Mutterschaft und Kindererziehung als Kostenfaktor im Arbeitsmarkt

In einem Spiegelartikel heißt es

Bei Beförderungen kommen immer noch eher junge Männer zum Zuge als Frauen, insbesondere Mütter werden ungern eingestellt. „Das ist das große Feld der Ungleichbehandlung, das es noch gibt“, sagt Marcus Bodem, Arbeitsrechtler bei Ecovis in Berlin. „Mütter und ältere Mitarbeiter sind nach wie vor im Nachteil.“

Eine erste Einsicht, die man meiner Meinung nach haben müsste, um sich dem Problem zu nähren, ist, dass Frauen, die nach der Wahrscheinlichkeit bald schwanger werden und Mütter in der Tat mit wesentlich höherer Wahrscheinlichkeit tatsächlich einen Nachteil in der Wahl als Angestellter oder für eine Beförderung darstellen.

Ein Umstand verschwindet nicht aus einer Entscheidungsmatrix, wenn man ihn verbietet. Denn die Kosten bestehen nach wie vor fort. Die dann zu treffende logische Entscheidung muss dann einfach bestimmte weitergehende Faktoren berücksichtigen:

Auf der einen Seite stehen

  • Kosten der Entscheidung für eine Angestellte durch Erziehungszeiten etc x die Wahrscheinlichkeit mit der diese Kosten sich verwirklichen: Also etwa die potentiell kürzeren Arbeitszeiten, die geringere Flexibilität bei Überstunden und die Wahrscheinlichkeit eines längeren Aussetzens oder des Wunsches in Teilzeit zu arbeiten x die Wahrscheinlichkeit, dass Frauen diese Kosten verursachen

Auf der anderen Seite stehen

  • Schadensersatzforderungen
  • schlechter Ruf als unmodern
  • Entgehen potentieller Talente

Eine Umgehung lohnt sich wenn:

  • Wenn „Kosten der Entscheidung für einen Angestellten durch Erziehungszeiten etc x die Wahrscheinlichkeit mit der diese Kosten sich verwirklichen“ geringer sind als die Kosten einer Angestellten, dies ist dann der Fall, wenn diese Kosten dort mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit (auch innerhalb der Höhe) anfallen
  • die Schadensersatzforderungen x die Wahrscheinlichkeit, dass diese verwirklicht werden nicht höher sind als dieser Ausfall + die Kosten in Bezug auf den Ruf gering sind + genug männliche Talente vorhanden sind

Die Wahrscheinlichkeit, dass Schadensersatzforderungen geltend gemacht werden können, kann man beispielsweise erhöhen, wenn man die Entscheidung entsprechend begründet und Eigenschaften selektiv gewichtet. Also beispielsweise in dem man bei einem Merkmal, dass eine Person, die man will, besonders gut abschneiden lässt, höher ansetzt.

Faktoren, mit denen man die Rechnung beeinflussen kann, sind daher:

  • Höhere Schadensersatzforderungen
  • Erhöhung der Klagebereitschaft durch Vereinfachungen bei der Durchsetzung
  • Verringerung der Kosten: Beispielsweise indem man Erziehungszeiten herabsetzt oder einer vertraglichen Regelung zugänglich macht (was gegebenenfalls dann wieder Frauen zusätzlich abschreckt)
  • gesellschaftliche Umlegung bestimmter Kosten (wird ab einer gewissen Managementstufe uninteressant)

Eine genaue Berechnung, welche Kosten durch Aussetzen entstehen, wäre interessant, aber politisch wohl höchst inkorrekt. Sie würde aber helfen, die Lage tatsächlich einzuordnen.

Workaholics

Adrian schrieb gestern Folgendes:

Status mag wohl jeder Mann, wie auch immer der aussieht. Aber sich kaputt schuften für mehr Ressourcen, also mehr Geld? Das ist doch wohl eher ein gesellschaftlicher Druck, der da aufgebaut wird. Ich strebe nicht nach mehr Ressourcen. Weil ich (mittlerweile) weiß, dass ich niemanden (keine Frau) durchfüttern muss. Für heterosexuelle Männer sieht die Welt dagegen ganz anders aus.

