Was würden Männer gerne machen, wenn es nicht als „weiblich“ oder „Sozial unakzeptabel“ für ihr Geschlecht angesehen würde?

Ein Artikel nimmt Bezug auf eine wohl bei Reddit aufgetauchte Frage:

In a recent Reddit thread, one user asked,

“What thing would you do if it wasn’t so ‘feminine’ or socially ‘unacceptable’?

Die Frage, was man machen würde, wenn es nicht als „feminin“ oder eben für Männer nicht akzeptabeles Verhalten angesehen würde, finde ich durchaus interessant. Wobei mir erst einmal gar nichts weltbewegendes einfällt. Ich sagte ja schon mal:

Ich glaube zB mich interessiert Klatsch und Tratsch in vielen Bereichen mehr als andere Männer, ich liebe Sahnecocktails mit Schirmchen und ich mag zB Shopping Queen lieber als andere Männer (Guidos Sprüche finde ich herrlich böse).

Aber dennoch wäre ich interessiert daran, was da andere dazu sagen und vielleicht fallen mir dann auch Punkte ein, die ich deswegen unterlasse.

In dem Text werden auch Beispiele genannt:

From wanting to be the little spoon to ordering fruity drinks without being judged, the responses were surprising.

When it comes to the world of male grooming, things have come a long way but there are still some areas that men consider out of bounds.

“It’s a really simple thing, but girls just f***ing smell good,” one user insisted.

“They’re all flowery and fruity and sweet. I wish I could smell like a flowerbed all the time without getting judged.”

Another added, “One night, my girlfriend decided to use one of those face mask things. So, I decided why the hell can’t I make my skin all nice and soft? Now I’m addicted and do them at least twice a week.”

It seems men are giving in to their feminine wiles after all, with one more user admitting he had always wanted hair removal south of the border, “Actually I finally starting going and omg it is amazing. I so should have just swallowed my pride and done this sooner.”

Fashion was also an area of contention for many, specifically the ability to wear yoga pants.

“If I didn’t have a penis I would only wear yoga pants,” one user declared.

Others felt the same, admitting that in spite of their reputation, there’s no shame in wearing leggings.

“I bought some fleece long underwear that are more or less a male equivalent to fleece lined leggings. I told my wife I now 100% understand why she wears yoga pants and leggings at every available opportunity.”

Another agreed saying, “These are amazing. I run in these in some seriously cold weather and my legs don’t feel cold at all.”

It turns out hobbies have a sexual category too, who knew? A surprising number of users confessed that if it wasn’t considered so feminine, they would like to take up sewing or knitting.

One man admitted, “Honestly, I think I’d get into quilting. I think it’s awesome that you can make something like a quilt and give it to someone, who’ll literally wrap themselves in the gift you’ve made them.”

Others concurred, albeit less eloquently, “I’d knit so hard, bro.”

Eine Lust am stricken verspüre ich jetzt ganz und gar nicht. Aber ich könnte zumindest verstehen, dass man, wenn man Lust dazu hat, da als Mann um sein Ansehen fürchtet.

Welche Punkte wären es bei euch?

 

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Feministische Theoriewoche II: „Frauen werden in Geschlechterrollen gezwungen, die für sie schädlich sind vs. Wenn Frauen mehr beteiligt werden, dann wird ihr Anderssein eine Menge Vorteile bringen“

Dieser Beitrag ist Teil der feministischen Theoriewoche Teil 2: Widersprüche im Feminsmus.

Das heutige Thema ist

„“Frauen werden in Geschlechterrollen gezwungen, die für sie schädlich sind vs. Wenn Frauen mehr beteiligt werden, dann wird ihr Anderssein eine Menge Vorteile bringen“ 

 

Frauen sind gleichzeitig Opfer ihre Geschlechterrollen und Gleichzeitig sind diese ihre Stärke.

