Julie Borowski und Kritik an der Männerrechtsbewegung

Julie Borowski ist sicherlich dem ein oder anderen hier auch aufgrund feminismuskritischer Videos

(zB hier, aber auch 1,2,3,4) bekannt.

Sie hat nun, wie auch Genderama bereits berichtete, einen Artikel dazu geschrieben, was ihr an „MRAs“ also dem Mens Rights Movement gefällt und was nicht, geschrieben.

Ich finde den Text durchaus interessant.

Das Gute:

As a critic of feminism, I’ve checked out the Men’s Rights Movement (MRM). Some things I like, some things not so much. They have good points when it comes to divorce, custody, and how courts are biased towards women. These are real equality issues that need to be addressed.

Also, I dislike how men have become the punch line in today’s society. Just check out commercials and sitcoms. The husbands are portrayed as complete idiots with the maturity of five year olds. The wives, on the other hand, are brilliant personality-less parental figures to their dumb husbands.

One of my pet peeves is how it’s somehow acceptable to insult your husband in public. Haha, I don’t know how he dresses himself in the morning! It’s laughable when a woman does it. The other way around? That wouldn’t fly!

Das Schlechte:

Then I check out Men’s Rights Activists forums… oh boy. I acknowledge that not every comment represents the whole movement, of course. But there’s a significant amount of: women are gold digging you-know-whats! Marriage is always a bad deal for men because women are lazy moochers! Women wear makeup to trick you into procreating with them!!  THEY ARE LIARS!

Whoa….

It just reminds of man-hating feminists who talk about all men being cheating scumbags and implying that all men are rapists. Both of these groups have clearly been burnt by the opposite sex. What heterosexual person hasn’t been? They’re taking it to an unhealthy place and blaming an entire gender for crappy things someone did.

Also wichtige Themen, die aus einer Männerperspektive besprochen werden und die Abwertungen etc aufzeigen, die hier alltagstauglich geworden sind und auch den diesbezüglichen Doppelstandard deutlich machen.

Und auf der anderen Seite das verbitterte einiger, das Denken in einem Feindbild, das negative über das andere Geschlecht. Da hatte ich auch schon in verschiedenen Artikeln:

Aus meiner Sicht muss eine Männerrechtsbewegung, die mehr in den Mainstream möchte und „Anschlussfähig“ sein will – durchaus anders als ein Feminismus – darum bemüht sein, dass er die Verbitterung rausbekommt und nicht auf ein Feindbild springt. Der Feminismus kann sich das weitaus eher erlauben, weil die Abweisung von Männern für Frauen eine durchaus verbreitete Strategie ist, in der dann eben der Mann die Gunst der Frau erobern muss, sich als gut genug erweisen muss. Diese Strategie verfängt bei Männern weitaus weniger bei der Masse.

In gewissen Teilen kann man „ich lass mich doch nicht von diesen Schlampen ausbeuten“ sicherlich als Mittel benutzen, um den starken Mann rauszukehren. Die meisten Männer wollen aber gar nicht in einen Geschlechterkrieg. Sie wollen mit Frauen gut auskommen und zusammenarbeiten. Sie wollen auch nicht verbittert und als schwach erscheinen. Der Vorwurf der Frauenfeindlichkeit schreckt schnell ab, weil sie gar nichts gegen Frauen haben wollen (was allein schon eine Theorie wie die Rape Culture Theorie stark abwertet. Männer wollen weitaus eher beschützen und der Held sein als Frauen als Opfer herabwürdigen).

Was sagt ihr zu ihrer Kritik?

Robert Claus: Maskulismus

Es gibt mal wieder eine feministische Studie zum Thema Maskulismus.

Maskulismus – Antifeminismus zwischen  vermeintlicher Salonfähigkeit  und unverhohlenem Frauenhass

Finanziert wurde sie wohl von der SPD nahen Friedrich-Ebert-Stiftung. Allerdings leider keine wesentlichen neuen Erkenntnisse und auch keine wirkliche Aufarbeitung der maskulistischen Szene. Der inhaltliche Stand scheint 2012 zu sein, mit kommt es so vor als hätte der Autor einfach die bisherigen Studien genommen und daraus eine neue Studie gemacht. Rosenbrock und Kemper lassen grüßen. Einige Auszüge:

Männliches Miteinander – modernisierte Bünde Der Maskulismus sieht es als Problem an, dass Männer entmündigt und als Gruppe zersplittert seien. Folglich arbeitet er daran, eine Männergruppe zu (re)etablieren, die ihre ‚Männlichkeit’ kollektiv als positiv empfindet. Dieses positive Selbstverständnis bestünde darin, eigene ‚männliche’ Interessen, Vorstellungen und Werte gegen eine ‚feministisch ideologisierte Gesellschaft’ durchzusetzen. Zugleich werden alle (pro-)feministisch orientierten Männer (und Frauen) aus dieser Gemeinschaft ausgeschlossen und zum ‚lila Pudel’, dem politischen Feind, erklärt. Insofern basiert die Idee der maskulistischen Männergruppe auf dem Ideal einer ungestörten Männergemeinschaft. Ihr Ziel ist es, patriarchale Macht zu modernisieren – sie ist eine Organisationsform, die in bündischer Tradition steht. Zugleich jedoch zeichnet sich in den männlichkeitspolitischen Stoßrichtungen von Agens und MANNdat ein deutlicher Widerspruch ab. Während Erstere die Entdeckung der männlichen Fürsorge betreiben, vertritt MANNdat ein im Grunde rein traditionelles Männlichkeitsbild des ‚harten Abenteurers’.

Da sieht man auch, dass eine Aufarbeitung abseits des gelben Forums und Sons of Perseus nicht wirklich stattgefunden hat. Natürlich sind – jedenfalls in meiner Form des Maskulismus auch Frauen, Männer, die nicht der Männerrolle entsprechen, aber diese auch nicht per se dämonisieren oder homosexuelle Männer willkommen.

Ist Männlichkeit verhandelbar? Jenseits eines stark vereinfachten Verständnisses der Zielgruppe ‚Männer’ sowie der simplen Übereinkunft im Feindbild Feminismus birgt die Frage nach den Begriffen Männlichkeit und Mannsein enorme Sprengkraft. Dementsprechend wird sie zumeist umschifft. Während ein großer Teil der ‚Bewegung’ ‚Mannsein’ als unhinterfragbare Norm versteht, versuchen andere den Begriff der ‚Männlichkeit’ mit konservativen Werten zu füllen und machen ihn dadurch zugleich reflektierbar, wenn auch in einem engen Rahmen. Wie in Kapitel 7.1 angeführt, hängen an dieser Debatte auch Fragen der Ausrichtung maskulistischer Männerpolitiken. Denn hier klafft eine deutliche und im Maskulismus bisher nicht ausdiskutierte Lücke zwischen Konzepten, Männlichkeit wieder traditioneller zu gestalten (Mannsein =Außendrang, Durchsetzungskraft und Härte) einerseits sowie Männlichkeit flexibler und moderner auszulegen (Männlichkeit = auch emotional und fürsorglich). Nur muss man darüber auch diskutieren können, um darüber diskutieren zu können …

Ist in der Tat ein Punkt. Wobei die Wahlmöglichkeiten hier sehr einfach dargestellt werden. Das von mir favorisierte Modell, dass es Häufungen geben kann, aber auch Abweichungen und das beides okay ist, kommt anscheinend als Modell nicht vor.

Feminismus, Geschlechterforschung und gleichstellungspolitische Projekte werden in den kommenden Jahren um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Gesellschaftliche Modernisierung zeitigt Frustration in Anbetracht der Möglichkeiten des gesellschaftlichen Reichtums einer- sowie der Begrenztheit des individuellen Erfolgs andererseits. Ideologien natürlicher Herrschaft bilden eine Option der Bearbeitung dessen. Die gesellschaftlichen Anknüpfungspunkte des Maskulismus sind reichhaltig vorhanden und das feministische Geschlechterwissen keineswegs so hegemonial, wie behauptet wird. Zwar konnten in einigen gesellschaftlichen Teilbereichen feministische Erfolge erzielt werden, doch sind sexualisierte Gewalt und ökonomische Macht von Männern sowie der Ausschluss von Frauen aus vielen Bereichen des öffentlichen Lebens immer noch Realität. Darüber hinaus könnte der Maskulismus perspektivisch den Druck auf (pro-) feministische, gleichstellungspolitische sowie dekonstruktivistische Projekte erhöhen und sie verstärkt in defensive Auseinandersetzungen zwängen. Die Kritiken an Frauenförderungsmaßnahmen wurden in dieser Arbeit analysiert. Zugleich betrifft dies emanzipatorische Männlichkeitspolitiken.

