„Viele Maskulisten beherrschen die schwierige Kunst, sich selbst mit einer Blutgrätsche umzusäbeln“

Lucas Schoppe sagte in einem Kommentar vor einiger Zeit einmal das Folgende:

Andererseits macht das Statement von AFW-D ein entscheidendes Manko von Männerrechtlern deutlich. Selbst wenn in ihren Statements irgendwo ein rationales oder bedenkenswertes Argument versteckt ist, tendieren eben viele dazu, es so brachial, ressentimentgeladen, beleidigt, beleidigend, holzhammerhaft, unseriös und unsouverän zu formulieren, dass selbst Wohlwollende Schwierigkeiten damit haben, das Statement ernst zu nehmen.

Das ist ein regelrecht selbstverletzendes Verhalten, das aus irgendwelchen Gründen immer noch ziemlich weit verbreitet ist. Viele Maskulisten beherrschen mit staunenswerter Sicherheit die schwierige Kunst, sich selbst mit einer Blutgrätsche umzusäbeln.

Das ist aus meiner Sicht für den radikalen Maskulismus sehr richtig. Viele Themen werden sehr rau angepackt, man wird wegen Abweichungen sehr schnell angegriffen (siehe beispielsweise meine Bezeichnung als „feministisches U-Boot“) und der Ton ist häufig sehr beleidigend, gerade auch gegen Frauen.

Dazu kommt oft ein sehr klares Freund-Feind-Denken. Ich habe beispielsweise einmal darauf hingewiesen, dass die Lage im Familienrecht sich für Männer verbessert hat und musste mir gleich darauf anhören, dass ich die Leiden von Männern herunterspiele und sich im Gegenteil alles verschlechtert hatte.

Ich würde mir wünschen, dass der Radikalismus insgesamt zurückgeht, andere werden eher der Meinung sein, dass man radikaler werden muss.

Aus deren Sicht ist die Zeit für das Herumreden vorbei, es werden Taten gefordert. Man wolle auch nicht mehr mit Feministinnen reden. Bei einigen Kommentatoren scheint mir das auch schon insoweit angekommen zu sein. Es wird häufig so etwas angeführt wie „Typisch Feministin“ oder „Mit dir als Feministin werde ich eh nicht reden“ oder noch radikaler „Als Feministin vertrittst du eh die Meinung X“ ohne das etwas in diese Richtung gesagt wurde.

Aus meiner Sicht gibt es eigentlich keinen besseren Weg als innerhalb eines Dialogs darzustellen, dass man die besseren Argumente hat und diese sachlich und ruhig vertreten kann, weil an seiner Position sicher ist. Wer Leute aus einer Diskussion ausschließt, der verrät eher Unsicherheit.

Zudem sind gerade die Feministen, die sich auf eine Diskussion einlassen besonders wichtig, um eine Veränderung anzustoßen. Einmal kann man in einem direkten Gespräch am ehesten aufzeigen, dass die feministischen Theorien wenig durchdacht sind, zum anderen bringt man so zumindest ein Gefühl dafür, dass gewisse Ungerechtigkeiten und Fehler bestehen in die Filterbubble, auf die dann dort reagiert werden muss.

Was dem Maskulismus fehlt ist eine gewisse Seriösität. Darauf hinzuarbeiten erscheint mir der beste Weg.

Dabei Feindseligkeiten in alle Richtungen zu verteilen bringt aus meiner Sicht wenig.

Zur Frauenfeindlichkeit des radikalen Feminismus

Leser Leszek hatte auf diesen Kommentar von mir:

Ansonsten ist Feminismus als Gleichberechtigungsfeminismus etwas man man keineswegs bekämpfen, sondern energisch unterstützten sollte. Die Gleichsetzung von radikalen Feminismus mit dem Gedanken des Feminismus an sich sollte man tunlichst vermeiden.

einiges interessantes zu radikalfeministischen Thesen:

Der radikale Feminismus ist in letzter Instanz männer- und frauenfeindlich, genauso wie der radikale Maskulismus frauen-und männerfeindlich ist.

