Macht die traditionelle Arbeitsteilung glücklicher?

Eine Studie hat die Zufriedenheit bei Männern und Frauen mit verschiedener Arbeitsteilung untersucht:

Eine Studie der Universität Marburg, die der„Zeit“ vorliegt, wagt dies nun zu bezeifeln. Demnach ist besonders eine Gruppe von Vätern zufrieden – und zwar diejenigen Männer, die überdurchschnittlich (50 Stunden pro Woche) viel arbeiten und damit auch über ein klares Rollenbild verfügen.

„Die traditionelle Rolle für Männer ist die des Familienernährers und Vollzeitarbeiters. Männer scheinen sich in dieser Rolle am wohlsten zu fühlen“, so Martin Schröder, Autor der Studie, im Interview mit der Hamburger Wochenzeitung.

Das wiederum habe auch Konsequenzen für die Beziehung des Paares. „Auch bei Müttern steigt die Lebenszufriedenheit mit der Arbeitszeit des Partners“, so Schröder weiter. Erst wenn der Mann mehr als 50 Stunden aus dem Haus sei, würden Frauen mit Kindern merklich unzufriedener. Ebenfalls interessant: Auch die Arbeitszeit, die die Mütter selbst absolvieren (Teil- oder Vollzeit), hat demnach kaum einen Einfluss auf deren Wohlbefindungen.

Zu der Art wie die Daten erhoben worden sind:

Für seine Studie nutzte der Soziologieprofessor die Daten des Sozioökonomischen Panels aus den Jahren 1984 bis 2015. Insgesamt wurden dort 57.627 Personen zwischen 18 und 65 Jahren wiederholt befragt, wie zufrieden sie auf einer Skala von null bis zehn Punkten mit ihrem Leben sind. Je höher die Punktzahl, desto zufriedener waren die Befragten.

Auch die Unzufriedenheit ließ sich so messen. „Für Väter gibt es kaum etwas, das einen so negativen Einfluss auf die Zufriedenheit hat, wie weniger zu arbeiten“, sagt Martin Schröder. So büße ein Vater, der 20 statt 50 Stunden arbeite, fast 0,4 Lebenszufriedenheitspunkte ein.

Natürlich kann man das auf verschiedene Weise auslegen. Ich werfe mal zwei Auslegungen in die Diskussion:

  • die traditionellen Geschlechterrollen haben einen biologischen Unterbau. Deswegen fühlen die Männer sich als Versorger und mit dem Status einer Berufstätigkeit ausgestattet am wohlsten. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Mann mit einem guten Job sowohl in der intrasexuellen Konkurrenz gut abschneidet als auch wichtige Anforderungen der weiblichen Partnerwahl (gerade Langzeit) bedient, so dass er einen gewissen Platz in der Welt hat. Er ist mit sich zufriedener und seine Partnerin evtl auch.
  • die traditionellen Geschlechterrollen werden durch gesellschaftliche Strukturen erhalten, die das Denken der Menschen formen. Wegen dieser meint ein Mann nur etwas Wert zu sein, wenn er arbeitet, mehr Geld verdient als die Frau und damit die Kontrolle über die Finanzen hat. In einer gerechteren Gesellschaft wäre das nicht so. Das Patriarchat schadet eben auch den Männern. Wir brauchen mehr Feminismus, um die Männer ebenso aus den Geschlechterrollen zu befreien. Genau dieses Denken, der mit dem Mehr an Geld zu sein, trägt dazu bei, dass Frauen nicht nach oben kommen.

Weiter aus dem Bericht über die Studie:

Auch die Unzufriedenheit ließ sich so messen. „Für Väter gibt es kaum etwas, das einen so negativen Einfluss auf die Zufriedenheit hat, wie weniger zu arbeiten“, sagt Martin Schröder. So büße ein Vater, der 20 statt 50 Stunden arbeite, fast 0,4 Lebenszufriedenheitspunkte ein.

Zum Vergleich: Arbeitslosigkeit oder der Verlust des Partners kosten im Schnitt 0,9 Punkte. Seine Ergebnisse, so Schröder, seien unabhängig von sonstigen Einflussfaktoren, etwa Beruf oder Gesundheit. Als Königsweg für glückliche Eltern empfiehlt er deshalb folgendes Modell: „Statistisch gesehen sollte demnach der Vater etwa 80 Prozent der gesamten Arbeitszeit beisteuern und die Mutter ungefähr 20 Prozent“, so Schröder.

Der Mann Vollzeit als Ernährer, die Frau vor allem als Hausfrau und Mutter mit einem Hinzuverdienst – ausgerechnet dieses traditionelle, fast schon als überkommen geltende Familienmodell scheint also aus wissenschaftlicher Sicht das Glück der Familie zu mehren.

Die tatsächliche Studie wäre das wirklich interessant. Gerade die Unabhängigkeit von Beruf und Gesundheit finde ich interessant. Denn das etwa viele Überstunden häufig damit verbunden sind, dass man einen besseren Job hat, ist ja nicht fernliegend: Gerade bei Hochqualifizierten lohnt es sich, sie länger zu beschäftigen und in sehr verantwortungsvollen Jobs ist auch häufig mehr als genug Arbeit für Überstunden dar, die dann mit dem Lohn abgegolten werden.

Und natürlich gilt dann auch „Happy Wife, happy life“. Kann man ein finanziell abgesichertes Leben mit voller Berufstätigkeit führen, dann mag das auch ansonsten eine ruhigere und damit zufriedenere Beziehung geben.

Ich konnte die Studie aber leider nicht finden. Sie ist auch noch nicht auf der Seite von Martin Schröder aufgeführt.

Ein Interview gibt weitere Informationen:

Schröder: Väter sind am zufriedensten, wenn sie 50 Stunden pro Woche arbeiten. Also richtig lange. Die Lebenszufriedenheit von Müttern hängt dahingegen kaum von ihren Arbeitsstunden ab.

Das wäre zB einer dieser Faktoren, die bei den üblichen Daten zum Gender Pay Gap nicht erfasst werden: Haben Männer im Schnitt vielleicht einfach mehr Spass am langen Arbeiten im Büro? Das würde erklären, warum sie eher bereit sind Jobs anzunehmen, die das erfordern oder nach Feierabend noch Zeit in politische Arbeit investieren.

ZEIT: Ist Ihre Untersuchung repräsentativ?

Schröder: Ja. Ich nutze die Daten des Sozioökonomischen Panels aus den Jahren 1984 bis 2015. Insgesamt wurden dazu 57.627 Personen zwischen 18 und 65 wiederholt befragt, wie zufrieden sie auf einer Skala von null bis zehn mit ihrem Leben sind.

ZEIT: Von null – total unzufrieden – bis zehn – superzufrieden?