Das ist ja immerhin mal eine interessante Einschätzung, Man wird um eine Auseinandersetzung mit dem Maskulismus nicht herumkommen. Weitere Texte bei:

Die Schwulen und die Männerbewegung

Der heutige Beitrag ist hoffentlich Teil einer umfangreicheren Reihe von Blogbeiträgen auch auf anderen Blogs zum Thema Homosexualität und Männerbewegung. Ich werde entsprechende Beiträge nachher noch unten Verlinken.

Ausgangspunkt war aus meiner Sicht zwei dArtikel von Adrian:

Das ist ein guter Anlass einmal das diesbezügliche Verhältnis zu überdenken, dass homosexuelle Männer in der Männerbewegung spielen können und wie die Männerbewegung etwas für die Interessen der homosexuellen Männer machen kann.

1. Mein theoretisches Verständnis von Homosexualität

Leser dieses Blogs ist wohlbekannt, dass ich bei der Homosexualität davon ausgehe, dass bestimmte Attraktivitätsmerkmale abgespeichert sind und bei Homosexuellen eben die auf Männer bezogenen zum tragen gekommen sind. Eine Übersicht über diesbezügliche Artikel findet man hier.

Auf der Basis ist jede Abwertung von Homosexuellen einfach nur eine Abwertung von Menschen, die aufgrund bestimmter Umstände andere Menschen attraktiv finden als es der Norm entspricht. Sie folgen dabei letztendlich auch nur diesen Attraktivitätsmerkmalen und können sich dies genauso wenig aussuchen, wie heterosexuelle Menschen dies können. Sie dafür abzuwerten oder zu diskriminieren ist schlicht falsch und aus meiner Sicht nicht zu rechtfertigen. Es ist schlicht genauso zu akzeptieren, wie andere Vorstellungen davon, was attraktiv ist, auch.

2. Die Situation in der Männerbewegung

Adrian hat dargelegt, dass er bei einem gewissen Teil der Männerrechtsbewegung oder insbesondere wohl auch des Antifeminismus erhebliche Bauchschmerzen hat. Das kann ich gut verstehen. Ich habe ja auch teilweise erhebliche Bauchschmerzen, wenn ich in Gelbe Forum schaue. Ich denke es ist durchaus an der Zeit, sich von den radikaleren Kräften abzugrenzen um genau diese Bauchschmerzen reduzieren zu können und eine Option zu schaffen, mit der man die Männerbewegung positiv wahrnehmen kann.

3. Was könnte die Männerbewegung und die Schwulenbewegung für gemeinsame Ziele haben?

Viele Themen der Männerbewegung sind in der Tat stark auf die Heterosexualität zugeschnitten. Denn hier wirken sich gerade die Unterschiede zwischen Männern und Frauen aus oder spielen eine gemeinsame Rolle.

Eine Grundlage der Männerrechtsbewegung ist aus meiner Sicht die Väterbewegung und die diesbezüglichen Probleme, die eben gerade auftreten, wenn Frau und Mann sich trennen und eine gewisse Tendenz dazu besteht, dass die Frau die Kinder betreut und der Mann ihr Unterhalt zu gewähren hat.

Ähnliche Regelungen können sicherlich auch bei Adoptionen von Kindern durch Homosexuelle auftreten, wenn sich dann ein Paar trennt. Aber hier scheinen mir geringere Probleme aufzutreten und die Fälle auch weitaus seltener zu sein.

Eine gemeinsame Perspektive sehe ich insofern in einer Arbeit gegen die Auswucherungen des radikalen Genderfeminismus. Viele Homosexuelle werden ebenso wenig davon ausgehen, dass ihre Sexualität konstruiert ist, sondern davon ausgehen, dass sie schon immer homosexuell waren und sind. Hier eine Aufklärung über die Hintergründe der Homosexualität zu machen ist aus meiner Sicht auch für Homosexuelle sinnvoll und wesentlich effektiver als ein reines Werben um Toleranz, dass häufig ohne ein Verstehen der Hintergründe nicht funktioniert. Der Gedanke, dass man Homosexuelle umerziehen kann wächst auf sozialkonstruktivistischen Boden, der falschen Vorstellung, dass man Homosexualität analog eines Sozialdarwinismus ausrotten kann, kann man entgegenhalten, dass es kein Schwulengen in diesem Sinne gibt und man dann besonders fruchtbare Frauen und Frauen, die zuviele Söhne bekommen, angreifen müsste (siehe den obigen Link zu meinen Aritkeln zur Homosexualität).

Zudem sollten sich Homosexuelle bewusst machen, dass sie ebenfalls nur einen Ally-Status erhalten können und der radikale Feminismus eben Männer unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung als Privilegiert wahrnimmt und dies eine überaus ungerechte Zuordnung ist, die eben auch homosexuelle Männer betrifft – auch diese können bei einer Frauenquote Nachteile haben, auch diese sind von intensiven Frauenfördermaßnahmen betroffen, auch diese sind von einer negativen Bewertung der männlichen Sexualität betroffen.

Daneben sollte sich eine humanistische Männerbewegung natürlich auch für die Rechte aller einsetzen, sich frei entfalten zu können. Es sollte ein Interesse der Männerbewegung sein, sich ebenfalls für Freiheiten von Männern einzusetzen, die abseits der normalen Geschlechterrollen leben wollen. Eine starre Festlegung auf den heterosexuellen Versorger, auf eine strikte Betonung von Maskulinität schadet letztendlich allen Männern. Auch hier kann man abseits des Feminismus aus meiner Sicht einen positiveren Dialog führen, denn wenn über die Privilegientheorien beim Feminismus das Einsetzen für „Unterprivilegierte“ auch bereits in ein striktes System eingebunden und damit leichter einzusetzen ist, bleibt man dort letztendlich Unterdrücker und Privilegierter. Das Begeben in eine Opferrolle erzeugt zudem automatisch Widerstand. Vielleicht können hier Schwule und Männerrechtler gemeinsame Wege finden, die Männer mehr in den Vordergrund stellen ohne damit Schuldzuweisungen zu verbinden. Hier können heterosexuelle Männer von den Schwulen auch vieles lernen: Dass es okay ist, sexuell zu sein. Dass es okay ist etwas geil zu finden. Auch das gehört zu einem positiven Selbstbild. Auf der Basis kann man vielleicht gegenseitig voneinander profitieren.

Einen anderen interessanten Aspekt bringt David in einem Kommentar zu Adrians Artikel :

Mir wurde erst mit seinem Artikel klar wie dumm Maskulisten sind, die die Diskriminierung von Schwulen nicht zu ihrem Thema machen (ganz zu schweigen von den Idioten, die sie aktiv ausgrenzen und die eigene Bewegung damit komplett diskreditieren).

Es ist eine Schande, dass Schwule sich vom Feminismus (leider zurecht) besser vertreten fühlen, obwohl sie in vielen Aspekten auch von seinen negativen Auswüchsen betroffen sind. Hier hat die Männerbewegung bisher auf ganzer Linie versagt, und macht Vorbehalte erst recht nachvollziehbar.

Nicht nur wäre eine Integration strategisch von unschätzbarem Wert, da die Schwulenbewegung quasi freies Geleit in den Mainstream gewährleisten würde.

Man könnte sich so auch dem Ballast der reaktionären und homophoben Rechtsausleger entledigen.

Ich denke z.B. dass Schwule doppelt unter der Dämonisierung männlicher Sexualität leiden. Warum werden Lesben nicht im selben Maße diskriminiert?

Sex ist in unserer Gesellschaft eigentlich nur dann sozial akzeptiert und nicht von Abwertung betroffen, wenn dabei eine Frau befriedigt wird.

Hier wird zum einen der „strategische Vorteil“ angesprochen, nämlich eine Abgrenzung zu den Radikalen und die Eröffnung des Mainstreams. Das sollte natürlich nicht der Hauptgesichtspunkt sein, ist aber vielleicht ein gute Basis um diesen Punkt auch im eigenen Interesse mehr ins Visier zu nehmen. Daneben führt David ebenfalls die Abwertung männlicher Sexualität an, die man gemeinsam bekämpfen kann und die negativen Auswirkungen, die Homosexuelle ebenso betreffen.

