Konservative Geschlechterrollen: Die unschuldige, sorgende Frau

Das Gegenstück zum starken Mann wäre dann die der Frau zugewiesene Geschlechterrolle, die eine gewisse Unschuld mit sich bringt: Zumindest sollte eine Frau so sein, es ist auch in diesem Fall ein gewisses Idealbild:

Nick hatte es schon einmal als das Ideal der bürgerlichen Dame bezeichnet: Es ist eine gewisse Anständigkeit, eine Unschuldigkeit, die sie allerdings im Gegenzug auch vom Geschäftsleben ausnahm, weil die Unschuldigkeit auch mit einer gewissen Schwäche einhergeht: Wer moralisch gut ist, höheren Idealen verpflichtet, „rein“, der ist nur eingeschränkt für die harte Geschäftswelt geeignet.

Die zugewiesenen Stärken sind in dem Zusammenhang eher das Bereiten eines Heimes, die Betreuung der Kinder, die Unterstützung des Mannes und die Schaffung des „Nestes“ im Sinne eines Heimes.

Natürlich hat sich auch dies heute geändert: Auch konservative Richtungen wie beispielsweise die CSU akzeptieren inzwischen Geschäftsfrauen und eine anderweitige Beteiligung von Frauen in den meisten Lebensbereichen. Aber dennoch sind diese Rollenbilder noch aktiv und wirken sich entsprechend aus.

 

Das Ideal der bürgerlichen Dame

Bereits des häufigeren tauchte hier in den Kommentaren, gerade bei Leser Peter und Nick, das  Ideal der bürgerlichen Dame auf. Zeit das Konzept einmal etwas näher zu betrachten:

Ein wesentliches Element ist dabei wohl die Religion:

Die tiefempfundene moralische Verantwortung, die dem Wesleyanismus und evangelikalen Bestrebungen innerhalb der Religionsgemeinschaften entsprang, war das beständigste Merkmal des Viktorianischen Zeitalters. (…)

Vor allem Angehörige der Mittelschicht suchten sich von der unzivilisierten Unterschicht und den Ausschweifungen des Adels abzugrenzen, indem sie häufig in der Bibel lasen, den Sonntag heiligten und in der Familie gemeinsam beteten, was noch im 18. Jahrhundert unüblich war. Predigtbücher waren Verkaufsschlager. Als schändlich galten unter anderem Glücksspiele und Alkohol. Abweichungen von den Moralvorstellungen, etwa Scheidungen, führten oftmals zum öffentlichen Skandal und zur sozialen Isolation. Die intrinsische Sündhaftigkeit des Lebens wurde mit Sparsamkeit, harter Arbeit, Anständigkeit und „guten Taten“ aufzuwiegen versucht – entweder, um am Jüngsten Gericht milder beurteilt zu werden, oder weil sozialer Aufstieg ein Indiz für göttliche Belohnung zu sein schien. Zudem wirkte die Rechtschaffenheit der Krone als Vorbild. Es gibt Hinweise darauf, dass gegen Ende des Jahrhunderts die Frömmigkeit der Massen kaum abnahm, obwohl das Familiengebet sowie der Gang zur Kirche seltener wurde und kirchliche Berufe an Beliebtheit verloren.

Eine Herausforderung für die Religion stellten die Erkenntnisse der Wissenschaft dar, insbesondere die sich durchsetzenden Lehrsätze von Charles Darwin.

Die Auswirkungen gerade in Bezug auf Frauen und die Sexualität waren wie folgt:

Die Autorin von populären Frauenratgebern Sarah Stickney Ellis formulierte 1839 das bürgerliche Ideal der Ehefrau als ein hochmoralisches und geistig reines Wesen, das einen heimlichen, aber bedeutsamen Einfluss auf ihren in einer „getrennten Sphäre“ lebenden Gatten ausübt. Wie viele andere Autoren sah sie das Lebensziel der Frau darin, zu heiraten, Kinder zu gebären und sie aufopfernd großzuziehen. Da Arbeit außerhalb des Haushalts als verwerflich galt, hatten Frauen der Mittelschicht meist keine andere Wahl, als diesen Weg anzustreben. 1851 waren nur 7 % aller Frauen der Mittelschicht erwerbstätig.[16]

Gesetzlich waren verheiratete Frauen ihren Ehemännern fast völlig unterworfen, insbesondere hatten sie kein Recht auf Eigentum. Ab den 1830er Jahren gab es Bestrebungen, die sich gegen diese Verhältnisse wandten. Caroline Norton und Josephine Rochester spielten eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung des Sorgerechts 1839. Zusammen mit Barbara Bodichon setzten sie sich mit ihren Schriften für eine Stärkung der Frauenrechte bei Scheidung ein, was 1857 in einem entsprechenden Gesetz gipfelte (1873 und 1878 erweitert). Das Gesetz von 1870, das Frauen ein gewisses Eigentum nach der Ehe zusprach, entstand ebenfalls unter dem Einsatz einer Vereinigung von Frauenrechtlerinnen. Erst 1882 erwarben Frauen das Recht auf sowohl vor als auch nach der Ehe erworbenes Eigentum, nachdem ein Gesetzesentwurf von 1857 gescheitert war. 1869 erlangten Frauen das eingeschränkte Wahlrecht bei Gemeindewahlen, das sie bis 1835 hatten, wieder.

