Fortschritt und Nahrungsmittelproduktion

In dem Buch „Guns, Germs and Steel“ von Jared Diamond (Wikipedia-Artikel zum Buch) stellt dieser eine These auf, was insbesondere dazu geführt haben soll, dass sich einige Völker schneller technisch entwickelt haben als andere Völker. Er geht dabei davon aus, dass die Völker an sich relativ gleich sind, aber bestimmte Umstände den technischen Fortschritt begünstigen.

Einer der dabei wichtigsten Umstände soll die Lebensmittelproduktion gewesen sein.

Kulturen, dennen es gelungen ist, einen Überschuß lagerbarer Nahrung zu erwirtschaften hätten den Vorteil gehabt, dass sie sich zum einen schneller vermehren konnten und zum anderen den Überschuß an Nahrung dazu benutzen konnten, bestimmte Personen von der Nahrungsmittelproduktion freizustellen und zu Spezialisten auszubilden. Diese konnten dann sowohl eine effektivere Verwaltungsstruktur bereitstellen als auch weitere Spezialisierungen vornehmen, da bestimmte Leute eben keine Nahrung produzieren und daher Vollzeit Wissen in einem anderen Gebiet anhäufen konnten.

Eine Spezialisierung war dabei auch der Berufssoldat, der das Erobern anderer Gebiete ermöglichte und damit eine Ausweitung des Kulturgebietes und die Schaffung größerer Reiche.

Zu bedenken sei dabei gewesen, dass Nahrungsmittelproduktion über Ackerbau und Viehzucht nicht zwangsläufig vorteilhaft gegenüber dem Leben als Jäger und Sammler gewesen sei. Die Anfänge des Ackerbaus hätte evtl. sogar mehr Arbeit pro Tag erfordert, so dass sich dies nicht unbedingt nach der Entdeckung entsprechender Prinzipien durchsetzen musste. Einige Gegenden hatten zudem günstigere Pflanzen und Tiere für die Nahrungsmittel und Ressourcenproduktion und damit einen Vorteil.

Eine weitere Folge dieser Spezialisierung und Vergrößerung und der Verlagerung der Nahrungsproduktion sei zudem auch die Ermöglichung größerer Siedlungen, was ebenfalls mehr Spezialisierung ermöglichte.

Verbunden mit der Viehzucht und dem engeren Lebensstil sei zudem die Anpassung an stärkere Krankheitskeime und der Aufbau entsprechender Immunitäten, die dann wieder dazu geführt haben, dass solche Nationen teilweise nur aufgrund der mit ihnen verbundenen Krankheiten militärische Vorteile hatten, etwa die Spanier bei den Inkas, Azteken etc. Andereseits wurde duch die Malaria auch Afrika für viele Europäer gesperrt.

Der Autor stellt dies anhand einiger Kulturen da. Er macht insbesondere die örtlichen Begebenheiten für die jeweiligen Gesellschaftsformen verantwortlich, nicht die Gene wie später die Gregory Cochran und Henry Harpending in “ The 10.000 Year Explosion„.

Ein Beispiel sei ein Inselvolk, dass auf einer sehr kargen Insel überleben muss, auf der keine Nahrungsmittelproduktion über das für den Einzelnen nötige möglich ist. Die Bewohner dieser Insel sind daher alle selbst Nahrungsmittelproduzenten, ihre Sozialordnung ist auf möglichst wenig Wettbewerb ausgerichtet, sie haben keine Spezialisten und sie entwickeln sich nicht und haben auch keine Kampferfahrung. Sie versuchen die Nachkommen einigermaßen gering zu halten, weil sie sie sonst nicht ernähren können. Weil jeder ein kleiner Nahrungsmittelproduzent ist, sind alle relativ gleich.

Als sie schließlich von einem Nachbarvolk von einer anderen Insel gefunden werden, die es erlaubt Nahrungsmittel zu produzieren, in Wettbewerb untereinander zu treten und Soldaten vorzuhalten werden sie kurzerhand ausgelöscht.

