Familienrecht in Norwegen

Leser Revolte schreibt etwas zum Familienrecht in Norwegen:

Abgesehen von der soweit bekannt in Frankreich praktizierten juristischen Abtreibung hat überdies Norwegen Bedingungen, von denen deutsche Väter nur träumen können:

1) Null Betreuungsunterhalt für nichteheliche Mütter. Die deutschen Regelungen rufen völligen Unglauben bei Norwegern hervor

Das wäre ja in der Tat eine interessante Sache. Allerdings würde mich interessieren, wie es dort konkret abgewickelt wird. Gibt es bei kleineren Kindern staatliche Gelder oder Arbeiten die Mütter sofort wieder?

2) Das “gewöhnliche” Umgangsrecht ist per Gesetz (!) ganz konkret geregelt: Jede Woche einen Nachmittag plus alle 2 Wochen ein ganzes Wochenende, 2 Wochen im Sommer, Weihnachten oder Ostern, eine Vorschrift bei Änderungen rechtzeitig Bescheid zu geben.

Das finde ich auch überfällig: Eine klare Regelung, die per Gesetz eintritt. Ich hatte etwas ähnliches ebenfalls vorgeschlagen. Allerdings würde mich auch hier die Abwicklung interessieren. Was passiert, wenn das Kind nicht herausgegeben wird? Was, wenn jemand meint, dass das Kind bei dem anderen nicht gut betreut wird? (dazu kommt ja unten was) Was bei Beeinflussungen durch einen der Elternteile?

3) Alle Fahrtkosten werden zwischen den Eltern geteilt.

Auch keine schlechte Regelung, wobei  auch da der Teufel im Detail steckt: Was, wenn einer der beiden die Kosten schlicht nicht tragen kann?

4) Die Kinder haben das Recht, grundsätzlich mitzuwirken. Ab 7 Jahren Kindesalter ist das Vorschrift. Ab 12 Jahren hat der Kindeswille ausdrücklich grosses Gewicht.

Das ist im Prinzip ja auch in Deutschland so. Nur eben weniger ausdrücklich geregelt, das Familienrecht in Deutschland ist erstaunlich viel richterliche Ausformung und Ausgestaltung. Auch hier würde sich die Frage stellen, wie mit beeinflussten Kindern umgegangen wird

4) Eltern mit Kindern unter 16 Jahren müssen vor einer Eheaufhebung und jedem Verfahren zum Sorge- oder Umgangsrecht eine Schlichtung machen und haben darüber ein Attest vorzulegen. Persönliche Anwesenheit ist vorgeschrieben, man kann keinen Anwalt hinschicken. Mindestdauer Schlichtung: Drei Stunden.

Das ist ein interessanter Ansatz, kann aber, wie man an den Kritiken zum Jugendamt sieht auch eine ziemliche Tortur für die Eltern sein. Im Nachbarschaftsrecht hatte man ähnliches eingeführt, aber meines Wissens nach sind die Schlichtungstermine nicht so ergiebig. Natürlich versucht auch der Richter zu schlichten und eine Vereinbarung zu treffen und auch Rechtsanwälte im Vorfeld. Wenn die Gespräche vernünftig und fair geführt werden, dann kann ich mir allerdings schon vorstellen, dass das was bringt.

5) Weitere Schlichtungen, wenn das ein Richter für nötig hält.

Hier würde man sie in einem Vergleich verpflichten, sich an eine Beratungsstelle zu wenden.

6) Das Gericht kann ein Zwangsgeld festsetzen, das jedesmal verwirkt ist, wenn das Umgangsrecht nicht eingehalten wurde – ohne weitere Entscheidung.

Kann das Gericht neuerdings in Deutschland auch, wird aber von den Gerichten sehr, sehr zurückhaltend gemacht.

7) Ehen können vom Fylkesmann oder dem Gericht aufgehoben werden. Es ist eine Aufhebung, keine Scheidung. Danach sind beide “ledig”, nicht “geschieden”. Kein Anwaltszwang, keine Gebühren beim Fylkesmann.

Auch eine gute Idee. Gerade bei Ehen kurzer Dauer muss man eh nicht viel Regeln. In Deutschland allerdings etwas komplizierter, da ja bei Ehen über drei Jahren noch die Rentenanwartschaften geteilt werden. Könnte natürlich auch jemand anders, zB der Notar regeln oder eben ein anderer Staatsdiener. In Deutschland gibt es theoretisch auch eine Aufhebung, aber sie kommt so gut wie nie vor.

