Ich werde Vater

Südländerin ist schwanger und wir bekommen ein Kind. Ich bin sehr gespannt, was das alles für Umstellungen mit sich bringt. Ich glaube es war an der Zeit und nachdem wir ja schon verheiratet waren haben wir dann auch entsprechend losgelegt.

Bisher läuft die Schwangerschaft gut. Ich hatte es mir viel anstrengender vorgestellt, sowohl für Südländerin als auch für mich. Aber Übelkeiten und Launenhaftigkeiten halten sich bisher noch in Grenzen.

Wer Empfehlungen hat, was man als junge Eltern braucht oder Tipps für die erste Zeit mit einem Kind hat: Ich bin sehr interessiert.

Mutterschutz und Schwangerschaft als gute Zeit

David schreibt in einem Artikel, in dem es um künstliche Gebärmuttern ging zu der Schwangerschaft,  Elternzeit etc:

Nie im Leben würden Frauen diesen Job abgeben! Frauen sind selten glücklicher als während der Schwangerschaft.

Ich kann so ein Exemplar derzeit zuhause bewundern und abgesehen von den Geburtsschmerzen scheint das ein Traumjob zu sein.

Interessanterweise ist sich meine Frau dieser Privilegien vollauf bewusst und kann es selbst kaum glauben, wie man als Frau fürs Kinderkriegen gepampert wird.

Es dürfen keinerlei Nachteile entstehen, Vorteile dafür umso mehr.

Großzügiger Kündigungsschutz, unglaubliche 14 Wochen Mutterschutz bei vollem Lohnausgleich (für diese 3,5 Monate wird sogar noch zusätzlich Urlaub angerechnet), frühzeitige Befreiung von „schweren“ Arbeiten und Arbeitszeiten, so dass z.B. keine Arztdienste mehr gemacht werden müssen.
Die extra vergüteten Dienste + Zulagen werden aber selbstverständlich vollkommen ausgeglichen, auch wenn sie nicht gemacht werden! Auch bei den in Deutschland extrem großzügig gehandhabten „Berufsverboten“, die quasi auf Wunsch auch schon in frühen Schwangerschaftsstadien attestiert werden und selbstverständlich auch trotz völliger Untätigkeit voll bezahlt (+Dienstzulagen) werden.
Meine Frau hat ihre Schwangerschaft erst gemeldet, als sie nicht mehr zu übersehen war, einfach nur weil sie normal arbeiten wollte und das für unglaublich dekadenten Kappes hält.
Gerade erfährt sie, auch noch eine „Schwangerschaftsbeilage“ von 400€ fürs Gebären zu bekommen.
Nach der Geburt dann Elternzeit (durchschnittliche Inanspruchnahme in D sind 11,7 (!) Monate, Frauen lassen sich da also nicht viel nehmen, auch nicht vom Mann) und bis zum Kindesalter von 8 Jahren Anspruch auf 3 volle Jahre Erziehungszeit mit Kündigungsschutz pro Kind (kann willkürlich gewählt werden in dieser Zeit). Meist auch noch Anspruch auf Teilzeit (höherer Nettostundenlohn).

So lange man nicht an diese Privilegien geht und sie sogar noch weiter ausbaut, wird sich an der klassischen Rollenverteilung ganz gewiss nichts ändern. Was Frauen ja auch nicht wollen, und wenn dann nur vorgeblich.

Die Darstellung ist interessant, weil man in feministischen Artikeln zu Gehaltsunterschied und Karriere häufig den Eindruck hat, dass es nirgendwo schöner ist für eine Frau als in einem Büro und sie da nur durch das Patriarchat heraus gedrängt wird, also die Zeit mit dem Kind anscheinend keinerlei Anziehung für sie hat, die dazu führt, dass sie einer solchen Aufteilung von sich aus gerne zustimmt. Es erscheint als reine Last, einen Kampf um das Büro, den sie wegen der Geschlechterrollen verliert.

Auch ich kenne es eher, dass Frauen sich auf die Zeit mit dem Kind freuen, es zwar natürlich auch als stressig ansehen, aber eher überlegen, ob sie nicht etwas länger machen sollen, man soll ja auch nicht zu früh wieder anfangen.

Wie sind eure Erfahrungen?

Franziska Giffey: „Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor“

Verschiedentlich habe ich bei Facebook und Twitter jetzt ein Zitat von Franziska Giffey gelesen, die designierte Familienministerin, gelesen, in dem es um eine Kindergartenpflicht geht. Tatsächlich ist das wohl eher ein Landesthema als ein Bundesthema aber es ist ja dennoch nicht uninteressant.

