Julie Borowski und Kritik an der Männerrechtsbewegung

Julie Borowski ist sicherlich dem ein oder anderen hier auch aufgrund feminismuskritischer Videos

(zB hier, aber auch 1,2,3,4) bekannt.

Sie hat nun, wie auch Genderama bereits berichtete, einen Artikel dazu geschrieben, was ihr an „MRAs“ also dem Mens Rights Movement gefällt und was nicht, geschrieben.

Ich finde den Text durchaus interessant.

Das Gute:

As a critic of feminism, I’ve checked out the Men’s Rights Movement (MRM). Some things I like, some things not so much. They have good points when it comes to divorce, custody, and how courts are biased towards women. These are real equality issues that need to be addressed.

Also, I dislike how men have become the punch line in today’s society. Just check out commercials and sitcoms. The husbands are portrayed as complete idiots with the maturity of five year olds. The wives, on the other hand, are brilliant personality-less parental figures to their dumb husbands.

One of my pet peeves is how it’s somehow acceptable to insult your husband in public. Haha, I don’t know how he dresses himself in the morning! It’s laughable when a woman does it. The other way around? That wouldn’t fly!

Das Schlechte:

Then I check out Men’s Rights Activists forums… oh boy. I acknowledge that not every comment represents the whole movement, of course. But there’s a significant amount of: women are gold digging you-know-whats! Marriage is always a bad deal for men because women are lazy moochers! Women wear makeup to trick you into procreating with them!!  THEY ARE LIARS!

Whoa….

It just reminds of man-hating feminists who talk about all men being cheating scumbags and implying that all men are rapists. Both of these groups have clearly been burnt by the opposite sex. What heterosexual person hasn’t been? They’re taking it to an unhealthy place and blaming an entire gender for crappy things someone did.

Also wichtige Themen, die aus einer Männerperspektive besprochen werden und die Abwertungen etc aufzeigen, die hier alltagstauglich geworden sind und auch den diesbezüglichen Doppelstandard deutlich machen.

Und auf der anderen Seite das verbitterte einiger, das Denken in einem Feindbild, das negative über das andere Geschlecht. Da hatte ich auch schon in verschiedenen Artikeln:

Aus meiner Sicht muss eine Männerrechtsbewegung, die mehr in den Mainstream möchte und „Anschlussfähig“ sein will – durchaus anders als ein Feminismus – darum bemüht sein, dass er die Verbitterung rausbekommt und nicht auf ein Feindbild springt. Der Feminismus kann sich das weitaus eher erlauben, weil die Abweisung von Männern für Frauen eine durchaus verbreitete Strategie ist, in der dann eben der Mann die Gunst der Frau erobern muss, sich als gut genug erweisen muss. Diese Strategie verfängt bei Männern weitaus weniger bei der Masse.

In gewissen Teilen kann man „ich lass mich doch nicht von diesen Schlampen ausbeuten“ sicherlich als Mittel benutzen, um den starken Mann rauszukehren. Die meisten Männer wollen aber gar nicht in einen Geschlechterkrieg. Sie wollen mit Frauen gut auskommen und zusammenarbeiten. Sie wollen auch nicht verbittert und als schwach erscheinen. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit schreckt schnell ab, weil sie gar nichts gegen Frauen haben wollen (was allein schon eine Theorie wie die Rape Culture Theorie stark abwertet. Männer wollen weitaus eher beschützen und der Held sein als Frauen als Opfer herabwürdigen).

Was sagt ihr zu ihrer Kritik?

Robert Claus: Maskulismus

Es gibt mal wieder eine feministische Studie zum Thema Maskulismus.

Maskulismus – Antifeminismus zwischen  vermeintlicher Salonfähigkeit  und unverhohlenem Frauenhass

Finanziert wurde sie wohl von der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Allerdings leider keine wesentlichen neuen Erkenntnisse und auch keine wirkliche Aufarbeitung der maskulistischen Szene. Der inhaltliche Stand scheint 2012 zu sein, mit kommt es so vor als hätte der Autor einfach die bisherigen Studien genommen und daraus eine neue Studie gemacht. Rosenbrock und Kemper lassen grüßen. Einige Auszüge:

Männliches Miteinander – modernisierte Bünde Der Maskulismus sieht es als Problem an, dass Männer entmündigt und als Gruppe zersplittert seien. Folglich arbeitet er daran, eine Männergruppe zu (re)etablieren, die ihre ‚Männlichkeit’ kollektiv als positiv empfindet. Dieses positive Selbstverständnis bestünde darin, eigene ‚männliche’ Interessen, Vorstellungen und Werte gegen eine ‚feministisch ideologisierte Gesellschaft’ durchzusetzen. Zugleich werden alle (pro-)feministisch orientierten Männer (und Frauen) aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen und zum ‚lila Pudel’, dem politischen Feind, erklärt. Insofern basiert die Idee der maskulistischen Männergruppe auf dem Ideal einer ungestörten Männergemeinschaft. Ihr Ziel ist es, patriarchale Macht zu modernisieren – sie ist eine Organisationsform, die in bündischer Tradition steht. Zugleich jedoch zeichnet sich in den männlichkeitspolitischen Stoßrichtungen von Agens und MANNdat ein deutlicher Widerspruch ab. Während Erstere die Entdeckung der männlichen Fürsorge betreiben, vertritt MANNdat ein im Grunde rein traditionelles Männlichkeitsbild des ‚harten Abenteurers’.

