Leistungen des Feminismus: War Feminismus die Ursache oder nur die Folge?

In Kai’s Text findet sich neben den Fragen noch eine andere interessante Stelle:

Feminismus hat auch Errungenschaften gebracht, die wir Männer so schnell nie hingekriegt hätten. Ein Beispiel? Vaterschaftsurlaub – der für mich schönste Urlaub meines Lebens! Hätte es den Feminismus nicht gegeben, der Rollenbilder in Frage stellt, dann würden wir heute noch als Männer direkt nach der Geburt der Kinder wieder Arbeiten gehen. Einen Tag Urlaub um bei der Geburt dabei zu sein und dann Schwupp, zurück an die Drehbank oder den Schreibtisch. Unsere männlichen Parlamentsheinies hätten hier niemals ein Bedürfnis gesehen, wie auch, definieren doch gerade sie sich als Powermänner, die immer im Parlament oder am Schreitisch sitzen. Somit hat er auch Gruppen wie Manndat und Agens geschaffen, die sich z. B. Fragen zur Männergesundheit stellen, wenn auch erst in Opposition zum Frauengesundheitsbericht. Fairerweise muss man sagen, der Feminismus hat Dinge sowohl zum positiven, wie auch zum negativen verändert und oftmals auch bestehende Sichtweisen zementiert.

Da würde mich insbesondere eine historische Einordnung zum Feminismus interessieren, aber auch eure Meinung dazu.

Nick schrieb an anderer Stelle zu einem ähnlichen Thema:

Liest man feministische Autorinnen aus der Zeit, so gewinnt man eher den Eindruck, es wäre überwiegend um den männlichen Sexdämon gegangen. Dabei insbesonde um dessen schöcklichen Pornografiekonsum, was quasi schon eine Vergewaltigung darstellte. Das war jedenfalls definitiv der überwältigend oft dokumentierte Fokus des damaligen Feminismus.

(Erst 1977 wurde das Gesetz geändert, das einer Frau verbot, ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu gehen – vielen ist echt nicht klar, was damals so alles als “normal” galt!)

Das wird zwar immer wieder kolportiert, aber in der Rechtsgeschichte findet sich dafür leider keine Grundlage.

Gem. BGB von 1896 konnte der Ehemann eine Aufhebung des Arbeitsvertrages seiner Ehefrau beim Vormundschaftsgericht beantragen. Allerdings musste er dazu triftige Gründe benennen, die vom Gericht geprüft werden mussten – man hat schon 1896 die Ehefrau nicht der Willkür des Ehemannes ausliefern wollen.

In der Verfassung der Bundesrepublik von 1949 wurde die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschrieben. Dem Gesetzgeber wurde dabei ins Pflichtenheft geschrieben, bis zum 31.3.1959 das gesamte Gesetzeswerk entsprechend zu entrümpeln (Art. 117 GG). Die regierende CDU (die damals als Frauenpartei galt) lies diese Frist tatenlos verstreichen, somit waren alle entsprechenden Gesetze ab diesem Stichtag ungültig.

Es hätte also gar kein Vormundschaftsgericht den Arbeitsvertrag einer Ehefrau kündigen dürfen. Zumindest in anderen Angelegenheiten haben die Gerichte auch entsprechend entschieden, und ich warte immer noch auf die Bennennung eines einzigen Falles nach dem 31.3.1953, bei dem der Arbeitsvertrag einer Ehefrau durch ein Vormundschaftsgericht gekündigt wurde.

Was zutreffend ist, ist dass das Gesetzliche Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde. Diesem Leitbild zufolge war die Frau für den Haushalt zuständig und hatte ein Recht auf Berufstätigkeit nur soweit diese Pflichten nicht beeinträchtigt wurden. Deshalb durfte aber der Ehemann der Ehefrau die Berufstätigkeit noch lange nicht verbieten, er konnte allenfalls bei Gericht eine Scheidung begehren. Auch hier musste ein Richter der Ansicht des Ehemannes folgen, um eine Scheidung zu bewirken.

Dieses Leitbild wurde sogleich mit der sozialliberalen Koalition 1969 in Angriff genommen, es zog sich nur deshalb bis 1977 hin weil Frauenverbände mauerten (da konnte doch der Ehemann sich einfach eine Jüngere nehmen – so war das auch wieder nicht gemeint, mit dem Zerrütungsprinzip)

Nun tut Feminismus – an vorderster Front Alice Schwarzer – so, als hätte der Anfang/Mitte der 1970er erstarkte Feminismus das “gemacht”. Dabei hat er offenkundig mehr blockiert als gemacht.

