„Wie der Poststrukturalismus die Biologie losgeworden ist“

DJAdmoros macht sich in den Kommentaren bei Schoppe Gedanken dazu, wie der Poststrukturalismus die Biologie losgeworden ist:

Weil ich mich gerade an der Fragestellung abarbeite, wie der Poststrukturalismus eigentlich die Biologie losgeworden ist:

(1) Der ursprüngliche Strukturalismus, insbesondere in Person von Claude Lévi-Strauss, hatte das Bedürfnis, die Sozialwissenschaften als »strenge Wissenschaften« zu etablieren, also als Gesetzeswissenschaften analog zu den Naturwissenschaften (frz. Objektivismus der Durkheim-Schule).

(2) Aufgrund von Ferdinand de Saussures Untersuchungen der menschlichen Sprache (dem »Urtext« des Strukturalismus) schien es, als könne man in der menschlichen Sprache Gesetzmäßigkeiten finden, die nicht aus naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten abgeleitet sind (ein Gedanke, der auch von Noam Chomsky aufgegriffen wurde). Lévi-Strauss überträgt diese Idee auf die Anthropologie (konkret: auf das Studium der Verwandtschaftsverhältnisse) und zeigt, dass Verwandtschaftssysteme eine Logik aufweisen, die sich nicht auf Zufall oder individuelle Strategien (oder, mit Seitenblick auf Christian, auf biologische Gesetzmäßigkeiten sexueller Atraktivität) reduzieren lassen.

(3) Fortan (insbesondere: 50er und 60er Jahre des 20. Jhdts.) gilt Lévi-Strauss’ Werk als Inbegriff einer »kulturwissenschaftlichen strengen Wissenschaft«.

(4) Hierauf aufbauend bildet die Psychoanalyse von Jacques Lacan eine wichtige Brücke zum Poststrukturalismus: Lacan stellt (gleichwohl beanspruchend, den »ursprünglichen« Freud gegen die anglogermanische Hauptströmung der Psychoanalyse wiederherzustellen) die Psychoanalyse von triebtheoretischen auf anerkennungstheoretische Grundbegriffe um und klammert damit genau jenen Teil Freuds aus (Freud selbst, als Neurologe und Mediziner, hat die Psychoanalyse tatsächlich als eine Art verhinderte Naturwissenschaft gesehen), der eine neurophysiologische Rehabilitierung der Psychoanalyse ermöglichen würde (wie sie von Eric Kandel verfochten wird) – und an modernen Konzepten der Hirnforschung zeigen könnte, dass naturwissenschaftliche und kulturwissenschaftliche Zugänge zum Menschen sich nicht ausschließen müssen, sondern ergänzen können.

(5) Mit der Weichenstellung Lacans, die Psychoanalyse mit strukturalistischen Mitteln zu einer »strengen Wissenschaft« zu erklären, die keiner Biologie mehr bedarf, wird eine wissenschaftsgeschichtliche Amnesie in Kraft gesetzt: während in der deutschen »hermeneutischen« Debatte die biologischen Grundlagen der Psychoanalyse (insbesondere Habermas) immerhin noch als »Positivismus«bekämpft werden, werden sie in der französischen Tradition schlicht vergessen.

(6) Wenn nun jemand wie Judith Butler wesentlich in der poststrukturalistischen Tradition akademisch sozialisiert worden ist, dann entsteht die Paradoxie, dass, um sich auf den biologischen Geschlechtsunterschied und seine kulturellen Folgen einen Reim zu machen, die Biologie überhaupt nicht mehr im legitimen Horizont der Fragestellung zur Verfügung steht. Wenn alle Realität durch symbolische Strukturen mit eigener Gesetzmäßigkeit zustandekommt und ein Element dieser Gesetzmäßigkeit die Konstruktion von binären Oppositionen ist, dann verfällt man eben auf den Gedanken, dass dies auch oder gerade für das biologische Geschlecht gilt.

(7) Dass damit eine Aporie des Poststrukturalismus erreicht ist und seine Prämissen ad absurdum geführt werden, lässt sich von innerhalb dieser Denktradition aber nicht mehr erfassen. Man kann nur, wie zum Beispiel Camille Paglia, seiner Intuition folgen und den Poststrukturalismus als »french rot« zurückweisen.

(8) Das eigentliche Problem besteht – meiner Meinung nach – nun aber darin, nicht erneut der binären Logik einer wechselseitigen Ausschließung von Biologie und Soziologie zu erliegen und mit fliegenden Fahnen ins Lager der Evolutionspsychologie überzulaufen, die die heutige Form eines naiven »Positivismus« und Psychologismus verkörpert. Das allerdings ist ein anderes Thema.

Meiner Meinung nach ist es schicht ein Verharren im „Blank Slate“ zur Sicherung der „versunkenen Kosten“, die es stark erschweren, wirklich zu wechseln, weil man plötzlich anfangen müsste, ganz erhebliche Änderungen vorzunehmen. Macht man die Tür einmal auf, dann muss man das Thema an Fachleute an einem anderen Gebiet abgeben und mehr oder weniger daneben sitzen. Man ist nicht mehr Herr im bisher eigenen Haus. Insofern geht auch DJ Admoros Satz ins Leere, denn diese Binärität wird in der Evolutionspsychologie gar nicht vertreten, sie geht von einem integrierten Modell aus,

Die Konkurrenz zwischen sozialbegründeten Geschlechtertheorien und der Biologie

Ein klassisches Thema im Geschlechterbereich hat viele Namen bzw wird unter vielen Stichwörtern behandelt, von „Nurture vs. Nature“ bis dem „Primat der Biologie“, es geht darum, wie die beiden Felder sich zueinander verhalten. Dabei artet das Thema gern in gegenseitige Vorwürfe aus, das man den anderen nicht ernst nimmt bzw. das der andere unwissenschaftlich arbeitet.

Auf der einen Seit stehen dann häufig Theorien aus den Bereichen der Biologie, der Medizin, der Psycholgie und dem Verbindungsglied, der evolutionären Psychologie, auf der anderen Seite Theorien aus der Soziologie, der Anthropologie, und dem nicht medizinischen Bereich der Psychologie sowie der Philosophie.

Wie es Leser dieses Blogs wenig überraschen wird sehe ich mich eher im Lager derer, die den Verzug im Geschlechterbereich eher im sozialbegründeten Lager sehen.

1. Grundlegendes: Beide sollten die Theorien der anderen prüfen

Ein perfektes wissenschaftliches Arbeiten würde theoretisch erfordern, dass man die auf dem Gebiet vertretenen Ansätze, soweit sie den eigenen Bereich, an dem man forscht, betreffen, prüft und dann ermittelt, welches Modell mit den bestehenden Fakten am besten in Einklang zu bringen ist.

Das ist natürlich in dieser Form oft kaum möglich. Allein schon, weil man sich dann häufig eine umfassende Kompetenz in vielen Bereichen zulegen müsste, wenn eine Spezialisierung in einem bestimmten Bereich effektiver ist.

2. Was ist erforderlich, um die jeweils anderen Theorien gedanklich einzubeziehen?

Das bringt uns zu der Frage, wie tief man jeweils einsteigen muss, um zumindest grundlegend eine Überprüfung durchzuführen, ob Faktoren des jeweils anderen Bereichs hineinspielen.

Und bei dieser „Einstiegstiefe“ hat aus meiner Sicht die Biologie einen erheblichen Vorteil:

Zum einen stehen soziologische Fragen dem Grunde nach weit aus weniger in Konkurrenz zur Biologie als umgekehrt. Die Biologie geht ganz umfassend davon aus, dass´Biologie die Grundlagen liefert, aber das soziale, die Umgebung, die Erziehung, andere Faktoren, natürlich die Ausgestaltung und die konkreten Gesellschaften bewirken. Es ist insofern viel Raum „nach oben“ in denen man bestimmte soziale Faktoren unterbringen kann und freimütig zugestehen kann.

Die sozialen Theorien haben hingegen das Problem, dass sie, wenn sie grundlegende Fragen der Geschlechter betreffen und Theorien nicht nur zu Ausgestaltungen, sondern zu den Grundlagen anstellen, im wesentlichen immer beim „Standard Social Science Model“ landen müssen, wenn sie Biologie nicht einbeziehen.

Auf eine Kurzformel gebracht:

Biologie bestimmt häufig die Grundlagen, wenn sie einschlägig ist und insofern wirken sich Fehler gravierender aus

Das bedeutet, dass Theorien, die die Biologie ignorieren, sich häufig weiter von der Realität entfernen als Theorien, die auf biologischen Grundlagen aufbauen.

Ein Beispiel:

Wenn man als soziales Element schlicht den Kampf um Macht zwischen verschiedenen Gruppen, Mann und Frau annimmt, dann kann man damit bestimmte Strukturen erklären, die wir in der Gesellschaft antreffen, zB Rollenbilder in denen der Mann Versorger ist und die Frau auf die Kinder aufpasst, da dies Frauen dann von bestimmten Jobs ausschließt und der Mann eher Kontrolle über das Geld hat.

Erklärt man das ganze biologisch, dann würde man Erklärungen über sexuelle Selektion auf Status und Versorgereigenschaften anführen, zudem unsere Einordnung als Säugetiere und die damit verbundene stärkere Selektion auf Kinder bei Frauen anführen etc.

Diese Theorie tauscht die Grundlage aus, macht es aber weiterhin möglich, bestimmte soziale Ausgestaltungen als Machtkämpfe zwischen den Geschlechtern zu sehen, beispielsweise die Sexualität der Frauen stark zu reglementieren, aber bei Männern wesentlich großzügiger zu sein oder Frauen

Die soziale Begründung steht und fällt damit mit der Ausgangsthese, die biologische Theorie kann flexibler bestimmte Faktoren der Biologie und andere, insbesondere Ausgestaltungen, der Soziologie zuweisen.

3. Ein Vergleich: Statik und Architektur

Ein interessanter Vergleich scheint mir hier das Verhältnis von Statik und gestaltender Architektur zu sein. Wer eine Brücke bauen will oder erklären will, warum sie auf eine bestimmte Weise erbaut worden ist, der muss für eine zutreffende Theorie eben die Statik mit berücksichtigen, ein reiner „Willensansatz“, der also davon ausgeht, dass die Brücke nur Design ist und den Grenzen der Physik nicht unterworfen, muss zu merkwürdigen Ergebnissen führen. Er mag dann vielleicht ermitteln, dass die Pfeiler, die im Brückenbau vorherrschend sind, Verkörperungen des Patriarchats und Phallussymbole sind oder das das Abspannen mit Seilen aus anderen Designprinzipien kommt, aber hier würde ein „integrierter Ansatz“ (Physik und Gestaltung)  wohl von jedem klar denkenden Menschen als vorzugswürdig angesehen werden. Natürlich kann man dennoch reines Design studieren und Brücken nur unter diesem Gesichtspunkt besprechen, sich also über die Ausgestaltungen der Regeln der Physik unterhalten, wenn man dabei aber Theorien aufstellt, die der Statik wiedersprechen („Man sollte Brücken auf andere Weise bauen, die reiner Wille ist“), dann erlebt man schlicht ein Fiasko.

Gleichzeitig sind auch sicherlich bestimmte Ausgestaltungen von zb Brücken reines Design und haben reinen gestalterischen Willen, etwa Brückenverzierungen oder Statuen auf der Brücke oder sie reizen die Grenzen der Physik aus um bestimmte Gestaltungen umzusetzen oder es sind nicht die Gesetze der Physik, die uns daran als erstes in Auge fallen, sondern die schöne Form, aber meist erfordert gerade eine verrückte Form besondere Kenntnisse der Statik und der Materialien und besonders aufwändige Gestaltungen um umsetzbar zu sein.

Wer hier eine Lehre von „reinem Design“ vertreten würde, etwa mit einem Ansatz, dass es keine Gesetze der Statik geben kann, weil es zum einen Pfeilerbrücken und zum anderen Hängebrücken gibt, was deutlich macht, dass man Brücken gestalten kann, wie man will, der würde ausgelacht werden und hätte eben schlicht nicht bedacht, dass man die Gesetze der Physik auf verschiedene Weise umsetzen kann. Und auch hier sind die Erklärungen aus der Statik oft geeigneter, bestimmte Punkte zu erklären: Wenn zb die Tragfähigkeit bestimmter Materialien eine Kräfteabfuhr auf eine bestimmte Weise verlangt, dann erklärt dies bestimmte Elemente einer Brücke besser als „das macht er nur, weil Pfeiler gerade in sind“. Letzeres mag erklären, warum er diese Weise gewählt hat, um die Kräfte abzufangen und wenn er zB mehr Pfeiler genommen hat als auch unter Einplanung einer Reserve erforderlich war, dann wäre das Design, aber die grundlegenden Kräfte zu verstehen, die hier arbeiten, ist eben aus einem reinen Designansatz nicht möglich.

Sollte man hier von einem „Primat der Physik“ sprechen? Es wäre aus meiner Sicht durchaus angemessen: Man kann eine Brücke eben nur innerhalb der Grenzen der Physik gestalten. Bestimmte Designfragen sind davon losgelöst und man muss bestimmte Regeln nicht unbedingt verstehen, um eine Brücke zu bauen, damit bewegt man sich aber nicht außerhalb der Physik. Wer beispielsweise postulieren würde, dass Brückenverzierungen immer Design ist, der sollte versuchen, Verzierungen mit einem Gewicht von zwei Tonnen auf einer Brücke mit einer Tragkraft von einer Tonne unterzubringen.

 4. Zurück zur Biologie

Ähnlich wie bei der Statik sind viele Punkte in der Biologie auch schlicht besser beweisbar:

Nehmen wir die Theorie, dass Sexualität ein rein soziales Konstrukt ist, das also in einer anderen Gesellschaft Frauen eher an casual Sex interessiert wären und es männliche Prostituierte geben würde, während Männer nur auf Beziehungen aus wären. Hier kann man schlicht die Forschung zur Wirkung von Testosteron auf den Sexualtrieb entgegenhalten,die evolutionäre Kostenbetrachtung vorrechnen etc. Es ist quasi eine Brückenplanung, bei der man mittels Physik vorrechnen kann, dass sie nicht trägt.

Oder nehmen wir Homosexualität: Auch hier ist eine rein soziale Konstruktion angesichts dessen, dass zB Medikamente, die, wenn sie von einer Schwangeren genommen werden, die Wahrscheinlichkeit der Homosexualität erhöhen, im Endeffekt nicht mehr vertretbar.