Da sieht man auch, dass eine Aufarbeitung abseits des gelben Forums und Sons of Perseus nicht wirklich stattgefunden hat. Natürlich sind – jedenfalls in meiner Form des Maskulismus auch Frauen, Männer, die nicht der Männerrolle entsprechen, aber diese auch nicht per se dämonisieren oder homosexuelle Männer willkommen.

Ist Männlichkeit verhandelbar? Jenseits eines stark vereinfachten Verständnisses der Zielgruppe ‚Männer’ sowie der simplen Übereinkunft im Feindbild Feminismus birgt die Frage nach den Begriffen Männlichkeit und Mannsein enorme Sprengkraft. Dementsprechend wird sie zumeist umschifft. Während ein großer Teil der ‚Bewegung’ ‚Mannsein’ als unhinterfragbare Norm versteht, versuchen andere den Begriff der ‚Männlichkeit’ mit konservativen Werten zu füllen und machen ihn dadurch zugleich reflektierbar, wenn auch in einem engen Rahmen. Wie in Kapitel 7.1 angeführt, hängen an dieser Debatte auch Fragen der Ausrichtung maskulistischer Männerpolitiken. Denn hier klafft eine deutliche und im Maskulismus bisher nicht ausdiskutierte Lücke zwischen Konzepten, Männlichkeit wieder traditioneller zu gestalten (Mannsein =Außendrang, Durchsetzungskraft und Härte) einerseits sowie Männlichkeit flexibler und moderner auszulegen (Männlichkeit = auch emotional und fürsorglich). Nur muss man darüber auch diskutieren können, um darüber diskutieren zu können …

Ist in der Tat ein Punkt. Wobei die Wahlmöglichkeiten hier sehr einfach dargestellt werden. Das von mir favorisierte Modell, dass es Häufungen geben kann, aber auch Abweichungen und das beides okay ist, kommt anscheinend als Modell nicht vor.

Feminismus, Geschlechterforschung und gleichstellungspolitische Projekte werden in den kommenden Jahren um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Gesellschaftliche Modernisierung zeitigt Frustration in Anbetracht der Möglichkeiten des gesellschaftlichen Reichtums einer- sowie der Begrenztheit des individuellen Erfolgs andererseits. Ideologien natürlicher Herrschaft bilden eine Option der Bearbeitung dessen. Die gesellschaftlichen Anknüpfungspunkte des Maskulismus sind reichhaltig vorhanden und das feministische Geschlechterwissen keineswegs so hegemonial, wie behauptet wird. Zwar konnten in einigen gesellschaftlichen Teilbereichen feministische Erfolge erzielt werden, doch sind sexualisierte Gewalt und ökonomische Macht von Männern sowie der Ausschluss von Frauen aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens immer noch Realität. Darüber hinaus könnte der Maskulismus perspektivisch den Druck auf (pro-) feministische, gleichstellungspolitische sowie dekonstruktivistische Projekte erhöhen und sie verstärkt in defensive Auseinandersetzungen zwängen. Die Kritiken an Frauenförderungsmaßnahmen wurden in dieser Arbeit analysiert. Zugleich betrifft dies emanzipatorische Männlichkeitspolitiken.

Das ist ja immerhin mal eine interessante Einschätzung, Man wird um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Weitere Texte bei:

Die Schwulen und die Männerbewegung

Der heutige Beitrag ist hoffentlich Teil einer umfangreicheren Reihe von Blogbeiträgen auch auf anderen Blogs zum Thema Homosexualität und Männerbewegung. Ich werde entsprechende Beiträge nachher noch unten Verlinken.

Ausgangspunkt war aus meiner Sicht zwei dArtikel von Adrian:

Das ist ein guter Anlass einmal das diesbezügliche Verhältnis zu überdenken, dass homosexuelle Männer in der Männerbewegung spielen können und wie die Männerbewegung etwas für die Interessen der homosexuellen Männer machen kann.

1. Mein theoretisches Verständnis von Homosexualität

Leser dieses Blogs ist wohlbekannt, dass ich bei der Homosexualität davon ausgehe, dass bestimmte Attraktivitätsmerkmale abgespeichert sind und bei Homosexuellen eben die auf Männer bezogenen zum tragen gekommen sind. Eine Übersicht über diesbezügliche Artikel findet man hier.

Auf der Basis ist jede Abwertung von Homosexuellen einfach nur eine Abwertung von Menschen, die aufgrund bestimmter Umstände andere Menschen attraktiv finden als es der Norm entspricht. Sie folgen dabei letztendlich auch nur diesen Attraktivitätsmerkmalen und können sich dies genauso wenig aussuchen, wie heterosexuelle Menschen dies können. Sie dafür abzuwerten oder zu diskriminieren ist schlicht falsch und aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen. Es ist schlicht genauso zu akzeptieren, wie andere Vorstellungen davon, was attraktiv ist, auch.