Schröder: Genau. Die allermeisten Deutschen geben sich ungefähr sieben Punkte. So steht zum Beispiel ein kinderloser Mann, der null Stunden arbeitet, bei etwa 6,6 Punkten Lebenszufriedenheit. Wenn er 48 Stunden arbeitet, ist er bei 7,2 Punkten.

Wäre interessant da die Daten zu sehen, gerade auch mit der zeitlichen Entwicklung. Noch mehr interessieren würde mich eine Aufschlüsselung nach Berufen und Einkommen.

ZEIT: Während Mütter mit ungefähr 30 Stunden Arbeitszeit am zufriedensten sind.

Auch hier würde der Gender Pay Gap weitere Bereinigungen erfahren können und die Gründe für die Arbeitsteilung deutlicher werden:
Wenn eine Frau genau so glücklich ist, wenn sie 20, 30 oder 40 Stunden arbeitet, der Mann aber unglücklicher in Teilzeit und glücklicher in Vollzeit, dann können sich diese kleinen Unterschiede bereits gewaltig auswirken: Er wäre dann immer eher bereit die Vollzeitarbeit zu übernehmen und würde weniger gern in Teilzeit gehen.

Dazu möchte ich noch einmal auf das Cola-Pepsi Verteilungsproblem Bezug nehmen:

Wenn 51% aller Menschen lieber Cola mögen, und 49% aller Menschen lieber Pepsi, haben wir in etwa einen ausgeglichenen Marktanteil

Wenn aber alle (oder aber die meisten) Cola nur ein kleines bisschen lieber mögen (auch das dürfte dann biologisch bedingt sein), kann Pepsi den Laden dicht machen.
Weil es praktisch niemand mehr kaufen würde.

Wenn eben Männer lieber Vollzeit arbeiten (Cola trinken und Pepsi nicht mögen) und Frauen die Arbeitszeit nicht so wichtig ist (sie etwas lieber Pepsi trinken, aber Cola kurz dahinter kommt) dann bietet sich eine Teilung an, wo die Männer die Cola nehmen und Frauen die Pepsi.

Schröder: Im Grunde ist es fast egal, wie viel Mütter arbeiten. Ihre Lebenszufriedenheit schwankt im Schnitt nur zwischen 7,2 und 7,3 Punkten – ist also unabhängig von der Arbeitszeit recht hoch. Bei Vätern ist es das krasse Gegenteil: Deren Lebenszufriedenheit steigt mit Mehrarbeit extrem. Bei null Arbeitsstunden sind sie ziemlich unglücklich, mit nur 6,5 Punkten. Bei einer Arbeitszeit zwischen 40 und 60 Stunden liegt ihre Zufriedenheit viel höher, über 7,3 Punkten. Diese Abhängigkeit ist schockierend.

Man kann sich auch hier verschiedene Sachen vorstellen:

  • Weg von schreienden Kindern und Babyversorgung ist es angenehmer
  • Die Familie finanziell abzusichern macht glücklich.

Auch interessant ist das natürlich für Fragen des Wechselmodells:

Die Zahlen sprechen dafür, dass viele Männer wenig Interesse daran haben ihre Arbeit einzuschränken um Kinder zu betreuen. Es wäre zu vermuten, dass für sie ein Wechselmodell eher interessant ist, wenn die Kinder schon aus dem gröbsten raus sind und nicht so viel Betreuung brauchen oder wenn sie einen Partner oder Familie haben, der ihnen erlaubt, auch dann Vollzeit zu arbeiten.

In dem Interview war auch noch eine interessante Grafik enthalten, die die Lage etwas genauer darstellt:

Die Zufriedenheit von Männern und Frauen – auf einer Skala von 0 = unzufrieden bis 10 = sehr zufrieden

Quelle: Martin Schröder© ZEIT-Grafik

 

Weiter aus dem Interview:

ZEIT: Teilzeit macht Papa unglücklich?

Schröder: Ja. Ein Vater, der 20 statt 50 Stunden arbeitet, büßt fast 0,4 Lebenszufriedenheitspunkte ein. Zum Vergleich: Wer arbeitslos wird, verliert im Schnitt 0,9 Punkte, in etwa so viel wie beim Verlust des Partners. Für Väter gibt es kaum etwas, das einen so negativen Einfluss auf die Zufriedenheit hat wie weniger zu arbeiten.

ZEIT: Woher wissen Sie denn, dass bei den Vätern mehr Arbeit wirklich zu größerer Zufriedenheit führt?

Schröder: Ich habe mir alle relevanten Faktoren angeschaut, die die Lebenszufriedenheit ansonsten beeinflussen könnten: ob jemand krank ist, Ost- oder Westdeutscher, ob er kreativ arbeitet oder einen Bürojob hat – und sogar, ob er die Arbeitsstunden im selben Job erhöht oder senkt. Das Ergebnis blieb immer gleich: Väter sind zufriedener, wenn sie länger arbeiten.

Da wären aus meiner Sicht noch viele weitere Faktoren interessant, gerade die Art des Jobs und das Gehalt, selbständiger oder nicht, Position etc

ZEIT: Und die Mütter?

Schröder: Auch bei ihnen steigt die Lebenszufriedenheit mit der Arbeitszeit des Partners. Erst wenn der Mann über 50 Stunden arbeitet, sinkt auch wieder die Lebenszufriedenheit der Mütter.

ZEIT: Je länger der Alte aus dem Haus ist, desto besser für die Frauen?

Schröder: Wenn Sie es zuspitzen wollen: ja. Die Lebenszufriedenheit der Männer ist dagegen ziemlich unabhängig davon, wie viel ihre Partnerinnen arbeiten.

Interessant, dass da die Modelle doch ganz gut zusammen passen. 50 Wochenstunden sind in einem etwas herausfordernden Job in gehobener Position auch schnell zusammen,

ZEIT: Könnte das daran liegen, dass Männer mehr verdienen? Mama ist die Arbeit egal, Papa freut sich, dass er mehr arbeiten darf – und alle freuen sich gemeinsam über mehr Geld.

Schröder: Aus der Datenbank wissen wir, dass in 17 Prozent der Haushalte die Frauen pro Stunde mehr verdienen als ihre Männer. Das Komische ist, dass es diesen Effekt – Männer sind zufriedener, wenn sie mehr arbeiten, Frauen nicht – auch in diesen Haushalten gibt. Obwohl das dort ökonomisch völlig irrational ist.

Also nicht nur eine Frage des Geldes. Wahrscheinlich eher eine Frage von Status und Anerkennung und da ist Verdienst und Position für viele Männer eben ein wichtigerer Faktor.

ZEIT: Wie sollten sich denn Eltern die Arbeit aufteilen, damit alle glücklich sind?

Schröder: Statistisch gesehen sollte demnach der Vater etwa 80 Prozent der gesamten Arbeitszeit beisteuern und die Mutter ungefähr 20 Prozent.

