Berechtigte feministische Anliegen (und warum sie im Feminismus falsch umgesetzt werden)

Leszek hat auf die Frage zu berechtigen feministischen Anliegen einen interessanten Kommentar bei Geschlechterallerlei interessantes geschrieben (danke an Gerhard für den Hinweis):

“Ich hatte gehofft, Du könntest mir von aktuellen, feministischen Standpunkten und Forderungen berichten, die Dir (mir) gefallen. Ich find nämlich keine.”

Das Problem mit feministischen Anliegen, die an sich berechtigt sind, ist oft das Paradigma des Radikalfeminismus, durch das die Themen einerseits missinterpretiert werden, und andererseits, dass männliche Diskriminierungen dabei ausgeklammert werden. Ich zähle einfach mal ein paar Sachen auf, die mir gerade einfallen:

– Die Kritik an traditionellen Geschlechterrollen als Leitbild ist berechtigt, aber sie muss die Nachteile beider Geschlechter umfassen und sie darf kein neues “progressives” Geschlechterrollenleitbild entwerfen, sondern muss jedes Individuum so traditionell oder nicht-traditionell leben lassen, wie es will.

– Häusliche und sexuelle Gewalt sind in der Tat wichtige Themen und deshalb muss der Forschungsstand zu weiblichen Tätern und männlichen Opfern einbezogen sowie die Forschungsergebnisse zu den tatsächlichen Ursachen, diese weichen z.T. deutlich von den Annahmen des Mainstream-Feminismus ab. Bei Forschung zu diesen Themen müssen immer beide Geschlechter nach gleichen Kriterien nach Opfer- und Tätererfahrungen befragt werden.

– Die Kritik daran, dass unsere Gesellschaft Frauen unter Schönheitsdruck setzt ist berechtigt, aber dahinter steht kein Patriarchat, sondern die Ausnutzung weiblicher Instinktdispositionen durch die kapitalistische Konsumgesellschaft. Das männliche Äquivalent zum weiblichen Schönheitsobjekt ist außerdem das männliche Statusobjekt und muss ebenfalls kritisch thematisiert werden.

– Die Forderung die Arbeits- und Lebenssituation von Sexarbeiterinnen zu verbessern ist berechtigt, aber dabei dürfen die Probleme männlicher und transsexueller Sexarbeiter nicht ausgeklammert werden. Außerdem müssen die verschiedenen Kontexte von Sexarbeit (von der Elendsprostitution bis zur Edelprostitution) klar differenziert werden um jeweils angemessene Unterstützungsmaßnahmen zu entwickeln und durchzuführen.

– Die Kritik an der Ausbeutung von Frauen durch die Pornographie-Industrie ist berechtigt (siehe z.B. den Film “Hot Girls Wanted” als gute Dokumentation zu diesem Thema), aber es gibt auch Ausbeutung von Männern in der Pornographie-Industrie:

http://www.sfweekly.com/exhibitionist/2012/02/01/consider-this-the-porn-industry-exploits-men-too

Und wiederum steht dahinter kein Patriarchat, sondern die kapitalistische Konsumgesellschaft.

– Die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen in der Pflege und nach höheren Löhnen für Frauen, die schwere Arbeit in der Pflege leisten, ist berechtigt, aber das gilt natürlich auch für die männlichen Pflegekräfte.

– Engagement gegen die Diskriminierung Homosexueller und für das Recht auf Ehe und das Adoptionsrecht von Homosexuellen ist berechtigt und entspricht auch dem linken Maskulismus wie z.B. Arne Hoffmann und ich ihn verstehen. Das Engagement für die Rechte Homosexueller sollte aber idealerweise frei von gender-theoretischem Blödsinn sein.

– Die Forderung nach besserer Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist berechtigt, betrifft aber beide Geschlechter.

– Die Forderung, dass für schriftliche Bewerbungen anonymisierte Verfahren verpflichtend gemacht werden sollten, ist m.E. berechtigt, damit beide Geschlechter die gleiche Wahrscheinlichkeit haben auch bei eher geschlechtsuntypischen Jobs zu Bewerbungsgesprächen eingeladen zu werden.

– Die Forderung, dass ein Betrieb, der bisher nur männliche Arbeiter hatte, nicht verpflichtet sein sollte, extra eine Frauentoilette einzubauen, um Frauen einstellen zu können, falls es für Bewerberinnen völlig o.k. ist die vorhandene Toilette zu nutzen, ist berechtigt.

– Kritik an Kopftuchzwang und m.E auch an Koptucherziehung und -sozialisation ist berechtigt. Letzteres sollte man natürlich versuchen auf eine Art und Weise rüberzubringen, die keinen pädagogischen Gegenteileffekt erzeugt.

– Kritische Thematisierung von Ehrenmorden ist berechtigt, sollte aber auch männliche Opfer von Ehrenmorden einbeziehen:

http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bka-studie-ein-drittel-aller-ehrenmord-opfer-sind-maennlich-a-778249.html

– Kritik von Vergewaltigungsmythen ist berechtigt, von Vergewaltigungsymythen sind aber auch männliche Opfer sexueller Gewalt sowie weibliche und männliche Opfer sexueller Gewalt durch Frauen als Täterinnen betroffen. Zudem müssen die Ursachen von Vergewaltigungsmythen unvoreingenommen erforscht werden. Meiner Vermutung nach hängen diese stark mit dem sozialpsychologischen Phänomen des Gerechte Welt-Glaubens zusammen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Gerechte-Welt-Glaube

– Der Forderung des sex-positiven Feminismus nach sexueller Freiheit und Toleranz bezüglich sexueller Präferenzen solange sexuelle Praktiken “safe, sane und consesual” ausgeübt werden, schließe ich mich an. (Das impliziert bei mir eine klare Ablehnung eines Rechts auf das Ausleben pädophiler oder zoophiler Neigungen, da dies auf ein Recht Kinder oder Tiere sexuell zu mißbrauchen hinauslaufen würde. Solche sex-positiv-feministische Positionen, die eine unkritische Haltung zum Ausleben pädophiler oder zoophiler Neigungen beinhalten, lehne ich radikal ab.)

Das fiel mir jetzt so spontan ein, gibt sicherlich noch Einiges mehr, das erwähnt werden könnte. Ich habe mich hier schwerpunktmäßig auf Frauen und Männer konzentriert, dort wo Intersexuelle oder Transgender von Diskriminierung betroffen sind, gehört dies aber ebenfalls zum Programm des Integralen Antisexismus dazu.

Seht ihr das auch so?

„Im Wörterbuch steht doch, dass Feminismus für Gleichberechtigung ist, also ist das richtig“

Ein beliebtes Argument von Feministinnen ist, bei Anschuldigungen gegen den Feminismus darauf hinzuweisen, dass man anscheinend den Feminismus nicht verstanden habe, man könne doch einfach im Lexikon nachschlagen, da stehe doch folgendes:

The advocacy of women’s rights on the grounds of political, social, and economic equality to men.

Eine gute Erwiderung scheint mir zu sein, einfach mal andere Positionen aus dem Lexikon nachzuschlagen:

Sex (im Sinne von Geschlecht)

Either of the two main categories (male and female) into which humans and many other living things are divided on the basisof their reproductive functions:adults of both sexes

Male („Männlich“)

Of or denoting the sex that produces small, typically motile gametes, especially spermatozoa, with which a female may be fertilized or inseminated to produce offspring:

Female („Weiblich“)

Of or denoting the sex that can bear offspring or produce eggs, distinguished biologically by theproduction of gametes (ova) that can be fertilized by male gametes:a herd of female deer

Das sich daraus ergebende Argument ist: „wenn ich Feminismus nach dieser Definition akzeptieren soll, dann akzeptiere du auch den Rest“, was die meisten (Gender-)Feministinnen nicht machen können, da zwei Kategorien oder diese Definitionen von männlich und Weiblich nicht dem poststrukturalistischen Feminismus und schon gar nicht dem Netzfeminismus entsprechen

Im deutschen ist es sogar noch einfacher. Dort heißt es im Duden:

  • Richtung der Frauenbewegung, die, von den Bedürfnissen der Frau ausgehend, eine grundlegende Veränderung der gesellschaftlichen Normen (z. B. der traditionellen Rollenverteilung) und der patriarchalischen Kultur anstrebt

Da steht schlicht nichts von Gleichberechtigung, sondern eher davon, dass auf (vermeintliche) Bedürfnisse der Frau abgestellt wird.

