Wie man bei allgemeinen, freien, geheimen Wahlen die Stimmen von Frauen im Patriarchat wirkungslos macht II

Nach den letzten Wahlen hatte ich bereits dargestellt, dass die Stimmen der Frauen in dem vom Männern geschaffenen Patriarchat vollkommen wirkungslos sind. Das hatte man 2013 bereits an dieser Grafik sehen können:

frauen-bundestagswahl 2013

frauen-bundestagswahl 2013

Die Frauen haben die CDU gewählt, gefolgt von der SPD, und bekanntermaßen waren diese nicht an der Regierung. Stattdessen haben die Männer mit 39% Prozent Union und 26 Prozent SPD ihre Vorstellungen voll durchsetzen können.

Auch dieses Mal hat das Patriarchat erneut alle Stimmen der Frauen unbeachtlich machen können:

Bundestagswahl Maenner Frauen

Bundestagswahl Maenner Frauen

Man sieht, hier wäre nach dem Wahlergebnis der Frauen eine ganz andere Regierung möglich gewesen als bei den Männern. Und eine viel feministischere noch dazu. Nämlich eventuell CDU-FDP alleine, oder aber eine Jamaika-Koaliton aus CDU-FDP-Grüne, ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob das gereicht hätte für die erste Variante.

Wie genial das Patriarchat erneut die Stimmen der Frauen ausbremst, trotz freier gemeiner Wahlen, sieht man auch an den Verteilungen:

Ich würde sagen, dass die Linke und die Grünen wahrscheinlich die feministischsten Parteien sind, sie kommen aber bei Frauen ungefähr so gut an wie bei den Männern. Dann dürfte die SPD kommen, die sogar ihren Wahlkampf teilweise extra auf den Abbau von Diskriminierungen ausgerichtet hat, zB mit Plakaten wie diesem:

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

Hat Frauen aber anscheinend nicht wirklich interessiert, sie wählten etwa in gleicher Anzahl wie die Männer und verhalfen der SPD damit zu einem seiner schlechtesten Ergebnisse seit langem.

Und selbst Bilder, die Frauen in technischen Bereichen zeigten und Lohngerechtigkeit herstellen wollten, also zeigten, dass die SPD da ganz modern denkt, halfen nicht:

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

Ich finde das Motiv eh interessant: Es ist in gewisser Weise ein Bekenntnis dazu, dass man Frauen natürlich auch technische Berufe zutraut. Nur arbeiten eben die wenigsten Frauen im Blaumann an Großmaschinen. Theoretisch schwächt es damit die Botschaft eher bei der typischen Wählerin ab: Sie arbeitet gerade nicht in einem technischen Bereich, sie arbeitet mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit in einem Büro mit sehr vielen weiblichen Kolleginnen, und das häufig eher Halbzeit. Sie ist sich wahrscheinlich sehr bewußt, dass männliche Kollegen auf einer 100% Stelle eben auch eher befördert werden als Frauen auf einer 50% Stelle. Sie nehmen für sich selbst auch keine Lohnungerechtigkeit in ihrem konkreten Job wahr, allenfalls für Frauen allgemein, aber das bringt ihnen selbst ja wenig. Es ist ein Wahlversprechen, welches der einzelnen Frau in ihrer konkreten Situation nichts bringt.

Was wählen Frauen stattdessen mehr als Männer: Die CDU. Also die konservativste Partei abseits der radikalen AfD. Aber auch die schneidet nicht schlecht bei ihnen ab, ein (so nicht zu erwartendes) Bündnis von CDU und AFD hätte bei den Männern 46% und bei den Frauen…tata… 46%.

Auch hier wieder beachtliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Auch interessant ist eine Aufschlüsselung der AfD-Wähler nach Geschlecht:

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Wie man hier sehr deutlich sieht sind die regionalen Unterschiede wesentlich größer als die zwischen den Geschlechtern. Trotz geringeren (8%) Gender Pay Gap im Osten als im Westen (23%), also anscheinend ja schwächerer Unterdrückung und mehr Emanzipation wählen die Frauen hier mit 17% die Partei, welches sich am meisten von Genderthemen abgrenzt und den Genderfeminismus und den intersektionalen Feminismus wohl am nachhaltigsten beseitigen möchte.