Fast alle Grundkonzepte und typischen Inhalte radikalfeministischer Propaganda sind für frauenrechtliche Anliegen schädlich:

Die Gender-Ideologie ist normativ, genauso wie traditionelle Geschlechterrollen normativ sind. Beides schränkt die innere und äußere Freiheit des Individuums ein, so zu sein wie es ist und sein will – Rollenfreiheit ist dadurch nicht zu erreichen.

Das Konzept der Definitionsmacht transportiert zu 100 % das klassische frauenfeindliche Klischee von der Frau als vernunftunfähig, rein emotional, irrational und hysterisch und verstärkt dieses. Definitionsmacht bedeutet ja nichts anderes als die Verweigerung rationaler und intersubjektiv nachvollziehbarer Kriterien und Begründungen.

Von einem frauenrechtlichen Standpunkt aus erscheint es eigentlich geradezu als unfassbar, dass sowas von feministischer Seite vertreten wird. Da haben Generationen von ernsthaften und engagierten Frauen und Frauenrechtlerinnen dafür gekämpft, dass Frauen als vernunftfähig und rational angesehen werden und dann kommen diese durchgeknallten Gender/Radikalfeministinnen und versuchen das alles kaputt zu machen, indem sie mit ihrem absurden Definitionsmachtsblödsinn mit größter Vehemenz die Botschaft verbreiten – dass Frauen tatsächlich irrational, rein emotional, subjektivistisch etc. seien.

Die sogenannte „geschlechtssensible Sprache“ kann nichts anders bewirken als eine Entfremdung zur Mehrheitsbevölkerung. Männer UND Frauen wollen nicht so schreiben und sprechen und werden es nie tun. Sprachverkomplizierungen werden von der Mehrheitsbevölkerung immer abgelehnt werden. Die „geschlechtssensible Sprache“ ist nichts anderes als akademischer Narzissmus und auf sowas kommt man nur, wenn man den Kontakt zur Basis bereits weitgehend verloren hat (was auch einiges über die heutige Linke aussagt, mit ihren ganzen durchgegenderten Publikationen).

Die pseudowissenschaftliche Queer-Ideologie mit ihrer falschen Behauptung sexuelle Orientierungen seien rein sozial konstruiert ist nur Wasser auf die Mühlen jener erzkonservativer/reaktionärer/religiös-fundamentalistischer Kreise, welche Umerziehungstherapien für Homosexuelle den Weg ebnen wollen.

Die radikalfeministische Diskriminierung von Frauen, die freiwillig Hausfrauen (und Mütter) sein wollen, ist de facto eine Form der Schaffung neuer Rollenvorgaben für Frauen – radikale Feministinnen müssen sich nicht wundern, wenn solche Frauen sich dann dagegen wehren.

Die radikalfeministische Sexualfeindlichkeit läuft darauf hinaus Erotik und sexuelle Freiheit auch für Frauen zu zerstören und durch die Heterophobie mancher lesbischer Radikalfeministinnen werden auch heterosexuelle Frauen diskriminiert.

Die Leugnung von Frauen als Täterinnen bei häuslicher und sexueller Gewalt verhindert die Erforschung der tatsächlichen Ursachen dieser negativen Phänomene, behindert die Entwicklung angemessener präventiver, sozialpädagogischer und therapeutischer Maßnahmen und schadet damit beiden Geschlechtern.

Die z.T. stark abwertende Haltung radikaler Feministinnen gegenüber Sexarbeiterinnen bewirkt nichts anderes, als das viele Sexarbeiterinnen – auch solche, die aus dieser Art von Arbeit rauswollen – sich nicht von Feministinnen repräsentiert fühlen und diese nicht als potentielle Unterstützung ansehen.

Die z.T. gravierende sozialpädagogische Inkompetenz von radikalen Feministinnen auch gegenüber dem eigentlichen angeblichen Klientel ist immer wieder erstaunlich.

Die Forderung nach Quoten – obwohl kein Nachweis gegeben ist, dass eine gegebene gesellschaftliche Ungleichverteilung überhaupt auf Diskriminierung anstatt auf unterschiedlichen durchschnittlichen Präferenzen von Frauen und Männern beruht – verstärkt frauenfeindliche Klischees weiblicher Inkompetenz („die inkompetente Quotenfrau“) und läuft Gefahr frauenfeindliche Ressentiments bei solchen Männern zu verstärken, die aufgrund von Quotenregelungen abgelehnt werden bzw. dann verringerte Chancen haben, einen adäquaten Job zu finden.