8) Unterhalt für Kinder grundsätzlich nur bis zur Volljährigkeit.

Das muss man dann mit einem Bafög-System oder einer staatlichen Förderung in der Ausbildung verknüpfen, scheint mir aber kein schlechter Ansatz zu sein.

9) Kindesunterhalt wird dort versteuert, wo er landet – beim Berechtigten, nicht beim Pflichtigen.

Im Deutschland also beim Kind? Das würde natürlich hübsche Freibeträge eröffnen. Ich vermute aber mal, dass es in Norwegen derjenige ist, der das Kind betreut. Hätte auch etwas.

10) Berücksichtigung beider Elterneinkommen beim Kindesunterhalt.

Halte ich, wie hier bereits gesagt, auch für dringend erforderlich. Dass das Einkommen des Erziehenden bis zum 18. Lebensjahr quasi keine Rolle spielt ist eine sehr starke Einschränkung.

11) Natürlich gemeinsames Sorgerecht, egal ob die Eltern verheiratet waren oder nicht. Recht auf Erziehungsurlaub auch für nichtverheiratete Väter.

Ja, warum sich die Leute das so querstellen verstehe ich auch nicht. Zur Not kann immer noch eine Zuweisung des alleinigen Sorgerechts beantragt werden, wenn es nicht klappt.

12) Für Unterhalt an den Ehepartner gilt teilweise das Schuldprinzip. Kein Unterhalt an Ehebrecher.

Dazu hatte ich in dem Artikel „Zerrüttungsprinzip und Schuldprinzip“  schon einmal was geschrieben. Auch in Deutschland gibt es ja noch Reste des Schuldprinzips und bei Ehebrechern kann man, wenn diese aus intakter Ehe ausbrechen, den Unterhalt kürzen oder er kann ganz wegfallen (siehe Artikel)

Quellen
– Bergmann/Ferid/Henrich, Internationales Ehe- und Kindschaftsrecht, Teil XIII, Stand: 30.9.2004, S. 72 ff.
– Deutsche Botschaft Oslo http://www.oslo.diplo.de

Ich habe die Quellen nicht überprüft, wer sich im norwegischen Recht auskennt, kann dazu gerne etwas sagen. Interessante Regelungen sind jedenfalls dabei

 

Weibliche Partnerwahlkriterien

Auf dem immer wieder einen Besuch werten Blog von Erwin Schmidt findet sich eine interessante Passage zu weiblichen Partnerwahlkriterien auf dem BuchMale, Female“ von David Geary:

 

Because preferences cannot always put into practice, a woman’s preferred marriage partner and her actual marriage partner are not typically the same. Social psychological studies of explicit and implicit preferences – for instance, preference for an attractive face without conscious awareness of why it is attractive – are thus an important adjunct to research on actual marriage choices. These preferences are less constrained by the competing interests of other people and capture the processes associated with the social and psychological mechanisms that can influence reproductive decisions and behaviors (Kenrick, Sadalla, Groth, & Trost, 1990). Preferences can nevertheless be influenced by social and sexual dynamics in the local community (Kenrick, N. P. Li, & Butner, 2003), by wider economic and social conditions, and by the individual woman’s attractiveness as a mate; attractive women demand more from their mates (Pawlowski & Jasienska, 2008). To complicate matters further, not all preferences are equal; some are necessities and others are luxuries (N. P. Li, Bailey, Kenrick, & Linsenmeier, 2002). To examine this further, I begin with a discussion of the sex difference in preference for a culturally successful mate and then turn to mate-choice trade-offs and wider influences.

Culturally Successful Men. Women throughout the world indicate that men’s cultural success or attributes that are likely to lead to success (e.g. ambition) are necessities when it comes to their preferred marriage partners (D. M. Buss, 1989; N. P. Li et al., 2002). One of the largest studies ever conducted on women’s and men’s preferences included more than 10,000 people in 37 cultures across six continents and five islands (D. M. Buss, 1989). Women rated „good financial prospect“ higher than did men in all cultures. … The magnitude of the sex difference was smallest in Eastern Europe, but even here two out of three women rated good financial prospect as more important in a prospective marriage partner than did the average man. For the remaining regions of the world, from three out of four to five out of six women rated good financial prospect more highly than did the average man. In 29 samples, the „ambition and industriousness“ of a prospective mate were more important for women than for men , presumably because these traits are indicators of his ability to eventually achieve cultural success. In only one sample were men’s ratings significantly higher than those of women, the Zulu of South Africa; this may reflect the high level of physical labor (e.g., house building) expected of Zulu women.

