„Männer sind es gewohnt, nur von Gleichrangigen kritisiert zu werden, nicht von Frauen“

Antje Schrupp bespricht ein Bild von Facebook:

 

Männer anschreien

Männer anschreien

Dazu merkt sie an:

Das Plakat ist interessant, weil es ja tatsächlich von vielen Männern (nicht nur von Strache) als wahr empfunden wird.

Dass die objektive Realität messbar eine andere ist, weil ja weiße Männer unvergleichlich viel mehr Redezeit haben als andere Menschen, weil sie viel, viel seltener angeschrien, unterbrochen, beschimpft usw. werden als jede andere demografische Gruppe, weil im Gegenteil ja Menschen wie sie selbst es sind, die andere am allerhäufigsten anschreien, unterbrechen, beschimpfen (wie man in jedem Thread und in jeder Talkshow sieht) tut da nichts zur Sache.

 Ich finde es ja immer wieder erstaunlich, wie einfach das Weltbild vieler Feministinnen ist: In ihnen gibt es keine schreienden. meckernden, keifenden oder ungerechtfertigt Anschuldigungen vorbringenden Frauen und wahrscheinlich sogar noch weniger Feministinnen, die so etwas machen würden.  Das wäre ja sogar unabhängig davon, ob Männer in Talkshows eher unterbrechen oder Männer an sich häufiger anschreien: Das wäre dann eben schlechtes Benehmen der betreffenden Männer und würde Frauen nicht berechtigen, sich ebenfalls schlecht zu benehmen. Ich würde das Plakat auch losgelöst von der Person Strache sehen, er hat es selbst nur aus dem Internet, wo es vorher schon auftauchte. Es ist eine erstaunliche Perspektive, denn natürlich werden Männer von Müttern, Freundinnen, Lebensgefährten, Ehefrauen, Chefinnen etc auch angeschrien, unterbrochen, beschimpft.
Hier geht es aber um etwas ganz anderes: Es geht darum, wie bestimmte Meinungen gerade von radikalen Linken empfunden werden, die ihre Meinung absolut setzen und dabei eine Einteilung in absolute Opfer- und absolute Tätergruppen vornehmen und jede Kritik als Hochverrat und Tabubruch ansehen. Diese Meinung wird hier von einem Typ symbolisiert, der dies besonders häufig praktiziert, der Feministin. Denn diese steht in der „linken Unterdrückungshierarchie“ eben besonders hoch und das gibt ihr eine bestimmte Macht, Leute abzuwerten. Das gerade der Feminismus auch für „Shitstorms“ durch das Anfachen moralischer Entrüstung bekannt sind zeigen eine Vielzahl von Fällen.

Worum es geht ist nämlich tatsächlich „Entitlement“: Menschen reagieren emotional nicht einfach auf die realen Verhältnisse, sondern auf die Differenz zwischen den realen Verhältnissen und dem, worauf sie glauben, einen Anspruch zu haben. Und weiße, bürgerliche Männer glauben (so ist weiße Männlichkeit ja konstruiert), einen Anspruch darauf zu haben, dass sie nur von „Gleichrangigen“ kritisiert werden dürfen, nicht aber von „anderen“. Sie glauben, einen Anspruch darauf zu haben, dass ein Argument nicht als im öffentlichen Diskurs legitim gilt, solange sie es nicht verstehen und teilen. Sie empfinden es als übergriffig, wenn andere Menschen, auch noch solche, die „unter“ ihnen stehen, eine andere Meinung haben als sie und sich um ihre Meinung auch gar nicht scheren.

Das muss man wohl denken, wenn man Teil dieser Ideologie ist, in der der Mann Täter ist. Dass Männer sich als gleichrangig ansehen und deswegen aus ihrer Sicht natürlich das Recht haben ihrerseits zu kritisieren oder auf Kritik zu reagieren und sich gegen Abwertungen zu wehren, dass sie natürlich das Recht haben, bestimmte Positionen nicht zu teilen und daher auch nicht zu akzeptieren, dass sie natürlich eine Meinung, die sie als Täter ansieht und sie abwertet, weil sie weiß, heterosexuell und männlich sind, als Angriff auf sie sehen und das diese Ansichten nicht als von unten kommend, sondern von oben aufgedrückt wahrgenommen werden, das kann einem dann wohl gar nicht in den Sinn kommen.

Die schlechte Nachricht: Diese Auseinandersetzung um gesellschaftliche Hegemonie wird nicht ohne Schmerzen abgehen. Und zwar eben tatsächlich Schmerzen auf Seiten derjenigen, die von den weißen bürgerlichen Männern jetzt als ihre Gegner_innen definiert werden, so wie die Frau auf dem Plakat: Denn da sie ja subjektiv das Gefühl haben, ungerecht behandelt zu werden, fühlen sie sich umso mehr berechtigt, jetzt ihrerseits zuzuschlagen. Ihre Gewalt ist reine Notwehr, sozusagen.

Es ist auch erstaunlich, dass sie anscheinend gar nicht wahrnehmen will, dass weiße, bürgerliche, heterosexuelle Männer nicht die Frau als Gegner auserkoren haben, sondern das sie bereits seit langem das Feindbild dieser Frau sind. Da braucht man gar nicht groß suchen, es reicht in Google „weiße heterosexuelle Männer“ als Suchbegriff einzugeben und der Hass auf diese ist gut zu erkennen.

Die gute Nachricht: Es scheint sich tatsächlich etwas zu ändern. Denn während sie Emanzipation und Gleichstellung noch ignorieren konnten, weil sie dachten, das betrifft sie ja nicht, merken sie nun so langsam, dass es tatsächlich auch um sie geht. Dass die Welt, so wie sie sie sich bisher zurechtphantasiert haben, nicht die ganze Realität ist. Dass es da noch andere gibt, die ihren Platz behaupten.

Was wir hier erleben ist das Ende des Patriarchats. In einem intakten Patriarchat wäre so ein Plakat völlig undenkbar.

Mit dem letzten Satz hat sie Recht. Nur ist es eben nicht das Ende des Patriarchats, weil es kein Patriarchat gibt. Frauen sind nicht unterdrückt. Sie interessieren sich nur weniger für Macht und Status, weswegen sie in entsprechenden Positionen auch seltener zu finden sind.

Was Antje auch ausblendet: Es sind nicht nur Männer, die das so erleben. Eine der 53% der weiblichen Wähler in den USA würde ebenso beschimpft werden oder überhaupt eine Frau, die den modernen radikalen Feminismus nicht akzeptiert. Der moderne Feminismus verbietet sich per se Kritik und reagiert aggressiv, weil er argumentativ seine Position kaum verteidigen kann.

Die Mädchenmannschaft zur Trump-Wahl

Die Mädchenmannschaft hat einen Artikel zur Präsidentenwahl in den USA und dem Sieg von Trump (via). Die weiße Frau Magda Albrecht schreibt dort:

Realitätscheck: Welche Bevölkerungsgruppen haben für Trump gestimmt?

  • 63% der weißen Männer und 53% der weißen Frauen.
  • 13% der Schwarzen Männer und 4% der Schwarzen Frauen.
  • 33% der Latinos und 26% der Latinas. (Quelle: exit polls CNN)

Ein interessanter Aspekt der US-Wahl ist, dass hier vielleicht noch einmal einigen Politikern die deutliche Botschaft vermittelt worden ist, dass in den passenden Ländern der Großteil ihrer Wähler weiß ist. Es ist eigentlich eine sehr verblüffende und einfache Botschaft, die aber bei einigen Politikern anscheinend nicht mehr so präsent zu sein scheint, wenn sie diese pauschal beschimpfen. Ein anderer könnte sein, dass die Wählergruppe der Männer ebenfalls einen Großteil der Bevölkerung ausmacht. Wer hätte gedacht, dass diese Politiker nach ihren eigenen Interessen wählen? Magda anscheinend nicht.

Auch interessant, dass die „Geschlechterkarte“ und das schlichte Setzen auf „Frauensolidarität“ nicht gezogen hat, Frauen wollen anscheinend auch nicht eine Frau um jeden Preis, bei einer derart skandalbelasteten und recht deutlich erkennbar korrupten Politikerin wie Clinton tritt die Geschlechterzugehörigkeit zurück. Natürlich mag dabei auch eine Rolle spielen, dass Amerika im ganzen wesentlich konservativer in einigen Landstrichen ist und das Religiöse dabei auch eine deutlichere Rolle spielt. Daraus folgen dann auch andere Einstellungen, etwa zur Abtreibung etc. Andere Umfragen haben bereits gezeigt, dass Frauen teilweise strengere Regeln für die Abtreibung befürworten als Männer.

Die Wahl entschieden haben also Weiße, auch weiße Frauen. Hengameh Yaghoobifarah schreibt dazu in der taz:

„Die Aufrechterhaltung weißer Vorherrschaft war eben doch verlockender als körperliche und sexuelle Selbstbestimmung, reproduktive Rechte, Kinderbetreuung, ein soziales Auffangsystem oder ein freierer Zugang ins Gesundheitssystem.“

Es ist schon eine einfache Welt in der Leute wie Hengameh (übrigens: Mit Whitepassingprivilegien, die sich nicht reflektiert) da sehen: Der einzige Grund warum die Leute für einen weißen Mann statt einer weißen Frau stimmen ist die Aufrechterhaltung der weißen Vorherrschaft. Anscheinend wollen das auch 33% der Latinos und 13% der schwarzen Männer. Das es vielen vielleicht weit eher um Jobs ging, die Trump fördern wollte oder um Steuersenkungen, dass kann nichts damit zu tun haben. Oder das Leute gar Black lives Matter und ihren radikalen Forderungen kritisch gegenüberstehen könnten oder das Leute einfach nur die vielen Skandale und die Bestechlichkeit von Clinton abgeschreckt hat auch nicht. Das in vielen der Staaten vorher ein schwarzer Präsident mit Mehrheiten der gleichen Wähler gewählt worden ist, kommt in der Betrachtung auch nicht vor. Es wären dann vielleicht viele der Wähler von Barack Obama eigentlich heimliche Rassisten, die nur die Aufrechterhaltung der weißen Vorherrschaft interessiert.

Dieses Phänomenen, dass die Mehrheit weißer Frauen antifeministisch und rassistisch wählt, erklärt L.V. Anderson auf slate.com so (meine Übersetzung):

Weiße Frauen haben andere Frauen, ihre Land und auch sich selbst verraten. Die meisten weißen Frauen wollen nicht Teil von intersektionaler feministischer Schwesternschaft sein. Die meisten weißen Frauen wollen einfach nur „einer der Jungs“ sein. Und wir werden darunter leiden.

Das ist doch mal eine sehr positive und verständliche Nachricht, und das aus feministischer Hand: Die meisten weißen Frauen wollen keinen intersektionalen Feminismus. Sie wollen lieber „einer von den Jungs sein“. Anscheinend muss man sich entscheiden, ob man eine Frau und damit Feministin oder „einer von den Jungs“ ist. Eine geradezu bizarre Schlußfolgerung.

