-genetic contributions to same-sex sexual behavior. The results should inform further research on this complex trait

Und eine weiter Studie, die auf die Digit Ratio abstellt:

The 2nd to 4th digit ratio has been argued to reflect prenatal hormonal influences and is reportedly associated with various psychological and behavioral traits, such as sexual orientation, cognitive abilities, and personality. We examined genetic and environmental influences on the 2nd to 4th digit ratio (2D:4D) using a Japanese twin sample (N = 300). The genetic analysis showed substantial additive genetic influences for both right and left hand 2D:4D. The rest of the variance was explained mainly by environmental influences not shared within twin pairs. These findings were, in general, in accordance with preceding studies with primarily Caucasian twin samples. The bivariate genetic analysis revealed that the additive genetic influences were largely shared between the right and left hand, while the non-shared environmental influences were largely unique to each hand. Results from a comparison of opposite-sex and same-sex twins were not significant, although they were in the predicted direction according to the prenatal hormone transfer hypothesis. Female monozygotic twin pairs discordant in sexual orientation showed significant within-pair differences in left hand 2D:4D, where non-heterosexual twins had lower (more masculinized) 2D:4D. In addition, we found that non-heterosexual male MZ twins had larger (more feminized) 2D:4D than their heterosexual co-twins. These results suggest the existence of non-shared environmental influences that affect both 2D:4D and sexual orientation

Quelle: The Second to Fourth Digit Ratio (2D:4D) in a Japanese Twin Sample: Heritability, Prenatal Hormone Transfer, and Association with Sexual Orientation

Aus der Studie:

If the prenatal environment has some influence on 2D:4D, we would expect that even DZ co-twins are similar to each other because of the shared prenatal environment. The small shared environmental influences do not support the prediction. This suggests the possibility that twins do not share their prenatal hormonal environment. To test prenatal hormonal influences more directly, a second type of twin study compared twins from opposite-sex pairs (OS pairs) to those from same-sex pairs (SS pairs).(…) A recent meta-analysis showed that non-heterosexual females, including both homosexuals and bisexuals, had smaller (more masculine) 2D:4D than heterosexual females (Grimbos et al., 2010). Hall and Love (2003) conducted a within-pair comparison of 2D:4D of seven female MZ twin pairs with discordant sexual orientation. In each pair, one co-twin had a heterosexual orientation and the other had a homosexual orientation. In agreement with Grimbos et al.’s meta-analysis, Hall and Love reported that female homosexual MZ co-twins had more masculine 2D:4D compared with their heterosexual co-twins. A within-pair comparison of five female MZ twin pairs with concordant sexual orientation was not significant. Because MZ pairs share 100 percent of their genotypes, the differences between them must be explained by non-shared environmental influences. The environmental influences could include epigenetic effects. Previous results suggest that the same non-shared environmental factors that affect 2D:4D could also affect sexual orientation, indicating an overlap of environmental effect between the two phenotypes.

Dazu hatte ich auch bereits etwas in anderen Artikeln geschrieben:

Die Studien zeigen, dass die Gene und die pränatalen Hormone Gründe für Homosexualität haben können und Unterschiede zwischen Zwillingen gerade in diesem Bereich bestehen.

Digit Ratio und Fußball

Manning zu Digit Ratio und Fußball:

Fetal and adult testosterone may be important in establishing and maintaining sex-dependent abilities associated with male physical competitiveness. There is evidence that the ratio of the length of the 2nd and 4th digits (2D:4D) is a negative correlate of prenatal and adult testosterone. We use ability in sports, and particularly ability in football, as a proxy for male physical competitiveness. Compared to males with high 2D:4D ratio, men with low ratio reported higher attainment in a range of sports and had higher mental rotation scores (a measure of visual–spatial ability). Professional football players had lower 2D:4D ratios than controls. Football players in 1st team squads had lower 2D:4D than reserves or youth team players. Men who had represented their country had lower ratios than those who had not, and there was a significant (one-tailed) negative association between 2D:4D and number of international appearances after the effect of country was removed. We suggest that prenatal and adult testosterone promotes the development and maintenance of traits which are useful in sports and athletics disciplines and in male:male fighting.

