Körper-Geist-Problem (Philosophie des Geistes)

Das Körper-Geist-Problem ist in der Wikipedia wie folgt beschrieben:

Der Kern der Philosophie des Geistes ist das Leib-Seele-Problem, das manchmal auch „Körper-Geist-Problem“ genannt wird. Es besteht in der Frage, wie sich die mentalen Zustände (oder der Geist, das Bewusstsein, das Psychische, die Seele) zu den physischen Zuständen (oder dem Körper, dem Gehirn, dem Materiellen, dem Leib) verhalten. Handelt es sich hier um zwei verschiedene Substanzen? Oder sind das Mentale und das Physische letztlich eins? Dies sind die zentralen Fragen der Philosophie des Geistes. Jede Antwort wirft jedoch zahlreiche neue Fragen auf. Etwa: Sind wir in unserem Denken und Wollen frei? Könnten Computer auch einen Geist haben? Kann der Geist auch ohne den Körper existieren? Die Philosophie des Geistes ist daher mittlerweile ein enorm differenziertes Projekt. Bereits Platon hat dies in seinem DialogPhilebos (30a) thematisiert: „Sokrates: Unser Leib, wollen wir nicht sagen, der habe eine Seele? Protarchos: Offenbar wollen wir das. Sokrates: Woher aber, o lieber Protarchos, sollte er sie erhalten haben, wenn nicht auch des Ganzen Leib beseelt wäre, dasselbe habend wie er und noch in jeder Hinsicht trefflicher?“

Mit leuchtet das tatsächliche Problem dahinter aber nicht wirklich ein. Ich kann verstehen, dass Sokrates und Co das Problem beschäftigt, gerade weil es auch schnell einen religiösen Bezug hat. In heutiger Zeit leuchtet es mir aber nicht wirklich ein.

Wenn man immer kompliziertere Computer mit immer höherer Rechenkraft kennt, dann ist einem zumindest klar, dass auch vollkommen unbelebte Materie mit der Hilfe von bestimmten Regeln bestimmte Probleme lösen kann. Das muss man sich letztendlich nur komplizierter und ausgereifter vorstellen.

Wir sehen ja auch die langsamen Übergänge der „Biocomputer“ von Quallen, die auf Lichteinfall eine bestimmte Bewegung durchführen, über Insekten mit recht einfachen Entscheidungsmöglichkeiten bis hin zu den intelligenteren Tieren, und schließlich über die Primaten zu uns. Dabei ist unser Gehirn genauso aufgebaut wie ein sonstiges Primatengehirn, wir haben keinen Bereich, der sich wesentlich in der grundlegenden Funktion unterscheidet, sie sind insoweit lediglich ausgebauter.

Und unser Gehirn ist unglaublich leistungsfähig und die Evolutionhatte ein paar Milliarden Jahre Zeit an der passenden Software zu schreiben.

Die Vorstellung eines „Chinesischen Raums“ geht insofern an der Sache vorbei: Wir haben es eben nicht mit einer solch simplen Befolgung von Regeln zu tun, sondern einem hoch komplexen Rechenzentrum, dass assoziative Verbindungen herstellen kann und Regeln daraus herleiten kann.

Insofern ist es aus meiner Sicht klar, dass mentale Zustände auch immer materielle Zustände sind, aber eben eingeordnet in eine komplexe „biologische Software“, die auf abgespeicherte Erfahrungen und (vermeintlich) erkannte Regeln zurückgreift.

Insofern wäre Bewußtsein nur eine Illusion, aus meiner Sicht so etwas wie eine Benutzeroberfläche, auf der bestimmte Rechenoperationen dargestellt werden, wobei wir teilweise deren Limitierungen nicht mitbekommen.

Hier scheint mir teilweise auch einfach ein „Argument aus Nichtwissen“ mit hereinzuspielen: „Weil wir das Gehirn und seine genaue Arbeitsweise noch nicht verstehen, lassen sich mentale Zustände Gehirnzustände oder funktionale Zustände zurückführen“. Dabei kann es auch schlicht auf eine Weise funktionieren, die wir noch nicht verstehen bzw. wir stellen uns ein falsches Bild davon vor, was wir eigentlich für ein Bewußtsein, den Geist oder die Seele halten.

Im Wikipediaartikel heißt es dann zu einer der dort vertretenen Theorien:

Daraus ergibt sich die Frage, ob es einen nichtreduktiven Materialismus geben kann (…) Oft wird die Idee mit dem Begriff der Supervenienz formuliert: Mentale Zustände supervenieren über physischen Zuständen, sind aber nicht auf sie zurückführbar. „Supervenieren“ beschreibt dabei eine Abhängigkeitsbeziehung: Das Mentale kann sich nicht verändern, ohne dass sich das Physische verändert.

Das scheint mir die Vorstellung zu sein, dass sich der Computer ändern muss, wenn ein neuer Software-Programmteil aufgerufen wird. Warum man das dann nicht über die Aktivierung von bestimmten neuronalen Netzwerken und dem Abrufen bestimmter assoziativer Vorgänge einordnen kann und daraus etwas so besonderes macht verstehe ich wiederum nicht. Sicherlich verändert sich auch das Gehirn mit jedem Denken und jedem lernen. Eben indem Informationen abgespeichert und neue Verbindungen in bestimmten Bereichen hergestellt werden. Aber das scheint ja nicht wirklich gemeint zu sein.

Was sich mir ebenfalls nicht erschließt ist, was diese Theorien in der praktischen Anwendung bedeuten sollen. Wenn also das Mentale das Psychische verändert, zu was führt das? Eine absolute Plastizität des Gehirns? Dazu, dass es keine biologisch festen Regeln geben kann? Zu einer Anfälligkeit für Sozialkonstruktivismus?

Auch Supervenienz scheint mir da wenig praktische Anhaltspunkte zu geben, etwa in welchem Umfang was verändert werden kann oder wie diese Veränderung von statten geht. Es bleibt für mich ein sehr abstraktes Konzept, aus dem man erst einmal nichts herleiten kann.

Vielleicht kann es mir aber jemand erklären

Konstruktivismus, Frames und objektive und subjektive Wahrheiten

Im Konstruktivismus geht es laut Wikipedia um das Folgende:

Konstruktivismus nennen sich mehrere Strömungen in der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Aufgrund des gemeinsamen Namens werden sie oft irrtümlich für übereinstimmend gehalten. Die meisten Varianten des Konstruktivismus gehen davon aus, dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert wird. In der Fachsprache der Philosophie ausgedrückt, nehmen sie damit eine nominalistische Position zum Universalienproblem ein.

Während im Radikalen Konstruktivismus die menschliche Fähigkeit, objektive Realität zu erkennen, mit der Begründung bestritten wird, dass jeder Einzelne sich seine Wirklichkeit im eigenen Kopf „konstruiert“, glauben Anhänger des Erlanger Konstruktivismus an eine gemeinsame Konstruktionsweise: dass es mit Hilfe einer besonderen Sprach- und Wissenschaftsmethodik möglich sei, „das naive Vorfinden der Welt“ zu überwinden und durch „methodische Erkenntnis- und Wissenschafts-Konstruktion“ zu ersetzen.

Wesentliche Übereinstimmungen sind:

Bei aller Unterschiedlichkeit der disziplinären Herkunft einzelner Ansätze können folgende Gemeinsamkeiten festgehalten werden:[1]

  • Im Zentrum stehen nicht ontologische WAS-Fragen, sondern epistemologische WIE-Fragen, d. h. es geht im Kern nicht um das Wesen der Dinge, sondern um den Prozess und die Entstehung ihrer Erkenntnis.
  • Maßgeblich ist die Orientierung am Beobachter bzw. an der erkennenden Instanz und nicht an der beobachterunabhängigen „Realität“.
  • Abschied von der Vorstellung einer absoluten Wahrheit und einer empirischen Objektivität, weil der Beobachter nicht als unabhängig von der Erkenntnis angesehen werden kann.
  • Interesse an der Differenz und Pluralität von möglichen bzw. wirksamen Wirklichkeitsauffassungen.
  • Autonomie des Beobachters aufgrund der Selbstregelung, -steuerung bzw. -organisation der erkennenden Instanz.
  • Erkenntniswert von zirkulären und paradoxen Denkfiguren im Zusammenhang mit dem Phänomen der Rekursion.

Es lässt sich also zusammenfassend sagen, dass der Konstruktivismus die Erschaffung eigener Realitäten, Dimensionen oder sogar Fähigkeiten behandelt, die durch das eigene Erkennen oder den Glauben an diese Realitäten, Dimensionen oder Fähigkeiten erst entstehen. Dadurch nimmt jeder Mensch die Welt anders wahr, da das menschliche Unterbewusstsein Dinge hervorhebt oder sogar neu in das Sichtfeld einfügt, die ihm als wichtig erscheinen. So kann der Mensch seiner eigenen Wahrnehmung theoretisch gesehen nicht trauen, da diese immer in geringem Maße verzerrt ist, da auch jede Person von verschiedenen Menschen verschieden wahrgenommen wird.

Der Genderfeminismus ist eine solcher (radikaler) Konstruktivismus. In diesem gibt es keine Realitäten, sondern alles ist konstruiert, weswegen auch Biologie, die eben solche Realitäten vorgibt, auch mit diesen (radikalen) Theorien nicht in Übereinstummung zu bringen ist.

Vom Konstruktivismus abzugrenzen ist aus meiner Sicht die Frage, wie wir bestimmte Situationen bewerten können, bei denen man nur eine unvollständige Informationslage hat und teilweise auch nur haben kann.

Hier kann es aus meiner Sicht so etwas wie „subjektive Wahrheiten“ geben. Es gibt zwar eine objektive Wahrheit, die jedoch für die Personen nicht zu ermitteln ist

Dieses Nichtwissen wird von unserem Gehirn gerne durch aus dessen Sicht naheliegende mögliche Kausalketten geschlossen. Wie die jeweiligen Fakten interpretiert werden kann dabei stark davon abhängen, welchen Frame man anlegt, mit welcher Grundhaltung man also an die Sache herangeht.

Dazu ein Beispiel:

Weil radikale Feministinnen jede Handlung von Männern in den Kontext Unterdrückung einordnen, sehen sie auch viel mehr Unterdrückung. Das diese nicht in dem Ausmaß da ist, bedeutet nicht, dass das Verhalten der Männer immer richtig ist, es kann sein, dass sie Handlungen eine falsche Motivation zuordnen, ihnen die negativen Beispiele stärker auffallen oder die Sachzusammenhänge falsch deuten.
Beispielsweise kann man ein männliches Auftreten als etwas sehen, was Rollen festlegt und die Frau unterdrückt oder als etwas, was von den Frauen stark nachgefragt wird. Dann fällt der Unterdrücker aber eben raus. Das Verhalten an sich kann trotzdem gut oder schlecht sein.

Konstruktivismus wäre die These, dass das Verhalten von Männern und Frauen auf einer Unterdrückung der Männer durch die Frauen beruht und bei einer Umgestaltung dieser sich das Verhalten ändern würde.

Die reine Frage, wie man etwas wahrnimmt, ist insoweit noch kein Konstruktivismus. Sie ist eine Folge unseres Gehirns, das eben mit zahlreichen Fehlern ausgestattet ist und Ereignisse nicht unbedingt wahrheitsgetreu wie eine Kamera aufnimmt, sondern filtert und interpretiert und dann teilweise auch in dieser bereits modifizierten Version abspeichert.

 

Hier kann also etwas entstehen, was für den anderen subjektiv richtig ist, aber eigentlich Falsch ist.