Es gibt also durchaus genug Anlässe an einem Strang zu ziehen.

4. Was kann man tun, damit auch Homosexuelle sich vertreten fühlen?

Natürlich ist es in Geschlechterthemen verführerisch „heteronormativ“ zu denken und schwule Männer auszublenden. Sich selbst daran zu erinnern, dass auch diese entsprechend betroffen sein können wäre insoweit in erster Schritt.

Ein Eintreten für das Recht auf Ehe oder Partnerschaft, Adoption und sonstige Gleichstellung ist ebenso wichtig wie die Förderung einer gewissen „Awareness“

Eine diesbezügliche Sensibilisierung bei klassischen Abwertungen wie „Schwuchtel“ oder eben den klassischen „Nie die Seife fallen lassen“-Witzen oder auch bei der abwertenden Verwendung des Begriffs Schwul ist sicherlich ebenfalls erforderlich und ebenso ein diesbezügliches Position beziehen, auch bei der Kommentarmoderation.

Ein deutlich machen, dass man die unterschiedliche Sexualität akzeptiert. Ich würde mir insoweit auch einen Dialog wünschen, was stört, welche Themen gerade in Hinblick auf Homosexualität und Männerbewegung interessant sein könnten und welcher andere Blickwinkel sich ergibt.

Das alles gehört aus meiner Sicht zu einer modernen Männerbewegung dazu.

5. Verlinkung weiterer Artikel zu Homosexualität und Männerbewegung

Adrian hat auch das Thema noch mal aufgegriffen, ebenso wie Erzählmirnix

Jammerfeminismus und Jammermaskulismus

In den Kommentaren ging es darum, wie sich Opfer sein im Feminismus und im Maskulismus unterscheidet. Dazu gab es die folgenden Kommentare:

Anlass war dieser Kommentar von Matthias zu dem ich etwas zu Opfer sein im Maskulismus ausführte. Leszek schlug vor, daraus einen Artikel zu machen.

Ich sagte dazu:

Sicherlich ein interessantes Thema. Wir können ja schon mal etwas vor-brainstormen

Ich hatte ja irgendwo schon einmal darauf verwiesen, dass auch der Maskulismus seine Standpunkttheorie hat, etwa in dem Sinne, dass alles was die Frau macht entweder einfach und problemlos oder eben Ausbeutung ist. Dazu diverse Verschwörungstheorien (“alle Richter sind Diener des Matriarchats” oder eben “die feministische Weltverschwörung”) Es scheint nicht so viele Wege zu geben, eine solche Einseitigkeit letztendlich umzusetzen.

Ich würde sagen, dass im Jammerfeminismus die Rolle häufig besser passt. Wohl deswegen kommt häufig im Jammermaskulismus noch mehr Aggressivität hinzu?

Welche Gemeinsamkeiten / Unterschiede würdest du denn sehen?

Leszek schrieb:

Ich denke, erstmal müssten wir eine Verhältnisbestimmung zwischen “Jammermaskulismus” und “Radikalmaskulismus” (bzw. den Äquivalenten beim Feminismus) vornehmen.

Ist das immer kongruent oder muss es das nicht zwangsläufig sein?

Gemeinsamkeiten:

Klar, die verschwörungstheoretischen Konstrukte “Patriarchat” einerseits und “Feminat/Femokratie” andererseits.

Dann die verallgemeinerten Zuschreibungen negativer Eigenschaften auf das jeweils andere Geschlecht: Frauen sind Parasiten/Männer sind patriarchalische Gewalttäter.

Die Tendenz das andere Geschlecht jeweils nur als privilegiert anzusehen: Es wird undenkbar, dass es auch auf Seiten des anderen Geschlechts signifikante Diskriminierungen und soziale Problemlagen geben kann.

Ich sehe die Aggressivität im Jammerfeminismus auch nicht unbedingt als geringer als im Jammermaskulismus. Der Opfernarzissmus begünstigt auf beiden seiten die Haltung: Ich bin Opfer, deswegen kann ich mir alles erlauben. Ist Dir mal aufgefallen, dass es gerade Jammerfeministinnen sind, die sich besonders gerne auf Valerie Solanas berufen?

Dann, wie Du richtig sagst, das erkenntnistheoretische Privileg/Standpunkttheorie. Wobei Jammerfeministinnen das ja explizit theoretisch ausgearbeitet haben, bei Jammermaskulisten ist das mehr implizit vorhanden, aber zum Glück noch ohne theoretische Basis. Wäre mir jedenfalls nicht bewusst.

Seitenblick stellte sein Ansicht wie folgt dar:

Eine Überlegung zur präziseren Erfassung der Jammerfraktionen:

Ich beobachte grob zwei recht verschiedene Typen des Jammerns bzw. der Jammerer.

Jammerer vom Typ 1 benutzen es wie eine Art Luftholen nach einer anstrengenden Sache. Dann kommt mal einiges laut raus, manches kommt überspitzt und – von außen betrachtet – ungerecht, und überhaupt sind alle doof.

Danach – und das ist der Witz – sind bei diesen Leuten wieder Energien da, um etwas zu verändern. Typ-1-Jammerer sagen anschließend manchen Leuten mal die Meinung, verabschieden sich vielleicht auch von belastenden Situationen, gehen die Problemfelder an, räumen also mal ein bisschen auf.

Und gut ist’s. Danach kommt Typ 1 auch erst mal ohne Jammerei durchs Leben. Bis zum nächsten Anlass.

Jammerer Typ 2 geht ganz anders vor. Dieser Typ findet mehr und mehr Gefallen an der Jammerei und richtet sich darin geradezu behaglich ein. Die Vorteile (bemitleidet werden, arme Unschuld sein etc.) schmecken halt so gut – da ignoriert man auch den Nachteil, dass man bei der Dauerjammerei als handelndes Subjekt nur noch sehr eingeschränkt vorkommt.

Zum inneren Einrichten gehört, die Jammeranlässe immer zu repetieren, ja geradezu zu zelebrieren. Für Letzteres braucht man eine Gruppe von Mitjammerern.

Weil es ein Prozess ist, zum Typ-2-Jammerer zu werden, kommt eine immer stärker werdende selektive Wahrnehmung dazu (der Jammer-Anlass wird verallgemeinert, manchmal sogar zu einem geschichtsbestimmenden oder metaphysischen Prinzip erklärt). Man erkennt diesen Typ m.E. an dem Verhältnis zwischen Jammerei und Aktion. Muss ich ausführen, welche Seite eindeutig die Oberhand hat?

Ich finde beide Typen bei sogenannten Maskulisten und Feministen und sonstigen -isten.

Leszek ergänzte noch wie folgt:

Ich habe den Eindruck, dass Jammermaskulisten im Schnitt passiver sind als Jammerfeministinnen. Die Verknüpfung von Jammern und konkretem Engagement scheint Jammerfeministinnen tendenziell leichter zu fallen.

Jammerfeministinnen haben m.E. nicht selten einen eher höheren Bildungsgrad (Gender Studies-Studentin oder so), ich weiß nicht, ob das bei Jammermaskulisten genauso ist.

Ich habe den Eindruck, dass bei Jammerfeministinnen der Opfernarzissmus häufiger in unrealistischen Appellen an die Umwelt zum Ausdruck kommt, ihre Ansprüche zu erfüllen. Jammermaskulisten scheinen mir hier im Schnitt pessimistischer zu sein.

Jammerfeministinnen sind häufiger sexualfeindlich als Jammermaskulisten, allerdings – auch bei Jammermaskulisten kommen sexualfeindliche Einstellungen m.E. häufiger vor als im Bevölkerungsdurchschnitt.

Die Frage ist also, wie gejammert und gelitten wird, ob es Unterschiede im Maskulismus und Feminismus gibt, was damit erreicht werden soll und welche Umstände jeweils das Jammer erleichtern.