ZEIT: Das liegt aber quer zur politischen Debatte. Da geht es meist darum, wie Erwerbsarbeit fairer unter den Partnern aufgeteilt und die Doppelbelastung der Mütter reduziert werden könnte.

Schröder: Es gibt tatsächlich die Theorie, dass es Eltern besser geht, wenn sich beide um Kind und Beruf kümmern. Aber die Daten bestätigen dies nicht. Ich habe Eltern untersucht, deren Situation perfekt ist, um sich Hausarbeit und Erwerbsarbeit fair aufzuteilen: sichere Jobs, sehr gute Kinderbetreuung, keine starke Belastung durch Hausarbeit. Aber bei denen sieht man das Muster noch deutlicher. Die Lebenszufriedenheit dieser Mütter sinkt sogar, wenn sie mehr arbeiten, obwohl sie die perfekten Bedingungen dazu haben. Ich finde das wirklich überraschend.

Ich vermute mal die Studie wird im Feminismus im Ergebnis nicht beliebt sein, weil sie zu viele Angriffspunkte für deren Theorien bietet. Allenfalls bietet sie eben dort Raum für das alte Spiel: „Die Zustände zeigen, dass wir noch mehr Feminismus brauchen, sonst würden die Leute nicht so denken“.

Aber auch im Maskulismus bieten sie Streitpotential: Der Mann im Schnitt scheint sich sehr wohl darin zu fühlen, wenn er viel arbeitet und möchte anscheinend die Kinderbetreuung durchaus an die Frau abgeben.

Im Interview heißt es weiter:

Schröder: Am besten passt das Erklärungsmuster der traditionellen Rollentheorie. Die argumentiert, dass die traditionelle Rolle für Männer die des Familienernährers und Vollzeitarbeiters ist. Männer scheinen sich in dieser Rolle am wohlsten zu fühlen. Das heißt aber nicht, dass es direkt die Arbeitsstunden sind, die Männer zufrieden machen.

ZEIT: Sondern?

Schröder: Deutschland ist ein Land, in dem es immer noch normal ist, dass Väter Vollzeit arbeiten und Mütter nicht. Vielleicht ist es einfacher, so zu leben wie alle. Dann muss man sich nicht gegenüber Bekannten, Freunden, Eltern erklären. Sich gegen stereotype Rollenbilder zu stemmen kostet viele Menschen möglicherweise Lebenszufriedenheit. Das bedeutet nicht, dass wir diese traditionellen Rollenbilder super finden, doch wir haben sie anscheinend in uns.

Das geht etwas in die Richtung des oben bereits angedachten. Und natürlich kann man auch bei einer biologischen Begründung teilweise so sein, etwa indem man zwar die langen Bürozeiten nicht schön findet, aber nur so den Job haben kann, der einem mit glücklich machenden Status versorgt und das man diese dafür in Kauf nimmt, auch wenn man lieber den Status mit weniger Stunden hätte.

ZEIT: Heißt das nicht trotzdem, dass die Gleichstellungspolitik mit Elternzeit und all den anderen Maßnahmen an den Bedürfnissen der Menschen vorbeigeht?

Schröder: Nein. Wir reden hier ja nur über statistische Durchschnittswerte. Es wird eine ganze Menge Väter geben, die sagen: „Das ist ja schön und gut, dass es dem durchschnittlichen Deutschen so geht, mir ist es aber wichtig, Zeit mit meinen Kindern zu verbringen.“

Auch das ist wieder wichtig zu unterscheiden: Der Durchschnitt heißt nicht, dass es nicht Leute gibt, für die andere Konzepte genau richtig sind. Insofern können entsprechende Konzepte Wahlmöglichkeiten bereitstellen.
Es geht dann eher darum, dass man sich nicht wundern soll, wenn diese Wahlmöglichkeiten nur sehr eingeschränkt angenommen werden.

ZEIT: Was wäre Ihre Empfehlung an die Politik?

Schröder: Zunächst einmal sollte sie Männer nicht aus dem Arbeitsmarkt drängen. Ein Beispiel: Viele hoch bezahlte oder prestigeträchtige Jobs sind stärker mit Männern besetzt. Sollte man das per Gesetz ändern? Diese Stellen gehen in der Regel mit einer hohen Zahl an Arbeitsstunden einher. Wer Männer aus diesen Jobs drängt, produziert Unzufriedenheit, gerade bei Vätern. Auch andere empirische Untersuchungen zeigen, dass Frauen in Managementpositionen weniger zufrieden als Männer sind. Und umgekehrt sind die Männer unzufriedener, wenn sie kürzer arbeiten und zu Hause bei ihren Kindern bleiben.

ZEIT: Die Frauenquote macht Väter unzufrieden?

Schröder: Es wäre nach diesen Ergebnissen sinnvoller, den Menschen Wahlmöglichkeiten zu eröffnen, auch die Chance, länger zu Hause zu bleiben. Dann würden sich vielleicht auch die traditionellen Rollenbilder ändern – und damit das Empfinden dessen, was uns glücklich macht.

Die Studie ist in der Tat ein gutes Argument gegen Quote und kann der Bereinigung des Gender Pay Gaps dienen.

ZEIT: Es wirft kein gutes Licht auf deutsche Väter, wenn sie die Arbeit als beglückender empfinden als das eigene Kind.

Schröder: Das ist nicht schön. Stimmt. Aber wir können uns leider keine anderen Väter herbeizaubern. Und empirische Forschung zeigt uns die Welt, wie sie ist, nicht wie wir sie gerne hätten.

Auch interessant, dass die Zeit meint, dass erst einmal für eine Väterabwertung nutzen zu müssen. Man könnte genauso anführen, dass es kein gutes Licht auf Frauen in der Arbeitswelt wirft. Und natürlich können die Väter dennoch gute Väter sein.

Ich glaube eine solche Äußerung über eine Karrierefrau (Sie: Ich bin gerne im Büro, da lebe ich richtig auf und stelle mich den Herausforderungen des Geschäftslebens. Ich bin eben eine Karrierefrau und mein Mann betreut die Kinder“ Interviewer: „Das wirft aber ein schlechtes Bild auf sie als Mutter, wenn sie die Arbeit beglückender empfinden als das eigene Kind“) wäre ein sofortiger Entlassungsgrund. Aber das er auch damit, mit der Abwertung, ein Geschlechterbild bestätigt, merkt er wahrscheinlich nicht.