Usw. usw. – das ließe sich jetzt noch lange weiterführen und lang und breit erklären und belegen.

Ich weiß nicht genau, was bei den meisten radikalen Feministinnen in psychodynamischer Hinsicht dahinter steht, diese absurde frauen-, männer-, sexual- und wissenschaftsfeindliche Ideologie zu vertreten – aber die Förderung berechtigter Frauenanliegen ist gewiss nicht ihre vorrangige Motivation.

Ich finde das sind viele interessante Ideen genannt über die sich zu diskutieren lohnt.

Wer lieber in eine andere Richtung gehen möchte: Welche Elemente im radikalen Maskulismus schaden den Männern? Ein paar Ideen:

  • die Annahme, dass Männer sich einfach dumm ausbeuten lassen
  • die Abwertungen von Beziehungen und Liebe als reine Geschäftsbeziehung

Das Feminat bzw. die feministische Gesellschaft

In einigen maskulistischen Diskussionen taucht gerne mal das Feminat bzw. die feministische Gesellschaft auf. Es scheint mir ein Begriff analog zum Patriarchat zu sein, mit dem eine Herrschaft von Feministinnen behauptet wird.

Dazu ein paar Punkte

  • Ein Feminat würde für mich eine weibliche Herrschaft bzw. eine Feministische Herrschaft bedeuten. Das finde ich erheblich zu weitgehend. Zwar bin ich durchaus der Meinung, dass Frauen einiges an indirekter Macht haben, gerade auch über Einfluss auf ihren Partner, aber das ist aus meiner Sicht noch nicht mit etwas gleich zu setzen, was ich als eine Herrschaft sehen würde
  • wir leben in einer Gesellschaft, in dem viele Bereiche nach Geschlechtern aufgeteilt sind. Einige Bereiche sind eher von Frauen besetzt, andere eher von Männern. Frauen haben dabei den Vorteil, dass es eine starke PC-Fraktion zu ihren Gunsten gibt, was bestimmte Äußerungen stark erschwert und Bevorzugungen bedeutet. Gleichzeitig gibt es aber noch genug männlich geprägte Ecken, die nach außen Political Correctness wahren, aber dies mehr dem Schein nach. Auch dieses Auftreten nach Außen kann entsprechende Wirkungen haben. Nach wie vor hat eine Frau es aber denke ich auch in bestimmten Bereichen, die stark männlich geprägt sind, nicht einfach.
  • Gleichzeitig sind andere Bereiche, in denen Frauen bereits eine starke Präsenz hatten, durch die Political Correctness nicht zugunsten von Männern geändert worden. Männer sollen zwar weicher sein, der Hauptversorger ist aber immer noch stark gesucht. Das reicht aber meiner Meinung nach nicht für ein Feminat.
  • Das Feminat scheint mir ein ebenso schwammiger Begriff zu sein, wie das Patriarchat und damit eher ein Kampfbegriff ohne Inhalt zu werden. Ich würde es daher gut finden, wenn die Verwender oder die, die der Begriff überzeugt, eine Definition in die Kommentare zu schreiben. Und dann darzulegen, inwieweit diese erfüllt ist.
  • Der Begriff des Feminats unbedacht verwandt, schadet glaube ich eher als das er nutzt. Weil er falsche Assoziationen weckt, nämlich die einer absoluten Frauenherrschaft, denen man zu leicht widersprechen kann.
  • Einen für mich passenderen Begriff habe ich allerdings auch nicht. Femizentrisch geht schon eher in diese Richtung, weil es eher darlegt, dass sich vieles um Schutz von Frauen geht, erscheint mir aber immer noch zu absolut. Die Lage ist zu gemischt, einige Frauen sehr gut aufgestellt, andere sehr schlecht, ebenso wie bei den Männern, um wirklich von einer Vorherrschaft zu sprechen.