Insofern kann die eigene Wahrnehmung und insbesondere die Interpretation von Fakten sehr trügerisch sein. Was auch einer der Gründe dafür ist, dass entsprechende Menschen mit einem sehr starken Frame überall Unterdrückung sehen

Unterschiede im Gehirn von Männern und Frauen: Warum sie in Bedeutung haben

Ein Artikel In Nature Review Neuroscience stellt dar, warum das Geschlecht wichtig ist für die Neurowissenschaften:

Abstract | A rapidly burgeoning literature documents copious sex influences on brain  anatomy, chemistry and function. This article highlights some of the more intriguing recent discoveries and their implications. Consideration of the effects of sex can help to explain seemingly contradictory findings. Research into sex influences is mandatory to fully understand a host of brain disorders with sex differences in their incidence and/or nature. The striking quantity and diversity of sex-related influences on brain function indicate that the still widespread assumption that sex influences are negligible cannot be justified, and probably retards progress in our field.

Quelle: Why Sex matters for Neuroscience (PDF)

In dem Artikel finden sich einige interessante Punkte. Zunächst erfolgt eine Darstellung von typischen Mißverständnissen:

To best appreciate the evidence for sex influences on the brain, it is helpful to first consider some common misconceptions about the topic. Although not often
stated in print, investigators commonly encounter these misconceptions in their neuroscience colleagues.

The first misconception is that sex influences are small and unreliable. Although there is some evidence for, and some against, this view when purely behavioural studies are considered, there is no evidence to support it regarding sex differences in the brain3. No evidence of which I am aware suggests that the average effect size in the domain of sex influences on brain function differs from the average effect size found in other domains of neuroscience3.

Also durchaus deutlichere Unterschiede. Es zeigen sich vielmehr auch die ansonsten bestehenden durchschnitteln Effektstärken aus anderen Bereichen.

A second, and related, misconception holds that average differences between the sexes result from a few extreme cases in a distribution. Again, I know of no
evidence to support this general conclusion.

Das Argument, dass einige Ausreißer dazu führen, dass Geschlechterunterschiede angenommen werden, würde im Umkehrschluss bedeuten, dass ansonsten die Geschlechter relativ gleich wären. Auch dies ist aber nach dem Artikel nicht der Fall.

A third, also related, misconception holds that the differences within a sex are much more substantial than those between the sexes, the implication being that sex influences can therefore be dismissed as trivial. It is ironic that this view is advanced so often by scientists who use the statistical analyses (for example, ANOVA) that reveal sex influences and that specifically compare within versus between group variance to detect significant differences.

Das dieses Argument in der Tat wenig Aussagekraft hat, dass hatte ich hier auch schon ausgeführt.

A fourth widespread misconception is that all sex differences, once established, can be completely explained by the action of sex hormones, typically oestrogen. The unstated assumption underlying this view is that male and female brains are identical except for fluctuating (and unnecessarily complicating) sex hormone influences. Sex hormones are crucial for many sex differences (BOX 1), but, equally, cannot explain all observed sex differences. For example, a recent study reported several sex differences in cocaine-seeking behaviour in rats and, in addition, found that these differences were unaffected by oestrus state7. The view that circulating sex hormones in adult animals fully account for all sex differences in the brain also ignores the pronounced organizational effects of these hormones on brain development, as well as rapidly growing evidence for genetic mechanisms that induce sex differences in the brain independently of hormone action (reviewed in REFS 8,9).

Das Mißverständnis wäre also, dass die Unterschiede im Gehirn nur auf die gerade zirkulierenden Effekte von Hormonen zurückzuführen sind, während tatsächlich diese einen Teil der Effekte ausmachen, insbesondere aber auch pränatale Hormone erhebliche Veränderungen hervorrufen und auch genetische Einflüsse bestehen

A final misconception holds that if no sex difference exists in a particular behaviour, it can be assumed that the neural substrates underlying that behaviour are identical for both sexes. However, numerous studies report sex differences in neural activity despite no behavioural difference between the sexes. For example, Piefke and colleagues10 examined the neural correlates of retrieval of emotional, autobiographical memories in men and women. Memory performance did not differ between the sexes, nor did the degree of emotion induced by retrieval. However, brain regions associated with retrieval in the two sexes differed significantly. As a second example, Grabowski et al. examined the neural correlates of naming images11. Men and women performed the task equally well, but the patterns of brain activity associated with their performance differed significantly. Findings such as these indicate that isomorphic performance between the sexes does not necessitate isomorphic neural mechanisms. Indeed, as De Vries12 has effectively argued, neural sex differences can, in some cases, create behavioural sex differences, but might, in other cases, prevent them (when, for instance, they would be maladaptive) by compensating for sex differences in other physiological conditions, such as sex hormone levels.

Ein interessanter Punkt. Auch bei gleichem Verhalten kann also die nurologische Grundlage dieses Verhaltens anders ausgeprägt sein. Das macht insofern Sinn, weil bestimmte Verhalten auch für Männer und Frauen in bestimmten Situationen gleich vorteilhaft sind bzw. es nur eine sinnvolle Lösung gibt. Der Teufel kann dann eben im Detail stecken oder dann zum tragen kommen, wenn bestimmte Situationen vorliegen oder höhere Anforderungen gestellt werden.

Functional and structural dimorphisms Sex differences exist in every brain lobe, including in many ‘cognitive’ regions such as the hippocampus, amygdala and neocortex13 (FIG. 1). Sex differences can also be relatively global in nature. For example, widespread areas of the cortical mantle are significantly thicker in women than in men14. Ratios of grey to white matter also differ significantly between the sexes in diverse regions of the human cortex15. In many cases, the differences are not evident in overt anatomical structure, but in some type of functional dimension (hence the distinction above between ‘functional’ and ‘structural’ dimorphisms). For example, a region may differ between the sexes in aspects of its neurotransmitter function, or in its genetic or metabolic response to experience. Furthermore, new methodological approaches — from gene modification in mice to voxel-based morphometry analyses of human imaging data — are revealing previously undetected sexual dimorphisms16–18. It seems that the sexual dimorphisms uncovered so far, abundant as they may be, represent only a fraction of the sexual dimorphisms that are likely to exist in the brain.

Es liegen also in allen Bereichen des Gehirns Unterschiede vor. Dabei muss dies nicht nur in der Struktur geschehen, sondern kann auch in der Funktion deutlich werden. Der Forscher geht dabei davon aus, dass eher der kleinere Teil dieser Unterschiede bisher bekannt ist.

The hippocampus. One region that is evidently sexually dimorphic in its structure and function is the hippocampus, a region perhaps most associated with learning and memory. Extensive evidence demonstrates that male and female hippocampi differ significantly in their anatomical structure, their neurochemical make-up and their reactivity to stressful situations19. Imaging studies consistently show, for example, that the hippocampus is larger in women than in men when adjusted for total brain size20.

Der Hippodampus wird immer wieder gerne auch in der „feministischen Biologie“, also etwa von Cordelia Fine etc erwähnt, weil die Frage, wie er genau zu vermessen ist, schwierig zu beantworten ist und das Ergebnis, dass es hier Geschlechterunterschiede gibt, immer wieder in Zweifel gezogen worden ist. Hieran wird oft exemplarisch angeführt, dass das dann auf die gesamte Gehirnforschung zu übertragen ist, auch wenn andere Gehirnunterschiede wesentlich deutlicher sind

In dem Artikel werden dann auch weitere Unterschiede in der Funktion aufgelistet, die zumindest in Tierstudien festgestellt worden sind. Hier steht wohl weitere Forschung beim Menschen aus.

The amygdala. The medial nucleus of the amygdala has long been known to be sexually dimorphic, a fact that is easily accepted given its role in reproductive behaviour33. However, it is now clear that sexual dimorphism encompasses most, if not all, of the amygdaloid nuclei (…)

Die Amygdala findet hingegen eine weitaus geringere Beachtung in der „feministischen Biologie“. Hier sind die Unterschiede eben recht deutlich

A rapidly growing body of evidence also documents the sexually dimorphic nature of the human amygdala35,36. For example, it is significantly larger in men
than in women (adjusted for total brain size)20. Sex differences also exist in its structural relationship with the rest of the brain. In a study of a large sample of men and women, the patterns of covariance in the size of many brain structures were ‘remarkably consistent’ between men and women, with one exception — the amygdala (in particular, the left hemisphere amygdala), which showed several marked sex differences18.

Several studies now report sex influences on amygdala function, including in the context of its well-known role in memory for emotional events. (…)

Another, more recent study44 used fMRI to examine amygdala responses to fearful faces in men and women. (…)

There are also intriguing parallels between this functional lateralization of amygdala function in healthy individuals and amygdala dysfunction in certain disease
states. For example, women with Turner syndrome (who lack an X chromosome) show reduced responsiveness of the left hemisphere amygdala to emotional material46, whereas mainly female samples of patients with depression show heightened left hemisphere amygdala activity47, as do women with irritable bowel syndrome48.
In summary, the available evidence indicates that studies of amygdala function risk conclusions that are incomplete at best, and wrong at worst, if they fail to address potential influences of both sex and hemisphere

Es zeigen sich hier also deutliche Unterschiede sowohl in Struktur als auch Funktion und dies auch gerade in dem Bereich Emotionen.

Im Ganzen zeigt der Artikel, dass die Gehirne von Männern und Frauen erhebliche Unterschiede aufweisen und weitere Entdeckungen dieser Art zu erwarten sind. Das Gehirn von Männern und Frauen unterscheidet sich dabei auf vielen Ebenen, die nicht nur die reine Form betreffen.

Theorie des Geistes: Identitätstheorie vs. Funktionalismus

Neuer Peter schrieb dazu, was Elmar wohl vertritt:

Wenn ich es richtig verstehe, geht es Elmar darum, dass bestimmte geistige Phänomene nicht auf der materiellen Ebene zerebraler Strukturen erklärbar sind, mithin der Geist nicht auf seine biologische Hardware reduzierbar ist. Er geht durchaus davon aus, dass wir bestimmte Verhaltensmuster an den Tag legen, die aus unserer evolotionsbiologischen Geschichte heraus verständlich sind, dass es darüber hinaus Dinge in unserer Wahrnehmungswelt gibt, die eben nur aus der Logik eines geistigen Wesens heraus verständlich sind.

Bestimmte narrative Stukturen, die als Handlungsmotivation fungieren, sind eben nur aus der Perspektive eines Wesens voll verständlich, das diese Narrative kennt und versteht. Auf der rein materiellen Ebene hingegen gibt es nichts zu verstehen und eine Erklärung der entsprechenden Handlungen muss deshalb unvollständig bleiben.

Die Biologie wäre demnach durchaus in der Lage, einigermaßen genaue Vorhersagen über Handlungstendenzen einer großen Zahl von Individuen zu machen, da die Handlungsgründe eines Individuums aber nur auf einer anderen Ebene verständlich sind, die sich nicht auf die Ebene der Biologie reduzieren lässt, muss sie bei der Erklärung von individuellem Verhalten an ihre Grenzen stoßen.

Elmar ergänzt:

“Wenn ich es richtig verstehe, geht es Elmar darum, dass bestimmte geistige Phänomene nicht auf der materiellen Ebene zerebraler Strukturen erklärbar sind, mithin der Geist nicht auf seine biologische Hardware reduzierbar ist.”

Ja. Bitte die systematischen Probleme der Identitätstheorie, des Funktionialismus und des Reduktionismus in der Philosphie des Geistes nachlesen: Hillary Putnam, Jerry  Fodor, die Churchlands, Daniel Denett, Jaegewon Kim, Richard Rorty und andere. Steht in jedem Lexikon.

Mal sehen, was sich da so ergibt:

1. Identitätstheorie

Aus der Wikipedia:

Die Identitätstheorie wurde in den 1950er Jahren von Ullin Place und John Smart formuliert. Die beiden Philosophen gingen von zwei Annahmen aus:

1) Der philosophische Behaviorismus, der mentale Begriffe vollständig durch (bedeutungsgleiche) physikalistische Begriffe zu ersetzen versuchte, ist unvollständig. Nicht alle mentalen Ausdrücke können in physikalistischer Sprache definiert werden: so können etwa Empfindungen (wie Farbwahrnehmungen oder Schmerzen) offenbar nicht vollständig als Verhaltensdispositionen analysiert werden.

