Wie arbeitsintensiv sind Spitzenpositionen?

Eine der immer wieder auftauchenden Themen ist, welche Anforderungen eigentlich an eine Spitzenposition gerade in zeitlicher Hinsicht gestellt werden.

Die eine Position ist, dass Spitzenpositionen ein erhebliches Maß an Zeit erfordern, wenn man sie richtig durchführen will und mit einem geringeren Zeitaufwand schlicht nicht zu bewältigen sind.

Die andere Auffassung ist, dass der Arbeitsumfang eher künstlich aufgebläht wird, die Leute nicht deligieren können, man nicht abgeben kann und Führungspositionen eh eher das große Bild im Auge behalten müssen und es eher um Verantwortung geht, nicht darum, wie viele Stunden man im Büro ist. Man könne eh nicht mehr als 8 Stunden effektiv arbeiten, alles andere sei bloßes Zeitabsitzen.

Eng damit verwandt ist die mir insbesondere aus feministischen Diskussionen bekannte Argumentation, dass es eben die männliche Arbeitswelt ist, die diese Stunden verlangt, während Frauen, die weniger egobezogen und zugleich teamfähiger arbeiten würden, dies nicht nötig hätten und einfach effektiver arbeiten würden, dass aber, weil der Schein mehr zähle als das tatsächliche Arbeiten, nicht entsprechend gewürdigt würde.

Eine andere Variante ist einfach davon auszugehen, dass jeder Job teilbar ist und man dann eben einfach mehr Leute einstellen soll, die die gleiche Arbeit machen

Meiner Meinung nach erfordern gewisse Arbeiten durchaus einen hohen Arbeitsaufwand und das ist auch nicht immer deligierbar. Da ist zB die Arbeit von Spezialisten an einem größeren Projekt, dass zeitgebunden ist. Wenn Vorbereitungen für einen Auftrag an einem bestimmten Tag abgeschlossen sein müssen und diese Zeit knapp bemessen ist, dann kann man eben keinen 8 Stundentag hinlegen, sondern wird zwangsläufig mehr arbeiten müssen. Das gleiche ist es, wenn man den Überblick behalten möchte und dazu Fachwissen und Detailwissen braucht. Dann ist es ebensowenig möglich, sich in dem Bereich zurückzuhalten.

In dem anderen Beitrag wurde ja bereits die Abschlußarbeit eines Studiums angeführt. Die wenigesten werden hier gesagt haben, dass sie da auch gut mit 8 Stunden hinkommen, sondern sie werden echte Stressphasen gehabt haben, in denen sie gerade am Ende der Zeit „überstunden“ gemacht haben. Hier will eben auch niemand was übersehen, geht diversen Spuren nach, sichert sich durch umfangreiches sichten und lesen diverser Literaturstellen ab und baut dadurch natürlich auch zusätzliches Wissen auf.

Es ist zudem zu bedenken, dass es Menschen gibt, die vollkommen in ihrem Beruf aufgehen. Workoholics, die sich ein Leben außerhalb des Büros und ohne die Anspannung des Jobs nicht vorstellen können. Oder auch sehr sachliche Menschen, die sich ihre Bestätigung, die sie vielleicht im persönlichen Bereich nicht bekommen, innerhalb des Berufs suchen.

Denen zu sagen, dass sie es doch mal etwas entspannter angehen können, verkennt vollkommen, dass sie dies gar nicht können und wollen. Sie empfinden diesen Bereich nicht als Belastung, weil ihr Beruf ihr Hobby bzw. sie den Stress brauchen um sich wichtig zu fühlen.

So jemanden zu sagen, dass er die Arbeitswelt doch mal etwas Frauenfreundlicher gestalten soll, indem er weniger arbeitet oder die Anforderungen herunterschraubt, wird wenig bringen. Die Reaktion wird eher ein „Warum sollten wir? Uns gefällt es so.“ sein.

Das in diesem Bereich mehr Männer vertreten sind mag daran liegen, dass dies dem sachlich-analytischen Gehirn, dass häufiger bei Männern zu finden ist, eher entgegenkommt.

Vater sein und Beruf

Ein Artikel in der Zeit behandelt die Frage, inwiefern sich Väter die Zeit zum Vater sein nehmen:

Zu den Anforderungen der Vaterrolle:

Vater sein will, bevor das Kind auf der Welt ist. »Die meisten schaffen die äußeren Bedingungen für ein Kind – übersehen aber oft die inneren Voraussetzungen.« Und sie sollten diese Frage nicht nur mit sich selbst klären, sondern mit der Partnerin, mit Freunden, mit Männern, die bereits Väter sind. Deshalb nennt Walter als Kernkompetenz des modernen Vaters die Kommunikationsfähigkeit. »Und dann muss er bereit sein, für sein Kind da zu sein – nicht nur als Ernährer, sondern als präsente Person.« Walter weiß aber auch: Die modernen Väter »müssten schon Supermänner sein, um all die Forderungen zu erfüllen, die an sie gestellt werden. Ein großes Problem liegt darin, das die Phase der Familiengründung und des beruflichen Fußfassens in das gleiche Altersspektrum fallen.«

Und zu den Plänen und der tatsächlichen Umsetzung:

In der großen Väterstudie des Deutschen Jugendinstituts aus dem Jahr 2008 sagen 94,9 Prozent der befragten Männer, sie wollten sich »Zeit nehmen für das Kind«; die Studie »männer leben« der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung aus dem Jahr 2004 zeigt, dass 44 Prozent der Väter nach der Geburt ihres ersten Kindes länger arbeiten als vor der Geburt. Das mag daran liegen, dass sie den Schwierigkeiten zu Hause aus dem Weg gehen wollen. Das liegt aber auch daran, dass sich Väter der Rolle des verantwortlichen Ernährers bewusst sind: Ich habe eine Familie, ihr soll es an nichts mangeln, deshalb muss ich arbeiten. Und dann mangelt es eben doch, und zwar an der Anwesenheit des Vaters.

Und zu der Betreuung am Wochenende und dem anderen Spielverhalten der Väter:

Sogar am Wochenende liegt der Betreuungsanteil der Mütter höher als der der Väter. Mütter sollten dann Vater und Kind auch ruhig mal allein und den Vater machen lassen. Das Kind brauche nicht zu allen Zeiten beide Elternteile, um sich zu vergewissern, dass beide da sind, sagt Ahnert. Der Vater müsse sich allerdings im Umgang mit dem Kind aktiv einbringen, mit ihm spielen und toben. Anders, riskanter, gefährlicher als die Mutter – eine wichtige Erfahrung für das Kind. Väter sind die »Impulsgeber«, sie fordern das Kind körperlich heraus, während Mütter ihm Sicherheit geben. Mütter regulieren die Gefühlswelt der Kinder, Väter ermutigen. Und sie muten dem Kind mehr zu. Fällt es hin, sagen sie: Steh auf. Sie trauen sich, ein Baby hochzuwerfen