Das sieht man auch daran, dass die hier als so bedeutend wahrgenommenen jugendlich-radikalen Neo- bzw. “Netzfeministinnen” sich kaum mehr klassischen “Frauenfragen” widmen, sondern Themen wie Rassismus, Critical Whiteness etc.

Die heutigen Netzfeministinnen haben zumindest einen ungebrochenen Fokus auf “rape culture”, und diesen Fokus haben sie wohl ganz klar direkt von Susan Brownmiller geerbt.

Ich sehe im Westen nichts wirklich Neues.

Des weiteren hatte Nick in einem Kommentar geschrieben:

Es ist halt die Frage, was man alles unter Feminismus subsummieren möchte. Waren unsere Freunde von der Spezialdemokratie vor 1970 feministisch? Mit einer gewissen Berechigung lässt sich das bejahen, allerdings wäre dabei der Begriff anachronistisch – man müsste eher von einer langen frauenrechtlichen Tradition sprechen.

Jedenfalls kann man wohl mit Fug und Recht davon sprechen, dass fast sämtliche Schritte zur rechtlichen Gleichberechtigung in Deutschland auf das Konto der Sozialdemokratie gingen, und zwar vor 1970. Lange bevor irgendwelche Pauerwummen in Latzhosen im Straßenbild sichtabar waren, lange bevor man von einer feminisischen Bewegung sprecen kann.

Auch das “Katholische Mädchen vom Lande” war in den 1960ern ein Dauerthema, es muss heute keine Frau Alice Schwarzer dankbar dafür sein, dass sie studieren darf bzw. durfte. (wo sollten denn sonst plötzlich all die studierenden Feministinnen in den 1970ern her gekommen sein?)

Ein weiteres, wesentliches Feld war das Ende der konservativen Rückbesinnung der 1950er, was sich ebenfalls über die ganzen 1960er hinzog. In sehr vielen Dingen. (Genauer betrachtet gab es schon in den 1950ern eine durchaus präsente Gegenbewegung, und zwar von Männern gegen die Ochsentour “Familienernährer”)

Ende der 1960er gab es endgültig kein Halten mehr. Der (insbesondere: Sexual-) Konsevativismus der 1950er brach vollends zusammen, gerade im Mainstream. Die ’68er neigen generell dazu, dies auf ihr persönliches Wirken zurückzuführen, beim Einrennen offener Tore fühlten diese Bürgerskinder sich als geschichtsmächtige Tabubrecher. Sie begehrten eher gegen ihre überdurchschnittlich konservativen eigenen Eltern als gegen “die Gesellschaft” auf. Klar, dass sich auch Alice Schwarzer et al gerne an diese Selbstmythifizierung dranhängen.

Auf ökonomischer Ebene vollzog sich ein Strukturwandel, hin zur Konsumgüterindustrie und zum tertiären Sekor. Es entstanden immer mehr Jobs, die für Frauen geeignet waren. Auch dies war schon länger am Kochen.

Zusammenfassend lässt sich wohl festsellen, dass die wesentlichsten Punkte:

– Abschaffung der Hausfrauenhehe als gesetzliches Leitbild, als fast letzte noch vorandene gesetzliche Ungleichbehandlung zum Nachteil von Frauen (1969 in Angriff genommen, von Frauenverbänden bis 1977 blockiert)

– Zusammenbruch der konservativen Sexualmoral

– massenhafte Bildungspatizipation von Frauen

– erhöhte Arbeitmarktpartizipation von Frauen

– kultureller Wandel der Weiblichkeitsideale

– kultureller Wandel der Vorstellungen von den Geschlechterrollen in Liebesbeziehungen

..wohl ganz klar _nicht_ von einer nennenswerten feministischen Bewegung initiiert wurden. Sie waren ausnahmlos faktisch schon tief im Mainstream verwurzelt, als die ersten Feministinnen ihre Genossen vom SDS mit Eiern bewarfen. Selbstverständlich gab es damals noch sehr viele Geschlechterkonservative, allerdings wurde die Graswurzelarbeit überwiegend in den 1960ern geleistet – ich würde behaupten, von mehr Männern als von Frauen.

