Equal Pay Day 2017 #EqualPayDay

Der Gender Gap

Berufswahl von Frauen und andere Prioritäten als Beruf

Gender Pay Gap: Frauen ohne Kinder verdienen mehr als Männer

Ein interessanter Artikel legt noch einmal dar, dass „Geschlecht“ ein unwichtigerer Faktor ist als „Aussetzen wegen der Kinder“:

June O’Neill, former director of the Congressional Budget Office, concluded in a 2005 study that “there is no gender gap in wages among men and women with similar family roles.”

That needs a bit more explaining and comes from this paper:

Table 9 (last column) further highlights the relative importance of family responsibilities versus labor market discrimination by examining the gender gap among men and women in apparently similar lifetime family situations—namely men and women who were never married and never had a child. In this case, the unadjusted gender gap is actually positive—women earn about 8% more than their male counterparts. This observation is an important one because it suggests that the factors underlying the gender gap in pay primarily reflect choices made by men and women given their different societal roles, rather than labor market discrimination against women due to their sex.

Never-married men and never-married women without children are similar in that they are not responsible for the financial support of a family as are most married men. Nor do they have the of responsibility of child care that is usually assumed by women with children. However, never-married women have better credentials than never-married men with respect to education, AFQT scores and even years of work experience (Table 11). But never-married men are not notably inferior to other men. In fact, compared to other men a higher proportion of never-married men are college graduates and they have about the same AFQT scores. When we control for these differences in characteristics, the gender gap in favor of women is eliminated, but the negative coefficient is small and is not statistically significant.

Wenn man also Männer und Frauen vergleicht, die weder verheiratet sind noch Kinder haben, dann verdienen Frauen sogar mehr, bereinigt verdienen dann beide gleich viel.

Zu den Gründen weiter:

The division of labor in the family is less delineated than it once was and a majority of women with children now work in the market. Nonetheless, women on average still assume greater responsibility for child rearing than men, and that responsibility is associated with a lower extent and continuity of market work. In addition, the expectation and assumption of home responsibilities influence choice of occupation and preferences for working conditions that facilitate a dual career, combining work at home and work in the market. A significant literature has investigated the effect of work in the home on women’s lifetime patterns of labor force participation and the effect of labor force discontinuities on wages.15 Women with children devote relatively more of their energy to home responsibilities than women without children and as a result earn lower wages. On the other hand, married men earn higher wages than other men. Although that effect may be partly endogenous—women may shun low earners as husbands—it is a plausible consequence of the division of labor in the home, which leads men to take greater responsibility for providing the family’s money income and consequently to work longer, more continuously and possibly harder.

Und ihre Schlußfolgerung:

Our conclusion thus has to be that the gender pay gap that we’re seeing isn’t a result of societal discrimination against women (nor of such discrimination in favor of fathers, something that no one at all is complaining it is) but instead a result of the choices that people make about how the kids are going to be cared for and who does it.

This might, of course, still be something that we want to do something about. But if it’s not the employers discriminating then shouting at employers not to discriminate isn’t going to make any difference. And if it really is true that as a mammalian and viviparous species then we’ve a natural tendency to split child care and market earnings in an asymmetric manner then, well, it’s going to require a rather large change in either human nature or behavior to achieve, isn’t it? And thus it might just be, this gender pay gap, one of these things that just doesn’t have a solution.

 Auch insoweit nicht neues.
vgl. auch:
 

Die regionalen Unterschiede im „Gender Pay Gap“ in Deutschland (im Osten verdienen Frauen teilweise mehr als Männer)

Michael Baleanu hatte darauf hingewiesen, dass es beim Gender Pay Gap erhebliche regionale Unterschiede gibt, die passend zum Tag der deutschen Einheit gerade auch West und Ost betreffen.

Dies zeigt sich in der folgenden Grafik:

Regionale Unterschiede im Gender Pay Gap Deutschland

Regionale Unterschiede im Gender Pay Gap Deutschland

Gerade im Süden von Westdeutschland findet sich damit ein deutlicher Vorteil in den Gehältern bei den Männern, wobei das so wie sich das sehe darauf zurückzuführen ist, dass es sich um Städte mit starker Industrie handelt, bei der viele Leute entweder hoch qualifiziert sind oder/und im Schichtbetrieb mit Nachtzuschlägen und Wochenendzuschlägen arbeiten. Die Frauen verdienen dort auch sehr gut, aber eben weniger. Die Städte selbst haben überdurchschnittliche Einkommen.