Hatfield and Sprecher (1995) found the same pattern for college students in the United States, Japan, and Russia. In each of this nations, women valued a prospective mate’s potential for success, earnings, status, and social position more highly than did men. A meta-analysis of research published from 1965 to 1986 revealed the same sex difference (Feingold, 1992). Across studies, three out of four women rated socioeconomic status as more important in a prospective marriage partner than did the average man. Studies conducted prior to 1965 showed the same pattern (e.g., Hill, 1945), as did a survey of a nationally representative sample of unmarried adults in the United States (Sprecher, Sullivan, & Hatfield, 1994). Across age, ethnic status, and socioeconomic status, women preferred husbands who were better educated than they were and who earned more money than they did. Buunk, Dijkstra, Fetchenhauer, and Kenrick (2002) found the same pattern for women ranging in age from 20s to 60s.

Women’s preference for culturally successful men is also found in studies of singles ads and popular fiction novels. In a study of 1,000 „lonely hearts“ ads, Greenlees and McGrew (1994) found that British women were 3 times more likely than British men to seek financial security in a prospective marriage partner. Oda (2001) found that Japanese women were 31 times more likely than Japanese men to seek financial security and social status in a long-term partner. Muslim women sought educated and financially secure partners who were tall, emotionally sincere, and socially skilled (Badahdah & Tiemann, 2005). Young women (younger than 40 years) in Spain wanted both financial success and physical attractiveness in a prospective mate (Gil-Burmann, Pelaez, & Sanchez, 2002); older women retained their desire for financial success but valued physical attractiveness less highly than did younger women. Whissell (1996) found the same themes across 25 contemporary romance novels and 6 classic novels that have traditionally appealed to women more than men, including two stories of the Old Testament written about 3,000 years ago. In these stories, the male protagonist is almost always an older, socially dominant, and wealthy man who ultimately marries the woman.

As in traditional societies, marriage to a culturally successful man can have reproductive consequences for a woman in modern societies. Bereczkei and Csanaky (1996) studied more than 1,800 Hungarian men and women who were 35 years of age or older and thus not likely to have more children. They found that women who had married men who were older and better educated than themselves had, on average, more children, were less likely to get divorced, and reported higher levels of marital satisfaction than did women who married younger and / or less educated men.

Trade-Offs. Women’s preference for culturally successful partner is highlighted when they must make cost-benefit trade-offs between a partner’s cultural success versus other important traits, such as physical attractiveness (N. P. Li, 2007; N. P. Li et al., 2002). When their „mate dollars“, so to speak, are limited, women spend more of them on the social status and resources of a long-term partner than on other traits. When they have additional mate dollars, they spend proportionally less on status and resources and more on the peronality traits of this mate (e.g., his friendliness). … Unmarried women on a tight budget allocate more mate dollars to the resources or social standing of a prospective mate than do men, but the magnitude of the sex difference declines as budgets becomes flush. In yet another study, college women reported the minimally acceptable earning potential of a prospective husband was the 70th percentile; on the basis of earning potential alone, 70% of men were eliminated from the pool of potential marriage partners. The corresponding figure for college men was the 40th percentile (Kenrick et al., 1990).

Once a prospective mate has achieved the minimal social standing, additional resources and status yield dimishing results. Kenrick, Sundie, Nicastle, and Stone (2001) found that desirability of man as marriage partner increased sharply as his income rose from low- to an upper-middle-class level (about 100,000$) and then leveled off. An increase in a man’s income from $ 25,000 to $ 75,000 per year resulted in a substantial increase in his desirability, but increasing his income from $ 100,000 per year to $ 300,000 per year had little effect.