Andreas Kemper: Die Maskulisten

Andreas Kemper hat ein neues Buch zum Maskulismus und Antifeminismus herausgegeben. Aus der Vorstellung bei Amazon:

Maskulismus ist die Selbstbezeichnung des modernisierten Antifeminismus. Der vorliegende Sammelband vereint aktuelle Forschungsergebnisse mit Erfahrungsberichten zum Maskulismus im deutschsprachigen Raum. Im ersten Kapitel wird die Entwicklung des Maskulismus skizziert. Thomas Gesterkamp berichtet über die sich bereits in den 1990er Jahre etablierte Vaterrechtsbewegung. Jörg Rupp skizziert die Entwicklung der Männerrechtsbewegung von den Anfängen im Usenet und deren Ausbreitung im Web 2.0. Die interne Debatte über den antifeministischen Oslo-Attentäter Breivik und die vermeintliche Spaltung der Männerrechtsbewegung untersucht Andreas Kemper. Auf der Grundlage von drei wissenschaftlichen Abschlussarbeiten kann erstmals die Männerrechtsbewegung umfassender analysiert werden. Isolde Aigner befasst sich mit antifeministischen Denkmustern im medialen Diskurs. Hinrich Rosenbrock stellt die Hauptideologien der Männerrechtsbewegung, nämlich Antifeminismus und männlicheOpferideologie vor. Auf die Hauptideologen geht Robert Claus in seiner Analyse von AGENS und MANNdat ein.In einem weiteren Teil berichten Feminist_innen von ihren Erfahrungen mit Maskulisten und deren Strategie hate speech . Ines Fritz berichtet über ihre Erfahrungen mit antifeministischen Bloggern. Ähnliche Erfahrungen machte auch Gudrun Debus in der Piratenpartei mit der maskulistischen Männer-AG. Einen neuen Umgang mit der Strategie hate speech versucht eine Gruppe, die das Projekt hatr.org gestartet hat.Kontrastiert man den Maskulismus mit den Geschlechterkonzeptionen von Rechtsextremisten, so werden die Ähnlichkeiten schnell deutlich. Daher widmet sich der letzte Teil dem Männer- und Frauenbild in rechtsextremistischem Gruppen.

Vielleicht kurz eine Einordnung der Schreibenden:

Ich habe das Buch nicht gelesen, angesichts der Autoren klingt es aber auch nicht sonderlich lesenswert. Interessieren würde mich natürlich, ob auch Blogs wie Cuncti oder eben mein Blog aufgenommen worden sind oder geflissentlich ausgeblendet werden.

Leser Leszek hatte hier schon einmal eine Kurzbesprechung in einem Kommentar eingestellt:

Meine ersten Eindrücke nach erstmaligem Überfliegen des Inhalts:

1. Keine großen Überraschungen. Es handelt sich weitgehend um die übliche einseitige, argumentationsfreie Hetzschrift, die aus dem Hause Kemper und bei der Auswahl der Autoren zu erwarten war. Keine sachliche und differenzierte Auseinandersetzung, stattdessen die gängigen Klischees, Diffamierungen, unzulässigen Verallgemeinerungen und Falschdarstellungen. Gähn.

2. Der linke Maskulismus wird von Kemper anhand einer kurzen, sehr oberflächlichen Kritik von Wolfgang Wengers “Manifest für einen linken Maskulismus”

http://344903.forumromanum.com/member/forum/entry.user_344903.4.1113786701.manifest_fuer_einen_linken_maskulismus-vaetermafia.html

und Arne Hoffmanns Artikel “Eckpfeiler einer linken Männerpolitik”

http://www.spiegelfechter.com/wordpress/8167/eckpfeiler-einer-linken-mannerpolitik

abgehandelt, mit dem Ziel den linken Maskulismus als nicht-emanzipatorisch hinzustellen. Die Kritik wird den beiden Texten nicht einmal ansatzweise gerecht.

3. Eine Erwähnung von Christians Blog “Alles Evolution” habe ich bislang in dem Buch nicht gefunden. Tut mir leid, Christian.

Wenn ich mir Deine kürzliche Kommunikation mit Kemper anschaue, kann ich mir aber vorstellen, wie unsachlich und undifferenziert eine Bezugnahme auf Deinen Blog vermutlich ausgefallen wäre:

http://andreaskemper.wordpress.com/2012/07/23/warum-die-mannerrechtsbewegung-nicht-zur-mannerbewegung-zahlt/

Kemper ist offenkundig nicht einmal dazu in der Lage gemäßigte Kritik an bestimmten Formen des Feminismus, wie Christian sie betreibt, von undifferenziertem Antifeminismus auseinanderzuhalten:

https://allesevolution.wordpress.com/2011/06/08/antifeminismus/

Hat es inzwischen jemand gelesen?

Wenn nicht würde mich auch eure Meinung zur Abgrenzung von Männerbewegung und Männerrechtsbewegung interessieren, also im wesentlichen:

  • Männerbewegung: Profeminismus
  • Männerrechtsbewegung: Antifemistisch

Ich würde Männerbewegung ja eher als Sammelbegriff für eine Bewegung sehen, die sich für Männer einsetzt, ob sie dies aus einer profeministischen Perspektive macht oder nicht.

Das Feminat bzw. die feministische Gesellschaft

In einigen maskulistischen Diskussionen taucht gerne mal das Feminat bzw. die feministische Gesellschaft auf. Es scheint mir ein Begriff analog zum Patriarchat zu sein, mit dem eine Herrschaft von Feministinnen behauptet wird.

Dazu ein paar Punkte

  • Ein Feminat würde für mich eine weibliche Herrschaft bzw. eine Feministische Herrschaft bedeuten. Das finde ich erheblich zu weitgehend. Zwar bin ich durchaus der Meinung, dass Frauen einiges an indirekter Macht haben, gerade auch über Einfluss auf ihren Partner, aber das ist aus meiner Sicht noch nicht mit etwas gleich zu setzen, was ich als eine Herrschaft sehen würde
  • wir leben in einer Gesellschaft, in dem viele Bereiche nach Geschlechtern aufgeteilt sind. Einige Bereiche sind eher von Frauen besetzt, andere eher von Männern. Frauen haben dabei den Vorteil, dass es eine starke PC-Fraktion zu ihren Gunsten gibt, was bestimmte Äußerungen stark erschwert und Bevorzugungen bedeutet. Gleichzeitig gibt es aber noch genug männlich geprägte Ecken, die nach außen Political Correctness wahren, aber dies mehr dem Schein nach. Auch dieses Auftreten nach Außen kann entsprechende Wirkungen haben. Nach wie vor hat eine Frau es aber denke ich auch in bestimmten Bereichen, die stark männlich geprägt sind, nicht einfach.
  • Gleichzeitig sind andere Bereiche, in denen Frauen bereits eine starke Präsenz hatten, durch die Political Correctness nicht zugunsten von Männern geändert worden. Männer sollen zwar weicher sein, der Hauptversorger ist aber immer noch stark gesucht. Das reicht aber meiner Meinung nach nicht für ein Feminat.
  • Das Feminat scheint mir ein ebenso schwammiger Begriff zu sein, wie das Patriarchat und damit eher ein Kampfbegriff ohne Inhalt zu werden. Ich würde es daher gut finden, wenn die Verwender oder die, die der Begriff überzeugt, eine Definition in die Kommentare zu schreiben. Und dann darzulegen, inwieweit diese erfüllt ist.
  • Der Begriff des Feminats unbedacht verwandt, schadet glaube ich eher als das er nutzt. Weil er falsche Assoziationen weckt, nämlich die einer absoluten Frauenherrschaft, denen man zu leicht widersprechen kann.
  • Einen für mich passenderen Begriff habe ich allerdings auch nicht. Femizentrisch geht schon eher in diese Richtung, weil es eher darlegt, dass sich vieles um Schutz von Frauen geht, erscheint mir aber immer noch zu absolut. Die Lage ist zu gemischt, einige Frauen sehr gut aufgestellt, andere sehr schlecht, ebenso wie bei den Männern, um wirklich von einer Vorherrschaft zu sprechen.

„Die Feministen sind ja auch nicht zum Dialog bereit, also ist Kampfrhetorik der richtige Weg“

Die häufigsten Argumente für den harten Ton innerhalb des Antifeminismus bzw. des Maskulismus scheinen mir die Folgenden zu sein,

  •  die Feministinnen sind ja eh nicht zum Dialog bereit, man muß es daher auch nicht versuchen
  • der Feminismus hat eh die Diskursherrschaft, daher muss man sie mit deutlichen Worten, die die Leute wachrütteln, zurückerobern.
  • die nutzen uns aus, sie sind der Feind, sie verdienen keine Gnade!!! (oder in radikal-vulgär maskulistisch: „Die Femanzen verstehen keine andere Sprache“)

Meiner Meinung nach wird dabei wesentliches übersehen und man schießt sich ein Eigentor:

Es ermöglicht eine leichte Abwertung der Männerbewegung als frauenfeindlich, vulgär, Unterschicht, wütender Mob, gewaltbereite Idioten ohne Ahnung.