2) Der Dualismus von Geistigem und Körperlichem ist falsch – aus der Unvollständigkeit des philosophischen Behaviorismus muss nicht auf das Scheitern des Materialismus geschlossen werden.

Place und Smart stellen dagegen die These auf, dass Bewusstsein bzw. mentale Zustände wie Empfindungen mit Gehirnzuständen identisch sind. Diese Identität sei mithin keine Frage der Bedeutung mentaler Ausdrücke, wie es im philosophischen Behaviorismus angenommen wurde, sondern einfach eine empirische Entdeckung.

Die systematische Entwicklung der Identitätstheorie ist eine Leistung des 20. Jahrhunderts. Schon vor Smart und Place wurde sie im Umfeld des Wiener Kreises diskutiert, sie wurde von Moritz Schlick erdacht und im Verlauf der 1950er Jahre vor allem von Feigl fortgeführt und präzisiert.

Nachdem sich der philosophische Behaviorismus im Laufe der 1950er und 1960er Jahre als praktisch und theoretisch undurchführbar erwiesen hatte, wurde die Identitätstheorie im Anschluss an Place und Smart über den engeren Bereich des Bewusstseins und der Empfindungen hinaus auch auf den Bereich propositionaler Einstellungen ausgedehnt. Heute wird die Identitätstheorie meistens mit der These verbunden, dass alle mentalen Zustände identisch mit Gehirnzuständen sind.

Die Identitätstheorie kann mit Hilfe einfacher Beispiele erläutert werden – etwa der Identität von Wasser und H2O. Wenn wir feststellen, dass Wasser mit H2O identisch ist, so haben wir das Phänomen „Wasser“ wissenschaftlich erklärt. Analog dazu: Wenn wir festgestellt haben, dass ein mentaler Zustand mit einem Gehirnzustand identisch ist, so haben wir das Phänomen „mentaler Zustand“ wissenschaftlich erklärt. Zu beachten ist, dass Wasser eine andere Bedeutung hat als H2O. Zur Bedeutung von H2O gehört etwa, ein Molekül zu sein. Zur Bedeutung von Wasser gehört das nicht. Trotzdem könnte man sagen, dass Wasser mit H2O identisch ist. Zwei Entitäten können identisch sein, ohne dass sie bedeutungsgleich sind. Analog dazu: Ausdrücke für mentale Zustände und Ausdrücke für Gehirnzustände haben unterschiedliche Bedeutungen, können aber dennoch auf dasselbe Phänomen verweisen und somit Identisches bezeichnen. Dies ermöglicht eine materialistische Position jenseits des philosophischen Behaviorismus.

Die Identitätstheorie wurde für kurze Zeit die wichtigste Position in der analytischen Philosophie des Geistes; sie hat diesen Teilbereich der Philosophie in seiner heutigen Form wesentlich geprägt. Schon Ende der 1960er Jahre wurde dieses Konzept von vielen Philosophen jedoch wieder abgelehnt.

2. Funktionalismus

Aus der Wikipedia:

Das Kernthema der Philosophie des Geistes ist das Leib-Seele-Problem. Es ergibt sich aus der Frage nach der Natur mentaler Zustände. Lassen sie sich in ein materialistisches Weltbild integrieren oder nur durch einen immateriellen Geist erklären? Der Funktionalismus vertritt die These, dass es sich bei mentalen Zuständen um funktionale Zustände handelt. Da funktionale Zustände von materiellen Systemen realisiert werden können, wird der Funktionalismus allgemein als eine materialistische Position aufgefasst. Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass der Funktionalismus zunächst eine ontologisch neutrale Position einnimmt: Es spricht prinzipiell nichts dagegen, dass auch immaterielle Systeme – wenn es denn solche gibt – funktional charakterisiert werden können.

Ein funktionaler Zustand ist dadurch definiert, dass er auf einen bestimmten Input mit einem bestimmten Output reagiert und in einen anderen funktionalen Zustand übergeht. Man kann das Konzept eines funktionalen Zustandes anhand von einfachen Beispielen erörtern. Von dem Philosophen Ned Block kommt etwa das Beispiel eines Colaautomaten: Gegeben sei ein Automat, der nach einem Einwurf von einem Euro eine Coladose ausgibt. Dabei akzeptiert er 1-Euro- und 50-Cent-Stücke. Um funktionsfähig zu sein, muss der Automat verschiedene interne Zustände besitzen. Es muss einen Zustand geben, in dem der Automat einen Euro fordert, um eine Dose auszugeben, es muss aber auch einen Zustand geben, in dem der Automat nur noch 50 Cent fordert. Man kann die funktionale Architektur eines solchen Automaten durch folgende einfache Tabelle verdeutlichen:

Aktueller Zustand Input Output Neuer Zustand
Z1 1 Cola Z1
Z1 0.50 / Z2
Z2 1 Cola, 0.50 Z1
Z2 0.50 Cola Z1

Der Automat besitzt zwei verschiedene Zustände, die jeweils auf zwei verschiedene Inputs reagieren und entweder im gleichen Zustand verbleiben können, oder in den anderen Zustand wechseln. Durch diese Tabelle sind die funktionalen Zustände definiert. Das Entscheidende an einer solchen funktionalen Charakterisierung eines Systems ist nun, dass sie unabhängig von der konkreten physischen Realisierung des Systems ist: Es ist etwa vollkommen irrelevant, ob der Automat aus Kunststoff oder Stahl gebaut ist.

Die These des Funktionalismus ist nun, dass auch mentale Zustände in einer solchen Weise definierbar sind. Wer in einem mentalen Zustand ist (etwa Kopfschmerzen hat oder denkt, dass heute Montag ist), wird auf einen bestimmten Input in bestimmter Weise reagieren und in einen anderen mentalen (funktionalen) Zustand übergehen. Dabei ist allen Funktionalisten klar, dass die Beschreibung des mentalen Innenlebens ungleich komplexer sein muss als die Beschreibung eines Colaautomaten. Das Entscheidende an dieser These ist nun, dass mit ihr auch das Verfügen über mentale Zustände unabhängig von der physischen Realisierung ist. So könnte ein Computer oder Roboter mentale Zustände haben, wenn er nur die gleichen funktionalen Zustände realisiert wie ein Lebewesen mit Bewusstsein.

3. Hillary Putman

Aus der Wikipedia:

Putnam ist einer der zentralen Theoretiker in der Philosophie des Geistes. In den sechziger Jahren entwickelte er eine Position, die unter dem Namen Funktionalismus bekannt geworden ist. Sie basierte ursprünglich auf einer Analogie vom menschlichen Bewusstsein zur Funktionsweise von Computern. Die Automatentheorie und das Konzept der Turing-Maschine lieferten die Grundlagen des Modells. Automaten lassen sich funktional beschreiben, das heißt hinsichtlich der Ursachen-Wirkungs-Beziehungen bestimmter Zustände zu anderen Zuständen, Eingaben und Ausgaben. Genau das sollte auch beim Menschen möglich sein. Mentale Zustände sollten individuiert werden durch funktionale Rollen.

Mit dem Aufstieg des Funktionalismus war ein rasanter Popularitätsverlust der Identitätstheorie verbunden. Die Identitätstheorie hatte behauptet, dass mentale Zustände und neuronale Zustände identisch seien. Putnam argumentierte dagegen, dass dies aufgrund der multiplen Realisierbarkeit von mentalen Zuständen nicht möglich sei. Damit ist gemeint, dass Wesen den gleichen mentalen Zustand haben können, obwohl sie ganz verschiedene neuronale Zustände haben. Auch hier war eine Analogie zum Computer möglich: Auf Computern mit verschiedener Hardware kann die gleiche Software laufen. Die Programme sind also multipel realisierbar. Mentale Zustände sollten entsprechend die „Software des Gehirns“ sein.

Putnam hat sich in den achtziger Jahren vom Funktionalismus abgewandt. Er war der Meinung, dass mentale Zustände weder mit neuronalen noch mit funktionalen Zuständen identisch sind. Dennoch ist Putnam kein Dualist geworden. Der Dualist meint, dass es zwei Arten von Objekten gibt: mentale und physische. Putnam dagegen meinte, dass das Leib-Seele-Problem in seiner aktuellen Form auf einer falschen Sicht der Ontologie basiere. Wenn man sich von einem metaphysischen Realismus abwendet, so verschwindet auch die Frage, womit denn nun der Geist identisch sei. Der Geist ist nicht reduzierbar. Diese Auffassung steht in Verbindung mit der von Putnam begründeten antirealistischen Theorie des Internen Realismus.

In seinem Werk „The Threefold Cord“ vertritt Putnam eine an John Langshaw Austin angelehnte Version des Naiven Realismus. Dies korrelierte mit einer Wende in der Philosophie des Geistes: So vertritt Putnam nun die Ansicht, dass das Leib-Seele-Problem auf sprachlichen Problemen und Kategorienfehlern beruhe.

Scheint also eine sehr abstrakte Betrachtung der Probleme zu sein, die sich wenig damit beschäftigt, was man biologisch-medizinisch vorgefunden hat.

4. Jerry Fondo

Aus der Wikipedia:

Die repräsentationale Theorie des Geistes

In der Phrenologie sieht Fodor einen Vorläufer seiner These der Modularität des Geistes

Fodor hat – unter Zuhilfenahme verschiedener Elemente aus der Philosophie des Geistes und den Kognitionswissenschaften – eine komplexe Theorie des Geistes entwickelt, die er selbst „repräsentational“ nennt. Ausgangspunkt dieser Theorie ist eine Analogie zum Computer: Computer haben nicht nur eine Hardwareebene, sondern auch eine Softwareebene. Obwohl die Software ontologisch abhängig ist, ist sie doch in dem Sinne unabhängig, dass man sie genau beschreiben kann, ohne ihre Implementierung zu kennen. Fodors These ist nun, dass sich Geist und Gehirn zueinander verhalten, wie Software und Hardware. Der Geist lässt sich durch die Kognitionswissenschaften auf einer abstrakten Ebene beschreiben, ohne dass dabei eine Beschreibung des Gehirns nötig wäre.

Zu Fodors repräsentationaler Theorie des Geistes gehört auch die Annahme einer Sprache des Geistes (language of thought): Der Geist arbeite mit mentalen Repräsentationen, die nach einer mentalen Syntax zu Gedanken zusammengesetzt werden. Fodor nennt die hypothetische Sprache des Geistes auch „Mentalesisch“ (mentalese).

An Fodors repräsentationaler Theorie des Geistes ist in den letzten Jahrzehnten viel Kritik geäußert worden. So wird argumentiert, dass mit dem Konnektionismus ein realistischeres Modell des Geistes entwickelt worden sei, das auf eine Trennung zwischen Software- und Hardwareebene verzichte: Künstliche neuronale Netze können kognitive Fähigkeiten simulieren, ohne dass sie explizite Repräsentationen oder eine Syntax haben. Fodor meint hingegen, dass solche Systeme charakteristische Fähigkeiten des Menschen grundsätzlich nicht simulieren könnten.

Intentionalität

Gedanken haben eine Eigenschaft, die sie in naturwissenschaftlichen Ansätzen schwer erklärbar machen: Ein Gedanke bezieht sich auf einen Sachverhalt und ist daher wahrheitswertfähig. Der Gedanke, dass Herodot ein Historiker war, bezieht sich etwa auf den Sachverhalt, dass Herodot ein Historiker war und ist wahr. In der Philosophie wird diese Eigenschaft von Gedanken „Intentionalität“ genannt. Sie erscheint als problematisch, weil gar nicht klar ist, wie sich ein neuronaler Prozess auf einen Sachverhalt beziehen kann. Folglich ist auch nicht klar, wie ein neuronaler Prozess wahr oder falsch sein kann. Neuronale Prozesse scheinen doch einfach nur nach Naturgesetzen zu „geschehen“.

Fodor versucht nun die Intentionalität – und damit Bezugnahme und Wahrheitswertfähigkeit – durch eine kausale Beziehung zu erklären. Wird ein Zustand X immer von Ys verursacht, so repräsentiert X auch Y. Damit bezieht sich X auf Y. Wird X allerdings von einem Z verursacht, das kein Y ist, so haben wir es mit einer Fehlrepräsentation zu tun und X ist falsch.