Umgekehrt würde ein Experiment, welches soziale Faktoren anführt, die Homosexualität begünstigen, es weitaus schwerer haben: Ist es eine Ausgestaltung, etwa weil heterosexueller Sex nicht verfügbar war oder eher ungewünschte Konsequenzen wie Kinder hatte (wie zB im Gefängnis oder bei den antiken Griechen etc) oder ist es bei einer Erziehung vielleicht auch ein genetischer Faktor? (Werden Kinder, die viele Homosexuelle in der Familie haben eher homosexuell, weil sie dort Toleranz erleben, oder weil entsprechende Gene im familären Genpool vorhanden sind?)

5. Die Einstiegstiefe

Wenn man demnach davon ausgeht, dass die Biologie eher die Grundlagen bestimmt und hier oft bestimmte Faktoren bereitstellt, die weitere Theorien maßgeblich beeinflussen, dann stellt sich auch die Frage nach der jeweiligen Einstiegstiefe.

Da haben Biologen aus meiner Sicht den Vorteil, dass sie für ihren Bereich wesentlich weniger umfangreich einsteigen müssen, damit sie ihre Theorien aufstellen können.

Viele Theorien, aus der Soziologie, die Grundlagen betreffen sind eben einfach erstaunlich platt und verstecken das hinter komplizierten Ausdrücken.

Wenn man zB Judith Butler etwas eindampft, dann ist ihre wesentliche Theorie auch nur, dass die Gesellschaft bestimmte Regeln vorgibt, die dazu führen, dass Leute sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Die Einzelheiten der Herleitung über die Urhorde und Spiegelbetrachtungen ist dabei im Endeffekt relativ egal und wird selbst von Befürwortern lieber ausgeblendet und verschwiegen.

Oder Habitus nach Bordieu: Letztendlich geht er auch nur davon aus, dass der Mensch sich in ein bestimmtes System einordnet und sich sein Verhalten nach der Gruppe, die für in in diesem System maßgeblich ist, bestimmt.

Und auch Systemtheorien nach Luhmann beschreiben eher Zusammenhänge zwischen Ausgestaltungen und lassen Platz für Faktoren, die diese Systeme aus biologischen Gründen hervorrufen.

Es reicht also entweder sehr grobe Aussagen anzugreifen oder es ist hinreichend Platz für biologische Faktoren, da die Ausgestaltung thematisiert wird. Dass sich beispielsweise Leute in das Schema einfügen, dass ihrer Gruppe entspricht, ist ja nicht falsch, wir sind eben Gruppen- und Hierarchietiere, denen Zugehörigkeit sehr wichtig ist. Der Widerspruch setzt eben dort ein, wo man annimmt, dass diese Gruppenregeln beliebig sind.

Einen Forschungsunterbau, der harte Fakten liefert, mit denen man sich auseinandersetzen muss, besteht in den meisten Fällen gerade im Geschlechterbereich nicht oder er ist keineswegs inkompatibel mit biologischen Theorien. Beispielsweise muss man die Aussage, dass Vorstände mehr männliche Mitglieder haben, nicht angreifen, man stützt sie nur auf andere Faktoren.

Biologische Faktoren sind wesentlich schwieriger herauszurechnen, da sie weitaus vielfältiger sind: Wir unterliegen einer Vielzahl von Interessen, die nicht einfach auf „Machtansammlung“ und noch weniger auf „Machtansammlung für unsere Gruppe Mann oder Frau“ herunterzubrechen sind. Sondern es kommen eine Vielzahl von Interessen zusammen, die sich teilweise widersprechen, etwa Sicherheit und Statusgewinn, die sich gegenseitig bedingen, wie Partnerwahl und Statusansammlung, die ausgestaltbar sind, aber eben nur innerhalb bestimmter Regeln (Eine Gesellschaft kann auf Monogamie oder Polygamie setzen, beides folgt biologischen Regeln und stellt nur einen anderen Kompromiss zwischen verschiedenen evolutionär entwickelten Präferenzen und den Möglichkeiten sie umzusetzen dar, beispielsweise gibt es eben keine Gesellschaften, in denen weibliche Herrscher sich 200 Männer als Ehepartner in einem Harem hielten und diese durch reine hierarchisch ausgebildete Macht gegen andere Frauen absicherten, hingegen gibt es dies umgekehrt).

Um sich mit den Grundlagen der sozialen Theorien auseinanderzusetzen kann es insofern reichen einen Wikipediaartikel zu lesen. Damit mag man deren Feinheiten nicht verstehen, dass ist aber häufig auch gar nicht nötig. Wenn man zB weiß, dass bestimmte Theorien Homosexualität rein sozial begründen, dann ist dies alles, was man wissen muss, wenn man die biologischen Wirkungen von DES auf Schwangere behandelt und diese Theorie ausschließen will. Wer hingegen einen Spielraum finden will, indem trotz DES Homosexualität rein sozial begründet wird, der muss sich, wenn er es ernsthaft betreiben will, dezidiert damit auseinandersetzen (wenn das erfolgt, dann wäre im Gegenzug eine dezidierte Auseinandersetzung mit dieser Theorie erforderlich, soweit sind wir aber noch nicht)

Der weitere Faktor ist, dass Biologie eher Einzelfragen hat, die gegen bestimmte Theorien sprechen können. Wenn Hormon X eine bestimmte Wirkung hat, die sich auf Verhalten Y auswirkt, dann muss man dies für einen sozialen Ansatz mitberücksichtigen. Wenn Verhalten Y sowohl von Hormon x als auch von sozialen Umständen berücksichtigt wird, dann kann man dennoch Hormon X erforschen ohne sich mit den sozialen Umständen vertieft zu beschäftigen

Sofern in einem Bereich starke Anzeichen dafür vorhanden sind, dass diese sozialen Umständen unterliegen, müsste natürlich auch die Biologie in die Tiefe gehen und sich mit den anderweitigen Theorien auseinander setzen, um zu ermitteln, welche Faktoren nun eigentlich tatsächlich eine Rolle spielen. Übliche Mittel wären Zwillingsforschung und Adoptionsstudien für genetische Grundlagen und gerade im Geschlechterbereich eben auch die diversen Besonderheiten, die verschiedene Hormonstände etc bewirken.

6.  Noch einmal in die andere Richtung

Damit will ich nicht sagen, dass die Sozialwissenschaften in dem Bereich nichts beizusteuern haben. Viele Bereiche betreffen eben die Ausgestaltung und auch bei der Ermittlung verschiedener Grundlagen oder der Aufnahme verschiedener Lebensweisen und der Betrachtung verschiedener Kulturen. Ich glaube allerdings, dass es bei der Auswertung der Daten und dem Aufbau der sich daraus ergebenden Theorien nicht ohne die Biologie gehen wird, zumindest wenn sie grundlegend seien sollen. Die Motivationen menschlichen Verhaltens im Geschlechterbereich sind schwer verständlich ohne diese Grundlagen. Alles was eine Neugestaltung oder Visionen für die Zukunft betrifft ist noch viel weniger ohne die biologischen Grundlagen planbar.

Ohne das man versteht, was die Geschlechter in den Rollen hält, ohne die Betrachtung der biologischen Unterschiede, aber auch der einprogrammierten Attraktivitätsmerkmale zum einem und dem Wunsch entsprechendes Signalling für einen hohen Partnerwert betreiben zu wollen auf der anderen Seite wird man eben in dem Bereich wenig nachhaltiges an Theorien aufstellen können und diese Betrachtungen ergeben sich nur bei Betrachtungen unter Berücksichtigung der Biologie und der Evolutionsbiologie.

Das hindert natürlich gleichzeitig nicht andere Regeln zu vereinbaren: Um zB Unterhaltsregelungen oder Zugewinnregelungen neu zu gestalten benötigt man keine biologischen Kenntnisse. Und sicherlich lassen sich auch andere soziale Abhängigkeiten gut erfassen, ohne dort vertieft einzusteigen.

7. Gegenteiliges

Natürlich kenne ich mich lediglich in den biologischen Theorien aus. Insofern mag mein Urteil hier falsch sein. Im Geschlechterbereich sind allerdings die mir bekannten Theorien mit einer sozialen Begründung von der grundlegenden Begründung relativ einfach. Wer bessere kennt, der kann sie gerne in den Kommentaren darstellen oder zumindest auf die entsprechende Wikipediaseite verweisen. Ich hoffe sogar, dass es in diesem Bereich gute Theorien abseits der Gendertheorien gibt, insbesondere wenn sie Ausgestaltungen betreffen.

Lernen, Blank Slate und Einwirkungen der Biologie auf menschliches Verhalten

Hier ein paar Probleme, die bei Vorstellungen von einem „Blank Slate“ oder Theorien, die an diesen nahe dran sind bzw. bei Argumentationen gegen biologische Grundlagen menschlichen Verhaltens gerne übersehen werden.

1.Was ist für „Lernen“ erforderlich und wie komplex ist eine „Lern-Software“

Was mich immer wieder erstaunt sind Aussagen wie „das ist für eine biologische Begründung viel zu kompliziert, dass muss erlernt sein“. Sicherlich ist das bei der Annahme eines „Geistes“ oder einer „Seele“, also eines übernatürlichen Konzeptes noch vertretbar, aber ansonsten scheinen sich die Leute nicht bewußt zu machen, dass „Erlernen“ ein überaus komplexer Vorgang ist.

Einfache biologische Regelungen wie „Auf Lichteinfall hin bestimmte Schwimmbewegungen durchführen“ wie bei einer Qualle sind relativ simpel im Vergleich zu dem gleichen Vorgang, wenn er erlernt werden soll.

Denn das Erlernen bedeutet zunächst, dass man bestimmte Signale auswerten muss, etwa Lichteinfall auswerten und zu einem Bild zusammensetzen, ebenso bei Schallwellen etc. Dann müssen daraus bestimmte Aussagen oder Regeln logisch hergeleitet werden und diese müssen in eine speicherbare Form gebracht werden, vergleichbar damit, dass ein geschriebener Text in einem Computer als Nullen und Einsen abgelegt wird. Diese einmal erkannte Regel muss dann bei einem Auftreten einer neuerlichen Situation als für diese Situation zutreffend erkannt werden, abgerufen werden und auf die konkrete Situation angewendet werden.

Wer einen heutigen Maschinenhersteller vor die Aufgabe stellt, entweder einen Roboter zu programmieren, der eine Tasse greift und an einen bestimmten Ort stellt oder aber einen Roboter zu programmieren, der sich ein Video anschaut, in dem ein Objekt gegriffen wird und dann an einem bestimmten Ort stellt, der kann sicher sein, und ihn fragt, was er eher umsetzen kann, der wird wenig erstaunt sein, wenn der Hersteller Option 1 wählt. Die Programmierung lernfähriger Roboter stellt uns immer noch vor sehr große Probleme.

Die Zerlegung des Lernprozesses kann dabei noch in viel kleinere Schritte erfolgen, etwa indem man die Einzelnen Stationen immer weiter unterteilt und die dortigen Schwierigkeiten behandelt, etwa die Umsetzung eines abstrakten Gedankens in die „Nullen und Einsen“ unseres Gehirns. Wenn man zB eine soziale Regel wie „wer eine besonders hohe soziale Position hat muss mit Respekt behandelt werden“ als erlernte Regel abspeichert muss dies eben in eine speicherbare Form bringen, die ein Ablegen im biologischen Gedächtnis erlaubt und diese Regel dann mit verschiedensten Positionen zum Thema „was ist eine soziale Position“ „wie erkennt man eine soziale Position“ und „was ist respektvolles Verhalten“ anreichern, die ihrerseits alle wieder biologisch abgespeichert und verknüpft werden müssen. Der dazu notwendige“Rechenschritt“ wird in diesen Betrachtungen schlicht mit „das hat er gelernt“ abgehandelt. Damit wird ein ungeheuer komplizierter Vorgang, den wir bis heute nicht hinbekommen, vorausgesetzt. Solche Vorgänge, die modernste Computer überfordern, gelingen allerdings Babys mit einer überaus hohen Rate: Sie können bereits nach der Geburt beispielsweise das Herausstrecken einer Zunge erkennen und die dabei eingehenden Signale als etwas verarbeiten, was sie ebenfalls können und spiegeln sollten. Sie können bereits die Stimme ihrer Mutter oder andere Bezugspersonen erkennen und zuordnen. Sie können sogar grundlegende physikalische Regeln voraussetzen (etwa bei der Bewegung von Bällen) oder ähnliches. Sie können auch später eine Sprache erlernen, ein Vorgang der unglaublich komplex ist und dennoch von Kindern in einem bestimmten Alter problemlos durchgeführt wird, während Erwachsene an der gleichen Aufgabe regelmäßig scheitern und weitaus mehr Unterstützung benötigen (etwa einen Grammatikunterricht etc).

Mitunter scheint die Gleichung da in ihrer Einfachheit dem gnomischen Geschäftmodell zu entsprechen:

1. Soziale Regeln wirken ein

2. ?

3. Erlernt

Auch Gegenargumente scheinen mir teilweise so zu laufen: „Das kann biologisch nicht gehen, weil so etwas biologisch nicht möglich ist, es muss also erlernt sein“. Eine Auseinandersetzung damit, was „erlernt“ dabei überhaupt bedeutet erfolgt dann aber nicht. Insbesondere wird nicht behandelt, warum die Regel zwar nachdem sie erlernt worden ist, abgespeichert und später einem Problem zugeordnet werden kann, das Abrufen einer aufgrund biologischer Selektion entstandenen Regel aber gleichzeitig nicht möglich sein soll. Selbst wenn man argumentieren würde, dass so etwas eben nicht durch Selektion entstehen kann, dann müsste man ja gleichzeitig erklären, wie dann die kompliziertere Lernsoftware durch Selektion entstehen konnte.

2. Ab wann haben wir von der Befolgung biologischer Regeln umgeschaltet auf reines Lernen und wie lief dies ab?

Was auch beständig ausgeblendet wird ist unsere evolutionäre Vergangenheit und der Aufbau unseres Gehirns. Unsere Vorfahren waren zweifellos Tiere im klassischen Sinne und bei diesen wird üblicherweise auch von sonstigen Hardcore-Biologiegegnern nicht bestritten, dass ihre Verhaltensweisen einen großen Rückhalt in der Biologie hatten. Wobei mich da eine Stellungnahme interessieren würde, wie sie dies bei unseren nächsten Verwandten, den Primaten sehen, die ja schon eine ziemliche Intelligenz, aber auch recht eindeutige Verhaltensweisen und Geschlechterrollen besitzen. Der Aufbau der Gehirne ist dabei recht gleich, es gibt eigentlich keinen Bereich, den ein sonstiger Primat hat, wir aber nicht. Dennoch scheint man dort der Auffassung zu sein, dass diese kompletten Bereiche, die vorher das geschlechtliche Verhalten geprägt haben, nunmehr aufgrund der gesteigerten Intelligenz des Menschen keine Funktion mehr haben.