Ein direkter Appell kommt vom Crunk Feminist Collective (meine Übersetzung):

Weiße Leute – so genannte Liberale, Progressive, Radikale, ich wage zu sagen: „coole“ Weiße – es wird Zeit, eure verdammte Arbeit zu machen. Organisiert und mobilisiert euch und baut an Strategien mit und für eure Leute. Arbeitet daran, weiße Vorherrschaft auf eurer Arbeit, am Ort eures Gebets und am Thanksgiving-Tisch abzubauen. Bekommt euren Scheiß geregelt!

Weiße, ihr habt nur Vorteile von der weißen Vorherrschaft, baut sie deswegen sofort ab! Ein bizarrer Vorschlag eigentlich. Man könnte sagen, dass Weiße IHREN Scheiß geregelt haben.

Und es geht weiter, noch mehr Zahlen: Menschen, die in den USA bis 50.000$ Jahreseinkommen zur Verfügung haben, stimmten eher für Clinton. Die Mehrzahl der Menschen mit einem Einkommen über 50.000$ stimmte für Trump. Wer hat uns verraten? Korrekt: Die (weiße) Mittel- und Oberschicht. Der obligatorische Fingerzeig (auch vieler Linker) auf Arbeiter_innen kann also schön stecken bleiben.

Ärmere Leute stimmen sicherlich häufiger für Demokraten, weil sie eher für einen Sozialstaat steht. Und natürlich sind auch viele Angehörige von Minderheiten eher ärmer. Und Leute, die Steuern zahlen, profitieren auch eher von Steuersenkungen. Insgesamt haben aber aus allen Gruppen erheblich weniger Leute für Clinton gestimmt als seinerzeit für Obama. Clinton und Trump konnten eben die Leute nicht motivieren zu wählen, viele haben sich angesichts der Wahl entschieden, nicht zu wählen.

„Der Tag, an dem die Frauen das Kommando übernehmen, kann nicht schnell genug kommen“

Michael Moore musste wohl etwas Frust oder Ideologie rauslassen und twitterte:

Was mehrere interessante Punkte aufwirft:

Zum einen ist der Gedanke nur dann relevant, wenn man von einem gewissen Essentialismus und einem absoluten Unterschied von Männern und Frauen ausgeht. Wenn Männer und Frauen nur Unterschiede im Schnitt haben, dann wäre es vorteilhafter besonders friedliche Männer statt besonders kriegerischen Frauen an die Macht zu lassen oder man könnte auch sagen: Das Geschlecht als Auswahlkriterium wird uninteressanter wenn man einzelne Personen auswählt.

Sinn macht dies auch nur, wenn Frauen nicht durch die passenden Berufe und das erhalten von Macht letztendlich ebenso wie Männer werden würden, wenn man also eben von einem „guten unabänderlichen Kern“ im Sinne eines Essentialismus der Frau ausgeht. Denn sonst würde eine „Machtübernahme der Frauen“ auch wenig bringen. Allenfalls müsste man davon ausgehen, dass die gegenwärtige Erziehung und Sozialisierung der Frauen sie zu „besseren Menschen“ macht und sie diese „gute Erziehung und Sozialisierung“ nicht aufgeben, sondern lange genug beibehalten. Was dann wieder nur schwer damit in Einklang zu bringen ist, dass die Erziehung und Sozialisierung überwunden werden muss, damit die Frau vorankommt (was generell ein Problem derer ist, die Frauen gleichzeitig als unterdrückt und benachteiligt ansehen, in ihren Verhaltensweisen aber auch gleichzeitig die Rettung der Menschheit sehen).

Das zweite Missverständnis wäre, dass man bei solchen Punkten nur auf „das Böse“ abstellen kann. Ja, Männer haben überwiegend (Leona Woods war am Manhattan Projekt beteiligt) die Atombombe erfunden. Aber eben auch so ziemlich das Meiste, was unser heutiges modernes Leben prägt. Die allermeisten Medikamente, Maschinen etc wurden von Männern entwickelt, ebenso wie das Internet. Ja, Männer neigen stärker zu Wettbewerb, der auch kriegerische Auseinandersetzungen eher beinhaltet. Aber sie neigen auch eher zu beruflichen Wettbewerb oder auch Status durch besondere Leistungen und das bewirkt, neben einem höheren Interesse daran, wie Sachen funktionieren, dass sie weitaus eher Erfinder sind.

Und natürlich haben genug Frauen die Taten von Männern auch unterstützt: Sei es weil sie Politiker wählten, die Krieg wollten oder Männer attraktiver fanden, die reich sind und Status haben, egal wie sie ihr Geld und ihren Status verdienen. Weibliche Herrscher fangen

Natürlich wäre es interessant, was sich ändern würde, wenn „Frauen die Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen“.Wenn tatsächlich noch keine Frau „einen Schornstein gebaut hat (build a smoke stack), dann wird eine solche Gesellschaft nicht sehr weit kommen. Insoweit eine ziemlich Abwertung von Frauen, die er da vornimmt.

Insofern  dagegen finde ich insofern ganz passend:

Das weitaus größere Problem wird aber sein, dass Frauen das Kommando häufig gar nicht übernehmen wollen.

 

Grafik zu Privilegien und Gender Pay Gap

Auf Twitter hat Sulta Mundi zwei interessante von ihm erstellt Grafiken verbreitet:

Vorteile Patriarchat

Vorteile Patriarchat

Privilegien

Privilegien (Grafik nachträglich ergänzt, hier war erst die falsche verlinkt)

Gerade in Diskussionen auf Twitter finde ich solche Grafiken gar nicht schlecht, weil man schnell einige Informationen unterbringen kann. Kennt jemand ähnliches? Zu welchen Bereichen würden sich weitere Grafiken lohnen?

Bell Hooks: Das Patriarchat verstehen

Bell Hooks erklärt das Patriarchat:

Patriarchy is the single most life-threatening social disease assaulting the male body and spirit in our nation. Yet most men do not use the word “patriarchy” in everyday life. Most men never think about patriarchy—what it means, how it is created and sustained. Many men in our nation would not be able to spell the word or pronounce it correctly. The word “patriarchy” just is not a part of their normal everyday thought or speech. Men who have heard and know the word usually associate it with women’s liberation, with feminism, and therefore dismiss it as irrelevant to their own experiences. I have been standing at podiums talking about patriarchy for more than thirty years. It is a word I use daily, and men who hear me use it often ask me what I mean by it.

Nothing discounts the old antifeminist projection of men as all-powerful more than their basic ignorance of a major facet of the political system that shapes and informs male identity and sense of self from birth until death. I often use the phrase “imperialist white-supremacist capitalist patriarchy” to describe the interlocking political systems that are the foundation of our nation’s politics. Of these systems the one that we all learn the most about growing up is the system of patriarchy, even if we never know the word, because patriarchal gender roles are assigned to us as children and we are given continual guidance about the ways we can best fulfill these roles.

Patriarchy is a political-social system that insists that males are inherently dominating, superior to everything and everyone deemed weak, especially females, and endowed with the right to dominate and rule over the weak and to maintain that dominance through various forms of psychological terrorism and violence. When my older brother and I were born with a year separating us in age, patriarchy determined how we would each be regarded by our parents. Both our parents believed in patriarchy; they had been taught patriarchal thinking through religion.

At church they had learned that God created man to rule the world and everything in it and that it was the work of women to help men perform these tasks, to obey, and to always assume a subordinate role in relation to a powerful man. They were taught that God was male. These teachings were reinforced in every institution they encountered– schools, courthouses, clubs, sports arenas, as well as churches. Embracing patriarchal thinking, like everyone else around them, they taught it to their children because it seemed like a “natural” way to organize life.

As their daughter I was taught that it was my role to serve, to be weak, to be free from the burden of thinking, to caretake and nurture others. My brother was taught that it was his role to be served; to provide; to be strong; to think, strategize, and plan; and to refuse to caretake or nurture others. I was taught that it was not proper for a female to be violent, that it was “unnatural.” My brother was taught that his value would be determined by his will to do violence (albeit in appropriate settings). He was taught that for a boy, enjoying violence was a good thing (albeit in appropriate settings). He was taught that a boy should not express feelings. I was taught that girls could and should express feelings, or at least some of them. When I responded with rage at being denied a toy, I was taught as a girl in a patriarchal household that rage was not an appropriate feminine feeling, that it should not only not be expressed but be eradicated. When my brother responded with rage at being denied a toy, he was taught as a boy in a patriarchal household that his ability to express rage was good but that he had to learn the best setting to unleash his hostility. It was not good for him to use his rage to oppose the wishes of his parents, but later, when he grew up, he was taught that rage was permitted and that allowing rage to provoke him to violence would help him protect home and nation.

We lived in farm country, isolated from other people. Our sense of gender roles was learned from our parents, from the ways we saw them behave. My brother and I remember our confusion about gender. In reality I was stronger and more violent than my brother, which we learned quickly was bad. And he was a gentle, peaceful boy, which we learned was really bad. Although we were often confused, we knew one fact for certain: we could not be and act the way we wanted to, doing what we felt like. It was clear to us that our behavior had to follow a predetermined, gendered script. We both learned the word “patriarchy” in our adult life, when we learned that the script that had determined what we should be, the identities we should make, was based on patriarchal values and beliefs about gender.

I was always more interested in challenging patriarchy than my brother was because it was the system that was always leaving me out of things that I wanted to be part of. In our family life of the fifties, marbles were a boy’s game. My brother had inherited his marbles from men in the family; he had a tin box to keep them in. All sizes and shapes, marvelously colored, they were to my eye the most beautiful objects. We played together with them, often with me aggressively clinging to the marble I liked best, refusing to share. When Dad was at work, our stay-at-home mom was quite content to see us playing marbles together. Yet Dad, looking at our play from a patriarchal perspective, was disturbed by what he saw. His daughter, aggressive and competitive, was a better player than his son. His son was passive; the boy did not really seem to care who won and was willing to give over marbles on demand. Dad decided that this play had to end, that both my brother and I needed to learn a lesson about appropriate gender roles.

One evening my brother was given permission by Dad to bring out the tin of marbles. I announced my desire to play and was told by my brother that “girls did not play with marbles,” that it was a boy’s game. This made no sense to my four- or five-year-old mind, and I insisted on my right to play by picking up marbles and shooting them. Dad intervened to tell me to stop. I did not listen. His voice grew louder and louder. Then suddenly he snatched me up, broke a board from our screen door, and began to beat me with it, telling me, “You’re just a little girl. When I tell you to do something, I mean for you to do it.” He beat me and he beat me, wanting me to acknowledge that I understood what I had done. His rage, his violence captured everyone’s attention. Our family sat spellbound, rapt before the pornography of patriarchal violence. After this beating I was banished—forced to stay alone in the dark. Mama came into the bedroom to soothe the pain, telling me in her soft southern voice, “I tried to warn you. You need to accept that you are just a little girl and girls can’t do what boys do.” In service to patriarchy her task was to reinforce that Dad had done the right thing by, putting me in my place, by restoring the natural social order.