Eine interessante Leistung des Patriarchats. Wie immer.

Wie man bei allgemeinen, freien, geheimen Wahlen die Stimmen von Frauen im Patriarchat wirkungslos macht

Die Bundestagswahl 2013 hat als stärkste Partei die Union ergeben. Wie haben da eigentlich die Frauen gewählt:

Geschlecht

Frauen wählten vor allem die Union (44 Prozent), dann folgte die SPD (25 Prozent). Ähnlich sah es bei den Männern aus: 39 Prozent Union, 26 Prozent SPD.

 

Eine weitere Aufschlüsselung findet sich hier in dieser Grafik:

frauen-bundestagswahl 2013

Frauen Bundestagswahl 2013

Man sieht also: Die Frauen haben sogar noch etwas mehr CDU/CSU gewählt als die Männer. Sie scheinen also durchaus ihr Wahlrecht in einer Weise ausgeübt zu haben, die sich auch im Ergebnis wiederspiegelt.

Natürlich könnte man hier einfügen, dass das eben das brutale von Rollen ist: Frauen wählen nicht, was sie eigentlich wollen oder wollen sollten, sondern was sie glauben wählen zu müssen. Und damit wählen sie dann eben aufgrund ihrer Lebenssituation das, was ihnen im Patriarchat einen Vorteil bringt, wie gefangene, die wählen, ob sie trockenes Brot oder verschimmeltes Brot essen wollen.

Aber natürlich standen hier Parteien zur Verfügung, die recht nachhaltig feministische Programmpunkte im Programm hatten, von der SPD („die männliche Gesellschaft überwinden“) bis hin zu den Grünen mit ihrer 50% Frauenquote für eigentlich alles. Trotzdem wählen sie eben die CDU.

Ich bin gespannt, ob es hierzu feministische Beiträge geben wird – entweder spricht man dort Frauen dann die Fähigkeit ab, rational zu wählen oder man müsste ihnen zugestehen, dass sie anscheinend andere Vorstellungen von einer gerechten Gesellschaft haben.

Ich hatte dazu schon einmal etwas in einem anderen Artikel geschrieben:

Wie kann sich Frauenunterdrückung und Patriarchat in einer Demokratie mit freien, allgemeinen und geheimen Wahlrecht halten, wenn der Anteil der weiblichen Wählerschaft über 50% liegt, wie in Deutschland?”

Mögliche Antworten:

  • Die Frauen haben ihre Rolle schon zu sehr verinnerlicht und wählen patriarchatskonform, auch wenn sie keiner überwacht. Das sagt aber auch einiges über Frauen aus, was aus Sicht der feministischen Theorie sicherlich nicht gewünscht ist
  • Frauen haben es sich im Patriarchat eingerichtet (wahlweise: es gibt kein Patriarchat). Die Lebensweise bietet ihnen Vorteile, die herrschende Arbeitsteilung wird nicht als Unterdrückung wahlweise der einzelnen Frau oder der Frauen an sich empfunden (“Frauen sollten mehr in Spitzenpositionen kommen, aber für mich selbst finde ich einen Mann als Hauptverdiener und ich arbeitete Halbtags und versorge die Kinder und den Haushalt gut”)
  • Frauen würden gerne andere Politik wählen, haben aber die Option nicht, da das Patriarchat Frauenpolitik und Frauenparteien behindert. Allerdings tritt die Frauenpartei zu Wahlen an und die Wahlfinanzierung würde es auch Frauen ermöglichen, sich entsprechend zusammen zu schließen. Oder sie könnten zumindest einheitlich “Die Grünen” wählen, die ja eine Frauenparität im Programm haben.
  • Die Fraueninteressen sind zu unterschiedlich für eine Bündelung. Das Argument lässt außer Betracht, dass dies bei Männern nicht anders ist. Wenn Frauen die Machtverhältnisse umkehren würden müsste ein Weg möglich sein, der von einer Mehrzahl der Wählerinnen begrüßt wird.