Quelle: Second to fourth digit ratio and male ability in sport: implications for sexual selection in humans

In seinem Buch „The Finger Book“ geht er hierauf auch sehr lange ein, weil es einer der Beispiele ist, an denen er bestimmte Punkte erläutern will. Er hat diverse Messungen näher dargestellt, die auch noch einmal auf der Seite Handresearch wiedergegeben sind:

Manning published in his books detailed reports about sample of amateurs & professionals from England, including: 304 professional players (e.g. from the Premier Division clubs: ‚Liverpool‘ and ‚Coventry City‘), and 99 players from Brazil (e.g. First Division club: ‚Sport Club Internacional‘).

The results of Manning’s reports on football players should be seen in the perspective that populations from England are known for having a relative high average digit ratio: 0.98 for males, and 1.00 for females.

A few of the reported digit ratio facts:

ENGLAND:

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football amateurs (N=533) = 0.98;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football professionals (N=267) = 0.95;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football internationals (N=37) = 0.94;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in black football professionals (N=13) = 0.93;

BRAZIL:

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in football professionals (N=99) = 0.93;

• Average ‚2D:4D digit ratio‘ in first team professionals (N=20) = 0.92;

Manning führt aus, dass man in jedem Land natürlich Personen haben kann, die eine sehr niedrige Digit Ratio haben. Aber um so niedriger die Digit Ratio im Schnitt ist, um so größer ist der Talentpool, der zur Verfügung steht, womit dann auch die Wahrscheinlichkeit steigt, dass ein Talent gefunden und genutzt werden kann (zu den unterschiedlichen Digit Ratios einige Völker (wie meist bei Artikeln zur Digit Ratio mit viel Kritik))

Es könnte auch daran liegen, dass Brasilien 5 Mal Weltmeister wurde (19581962197019942002) und England erst ein Mal (1966) (und da natürlich zu unrecht).

Digit Ratios bei verschiedenen Völkern

In dem Buch „The Finger Book“ von John Manning findet sich eine Graphik, die die Digit Ratio verschiedener Völker (im Schnitt natürlich) wiedergibt:

Zur Erklärung der Digit Ratio noch einmal der Hinweis: Um so niediger die Zahl, um so höher der pränatale Testosteronspiegel. Die Unterschiede sprechen dafür, dass diese nach der Auswanderung aus Afrika aufgetreten sind, also sich innerhalb der letzten 40.000 Jahre entwickelt haben.

Manning vermutet einen Zusammenhang mit den jeweiligen Heiratssystemen: Um so weniger monogam eine Kultur lebt, um so eher fördert sie intrasexuelle Konkurrenz, die wiederum gut mit einem hohen Testosteronspiegel in Verbindung zu bringen ist.

Interessant ist, dass gerade in Asien die Digit Ratio so männlich ist. Vielleicht erklärt dies auch die (angeblich) höheren Mathematikfähigkeiten von Asiaten.

Diese sollen jedenfalls bei einer höheren Digit Ratio auch besser ausfallen:

This study found evidence that female pre-service teaching students who were inclined toward mathematics exhibited smaller, more masculine, digit ratios than those who were not as mathematically inclined. The right-hand 2D:4D ratios of the female pre-service teaching students who had a mathematics major or minor as their chosen field of study were compared to the right-hand 2D:4D ratios of the female pre-service teaching students who did not have a mathematics major or minor as their chosen field of study. The 2D:4D ratios of those with the mathematics major or minor was found to be statistically significantly less than those without. Please note that causality is not claimed, merely correlation. The masculinizing effect that high prenatal testosterone exposure (low right 2D:4D) has on the brain has been linked to higher numerical intelligence [6]and spatial ability [5]. Seemingly, those with higher numerical intelligence and spatial ability would show more aptitude towards mathematics, and hence be more inclined to focus their studies in those areas which rely more heavily on mathematical ability. In pre-service teaching students, this ability might influence the students’ choice of major, either towards a mathematics focus for those with higher mathematics ability, or towards another, non-mathematics focused specialty for those with lower mathematics ability.