Ich erwiderte:

Teilweise sicherlich. Es gibt aber in vielen Bereichen Leute, die das nicht als schuften ansehen und bei denen man das Gefühl hat, dass sie lieber auf der Arbeit sind als nicht auf der Arbeit. Workaholics, Perfektionisten, Leute, die in ihrer Tätigkeit aufgehen. Menschen, die “etwas erreichen wollen” oder “etwas sein wollen”. Die Wettbewerb lieben und an den Herausforderungen wachsen wollen. Und die damit vielleicht auch ihren Stand bei Frauen verbessern wollen. Aber das muss gar nicht unbedingt der Fall sein bzw. der Hauptmotivationspunkt. Sie brauchen es auch als Selbstbestätigung

Und:

ich denke die evolutionäre Umsetzung ist einfacher, also nicht so stark in Abhängigkeit von Frauen erfolgt. Also ein von Frauen unabhängiger Wunsch sich im Wettbewerb zu beweisen, Status aufzubauen und in der Hierarchie aufzusteigen. Natürlich kein unbeschränkter Wunsch, aber eben eine Motivation neben anderen Motivationen. Das kann spielerisch ausgetragen werden oder hart, das hängt von den Leuten und der Kultur/dem sozialen Umfeld ab. Das erscheint mir auch evolutionär sinnvoll, weil eine solche Position dann genutzt werden kann, wenn neue Frauen zu einer Gruppe dazukommen. Evolutionär gesehen ist es das beste, gut aufgestellt zu sein und seinen Partnerwert zu erhöhen. Das könnte dann durch kulturelle, soziale und sexuelle Selektion noch mehr ausgebaut worden sein.

Worauf sich dieser Wunsch richtet, auf das private Umfeld, der Wettbewerb als Mitglied oder auch nur Fan einer Sportmannschaft oder eben Karriere wäre dann eine andere Frage.

Sicherlich heizt die Anwesenheit von Frauen den Wettbewerb häufig an. Auch das macht evolutionär durchaus Sinn. es macht aber auch Sinn, dass das passiert, ob die Frau es will oder nicht. Viele Frauen würden sich ja wahrscheinlich durchaus freuen, wenn Männer um sie herum nicht anfangen sich übertragen gesagt auf die Brust zu trommeln und ihr Revier zu markieren, wenn sie dazu kommen.

Da zu ein paar Anekdoten, die ich so mitbekommen habe:

1. Sein liebster Aufenthaltsort scheint das Büro zu sein. Er liebt seinen Job, dessen Herausforderungen, es ist etwas, wo er sich auskennt, wo er angenommen wird, wo Leute ihm Respekt entgegen bringen. Er ist gut in seinem Bereich, aber es kostet ihn auch viel Arbeit. Er hat den Anspruch an sich, immer etwas besser zu sein, noch die eine Problemstellung mehr zu sehen als die anderen, noch einen Schritt weiter zu denken, wie ein Schachspieler immer schon die Reaktionen des anderen eingeplant zu haben und darauf vorbereitet zu sein.

Er ist ein Workaholik und gleichzeitig ein Perfektionist. Etwas mehr feilen an einem Projekt geht immer, wenn sich ein neues Problem auftut, dann begrüßt er es freudig. Wenn es kurz vor Feierabend auftritt, dann ruft er dennoch seine Mitarbeiter dazu, um es mit ihnen zu diskutieren. „Das ist doch mal wirklich spannend!“ bricht es aus ihm während der Erörterungen heraus, die Blicke der Mitarbeiter auf die Uhr entgehen ihm.

Es gibt die Geschichte, dass er mit seiner Frau am Hochzeitstag essen gehen wollte und sie ihm im Büro abholen sollte, wohlweislich, weil er sie sonst immer vergisst, und sie eine Stunde warten musste, bis sie ihn schließlich von etwas loseisen konnte, was er auch am nächsten Tag hätte machen können.

Eine andere Geschichte ist, dass er mitten aus einem Urlaub auf den nordfriesischen Inseln morgens befürchtete, etwas in einem Projekt vergessen zu haben, mit der Fähre aufs Festland, danach einige 100 Kilometer ins Büro.