Anders sieht es im Osten aus: Da zeigt sich teilweise ein Gender Pay Gap zu Lasten von Männern. Es spricht für die Einseitigkeit der Debatte, dass dieser eigentlich mit 16% durchaus hohe Gender Pay Gap unter „Niedrigste“ angeführt wird, denn ein echter Pay Gap kann eben nur zu Lasten von Frauen bestehen, ein „Umgekehrter Gender Pay Gap“ erscheint in der Denkweise dann als etwas gutes.

In Teilen Ostdeutschlands ist der Gender Pay Gap also schon überwunden. Was ja eigentlich etwas ist, was man in der Debatte wunderbar verwerten kann. Ich habe daher in ein paar Tweets dazu schon einmal nachgefragt:

Ich finde es interessant, dass einem wenn man solche Zahlen in eine Diskussion wirft sofort Gründe genannt werden, warum dies so ist: Die Löhne im Osten sind allgemein günstiger und deswegen ist der Unterschied geringer, Frauen arbeiten eher im Öffentlichen Dienst und der zahlt im Osten relativ gut etc. Würde man in einer Diskussion um den „normalen Gender Pay Gap“ hingegen verlangen, dass sie ähnliche Gründe berücksichtigen (etwa: Der private Bereich zahlt im Westen besser und dort arbeiten eher Frauen), dann würde das hingegen sofort als Sexismus angesehen werden, als Abstreiten einer strukturellen Diskriminierung der Frauen. Man passt insofern seine Argumentation dem an, was man erreichen möchte.

Mit den Zahlen könnte man anführen, dass eine in bestimmen Städten im Osten das feministische Paradies vorliegt: Frauen verdienen mehr, es scheinen dort also keine Vorurteile mehr zu greifen, anscheinend gelten Frauen sogar als höherwertiger. Man könnte eine maskulistische Opferhaltung einnehmen und annehmen, dass dort offensichtlich strukturelle Diskriminierungen der Männer vorliegen.

All das hat natürlich wenig Sinn: Vielmehr sollte es die Augen öffnen für Begründungen für die Unterschiede. Und das dann eben für beide Geschlechter. Eine Diskriminierung liegt nicht vor, wenn es Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Sondern nur dann, wenn einem Geschlecht ohne sachlichen Grund für die gleiche Arbeit nicht der gleiche Lohn gezahlt wird. Forscht man unter dieser Prämisse dann löst sich ein großer Teil des Gender Pay Gaps auf.

„Wo Frauen besser bezahlt werden als Männer“

Ein FAZ-Artikel beleuchtet, wo Frauen besser bezahlt werden als Männer. Der aus meiner Sicht interessante Teil:

Das Modeln ist nur die glamouröseste Tätigkeit, bei der Männer im Durchschnitt schlechter verdienen als Frauen. Das statistische Bundesamt liefert weitere Hinweise. Zwar verdienen Männer im Schnitt weiterhin fast überall mehr als Frauen. Doch die Ausnahmen sind interessant. Beispielsweise haben es Männer, die sich in Ausbildung oder Minijob befinden, besonders schwer. Je Stunde verdienen sie heute im Durchschnitt zwölf Prozent weniger als Frauen. Schlecht sieht es zudem für Männer aus, die Teilzeit arbeiten. Sind sie unter 45 Jahre alt, verdienen sie im Durchschnitt zwei bis vier Prozent weniger als Frauen in Teilzeit. Arbeiten sie zudem in einem der fünf Berufe mit dem höchsten Frauenanteil, dann wird ihre Teilzeit besonders bestraft. Sie verdienen dann elf Prozent weniger als die Frauen in Teilzeit. In Ostdeutschland gibt es sogar ganze Branchen, in denen Frauen im Durchschnitt je Stunde besser verdienen als Männer: In Kindergärten und an Schulen ist das ebenso der Fall wie in der Logistik oder unter Maklern. Und bei den Ostdeutschen unter 25 Jahren.

Männer in Teilzeit, also wahrscheinlich solche, die entweder keinen Vollzeitjob bekommen oder eben ihrerseits Kinder betreuen, erhalten demnach noch weniger Gehalt als Frauen, wenn der Abzug auch relativ gering ist.