I remember this traumatic event so well because it was a story told again and again within our family. No one cared that the constant retelling might trigger post-traumatic stress; the retelling was necessary to reinforce both the message and the remembered state of absolute powerlessness. The recollection of this brutal whipping of a little-girl daughter by a big strong man, served as more than just a reminder to me of my gendered place, it was a reminder to everyone watching/remembering, to all my siblings, male and female, and to our grown-woman mother that our patriarchal father was the ruler in our household. We were to remember that if we did not obey his rules, we would be punished, punished even unto death. This is the way we were experientially schooled in the art of patriarchy.

There is nothing unique or even exceptional about this experience. Listen to the voices of wounded grown children raised in patriarchal homes and you will hear different versions with the same underlying theme, the use of violence to reinforce our indoctrination and acceptance of patriarchy. In How Can I Get Through to You? family therapist Terrence Real tells how his sons were initiated into patriarchal thinking even as their parents worked to create a loving home in which antipatriarchal values prevailed. He tells of how his young son Alexander enjoyed dressing as Barbie until boys playing with his older brother witnessed his Barbie persona and let him know by their gaze and their shocked, disapproving silence that his behavior was unacceptable:

Without a shred of malevolence, the stare my son received transmitted a message. You are not to do this. And the medium that message was broadcast in was a potent emotion: shame. At three, Alexander was learning the rules. A ten second wordless transaction was powerful enough to dissuade my son from that instant forward from what had been a favorite activity. I call such moments of induction the “normal traumatization” of boys.

To indoctrinate boys into the rules of patriarchy, we force them to feel pain and to deny their feelings.

My stories took place in the fifties; the stories Real tells are recent. They all underscore the tyranny of patriarchal thinking, the power of patriarchal culture to hold us captive. Real is one of the most enlightened thinkers on the subject of patriarchal masculinity in our nation, and yet he lets readers know that he is not able to keep his boys out of patriarchy’s reach. They suffer its assaults, as do all boys and girls, to a greater or lesser degree. No doubt by creating a loving home that is not patriarchal, Real at least offers his boys a choice: they can choose to be themselves or they can choose conformity with patriarchal roles. Real uses the phrase “psychological patriarchy” to describe the patriarchal thinking common to females and males. Despite the contemporary visionary feminist thinking that makes clear that a patriarchal thinker need not be a male, most folks continue to see men as the problem of patriarchy. This is simply not the case. Women can be as wedded to patriarchal thinking and action as men.

Psychotherapist John Bradshaw’s clear sighted definition of patriarchy in Creating Love is a useful one: “The dictionary defines ‘patriarchy’ as a ‘social organization marked by the supremacy of the father in the clan or family in both domestic and religious functions’.” Patriarchy is characterized by male domination and power. He states further that “patriarchal rules still govern most of the world’s religious, school systems, and family systems.” Describing the most damaging of these rules, Bradshaw lists “blind obedience—the foundation upon which patriarchy stands; the repression of all emotions except fear; the destruction of individual willpower; and the repression of thinking whenever it departs from the authority figure’s way of thinking.” Patriarchal thinking shapes the values of our culture. We are socialized into this system, females as well as males. Most of us learned patriarchal attitudes in our family of origin, and they were usually taught to us by our mothers. These attitudes were reinforced in schools and religious institutions.

The contemporary presence of female-headed households has led many people to assume that children in these households are not learning patriarchal values because no male is present. They assume that men are the sole teachers of patriarchal thinking. Yet many female-headed households endorse and promote patriarchal thinking with far greater passion than two-parent households. Because they do not have an experiential reality to challenge false fantasies of gender roles, women in such households are far more likely to idealize the patriarchal male role and patriarchal men than are women who live with patriarchal men every day. We need to highlight the role women play in perpetuating and sustaining patriarchal culture so that we will recognize patriarchy as a system women and men support equally, even if men receive more rewards from that system. Dismantling and changing patriarchal culture is work that men and women must do together.

Clearly we cannot dismantle a system as long as we engage in collective denial about its impact on our lives. Patriarchy requires male dominance by any means necessary, hence it supports, promotes, and condones sexist violence. We hear the most about sexist violence in public discourses about rape and abuse by domestic partners. But the most common forms of patriarchal violence are those that take place in the home between patriarchal parents and children. The point of such violence is usually to reinforce a dominator model, in which the authority figure is deemed ruler over those without power and given the right to maintain that rule through practices of subjugation, subordination, and submission.

Keeping males and females from telling the truth about what happens to them in families is one way patriarchal culture is maintained. A great majority of individuals enforce an unspoken rule in the culture as a whole that demands we keep the secrets of patriarchy, thereby protecting the rule of the father. This rule of silence is upheld when the culture refuses everyone easy access even to the word “patriarchy.” Most children do not learn what to call this system of institutionalized gender roles, so rarely do we name it in everyday speech. This silence promotes denial. And how can we organize to challenge and change a system that cannot be named?

It is no accident that feminists began to use the word “patriarchy” to replace the more commonly used “male chauvinism” and “sexism.” These courageous voices wanted men and women to become more aware of the way patriarchy affects us all. In popular culture the word itself was hardly used during the heyday of contemporary feminism. Antimale activists were no more eager than their sexist male counterparts to emphasize the system of patriarchy and the way it works. For to do so would have automatically exposed the notion that men were all-powerful and women powerless, that all men were oppressive and women always and only victims. By placing the blame for the perpetuation of sexism solely on men, these women could maintain their own allegiance to patriarchy, their own lust for power. They masked their longing to be dominators by taking on the mantle of victimhood.

Like many visionary radical feminists I challenged the misguided notion, put forward by women who were simply fed up with male exploitation and oppression, that men were “the enemy.” As early as 1984 I included a chapter with the title “Men: Comrades in Struggle” in my book Feminist Theory: From Margin to Center urging advocates of feminist politics to challenge any rhetoric which placed the sole blame for perpetuating patriarchy and male domination onto men:

Separatist ideology encourages women to ignore the negative impact of sexism on male personhood. It stresses polarization between the sexes. According to Joy Justice, separatists believe that there are “two basic perspectives” on the issue of naming the victims of sexism: “There is the perspective that men oppress women. And there is the perspective that people are people, and we are all hurt by rigid sex roles.”…Both perspectives accurately describe our predicament. Men do oppress women. People are hurt by rigid sexist role patterns, These two realities coexist. Male oppression of women cannot be excused by the recognition that there are ways men are hurt by rigid sexist roles. Feminist activists should acknowledge that hurt, and work to change it—it exists. It does not erase or lessen male responsibility for supporting and perpetuating their power under patriarchy to exploit and oppress women in a manner far more grievous than the serious psychological stress and emotional pain caused by male conformity to rigid sexist role patterns.

Throughout this essay I stressed that feminist advocates collude in the pain of men wounded by patriarchy when they falsely represent men as always and only powerful, as always and only gaining privileges from their blind obedience to patriarchy. I emphasized that patriarchal ideology brainwashes men to believe that their domination of women is beneficial when it is not:

Often feminist activists affirm this logic when we should be constantly naming these acts as expressions of perverted power relations, general lack of control of one’s actions, emotional powerlessness, extreme irrationality, and in many cases, outright insanity. Passive male absorption of sexist ideology enables men to falsely interpret this disturbed behavior positively. As long as men are brainwashed to equate violent domination and abuse of women with privilege, they will have no understanding of the damage done to themselves or to others, and no motivation to change.

Patriarchy demands of men that they become and remain emotional cripples. Since it is a system that denies men full access to their freedom of will, it is difficult for any man of any class to rebel against patriarchy, to be disloyal to the patriarchal parent, be that parent female or male.

The man who has been my primary bond for more than twelve years was traumatized by the patriarchal dynamics in his family of origin. When I met him he was in his twenties. While his formative years had been spent in the company of a violent, alcoholic dad, his circumstances changed when he was twelve and he began to live alone with his mother.

In the early years of our relationship he talked openly about his hostility and rage toward his abusing dad. He was not interested in forgiving him or understanding the circumstances that had shaped and influenced his dad’s life, either in his childhood or in his working life as a military man. In the early years of our relationship he was extremely critical of male domination of women and children. Although he did not use the word “patriarchy,” he understood its meaning and he opposed it. His gentle, quiet manner often led folks to ignore him, counting him among the weak and the powerless. By the age of thirty he began to assume a more macho persona, embracing the dominator model that he had once critiqued. Donning the mantle of patriarch, he gained greater respect and visibility. More women were drawn to him. He was noticed more in public spheres. His criticism of male domination ceased. And indeed he begin to mouth patriarchal rhetoric, saying the kind of sexist stuff that would have appalled him in the past.

These changes in his thinking and behavior were triggered by his desire to be accepted and affirmed in a patriarchal workplace and rationalized by his desire to get ahead. His story is not unusual. Boys brutalized and victimized by patriarchy more often than not become patriarchal, embodying the abusive patriarchal masculinity that they once clearly recognized as evil. Few men brutally abused as boys in the name of patriarchal maleness courageously resist the brainwashing and remain true to themselves. Most males conform to patriarchy in one way or another.

Indeed, radical feminist critique of patriarchy has practically been silenced in our culture. It has become a subcultural discourse available only to well-educated elites. Even in those circles, using the word “patriarchy” is regarded as passé. Often in my lectures when I use the phrase “imperialist white-supremacist capitalist patriarchy” to describe our nation’s political system, audiences laugh. No one has ever explained why accurately naming this system is funny. The laughter is itself a weapon of patriarchal terrorism. It functions as a disclaimer, discounting the significance of what is being named. It suggests that the words themselves are problematic and not the system they describe. I interpret this laughter as the audience’s way of showing discomfort with being asked to ally themselves with an anti-patriarchal disobedient critique. This laughter reminds me that if I dare to challenge patriarchy openly, I risk not being taken seriously.

Citizens in this nation fear challenging patriarchy even as they lack overt awareness that they are fearful, so deeply embedded in our collective unconscious are the rules of patriarchy. I often tell audiences that if we were to go door-to-door asking if we should end male violence against women, most people would give their unequivocal support. Then if you told them we can only stop male violence against women by ending male domination, by eradicating patriarchy, they would begin to hesitate, to change their position. Despite the many gains of contemporary feminist movement—greater equality for women in the workforce, more tolerance for the relinquishing of rigid gender roles—patriarchy as a system remains intact, and many people continue to believe that it is needed if humans are to survive as a species. This belief seems ironic, given that patriarchal methods of organizing nations, especially the insistence on violence as a means of social control, has actually led to the slaughter of millions of people on the planet.