Als konkreter Punkt findet sich bei Frau Giffey auf ihrer Homepage:

  • Wenn über 60% der Neuköllner Kinder in Klasse 1 mit Entwicklungsverzögerungen und fast 40% mit Sprachstörungen starten, weil sie in ihrem bisherigen jungen Leben nicht die Förderung und Anregung erfahren haben, die für einen guten Schulbeginn notwendig wären, dann sind das Alarmsignale, denen nur mit einer verbindlichen frühen und institutionalisierten Förderung für alle begegnet werden kann.
  • Es ist ein Fehler gewesen, die Vorklassen an den Grundschulen abzuschaffen.
  • Die qualitativ hochwertige Förderung der Kinder durch einen verbindlichen Kitabesuch bleibt eine der wichtigsten Voraussetzungen zur Erlangung der Schulreife. Eine gute Vorbereitung auf den Schulbesuch in der Kita ist zielführender als die frühe Einschulung. Es sind gemeinsame Anstrengungen im Land und in den Bezirken nötig, um ausreichend Kitaplätze und qualifiziertes Personal zur Verfügung zu stellen.
  • Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor. Wir müssen es schaffen, dass 100 Prozent der Kinder mit guten Voraussetzungen in der Schule ankommen. Denn was in der frühkindlichen Förderung versäumt wird, kann nicht mehr aufgeholt werden und setzt sich in Frustration und verfehlten Schulkarrieren fort.

Der Satz:

  • Wir brauchen eine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr und wenn möglich, auch davor.

ist natürlich interessant. Eine Umsetzung könnte in der Tat bei der Integration sehr hilfreich sein, aber eben auch die Rückkehr von Frauen in den Beruf beschleunigen, wenn es allgemein so durchgesetzt wird, was dann eigentlich auch Regelungen beim Unterhalt nach sich ziehen müsste.

Andere sehen darin wiederum eine Einschränkung der Elternrechte, insbesondere dem Recht sein Kind selbst zu erziehen.

Man kann auch Punkte dagegen halten wie die Bindung an die betreuenden Eltern in diesem besonderen Zeitraum und dafür eben die gleichmäßige Vorbereitung und damit eine Verbesserung der Chancengleichheit für die Kinder, die am besten möglichst früh deutsch sprechen sollten, damit sie überhaupt eine Chance haben.

Die meisten Eltern werden ihre Kinder schon heute in den Kindergarten geben, Kindergrippen hingegen werden wohl einen deutlich niedrigeren Anteil haben.

Was haltet ihr von dem Vorschlag?

Ab welchen Alter wäre eine Pflicht sinnvoll, wenn ihr sie richtig findet?

Ab welchen Alter sollte ein Kind auch abseits einer Pflicht in eine Krippe?

 

Kinderwunsch bei Männern

Adrian kommentierte:

Mich würde mal interessieren, wieviele Männer tatsächlich Kinder wollen.
In Umfragen wird zwar immer so getan als könnten junge Leute es nicht erwarten Familien zu gründen, aber in meinem Umfeld (mehr Heteros als Homos) reden eigentlich nur Frauen von Familie und Kindern. Den Männern ist das egal und sie machen auch keine Anstalten, eine Beziehung darauf auszurichten.
Kinder sind halt ein Hobby. Man(n) braucht sie nicht.

Ich glaube, dass Frauen notgedrungen Kinder eher planen müssen als vielleicht gerade studierte Männer, weil sie schlicht weniger Zeit haben und ihnen das eher bewußt ist.

Aber auch abseits davon scheinen mir Kinder eine konkretere Vorstellung bei vielen Frauen zu sein, die sie auch häufig näher sehen.

Natürlich ist in dem Bereich auch nichts absolut: Es sind eher Unterschiede in der Ausprägung und auch Männer wollen häufig Kinder. Gerade wenn sie geheiratet haben und soweit in der Partnerschaft und im Leben angekommen sind. Und natürlich lieben auch Männer ihre Kinder, wenn sie sie haben und haben Freude an ihnen.

Das die meisten Frauen ein anderes Verhältnis zu Kindern haben sieht man allerdings häufig, wenn Babies oder Kinder in der Nähe von Frauen auftauchen. Etwa wenn die Kollegin in Elternzeit mit ihrem Baby im Büro vorbeischaut und die Frauen sich jauchzend um sie scharren. Nicht umsonst gelten Schwangerschaften ja auch als ansteckend.  Männer scheinen mir da eher neutraler zu sein.

Was sagt ihr?