Auch dort finden sich aber entgegenstehende Angaben:

Geschlecht:

(von Lebewesen, besonders dem Menschen und höheren Tieren) Gesamtheit der Merkmale, wonach ein Lebewesen in Bezug auf seine Funktion bei der Fortpflanzung als männlich oder weiblich zu bestimmen ist die Gesamtheit der Lebewesen, die entweder männliches oder weibliches Geschlecht haben

 Also auch hier eine unfeministische Binarität.
Insofern scheint mir der Hinweis darauf, Feminismus einfach mal nachzuschlagen, schnell ein Eigentor für Feministinnen sein zu können

Differenzfeministin Monika Herrmann im Interview mit der Missy

Im Missy-Magazine befindet sich ein interessantes Interview mit einer älteren Differenzfeministin die Politikerin ist:

Die grüne Bezirksbürgermeisterin von Friedrichshain-Kreuzberg ist bekannt für ihre relativ unkonventionelle Politik: Monika Herrmann möchte einen Coffeeshop in ihrem Bezirk eröffnen lassen, setzt sich für ein Verbot sexistischer Werbeplakate ein und unterstützte lange das Anfang April geräumte Refugee-Protest-Camp am Oranienplatz, weshalb sie sich mehrmals mit Berlins Innensenator Henkel anlegte. Feminismus ist für sie einst der Zugang zur Politik gewesen: zunächst im Rahmen autonomer Strukturen, später in der Parteipolitik. Doch welche Rolle spielt der Feminismus heute für sie und ihre Politik? In ihrem sonnigen Büro in Berlin Friedrichshain erzählt die 49-Jährige, wie sie dort gelandet ist, wo sie heute steht.

Also eine konkrete feministische Politikerin, wenn auch nicht von der eher im „jüngeren Bereich“ angesiedelten Strömungen des poststrukturalistischen Genderfeminismus.

Ihr Feminismus ist der der Achtziger Jahre, die Forderung nach Frauenräumen gehörte damals zum Grundverständnis. Wurden mit dieser Women-only-Politik Trans-Belange zwar weitesgehend ignoriert, waren lesbische Anliegen in der feministischen Bewegung bereits sichtbar. Die Politisierung des Lesbisch-Seins trieb laut Herrmann aber auch absurde Blüten. „Das waren lustige Zeiten. Irgendwann begannen heterosexuelle Frauen aus politischen Gründen nur noch mit Frauen zu schlafen und sich als lesbisch zu bezeichnen“, erinnert sich Herrmann, die damals sowohl das Frauenkulturzentrum Begine leitete als auch Pressereferentin des Frauenhotels artemisia war.

Man darf vermuten, dass es meistens eher bereits lesbische oder bisexuelle Frauen waren, die den Gedanken des Politlesbinismus dann aus naheliegenden Gründen ansprechend fanden und so ihr Coming Out auch für sich selbst hatten. Das dürften auch die klassischen Zeiten von Schwarzer gewesen sein, die in Ansschluss an Rich der Idee anhingen, dass Sex mit Männern problematisch ist. Es ist eigentlich eine ziemliche Verharmlosung der damaligen Theorien, wenn man diese als „lustige Zeiten“ bezeichnet, denn die dortigen Ideen waren ja zutiefst männerfeindlich und gingen davon aus, dass Frauen quasi Sklaven der Männer sind und sich nur durch lesbischen Sex aus dieser Abhängigkeit befreien könne.

Dass sie durch und durch Politikerin ist, merkt man auch daran, dass sie sogar den verschiedenen feministischen Stoßrichtungen Parteiprofile gibt: Die Art und Weise, wie die angestrebte und überall gepredigte Vereinbarkeit von Familie und Beruf umgesetzt wurde, nennt sie „sozialdemokratischen Feminismus“. Dabei spuckt sie den Begriff fast aus, als sei er ein Schimpfwort. „Ende der Achtziger kam immer stärker dieser Leistungsgedanke auf: Du musst ackern, ackern, ackern – schön angepasst sein und Karriere machen, damit du dann über Familie nachdenken kannst.“ Auch ein paar Frauen aus der CDU seien bei dieser sozialdemokratischen Emanzipationsbewegung dabei gewesen: „Die trugen alle Hosenröcke, das war sozusagen ihr Markenzeichen“, sagt Herrmann und lacht.

Das sie einen solche Feminismus nach Beauvoir, bei dem Frauen quasi wie Männer werden solllen, als Differenzfemnistin nicht begeistert, liegt auf der Hand. Da wird dann eben abgelehnt, dass man Karriere macht, die dann bereits patriarchisch ist. Das wird dann auch im Folgenden angeführt:

Wenn Herrmann von Männern und Frauen redet, klingt das ganz nach dem bei der jungen Generation aus der Mode gekommenen Differenzfeminismus, an dem der Leitgedanke der Genderstudies – „Geschlecht ist sozial konstruiert“ – vorbei gegangen ist. So geht auch sie von einer grundsätzlichen Verschiedenheit der Geschlechter aus: Frauen seien beispielsweise friedfertiger als Männer. „Da bin ich jetzt mal ganz biologistisch – und ich höre schon meine Freundin protestieren –, aber ich glaube tatsächlich, dass es einen Unterschied macht, ob du Kinder in die Welt setzt oder nicht, zum Beispiel in Bezug auf Umwelt oder Krieg.“ Ihr ginge es daher nicht um Gleichmacherei, sondern um Chancengleichheit für alle Geschlechter. Trotzdem: Feminismus ist und bleibt für sie vor allem Frauenpolitik.

Das eine solche Friedfertigkeit, die sie hier wohl essentialistisch aus der reinen Gebährfähigkeit herleitet, nicht stimmen muss, ist eine andere Sache. Aber interessant wäre dann ihr Verständnis von Chancengleichheit. Die besteht ja auch grundsätzlich, ist aber gerade bei Verschiedenheit von Mann und Frau wesentlich schwieriger zu bestimmen als bei sozialer Konstruktion. Bei der kann man eben einfach auf das Ergebnis, die Verteilung, schauen und daraus die Chancenungleichheit schließen.

Zum poststrukturalistischen Genderfeminismus meint sie:

Für junge Frauen* heute, die eher im akademischen Dunstkreis von Queerfeminismus und Gender-Theorie sozialisiert wurden, mag das alles ziemlich oldschool klingen. Den hier nicht zu übersehenden Generation-Gap spricht die Politikerin auch selbst an – aus ihrer Perspektive. „Also wenn man sich jetzt mit Mitte 20 hinstellt und so tut, als würde man die Frauenbewegung neu erfinden, dann weiß ich nicht, was das soll, ehrlich gesagt.“ Ihre Kritik: FeministInnen heute seien zu wenig systemkritisch, und dazu völlig geschichtslos. Wer sich als Teil einer Bewegung versteht, solle sich auch mit ihrer Geschichte auseinandersetzen, findet sie. Und vieles, was jetzt neu diskutiert würde, sei in der Frauenbewegung der 1980er schon längst abgehakt gewesen, zum Beispiel, „dass der Maßstab des Feminismus doch nicht sein kann, dass wir dann alle da ankommen, wo Männer jetzt sind. Das hat so einen Bart!“

Ich glaube jede Unterart des Feminismus wird der anderen Seite vorwerfen, dass sie nicht systemkritisch genug ist. Der Queerfemimismus gegenüber dem Differenzfeminismus eben in Hinblick darauf, dass sie die Rollen bestätigen, statt sie zu hinterfragen. Und er wird sich auch falsch verstanden fühlen, weil es ja nicht der Queerfeminismus ist, der so werden will wie Männer, sondern eher Teile des Beauvoir-Feminismus. Im Queerfeminismus soll es ja gerade keine Rollen mehr geben und gerade die männliche soll eh abgeschaft werden.

 

Feminismus-Varianten

Bombe 20 schreibt in einem Kommentar:

Da die Analyse verschiedener Feminismus-Varianten gerade so in Mode ist, hätte ich gern mal ein paar Meinungen zu einer Differenzierung, die mir schon eine Weile im Kopf rumspukt, von der ich aber unsicher bin, ob sie sinnvoll und wenn ja, abschließend ist. (“Feministin” ist im Weiteren ein generisches Femininum.)

Die Aufteilung:

1. Politischer Feminismus
2. Theoretischer Feminismus
3. “Rebellische Mädchen”-Feminismus
4. “Coffee Shop”-Feminismus
5. kritischer Feminismus

Im Detail:

1. Der politische Feminismus ist im Wesentlichen das Ergebnis der Tatsache, daß Politiker und Parteien Alleinstellungsmerkmale brauchen, und diese sinnvollerweise so wählen, daß sie -ihrer Meinung nach- von möglichst vielen Wählern als stimmentscheidend beurteilt werden. Außerdem müssen Politiker für die Zeit nach ihrem Ausscheiden aus der Politik planen. Die eigentlichen Inhalte oder gar die Theorien dahinter sind dabei überhaupt nicht so wichtig, wichtig ist, daß den Wählern leicht deutlich gemacht werden kann, daß man sich für “die Frauen” einsetzt.

2. Der theoretische Feminismus produziert (oder klaut) Theorien (im weitesten Sinne) und Konzepte wie “Patriarchat”, “Rape Culture”, “hegemoniale/toxische Männlichkeit” etc. Motivation kann (ursprünglich) eigene Betroffenheit sein, Männerhaß, oder schlicht die Erkenntnis, daß hier sichere Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst -mit Glück sogar eine verbeamtete Professur- oder zumindest ein brauchbarer Lebensunterhalt aus Buchverkäufen, Vorträgen oder Schulungen winken können.