Es sind also sozialer Status und Ressourcen, die jeweils die weibliche Partnerwahl beeinflussen, wobei Zugang zu Ressourcen (=Geld) natürlich üblicherweise auch einen höheren Status bedingen. Allerdings machen sich diese Effekte insbesondere bemerkbar beim Unterschied zwischen niedrigen Einkommen und mittleren Einkommen. Bei höherem Einkommen hingegen nahm die Attraktivität nicht mehr stark zu (letzeres insbesondere im Widerspruch zur radikalmaskulistischen Ausbeuterthese)

„Nicht einmal ein Viertel der Frauen findet einen Hausmann erstrebenswert“

Ein Spiegelartikel beleuchtet die Beliebtheit des Hausmannmodells:

In den Familien stößt das Rollenkarussell allerdings auf weniger Gegenliebe, als man vermuten könnte. Das ist ein Ergebnis der jährlichen Familienstudie des Hausgeräteherstellers Vorwerk. Demnach können sich nur 48 Prozent der Frauen und 40 Prozent der Männer vorstellen, dass der Mann im Beruf einen Gang zurückschaltet, um seiner Frau eine bessere Karriere zu ermöglichen. Irritierend: Nicht einmal die Hälfte der Frauen wünscht sich eine andere Rollenverteilung.

Eigentlich wenig irritierend. Es ist ein Trend, der sich durch diverse Umfragen zieht. Viele Frauen sind durchaus zufrieden mit der Rollenverteilung, ebenso wie viele Männer. 

Im Jahr 1993 erschien das mehr Befragten als gute Idee, nämlich 54 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer. Damit ist der Rückgang bei Frauen fast ebenso stark wie bei Männern.

Auch die Bereitschaft der Männer, halbtags zu arbeiten, damit ihre Partnerinnen überhaupt einem Beruf nachgehen können, ist leicht gesunken. Ein völliger Rollentausch erscheint knapp der Hälfte der Männer sogar ganz ausgeschlossen. Allerdings findet auch nicht einmal ein Viertel der Frauen einen Hausmann erstrebenswert.

Da wird der Feminismus sicherlich schließen, dass diese Frauen eben zu sehr in ihrer Rolle aufgegangen sind und sich wegen dieser patriarchischen Gehirnwäsche nichts anderes vorstellen können. Dass Frauen immer wieder entsprechende Wünsche bzw. Ablehnungen äußern und der Hausmann eben wenig Status hat, erscheint dort wohl wenig einsichtig.

Auch hier muss man die Wechselwirkung beachten, die im Feminismus stets ausgeblendet wird: Wenn Frauen keine Hausmänner wollen, dann lohnt es sich für Männer nicht Hausmann zu sein. Wenn weniger als ein Viertel der Frauen einen Hausmann interessant finden, dann schließt ein Mann mit der Bereitschaft für diese Rolle und deren Übernahme einen großen Teil potentieller Kandidatinnen für sich aus. Geht seine Ehe schief, sind seine neuen Chancen eine Frau zu finden, die wieder einen Hausmann will deutlich geringer als wenn er seinen Job behält. Eine in Hinsicht auf eine Scheidung freiere Gesellschaft kann insofern auch Geschlechterrollen stabilisieren, wenn sie dazu führt, dass Menschen sich eine Entscheidung besonders gut überlegen, die für sie wenig interessant ist. Das gilt natürlich auch für die Frauen, die befürchten müssen, dass sie dann zu Unterhaltszahlungen herangezogen werden und ihre Kinder nur für Umgang am Wochenende sehen, wenn es nicht klappt. 

Folgt man der Umfrage, stehen im Vergleich mit den neunziger Jahren generell viele Zeichen weiblicher Eigenständigkeit weniger hoch im Kurs. So etwa, dass sich voll berufstätige Paare die Hausarbeit teilen, dass Männer auch mal weniger verdienen als ihre Partnerinnen, oder Paare bei der Heirat den Geburtsnamen der Frau annehmen.

Das Männer weniger verdienen als ihre Partnerin steht also nicht hoch im Kurs, ebenso wenig, dass man den Namen der Frau annimmt. Beides evolutionär durchaus erklärbar: Einmal über schlechte Versorgereigenschaften und geringeren Status, das andere Mal wie in dem Artikel bereits ausgeführt. 

Nach wie vor ticken Männer und Frauen sehr unterschiedlich, wenn es um das Verhältnis von Partnerschaft und Beruf geht. So würde die Hälfte der Frauen in eine andere Stadt ziehen, damit ihr Mann dort eine neue Stelle annehmen kann. Umgekehrt käme das aber nur für ein Viertel der Männer in Frage.

Da der Mann üblicherweise der Hauptverdiener ist, ist es verständlich, dass man sich eher nach seinem Job richtet. Vielleicht auch noch eine Nachwirkung der Patrilokalität.