Quelle: Correlation Study between Second/Fourth Digit Ratio, Number of Older Brothers and Mathematics Inclination in Female Pre-service Teachers

Es wäre zu vermuten, dass dieser Effekt auch auf einer Völkerebene feststellbar ist. Bei Bevölkerungen mit sehr weiblichen Digit Ratios wäre zudem davon auszugehen, dass die Geschlechter in diesen Bereichen dichter zusammenrücken. Natürlich ist die Digit Ratio nur ein Kriterium. Zu Bedenken wären neben kulturellen Faktoren auch der postnatale Testosteronspiegel. Eine genaue Aufschlüsselung dieser Kriterien und eine Übersicht über daraus resultierende Eigenschaftsausprägungen könnte sicherlich interessant sein.

Digit Ratio und pränatales Testosteron

Auf die Digit Ratio bin ich hier ja schon ein paar Mal eingegangen. Sie dient in der Wissenschaft als Möglichkeit, den pränatalen Testosteronspiegel zu messen.

Die Wikipedia zu den Ursachen:

It is not clear why digit ratio ought to be influenced by prenatal hormones. There is evidence of other similar traits, e.g. otoacoustic emissions and arm-to-trunk length ratio, which show similar effects. Hox genes responsible for both digit and penis development have been implicated in this pleiotropy. Direct effects of sex hormones on bone growth might be responsible, either by regulation of Hox genes in digit development or independently of such genes. Likewise, it is unclear why digit ratio on the right hand should be more responsive than that on the left hand, as is indicated by the greater sex difference on the right than the left.

Das die Digit Ratio ein Mittel ist um eine Aussage über den pränatalen Testosteronspiegel zu bekommen, ist in der Wissenschaft akzeptiert. Ich habe bei einer Suche keine Gegenstimmen hierzu gefunden.

Viele Studien berufen sich auf die Digit Ratio. Ich verweise insoweit auf die Google Scholar Suche, die zeigt, dass es ein anerkanntes Arbeitsmittel ist.

Ein paar Auszüge:

The differentiation of the urinogenital system and the appendicular skeleton in vertebrates is under the control of Hox genes. The common control of digit and gonad differentiation raises the possibility that patterns of digit formation may relate to spermatogenesis and hormonal concentrations. This work was concerned with the ratio between the length of the 2nd and 4th digit (2D:4D) in humans. We showed that (i) 2D:4D in right and left hands has a sexually dimorphic pattern; in males mean 2D:4D = 0.98, i.e. the 4th digit tended to be longer than the 2nd and in females mean 2D:4D = 1.00, i.e. the 2nd and 4th digits tended to be of equal length. The dimorphism is present from at least age 2 years and 2D:4D is probably established in utero; (ii) high 2D:4D ratio in right hands was associated with germ cell failure in men (P = 0.04); (iii) sperm number was negatively related to 2D:4D in the right hand (P = 0.004); (iv) in men testosterone concentrations were negatively related to right hand 2D:4D and in women and men LH (right hand), oestrogen (right and left hands) and prolactin (right hand) concentrations were positively correlated with 2D:4D ratio and (v) 2D:4D ratio in right hands remained positively related to luteinizing hormone and oestrogen after controlling for sex, age, height and weight.

Quelle: The ratio of 2nd to 4th digit length: a predictor of sperm numbers and concentrations of testosterone, luteinizing hormone and oestrogen

Demnach sind die Hände also auch noch für andere Hormone interessant.

Ein grundlegender Artikel von Manning:

The ratio between the length of the 2nd and 4th digit (2D:4D) is sexually dimorphic, with mean male 2D:4D lower than mean female 2D:4D. It recently was suggested that 2D:4D is negatively correlated with prenatal testosterone and positively correlated with prenatal estrogen. It is argued that high prenatal testosterone and low estrogen (indicated by low 2D:4D) favors the male fetus and low prenatal testosterone and high estrogen (indicated by high 2D:4D) favors the female fetus. The patterns of expression of 2D:4D are interpreted in terms of sexually antagonistic genes.