3. Rebellische Mädchen sind im Wesentlichen genau das. Irgendwann in ihrer (möglicherweise grotesk verlängerten) Pubertät haben sie einen Weg gesucht, sich möglichst laut von der Mehrheitsgesellschaft abzusetzen. Bei einem Teil werden eigene Betroffenheit und Männerhaß eine Rolle spielen, aber im Prinzip hätten sie je nach sozialem Umfeld in dieser Phase auch Punks, Linksalternative (wobei es da natürlich deutliche Einflüsse und Überschneidungen gibt), Goths, Antifas, Mode-Nerds oder Mitglieder der Jungen Alternative werden können.
Sofern ein rebellisches Mädchen keinen Anschluß an den politischen oder theoretischen Feminismus findet, dürfte diese Phase mit dem Eintritt ins Berufsleben meist beendet sein.

4. Coffee-Shop-Feministinnen definieren Feminismus als den Einsatz für Gleichberechtigung, oder auch nur als die Ansicht, daß Männer und Frauen gleichberechtigt sein sollten. Ihr Bild vom Feminismus haben sie aus den Medien, oft dürfte auch die Sozialisation einen wichtigen Einfluß gehabt haben. Über den radikalen oder männerfeindlichen Feminismus wissen sie nichts, über Benachteiligungen von Männern haben sie sich nie Gedanken gemacht oder sie als Einzelfälle abgetan.
Das Engagement von Coffee-Shop-Feministinnen kann sich auf die Selbstbezeichnung als Feministin beschränken, aber auch im Betreiben eines Blogs oder der aktiven Mitarbeit in einer für Frauenprobleme relevanten Organisation bestehen.

5. Kritische Feministinnen würden vermutlich von niemandem als sich selbst als Feministinnen bezeichnet. Sie waren mal Coffee-Shop-Feministinnen, aber die Konfrontation mit den radikalen und misandrischen Auswüchsen der anderen Feminismus-Varianten hat sie zu einer Einstellung kommen lassen, die Vertreterinnen dieser nur als antifeministisch erscheinen kann.

Überschneidungen und Wanderungen zwischen diesen Kategorien sind selbstverständlich möglich.

Wechselwirkungen:

1. Politische Feministinnen müssen wie erwähnt darauf achten, im gesellschaftlichen Mainstream anschlußfähig zu bleiben. Konzepte des theoretischen Feminismus können sie also nur aufgreifen, wenn sie von den Wählern auch verstanden werden. In Deutschland wären das z.B. das gut eingeführte “Patriarchat” oder die “gläserne Decke”, aber (noch) nicht etwa “Rape Culture”. Die rebellischen Mädchen und kritischen Feministinnen ignorieren sie sicherheitshalber, während die Coffee-Shop-Feministinnen ein wertvolles Wählerpotential darstellen, das aber allein mit feministischen Themen meist nicht zu heben ist.

2. Der theoretische Feminismus existiert weitgehend im Elfenbeinturm. Anknüpfungspunkte an den politischen Feminismus sind ihm allerdings wertvoll, weil hier zum einen gesellschaftlicher Einfluß zu erlangen ist, aber auch weitere Arbeitsplätze winken, etwa als “Berater”, “Gender-Coaches” oder in den Stiftungen der Parteien. Kritische Feministinnen können eine Bedrohung darstellen, wenn sie selbst einen akademischen Hintergrund haben, werden aber nur dann bekämpft, wenn sie absolut nicht mehr totgeschwiegen werden können, was wegen der guten Verbindungen zum politischen Feminismus eher selten der Fall ist.

3. Die Rebellen sind prinzipbedingt für alles offen, das ihnen erlaubt, sich noch lauter und radikaler zu gebärden. Dies betrifft insbesondere natürlich Konzepte aus dem theoretischen Feminismus, die Männer als Unterdrücker und Frauen als unschuldige, (bisher) hilflose Opfer zeichnen.

4. Da Coffee-Shop-Feministinnen den Feminismus widerspruchsfrei als “das Gute” einsortiert haben, sind sie oft anfällig für Einflüsse aus dem politischen und theoretischen Feminismus. Wenn sie etwa erfahren, daß die “Rape Culture” ein Konzept aus der feministischen “Wissenschaft” ist, werden sie es oft selbst dann als wahr übernehmen, wenn seine Inhalte ihrer Lebenswirklichkeit vollkommen widersprechen. (Hier wird dann im Zweifel der Confirmation Bias wirksam.)
Die misandrischen Anteile der Theorien (iwS, natürlich) nehmen sie anfangs nicht wahr, bei Konfrontation werden sie entweder geleugnet (“Es geht doch nicht um alle Männer.”) oder schlimmstenfalls übernommen (“Naja, mein Peter ist natürlich nicht so, aber Männer im Allgemeinen…”). Gelegentlich kann es aber auch zur kritischen Hinterfragung der eigenen Position kommen.

Werden sie mit den radikaleren Auswüchsen des Feminismus konfrontiert, ist dies erst einmal ein Fall für den Rationalisation Hamster (“Das ist bestimmt nicht so gemeint/aus dem Zusammenhang gerissen/Ergebnis einer schlimmen Kindheit/nur Satire.”), schlimmere Beispiele führen zur Entdeckung des “Mein-Feminismus-Feminimus”. (“Das ist nicht mein Feminismus” wird man nur -dafür aber häufig- von dieser Gruppe hören. Für 1-3 wäre eine solche Unterscheidung nicht zweckdienlich oder gar gefährlich, und für kritische Feministinnen ist die Ablehnung männerfeindlicher und Frauen infantilisierender Feminismusströmungen sowieso Programm.)

Coffee-Shop-Feministinnen, für die der Feminismus (noch) nicht identitätsstiftend geworden ist, dürften im Allgemeinen empfänglich für Feminismuskritik sein, sofern sie nicht pauschalisierend und brachial daherkommt, was durchaus auch zur Ablehnung des Labels “Feministin” führen kann. Radikaler Antifeminismus könnte dagegen eher auch umgekehrt zu einer Radikalisierung führen (“Das ist der Beweis, daß der Feminismus auch heute noch wichtig ist.”).

Ich bin der Überzeugung, daß ein erheblicher Anteil der Maskulisten und Antifeministen ursprünglich aus dieser Gruppe stammt.

5. Die radikalen Auswüchse des politischen und theoretischen Feminismus stellen ja gerade den Existenzgrund für kritische Feministinnen dar, entsprechend auch ihre Hauptmotivation.

Soweit meine Überlegungen, zu denen ich gern Meinungen und Ergänzungen gehört hätte. Findet Ihr sie richtig, falsch, zielführend, zeitverschwendend, vollständig, unvollständig?

Ich überlege zum Beispiel, ob journalistischer Feminismus (vom unreflektieren Übernehmen der Pressemeldungen feministischer Organisationen über die taz bis zum #Aufschrei-Astroturfing gewisser “Medienberaterinnen”) eine eigene Kategorie darstellt oder je nach Opportunismus oder Überzeugung Teil (einer Schnittmenge) von 1, 2 und 4 ist. Ebenso für feministische NGOs, insbesondere solche mit signifikanter Öffentlichkeitswirkung.
“Lebensunterhalt-Feminismus” als Hauptmotivation gibt es klar in 1 und 2 (und wenn man den Femen-Hintermann mitzählt, auch in 3), ist da die Motivation nicht vielleicht wichtiger als die Ausdrucksform?

Finde ich eine gelungene Einteilung, Die „Coffeshop-Feministinnen“ haben denke ich einige mit dem, was hier unter „Mein Feminismus-Feminismus“ aufgeführt wurde gemein.

Der „Mein Feminismus“-Feminismus

Bei Onyx hatte Neuer Peter wie folgt kommentiert

Es hat nichts mit Kaffeesatzleserei zu tun, wenn man weiß, dass das Gedankengut von Schwarzer (die ich hier pars pro toto für ihre doch recht einflussreiche Fraktion verstanden wissen will) massiv von den misandrinen Werken von Dworkin, MacKinnon und Brownmiller beeinflusst wurde. Ebenso klar ist auch, dass die Mädchenmannschaft die amerikanischen Konzepte der Standpunkttheorie und der Identitätspolitik nach Deutschland importiert. Und auch die Initiatorin des Aufschreis, Anne Wizorek, hängt dem menschenfeindlichen Konzept der Rape Culture an:

https://personaldemocracy.com/anne-wizorek

Welche einflussreichen Feministen haben wir denn nun in Deutschland?

– Schwarzer (die deutsche Dworkin) und Co.
– die neuen Netzfeministen um die Mädchenmannschaft (die Identitätspolitik-Import-AG)
– Die Truppe um Anne Wizorek (Rape Culture)
– Femen (“Das Blut der Männer wird fließen”)
– Die Feministen der Piraten (Creeper Cards, “Awareness”-Teams, Rape Culture, Standpunkttheorie)
– die Feministen light der SPD (“männliche Gesellschaft überwinden”)
– und die Grünen (“Mädchen sind das talentiertere Geschlecht”, Männerdiskriminierung bereits in der Satzung angelegt)

Das sind die Leute, die das Bild des Feminismus in Deutschland prägen. Und wen haben wir auf der anderen Seite?