  • Mit Frauen gibt es keine Kriege, weil sie friedlicher sind (Sie wurden zu Geschlechterrollen erzogen, in denen sie Konflikte meiden und sich nicht durchsetzen)
  • Frauen sind komunikativer und persönlicher, sie setzen sich mehr für Mitmenschen ein (Frauen werden dazu erzogen die Carearbeit zu leisten und sich für alles verantwortlich zu fühlen)
  • Frauen gebären Leben und sind wie eine Mutter zu allen (Über die Mutterrolle werden Frauen unterdrückt)
  • Frauen sind frei von Statusstreben und Machoallüren (Frauen wird anerzogen genügsam zu sein und sie lernen nicht egoistisch oder durchsetzungsstark zu sein)

Ich denke anhand der Beispiele wird deutlich, was ich meine. Theoretisch versucht der Feminismus das wieder abzufangen, in dem er lediglich darauf abstellt, dass es dabei nur um Gruppenperspektiven geht und so Interessen von Frauen eher respektiert werden. Wenn diese dann aufgezählt werden, dann sind wir meist wieder darin, dass etwa diese „mehr Rücksicht auf die Kinderbetreuung nehmen“ während andererorts diese gleich wieder Mittel der Unterdrückung ist.

Lässt sich dieser Konflikt auflösen?

„Geschlechterrollen aufheben“ als Alleinstellungsmerkmal des Feminismus

Gerne wirbt der Feminismus damit, dass man eben auch als Mann Feminist sein soll, weil die Geschlechterrollen auch für Männer nachteilig sind.

In der Vorstellung von Feministen scheint damit der Feminismus die einzige Möglichkeit zu sein, etwas gegen starre Geschlechterrollen zu haben, sie sehen die Geschlechterrollenbekämpfung insofern als Alleinstellungsmerkmal des Feminismus, also als etwas, was man nur erreichen kann, wenn man Feminist ist.

Dass starre klassische Geschlechterrollen Nachteile auch für Männer bringen, dass würde ich durchaus auch so sehen, gerade wenn sie eben essentialistisch gesehen werden, also als verbindlich für alle Männer und Frauen ohne Berücksichtigung des Umstandes, dass es eben auch hier fließende Übergange gibt.

Allerdings ist in dem Paket „Geschlechterrollen aufheben“ für Männer im Feminismus eben noch einiges an „Beiwerk“ dabei, was einem nicht gefallen muss

  • Eine Schuldzuweisung an „Männer“ oder „Männlichkeit“ und ein Framen aller Handlungen in diesem Kontext als Unterdrückung der Frauen
  • Ein Ignorieren von Fakten, die bestimmte Unterschiede erklären
  • Die Zuweisung von „Definitionsmacht“ an Frauen je nach Radikalität bis hin zur Abkehr von wesentlichen Rechtsstaatsgrundsätzen wie der Unschuldsvermutung
  • Sofern man sich dort beteiligen will: Die Aberkennung einer eigenen Möglichkeit der Beteiligung und ein Verweis auf eine „Ally-Position“.
  • Eine Abwertung von geschlechterrollentypischen Verhalten soweit man es mag

Diese Nachteile muss man keineswegs zwangsläufig mitkaufen. Die Idee, dass nur mit Feminismus, geschweige denn mit radikalen Genderfeminsmus eine Auflockerung der Geschlechterrollen erfolgen kann, ist nicht zutreffend.

Man kann auch einfach ohne diese Ideen ein lockeres Verhältnis dazu entwickeln und Leute akzeptieren, die sich dort nicht wiederfinden. Dazu muss man insbesondere keinen Hass auf Leute entwicklen, die sich darin wiederfinden. Wer als Mann nicht nach den Geschlechterrollen leben möchte aber anderseits auch nicht die obigen Nachteile haben möchte, der kann dies durchaus machen. Was ebenso für Frauen gilt. Der Feminismus mag gegenwärtig die Ideologie sein, die damit am meisten wirbt, allerdings macht es ihn gerade in der gegenwärtigen Form deswegen nicht unbedingt zu einer vorzugswürdigen Ideologie.

vgl. auch:

 

Mißtrauen gegen männliche Erzieher

Die Süddeutsche berichtet über Mißtrauen gegen männliche Erzieher:

Da scheint einiges von vorhanden zu sein:

 Es dauerte keine vier Wochen, da sprach ihn eine Mutter an: Es sei ihr, ehrlich gesagt, nicht recht, wenn er ihre zweijährige Tochter auf den Schoß nehme. Sie fühle sich bei dem Gedanken einfach nicht wohl, er, als Mann, mit ihrem Kind. Nichts für ungut. Heute, zwei Jahre später, sagt Daniel: »Das war ein Schock. Ich habe lang gebraucht, mich davon zu erholen.«

Oder:

Es ist nicht lang her, da kam er am Tag nach dem Elternabend in die Kita, in der er arbeitet, und seine Chefin, eine sensible, eine vorsichtige Frau, erklärte ihm, dass er ab sofort die Kinder nicht mehr wickeln dürfe. Wunsch der Eltern. Weil: zu viel Nähe. Weil: zu viel Nacktheit. Florians Kolleginnen zuckten dazu hilflos mit den Schultern. Florian lächelt unsicher und sagt: »Ich habe das so hingenommen. Aber ich habe mich sofort gefragt, welche Verbote wohl als Nächstes kommen.«

Oder:

Zum Beispiel Sascha aus Potsdam. 31 Jahre alt, sehr sanft, er war der erste männliche Erzieher in seinem Kindergarten. »Wenn ich Eltern angesprochen habe, wurde ich anfangs ignoriert, die wollten lieber mit den Kolleginnen reden«, erzählt er. »Und wenn eine Mutter gehört hat, ›Sascha hat heute Ihr Kind umgezogen‹ – dann habe ich eisige Blicke geerntet.« Dabei waren die Kolleginnen froh, ihn zu haben: endlich einer, der mit den Jungs richtig raufte, einer, der selbst den größten Spaß am Rumtoben hatte. »Aber schließlich hat eine Mutter zu meiner Chefin gesagt, der Mann kommt meinen Kindern zu nahe, das ist mir unheimlich, Schluss damit.«

Klingt in gewisser Weise nach einer „Rape Culture- Culture“ also nach einer Kultur, in der Männern leicht ein Mißbrauch unterstellt werden darf und die Furcht davor sehr groß ist.

(„Natürlich“, wird eine lesende Feministin denken „da wir in einer Rape Culture leben verhalten sich Frauen auch so. Es ist ja gerade eine Bestätigung der Rape Culture, dass man den Frauen beibringt, ihre Kinder zu schützen und nicht den Männern, nicht mehr zu vergewaltigen“)

Zu den weiteren Vorurteilen:

Wer sich diesen Job aussucht, muss ein Idealist sein. Für Männer, die Exoten, gilt das erst recht. Aber wenn ein Mann den Sprung wagt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass ihm das Berufsleben nach kürzester Zeit zur Hölle gemacht wird. Die Sorge der Eltern ist immer die gleiche: Könnte der junge Mann, der sich da so freundlich um mein Kind kümmert, finstere Absichten haben? Könnte es sein, dass der den Job macht, weil er sich viel zu sehr für Kinder interessiert? Die Berliner Koordinationsstelle hat eine Untersuchung in Auftrag gegeben, derzufolge vierzig Prozent aller Eltern bei männlichen Erziehern an die Gefahr eines möglichen Missbrauchs denken, bei den Trägern der Einrichtungen, also Geschäftsführern und Vorständen, sind es sogar mehr als fünfzig Prozent.

Jeder zweite hat Bedenken. Das heißt: Männer in Erziehungsberufen sind in Deutschland einem Pauschalverdacht ausgesetzt. Jeder, der mit Kindern arbeitet, so scheint es, könnte im Grunde ein Sexualstraftäter sein. Jeder, der sich mit Kindern balgt, könnte sie unsittlich berühren. Jeder, der Windeln wechselt, kommt Geschlechtsteilen verdächtig nahe. Jens Krabel von der Berliner Koordinationsstelle sagt: »Es kann schon ausreichen, wenn eine einzelne Mutter einen Verdacht gegen Männer als Erzieher oder einen konkreten Mann hegt, um das Thema sexueller Missbrauch in der Kita plötzlich zu einem riesigen Thema zu machen und die Mitarbeiter und anderen Eltern zu verunsichern.«

Also ein schlecht bezahlter Job, bei dem man zwar gesucht wird, aber auch einem sehr starken Anfangsverdacht ausgesetzt ist. Die Männer als beständige Gefahr für die Kinder. Gerade das Durchbrechen der Geschlechterrolle erweckt hier Argwohn: Warum interessiert sich ein MANN für Kinder?