 

Wie sich ein männlicher Feminist einen Girls Day vorstellt

Robert Franken stellt sich ein Horrorszenario vor: Eine Tochter macht in der Firma ihres Vaters im Rahmen eines Girls Days ein Praktikum und berichtet ihm dann wie fürchterlich es war:

Auf einer Fahrt, bei der sie alleine mit ihrer Tochter auf dem Weg zu einem Hockeyturnier im Auto sitzen, fragen sie nach dem Referat. Ihre Tochter meint nur „Ach, das ist nicht so wichtig. Aber in deine Firma setze ich keinen Fuß mehr.“

Es muss ihr schlimmes widerfahren sein. Lesen wir mal

Jetzt sind sie doch neugierig geworden. Was denn passiert sei, fragen sie. „Ihr seid ein einziger Verein von Macho-Arschlöchern, das ist passiert.“, platzt es aus Ihrer Tochter heraus. Sie wissen nicht genau, ob sie wütend oder verletzt sein sollen. Aber nun ist ihre Tochter ohnehin nicht mehr zu bremsen. „Ihr sitzt da fett auf euren Sesseln und lasst die Frauen für euch schuften. In Besprechungen reden nur die Männer. Außerdem werden andauernd blöde Witze auf Kosten der Frauen gerissen. Mich kotzt das alles an.“ Sie können nur stumm zuhören. Aber sie nehmen sich fest vor den Kollegen Bereichsleiter zur Rede zu stellen. Was hat der bitteschön mit ihrer Tochter gemacht?!

Ja, was für ein typisches Szenario. Ich kann mir vorstellen, dass Franken sich das so vorstellt. In seiner Vorstellung kann der böse Patriarchat eben nicht anders, er unterbricht Frauen und macht anzügliche Sprüche, während er fett auf Sesseln sitzt und eigentlich nichts tut, außer Frauen zu unterdrücken. Ich sehe vor meinen geistigen Auge fette weiße Männer mit Anzügen und Zigarren, die einen Spruch nach dem anderen machen, während die arme Tochter immer tiefer in den Sitz rutscht.

Der Vater konfrontiert dann noch den Abteilungsleiter, nicht ohne selbst noch einen dummen Spruch gemacht zu haben. Er sieht es aber immer noch nicht ein und spricht dann die Tochter wieder an:

Einige Tage nach diesem Austausch sprechen sie ihre Tochter direkt an. „Was war da am Girls’ Day, hat es dir nicht gefallen bei uns?“. Als hätte sie nur darauf gewartet, sprudelt es aus ihr heraus. „Ihr fragt euch, warum bei euch keine Frau in den Vorstand will? Weil sie nicht doof sind, die Frauen! Die sehen doch, wie ihr euren Job macht, und was ihr dafür an Opfern bringen müsst. Sieh’ dich an: Du bist so gut wie nie zu Hause, und wenn, dann sprichst du meist über deine Firma. Ein Glas Wein vor dem Fernseher und ab und zu Fahrdienst zu einer Sportveranstaltung von uns – das ist dein tolle Privatleben. Wer will denn so etwas? Niemand, den ich kenne. Und ich schon gar nicht.“

Auch mal wieder hervorragend:

Oben heißt es:

„Ihr sitzt da fett auf euren Sesseln und lasst die Frauen für euch schuften.

Und im gleichen Text dann schon in der nächsten Aussage der pfiffigen und feministisch geschulten Tochter:

Ihr fragt euch, warum bei euch keine Frau in den Vorstand will? Weil sie nicht doof sind, die Frauen! Die sehen doch, wie ihr euren Job macht, und was ihr dafür an Opfern bringen müsst. Sieh’ dich an: Du bist so gut wie nie zu Hause, und wenn, dann sprichst du meist über deine Firma.

In. Dem. Gleichen. Text.

Das kann man wahrscheinlich nur als männlicher Feminist: Männern sowohl vorwerfen, dass man die Frauen alle Arbeit machen lässt und ihnen vorwerfen, dass Frauen die Arbeit nicht machen wollen, weil sie zu sehr in das Privatleben einschneidet.

Franken dann weiter:

Ihre Arbeitsbelastung ist in letzter Zeit tatsächlich noch einmal stark angestiegen. Sie haben immer mehr mit Führungsaufgaben zu tun, zumal sich die Rahmenbedingungen permanent verändern. Das fordert: Zeit und Energie. Und manchmal fragen sie sich insgeheim, wie lange das noch durchzuhalten ist. Dann versuchen sie sich mit dem Blick auf all das, was sie erreicht haben, zu trösten. Wer sich einen Lebensstandard erarbeitet hat, wie sie das getan haben, der muss eben auch gelegentliche Opfer bringen. Ihre Familie hat sich daran gewöhnt. Glauben sie. Hoffen sie.

Aber wenn sie es sich recht überlegen: Ihre eigenen Prioritäten fühlen sich schon ganz lange nicht mehr so richtig passend an. Hinzu kommt, dass sie sich immer öfter kraftlos und irgendwie leer fühlen. Wann hat das eigentlich angefangen? Ist das eine Art Midlife-Crisis oder steckt mehr dahinter?

Das sexistische Schwein arbeitet hart und lässt alle Arbeit von Frauen machen!!1 Er arbeitet für seine Familie, da ist es nur gerecht, dass seine Tochter alle als Machoarschlöcher bezeichnet. Wie kann er seine Familie nur so vernachlässigen, indem er Frauen alle Arbeit machen lässt und sich damit vollkommen überarbeitet. Und dann redet er auch noch die ganze Zeit und lässt Frauen nicht zu Wort kommen.

Franken reflektiert:

Wie kommen wir da heraus?

Vermutlich, indem wir uns von einigen Dogmen verabschieden. Von der Vorstellung etwa, dass eine Führungsposition nur auf eine bestimmte Art und Weise und mit hohem zeitlichen Aufwand auszufüllen ist. Von der Annahme, dass Durchsetzungsfähigkeit in der extrovertiert-männlichen Ausprägung die Grundvoraussetzung für Führungskarrieren ist. Von der Idee, dass Kinder Sollbruchstellen in der eigenen Karrierebiografie sind. Und von vielem anderen mehr.

Am Anfang steht dabei das Reflektieren, das Sich-Einlassen, schließlich das Neu-Denken. Gedankenexperimente können ein erster Schritt sein.

Es ist auch interessant, dass er in den Selbstreflexionen gar nicht darauf eingeht, dass man da unnötige Zeit verbringt. Im Gegenteil, er führt an, dass man dort viel Arbeit hat und sie machen muss. Die Reflexion erfolgt ins blaue hinein: Franken hat keine Ahnung wie man die Führungsposition ohne diese Grundlagen, die er kritisiert, bewältigen kann.

Wir erinnern uns, dass Stevie Schmiedel in einer relativ kleinen Firma schon erklärt hat, dass sie vollkommen überarbeitet ist. Und das Männer und Frauen in Führungspositionen eben gleiche Charaktereigenschaften zeigen und alles darauf hindeutet, dass die Frauen, die sich oben halten, genau die gleichen Mittel einsetzen wie Männer. Und das „Agreeableness“ bei Männern und Frauen negativ für eine Führungsposition ist.