Hausarbeit ist immer noch Frauensache – das ist angesichts der anderen Ergebnisse fast schon folgerichtig. 80 Prozent der Mütter sehen die Hauptlast der Familienarbeit bei sich, die meisten Männer würdigten das aber auch ausreichend.

Da scheint also eine gewisse Einigkeit zu bestehen. 

Immerhin ist die Elternzeit beliebt, immer mehr Befragte können sich eine Elternzeit des Mannes vorstellen. Binnen zwanzig Jahren ist der Anteil unter den männlichen Befragten um elf Prozentpunkte gestiegen, auf jetzt 44 Prozent. Außerdem scheint es nicht viele Männer zu geben, die nach der Geburt eines Kindes vor dem Babygeschrei ins Büro flüchten. Nur acht Prozent der Mütter berichten, dass ihre Partner dann ihr Arbeitspensum erhöht hätten.

Im ganzen also anscheinend durchaus eine gestiegene Familienbezogenheit der Männer.

Der Spiegelartikel wertet noch wie folgt:

Wie die Ergebnisse politisch zu werten sind, ist freilich Ansichtssache: Man kann sie als Rückkehr zu einer probaten Verteilung der Aufgaben in den Familien werten. Oder als Resignation in einem gesellschaftlichen Kampf, in dem Frauen es leid sind, immer wieder gegen gläserne Decken zu stoßen.

Sicherlich beides im Prinzip möglich: Warum allerdings die Frauen es eher leid sein sollten bei sich verbessernden Verhältnissen und allseits geführten Quotendiskussionen wird nicht gesagt. 

 

Arbeitsteilung bei Kindererziehung und der Wunsch nach guter Förderung der Kinder

Tom174 schreibt in einem Kommentar zu der Frage der Betreuung der Kinder durch die Eltern und die Frage der externen Betreuung:

Inzwischen ist es meist recht einfach Betreungsplätze zu finden. Das ist schon etwas Luxus. Allerdings kann ich mir für meine Kinder wenig besseres vorstellen. Es muss da einen Mix geben, auch die Peer Group ist für die kleinen wichtig. Wenn ich mir unseren Kindergarten so anschaue.. Der ist nicht wirklich gut. Von Förderung kann da keine Rede sein, das ist mehr ein Kinderabstellplatz als echte Betreuung. Trotzdem gingen meine Kinder da vormittags hin, eben um mit und durch die anderen kinder zu lernen. Das musste aber dann die ersten 2.5 Jahre (pro kind) echt nicht sein. Jup, wir leisten uns da eine sehr teure Erzieherin, würde meine Frau voll arbeiten… aber das ist egal. Wir vier sind so glücklicher, und zwar allesamt.

Er hatte ja auch zuvor dargestellt, dass er eher Hauptverdiener der Familie ist. Das ist ein gutes Beispiel, dass es eben in der Tat nicht selten von beiden Eltern als das Beste für die Kinder angesehen wird, wenn einer, und dann meist die Frau, die erste Zeit aussetzt. Es stehen dann nicht die Aspekte „wer verdient wie viel und wer beutet den anderen aus“, sondern eher der Aspekt „wie wollen wir unsere Kinder aufwachsen sehen, wie fördern wir sie und wie teilen wir uns das auf“. Also ein Miteinander im Interesse der Kinder und nicht ein gegenseitiges Belauern, wer mehr Leistung erbringt. Wenn man es aufteilt, dann muss eben auch die Folge sein, dass derjenige, der beruflich zurücksteckt eine gewisse Versorgung erhält.

Meiner Meinung nach wird gerade in dem radikalen Teil des Maskulismus zu häufig darauf abgestellt, dass die Frau quasi den Mann erpresst für ihn zu arbeiten und er dies eigentlich gar nicht will, sie sich also quasi als Parasit an ihm bereichert. Tatsächlich entspricht diese Sicht jedenfalls für die meisten Ehen eher einer Wahnvorstellung bzw einem Feindbild gegen Frauen, denn viele Männer wählen innerhalb der funktionierenden Beziehung ganz bewusst diese Vorgehensweise, weil sie sie für die Beste für ihre Kinder halten.

„Fast zwei Drittel aller Männer in Deutschland finden, dass es mit der Gleichberechtigung mittlerweile reicht“

Der Spiegel berichtet über eine Studie zur Situation der Geschlechter mit einem Hauptaugenmerk auf Männern. Die Studie selbst findet sich hier.

