Gewaltstudie -NRW will die Dunkelziffer aufklären und meint, dass Gewalt gegen Männer damit deutlicher werden könnte

Die Welt berichtet:

Erst wer Licht in dieses Dunkelfeld bringe, werde fundierte Aussagen treffen können – zu Ausmaß, Tätern oder Opfertypen. Davon sind die Fachleute in NRW überzeugt. Weshalb Frauenministerin Ina Scharrenbach und Innenminister Herbert Reul (beide CDU) Anfang Januar die bundesweit erste repräsentative und alle Opfertypen umfassende Dunkelfeldstudie zum Thema starten werden, wie WELT vorab erfuhr. Die Untersuchung soll Opfer männlichen Geschlechts ebenso in den Blick nehmen wie solche aus schwulen oder lesbischen Beziehungen. Denn bei diesen Opfergruppen vermuten deren Vertreter eine besonders ausgeprägte Scheu, Leiderfahrungen bekannt zu machen, also ins Hellfeld zu treten. Außerdem möchte das Land sicherstellen, dass auch Migrantengruppen ihrem Bevölkerungsanteil entsprechend unter den Befragten zu finden sind, damit auch über Menschen mit Zuwanderungsgeschichte als Opfer und Täter verlässliche Aussagen möglich werden.

Das man bewusst nicht auf den Mann als Täter und die Frau als Opfer fixiert ist, ist natürlich ein Vorteil. Allerdings ist die Dunkelziffer natürlich auch sehr schwer aufzuschlüsseln und noch viel mehr Arbeit würde es sein, da wirklich belastbare Informationen zu erhalten.

Wer nur fragt „Wurden sie geschlagen“ der erfährt eben nichts zu den Hintergründen der Tat, ob dem eine starke Provokation vorausgegangen ist und ob der andere evtl sogar vorher zugeschlagen hat.

Ministerin Scharrenbach sagte zu WELT, „nach den widerlichen Übergriffen in der Kölner Silvesternacht 2015/16“ sei es ihr ein persönliches Anliegen gewesen, „dass die Landesregierung mit ihrer Arbeit dazu beiträgt, das Dunkelfeld zu erhellen“. So unvorhersehbar die Ergebnisse dieser Untersuchung auch sind, eines ist klar: Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie belegen, dass das Bundesfamilienministerium die Ausmaße der Beziehungsgewalt viel zu niedrig beziffert hat. Es ist zwar richtig, dass bundesweit nur rund 140.000 Opfer in der Polizeistatistik registriert sind, wie vom Bundesministerium vermeldet wurde. Falsch dürfte aber Giffeys Einschätzung sein, es gebe darüber hinaus vermutlich Hunderttausende nicht gemeldete Fälle.

Im NRW-Frauenministerium hält man diese Zahl für viel zu niedrig. Und verweist auf die bislang einzige, allerdings nicht repräsentative Dunkelfeldstudie zum Thema aus Niedersachsen. Dort wurde eine ganz andere Größenordnung erkennbar. Vom Land beauftragte Forscher kamen dort 2014 zu dem Ergebnis, in 7,8 Prozent aller Partnerschaften sei es 2012 zu Gewalt gekommen. Rechnete man diesen Prozentsatz auch nur auf die fast 21 Millionen registrierten Ehen und Lebensgemeinschaften in der Bundesrepublik hoch, wären das grob gerechnet 1,6 Millionen Menschen – nicht nur Hunderttausende.

Bei einer hinreichenden Aufweichung des Gewaltbegriffs dürften es etwa 84 Millionen sein. Damit kann man dann beliebige Programme rechtfertigen.

Ein anderes Ziel der Studie ist dagegen unstrittig: Der Anteil männlicher Opfer soll verlässlicher erforscht werden. FDP-Politikerin Schneider sagte dieser Zeitung, man müsse hier von einem besonders hohen Dunkelfeld ausgehen, weil alles darauf hindeute, „dass Männer sich besonders schämen, als Opfer einer Frau zu gelten“. Dass laut der von Giffey zitierten Kriminalstatistik nur 18 Prozent der Opfer männlich seien, gebe nicht die tatsächlichen Ausmaße wider, so Schneider.