Modularität

Mit der These der Modularität des Geistes (modularity of mind) hat Fodor einen Beitrag zur konkreten kognitionswissenschaftlichen Forschung geleistet. Fodor geht von einer modularen Struktur des Geistes aus, worunter er nicht nur die Zuordnung von geistigen Fähigkeiten zu abgrenzbaren neuronalen Strukturen versteht. Vielmehr geht er davon aus, dass sich auf einer abstrakten Ebene einzelne relativ unabhängige Systeme beschreiben lassen.

Diese Systeme – die Module – sind nach Fodor durch eine Reihe von Merkmalen gekennzeichnet. Sie sollen jeweils auf einen spezifischen Input zugeschnitten sein, untereinander nicht oder wenig interagieren und nicht der bewussten Kontrolle unterstehen. Dafür sollen die Module schnell und parallel arbeiten. Fodor geht zudem davon aus, dass die Module in abgrenzbaren Regionen des Gehirns lokalisiert sind.

Fodor sieht seine Modularitätsthese auch in der Tradition der Phrenologie. Während jedoch die Phrenologie sich nicht durchsetzen konnte und zunehmend eine Pseudowissenschaft wurde, wird heute sehr erfolgreich mit der Modularitätsthese gearbeitet. So wird etwa in der Neuro- und Patholinguistik nach einzelnen Modulen gesucht. Die Annahme ist, dass Module als autonome Systeme unabhängig voneinander gestört sein können. Findet man, dass zwei Fähigkeiten a und b unabhängig voneinander ausfallen können, so kann man davon ausgehen, dass diese Fähigkeiten zum Teil auf der Arbeit von verschiedenen Modulen basieren.

Evolution

2010 veröffentlichte Fodor zusammen mit Massimo Piattelli-Palmarini das Buch What Darwin Got Wrong, in dem das Prinzip der Natürlichen Selektion als Mechanismus der Evolution in Frage gestellt wird. Mit einer Weiterentwicklung des Spandrel-Konzeptes argumentierend, kommen die Autoren zum Schluss, dass Darwins Theorie der Natürlichen Selektion „leer“ ist.[1] In der folgenden öffentlichen Debatte wurden die kontroversen Thesen besonders von Evolutionsbiologen scharf kritisiert[2], es gab aber auch positive Reaktionen.[3]

Ah ja. Jemand, der das Prinzip der natürlichen Selektion in Frage stellt. Und dann liest man zum Spandrel-Konzept „Die Argumentation ist hier, dass der Umbilicus sich nicht ursprünglich zum Zweck der Nutzung als Brutkammer entwickelt habe, sondern ein geometrisch notwendiges Nebenprodukt des Gehäusewachstums ist“. Und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, weil diese Leute noch nicht einmal verstehen, dass evolutionäre Vorgänge kein Ziel haben und häufig sich aus Nebenprodukten etwas neues entwickelt.

5. Churchlands

Aus der Wikipedia:

Along with his wife, Churchland is a major proponent of eliminative materialism, the belief which claims that everyday mental concepts such as beliefs, feelings, and desires are part of a „folk psychology“ of theoretical constructs without coherent definition, destined to simply be obviated by a thoroughly scientific understanding of human nature.

Just as modern science has discarded such notions as legends or witchcraft, Churchland holds the belief that a future, fully matured neuroscience is likely to have no need for „beliefs“ or „feelings“ (see propositional attitudes). Such concepts will not merely be reduced to more finely grained explanation and retained as useful proximate levels of description, but will be strictly eliminated as wholly lacking in correspondence to precise objective phenomena, such as activation patterns across neural networks. He points out that the history of science has seen many posits once considered real entities, such as phlogiston, caloric, the luminiferous ether, and vital forces, thus eliminated. In The Engine of Reason, The Seat of the Soul Churchland hypothesizes that consciousness might be explained in terms of a recurrent neural network with its hub in the intralaminar nucleus of the thalamus and feedback connections to all parts of the cortex. He says his proposal is probably mistaken in the neurological details, but on the right track in its use of recurrent neural networks to account for consciousness. This is notably a reductionist rather than eliminativist account of consciousness.

Weiteres dazu auch hier

6. Daniel Denett

Aus der Wikipedia:

Der naturalistische Blick auf den Menschen

„Der Mensch ist ein natürliches Wesen, das im Prozess der Evolution aus der Tierwelt hervorgegangen ist.“ Dies ist nach Dennett „Darwins gefährliche Idee“ (1995), die uns zu einem naturalistischen Blick auf den Menschen zwinge. Das heißt, so Dennett, dass es in Bezug auf das Wesen des Menschen nichts grundsätzlich Rätselhaftes gebe, nichts, was die Naturwissenschaften nicht – im Prinzip – erklären könnten. Diese generelle Position hat laut Dennett zur Folge, dass die Evolutionstheorie auch in der Erklärung des menschlichen Verhaltens und Denkens eine zentrale Rolle spielt. Da sich die kulturelle Evolution jedoch nicht durch Genselektion erklären lässt, ist Dennett zu einem bekannten Vertreter des Memkonzepts geworden. Meme sind für Dennett die Analoga von Genen in der kulturellen Evolution.

Dennett beschreibt sich als Atheisten, allerdings sei er sich bei seiner Gottesablehnung nur genauso gewiss wie bei anderen unüberprüfbaren Aussagen auch (wie z. B. Russells Teekanne).[2] Dennett gehört den Brights an, welche sich als eine Gruppe von Menschen mit einem naturalistischen Weltbild verstehen. Als das Konzept der Brights 2003 aufkam, verfasste Dennett auch einen Artikel The Bright Stuff in der New York Times.[3] Den Artikel begann er mit folgenden Worten:

„Die Zeit ist reif für uns Brights, uns zu bekennen. Was ist ein Bright? Ein Bright ist eine Person mit einem naturalistischen Weltbild, frei von Übernatürlichem. Wir Brights glauben nicht an Geister, Elfen oder den Osterhasen – oder an Gott.“

Eine empirische Erklärung des Bewusstseins

Dennett wurde in seinem Studium von der Philosophie von Descartes stark beeindruckt. Er versucht aber nun zu zeigen, warum Descartes’ Annahmen über das Bewusstsein falsch sind. Dennett lehnt den cartesischen Dualismus ab und vertritt den Funktionalismus. Seine Annäherung an eine Erklärung des Bewusstseins lautet:[4]

„Der bewusste menschliche Geist ist so etwas wie eine sequentielle virtuelle Maschine, die – ineffizient – auf der parallelen Hardware implementiert ist, die uns die Evolution beschert hat.“

Unter dem Begriff Cartesisches Theater bekämpft er auch die Vorstellung, im Gehirn gebe es eine zentrale Stelle, an der neuronale Prozesse in Bewusstseinsinhalte umgesetzt werden. Nach Dennett ist Bewusstsein weniger wie Fernsehen, sondern eher wie Ruhm,[5] wobei ein weniger missverständlicher Begriff der englische Slangausdruck clout ist, der im Deutschen keine exakte Entsprechung hat.[6]

Qualia-Eliminativismus

Dennett argumentiert, dass das Bewusstsein sich durch die Neuro- und Kognitionswissenschaften in Zukunft restlos erklären ließe. Ein klassisches Problem ist der Erlebnisgehalt (die Qualia) von mentalen Zuständen. Wenn man sich mit einer Nadel in die Hand sticht, so führt das nicht nur zu bestimmten Aktivitäten im Gehirn und letztlich zu einem bestimmten Verhalten – es tut auch weh (es hat ein „Quale“, so der Singular zu Qualia). Die Tatsache, dass es weh tut und die Aktivitäten im Gehirn nicht ablaufen, ohne dass dabei ein Schmerzempfinden entsteht, lassen Dennett zu dem Schluss kommen, dass jedes Bewusstseinserlebnis an einen neurologischen Prozess gekoppelt ist. Dennett bezieht sich hier auf Formulierungen des Qualia-Problems, wie es etwa von Thomas Nagel, Joseph Levine und David Chalmers vorgebracht wurde.

Die meisten naturalistisch eingestellten Philosophen versuchen zu zeigen, warum Erleben aus bestimmten Gehirnprozessen, funktionalen Zuständen oder Ähnlichem entsteht. Dennett dagegen ist der Meinung, dass es sich bei dem Qualiaproblem um ein Scheinproblem handelt. Dennett zeigt anhand der Analyse eines empirischen Experimentes in Bezug auf Veränderungsblindheit, dass Behauptungen über Qualia entweder aus der „Heterophänomenologie“ zugänglich oder aber auch aus der Erste-Person-Perspektive unzugänglich sind.[7]

Intentionalität

Doch der Erlebnisgehalt ist nicht das einzige Phänomen, das das Bewusstsein rätselhaft erscheinen lässt: Menschen sind nicht nur erlebende, sondern auch denkende Wesen. Philosophen diskutieren diese Tatsache unter dem Begriff „Intentionalität“, welche durch ihre Gerichtetheit gekennzeichnet ist: Der Gedanke, dass p auf den Sachverhalt p gerichtet ist. Das macht ihn auch wahr oder falsch: Der Gedanke, dass Herodot ein Historiker war, ist offenbar wahr und zwar deshalb, weil der Gedanke auf einen realen Sachverhalt gerichtet ist.

Doch dies wirft die Frage auf, wie Menschen intentionale Zustände haben können, denn Gehirnaktivitäten können nicht wahr oder falsch sein, genauso wenig wie sich elektrische Impulse im Gehirn auf Herodot und die Tatsache, dass er Historiker war, richten können. Die meisten naturalistisch gesinnten Philosophen versuchen nun zu zeigen, dass dies doch in irgendeiner Weise möglich ist.

Dennett hingegen macht darauf aufmerksam, dass wir Systeme in verschiedener Weise beschreiben können. Zunächst gibt es eine physikalische Einstellung: Man kann ein System in seinen physischen Eigenschaften beschreiben und so sein Verhalten vorhersagen. Das Verhalten eines Systems in physikalischer Einstellung vorherzusagen wird jedoch oft aus Komplexitätsgründen nicht möglich sein. An dieser Stelle kann man zu einer funktionalen Einstellung greifen: Um eine Uhr zu verstehen und ihr Verhalten zu prognostizieren, muss man nur den Bauplan kennen, die konkrete physische Realisierung kann vernachlässigt werden. Doch manchmal sind Systeme sogar zu komplex, um ihnen in funktionaler Einstellung beizukommen. Dies gilt etwa für uns Menschen oder für Tiere. Hier greift die intentionale Einstellung: Das Verhalten eines Systems wird erklärt, indem man ihm Gedanken zuspricht. So sagt man etwa auch das Verhalten von Schachcomputern voraus: „Er denkt, dass ich den Turm opfern will.“

Dennetts Antwort auf das Intentionalitätsproblem lautet: Ein Wesen hat dann intentionale Zustände, wenn sein Verhalten mit einer intentionalen Einstellung vorausgesagt werden kann. Menschen sind in diesem Sinne intentionale Systeme – aber auch Schachcomputer haben diesen Status. Dennetts Position wird auch Instrumentalismus genannt, in dem das Konzept „Intentionalität“ eine nützliche Fiktion ist. In seinen neueren Arbeiten hat Dennett diese Position zum Teil revidiert. Er nennt sich nun einen „schwachen Realisten“ und meint, dass intentionale Zustände so real wie zum Beispiel Muster seien. Man denke an einen Teppich: Das Muster auf ihm ist nicht im gleichen Sinne real wie der Teppich selbst. Dennoch ist das Muster nicht einfach nur eine nützliche Fiktion.