Die nächste Reise buchte die Ehefrau dann auf die Kanaren. Ein schöner Urlaub sei das gewesen. Am dritten Tag habe sie es auch geschafft ihm das Handy wegzunehmen. Irgendwie musste er ja die Rückreisemöglichkeit kompensieren

2. „Ich nehme im Urlaub immer meinen Laptop mit“ sagt ein anderer Selbständiger, „so etwa 2 Stunden am Tag beantworte ich dann diverse Klientenanfragen. Ich habe das Büro schließlich aufgebaut, es ist mein Name an dem es hängt und die Leute kommen wegen mir. Irgendwie bin ich da ja auch in der Verantwortung und die Leute wollen eben auch, dass sich der Chef um bestimmte Sachen kümmert. Ich mach das dann irgendwann im Laufe des Tages, meine Frau wollte mich erst davon abbringen, aber jetzt hat sie eingesehen, dass ich sonst unruhiger werde. Sie muss mich eben nehmen, wie ich bin“

3. „Wir haben in der Firma ein Überstundenkonto, darauf kann man aber nur X Stunden ansammeln“ erzählt ein Freund. „Danach verfallen Überstunden einfach, damit man nicht zu viele ansammelt“. Wir haben aber genug Leute da, denen das schlicht egal ist. Die könnten auch erst einmal ein paar Monate frei machen, aber irgendwie gefällt ihnen glaube ich der Gedanke, dass sie die Stunden übervoll haben, sie identizieren sich mit dem, was sie machen, es erfüllt sie mit einem gewissen Stolz, wenn sie es nicht wegen des Geldes oder dem Freizeitausgleich machen, sondern, weil sie es wollen und weil sie es gut machen wollen.

4. „Ich habe das ganze Wochenende daran gesessen bis ich es hinbekommen habe, aber jetzt habe ich es geschafft!“ er sprüht vor Energie, trotz seines hohen Alters, während er darauf wartet, dass seine Lösung umgesetzt wird. „Das ist die Zeit, in der man sich lebendig fühlt, wenn man den Stier bei den Hörnern packt, am Wochenende hat man wenigstens mal die Ruhe dazu, alles ist still um einen herum, niemand ruft an, nur man selbst und die Aufgabe. Das ist doch besser als irgendwo vor dem Fernseher zu hocken und sich eine dämliche Show reinzuziehen!“ Dann zieht er weiter, dem nächsten Kollegen von seinem niedergerungenen Stier zu berichten.

5. „Wahre Männer“ sagt er, sich den grauen Bart zwirbelnd „sind lieber auf der Arbeit und schaffen was.  Zuhause bei den Kindern sein, was soll man da? Das soll man man lieber seiner Frau überlassen“ er nickt leicht, sich selbst seine Aussage bestätigend. „Das hat der Kollege X nie verstanden. Der wollte immer früh nach Hause. Wegen seiner Kinder und so. Habe ich nie verstanden, warum das spannend sein soll. Wo da die Herausforderung sein soll. Ist schon besser, dass der gegangen ist. Hätte nicht in meine Firma gepasst“

Wann ist die Arbeit zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt?

Eine Frage, die schwer zu beantworten ist, ist die, wann die Arbeit zwischen den Geschlechtern fair verteilt ist.

Kriterien können sein

  • Reiner Zeitfaktor
  • Anforderungen der Arbeit  (starke körperliche Arbeit, sehr Stressvolle Arbeit etc)
  • Intensität der Arbeit. (eine halbe Stunde kochen kann intensiv sein oder darin bestehen die Fertigpizza in den Ofen zu schieben und dann fernsehen zu schauen)
  • Beliebtheit der Arbeit
  • Flexibilität der Arbeit

Letztendlich bringen diese Faktoren eine hohe Subjektivität in die Bewertung. Wenn jemand lieber einem Bürojob nachgeht als zB bei dem schreienden Baby zu bleiben, ist das dann gerecht verteilt, wenn beide gleich lang beschäftigt sind?

Letztendlich ist die Aufteilung der Arbeiten insofern immer auch Sache der Partner innerhalb einer Beziehung. Wenn beide mit der Aufteilung glücklich sind, ist sie dann per se gerecht? Was ist, wenn  beide die Tätigkeiten nicht tauschen wollten, also meinen, die für sie, aus ihrer Sicht, bessere Arbeit zu haben?

Wann ist eurer Meinung nach die Arbeit zwischen den Geschlechtern gerecht verteilt?