Folgerichtig waren die Hauptthemen des Feminismus der 1970er und 1980er auch nicht die klassischern frauenrechtlichen Themen. Vielmehr arbeitete man sich zuvörderst an dem Sexdämon Mann ab.

Der in den 1970ern aufgekommene Radikalfeminismus hatte seine Berechtigung – aber für was bloß? Na gut, die Reform des §218 kann er sich teilweise auf die Fahnen schreiben, allerdings erscheint es wohl sehr fragwürdig dass man so ewas aus den Nichts innerhalb kürzester Zeit erreicht.

Danach wäre der Feminismus eher eine Folge der bereits eingetretenen Entwicklung und weniger deren Ursache gewesen.

Dazu passend auch noch ein weiterer Kommentar, der die auch häufig diskutierte Frage betrifft, inwieweit Frauen eine Erlaubnis ihres Ehemannes brauchen, um arbeiten zu dürfen:

Die Frage kommt häufiger auf, jetzt hatte Kommentator Homo oeconomicus dazu einen interessanten Kommentar geschrieben:

Obige Aussage ist gängiger Bestandteil feministischer Legendenbildung.

Ich habe vor 1977 geheiratet und meine Frau brauchte keinerlei Erlaubnis meinerseits für ihre damalige Berufstätigkeit.

Vielmehr ging es bis 1958 in der gesetzlichen Regelung um die Vereinbarkeit der Berufstätigkeit der Frau mit ihren Pflichten ” in Ehe und Familie “.

Dies betraf insbesondere die Versorgung der Kinder. Gab es diesbezüglich Konflikte, so konnte der der Ehemann theoretisch über einen von ihm beantragten Entscheid des Vormundschaftsgerichtes eine Berechtigung zur Kündigung des Berufsverhältnisses der Ehefrau erwirken.

Diese Regelung war aber schon in der damaligen Zeit offenbar rechtlich umstritten und wurde in den juristischen Kommentaren dieser Zeit so auch diskutiert ( § 1358 BGB ).

Der bis 1977 gültige § 1356 BGB regelte die Problematik ähnlich, auch hier wurde nicht ein Einverständnis des Ehemannes zur Berufstätigkeit der Ehefrau verlangt.

Der aktuelle Fassung des § 1356 BGB verlangt übrigens nach wie vor von den Ehegatten ” bei der Wahl und Ausübung der Berufstätigkeit……auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie Rücksicht zu nehmen “.

Feministen erzählen heute gerne Geschichten ( HerStory ) über
” damals “, als es den Frauen angeblich ” verboten war, ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu gehen ”

Legendenbildung, die bei ihnen offenbar als ” normal ” gilt !

Am 20. März hat sich @Nick dann im gleichen Strang wie folgt zum Thema geäussert :

>>(Erst 1977 wurde das Gesetz geändert, das einer Frau verbot, ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu gehen – vielen ist echt nicht klar, was damals so alles als “normal” galt!)>>

Das wird zwar immer wieder kolportiert, aber in der Rechtsgeschichte findet sich dafür leider keine Grundlage.

Gem. BGB von 1896 konnte der Ehemann eine Aufhebung des Arbeitsvertrages seiner Ehefrau beim Vormundschaftsgericht beantragen. Allerdings musste er dazu triftige Gründe benennen, die vom Gericht geprüft werden mussten – man hat schon 1896 die Ehefrau nicht der Willkür des Ehemannes ausliefern wollen.

In der Verfassung der Bundesrepublik von 1949 wurde die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschrieben. Dem Gesetzgeber wurde dabei ins Pflichtenheft geschrieben, bis zum 31.3.1959 das gesamte Gesetzeswerk entsprechend zu entrümpeln (Art. 117 GG). Die regierende CDU (die damals als Frauenpartei galt) lies diese Frist tatenlos verstreichen, somit waren alle entsprechenden Gesetze ab diesem Stichtag ungültig.

Es hätte also gar kein Vormundschaftsgericht den Arbeitsvertrag einer Ehefrau kündigen dürfen. Zumindest in anderen Angelegenheiten haben die Gerichte auch entsprechend entschieden, und ich warte immer noch auf die Bennennung eines einzigen Falles nach dem 31.3.1953, bei dem der Arbeitsvertrag einer Ehefrau durch ein Vormundschaftsgericht gekündigt wurde.