Until we can collectively acknowledge the damage patriarchy causes and the suffering it creates, we cannot address male pain. We cannot demand for men the right to be whole, to be givers and sustainers of life. Obviously some patriarchal men are reliable and even benevolent caretakers and providers, but still they are imprisoned by a system that undermines their mental health.

Patriarchy promotes insanity. It is at the root of the psychological ills troubling men in our nation. Nevertheless there is no mass concern for the plight of men. In Stiffed: The Betrayal of the American Man, Susan Faludi includes very little discussion of patriarchy:

Ask feminists to diagnose men’s problems and you will often get a very clear explanation: men are in crisis because women are properly challenging male dominance. Women are asking men to share the public reins and men can’t bear it. Ask antifeminists and you will get a diagnosis that is, in one respect, similar. Men are troubled, many conservative pundits say, because women have gone far beyond their demands for equal treatment and are now trying to take power and control away from men…The underlying message: men cannot be men, only eunuchs, if they are not in control. Both the feminist and antifeminist views are rooted in a peculiarly modern American perception that to be a man means to be at the controls and at all times to feel yourself in control.

Faludi never interrogates the notion of control. She never considers that the notion that men were somehow in control, in power, and satisfied with their lives before contemporary feminist movement is false.

Patriarchy as a system has denied males access to full emotional well-being, which is not the same as feeling rewarded, successful, or powerful because of one’s capacity to assert control over others. To truly address male pain and male crisis we must as a nation be willing to expose the harsh reality that patriarchy has damaged men in the past and continues to damage them in the present. If patriarchy were truly rewarding to men, the violence and addiction in family life that is so all-pervasive would not exist. This violence was not created by feminism. If patriarchy were rewarding, the overwhelming dissatisfaction most men feel in their work lives—a dissatisfaction extensively documented in the work of Studs Terkel and echoed in Faludi’s treatise—would not exist.

In many ways Stiffed was yet another betrayal of American men because Faludi spends so much time trying not to challenge patriarchy that she fails to highlight the necessity of ending patriarchy if we are to liberate men. Rather she writes:

Instead of wondering why men resist women’s struggle for a freer and healthier life, I began to wonder why men refrain from engaging in their own struggle. Why, despite a crescendo of random tantrums, have they offered no methodical, reasoned response to their predicament: Given the untenable and insulting nature of the demands placed on men to prove themselves in our culture, why don’t men revolt?…Why haven’t men responded to the series of betrayals in their own lives—to the failures of their fathers to make good on their promises–with something coequal to feminism?

Note that Faludi does not dare risk either the ire of feminist females by suggesting that men can find salvation in feminist movement or rejection by potential male readers who are solidly antifeminist by suggesting that they have something to gain from engaging feminism. So far in our nation visionary feminist movement is the only struggle for justice that emphasizes the need to end patriarchy. No mass body of women has challenged patriarchy and neither has any group of men come together to lead the struggle. The crisis facing men is not the crisis of masculinity, it is the crisis of patriarchal masculinity. Until we make this distinction clear, men will continue to fear that any critique of patriarchy represents a threat. Distinguishing political patriarchy, which he sees as largely committed to ending sexism, therapist Terrence Real makes clear that the patriarchy damaging us all is embedded in our psyches: Psychological patriarchy is the dynamic between those qualities deemed “masculine” and “feminine” in which half of our human traits are exalted while the other half is devalued. Both men and women participate in this tortured value system.

Psychological patriarchy is a “dance of contempt,” a perverse form of connection that replaces true intimacy with complex, covert layers of dominance and submission, collusion and manipulation. It is the unacknowledged paradigm of relationships that has suffused Western civilization generation after generation, deforming both sexes, and destroying the passionate bond between them.

By highlighting psychological patriarchy, we see that everyone is implicated and we are freed from the misperception that men are the enemy. To end patriarchy we must challenge both its psychological and its concrete manifestations in daily life. There are folks who are able to critique patriarchy but unable to act in an antipatriarchal manner.

To end male pain, to respond effectively to male crisis, we have to name the problem. We have to both acknowledge that the problem is patriarchy and work to end patriarchy. Terrence Real offers this valuable insight:

“The reclamation of wholeness is a process even more fraught for men than it has been for women, more difficult and more profoundly threatening to the culture at large.”
If men are to reclaim the essential goodness of male being, if they are to regain the space of openheartedness and emotional expressiveness that is the foundation of well-being, we must envision alternatives to patriarchal masculinity. We must all change.

Da ist echt viel drin. Insbesondere ein vollkommens Fehlverständnis der Dynamik zwischen den Geschlechtern und eine Überbewertung von Gewalt. Aber auch ein unglaubliches Schöndenken und die Abwehr aller Kritik als Umdeutung in einen Beweis, dass sie recht hat, gerade weil ihre Position als lächerlich angesehen wird.

Es scheint mir ein gewisser Wahnsinn zu sein, der aber beängstigender Weise von einer im Feminismus durchaus angesehenen Person kommt. Die Beweise sind Anekdoten, eine tiefere Analyse fehlt zumindest in diesem Abschnitt vollkommen. Das Patriarchat bleibt nebelhaft, eine Verschwörung, von der man auch nach ihrem Text nur weiß, dass irgendwie keiner davon weg kommt, anscheinend noch nicht einmal alleinerziehende Mütter.

 

„Dass es Männer so schlecht geht, ohne das man es merkt, zeigt wie privilegiert sie sind“

Fabian Köhler hat für die Stiftung der Grünen einen Artikel dazu geschrieben, dass es Männern leider noch immer nicht schlecht genug geht.

Er findet es unglaublich, dass eine Gruppe, die für so viel Schlechtigkeit verantwortlich ist, etwa den Großteil der Morde und Vergewaltigungen, so wenig stigmatisiert wird (dem umgekehrten Beispiel, dass Männer auch für ein Großteil der Wirtschaftsleistung, des Steueraufkommens, der Erfindungen verantwortlich ist, dass man also dem einen Extrem auch gut das andere Extrem entgegenstellen könnte und es immer noch in beiden Fällen eine Apex Fallacy wäre, würde er wohl nicht zustimmen).

Dann kommt ein Absatz, der aus meiner Sicht eine neue Stufe der Entmenschlichung erreicht:

Von der „größten existenziellen Krise, die sein Geschlecht je erlebt hat“, weiß die Brigitte und meint freilich nicht, dass auch Männer unter der fehlenden Problematisierung von typisch Männlichem (Obdachlosigkeit, Alkoholsucht, Depressionen…) leiden. Stattdessen konstituiert die Autorin die Krise aus einem sich verbesserten Modegeschmack, verschlechterter Potenz und im Vergleich zu Frauen geringerer Bildung. Die Krise und damit der gesellschaftliche Machtverlust des Mannes zeige sich auch darin, dass Frauen mittlerweile statistisch häufiger Abitur machen. So steht es auch in anderen Exemplaren der Krisenliteratur. Dabei belegt das Beispiel genau das Gegenteil. Dass Männer Frauen in vielen Fällen unterlegen sind, ohne es jemals zu merken, bezeugt gerade die Krisenresistenz einer gesellschaftlichen Gruppe, die trotz schlechterer Bildung, geringerer Lebenserwartung und eines höheren Risikos für Drogenabhängigkeit, Diabetes, Übergewicht, Aids, Leberzirrhose und Selbstmord am Ende eben trotzdem den Job bekommt.

Das finde ich durchaus genial: Der Umstand, dass man Männern keine Opferrolle zugestehen will, dass man Erschwernisse bei ihnen nicht wahrnehmen will, dass man anführt, dass sie nicht benachteiligt sein können, belegt, dass sie privilegiert sind. Denn wären sie nicht privilegiert, dann würde man ja erkennen, dass sie schlecht sind. Dass man ihre Sorgen nicht akzeptiert, belegt, dass es ihnen gut geht.

Auch nett, dass den Männern unterstellt wird, dass sie eine Unterlegenheit in vielen Bereichen nicht bemerken. In dieser Sicht merkt der Obdachlose, der Verzweifelte, der sich umbringen will, der Drogenabhängige, gar nicht, dass er am Boden ist, er geht als Mann anscheinend davon aus, dass er in Kurze einen Vorstandsjob bekommt und der Frau vorgezogen wird.

Die Gruppe Mann bekommt eben den besseren Job, damit sind alle Probleme ausgeglichen. E zeigt aus meiner Sicht die ganze Unmenschlichkeit der Betrachtung aus dieser Sicht. Es gibt keine Individuen, es gibt nur die Gruppe Mann und wenn diese es in bestimmten Bereichen gut hat, dann ist sie eben privilegiert und es geht ihr noch zu gut.

Letztlich sind es eben doch die alten Privilegien des Mannes, statt einer „Neuen Männlichkeit“ die darüber entscheiden, wen die realexistierende Krisen unserer Gesellschaft treffen. Die sogenannte „Krise des Mannes“ ist da oft nicht mehr als das Störfeuer, hinter denen sich die tatsächliche Privilegien verbergen lassen. Denn wer ohnehin schon in der Krise steckt, der kann nicht auch noch gesellschaftliche Verhältnisse ändern.

Ein genialer Plan der Männer . Wir tun so als hätten wir eine Krise und heimlich knallen die Champagner, wenn die anderen abgelenkt sind. Heimlich mal gerade Jungs in der Schule schlechter abschneiden lassen und Obdachlos werden, Heimlich mal gerade häufiger Selbstmord machen, heimlich mal so tun als wäre man verwirrt, weil die Gesellschaft den maskulinen Mann verdammt, viele Frauen ihn aber im Partnerschaftsbereich nach wie vor fordern. Wir sind schon echt pfiffig.

Ein Prinzip, das die männliche Krisenberichterstattung übrigens schon länger begleitet: „Du kennst die geschniegelten jungen Männer, Bart und Haupthaar glänzend, ganz aus dem Schmuckkästchen: nichts Mannhaftes kannst du von ihnen erhoffen, nichts Gediegenes“, schrieb der römische Schriftsteller und einer der privilegiertesten Männer seiner Zeit Seneca im 1. Jahrhundert nach Christus über die Krise seiner Gattung. 2000 Jahre später schreibt Die Welt „Er trägt einen gepflegten Bart. Der deutsche Mann sieht kerniger aus denn je, aber steckt trotzdem in einer Existenzkrise.“ Schön wär’s. 

Schön wäre es, lässt hier die Stiftung einer im Bundestag vertretenen Partei auf einer ihrer Seiten schreiben, wenn der Mann in einer Krise stecken würde. Leider täuscht er die Krise nur vor, der miese Kerl. Würde es dem Mann doch endlich richtig schlecht gehen, wie schön wäre dann die Welt!

 

SZ-Reihe zur Gleichberechtigung startet mit langweiligen „Männer sollten Feministen sein“ Artikel

Die Süddeutsche Zeitung hat eine Serie „Die Recherche“ in der Leute ein Thema wählen können und dann Anmerkungen dazu machen können. Dieses war es das Thema „Gleichberechtigung“ und gerade über Twitter waren einige Maskulisten recht aktiv gewesen, damit diesmal auch auch andere Aspekte einfließen.