– Esther Vilar (wurde vor Jahrzehnten aus dem Land gejagt)
– Robin, Maren und dich. Nichts für ungut, aber wieviele Leser habt ihr zusammen? Ein paar Hundert?

Ich finde es ja großartig, dass ihr einen menschenfreundlichen Feminismus vertretet, der Gewaltaufrufe ablehnt. Nur stellt ihr innerhalb der Bewegung leider eine leise Minderheit dar.

Da hat er aus meiner Sicht durchaus recht: Gemäßigte Feministinnen kommen kaum in der öffentlichen Wahrnehmung vor. Jedenfalls fällt ein kein Name dazu ein. Die radikaleren Theorien sind vorherrschend bei denen, die man im Diskurs wahrnimmt.

Ein Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass der „untheoretische Feminismus“ gar keine tatsächliche Abgrenzung zur feministischen Theorie vornehmen möchte und indem Moment, in dem er das tut eigentlich schon fast außerhalb des Feminismus steht. Ich schrieb dort als Kommentar:

@neuer Peter

„Und wen haben wir auf der anderen Seite? – Robin, Maren und dich. Nichts für ungut, aber wieviele Leser habt ihr zusammen? Ein paar Hundert“

Ein weiteres Problem des „mein Feminismus ist anders, hör auf den Feminismus zu kritisieren“-Ansatzes ist ja, dass mit dessen Vertreterinnen eine tiefere Diskussion über die feministischen Theorien kaum möglich ist, weil sie sich eben nur sehr eingeschränkt in Opposition zu diesem stellen wollen. Es werden üblicherweise bestimmte Aktionen und bestimmte Leute moralisch kritisiert, aber es kommt selten ein „diese Aktion beruht auf der Theorie X und diese zugrunde liegende Theorie ist falsch, weil…“, verbunden mit einer Ortbestimmung, in welchen Teilen des Feminismus diese Theorie vertreten wird und zu was das führt.

Die Tweets oben haben ja einen direkten Bezug zu einer der populärsten feministischen Theorien, der Privilegientheorie in ihrer Ausprägung, dass immer eine Gruppe gegenüber einer anderen privilegiert ist und die benachteiligte Gruppe damit die andere nicht unterdrücken, sondern sich allenfalls gerechtfertigt wehren kann.

Das ist ja der Grund, warum die obigen Feministinnen davon ausgehen, gerechtfertigt zu sein und sich auf diese Weise verhalten zu können.

„Bitte seid nicht so misandrisch, mein Feminismus ist da ganz anders“ bringt da einfach nichts und klärt schlicht nicht auf, wo die Unterschiede liegen.

Aber dann müsste man sich natürlich mit der tatsächlichen Theorie beschäftigen, Gegentheorien entwickeln, die Konsequenzen davon tragen (zB Männer als potentiell benachteiligte Gruppe), mehr Anti(-gender-)feminismus betreiben, als einem lieb ist. Das erfordert ein nachhaltiges und unangenehmes Aufdecken von Fehlern innerhalb der feministischen Theorie, die man mit „Mein Feminismus ist anders, wir müssen gar nichts ändern, die sollen halt nur nichts Männerfeindliches sagen“ leicht unter den Teppich kehren kann.

Ohne Kritik an bestehenden feministischen Theorien und ohne entwicklung eigener wird sich der bisherige untheoretische „Mein Feminismus“ schlicht nicht durchsetzen können.

Dafür ist er recht bequem.

 

Sprich: Eine wirklich gemäßigte Position erfordert, dass man sich von den radikalen Kräften abgrenzt, was wiederum viel Arbeit ist und wenn man sie erst einmal anfängt, dann macht man sich schnell angreifbar.

Neuer Peter ergänzte dazu:

 

Damit hast du dem Phänomen einen guten Namen verpasst. Der “Mein-Feminismus-Feminismus”.

Wobei wir absolut nicht klar ist, was der Mein-Feminismus-Feminismus eigentlich will, was seine gesellschaftspolitische Vision ist und welche Maßstäbe der Weltordnung er an die Wirklichkeit anlegen will.

Der Mein-Feminismus-Feminismus ist irgendwie für Gleichberechtigung, klar. Und er ist ein Feminismus, weil der Feminismus für Gleichberechtigung ist. Wenn er das nicht ist, ist er eben kein Feminismus, oder zumindest nicht “Mein Feminismus”. Deswegen sind alle feministischen Forderungen für Gleichberechtigung auch Forderungen des Mein-Feminismus-Feminismus. Es sei denn, jemand arbeitet heraus, dass diese mit Gleichberechtigung nichts zu tun haben. Dann haben sie auch nichts mit dem Mein-Feminismus-Feminismus zu tun. Mein-Feminismus-Feministen finden es ganz schrecklich, wenn man den Feminismus kritisiert. Weil es den ja nicht gibt und er außerdem nicht ihrer ist. Und da der Mein-Feminismus-Feminismus eben für Gleichberechtigung ist, muss das auch für den Feminismus an sich gelten. Also, den wahren. Auch wenn allesamt alle wirkungsmächtigen feministischen Strömungen der letzten Jahrzehnte das Gegenteil bewiesen haben und alle einflussreichen Feministen aus der Politik, den Medien und der Landschaft des öffentlichen Diskurses nachweislich anderes taten. Das ist eben nicht Mein-Feminismus. Und damit auch kein wahrer.

Der Mein-Feminismus-Feminismus ist eine vollkommen schwammige, unausgegorene Nicht-Positionierung, die allein auf wohlklingenden Assoziation mit dem Wort Feminismus beruht, ansonsten aber schlicht keine Substanz aufweist.

In der Tat bleibt diese Form des Feminismus, also die Form, die eine sehr vage Zuordnung zum Feminismus vornimmt und bei allem, was dort zu kritisieren ist, darauf abstellt, dass das eben in „ihrem Feminismus“ gar nicht vorkommt, ohne sich mit der Theorie dahinter zu beschäftigen, sehr vage.

Es werden eben kaum übergeordnete Theorien entwickelt, es wird eher Einzelfall bezogen entschieden. Es wird sich eher von Leuten und konkreten Vorfällen distanziert als eine Einordnung in das große Ganze vorgenommen. Es bleibt irgendwie eine Feminismus nach dem Bauchgefühl, der sich gegen Kritik immunisiert, indem er keine tatsächliche Position hat und insofern nur negativ abgrenzt, was NICHT sein Feminismus ist. In dieser Form des Feminismus ist nicht wichtig, wie man eine Position begründet, sondern eher, wie man sie normativ wertet.

In einem weiteren Kommentar hier im Blog sagte Neuer Peter dann zu dem Thema der normativen Wertung:

Ja, daher kommt wohl auch die stete feministische Forderungen, immer sofort eine normative Positionen einzunehmen, wenn man eigentlich nur ein Phänomen beschreiben will. Wenn wir beispielsweise über Rollenzwänge vergangener Zeiten reden, wird sofort gefragt, ob ich dazu eine ablehnende oder zustimmende Haltung einnehme.

Mich nervt das extrem. Es kommt mir zum einen wie eine Ablenkung vor und zum anderen als Vorbereitung für den Versuch, meinen Standpunkt moralisch zu diskreditieren. Für viele Feministen, so scheint mir, ist alles, was ich auf der deskriptiv-analytischen Ebene aussage, aber nur Vorgeplänkel. Erst die normative Positionierung dringt zum Kern der Sache vor.

So muss sich wohl auch eine Feministin fühlen, wenn von ihr ständig eine abstrakte Einordnung einer Alltagserfahrung verlangt wird.

Hier zu fällt einem schnell die Abgrenzung zwischen dem systematischen und dem empathischen Gehirn ein. Aus einem jüngeren Artikel dazu:

“If you look at functional studies, the left of the brain is more for logical thinking, the right of the brain is for more intuitive thinking. So if there’s a task that involves doing both of those things, it would seem that women are hardwired to do those better,” Verma said. “Women are better at intuitive thinking. Women are better at remembering things. When you talk, women are more emotionally involved – they will listen more.”

She added: “I was surprised that it matched a lot of the stereotypes that we think we have in our heads.

Anscheinend spielen auch in der Art, wie wir über die Geschlechter diskutieren, die im Schnitt bestehenden Geschlechterunterschiede eine gewisse Rolle.

Die Wellen des Feminismus

Zur Einordnung feministischer Strömungen wird gerne auf verschiedene feministische Wellen verwiesen, also Veränderungen innerhalb der feministischen Theorie.