Dabei folgen natürlich auch die Primaten nicht einfach schlicht verkabelten biologischen Vorgaben. Schimpansen kämpfen beispielsweise genau wie Männer um Status und dies durchaus mit Intrigen, Bündnissen, sozialen Interaktionen, den Versuch, teile der Gruppe gegen sich einzunehmen und Unterstützer von anderen Konkurrenten abzuwerben. Menschliches Verhalten unterscheidet sich insoweit in bestimmten Taktiken nicht grundsätzlich, es ist lediglich komplexer aufgebaut und gerade heute auf größere Gruppen bezogen.

3. Welche Folgen hätte ein reines Erlernen?

Auch wird selten bedacht, dass ein reines Erlernen bestimmter Regeln und Verhaltensweisen zu einer weitaus stärkeren Zergliederung der Menschen führen würde. Zwar erscheinen uns die verschiedenen Kulturen schon sehr verschieden, wir finden allerdings in den meisten die gleichen Grundelemente und auch die gleichen Geschlechterrollen vor, zumindest entsprechen abweichende Geschlechterrollen den sonstigen biologischen Regeln, wie beispielsweise der, dass hohe Vaterunsicherheit eine geringe Investition in den eigenen Nachwuchs nach sich zieht (und man dann eher auf die Unterstützung der Kinder der Schwester ausweicht).

Auch wird nicht bedacht, dass stark verschiedene soziale Praktiken, die nicht über biologische Regeln eingeschränkt werden, auch eine stark unterschiedliche biologische Selektion zur Folge hätten, wenn sie lange genug andauern. Wenn ein Volk beispielsweise unbeeinflusst durch biologisch abgespeicherte Schönheitsideale alles schön finden würde, beispielsweise einen Damenbart, dann hat das eine Selektion in diesem Volk auf Frauen mit Damenbärten zur Folge (und damit wahrscheinlich auch in Richtung einer niedrigeren Fruchtbarkeit). Das an sich ist nichts schlimmes, allerdings würden sich solche Selektionen eben auch zeigen und wir müssten verschiedene Völker haben, die sich mehr in Richtung Unfruchtbarkeit orientiert haben.

4. Die Unvereinbarkeit von vielen grundsätzlichen Ausschlüssen mit bereits einfachen Zugeständnissen

Grundsätzliche Ausschlüsse von biologischen Einwirkungen auf das Verhalten kranken daran, dass deren Vertreter kaum konkret werden wollen, wenn man sie mit bestimmten Sachverhalten konfrontiert. Das verwundert nicht, denn die meisten Erklärungen dieser Art können kaum Ausnahmen ihres Modells zulassen ohne in sich unstimmig zu werden.

Bereits Punkte wie „ist Homosexualität/Heterosexualität biologisch bedingt und wenn nicht, warum kann man sie dann nicht „verlernen“ bzw. sich umentscheiden“ können innerhalb dieser Theorien nicht gelöst werden: Die meisten werden wohl heute davon ausgehen, dass hier ein starker biologischer Einfluss vorliegt, aber wenn ein biologisches Begehren dazu führt, dass man nur Sex mit Menschen eines bestimmten Geschlechts hat, wenn man es sich aussuchen kann, dann ist dies bereits schwer in das Modell einzubauen.

Andere Punkte wie die Wirkung von Hormonen oder auch Verhaltensveränderungen bei Gehirnverletzungen oder Erkrankungen sind ebenfalls bisher aus meiner Sicht nicht wirklich mit einem Modell, welches nicht auf Biologie zurückgreift erklärbar.

„Wenn dort die Biologie Einfluss auf das Verhalten hat, warum soll es dann in anderen Fällen ausgeschlossen sein“ ist ein Argument, dass bereits viele dieser Theorien nie in ihre Erwägungen einbezogen haben, sie bleiben bei einer rein abstrakten Betrachtung, die sich diese Fragen gar nicht stellt.

Fehldarstellungen von Evolutionärer Psychologie in Gender-Büchern

Eine Studie behandelt klassische Falschdarstellungen von Evolutionärer Psychologie:

Abstract: Evolutionary psychology has provoked controversy, especially when applied to  human sex differences. We hypothesize that this is partly due to misunderstandings of  evolutionary psychology that are perpetuated by undergraduate sex and gender textbooks.  As an initial test of this hypothesis, we develop a catalog of eight types of errors and  document their occurrence in 15 widely used sex and gender textbooks. Consistent with our  hypothesis, of the 12 textbooks that discussed evolutionary psychology, all contained at  least one error, and the median number of errors was five. The most common types of  errors were ―Straw Man,‖ ―Biological Determinism,‖ and ―Species Selection.‖ We  conclude by suggesting improvements to undergraduate sex and gender textbooks.

Quelle: Misrepresentations of Evolutionary Psychology in Sex and Gender Textbooks

Eine interessante Stelle aus dem Artikel:

The idea that human nature—including differences between the sexes—is  biologically influenced was once relatively standard, indeed, taken for granted by most social scientists (Degler, 1991). In the early 1900‘s, however, a number of scholars,  influenced by the incipient disciplines of cultural anthropology and behaviorism, began to  question this assumption. The gradual revelation of the crimes committed by the Nazis  alarmed the public and academics alike and further promoted concerns about the social and  political implications of biological approaches to human nature (Laland and Brown, 2011).  These concerns and skepticism have persisted, to some degree, as protection against what  some scholars view as an attempt to justify inequitable social policies and institutions  (Lopreato and Crippen, 1999; Lord and Sanderson, 1999). That is, biologically based views  of human nature are, within certain academic communities, seen as a form of apologetics  for an unjust social system and for myriad other social evils (e.g., sexism, racism,  classism). This seems especially true for broadly liberal disciplines that aspire actively to  ameliorate social suffering

Also ein starkes Mißtrauen gegenüber biologischen Erklärungen gerade nach der Nazizeit, weil man das Gefühl hatte das damit nur unliebsame Systeme geschützt werden sollten. Das ist ja in der Tat ein sehr häufiger Vorwurf („ihr wollt nur die 50er wieder“), der aber eben meist auf Fehlvorstellungen darüber, was eigentlich vertreten wird beruht

However, recent research has shown that, despite popular assumptions, liberalism  does not predict a rejection of applying evolutionary theory to humans (Perry and Mace, 2010). Furthermore, from the imperfect data we possess, EPs appear no more likely to  adhere to conservative political beliefs than other social scientists (Tybur, Miller, and  Gangestad, 2007). Therefore, political ideology, although a probable source of some  hostility toward EP, is not a powerful predictor of a scholar‘s willingness to apply EP to human behavior.

Evidence indicates that, in fact, a misunderstanding of the basic principles of EP is a  more powerful predictor of hostility toward it than is political ideology (Perry and Mace, 2010). A student, for example, who is taught that EP ignores the importance of culture  might understandably develop a skeptical, perhaps even hostile, attitude toward EP. A  similar problem led to hostility toward behaviorism, especially as propounded by B.F.  Skinner. Students were taught that Skinner eschewed instincts altogether and that he completely ignored internal processes (Jensen and Burgess, 1997). Instincts and internal processes quite clearly exist, so this led to dismissals of Skinner and accusations that his framework was entirely wrong (in fact, embarrassingly so). These errors were included in  textbooks and propagated to the next generation of students, who continued to reject ―Skinnerism‖ (DeBell and Harless, 1992). We suggest that a similar process involving sex  and gender textbooks may explain some of the hostility toward EP. Thus, a combination of  liberal ideology and broad misunderstanding of the content of EP may combine to lead sex and gender scholars to view EP as a conservative and wrongheaded approach to explaining human sex differences.

As a first step in testing our hypothesis that a cycle of ignorance contributes to the  hostility directed toward EP, we coded its presentation in sex and gender textbooks. We  predict that presentations of EP will be frequently inaccurate.  It is important to note that sex and gender scholars and sociologists probably hold a more negative view of EP and have more misconceptions than scholars in many areas of  psychology (e.g., cognitive scientists, developmentalists, neuroscientists, linguists, etc.)  (Geher and Gambacorta, 2010; Lopreato and Crippen, 1999; Perry and Mace, 2010). Many psychologists who do not identify as EPs have fully integrated the Darwinian revolution into their research and possess an acute knowledge of evolution and natural and sexual selection.

Eine sehr wahrscheinliche These: Viele Kritiker von evolutionärer Psychologie beschäftigen sich weder mit den konkreten Theorien noch den Gründen, aus denen sie angenommen werden. Das führt dazu, dass sehr schnell Fehlvorstellungen über die konkreten Theorien vorkommen.

Zu den Fehlern, die überprüft worden sind:

E1) Lack of Evidence/Lack of Falsifiability. The assertion that many or all claims by EPs (1) lack substantive confirmatory evidence and/or (2) are unfalsifiable.

R1) (1) Evidence supports many claims made by EPs. Buss, Haselton, Shackelford, Bleske,  and Wakefield (1998, Table 1) summarized 30 empirical discoveries about human nature  generated by explicit evolutionary theorizing, including mother-fetus conflict and  landscape preference. More recently, Buss and Schmitt (2011, Table 1) summarized 17  robust empirical findings regarding sex differences in desire for sexual variety. Many more  empirical findings are reviewed in introductory evolutionary psychology textbooks (e.g., Badcock, 2000; Barrett, Dunbar, and Lycett, 2002; Buss, 2008; Cartwrigtht, 2000; Gaulin  and McBurney, 2004; Workman and Reader, 2004). (2) Most hypotheses proposed by EPs  are falsifiable. Buss‘s introductory textbook (1999) presented 11 methods and data sources  for testing evolutionary hypotheses (p. 54) and concluded that at least two of the methods  must support a hypothesis for it to have a ―firm empirical foundation‖ (p. 65). Ketelaar and  Ellis (2000) devoted a full article to falsifiability and demonstrated that the charge that EP claims are generally unfalsifiable is unwarranted. Last, Schmitt and Pilcher (2004) laid out a rigorous program for testing evolutionary based hypotheses, and this emphasized the importance of generating and testing empirical predictions.

Textbook Example: ―Sociobiology has some success in applying evolutionary theory to animal behavior, but because it is virtually impossible to test the natural selection principles on which it is based, empirical support for evolutionary links to human behavior is weak.‖  (Lindsey, 2011, p. 25).

Ein alter Kritikpunkt, man könne eben nicht zurück in die Steinzeit reisen und dort die Menschen beobachten. Ich hatte hier auch schon einmal etwas dazu geschrieben: Kritik an evolutionärer Psychologie

E2) Biological Determinism/Dichotomy between Nature & Nurture. (1) The assertion that EPs contend that biology determines or can explain all human behavior. (2) The  assertion that some phenomena are entirely cultural whereas others are entirely biological.

R2) (1) EPs do not contend that human nature is ―hardwired‖ by genes or determined  exclusively by ―biology.‖ In fact, introductory evolutionary psychology textbooks warn  about deterministic views of human nature (e.g., Buss, 2008; Gaulin and McBurney, 2004).  For example, Rossano (2003) states, ―Evolutionary psychologists firmly reject both genetic  determinism and environmental determinism and, instead, contend that both genes and  environment must be considered in understanding the human mind‖ (p. 28). (2) EPs believe  that understanding human nature requires an interactionist framework; i.e., incorporating both biology and culture. As Tooby and Cosmides (1992) point out:  Evolution shapes the relationship between the genes and the environment such that  they both participate in a coordinated way in the construction and calibration of  adaptations. Thus, evolutionarily patterned structure is coming in from the  environment, just as much as it is coming out from the genes. (p. 86)  In short, nature and nurture are inseparable in the EP account.

Textbook Example: ―What‘s more, if these [biological] explanations are true, no amount  of political initiative, no amount of social spending, no great policy upheavals will change  the relationships between women and men‖ (Kimmel, 2013, p. 22).

Die biologischen Ansätze stellen in der Tat darauf ab, dass es ein Zusammenspiel von Kultur und Natur gibt, wobei teilweise die Kultur bestimmte biologische Anlagen ausformt. Natürlich können wir dabei auch Umstände schaffen, die wesentliche Veränderungen bewirken, ein Beispiel ist der Zugang zu effektiver und preisgünstiger Verhütung, ein anderer unser Sozialsystem, beides kulturelle Errungenschaften die auch das Verhältnis zwischen den Geschlechtern erheblich verändert haben. Zudem können sich eben auch Unterschiede zwischen Leuten und auch zwischen Völkern zeigen, die eine andere Ausrichtung begünstigen.

E3) Naturalistic Fallacy. The assertion that EPs contend that what exists is either ipso  facto good or morally desirable simply because it exists.

R3) The accusation that EPs are guilty of the naturalistic fallacy is belied by numerous  writings from early sociobiologists (e.g., Alexander, 1979; Symons, 1979) and more  recently from evolutionary psychologists. In The Selfish Gene, Richard Dawkins (1976)  writes, ―I am not advocating a morality based on evolution. I am saying how things have  evolved. I am not saying how we humans morally ought to behave‖ (pp. 2-3). Many introductory textbooks on evolutionary psychology contain explicit warnings about  committing the naturalistic fallacy (e.g., Bridgeman, 2003; Buss, 1999; Cartwright, 2000;  Palmer and Palmer, 2002; Rossano, 2003).

Textbook Example: ―Biological arguments reassure us that what is is what should be, that  the social is natural. Finally, such reassurances tell us that these existing inequalities are not our fault, that no one is to blame, really‖ (Kimmel, 2013, p. 22).

Der naturalistische Fehlschluss kommt in der Tat sehr häufig vor. Gerne eben auch als Vorwurf, dass man es eben so wolle oder so für richtig halte und wie man so etwas sagen könne. Was alles gar nichts damit zu tun hat, wie bestimmte Sachen sind. Es ist in der Tat ein Punkt, auf den in Büchern über das Thema sehr häufig hingewiesen wird.

E4) Political/Ideological Agenda/Consequentialist Fallacy. (1) The assertion that EPs have a conservative, rightwing political agenda and that this agenda significantly influences  their research. (2) The assertion that evolutionary accounts are morally dubious and  possibly dangerous if widely disseminated.

R4) (1) To the extent that we have empirical data on the political views of EPs, this  assertion appears to be false. Most of the early sociobiologists were liberals or social  democrats (including E.O. Wilson and Richard Dawkins), while Robert Trivers, who developed the theory of parental investment, was a political radical who coauthored a paper  with Huey Newton (Segreståle, 2000; Trivers, 2002). A recent study of EPs found that their political views match those of social scientists in general—0 of 31 EPs identified with the Republican Party (Tybur et al., 2007). Even if it were true that EPs have more conservative views than other social scientists, it would not automatically follow that they are more likely than others to use their scholarship to advance a conservative agenda. We know of no data addressing this possibility, and the textbooks making this assertion do not provide any evidence for it. (2) Unfortunately, almost any view of human nature can be used to justify self-serving behavior that harms other people, ranging from the extremes of Nazism on the right to communism on the left (Pinker, 2002). The communists, for example, perpetrated numerous ghastly crimes, which were justified by a singular commitment to human flexibility, environmental determinism, and equality (Pipes, 2001). However, the factual content of a theory or proposition is not determined by the perceived good or ill it may do to society.