Auch bei Berufen mit dem höchsten Frauenteil lohnt sich Teilzeit noch weniger, dann geht es gleich um 11% runter.

Und in Ostdeutschland scheint der Gehaltsunterschied noch weiter und in anderen Bereichen ausgeprägt zu sein.

Der Artikel versucht sich an Erklärungen:

Diese Statistik hat einen Haken: Sie zeigt zwar die Unterschiede, erklärt aber nicht, wie sie zustande kommen. Sind die Makler-Männer im Osten schlechter qualifiziert als die Makler-Frauen? Oder einfach jünger und deshalb schlechter bezahlt? Oder können Männer – Achtung, jetzt kommt es – das einfach generell schlechter: Wohnungen an den Mann bringen? Gibt es in Kindergärten im Osten eine gläserne Decke für Männer? Oder verhandeln die Männer dort einfach nicht hart genug um ihr Gehalt?

Man könnte aufgrund der Statistik behaupten, Teilzeit arbeitende Männer würden von ihren Arbeitgebern diskriminiert. Oder man glaubt, dass es schlicht die schlecht ausgebildeten Männer sind, die sich entscheiden, Teilzeit zu arbeiten – und wegen ihrer schlechten Qualifikation weniger verdienen.

Es wäre interessant die gleichen Fragen einmal unter einem Beitrag zum Gender Pay Gap zu lesen. Es sind ja häufig genau die Ursachen, die auch dort maßgeblich sind.

 

Anerkennung der Erwerbstätigkeit des Mannes in der Familie

Tom174 schrieb in einem Kommentar etwas interessantes zur Erwartungshaltung an den Mann und auch zur Bewertung der Erwerbstätigkeit des Mannes 

Es ging mir gar nicht darum, dass Väter ihre Kinder nicht lieben oder sich nicht um sie kümmern (oder gekümmert haben). Wir haben zwei Kinder, meine Frau ist Lehrerin (halbes deputat), ich arbeite Vollzeit. Es ist einfach so, dass meine Frau viel mehr Zeit mit den Kindern verbringt als ich. Ich glaube, bei uns klappt das auch recht gut. Trotzdem, als die große kleine so 2-3 jahre alt war, war es die Mama, von der sie getröstet werden wollte, ich war 2. Wahl. Das hat sich inzwischen ausgeglichen, aber war doch schon n ziemlich blödes Gefühl für mich.
Ebenso gab es schon die ein oder andere heftige Diskussion bei uns. Als “Bessermann” mache ich natürlich im Haushalt mit. Und es war auch klar, dass ich, wenn ich da bin, die Kids mit dem Fläschen versorge und wickel. Soweit, so gut. Was mich aber dann und wann auf die Palme brachte waren so Sätze wie “Jetzt bist du aber dran, ich kümmer mich schon den ganzen Tag um sie” Ist ja eigentlich nichts gegen zu sagen, aber innerfamiliär wurde mein Beitrag zur Familie (nämlich für den Unterhalt der selben zu sorgen), nicht als gleichwertiger Beitrag zur Familie gesehen. Vieles sind da Missverständnisse, die sich klären lassen, aber dier Erwartungshaltung an eine Vater hat sich doch schon ziemlich gewandelt.

Feministen die die Dämonisierung des Mannes ausreden zu wollen.. ich glaube, das wird nicht funktionieren. Die wenigsten Frauen sind das aber, es geht also meiner Meinung nach eher darum, den normalen Menschen klar zu machen, dass Männer nicht per se böse sind.

Frauen wird mit mehr Empathie begegnet als Männern, das ist immernoch so. Und unser männlicher Beschützernistinkt befeuert das zusätzlich. Schonmal als mann probiert zu trampen? Das gleiche, wenn deine Freundin den Finger raushält (und man sich selber versteckt)? Wie wird filmische Gewalt gegen Männer und Frauen aufgenommen?

Nick ergänzte:

Es scheint tatsächlich so zu sein: Das Beibringen des Familienunterhaltes scheint oft eine Selbstverständlichkeit zu sein. “Früher” gab es dafür Respekt, heute ist derjenige dem das nicht in den Schoß fällt ein Idiot.