Natürlich leuchtet das ansonsten auch jedem ein, wenn er selbst etwas beauftragt: Wer möchte nicht, dass ihm sein Rechtsanwalt mitteilt, dass er noch einmal die ganze Nacht alle Urteilsdatenbanken durchsucht hat und dort wegen dieser langen Suche ein gutes Urteil gefunden hat? Wer nicht den Mitarbeiter, der noch einmal Extrazeit in ein Projekt investiert hat und daher den Kunden als besonders kompetent überzeugt?

Das alles ist leicht als „männlich“ zu verurteilen und natürlich hat es Auswirkungen auf das Privatleben.

Aber es ist dann doch etwas simpel gedacht, wenn man einfach anführt, dass die Männer das bitte ändern sollen, wenn es letztendlich sich aus dem System selbst ergibt.

Zufriedenheit mit dem Job nach Beförderungen bei Männern und Frauen

Frauen scheinen nach einer Beförderung eher unzufriedener zu sein als vorher:

Aus dem dort zitierten Arit

I also wanted to see whether the effect of promotions to upper management was different from that of promotions to lower-level management, so I ran the analysis again. I found that for men promoted to both lower- and upper-management positions, the effect of promotion on job satisfaction is positive. It remains positive and significant beyond the promotion year.

The results for women were markedly different: Women promoted to lower management do not see a positive change in their job satisfaction; rather, their job satisfaction remains relatively flat during the promotion period and in the post-promotion period. In contrast, women promoted to upper-management see a significant decrease in satisfaction after the first year.

(…)

The disenchantment of women with their managerial job experience has troubling implications for organizations. To the extent that women’s satisfaction with their jobs deteriorates after managerial promotions — while the job satisfaction of their male peers increases — women are less likely to further consider top managerial jobs, thus reducing the pool of female talent for upper management. Moreover, because prospective job candidates form ideas about their fit with a job based on interactions and comparison with demographically similar groups, if women aspiring to a managerial career perceive that managerial promotions lead to lower job satisfaction they are less likely to apply for any managerial position.

Mir würden verschiedenste Gründe einfallen:

  • Status ist für Männer attraktiv, für Frauen erhöht es die Attraktivität nicht
  • Höhere Jobs verlangen üblicherweise einen höheren zeitlichen Einsatz und sind üblicherweise mit einer Reduzierung des Privatlebens verbunden. Vielleicht trifft dies Frauen häufiger, auch weil sie in anderen Studien weniger Arbeitsstunden und weniger stressiges Umfeld wichtiger finden als Männer, die dagegen auf Status und Anerkennung aus sind.

Die Grafik zu letzerem aus dieser Studie:

 

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Arbeitsstunden Bereitschaft idealer Job

Interessen und Arbeitsbereiche

Interessen und Arbeitsbereiche

 

Die dortigen Differenzen passen eigentlich sehr gut dazu, dass Frauen unzufriedener und Männer zufriedener sind. Männer können mehr von dem, was sie wollen, in einem Führungsjob  umsetzen.

Doppelte Belastung für Frauen durch Vereinbarkeit von Beruf und Familie?

Die Süddeutsche bespricht eine Studie, nach der sich die Belastung von Männern und Frauen in der Familie nicht stark untersheidet:

Vor allem für Frauen sind Kind und Karriere eine doppelte Belastung, heißt es. Doch Psychologinnen kommen jetzt zu einem anderen Schluss.

Zu den vielen Gewissheiten in der endlosen Diskussion über die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zählt, dass vor allem Frauen unter der Doppelbelastung leiden. Das populäre Bild besteht aus gestressten Müttern, die sich zwischen den Ansprüchen von Kindern und Arbeitgebern zerreiben, während Väter rücksichtslos Karriere machen und sich dabei nicht von den Bedürfnissen ihrer Familien irritieren lassen. Doch dabei scheint es sich um eine Legende zu handeln, denn Männer leiden ebenso, wenn sie versuchen, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Das zeigt eine Studie, die Forscher um Kristen Shockley von der University of Georgia im Journal of Applied Psychology veröffentlicht haben.

Für die Arbeit wertete das Team um die Psychologin mehr als 350 Einzelstudien mit insgesamt etwa 250 000 Teilnehmern aus – ein sehr großer Datensatz, der für die Qualität der Veröffentlichung spricht. Etwa die Hälfte der analysierten Studien stammt aus den USA, die anderen aus Europa und Asien. „Im Wesentlichen haben wir kaum belastbare Beweise dafür gefunden, dass Frauen und Männer in unterschiedlichem Ausmaß durch die Vereinbarkeit von Beruf und Familiebelastet werden“, sagt Shockley.
Geringe Unterschiede identifizierten die Forscher nur bei Doppelverdienerpaaren: In dieser Konstellation klagten Mütter geringfügig häufiger darüber, dass Familienangelegenheiten ihre Arbeit beeinträchtigten; und Väter, dass die Arbeit ihr Familienleben störe. Doch diese Differenzen seien so gering, dass sie kaum praktisch relevant seien, so die Forscher.

Die Ergebnisse stehen in starken Kontrast zur öffentlichen Wahrnehmung der Problematik. Das Thema werde in den Medien fast ausschließlich als Frauenthema diskutiert, so Shockley. Dadurch drehe sich die Diskussion im Kreis: „Frauen hören von anderen Frauen, dass sie mit dem Problem kämpfen und alleine dadurch entsteht die Erwartung, dass sie größere Schwierigkeiten haben werden als Männer, Beruf und Familie zu vereinbaren“, sagt die Psychologin.

Also eine gleich große Belastung durch die Vereinbarkeit, aber eine einseitige Debatte, die nur auf die Frau abstellt.

Männer thematisierten ihre Probleme hingegen zu wenig – offenbar, dafür sprechen einige Studien, weil sie fürchten, dadurch Nachteile im Beruf zu erfahren. „Ich glaube, dieses Schweigen schadet Männern“, sagt Shockley, „sie müssen sich auch durchbeißen und erleben den gleichen Arbeits-Familien-Stress wie Frauen, aber niemand erkennt das an.“

Hauptmotiv für die Studie war es, empirische Belege zu sammeln, ob und wie sich das Geschlecht auf das Stressniveau auswirkt, der durch den Spagat zwischen Büro und Kinderzimmer entsteht. Ein lobenswerter Ansatz, denn die Debatte rund um Geschlechtergerechtigkeit wird vor allem durch Emotionen und weniger durch nüchterne Daten angetrieben.

In der Tat. Und auch diese Studie wird wenig daran ändern.

Dass Frauen und Männer gleichermaßen darunter leiden, an zwei Fronten an ihren eigenen Ansprüchen zu scheitern, sei auch nicht davon abhängig, wie gerecht das Zusammenleben der Geschlechter in einer Gesellschaft organisiert sei. Der einzige Unterschied, für den sich in Studien Indizien finden lassen: Wo Gleichberechtigung in besonderem Ausmaß erreicht ist, wird offenbar Verhalten erst recht durch die Geschlechterbrille betrachtet und interpretiert. Das könnte erklären, dass der Konflikt zwischen Beruf und Karriere in den westlichen Ländern als fast reines Frauenthema diskutiert wird.