Ein weiterer Gesetzesentwurf von 1870 über allgemeines Frauenwahlrecht, für das John Stuart Mill ein Jahr zuvor mit utilitaristischen Prinzipien argumentiert hatte, wurde von Gladstone abgelehnt. Eine militante Frauenrechtsbewegung kam gegen Ende des Jahrhunderts unter Emmeline Pankhurst auf. Als Beispiel für viktorianische Doppelmoral wird oft die ausufernde Prostitution genannt, die scheinbar der oftmals gepriesenen Selbstbeherrschung und ehelichen Treue widerspricht. Tatsächlich tendierten viele Männer des Mittelstands dazu, die Heirat bis zum Aufbau einer gewissen finanziellen Sicherheit aufzuschieben und Zuflucht bei Prostituierten – deren tatsächliche Gesamtzahl schwer zu ermitteln ist – zu suchen. Umgekehrt erschien die Prostitution vielen Frauen, hauptsächlich aus der Unterschicht, als Möglichkeit zur Aufbesserung des Einkommens. Nach zahlreichen Fällen von Geschlechtskrankheiten im Militär wurden in den 1860er Jahren die Contagious Diseases Acts verabschiedet, die ärztliche Zwangsuntersuchungen bei mutmaßlichen Prostituierten, nicht aber bei Soldaten anordneten. Dies schien legitim, da „gefallene Mädchen“ als bereits verdorben galten. Unter Josephine Butler formierte sich organisierter Widerstand, der das Thema in der Öffentlichkeit politisierte und letztendlich zur Aufhebung der Gesetze 1886 führte. 1885 wurde ein Gesetz verabschiedet, das das Schutzalter anhob, höhere Strafen für Bordellbesitzer festlegte und homosexuelle Handlungen kriminalisierte. Bemühungen gab es auch um verbesserte Frauenbildung. Barbara Bodichon und Emily Davies gründeten 1869 das erste Frauencollege Großbritanniens mit Wohnheim, das spätere Girton College. Die University of London war die erste, die Frauen unter gleichen Bedingungen wie männliche Studenten aufnahm, und ermöglichte ihnen ab 1878 den Erwerb akademischer Grade. Die Bildungsreform von 1870 eröffnete Frauen neue Berufsmöglichkeiten im Schulwesen. Florence Nightingale trug zur Emanzipation der Frauen in der Krankenpflege bei. Einige Ärztinnen, etwa Elizabeth Blackwell, erwarben ihre Qualifikationen im Ausland und mussten sich gegen den Widerstand ihrer männlichen Berufskollegen durchsetzen. Weitere Berufe öffneten sich den Frauen besonders in der Telekommunikation, der Post und der Eisenbahn, die gegen Ende des Jahrhunderts das Dienstmädchen und die Fabrikarbeiterin als gewöhnliche Beschäftigung für Frauen der Unterschicht abzulösen begannen. Kindermädchen waren nach wie vor gefragt, da wohlhabendere Frauen zunehmend von einem rein häuslichen Leben Abstand nehmen wollten. Das Konzept der Sexualität selbst entstand im 19. Jahrhundert und wurde von Wissenschaft, Kriminalistik und Justiz aufgegriffen; in den 1890er Jahren leisteten Havelock Ellis und andere wichtige Beiträge zur Sexualforschung. Sexualität wurde kategorisiert, so etwa entstand der Begriff des „Homosexuellen“.

Sex galt als tierisch-primitive Verhaltensweise, die kontrolliert werden und mit der sparsam umgegangen werden musste, da andernfalls die Karriere des Einzelnen oder gar die gesamte Wirtschaft leiden könnte. Diese Betrachtungsweise lässt sich auf den Evangelikalismus zurückführen, der in seiner extremen Form jegliches Vergnügen als unmoralisch betrachtete. Dank der Erschließung neuer, das Privatleben betreffender Textquellen in Archiven stellt sich jedoch heute das Sexualleben der Viktorianer differenzierter dar, als die gängige Meinung nahelegt.[17]

Und hier noch etwas aus den Kommentaren:

Nick:

Allerdings haben, nach meiner Kenntnis, die Adelsdamen der Renaissance (ebenso wie die entsprechenden Herren) es ziemlich doll getrieben.

