Die große Liebe finden

Die „große Liebe“ ist ein Konzept, nachdem es für „jeden Topf den richtigen Deckel gibt“, den einen Menschen, der wie für einen gemacht ist, und mit dem es wunderbar ist und alles klappt. Sie dürfte eine Idealisierung sein, die auf einem Hormonhoch aufbaut.

Es sei jedem gegönnt und ich wünsche es jedem, dass er den Partner findet, der perfekt zu ihm passt und bei dem beide das Gefühl haben, dass alles ganz einfach und unkompliziert ist. Aber in der Praxis dürfte es meist so sein, dass beide Individuen sind, die eben nicht perfekt sind und ihre Stimmungen und Fehler haben und bei denen man auch bereit sein muss an der Beziehung zu arbeiten und mit denen man gemeinsam Kompromisse eingehen muss.

Es kann gefährlich sein, auf die eine „große Liebe“ zu warten, der, der besser ist als alle anderen und an dem man auch kein Fehl findet. Denn diese Einstellung, dass sich jemand so auf einen ausrichten muss, ist ja bereits selbst ein „Fehl“ der einen hindern wird, selbst ein perfekter Partner zu sein: Kaum ein Mensch wird es schaffen, dass er solchen Erwartungen genügt.

Gleichzeitig klingt „gut genug, dass das Zusammenleben mit ihm/ihr schön ist und man es schafft es gut miteinander auszuhalten“ wahnsinnig unromantisch. Auch eine „normale Liebe“ im Gegensatz zur großen Liebe klingt nicht sehr gut. Man möchte in der Liebe eigentlich keine Kompromisse eingehen müssen, aber gleichzeitig sind Beziehungen etwas, in dem Kompromisse und ein sich auf den anderen Einlassen ungemein wichtig sind. Gleichzeitig ist es wichtig, sich auch nicht selbst aufzugeben oder unterkriegen zu lassen. Was einen gleich zu der zweiten Gefahr bringt: Der Idealisierung einer Person. Das kann so aussehen, dass man eine Person, mit der man noch gar nichts hatte und die man vielleicht kaum kennt, zu seiner großen Liebe erklärt, was sie unerreichbarer macht und eine Person, die einen beispielsweise verlassen hat, zu seiner großen und für anderen unerreichbaren Liebe erklärt, an der sich andere messen müssen und wegen derer man alle anderen aufgibt. Beides würde man im Pickup wohl ebenso unromatisch der „oneitis“ zuordnen, in der es nicht darum geht, dass man sich nicht verlieben soll, sondern darum, dass man nicht eine Frau auf ein Podest heben soll, die man nicht bekommt oder die sich nicht für einen interessiert.

Natürlich passen bestimmte Menschen von Charakter, Interessen und sonstigen Umständen besser zusammen als andere. Und wenn man das Gefühl hat, dass dies für beide so ist und beide einander wertschätzen, warum es nicht „die große Liebe“ nennen?

Was sagt ihr zur „großen Liebe“?

Liebe

Diese Woche soll es durchgängig jeden Tag um ein anderes Thema rund um „Mann &  Frau zusammen“ gehen, einfach freie Assoziationen und Gedanken, anhand jeweils eines bestimmen Schlagwortes. Für neue Ideen und für das Entdecken von Aspekten, die bei spezielleren Texten untergehen.

Weiter geht es mit:

 

Liebe

Wie entsteht für euch Liebe oder was ist Liebe überhaupt? Verliebt sein und Liebe, wo ist der Unterschied? Was ist Liebe überhaupt und ab wann ist es Liebe? Gibt es überhaupt noch Liebe in der heutigen Zeit? Und sollte man sich noch verlieben? Was muss man machen, damit die Liebe bleibt? Lohnt sich das warten auf die eine große Liebe? usw

Beziehungen

Wir reden viel über Vaterrechte und Familienrechte allgemein. Aber vielleicht ist es einfach mal an der Zeit allgemein über Beziehungen zu reden.

Lebt ihr gerade in welchen?

Wenn ja: Warum? Was geben sie euch, was ist der Mehrwert daraus? Seid ihr verheiratet oder wollt ihr heiraten? Wie erlebt ihr euren Partner im Verhältnis zu dem, was ihr sonst über das andere Geschlecht denkt? Seid ihr verliebt? Was muss man machen, damit eine Beziehung hält?

Wenn nein: Warum nicht? Liegt es daran, dass ihr gerade keine interessante Person gefunden habt oder seid ihr eher MGTOW/FGTOW? Was würdet ihr von einer Beziehung erwarten und unter welchen Bedingungen würdet ihr euch darauf einlassen? Was erwartet ihr von einem potentiellen Partner? Was bietet ihr einem potentiellen Partner? Wie wollt ihr vorgehen um einen Partner für euch zu gewinnen?