Mehr Gleichberechtigung bewirkt stärkere Geschlechterrollen. Das hier zumindest bekannte Gender Equality Paradox.

Vgl. auch:

Überstunden

Auf Twitter wurde ich auf eine Quelle mit einigen interessanten Grafiken zu Überstunden hingewiesen:

Dabei ist insbesondere die Grafik zu der Verteilung nach Geschlecht interessant:

ueberstunden-nach-geschlecht2

Wie man sieht ist der Anteil der Männer an den Überstunden durchgängig höher.

ueberstunden-und-ausgleich

Hier sieht man, dass ein Großteil der Überstunden nicht abgegolten werden, weder in Freizeit noch in Geld, also in dem Gehalt enthalten sind. Der Faktor „nicht bezahlte Überstunden“ wird übrigens in den klassischen Berechnungen zum Gender Pay Gap nicht berücksichtigt, weil diese ja nicht registriert und gemeldet werden.

ueberstunden-und-taetigkeit

Hier sieht man auch gut, dass die Überstunden sich auch auf das Gehalt auswirken. Wer wenig bekommt muss im Gegenzug auch häufig weniger damit rechnen Überstunden zu machen, wer viel bekommt, bei dem werden Überstunden eher erwartet. Jede Beförderung ist damit indirekt auch eine Entscheidung dafür, ob man bereit ist mehr Überstunden zu machen.Wer dazu nicht bereit ist, etwa weil er Zeit für Familie und Kinder haben will, der muss sich eben überlegen, ob er die Beförderung (und das damit verbundene Geld) ablehnt

ueberstunden-nach-gehaltsklasse

In das gleiche Horn stößt auch die nächste Grafik: Mit steigenden Gehalt steigen auch die Überstunden. Statt einer 40 Stundenwoche eine 50 Stundenwoche zu haben macht sich dabei schon deutlich bemerkbar.

ueberstunden-anteile-gehaltsklasse

Auch hier sieht man, dass mit steigenden Gehalt diese im Lohn inbegriffen sind. Man wird dafür bezahlt einen bestimmten Job zu machen, mit soviel Einsatz, wie dafür erforderlich ist. Ab gewissen Lohnbereichen machen nahezu alle Mitarbeiter unbezahlte Überstunden.

vgl auch:

Die Arbeit der Männer als deren Machtfaktor vs. andere Lebensplanung von Frauen

Adrian schrieb in einem Kommentar:

Ich finde es immer wieder erstaunlich, dass die Tatsache, dass die meisten Männer arbeiten, als Machtfaktor dargestellt wird, der Frauen unterdrückt.

  • Tatsache ist, dass eine Frau, die einen erfolgreichen Mann ehelicht, immer noch ohne Mühe an seinem Sozialprestige und an seinem Geld partizipieren kann.
  • Der zweite Punkt, der hier geflissentlich übersehen wird, sind Kinder. So gut wie alle Frauen hören spätestens um die 30 ihren biologischen Wecker ticken. Es ist höchst absurd zu behaupten, das Interesse von Frauen bestünde darin, mal schnell ein Kind auszubrüten und sich danach wieder mit Feuereifer in die Arbeit zu stürzen.
  • Drittens ist es nicht möglich, dass Mann und Frau sich in der Mitte treffen, selbst wenn sie es wollten. Wir leben nicht in einer Gesellschaftsordnung, die es Eltern möglich macht, nach der Geburt eines Kindes ihre Jobs auf Teilzeit bei Vollzeitlohn umzustellen. Die Realität ist: einer muss weitgehend aussetzen, der andere weiter arbeiten wie bisher. In der Mitte treffen wäre nur möglich, wenn Männer und Frauen gleichermaßen schwanger werden könnten.
  • Viertens machen Frauen auch weiterhin nichts, um ihr Leben in den Dienst einer Karriere zu stellen. Ihre Studien- und Berufswahl ist weiterhin auf das Endziel Partnerschaft und Kind mit hauptversorgendem Mann ausgerichtet, obwohl sie jede Möglichkeit hätten, etwas anderes zu tun. Doch warum sollten sie?
  • Fünftens leben Frauen wunderbar so wie es momentan ist: Bequemer als Männer, wohlhabender als Männer, gesünder als Männer. Und nebenbei haben sie mit dem Feminismus eine Ideologie an der Hand, die bereit steht, jede ihrer egoistisch-narzisstischen Meckereien tatkräftig zu unterstützen.
  • Sechstens ist es bezeichnend, dass oben eine Welt entworfen wird, in der alle Männer Jobs als Vorstandsvorsitzende haben, die in ihren gläsernen Bürotürmen Strategien entwickeln um die Masse der an die Bürotürme klopfenden Frauen draußen zu halten.
  • Siebtens lässt sich auch an obigem Artikel wunderbar konstatieren, was ein Mann für eine Frau ist: ein Instrument zur Durchsetzung ihrer individuellen Bedürfnisse.

Das wäre also:

  1. Die meisten Frauen sind weniger abhängig, sondern partizipieren an seinem Geld und seinem Sozialprestige („Frau Doktor)
  2. Frauen wollen Zeit mit dem Kind verbringen, sie sehen das häufig als wichtiger an als Karriere
  3. Irgendjemand muss das ganze finanzieren, und wenn die Frau Zeit mit dem Kind verbringen will, dann wird das der Mann sein
  4. Frauen planen ihr Leben auch üblicherweise so, dass es genau auf diese Arbeitsteilung ausgelegt ist
  5. Es geht Frauen auch keineswegs schlecht dabei, Beruf und Karriere ist nicht etwas, was einem per se gut tut und nur ein Vorteil ist.
  6. Die Darstellung der Männer als die die Karriere machen, ist eine Apex Fallacy: Sie unterschlägt, dass die meisten Menschen normale Jobs haben und auch die meisten Frauen keine Karriere gemacht hätten, sondern einen normalen Job gehabt hätten
  7. Sie können ihren Lebensplan weit aus eher dann umsetzen, wenn ein Mann die Erwerbstätigkeit übernimmt

Das sind aus meiner Sicht durchaus gewichtige Punkte, die in der Geschlechterdebatte zu kurz kommen und auch immer wieder dazu führen, dass eine Diskriminierung gesehen wird, wo keine ist.

„Frauen werden diskriminiert“ als einzig zulässiger Erklärungsansatz

Eigentlich hatte ich vor einen Artikel zu „Frauen werden im Beruf ausgebremst“ zu schreiben, aber Tom hat bereits das Nötige gesagt.