2. Die Situation in der Männerbewegung

Adrian hat dargelegt, dass er bei einem gewissen Teil der Männerrechtsbewegung oder insbesondere wohl auch des Antifeminismus erhebliche Bauchschmerzen hat. Das kann ich gut verstehen. Ich habe ja auch teilweise erhebliche Bauchschmerzen, wenn ich in Gelbe Forum schaue. Ich denke es ist durchaus an der Zeit, sich von den radikaleren Kräften abzugrenzen um genau diese Bauchschmerzen reduzieren zu können und eine Option zu schaffen, mit der man die Männerbewegung positiv wahrnehmen kann.

3. Was könnte die Männerbewegung und die Schwulenbewegung für gemeinsame Ziele haben?

Viele Themen der Männerbewegung sind in der Tat stark auf die Heterosexualität zugeschnitten. Denn hier wirken sich gerade die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aus oder spielen eine gemeinsame Rolle.

Eine Grundlage der Männerrechtsbewegung ist aus meiner Sicht die Väterbewegung und die diesbezüglichen Probleme, die eben gerade auftreten, wenn Frau und Mann sich trennen und eine gewisse Tendenz dazu besteht, dass die Frau die Kinder betreut und der Mann ihr Unterhalt zu gewähren hat.

Ähnliche Regelungen können sicherlich auch bei Adoptionen von Kindern durch Homosexuelle auftreten, wenn sich dann ein Paar trennt. Aber hier scheinen mir geringere Probleme aufzutreten und die Fälle auch weitaus seltener zu sein.

Eine gemeinsame Perspektive sehe ich insofern in einer Arbeit gegen die Auswucherungen des radikalen Genderfeminismus. Viele Homosexuelle werden ebenso wenig davon ausgehen, dass ihre Sexualität konstruiert ist, sondern davon ausgehen, dass sie schon immer homosexuell waren und sind. Hier eine Aufklärung über die Hintergründe der Homosexualität zu machen ist aus meiner Sicht auch für Homosexuelle sinnvoll und wesentlich effektiver als ein reines Werben um Toleranz, dass häufig ohne ein Verstehen der Hintergründe nicht funktioniert. Der Gedanke, dass man Homosexuelle umerziehen kann wächst auf sozialkonstruktivistischen Boden, der falschen Vorstellung, dass man Homosexualität analog eines Sozialdarwinismus ausrotten kann, kann man entgegenhalten, dass es kein Schwulengen in diesem Sinne gibt und man dann besonders fruchtbare Frauen und Frauen, die zuviele Söhne bekommen, angreifen müsste (siehe den obigen Link zu meinen Aritkeln zur Homosexualität).

Zudem sollten sich Homosexuelle bewusst machen, dass sie ebenfalls nur einen Ally-Status erhalten können und der radikale Feminismus eben Männer unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung als Privilegiert wahrnimmt und dies eine überaus ungerechte Zuordnung ist, die eben auch homosexuelle Männer betrifft – auch diese können bei einer Frauenquote Nachteile haben, auch diese sind von intensiven Frauenfördermaßnahmen betroffen, auch diese sind von einer negativen Bewertung der männlichen Sexualität betroffen.

Daneben sollte sich eine humanistische Männerbewegung natürlich auch für die Rechte aller einsetzen, sich frei entfalten zu können. Es sollte ein Interesse der Männerbewegung sein, sich ebenfalls für Freiheiten von Männern einzusetzen, die abseits der normalen Geschlechterrollen leben wollen. Eine starre Festlegung auf den heterosexuellen Versorger, auf eine strikte Betonung von Maskulinität schadet letztendlich allen Männern. Auch hier kann man abseits des Feminismus aus meiner Sicht einen positiveren Dialog führen, denn wenn über die Privilegientheorien beim Feminismus das Einsetzen für „Unterprivilegierte“ auch bereits in ein striktes System eingebunden und damit leichter einzusetzen ist, bleibt man dort letztendlich Unterdrücker und Privilegierter. Das Begeben in eine Opferrolle erzeugt zudem automatisch Widerstand. Vielleicht können hier Schwule und Männerrechtler gemeinsame Wege finden, die Männer mehr in den Vordergrund stellen ohne damit Schuldzuweisungen zu verbinden. Hier können heterosexuelle Männer von den Schwulen auch vieles lernen: Dass es okay ist, sexuell zu sein. Dass es okay ist etwas geil zu finden. Auch das gehört zu einem positiven Selbstbild. Auf der Basis kann man vielleicht gegenseitig voneinander profitieren.

Einen anderen interessanten Aspekt bringt David in einem Kommentar zu Adrians Artikel :

Mir wurde erst mit seinem Artikel klar wie dumm Maskulisten sind, die die Diskriminierung von Schwulen nicht zu ihrem Thema machen (ganz zu schweigen von den Idioten, die sie aktiv ausgrenzen und die eigene Bewegung damit komplett diskreditieren).

Es ist eine Schande, dass Schwule sich vom Feminismus (leider zurecht) besser vertreten fühlen, obwohl sie in vielen Aspekten auch von seinen negativen Auswüchsen betroffen sind. Hier hat die Männerbewegung bisher auf ganzer Linie versagt, und macht Vorbehalte erst recht nachvollziehbar.

Nicht nur wäre eine Integration strategisch von unschätzbarem Wert, da die Schwulenbewegung quasi freies Geleit in den Mainstream gewährleisten würde.