Auch wieder ein guter Grund darauf hinzuweisen, dass Geschlechter nicht essentialistisch zu sehen sind, sondern es natürlich auch Männer gibt, die sich mehr für Kinder interessieren und mit ihnen arbeiten wollen als andere Männer.

Die Angst davor, dass Abweichungen von Geschlechterrollen es unmöglich machen Mann oder Frau zu sein

Eine verbreitete Angst wohl überwiegend aus der konservativen Ecke ist, dass Personen, die sich abweichend von der Geschlechterrolle verhalten, die gesamte Geschlechterrolle zerstören.

Es ist quasi ein „Slippery Slope“- bzw. ein Dammbruchargument:

„Wenn ich akzeptieren muss, dass ein Mann einen Mann küßt, dann küsst bald jeder, wen er will (und bald ist Sex mit Tieren normal/die Ehe nichts mehr wert/das Abendland untergegangen)“

„wenn ein Junge einen Rock trägt, dann müssen bald alle Jungs einen Rock tragen/dann weiß niemand mehr, was er eigentlich tragen soll/dann darf ich auch nichts mehr gegen Transsexuelle sagen, obwohl die krank sind“

Vielleicht übertrieben, aber so in der Art scheinen die Leute ja zu argumentieren.

Eigentlich ist diese Sicht nur vereinbar mit einer Theorie der sozialen Konstruktion der Geschlechter. Sofern man eine biologische Begründung für Heterosexualität, Homosexualität und Transvestiten oder Transsexuelle sieht, bricht der Damm eben nicht so schnell und die Rutsche ist weit weniger glatt.

Ein Homosexueller wird dann eben nicht Heterosexuell und ein Heterosexueller nicht homosexuell. Ein Transsexueller ist dann aus seinen biologischen Gründen so, er wird andere nicht damit anstecken.

Und wenn ein Junge einen Rock trägt, dann wirkt sich das nicht zwangsläufig auf sein sonstiges Verhalten aus. Natürlich könnte man sich auch im Rock als Mann und Frau verhalten.

Die meisten Menschen sind denke ich durchaus in der Lage zwischen etwas, was eine Person macht und der Frage, ob sie das übernehmen wollen, zu unterscheiden. Die meisten werden sich aber schlicht nicht gegen ihre Geschlechterrollen verhalten wollen, weil diese eben eine biologische Grundlage haben.

Insofern kann die Ausgestaltung der Rollen sich verändern, gewisse Grundelemente werden aber bestehen bleiben: Mädchen werden immer noch auf Jungs stehen, die sozialen Status haben und Cool sind, ob sie dies mit Rock machen oder nicht. Jungs werden immer noch auf Mädchen stehen, die schön sind, und ein Bart wird nicht dazugehören.

Deswegen ist es auch nicht schlimm, wenn auf einer Showbühne ein schwuler, transvestitischer Mann mit Bart in Frauenkleidern auftritt und gewinnt. Es wird allenfalls die beeinflussen, die sich auch ansonsten nicht so sicher sind.

Es hindert aber ansonsten niemanden Mann oder Frau zu sein.

Kurz: Mir ist die Angst davor, dass durch solche Abweichungen von den Rollen die eigene Männlichkeit oder Weiblichkeit bedroht wird, nicht verständlich. Vielleicht kann es mir ja jemand hier erklären. Fürchtet man daraus abgeleitete Regeln, die einem ein bestimmtes Verhalten verbieten? Aber das machen beispielsweise zwei Männer, die sich küssen nicht. Man kann als Mann  seine Freundin/Frau/Geliebte/Mätresse oder Barbekanntschaft trotzdem küssen ohne das jemand auf die Idee kommt, denjenigen aufgrund des Umstandes, dass er jetzt, obwohl sich zwei Personen gleichen Geschlechts geküsst haben, eine Person des anderen Geschlechts küsst anzugreifen.