Aus dem Artikel:

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: 64 Prozent der Männer sind der Meinung, dass es mit der Gleichberechtigung der Frauen in Deutschland mittlerweile reicht. Ein Teil von ihnen – 28 Prozent – findet sogar, dass bei der Gleichberechtigung übertrieben wird. Und sechs Prozent der Befragten fühlen sich bereits benachteiligt.

64 % die meinen, dass Gleichberechtigung herrscht und weiteres zuviel wäre, dass ist durchaus ein großes Potential für eine Männerbewegung. Wobei dann eben auch die Meinung vorliegen müsste, dass man verhindern sollte, dass es mehr wird.

Zur beruflichen Situation das Folgende:

Laut der Studie steht für viele Männer die Karriere im Vordergrund, der Hausmann ist dagegen ein Exot:

  • Teilzeit kommt für 62 Prozent der Männer nicht in Frage
  • 66 Prozent der Frauen wünschen sich jedoch, dass Männer viele Aufgaben im Haushalt und der Familie übernehmen
  • Andererseits ist es für 52 Prozent der Frauen aber weiterhin auch sehr wichtig, dass Männer im Beruf erfolgreich sind

Frauen stellen also doppelte Ansprüche an Männer – und überfordern sie damit offenbar. Jeder dritte Mann gab bei der Befragung an, den an sie gestellten Erwartungen nicht gewachsen zu sein. Bei den Singles hatte sogar jeder zweite Befragte dieses Gefühl.

Man beachte, das es für 52% der Frauen sehr wichtig ist, dazu können also noch welche kommen, denen es nur wichtig ist.

In der Studie sind noch einige interessante Daten, gerade auch zu den Erwartungen an den Partner.

Was findet ihr dort interessant?

 

Die umgekehrte Versorgerrolle und die Liebe

Sie hat irgendwie nie Geld. Dabei hat sie einen guten Job. Sie ist sparsam, wenn sie weggeht, dann trinkt sie ein Bier, an dem hält sie sich dann den Abend über fest. Aber trotzdem reicht es anscheinend nicht wirklich. Zum Monatsende leiht sie sich schon einmal was von Freundinnen.

Ihr Freund ist Student. Im zwölften oder dreizehnten Semester. Architektur oder so. Er studiert es so halb, irgendwie besucht er immer mal wieder Vorlesungen oder schreibt mal eine Klausur mit. Aber voran kommt er nicht wirklich. Sie hält ihn über Wasser, er hat noch irgendwelche Schulden ab zu tragen und sie gibt ihm was dazu, wenn seine Aushilfsjobs als Keller nicht genug abwerfen. Den Haushalt versorgt eh sie.

„Sie liebt ihn eben“ sagt Südländerin. Sie kann ja auch nicht einfach mit ihm Schluss machen, nur weil er länger studiert. Andere Angebote hätte sie bestimmt. Sie ist eine hübsche Frau. Südländerin meint neidisch seufzend, dass sie den perfekten Hintern hat, schlank, aber rund wie eine Kugel. Ich will ihr da nicht widersprechen. Und ein nettes Gesicht hat sie auch noch. Aber momentan interessiert sie kein anderer. Sie sind ja auch schon viele Jahre zusammen, dass will sie nicht aufgeben.

Er hat immerhin wohl eine beachtliche Scheißegal-Haltung. 

Jetzt soll sie ihm eine First gesetzt haben. Wenn er in drei Semestern nicht fertig ist oder man zumindest sieht, dass er sich sehr deutlich bemüht, dann wird es ihr zuviel. Sie wird ja auch nicht jünger und kann auch nicht ewig warten, mit Familie und Kindern. Das alte Zeitproblem.

So langsam fängt sie wohl an sich zu entlieben. Es wird eben immer schwerer eine positive Zukunftsvision aufzubauen. Er lebt in der Gegenwart und hält das hier und jetzt für wesentlicher. Die Zukunft ist noch weit weg, Aus ihrer Sicht ist seine fehlende Bereitschaft für die Zukunft zu planen etwas, was die Gegenwart belastet. Die Zukunft wird immer mehr zu einem drängenden Problem.

So bewegen sich die beiden auseinander. Mal sehen ob sie die drei Semester durchhalten.