Berufswahl, pränatales Testosteron und Digit Ratio

Eine Studie beleuchtet den Zusammenhang zwischen Berufswahl und pränatalen Testosteron (gemessen über die Digit Ratio) (Dank an Roslin für den Hinweis):

Occupational interests constitute a psychological variable with pronounced sex differences. Whereas males are more interested in things, females primarily take an interest in people. As various studies with mammals and humans documented the role of androgen exposure on sex-typical behavior, we assumed that androgen levels are associated with occupational interests. In our study, we used 2D:4D digit ratio as an indicator of prenatal androgen levels and finger lengths as an indicator of post-pubertal androgen levels. Occupational interests were measured with a standard interest inventory. We hypothesized that finger lengths and ratios indicating high androgen levels are associated with stronger interests in things and weaker interests in people. All measures were gathered using an online interest inventory thereby leading to sufficient statistical power (N = 8646). Results partly confirmed our hypotheses. We found significant correlations between finger lengths and interests in things for males. Moreover, in the case of males we identified significant correlations between finger lengths (positive) as well as digit ratios (negative) with realistic interests and significant correlations between finger lengths (negative) and social interests, which are a marker variable of the people-things dimension.

Quelle: Are occupational interests hormonally influenced? The 2D:4D-interest nexus

Da die beiden Forscher an der Uni Konstanz arbeiten gibt es auch noch weiterführende Aussagen auf Deutsch hierzu:

Die Ergebnisse von Dr. Benedikt Hell und Katja Päßler bestätigen die Geschlechterstereotype von technisch ausgerichteten Männern und sozial engagierten Frauen. „Unsere Ergebnisse führen zu der Implikation, dass wir keine Gleichverteilung der Geschlechter in Studiengängen oder Berufen erwarten können oder gar fordern sollten“, schlussfolgert Benedikt Hell. Die Studie „Are occupational interests hormonally influenced?“ ist in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Personality and Individual Differences“ veröffentlicht.

Gemäß der Ergebnisse von Päßler und Hell ist ein hoher vorgeburtlicher Testoste-ronspiegel mit einem erhöhten Interesse an technischen Gegenständen und Fragestellungen verbunden. Umgekehrt zeigte sich ein Zusammenhang zwischen einem niedrigen vorgeburtlichen Testosteronspiegel und einem erhöhten Interesse am Umgang mit anderen Menschen und sozialen Fragestellungen. „Die Korrelationen zwischen dem pränatalen Hormonspiegel und beruflichen Interessen sind zwar nur sehr geringfügig, lassen sich aber nichtsdestotrotz in signifikanter Höhe nachweisen“, präzisiert Benedikt Hell. Die Zusammenhänge müssen nach Hells Auskunft unbedingt differenziert betrachtet werden: „Die Korrelationen lassen keine Rückschlüsse auf den Einzelfall zu, sondern es handelt sich um Tendenzen in einer großen Stichprobe.“ (…)

Die Ausgangsfrage der Studie knüpfte an einer aktuellen Übersichtsarbeit an: „Wir haben uns gefragt, wie es zu den sehr stabilen, kulturübergreifenden Geschlechtsdifferenzen im sozialen Interesse und im technischen Interesse kommt“, skizziert Katja Päßler die Schlüsselfrage, die sich hinter dem Projekt verbirgt: „Ist dies alles nur Erziehung und Ergebnis der Sozialisation oder spielen vielleicht auch genetische und evolutionäre Mechanismen eine Rolle? Hat eine Spezialisierung der Interessen vielleicht zu unserer evolutionären Fitness beigetragen?“ Im nächsten Schritt ihrer Forschung möchten Päßler und Hell ihre Hypothese an Stichproben untersuchen, die aufgrund eines Gendefekts einen besonders hohen pränatalen Testosteronspiegel aufweisen.

Der Unterschied zwischen den Geschlechtern in Bezug auf einer Vorliebe für Sachen und Personen sind insgesamt denke ich auch sehr deutlich. Männer wollen bei Sachen eher herausfinden, wie sie funktionieren, wären Frauen eher wollen, dass sie funktionieren. Natürlich gilt dies für den Schnitt und es kann Männer geben, die eher weiblich sind und Frauen, die eher männlich sind.

Zusätzlich zu der Unterscheidung zwischen „Sachorientiert“ und „Personenorientiert“ kann auch die Risikobereitschaft die Berufswahl beeinflussen und diese wiederum ebenfalls biologisch bedingt sein:

Women are generally more risk averse than men. We investigated whether between- and within-gender variation in financial risk aversion was accounted for by variation in salivary concentrations of testosterone and in markers of prenatal testosterone exposure in a sample of >500 MBA students. Higher levels of circulating testosterone were associated with lower risk aversion among women, but not among men. At comparably low concentrations of salivary testosterone, however, the gender difference in risk aversion disappeared, suggesting that testosterone has nonlinear effects on risk aversion regardless of gender. A similar relationship between risk aversion and testosterone was also found using markers of prenatal testosterone exposure. Finally, both testosterone levels and risk aversion predicted career choices after graduation: Individuals high in testosterone and low in risk aversion were more likely to choose risky careers in finance. These results suggest that testosterone has both organizational and activational effects on risk-sensitive financial decisions and long-term career choices.