We report data on the following. (a) reproductive success and 2D:4D from England, Germany, Spain, Hungary (ethnic Hungarians and Gypsy subjects), Poland, and Jamaica (women only). Significant negative associations were found between 2D:4D in men and reproductive success in the English and Spanish samples and significant positive relationships between 2D:4D in women and reproductive success in the English, German, and Hungarian samples. The English sample also showed that married women had higher 2D:4D ratios than unmarried women, suggesting male choice for a correlate of high ratio in women, and that a female 2D:4D ratio greater than male 2D:4D predicted high reproductive success within couples. Comparison of 2D:4D ratios of 62 father:child pairs gave a significant positive relationship. This suggested that genes inherited from the father had some influence on the formation of the 2D:4D ratio. Waist:hip ratio in a sample of English and Jamaican women was negatively related to 2D:4D. (b) Sex and population differences in mean 2D:4D in samples from England, Germany, Spain, Hungary (including ethnic Hungarians and Gypsy subjects), Poland, Jamaica, Finland, and South Africa (a Zulu sample). Significant sex and population differences in mean 2D:4D were apparent.

Quelle: The 2nd:4th digit ratio, sexual dimorphism, population differences, and reproductive success: evidence for sexually antagonistic genes?

 

Und auch noch einmal ein Nachweis von Manning über Testosteronrezeptoren:

The second to fourth digit ratio (2D:4D) is sexually dimorphic, with lower mean values in males compared to females. It has been suggested that the sex difference in 2D:4D is determined prenatally, 2D:4D is negatively related to prenatal testosterone and positively to prenatal oestrogen, and that 2D:4D is a marker for levels of sex steroids during brain organisation. There is growing evidence that many sex-dependent behaviours are correlated with 2D:4D. However, there is no direct evidence for an effect of prenatal sex steroids on the digit ratio. The response to prenatal testosterone is dependent on the amount produced and the foetal sensitivity to the hormone. Variation in the X-linked androgen receptor gene (AR) determines sensitivity to testosterone. Alleles of AR with low numbers of CAG triplets respond to testosterone with high transactivational activity, while high numbers of CAG’s are associated with increased insensitivity to testosterone. We show in a sample of 50 men (49 Caucasian subjects, 1 Caucasian/Chinese subject) that 2D:4D is a phenotypic correlate of AR structure. Right-hand 2D:4D was positively correlated with CAG number and individuals with low 2D:4D in their right hand compared to left hand had AR alleles with low CAG numbers. We discuss the implications of our findings for our understanding of the aetiology of 2D:4D, its relationships with sex-dependent behaviours, and the evolutionary implications of variation in 2D:4D and AR.

Quelle: The second to fourth digit ratio and variation in the androgen receptor gene

Und zu dem Zusammenhang mit Geschlechterunterschieden:

The second-to-fourth digit ratio (2D:4D) is sexually dimorphic in humans, such that men on average have a lower 2D:4D than women. This somatic trait has been proposed as a biomarker for the organizational (permanent) effects of prenatal testosterone on the brain and behavior. Over the past few years, an accumulating research program has shown 2D:4D to be related to a multitude of sex-dependent, hormonally influenced psychological and behavioral traits. The present study investigated the 2D:4D ratio of 44 men and 70 women from 36 identical and 21 fraternal twin pairs. Both basic and advanced approaches for estimating heritability concordantly suggested that the trait is substantially heritable. The best-fitting structural equation model indicated that the contributions to individual differences in 2D:4D are 81% additively genetic, 19% nonshared environmental, and 0% shared environmental. Supplemental analyses showed that, consistent with a prediction from sex-hormone transfer theory, women from opposite-sex fraternal twin pairs had significantly lower (more male-typical) 2D:4D than women from same-sex fraternal twin pairs. Directions for research are discussed, such as investigating possible influences of the sex chromosomes on the expression of 2D:4D. Further family studies will be needed to test whether the transmission mode of 2D:4D is consistent with X-linked or Y-linked inheritance. The study of sex chromosome aberrations should indicate whether the presence of additional X or Y chromosomes is associated with 2D:4D levels.