#Valentinstag

Ich setze ihn ja aus, aber hier ein paar Tweets zum Anlass:

Romantische Liebe: Weltweit und zeitlos oder Erfindung der (westlichen) Moderne?

Gegen evolutionäre Biologie wird gerne angeführt, dass deren Betrachtungen bereits deswegen unzutreffend sind, weil romatische Liebe etwas neues ist, was es früher nicht gab, da habe schlicht die Familie, insbesondere die Eltern die Beziehungen arrangiert.

Dazu gibt es eine interessante Untersuchung, die Legenden und Sagen ausgewertet hat. Das Ergebnis vorneweg:

 

Man sieht also, dass die romantische Liebe weltweit in (alten) Erzählungen eine Rolle spielt.

Aus der Studie zunächst zur Definition, die verwendet wurde:

Harris’s detailed synthesis of previous academic definitions:

1. Desire for union or merger, both physical and emotional

2. Idealization of the beloved

3. Exclusivity (reciprocal)

4. Intrusive thinking about the love object

5. Emotional dependency

6. Reordering of motivational hierarchies or life priorities

7. Powerful empathy and concern for the beloved14

In our view this is an impeccable definition, but for the benefit of our content analysts we also produced a more concrete and accessible version that would not require additional definitions of the key components.
Romantic love is “a feeling expressed in a romantic context between two people; it has a dimension of sexual attraction, even lust, but it is not limited to that; it is an emotion that is typically reserved for only one person (though romantic love is not necessarily inconsistent with sexual promiscuity); it carries the expectation of lasting duration; it involves intense attraction to the beloved’s whole person and is not just about attraction to the body.”

Da wird einem selbst gleich romantisch ums Herz. Der evolutionäre Rahmen wird dabei auch deutlich: Es geht um eine Bindung, die den Sex exklusiv macht und ein gegenseitiges Einstehen für die Aufzucht der gemeinsamen Kinder bewirken soll.

Aus der Studie:

Considered as a whole, our material covers all the attributes of romantic love. “Falling in love” is described as a distinct and recognizable process in tales from regions as diverse as West Africa, Japan, North and South America, the Middle East, Polynesia, China, and Europe. Our instances of intrusive thinking come from cultures so diverse as Hawaii (where a young woman professes to love the King so much that she thinks of him day and night, and even in her dreams, and another woman weeps bitterly because the thought of her absent lover never leaves her); Punjab in northern India (where an enamoured youth cannot eat or sleep for love of a beautiful princess); and the Western Yugur steppe of China (where a boy suffers from “lovesickness” and is eventually cured). Wherever lovers are separated for long, intrusive thinking is attended by pain or Jonathan Gottschall and Marcus Nordlund 461 even despair. This emotional dependence takes on cosmic proportions in a Maori tale of creation where the Sun weeps so hard over his separation from his mistress Earth that his tears eventually turn into oceans. We have also found examples of emotional commitment, empathy, and exclusivity so strong that lovers are either prepared to sacrifice their own lives for their loved ones (as in a Japanese tale) or continue their relationship beyond death (in a tale from the Heiltsuk Nation of British Columbia, two lovers swear that the one who dies first will return to bring the other to the kingdom of the dead). Other examples are more complex. One tale from the Middle East provides a particularly unpleasant example of how strong love can coexist, without apparent contradiction, with moral judgements that seem diametrically opposed to it. A husband loves his wife so much that he is “ready to sacrifice his life to satisfy her whim.” He is, however, also prepared—on the advice of none other than his trusty dog, who has ten wives and controls them all perfectly—to take a heavy stick and give her a good beating across the back because she is too curious about his secrets.

Die entsprechenden Geschichten auszuwerten ist aus meiner Sicht ein interessanter Ansatz und bereits in den uns bekannten Geschichten spielt auch tatsächlich Liebe häufig eine Rolle. Das Liebe eine neue Erfindung ist, ebenso wie Begehren und Partnerwahl, erscheint mir aufgrund der klaren Mechanismen, die wir dafür haben, eine unhaltbare These.

Dazu auch:

Vom Verlassen und Verlassen werden, vom Betrügen und Betrogen werden

Irgendwie gerät er ins Reden über Frauen und Männer. Ich halte mich relativ zurück, eigentlich will ich nach Hause, aber er redet munter vor sich hin. Über seine Vorstellungen zu Beziehungen, über dies und das. Ein Rat an die Jugend quasi. Er ist älter als ich, etwa 10 Jahre. So richtig weiß ich nicht, was ihn zum Reden gebracht hat. Es sollte eher ein kurzes Bier nach dem Geschäftlichen werden.

Eine seiner Thesen gebe ich hier mal wieder:

Man weiß erst, wie Liebe wirklich ist und wie Beziehungen funktionieren, wenn man einmal verlassen hat, und einmal verlassen wurde. Und wenn man einmal betrogen wurde und – auch wenn es nichts ist, worauf man stolz sein sollte –  einmal betrogen hat.

Was sagt ihr?