 

Zur Schnittmenge konservativer und feministischer Weltanschauungen

Zwei Kommentare stellten bereits eine Verbindung zwischen einer konservativen Haltung und einer feministischen Haltung dar:

Adrian kommentiere wie folgt:

Und gerade konservative Antifeministen/Maskulisten sind die größten Anwender der Gender-Theorie.

– sie behaupten, eine richtige Frau sei nur, wer die Mutterolle schätzt und zu Hause bleibt
– sie behaupten, ein echter Mann wird man nur, wenn man sich in der Welt bewährt
– sie behauten, man könne Kinder verschwulen

Das finde ich immer wieder witzig:)

Und Nick kommentierte in einem anderen Beitrag:

Darüber reden wir doch hier schon seit Jahr und Tag.

->Unmündigkeitsfeminismus; ->weibliche Unschuld; ->Männlichkeit als Sexdämon etc.

Das ganze konservative Geschlechterbild stellt darauf ab, dass Frauen vielfältiger Kompensationen und eines besonderen Schutzes bedürfen, also als Geschlecht eine Klasse bilden, die außerhalb der nur für Männer geltenden “allgemeinen Regeln” steht.

Aus meiner Sicht kann eine konservative Einstellung in der Tat für Männer sehr schädlich sein:

Sie geht oft mit sehr starren Geschlechterrollen und einem essentialistischen Weltbild einher, welches ein „richtiges“ Verhalten von Männern und auch Frauen fordert und wenig Abweichungen zulässt. Gleichzeitig wird auch aus diesem Lager häufig ignoriert, dass man Menschen, die diesen Idealen nicht entsprechen, nicht beliebig formen kann. Hier vertritt die Evolutionsbiologie aus meiner Sicht ein wesentlich differenzierteres Bild.

Es werden über die klassischen Rollenbilder dann auch Pflichten übernommen, wie eben der Schutz der Frauen vor anderen Männern, deren Sexualität oder allgemeiner Konkurrenz. Insofern hat das Bild der unschuldigen Frau, die von dem weißen Ritter in strahlender Rüstung geschützt werden muss einiges mit dem Bild der unmündigen Frau im Feminismus gemeinsam, deren Situation verbessert werden muss.

Das erklärt auch, warum gerade konservative Parteien wie die CDU viele für Männer nachteilige Zustände aufrechterhalten und Aktionen wie etwa eine Frauenquote dort anklang findet.

Wie sexy ist der Hausmann?

Die Basler Zeitung zitiert ein paar Frauen dazu, wie sexy ein Hausmann ist. Die Ergebnisse sind nicht sehr positiv für den Hausmann:

Die erste Frau schreibt:

Aber Moooment mal. Ist ein Total-Hausvater für eine Frau auch als Mann interessant? Ist er erotisch? Die Doppelmoral lässt grüssen: Einerseits suggeriert das heutige Gesellschaftsbild, der Papi zum Anfassen sei modern und cool. Hakt man aber genauer nach, gelten Hausmänner beim weiblichen Geschlecht als unsexy, wie eine Umfrage unter Basler Frauen zeigt. Ein Mann, der den Tag mit Playmobil spielen verbringt und dessen Entscheidung des Tages darin besteht, ob er Schnitzel oder Ragout einkauft, ringt keiner der Damen Bewunderung ab. Und wo Achtung schwindet, schrumpft auch die Erotik. (…) ie Arbeit eines windelwaschenden Vaters wird – seien wir ehrlich – von den meisten als besserer Ferienjob angesehen. Zwar nimmt er Emanzipation und Chancengleichheit ernst, ein gewisses Mass an Autorität, Macht und Stärke bleibt dabei jedoch auf der Strecke.

Interessanterweise also eine Abwertung der klassisch weilichen Tätigkeiten, für die sie bei einem Mann keine Achtung aufbringen kann. Im Feminismus würde man wohl sagen, dass sie die Abwertung weiblicher Tätigkeiten so verinnerlicht hat, dass sich daraus eine Verachtung entwickelt. Aus meiner Sicht ist es eben schlicht keine Tätigkeit, die einem Mann Status in der Gesellschaft zuweist und ihm Versorgereigenschaften abschneidet. Statt dessen möchte sie – gut vereinbar mit evolutionären Erklärungen – lieber einen Mann, der Autorität, Macht und Stärke ausstrahlt.