Quelle: DIGIT RATIO (2D:4D) IN TWINS: HERITABILITY ESTIMATES AND EVIDENCE FOR A MASCULINIZED TRAIT EXPRESSION IN WOMEN FROM OPPOSITE-SEX PAIRS

Oder auf eine bestimmte Berufsgruppe:

Prenatal androgens have important organizing effects on brain development and future behavior. The second-to-fourth digit length ratio (2D:4D) has been proposed as a marker of these prenatal androgen effects, a relatively longer fourth finger indicating higher prenatal androgen exposure. 2D:4D has been shown to predict success in highly competitive sports. Yet, little is known about the effects of prenatal androgens on an economically influential class of competitive risk taking—trading in the financial world. Here, we report the findings of a study conducted in the City of London in which we sampled 2D:4D from a group of male traders engaged in what is variously called “noise” or “high-frequency” trading. We found that 2D:4D predicted the traders‘ long-term profitability as well as the number of years they remained in the business. 2D:4D also predicted the sensitivity of their profitability to increases both in circulating testosterone and in market volatility. Our results suggest that prenatal androgens increase risk preferences and promote more rapid visuomotor scanning and physical reflexes. The success and longevity of traders exposed to high levels of prenatal androgens further suggests that financial markets may select for biological traits rather than rational expectations.

Quelle: Second-to-fourth digit ratio predicts success among high-frequency financial traders

Nun wurde Kritik an der Digit Ratio und dem Zusammenhang mit Geschlechtsunterschieden in den Kommentaren laut:

Ketcar schreibt in einem Kommentar:

Wobei ich noch einmal festhalten möchte, dass die Fingerlängenesoteriker hauptsächlich bei den Psychologen zu finden sind. Bis der Beweis ausbleibt, dass zwischen Finnen und Polen aufgrund ihrer 2D:4D ratio größere Gehirngeschlechtdifferenzen zu finden sind, als zwischen Mann und Frau, nehme ich diesen Quatsch nicht ernst.

Dies ist eine Bezugnahme auf einen anderen Kommentar:

Naja, man misst auch zwischen Polen und Finnen eine unterschiedliche digit ratio, die ja Rückschlüsse auf das pränatale Testosteron zulassen soll. Aus der englische Wikipedia:

http://en.wikipedia.org/wiki/Digit_ratio#Geographic.2FEthnic_variation_in_2D:4D

„Manning and colleagues have shown that 2D:4D ratios vary greatly between different ethnic groups.[26][27] This variation is far larger than the differences between sexes; in Manning’s words, „There’s more difference between a Pole and a Finn than a man and a woman.“[28]“

Würdest du dich ernsthaft in die These versteigen, dass ihre finnische Grundausrichtung auf ihre digit ratio zurückzuführen ist?

Pseudowissenschaft ist doch garkein Ausdruck mehr dafür.

Ich hatte damals darauf bereits geantwortet:

„Naja, man misst auch zwischen Polen und Finnen eine unterschiedliche digit ratio, die ja Rückschlüsse auf das pränatale Testosteron zulassen soll. Aus der englische Wikipedia:“

Selbst wenn das so wäre schließt das ja nicht aus, dass der Efefkt dennoch mit pränatalen Testosteron zusammen hängt. Vielleicht ist die Digit Ratio nicht perfekt als Meßkriterium, aber das macht die Theorie nicht falsch und es würde erklären, warum trotz eines weiblichen Phänotyps ein „männlich ausgerichtetes Gehirn“ existieren kann. Die Kritik an den beiden Theorien ist zunächst erst einmal zu trennen.

„Manning and colleagues have shown that 2D:4D ratios vary greatly between different ethnic groups.[26][27] This variation is far larger than the differences between sexes; in Manning’s words, „There’s more difference between a Pole and a Finn than a man and a woman.“[28]““

Interessant ist ja, ob dennoch die Differenz innerhalb der Geschlechter innerhalb der ethnischen Gruppen gleich bleibt.