Man könnte sich so auch dem Ballast der reaktionären und homophoben Rechtsausleger entledigen.

Ich denke z.B. dass Schwule doppelt unter der Dämonisierung männlicher Sexualität leiden. Warum werden Lesben nicht im selben Maße diskriminiert?

Sex ist in unserer Gesellschaft eigentlich nur dann sozial akzeptiert und nicht von Abwertung betroffen, wenn dabei eine Frau befriedigt wird.

Hier wird zum einen der „strategische Vorteil“ angesprochen, nämlich eine Abgrenzung zu den Radikalen und die Eröffnung des Mainstreams. Das sollte natürlich nicht der Hauptgesichtspunkt sein, ist aber vielleicht ein gute Basis um diesen Punkt auch im eigenen Interesse mehr ins Visier zu nehmen. Daneben führt David ebenfalls die Abwertung männlicher Sexualität an, die man gemeinsam bekämpfen kann und die negativen Auswirkungen, die Homosexuelle ebenso betreffen.

Es gibt also durchaus genug Anlässe an einem Strang zu ziehen.

4. Was kann man tun, damit auch Homosexuelle sich vertreten fühlen?

Natürlich ist es in Geschlechterthemen verführerisch „heteronormativ“ zu denken und schwule Männer auszublenden. Sich selbst daran zu erinnern, dass auch diese entsprechend betroffen sein können wäre insoweit in erster Schritt.

Ein Eintreten für das Recht auf Ehe oder Partnerschaft, Adoption und sonstige Gleichstellung ist ebenso wichtig wie die Förderung einer gewissen „Awareness“

Eine diesbezügliche Sensibilisierung bei klassischen Abwertungen wie „Schwuchtel“ oder eben den klassischen „Nie die Seife fallen lassen“-Witzen oder auch bei der abwertenden Verwendung des Begriffs Schwul ist sicherlich ebenfalls erforderlich und ebenso ein diesbezügliches Position beziehen, auch bei der Kommentarmoderation.

Ein deutlich machen, dass man die unterschiedliche Sexualität akzeptiert. Ich würde mir insoweit auch einen Dialog wünschen, was stört, welche Themen gerade in Hinblick auf Homosexualität und Männerbewegung interessant sein könnten und welcher andere Blickwinkel sich ergibt.

Das alles gehört aus meiner Sicht zu einer modernen Männerbewegung dazu.

5. Verlinkung weiterer Artikel zu Homosexualität und Männerbewegung

Adrian hat auch das Thema noch mal aufgegriffen, ebenso wie Erzählmirnix

Jammerfeminismus und Jammermaskulismus

In den Kommentaren ging es darum, wie sich Opfer sein im Feminismus und im Maskulismus unterscheidet. Dazu gab es die folgenden Kommentare:

Anlass war dieser Kommentar von Matthias zu dem ich etwas zu Opfer sein im Maskulismus ausführte. Leszek schlug vor, daraus einen Artikel zu machen.

Ich sagte dazu:

Sicherlich ein interessantes Thema. Wir können ja schon mal etwas vor-brainstormen

Ich hatte ja irgendwo schon einmal darauf verwiesen, dass auch der Maskulismus seine Standpunkttheorie hat, etwa in dem Sinne, dass alles was die Frau macht entweder einfach und problemlos oder eben Ausbeutung ist. Dazu diverse Verschwörungstheorien (“alle Richter sind Diener des Matriarchats” oder eben “die feministische Weltverschwörung”) Es scheint nicht so viele Wege zu geben, eine solche Einseitigkeit letztendlich umzusetzen.

Ich würde sagen, dass im Jammerfeminismus die Rolle häufig besser passt. Wohl deswegen kommt häufig im Jammermaskulismus noch mehr Aggressivität hinzu?

Welche Gemeinsamkeiten / Unterschiede würdest du denn sehen?

Leszek schrieb:

Ich denke, erstmal müssten wir eine Verhältnisbestimmung zwischen “Jammermaskulismus” und “Radikalmaskulismus” (bzw. den Äquivalenten beim Feminismus) vornehmen.

Ist das immer kongruent oder muss es das nicht zwangsläufig sein?

Gemeinsamkeiten:

Klar, die verschwörungstheoretischen Konstrukte “Patriarchat” einerseits und “Feminat/Femokratie” andererseits.

Dann die verallgemeinerten Zuschreibungen negativer Eigenschaften auf das jeweils andere Geschlecht: Frauen sind Parasiten/Männer sind patriarchalische Gewalttäter.

Die Tendenz das andere Geschlecht jeweils nur als privilegiert anzusehen: Es wird undenkbar, dass es auch auf Seiten des anderen Geschlechts signifikante Diskriminierungen und soziale Problemlagen geben kann.

Ich sehe die Aggressivität im Jammerfeminismus auch nicht unbedingt als geringer als im Jammermaskulismus. Der Opfernarzissmus begünstigt auf beiden seiten die Haltung: Ich bin Opfer, deswegen kann ich mir alles erlauben. Ist Dir mal aufgefallen, dass es gerade Jammerfeministinnen sind, die sich besonders gerne auf Valerie Solanas berufen?