Die Serie startete aber erst einmal damit, dass das überwiegend weibliche Team über die Autorin Karin Janker einen geradezu banal langweiligen Artikel produzierte, der die üblichen Klischees wiedergibt.

Es geht um das alte Thema, dass Männer vom Feminismus profitieren, was ja auch durchaus wahr sein könnte, wenn Feminismus sich schlicht für Gleichberechtigung und das Aufbrechen von Geschlechterrollen einsetzen würde und nicht darüber hinaus in seiner inzwischen häufigsten Spielart, dem Genderfeminismus, den Mann zum universellen Sündenbock für alles auserkoren hätte.

Der Artikel beginnt schon passend:

Frauen besetzen die wichtigsten Staatsämter, kontrollieren den Zugang zu den Ressourcen und haben die gut bezahlten Jobs an sich gerissen. In Deutschland herrscht Staatsfeminismus. Männer fühlen sich unterdrückt und in ihren Bedürfnissen nicht ernstgenommen. Diese Zukunftsvision entwirft Karen Duve in ihrem satirischen Roman „Macht“ und überspitzt dabei ein gängiges Verständnis von Feminismus, das eigentlich ein Missverständnis ist. Denn wer glaubt, Frauen würden am liebsten einfach die Machtverhältnisse umkehren, hat nicht verstanden, dass Gleichberechtigung – also das, worauf Feminismus zielt – nur funktioniert, wenn Männer und Frauen zusammenarbeiten. Es mag absurd klingen, aber der Feminismus braucht die Unterstützung der Männer.

Also einer der Artikel, die darum werben, dass Männer sich auch für den Feminismus einsetzen und zusammen das Böse bekämpfen: Männer. Oder Männerbünde:

Wenn wir – als Frauen – um uns blicken, sehen wir: Männer. Ein System aus Boys Clubs, das sich selbst erhält und Frauen ausschließt. Das Ausschließen funktioniert subtil: Zum Beispiel, indem man uns suggeriert, dass Frauen angeblich aus evolutionären Gründen weniger Ambitionen auf Karriere hätten. Klingt wissenschaftlich, ist aber zu kurz gedacht. Was Studien stattdessen tatsächlich zeigen, ist, wie erfolgreich das Patriarchat sich selbst am Leben erhält als eine Gesellschaftsordnung, in der „männlich“ die Norm und „weiblich“ die Abweichung ist.

Tatsächlich haben viele Frauen weit aus weniger Ambitionen für Karriere:

Und natürlich kann man das auch ganz wunderbar mit Evolution begründen, über eine sexuelle Selektion auf Status.

Leider nennt sie die Studien dort nicht. Die hätten mich durchaus interessiert. Ich habe mal nachgefragt, bisher noch keine Antwort.

Aber immerhin ein Verweis aus einen Forscher:

Einer, der diese Zusammenhänge seit Langem erforscht, ist der Soziologe Michael Meuser. Seine These: Unsere Gesellschaft wird nach wie vor von „homosozialen Gemeinschaften“ dominiert. Darunter versteht Meuser Männerrunden wie Studentenverbindungen, Stammtische oder Fußballvereine, in denen Frauen de facto abwesend sind. Meuser kommt zu dem Schluss, dass Männer sich unter Geschlechtsgenossen am wohlsten fühlen, weil dann die „Anforderungen an die Selbstbeherrschung“ vermindert seien und man mit den Kumpels am besten „Spaß haben“ und „Blödsinn reden“ könne. Keine böse Absicht also, sondern Gewohnheit.

Die „Anforderung an die Selbstbeherrschung“. Wäre auch interessant, was er damit genau sagen will. Richtig ist, dass Männer gerne Rangordnungen erstellen, Frauen aber auch ihr soziales Umfeld nach bestimmten Kriterien gliedern, welche eher auf Gleichheit ausgelegt ist, aber durchaus ebenso zu erbitterten, dann aber versteckteren Kämpfen um den Platz in der Gruppe führen kann (Stichwort: prosoziale Dominanz oder jede Folge von „Germanys next Topmodel„und dem dem dort gerade aktuellen Zickenkrieg).

Feminismus ermöglicht es, die Rolle des Mannes neu zu verhandeln

Dem Männlichkeitsforscher zufolge liegt das auch daran, dass in Männerrunden unbewusst eine Rangordnung festgelegt wird, die Männern den Umgang miteinander erleichtert. Solche Monokulturen machen es der Gleichberechtigung schwer. Denn nicht nur Fußball- und Skatabende funktionieren Meuser zufolge nach diesem Muster, sondern auch die Arbeitswelt.

Interessanterweise legt sie nicht dar, warum sich Frauen nicht in diese Rangordnung einfügen können sollten. Denn natürlich wäre das theoretisch überhaupt kein Problem. Dann würde eben eine Frau an einer höheren Position stehen, wie es ja bei einem weiblichen Chef auch durchaus der Fall ist.

Dort, wo Frauen sich Zugang erzwingen – sei es per Gesetz oder durch gesellschaftlichen Wandel – beobachtet Meuser eine „Krise der Männlichkeit“. Die Tatsache, dass die“männliche Herrschaft“ (Bourdieu) zunehmend bröckelt, verstärke den Wunsch nach Selbstvergewisserung. Der moderne Mann kann nicht mehr den Patriarchen spielen, hat aber noch kein neues Rollenverständnis gefunden. Um aus dieser Krise gestärkt hervorzugehen, braucht er den Feminismus – verstanden als gemeinsame Anstrengung in Richtung Gleichberechtigung. Denn der Feminismus ermöglicht es, nicht nur die Rolle der Frau, sondern auch die des Mannes neu zu verhandeln.

Die meisten Männer können ohnehin nicht den Patriarchen spielen, weil sie in der Hierarchie eben nicht per se oben stehen. Ob ein Mann oder eine Frau über ihnen steht ist dann relativ egal. Sie müssten von beiden Anweisungen entgegen nehmen. Bourdieu fand ich da schon länger nicht sehr überzeugend.

Die Krise des modernen Mannes ist deshalb eine Chance für unsere Gesellschaft: Meuser beobachtet, dass immer mehr Männer über genügend Selbstbewusstsein verfügen, dass sie den Rückzug in die Boys Clubs zur Selbstvergewisserung ihrer Männlichkeit nicht mehr nötig haben.

Auch gut: Die Männer unterdrücken anscheinend die Frauen, weil sie so ein schwaches Selbstbewußtsein haben, dass sie das brauchen. Dass sie nach oben kommen wollen, weil sie Geld, Ruhm, Ansehen haben wollen und die anderen Männer ihnen da nicht einfach die Hand reichen, sondern sie als Konkurrenten um den Platz in der Hierarchie sehen, dass fällt der Autorin anscheinend nicht auf.

Auf diese Männer sind wir Frauen angewiesen. Nicht, weil wir starke Beschützer bräuchten oder nicht selbst für uns sprechen könnten. Sondern, weil ohne die Solidarität unserer Partner, Väter und Kollegen Gleichberechtigung keine Chance hat. Das ist kein Rückzug in die Opferrolle, sondern ein Appell an diejenigen, die derzeit faktisch die Gestaltungsmacht besitzen: Männer eben.

Lustig. Da appelliert sie an den starken Beschützer, den weißen Ritter, und merkt es noch nicht einmal. Die Frau braucht den Mann, der endlich zulässt, dass sie auch etwas erreicht. Wunderbares Frauenbild. Natürlich ist das ein Rückzug in die Opferrolle. Nur weil sie dort ein ganzes Geschlecht in die Opferrolle drängt und ein ganzes anderes Geschlecht nach oben ändert das nichts.

„Faktische Gestaltungsmacht“ ist so etwas die Idee, dass Männer nach oben schweben und da oben angekommen auf weichen Kissen sitzen, wo es in Wahrheit die passende Studienwahl, Überstunden zu Lasten der Familie, das Eingehen von Risiken und Wochenendarbeit sowie das Aussuchen einers Partners, der bereit ist die Kinder zu betreuen, ist. Sie stellt Frauen als vollkommen passiv dar, als wäre da nichts, was sie selbst verbessern könnten.

Frauen bleiben systematisch ausgeschlossen
Denn ein Blick in die öffentliche Sphäre zeigt, wie es im Moment um die Gestaltungsmöglichkeiten von Frauen steht: Es gibt in Deutschland elf Prozent C4-Professorinnen, neun Prozent Bürgermeisterinnen, acht Prozent Tatort-Regisseurinnen, fünf Prozent Frauen in Dax-Vorständen, zwei Prozent weibliche Chefredakteure in deutschen Medien. Diese Zahlen sammelte die Publizistin Anke Domscheit-Berg in ihrem Buch „Ein bisschen gleich ist nicht genug!“. Sie machen sprachlos.

Nur das die Zahlen nicht belegen, dass Frauen ausgeschlossen sind. Mit dem gleichen Recht könnte man aus den Zahlen schlußfolgen, dass die Frauen sich eben nicht hinreichend einsetzen und weit aus mehr machen müssen. Es sagt eben nämlich gar nichts darüber aus, woran es liegt, dass Frauen nicht nach oben kommen.

Seit 1949 behauptet das Grundgesetz: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ Dort steht auch, dass der Staat auf die Beseitigung bestehender Nachteile hinwirken soll. Bis Elisabeth Schwarzhaupt die erste deutsche Bundesministerin wurde, vergingen dennoch zwölf Jahre. Bis zur ersten Bundeskanzlerin sogar 56 Jahre. Aber immerhin: Jetzt gibt es Angela Merkel. Ist sie der Beweis dafür, dass Chancengleichheit erreicht ist? Wohl kaum. Dass wir eine Bundeskanzlerin haben, bildet den Alltag nicht ab. In der freien Wirtschaft haben sich gerade mehrere Großkonzerne die Zielgröße „Null“ für ihre Frauenquote im Vorstand gesetzt. Porsche, Commerzbank, Eon, Thyssen-Krupp und Infineon gehören dazu. Dieses selbst gesteckte Ziel gilt bis2022, die Hausregeln des Boys Clubs ändern sich nicht.

Bis auf Ausnahmen bleiben Frauen systematisch aus den Kreisen ausgeschlossen, die die Zukunft unserer Gesellschaft gestalten. Schade ist das nicht nur für jene Frauen, die um Karrieremöglichkeiten gebracht werden. Sondern auch für unsere Gesellschaft als Ganzes, weil sie sich damit gut die Hälfte ihres Potenzials entgehen lässt. Hier bräuchten wir Männer, denen es nicht egal ist, dass ihre Töchter es vermutlich nie so weit bringen werden wie sie selbst – einfach nur, weil sie das falsche, das „andere Geschlecht“ haben.

Kann man es passiver darstellen? Und da behauptet sie, dass sie Frauen nicht zu Opfern macht. Der Tenor ist, dass Frauen systematisch ausgeschlossen werden und die Männer brauchen, damit sie voran kommen.