Da wird man mir aus dem Bereich entgegenhalten: „Aber die Feministen sind doch auch so!!“. Das geht aber an der Sache vorbei. Denn der Feminismus kann sich in vielen Bereichen auf eine sehr akademische Sprache zurückziehen, auf gehobenen Dialog, der eben einiges überdeckt. Es finden sich in diesem Bereich eben wesentlich weniger direkte Abwertungen von Männern als bei einem deutlichen „Schlampen, Parasiten, Femanzen etc“. Der Feminismus spricht davon, dass Männer privilegiert sind und versucht dann diese Privilegien abzubauen, damit andere die gleiche Chance haben. Das ist weit raffinierter ausgedrückt als wenn im gelben Forum davon gesprochen wird, dass Frauen Parasiten sind, die alle Männer ausbeuten. Natürlich kann man die Aussage viel unangreifbarer Formulieren, zB in dem man sagt „Ein Großteil gesellschaftlicher Transferleistungen wird zugunsten der Frauen erbracht und durch die Männer erarbeitet. Nach meiner Ansicht kommt es gegenwärtig zu einer zu starken Verteilung zulasten der Männer, insbesondere in den geringen und mittleren Einkommensbereichen, so dass man dieses System genau hinterfragen sollte um eine gerechtere Verteilung aller Ressourcen sicherzustellen.“

– Es wird vergessen, dass Feminismus eine wesentlich breitere Aufstellung hat und man wenn man diese Kategorie verwendet auch Leute entfremdet, die man in dieser Hinsicht gar nicht meinte. Denn viele Frauen stehen dem Feminismus nahe, auch wenn sie vom theoretischen Feminismus keine Ahnung haben. Sie verbinden mit Feminismus nicht eine wissenschaftsfeindliche poststrukturalistische Theorie, die gerade in ihrer radikaleren Ausrichtung zu Lasten von Männern Denkverbote errichtet, sondern einen Weg Gleichberechtigung für Frauen zu erzielen und ihnen eine gerechte Teilhabe an der Gesellschaft zu ermöglichen. Wer jetzt anführt, dass man mit „Feministinnen nicht diskutieren kann“ und diese daher mit Härte angegangen werden müssen, der läßt diese Frauen denken „Ich stehe dem Feminismus nahe und mit mir kann man argumentieren. Warum auch nicht, ich bin ja schließlich für Gleichberechtigung, ich habe auch einen Freund, der sich hat scheiden lassen und sehe, dass es da nicht ideal ist. ich bin also zu einem Gespräch bereit. Aber diese Idioten ja anscheinend nicht. Sie pöbeln nur rum und sehen mich als Feind“. Womit man es jedem, der diskutieren will, wieder schwieriger gemacht hat.

– Das selbe gilt natürlich auch für Männer. Klar, ein Scheidungsopfer, das durch Unterhaltszahlungen quasi nur noch für weit entfernte Frau und Kinder arbeitet und nicht mehr das Gefühl hat, sich noch etwas leisten zu können oder etwas zu haben, was ihm das Leben angenehm macht, der wird vielleicht froh sein, in den Ärger und den Zorn mit einzustimmen. Genauso wie ein Vergewaltigungsopfer gerne in einen Männerhass auf Seiten des radikalen Feminismus einstimmt. Aber die besonneneren Männer sehen eben, dass Frauen auf eine bestimmte Weise auf Männerrechtler reagieren, eine negative Assoziation zu diesen haben – und er kann sie nachvollziehen, weil er ebenfalls nicht möchte, dass ihm nahestehende Frauen auf diese Weise herabgewürdigt werden, selbst wenn er ebenfalls dafür ist, bestimmte gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen. Er wird sich daher eher distanzieren und lieber seinen eigenen Kram machen.

Meiner Meinung nach macht eine „starke Rhetorik“ durch die Verwendung von Beleidigungen und angreifenden, aggressiven Texten eine Position nicht stärker. Im Gegenteil, sie macht sie schwächer. Wer den anderen beleidigt und ihn beschimpft oder gar bedroht, der macht in meinen Augen allenfalls deutlich, dass er eben keine Argumente in der Sache hat. Auf lange Sicht gewinnt nicht der, der am lautesten schreit. Sondern der, bei dem die Leute das Gefühl haben, dass er eine richtige, überzeugende Theorie vertritt. Wer deutlich macht, dass er bereit ist auf die Argumente der Gegenseite einzugehen, der wird meiner Meinung nach nicht schwächer, sondern eher stärker. Auch wenn die Gegenseite selbst nicht darauf eingeht.

Natürlich darf eine Argumentation dabei durchaus etwas Polemik, Sarkasmus oder Ironie oder andere sprachliche Mittel enthalten. Natürlich kann man sich etwas angehen, solange man es nicht zu sehr abgleiten lässt. Aber ich würde mir mehr Leute im deutschen Maskulismus wünschen, die sich eher an Warren Farrell oder Glenn Sacks  orientieren. Weil solche Argumente wie dort verwendet zitierfähig und verlinkbar sind.

Terminatus macht sich in seinem Blogbeitrag Gedanken dazu, wie man in der Männerbewegung mehr an einem Strang ziehen kann.

Meiner Meinung nach bringt es wenig, die Differenzen zu übertünchen, wer Gemeinsamkeiten finden will, der muss sich zunächst über die Unterschiede klar werden und ein gemeinsames Ziel haben, das man umsetzen will.

Aus meiner Sicht ist dabei das wichtigste Ziel, dass die Männerbewegung gegenwärtig haben sollte, eine akzeptierte Meinung zu sein, eine Gruppierung, deren Bedenken man ernst nehmen sollte und zu deren Gedanken man sich bekennen kann. Nur so kann man letztendlich in die Mainstreammedien kommen und seine Gedanken einem breiten Publikum zugänglich machen.

Dagegen setzt gerade der radikale Maskulismus eher darauf, überhaupt aufzufallen und sieht dabei Lautstärke, Tonfall, Level der Aggressivität und Absolutheit der Position als wichtigere Mittel an.

Nach dieser Position wäre es die richtige Strategie, Gegner abzuwerten, möglichst lautstark zu agieren, dabei über Positionen nicht durch Diskussion abzuschwächen.

Wo ich sagen würde, dass man einen Dialog hinbekommen sollte, wird man im radikalen Maskulismus eher darauf verweisen, dass ein Dialog sinnlos ist und nur der Gegenseite nützt.

Man sieht hier, dass aus dem Ziel heraus vollkommen andere Mittel gewählt werden.

Das stellt auch Manifold in einem Artikel zu Terminatus Beitrag so dar.

Meine Wünsche an die Darstellung von Positionen innerhalb der Männerbewegung wären:

– Abbau von Feindbildern gegen Frauen

Ich hatte hier schon einmal angeführt, dass eine Position, die Frauen generell abwertet, nicht in der Mitte der Gesellschaft ankommen kann. Auch die feministischen Positionen dazu sind nicht in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sondern finden sich eher im theoretischen Feminismus als in der weiblichen Bevölkerung.

– Weniger Verschwörungstheorien

Im Maskulismus scheint es mir einiges an Verschwörungstheorien zu geben. Von den Rechtsanwälten, die die Richter erpressen, damit diese gebührenträchtige Verfahren entsprechend behandeln über eine Verschwörung aller Frauen zur Ausbeutung der Männer bis zu der Allmacht des Feminiats. Meiner Meinung nach muss da einiges einer Revision unterzogen werden.

– Sachlicherer Ton ohne Drohungen und Beleidigungen und Bereitschaft zum Dialog

Dazu habe ich ja schon oben was geschrieben.

– Mehr Verständnis dafür, wie bestimmte Sachen ankommen und wie sie dargestellt werden können, besseres Marketing

Ich denke vieles wäre einfacher, wenn man etwas mehr positives Marketing betreiben würde. Nicht nur immer mit dem Hammer drauf und den Wilden Mann spielen, sondern den Leuten auch einmal zeigen, dass es auch anders geht. Auch mal zeigen, dass man zumindest versucht die Perspektive von Frauen einzunehmen oder die Gegenposition nachzuvollziehen.