Textbook Example: ―Another concern is the claim that gender differences have evolved over time, which implies that gender differences are inevitable and unchangeable. Biology then becomes an excuse for accepting differences and not advocating for social change‖ (Rider, 2005, p. 117).

Wie oben schon gesagt in der Tat ein sehr häufiger Vorwurf. Es scheint für einige schwer zu verstehen zu sein, dass man nach der Prüfung bestimmter Fakten zu einem Ergebnis kommt und dies vertritt, weil man es für wahr hält und das zur Folge hat, dass man die daraus herzuleitenden Fakten akzeptieren muss. Es ist nicht das „Wollen“, dass das „sein“ schafft. Wir können die Realität nicht immer und unter allen Bedingungen unserem Wollen anpassen.

Ich schrieb dazu schon einmal: 

„Was ist das Anliegen, wenn man sagt, dass die Welt eine Kugel und nicht eine Scheibe ist? Was will man damit bewegen? Reicht es aus, dass man Männer und Frauen verstehen will, ein Interesse an dem Thema hat, die Forschung überzeugend findet und merkt, dass etwa poststrukturalistische Theorien keinerlei Grundlage haben?

Selbst wenn unsere Welt mit den biologischen Erklärungen die absolute Hölle auf Erden wäre würde es sie genau so wenig falsch machen wie es die Erde flach macht, wenn dies zu einer besseren Welt führen würde.“

E5) Species Selection. The assertion that evolution via natural and sexual selection operates to ensure species survival or that the survival of the species is the ―goal‖ of  evolution.

R5) Charles Darwin (1859/1958; 1871) argued that natural and sexual selection targeted the individual, not the species. In the 1960s, evolutionary biologists revolutionized the field by formalizing the insight that it was not the individual but the gene that was the fundamental unit of selection (Dawkins, 1976; Hamilton, 1964a,b). Although there is debate about the importance of differing units or levels of selection (e.g., group, individual, gene; Wilson and Wilson, 2007), biologists are nearly unanimous that species level selection does not occur:  In the early post-Darwinian period when thinking about selection was rather confused, it was often said that such and such a character had evolved because it was ―good for the species.‖ This is quite misleading. The selected character had originated because it benefited certain individuals of a species and had gradually spread to all others. The species as an entity does not answer to selection. (Mayr, 1997, p. 2092)

Textbook Example: ―Evolutionary theory argues that in any species, including humans, certain characteristics persist across generations—passed along genetically—because they help the species survive‖ (Lips, 2006, p. 132).

Ein klassisches Fehlverständnis, da die Evolution eben bei den Genen ansetzt und daher nur über das Individuum oder Verwandtenselektion arbeiten kann, eine Gruppenselektion hingegen, in dem Sinne, dass die Gruppe an sich gefördert wird, findet nicht statt, da hier die klassischen Selektionsmechanismen nicht greifen können.

E6) Straw Man Argument (Not Otherwise Specified). A misrepresentation of the opponent‘s position which creates the illusion that the argument in question has been refuted when, in fact, the actual position of the opponent has not been addressed.

R6) Straw Man arguments must be examined case by case but often involve oversimplifying the arguments of EPs to make them appear careless or reductionist. For example, many critics of EP assert that the theory posits that all men are promiscuous when, to our knowledge, this is not a serious position of EPs.

Textbook Example: Because each Straw Man argument is somewhat unique, aside from those that fall into specified errors we have already cataloged, each requires its own explanation (see Appendix for detailed comments on each coded Straw Man error).

Strohmänner gibt es in der Tat wie Sand am Meer in der Kritik an evolutionärer Psychologie. Es wird ein vermeintliches Argument dargestellt, dass so aber gar nicht vertreten wird und dies dann entkräftet.

E7) Intentionalistic Fallacy. The assertion that EPs contend that humans intentionally attempt to enhance their inclusive fitness and are explicitly aware of such intentions. For example, the claim that using contraception and engaging in sex for the sake of pleasure rather than reproduction refutes evolutionary arguments regarding natural and sexual selection.

R7) EPs do not believe that humans are consciously aware of the ―evolutionary logic of  their behavior. E.O. Wilson, the founder of sociobiology, made the point that the brain ―has been programmed to perform as if it knows [emphasis added] the underlying evolutionary logic of its affective biases (Wilson, 1975, p. 4). Similarly, John Tooby and Leda Cosmides (1992), two of the founders of evolutionary psychology, state ―…the biological concept of functionality differs from the folk notion of functionality as goal-seeking behavior. Although some of our evolved psychological mechanisms propably operate through goal-seeking, surely none of them has fitness maximization as a mentally represented goal‖ (p. 54). Even in cases where humans explicitly represent goals (e.g., I need to protect my child;  I would like to have sex), EPs do not posit that they are aware of the evolutionary logic  guiding the specific goal in question (see for example, Buss, 1999; Geary, 2005).

Textbook Example: The sociobiological view of sex differences assumes that sexual intercourse will lead – or is intended to lead – to reproduction. Today, I doubt that the majority of men are thinking about establishing paternity and the majority of women are thinking about their partners‘ ability to support a child when deciding whether or not to engage in sex. (Helgeson, 2012, p. 114)

In der Tat ist der Unterschied zwischen dem Grund für die Selektion der Gene, die ein bestimmtes Verhalten bewirken, und den tatsächlichen Zielen der Menschen für viele Kritiker schwer zu verstehen. Menschen wollen nicht das „Ziel“ einer Evolution erreichen, sie können vollkommen davon unabhängige bewußte Ziele haben und dennoch nach diesen Kriterien selektiert worden sein.

Natürlich ist Fortpflanzung etwas, was in einem starken Zusammenhang mit Evolution und damit auch mit der Selektion aller Lebewesen steht. Aber das bedeutet nicht, dass Menschen bewusst Fortpflanzung betreiben wollen müssen. Es reichte vollkommen aus, sie mit einem Sexualtrieb zu versehen, dessen Befriedigung Nachwuchs zur Folge hatte.

E8) Mechanical Demonstration. The assertion that if a scholar lacks knowledge of the specific proximate mechanism(s) contributing to a behavior, then that scholar is unable to legitimately make any claims about the evolutionary function of the behavior. For example, the claim that sex differences in cognition cannot have an evolutionary basis because the precise genes, neurotransmitters, and evolutionary pressures giving rise to them are not perfectly understood.

R8) It is, of course, desirable to have perfect knowledge of all of the physiological, genetic, and historical components of a hypothesized adaptation, but this is not necessary to make informed hypotheses about human adaptations. George Williams (1966) developed rigorous criteria for evaluating adaptations (reliability, efficiency, and economy) and these criteria can be used for evaluating evident design features of humans (e.g., the eye, opposable thumbs, fever) without knowing the precise physiological basis of the adaptation in question (see also Buss, 1999; Tooby and Cosmides, 1992). We also note that scholars using non-evolutionary perspectives routinely and fruitfully advance hypotheses about the causes of behavior without providing a comprehensive account of all mechanisms involved in the causal pathway.

Textbook Example: Evolutionary psychologists fail to specify the biological mechanisms from evolution to behavior. Their basic arguments are that evolution occurred over millions of years and, voila, we have a certain pattern of gender differences in the 21st century. But evolution can act only through genes, and genes influence behavior because they direct the synthesis of certain proteins and not others, leading to differing levels of biochemicals such as neurotransmitters or hormones. This is the era of the Human Genome Project, in which specific genes that create specific medical conditions and behaviors are being identified. Evolutionary psychology has failed to incorporate this work, and fails to specify which genes and biochemicals are responsible for the patterns of gender differences that they claim have evolved. (Hyde and Else-Quest, 2013, p. 35)

Ein „Argument aus Unwissenheit“, die allerdings in vielen Fällen noch nicht einmal wirkliche Unsicherheit ist. Wir mögen insoweit noch nicht immer genau verstehen, was biologisch abläuft, aber wir haben zumindest Vorstellungen und Modelle davon. Es ist insoweit der Versuch immer weiter in die Tiefe zu gehen, irgendwann auf ein „das können wir noch nicht genau erklären“ zu stoßen und damit zu unrecht die ganze Theorie als widerlegt oder falsch oder nicht vertretbar abzulehnen. Natürlich können auch die sozialen Theorien nicht genau erklären, warum ein Mensch Geschlechterrollen folgt und wie dieser Unterordnungsprozess unter die Rolle genau abläuft, aber da werden solche Kriterien dann nicht angewendet.

An der Studie sind als Anhang Fehler in der Darstellung aus verschiedenen „Genderbüchern“, etwa Kimmel oder Connell, dargestellt, die interessant zu lesen sind.

„Niemand streitet ab, dass das Geschlecht eine biologische Komponente hat“

Rexi führt bei Maren auf meinen Vorhalt, dass der Poststrukturalismus mit seiner sozialen Konstruktion der Geschlechter eine sehr schwache Position hat, an:

Niemand streitet ab, dass das Geschlecht eine biologische Komponente hat. Ich weiß nicht, wie oft man das dir schon von gesagt hat, von feministischer Seite. Ich glaube, ich mache eine Strichliste. Du scheinst das nur einfach zu ignorieren, denn immer wieder kommst du damit, als wäre es eine Offenbarung.

Tatsächlich kommt das Argument häufiger. Und es überrascht mich immer wieder. Denn die These, dass Geschlecht eine soziale Kategorie ist, ist die Kernthese des (Gender-)Feminismus.

Da irrtst du. Ich denke ich fordere dich auch jedesmal auf mir mal eine Stelle aus dem (Gender-)feminismus zu nennen, in der diese biologische Komponente dargelegt wird, da habe ich aber bisher nichts gehört.
Ich zitiere mal ein paar Sachen:

Hier:

“Die Annahme, dass Geschlecht eine soziale Konstruktion ist, kann in weiten Teilen der Frauen- und Geschlechterforschung als eine Art Minimalkonsens gelten.”

Feminismus101:

Geschlecht (Gender) ist sozial konstruiert (spiegelt sich in Stereotypen) und entspricht nicht zwangsläufig dem biologischen Geschlecht (Sex).

Judith Butler:

Butlers erkenntnistheoretischer Ausgangspunkt ist die dekonstruktivistische Geschlechterforschung, nach der angeblich natürliche Sachverhalte diskursiv durch kulturelle Denksysteme und Sprachregeln bestimmt sind, ebenso wie durch wissenschaftliche Diskurse und politische Interessen. Sie stellt die biologische, binäre Konstruktion der Zweigeschlechtlichkeit radikal in Frage und sprengt jede kausallogische Fundierung von körperlichen Geschlechtsmerkmalen und sozialer Geschlechtsidentität. Damit wendet sie sich konsequent von der feministischen Idee einer Unterscheidung von sozialem (Gender) und biologischem Geschlecht (Sex) ab

Gleichheitsfeminismus (Wikipedia)

Gleichheitsfeminismus
Simone de Beauvoir (rechts) und Jean-Paul Sartre, 1920
Gleichheit und Differenz sind zentrale Kategorien im feministischen Diskurs. Gleichheitsfeministische Theorien sind in erster Linie herrschaftskritisch. Sie analysieren die gesellschaftliche Wirklichkeit der Geschlechter und untersuchen die gesellschaftlichen Konstruktionsweisen von Gleichheit und Ungleichheit. Im Gleichheitsfeminismus (auch Egalitätsfeminismus oder Sozialer Feminismus) gehen die Vertreterinnen von einer grundsätzlichen Gleichheit der Geschlechter aus und begründen die zwischen den Geschlechtern existierenden Unterschiede hauptsächlich mit gesellschaftlichen Machtstrukturen und Sozialisation der Menschen. Diese Idee war erstmals von Simone de Beauvoir in das Das andere Geschlecht (1949) aufgeworfen worden, demnach die Frau als „das Andere“ und soziales Konstrukt der Männer betrachtet wird.

„Man wird nicht als Frau geboren, man wird es.“

– Simone de Beauvoir
Nach dieser Theorie gibt es kein „typisch männlich“ und „typisch weiblich“, sondern nur durch geschlechtsspezifische Sozialisation und Aufgabenteilung begründete Verhaltensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Ziel dieses feministischen Emanzipationskampfes ist die Aufhebung sämtlicher geschlechtsspezifischer gesellschaftlicher Ungerechtigkeiten und Unterschiede, um so den Menschen zu ermöglichen, nach ihren individuellen Fähigkeiten und Vorlieben zu leben, statt nach gesellschaftlich vorgegebenen Geschlechterrollen. Bekannte Vertreterinnen des Gleichheitsfeminismus sind unter anderen Elisabeth Badinter und im deutschsprachigen Raum Alice Schwarzer.
Radikalisiert wurde dieser Gedanke durch einen Teil der um die französische Zeitschrift Nouvelles Questions Féministes (NQF)[46] gruppierten Feministinnen. Während für de Beauvoir Anatomie letztlich als gegeben und Teil der Situation galt, interpretierten sie das biologische Geschlecht selbst als Konstrukt mit dem Zweck, die Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen zu markieren.

Es verwundert mich immer wieder, wie wenig sich Feministinnen mit den Ansichten des Feminismus beschäftigen. „Das vertritt doch niemand“ lässt sich mit etwas Kenntnis sehr häufig durch einige Zitate klarstellen. Meist kommt darauf schweigen und nicht etwa die Aussage „dann ist das falsch und diese Art von Feminismus hat unrecht“. Mitunter kommt dann etwas später der gleiche Vorhalt noch einmal.

Aber ich frage sicherheitshalber hier noch einmal nach:

  • Gibt es wesentliche feministische Theorien, die Geschlechterunterschiede über bloße offensichtliche körperliche Unterschiede wie Penis und Vagina hinaus zugestehen?
  • Gibt es feministische Theorien, die Unterschiede im Verhalten oder Denken etwa auf der Basis von Hormonen oder biologischen Unterschieden zugestehen?
  • Welche Theorien sind das und wer vertritt sie? Gibt es Literaturstellen, die konkreter werden und insoweit konkrete Aussagen machen, welche biologischen Unterschiede da akzeptiert werden sollen?