Doch nicht nur auf der gesellschaftlichen, auch auf der individuellen Ebene brauchen wir mehr Gleichberechtigung. Ein schwieriges Terrain: Denn es geht um Privates, um Liebe und Familie und um unsere romantischen Vorstellungen davon. Wenn es aber um Gerechtigkeit zwischen den Geschlechtern geht, wird auch das Persönliche politisch. Nicht nur die ehemaligeBundesfamilienministerin Renate Schmidt plädiert pragmatisch dafür, dass jede Frau arbeiten gehen sollte. Ein Mann sei keine Altersvorsorge und deshalb könne frau sich nur auf sich selbst verlassen. Schließlich bedroht Altersarmut vor allem Hausfrauen und Frauen im Zuverdiener-Modell.

Dennoch berichtete der Spiegel jüngst über die Renaissance der Hausfrau als Lebensmodell junger Akademikerinnen. Viele von ihnen gehen so den Weg des geringsten Widerstands. Bestens ausgebildete Frauen überlassen ihrem Mann die Rolle des Familienernährers und machen sich selbst zu einer dieser Frauen, über die Männer früher sagten: „Sie hat mir den Rücken freigehalten.“ Auf diese Weise bringen sich die Frauen um die Macht, unsere Gesellschaft mitzugestalten

Da ist er wieder, der alte Streit: Darf eine Frau traditionelle Rollen wählen oder muss sie „Macht“ wollen?

Oder wie Anita Sarkessian es ausdrückte:

“Im Feminismus geht es um die kollektive Befreiung der Frauen als soziale Klasse. Im Feminismus geht es nicht um die persönliche Verhaltenswahl der Frau”

Auch hier ist die Frau wieder erstaunlich passiv: Sie kann ja nicht gegen den Widerstand ankämpfen, also bleibt ihr nur der Verzicht auf die Rolle des Familienernährers.

Mit deutlich mehr Gegenwind hat zu kämpfen, wer ein gleichberechtigtes Familienmodell lebt. Dennoch lohnt es sich: Nicht nur, weil es vor Altersarmut schützt. Es schenkt Kindern zwei Bezugspersonen und die Möglichkeit, von Vater und Mutter zu lernen. Außerdem hilft es, einen Nachteil auszugleichen, den Frauen nach wie vor bei der Jobsuche haben: Bei einer jungen Bewerberin mache er sich durchaus Gedanken, ob sie bald schwanger wird und sich dann verabschiedet, gibt ein mittelständischer Unternehmer zu. Bei einem Mann habe er diese Sorge eher nicht. Aus Unternehmersicht mag das verständlich sein, gerecht ist es nicht. Auch deshalb sollte es zu einer Selbstverständlichkeit werden, dass auch Väter in Elternzeit gehen – und zwar länger als die üblichen zwei „Vätermonate“. Dann bringen Bewerberin und Bewerber das gleiche Risiko mit.

Das ist ein interessanter Gedanke, aber schwierig umzusetzen, gerade wenn ihr Job dafür prädestiniert ist, dass sie aussetzt, zB im öffentlichen Dienst, seiner aber nicht und sie auch gerne die längeren Zeiten nehmen möchte.

Wer übrigens zu phlegmatischem Optimismus neigt und glaubt, dass die Bewegung in Richtung Gleichberechtigung nun angestoßen ist und der Rest sich in den kommenden Jahren von selbst erledigt, der vergisst, dass das Problem nicht einfach damit gelöst ist, dass Frauen plötzlich imitieren, was Männer jahrzehntelang vorgemacht haben. Schließlich ging deren Karriere bisher meistens zu Lasten ihrer Partnerinnen, die Familien- und Hausarbeit übernahmen. Wenn es gerecht zugehen soll, müssen sich Frauen und Männer in der Mitte treffen.

„Frauen haben nicht weniger Ambitionen auf Karriere“ vs. „Es kann nicht sein, dass Frauen Männer imitieren müssen und alles auf Karriere legen müssen“. Eigentlich sollte es anscheinend bedeuten „Frauen haben nicht weniger Ambitionen auf Karriere, wenn man sie erreichen kann ohne das man alles auf Karriere setzen muss“.

Ich stimme ihr durchaus zu, dass beiderseitige Berufstätigkeit letztendlich viele Probleme in der Geschlechterdebatte löst. Aber dennoch liegt es an jedem Paar selbst, wie es diese gestaltet. Und solange Frauen erwarten, dass Männer sich in der Mitte treffen, werden eben auch weniger Karriere machen. Der Manager, dessen Frau Lehrerin ist, und der das doppelte von ihr verdient, wird eben nicht im gleichen Maße auf die Kinder aufpassen können. Und die Managerin, die an eine hohe Stelle kommen will, wird das schlicht auch nicht können.

Ansonsten bleibt der Gleichberechtigungsdiskurs ein Gespräch unter Frauen, weil Männer sich nicht angesprochen fühlen. Es ist eines der ältesten Missverständnisse, dass der Feminismus etwas gegen Männer habe. In Wirklichkeit ist er in der Lage, Männer und Frauen gleichermaßen zu befreien. Von Rollenklischees und dem Gefühl, nur zwischen Hierarchiekämpfen und der Flucht ins Private wählen zu können. Frauen und Männer müssen gemeinsam aushandeln, wie Gleichberechtigung aussehen soll. Bereits das ist subversiv und revolutionär, wenn man bedenkt, dass bisher im öffentlichen Raum immer noch nach Männer-Regeln gespielt wird. Wenn Frauen und Männer miteinander sprechen, durchbrechen sie die Regeln des Boys Club, wo sich alle ohne Worte verstehen.

Warum eigentlich meinen Feministinnen immer, dass eine Befreiung von Rollen nur dann möglich ist, wenn man es feminstisch macht und warum sollte das für Männer der beste Weg sein?

Ich schrieb dazu schon einmal:

Dass starre klassische Geschlechterrollen Nachteile auch für Männer bringen, dass würde ich durchaus auch so sehen, gerade wenn sie eben essentialistisch gesehen werden, also als verbindlich für alle Männer und Frauen ohne Berücksichtigung des Umstandes, dass es eben auch hier fließende Übergange gibt.

Allerdings ist in dem Paket “Geschlechterrollen aufheben” für Männer im Feminismus eben noch einiges an “Beiwerk” dabei, was einem nicht gefallen muss

  • Eine Schuldzuweisung an “Männer” oder “Männlichkeit” und ein Framen aller Handlungen in diesem Kontext als Unterdrückung der Frauen
  • Ein Ignorieren von Fakten, die bestimmte Unterschiede erklären
  • Die Zuweisung von “Definitionsmacht” an Frauen je nach Radikalität bis hin zur Abkehr von wesentliche Rechtsstaatsgrundsätzen wie der Unschuldsvermutung
  • Sofern man sich dort beteiligen will: Die Aberkennung einer eigenen Möglichkeit der Beteiligung und ein Verweis auf eine “Ally-Position”.
  • Eine Abwertung von geschlechterrollentypischen Verhalten soweit man es mag

Diese Nachteile muss man keineswegs zwangsläufig mitkaufen. Die Idee, dass nur mit Feminismus, geschweige denn mit radikalen Genderfeminsmus eine Auflockerung der Geschlechterrollen erfolgen kann, ist nicht zutreffend.

Man kann auch einfach ohne diese Ideen ein lockeres Verhältnis dazu entwickeln und Leute akzeptieren, die sich dort nicht wiederfinden. Dazu muss man insbesondere keinen Hass auf Leute entwicklen, die sich darin wiederfinden. Wer als Mann nicht nach den Geschlechterrollen leben möchte aber anderseits auch nicht die obigen Nachteile haben möchte, der kann dies durchaus machen. Was ebenso für Frauen gilt. Der Feminismus mag gegenwärtig die Ideologie sein, die damit am meisten wirbt, allerdings macht es ihn gerade in der gegenwärtigen Form deswegen nicht unbedingt zu einer vorzugswürdigen Ideologie.

Man kann durchaus auch eigene Vorstellungen davon entwickeln, wie man mit Geschlechterrollen umgeht und was an diesen gut oder schlecht ist und welche Elemente von ihnen man bekämpfen möchte, eben zB einen Essentialismus und ein binäres Verständnis. Der Feminismus hat hier eben kein Alleinstellungsmerkmal und stellt auch nicht per se den besten Weg dafür bereit, schon weil er wie hier in dem Artikel deutlich wird ohne weiter Prüfung Strukturen sieht, wo keine sind und nach diesen Schuldzuweisungen an ein Geschlecht ausspricht.

Dass inzwischen 700 000 Männer die UN-Kampagne „HeforShe“ per Klick unterstützen, die Emma Watson als Botschafterin für Frauenrechte eingeläutet hat, ist zumindest ein symbolischer Anfang. Der Feminismus braucht die Solidarität der Männer, weil Frauen sich immer wieder in Männer verlieben und Männer sich in Frauen. Das Paar, sei es homo- oder heterosexuell, ist die kleinste politische Einheit in Sachen Gerechtigkeit.

Auch das macht deutlich, dass sie keine intersektionale Genderfeministin ist. Denn #Heforshe steckte ja gerade aus dieser Ecke einiges an Prügel ein.

Ich finde es auch immer wieder interessant, dass sie hier keine Pflicht der Frauen zur Solidarität gegenüber Männern sieht.

Natürlich kann nicht jeder Angestellte eine Frauenquote in seinem Unternehmen durchsetzen. Aber er kann seine Frau als gleichberechtigte Partnerin ansehen und sie fördern, indem er ihr die Möglichkeit gibt, sich beruflich zu verwirklichen. Auch wenn das heißt, dass er selbst eine weniger steile Karriere macht. Langfristig ist eine Familie sicherer aufgestellt, wenn sie auf zwei Säulen steht und beide Elternteile berufstätig sind. Und eine Beziehung stabiler, wenn beide Partner glücklich und ausgelastet sind.

Nein, wirklich, in dem Artikel werden Frauen nicht zu passiven Opfern gemacht. Er gibt ihr die Möglichkeit sich zu verwirklichen. Sie wartet natürlich nur darauf.

Im Rahmen von Scheidungsverfahren haben Männer übrigens früher innigst dafür gebetet, dass die Frau wieder schnell berufstätig wird und machen es noch heute. Aber selbst kinderlose Frauen, die zB in der Ehe ihren Job verloren hatten und keinen neuen fanden können sich im Trennungsjahr nach wie vor darauf berufen, dass sie keine Erwerbsobliegenheit haben. Und es ist nicht lange her, dass das Motto im Unterhaltsrecht galt „einmal Zahnarztfrau, immer Zahnarztfrau“ und eine Frau durchaus bequem bis zu ihrem Lebensende ein gutes Leben führen konnte, wenn sie sich von einem reichen Mann scheiden ließ, ohne sich jemals beruflich zu verwirklichen. Ganztagsbetreuung in den Schulen nimmt zu, seit das Unterhaltsrecht in diesem Bereich verschärft worden ist.