„Die Feministen sind ja auch nicht zum Dialog bereit, also ist Kampfrhetorik der richtige Weg“

Die häufigsten Argumente für den harten Ton innerhalb des Antifeminismus bzw. des Maskulismus scheinen mir die Folgenden zu sein,

  •  die Feministinnen sind ja eh nicht zum Dialog bereit, man muß es daher auch nicht versuchen
  • der Feminismus hat eh die Diskursherrschaft, daher muss man sie mit deutlichen Worten, die die Leute wachrütteln, zurückerobern.
  • die nutzen uns aus, sie sind der Feind, sie verdienen keine Gnade!!! (oder in radikal-vulgär maskulistisch: „Die Femanzen verstehen keine andere Sprache“)

Meiner Meinung nach wird dabei wesentliches übersehen und man schießt sich ein Eigentor:

Es ermöglicht eine leichte Abwertung der Männerbewegung als frauenfeindlich, vulgär, Unterschicht, wütender Mob, gewaltbereite Idioten ohne Ahnung.

Da wird man mir aus dem Bereich entgegenhalten: „Aber die Feministen sind doch auch so!!“. Das geht aber an der Sache vorbei. Denn der Feminismus kann sich in vielen Bereichen auf eine sehr akademische Sprache zurückziehen, auf gehobenen Dialog, der eben einiges überdeckt. Es finden sich in diesem Bereich eben wesentlich weniger direkte Abwertungen von Männern als bei einem deutlichen „Schlampen, Parasiten, Femanzen etc“. Der Feminismus spricht davon, dass Männer privilegiert sind und versucht dann diese Privilegien abzubauen, damit andere die gleiche Chance haben. Das ist weit raffinierter ausgedrückt als wenn im gelben Forum davon gesprochen wird, dass Frauen Parasiten sind, die alle Männer ausbeuten. Natürlich kann man die Aussage viel unangreifbarer Formulieren, zB in dem man sagt „Ein Großteil gesellschaftlicher Transferleistungen wird zugunsten der Frauen erbracht und durch die Männer erarbeitet. Nach meiner Ansicht kommt es gegenwärtig zu einer zu starken Verteilung zulasten der Männer, insbesondere in den geringen und mittleren Einkommensbereichen, so dass man dieses System genau hinterfragen sollte um eine gerechtere Verteilung aller Ressourcen sicherzustellen.“

– Es wird vergessen, dass Feminismus eine wesentlich breitere Aufstellung hat und man wenn man diese Kategorie verwendet auch Leute entfremdet, die man in dieser Hinsicht gar nicht meinte. Denn viele Frauen stehen dem Feminismus nahe, auch wenn sie vom theoretischen Feminismus keine Ahnung haben. Sie verbinden mit Feminismus nicht eine wissenschaftsfeindliche poststrukturalistische Theorie, die gerade in ihrer radikaleren Ausrichtung zu Lasten von Männern Denkverbote errichtet, sondern einen Weg Gleichberechtigung für Frauen zu erzielen und ihnen eine gerechte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Wer jetzt anführt, dass man mit „Feministinnen nicht diskutieren kann“ und diese daher mit Härte angegangen werden müssen, der läßt diese Frauen denken „Ich stehe dem Feminismus nahe und mit mir kann man argumentieren. Warum auch nicht, ich bin ja schließlich für Gleichberechtigung, ich habe auch einen Freund, der sich hat scheiden lassen und sehe, dass es da nicht ideal ist. ich bin also zu einem Gespräch bereit. Aber diese Idioten ja anscheinend nicht. Sie pöbeln nur rum und sehen mich als Feind“. Womit man es jedem, der diskutieren will, wieder schwieriger gemacht hat.

– Das selbe gilt natürlich auch für Männer. Klar, ein Scheidungsopfer, das durch Unterhaltszahlungen quasi nur noch für weit entfernte Frau und Kinder arbeitet und nicht mehr das Gefühl hat, sich noch etwas leisten zu können oder etwas zu haben, was ihm das Leben angenehm macht, der wird vielleicht froh sein, in den Ärger und den Zorn mit einzustimmen. Genauso wie ein Vergewaltigungsopfer gerne in einen Männerhass auf Seiten des radikalen Feminismus einstimmt. Aber die besonneneren Männer sehen eben, dass Frauen auf eine bestimmte Weise auf Männerrechtler reagieren, eine negative Assoziation zu diesen haben – und er kann sie nachvollziehen, weil er ebenfalls nicht möchte, dass ihm nahestehende Frauen auf diese Weise herabgewürdigt werden, selbst wenn er ebenfalls dafür ist, bestimmte gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. Er wird sich daher eher distanzieren und lieber seinen eigenen Kram machen.