Ich schrieb dazu:

Es wird eben nicht direkt als arbeiten für einen wahrgenommen, weil es auswärts geschieht. Mir ist das aufgefallen als ich selbst angefangen habe zu arbeiten und mir erst bewusst wurde, wie selbstverständlich das Einkommen meines Vaters für uns war und das wir es als etwas sehr abstraktes wahrgenommen haben.

Auch hier gibt es denke ich eine gewisse Wahrnehmungsbias bzw. cognitive Schwierigkeiten: Die Steinzeit kennt eben kein Bankkonto. Sie kennt das zurückgebrachte Essen, aber auch dieser Part landet ja in klassischer Ehe bei der Frau.

Das Geld landet eben anonym auf einem Konto, die meisten Hausfrauen haben mittels Karte Zugriff darauf, es ist etwas, was recht anonym da ist und auf das man einen Anspruch hat. Es ist ja gut, dass die Zeiten, wo ein karges Haushaltsgeld zugeteilt worden ist, vorbei sind, die meisten Eheleute werden auch ihre Ausgaben in Absprache miteinander regeln. Aber dennoch ist damit auch eine Entpersonalisierung der Leistung des Mannes eingetreten, etwas, was man erwartet, etwas, bei der er Weg von der Familie ist und sie nicht unterstützt.

Das schlägt sich auch in Betrachtungen nieder, nach denen die Frau unbezahlte Hausarbeit verrichtet (während ausgeblendet wird, dass sie dabei eben auch vom Geld des Hauptverdieners lebt), die aus Sicht der Familie aber unbezahlte Weitergabe des Lohnes an diese nicht gewertet wird.

David zum Gender Gap

Leser David schrieb einen interessanten Kommentar zum alten Thema „Gender Pay Gap“ zu dem es hier schon einige Artikel gab:

David schrieb:

Ist zwar OT, aber da ich Zeit habe wollte ich ein paar Überlegungen zum Gender Pay Hoax schreiben, jetzt wo ich erst mitbekommen habe dass Entgeltangleichungs-Gesetze von der EU und auch von der SPD forciert werden.

Wenn mal wieder die berüchtigten 23% in den Raum geworfen werden, frage ich ja inzwischen immer, ob die Person denn irgend jemanden aus ihrem Umfeld kennt, oder selbst auch nur einen Pfennig weniger/mehr bekommt als gegengeschlechtliche Kollegen in selber Anstellung.

Als Einstieg in die Diskussion ist das verblüffend effektiv. Wenn man mal die Job-Bereiche aufzählt, in denen Diskriminierung unwahrscheinlich bis unmöglich ist, kommt man schnell zu dem Schluss dass die verbleibenden Branchen irrsinnig hohe Gaps haben müssen, um den Gap auf das Mittel von 23% zu heben.

Welche wären das eigentlich? Laut DIW sind die der Selbstdiskriminierung unverdächtigen Unternehmer_Innen mit 44% gut dabei. Interessant eigentlich, warum nur bekommen männliche Unternehmer so viel mehr Kohle? Menno.

Damit überschneiden dürften sich die 5% Topverdiener, hier sind wir bei 50%.

Auf stattliche 140% Gap bringen es übrigens Niedriglöhner (untere 5%).

Nicht nur ist allein schon an diesen Zahlen einfach ersichtlich, dass da höchstwahrscheinlich Ungelernte zusammengefasst werden, die in völlig unterschiedlichen Branchen arbeiten.

Als wesentlichen Aspekt möchte ich hier einmal Schwarzarbeit und Trinkgeld einbringen.

Während Schwarzarbeit natürlich auch im Handwerk weit verbreitet ist, gibt es sage und schreibe 4 Millionen schwarzer Putzjobs in Deutschland, als gängiger Lohn gelten hier 8-10 Euro netto!

Was ich so von studentischen Kellnerinnen an Zahlen zu abendlichen Trinkgeldern höre, lässt mir regelmäßig die Kinnlade runterklappen.

Kellnerinnen sind zu einem sehr guten Anteil Frauen, oft bekommen sie ein mickriges Festgehalt, haben aber dafür ein umso höheres Einkommen durch Trinkgelder, unversteuert versteht sich (und damit nicht erfasst von den Gap-Datenzauberern). Friseurinnen sind auch von meist nicht-versteuertem Trinkgeld abhängig, wenngleich diese leider immernoch kriminell unterbezahlt sind in Deutschland.