Dann, wie Du richtig sagst, das erkenntnistheoretische Privileg/Standpunkttheorie. Wobei Jammerfeministinnen das ja explizit theoretisch ausgearbeitet haben, bei Jammermaskulisten ist das mehr implizit vorhanden, aber zum Glück noch ohne theoretische Basis. Wäre mir jedenfalls nicht bewusst.

Seitenblick stellte sein Ansicht wie folgt dar:

Eine Überlegung zur präziseren Erfassung der Jammerfraktionen:

Ich beobachte grob zwei recht verschiedene Typen des Jammerns bzw. der Jammerer.

Jammerer vom Typ 1 benutzen es wie eine Art Luftholen nach einer anstrengenden Sache. Dann kommt mal einiges laut raus, manches kommt überspitzt und – von außen betrachtet – ungerecht, und überhaupt sind alle doof.

Danach – und das ist der Witz – sind bei diesen Leuten wieder Energien da, um etwas zu verändern. Typ-1-Jammerer sagen anschließend manchen Leuten mal die Meinung, verabschieden sich vielleicht auch von belastenden Situationen, gehen die Problemfelder an, räumen also mal ein bisschen auf.

Und gut ist’s. Danach kommt Typ 1 auch erst mal ohne Jammerei durchs Leben. Bis zum nächsten Anlass.

Jammerer Typ 2 geht ganz anders vor. Dieser Typ findet mehr und mehr Gefallen an der Jammerei und richtet sich darin geradezu behaglich ein. Die Vorteile (bemitleidet werden, arme Unschuld sein etc.) schmecken halt so gut – da ignoriert man auch den Nachteil, dass man bei der Dauerjammerei als handelndes Subjekt nur noch sehr eingeschränkt vorkommt.

Zum inneren Einrichten gehört, die Jammeranlässe immer zu repetieren, ja geradezu zu zelebrieren. Für Letzteres braucht man eine Gruppe von Mitjammerern.

Weil es ein Prozess ist, zum Typ-2-Jammerer zu werden, kommt eine immer stärker werdende selektive Wahrnehmung dazu (der Jammer-Anlass wird verallgemeinert, manchmal sogar zu einem geschichtsbestimmenden oder metaphysischen Prinzip erklärt). Man erkennt diesen Typ m.E. an dem Verhältnis zwischen Jammerei und Aktion. Muss ich ausführen, welche Seite eindeutig die Oberhand hat?

Ich finde beide Typen bei sogenannten Maskulisten und Feministen und sonstigen -isten.

Leszek ergänzte noch wie folgt:

Ich habe den Eindruck, dass Jammermaskulisten im Schnitt passiver sind als Jammerfeministinnen. Die Verknüpfung von Jammern und konkretem Engagement scheint Jammerfeministinnen tendenziell leichter zu fallen.

Jammerfeministinnen haben m.E. nicht selten einen eher höheren Bildungsgrad (Gender Studies-Studentin oder so), ich weiß nicht, ob das bei Jammermaskulisten genauso ist.

Ich habe den Eindruck, dass bei Jammerfeministinnen der Opfernarzissmus häufiger in unrealistischen Appellen an die Umwelt zum Ausdruck kommt, ihre Ansprüche zu erfüllen. Jammermaskulisten scheinen mir hier im Schnitt pessimistischer zu sein.

Jammerfeministinnen sind häufiger sexualfeindlich als Jammermaskulisten, allerdings – auch bei Jammermaskulisten kommen sexualfeindliche Einstellungen m.E. häufiger vor als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Frage ist also, wie gejammert und gelitten wird, ob es Unterschiede im Maskulismus und Feminismus gibt, was damit erreicht werden soll und welche Umstände jeweils das Jammer erleichtern.

Andreas Kemper: Die Maskulisten

Andreas Kemper hat ein neues Buch zum Maskulismus und Antifeminismus herausgegeben. Aus der Vorstellung bei Amazon:

Maskulismus ist die Selbstbezeichnung des modernisierten Antifeminismus. Der vorliegende Sammelband vereint aktuelle Forschungsergebnisse mit Erfahrungsberichten zum Maskulismus im deutschsprachigen Raum. Im ersten Kapitel wird die Entwicklung des Maskulismus skizziert. Thomas Gesterkamp berichtet über die sich bereits in den 1990er Jahre etablierte Vaterrechtsbewegung. Jörg Rupp skizziert die Entwicklung der Männerrechtsbewegung von den Anfängen im Usenet und deren Ausbreitung im Web 2.0. Die interne Debatte über den antifeministischen Oslo-Attentäter Breivik und die vermeintliche Spaltung der Männerrechtsbewegung untersucht Andreas Kemper. Auf der Grundlage von drei wissenschaftlichen Abschlussarbeiten kann erstmals die Männerrechtsbewegung umfassender analysiert werden. Isolde Aigner befasst sich mit antifeministischen Denkmustern im medialen Diskurs. Hinrich Rosenbrock stellt die Hauptideologien der Männerrechtsbewegung, nämlich Antifeminismus und männlicheOpferideologie vor. Auf die Hauptideologen geht Robert Claus in seiner Analyse von AGENS und MANNdat ein.In einem weiteren Teil berichten Feminist_innen von ihren Erfahrungen mit Maskulisten und deren Strategie hate speech . Ines Fritz berichtet über ihre Erfahrungen mit antifeministischen Bloggern. Ähnliche Erfahrungen machte auch Gudrun Debus in der Piratenpartei mit der maskulistischen Männer-AG. Einen neuen Umgang mit der Strategie hate speech versucht eine Gruppe, die das Projekt hatr.org gestartet hat.Kontrastiert man den Maskulismus mit den Geschlechterkonzeptionen von Rechtsextremisten, so werden die Ähnlichkeiten schnell deutlich. Daher widmet sich der letzte Teil dem Männer- und Frauenbild in rechtsextremistischem Gruppen.