Was zutreffend ist, ist dass das Gesetzliche Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde. Diesem Leitbild zufolge war die Frau für den Haushalt zuständig und hatte ein Recht auf Berufstätigkeit nur soweit diese Pflichten nicht beeinträchtigt wurden. Deshalb durfte aber der Ehemann der Ehefrau die Berufstätigkeit noch lange nicht verbieten, er konnte allenfalls bei Gericht eine Scheidung begehren. Auch hier musste ein Richter der Ansicht des Ehemannes folgen, um eine Scheidung zu bewirken.

Dieses Leitbild wurde sogleich mit der sozialliberalen Koalition 1969 in Angriff genommen, es zog sich nur deshalb bis 1977 hin weil Frauenverbände mauerten (da konnte doch der Ehemann sich einfach eine Jüngere nehmen – so war das auch wieder nicht gemeint, mit dem Zerrütungsprinzip)

Nun tut Feminismus – an vorderster Front Alice Schwarzer – so, als hätte der Anfang/Mitte der 1970er erstarkte Feminismus das “gemacht”. Dabei hat er offenkundig mehr blockiert als gemacht.

 

Kais Blogstöckchen: Sag, wie hältst du es mit dem Feminismus?

Kai hat sich ein paar Fragen ausgedacht, die das Verhältnis zum Feminismus betreffen

Also los:

1. Welche große Errungenschaft der letzten Welle des Feminismus empfindest Du als wichtig?

Ich wollte ja schon länger mal einen Artikel zu „feministischen Wellen“ schreiben, weil ich da selbst nicht sicher bin, welche Forderungen da genau wie diesen Wellen zuzuordnen sind. Sind wir noch in der dritten Welle? Oder gibt es schon eine vierte, die interesektionalistisch ist und Frauenrechte quasi nur noch als Randthema hat? Ich bin  da ehrlich gesagt etwas unsicher.

Ich bin auch etwas unsicher, welche Errungenschaften man tatsächlich dem Feminismus anrechnen kann und welche einfach gesellschaftliche Entwicklungen sind.

Grundsätzlich bin ich aber ein Freund emanzipierter Frauen, bin für eine Auflockerung von Geschlechterrollen und dafür, dass beide Geschlechter nicht essentialistisch denken.
Eine Frau, die sich zu oft darauf beruft, dass sie etwas nicht kann, weil sie eine Frau ist stört mich. Nochmehr stört mich das bei einem Mann, der das ernst meint (Aus Spass
sage ich das durchaus auch ganz gerne, der Unterschied wird aber dann deutlich, es ist eher ein aufziehen).
Eine Kollegin erzählte mir, dass es in ihrer damaligen Schulzeit einmal so gewesen wäre, dass alle Jungs ihrer Klasse Freikarten für ein Fußballspiel bekommen hätten.
Daraufhin hätten sie sich beschwert, dass es ja wohl nicht anginge, dass die nur die Jungs bekommen hätten und die Mädchen nichts. Woraufhin auch die Mädchen Karten bekommen  hätten. Jetzt hätten sie das Problem gehabt, dass sie das Fußballspiel nicht interessiert hat, aber sie aus Prinzip hin mussten. Ich finde das richtig und bin froh, dass so  etwas heute nicht mehr passiert.

Ich bin auch froh, dass die meisten jüngeren Leute eine gewisse „Awareness“ haben und sich durchaus als emanzipiert wahrnehmen. Alles, was der  Feminismus in Richtung Gleichberechtigung und Auflösung zu essentialistischer Betrachtungen gemacht hat, finde ich gut

 

„Welche als überzogen?“

Überzogen finde ich so ziemlich alles, was mit den Privilegientheorien, der Deutungshoheit und der Verteufelung von Männern zu tun hat. Die Vorstellung, dass man Geschlecht
quasi ausblenden und beliebig machen können soll, ist schlichtweg nicht realistisch und schlägt über IDPOL und die daraus folgende Spirale hin zu einem „Nicht gut genug“
Feminismus schlicht in eine totalitäre und wissenschaftsfeindliche Ideologie um

2. Welche feministische Forderung (z. B. einer politischen Partei) der letzten 10 Jahre hättest Du auch noch aus heutiger Sicht voll und ganz unterstützen können?