Freiheit und Selbst

Das naturalistische Programm wird oft mit Unbehagen betrachtet, denn scheinbar greift es die klassischen Auffassungen von Freiheit und Selbstverständnis an. Auch wenn Dennett sich im Allgemeinen nicht scheut, weitgehende Konsequenzen aus dem naturalistischen Programm zu ziehen, so verteidigt er doch bis zu einem gewissen Grade die Begriffe Freiheit und Selbst.

Um die Frage zu beantworten, ob Menschen frei sind, muss zunächst geklärt werden, was unter dem Begriff „Freiheit“ zu verstehen ist. Wenn unter Freiheit die (partielle) Unabhängigkeit von den Naturgesetzen verstanden wird, sind wir nach Dennett nicht frei. Wenn unter Freiheit jedoch das Wollen und Handeln nach bestem Wissen und Gewissen verstanden wird, könne man sich tatsächlich Freiheit zusprechen. Dennett favorisiert die zweite Lesart.

Eine ähnliche Situation sieht Dennett auch in Bezug auf das Selbst. Wenn unter „Selbst“ eine immaterielle Substanz oder ein allgemeines funktionelles Zentrum im Gehirn verstanden wird, so gibt es nach Dennett kein Selbst. Dennoch haben Menschen laut Dennett alle in einem anderen Sinne ein Selbst: In den Lebensgeschichten der Menschen bildeten sich Leitmotive, Wiederholungen, herausstechende Merkmale. So konstituiere sich ein Selbst, das Dennett auch als das „Zentrum der narrativen Gravitation“ (oder Erzählschwerpunkt; center of narrative gravity) bezeichnet. Es könne nur dadurch sein, dass der Mensch eine Sprache der Worte oder der Gebärden spreche.[8]

7. Jaegewon Kim

Aus der Wikipedia:

Ausgehend von Hilary Putnam und Jerry Fodor wurde in den 1960er und 1970er Jahren der nichtreduktive Materialismus populär gemacht, der eng mit dem Funktionalismus verbunden ist. Das zentrale Argument baut auf dem Phänomen der multiplen Realisierung auf: Es kann verschiedene Realisierungen des gleichen höherstufigen Zustandes geben, also ist dieser nicht auf einen niedrigerstufigen Zustand reduzierbar. Ein Beispiel: Der psychische Zustand Schmerz kann sowohl innerhalb eines einzigen, als auch in verschiedenen Wesen durch jeweils ganz verschiedene neurobiologische Zustände realisiert werden. Also kann Schmerz nicht mit einem dieser neurobiologischen Zustand identisch sein und er kann demnach auch nicht auf einen solchen reduziert werden.

Kim hält den nichtreduktiven Materialismus dennoch für einen Mythos und fragt: Wenn etwa ein mentaler Zustand M durch ganz verschiedene physische Zustände P1 oder P2 oder … realisiert werden kann, warum kann man dann nicht den mentalen Zustand auf die Disjunktion der physischen Zustände reduzieren (M = P1 oder P2 oder …)? Kim diskutiert verschiedene Antworten (z. B. dass die Disjunktion unendlich sein könnte oder keine natürliche Art darstelle), meint sie jedoch alle zurückweisen zu können.

Mentale Verursachung

Nach Kim ist die Mentale Verursachung ein weiteres schweres Problem für den Nichtreduktivisten. Folgendes scheint klar: Mentale Zustände sind handlungswirksam. Wenn ich mir etwa meine Hand verbrenne und sie zurückziehe, so tue ich dies, weil ich Schmerzen habe. Doch nun kommt das Problem: Es gibt auch eine biologische Geschichte über das Handzurückziehen, die ohne mentale Zustände auskommt: Ich führe die Hand zum Feuer, es werden Signale zum Gehirn gesendet, dort passieren komplexe Prozesse und schließlich wird ein Signal zu den Armmuskeln gesendet, das dazu führt, dass ich die Hand zurückziehe. Nun, was ist nun die wirkliche Ursache für das Zurückziehen der Hand: der Schmerz oder der beschriebene biologische Prozess? Kim ist der Meinung, dass sich das Problem nur in einer Weise lösen lässt: Wenn wir den Schmerz auf die Gehirnzustände reduzieren, so löst sich das Problem auf, denn der Schmerz ist ein Teil des biologischen Prozesses.

8. Richard Rorty

Aus der Wikipedia:

Rorty war einer der am meisten gelesenen und kontroversesten Philosophen der Gegenwart. Er äußerte sich außerdem zur politischen Theorie, Geschichtsschreibung, Literaturwissenschaft und weniger typisch akademischen Themen wie Terrorismus, Menschenrechte und evolutionäre Biologie. Sowohl seine politische als auch seine Moralphilosophie wurden von der politischen Rechten wie der Linken angegriffen. Die einen hielten ihn für einen akademischen Linken und die anderen für naiv.[7] Die Rechte warf ihm insbesondere Relativismus und Unverantwortlichkeit vor, die Linke sowohl eine mangelnde Fundierung für ein Konzept der sozialen Gerechtigkeit als auch in letzter Zeit eine zu starke Parteinahme für die Außenpolitik der Vereinigten Staaten.[8] Ebenfalls weit verbreitet ist der Einwand, Rorty widerspreche sich.

Er gilt zusammen mit Hilary Putnam als Hauptvertreter des amerikanischen Neo-Pragmatismus. Rorty behauptete mit seinen Forschungsergebnissen gegen die Analytische Philosophie, sie sei geprägt von traditionellen empirischen und erkenntnistheoretisch-fundamentalistischen Konzepten, die ein Philosophieren im Zusammenhang mit Gegenwartsproblemen verhindere. Er plädierte dafür, sich vom Wahrheitsbegriff und von Objektivität zu verabschieden.[9] Diese Begriffe seien kontingent, hätten nicht zu den in Aussicht gestellten Ergebnissen geführt und seien daher verzichtbar. Er forderte „eine konsequente Historisierung epistemologischer Problemstellungen“.[10] Aus Sicht der Philosophie des Geistes vertrat Rorty einen Eliminativismus, der besagt, dass es keine mentalen Phänomene gibt.

Sein Vorschlag war, anstatt weitere philosophische Systeme zu entwerfen, Solidarität und Handeln zum Ausgangspunkt eines gesellschaftweiten, offenen, philosophischen Diskurses zu nehmen. Diese „edifying philosophy“ sollte es Menschen ermöglichen, neue Sichten zu entwickeln.[11] Solidarität zwischen Menschen, die durch die westliche Kultur geprägt sind, entstehe aus der gemeinsam geteilten Erfahrung von Grausamkeit. Sie ist in der Sphäre der Öffentlichkeit, der Gesellschaft angesiedelt, für die es gelte, Grausamkeit und Leiden zu minimieren bzw. zu vermeiden. Dieses gemeinsam geteilte Empfinden, das Einfühlungsvermögen, Empathie der Menschen, könne jeder Einzelne z.B. mit Hilfe der Literatur und Poesie weiter entwickeln. Rorty soll diese Idee auch mit der Anekdote erläutert haben, dass Abraham Lincoln in einem Gespräch mit Harriet Beecher-Stowe gesagt habe, die massenhafte Lektüre ihres Romans „Onkel Toms Hütte“ habe den Bürgerkrieg zwischen Süd- und Nordstaaten eigentlich erst möglich gemacht.[12] Ein moralischer Fortschritt bestand für Rorty in der Ausweitung des „Wir“, der Gemeinschaft, die diese Empathie füreinander aufbringt.

Seine umfassende Kritik der Analytischen Philosophie rief teilweise heftige kollegiale Kritik an ihm persönlich hervor. Rorty wurde wiederholt vorgeworfen, er könne nicht zugleich mit seiner Kritik die „Philosophie beerdigen“ und Philosophie lehren. 1982 verließ Rorty seinen Lehrstuhl für Philosophie an der Princeton University, der Hochburg analytischer Philosophie, und war bis zu seinem Tod Kenan-Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft an der Stanford University. Ausführliche und zusammenhängende Darstellungen seiner Analyse der gegenwärtigen Philosophie und seiner Idee einer „bildenden Philosophie“ finden sich in Philosophy and the Mirror of Nature (1979), Consequences of Pragmatism(1982) und Contingency, Irony, and Solidarity. (1988)

9. Anmerkung

Mir ist bewußt, dass ich da etwas viel Text in einen Beitrag geworfen habe. Aber vielleicht ist es ja ein Diskussionsanfang.

Vieles davon ist aus meiner Sicht eine viel zu abstrakte Betrachtung, die daran krankt, dass dort ein sehr enges Bild von zerebralen Strukturen vertreten wird. Natürlich ist der Menschliche Geist kein einfacher Computer, in den man Reize einwirft und der diese dann schlicht verarbeitet. Er ist ein überaus komplizierter Computer mit einer Software, die nicht schlicht Probleme auf eine logische Art lösen soll, sondern dafür sorgen soll, dass Gene in die nächste Generation kommen. Dazu muss mit einer komplexen Welt interagiert werden und auch eine flexible Reaktion möglich sein.

Nur weil wir nicht vollständig verstehen, wie dies im Gehirn abläuft bedeutet das nicht, dass wir alle Vorgänge, die etwas komplexer sind, aus der Ebene der Biologie hinausheben müssen und zu einem reinen Geist erklären müssen.

Ich hatte hier schon einmal das Modell des „Führens durch Befehl“ vs. des „Führens durch Auftrag“ bemüht. Unser Gehirn gibt uns bestimmte Wünsche und Ziele vor, überlässt aber die Ausführung dieser der Großhirnrinde und ihrer freieren Art, flexibel auf Situationen zu reagieren. Wenn man jedoch die Biologischen Wünsche berücksichtigt, dann ergibt sich eben ein starker Einfluss auf den Menschen, der Ziele wie Essen, Sex, Sicherheit, soziale Eingebundenheit, die Verbesserung der Position in der Gruppe und vieles weiteres gleichzeitig betreffen. Diese tief eingebaute Software (Firmware?) kann eben ergänzt und ausgefüllt werden durch Lernen und Kultur. Daraus folgen dann wieder bestimmte Strategien, die eine Umsetzung betreffen und die eben auch nach den gewählten Strategien der anderen entstehen.

Der Grad zu welchem etwas Kultur oder Biologie ist läßt sich mit diesen abstrakten Betrachtungen schlicht nicht lösen. Sie scheinen mir schlicht um die Grundfrage zu streiten, inwieweit man bestimmte Vorgänge nun als Software oder Hardware sieht. Dabei wird ausgeblendet, dass beides stark verbunden sein kann oder nur eine teilweise Umsetzung eben über Wünsche sein kann.

Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass hier ein „Wir können es noch nicht verstehen, also kann es nicht biologisch funktionieren“ mit hineinspielt. Was schlicht ein Fehlschluss ist, da aus Nicht verstehen nicht folgt, dass etwas nicht zutrifft.

Es ist aus meiner Sicht ein Argument, das an das Nichtwissen appeliert

Das argumentum ad ignorantiam (lateinisch für „Argument, das an das Nichtwissen appelliert“) ist ein logischer Fehlschluss, bei dem eine These für falsch erklärt wird, allein weil sie bisher nicht bewiesen werden konnte, oder umgekehrt, eine These für richtig erklärt wird, allein weil sie bisher nicht widerlegt werden konnte. Der Fehlschluss wird ohne Sachargumente gezogen. Der so Argumentierende sieht seine mangelnde Vorstellungskraft oder seine Ignoranz als hinreichend für die Widerlegung bzw. Bestätigung einer These an.

Eine Abwandlung davon ist das „Argument aus persönlichem Unglauben“: Der Umstand, dass eine These subjektiv als unglaublich oder unwahrscheinlich erscheint, wird als hinreichende Bedingung für die Zurückweisung einer These angesehen, an deren Stelle eine andere, subjektiv bevorzugte als zutreffend gesetzt wird.