Vielleicht kurz eine Einordnung der Schreibenden:

Ich habe das Buch nicht gelesen, angesichts der Autoren klingt es aber auch nicht sonderlich lesenswert. Interessieren würde mich natürlich, ob auch Blogs wie Cuncti oder eben mein Blog aufgenommen worden sind oder geflissentlich ausgeblendet werden.

Leser Leszek hatte hier schon einmal eine Kurzbesprechung in einem Kommentar eingestellt:

Meine ersten Eindrücke nach erstmaligem Überfliegen des Inhalts:

1. Keine großen Überraschungen. Es handelt sich weitgehend um die übliche einseitige, argumentationsfreie Hetzschrift, die aus dem Hause Kemper und bei der Auswahl der Autoren zu erwarten war. Keine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung, stattdessen die gängigen Klischees, Diffamierungen, unzulässigen Verallgemeinerungen und Falschdarstellungen. Gähn.

2. Der linke Maskulismus wird von Kemper anhand einer kurzen, sehr oberflächlichen Kritik von Wolfgang Wengers “Manifest für einen linken Maskulismus”

http://344903.forumromanum.com/member/forum/entry.user_344903.4.1113786701.manifest_fuer_einen_linken_maskulismus-vaetermafia.html

und Arne Hoffmanns Artikel “Eckpfeiler einer linken Männerpolitik”

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8167/eckpfeiler-einer-linken-mannerpolitik

abgehandelt, mit dem Ziel den linken Maskulismus als nicht-emanzipatorisch hinzustellen. Die Kritik wird den beiden Texten nicht einmal ansatzweise gerecht.

3. Eine Erwähnung von Christians Blog “Alles Evolution” habe ich bislang in dem Buch nicht gefunden. Tut mir leid, Christian.

Wenn ich mir Deine kürzliche Kommunikation mit Kemper anschaue, kann ich mir aber vorstellen, wie unsachlich und undifferenziert eine Bezugnahme auf Deinen Blog vermutlich ausgefallen wäre:

http://andreaskemper.wordpress.com/2012/07/23/warum-die-mannerrechtsbewegung-nicht-zur-mannerbewegung-zahlt/

Kemper ist offenkundig nicht einmal dazu in der Lage gemäßigte Kritik an bestimmten Formen des Feminismus, wie Christian sie betreibt, von undifferenziertem Antifeminismus auseinanderzuhalten:

https://allesevolution.wordpress.com/2011/06/08/antifeminismus/

Hat es inzwischen jemand gelesen?

Wenn nicht würde mich auch eure Meinung zur Abgrenzung von Männerbewegung und Männerrechtsbewegung interessieren, also im wesentlichen:

  • Männerbewegung: Profeminismus
  • Männerrechtsbewegung: Antifemistisch

Ich würde Männerbewegung ja eher als Sammelbegriff für eine Bewegung sehen, die sich für Männer einsetzt, ob sie dies aus einer profeministischen Perspektive macht oder nicht.

Das Feminat bzw. die feministische Gesellschaft

In einigen maskulistischen Diskussionen taucht gerne mal das Feminat bzw. die feministische Gesellschaft auf. Es scheint mir ein Begriff analog zum Patriarchat zu sein, mit dem eine Herrschaft von Feministinnen behauptet wird.