Welche gab es denn da in den letzten Jahren? Alles zur Quote finde ich nicht sehr überzeugend muss ich sagen. Eigentlich fallen mir wenig explizit feministische Aktionen ein.
Innerhalb dieser Zeit hat die Emanzipation denke ich auf alle Fälle zugenommen. Ob dazu aber gerade der Feminismus beigetragen hat und dies in einem positiven Sinne? Ich stehe
etwas auf dem Schlauch.Es wird sicherlich Aktionen gegeben haben, die ich gut heißen kann. Um so feministischer die Gruppe allerdings, die eine Forderung für Frauen
formuliert, um so eher spricht die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die zu dogmatisch im Sinne einer Privilegientheorie formuliert ist.

3. Welche aktuellen feministischen Forderungen findest Du richtig?“

Gleichstellung der Homosexuellen, wenn man das unter Feminismus und nicht Humanismus verbuchen will. Den Gedanken, dass man aufklären muss, dass es auch Lebensformen und  Geschlechteridentitäten neben dem, was man als normal wahrnimmt, gibt und ein werben für diesbezüglicher Toleranz. In der Umsetzung des Feminismus allerdings kann ich mich  damit nicht anfreunden. Allerdings habe ich da auch den reichlich überzogenen Genderfeminismus a la Piratenparteifeministinnen vor Augen.

Gibt es etwas das der Feminismus Deiner Meinung nach noch für Frauen fordern sollte/könnte und was natürlich für Dich gerechtfertigt ist?

Ja, einiges. Die meisten Genderfeministinnen würden es aber nicht als feministische Forderungen wahrnehmen. Ich würde für Frauen fordern, dass ihnen deutlich gemacht wird,  dass sie keine Opfer sind, dass sie nicht 23% weniger verdienen, dass sie weit weniger diskriminiert sind als es ihnen vorgemacht wird.

4. Mit welcher bekannten Feministin glaubst Du, könntest Du ein Bier trinken gehen und Dich mit ihr zivilisiert über Männerpolitik zu unterhalten?

Das ist natürlich eine Frage, wie man bekannt definiert.

Ich glaube, ich könnte mit Alice Schwarzer ein Bier trinken, sie wirkt in Talkshows ja durchaus locker und ihre Zusammenarbeit mit der Bild spricht auch dafür, dass sie im Alter in vielen Punkten nicht so dogmatisch ist, wie früher. Würde ich interessant finden, wie sie da bestimmte  Themen aufnimmt, aber sie hat ihre Millionen, sie ist berühmt, ich traue ihr zu, dass sie abseits der Kamera ein Gespräch führen kann. Ein klassischer Beauvoir-Feminismus hat  ja auch durchaus Ansatzpunkte für eine Männerpolitik („Kinder haben das Pech, dass sie von Frauen erzogen werden“), jedenfalls mehr als der radikale Genderfeminismus, indem  eine Diskriminierung von Männern bereits per se nicht möglich ist.

Ansonsten gibt es ja nicht mehr viele bekannte Feministinnen.

Mit Zana Ramadani könnte ich auch problemlos ein Bier trinken, wenn sie inzwischen nicht radikaler geworden ist. Ich traue ihr zu, dass sie eine Gegenmeinung akzeptiert und als  Herausforderung behandeln kann, sie schien Humor zu haben, aber so gut kenne ich sie auch nicht, da ich sie nur einmal getroffen habe.

Mit welcher Feministin könntest Du das garantiert nicht? Ein Beispiel reicht, gerne aber auch mehr.“

Mit Lantzschi, Wizorek und Co. wäre es denke ich schwieriger. Sie wären denke ich dogmatischer und gerade der Genderfeminismus ist ja schnell beleidigt.

5. Gibt es feministische Gruppe die Du, evtl. auch nur in Teilen, unterstützen könntest?“

Alles im Equityfeminismus, aber der zählt ja nicht. Ansonsten gibt es aus meiner Sicht keinen gemäßigten Feminismus, wohl aber Gruppen emanzipierter Frauen. Dazu muss man in der Regel nur in die Wirtschaft gehen. Vielleicht Gruppen, die sich für Frauen in der dritten Welt einsetzen oder in sehr konservativen Ländern. Wenn eine Gruppe zB Bildung für Mädchen gegenüber der Einstellung, dass sie diese nicht brauchen, weil sie in die Küche gehören und Kinder bekommen sollen, unterstützt, dann würde ich das  unterstützenswert finden

6. Was ist Deiner Meinung nach der größte Fehler des Feminismus gewesen?

Die Abwendung von der Wissenschaft und der Aufbau als Ideologie. Daraus folgen die meisten Fehler des Feminismus.