Beide Argumente haben gewöhnlich das folgende Schema gemeinsam: Eine Person betrachtet das Fehlen von Evidenz für eine Behauptung – oder, alternativ, betrachtet ihre persönliche Voreingenommenheit gegenüber dieser Sichtweise – als begründende Evidenz oder Beweis dafür, dass stattdessen eine andere Behauptung wahr ist. Dies ist keine gültige Schlussweise im Sinne der formalen Logik.[1]

Weil sie noch nicht erklären können, wie ein bestimmter biologischer Zustand funktioniert, soll auf der rein materiellen Ebene hingegen eine Erklärung der entsprechenden Handlungen unvollständig bleiben und daher „Geist“ sein. Eine andere Möglichkeit und eigentlich der logische Schluss: Wenn man nicht versteht, wie etwas funktioniert, dann kann es entweder ein bisher noch nicht erkannter Mechanismus sein oder Geist. Im Endeffekt sind alle Automatenvergleiche oder Nichtvergleiche schlicht unterkomplex, was die Funktionalisten ja auch anführen. Wie aber der Mensch funktioniert lässt sich anhand dieser Theorien schlicht nicht bestimmen. Es ist ein simples Glasperlenspiel, eine interne Diskussion die jederzeit durch andere Forschung überholt werden kann. Jedesmal, wenn Forschung etwas mehr vom Bild des Menschen und der Funktionsweise des Gehirns enthüllt bringt es nichts, sich mit Identitätstheorien oder Funktionalismus zu beschäftigen, man muss simpel zur Kenntnis nehmen, dass hier eine bestimmte Funktion entdeckt worden ist und sich die dazugehörige Forschung kritisch anschauen. Allenfalls kann einer der beiden Richtungen es als Beleg für ihre Theorie sehen. Wie aber aus den Theorien folgen soll, dass diese Mechanismen falsch sind, etwa das die Frage Heterosexualität oder Homosexualität nicht biologisch sein kann oder biologisch ist oder das daraus folgt, dass wir keine Hierarchietiere sein können oder das eine bestimmte Person Transsexuell ist oder nicht erschließt sich mir nicht. Der praktische Sinn dieser Theorien zu einem Verstehen ist damit sehr gering.

Aber vielleicht können andere ja noch einmal etwas zu dem Konzept schreiben, die davon mehr Ahnung haben

Weiteres zu falsch verstandenen Regeln der Evolution

Nach und nach werde ich versuchen, noch ein paar von Elmars anderen Thesen zu besprechen, hier welche aus dem Artikel „Biologie der Geschlechter

(7) Ich denke, es ist nicht schwer zu argumentieren, daß evolutionäre Erklärungen biologischer Phänomene höchstens dann adäquat sind, wenn jene erstens ex ante den historischen Vorgang der kausalen Selektion eines erblichen, biologischen Phänomens mit biologischer Funktion empirisch belegen, und zweitens dessen Effekt für die Bilanz von Aussterbewahrscheinlichkeit und Geburtenrate in einer statistischen, zeitabhängigen Erklärung belegen.

Dazu das Folgende:

Mit der von ihm gewählten Definition muss Elmar aus meiner Sicht eigentlich die Evolutionstheorie an sich ablehnen. Denn natürlich kann man die Entwicklung des Lebens nicht in der von ihm gewählten Weise nachvollziehen. Denn wir können nicht aus einer „vorher Sicht“ darstellen, dass zB bestimmte Fische zwingend Flossen stärker ausbilden mussten, die ihnen erst erlauben sich etwas mehr aufzustützen und dann schließlich unter zusätzlicher Umstellung der Kiemen zu Lungen und einem immer stärkeren Ausbilden der Flossen an Land zu kommen. Wie können zwar ex post feststellen, dass dies anhand der Fossilien und der bekannten Übergangstiere, die heute noch existieren, der wahrscheinlichste Weg ist, aber die Tiere mussten sich natürlich nicht auf diese Weise entwickeln im Wege eines zwingenden Vorganges. Das zeigen schon die heutigen sonstigen Fische, die es ja noch reichlich gibt.

Auch seine Forderung einer Bilanz wirft erhebliche Fragen auf: Was soll das für eine Bilanz sein? Eine auf die Art bezogene Bilanz wäre ja schlichte Gruppenselektion, die aber in der Evolutionstheorie überwiegend abgelehnt wird.  Es evolvieren ja nicht Gruppen, sondern Einzelwesen, bei denen eine Mutation auftritt, die sich dann entweder immer mehr im Genpool einer Art anreichert oder langsam zu einer neuen Art wird, während die alte weiterbestehen kann. Dabei muss die andere Art noch nicht einmal weniger erfolgreich sein, es reicht, wenn die Mutation den Lebewesen erlaubt eine besondere neue Nische zu besetzen (bei den Fischen beispielsweise erst schlammreiche Flüsse, die eine gewisse Luftatmung attraktiv machten, dann vielleicht Üferzonen und Sümpfe, schließlich Gezeitenbereiche oder ein Springen von Tümpel zu Tümpel etc.

Ich bezweifele, dass Elmar für an Land gehende Fische einen Effekt für die Bilanz von Aussterbewahrscheinlichkeit und Geburtenrate in einer statistischen, zeitabhängigen Erklärung belegen könnte.

Dennoch wird er diese Theorie wahrscheinlich nicht ablehnen, weil viele andere Faktoren dafür sprechen, unter anderem die ex post Betrachtung der Fossilien, genetische Vergleiche, Embryonalstudien und die vielen noch lebenden Zwischenschritte.

Das zeigt schon, dass seine Definition wenig wert ist.

  • (8) Desweiteren scheint es mir ziemlich auf der Hand zu lieben, daß evolutionäre Erklärungen biologischer Phänomene höchstens dann gut sind, wenn sie die Mängel konkurriereder Theorien vermeiden und nicht nur die evolutionäre Rolle der biologischen Funktion des betrachteten biologischen Phänomens, sondern auch dessen Verteilung aus seiner biologischen Funktion erklärt auf eine Weise, daß das Auftreten dieser Verteilung die ganze Erklärung nicht trivialerweise wahr macht.

Ich verstehe das so, dass Elmar bei einem nicht üblicherweise aufzutreffenden Merkmal (zB Zweibeinigkeit) nicht nur eine Erklärung dafür haben will, warum gerade dieses Merkmal selektiert worden ist, sondern auch, warum innerhalb dieser Selektion Abweichungen und Unterschiede vorliegen, warum also meinetwegen einige Menschen abseits von Training und Ernährung stärker sind als andere Menschen. Das lässt sich in der Natur meist schon damit begründen, dass ein Merkmal eben meist Kosten und Nutzen mit sich bringt und es in verschiedenen Situationen verschieden effektiv sein kann, die Kosten zu tragen und die Nutzen zu haben. Ein sehr großes Baby beispielsweise mag mehr Nahrung erfordern, auch wenn es später kräftiger ist als andere. Bei sexueller Selektion besteht zudem häufig eine Konkurrenz mit natürlicher Selektion. Ein Pfau mit kleineren Federn wird weniger gewählt, kann aber besser fliehen oder sich verstecken. Eine Alphamannstrategie kann sehr viele Nachkommen bringen, aber auch einen schnellen Tod. In der Biologie gibt es insofern nichts umsonst, alles hat einen Preis und verschiedene Strategien können damit auch unter bestimmten Bedingungen unterschiedlich erfolgreich sein. Aber vielleicht kann Elmar hier ja noch einmal näher erklären, was er meint und es zB an einem erblichen Faktor wie Körpergröße erklären

  • Zusätzlich sollte sie die zeitabhängigen Wechselwirkungen der phänotypischen Ausprägungen der betrachteten Spezies mit der Umgebung und dem historischen Verhalten konkurrierender Spezies betrachten und benutzen, um das Resultat der lokalen genetischen Anpassung der Spezies verständlich zu machen.

Ich hatte schon etwas dazu geschrieben, dass es sowohl Red Queen Rennen gibt, ebenso wie Runaway Selektion im Wege der Sexuellen Selektion. Gerade beim Menschen ist allerdings zu berücksichtigen, dass man hier aufgrund der theoretischen Fähigkeit es aufgrund seiner Intelligenz und seiner Werkzeuge und Waffen theoretisch mit jedem Lebewesen aufzunehmen, eher auf den Menschen selbst als Konkurrenz abzustellen ist. Dies bildet beispielsweise innerhalb einer Gruppe intrasexuelle und intersexuelle Konkurrenz und Selektion ganz gut ab und dies sind auch die wesentlichen Faktoren, auf die man innerhalb der Evolutionsbiologie abstellt. Das erfordert natürlich, dass man sexuelle Konkurrenz und Selektion nicht mit sozialer Selektion verwechselt.

 

„Schwerwiegende Ereignisse brauchen schwerwiegende Gründe“

Ich habe gerade in einem Buch über das trügerische Gehirn etwas dazu gelesen, dass wir bei einem schwerwiegenden Ereignis üblicherweise auch nach einem schwerwiegenden Grund suchen.

In dem Buch war als Beispiel das Kennedy Attentat aufgeführt: Weil es von so großer Bedeutung war wollten viele nicht akzeptieren, dass es die Tat eines Einzelnen war, sondern wollten dahinter eine größere Verschwörung sehen.

Ergänzend wurde angeführt, dass wir auch bei sehr emotionalen Ereignissen, die für uns selbst schwerwiegend sind, eine ebenso schwer ins Gewicht fallende Ursache haben wollen.

Dies sei dann auch die Ursache für viele Verschwörungstheorien. Ich kann mir vorstellen, dass das auch auf die beiden Seiten der Geschlechterdebatte zutrifft und zu der gern ausgebauten Opferhaltung beiträgt.

Was immer einem an Leid durch das andere Geschlecht zugefügt wurde, sei es das Verlassenwerden oder allgemeines Desinteresse, Unterhaltszahlungen, Gewalt, Vergewaltigungen oder was auch immer, kann eben über eine größere Verschwörung des anderen Geschlechts wesentlich emotionaler bedient werden als über den Umstand, dass einem ein bestimmter Mensch weh getan hat oder das man gar den Fehler bei sich selbst suchen muss.

Ebenso wenn man das Gefühl hat, abgelehnt zu werden, weil man keine typische Frau oder kein typischer Mann ist, weil man nicht dem Schönheitsideal entspricht oder weswegen auch immer, es ist einfach, wenn man dies als den Zwang der Geschlechterrollen bei den anderen oder Normschönheit sieht, die aufgezwungen wird.

Unter diesem Gesichtspunkt ergeben Patriarchat und Rape Culture eben auch einfach weitaus bessere Gründe an, aus denen einem schreckliches passiert ist als dies bei einer unemotionaleren Betrachtung der Fall wäre:

Die Gründe sind dann so groß, wie das Unrecht.

Wenn das besser zu unserer Wahrnehmung passt, dann fällt es einem leichter solchen Erklärungen zu glauben, glaubt man erst einmal solchen Erklärungen, dann treibt das die Wahrnehmung als Verschwörungstheorie noch weiter an.

Es ist vielleicht auch ein guter Grund sich seinem Schmerz noch mehr hingeben zu können, denn bei einer Einzeltat kann man sich weniger aufregen als wenn man gegen eine große Verschwörung kämpft. Um so größer die Verschwörung, um so mehr ist man gleichzeitig Opfer und darf es sein: Ich vermute mal, dass der Vorgang in beide Richtungen funktioniert: Ein großes erlittenes Unrecht erfordert einen großen Hintergrund, ein großer Hintergrund erlaubt auch ein größeres Unrecht.

Die Folgen sieht man dann im Feminismus, wenn alles ein erlittenes Unrecht sein kann, weil DAS PATRIARCHAT dahinter steht und einen in eine Rolle zwingt und selbst der Anblick eines Babys oder eines küssenden Paars triggernd wirken kann.