Und das ist, wenn ich die Studien richtig verstehe, der Fall:

http://www.earlyhumandevelopment.com/article/S0378-3782%2804%2900102-1/abstract

<blockquote>

There were 798 children in the total sample (90 Berbers, 438 Uygurs, 118 Han, and 152 Jamaicans). The 2D:4D ratio was lower in males than in females and this was significant for the overall sample and for the Uygur, Han and Jamaican samples. There were significant ethnic differences in 2D:4D. The Oriental Han had the highest mean 2D:4D, followed by the Caucasian Berbers and Uygurs, with the lowest mean ratios found in the Afro-Caribbean Jamaicans. The sex and ethnic differences were independent of one another with no significant interaction effect. In the overall sample there were no associations between 2D:4D and age and height.

Conclusions

In common with adults, the 2D:4D ratio of children shows sex and ethnic differences with low values found in a Black group. There was no overall association between 2D:4D and age and height suggesting that the sex and ethnic differences in 2D:4D appear early and do not show appreciable change with growth.

</blockquote>

„Würdest du dich ernsthaft in die These versteigen, dass ihre finnische Grundausrichtung auf ihre digit ratio zurückzuführen ist?“

Dazu hatte ich ja bereits oben etwas geschrieben. Aber natürlich kann man jetzt untersuchen, inwieweit die Finen mehr Homosexualität oder weniger Homosexualität haben. Sie leben ja auch in einem extremen Gebiet und können sich da genetisch durchaus angepasst haben, was sich auch auf die Hormone auswirken kann.

„Pseudowissenschaft ist doch garkein Ausdruck mehr dafür.“

Schon wieder eine unnötige Abwertung. Kombiniert mit fehlenden Belegen für die eigene Ansicht aus meiner Sicht immer eher bedenklich

„Hm, jetzt wo du es sagst. Doch ich sehe es ganz deutlich, meine linke Seite tendiert ganz klar zu einem lesbisch-finnischen Autistenfinger. Meine rechte eher nicht so. Was mach’ ich denn jetzt?“

Es ist okay, wenn du da keine persönlichen Angaben machen willst. Ich finde es nur recht interessant, dass man da recht häufig auch in den Diskussionen eine Übereinstimmung findet, die aus meiner Sicht einen Teil des Unwohlseins mit der Geschlechterrolle erklären kann.

„Naja, das wird wohl der Grund sein, warum der Frauenanteil in den Wirtschaftswissenschaften, in Chemie, Medizin, Architektur, Jura usw. in den letzten 100 Jahren auf nahezu paritätische Werte angewachsen ist und wir sogar bei den Diplom-Mathematikern mittlerweise 1/3 haben. Das ist wirklich „typisch“ weiblich. Und Chemie und Architektur sind auch so typisch weiblich, weil…..?“

Das interessante ist ja, dass sich die Digit Ratio der Frauen, die eher in mathematischen Fächern tätig sind von der Digit ratio von Frauen unterscheidet, die in sprachlichen Fächern unterwegs sind.

Über Chemie hatten wir ja bereits diskutiert, Medizin ist ein klassischer helfender Beruf, insofern ist die Wahl bei hoher Empahtie der Frauen nicht verwunderlich, ebenso im Grundsatz Jura, wo es auch viel um das Einfühlen und das helfen von Leuten gehen kann (nicht umsonst sind später sehr viele Rechtsanwältinnen im Familienrecht tätig), Architektur spricht künstlerische Frauen an, allerdings auch keine große Gruppe, ebenso wie die Mathematiker.

(…)

„Man fragt sich dann schon, was diese hochwissenschaftlichen Studien aussagen sollen, wenn zwischen Männern und Frauen mal keine, dann wieder doch welche, mal zwischen linker und rechter Hand, mal zwischen Polen und Finnen gefunden werden?“

Das die Digit Ratio nur im Schnitt und nicht immer im Einzelfall funktioniert, ist eine andere Sache. Das liegt eben daran, dass das Fingerwachstum zwar auch auf dem pränatalen Testosteronspiegel beruht, aber letztendlich über einen längeren Zeitraum abläuft, was natürlich zu gewissen Verzerrungen führt. Aber es ist momentan eben das beste Mittel für bestimmte Rückschlüsse, dass wir haben. Sicherlich sollte man in Zukunft auch regionale Besonderheiten berücksichtigen, aber ich denke das wird eher für ein klareres Bild sorgen

Übrigens nehme ich an, dass wir über die gleiche Studie reden, dann hast du auch bestimmt gelesen, dass bei Frau zu Mann-Transsexuellen kein Zusammenhang gefunden wurde, oder?