Dazu ein paar Punkte

  • Ein Feminat würde für mich eine weibliche Herrschaft bzw. eine Feministische Herrschaft bedeuten. Das finde ich erheblich zu weitgehend. Zwar bin ich durchaus der Meinung, dass Frauen einiges an indirekter Macht haben, gerade auch über Einfluss auf ihren Partner, aber das ist aus meiner Sicht noch nicht mit etwas gleich zu setzen, was ich als eine Herrschaft sehen würde
  • wir leben in einer Gesellschaft, in dem viele Bereiche nach Geschlechtern aufgeteilt sind. Einige Bereiche sind eher von Frauen besetzt, andere eher von Männern. Frauen haben dabei den Vorteil, dass es eine starke PC-Fraktion zu ihren Gunsten gibt, was bestimmte Äußerungen stark erschwert und Bevorzugungen bedeutet. Gleichzeitig gibt es aber noch genug männlich geprägte Ecken, die nach außen Political Correctness wahren, aber dies mehr dem Schein nach. Auch dieses Auftreten nach Außen kann entsprechende Wirkungen haben. Nach wie vor hat eine Frau es aber denke ich auch in bestimmten Bereichen, die stark männlich geprägt sind, nicht einfach.
  • Gleichzeitig sind andere Bereiche, in denen Frauen bereits eine starke Präsenz hatten, durch die Political Correctness nicht zugunsten von Männern geändert worden. Männer sollen zwar weicher sein, der Hauptversorger ist aber immer noch stark gesucht. Das reicht aber meiner Meinung nach nicht für ein Feminat.
  • Das Feminat scheint mir ein ebenso schwammiger Begriff zu sein, wie das Patriarchat und damit eher ein Kampfbegriff ohne Inhalt zu werden. Ich würde es daher gut finden, wenn die Verwender oder die, die der Begriff überzeugt, eine Definition in die Kommentare zu schreiben. Und dann darzulegen, inwieweit diese erfüllt ist.
  • Der Begriff des Feminats unbedacht verwandt, schadet glaube ich eher als das er nutzt. Weil er falsche Assoziationen weckt, nämlich die einer absoluten Frauenherrschaft, denen man zu leicht widersprechen kann.
  • Einen für mich passenderen Begriff habe ich allerdings auch nicht. Femizentrisch geht schon eher in diese Richtung, weil es eher darlegt, dass sich vieles um Schutz von Frauen geht, erscheint mir aber immer noch zu absolut. Die Lage ist zu gemischt, einige Frauen sehr gut aufgestellt, andere sehr schlecht, ebenso wie bei den Männern, um wirklich von einer Vorherrschaft zu sprechen.

„Die Feministen sind ja auch nicht zum Dialog bereit, also ist Kampfrhetorik der richtige Weg“

Die häufigsten Argumente für den harten Ton innerhalb des Antifeminismus bzw. des Maskulismus scheinen mir die Folgenden zu sein,

  •  die Feministinnen sind ja eh nicht zum Dialog bereit, man muß es daher auch nicht versuchen
  • der Feminismus hat eh die Diskursherrschaft, daher muss man sie mit deutlichen Worten, die die Leute wachrütteln, zurückerobern.
  • die nutzen uns aus, sie sind der Feind, sie verdienen keine Gnade!!! (oder in radikal-vulgär maskulistisch: „Die Femanzen verstehen keine andere Sprache“)

Meiner Meinung nach wird dabei wesentliches übersehen und man schießt sich ein Eigentor:

Es ermöglicht eine leichte Abwertung der Männerbewegung als frauenfeindlich, vulgär, Unterschicht, wütender Mob, gewaltbereite Idioten ohne Ahnung.

Da wird man mir aus dem Bereich entgegenhalten: „Aber die Feministen sind doch auch so!!“. Das geht aber an der Sache vorbei. Denn der Feminismus kann sich in vielen Bereichen auf eine sehr akademische Sprache zurückziehen, auf gehobenen Dialog, der eben einiges überdeckt. Es finden sich in diesem Bereich eben wesentlich weniger direkte Abwertungen von Männern als bei einem deutlichen „Schlampen, Parasiten, Femanzen etc“. Der Feminismus spricht davon, dass Männer privilegiert sind und versucht dann diese Privilegien abzubauen, damit andere die gleiche Chance haben. Das ist weit raffinierter ausgedrückt als wenn im gelben Forum davon gesprochen wird, dass Frauen Parasiten sind, die alle Männer ausbeuten. Natürlich kann man die Aussage viel unangreifbarer Formulieren, zB in dem man sagt „Ein Großteil gesellschaftlicher Transferleistungen wird zugunsten der Frauen erbracht und durch die Männer erarbeitet. Nach meiner Ansicht kommt es gegenwärtig zu einer zu starken Verteilung zulasten der Männer, insbesondere in den geringen und mittleren Einkommensbereichen, so dass man dieses System genau hinterfragen sollte um eine gerechtere Verteilung aller Ressourcen sicherzustellen.“

– Es wird vergessen, dass Feminismus eine wesentlich breitere Aufstellung hat und man wenn man diese Kategorie verwendet auch Leute entfremdet, die man in dieser Hinsicht gar nicht meinte. Denn viele Frauen stehen dem Feminismus nahe, auch wenn sie vom theoretischen Feminismus keine Ahnung haben. Sie verbinden mit Feminismus nicht eine wissenschaftsfeindliche poststrukturalistische Theorie, die gerade in ihrer radikaleren Ausrichtung zu Lasten von Männern Denkverbote errichtet, sondern einen Weg Gleichberechtigung für Frauen zu erzielen und ihnen eine gerechte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Wer jetzt anführt, dass man mit „Feministinnen nicht diskutieren kann“ und diese daher mit Härte angegangen werden müssen, der läßt diese Frauen denken „Ich stehe dem Feminismus nahe und mit mir kann man argumentieren. Warum auch nicht, ich bin ja schließlich für Gleichberechtigung, ich habe auch einen Freund, der sich hat scheiden lassen und sehe, dass es da nicht ideal ist. ich bin also zu einem Gespräch bereit. Aber diese Idioten ja anscheinend nicht. Sie pöbeln nur rum und sehen mich als Feind“. Womit man es jedem, der diskutieren will, wieder schwieriger gemacht hat.