Geschlechterunterschiede in den strukturellen Verbindungen des menschlichen Gehirns

Gerade macht eine Studie den Weg durch die Medien über Gehirnscans, die deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern zeigen:

Sex differences in human behavior show adaptive complementarity: Males have better motor and spatial abilities, whereas females have superior memory and social cognition skills. Studies also show sex differences in human brains but do not explain this complementarity. In this work, we modeled the structural connectome using diffusion tensor imaging in a sample of 949 youths (aged 8–22 y, 428 males and 521 females) and discovered unique sex differences in brain connectivity during the course of development. Connection-wise statistical analysis, as well as analysis of regional and global network measures, presented a comprehensive description of network characteristics. In all supratentorial regions, males had greater within-hemispheric connectivity, as well as enhanced modularity and transitivity, whereas between-hemispheric connectivity and cross-module participation predominated in females. However, this effect was reversed in the cerebellar connections. Analysis of these changes developmentally demonstrated differences in trajectory between males and females mainly in adolescence and in adulthood. Overall, the results suggest that male brains are structured to facilitate connectivity between perception and coordinated action, whereas female brains are designed to facilitate communication between analytical and intuitive processing modes.

Quelle: Sex differences in the structural connectome of the human brain

Das solche Unterschiede bestehen war hier bereits häufiger Thema:

In einem Spiegelartikel heißt es dazu:

Die Untersuchung haben ergeben, dass männliche Gehirne offenbar für eine Kommunikation innerhalb der Hirnhälften optimiert sind. So besäßen zum Beispiel einzelne Unterbereiche des Gehirns viele Verknüpfungen mit ihren direkten Nachbarbereichen. Es gebe also mehr lokale Verbindungen mit kurzer Reichweite.

Bei Frauen hingegen fanden die Forscher eine größere Zahl längerer Nervenverbindungen vor allem zwischen den beiden Gehirnhälften. Nur im Kleinhirn sei es genau andersherum gewesen: Dort gebe es bei den Männern viele Verbindungen zwischen den, bei Frauen aber innerhalb der beiden Hemisphären. Die Unterschiede zwischen den Geschlechtern verstärkten sich im Laufe der Altersentwicklung, zeigte die Untersuchung weiter.

Dass Männer und Frauen ihre Gehirne unterschiedlich nutzen, hatten Wissenschaftler unter anderem bei der Bewertung von Gemälden durch Probanden festgestellt. Frauen nutzten beide Hirnhälften für die Bewertung, Männer nur eine.

In einer früheren Verhaltensstudie mit noch mehr Probanden hatten die Forscher festgestellt, dass Frauen sich besser Wörter und Gesichter merken können, aufmerksamer sind und ein besseres soziales Erkenntnisvermögen haben als Männer. Letztere wiederum könnten räumliche Informationen besser verarbeiten und schnitten in der Bewegungskoordination besser ab. Die beobachteten Unterschiede in der Hirnverknüpfung deckten sich mit diesen Verhaltensweisen, schreiben die Forscher.

Der Spiegel ist insoweit noch recht zurückhaltend und benennt lediglich bestimmte Unterschiede, sagt aber recht wenig zu den Auswirkungen.

Der Guardian wird da schon etwas ausführlicher und zitiert die Forscherin wie folgt:

Ragini Verma, a researcher at the University of Pennsylvania, said the greatest surprise was how much the findings supported old stereotypes, with men’s brains apparently wired more for perception and co-ordinated actions, and women’s for social skills and memory, making them better equipped for multitasking.

„If you look at functional studies, the left of the brain is more for logical thinking, the right of the brain is for more intuitive thinking. So if there’s a task that involves doing both of those things, it would seem that women are hardwired to do those better,“ Verma said. „Women are better at intuitive thinking. Women are better at remembering things. When you talk, women are more emotionally involved – they will listen more.“

She added: „I was surprised that it matched a lot of the stereotypes that we think we have in our heads. If I wanted to go to a chef or a hairstylist, they are mainly men.“

Also das alte Klischee, dass Männer eher auf den logischen Bereich, Frauen eher auf den Sozialen Bereich und das Gedächtnis abgestimmt sind.

Die Forscherin weiter:

The scans showed greater connectivity between the left and right sides of the brain in women, while the connections in men were mostly confined to individual hemispheres. The only region where men had more connections between the left and right sides of the brain was in the cerebellum, which plays a vital role in motor control. „If you want to learn how to ski, it’s the cerebellum that has to be strong,“ Verma said. Details of the study are published in the journal Proceedings of the National Academy of Sciences.

Male and female brains showed few differences in connectivity up to the age of 13, but became more differentiated in 14- to 17-year-olds.

„It’s quite striking how complementary the brains of women and men really are,“ Ruben Gur, a co-author on the study, said in a statement. „Detailed connectome maps of the brain will not only help us better understand the differences between how men and women think, but it will also give us more insight into the roots of neurological disorders, which are often sex-related.“

Also bei Frauen mehr Verbindungen zwischen der linken und der rechten Seite, bei Männern dafür stärkere Verbindungen zwischen bestimmten Zentren. Zudem eine besondere Abstimmung bei Männern auf Bewegungen.

Damit ist natürlich noch nicht der eigentliche Streit gelöst, ob diese Strukturen sich aufgrund unterschiedlicher Lebenserfahrung oder aufgrund der Gene oder Hormone herausbilden. Die oben verlinkte Forschung zu Transsexuellen legt allerdings nahe, dass Hormone und Gene einiges damit zu tun haben. Es bestätigt zudem eine andere Art zu denken von Mann und Frau im Schnitt, die innerhalb der Gehirnstruktur eine Verfestigung erhalten hat und insofern auch bei den jeweiligen Personen nicht so einfach zu ändern sein wird.

Das Ich als gefilterte und angepasste Wahrnehmung der Wirklichkeit

Steven Pinker schreibt in „The Blank Slate“:

Cognitive neuroscientists have not only exorcised the ghost but have shown that the brain does not even have a part that does exactly what the ghost is supposed to do: review all the facts and make a decision for the rest of the brain to carry out.31 Each of us feels that there is a single “I” in control. But that is an illusion that the brain works hard to produce, like the impression that our visual fields are rich in detail from edge to edge. (In fact, we are blind to detail outside the fixation point. We quickly move our eyes to whatever looks interesting, and that fools us into thinking that the detail was there all along.)

The rain does have supervisory systems in the prefrontal lobes and anterior cingulate cortex, which can push the buttons of behavior and override habits and urges. But those systems are gadgets with specific quirks and limitations; they are not implementations of the rational free agent traditionally identified with the soul or the self. One of the most dramatic demonstrations of the illusion of the unified self comes from the neuroscientists Michael Gazzaniga and Roger Sperry, who showed that when surgeons cut the corpus callosum joining the cerebral hemispheres, they literally cut the self in two, and each hemisphere can exercise free will without the other one’s advice or consent. Even more disconcertingly, the left hemisphere constantly weaves a coherent but false account of the behavior chosen without its knowledge by the right. For example, if an experimenter flashes the command “WALK” to the right hemisphere (by keeping it in the part of the visual field that only the right hemisphere can see), the person will comply with the request and begin to walk out of the room. But when the person (specifically, the person’s left hemisphere) is asked why he just got up, he will say, in all sincerity, “To get a Coke” — rather than “I don’t really know” or “The urge just came over me” or “You’ve been testing me for years since I had the surgery, and sometimes you get me to do things but I don’t know exactly what you asked me to do.” Similarly, if the patient’s left hemisphere is shown a chicken and his right hemisphere is shown a snowfall, and both hemispheres have to select a picture that goes with what they see (each using a different hand), the left hemisphere picks a claw (correctly) and the right picks a shovel (also correctly). But when the left hemisphere is asked why the whole person made those choices, it blithely says, “Oh, that’s simple. The chicken claw goes with the chicken, and you need a shovel to clean out the chicken shed.”

Unser ich ist insofern nur eine Art Illusion, keine Abbildung der Wirklichkeit, sondern eine Art Bildschirm, auf dem bestimmte vorgefilterte Bilder, in einem bestimmten Licht gezeigt werden. Das Unterbewusstsein filtert nach bestimmten Kriterien für uns vor, was wichtig ist und in welchem Licht wir es sehen sollen. Alle Filter und Sinneseindrücke, die danach noch verbleiben, schaffen dann das von uns wahrgenommene Bild, welches wir als Wirklichkeit begreifen.

Dabei sind Gefühle und Gemütszustände auch eine Art Filter, die uns bestimmte Informationen in einem bestimmten Licht sehen lassen. Wer beispielsweise depressiv ist, der kann nicht ohne weiteres aus dieser depressiven Stimmung ausbrechen, weil dieser Filter seine Wahrnehmung bestimmt und zunächst keine andere Sichtweise zulässt. Wenn wir wütend sind, dann reagieren wir auf bestimmte Aktionen anderer vollkommen anders, weil uns dies als richtige Reaktion auf ihr Verhalten erscheint. Der Hinweis, dass man übertrieben reagiert, weil man wütend sei, stachelt unsere Wut dann oft noch mehr an, weil wir die mit der Wut verbundene Irrationalität an uns dank der Filter nicht wahrnehmen. Eine Frau, die stark von PMS betroffen ist wird deswegen auch auf den Vorhalt, dass man nicht mit ihr diskutieren will, weil man der Meinung ist, dass es aufgrund ihres PMS zu nichts führt, anführen, dass es keineswegs daran liegt, dass sie PMS hat, sondern, daran, dass er sich aufführt, wie der letzte Mensch. Ein geiler Mann wird entsprechend einen starken Aufmerksamkeitsfilter auf sexuelle Signale etc ausrichten und die Ermöglichung von Sex wird in seinem Denken eine weitaus höhere Priorität erhalten als dies „logisch“ ist.

Noch krasser ist dies dann eben bei Wahnzuständen oder anderen Geisteskrankheiten, bei dem dem Betroffenen sein Handeln ebenfalls vollkommen logisch erscheinen vermag.

Insofern ist unsere Wahrnehmung etwas subjektives: Natürlich wird sie überwiegend die Realität abbilden, weil dies häufig ja auch der Zustand ist, den wir benötigen um Handeln zu können. Unsere Wahrnehmung und unser Denken ist dabei aber letztendlich auch nur ein Produkt unserer Evolution und damit als obersten Ziel der Weitergabe und Förderung der eigenen Gene verpflichtet. Was wir wahrnehmen und was uns logisch erscheint kann diesen Zielen unterworfen werden. Wenn die selektive Abbildung oder bestimmte Gedanken in einer bestimmten Situation günstiger sind als eine reine Wiedergabe der Wirklichkeit, dann kann sich eine Selektion durchsetzen, die diese selektive Abbildung oder diese bestimmten Gedanken fördert.

Anscheinend ist es vorteilhaft gewesen, wenn uns unsere Handlungen zumindest im Nachhinein sinnvoll erscheinen. Das Gefühl überlegt und aus einem bestimmten Grund zu handeln („To get a coke“) und nicht einfach als Marionette unterbewußt aufgenommener Bilder scheint Vorteile gebracht zu haben, sodass solche Entscheidungen uns als selbst getroffen und rational erscheinen, auch wenn sie dies eigentlich nicht sind.

Solche Rationalisierungen finde ich sehr interessant, daher als Vertiefung dazu noch etwas aus der Wikipedia:

Der Begriff bezeichnet in der Psychologie kognitive Vorgänge, bei denen gemachten Erfahrungen, Erlebnissen oder Beobachtungen nachträglich (ex post) rationale Erklärungen zugeschrieben werden. Diese müssen keinesfalls wirklich ursächlich für das Erlebnis sein, sondern sind oft konstruiert und persönlich eingefärbt. Die vermeintliche Logik reduziert kognitive Dissonanzen und vermittelt der Person einen Sinn. Dies kann soweit gehen, dass Erinnerungen konstruiert werden, um den Sinn aufrechtzuerhalten.

In der Psychoanalyse ist Rationalisierung ein Abwehrmechanismus des Ichs, nämlich der Versuch, Handlungen, die durch unbewusste Motive gesteuert werden (z.B. durch verdrängte Triebimpulse), nachträglich einen rationalen Sinn zu geben.