Auch interessant ist der Gedanke, dass man nur auf diesem Wege glücklich und ausgelastet sein kann. Ich kenne genug Frauen, die es verzerrt hat, ein Kind recht schnell wieder in die Fremdbetreuung zu geben, damit beide Vollzeit arbeiten können und die dann recht schnell in eine Behörde mit günstigeren Arbeitszeiten gewechselt sind.

Männer und Frauen sollten den gemeinsamen Feind kennen: Das Patriarchat macht beide unfrei. Weil es Frauen unterdrückt und von Männern verlangt, dass sie unrealistische Erwartungen erfüllen und die Belastung, eine Familie zu ernähren, allein tragen müssen. Es ist an der Zeit, dass auch Männer sich emanzipieren. Denn Väter haben ein Recht darauf, ihre Kinder aufwachsen zu sehen. Männer haben ein Recht darauf, dass sie sich die Aufgabe, das Familieneinkommen zu erwirtschaften, mit ihrer Partnerin teilen. Wir alle haben ein Recht darauf, in einer Gesellschaft zu leben, die von weiblicher wie männlicher Kompetenz profitiert.

Da ist es: Das Schreckgespenst des Patriarchats, welches auch Männern schadet. Natürlich mal wieder ohne konkrete Belege, ohne Definition, was es genau sein soll. Ohne Anteil von Frauen daran, dass „unrealistische Erwartungen an Männer angelegt werden, die Familie zu ernähren“. Die Väter haben ein Recht darauf, ihre Kinder aufwachsen zu sehen – das ist ein schönes Lippenbekenntnis. Aber ich sehe nicht, dass sich der Feminismus tatsächlich für das gemeinsame Sorgerecht auch für unverheiratete Eltern einsetzt, für das Wechselmodell, für das anteilige Tragen von Kindesunterhalt oder für starke Erwerbsobliegenheiten im Familienrecht für Frauen. Ich sehe auch nicht, dass dort gefordert wird, dass die Frauen sich dann entsprechend verhalten müssen, also ihr Leben und ihre Planung umstellen sollen, anscheinend reicht es, wenn sie warten, dass ein Mann sie unter die Fittiche nimmt. Ich sehe keinen Eigenanteil der Frau an dieser Gesellschaftsänderung.

Mal sehen, wie die Serie weitergeht. Es heißt, man habe sich auch mit Maskulisten getroffen. Ob sie wohl auch einen vergleichbaren Artikel einstellen dürfen?

 

vgl. auch:

Hillary Clinton und der Feminismus

Hillary Clinton als Präsidentschaftskandidatin ist in vielerlei Hinsicht sehr interssant:

1. Die erste weibliche Präsidentin und weibliche Wähler

Hillary Clinton setzt nach allem was ich höre sehr darauf, dass sie als Frau die erste weibliche Präsidentin wäre und fordert darüber Frauen auf, endlich einmal Frauen in eine, insbesondere diese Machtposition zu heben. Es ist nach einigen Berichten ein nicht geringer Teil ihrer Wahlkampfposition das sie eine Frau ist.

In den Parteiinternen Vorwahlen für die Wahl des dortigen Kandidaten konkurriert sie mit Bernie Sanders, einem älteren Kandidaten, der sehr links ist und im Gegensatz zu Clinton, die ja mit diversen Parteispenden großer Unternehmen und dem Netzwerk ihres Mannes an den Start geht, eher als Vertreter des Volkes gilt.

Dabei scheint Sanders, der vorher als krasser Aussenseiter gehandelt worden ist, nunmehr eifrig Boden gut zu machen und es gilt durchaus als wahrscheinlich, dass er sich in den Vorwahlen gegen Clinton durchsetzt (und dann wahrscheinlich gegen Trump antritt).

Eine interessante Grafik ist in diesem Tweet enthalten:

Clinton Sanders Frauen

Clinton Sanders Frauen

Wie man sieht gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen den Generationen: Die Frauen ab 40 stehen etwas mehr auf Clintons Seite, während jüngere Frauen bis 40 sehr deutlich in Sanders Lager stehen.

Ich könnte mir vorstellen, dass gerade die älteren Frauen eher noch als die Jüngeren eine weibliche Präsidentin wollen und ihnen, da schon verheiratet, mit Kindern und ausgesorgt der Sozialstaat vielleicht auch weniger wichtig ist, sie also insofern konservativer sind als die jüngeren Frauen, denen der linkere Ansatz von Sanders besser gefällt.

2. Was sagt das über feministische Theorie aus?

Eigentlich sollte man meinen, dass die jüngeren Frauen die feministischeren sind. Sie sind mit weit weniger strengen Rollen groß geworden, für sie ist die Forderung nach Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit.

Nimmt man aber gleichzeitig die Theorien, dass die Frauen nach wie vor unterdrückt sind und wir in einer Rape Culture leben, die durch weiße alte Männer verursacht ist, dann wäre Sanders quasi als alter weißer Mann deren Repräsentant.

Zudem sagt die feministische Theorie auch immer wieder, dass man das Patriarchat eben daran erkennen kann, dass überall weiße alte Männer an der Spitze sind und es Frauen bräuchte um Politik für Frauen zu machen.

Es wird immer gerne darauf verwiesen, dass Vorbilder enorm wichtig sind und insofern Frauen die Probleme von Frauen am besten lösen können, zumindest sofern sie nicht selbst Sexismus internalisiert haben.

Den amerikanischen Frauen bis 40 scheint das aber relativ egal zu sein. Sie gehen anscheinend davon aus, dass ein Mann ihre Position wesentlich besser vertreten kann als eine Frau.

Das finde ich auch nicht ungewöhnlich, ich hatte dazu schon in dem Artikel „Frauen, die Männer als Vertreter von Fraueninteressen wählen“ geschrieben, dass das Geschlecht recht wenig darüber aussagt.

Aber es verstößt meiner Meinung nach gegen einige Grundlagen der feministischen Theorie: Wer die Umsetzung von Fraueninteressen nur am Frauenanteil festmacht, der unterschlägt, dass es im Interesse von Frauen liegen kann, Männer zu wählen.

3. Die Gegenmaßnahmen

Es ist auch interessant, was dann kritisiert worden ist.

Zunächst wurden beklagt, dass bestimmte männliche Anhänger von Bernie Sanders zu aggressiv auftreten würden und es wurde dafür der Begriff „Bernie Bros“ gebildet, wobei man „Bros“ wohl als klassische feministische Abwertung sehen kann, es geht aus meiner Sicht etwas in Richtung „Macker“.

An endless flow of original content produced by a candidate’s loyal supporters should be a campaign’s dream — the virtual equivalent of millions of homemade Bernie signs dotting the lawns of American voters. Recently, however, those same supporters have drawn criticism for the tone and direction of their fandom, which both Clinton’s campaign and the media have characterized as sexist. In her endorsement of Clinton, columnist Joan Walsh described this vitriolic subculture as “the Berniebot keyboard warriors.” But the rest of the Internet knows them better as Bernie Bros.

The Bernie Bros have become enough of an issue that Sanders himself addressed them during a Sunday interview on CNN’s “State of the Union. “It’s disgusting,” he said. “Anybody who is supporting me and who is doing sexist things, we don’t want them. I don’t want them. That is not what this campaign is about.”

Man darf davon ausgehen, dass die meisten „BernieBros“ eher links sind, aber anscheinend hindert das die Mackerbezeichnung nicht.

Dann hat die bekannte Feministin Gloria Steinem interessantes gesagt:

The other night, Steinem, 81, told comedian Bill Maher that millennial women are flocking to Vermont Sen. Bernie Sanders instead of former Secretary of State Hillary Clinton in the Democratic presidential contest because, basically, they want dates. Eventually, she implied, they will come to their senses.

“They’re going to get more activist as they get older,” Steinem said, implying that a vote for Sanders is not an activist vote. “And when you’re young, you’re thinking ‘Where are the boys?’ The boys are with Bernie.”

“Now if I said that — ‘Yeah, they’re for Bernie cause that’s where the boys are’ — you’d swat me,” Maher said.

“No, I wouldn’t,” replied Steinem. Um, maybe not, but everyone else would.

On Sunday, recognizing the disservice she has done to her candidate, Steinem posted a non-apology on Facebook: “In a case of talk-show Interruptus, I misspoke on the Bill Maher show recently, and apologize for what’s been misinterpreted as implying young women aren’t serious in their politics.”
That was no misinterpretation. That was exactly what she implied. And that was exactly what she meant. She is wrong, of course, but that’s exactly what she intended to say.

Meine These ist, dass Feministinnen immer abfällig über Frauen reden werden, wenn diese Entscheidungen treffen, die nicht ihrer Ideologie entspricht, sofern sie darauf direkt angesprochen werden. Dieses „Frauen sind unmündig“ ist ein sehr fester Bestandteil feministischer Theorie, der zwar so nicht ausgesprochen wird, aber in vielen Teilen enthalten ist.

Ein Beispiel ist der „verinnerlichte Sexismus

Verinnerlichter Sexismus ist eine unfreiwillige Reaktion auf Unterdrückung, die ausserhalb der eigenen Gruppe entsteht und dazu führt, dass Mitglieder der Gruppe sich selbst und gegenseitig verabscheuen und für die eigene Unterdrückung verantwortlich machen – anstatt zu erkennen, dass diese Meinungen durch das unterdrückerische, sozio-ökonomisch-politische System konstruiert werden.

(…)

Die Folgen, sich diese Rolle zu Eigen zu machen, sind ein enormes Reservoir an Selbsthass. Kein wirklich wahrgenommener oder hingenommener Selbsthass, die meisten Frauen würden das leugnen. Er kann sich dadurch ausdrücken, sich in seiner eigenen Rolle unwohl zu fühlen, als Gefühl der Leere, als Taubheit, Unruhe oder lähmende Ängstlichkeit. Es kann sich auch in einer Verteidigung der eigenen Rolle äußern. Aber er existiert, oft unterbewusst, vergiftet ihr Dasein, entfremdet sie von sich selbst und ihren eigenen Bedürfnissen, lässt sie auf andere Frauen wie eine Fremde wirken. Es folgt der Fluchtversuch: Identifikation mit dem Unterdrücker,, durch ihn leben, Status durch seine Macht und seine Errungenschaften erlangen. Und dadurch, sich nicht mit anderen “leeren Hüllen” zu identifizieren, wie sie selbst es sind. Frauen identifizieren sich nicht mit anderen Frauen, die ihre eigene Unterdrückung, ihren zweitrangigen Status, ihre eigenen Selbstzweifel widerspiegeln. Eine andere Frau damit zu konfrontieren ist letztendlich die Konfrontation mit dem eigenen Selbst, das man vermeiden wollte. Und in diesem Spiegel wissen wir, dass wir das, zu dem wir gemacht wurden, nicht wirklich lieben und respektieren können.