 

 

 

 

Cordelia Fine – Delusions of Gender: Kritik

Da meine eigene Besprechung von Cordelia Fine: Delusions of Gender, aus Zeitmangel nicht recht fertig werden will, führe ich hier mal ein paar andere Kritiken an:

a)  Simon Baron-Cohen

Delusions of gender – ‘neurosexism’, biology and politics

Cordelia Fine’s new book is a bold new attack on the very idea that there are any essential sex differences in the human mind and the brain. Her barely veiled agenda, in this long, scholarly book, is to show that any sex difference found in humans can be made to vanish! How? Simply by a quick manipulation of a social-psychological variable. If, for example, men on average score higher on a maths test or a mental rotation (spatial) test, then simply by telling women ahead of time that women on average score higher on such tests can not only lead women to perform better than they usually do, but can make the sex difference vanish.

These are just some of the dozens of social psychological studies that Fine reviews, and her argument has an appealing simplicity: if women and men can score equally in areas where robust sex differences have been reported, then surely they don’t constitute essential sex differences. They must instead be a remnant of the centuries of sexism that attempted to portray women as less intelligent than men. Fine goes further to argue that any modern cognitive neuroscientist who suggests there may be any essential sex differences in the human mind is just perpetuating these historic sexist attitudes. And she coins a new word for the exploration of sex differences in the mind by contemporary scientists: ‘neurosexism’. She litters her book liberally with quotes from 18th- and 19th-century sexists, as if contemporary scientists in the field of sex differences are no different from those who wished
to deprive women of the vote, keep them confined to domesticity, and as if to say ‘look: nothing has changed’.

So what’s good and what’s wrong with her basic argument? What’s good is that this book examines the role of social psychological factors in how men and women perform on psychological tests, and this is a welcome contribution. As one of those psychologists Fine has in her sights, it might surprise her that I strongly agree that social variables are important and doubtless play key roles in shaping our behaviour. Indeed, the kinds of effects Fine highlights can be thought of as commonsense demonstrations that if you make someone feel more confident, they do better on a test; or that if you change a person’s expectations of how they will perform, their performance is influenced by their expectations. We should thank Fine for reminding readers not to forget the importance of social factors influencing sex differences.

But showing that a manipulation of social variables changes behaviour does not prove that it was those very social variables that cause the spontaneous sex differences in the first place. Social manipulations are forms of intervention, and we shouldn’t fall victim to the old fallacy of assuming that the absence of a treatment is the cause of a condition. Aspirins can make headaches vanish, but headaches aren’t necessarily caused by the absence of aspirin. Where I – and I suspect many other contemporary scientists – would part ways with Fine is in her strident, extreme denial of the role that biology might play in giving rise to any sex differences in the mind and brain. My own book The Essential Difference was I think quite moderate in suggesting that sex differences are the result of both social and biological influences, and the same is true of Melissa Hines’ excellent book Brain Gender. But for Fine, even a hint of biological influence is too much biology.

So how does she deal with experimental findings that show either prenatal or neonatal influences on sex differences? Here, her main strategy (arguing that sex differences can be made to vanish by using the trick of manipulating social psychological variables) just doesn’t apply. So she is forced to adopt a different strategy, namely, dissecting the experiments that purport to show prenatal or neonatal influences, to reveal that such experiments are flawed and therefore incorrect in their conclusions. This is Fine’s last-ditch attempt to make sex differences go away.

Being a co-author of some of these experiments I can examine her criticisms with the benefit of close knowledge of the studies she discusses, and found errors in her critiques. For example, in our newborn study (Connellan et al., 2001), which showed that girls look longer at a human face and boys look longer at a mechanical mobile, Fine attempts to dismantle this evidence by saying we should have presented both stimuli at the same time, rather than one at a time, since one at a time might have led to fatigue-effects. However, she overlooks that it was for this very reason that we included counter-balancing into the experimental design, to avoid any risk of such order-effects.

Secondly, she argues that the experimenter may not have been totally blind to the baby’s sex because there might have been ‘congratulations’ cards around the bed (‘Congratulations! It’s a boy!’). However, she overlooks that it was precisely for this reason that we included a panel of independent judges coding the videotapes of just the eye-region of the baby’s face, from which it is virtually impossible to judge the sex of the baby. Fine is right that our newborn baby study needs to be independently replicated, given its importance for establishing a human sex difference in the mind at a point in development before culture has had a chance to have any influence. But it is
an example of where Fine’s scholarship shows some shortcomings, where details are overlooked in order to fit her biology-free theory of human sex differences.

Although we would all like to believe in Fine’s extreme social determinism, efforts to explain (purely in terms of social variables) why neurodevelopmental conditions like autism, learning difficulties, and language delay affect boys more often than girls lead to the ludicrous position of blaming these conditions on sexist factors in society (or in parents). And extreme social determinism has major difficulties explaining why left-handedness is more common in boys (12 per cent) than girls (8 per cent). In contrast, a moderate position that recognises that – over and above the important role of the social environment – biology may also play a small role opens up all sorts of lines of inquiry (e.g. into the effects of prenatal hormones and genes). Autism runs in families and many genes have been implicated, and it may turn out that some of these are relevant to why it is sex-linked.I have also been impressed to see consistent correlations between amniotic fetal testosterone (FT) levels and measures of social development across 10 years of follow-up studies of a cohort of typically developing children we have been tracking, whose mothers all had amniocentesis during pregnancy (Baron-Cohen et al., 2005). An extreme biological determinism would be equally ludicrous, since there is no doubt that social variables can amplify and interact with such biological effects.

Fine is of course obliged to try to find fault with these hormone studies, challenging, for example, whether FT in the amniotic fluid reflects FT in the brain. Again she overlooks that if we could measure FT in the brain in an ethical way, we would. FT in amniotic fluid is the next best ethical option, and it seems to be showing us that FT is associated with sex differences in the mind.

Ultimately, for me, the biggest weakness of Fine’s neurosexism allegation is the mistaken blurring of science with politics. Her book reads as a polemic about the implicit political bias underlying the science of sex differences. However, this ignores that you can be a scientist interested in the nature of sex differences while being a clear supporter of equal opportunities and a firm opponent of all forms of discrimination in society. One endeavour need have nothing to do with the other. Fusing science with politics is, in my view, unfounded.

Icon Books; 2010; Hb £14.99 Reviewed by Simon Baron-Cohen who is at the Autism Research Centre, University of Cambridge

References
Baron-Cohen, S., Knickmeyer, R. & Belmonte, M. (2005). Sex differences in the brain: Implications for explaining autism. Science, 310, 819–823.
Connellan, J., Baron-Cohen, S., Wheelwright, S. et al. (2000). Sex differences in human neonatal social perception. Infant Behavior and Development, 23, 113–118.

b) Diane Halpern

Das Buch ist dort am stärksten, wo es wacklige Schlüsse bloßstellt, die mehr auf Einbildung als auf Wissenschaft beruhen und dort am schwächsten, wo sie es versäumt, auch auf Unterschiede hinzuweisen, die durch eine Vielzahl sorgfältig durchgeführter und gut replizierter Studien abgestützt werden.

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C) Margaret M McCarthy und Gregory F Ball

The topic of sex differences in brain and behavior continues to garner broad interest and generate considerable controversy. A spate of popular books in the past decade has heralded many of the recent advances in the study of the biological basis of human brain differences in relation to sex and gender. Volumes such as Doreen Kimura’s Sex and Cognition [1], Simon Baron-Cohen’s The Essential Difference: Men, Women and the Extreme Male Brain [2], Melissa Hines’s Brain Gender [3] and Louann Brizendine’s The Female Brain [4] have reviewed, and in some instances overinterpreted, the current state-of-the-art. This flurry of attention has also generated lightning rods for criticism, as evidenced by the two books reviewed here: Rebecca M Jordan-Young’s Brain Storm: The Flaws in the Science of Sex Differences [5] and Cordelia Fine’s Delusions of Gender: How Our Minds, Society and Neurosexism Create a Difference [6]. Both books contain much of merit that we think readers of the Biology of Sex Differences will agree with, but both books can be vexing in the ways the scientific study of sex differences in brain and behavior is portrayed and the current state-of-the-art is presented.

Jordan-Young wrote Brain Storm after she became interested in the causes of variation in human sexual behavior while engaging in a study of human sexuality related to the acquired immunodeficiency syndrome epidemic. During the course of this work, she was struck by the substantial variation that is exhibited by humans in relation to sexual behavior and the difficulty one can encounter in fitting individuals neatly into categories such as man versus woman or homosexual versus heterosexual. In this context, she was fascinated by the claim that there might be a „male or female“ or a „gay versus straight“ brain. Her interest was piqued by Simon LeVay’s 1991 Science paper [7] because it employed a very simple categorization of its subjects into „men, women and gay men.“ She questioned the value of such a scheme, given the lack of sharp categorical boundaries she had experienced in her own work. When trying to understand the possible causes of correlations between brain structure and human sexual behavior identified by Gorski et al. [8], LeVay [7] and Swaab [9], to name a few, she learned about the organizational and activational hypothesis proposed by Phoenix et al. in 1959 [10]. The now iconic organizational and activational hypothesis codifies the concept that early hormone exposure permanently organizes the neural substrates which will be activated in a sex-specific manner in adulthood by gonadal steroid hormone production. As most readers of this journal will know, whether this hypothesis can be applied to the human brain remains a matter of controversy and a difficult question to address, given the inability to perform the same types of experiments that have clarified the validity of the hypothesis in other species. Jordan-Young reviews, in a thorough and engaging manner, the challenges and pitfalls of trying to study brain sexual differentiation in humans. This is one of the strongest aspects of the book. Human behavior is complex and often does not exhibit marked or categorical sex differences as have been identified in some cases in other species. Both human sexuality and human cognition require multidimensional behavioral analyses to capture the full range of observed variation. To capture this variation and then relate it to a static, one-time snapshot of a brain structure or a hormone measurement is fraught with difficulties and subject to error. One can only make correlations. However, these correlations are a first step that can set the stage for further study. Moreover, even if one takes the arguably simplistic approach of simply defining every human as male versus female, there are numerous robust and reliable sex differences in the size, shape and neurochemical phenotype of specific brain regions in boys versus girls and men versus women. The challenge is to discern how the observed sex differences were established and what they mean. As noted by Jordan-Young, despite the promise of variants in human reproductive development, such as androgen-insensitivity syndrome and congenital adrenal hyperplasia (CAH) or individual cases (such as the famous „Joan/John“ instance of a boy whose sex was reassigned as a girl after his penis was accidently and irreversibly damaged), the direction of the arrow of causation (if there is a causal relationship at all) cannot be specified. Frustratingly, after consideration of the iconic Phoenix et al. guinea pig study [10], Jordan-Young gives little attention to the voluminous animal studies conducted in the intervening 50+ years, denying the reader the presentation of overwhelming evidence that correlations between brain and behavior can be the result of early organizational effects of steroid hormones or adult activational effects (or both), or of experiences that occur independently of hormones. Instead of presenting a complex and vibrant field that at times produces messy or inconsistent data, she takes a very humanocentric view and suggests that studies of sex differences lack structure and coherence. Moreover, she ignores critiques that have emerged from within the field [10], implying that there is unanimity among scientists studying sex differences regarding the relative contribution of hormones versus other variables. Nothing could be further from the truth, as anyone subject to peer review can tell you. She also ignores the published provision of an experimental road map that lays out the basic protocols needed to first ascertain whether there is a sex difference in a trait, then to investigate whether hormones are involved and, if so, to distinguish possible organizational effects from activational hormonal effects [11]. Nonetheless, if one considers the broader biological context of studies of sex differences in brain and behavior in humans, Jordan-Young’s concerns are well-founded. It is indeed difficult to ascertain at present which factors, biological or environmental, cause the documented sex differences in the human brain, although significant evidence suggests that gonadal hormones are among these factors [12]. If one were just looking for a good species among all vertebrates to try to ascertain basic principles that underlie interrelationships among hormones and brain and sex differences, one would certainly not pick Homo sapiens!

Cordelia Fine’s penning of Delusions of Gender was apparently motivated by her observation of her son’s kindergarten teacher reading a book which reportedly stated that males do not have the neural wiring required to connect language and emotion (exactly which book this was is not clear, but a little digging suggests it is likely to be by Brizendine [4]. She reports being sufficiently outraged that she decided to research for herself the studies on which such flimflam was based. Fine is an engaging and clever writer who combines sexist quotes from the Victorian era with modern-day quotes from some of the more offensive recent popular books. The not-so-subtle message, that little has changed for women for hundreds of years, is effectively and powerfully conveyed. Fine goes on to review in exacting and voluminous detail the huge number of studies demonstrating how insidiously gender bias pervades our society and how this in turn leads to gender inequality. Given the overwhelmingly strong case that so much of what distinguishes males and females comes from our decidedly different experiences, Fine’s frustration with the unfounded claims for „hardwiring“ of any sex difference in the human brain is perfectly understandable (Cordelia, we feel your pain). Unfortunately, though, she opts for throwing neuroscientists under the bus instead of directing her anger where it truly and deservedly belongs.

Fine divides her book into three parts, each of which comprises a collection of short chapters designed to make a specific point revealed by wordplay titles such as „Brain Scams“ or „Sex and Premature Speculation.“ Part I is titled „Half-Changed World – Half-Changed Minds“ and should have been printed with a warning label for women that even if you are married to a „rare jewel,“ like Fine apparently is, you are likely to find yourself angry and resentful that you are doing more of the housework while getting less credit for your better curriculum vitae and earning lower pay for equal or more work. It is still a man’s world, and Fine wants to be darn sure we appreciate exactly how much of a man’s world it still is. Part III hammers this same concept home with detailed discussions of the overwhelming evidence that the perception of gender, both by others and by oneself, begins even before an individual is self-aware and thereby directs all future choices, from playmates and toys to career and lifestyle. There is no arguing with the point Fine is making: gender is an overwhelmingly salient and pervasive parameter that defines each of us in ways we do not even realize. Her big complaint is that any component of these differences be accepted as „biological.“ She deftly reveals the level of absurdity of some arguments, pointing out that suggestions of an evolutionary basis for a preference for pink by girls and for blue by boys is ridiculous in the face of the recent emergence of this Western culture color code in only the past 50 years. She is witty and acerbic, issuing lacerating asides and derisive dismissals. She uses favorite punching bags over and over to make her points, with Lawrence Summers, the former president of Harvard University, mentioned so often you would think he had spent his entire career publicly speaking about the inferiority of women. Her irritation is equally great or greater with Simon Baron-Cohen [2] and Louann Brizendine [4], both of whom have written popular books, and who Fine essentially accuses of being charlatans. After the hundredth or so insulting aside, it begins to seem a bit mean-spirited.