7. Welche Änderungen im Feminismus würdest Du vornehmen, damit er für Dich „akzeptabler“ erscheint?“

Er müßte sich einer Diskussion öffnen und neuere Forschung aufnehmen. Ich vermute, dass man dann die gängigen Feindbilder nicht mehr aufrecht erhalten könnte. Rape Culture, Privilegientheorie, das Patriarchat, dass müsste man aufgeben.

Interessant wäre ein Wandel, der Männer und Frauen weniger im Gegensatz, also Täter – Opfer oder ein anderes Nullsummenspiel, sieht, sondern eher berücksichtigt, welche kooperativen Ansätze die Geschlechter eigentlich verfolgen könnten und wie man die modellieren müsste damit es für beide klappt.

Mitgemacht haben bisher (wird fortlaufend ergänzt):

Ich denke die üblichen Verdächtigen werden sich sowieso melden, ich bin gespannt, was dabei rauskommt.
Es würde mich aber freuen, wenn Achdomina so wieder aus dem Winterschlaf erwacht, Martins Ansicht würde mich interessieren, ein (zu)langer Text wäre schön oder einer von LoMi wäre schön (bereits ergänzt) und wenn weitere Autoren bei Geschlechterallerlei den Stock auch aufnehmen würde ich mich auch freuen

Schwarzer: Altfeminismus vs. Neufeminismus

Schwarzer fasst die Reaktionen auf die Debatte Schwarzer vs. Schröder zusammen und sieht – keine Überraschungen hier – einen Sieg für ihre Sicht.

Dann folgt ein wenig Gegner-Bashing und das Loben von Unterstützern.

Hatte sie in ihrem offenen Brief an Frau Schröder noch geschrieben:

Ich hätte geschrieben, „dass der heterosexuelle Geschlechtsverkehr kaum möglich sei ohne die Unterwerfung der Frau“. Ich vermute, Sie rekurrieren damit auf den 1975 (!) erschienenen „Kleinen Unterschied“.(…)Aber das war, wie gesagt, 1975, zwei Jahre vor Ihrer Geburt. Seither habe ich schon noch dies und das veröffentlicht. Inzwischen schreiben wir nämlich das Jahr 2010.

Schreibt sie jetzt:

(Er erinnert daran, dass) die feministische Analyse des Zusammenhangs zwischen traditioneller Sexualität und Unterwerfung schlicht eine Selbstverständlichkeit sei in einem Land, in dem zum Beispiel die Vergewaltigung in der Ehe überhaupt erst seit 1997 strafbar ist.

Was sie nun eigentlich vertritt lässt sie offen, scheint aber nunmehr ihre Analyse doch wieder für richtig und weniger veraltet zu halten (Die Vergewaltigung in der Ehe war im übrigen nur nicht als Vergewaltigung strafbar, als Körperverletzung und Nötigung hingehen schon, aber das nur am Rande).

Es ist auch ein schönes Bashing der „Alphamädchen“ von der Mädchenmannschaft dabei:

(Es) können auch die Berufs-Alpha-Mädchen weiterhin nicht einen Satz sagen, ohne zuvor zu versichern, dass sie auf keinen Fall meiner Meinung sind

War vielleicht auf diesen Beitrag dort gemünzt:

Nein, so was. Eine Frau, die es wagt, Schwarzer zu kritisieren. Bitte, damit sollte doch auch Der Spiegel niemand mehr hinter dem Ofen hervor locken können. Das Problem liegt doch an einer ganz anderen Stelle, nämlich an der völligen Gleichsetzung von der Figur Schwarzer und „dem Feminismus“, sowohl von Seiten der Interviewer als auch durch Schröder.

Vielleicht auch nur ein allgemeiner Rundschlag.

Im Anschluss sieht sie Anzeichen für eine neue Debatte und stellt dazu einige Fragen:

Was hat uns der Feminismus eigentlich gebracht? Sind vielleicht gerade manche jungen Frauen eher einem Pseudo-Feminismus auf den Leim gegangen? Einem Pseudo-Feminismus, der uns weismachen will, alles sei möglich: Karriere, Mutterschaft, Leidenschaft? Einen Pseudo-Feminismus, der suggeriert, maximaler Konsum sei der Gipfel der Freiheit und Hyper-Sexualisierung sei der Höhepunkt der Befriedigung? Einem Pseudo-Feminismus, in dem es nur noch um die eigene Karriere geht und Probleme wie die Arbeitslosigkeit anderer oder der religiöse Fundamentalismus in fernen Ländern Spaßverderber sind?