Mit der Steuermoral der halben Million Prostituierten fang ich besser nicht an.

Fun Fact: Männer zahlen dabei im Durchschnitt deutlich höhere Trinkgelder als Frauen, gerne natürlich aufsteigend mit Attraktivität.

Weiter interessant ist, dass der Gap sich mit dem Lohnsteuerbescheid sich sowieso zur Hälfte in Luft auflöst. Netto beträgt er nur die Hälfte, ganz versteh ich das auch nicht.

Der Witz schlechthin ist ja, Unterhaltszahlungen, die es ja in Deutschland nicht zu knapp gibt, dem dafür arbeitenden Geber anstatt der Nehmerin zuzurechnen, was den Gap gleich doppelt künstlich vergrößert.

Diese Dinge sind alle im – wenigstens zunehmend Einzug haltenden – “bereinigten” 8%-Gap wohl nicht drin. Der bereinigte Gap ist bei genauer Betrachtung ein ziemliches Blendwerk bzw. fauler Kompromiss, mit dem Argumente vermeintlich neutralisiert werden, der aber immer noch Forderungen auf wackliger Basis legitimiert.

Abgesehen davon dass es auch andere Zahlen von 2 oder 5 % gibt, festigt der “bereinigte” Gap die Grundannahme, dass alle nicht aufgeklärte Varianz ja eben doch im Ausschlussverfahren aufgeklärt ist – durch DISKRIMINISIERUNG (Zitat Ernie aus Stromberg) nämlich.

Dabei hat man einfach nur ein paar mehr Kovariaten (von unzählig möglichen) in ein Regressionsmodell geschmissen, während der Rest im Dunkeln bleibt.

Man sehe sich zum Beispiel mal die europäischen Gender Gaps im Vergleich an…und korreliere sie mit der eigenen Annahme über die gehaltsmindernden Vorurteile, denen Frauen dort ausgesetzt sind (Schweden, Deutschland, Österreich vs. Italien, Polen, Rumänien).

Eine Möglichkeit wird apodiktisch vollkommen ausgeschlossen: dass ein erreichtes Gehalt VERDIENT sein könnte, also dass Gehaltsunterschiede vielleicht auch Leistungsunterschiede anzeigen KÖNNTEN.

Das Argument, dass Männer im Schnitt womöglich (in den geGAPten Bereichen!) schlicht bessere Leistungen bringen, gesuchtere Fähigkeiten haben und daher schlicht gefragter und wertvoller sind – genauso wie das umgekehrt in Schule und Uni für Frauen gilt – erscheint geradezu zu absurd frauenfeindlich, um es anzubringen.

Das einzig halbwegs akzeptierte Argument ist das unterschiedliche Auftreten in Vertragsgesprächen, was natürlich auch schnell mal als indirekte Diskriminierung geframet wird.

Dabei gibt es nicht nur klare Hinweise darauf, dass Männern Beruf und Erfolg wichtiger, sie Gehalt gegenüber Nachteilen des Jobs (Entfernung, mieser Chef, Arbeitszeiten etc.) stärker priorisieren, sie auch als Chefs andere und anders geschätzte Qualitäten aufweisen. Sie sind auch seltener krank, machen mehr unbezahlte Überstunden, arbeiten häufiger am Wochenende, wechseln seltener den Arbeitsplatz etc. pp. Dennoch, völlig ausgeschlossen, dass zwei Menschen die auf gleicher Ebene angestellt sind, vielleicht auch unterschiedlich mehr erwirtschaften und damit verdienen in den Augen des Unternehmens.

Diese Studie zeigt übrigens den Effekt motivationaler Variablen auf den Gap:

http://jhr.uwpress.org/content/43/4/884.abstract

Die Studie aus dem Link ist dann diese:

Using two single-cohort longitudinal surveys, the NLS72 and the NELS88, I investigate the impact of four noncognitive traits—self-esteem, external locus of control, the importance of money/work and the importance of people/ family—on wages and on the gender wage gap among these young workers. I find that gender differences in these noncognitive factors, especially the importance of money/work, have a modest but significant role in accounting for the gender wage gap. Methodologically, this paper proposes a correction to the Oaxaca-Blinder-Ransom decomposition that results in a truly decomposable approach compatible with the simple pooled regression that includes a gender dummy.