Was mir aber dabei ganz allgemein noch einmal aufgefallen ist, ist der starre Frame, den all diese Artikel haben:

Die Idee, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern nur auf Diskriminierung oder einer Behinderung von Frauen beruhen können

Dieser Frame ist so stark, dass er gar nicht mehr hinterfragt wird, die Kausalität wird quasi automatisch in diese Richtung angenommen. Dabei kann sie eben auch genau andersherum verlaufen:

Nicht die Umstände sind schuld an der Position der Frauen, sondern die Frauen produzieren die Umstände selbst.

Tom führt das sehr berechtigt aus, dass diese Position durchaus nahe liegt:

Wieso ist “ständig verfügbarer Siegertyp auf der Überholspur” eine männliche Rollenvorstellung? Wir reden hier über einen Vorstandsjob. Nicht über den Schichtleiter bei Daimler. Fragt mal einen Gründer, wie verfügbar er sein muss. Und natürlich gehört auch Ehrgeiz dazu.

oder:

Man könnte sich nun hinstellen und sagen, ok, da hatten die befragten Frauen eine falsche Vorstellung, was es heisst, Topmanager zu sein. Das ist doch nicht meine Welt, mir ist mein Privatleben wichtiger als meine Karriere. Absolut ok, nachvollziebar und verständlich.
Aber nein. Die Arbeitswelt muss sich ändern.

Diese einseitige Berichterstattung, die nur eine Betrachtungsweise zulässt und eine Betrachtung der anderen nicht vornimmt, beruht auf einer erfolgreichen Tabuisierung.

Dieses Tabu zu hinterfragen scheint mir eine der vordringlichsten Aufgaben zu sein, der man sich stellen muss, wenn man Rationalität in die Geschlechterdebatte bringen will.

Frauen in der Wissenschaft und die biologischen Faktoren

Ein interessanter Aufsatz behandelt Unterschiede in der Wissenschaft zwischen Männern und Frauen und die dabei zugrunde liegenden biologischen Faktoren (via):

Beispielsweise spielen eben verschiedene Ausprägungen von Fähigkeiten im Schnitt eine Rolle:

Dabei wird dargestellt, dass Männer gerade im Bereich räumliches Denken besser abschneiden und dies eine gerade in vielen Naturwissenschaften ein Vorteil ist

A variety of differences between the sexes in cognitive and temperamental traits almost certainly affect occupational distributions.17 Scientific fields like physics, mathematics, and engineering require very high levels of both mathematical and spatial ability, and males predominate at the highest levels of both. For example, among perfect scorers on the mathematics portion of the SAT, the ratio of males to females is about three to one.18 Even that statistic is misleading, however, as the “ceiling effect” of the SAT is substantial. That is, there are relatively large numbers of test-takers who receive perfect scores (around 5,000 per year), so the SAT fails to discriminate well at the very high end. When the SAT is given to seventh-graders, however, the ceiling effect is less pronounced, so that the sex ratio among those who score over 760 is approximately seven boys for each girl.19 Although spatial ability is not typically screened for in admission to science programs, it is an important predictor of success in scientific fields.20 Males outperform females on most spatial tasks, with three-dimensional mental rotation showing the largest and most reliable sex difference.21 A review of mental-rotation studies found that the male mean exceeded the female mean by approximately twothirds of a standard deviation, and in many studies, it approached or exceeded a full standard deviation.22 Because males tend to be more variable than females on most traits, even if males and females scored the same on average, there would be more males at the extreme high end (and at the low end, as well). A higher male mean combined with greater male variability means that the sex ratio at the extreme high end of the distribution is especially skewed. There is sometimes a tendency to view the gifted as a relatively homogeneous group, but they are actually highly diverse in ability. For example, in a typical IQ test with a mean of 100 and a standard deviation of 15, the ability range of the top 1%—the extreme right tail of the distribution—is as broad as the range from the bottom 2% to the top 2%. The middle 96% of the range runs from about 66 to 134, while the top 1% ranges from about 135 to over 200.23 Males especially outnumber females in the top quarter of the top 1% of mathematical ability. Although one might suppose that there is a point of diminishing returns beyond which additional ability has no payoff, that does not appear to be the case in science. For example, Camilla Benbow and David Lubinski have found significant differences between those individuals in the top and bottom quarters of the top 1% on measures such as earning a degree in science, level of college attended, grade-point average, and intensity of involvement in math and science.24 Indeed, individuals in the top quarter of the top 1% are four times as likely as individuals in the bottom quarter of the top 1% to earn math-science Ph.Ds.25 Thus, it is simply erroneous to assert, as 79 signatories to a letter to Science magazine did, that “there is little evidence that those scoring at the very top of the range in standardized tests are likely to have more successful careers in the sciences.”26 On the contrary, as Wai, Lubinski and Benbow put it, these data “falsify the idea that after a certain point more ability does not matter” and show that “[m]ore ability always seems to matter.”27

Dagegen haben anscheinend Frauen im sprachlichen Bereich Vorteile, wobei sich hier eine höhere Variabilität der Männer auswirkt:

In contrast to the better performance of males on tests of mathematical and spatial ability, females tend to outperform males on a number of measures of verbal ability, including spelling, grammar, and verbal memory. In fact, in broad samples, the female advantage in verbal abilities exceeds the male advantage in mathematical ability. In 1996, for example, male eleventh-graders scored at about the same level as female eighth-graders on the National Assessment of Educational Progress (NAEP).28 In more select samples, however, the female verbal advantage often declines or disappears, because of greater male variability. Males consistently outscore females on the verbal portion of the SAT, for example, though by only a small margin.29 On the other hand, on the ACT, which tends to focus on curriculum-based knowledge rather than on the verbal reasoning emphasized by the SAT, girls outperform boys.30 The lower male mean for verbal ability, coupled with greater male variability, translates into a substantial disproportion of males at the very lowest levels of verbal ability.

Auch anderer Motivationen sind anders:

Apart from cognitive differences, the sexes also differ in temperament and personality. On most measures of direct competitiveness, for example, males score higher than females.32 Competition tends to be a more positive experience for males, and adding a competitive element to a task increases the intrinsic motivation of males but does not do so for females.33 The perception that an academic program is competitive tends to result in improved performance by males but decreased performance by females.34 Relatedly, males also engage more than females in dominance behaviors—that is, behaviors intended to achieve or maintain a position of high relative status—in order to obtain power, influence, or resources.35 The sexes also vary in risk preference, with males exhibiting a greater preference for both physical and nonphysical risks. Indeed, sex is the variable most predictive of the extent of participation in high-risk recreation.36 Men are also disproportionately represented in physically risky employment, as reflected in the fact that over 90% of all workplace deaths in the U.S. are males.37 Commenting on their study of female executives, Margaret Hennig and Anne Jardim observed that “men see risk as loss or gain; winning or losing; danger or opportunity,” while “women see risk as entirely negative. It is loss, danger, injury, ruin, hurt.”38 Females also tend to exhibit more nurturing behavior than males, both inside and outside the family. The greater female interest in infants—present from childhood39—increases at puberty.40 The more social orientation of females is reflected in a consistently found sex difference in “object versus person” orientation, with females tending to be more “person-oriented” and males tending to be more “object-oriented.”