But it is in Part II, which she titled „Neurosexism,“ that Fine really disappoints. Throughout the book she repeatedly warns the reader of the perils of preconceived notions, inherent and hidden biases and seeing only what we want to see. Yet, that is exactly the behavior she there engages in. Her use of the inflammatory and made-up term „neurosexism“ is further supported by her use of prejudicial words such as „neurononsense“ and „neuroscientific“ (the closeness to „pseudoscientific“ is undoubtedly intentional). She goes so far as to say, „sexism dressed up in neuroscientific finery“ is being used to push through new policies on same-sex education. The hostility is open and raw. But her critiques of the science are as weak and unfounded as she accuses the science to be. Studies of sex differences in neuroanatomy in animals are dismissed as useless because, according to Fine, the field has failed to directly tie differences in the size of the SDN (sexually dimorphic nucleus of the preoptic area, a pronounced sexual dimorphism in the rodent brain) to a specific behavioral change. In this case, the critique is not even accurate, as there is now a growing consensus that the SDN is a key nodal point in the neural process of defeminization and may also be critical to sexual preference. These relatively recent interpretations of SDN function have been appropriately cautious, relying on years of accumulated, converging sources and forms of empirical evidence. Fine’s use of Roger Gorski’s admission in 1980 [8] that he did not know the functional significance of the nucleus he discovered and her naming of him to further her own arguments smacks of grasping at straws. Moreover, the fact that relatively few neuroanatomical variables have ever been directly tied to the control of behavior seems to have escaped her notice. The use of functional magnetic resonance imaging (fMRI) to detect sex differences in brain activation during specific tasks is rejected by blithely dismissing the entire field of fMRI as too immature and as not capable of really measuring neural activity any way. She has a harder time with the elegant and provocative studies by Melissa Hines [3] and others on sex biases in toy choice in humans and primates, including dismissing studies in CAH girls in which the role of parental influence was carefully assessed and found not to be responsible for these girls‘ malelike toy preferences [14]. Instead of acknowledging that perhaps there is something interesting going on here, Fine refuses to yield an inch and instead goes through a contorted and ultimately irrational argument about the scientists‘ „not even knowing“ the parameters of male versus female toys that make the toys preferred. Why this undermines the data is unclear. One of her frequent refrains is how little we know, suggesting that this is a flaw of the science as opposed to a natural consequence of the relatively slow pace of discovery resulting from only a small cadre of scientists being focused on and committed to the question at hand. That this situation is complex is not new news, even in the popular press. Melissa Hines’s Brain Gender [3] is about as balanced a view as possible on the current status of the understanding of both cultural and biological influences on sex differences in brain and behavior. In addition, Anne Fausto-Sterling, author of Myths of Gender: Biological Theories About Women and Men [15], relentlessly brings us back to center to remind us how little we really know about the vexingly complex human brain, but she herself shifted from arguing that there is no biological basis for sex differences in the brain to acknowledging there is a complex and as yet poorly understood interaction between biology and society (see Sexing the Body: Gender, Politics and the Construction of Sexuality [16]). We fear that books such as the ones by Fine and Jordan-Young will not hasten the pace of discovery, but instead threaten to severely hamper or even reverse the progress that is being made in this field.

Thus, for both authors, endeavors that started as entertaining and potentially enlightening exposés go awry. There is good reason to be irritated with some of what has been written about the neural basis of sex differences in the brain, but the field is a lively and active one in which scientists police each other on a regular basis. There are strong foundations upon which exciting, new and sometimes even startling discoveries are being made. Unilaterally condemning all research on sex differences in the brain because of a few bad players‘ trying to appeal to a general audience seems akin to claiming that all research on cancer is bogus because some people believe that research suggests cancer can be cured by the power of prayer. In both books, there is a „throwing the baby out with the bathwater“ phenomenon in which the entire field is condemned by a combination of setting up straw men to knock down and an overemphasis on criticism of a few errant studies or errant interpretations. What is particularly frustrating to those of us who actively engage in the study of sex differences in the brain is how hard we are continuing to fight for sex or gender as a critical biological variable that must be considered in any study that purports to advance our understanding of the brain. The preference of most neuroscientists is to study only one sex, usually males, and then assume that any findings generalize to females. But time and time again, we have seen this is not the case. This bias is not limited to neuroscience, as a recent analysis demonstrates an overwhelming tendency to exclude females from studies across a wide range of biological disciplines [17]. Moreover, several novel aspects of brain function have been discovered only because males and females were compared, highlighting the tremendous exploratory power of studying sex differences in the brain. These include novel mechanisms of pain regulation, synaptogenesis, neuro- and gliogenesis, cell death, genetic imprinting and surely many more yet to come. Two of the most promising areas for exploitation are (1) gender biases in the relative vulnerability to and the severity of mental health disorders and (2) sex differences in the functional impact of brain damage. By comparing and contrasting the mechanistic basis of sex differences, as well as the therapeutic benefits of various approaches, both sexes stand to benefit. But the useful side of research on sex differences appears to be entirely lost on Fine and, to some extent, on Jordan-Young. Delusions of Gender concludes with a depressing final admonition that the cycle of repression of girls is unlikely to change, because it is a self-perpetuating system in which parents teach their children to live along narrow gender lines and those children in turn become parents who then teach the same thing to their children. Fine acknowledges that large numbers of women are taking on hard science and math majors in school, becoming physicians and scientists, but nonetheless she seems to see little hope for change. Nothing short of stopping research on the topic would seem to satisfy her. Jordan-Young, on the other hand, does not go nearly as far as Fine, but rather provides her view of how such research should be conducted and interpreted. Her views again are certainly welcome and valuable. However, she presents them as if they are unknown to scientists studying sex differences. Her observations that „sex“ steroids are misnamed because androgens can be converted to estrogens and that these steroids do many other things besides regulating sexuality are not news to those of us in the field who have been inculcated since the 1970 s about the significance of the aromatization hypothesis [18]. Again, such concerns are not put in a broader context. The fact that natural substances are often misnamed and inadequately categorized when they are first discovered is a widespread problem not limited to work on sex steroids. One need only think about what happened during the neuropeptide revolution, when endogenous messengers with names such as vasoactive intestinal polypeptide were found to be widespread and active within the brain. The idea that experience effects interact with hormonal effects in fascinating ways is also not a new observation and has often come out of research trying to discern the context in which hormones act. One cannot help but think that Jordan-Young’s focus on human studies, which, as she states, cannot involve detailed experimental analyses, led her to assume an overly deterministic view of hormone action on behavior that is not indicative of the broader field. She points to the value of adopting a broader biological context by considering sex differences as a particular type of reaction norm which addresses the variability in phenotypes that a single genotype can generate in different environments. This is a valuable concept that is in widespread use by researchers, especially evolutionary ecologists, who are trying to understand the causes of intraspecific phenotypic variation. Sex differences are indeed just another example of intraspecific variation, albeit one that is perhaps better demarcated than some other dimensions. An exciting development in the behavioral field is to consider personalities in animals and humans in the context of reaction norms, and it makes sense to include sex as another variable in this context. The challenge, of course, is ascertaining the full response range of a trait specified by a particular reaction norm and testing this response range in a variety of environments. Such a thorough analysis is not going to happen in humans for the obvious reasons mentioned in Jordan-Young’s book, though it would be a valuable research strategy to pursue in nonhuman animals. However, it is a bit disappointing to be told that studies in plants and animals are essential to understanding sex differences in a broader biological context when she is prescribing a future research strategy after ignoring or even denigrating such studies (for example, the guinea pigs studied by Phoenix et al. [10] are „lowly“ in her eyes) when she considers studies of the organizational and activational hypothesis.

But popular books are written to appeal to a broader audience, and in that respect both Jordan-Young and Fine have succeeded. Prompting laypeople to adopt a more critical view of overly simplistic views of complex data sets is a goal any scientist can support, and for that we applaud their efforts. Pendulums tend to swing widely before the inexorable progression to the center. Where that center will ultimately be is the critical issue, and ensuring that it is appropriately balanced is in large part the responsibility of scientists who must continue to do innovative and useful research into the topic of sex differences in brain and behavior

d) Leser David

David hat etwas zu dem Buch bei Maren geschrieben (die es anscheinend lesen will)

Christian hat da aber nicht ganz unrecht.
Natürlich hat Christian einen Bias, den haben wir wohl alle. Wichtig ist, dass man ihn mitreflektiert, und das ist mir bei Fine selbst zu wenig der Fall. Vor allem da sie sich ja sehr offen feministisch positioniert.

Den größten Bias haben wohl die, die Cordelia Fine als ihren Einstieg in die Neuropsychologie wählen, denn dem Anspruch eines Einführungswerks wird sie nicht gerecht.

Natürlich ist sie eine seriöse Wissenschaftlerin, liefert reichlich empirische Belege ihrer Argumente und hat auch einige Studien ordentlich zerlegt. Sie hat durchaus auf einige wichtige Punkte in den Sexual Dimorphism – Diskurs der Neurowissenschaften aufmerksman gemacht (wichtig sind imho insbesondere die Alternativerklärungen für den Dimorphismus der Corpus Callosum).

Aber sie ist dann doch keine Koryphäe auf dem Gebiet, hat noch nicht mal eine Professur. Sie hat zwar schon eine ganze Reihe von Publikationen, ich weiß aber von meinem früheren Neuropsychologie-Prof. dass bei ihren eigenen Studien in den Peer Reviews teils erhebliche Mängel festgestellt wurden, weswegen die meisten auch für Neuroscience extrem niedrigrangig publiziert wurden (funktionelle MRT-Daten unter IF 2.0 zu publizieren ist schon recht bescheiden).
Das Problem ist, dass ihr (bekanntes) Buch sich eigentlich eher an die Neuroscience Community richtet (richten sollte, es ist durchaus populär aufbereitet), aber vor allem von Leuten gelesen wird, die von Neuroforschung keine Ahnung haben.

Nach dem Lesen bekommt man den Eindruck, dass man praktisch gar nichts wisse und alle Studien über Dimorphismen in böser Absicht von üblen Sexisten zusammengeschustert seien.

Was kaum weiter vom tatsächlichen Forschungsstand entfernt sein könnte. Fine betreibt in weiten Teilen simpelsten Relativismus, den man auf beinahe jedes Forschungsgebiet anwenden könnte.

Studien die auch nur den leisesten Anhaltspunkt für alternative Erklärungen liefern können, werden durch ihre Suggestionen weit über deren Niveau und Impact überhöht, vieles wird weggelassen, vor allem kohärente Alternativparadigmen.
Die Gegenargumente von Fine haben durchaus Hand und Fuß, sie tragen halt nur nicht weit.

d) eigene Besprechungen von einzelnen Stellen:

e) Michael Mills auf Amazon

Cultural determinism dies a slow, agonizing death.

Fine is stunningly sophomoric in her understanding of the nature vs. nurture debate. It is over. Asking „is it nature or nurture?“ is asking the wrong question, and it leads Fine down a dead-end path. It is always a very complex interweaving of both.

What then is the right question? Try this: „Is the trait under examination an evolved psychological adaptation, a byproduct of an adaptation, or random variation?“ (Think the umbilical cord, the belly button, and variations in belly button shape — e.g., „innie“ vs. „outie“, respectively).

And, if it is a psychological adaptation, is it generally obligate (relatively robust in the face of typical environmental variation) or facultative (sensitive to typical environmental variation)? What are the neurological substrates of the psychological adaptation? If it is generally facultative, what specific types of environmental inputs influence it?

The particularly relevant question for this book is this: „Which psychological adaptations are sexually dimorphic?“ We know Fine’s position on this one — she desperately wishes that the answer is „none.“

However, sexual selection theory and a vast body of both animal and human empirical evidence suggest otherwise. Non-human animals have no culture, but, of course, most species do show evidence of sex differences in behavior that derive from evolved, sexually dimorphic neurological adaptations. In humans, culture itself is built on a foundation of psychological adaptations, some of which are sexually dimorphic.

Fine erroneously believes that a few research critiques will dispatch even the notion of evolved human sexually dimorphic psychological adaptations, leaving culture free reign on a sexually monomorphic blank slate.

Simon Baron-Cohen, whose work is critiqued in Fine’s book, unfortunately had to spend a little time writing a rebuttal titled „Delusions of gender – ’neurosexism,‘ biology and politics.“ It is worth a Google search to read his response.

Fine’s book would actually provide better material for Simon’s cousin, Sasha.

Update:

This is almost overkill, but do a search on Youtube for „Sex differences in brain development.“ There, one can literally see sex differences in cortical thickness by sex, and the relative changes that occur from the ages of 9 – 22.

Also, for summaries of recent research, do web searches for:

„The Genetics of Sex Differences in Brain and Behavior“

„Evolving Knowledge of Sex Differences in Brain Structure, Function and Chemistry“

f) Tim Josling auf Amazon

 

I greatly enjoyed Cordelia Fine’s previous book „A Mind of Its Own“, which makes a convincing case for the huge role the subconscious mind plays in our lives. Of course the existence of the subconscious mind is not new information, and the book’s primary achievement was the use of stories, anecdotes, examples and other rhetorical techniques to leave this reader completely convinced that it was not just other people whose subconscious minds rule their lives. The book was marred only by a number of strange comments about her husband, which I dismissed at the time.

Now Cordelia Fine has directed her considerable persuasive skills to the task of casting doubt on a widely held belief: that in human beings, as with every other mammal species, the sexes are different in their mental makeups.

Casting doubt is all she achieves. This book does not deliver „the real science behind sex differences“ as the cover promises the reader. Ironically, the book does cast doubt on the author’s objectivity in the matter. It rapidly becomes blatantly obvious that she is passionately committed to the cause of the „blank slate“, though as an academic she is careful to fudge her words so that ultimately you cannot find a quote that actually says that this is what she thinks.

The closest we get is in this quote: „Our minds, society and neurosexism create difference. Together, they wire gender. But the wiring is soft, not hard. It is flexible, malliable and changeable. And if we only believe this, it will continue to unravel.“ Note the complete absence of any acknowledgement of a possibility of inherent biological differences – they are not included in the list of things that „create gender“.

We see this passion in her stories of childhood rebellion against girly things, through to her constant use of sarcasm and ridicule, her use of thin and illigitimate arguments, and even her practice of changing the stories she reads to her children – to their great disapproval – so that the action heroes are girls, while the boys stay home to bake cakes and sew pretty clothes.

The blank slate is the idea that men and women are born the same and it is only because society raises us differently that we turn out differently. The billions of receptors for sex hormones in the brain in the womb and after birth have, according to this theory, no influence on cognition or behaviour and peform no discernible function.