Quelle: The Gender Wage Gap among Young Adults in the United States: The Importance of Money vs. People

Aus der Studie:

I do indeed find more important gender differences in the importance of money/work and the importance of people/family than in the other two, more commonly used, non-cognitive measures. For example, considering the components underlying the importance money/work, men tend to be more ambitious and value money more: the percentage of men who state that “The chance to be a leader” is very important in selecting a career and that “Having lots of money” is very important to them in their life exceeds that of women by close to 10 percentage points. In the NELS88, I find that there has been some gender convergence in work values. In particular, more women than men state that “Being successful in work” is very important to them in their life, but there remains some gender differences in the importance of money, so the importance of money/work composite still display a sizeable gender gap. Considering the components underlying the importance of people/family composite, the percentage of women in the NLS72 who state that “Opportunities to work with people rather than things” and that “Opportunities to be helpful to others or useful to society” is very important in selecting a career exceed that of men by more than 10 percentage points. By contrast with the previous composite, I do not find much gender convergence in the importance of people/family across the cohorts, but measurement issues may be at play. The impacts of the non-cognitive factors on wages in these single-cohort samples are of the expected signs. Locus of control and the importance of people/family have negative effects, but these are not always significant. Indeed, the positive factors dominate: self-esteem and the importance money/work have sizeable positive effects on wages

Also eigentlich recht klassisch wie es evolutionäre Modelle vorhersagen. Männer wollen Ressourcen und Status bzw. hohe Plätze in der Hierarchie, Frauen wollen eher einen Job, der ihnen etwas bedeutet und bei dem sie mit Leuten arbeiten.

The main finding of the paper is that non-cognitive factors account for a small but not trivial part, about 2 logpoints, of the gender wage gap among workersin their early thirties. This role compares to the one played by gender differences in labor market experience and job tenure in 1986 in this high school cohort. The importance of work/moneyis the non-cognitive factorthat plays the largest role, accounting for 1.7 log points, given both the larger gender differentials in this factor and the larger impact of this factor on wages. Even when workers in their mid- twentiesin 1979,this non-cognitive factor accounted for 1.2log points. This gives some support to the negotiating/bargainingdivide hypothesis (Babcock and Laschever (2003)) which argues that women have less a sense of entitlement to higher wages than men. It is however difficult to distinguish this hypothesis from the fact that women may have lower wage expectations because of their foreseen lower involvement in the labor market, lower productivity or negative feedback from the labor market.38 Among workers in the mid-twenties in 2000, non-cognitive factors play a more modest role, accounting for only close to 1 log points. In the NELS88, gender differences in the importance of money/work have shrunk by a third, so this is not too surprising. Women have closed the gender gap in educational attainment, and are beginning to close the gap in some non-cognitive factors such as the importance of money/work. The analysis of non-cognitive factors may thus come to play an increasingly crucial role towards our understanding of gender wage differentials

Hier zeigt sich, dass sich die Unterschiede auch auf den Gender Pay Gap auswirken. Wer mehr auf Geld und Arbeit abstellte, verdiente auch mehr

„Wenn typische Frauenberufe schlechter bezahlt werden, muss man das durch Lohnerhöhungen dort ausgleichen“

Der Einwand dagegen, dass Frauen sich typischerweise Studienfächer und Berufe auszusuchen, in denen die Bezahlung schlecht ist, ist das dies nicht an den Frauen liege, sondern an der Diskriminierung. Der Wert dieser Arbeiten werde nicht angemessen umgesetzt.

Typische Argumente sind

  • Soziale Berufe sind wichtig für die Gesellschaft und sollten daher besser bezahlt werden
  • Auch diese Berufe verlangen eine qualifizierte Ausbildung, die demnach entsprechend zu entlohnen ist

1. Lohnbildung

In einer Marktwirtschaft bildet sich der Lohn nach verschiedenen Grundsätzen, insbesondere aber nach Angebot und Nachfrage, dann aber auch nach dem, was in der jeweiligen Branche durch qualifizierte Kräfte zu erwirtschaften ist. Die Löhne werden üblicherweise unter den Parteien ausgehandelt und nicht durch den Staat festgesetzt.