Mir erscheint dies im Grunde durchaus logisch, auch wenn ich nicht ausschließen will, dass auch biologische Unterschiede eine Rolle spielten bzw. langanhaltende andere Gesellschaftsformen zu unterschiedlichen Selektionen und damit auch biologischen Unterschieden führen.

Es wirft aber auch ein bezeichnendes Bild auf die Matriarchate nach Heide Göttner-Abendroth

Sie gibt bereits als Kritierum vor, dass echte Matriarchate Subsistenzwirtschaft betreiben, die Leute sich also selbst versorgen. Dies sind nach der obigen Theorie gerade solche Gesellschaften, die keine großen Nahrungsmittelüberschüße erwirtschaften können und daher auch keine Spezialisten vorhalten können. Es ist damit wenig verwunderlich, dass Matriarchate dieser Art keine großen Entdeckungen machen und in der wirtschaftlichen Leistung zurückbleiben. Dies ist einer Subsistenzwirtschaft fast eigen, da größere Fortschritte Spezialisten erfordern. Diese Gesellschaften müssen auf eine gewisse Friedfertigkeit ausgelegt sein, weil sie sich Soldate schlicht nicht leisten können und die Personen zudem keine Kriege führen können, weil sie ja ihre Nahrung erwirtschaften müssen. Diese Gesellschaftsformen sind daher prädestiniert für Friedfertigkeit, was aber nicht im Zusammenhang mit einer Anführerschaft durch Frauen stehen muss. Auch mit einer Anführerschaft über Männer und einer auf Männer ausgerichteten Gesellschaftsform wären sie ungeeignet für zu viele kämpferische Auseinandersetzungen.

Gesellschaften ohne Macht

Martin Bartonitz schreibt in einem Kommentar

man kann ein Matriarchat Niemanden anvertrauen, da Matriarchat keine Macht über einen anderen kennt.

Roslin erwidert:

Es gibt keine menschlichen Beziehungen ohne Dominanzverhältnisse, Machtspiele, Machtbeziehungen.

Ich sehe es hier ähnlich wie Roslin. Eine Gesellschaft ohne Machtstrukturen kann es so gut wie nicht geben. Einige kleine Inselgemeinschaften mit geringem Konkurrenzdruck und hoher interner Verwandschaft können möglicherweise (unter Aufgabe ihrer Wettbewerbsfähigkeit) nahezu machtfrei leben, auf größere Menschen  in einem direkten Konkurrenzverhältnis mit anderen und in einer modernen Zivilisation erscheint mir allerdings ein solches machtfreies Gemeinschaftsleben nicht umsetzbar. Die Organisation gewisser Abläufe ist nur innerhalb bestimmter Machthierarchien möglich und um so anonymer die Leute werden, um so weniger sie miteinander zu tun haben, um so eher werden auch Eigeninteressen umgesetzt, die einen Machtgewinn bewirken oder aber zur Eindämmung Gegenmachtstrukturen erfordern.

Eine Gesellschaft, in der alle gleich sind, in dem jeder nach seinen Möglichkeiten leistet und nach seinen Bedürfnissen erhält,  ist eine nicht umsetzbare Utopie, die entweder an den Eigeninteressen scheitert oder daran, dass umliegende Kulturen sich schneller entwickeln, eben weil die Möglichkeit eigene Interessen zu fördern den Fortschritt fördert.

Hinzu kommt, dass Status gerade Männer attraktiv macht, was ihnen auch immer ein Interesse daran bietet.

„Mutter Mythos“-Feminismus

Eine Spielart des Feminismus ist der „Mütterverherrlichungsfeminismus“. Er wird meiner Meinung nach eher von sehr weibliche denkenden Personen, häufig eben Müttern, vertreten.

Kennzeichen sind eine verherrlichung der Mutter und Frau als Quelle alles Guten und Schöpferin des Lebens, die auch gerne in eine spirituelle Sichtweise abdriftet und einen Göttinenkult begründet.