Personal disclosure: I believed the blank slate theory when I was young, but over time I have been forced – reluctantly – to change my mind and accept that there are significant general differences. This is not to say that everyone born with a Y chromisome will be sterotypically male, and everyone who lacks one will be a classic lady. But a sound holistic statistical analysis shows very little overlap: probably in the range of 3-5% are not sex-typical. However it is clear that social influences are also very important. In fact the only people I have seen who are completely one-sided in this are the blank-slate believers.

What I was hoping for in this book was a) a credible critique of the science of sex differences, and b) a solid theory of how the very different ways men and women think and behave come about. 300 pages later, I had neither of these.

I will cover (b) first. There is not much to say. Fine’s theory of how men and women end up different doesn’t amount to a hill of beans. All we get are a number of vague hand waving arguments about how expectations influence people’s behaviour and thinking. There is nothing solid or concrete that the reader can take away. How did David Reimer’s parents somehow magically convince this boy, who was raised as a girl from 1 year old after a botched circumcision, to behave like a boy? How did they somehow communicate this to him so strongly that when he finally found out years later that he was really a teenage boy, everything suddenly made sense – why he did not fit it, why everyone regarded him as a strange girl, why he even preferred to urinate standing up like a boy? Fine merely implies they did it because they must have done it. She rules out the possibility that David Reimer acted like a boy because he *was* a boy because she has no alternative, if she is to cling to her ideology of „no essential difference“.

The critique of sex difference research that is offered is longer, but not much better. Here we see the standard techniques of rhetoric employed, such as:

* Dress up speculatation as fact (pp 94, 96, 128, 205 and many other instances).

* Quote references to justify claims, when the references do not justify the claims made. See reference 4 on page 92, and reference 14 on page 103 where mere opinion is quoted to justify a factual claim. Another reviewer has also pointed out instances of this. See http://www.amazon.com/review/R2LK3W2ENWP0DV/ref=cm_cr_pr_perm?ie=UTF8&ASIN=0393068382&linkCode=&nodeID=&ta=g.

* Argument by doubt. We don’t know exacly how something works, so it doesn’t happen – p 104 Ref 19. On the next page we have a similar argument from complexity – the brain is complex, with „lots of unexplored territory“ so really we can’t believe that hormones influence behaviour.

* Criticise the weaker argument, and ignore the stronger one. Thus we repeatedly see 17th and 18th century buffoons, and other non-scientists quoted on sex differences rather than best of breed contemporary researchers. Under this category you could also file the numerous instances of „making fun of the popular press“. A lot of popular interpretations of science are simplistic, overreaching and so forth, but this is not a criticism of the underlying science.

* Focus on „the doubt“ and contradictions between studies. It is no secret that a lot of scientific research is inconlusive. Over time we muddle towards a true understanding. But Fine revels in the contradictory studies, without trying to work out what is really going on (e.g. p 129). As a tobacco company executive once wrote: „Doubt is our product“.

* Minimize statistical significance by taking one characteristic at a time. If you look just at one thing at a time, there is a considerable overlap between men and women, but when you take them all at once, the overlap almost completely disappears at only 3-5%.

* Make a big fuss about small differences in studies where you agree with them (p 195) but dismiss larger differences as ‚minor‘ when you don’t like the answer.

* Investigate any studies that contradict a pre-conceived notion carefully, looking for methodological issues. If they have any such issues, discount them. Studies that conform to a preconceived agenda are given a free pass however. In the whole book I did not see one criticism of a study that cast doubt on sex differences, but literally hundreds of criticsms of studies that went the other way.

* Misrepresent your opponents and rush to find fault where it is not justified. See […]
* Examine the numerous studies where the men and women were „set up“ in such a way as to minimize sex differences. For example, the women are given an incentive to succeed and them men are now, or the men will be told discouraging things such as that women always do better at this task. When such a study shows reduced or no sex differences, conclude that the sex differences do not exist. Of course such studies only show that incentives and discouragement can affect people’s performance. They do not show that underlying differences do not exist.

In many ways this book resembles Steven Jay Gould’s book „The Mismeasure of Man“ in its tactics and in its ideological agenda. Gould tried to demolish IQ, one of the most useful psychological metrics, which is well established, highly predictive of success, and correlated with brain metrics. And highly heritable. Many people to this day believe that Gould succeeded, as many people will believe that Cordelia Fine has succeeded. That belief is indeed a delusion.

As a final coda – not as proof but an example – have a look at the two major web sites that are the most sex-inbalanced. These are […] and […] See if you can guess which is for men and which is for women, and if you can explain how conditioning produced these differences in preferences.

g)  Barbara A. Oakley auf Amazon

Fine’s choice of references, and her way of analyzing them, along with the entire structure of the book, seem problematic. As just a first check I took a careful look at the reference for her statement „[T]he use of the digit ratio as a marker of prenatal testosterone exposure is controversial and lacks clear empirical support. For review see (McIntyre, 2006).“ When I actually looked at McIntyre’s review, his concluding comments were very different from what Fine implied he said. McIntyre wrote „The validity of digit ratios as markers for perinatal androgen action is supported by a number of lines of recently reported evidence, but further support is needed.“

Now this is just one data point–the only one I’ve checked so far. But based on this, I suspect Fine may not be an honest broker of the material. *

More importantly, I am wondering why no mention was made in this book of David Reimer: the boy who was raised as a girl. Here is a little bit about that episode, from „[…]l“ (Begin quote)

„Teachers anxiously asked the parents for more information about what made „Brenda“ so strange, so combative, so un-ladylike. One of „Brenda’s“ few friends at school later recalled:

As far as I knew, Brenda was a girl — physically. But from everything that she did and said, she indicated that she didn’t want to be a girl. The other girls in our group were competitive against the boys; we wanted to prove we could do whatever they could do. We might get in arguments with the guys, but we wouldn’t have gone as far as to fight with them physically. I wouldn’t want a bruise on my face, for example. But Brenda fought with the boys. Brenda would take the bruises. I myself was a tomboy, but I never wanted to be a boy. Brenda did.

Injections of female hormones did nothing to change „Brenda’s“ boyish ways. „When I say there was nothing feminine about Brenda,“ brother Brian Reimer later recalled, „I mean there was nothing feminine:

She walked like a guy. Sat with her legs apart. She talked about guy things, didn’t give a crap about cleaning house, getting married, wearing makeup. We both wanted to play with guys, build forts and have snowball fights and play army. She’d get a skipping rope for a gift, and the only thing we’d use that for was to tie people up, whip people with it. She played with my toys: Tinkertoys, dump trucks. This toy sewing machine she got just sat.

Remember, neither „Brenda,“ nor her brother, nor any of her classmates knew the true story about her sexual identity. They all thought she was a girl, albeit a girl who behaved pretty strangely. The other kids at school called her „gorilla,“ or „Cavewoman.“ One girl who made fun of Brenda must have been surprised when Brenda „grabbed her by the front of her shirt, smashed her against the lockers, and threw her onto the ground. Boys who teased her got similar treatment. „That’s what always impressed me about Brenda,“ said a classmate. „She’d actually fight with the boys who teased her. She’d haul off and punch them. I always wished I could do that.“

Reflecting on the case, Dr. Milton Diamond commented that „if all these combined medical, surgical, and social efforts could not succeed in making that child accept a female gender identity, then maybe we really have to think that there is something important in the individual’s biological makeup; that we don’t come to this world neutral; that we come to this world with some degree of maleness and femaleness which will transcend whatever the society wants to put into it.“
(End quote)

Also, Fine dismisses Baron-Cohen’s E-S theory based on his popular books, with little discussion of the solid scientific evidence that underpins his work. For more along those lines, in regards, for example, the profound sex differences in disorders such as depression, anxiety, and anorexia, see See Zahn-Waxler, C, NR Crick. „The origins and development of psychopathology in females and males.“ Development and Psychopathology 1 (2006): 76. wherein it is noted:
„Beginning in adolescence, females are two to three times more likely than males to experience unipolar depressive disorders, as seen both community-based and clinically-referred samples (Kessler, McGonagle, Swartz, Blazer, & Nelson, 1993; Nolen-Hoeksema, 1990; Weissman & Klerman, 1977; Weissman, Leaf, Bruce, & Florio, 1988). It is also present whether depression is diagnosed as a disorder or measured along a continuum of symptom severity.

After puberty, the lifetime prevalence in females is twice that of males (Lewinsohn, et al., 1993). Comorbidity of depressive and anxiety disorders is much more common in girls than boys (Lewinsohn, et al., 1995b); moreover depression that is comorbid with more than one anxiety disorder is virtually exclusive to females (Lewinsohn, Zinbarg, Seeley, Lewinsohn, & Sack, 1997). Female gender and presence of a coexisting anxiety disorder are also related to severity of initial depression (McCauley, et al., 1993). Co-occurrence of symptoms is even higher when subclinical levels also are considered. Although depression and anxiety can be clearly differentiated at biological, cognitive, behavioral, and affective levels, the extent to which they overlap and cooccur suggests that the combination represents a unique but common form of depression, particularly in females.
Females show a different constellation of depressive symptoms than males, notably more anxiety, more somatic symptoms, hypersomnia, weight gain, increased appetite, fatigue, psychomotor retardation, and body image disturbance (see review by Zahn-Waxler, et al., in press). Increased appetite and weight gain seem to be the most distinct symptoms in women and adolescent girls. Higher rates of crying, sadness, and negative self-concept have been noted for school-age and adolescent girls.
In research by Gjerde and Block (1995), dysphoric males often expressed their unhappiness directly and without hesitation, by acting on the world in an aggressive, hostile manner. Dysphoric symptoms in female adolescents, in contrast, were characterized by introspection, absence of open hostility, and a mostly hidden preoccupation with self. As early as age 7, boys who later showed dysthymia were aggressive, self-aggrandizing, and undercontrolled, whereas dysthymic girls were intropunitive, oversocialized, overcontrolled, anxious and introspective (Block, Gjerde, & Block, 1991). Young girls who later became depressed also had close relationships. The sadness and anxiety in depressed girls and hostility in depressed boys can be seen as exaggerations of normative sex differences. These studies focus on subclinical depression. Further studies of males and females with clinical depression are needed to determine whether their symptomatology shows a similar pattern. Other research suggests that young, depressed boys show a pattern of acting out (Kovacs, 1996). In a recent observational study of young children, boys, but not girls, with both subclinical and clinical depression were likely to show anger relative to controls (Luby, et al., 2005).
Genetic/Biological Explanations. Some studies report similar heritability estimates for depressive disorders in males and females, several others find differences (e.g. Bierut, et al., 1999; Jacobson & Rowe, 1999; Kendler, Gardner, Neale, & Prescott, 2001a; Tambs, Harris, & Magnus, 1995). Kendler, et al. (2001) suggest that in genetic linkage studies, the impact of some loci on risk for major depression will vary in men and women. Genetics are also involved in the etiology of depression through their effect on sensitivity to environmental events. Silberg Rutter, Neale, & Eaves (2001) found that genetics had a larger effect on the development of depression in adolescent girls who had experienced a negative event in the previous year than on those who did not. Kendler and colleagues (Kendler, 1998; Kendler, et al., 1995) found that persons at greater genetic risk were twice as likely to develop major depression in response to severe stress than those at lower genetic risk. Genetic risk also altered sensitivity to the environment for women only (Kendler, et al., 1995a). At puberty, girls‘ negative life events and stability of depression over time are more genetically mediated than for boys (Silberg, et al., 1999).“

See also Zahn-Waxler, C, EA Shirtcliff. „Disorders of childhood and adolescence: Gender and psychopathology.“ Annual Review of Clinical Psychology 4 (2008): 275-303. This paper, as Zahn-Waxler points out, „is about the origins of sex differences in different forms of psychopathology in males and females. Internalizing problems (anxiety and depression) are much more common in females than males and externalizing problems (Conduct problems, ADHD, etc.) are much more common in males than females. These differences hold across cultures, though the relative differences may vary.“ (Email communication with the author, Aug 27, 2010.)
Also observe Zahn-Waxler, C, E Race. „Mood disorders and symptoms in girls.“ Handbook of Behavioral and Emotional Problems in Girls (2005): 25-77. which notes:
„The rates of depression in childhood are comparable for boys and girls (with boys showing slightly higher rates), but while the rates dramatically increase around puberty for girls, they remain the same for boys or increase to a lesser extent (Anderson, Williams, McGee, and Silva, 1987; Angold and Rutter, 1992). Studies based both on diagnostic interviews and standardized self-reports indicate that this change in prevalence rates begins around ages 13-15 (Angold, Costello, and Worthman, 1998; Ge, Lorenz, Conger, Elder, et al., 1994; Petersen, Sargiani, Kennedy, 1991; Wichstrom, 1999). There is a 4-23% increase in diagnosed depression in adolescents between the ages of 15 to 18 (Hankin, Abramson, Moffitt, Silva, & McGee (1998). After puberty, the lifetime prevalence of depression in females is two times that of adolescent males, and one-year first incidence of depression is 1.6% greater for females than males (Lewinsohn, et al., 1993). Sex differences in depression are found consistently across cultures within the United States and the world, controlling for income, education, and occupation (McGrath, Keita, Strickland, & Russo, 1990; Weissman, Bland, Canino, Faravelli, et al., 1996).“

See also Altemus, M, and L Epstein. „Sex differences in anxiety disorders.“ In Sex Differences in the Brain: From Genes to Behavior, edited by Jill B. Becker, Karen J. Berkley, Nori Geary, Elizabeth Hampson, James P. Herman and Elizabeth A. Young, 397. New York: Oxford University, 2008; Bekker, MHJ, and J van Mens-Verhulst. „Anxiety disorders: sex differences in prevalence, degree, and background, but gender-neutral treatment.“ Gender Medicine 4 (2007): S178-S193; Altemus, M. „Sex differences in depression and anxiety disorders: potential biological determinants.“ Hormones and behavior 50, no. 4 (2006): 534-538; McRae, K, KN Ochsner. „Gender differences in emotion regulation: An fMRI study of cognitive reappraisal.“ Group Processes & Intergroup Relations 11, no. 2 (2008): 143; Esther, I, TW Fop Verheij. „Differences in finger length ratio between males with autism, pervasive developmental disorder-not otherwise specified, ADHD, and anxiety disorders.“ Developmental Medicine & Child Neurology 48, no. 12 (2006): 962-965; Hoek, H. W., and D. van Hoeken. „Review of the prevalence and incidence of eating disorders.“ International Journal of Eating Disorders 34, no. 4 (2003): 383-396.

Grenzen der Erziehung in Bezug auf Geschlechterrollen durch pränatales Testosteron (Udry Studie)

Robin schrieb in einem Kommentar:

Christian und Co. sagen (überspitzt) Dinge wie: “Mädchen spielen mit Puppen, Jungs mit Autos und Flitzebogen. Ist halt so und lässt sich nicht ändern.”.