Und aus der englischen Wikipedia:

In psychology and logic, rationalization (also known as making excuses[1]) is an unconscious defense mechanism in which perceived controversial behaviors or feelings are logically justified and explained in a rational or logical manner in order to avoid any true explanation, and are made consciously tolerable – or even admirable and superior – by plausible means.[2] Rationalization encourages irrational or unacceptable behavior, motives, or feelings and often involves ad hoc hypothesizing. This process ranges from fully conscious (e.g. to present an external defense against ridicule from others) to mostly subconscious (e.g. to create a block against internal feelings of guilt).

People rationalize for various reasons. Rationalization may differentiate the original deterministic explanation of the behavior or feeling in question.[3][4] Sometimes rationalization occurs when we think we know ourselves better than we do. It is also an informal fallacy of reasoning.[5]

Ich denke der Effekt tritt auch im Flirtbereich häufiger ein. Wenn ein sexuelles Verhalten beispielsweise  aus Sicht der Frau eigentlich zu früh ist, sie es aber dennoch durchgehen lässt, dann kann sie es im nachhinein als „Ich war halt in einer sehr sexuellen Stimmung“ als „ich muss ihn wohl wirklich mögen“ oder als „Er ist schuld, er hat mir keine andere Möglichkeit gelassen“ rationalisieren.

In der englischen Wikipedia sind noch einige weitere Beispiele angeführt:

Based on anecdotal and survey evidence, John Banja states that the medical field features a disproportionate amount of rationalization invoked in the „covering up“ of mistakes (here, medical errors).[6] Common excuses made are:

„Why disclose the error? The patient was going to die anyway.“

„Telling the family about the error will only make them feel worse.“

„It was the patient’s fault. If he wasn’t so (obese, sick etc), this error wouldn’t have caused so much harm.“

„Well, we did our best. These things happen.“

„If we’re not totally and absolutely certain the error caused the harm, we don’t have to tell.“

„They’re dead anyway, no point in blaming.“

Jedenfalls finde ich es faszinierend, welche Scheinwelten bzw. welche Scheinlogik uns unser Gehirn mitunter vorgaukeln kann.

Muss eine biologisch vorgegebene Verhaltensregeln simpel sein?

Immer wieder kommt das Argument, dass eine bestimmte Verhaltensweise nicht biologische Ursachen haben kann, weil sie nicht absolut starr ist

Das ist aus meiner Sicht eine grobe Unterschätzung der Biologie:

1. Das Gehirn ist komplex genug für die Berechnung auch komplexen Verhaltens

Wir verfügen über einen hochkomplexen Biocomputer, nämlich unserem Gehirn. Natürlich kann ein solcher auch ein komplexes Programm fahren, mit Variablen rechnen oder bestimmte Fakten auswerten, jedenfalls aber bestimmte vereinfachte Berechnungsmethoden oder standardisierte Verfahren nutzen, um bestimmte Abwägungen vorzunehmen.

Hier kann auch ein sozialer Faktor bzw. die Sozialisation mit hineinspielen. Wenn etwa ein Programm vorsieht, dass man einen gewissen Abstand zu einem anderen Menschen einhält, dann kann der genaue Wert, ab dem ein Unwohlsein eintritt als Variable innerhalb gewisser Grenzen aus der Kultur übernommen werden. Wie viel Flexibilität jeweils vorhanden ist, ist dann eine Frage, die durch vergleichende Forschung möglicherweise ermittelt werden kann.

2. Die Regel kann einfach sein, aber die Anpassung an sie komplex

Desweiteren ist zu bedenken, dass Reaktionen auf bestimmte einfache Verhaltensregeln eine komplexe Anpassung erforderlich machen können. Die Verhaltensregel, auf die reagiert wird, mag dann simpel sein, dass Verhalten hingegen kann hoch komplex sein

Ein Beispiel wären Attraktivitätsmerkmale. Nehmen wir als Gedankenexperiment an, dass Frauen auf statushohe Männer stehen würden.

Ein Mann, der für Frauen attraktiv sein möchte, muss nunmehr eine hohe soziale Position erlangen. Alle anderen Männer wollen das ebenfalls (bis zu einem gewissen Grad). Durch die Interaktion der Männer können verschiedenste Verhaltensweisen entstehen, etwa ein direktes Kräftemessen oder ein komplexes Gesellschaftssystem, in dem der Vergleich anhand sozio-ökonomischer Erfolge bewertet wird und in der die Konkurrenz verlangt, dass man einen möglichst guten Abschluss erlangt in einem Fach, dass einem einen statushohen Beruf erlaubt.

Genauso kann umgekehrt eine Reihe von Attraktivitätsmerkmalen von Männern in Bezug auf Frauen bei diesen einen Wettkampf um besseres Aussehen in den verschiedensten Bereichen lostreten.

Die Angst vor dem durch Evolution entstandenen Gehirn

Allgemein besteht eine erhebliche Zurückhaltung bei der Annahme, dass durch Evolution ein Gehirn entstanden sein kann, dass bestimmte verhalten bevorzugt oder auf evolutionär stabile/vorzugswürdige Strategien hin optimiert ist.

Dabei ist das Gehirn natürlich auch nur ein Organ, dass den gleichen evolutionären Regeln unterliegt und vollständig nach diesen entstanden ist.

Wenn man Menschen fragt, was wohl wichtiger für den Erfolg eines Menschen ist, dann werden viele recht schnell antworten, dass sein Gehirn der wichtigste Faktor ist. Gerade bei intelligenten Gruppentieren, die zu Koalitionen in der Lage sind, besteht sehr häufig die Möglichkeit pure Muskeln durch Gehirn zu übertrumpfen.

Wir haben auch bei allen anderen Tieren kein Problem damit, Verhalten, selbst sehr kompliziertes Verhalten, als durch deren Biologie bedingt zu sehen.

Dass Ameisenparasiten sich in das Lager von Ameisen einschleusen und ihrer Königin gezielt den Kopf abschneiden um deren Platz einzunehmen und die Nachkommen von deren bisherigen Volk versorgen zu lassen führen wir auf ein dafür entwickeltes Nervensystem zurück.

Dass Herdentiere nicht plötzlich Gruppentiere werden ist ebenfalls Biologie.

Dass Löwen bei der Übernahme eines Rudels die Jungtiere töten erscheint uns in seiner Schrecklichkeit logisch und als Umsetzung einer biologisch erfolgreichen evolutionären Strategie.

Dass Bonobos nicht plötzlich schamhaft werden und Gorillas nicht plötzlich monogam bereitet uns – trotz ihrer engen Verwandtschaft mit uns und sehr hoch entwickelten Gehirnen – kein Kopfzerbrechen.

Wenn Schimpansen Machtspiele spielen um in der Hierarchie aufzusteigen und erbittert untereinander um die zur Verfügung stehenden Plätze an der Spitze kämpfen, dann werden die meisten Leute interessiert lauschen, wenn man dies als Ausdruck intrasexueller Konkurrenz erklärt, die letztendlich der Partnerwahl dient und mit einer biologischen Einordnung keine Probleme haben.

Bisher habe ich noch von keiner Forschung gelesen, die meint, dass man Menschenaffen dekonstruieren kann.

Wir wissen und akzeptieren, dass das Gehirn auch beim Menschen, der mit den anderen Primaten gemeinsame Vorfahren hat, nicht komplett neu entworfen wurde (wie auch im Rahmen der Evolution, die nur kleine Schritte kennt, die stets im laufenden Betrieb einen Vorteil bieten müssen), sondern eher ein Schichtensystem darstellt, bei der das Stammhirn ein Kleinhirn und ein Großhirn aufgesetzt bekommen hat. Und selbst innerhalb dieser wissen wir, dass die Gehirnarealle bei Mensch und anderen Primaten im wesentlichen gleich sind, sie sind beim Menschen nur anders aufgebaut und mit mehr Leistungskraft versehen.

Wir haben kein „neues Menschengehirn“, sondern ein „getuntes Primatengehirn“, das ein „getuntes Säugetiergehirn“ ist und so weiter.

Wer bei einem Primaten wie den Schimpansen oder den Gorillas biologisch beeinflusstes Verhalten annimmt, dem sollte ein kompletter Umbau des Gehirns bei Menschen hin zu vollkommener Freiheit schwer fallen. Es fehlt auch ein diesbezüglicher selektiver Druck, aus dem heraus Attraktivitätsmerkmale für eine gute Fortpflanzung oder der Wunsch in einer Hierarchie einen guten Platz zu erlangen, weggefallen sein sollen, gerade wenn sie dann durch ein genau gleiches soziales Konstrukt, dass genau diese Merkmale vorteilhaft macht, ersetzt.

Auch Charles Darwin erhielt den meisten Widerstand gegen seine Thesen nicht dafür, dass er die Evolution der Tiere darlegte, sondern dem Menschen gerade in Bezug auf sein Verhalten die Sonderstellung raubte. Die Entstehung der Tiere durch Mutation und Selektion wurde bald akzeptiert, die Evolution des Menschen, gerade des Verhaltens des Menschen, durch diese Mechanismen stieß aber auf erbitterten Widerstand.

Hier wollte man den Schöpfungsakt, das besondere, das Untierische. Und auch heute, wo in Europa die meisten Leute zustimmen würden, dass der Mensch durch Evolution entstanden ist und einen gemeinsamen Vorfahren mit den anderen Primaten hat, wird man bei der Anwendung genau der gleichen evolutionsbiologischen Regeln, die man auf das gesamte Tierreich anwendet und die bei Primaten akzeptiert sind, häufig entsetzte Blicke ernten.

Es ist mit unser Selbstwahrnehmung nicht kompatibel uns als Überlebensmaschine unser egoistischen Gene zu sehen, weil diese die Matrix auf unserem Gehirn laufen lassen, die uns die diesbezügliche Unbeeinflusstheit vorgaukelt, weil uns die Optionen, die wir für eine Entscheidung zur Verfügung haben und unsere Abwägungsmatrix unabhängig vorkommt, obwohl sie auf den Wünschen und Vorlieben beruht, die uns unsere Biologie vorgibt.

Meiner Meinung nach liegt hier die Beweislast für ein wegfallen biologicher Einflüsse, gerade in den Bereichen Partnerwahl und sexuelle Selektion deutlich auf Seiten der Befürworter eines Wegfalls.

Es ist nach unserer Evolutionsgeschichte zu erwarten, dass unser Verhalten umfangreich durch unserer Biologie beeinflusst ist.

Wir finden auch genug Verhalten, bei denen dies unproblematisch angenommen wird. Von Hunger und Durst bis zu der Frage der Recht- oder Linkshändigkeit haben wir wenig Probleme damit, biologische Faktoren anzunehmen. Aber bei Sex und Fortpflanzung soll dies dann nicht mehr der Fall sein, obwohl gerade in diesem Bereich der evolutionäre Druck eher gestiegen ist, an biologischen Modellen festzuhalten, weil die Fortpflanzung aufgrund der hohen Unselbständigkeit des menschlichen Kindes für beide Geschlechter teurer geworden ist als für das erste Säugetier vor etwa 200 – 270 Millionen Jahren, bei dem ebenfalls bereits die Weibchen einen „Fixkostennachteil“ hatten, der nur über Beteiligung des Männchens auszugleichen war, so dass auch hier bereits ein entsprechender evolutionärer Druck für eine Auseinanderentwicklung vorhanden war.

Aber auch Wettbewerb, reziproker Altruismus, starke Gefühle wie Eifersucht, Liebe, Hass und Nachtragen von bestimmten verhalten lassen sich problemlos in ein evolutionärer Modell einordnen und sind bei unserer Biologie nicht nur zu erklären, sondern sogar zu erwarten. Sie sind spieletheoretisch erklärbar und durch entsprechende Modelle und Berechnungen nachzuvollziehen.

Eine Theorie, nach der der Mensch frei ist von seiner Biologie muss viel erklären, gerade in Hinblick auf die Evolution und die Nähe zu den anderen Primaten, die vieles an menschlichen Verhalten zeigen.

Bisher sind die diesbezüglichen Bemühungen meiner Meinung nach nicht zum Kern vorgedrungen.