Meiner Meinung nach macht eine „starke Rhetorik“ durch die Verwendung von Beleidigungen und angreifenden, aggressiven Texten eine Position nicht stärker. Im Gegenteil, sie macht sie schwächer. Wer den anderen beleidigt und ihn beschimpft oder gar bedroht, der macht in meinen Augen allenfalls deutlich, dass er eben keine Argumente in der Sache hat. Auf lange Sicht gewinnt nicht der, der am lautesten schreit. Sondern der, bei dem die Leute das Gefühl haben, dass er eine richtige, überzeugende Theorie vertritt. Wer deutlich macht, dass er bereit ist auf die Argumente der Gegenseite einzugehen, der wird meiner Meinung nach nicht schwächer, sondern eher stärker. Auch wenn die Gegenseite selbst nicht darauf eingeht.

Natürlich darf eine Argumentation dabei durchaus etwas Polemik, Sarkasmus oder Ironie oder andere sprachliche Mittel enthalten. Natürlich kann man sich etwas angehen, solange man es nicht zu sehr abgleiten lässt. Aber ich würde mir mehr Leute im deutschen Maskulismus wünschen, die sich eher an Warren Farrell oder Glenn Sacks  orientieren. Weil solche Argumente wie dort verwendet zitierfähig und verlinkbar sind.

Terminatus macht sich in seinem Blogbeitrag Gedanken dazu, wie man in der Männerbewegung mehr an einem Strang ziehen kann.

Meiner Meinung nach bringt es wenig, die Differenzen zu übertünchen, wer Gemeinsamkeiten finden will, der muss sich zunächst über die Unterschiede klar werden und ein gemeinsames Ziel haben, das man umsetzen will.

Aus meiner Sicht ist dabei das wichtigste Ziel, dass die Männerbewegung gegenwärtig haben sollte, eine akzeptierte Meinung zu sein, eine Gruppierung, deren Bedenken man ernst nehmen sollte und zu deren Gedanken man sich bekennen kann. Nur so kann man letztendlich in die Mainstreammedien kommen und seine Gedanken einem breiten Publikum zugänglich machen.

Dagegen setzt gerade der radikale Maskulismus eher darauf, überhaupt aufzufallen und sieht dabei Lautstärke, Tonfall, Level der Aggressivität und Absolutheit der Position als wichtigere Mittel an.

Nach dieser Position wäre es die richtige Strategie, Gegner abzuwerten, möglichst lautstark zu agieren, dabei über Positionen nicht durch Diskussion abzuschwächen.

Wo ich sagen würde, dass man einen Dialog hinbekommen sollte, wird man im radikalen Maskulismus eher darauf verweisen, dass ein Dialog sinnlos ist und nur der Gegenseite nützt.

Man sieht hier, dass aus dem Ziel heraus vollkommen andere Mittel gewählt werden.

Das stellt auch Manifold in einem Artikel zu Terminatus Beitrag so dar.

Meine Wünsche an die Darstellung von Positionen innerhalb der Männerbewegung wären:

– Abbau von Feindbildern gegen Frauen

Ich hatte hier schon einmal angeführt, dass eine Position, die Frauen generell abwertet, nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen kann. Auch die feministischen Positionen dazu sind nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern finden sich eher im theoretischen Feminismus als in der weiblichen Bevölkerung.

– Weniger Verschwörungstheorien

Im Maskulismus scheint es mir einiges an Verschwörungstheorien zu geben. Von den Rechtsanwälten, die die Richter erpressen, damit diese gebührenträchtige Verfahren entsprechend behandeln über eine Verschwörung aller Frauen zur Ausbeutung der Männer bis zu der Allmacht des Feminiats. Meiner Meinung nach muss da einiges einer Revision unterzogen werden.

– Sachlicherer Ton ohne Drohungen und Beleidigungen und Bereitschaft zum Dialog

Dazu habe ich ja schon oben was geschrieben.