„In FMT we found no differences in 2D:4D relative to control females.“

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0306453005001770

Wie kann es dazu kommen, wenn die Grundausrichtung immer pränatal erfolgt?“

Da kann es viele Ursachen geben. Denn die Finger reagieren ja auf Testosteron im Blutkreislauf, das Gehirn aber auf Testosteron, dass an der Blut-Hirn-Schranke in Estrogen ungewandelt wird. Vielleicht ist bei FMT dieser Effekt defekt und es wird lediglich das Gehirn betroffen, obwohl der Testosterongehalt im Blut dem einer Frau entspricht oder es ist einfach der Schwellenwert für die Umwandlung in ein männliches Gehirn in den Hoaxgenen herabgesetzt. Nur weil wir heute die Abläufe noch nicht vollständig verstehen bedeutet dies nicht, dass es keine biologische Erklärung gibt.

Géwisse genetische Unterschiede lassen sich bei FMTs ja finden:

http://en.wikipedia.org/wiki/Causes_of_transsexualism

<blockquote>

The androgen receptor (AR), also known as NR3C4, is activated by the binding of testosterone or dihydrotestosterone, where it plays a critical role in the forming of primary and secondary male sex characteristics. Hare et al found that male-to-female transsexuals were found to have longer repeat lengths on the gene, which reduced its effectiveness at binding testosterone.[2]

A variant genotype for a gene called CYP17, which acts on the sex hormones pregnenolone and progesterone, has been found to be linked to female-to-male transsexualism but not MTF transsexualism. Most notably, the FTM subjects not only had the variant genotype more frequently, but had an allele distribution equivalent to male controls, unlike the female controls. The paper concluded that the loss of a female-specific CYP17 T -34C allele distribution pattern is associated with FtM transsexualism.[3]

</blockquote>

Ergänzen möchte ich noch, dass die Unterschiede zwischen den Völkern in der Digit ratio eben durch verschieden Hoaxgene zu erklären sein könnte. Bei einer Studie müsste man dann darauf achten, dass Menschen gleicher Herkunft verglichen werden, dann ist auch eine Vergleichbarkeit gegeben.

Interessant ist auch, dass die Studie mit den Finnen, auf die sich Ketcar beruft von John Manning stammt. Dieser hat die Theorie entwickelt, dass Testosteron und die Digit Ratio zusammenhängen und ist wohl ihr wichtigster Vertreter. Seine Studie sagt insoweit keineswegs aus, dass die Digit Ratio und pränatales Testosteron nicht zusammen hängen. Eher im Gegenteil, auf diese Studie stützt sich Manning um seine Theorie zu begründen. Er hat auch ein Buch hier zu geschrieben, in dem er dies alles noch einmal darlegt.

Es ist interessant, dass sich Ketcar jetzt beschwert, ich würde nicht genug auf Einwände eingehen. Ich bin insoweit gespannt, was sie nunmehr zu meinem Kommentar sagt, den sie damals noch nicht beantwortet hat. Es wäre ja das Mindeste ihre Ansicht durch wissenschaftliche Studien zu untermauern, die die Theorie der Digit Ratio und des Zusammenhanges mit pränatalen Testosteron und Geschlechterunterschieden ebenfalls vertreten.

Da sie zudem meint, dass man Fehler zugeben sollte, gehe ich davon aus, dass sie in den Kommentaren eingestehen wird, dass die Digit Ratio eine anerkannte wissenschaftliche Methode zur Bestimmung des pränatalen Testosteronspiegels ist, wenn sie keine entsprechenden Belege bringen kann, dass die Methode in der Wissenschaft nicht anerkannt ist.