ICH dagegen sage: “Ja, das trifft vermutlich auf viele zu (=Anerkennung der Biologie). Aber was machen wir mit denen, bei denen das nicht so ist? Wie verbessern wir die Welt für Mädchen, die Feuerwehrfrau werden wollen und für Jungs, sie sich hingebungsvoll um kleine Ponys kümmern? Wie verhindern wir, dass ein Mädchen sich dümmer stellt, als es ist, weil ihm vermittelt wurde, dass Mathe nichts für Mädchen ist? Wie können wir sensible Jungs unterstützen, die alles in sich reinfressen und unglücklich sind, weil ihnen die Gesellschaft praktisch aufzwingt, keine Gefühle zuzulassen, weil das nicht “männlich” ist, billigend in Kauf nehmend, dass ihn das umbringen kann?”
Ich negiere nicht die Biologie. Ich will gesellschaftliche Restriktionen soweit auflösen, dass sich die biologischen Dispositionen erst voll ENTFALTEN können. Egal, ob dann am Schluss das Gender zum Sex passt oder nicht.

Meine Antwort dazu lässt sich hier nachlesen. Robin hat meine Position trotz wiederholter Hinweise, dass ich einen solch absoluten Ansatz gar nicht vertrete, nicht verstanden. Dass es in den biologischen Theorien aber ein breites Spektrum, aber eben dennoch Häufungen gibt, sage ich eigentlich geradezu gebetsmühlenartig. Es finden sich genug Artikel dazu.

Mir scheint es aber angebracht hier einfach noch einmal anhand einer Studie aus der Studie von Udry deutlich zu machen, wie stark sich die Biologie auf die Erziehung auswirkt und welcher Raum gleichzeitig noch der Erziehung verbleibt.

Udry Testosteron und Erziehung

 

Hier sieht man, dass die Beeinflussbarkeit durch Erziehung dann besonders groß ist, wenn sie sozusagen in die gleiche Richtung läuft, die auch die Biologie vorgibt. Ist wenig pränatales Testosteron vorhanden gewesen, dann ist die Möglichkeit, das Kind in eine sehr weibliche Richtung zu beeinflussen sehr groß.

Selbst bei einer neutralen Erziehung landet das Kind auf einem sehr hohen Weiblichkeitswert von ca. 0.6, ist die Erziehung hingegen sehr stark in Richtung Weiblichkeit, dann werden sehr hohe Werte erreicht. Das Kind saugt sozusagen die Erziehung in diese Richtung auf (2,1). Hingegen scheint es eine gewisse Grenze auf der „anderen Seite“, also in Richtung Männlichkeit zu geben, über die hinaus selbst eine sehr starke Erziehung in Richtung Männlichkeit nicht hinausgehen kann, unabhängig vom Testosteronspiegel, den die Mädchen erreichen können.

Diese Grenze wird nur dann überstritten, wenn man versucht ein Kind, welches einen hohen pränatalen Testosteronlevel hat zu stark in die weibliche Richtung zu drängen, dann wird es männlicher, vermutlich als Gegenreaktion und um sich davon abzugrenzen.

Kinder mit einem hohen Testosteronspiegel bekommt man auch nicht aus dem „männlichen Bereich“ der Skala heraus, die unteren beiden Gruppen bleiben bei stärkster Beeinflussung unter Null.

Mit reinen Sozialisationsmethoden und Theorien des Genderfeminismus scheint mir dieses Ergebnis nicht erklärbar.

Sie machen auch gleich die Crux deutlich, wenn man zu radikal auflösen will und sich anmaßt, dass Jungs zB eben auch Gefühle zeigen können müssen und wollen bzw. es eine Unterdrückung durch die Gesellschaft ist, wenn sie sich hier anders verhalten als Mädchen und über ihre Gefühle zB nicht auf die gleiche Weise reden wie diese. Dann versucht man nämlich evtl. schlicht Personen in ein Verhalten zu drängen, dass sie gar nicht wollen und es entsteht eher ein Trotzeffekt.

Wer also umfassend auflösen will, der kann Kinder genauso verletzen, wie jemand, der zwangsweise alle in Geschlechterrollen pressen will.

Meiner Meinung nach muss es um die Freiheit gehen, dass jemand so handeln kann, wie es seiner Natur entspricht, natürlich in den normalen Grenzen sozialen Verhaltens. Es müssen die, die sich den Rollen entsprechend verhalten wollen und zB nicht über Gefühle reden wollen genauso ausleben können, wie sensiblere Jungs.

Wer will, dass sich biologische Dispositionen voll entfalten können, der muss sich erst einmal damit beschäftigen, in welche Richtung diese Dispositonen verlaufen. Er darf insbesondere Verhalten nicht voreilig auf „die Gesellschaft“ schieben und meinen, dass er sie einfach so ändern kann.

„Es ist nicht möglich festzustellen, was biologischer und was sozialer Anteil ist“

Ein Argument, welches in Diskussionen gerne kommt, ist, dass es quasi unmöglich ist zu sagen, was der biologische Anteil eines Verhaltens ist und was der soziale Anteil:

Hier kommt das Argument beispielsweise von Maren:

Die einzelnen Einflüsse sind schwer zu untersuchen/unterscheiden, weil auf Kinder/Erwachsene täglich so eine Masse an Informationen einströmt, und weil Menschenversuche unethisch sind. Von daher ist es relativ unklar, welche Aspekte biologisch und welche sozial bedingt sind.

Ich meine auch Joachim verwendet es des häufigeren, finde aber gerade keine passende Stelle.

Meiner Meinung nach ist das so nicht richtig. Oder würde jedenfalls dazu führen, dass man auch in der gesamten Soziologie keinerlei Theorien dazu aufstellen könnte, wodurch ein bestimmtes Geschlechterverhalten hervorgerufen wird. Denn wenn man dort eine gewisse Korrelation zu einem Erziehungsstil feststellt, dann muss man ja auch in irgendeiner Form diesen Erziehungsstil gewichten und und einordnen und dann die Auswirkungen zuordnen. Wenn man also zB feststellt, dass Erziehungsstil Y ein Verhalten auf einer Skala von 1 (weiblich) zu 5 (männlich) von 5 hervorruft, dann kann man eben auch biologische Faktoren hierzu in Bezug setzen. Wie reagieren dann Mädchen mit einem pränatalen Testosteronlevel von 10 statt den zB für Mädchen üblichen 1 auf den genau gleichen Erziehungsstil Y, den man vorher noch genau einordnen konnte? Zeigen sich hier deutliche Abweichungen untereinander, die in einer Übereinstimmung mit der Höhe des Testosteronspiegels sind, dann kann man zumindest eine entsprechende Korrellation feststellen. Überprüft man dann noch, ob Mädchen mit eine, pränatalen Testosteronlevel von 10 sich äußerlich stark von solchen mit einem pränatalen Testosteronlevel von 1 optisch abweichen und kommt man zu dem Ergebnis, dass das nicht der Fall ist, dann spricht alles dafür, dass der Testosteronlevel sich entsprechend auswirkt.

Wer nun anfängt, dass hier aber weitere ungeklärte Umstände vorliegen können, die das Ergebnis bewirken, der muss dies eben auch bezüglich der Erziehungsstile gelten lassen.

Sprich: Um so mehr Genauigkeit man der Forschung zum sozialen Anteil zubilligt um so mehr Genauigkeit muss man auch der Abgrenzbarkeit von sozialen und biologischen Faktoren zusprechen.

Wechselwirkung von biologischen und sozialen Faktoren (Anlage-Umwelt-Kovariation)

David führte in einem Kommentar noch etwas zu der Wechselwirkung von biologischen und sozialen Faktoren an:

Mal 4 Punkte, die in der Anlage-Umwelt-Debatte immer wieder unter den Tisch fallen, da fälschlicherweise eine Unabhängigkeit der Faktoren angenommen wird:

o) Merkmale haben keine fixen Heretabilitätswerte.
Sie gelten immer nur bei einer spezifischen Umweltvarianz. Das heißt wenn alle Kinder vom Bildungssystem gleich stark gefördert werden und es geringe soziale Diskrepanzen gibt, ist die genetische Heretabilität hoch.
Herrschen jedoch sehr ungleiche Bedingungen, also eine hohe Umweltvarianz, dann ist die Heretabilität geringer.

Ein interessanter Punkt: Um so mehr Chancengleichheit es auf sozialer Ebene gibt um so eher werden biologische Faktoren betont. Wo früher auch ein intelligenter Mensch mangels Bildung nicht viel erreichen konnte, kann er nunmehr bei allgemeiner Schulpflicht besondere Leistungen vollbringen. Bereits aus diesen Gründen wird eine Gleichheit schwer zu erreichen sein.

o) Eltern und ihre Erziehung ist nicht nur ein wesentlicher Umweltfaktor. DIe Eltern teilen mit ihrem Kind auch die Gene, sind somit Umwelt und Gene zugleich.

Ein sehr gerne gemachter Fehler, der insbesondere in der Soziologie zu wenig beachtet wird. Wenn Kinder sich wie ihre Eltern verhalten, dann muss dies nicht ohne weiteres auf die Erziehung zurückzuführen sein. Es können ebenso bestimmte Gene und Veranlagungen sein, die sie ihren Eltern sehr ähnlich werden lassen

o) Ein Kind nimmt mit seinen Dispositionen aktiv Einfluss auf seine Umgebung, “schafft” sich seine Umwelt selbst, indem es aus verschiedenen Interaktionsangeboten auswählt.

Ähnliches hatte ich schon einmal hier geschrieben. Ein Kind kann eben bis zu einem gewissen Grad auch Freund aussuchen und das er gerade in dieser oder jener Gruppe landet ist eben nicht einfach nur Glück oder Pech, sondern kann auch mit einer gewissen Ähnlichkeit des Charakters (auch möglicherweise aufgrund biologischer Umstände) beruhen etc. Er kann sich einer Jugendgang anschließen oder diese meiden.

o) Damit wirkt es zurück auf seine Umwelt, es konditioniert z.B. die Eltern darauf, was ihm gefällt und was nicht. Diese passen sich somit in ihren Interaktionsangeboten den disponierten Bedürfnissen des Kindes an usw.

Auch das eine wichtige Erkenntnis: Wie ich in dem oben verlinkten Artikel schon zitierte: „der Junge kommt aus einer kaputten Familie” “Ja, ein Junge wie er bekommt jede Familie kaputt”. Diese Wirkung wird häufig unterschätzt. Ein Kind´, mit dem die Eltern nicht fertig werden, kann eben auch eine starke Unstimmigkeit in die Familie bringen. Genauso kann ein anderes Kind eben einen großen Wissensdurst haben und die Eltern deswegen drängen ihm bestimmte Bücher zu verschaffen oder bestimmte Wissenschaftssendungen im Fernsehen zu sehen.

Aufgrund dieser komplexen Wechselwirkung spricht man von Anlage-Umwelt-Kovariation.

Noch einmal eine schöne Zusammenstellung von David.

Nochmal: Freier Wille vs. biologische Dispositionen

Leser Red Pill fasst einen der wichtigsten Punkte in der Anlage-Umwelt-Debatte bzw. im Verhältnis von Nature und Nurture kurz zusammen:

Was Heerscharen von halb intelligenten Sozial IngenieurInnen nicht begreifen können oder wollen, ist die simple Tatsache, dass der Mensch seine Flexibilität eben gerade dazu einsetzt, um seiner instinktuellen Disposition möglichst nahe zu kommen.

Man kann es auch mit Schopenhauer sagen:

Wir sind frei, zu tun, was wir wollen, aber nicht frei, zu wollen was wir wollen.“

Oder man kann es in eine „der Elefant und sein Reiter„-Metapher bringen:

Dort geht es unter anderem darum, ob unser logisches Denken oder unser unterbewußtes, emotionales, instinktives Denken unser Handeln beherrscht. Dazu wird die Metapher des Elefanten und seines Reiters bedient:

Der Elefant ist das unterbewußte, emotionale, instinktive Denken, der Reiter das logische Denken. Nun besteht die Möglichkeit, dass der Reiter nur auf dem großen und schweren Elefanten sitzt und all seine Bemühungen, den Elefanten in einer andere Richtung zu bewegen, egal sind, wenn der Elefant nicht in diese Richtung will oder aber der Elefant kann den Vorgaben seines Reiters willig folgen.

In dem Buch kommt Haidt zu dem Schluß, dass der Reiter einen geringen Einfluss hat, der Elefant gibt den Weg vor. Der Reiter muss sich bestimmte Schwankungen des Elefanten zu Nutze machen und ihn dann, wenn er gerade in eine bestimmte Richtung schwankt, in diese lenken. Häufig bleibe dem Reiter aber sogar nichts anderes übrig als hinterher eine Begründung dafür zu suchen, warum er ebenfalls genau in diese Richtung wollte (sprich: unser Gehirn rationalisiert nachträglich bestimmte emotionale Entscheidungen als vernünftig).

Wichtig ist dabei, sich bewußt zu machen, dass wir bereits dem Gehirnaufbau nach noch viele sehr alte Strukturen haben (Stammhirn, Kleinhirn, Zwischenhirn und Großhirn) und unser Gehirn in seiner Grundarbeitsweise nicht so unterschiedlich von anderen Tierhirnen und insbesondere auch nicht von dem Gehirn anderer Primaten ist.

Auch sollte man sich bewußt machen, dass alle evolutionäre Entwicklung des Gehirns nicht auf eine abstrakte Verbesserung der Gehirnleistung gerichtet ist, sondern eine Selektion der Gene erfolgt, die die meisten Nachkommen bringen, die sich dauerhaft selbst fortpflanzen. Damit bietet sich die oben genannte Verteilung geradezu an:

An der Wichtigkeit der Dispositionen hat sich nichts geändert: Nach wie vor geht es darum einen guten Partner zu finden und sich mit diesem fortzupflanzen (bzw. die Handlungen auszuführen, die üblicherweise dazu führen). Selbst die Kriterien dafür sind relativ gleich geblieben: Guter Status wird zwar Kulturell anders begründet als früher, das Konzept ist allerdings gleich geblieben. Wir wollen uns immer noch Fettreserven für schlechte Zeiten zulegen, wir wollen immer noch möglichst den Raum im Überblick haben und uns den Rücken frei halten etc.

Das Gehirn erlaubt uns nun, diese  Dispositionen auf verschiedenste, teilweise sehr komplizierte Wege auszuleben. Das bedeutet aber nicht, dass wir tatsächlich einen freien Willen haben, in dem unsere biologisch vorgegebenen Dispositionen nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr bestimmen diese eben, was wir gerne wollen, was uns in kulturell ausgeformter Weise wichtig ist, unser Gerechtigkeitsgefühl etc.