Ein Beispiel zeigt sich meiner Meinung nach gerade in einem Gastartikel bei der Mädchenmannschaft von Kirsten Armbruster

Ich zitiere einfach mal:

Wenn du als Mutter, dein Maul aufmachst, um bittere Wahrheiten auszusprechen, die aber im Patriarchat niemand hören will, kriegst du eine auf´s Maul.
Mütter, die unsichtbare Macht hinter allem Leben! Denn kommt durch unsere Fotze nicht das neue Leben in die Welt und nähren wir mit unseren Titten nicht eben dieses neue Leben? Diese Diskrepanz zwischen der wahren Lebensmacht von Müttern und ihrer gleichzeitigen Machtlosigkeit im Patriarchat, das ist das, was uns zu Recht bitter macht!

Oder auch:

Mütter und Macht, scheint das nicht ein Widerspruch an sich? Ach wie gut, dass keine weiß, dass Macht ursprünglich ein altes Wort für Scheide, also Fotze ist. Wir kennen diese alte Bedeutung kaum mehr, und nur noch indirekt begegnen wir sprachlich dieser uralten Müttermacht, nämlich in dem Wort Gemächte für das männliche Glied.

Oder eben:

Schon der Begriff work-life-balance in Verbindung mit Müttern ist eine patriarchale Lüge, tatsächlich müsste es heißen: work-work-imbalance, denn Mütter arbeiten doppelt und bekommen besonders wenig Geld: als Teilzeitkräfte, aus geschlechtlicher Benachteiligung bei den Löhnen und weil ihre Familienarbeit als nicht geldwert erachtet wird. Würde es sich wirklich um work-life-balance handeln, würden Männer Schlange stehen beim Putzen, Bügeln, Kochen, Einkaufen, Kinder und ältere Menschen Versorgen! Doch da hilft nur eins, liebe Mütter: Werdet euch endlich wieder eurer Lebensmacht bewusst, der Macht neues Leben zu gebären. Streikt und weigert euch unter diesen Bedingungen Kinder zu bekommen und die, die bereits Kinder haben, nutzt euren weiteren Machtbereich, die Arbeitsmacht.

Und im spirituellen Bereich:

Boykottiert patriarchale Strukturen, tretet endlich aus den Kirchen aus, holt euch unsere uralte mütterliche Geschichte zurück, denn die erste Kulturstufe des Menschen war eine mütterliche Kulturstufe und dort finden wir auch die Wurzeln einer richtigen Religion, die sich mit der Erde und der Landschaft zurückbindet, denn von religio kommt das Wort Religion. Tretet in den Gebärstreik und fangt mit einem Arbeitsstreiktag pro Woche an. Diese neu gewonnene Zeit verwendet darauf euch wieder mit unseren menschlichen Wurzeln zu beschäftigen. Dann werdet ihr wieder starke,lebensmachterfüllte Mütter sein, und die Ohnmacht hinter euch lassen.

Mir persönlich wird dabei erst einmal schlecht, wenn ich diesen Lobgesang auf die selbstlose Mutter lese. Die Übertragungsleistungen der Männer, die gerade in der Ehe enorm sind (Unterhalt, Zugewinn, Versorgungsausgleich) bleiben ausgeblendet, ebenso der Anteil der Arbeit, den Männer kostenlos erledigen. Ich hatte dazu schon mal etwas in „Unbezahlte Arbeit in der Familie“ geschrieben. Aber nicht nur das, auch „die Macht der Fotze“ und die Rückbesinnung auf den idyllischen Urzustand des Matriarachats tragen dazu bei. Als Atheist habe ich eh nicht viel für Religionen übrig, insofern macht  eine neue Frauenreligion, in der „das Weibliche“ bzw. „die Mutter“ angebetet wird, da auch keinen Unterschied.

Immerhin regt sich auch in den Kommentaren bei der Mädchenmannschaft einiges an Widerstand.