Die nächste Frau meint:

Ich will unabhängig sein. Diesen Wunsch nach Unabhängigkeit erhoffe ich mir auch von meinem Partner. Ich möchte ihm später keinen Betrag zur freien Verfügung zahlen müssen, nur weil er nicht mehr arbeitet. Das würde nicht meinem Weltbild entsprechen. Ich mag als Mittzwanzigerin noch etwas idealistisch sein, aber ich bin überzeugt, dass die persönliche Zufriedenheit mit der eigenen Unabhängigkeit zusammenhängt. Mein Partner soll nicht wegen des Haushalts seine Unabhängigkeit aufgeben.

Was von Männern recht selbstverständlich erwartet wird erscheit den meisten Frauen im umgekehrten Fall wenig erstrebenswert und anscheinend auch etwas ungerecht. Sie will in dieser Hinsicht gleichberechtigte Partner, die einander nicht auf der Tasche liegen. Eigentlich ja durchaus eine sehr verständliche Sicht. Mir ist auch eine arbeitende Frau lieber. Allerdings hat man sich als Mann vielleicht auch eher mit der Idee abgefunden, dass ein durchgehendes Arbeiten beider mit Kindern schlicht nur schwer möglich ist. Zu viele Paare, bei denen man schon so etwas hörte wie „wir wollten ja, dass sie schnell wieder einsteigt, aber so einfach ist das nicht, das Kind hatte da eine andere Meinung zu“.

Die nächste Frau sagt:

Will ich ihm denn tatsächlich meine Familie über­lassen? Nein.

Nebst intelligent und liebevoll will ich jetzt auch das: einen Teilzeitmann. Einer, der zwar schöppeln, wickeln und Hausaufgaben erklären kann, gleichzeitig aber am Sitzungstisch genauso einflussreich ist wie im Kinderzimmer. Einer, der sich sowohl um unsere Kinder als auch um seine Karriere kümmert. Einer, der mich manchmal daheim mit den Kindern warten lässt, weil er zu ehrgeizig ist, um früh Feierabend zu machen. Einer, bei dem ich das Gleiche auch mal darf. Einer, mit dem ich auf dem Weg zur Kindertagesstätte über Tagesaktualitäten sprechen und beim Abendessen richtig diskutierten kann. Einer, mit dem ich dann, wenn die Kinder im Bett sind, auch noch etwas anzufangen weiss.

Auch hier also die Verknüpfung von Hausarbeit mit einem geringen Sexappeal. Zwar soll er schon was im Haushalt machen, aber er soll eben auch ein Karrieretyp sein und sie lieber mal warten lassen, weil er zu wichtig im Büro ist.

Und zuletzt:

Ich werde die Kochschürze nicht kampflos auf­geben. So sehr ich meinen Job, das Schreiben liebe, so sehr bin ich überzeugt, dass mein schönster Job, so hoffe ich, noch bevorsteht: Mutter sein, den Haushalt schmeissen, Familienangelegen­heiten managen, dem Partner den Rücken frei­halten. Zumindest für eine gewisse Zeit kann ich mir das vorstellen, sehr gut sogar. (…)  Ganz ehrlich: Ich wäre vermutlich neidisch auf meinen Mann, wenn er all diese Aufgaben übernehmen würde. Es gibt Frauen, die das Gleiche wollen wie Männer. Arbeiten, Karriere machen, Anerkennung im Job. Das ist legitim. Ich bleibe bei meiner vielleicht doch eher konservativen ­Einstellung – ein Hausmann kommt mir nicht ins Haus. Und falls doch, werde ich ihn höchstper­sönlich umschulen.

Auch ein Bild, dass im Feminismus zu wenig beachtet wird: Die Frau, die die Rollenverteilung gut findet und gar nicht tauschen möchte.

Insgesamt scheint der Hausmann wenig begehrt zu sein, dass deckt sich mit anderen Ergebnissen, die hier bereits mal besprochen worden sind.