Geschlechterrollen in Japan

Ein Spiegelbericht über Entwicklungen in den Geschlechterrollen in Japan:

Sie macht den Haushalt, er verdient das Geld: für viele junge Japanerinnen die ideale Rollenverteilung. Doch oft verdienen Männer nicht genug, um eine Familie zu ernähren. Schuld ist die Wirtschaftskrise – und die grassierende Apathie.

Honami Okouchi, 22, streift ihren Arbeitskittel über und stellt sich hinter die Supermarktkasse. Zehn Stunden wird sie hier heute verbringen. Von ihrem Lohn gibt sie ein Viertel ihren Eltern, bei denen sie noch immer wohnt. „Viele meiner Freunde haben versucht, allein zu leben, sind aber zu den Eltern zurückgekehrt, weil das Geld zum Leben nicht reicht“, erzählt die Japanerin. In zehn Jahren will sie verheiratet sein und Kinder haben. „Ich möchte einen Mann, der gut verdient, damit ich Hausfrau sein kann.“ So wie Okouchi streben viele junge Japaner nach der traditionellen Rollenverteilung: Der Mann soll Geld verdienen, die Frau sich um Haus und Kinder kümmern. Wegen der Wirtschaftskrise Japans ist ein solches Leben jedoch immer seltener möglich.

Hier wird etwas dargestellt, was man im Feminismus leider nahezu nie thematisiert und sich anscheinend auch nicht vorstellen kann – das Frauen bewußt und kalkuliert eine Lebensgestaltung wählen, die abseits der Karriere liegt und dies auch noch als Vorteil ansehen. Die bewusst einen Mann suchen, der ihnen dies ermöglicht und sie von der Erwerbstätigkeit frei stellt.

Zu den Schwierigkeiten der Frauen im Beruf:

Frauen müssen sich oft mit deutlich niedrigeren Gehältern abfinden als Männer. „Auch bei der Beförderung werden Frauen immer noch diskriminiert“, sagt Masahiro Yamada, Professor an der Chuo-Universität in Tokio. Der berufliche Aufstieg gelingt nur mit langen Arbeitszeiten, flexible Modelle sucht man in den meisten japanischen Firmen vergeblich. Und Kindergartenplätze sind rar. „Auch mit Hochschulabschluss wollen immer mehr Hausfrauen werden, weil sie die hohen Hürden sehen“, sagt Yamada.

Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Warum werden junge Leute konservativ?“. Seine Erkenntnis: Immer weniger Japanerinnen streben nach Selbstverwirklichung im Beruf. Laut einer Regierungsumfrage liegt der Anteil junger Frauen in ihren Zwanzigern, die dem Mann die Rolle des Alleinverdieners zuschreiben, bei 44 Prozent. Das sind 16 Prozentpunkte mehr als noch vor vier Jahren.

Hier ist mir nicht ganz klar, ob es eine Diskriminierung an sich ist oder eben die unflexiblen Modelle mit hohen Arbeitszeiten Frauen eher ausbremsen. 44% der Frauen, die sich einen männlichen Alleinverdiener als Partner wählen ist jedenfalls schon eine recht hohe Zahl. Man darf vermuten, dass die Anzahl der Frauen in Japan, die bereit wäre, selbst Alleinverdiener in der Beziehung zu sein dann eher gering ist.

Und auf der Männerseite:

Auch er träumt davon, eines Tages zu heiraten und Kinder zu haben. „Aber das wird schwierig sein, da ich finanziell nicht stabil bin.“

Tadakara spricht aus Erfahrung. Als er bei den Eltern seiner früheren Freundin um deren Hand anhielt, bekam er wegen seines geringen Einkommens vom Vater eine Abfuhr. Auch seine eigenen Eltern machten sich Sorgen um ihn: „So kannst du keine Familie ernähren.“

So gehe es vielen jungen Japanern, sagt Professor Yamada: Zwar gebe es mehr Universitäten als in den achtziger Jahren und auch mehr Absolventen, aber es würden weniger junge Leute eingestellt als früher. Abgänger ohne Festanstellung begnügten sich mit Nebenjobs, blieben bei den Eltern und heirateten nicht.

Scheint also als würden die Geschlechter beide mit der recht starren Lage in Japan überfordert sein und jeweils versuchen auf die ihnen mögliche Art auszubrechen. Die einen, in denen sie einen passenden Partner suchen, die anderen, indem sie sich aus der Gesellschaft und ihren Anforderungen ausklinken