Der Wikipediaartikel dazu stellt diese wie folgt dar

0. Die Anfänge des Feminismus

Frühe Ideen des europäischen Feminismus finden sich in den Schriften von Marie Le Jars de Gournay, die schon im 17. Jahrhundert die Menschenrechte proklamierte. Aber auch die Schriften von Christine de Pizan, Olympe de Gouges, Mary Wollstonecraft, Hedwig Dohm gelten als typische frühe Werke der europäischen feministischen Philosophie

Olympe de Gouges, 18. Jahrhundert
Der Feminismus als Theorie und Weltanschauung entstand erstmals im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, als im Gefolge der bürgerlichen Revolutionen Verfassungen mit Grundrechtskatalogen verabschiedet wurden. Allerdings waren Frauen als Träger dieser Grundrechte nur eingeschränkt vorgesehen. Dagegen protestierte in Frankreich Olympe de Gouges.[10] So stellte sie 1791 den 17 Artikeln der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die sich nur auf Männer bezogen, in 17 Artikeln ihre Frauenrechte gegenüber, die den berühmten Satz enthielten:

„Die Frau hat das Recht das Schafott zu besteigen; sie muss gleichermaßen das Recht haben, die [Redner-]Tribüne zu besteigen […]“

– Olympe de Gouges
Politische Mitwirkungsrechte, die in der Revolution zunächst erkämpft oder eingeräumt wurden, wurden bald wieder eingeschränkt.[11] Olympe de Gouges wurde 1793, nachdem sie Robespierre öffentlich angegriffen und eine Abstimmung über die Staatsform gefordert hatte, auf Veranlassung des Revolutionstribunals hingerichtet.[12] 1792 veröffentlichte die englische Schriftstellerin Mary Wollenstonecraft ihr Werk Vindication of the Rights of Woman (Die Verteidigung der Frauenrechte), in dem sie die Lage der Frauen als gefangen in einem Netz falscher Erwartungen analysierte. Sie plädierte dafür, dass Frauen sich ausbilden können, um sich selbst zu erhalten. Frauen könnten z.B. genauso Ärzte sein wie Männer. Basis der Ehe sollte Freundschaft, nicht die körperliche Anziehung sein. Ihr Ziel war die Erlangung der vollen Bürgerrechte für alle Frauen.[13]

Volle Bürgerrechte für die Frau, dass ist heute eine Selbstverständlichkeit. Natürlich müssen Frauen in einer Demokratie ebenso wie Männer das Wahlrecht haben und sich auf die Grundrechte berufen können, natürlich müssen ihnen die selben Möglichkeiten als Recht offen stehen, sie also beispielsweise Ärzte werden können. Interessant finde ich den Ansatz, dass Basis der Ehe nicht die körperliche Anziehung, sondern Freundschaft sein sollte. Das macht aus meiner Sicht wenig Sinn, beides zusammen ist wichtig.

1. Die erste Welle des Feminismus

Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in vielen Ländern Europas, den USA und in Australien die erste Welle des Feminismus und der Frauenbewegung.[14] Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin forderte 1910 auf dem II. Kongress der Sozialistischen Internationale in Kopenhagen: „Keine Sonderrechte, sondern Menschenrechte“. Ein Jahr später gingen erstmals Frauen in Deutschland, Österreich, Dänemark und der Schweiz auf die Straße. Ihre zentrale Forderung: Einführung des Frauenwahlrechts und Teilhabe an der politischen Macht. Außer in Finnland durften zu diesem Zeitpunkt in keinem europäischen Land Frauen wählen. Die Vertreterinnen der Ersten Frauenbewegung strebten eine politische Gleichstellung mit den Männern an sowie ein Ende der zivilrechtlichen Mündelschaft unter Vater oder Ehemann, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Zugang für Frauen zur Universität und zu allen Berufen und Ämtern.[15]

Das Frauenwahlrecht wurde in Deutschland 1918 eingeführt, in den USA und Großbritannien wurde es den Frauen im gleichen Zeitraum als „Belohnung“ für ihre Kriegsanstrengungen gewährt, in der Sowjetunion 1917 als Folge der sozialistischen Revolution. Andere Länder wie Frankreich und Italien führten das Frauenwahlrecht erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges ein, in der Schweiz 1971.[16]

Die erste Welle des Feminismus ebbte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ab. Grundlegende Forderungen wie das Frauenwahlrecht waren in einigen Ländern erfüllt. Zugleich wirkten zahlreiche Faktoren zusammen, die den Frauen wieder ihren traditionellen Platz zuwiesen. In der Weltwirtschaftskrise ab 1929 verschärfte sich die Konkurrenz um Arbeitsplätze, Frauen wurden in der Regel als erste entlassen.

Den Forderungen nach Frauenstudium wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in vielen Ländern stattgegeben, allerdings studierten zunächst nur sehr wenige Frauen, wie Rosa Luxemburg. Die erste ordentliche Professorin in Deutschland war Margarete von Wrangell; die zweite Mathilde Vaerting, sie wurde 1933 von den Nationalsozialisten vom Hochschuldienst ausgeschlossen ebenso wie unter anderen Marie Baum und Gerta von Ubisch. Als erste Physikerin in Deutschland wurde Lise Meitner 1926 die erste Professorin an der Berliner Humboldt-Universität. Wie viele andere jüdische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler auch musste sie emigrieren und konnte ihre wissenschaftliche Arbeit in Berlin nicht fortsetzen. Sie floh 1938 nach Schweden.

Der deutsche Nationalsozialismus beschränkte die Möglichkeiten der Frauen zum Studium; die nationalsozialistischen, insbesondere die rassenpolitischen Gesetze führten in der Zeit von 1933 bis 1945 zu einem einschneidenden Bruch in den universitären Beschäftigungs- und Karrieremöglichkeiten von Frauen.

Frauenorganisationen wurden aufgelöst oder gleichgeschaltet. Anita Augspurg und Lida Gustava Heymann, Pionierinnen der ersten Frauenbewegung und Gegnerinnen des Nazi-Regimes, mussten ab 1933 im Schweizer Exil leben; Alice Salomon wurde 1939 ins Exil gezwungen.

Nach zwei Weltkriegen war die Wiederherstellung rigider Geschlechterrollen sowie das Leitbild von Ehe und Kernfamilie als dominante Lebensform wichtiger Bestandteil einer angeblichen „Normalisierung“ der Lebensverhältnisse. Obwohl Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit auf sich allein gestellt das Leben unter schwierigsten Bedingungen gemeistert hatten, beinhaltete das die klare Anweisung, in Heim und Familie als wahren Ort weiblicher Bestimmung zurückzukehren. In allen westlichen Industrienationen, die am Zweiten Weltkrieg beteiligt waren, fand in der Nachkriegszeit eine Restrukturierung traditioneller Geschlechterverhältnisse statt.[17]

Auch hier kann man recht problemlos mit Forderungen wie „die Vertreterinnen der Ersten Frauenbewegung strebten eine politische Gleichstellung mit den Männern an sowie ein Ende der zivilrechtlichen Mündelschaft unter Vater oder Ehemann, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Zugang für Frauen zur Universität und zu allen Berufen und Ämtern“ aus meiner Sicht problemlos mitgehen.

2. Die zweite Welle des Feminismus

„Die feministische Bewegung begann in den sechziger/siebziger Jahren mit der These, daß Frauen – jenseits der Biologie – etwas gemeinsam haben, nämlich eine gewaltsame Schädigungs- und Ausschluß-Geschichte, die sie in die Randständigkeit gedrängt, als minderwertige Menschen definiert, von der öffentlichen Teilhabe ausgeschlossen und der alltäglichen Gewalt ausgeliefert hat.“– Christina Thürmer-Rohr, 1997[18]

Der Formierung der Frauenbewegungen in Westdeutschland und anderen europäischen Ländern ging die amerikanische Frauenbewegung, das Women’s Liberation Movement (Women’s Lib), voraus. Als sich in der Bundesrepublik zögernd die ersten autonomen Frauengruppen konstituierten, hatte sich in den Vereinigten Staaten bereits ein breites Netz von Frauenorganisationen und Frauengruppen entfaltet. Die erste neue feministische Gruppierung war die im Juni 1966 gegründete National Organization for Women (NOW).[19]

Um die Bedeutung des feministischen Aufbruchs seit den 1960er Jahren in der Bundesrepublik Deutschland nachvollziehen zu können, muss man sich die Bedingungen für Frauen vergegenwärtigen. Mitte der sechziger Jahre waren Mädchen, vor allem aus Arbeiter- und Landfamilien, an weiterführenden Schulen deutlich benachteiligt, und es studierten wesentlich mehr Männer als Frauen.[20] An den Hochschulen gab es kaum weibliche Wissenschaftler und Hochschullehrer. Frauen waren auch in der politischen Repräsentation kaum vertreten, obwohl die Aufnahme der Gleichberechtigung ins Grundgesetz wesentlich das Verdienst von Politikerinnen wie Elisabeth Selbert war. Nur jede dritte Frau war erwerbstätig, die geschlechtsspezifische Verteilung der Berufe folgte weitgehend den geschlechtsspezifisch stereotypen Zuschreibungen, wie den sogenannten Leichtlohngruppen und „Frauenberufen“. Die allgemeine rechtliche Situation von Frauen entsprach nicht derjenigen der Männer. So konnte der Ehemann als gesetzlich definierter „Haushaltsvorstand“ verbindliche Entscheidungen alleine treffen. Bis 1962 durften Frauen ohne Zustimmung des Mannes kein eigenes Bankkonto eröffnen und darüber verfügen. Noch bis 1977 schrieb das Bürgerliche Gesetzbuch vor, dass eine Frau die Erlaubnis ihres Ehemanns für die eigene Berufstätigkeit brauchte. Auch wenn er es erlaubte, verwaltete er ihren Lohn. Im Scheidungsrecht galt das Schuldprinzip, so dass Hausfrauen, die „schuldig“ geschieden wurden, oftmals ohne jegliche finanzielle Unterstützung dastanden. Vergewaltigung in der Ehe hieß noch „eheliche Pflicht“, Abtreibung war verboten, und die Kinderbetreuung war vollständig privatisiert und damit überwiegend exklusive Aufgabe der Frauen.[21]