Das aufkommende Bürgertum legitimierte sich imho vor allem durch moralische Überlegenheit, wobei der Bürgersdame eine besondere Rolle zukam: Aus der sexuellen “Tugendhaftigkeit” der “richtigen Frau” wurde insgesamt eine der Weiblichkeit angeblich innewohnende höhere Tugendhaftigkeit abgeleitet.

Die bürgerliche Männlichkeit unterwarf sich andächtig der sakralisierten weiblichen “Tugenhaftigkeit”, war also in gewisser weise “geläutert” und konnte sich deshalb moralisch gleichzeitig sowohl vom Plebs als auch vom Adel moralisch – und damit sozial – abgrenzen.

Selbstverständlich kam das auch der bürgerlichen Weiblichkeit zugute, die wiederum ihren gesellschaftlichen Führungsanspruch dadurch reklamierte dass sie Wohltätig agierte und der Unterschichtweiblichkeit zeigte, was wahre Weiblichkeit ist.

Der real existierende Feminismus ist, denke ich, bis zum Hals in diese Tradition verstrickt. Er ist mitnichten etwas neues. Für Profeminismus und “neue Männlichkeit” gilt das Gleiche.

Peter:

In der bürgerlichen Vorstellung ist die Frau stets ein passives Wesen, von dem somit auch keine konkrete Gefahr ausgehen kann, denn nur der Mann schreitet zur Tat. Genau deshalb wird Solanas Schmierschrift als Satire verklärt, während die neonazistischen Pamphlete als das gelesen werden was sie sind, Hetzschriften nämlich, die, falls die politischen Umstände es erlauben, eine echte Gefahr darstellen.

In der bürgerlichen Vorstellung gab es zwei Kategorien von Frauen – die Huren und die Heilige. Im feministischen Frauenbild sind auch die Huren heilig.

Peter:

Die Pathologisierung der männlichen Sexualität ist eine Konstante des Feminismus in all seinen Ausformungen. Ist im feministischen Diskurs – und der Diskurs in den Massenmedien ist fast ausschliesslich ein feministischer – vom Mann und seiner Männlichkeit die Rede, so ist Vergewaltigung und Pädophilie stets Bestandteil der diffamierenden Charakterisierung des Mannes.

Seit 40 Jahren wird wird “Männlichkeit” diffamiert, verhöhnt, dekonstruiert. Dekonstruktion im feministischen Sinne, in diesem Kontext heisst, jedes positive männliche Selbstverständnis zu zerstören. Ist dieses teilweise gelungen, wird höhnisch von der “Krise der Kerle”, der “Krise der Männer”, dem “Auslaufmodell Mann” schwadroniert. Ist die Identität zertrümmert, so die menschenverachtende Theorie des Feminismus, kann dem Mann sein “neues Rollenbild”, seine “neue Männlichkeit” übergestülpt werden.

Die neue Männlichkeit aber richtet sich nicht nach den Bedürfnissen des Mannes, sondern orientiert sich an seinem Nutzen, den er für andere generiert, insbesondere für die bürgerliche Frau, die unemanzipiert, wie sie ist, ihr geschütztes Refugium von “Heim und Herd” in den ausserhäuslichen Bereich transformiert sehen will. Der Mann ist und bleibt das Objekt, dessen Wert sich einzig und allein an seinem ökonomischen Nutzwert, an seiner ökonomischen Verwertbarkeit misst.

Die menschenverachtende Logik zeigt sich hier – ausser für den konformistischen, opportunistischen Gummihals – überdeutlich. Das ideologische Grundgerüst des Feminismus pathologisiert ein natürliches sexuelles Bedürfnis. Gemäss feministischer Theorie kontrollierte und unterdrückte das Patriarchat die Frau, indem der Mann u.a die Sexualität der Frau einschränkte und seiner Kontrolle unterwarf. Was liegt da näher als der Gedanke, den Mann mittels der Kontrolle über seine Sexualität zu beherrschen und zu kontrollieren, indem seine Sexualität pathologisiert wird. Nur bornierte, PSEUDOLINKE Ignoranten vermögen nicht zu erkennen, welch faschistischer Geist dem Feminismus eigen ist.

Dieses Ideal scheint mir eine kulturelle Ausformung eines bestimmten Verhaltens zu sein, dass eher die Langzeitstrategien betont und die Triebe, die ja meist auf Kurzzeitstrategien abzielen. in den Griff zu bekommen versuchen. Damit kann man ein statushohes Verhalten betreiben, da gerade die Langzeitstrategie meist die vernünftigere ist und nur von jemanden mit langfristigen Perspektiven umsetzen kann.