Oder Anita Sarkeesian, bei ihren Ausführungen, dass es im Feminismus nicht darum geht, was Frauen wollen, sondern, was sie frei macht:

First of all, the choice arguments are fundamentally flawed because they assume a level of unmitigated freedom for women that simply doesn’t exist. Yes, we make choices, but these are shaped and constrained by the unequal conditions in which we live. It would only make sense to uncritically celebrate choice in a post-patriarchal world.

Ein anderes Beispiel, dass auch häufiger kommt, ist, dass die Frauen sich eben an die Männer anbiedern wollen und deswegen gemeinsame Sache mit dem Patriarchat machen. Diese greift Gloria Steinem hier auf.

Aus dem oben verlinkten Artikel heißt es dazu:

The idea that women become more radicalized as they age and men become more conservative is an article of faith for Steinem-era feminists. Steinem has often said that girls refuse to call themselves “feminists” because they don’t want to compromise their ability to get a date on Saturday night. What she told Maher was simply a 2016 version of something she’s been saying for decades.

Ordnet man das in ältere feministische Diskussionen ein, wie die Unterdrückung der Frau durch die Zwangsheterosexualität und ihre Einordnung in die Gesellschaft lediglich als Partnerin eines Mannes, dann macht das Argument innerhalb dieser feministischen Sicht durchaus Sinn. Sie hat es eben nur an der falschen Stelle gebracht.

Die Politikerin Madeleine Albright appellierte wie folgt an die weiblichen Wähler:

(On Saturday, apparently competing with Steinem for worst campaign surrogate, former Secretary of State Madeleine Albright made a similarly obnoxious gaffe. Addressing young women in New Hampshire, she said, “Young women have to support Hillary Clinton. … And just remember, there’s a special place in hell for women who don’t help each other.”

Also schlicht das, was die feministische Theorie so durchaus hergibt: Frauen müssen zusammenhalten und Frauen unterstützen.

Herrlich finde ich, was Clinton zu diesen Bemerkungen gesagt haben soll:

Clinton compounded the insults on Sunday, when she was asked about Steinem and Albright on “Meet the Press.” “Good grief,” she declared disingenuously. “We’re getting offended by everything these days. People can’t say anything without offending somebody.

Das sollte eigentlich auch der letzen intersektionalen Feministin deutlich machen, dass sie keineswegs eine der ihren ist. Anscheinend ist ihr gar nicht hinreichend bewußt, dass alles aber auch wirklich alles problematisch ist.

4. Relativierungen

In dem verlinkten Artikel ist noch ein interessanter Absatz dazu, warum man als intersektionale Feministin Clinton ablehnen kann, obwohl sie eine Frau ist:

Let me back up for a moment and acknowledge that it’s perfectly possible that millennial women are being swayed against Clinton by sexist forces that permeate our culture so insidiously we don’t even recognize them anymore. No one is totally immune to the conservative — and sexist — drumbeat against Clinton, which has been pounding in the background of our national political soundtrack for two-and-a-half decades: She is shrill, she is dishonest, she is corrupt, blah, blah, blah.

But it’s also possible, and far more likely, that they may simply dislike her for lots of valid reasons: her coziness with Wall Street, her $675,000 in Goldman Sachs speaking fees, her vote in favor of the Iraq war, her collusion against women who accused her husband of sexual improprieties, and, just maybe, her inability to understand why Steinem and Albright’s remarks were offensive.

And they may find in Sanders an idealistic, authentic politician who abhors the toxic influence corporations have on our political institutions and thinks college educations should be free.

But they are certainly not flocking to Sanders because they want a date.

They all have Tinder for that.

Man kann also Clinton insbesondere als Vertreterin der „herrschenden Klasse“ und auch, weil sie sich sonst unfeministisch verhalten hat, ablehnen und eben auch, weil sie intersektionalen Feminismus nicht versteht.

Dass Sanders das dennoch besser verkörpert als eine Frau ist eine interessante Sache und ich kann mir vorstellen, dass man das als Argument durchaus noch häufiger bringen kann.

Interessant auch ein Artikel bei der Mädchenmannschaft:

Und auch wenn Steinem mittlerweile auf Facebook sagte, dass sie das alles so natürlich nie gemeint hätte – die Aussage hat ihre Runden gemacht. Und sie ist auf verschiedenen Ebenen gefährlich (und passt allzu gut in – nicht nur US-amerikanische – Vorstellungen, wie Frauen zu Politik zu verorten sind). Zum einen spricht sie sehr vielen ‚jungen Frauen‘ (wer auch immer genau damit gemeint ist) ihre politische Eigenständigkeit ab; die Aussage ist zum anderen hetero_sexistisch und paternalistisch. Sie wiederholt ein klassisches Bild von Frauen, die keine eigenen Meinungen haben und ausschließlich im Bezug auf Männer handeln.

Ich finde die Aussage interessant, weil sie für das klassische Zwidenken im Feminismus steht. Man darf Frauen nicht ihre eigene Meinung absprechen. Aber alle konkreten Meinungen von Frauen, die uns nicht gefallen, sind Ausdruck des internalisierten Sexismus und der Rollen, die ihr Denken prägen.

Frauen haben nichts gegen Sexismus, solange er ihnen Nutzen bringt

Eine interessante Studie behandelt die Frage, wie Frauen mit für sie günstigen Sexismus umgehen:

Benevolent sexism functions to uphold gender inequality by expressing caring and reverent attitudes exclusively toward women. Do these subjective benefits lure women to endorse benevolent sexism? We tested this by examining whether women’s psychological entitlement was associated with concurrent levels of benevolent sexism and longitudinal changes in benevolent sexism over 1 year in a national panel sample (N = 4421 New Zealanders). As predicted, latent variable interaction analyses indicated that women higher in psychological entitlement more strongly endorsed benevolent sexism and increasingly endorsed benevolent sexism over the year. Men’s psychological entitlement was more weakly associated with benevolent sexism concurrently and unrelated to changes in benevolent sexism across time. These findings provide the first evidence that the benefits of benevolent sexism are central to women’s adoption and endorsement of sexist attitudes toward their own gender—attitudes which contribute more broadly to the maintenance of gender inequality.

Quelle: The Allure of Sexism Psychological Entitlement Fosters Women’s Endorsement of Benevolent Sexism Over Time

 

Ich finde die Konstruktion des „Wohlwollenden Sexismus“ reichlich pervers. Es geht dabei darum, dass eine Frau Vorzüge hat, die dann Sexismus gegen sie sind, weil sie sie in eine Rolle drängen. Und dieses in die Rolle drängen wird dann per se als Nachteil ausgewiesen.

Und das ungeachtet dessen, ob sie das als Nachteil ansehen oder die Vorteile für besser halten und es deswegen ganz bewußt machen.

Mit Benevolent Sexism werden Frauen mal wieder für unmündig erklärt. Das böse Patriarchat lockt sie wie die Maus mit dem Käse in die Falle.

Aus einer Besprechung der Studie:

For their study, Hammond and his colleagues had more than 2,700 women and 1,600 men from New Zealand complete psychological evaluations to measure their sense of entitlement and adherence to sexist beliefs about women. The beliefs included statements such as, “Women should be cherished and protected by men” and “Women, compared to men, tend to have a superior moral sensibility.”

Ja, ein ganz fieser Test. Ich hatte ihn hier schon mal besprochen. Wenn man mal übertrieben Sklavenhalter gefragt hätte, ob sie der Meinung sind, dass ihre Sklaven sie verehren und beschützen sollten und ob sie im Vergleich zu ihren Sklaven nicht eine höhere moralische Sensibilität haben, dann wäre das Ergebnis wahrscheinlich auch, dass diese nur durch diese Vorzüge in diese Rolle gezwungen worden sind.

This group of more than 4,400 individuals was tested again 1 year later.

The researchers found a sense of entitlement in women was associated with stronger endorsement of benevolent sexism. Women who believed they deserved more out of life were more likely to endorse benevolent sexist beliefs and adherence to these beliefs increased over time. The association between a sense of entitlement in men and endorsement of benevolent sexism was weak, in contrast, and did not increase over time.

Also: Die Frauen, die meinten, dass sie Anrechte auf etwas besseres hatten dachten auch, dass sie die tollsten und besten wären und alle ihnen zuarbeiten müssten. Die armen geplagten Opfer. Wenige beachten da auch die Leiden von Hollywooddiven, bei denen man auch starken Benevolent Sexism feststellt und die dadurch in ihre Rolle als alles verlangende Millionärin gedrückt worden sind. Grauenhaft!

Hammond told PsyPost that the findings supported Ambivalent Sexism Theory.

“It tells us that one factor underlying women’s endorsement of sexist attitudes toward women is the propensity to feel more deserving than others and wanting to feel special,” he explained. “This also gives us insight into showing how benevolent sexism is subjectively positive but is not actually a ‘pro-social’ set of attitudes.”

“Even though both men and women have these kind of ‘entitled’ tendencies to be reward-oriented and status-focused — the ‘cherish and protect’ attitudes of benevolent sexism seem to take advantage of these qualities in women only. This is an example of how benevolent sexism is an insidious set of ideas which appear to exploit ‘niceness’ to encourage women to hold more sexist beliefs.”

Also obwohl diese Gesellschaft Frauen natürlich nur als Objekt behandelt und wie der letzte Dreck meinen diese eher als Männer, dass sie aufs Podest gestellt werden sollten und verehrt und beschützt werden sollten. Schlimm, wirklich schlimm, wie Frauen da mit Nettigkeiten in sexistische Denkweisen gezwängt werden.

The research found a clear link between psychological entitlement and the endorsement of benevolent sexism. However, Hammond cautioned that the finding should not be extrapolated outside of its cultural context.

“One central and important limitation is that our research was conducted in a relatively egalitarian country in which hostile and aggressive forms of sexism, as well as overt forms of discrimination and violence toward women, are relatively less prevalent and relatively less tolerated,” Hammond told PsyPost. “Other research has shown that when these kinds of threats are salient, one reason women agree with benevolent sexism is a self-protection motivation, because it promotes the care and safeguarding of women against danger.”

“This means that future research may find that the underlying factors of women’s endorsement of sexism differs between countries according to the levels of egalitarianism/gender equality in those countries,” he added. “In relatively egalitarian countries, it may be the benefits promised by benevolent sexism, but in relatively less egalitarian countries, it may be the protection promised by benevolent sexism.”

Jedenfalls ist die Anspruchshaltung der Frauen nur ein böser Trick der Männer. Frauen sind Marionetten an deren Fäden. Sie haben keinen eigenen Willen, wir spielen sie wie ein Musikinstrument. Niemals würde sie eine Frau auf diese Weise verhalten, weil sie meint, dass sie es aus einer Machtposition verlangen kann und sie es so will.

Wir sprechen alle nach: Die Vorteile der Frauenrolle dienen nur dazu sie zu unterdrücken!