Im sozialen Bereich wird zwar auch vieles an Leistungen vom Staat angeboten, der dann das Gehalt regelt, der muss sich aber auch in gewisser Weise an den Löhnen des Marktes orientieren.

Im sozialen Sektor ist wenig Geld zu machen. Erhöhungen hier kann man schlecht über höhere Qualität oder bessere Leistungen weitergeben, weil zB Krankenkassen feste Sätze zahlen und man dann schnell Verlust macht.

Hinzu kommt der Umstand, dass Löhnerhöhungen eben ausgehandelt werden. Hier könnten sich verschiedene Faktoren auswirken:

  • Wer nicht mehr verlangt, der bekommt auch nicht mehr. Gerade Frauen sind aber prozentual weniger auf Arbeitskampf eingestellt, weniger in Gewerkschaften organisiert, lieber in flachen Hierarchien tätig, die einen direkten Arbeitskampf erschweren, in Berufen tätig, in denen kaum Gewinne weitergegeben werden können (ein Unternehmensgewinn in der Automobilbranche kann leichter von Mitarbeitern als Argument verwendet werden als ein „Gewinn“ in einem Kindergarten) und bei denen eine Arbeitsniederlegung auch schwerer durchsetzbar ist, weil man sie auf den Rücken von Hilfebedürftigen im sozialen Bereich austragen müsste.
  • Frauen sind häufig weniger auf das Gehalt angewiesen, weil es der Zuverdienst in der Beziehung ist, das Haupteinkommen erzielt der Mann.
  • Viele Frauen wählen ihren Beruf nicht nach Lohn aus, sondern nach dem Beruf an sich. Was dafür sorgt, dass immer ein relativ hohes Angebot an Arbeitskräften vorhanden ist. Ein sinkender Lohn schreckt weit weniger ab als zb in Männerbereichen
  • Frauen sind anscheinend andere Bereiche wichtiger, für die sie Lohneinbuße hinnehmen: Dazu gehören sozial anerkannte Tätigkeiten im helfenden Bereich, das Arbeiten mit Menschen, das Arbeiten im Innenbereich, die Vereinbarkeit mit Familie, die Work-Life-Balance etc.
  • Das der Lohn in einem Bereich sinkt, in dem Frauen in höherer Anzahl tätig sind, kann damit auch schlicht an diesen Frauen liegen und nicht an einer Diskriminierung.

2. Wie sollte man überhaupt den Lohn erhöhen?

Eine andere Frage wäre, wie man überhaupt den Lohn erhöhen sollte. Die Aufforderung „Frauenberufe müssen besser bezahlt werden“ hört man häufiger, aber sie wird selten wirklich konkret beschrieben,

Sicherlich könnte man einen Mindestlohn einführen, aber ansonsten wäre jeder Eingriff in die Lohngestaltung erst einmal ein starker Eingriff in die Vertragsfreiheit.

Nehmen wir mal die Zahnarzthelferin in einer freiberuflichen Zahnarztpraxis. Es ist eine Arbeit mit einem hohen Frauenanteil, trotz niedriger Bezahlung. Soll man jetzt plötzlich per Gesetz anordnen, dass Ärzte für die gleiche Tätigkeit mehr zu zahlen haben? Mit welchem Recht? Und warum gerade nur in diesem Beruf? Warum nicht auch in vergleichbaren Berufen? kann das Geschlecht hier maßgeblicher Faktor sein? Eine freiwillige Selbstverpflichtung der Zahnärzte in diesem Bereich?

Warum sollte dies geschehen und warum sollten nicht die Frauen selbst in der Pflicht sein, die üblichen Wege des Arbeitskampfes zu bestreiten? Eine Zangsgewerkschaft für Frauen könnte ich mir da schon eher vorstellen, die dann einen Zwangsarbeitskampf führt, aber das wäre auch eine ziemliche Entmündigung.

ich bezweifele, dass „Zangslohnerhöhungsrunden“ verfassungsrechtlich zulässig wären.

3. Strohmann-Prüfung

Vielleicht habe ich das Argument auch falsch verstanden und insoweit hier schlicht einen Strohmann erlegt. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren, wer die eigentlichen Argumente oder Positionen besser darstellen kann oder hier falsch dargestellt sieht, der kann mich gerne in den Kommentaren darauf hinweisen

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