Quelle: Gender differences in financial risk aversion and career choices are affected by testosterone

Ein Teil der klassischen Berufswahlen der Geschlechter wird man mit diesem sehr groben Muster sicherlich gut erklären können. Die Leute überlegen sich eben nach ihren individuellen Vorlieben und Fähigkeiten, was sie gerne studieren / in welchem Bereich sie arbeiten wollen. Dabei werden, wie andere Studien zeigen, die Geschlechterrollen in freieren Gesellschaften eher deutlicher, statt zu verwischen. Selbst (oder vielmehr gerade) sehr emanzipierte Länder wie zB Schweden haben eine strikte Geschlechtertrennung in den Berufen.

Warum enthalten Frauenzeitschriften so viele Sextipps für Frauen?

Aus Sociological Images werden mal wieder Frauenzeitschriften und ihre Inhalte besprochen. Ein Auszug:

But notice how much more the language on Cosmo covers focuses on sex and relationships than Maxim‘s does, with more frequent use of words that explicitly refer to men and/or sex. Of course, those familiar with Cosmo, or most other women’s magazines, know that its headlines about sex make it clear what the point is: various ways to please your man, which translates into increasing your own pleasure. Maxim, on the other hand, focuses less attention on relationships (or health/fitness) and more on money, travel, and pop culture (sports, TV, movies). (…)

I doubt any of you are shocked by his findings, but it’s a nice illustration of the way magazines aimed at women reinforce the idea that our primary goal should be finding, pleasing, and keeping a heterosexual partner to a degree not usually found in men’s magazines.

Das mich das im Feminismus häufig anzutreffende Bild der Frau, die nicht selbst entscheidet, stört, habe ich bereits z.B. in dem Beitrag „Frauen wollen nicht, die Industrie oder Gesellschaft will für sie“ behandelt. Auf Frauenzeitschriften bin ich schon einmal in dem Artikel „Frauenbild und Feminismus: Wie viel eigenes Denken lässt die Gesellschaft zu?“ eingegangen.

Kurz zusammengefasst: Wenn Frauen etwas anderes lesen wollten, dann würden sie es tun.

Die  Frage, die sich nun aber stellt: Warum wollen Frauen Tipps, wie sie ihre Männer sexuell befriedigen können?

Meiner Meinung nach bedienen diese Artikel insbesondere die Illusion einer perfekten Beziehung, bei der sie gerne alles für den Mann macht und zum anderen machen sie Artikel über Sex harmloser und geben „Plausible deniability„, also die Möglichkeit abzustreiten, das man einfach etwas über Sex lesen will. Sexuelle Geschichten sind die Pornos der Frauenwelt und hier werden sie als Weiterbildung getarnt, indem man ein paar Frauen erzählen läßt, welche Tricks sie auf Lager haben. Eine direkte Sexgeschichte würde hingegen zu viel über die Frau verraten und würde sie zu sexuell dastehen lassen. Zudem dient es eben auch dem Selbstabgleich – was mache ich, was machen andere und dem Gefühl etwas verdorben zu sein, wenn man die neusten Sextipps liest. und sich überlegt, wie es wäre sie auszuprobieren. Die einen Frauenzeitschriften sind darauf ausgerichtet, dass sie selbst den Sex mehr genießt (der Vorteil ist offensichtlich), die anderen, dass sie ihren Mann mehr befriedigt (was ihren Wert in der Beziehung steigert und das Bild einer sexuell anziehenden Frau hervorruft) , beides sind schöne Phantasien für den Alltag.

Ich würde also nicht behaupten, dass es darum geht den Frauen ein Ziel zu setzen und sie dazu anzuhalten, ihren Mann zu befriedigen, sondern eher ihnen in sozial verträglicher, auf sie zugeschnittener Form sexuelle Reize zu bieten.

ich bezweifele im übrigen auch, dass Männersextipps nicht auch unter der Überschrift wie „10 Lektionen weiblicher Lust“  oder „Freundin zum Höhepunkt bringen, aber wie?“ verkauft  werden. Den Partner zu befriedigen, für ihn eine sexuelle Erfüllung zu sein, ist denke ich ein Wunsch, der in vielen Partnerschaften besteht. Was aufgrund der Bindungswirkung von Orgasmen durch Oxytocin und anderer Vorteile des Orgasmus auch gut nachvollziehbar ist.