Hinrich Rosenbrock: Die antifeministische Männerrechtsbewegung – Denkweisen, Netzwerke und Onlinemobilisierung

Eine Untersuchung von Hinrich Rosenbrock beleuchtet die Antifeministische Szene und Rosenbrock berichtet Vorab in der Faz hierzu.

Er stellt dort die These auf, dass die Männerrechtler (aus seiner Sicht anscheinend gleichzusetzen mit dem Antifeminismus) sogar den Männern schaden.

Das finde ich so allgemein eine sehr gewagte These.

Ich würde ihm ja sogar zustimmen, dass Teile des Antifeminismus viel zu radikal sind und in dieser Hinsicht Männer tatsächlich schädigen und zwar aus zwei Gründen:

  1. Mit ihrer Radikalität schaffen sie ein billiges Feindbild, dass Leute wie Rosenbrock aufgreifen können um die Männerbewegung abzuwerten.
  2. Ihre Gesellschaftsvorstellungen und Gesetzesvorhaben sind – natürlich nur in Teilen, nicht hinnehmbar für Mann oder Frau. In einer Welt mit Imion oder Zhen etc als Gesetzgeber möchte ich persönlich als Mann nicht leben. Da nehme ich in der Tat lieber den gegenwärtigen Zustand.

Dessen ungeachtet übersieht er denke ich aber die nicht radikale Seite des Antifeminismus und der Männerbewegung. Schließlich gibt es in diesem Bereich deutlich mehr Strömungen als nur den radikalen Teil

Er übersieht auch, dass Teile des Antifeminismus einfach gegen die Unlogik des Genderfeminismus, des kulturellen Feminismus mit seiner Aufwertung des weiblichen, des Matriarchatsfeminismus etc vorgehen, aber dabei die Grundlagen der Gleichberechtigung durchaus akzeptieren. Ein Großteil der Opposition gegen den Antifeminismus läßt sich auch als Equityfeminismus bezeichnen bzw. hat sich dieses Label zugelegt, um der auch von Rosenbrock vorgenommen Tabooisierung von Kritik vorzubeugen.

Ich bin gespannt, ob mein Blog, der gegenwärtig wenn man ihn über seine Ausrichtung als Antigenderfeministisch etc als antifeministischen Blog und Teil der Männerbewegung ansieht, ebenfalls aufgeführt ist.

Ich vermute aber, dass ich nicht erwähnt werde, sondern auf den üblichen Verdächtigen rumgehackt wird, dem gelben Forum etc.

Vielmehr würde eine Behandlung der „biologischen Gegenargumente“, wenn man sie faier betreibt und nicht auf einen Essentialismus herunterzieht, doch einige Schwachstellen offenlegen, die feministische Theorien haben und die auch die Gender studies sich vorhalten lassen müssen

Eine Stelle aus dem Interview:

Wie sieht der Antifeminismus dieser Gruppen aus?

Sie sehen den Feminismus als ein in sich geschlossenes Ideologiemodell, das auf Männerhass beruht. Die vielen Strömungen innerhalb des Feminismus, dessen Zusammenarbeit mit Männern und auch die Ansätze einer emanzipatorischen Männerpolitik sehen sie nicht. Zudem gehen diese Leute davon aus, dass der Feminismus allmächtig sei. Gerichte, Politik, Medien: alles sei vom Feminismus unterwandert.

Ich würde ihm recht geben, dass man es sich nicht so einfach machen sollte, sondern zwischen den einzelnen Richtungen unterscheiden sollte. Ansonsten wird die Argumentation zu leicht angreifbar. Allerdings ist umfasst der Genderfeminismus ja bereits einen Großteil der heute vertretenen Meinungen. Das im Genderfeminismus viel Männerabwertung vorhanden ist würde ich auch so sehen. Und die Art der Zuammenarbeit, mit der Anforderungen an Männer „doch erst einmal ihre Privilegien abzubauen“ muss einem natürlich auch nicht gefallen.

In der Tat meine ich, dass viele es mit der Allmächtigkeit des Feminismus übertreiben. Natürlich hat er in vielen Bereichen ein Taboo installiert, aber die vorherrschende Stellung in allen Bereichen sehe ich ebenfalls nicht.

Aber wenn der Bericht vorliegt wird man mehr wissen.

Interessant dazu auch eine Diskussionsrunde zu dem Thema mit dem Autor bei der Böllstiftung am 3.2.2012. Meiner Meinung nach fehlt da ein Männerrechtler in der Runde, der die Gegensicht darstellt und dem Gelegenheit gegeben wird, die Sache aus seiner Sicht darzustellen. Das ist doch eigentlich der übliche Weg, wenn man eine Diskussionsrunde besetzt oder? So dürfte es wohl allgemeines Schulterklopfen geben, die Gegenposition bleibt ungehört und alle gehen zufrieden nach Hause.

Reaktionen oder interessantes aus dem Bericht gerne in den Kommentaren.

Zudem die Frage:

  • Welche Aspekte kommen in dem Bericht zu kurz?
  • Was ist berechtigte Kritik?

Strömungen im Maskulismus

Ebenso wie der Feminismus  gibt es auch im Maskulismus eine Vielzahl von verschiedenen Denkrichtungen, die einmal ausgeschlüsselt werden sollten

Mein erster Versuch einer Einteilung war wie folgt:

Da gibt es eben auch ganz verschiedene Spielarten, vom konservativen Maskulismus („die Frau gehört hinter den Herd, der Mann arbeitet, das ist am besten für alle“) über den radikalen Maskulismus („alle Frauen sind Parasiten“), den Equity-Maskulismus („Gleiche Rechte, nicht Gleichstellung“), den Differenz-Maskulismus („Männer und Frauen sind verschieden) in den Ausprägungen sozialer Differenzmaskulismus, biologischer Differenzmaskulismus und differenzierter Differenzmaskulismus und was nicht noch alles.

Ich verweise zudem auf Leszeks Kommentar:

Damit hätten wir schonmal 4 potentielle Differenzierungskriterien:

– politische Differenzen (hierbei sollte das gesamte politische Spektrum berücksichtigt werden)

– spezifische Männer- und Frauenbilder und damit einhergehende unterschiedliche gesellschaftliche Zielvorstellungen (Dekonstruktion versus Re-Patriarchalisierung versus Emanzipation und Gleichberechtigung etc.)

– strategische Differenzen (Geschlechterpolitik ja oder nein etc.)

– Einstellungen zum Feminismus

In dem gleichen Kommentar auch ein Zitat von Arne Hoffmann:

Vergleichbare Konflikte unterschiedlicher Lager (wie in der feministischen Bewegung) gibt es auch in der Männerbewegung. In Diskussionsforen wie „Wieviel Gleichberechtigung verträgt das Land“ (WGvdL) prallen seit Jahren Traditionalisten, die von einer natur- oder gottbestimmten Vormachtstellung des Mannes ausgehen und diese auch gesellschaftlich durchsetzen wollen, mit emanzipatorischen Männerrechtlern zusammen, die an einer Gleichberechtigung beider Geschlechter interessiert sind.

Manchen Männerrechtlern ist die Bewahrung, anderen die Dekonstruktion von Geschlechtsidentität wichtig.

Ich will einfach mal ein paar Einteilungen sammeln und über die verschiedenen Richtungen diskutieren.

Dabei ist alles noch etwas schwammig, es ist wohl eher ein Rohentwurf.

1. Grobeinteilung

  • Gleichheitsmaskulismus: Die grobe Einteilung könnte man wohl auch hier in einen Gleichheitsmaskulismus sehen, bei dem die gesellschaftlichen Umstände für die Geschlechter verschieben sind, aber bei dem im Gegensatz zum Gleichheitsfeminismus die Schwierigkeiten aus der sozialen Rolle der Männer hergeleitet werden. Das kann beispielsweise die Ansicht sein, dass Männern die Versorgerrolle und die Schutzrolle zugewiesen wird und daraus Probleme entstehen oder die Auffassung, dass Frauen von den Leistungen der Männer mehr profitieren als andersrum die Männer von den Leistungen der Frauen etc.
  • Differenzmaskulismus: Der Differenzmaskulismus hingegen geht von einer Ungleichheit der Geschlechter aus. Das kann eine Ungleichheit aufgrund einer spirituellen Essenz sein oder eine Ungleichheit aufgrund biologischer Unterschiede.