Die Neue Frauenbewegung in Westdeutschland nahm ihren Anfang mit einem Tomatenwurf. Helke Sander hatte in einem Vortrag am 13. September 1968 auf der 23. Delegiertenkonferenz des Sozialistischen Deutschen Studentenbundes (SDS) den SDS-Männern vorgeworfen, in ihrer Gesellschaftskritik nicht weit genug zu gehen, weil sie die Diskriminierung der Frauen ignorierten. Der SDS selbst sei das Spiegelbild einer männlich geprägten Gesellschaftsstruktur. Da die Genossen nicht bereit waren, diese Rede zu diskutieren, und zur Tagesordnung übergehen wollten, warf Sigrid Rüger Tomaten in Richtung des Vorstandstisches und traf Hans-Jürgen Krahl.[22][23] Noch am selben Tag gründeten Frauen in den verschiedenen Landesverbänden des SDS „Weiberräte“. Bald darauf spalteten sich Frauengruppen vom SDS ab, und es entstand eine autonome Frauenbewegung mit neuen Organisationsformen wie den Frauenzentren. Damit begann ein Sturm auf die vielfältigen Formen institutionalisierter Ungleichheit: „Arbeitsteilung, Rollenzuschreibungen, Repräsentationsmuster, Gesetze, Theorie- und Interpretationsmonopole, Sexualpolitik und Heterosexismus. Diese Dimensionen der Ungleichheit wurden in der Frauenbewegung ganz unterschiedlich thematisiert – und zwar autonom oder institutionell; provokativ oder vermittelnd; radikal oder gemäßigt.“ Für die aktive Gleichberechtigung der Frauen mussten neue politische Modelle erst „erfunden“ werden. Das Neue an der zweiten Frauenbewegung war der Umfang, in dem sie Alltägliches in Frage stellte.[24] Eine Parole lautete „Das Persönliche ist politisch“ (Helke Sander).

1971 formierte sich im Protest gegen das Verbot der Abtreibung im § 218 eine Bewegung, die weit über die feministischen Diskussionsgruppen hinausging. Die Selbstbestimmung über die weibliche Sexualität wurde zum zentralen Thema. In der Folge bildeten sich die in der Bundesrepublik Deutschland grundlegenden intellektuellen Strömungen heraus: sozialistischer Feminismus, radikaler Gleichheitsfeminismus, radikaler Differenzfeminismus sowie der lesbische separatistische Feminismus. Das europäische Emanzipationsdenken, aber auch Impulse aus anderen westeuropäischen Ländern, vor allem Frankreich, aus den USA und der so genannten Dritten Welt beeinflussten diese Strömungen

Hier scheint der Umbruch stattzufinden zu einer starken Betonung der Opferrolle der Frau und der Befreiung der Frau aus dieser.

In einem englischen Artikel heißt es dazu:

Second-wave feminism is a period of feminist activity that first began in the early 1960s in the United States, and eventually spread throughout the Western world. In the United States the movement lasted through the early 1980s.[1] It later became a worldwide movement that was strong in Europe and parts of Asia, such as Turkey[2] and Israel, where it began in the 1980s, and it began at other times in other countries.[3]

Whereas first-wave feminism focused mainly on suffrage and overturning legal obstacles to gender equality (i.e., voting rights, property rights), second-wave feminism broadened the debate to a wide range of issues: sexuality, family, the workplace, reproductive rights, de facto inequalities, and official legal inequalities.[4] At a time when mainstream women were making job gains in the professions, the military, the media, and sports in large part because of second-wave feminist advocacy, second-wave feminism also focused on a battle against violence with proposals for marital rape laws, establishment of rape crisis and battered women’s shelters, and changes in custody and divorce law. Its major effort was passage of the Equal Rights Amendment (ERA) to the United States Constitution, in which they were defeated by anti-feminists led by Phyllis Schlafly, who argued as an anti-ERA view that the ERA meant women would be drafted into the military.

Many historians view the second-wave feminist era in America as ending in the early 1980s with the intra-feminism disputes of the Feminist Sex Wars over issues such as sexuality and pornography, which ushered in the era of third-wave feminism in the early 1990s

In der ersten Welle ging es demnach um die Beseitigung gesetzlicher Regeln, in der zweiten Welle eher um die Befreiung der Frau beziehungsweise eine Betrachtung aller gesellschaftlichen Bereiche unter dem Gesichtspunkt von Rollen und der Frage, wie hierdurch Frauen ggfs. eingeschränkt werden. Daraus folgend dann auch der Kampf gegen Gewalt und sexuelle Gewalt. Dies führte dann zu den „Feminist Sex Wars“, also dem Kampf um die Frage, ob Sex eine gute Sache oder ein Unterdrückungsmittel des Mannes ist (die man teilweise damit gelöst hat, dass es etwas gutes wäre, wenn der Mann es nicht so zur Unterdrückung nutzen würde).

3. Die dritte Welle des Feminismus

Während in Deutschland seit 1989 vom Ende des zweiten Feminismus gesprochen wurde, sind lokal und global neue feministische Initiativen entstanden, die als Dritte Welle des Feminismus bezeichnet werden. Ihr Ausgangspunkt waren die von den Vereinten Nationen seit 1975 veranstalteten Weltfrauenkonferenzen, die für Feministinnen der Dritten Welt eine Plattform für die internationale Vernetzung bildeten.[26]

Zu den feministischen Denkerinnen, die sich in den Fragen einer transnationalen Politik engagieren, gehören die Philosophinnen Martha C. Nussbaum und Gayatri Chakravorty Spivak.[27]

In den 1990er Jahren entstand in den USA die Riot-Grrrl-Bewegung aus einem Punk-Kontext. Elemente der Riot-Grrrl-Bewegung wurden auch in Deutschland aufgegriffen und wandelten sich in die dritte Welle des Feminismus.[28] Einflussreiche Autorinnen und Aktivistinnen sind Jennifer Baumgardner, Kathleen Hanna und Amy Richards. Die jungen Feministinnen der dritten Welle arbeiten vor allem mit dem Internet und zielorientiert in Projekten und Netzwerken mit feministischer Ausrichtung, z. B. in der 1992 in den USA gegründeten Third Wave Foundation.[29] Im deutschsprachigen Raum entstanden Internetprojekte wie Mädchenmannschaft und Missy Magazine, eine Bewegung, die unter dem Begriff Netzfeminismus gefasst wird.[30][31]

Andere Gruppen artikulieren sich seit Mitte 2000 in direkten Aktionen mit künstlerischen und parodistischen Mitteln. Dazu gehören die Slutwalks, One Billion Rising und Femen. Darin zeige sich, so Sabine Hark, „ein entschiedenes ›Nein‹ […] zu Sexismen jeglicher Art“ und eine Anknüpfung an die Protestformen des Feminismus der 1970er Jahre

So ganz klar ist mir die Unterscheidung noch nicht. Es scheint eine globaler agierende Form zu sein, evtl ist hier auch Intersektionalismus einzuordnen.