Dem stimmt auch Arne Hoffmann vom Männerrechtsverband MANNdat zu. WELT sagte er, die öffentliche und politische Unterstützung für männliche Opfer sei deutschlandweit unterentwickelt. Umso löblicher, dass sich dies in NRW nun erstmals ändere. Giffey hingegen hatte jüngst gesagt, Männer stellten nur eine eher kleine Opfergruppe dar, deshalb werde die vom Bund unterstützte Telefon-Hotline für Opfer häuslicher Gewalt auch weiterhin unter dem Titel „Gewalt gegen Frauen“ firmieren.

Hier freut mich die Erwähnung von Arne.  Und das macht die Studie sicherlich auch für Männerrechtler interessant: Würde dort herauskommen, dass Männer und Frauen in der Dunkelziffer gleich stark betroffen sind, Männer aber eigentlich mehr Hilfe brauchen, weil sie sich schämen, dann wäre das ein Ergebnis, was die Politik zu entsprechenden Schritten auch für Männer veranlassen könnte.

Männer und Gewalt als männliche Eigenschaft

In mehreren Diskussionen wurde mir gegenüber bereits angeführt, dass die Ausübung von Gewalt quasi etwas männliches ist, eine Art zur Essenz des Mannes gehörende Eigenschaft, die Frauen eben nicht haben.

Man sollte, so wurde angeführt, lieber nur Frauen als Politiker aufstellen, weil Männer eben gewaltbereiter seien. Selbst wenn sie es nur im Schnitt seien wäre das ja eine Risikoerhöhung.

Es wurde damit auch schon begründet, dass Frauen die besseren Menschen sind, weil sie eben keine Kriege anfangen und auch sonst die meisten Mörder, Vergewaltiger und auch sonst Gewalt ausübenden eben Männer wären.

Insofern ist ein Artikel dazu wohl überfällig:

1. Generelles

Das Argument, dass die meisten Kriege Männer angefangen haben oder Männer mehr Gewalt ausüben ist bereits deswegen kein sehr gutes, weil selbst wenn man das unterstellt die meisten Männer eben dennoch keine Kriege anfangen und auch keine Gewalt ausüben.

Es ist auch deswegen bereits ein schlechtes Argument, weil Männer eben auch eher Gewalt ausüben können, da sie stärker sind und weil Männer eher Herrscher waren, während die klassische Hausfrau genauso wie der männliche Bürger eben keine Gewalt ausüben konnte.

Natürlich kann man auch Gegenstatistiken aufmachen, etwa über häusliche Gewalt oder andere Taten, wobei ich schon denke, dass Männer in vielen Gewaltbereichen vorne liegen, gerade in solchen untereinander.

Genauso wie Männer Kriege angefangen haben könnte man natürlich auf friedliche Herrscher abstellen oder auf Menschen wie Ghandi.

Man könnte sich auch dieses generalisierende Argument zu eigen machen und anführen, dass derjenige dann auch akzeptieren muss, dass alle großen Zivilisationen von Männern errichtet worden sind, die wirtschaftlichen und technischen Fortschritte ganz überwiegend von Männern verursacht worden sind etc. Wenn Mann=Gewalt, dann müsste eben auch gelten Mann=Fortschritt und Technik und das Gegenargument „Frauen konnten ja nicht, weil sie nicht in der Position waren“ wäre dann auch auf das Gewaltthema

2. Gewalt und Testosteron

Bei einem solchen Thema lohnt es sich mal etwas nach Studien zu suchen:

Studie 1:

Fifty-eight normal adolescent Swedish boys, aged 16, provided two sets of blood samples for plasma testosterone assays as well as data on a number of personality inventories and rating scales assessing aggression, inpulsiveness, lack of frustration tolerance, extraversion, and anxiety. Physical variables such as pubertal stage, height, weight, chest circumference, and physical strength were measured. There was a significant association (r = 0.44) between plasma testosterone levels and self-reports of physical and verbal aggression, mainly reflecting responsiveness to provocation and threat. Lack of frustration tolerance was also related to testosterone levels. About 40% of the variance in perfectly reliable testosterone measurements could be predicted from equally reliable Physical + Verbal Aggression and Lack of Frustration Tolerance scales. Pubertal stage was correlated with testosterone (r = 0.44), but the above-mentioned relationships could not be accounted for by pubertal stage as a third common variable. Previous hypotheses relating testosterone to strong body build and antisocial behavior, respectively, received only weak or no support.

Quelle: Testosterone, Aggression, Physical, and Personality Dimensions in Normal Adolescent Males.

Studie 2:

Testosterone plays a role in aggressive behavior, but the mechanisms remain unclear. The present study tested the hypothesis that testosterone influences aggression through the OFC, a region implicated in self-regulation and impulse control. In a decision-making paradigm in which people chose between aggression and monetary reward (the ultimatum game), testosterone was associated with increased aggression following social provocation (rejecting unfair offers). The effect of testosterone on aggression was explained by reduced activity in the medial OFC. The findings suggest that testosterone increases the propensity toward aggression because of reduced activation of the neural circuitry of impulse control and self-regulation.

Quelle:  Neural Mechanisms of the Testosterone–Aggression Relation: The Role of Orbitofrontal Cortex

Auszug aus einem Text:

THE FACTS: Behavioural research on testosterone is, if anything, inconsistent. Highly inconsistent. And a bit surprising too. Some studies found that high pre-natal exposure to testosterone leads to more generous game offers in men and women (a.k.a charity). Others have concluded that, when testosterone is artificially enhanced, men become less generous, more vengeful and antisocial. Yet others still have suggested that hypogonadal males (a.k.a low testosterone-producing males) who had their testosterone increased saw no jump in aggressive behaviour, and in fact became more friendly, energetic and, well, happy.

Words/phrases that are thrown around a lot in testosterone studies: cortisol, orbitofrontal cortex, amygdala, oxytocin — the list goes on. The point? We don’t really know how (or even if) testosterone makes humans more aggressive. We can’t isolate it. And it seems that it may just be peripheral to other hormones in aggressive, status-seeking, high-libido and/or antisocial behaviour.

I recently ear-marked this study, which found that increased levels of testosterone induce aggressive behaviour ONLY when there is perceived unfairness in a bargaining situation. It’s the system (not the hormone), stupid.

But my all-time favourite is this Nature letter, where the reality and ‚folk wisdom‘ of testosterone’s effects were teased out in a neat experiment. In a game situation, researchers gave a single dose of testosterone to certain women, the rest were given a placebo. Some had been told that they were receiving testosterone (even if they were the placebo group) while others, who had been told nothing, were actually administered testosterone. The result: the women who had received testosterone without knowing became fairer, more generous and had increased efficiency in social interactions, while the other group (those who had been told that they were receiving testosterone) behaved much more unfairly. In sum: one group acted they way they thoughttestosterone should affect humans (and it wasn’t pretty). But the reality was much different. Case and point, ladies and gentlemen.

Testosterone may in fact be the key to aggressive mammal behaviour. It may also be the fountain of life. Who knows. But the strongest (and perhaps only) current link between testosterone and human aggression is implicit cultural assumption. And what’s implicit and not explicit is too often wrong.

Aus einem weiteren Text:

According to theory from evolutionary biology, aggression serves an important function in terms of both individual survival as well as procreation potential. In terms of this evolutionary biological theory, what it comes down to is this: competition arises when resources are limited and therefore animals/species must actively compete in order to increase their own fitness. It does not take a biologist to then infer that aggression is advantageous at both the individual and genetic levels. (1).