2. Einzelne Strömungen

  • konservativer Maskulismus: Im konservativen Maskulismus wird davon ausgegangen, dass die Rollenbilder der Geschlechter die beste Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern wiedergeben und daher vorzugswürdig sind. Dies kann man differenzmaskulisch mit einem essentialistischen Biologismus begründen, mit einer spirituellen bzw. religiösen Erklärung oder auch im Gleichheitsmaskulismus mit lediglich körperlichen Umständen wie dem stillen und der Notwendigkeit einer klaren Einteilung. Ich vermute, dass insbesondere religiöse Bezüge zur Rolle der und auch eine essentialistsche Biologie die häufigsten Erklärungsansätze sind.
  • Liberaler Maskulismus: Der liberale Maskulismus ist häufig ein Gleichheitsmaskulismus der möglichst wenig Regelungen vorsehen möchte und alles dem Aushandeln der jeweiligen Personen untereinander überlassen möchte. Gesetzlicher Unterhalt beispielsweise kann unter dieser Betrachtung abgelehnt werden, weil er den Geschlechtern Vorschriften macht und Pflichten errichtet. Es wird sich häufig um einen Gleichheitsmaskulismus handeln. Es ist aber auch denkbar, dies als Differenzmaskulismus zu vertreten
  • Gleichberechtigungsmaskulismus: Der Gleichberechtigungsmaskulismus geht davon aus, dass die Gesellschaft lediglich dafür sorgen muss, dass Männer und Frauen gleiche Rechte haben. Er ist daher auch häufig in einer Gleichheitsmaskulistischen Ausrichtung zu finden.
  • Radikaler Maskulismus: Der radikale Maskulismus stellt die Geschlechter in einem Kampf gegenüber. Die Frau ist dabei an der Unterdrückung des Mannes interessiert und es gilt dies zu verhindern. Der Mann wird dabei gerne als der bessere Mensch angesehen, die Frau als der schlechtere, entweder aufgrund der Rolle oder aber aufgrund von Differenzen zwischen Männern und Frauen. Ziel des radikalen Maskulismus ist eine Befreiung des Mannes von der Unterdrückung durch die Frauen / einen Teil der Frauen. Im radikalen Maskulismus dürfte auch vieles zu finden sein, was sich als Antifeminismus bezeichnet.
  • Biologie-Maskulismus: Ein klassischer Differenzmaskulismus, der davon ausgeht, dass Männer und Frauen zumindest im Schnitt verschieden sind. Es werden insbesondere Ansätze aus der Evolutionsbiologie und der medizinsichen /biologischen Geschlechterforschung besprochen und daraus folgen für das Verhältnis von Männer und Frauen gezogen.
  • Pickup-Maskulismus: In enger Verbindung mit biologischen Betrachtungen steht der „Pickup-Maskulismus“. Dieser betrachtet das Geschlechterverhältnis insbesondere aus der Warte der verschiedenen Anziehungen und Attraktivitätsmerkmale und geht davon aus, dass Frauen im Schnitt bestimmte Männer, insbesondere Alphamänner bevorzugen und daher bestimmte gesellschaftliche Konstellationen entstehen. Pickup-Maskulismus weist dabei häufig dem Einzelnen Mann eine hohe Verantwortung zu, aus der heraus er erkennen soll, was Frauen attraktiv finden und sich entsprechend verhalten soll, um für sich selbst ein akzeptables Leben aufzubauen. Gesamtgesellschaftliche Betrachtungen oder Verbesserungen treten häufig dahinter zurück. Diese Spielart ist insbesondere in der Amerikanischen „Roissysphere“ von Bedeutung.
  • linker Maskulismus: Üblicherweise ein Gleichheitsmaskulismus, der von soziologisch bedingten Unterschieden ausgeht und die Nachteile der Männerrolle aus Männersicht darstellen möchte
  • Profeministischer Maskulismus: Der Profeministische Maskulismus geht davon aus, dass es für Männer am besten ist, wenn sie dem feministischen Theorien folgen. Dabei steht im Vordergrund eine starke Abwertung der Männerrolle, die von der Nutzung von gesellschaftlich zugewiesenen Privilegien geprägt ist, und eine Aufwertung „weiblicheren“ Verhaltens bzw. eine Entsagung dieser Privilegien. Innerhalb dieser Betrachtungen wird aber versucht die Schwierigkeiten die Männer innerhalb der Gesellschaft haben abzubauen und dadurch ein für Männer vorteilhafteres Leben zu erlangen.

Vielleicht können wir hier noch ein paar weitere Einteilungen erarbeiten.

Männerrechtsbewegung, Maskulismus: Quo vadis?

Leser Leszek schreibt in einem Kommentar:

Ich bin in der Tat der Ansicht, dass rationale Argumente und wissenschaftlich fundierte Konzepte absolut unerlässlich sind. Bewegungen auf nicht-rationaler, d.h. auf mythologischer Grundlage können eventuell gesellschaftliche Veränderungen bewirken – aber keine guten! Sie ziehen kulturelle Regression nach sich (weshalb ich ja z.B. auch den Matriarchatsfeminismus für eine regressive Variante des Feminismus halte).

Propagandalügen können zeitweise effektiv sein, aber sie korrumpieren eine Bewegung von innen, irgendwann fliegen sie auf und werden einem um die Ohren geschlagen und was durch sie letztendlich erreicht wird, ist entweder negativ oder hat keinen dauerhaften Bestand.

Eine soziale Bewegung braucht ein solides theoretisches Fundament, und dieses sollte um Objektivität bemüht sein, d.h. wissenschaftlich fundiert, auf rationalen und überzeugenden Argumenten beruhend, offen für Kritik.

Das halte ich für unerlässlich, wenn eine soziale Bewegung nicht nur Erfolg haben, sondern auch etwas Konstruktives bewirken will, das dauerhaft Bestand hat.

Sind Vernunft und Wissenschaft also m.E. unerlässlich, so sind sie aber auf keinen Fall ausreichend. Vernunft und Wissenschaft sind notwendige, aber nicht hinreichende Faktoren für das Erreichen von mehr Gerechtigkeit. Für sich genommen bewirken sie zuwenig.

Etwas anderes muss hinzukommen, und das ist das Entscheidende:

DIE FÄHIGKEIT EINER SOZIALEN BEWEGUNG IN DER HERRSCHENDEN ÖFFENTLICHKEIT EIN GEFÜHL DER MORALISCHEN EMPÖRUNG ZU ERZEUGEN!

Das ist ein sehr zentraler pragmatischer Aspekt des Erfolges sozialer Bewegungen. Der Feminismus hatte Erfolg, weil es ihm gelungen ist moralische Empörung hinsichtlich des Themas der Diskriminierung der Frau in der Öffentlichkeit hervorzurufen, (m.E. in manchen Aspekten berechtigt, in anderen nicht).

Ich will Roslins Argument, dass hierbei auch eine männliche Instinktdisposition Frauen zu schützen und zu helfen eine gewisse Rolle spielt nicht widersprechen, das spielt sicherlich mit rein, trotzdem greift diese Erklärung m.E. zu kurz.

Der Erfolg des Feminismus erklärt sich darüber hinaus aus einer universell anwendbaren Strategie: Moralische Empörung über Unrecht in der Öffentlichkeit wachzurufen.

Losgelöst von Rationalität und Ethik kann moralische Empörung auch viel Schlechtes bewirken, wenn sie von destruktiven Kräften instrumentalisiert und in die falschen Kanäle gelenkt wird, aber trotzdem ist die Erzeugung eines Gefühls moralischer Empörung für die Beseitigung von Unrecht unerlässlich. Anders geht es nicht. (…)

Die entscheidende Frage lautet also: Wie können gut begründete und berechtigte Anliegen der Männerrechtsbewegung so in die Öffentlichkeit getragen werden, dass hinsichtlich der Formen des Unrechtes unter dem Männer in unserer Gesellschaft zu leiden haben, ein allgemeines Gefühl der moralischen Empörung in der Gesellschaft entsteht?

Ein Gefühl öffentlicher Schande, nach dem Motto: So dürfen wir mit unseren Jungen und Männern doch nicht umgehen.