Frauen wollen nicht, die Industrie oder die Gesellschaft will für sie

Susanne Klinger von der Mädchenmannschaft schreibt über ihre Probleme einen nicht gepolstersten Bikini zu finden (gefunden über den Mädchenblog).

Das dies anscheinend nicht möglich ist liegt nicht etwa an den Wünschen der Frauen mit einem gepushten Bikini eine möglichst gute Figur zu machen. Wünsche von Frauen sind im Feminismus selten für etwas verantwortlich, was die jeweilige Autorin nicht gut findet. Der Unterdrückerframe leistet ganze Arbeit:

„Es geht nicht um Schutz, sondern darum, etwas „unsichtbar“ zu machen. (…) Irgendjemand hat ein Problem mit Brüsten, wie die Natur sie wachsen lässt. Weibliche Nippel sollen unsichtbar werden. Und in wattierte Förmchen eingepackt, wird die weibliche Brust normiert. Kleine, große, spitze, hängende, runde, schiefe, lustige oder flache Brüste sieht man immer weniger. Mit Pulli- und T-Shirt-BH sieht jede Brust, die einem auf der Straße entgegenkommt, gleich aus: fest, rund und mittelgroß. So wird Frauen eingeredet, das, was sie schon haben, sei nicht ganz so super wie das, was sie haben können.“

Das es die Frauen selbst sind, die einfach möglichst gut aussehen wollen, klingt nicht an. Die Modeindustrie, so scheint es, ist ebenfalls nicht, wie ich naiv gedacht habe, auf Profitoptimierung aus, sondern möchte Brüste normieren. Das sich ungepolsterte Bikinis einfach nicht mehr verkaufen und es deshalb nicht lohnt sie ins Sortiment zu nehmen? Unwahrscheinlich. Das dieser „Jemand“ die Frauen, die Bikinis kaufen, sind, klingt im Text ebenfalls nicht an.  Stattdessen die Überlegung, dass es an der Zeit ist Bikinis zu verbrennen.

Jetzt könnte man sicherlich darüber reden, warum Frauen ihre Nippel nicht zeigen wollen und pushen. Dabei dürfte die Frage nach dem pushen schnell geklärt sein: Weil ein großer wohlgeformter Busen als attraktiv wahrgenommen wird.

Bei den Nippeln würde ich einmal praktische Gründe anführen: Größer machen und Nippel zeigen wäre kompliziert. Und zum anderen auf die größere Aussagekraft der Nippel abstellen.

Stehende Nippel können zum einen ein Merkmal von Erregung sein. Große Brüste sind ein Attraktivitätsmerkmal, stehende Nippel hingegen haben eine weitergehende Aussage, die die Frau vielleicht nicht tätigen möchte.

Zudem zeigt nasser ungepushter Stoff auch sehr viel. Was auch wieder einen sexuellen Beigeschmack hat. Gerade wenn gepushte Bikinis aufgrund ihrer Vorteile beliebt sind würde sich der Effekt der dann nur bei dieser Trägerin sichtbaren Nippel noch erhöhen. Ebenso würden ihre Brüste im Verhältnis kleiner und in der Form unangepasster werden. Im Krieg der Schönheitsideale entscheiden insofern die Frauen wie weit sie sich in ein Wettrüsten zwingen. Gleiches hatte ich schon zu hochhackigen Schuhen geschrieben. Dabei geht es wie so häufig im menschlichen Bereich darum ein Nash-Gleichgewicht zu finden. Nur ungepushte BHs ist ein solches Gleichgewicht, nur gepushte BHs ebenfalls.

Demnach hat der gepushte Bikini viele Vorteile: Er sendet Attraktivitätsmerkmale und spielt im Verhältnis zu anderen Bikinis die sexuellen Signale etwas herunter. Er vereint also in gewisser Weise den Madonna/Whore-Komplex in sich. Da beides gerade in Kombination eine sehr gewünschte Verbindung ist erstaunt nicht, dass sich der gepolsterte Bikini durchgesetzt hat.

Nachtrag: Der besprochene Beitrag ist jetzt auch bei der Mädchenmannschaft selbst als Blogbeitrag erschienen.

2. Nachtrag: Die Autorin hat ihn auch noch auf ihren Blog gesetzt