Also verschiedene Motivationen, insbesondere was Konkurrenz, Risikobereitschaft und Versorgen angeht.

Das wirkt sich dann auch bei der Arbeitsstelle aus:

Sex differences are consistently found on measures of occupational interest such as the Strong Interest Inventory and the Self-Directed Search, which measure occupationally relevant aspects of personality. Men tend to score higher on the “Realistic” (enjoying building and outdoor work and working with “things”) and “Investigative” dimensions (interested in abstract problems and understanding the physical world), and women score higher on the “Artistic” (enjoying creating or experiencing art, music, and writing) and “Social” dimensions (enjoy interacting with people, helping, and instructing).42 35

Klassische Unterschiede also

„Karriereknick: Frauen, hört auf zu jammern“

Im Spiegel ist ein Bericht über den alten Konflikt zwischen Familie und Karriere:

Frauen unserer Generation, die heute zwischen 30 und 40 sind, hatten einen grandiosen Start: Wir sind so gut ausgebildet wie nie zuvor, sind mit Top-Einstiegsgehältern in Kanzleien und Unternehmensberatungen eingestiegen, haben scheinbar mühelos die ersten Sprossen der Karriereleiter gewuppt und Lebensläufe fabriziert, von denen unsere Mütter nicht zu träumen wagten. Doch wir enden mit Mann, zwei Kindern und Babypausen hoffnungslos überqualifiziert in der Teilzeitfalle.

Ja, Frauen sind so qualifiziert wie nie. Aber sie kommen dennoch nicht nach oben. Die Autorinnen dazu weiter:

Nichts, rein gar nichts spricht dagegen, die ersten Jahre seinen Kindern Zeit zu schenken, das Karriere-Hamsterrad für diese intensive, großartige und wichtige Zeit etwas langsamer drehen zu lassen – oder auch für ein, zwei Jahre eine Pause einzulegen. Prioritäten verschieben sich, mit Kind denkt man anders als ohne.

Das sind glaube ich Sätze, die viele Frauen unterschreiben würden, aber dennoch im Genderfeminismus auf viel Widerstand stoßen würden. Auch hier wäre ja alles nur angelernt – gleichzeitig wäre aber wohl das Leistungsstreben auch wieder etwas patriarchales.

Doch das Zeitfenster, in denen die Kinder ein Händchen zum Laufen, Fahrdienste zum Hockey, Seepferdchen- oder Einradkurs brauchen, ist verhältnismäßig klein. Theoretisch könnten wir nach fünf, sechs Jahren Familienzeit den Fokus wieder verstärkt auf den Job legen und im besten Fall mit Anfang, Mitte 40 noch ein zweites Mal durchstarten. Auf die nächsten 20 Jahre! Der Haken ist nur: Die wenigsten wollen es. Weil das heißluftblasende Marketing, die trockene Jurawelt oder die moralisch schwer vertretbare Bankkundenberatung ihre Anziehungskraft verloren haben. Weil man feststellt: Eigentlich habe ich da noch nie richtig hingepasst.

Ich habe hier schon ein paar Artikel, in denen die Leute, die mit den Frauen zu tun haben, immer wieder anführen, dass Frauen gar nicht so umbedingt auf Karriere aus sind, wenn diese mit Überstunden und Stress verbunden ist. Es passt auch zu Susan Pinkers Buch „Das Geschlechterparadox“. Es ist schade, dass dazu im Feminismus keine wirkliche Diskussion stattfindet oder wenn dann eben nur unter dem Gesichtspunkt „Die Arbeitswelt muss weiblichen Bedürfnissen angepasst werden“ aber nie, wenn es um die Frage geht, warum sich Frauen in einem Wettbwerb um Führungspositionen seltener durchsetzen.

Die große deutsche Soziologin Jutta Allmendinger forderte einmal: Denkt Euer Leben von hinten her! Wo will ich mit 50, 60 Jahren stehen? Und wie komme ich dahin – Familienpausen mit eingeplant? Was für Männer selbstverständlich scheint („Mit 40 will ich im Vorstand sein, mit 50 eine eigene Kanzlei, mit 60 mindestens fünf Partner haben“) ist für Frauen anscheinend irrelevant. Sie ergreifen einen Beruf meist nach naheliegenden Motiven:

Weil Papi Jurist ist und man es deshalb eben auch mit Jura versucht, weil man in der zehnten Klasse ein Praktikum in der Bank absolviert und darum eine Banklehre begonnen hat. Weil man mit BWL nichts falsch machen kann. Weil Apotheken krisensicher sind.

Also Berufsauswahl weniger unter dem Gesichtspunkt von Karriere, sondern eher Verbundenheit und Sicherheit. Auch ein wesentlicher Punkt, der selten angesprochen wird.

Die Autorinnen fordern dann eine Umstellung auf eine 30 Stunden Woche. Das es kaum Führungspositionen gibt, bei denen man das bisher umsetzen kann interessiert ebenso wenig wie die Frage ob man das überhaupt kann und warum man es nicht bereits macht.

 

OECD: Better Life Index: Frauen sind glücklicher und weniger überarbeitet

Aus einem Bericht der „Daily Mail“: (via Genderama)

Women are happier and less stressed than overworked men, according to a survey of lifestyles in 34 countries.

Men living in the world’s most advanced nations work longer hours and earn higher wages, but are more likely to be exposed to danger and have a lower life expectancy.

But while women might score higher on measures of happiness, they still spend twice as much time as men doing housework – an average extra of two-and-a-half hour each day.

Women across the 34 nations surveyed spend an average of 279 minutes per day carrying out housework or caring for children or the elderly, compared with 131 minutes each day for meen.

British men are almost three times more likely to be working ‚very long hours‚ when compared to women.

Also in the UK, 75 per cent of men are in paid work, compared with 65 per cent of women.

Across the 34 countries, 72 per cent of men and 59 per cent of women have jobs, including part-time employment.

Men were found to be slightly healthier than women but still have a life expectancy some six years less than women.

In Britain, life expectancy at birth is 80 and women outlive men by an average of three years.

However, men are three times as likely to be murdered than women – with three killings per 100,000 compared to one per 100,000 among women.

Men are also 15 per cent more likely to be mugged or assaulted.

The OECD researchers said: ‚Much has been said and written about the need for greater gender equality, but it is a rather complex picture.

‚True, men earn more and work more than women, but they are also more likely to be victims of assault or murder, while women live longer and have stronger social networks but are more likely to end their lives in poverty.‘

Arne Hoffmann verweist zutreffend darauf, dass das eine merkwürdige Verteilung der „patriarchalen Dividende“ ist.