Hormones are inextricably linked to behavior as seen by the impact that its presence or absence has on an organism. In terms of aggression, there exists intriguing evidence that there is a definite connection between the hormonal effects of testosterone and the outward expression of aggressive behavior (1). For example, castration leads to a marked decrease in aggression as shown by castration experimentation on various species. Furthermore, when testosterone is replaced through hormone therapy in these castrated animals, the amount of aggression increases and is restored to its original pre-castration level (1). Taken together, this seems to present a strong argument for the role of testosterone in aggression. However, the story does not end here: if we are to suppose that testosterone does in fact lead to aggressive behavior we must then necessarily ask how and why it does. In doing so, we might just find that the original supposition falls through.

Testosterone exerts its hormonal and behavioral effects upon interaction with androgen receptors (i.e., when converted into 5-alpha-dihydrotestosterone) or with estrogen receptors (i.e., when converted into estradial by aromatase) (2). . According to some, there exists a „critical time period“ (i.e., during development) when testosterone serves to „sensitize“ particular neural circuits in the brain. Presumably, this sensitization allows for the effects of testosterone that manifest in adulthood. A recent theory builds upon this story, adding the idea that almost immediately after birth, testosterone leads to the establishment of an „androgen-responsive system“ in males. And what about females? It is presumed that a similar androgen system is set-up in females, „although a greater exposure to androgens is required to induce male-like fighting“ (2).

Although not the primary function of most hormones, neural activity can be modulated as a result of their presence. For example, it has been shown that some hormones can modify cell permeability and therefore have a crucial impact on ion concentration, membrane potential, synaptic transmission and thus neural communication and behavioral outcomes (2). More specifically, when a hormone such as testosterone acts on a target neuron, the amount of neurotransmitter that is release is significantly affected. For example, it has been suggested (i.e., with experimental data) that testosterone acts on serotonergic synapses and lowers the amount of 5-HT available for synaptic transmission. This is important when coupled with the fairly well accepted idea that the presence of 5-HT serves to inhibit aggression, as shown convincingly in studies done on male rhesus monkeys: Serotonin reuptake inhibitors such as Fluoxentine and several other antidepressants lead to a significant decrease in aggression in both monkeys and humans (2).

Although convincing relationships have been found between testosterone and aggression, hormones in general cannot cause a particular behavioral outcome; they can only facilitate or inhibit the likelihood that such an outcome will occur. For example, the mere presence or level of testosterone is not sufficient in invoking aggressive behavior, as seen by a significant population of males that are not aggressive. There must therefore be other factors involved: at the hormonal level, what about the effects of noradrenaline, acetylocholine or glutamate? It is important to remember here that the endocrine system consists of a complex array of communication pathways, none of which act independently (2).

Furthermore, we know that biological factors do not act in a vacuum and we must therefore concede significant impact and effect from environment and social factors as well. For example, some studies have found that it is not testosterone level that is the best predictor of aggression, but that obesity and lower levels of „good“ cholesterol tend to be the best predictors of aggressive behavior in human males (3). Additionally, it has been shown that social status greatly influences the presence/degree of aggressive behavior in both animals and humans. The facts are that higher levels of social status correspond to higher levels of testosterone, although the quandary remains: is this elevated status a result of elevated testosterone levels and the evolutionarily advantageous aggressive behavior it might influence, or is the testosterone level a result of the heightened social status (i.e., building upon the well-supported idea that „winning“ social competition leads to an increase in testosterone levels) (4)? It is the age-old nature versus nurture debate, or perhaps more appropriately, nature and nurture discussion.

To come full circle and reiterate this discussion’s opening declaration: we do not know for sure whether or not testosterone leads to aggression. Therefore, any assertion of a causal relationship between the two is instantly problematic. Instead, we must continue to learn and to discuss the various possibilities with an open mind, in order to come to a better understanding of the role that testosterone and other hormones play in aggressive behavior.

Insgesamt scheint die Lage also nicht ganz klar zu sein, auch wenn es gewisse Korrelationen zu geben scheint.