Aus einem englischen Beitrag zu dem Thema:

Third-wave feminism is a term identified with several diverse strains of feminist activity and study, whose exact boundaries in the historiography of feminism are a subject of debate, but are often marked as beginning in the early 1990s and continuing to the present. The movement arose partially as a response to the perceived failures of and backlash against initiatives and movements created by second-wave feminism during the 1960s, ’70s, and ’80s, and the realization that women are of „many colors, ethnicities, nationalities, religions and cultural backgrounds“.[1] Rebecca Walker – a 23-year-old (at the time), bisexual African-American woman born in Jackson, Mississippi – coined the term „third-wave feminism“ in a 1992 essay. Walker is in many ways a living symbol of the way that second-wave feminism historically failed to incorporate the voices of many young, queer, and non-white women.[2]

Third-wave feminism seeks to challenge or avoid what it deems the second wave’s essentialist definitions of femininity, which often assumed a universal female identity that over-emphasized the experiences of upper-middle-class white women. The shift from second wave feminism came about with many of the legal and institutional rights that were extended to women. In addition to these institutional gains, third-wave feminists believed there needed to be further changes in stereotypes of women and in the media portrayals of women as well as in the language that has been used to define women. Therefore, third-wave ideology focuses on a more post-structuralist interpretation of gender and sexuality.[3] In „Deconstructing Equality-versus-Difference: Or, the Uses of Poststructuralist Theory for Feminism,“ Joan W. Scott describes how language has been used as a way to understand the world, however, „post-structuralists insist that words and texts have no fixed or intrinsic meanings, that there is no transparent or self-evident relationship between them and either ideas or things, no basic or ultimate correspondence between language and the world“[4] Thus, while language has been used to create binaries (such as male/female), post-structuralists see these binaries as artificial constructs created to maintain the power of dominant groups.[5]

Third-wave theory usually incorporates elements of queer theory; anti-racism and women-of-color consciousness; womanism; girl power; post-colonial theory; postmodernism; transnationalism; cyberfeminism; ecofeminism; individualist feminism; new feminist theory, transgender politics, and a rejection of the gender binary.[citation needed] Also considered part of the third wave is sex-positivity, a celebration of sexuality as a positive aspect of life, with broader definitions of what sex means and what oppression and empowerment may imply in the context of sex. For example, many third-wave feminists have reconsidered the opposition to pornography and sex work of the second wave, and challenge existing beliefs that participants in pornography and sex work are always being exploited.[6]

Also Intersektionalismus, Poststrukturalismus, Queertheorie, die Aufgabe der Idee, das es eine universelle weibliche Identität gibt und ein Versuch davon wegzukommen, das eine Ausrichtung auf die obere Mittelklasse der Frauen erfolgt (wohl eher gescheitert).  Zudem die Meinung, dass Rollen aufgebrochen werden müssen, in vielerlei Hinsicht also der heutige Genderfeminismus als eine Art des Feminismus dieser Welle.

4. Weitere kurze Darstellung

Eine weitere kurze Darstellung der Wellen findet sich auch hier:

Die moderne Frauenrechtsbewegung lässt sich in drei Wellen unterteilen:

  • Die erste Welle der modernen Frauenbewegung oder Frauenrechtsbewegung (Mitte des 19. Jahrhunderts bis Anfang des 20. Jahrhunderts) kämpfte für die grundsätzlichen politischen und bürgerlichen Rechte der Frauen wie z. B. das Frauenwahlrecht, das in Deutschland im November 1918 rechtlich verankert wurde, das Recht auf Erwerbstätigkeit, das Recht auf Bildung und für eine Gesellschaft auf neuer sittlicher Grundlage.
  • Die zweite Welle der Frauenbewegung entstand in den 1960er Jahren als Kritik an der massiven Diskriminierung von Frauen, besonders von Müttern. Wegen ihrer Kritik an allen bisherigen Formen organisierter Politik verstanden sich zumindest große Teile der zweiten Phase etwa ab 1968 auch als autonome Frauenbewegung. Diese zweite Welle wird oft als Teil der Neuen Linken und der neuen sozialen Bewegungen verstanden. Sinnvollerweise wird aber die Frauenbewegung der letzten beiden Jahrhunderte in einem Zusammenhang betrachtet und nach Phasen oder Wellen unterschieden.
  • In den 1990er Jahren zeichnete sich vor allem in den USA eine dritte Welle (Third-wave feminism) der Frauenbewegung ab, die die Ideen der zweiten Welle in modifizierter Form fortsetzt. Neue Aspekte sind vor allem eine globalere, weniger ethnozentristische Sichtweise, die Betonung der Notwendigkeit, dass auch Männlichkeit ein nach Zeiten und Regionen unterschiedliches Konstrukt ist, das kritisch hinterfragt werden muss. Unter dem Begriff des Gender-Mainstreaming verabredeten 1995 auf der 4. UN-Weltfrauenkonferenz die dort versammelten Regierungen inkl. des Vatikans den kleinsten Reformkompromiss, auf den sie sich einigen konnten, als eine Top-Down Strategie, die Frauen-, aber auch Lesben- und Schwulenbewegungen unterstützen soll.

 

Leistungen des Feminismus: War Feminismus die Ursache oder nur die Folge?

In Kai’s Text findet sich neben den Fragen noch eine andere interessante Stelle:

Feminismus hat auch Errungenschaften gebracht, die wir Männer so schnell nie hingekriegt hätten. Ein Beispiel? Vaterschaftsurlaub – der für mich schönste Urlaub meines Lebens! Hätte es den Feminismus nicht gegeben, der Rollenbilder in Frage stellt, dann würden wir heute noch als Männer direkt nach der Geburt der Kinder wieder Arbeiten gehen. Einen Tag Urlaub um bei der Geburt dabei zu sein und dann Schwupp, zurück an die Drehbank oder den Schreibtisch. Unsere männlichen Parlamentsheinies hätten hier niemals ein Bedürfnis gesehen, wie auch, definieren doch gerade sie sich als Powermänner, die immer im Parlament oder am Schreitisch sitzen. Somit hat er auch Gruppen wie Manndat und Agens geschaffen, die sich z. B. Fragen zur Männergesundheit stellen, wenn auch erst in Opposition zum Frauengesundheitsbericht. Fairerweise muss man sagen, der Feminismus hat Dinge sowohl zum positiven, wie auch zum negativen verändert und oftmals auch bestehende Sichtweisen zementiert.

Da würde mich insbesondere eine historische Einordnung zum Feminismus interessieren, aber auch eure Meinung dazu.

Nick schrieb an anderer Stelle zu einem ähnlichen Thema:

Liest man feministische Autorinnen aus der Zeit, so gewinnt man eher den Eindruck, es wäre überwiegend um den männlichen Sexdämon gegangen. Dabei insbesonde um dessen schöcklichen Pornografiekonsum, was quasi schon eine Vergewaltigung darstellte. Das war jedenfalls definitiv der überwältigend oft dokumentierte Fokus des damaligen Feminismus.

(Erst 1977 wurde das Gesetz geändert, das einer Frau verbot, ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu gehen – vielen ist echt nicht klar, was damals so alles als “normal” galt!)

Das wird zwar immer wieder kolportiert, aber in der Rechtsgeschichte findet sich dafür leider keine Grundlage.

Gem. BGB von 1896 konnte der Ehemann eine Aufhebung des Arbeitsvertrages seiner Ehefrau beim Vormundschaftsgericht beantragen. Allerdings musste er dazu triftige Gründe benennen, die vom Gericht geprüft werden mussten – man hat schon 1896 die Ehefrau nicht der Willkür des Ehemannes ausliefern wollen.

In der Verfassung der Bundesrepublik von 1949 wurde die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschrieben. Dem Gesetzgeber wurde dabei ins Pflichtenheft geschrieben, bis zum 31.3.1959 das gesamte Gesetzeswerk entsprechend zu entrümpeln (Art. 117 GG). Die regierende CDU (die damals als Frauenpartei galt) lies diese Frist tatenlos verstreichen, somit waren alle entsprechenden Gesetze ab diesem Stichtag ungültig.

Es hätte also gar kein Vormundschaftsgericht den Arbeitsvertrag einer Ehefrau kündigen dürfen. Zumindest in anderen Angelegenheiten haben die Gerichte auch entsprechend entschieden, und ich warte immer noch auf die Bennennung eines einzigen Falles nach dem 31.3.1953, bei dem der Arbeitsvertrag einer Ehefrau durch ein Vormundschaftsgericht gekündigt wurde.

Was zutreffend ist, ist dass das Gesetzliche Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde. Diesem Leitbild zufolge war die Frau für den Haushalt zuständig und hatte ein Recht auf Berufstätigkeit nur soweit diese Pflichten nicht beeinträchtigt wurden. Deshalb durfte aber der Ehemann der Ehefrau die Berufstätigkeit noch lange nicht verbieten, er konnte allenfalls bei Gericht eine Scheidung begehren. Auch hier musste ein Richter der Ansicht des Ehemannes folgen, um eine Scheidung zu bewirken.

Dieses Leitbild wurde sogleich mit der sozialliberalen Koalition 1969 in Angriff genommen, es zog sich nur deshalb bis 1977 hin weil Frauenverbände mauerten (da konnte doch der Ehemann sich einfach eine Jüngere nehmen – so war das auch wieder nicht gemeint, mit dem Zerrütungsprinzip)

Nun tut Feminismus – an vorderster Front Alice Schwarzer – so, als hätte der Anfang/Mitte der 1970er erstarkte Feminismus das “gemacht”. Dabei hat er offenkundig mehr blockiert als gemacht.

Das sieht man auch daran, dass die hier als so bedeutend wahrgenommenen jugendlich-radikalen Neo- bzw. “Netzfeministinnen” sich kaum mehr klassischen “Frauenfragen” widmen, sondern Themen wie Rassismus, Critical Whiteness etc.

Die heutigen Netzfeministinnen haben zumindest einen ungebrochenen Fokus auf “rape culture”, und diesen Fokus haben sie wohl ganz klar direkt von Susan Brownmiller geerbt.

Ich sehe im Westen nichts wirklich Neues.