Auch wenn Schwarzer meint, dass es keinen Altfeminismus gibt (klar, wer bezeichnet sich schon gerne als alt?) ist sie damit doch ziemlich genau in der Debatte um alten und neuen Feminismus.

Interessant, dass sie Karriere, Mutterschaft, Leidenschaft nicht für gemeinsam zu verwirklichen hält. Das klingt ja sogar etwas realistisch.

Gleichstellung der Frau als Leistung des Feminismus

In der „Schwarzer gegen Schröder“ Debatte sind die Lager recht geteilt. Erfreulicherweise allerdings erhält Schröder durchaus einiges an Zuspruch. Beispielsweise einen Artikel in der Süddeutschen mit dem Titel „Gewaltige Selbstüberhebung„.

Dort wird Schwarzers Aussage der Feminismus sei „die „“folgenreichste soziale Bewegung des zwanzigsten Jahrhunderts“, der nicht nur Kristina Schröder ihre Karriere zu verdanken habe“ etwas zurecht gerückt:

Zwar stimmt es, dass auch in Deutschland die Frauen erst nach dem Zweiten Weltkrieg rechtlich den Männern gleichgestellt wurden, und es war die sozialliberale Koalition in den frühen siebziger Jahren, die mit einer Reform des Ehe-, Renten- und Arbeitsrechts die letzten Relikte einer formalen Ordnung beseitigte, nach der sich eine Frau nur über ihren Ehemann auf die Gesellschaft beziehen konnte. Eine exklusive Errungenschaft des Feminismus hingegen war diese Entwicklung nicht.

Vielmehr blühte diese weibliche Volksbewegung erst auf, als die Politik ihr längst entgegenkam, als die Wirtschaft auf diese Ressource an Arbeitskraft nicht mehr verzichten wollte, als der freie Wettbewerb alle ständischen, geschlechtlichen und kulturellen Unterschiede längst aufzulösen begonnen hatte. Und doch glauben nach wie vor viele Frauen aus der ersten Generation der voll berufstätigen und selbständigen Frauen – und zu ihnen gehört Alice Schwarzer -, dass der gesellschaftliche Wandel, der sich an ihnen darstellt, von ihnen allein durchgesetzt worden sei.

Natürlich gehört zu jeder neuen Lage auch jemand, der sie nutzt. Viele gesellschaftliche Veränderungen haben eine Komponente, die außerhalb des Handelns und Denkens der vermeintlich wichtigsten Protagonisten liegt. Dennoch muss jemand diese Entwicklung erst einmal vollziehen.

Der Frauenbewegung kam zugute, dass Arbeitskräfte gebraucht wurden und keine andere Wahl bestand als Frauen zu nehmen. Es bestand insoweit auch für Frauen keine andere Wahl als zu arbeiten, auch ein Punkt, der nicht vergessen werden sollte. Die Möglichkeiten der Frau zu arbeiten ist nicht nur ein Kampf der Frauen gegen die Männer, sondern auch ein gesellschaftlicher Kampf gewesen, bei dem Männer die Frauen unterstützt haben und Frauen es als unanständig ansahen auf diese Weise aus der Rolle auszubrechen.

Zudem war dies der Feminismus der ersten Welle. Die zweite Welle, an der Schwarzer beteiligt war, hatte zwar auch noch die Möglichkeit für Frauen zu arbeiten vor Augen, aber eben auch genau das, von dem sich Schwarzer nur unzureichend distanziert hat und was in nicht wenige Teilen des Feminismus noch herrschende Auffassung ist: Zwangsheterosexualisierung, der Mann als Feindbild und potentieller Vergewaltiger, die Homosexualität als Standardzustand des Menschen und heterosexueller Geschlechtsverkehr als Unterwerfung der Frau. Das fängt teilweise bei Beauvoir an und geht über Monique Wittig, die Lesben nicht als Frauen und Frauen als Diener des Patriarchats ansieht, zu Butler, die sich auf Wittig beruft.

Dieser Feminismus hat zur Gleichstellung der Frau meiner Meinung nach wenig beigetragen, sondern eher die Fronten verhärtet. Das Schröder dies, wenn auch sehr vorsichtig anspricht ist nicht zum Nachteil der Frauen. Es bleibt zu hoffen, dass dadurch eine Debatte aufkommt, die zu mehr Wissenschaftlichkeit führt.