3. Evolutionäre Betrachtung

Was gerne übersehen wird ist, dass der Mensch und damit auch der Mann ein soziales Wesen ist, welches in Gruppen lebt. Auch die unterschiedlichen Gruppen bekriegen sich nicht per se, sondern eine der bestechensten Eigenschaften des Menschen ist eben, dass er zur Kooperation auch über seine Gruppe hinaus fähig ist und in vielen Fällen einen reziproken Altruismus zeigt, bei dem er durchaus in Vorleistung tritt.

Es dürfte klar sein, dass in diesem Bereich Aggression schnell schadet und insofern nicht einfach ein „Aggressionsprogramm“ ohne Differenzierung besteht. Aus meiner Sicht scheint mir Aggression immer nur ein Mittel zu sein. Es mag bei bestimmten Leuten, die dies gelernt haben, eines der ersten sein, welches man bei mangelnder Impulskontrolle anwendet, aber bei den meisten Leuten heute ist es vielleicht einfach nur verbale Auseinandersetzung, Statusgehabe, Wettbewerb auf anderer Ebene, etwa um einen Job oder einen Auftrag.

Sprich: Wir mögen eine Biologie haben, die uns erlaubt Gewalt einzusetzen aber die Kultur bestimmt zu einem großen Bereich, ob es von uns als zulässiges und geeignetes Mittel in dem jeweiligen Kampf eingesetzt wird.

Was auch dazu führt, dass Männer sich eher auf produktive Wettkämpfe einlassen, weil es für sie dort eher um Status, „Revierverteidigung“ und „ich bin besser als du“ oder einfach nur Ansehen unter Freunden oder bei Frauen geht. Was auch erklären würde, warum Männer eher in Führungspositionen arbeiten oder sie Geld und Aufstiegschancen in einem Bereich mehr interessieren als Frauen.

Man muss eben heute Aggressionen nicht mehr mit Gewalt ausleben. Fight oder Flight kann einem produktiven Zweck zugeführt werden, der abseits körperlicher Gewalt liegt.

Maskulistische Gegenmythen: „Fast die Hälfte aller jungen Männer berichtet von ungewolltem Sex“

Eine Schlagzeile, die mich stark an (radikal-)feministische Schlagzeilen erinnerte war neulich bei Genderama zu lesen:

USA: Fast die Hälfte aller jungen Männer berichtet von ungewolltem Sex

Das ist ja sogar noch mehr als „jede sechste Frau“ und was ist letztendlich „ungewollter Sex“ anderes als eine Vergewaltigung?

Das machte mich neugierig auf die Studie:

Sexual coercion is a pervasive problem but rarely examined in men. This study examined sexual coercion and psychosocial correlates among 284 diverse adolescent and emerging adult males in high school and college. Over 4 in 10 participants (43%) experienced sexual coercion: more specifically, the participants reported: verbal coercion (31%, n = 86), seduction coercion (26%, n = 73), physical coercion (18% n = 52), and substance coercion (7%, n = 19). Rates were comparable across high school and college students. Racial differences were found such that Asian participants reported significantly lower rates of sexual coercion than Black, White, and Latino participants. Ninety-five percent of the respondents reported women as the perpetrators; participants also described internal obligation, seductive, and peer pressure tactics in descriptions of coercion experiences. Sexual coercion tactic (i.e., verbal, substance, seduction, physical) and resulting sexual activity (i.e., fondling/attempted intercourse, completed intercourse) were associated with psychosocial outcomes. Specifically, sexual coercion that resulted in sexual intercourse was associated with greater sexual risk-taking and alcohol use. Verbal and substance coercion were associated with psychological distress, and substance coercion was also associated with sexual risk-taking. Considerations for future research and practice implications are discussed.

Quelle: Sexual Coercion Context and Psychosocial Correlates Among Diverse Males.

„Coercion“ ist ersteinmal Zwang, es geht also um einen gewissen Zwang auf die Männer, Sex zu haben.