Darauf sollte in pragmatischer Hinsicht fokussiert werden.

Welche Aktionen, welche Formen von Propaganda sind dazu geeignet?

Völlig ungeeignet ist alles, was ganz im Gegensatz dazu moralische Empörung gerade gegen die Männerechtsbewegung hervorruft: Frauenfeindliche, homophobe, fremdenfeindliche und ultrarechte Einstellungen sind nicht nur allgemein entschieden zu verurteilen und zu bekämpfen, egal wo sie auftreten, sondern sie sind für den Erfolg der Männerrechtsbewegung auch rein pragmatisch in hohem Maße schädlich. Da bin ich ganz mit Arne Hoffmann.

Der Ansatz: Wir zensieren auf unseren Blogs und in unseren Foren gar nichts, weil die Feministinnen ja so viel zensieren ist pragmatisch falsch, geht nach hinten los, führt nur dazu dass die Mehrheit der Vernünftigen von einer kleinen Gruppe Schreihälse vertrieben wird und ein negatives Image in der Öffentlichkeit entsteht – strategisch schlecht!

In pragmatischer Hinsicht sollte es vor allem darum gehen ein Gefühl der moralischen Empörung über Diskriminierungen und Benachteiligungen von Männern in der Öffentlichkeit wachzurufen. Wollt Ihr Erfolg haben, dann strengt Eure Phantasie an und überlegt Euch, was in dieser Hinsicht funktionieren kann.

Konkrete Beispiele von Jungen und Männern, die stark unter bestehenden Missständen leiden, können ein gutes Mittel sein. Ein konkretes Beispiel bewirkt bei vielen Menschen mehr als tausend Statistiken (letztere sollte man als Beleg allerdings auch zur Hand haben.)

Bildliche Darstellungen können sehr effektiv sein.

Propagandistische Aktionen, die aus dem Rahmen des Gewohnten fallen – aber in sympathischer Weise – können hilfreich sein.

Besonders menschenverachtende Zitate von Radikalfeministinnen können angeprangert werden.

Vielleicht ist irgendwer der Meinung, was ich hier gesagt habe, sei doch offensichtlich und ein alter Hut, außerdem zu allgemein und zu wenig konkret. Nun ja, ich hatte bislang einfach nicht den Eindruck, dass Strategiediskussionen in der Männerrechtsbewegung tatsächlich unter der von mir vorgeschlagenen Prämisse geführt werden.

Es ist natürlich auch nicht meine Aufgabe, hierzu ein detailliertes Konzept zu entwickeln.

Ich bin weder Männerrechtler noch Feminist, sondern nur ein linker Gutmensch, der jede Diskriminierung ablehnt, egal ob Frauen oder Männer betroffen sind.

Ich bin übrigens auch nicht der Ansicht, dass alle in unserer Gesellschaft bestehenden Benachteiligungen von Männern nur vom Feminismus herrühren. Manchmal spielen gewisse Varianten des Feminismus eine Rolle, manchmal sind ganz andere Faktoren ausschlaggebend.

Die Männerrechtsbewegung gleicht der feministischen Bewegung sehr darin, dass multikausale Analysen der Ursachen bestehender Missstände nicht so ihre Stärke sind. Für die einen ist es immer „das Patriarchat“, für die anderen immer „der Feminismus“.

Die Wirklichkeit scheint mir doch komplexer. Allerdings teile ich die Ablehnung von misandrischem Radikalfeminismus und Genderfeminismus in ihren Grundlagen wie ihren Auswirkungen voll und ganz.

Meine Wertschätzung für bestimmte Equity-Feministinnen, liberale Feministinnen und Anarcha-Feministinnen beeinträchtigt dies allerdings nicht.

O.K., zurück zum Thema: Mein Vorschlag ist wie gesagt Strategiediskussionen, Öffentlichkeitsarbeit und praktische Aktionen immer bewusst unter der zentralen Prämisse durchzuführen: Wie kann moralische Empörung über Unrecht in der Öffentlichkeit wachgerufen werden? Dabei sind wahrnehmungs- und kommunikationspsychologische Erwägungen von herausragender Bedeutung.

Es mag persönlich befriedigend sein, sich in irgendwelchen Foren auszukotzen, pragmatisch wegweisend ist das nicht. Die Mehrheitsbevölkerung kann nur gewonnen werden, wenn man in für sie nachvollziehbarer Weise an sie herantritt. Das Entstehen einer von der Mehrheitsbevölkerung abgeschotteten Subkultur oder eines elitären Zirkels sollte unbedingt vermieden werden.

Der Radikalfeminismus diskriminiert nicht nur Männer sondern auch Frauen: Frauen, die von sich aus gerne Hausfrauen und Mütter sein wollen, Frauen, die ohne Quoten Karriere machen wollen, Frauen, die ihre Väter, Männer, Söhne, männlichen Freunde lieben, Frauen, die ihre Heterosexualität genießen. Das sollte einbezogen werden. (Nebenbei bemerkt: der Radikalmaskulismus diskriminiert natürlich auch Männer, insbesondere Schwule und Migranten. Auch da gleichen sich die Fanatiker auf beiden Seiten wieder darin, dass sie es noch nicht einmal fertig bringen die jeweils eigene Zielgruppe konsequent zu umfassen.)

Also, worauf ich hinaus will: die Männerrechtsbewegung wäre m.E. gut beraten anstatt frauenfeindliche Einstellungen in den eigenen Reihen zu kultivieren, besser die Frauenfeindlichkeit der anderen Seite deutlich zu machen.

Die meisten Frauen sind keine Parasiten, genauso wenig wie die meisten Männer patriarchalische Gewalttäter. Mütter leiden ebenfalls darunter, wenn ihre Söhne in der Schule scheitern, Selbstmord begehen, Drogen- und Alkoholprobleme entwickeln. Die Interessen von Männerrechtlern und den Müttern von Jungen gehen hier unmittelbar ineinander über. Warum wird das nicht genutzt?

Das Potential, hinsichtlich Intersektionalitäten und thematischer Überschneidungen mit anderen sozialen Bewegungen wird ebenfalls weder theoretisch herausgearbeitet, noch praktisch genutzt.

Die Männerrechtsbewegung weist viele Intersektionalitäten und Bezüge zu anderen Bewegungen auf: Das Thema der Diskriminierung von Jungen hat Bezüge zur Kinderrechtsbewegung, das Thema speziell der Diskriminierung von ausländischen Jungen hat eine deutlich antirassistische Komponente, die Forderung, dass männliche behinderte Gewaltopfer ebenfalls ein Anrecht auf einen Selbstbehauptungskurs haben sollen, überschneidet sich mit Forderungen von Interessengruppen von Menschen mit Behinderung, das Thema der hohen Zahl männlicher Arbeitsunfälle hat eine kapitalismuskritische Dimension, der Kampf gegen die einseitige Wehrpflicht eine potentiell antimilitaristische, – vieles weitere könnte genannt werden.

Vermutlich liegt es daran, dass die politisch heterogene Männerrechtsbewegung einen relativ starken konservativen Flügel hat, dass solche Intersektionalitäten und thematischen Überschneidungen mit anderen sozialen Bewegungen weder theoretisch reflektiert noch im Sinne einer konstruktiven Bündnispolitik genutzt werden. Strategisch klug ist das m.E. nicht – auch nicht, wenn man konservativ ist und sich den Erfolg der eigenen Bewegung wünscht.

Dass die Forderung eines Adoptionsrechts für homosexuelle Paare kein selbstverständliches Anliegen der Männerrechtsbewegung ist, ist auch wieder so eine Inkonsequenz.

Wer Männerrechtler ist, der sollte m.E. jede Diskriminierung und Benachteiligung von Männern kritisieren, und nicht nur bestimmte, die ihm ideologisch in den Kram passen. (Aber jede Diskriminierung ihrer jeweiligen Bezugsgruppe zu kritisieren, das kriegen Männerrechtler ja genauso wenig hin wie Feministinnen.)

Worauf ich hier hinauswill, ist hoffentlich deutlich geworden: Durch Isolierung von anderen sozialen Bewegungen mit sich überschneidenden Themen bleiben viele praktische Möglichkeiten ungenutzt.

Ich finde das interessante Denkansätze und stelle daher den Kommentar hier noch einmal als Artikel ein.