Des weiteren hatte Nick in einem Kommentar geschrieben:

Es ist halt die Frage, was man alles unter Feminismus subsummieren möchte. Waren unsere Freunde von der Spezialdemokratie vor 1970 feministisch? Mit einer gewissen Berechigung lässt sich das bejahen, allerdings wäre dabei der Begriff anachronistisch – man müsste eher von einer langen frauenrechtlichen Tradition sprechen.

Jedenfalls kann man wohl mit Fug und Recht davon sprechen, dass fast sämtliche Schritte zur rechtlichen Gleichberechtigung in Deutschland auf das Konto der Sozialdemokratie gingen, und zwar vor 1970. Lange bevor irgendwelche Pauerwummen in Latzhosen im Straßenbild sichtabar waren, lange bevor man von einer feminisischen Bewegung sprecen kann.

Auch das “Katholische Mädchen vom Lande” war in den 1960ern ein Dauerthema, es muss heute keine Frau Alice Schwarzer dankbar dafür sein, dass sie studieren darf bzw. durfte. (wo sollten denn sonst plötzlich all die studierenden Feministinnen in den 1970ern her gekommen sein?)

Ein weiteres, wesentliches Feld war das Ende der konservativen Rückbesinnung der 1950er, was sich ebenfalls über die ganzen 1960er hinzog. In sehr vielen Dingen. (Genauer betrachtet gab es schon in den 1950ern eine durchaus präsente Gegenbewegung, und zwar von Männern gegen die Ochsentour “Familienernährer”)

Ende der 1960er gab es endgültig kein Halten mehr. Der (insbesondere: Sexual-) Konsevativismus der 1950er brach vollends zusammen, gerade im Mainstream. Die ’68er neigen generell dazu, dies auf ihr persönliches Wirken zurückzuführen, beim Einrennen offener Tore fühlten diese Bürgerskinder sich als geschichtsmächtige Tabubrecher. Sie begehrten eher gegen ihre überdurchschnittlich konservativen eigenen Eltern als gegen “die Gesellschaft” auf. Klar, dass sich auch Alice Schwarzer et al gerne an diese Selbstmythifizierung dranhängen.

Auf ökonomischer Ebene vollzog sich ein Strukturwandel, hin zur Konsumgüterindustrie und zum tertiären Sekor. Es entstanden immer mehr Jobs, die für Frauen geeignet waren. Auch dies war schon länger am Kochen.

Zusammenfassend lässt sich wohl festsellen, dass die wesentlichsten Punkte:

– Abschaffung der Hausfrauenhehe als gesetzliches Leitbild, als fast letzte noch vorandene gesetzliche Ungleichbehandlung zum Nachteil von Frauen (1969 in Angriff genommen, von Frauenverbänden bis 1977 blockiert)

– Zusammenbruch der konservativen Sexualmoral

– massenhafte Bildungspatizipation von Frauen

– erhöhte Arbeitmarktpartizipation von Frauen

– kultureller Wandel der Weiblichkeitsideale

– kultureller Wandel der Vorstellungen von den Geschlechterrollen in Liebesbeziehungen

..wohl ganz klar _nicht_ von einer nennenswerten feministischen Bewegung initiiert wurden. Sie waren ausnahmlos faktisch schon tief im Mainstream verwurzelt, als die ersten Feministinnen ihre Genossen vom SDS mit Eiern bewarfen. Selbstverständlich gab es damals noch sehr viele Geschlechterkonservative, allerdings wurde die Graswurzelarbeit überwiegend in den 1960ern geleistet – ich würde behaupten, von mehr Männern als von Frauen.

Folgerichtig waren die Hauptthemen des Feminismus der 1970er und 1980er auch nicht die klassischern frauenrechtlichen Themen. Vielmehr arbeitete man sich zuvörderst an dem Sexdämon Mann ab.

Der in den 1970ern aufgekommene Radikalfeminismus hatte seine Berechtigung – aber für was bloß? Na gut, die Reform des §218 kann er sich teilweise auf die Fahnen schreiben, allerdings erscheint es wohl sehr fragwürdig dass man so ewas aus den Nichts innerhalb kürzester Zeit erreicht.

Danach wäre der Feminismus eher eine Folge der bereits eingetretenen Entwicklung und weniger deren Ursache gewesen.

Dazu passend auch noch ein weiterer Kommentar, der die auch häufig diskutierte Frage betrifft, inwieweit Frauen eine Erlaubnis ihres Ehemannes brauchen, um arbeiten zu dürfen:

Die Frage kommt häufiger auf, jetzt hatte Kommentator Homo oeconomicus dazu einen interessanten Kommentar geschrieben:

Obige Aussage ist gängiger Bestandteil feministischer Legendenbildung.

Ich habe vor 1977 geheiratet und meine Frau brauchte keinerlei Erlaubnis meinerseits für ihre damalige Berufstätigkeit.

Vielmehr ging es bis 1958 in der gesetzlichen Regelung um die Vereinbarkeit der Berufstätigkeit der Frau mit ihren Pflichten ” in Ehe und Familie “.

Dies betraf insbesondere die Versorgung der Kinder. Gab es diesbezüglich Konflikte, so konnte der der Ehemann theoretisch über einen von ihm beantragten Entscheid des Vormundschaftsgerichtes eine Berechtigung zur Kündigung des Berufsverhältnisses der Ehefrau erwirken.

Diese Regelung war aber schon in der damaligen Zeit offenbar rechtlich umstritten und wurde in den juristischen Kommentaren dieser Zeit so auch diskutiert ( § 1358 BGB ).

Der bis 1977 gültige § 1356 BGB regelte die Problematik ähnlich, auch hier wurde nicht ein Einverständnis des Ehemannes zur Berufstätigkeit der Ehefrau verlangt.

Der aktuelle Fassung des § 1356 BGB verlangt übrigens nach wie vor von den Ehegatten ” bei der Wahl und Ausübung der Berufstätigkeit……auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie Rücksicht zu nehmen “.

Feministen erzählen heute gerne Geschichten ( HerStory ) über
” damals “, als es den Frauen angeblich ” verboten war, ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu gehen ”

Legendenbildung, die bei ihnen offenbar als ” normal ” gilt !

Am 20. März hat sich @Nick dann im gleichen Strang wie folgt zum Thema geäussert :

>>(Erst 1977 wurde das Gesetz geändert, das einer Frau verbot, ohne Erlaubnis ihres Mannes arbeiten zu gehen – vielen ist echt nicht klar, was damals so alles als “normal” galt!)>>

Das wird zwar immer wieder kolportiert, aber in der Rechtsgeschichte findet sich dafür leider keine Grundlage.

Gem. BGB von 1896 konnte der Ehemann eine Aufhebung des Arbeitsvertrages seiner Ehefrau beim Vormundschaftsgericht beantragen. Allerdings musste er dazu triftige Gründe benennen, die vom Gericht geprüft werden mussten – man hat schon 1896 die Ehefrau nicht der Willkür des Ehemannes ausliefern wollen.

In der Verfassung der Bundesrepublik von 1949 wurde die Gleichberechtigung von Männern und Frauen festgeschrieben. Dem Gesetzgeber wurde dabei ins Pflichtenheft geschrieben, bis zum 31.3.1959 das gesamte Gesetzeswerk entsprechend zu entrümpeln (Art. 117 GG). Die regierende CDU (die damals als Frauenpartei galt) lies diese Frist tatenlos verstreichen, somit waren alle entsprechenden Gesetze ab diesem Stichtag ungültig.

Es hätte also gar kein Vormundschaftsgericht den Arbeitsvertrag einer Ehefrau kündigen dürfen. Zumindest in anderen Angelegenheiten haben die Gerichte auch entsprechend entschieden, und ich warte immer noch auf die Bennennung eines einzigen Falles nach dem 31.3.1953, bei dem der Arbeitsvertrag einer Ehefrau durch ein Vormundschaftsgericht gekündigt wurde.

Was zutreffend ist, ist dass das Gesetzliche Leitbild der Hausfrauenehe 1977 abgeschafft wurde. Diesem Leitbild zufolge war die Frau für den Haushalt zuständig und hatte ein Recht auf Berufstätigkeit nur soweit diese Pflichten nicht beeinträchtigt wurden. Deshalb durfte aber der Ehemann der Ehefrau die Berufstätigkeit noch lange nicht verbieten, er konnte allenfalls bei Gericht eine Scheidung begehren. Auch hier musste ein Richter der Ansicht des Ehemannes folgen, um eine Scheidung zu bewirken.

Dieses Leitbild wurde sogleich mit der sozialliberalen Koalition 1969 in Angriff genommen, es zog sich nur deshalb bis 1977 hin weil Frauenverbände mauerten (da konnte doch der Ehemann sich einfach eine Jüngere nehmen – so war das auch wieder nicht gemeint, mit dem Zerrütungsprinzip)

Nun tut Feminismus – an vorderster Front Alice Schwarzer – so, als hätte der Anfang/Mitte der 1970er erstarkte Feminismus das “gemacht”. Dabei hat er offenkundig mehr blockiert als gemacht.