Zunächst erst einmal fällt auf, dass zwischen 43% und „Fast die Hälfte“ aus meiner Sicht schon noch ein Unterschied besteht. Dann listet die Studie folgendes auf:

  • verbaler Zwang 31%
  • Zwang durch Verführung (26%)
  • körperlicher Zwang (18%)
  • Zwang durch Zuführung von Substanzen (7%)

Solche Angaben machen mich bei einer Studie zu diesem Thema ja schon sehr mißtrauisch. Verbaler Zwang und Zwang durch Verführung sind sehr vage Punkte, eine Verführung ist üblicherweise eben gerade kein Zwang. Und auch die Substanzen sind in vergleichbaren Studien häufig schlicht Alkohol.

Hier aus der Studie direkt eine nähere Aufschlüsselung mit Beispielen:

Sexueller Zwang gegen Männer

Sexueller Zwang gegen Männer

A. Was genau wird unter sexuellem Zwang erfasst

1. Verbaler Zwang

Als Beispiel ist dort aufgeführt, dass ein Mädchen Oralsex wollte und er dies nicht machen wollte. Sie bettelte. Er wollte aber nicht. Das ist aus meiner Sicht kein ungewollter Sex. Betteln mag nicht sehr schick sein und auch einen gewissen Druck ausüben, so etwas aber bereits zu kriminalisieren indem man von ungewollten Sex spricht geht dann doch zu weit

2. Manipulation

Als Beispiel ist eine Freundin angeführt, die bei schlechter Laune ihrerseits Druck auf ihn ausübt Sex mit ihm zu haben. Auch hier kommt es natürlich auf die Art des Drucks an. Aber viele Männer würden das andererseits wohl für eine durchaus nicht so schlimme Art der Stress- oder Kummerbewältigung halten. Aus dem Beispiel heraus ist schlecht zu sagen, ob es beanstandenswert ist, Wenn es auch hier zB nur „Verbaler Zwang“ ist, dann gilt aus meiner Sicht das oben gesagte

3. Physischer Zwang

Das Beispiel ist, dass ein Junge in ein Badezimmer gestoßen wird und sie ihn dort küsst, bis er sie stoppt und er mitteilt, dass er sie nicht „auf diese Weise mag“. Auch hier der Hinweis, dass es nicht um „ungewollten Sex“ geht, sondern es eine Stufe vorher stehen bleibt. Ein ungewolltes Küssen kann natürlich sehr unangenehm sein, auch hier wird es aber doch meist eher ein Mißverständnis sein als das, was man klassisch mit dem Begriff physischer Zwang verbindet. Ein Schubsen kann spielerischer Natur oder bedrohlich sein. Meist wird es wohl eher das erstere sein.

4. Substanzenmißbrauch

Das Beispiel ist, das sie ihn abfüllt, der Rest des Abends für ihn im Nebel versinkt und er dann neben ihr aufwacht. Aus meiner Sicht jetzt nicht so unüblich, dass viel Alkohol zu Sex führt. Richtigen Druck sehe ich da insoweit nicht, gerade wenn sie mitgetrunken hat. Man muss nicht jeden betrunkenen Sex zu einem ungewollten Sexerlebnis machen und in die Nähe einer Vergewaltigung rücken. Es kann sein, dass es hier so wahr. Man bräuchte aus meiner Sicht aber mehr Details.

5. Sexuelle Verführung

Das Beispiel ist, dass sie fragte, ob sie reinkommen und sein Telefon benutzen kann, weil sie ihr Mobiltelefon verloren hat. Er verliert erst das Bewußtsein/tritt weg/schläft ein („passed out“), sie versucht ihn wohl dann zu wecken und durch einen Striptease ihrerseits und ein anschließendes Ausziehen seinerseits für sich zu interessieren, er verliert aber wieder das Bewußtsein/tritt weg/schläft ein.