– Das selbe gilt natürlich auch für Männer. Klar, ein Scheidungsopfer, das durch Unterhaltszahlungen quasi nur noch für weit entfernte Frau und Kinder arbeitet und nicht mehr das Gefühl hat, sich noch etwas leisten zu können oder etwas zu haben, was ihm das Leben angenehm macht, der wird vielleicht froh sein, in den Ärger und den Zorn mit einzustimmen. Genauso wie ein Vergewaltigungsopfer gerne in einen Männerhass auf Seiten des radikalen Feminismus einstimmt. Aber die besonneneren Männer sehen eben, dass Frauen auf eine bestimmte Weise auf Männerrechtler reagieren, eine negative Assoziation zu diesen haben – und er kann sie nachvollziehen, weil er ebenfalls nicht möchte, dass ihm nahestehende Frauen auf diese Weise herabgewürdigt werden, selbst wenn er ebenfalls dafür ist, bestimmte gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. Er wird sich daher eher distanzieren und lieber seinen eigenen Kram machen.

Meiner Meinung nach macht eine „starke Rhetorik“ durch die Verwendung von Beleidigungen und angreifenden, aggressiven Texten eine Position nicht stärker. Im Gegenteil, sie macht sie schwächer. Wer den anderen beleidigt und ihn beschimpft oder gar bedroht, der macht in meinen Augen allenfalls deutlich, dass er eben keine Argumente in der Sache hat. Auf lange Sicht gewinnt nicht der, der am lautesten schreit. Sondern der, bei dem die Leute das Gefühl haben, dass er eine richtige, überzeugende Theorie vertritt. Wer deutlich macht, dass er bereit ist auf die Argumente der Gegenseite einzugehen, der wird meiner Meinung nach nicht schwächer, sondern eher stärker. Auch wenn die Gegenseite selbst nicht darauf eingeht.

Natürlich darf eine Argumentation dabei durchaus etwas Polemik, Sarkasmus oder Ironie oder andere sprachliche Mittel enthalten. Natürlich kann man sich etwas angehen, solange man es nicht zu sehr abgleiten lässt. Aber ich würde mir mehr Leute im deutschen Maskulismus wünschen, die sich eher an Warren Farrell oder Glenn Sacks  orientieren. Weil solche Argumente wie dort verwendet zitierfähig und verlinkbar sind.

Terminatus macht sich in seinem Blogbeitrag Gedanken dazu, wie man in der Männerbewegung mehr an einem Strang ziehen kann.

Meiner Meinung nach bringt es wenig, die Differenzen zu übertünchen, wer Gemeinsamkeiten finden will, der muss sich zunächst über die Unterschiede klar werden und ein gemeinsames Ziel haben, das man umsetzen will.

Aus meiner Sicht ist dabei das wichtigste Ziel, dass die Männerbewegung gegenwärtig haben sollte, eine akzeptierte Meinung zu sein, eine Gruppierung, deren Bedenken man ernst nehmen sollte und zu deren Gedanken man sich bekennen kann. Nur so kann man letztendlich in die Mainstreammedien kommen und seine Gedanken einem breiten Publikum zugänglich machen.

Dagegen setzt gerade der radikale Maskulismus eher darauf, überhaupt aufzufallen und sieht dabei Lautstärke, Tonfall, Level der Aggressivität und Absolutheit der Position als wichtigere Mittel an.

Nach dieser Position wäre es die richtige Strategie, Gegner abzuwerten, möglichst lautstark zu agieren, dabei über Positionen nicht durch Diskussion abzuschwächen.

Wo ich sagen würde, dass man einen Dialog hinbekommen sollte, wird man im radikalen Maskulismus eher darauf verweisen, dass ein Dialog sinnlos ist und nur der Gegenseite nützt.

Man sieht hier, dass aus dem Ziel heraus vollkommen andere Mittel gewählt werden.

Das stellt auch Manifold in einem Artikel zu Terminatus Beitrag so dar.

Meine Wünsche an die Darstellung von Positionen innerhalb der Männerbewegung wären:

– Abbau von Feindbildern gegen Frauen

Ich hatte hier schon einmal angeführt, dass eine Position, die Frauen generell abwertet, nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen kann. Auch die feministischen Positionen dazu sind nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern finden sich eher im theoretischen Feminismus als in der weiblichen Bevölkerung.

– Weniger Verschwörungstheorien

Im Maskulismus scheint es mir einiges an Verschwörungstheorien zu geben. Von den Rechtsanwälten, die die Richter erpressen, damit diese gebührenträchtige Verfahren entsprechend behandeln über eine Verschwörung aller Frauen zur Ausbeutung der Männer bis zu der Allmacht des Feminiats. Meiner Meinung nach muss da einiges einer Revision unterzogen werden.

– Sachlicherer Ton ohne Drohungen und Beleidigungen und Bereitschaft zum Dialog

Dazu habe ich ja schon oben was geschrieben.

– Mehr Verständnis dafür, wie bestimmte Sachen ankommen und wie sie dargestellt werden können, besseres Marketing

Ich denke vieles wäre einfacher, wenn man etwas mehr positives Marketing betreiben würde. Nicht nur immer mit dem Hammer drauf und den Wilden Mann spielen, sondern den Leuten auch einmal zeigen, dass es auch anders geht. Auch mal zeigen, dass man zumindest versucht die Perspektive von Frauen einzunehmen oder die Gegenposition nachzuvollziehen.