Eine stimmige Antwort hierauf habe ich noch nicht gelesen. Wenn jemand einen feministischen Artikel kennt, der das erklärt, dann bitte in den Kommentaren verlinken

Vorteile und Nachteile der Demokratie

Gerade hat Merkel verschiedene milliardenschwere Unterstützungen angekündigt, da regt sich der Vorwurf, dass es sich nicht um vernünftige Politik, sondern nur Geschenke an den Wähler im Rahmen des Wahlkampfes handelt.

Das ist aus meiner Sicht auch das klassische Dilemma der Demokratie:

Für einen Politiker, der eine Wahl gewinnen will, ist es mitunter günstiger, die kurzfristigen Interessen einer bestimmten Anzahl von Wählern zu bedienen als die langfristigen Interessen der Gesamtbevölkerung zu vertreten.

Gleichzeitig bietet die Demokratie mit kurzen Wahlperioden für den Wähler den Vorteil, einen zu schlechten Politiker wieder abwählen zu können.

In gewisser Weise ist Demokratie damit eine Absicherung nach unten, die gleichzeitig eine gewisse Verschiebung nach unten bewirken kann.

Grund dafür, dass die Wähler bei ihrer Wahlentscheidung so empfänglich für kurzfristige Interessen sind ist aus meiner Sicht:

  • der Umstand, dass wir kurzfristige Vorteile oft attraktiver finden als langfristige, ungewisse Vorteile, die zudem auf die Gesamtbevölkerung umgelegt werden müssen.
  • der Vorteil oft klar benannt werden kann, während der Nachteil leichter versteckt werden kann, wenn er in einen großen Topf gesteckt wird oder auf die Zukunft verlagert wird.

Die Menschliche Geschlechterrate in verschiedenen Ländern

In der Wikipedia gibt es eine Karte, auf der man die Geschlechterrate in verschiedenen Ländern sehen kann.

Rosa  Countries with more females than males.
Grün  Countries with the same number of males and females.
Blau  Countries with more males than females.
Grau  No data

Wie man sieht, sind gerade im „Westen“ die Frauen in der Mehrheit.

Ich hatte in dem Artikel Frauenunterdrükung, Patriarchat und Demokratie“ schon einmal die folgende Frage gestellt:

Wie kann sich Frauenunterdrückung und Patriarchat in einer Demokratie mit freien, allgemeinen und geheimen Wahlrecht halten, wenn der Anteil der weiblichen Wählerschaft über 50% liegt, wie in Deutschland?”

Die gängige Antwort im (Gender-)Feminismus wird wohl sein, dass Frauen ihre Position so weit verinnerlicht haben, dass sie gar nicht mehr anders können als sich an die gesellschaftlichen Normen zu halten. Das finde ich aber ein sehr schwaches Frauenbild. Es wirft im Gegenzug die Frage auf, warum Frauen auf Vorstandspositionen gelangen sollen, wenn sie die Geschlechternormen so sehr verinnerlicht haben, dass sie sich nicht trauen in einer gemeinen Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle zu machen.

Vielleicht – eine Frage, die sich der Feminismus meiner Meinung nach zu selten stellt – sind viele Frauen mit dem gegenwärtigen System durchaus zufrieden und wollen die Strukturen gar nicht so elementar ändern. Vielleicht wählen sie einfach durchaus überlegt und im Bewusstsein der dahinterstehenden politischen Konzepte die bisher auch staatstragenden Parteien.

Die Piratenpartei jedenfalls hat gezeigt, dass man durchaus auch als neue Partei Prozente erreichen kann. Warum dies, wenn die Mißstände tatsächlich so stark sind, nicht auch bei einer Frauenpartei gehen soll leuchtet mir nicht ein