Auch hier kann es natürlich eine Grenzüberschreitung sein, aber es klingt eher nach Alkohol, ihr Versuch doch noch Sex möglich zu machen und einer zu starken Betrunkenheit seinerseits (auch hier: Kein Sex). Es hängt wohl stark davon ab, wie hinüber er war und meiner Meinung nach auch von ihrer Alkoholisierung. Grundsätzlich werden wohl die meisten Männer nichts dagegen haben, wenn eine Frau strippt. Hier wäre die Frage, ob er schlicht zu müde war oder sie aus anderen Gründen davon ausgehen musste, dass sie ihn belästigt

6. Sex mit Minderjährigen (Statutory Rape)

Das Beispiel ist eine 18jährige, die mit einem 12jährigen schläft, weil man ihm gesagt hat, dass er so zu einem „großen Jungen“ wird. Sicher, dass ist zurecht angeführt. Wäre auch in Deutschland eine strafbare Handlung.

7. Peer Pressure

„Freunde haben Druck auf mich ausgeübt, Sex zu haben“. Die meisten Jungs kennen sicherlich diesen Druck, allerdings wollen sie den Sex ja selbst, es ist ihnen peinlich, dass sie ihn noch nicht hatten. Auch hier insoweit wenig Informationen zum Fall. Warum wollte er den Sex nicht? Wie haben sie ihn unter Druck gesetzt?

8. Selbsterzeugter Druck

Das Beispiel ist „Einmal, als ich schon mehrer Tage sehr viel Sex hatte, hatte ich keine Lust mehr, sie wollte aber, also habe ich es gemacht, um sie nicht zu enttäuschen“. Wirklich? Sexueller Druck, der unter der Schlagzeile „Fast die Hälfte aller jungen Männer berichten von ungewollten Sex“ verarbeitet wird bei etwas so banalen wie Sex zum Gefallen der Frau, mit der man eh schon Sex hat? Würde das in einer Statistik über sexuellen Zwang gegenüber Frauen auftauchen, dann hätte die gesammelte antifeministische Bewegung eine Feldtag und es wäre ihnen zurecht ein inneres Schützenfest die Zahlen auseinander zu nehmen. Das muss dann aber auch umgekehrt gelten.

B. Wertung

Es ist ja sattsam bekannt und ständige Rede, dass man bei jeder Studie dieser Art zunächst schauen muss, was eigentlich genau unter „Zwang“, „sexueller Gewalt“ oder Vergewaltigung erfasst ist. Dieses Kriterium sollte man auch bei einer Studie, deren Ergebnis einem ideologisch gefällt, stets anwenden. Aus meiner Sicht ergibt sich dann recht schnell, dass jedenfalls die hier gewählte Überschrift vollkommen falsch ist und die Zahlen auch im übrigen sehr angreifbar sind

Wer den Feminismus für schlechte Studien kritisiert, indem mit zu weichen Begriffen gearbeitet wird, der muss sich eben die Mühe machen, in solchen Studien, gerade wenn sie im Volltext vorliegen, einmal nachzuschauen, wenn er sich nicht angreifbar machen will.

C. Weiteres zu den Zahlen

Die Aufschlüsselung nach Arten des Zwanges ist in der Studie auch noch einmal in eine Tabelle gebracht:

Sexueller Zwang gegen Männer 2

Sexueller Zwang gegen Männer 2

 

Da sieht man, dass sich die 43% aus alles Bereichen, also sowohl verbaler Zwang als auch Verführung als auch zuviel Alkohol zusammen. „Physical Force“ macht einen relativ kleinen Teil aus (wobei ja auch hier aus meiner Sicht mit einem härter klingen Begriff gearbeitet wird als es „ins Bad schubsen“ rechtfertigt), der größte Teil ist verbaler Druck und Verführung. Nur in 21% der Fälle führte dies zu Sex, in weiteren 3% wurde es versucht.

Mit der obigen Tabelle kann ich die untere Tabelle allerdings nicht so richtig in Einklang bringen. Da scheint verschiedenes zusammengefasst worden zu sein.

Wem bei „jede dritte Frau wird Opfer von Gewalt“ das Schubsen nicht gefiel, der sollte es auch hier kritisieren.