– Mehr Verständnis dafür, wie bestimmte Sachen ankommen und wie sie dargestellt werden können, besseres Marketing

Ich denke vieles wäre einfacher, wenn man etwas mehr positives Marketing betreiben würde. Nicht nur immer mit dem Hammer drauf und den Wilden Mann spielen, sondern den Leuten auch einmal zeigen, dass es auch anders geht. Auch mal zeigen, dass man zumindest versucht die Perspektive von Frauen einzunehmen oder die Gegenposition nachzuvollziehen.

„Feminismus ist eine Zusammenarbeit zwischen „Alphas“ und „Femis““

Durch einen Link bin ich auf einen Beitrag im „gelben Forum“ gestoßen, in dem der der Artikel „Misandry Bubble“ in übersetzter Form besprochen wird.

Darauf reagierte einer der Kommentatoren:

Ein heute völlig ignotierter Punk: Heute haben eine Minderheit der Männer die meisten jungen Frauen in der Hand, während die andderen dummzuschauen dürfen, wie die „Alphas“ wild rumvögeln.

Das ist ein Grund, warum sich kaum ein Mann traut gegen den Feminismus aufzustehen – er hat Angst als „Frauenhasser“ diffamiert zu werden und „keine mehr abzubekommen“

Deshalb muss der Antifeminismus nicht nur gegen Feminismus, sondern vor allem auch die Halodrie-„Alphas“ bekämpfen

Abgesehen davon, dass man dies wohl kaum ändern kann, weil eben immer noch der Grundsatz gilt, dass man sich nicht aussuchen kann auf was man steht („Attraction is not a choice“) ist das ungefähr auch der Grund, aus dem es die sexfeindliche Richtung des Feminismus gibt. Es ist eben eine Frage des Abrüstens und man will es selbst etwas einfacher haben. Wenn sich alle nicht mehr so männlich benehmen, dann können es alle etwas ruhiger angehen. Genau wie bei den Frauen wird dies aber nicht klappen, weil bei den Frauen die Hübschen und bei den Männern die Alphas (und etwas weniger Alphas, und dann die besseren Betas und und und) nicht einsehen werden, dass man seine Vorteile nicht auch nutzten sollte bzw. sich zurückhalten sollte. Ich hatte das schon mal bei Frauen und Absatzschuhen für Frauen und Schönheit dargestellt. Beziehungsprobleme und Scheidungen bleiben auch erhalten, weil sexuelle Reize nicht einfach ersetzt werden können. Insofern ist ein solcher Änderungsplan bereits zum Scheitern verurteilt.

Wollte man den Satz etwas näher bestimmen müsste es heißen:

Der sexpositive Feminismus und Alphas haben teilweise gleiche Interessen, da sie beide für eine hohen Grad an sexueller Freiheit sind.

Der sexnegative Feminismus und die Betas haben teilweise gleiche Interessen, weil sie die sexuelle Freiheit in gewisser Weise zugunsten einer Sittlichkeit einschränken wollen.

Das zeigt auch schnell, dass die Übereinstimmung nur sehr rudimentär sind. Denn die Streitpunkte zwischen Feministen und Alphas sind vielfältig. Viele Alphas sind genervt von dem Aufbrechen der Geschlechterrollen und den Vorwürfen, dass sie Frauen ausnutzen und viele Feministinnen mögen die Machohafte Art der Alphas nicht. Bei den Betas ist es ähnlich. Die haben gewisse Gemeinsamkeiten mit den Feministinnen, dies schließt aber eine ansonsten vollkommen andere Denkweise nicht aus. So mag es Betas geben, die den feministischen Ideen sehr nahe stehen, aber eben auch solche, die den Halt sehr traditioneller Rollen wollen.

Ein Kommentator „Roslin“ (Et tu brute?) hat auch nicht gutes über Alphamänner zu sagen:

Der feministische Umbau der Gesellschaft befreit die polygynen Instinkte der Männer, wovon aber nur Alpha-Männer profitieren und die hypergamen Instinkte der Frauen, wovon aber nur attraktive Frauen unter 35 profitieren.

Das Bündnis zwischen Alpha-Männern, die tun, was Alpha-Männer seit je tun – auch im Patriarchat (vorrangig Frauen schützen und versorgen vor allem gegenüber und durch andere, niedrigrangigere Männer, die die Alphas als Kanonenfutter, als Verbrauchsmaterial zur Befestigung ihrer Stellung benutzen) und FrauenlobbyistInnen, deren Feminismus sich darin äußert, dass sie Frauen von allen Verpflichtungen gegenüber Gesellschaft und Mann, ja sogar gegenüber den eigenen Kindern befreien wollen ohne irgendwelche Pflichten für Frauen zu akzeptieren, wird von etlichen Männerrechtlern nicht angesprochen, weil mann dann ja auch männliche „Brüder“ kritisieren müsste.

Das sind falsche Brüder, die die frauen – und ihnen dienliche Ausbeutung niedrigrangiger Männer betreiben, um ihre virtuellen und oft auch realen „Haremsdamen“ glücklich zu machen, Seehoferitis, sozusagen.

Wie toll fühlt sich so ein Alphamann, wenn er von Frauen gelobt wird, FÜR Frauen etwas tun konnte.

Ein Alphamann, der auf Lob von Frauen aus ist, wäre nach der Definition der meisten Alphamänner kein Alphamann.

Das wäre er, wenn er tut, was er für richtig hält, weil er es will. Der Wunsch gelobt zu werden und Bestätigung zu erhalten ist als solcher bereits Beta.

Natürlich gibt es wichtige Männer, die nichts gegen den Feminismus sagen, ihn vielleicht sogar unterstützen. Aber das lässt sich weniger als Alpha oder Beta Konfklikt über die sexuelle Ebene darlegen, denn Alphas haben in jeder Gesellschaftsordnung ihren Sex gehabt. Es finden sich immer Wege so etwas heimlich zu machen, ob die Frau verheiratet ist oder nicht. Alphas haben vielleicht einen Vorteil von den sexuellen Lockerungen, aber der Feminismus in der theoretischen Form wäre sicherlich nicht das Mittel ihrer Wahl, um diese durchzusetzen (damit ist der theoretische Feminismus gemeint, gegen allgemeine Gleichberechtigung spricht dies durchaus nicht). Dazu sind die damit verbundenen Folgekosten (beispielsweise die Ansichten wie „Ja heißt Ja“ oder ein Aufheben der Unschuldsvermutung bei Sexualdelikten oder der „männliche Sexwünsche machen Frauen zu Objekten“-Gedanke oder aber auch nur die Bedenken der Feministinnen gegen Schönheitsideale) viel zu hoch.

Das da viele Streitigkeiten bestehen zeigt sich auch an Reaktionen auf Blogs wie Roissys oder Rooshs, die beide Alphamännerkonzepte umsetzen. Sowohl auf deren Seite als auf feministischer Seite besteht eher ein tiefgründiger Hass.

Es ist eher ein allgemeines Prinzip, dass man gewisse Regelungen durchaus unterstützen kann, wenn die Belastungen dadurch für einen selbst kleiner sind als der Ärger, der mit dem Versuch einer Änderung für einen selbst verbunden wäre. Auch Betas stimmen insoweit bestimmten Ansichten zu, wenn sie meinen dadurch Ärger vermeiden zu können, es wirkt sich evtl. nur nicht so stark aus, weil sie weniger Entscheidungsmacht haben.

Dennoch ist das Thema an sich sehr interessant. Ich hatte in einem meiner ersten Beiträge bereits etwas dazu gesagt, dass auch meiner Meinung nach die „Betaeigenschaft“ in der Männerbewegung und insbesondere ihre Kommunikation nach außen auch mit dazu beiträgt, dass diese abgewertet wird (vlg. „Männerbewegung und weibliche Privilegien“ und dort Punkt 3). Allerdings wirkt sich hier eben die Biologie zum Nachteil aus. Und ebenso wie man sich andere biologische Unterschiede nicht schön reden kann, kann man auch nicht wegdiskutieren, dass Frauen aufgrund sexueller Selektion sozialen Status und Männlichkeit attraktiv finden. Auch das ist „Genderismus“, der ja gerne als Feindbild bemüht wird.