Kinder, Fremdbetreuung, Partnerwahl und die Frage, wer aussetzt und was ein Kind braucht

„Wir Frauen“ sagt eine Freundin „wir bringen ja nun einmal die Opfer. Ihr arbeitet durch, kümmert euch nicht um die Kinder und würdet nie aussetzen. Und wir haben den ganzen Ärger“

„Dann“ sage ich zu einer Freundin, „muss eben die Frau eher bereit sein, ihr Kind fremd betreuen zu lassen. Dann müsst ihr nicht aussetzen und habt keinen Ärger“

„Ach Christian“ sagt sie „Kinder sind nun einmal keine Sache, die man irgendwo ins Regal stellen kann. Sie sind lebende Wesen, sie brauchen eine feste Bezugsperson um sich herum, jemanden zu dem sie eine Bindung aufbauen können und der ihnen Sicherheit gibt. Sie brauchen einen Elternteil um sich herum, der sich um sie kümmert. Das kann man nicht machen. Ihr könnt das vielleicht, aber wir nicht. Da muss man dann an die Kinder denken und ihre Bedürfnisse über seine eigenen stellen. Und weil wir das seltener können, ziehen wir da eben immer den kürzeren“

„Aber“ sage ich „ihr könnt euch ja einen Mann suchen, der das dann macht. Einen Kindergärtner oder Grundschullehrer zum Beispiel, der dann statt euch aussetzt. Aber das wollt ihr dann auch wieder nicht“

„Man wählt ja auch keinen Partner, weil er ein guter Kinderbetreuer ist“ sagt sie entrüstet „man wählt ihn, weil man ihn liebt und mit ihm sein Leben verbringen möchte. Das kann man sich ja nicht aussuchen. Und man will eben auch einen gleichwertigen Partner, der zu einem passt, der ähnliche Interessen hat, mit dem man sich wohlfühlt. Wir denken nicht so wie ihr, so strategisch. Und die Männer wollen dann ja auch nicht. Sie wissen, dass wir eher nachgeben und sitzen das aus. Sie sagen genau das gleiche wie du: Dann geben wir es eben in die Fremdbetreuung. Und dann ist so ein kleines Ding mit einem ja in einer Kinderkrippe, und die Mutter kommt sie abholen und merkt, dass das Kind eigentlich mehr Eltern will und das man es kaum noch sieht und dann wird sie weich, dann sagt sie eben, dass sie reduziert, und dann sind wir bei der ganz klassischen Rollenverteilung. Und der Mann sagt, dass er sie ja zu nichts gezwungen hat. Von ihm aus hätte es auch so weitergehen können und das Kind wäre  wie bei Fremden aufgewachsen“.

 

 

Wie reagieren? Sexuelle Belästigung bzw Absprachen zur Kinderbetreuung

Heute einfach mal zwei Situationen, die ich als so stattgefunden zu unterstellen bitte, verbunden mit der Frage, was aus eurer Sicht die beste Verhaltensweise wäre:

  1. Die unangebrachte Sexualisierung

 

2. Die nicht eingehaltene Absprache zur Betreuung der Kinder:

Aus einem Forum:

Ich bin im 8. Monat schwanger. Mit meinem Mann habe ich vereinbart, dass ich drei Monate zu Hause bleibe und wir uns dann 50/50 die Betreuung teilen, weil wir beide beruflich weiter arbeiten wollen.

Nun hat er mir gestern gesagt, dass er meint, dass dies ihm einen Karriereknick bereiten würde und er zieht sein Angebot zurück.

Ich bin nicht nur sauer, ich bin enttäuscht.

Habt ihr Tipps für mich?

Was würdet ihr jeweils raten?

 

 

Kinder

Diese Woche soll es durchgängig jeden Tag um ein anderes Thema rund um „Mann &  Frau zusammen“ gehen, einfach freie Assoziationen und Gedanken, anhand jeweils eines bestimmen Schlagwortes. Für neue Ideen und für das Entdecken von Aspekten, die bei spezielleren Texten untergehen

Spätestens nach der Ehe kommen da häufig die:

Kinder

Wollt ihr Kinder? Habt ihr Kinder? Was ist das schöne an Kindern? Was sind die größten Veränderungen mit Kindern? Was bedeuten Kinder für die Partnerschaft? Jungen oder Mädchen? Was habt ihr für Erziehungstipps? Wie entwickelt man ein gutes Verhältnis zu den Kindern? Welchen Anteil an der Betreuung von Babies/Kleinkindern/älteren Kindern wollt ihr selbst übernehmen, wie soll eurer Partner eingebunden sein? Kommt man bei Kindern um ein klassisches Modell (einer ist der Hauptverdiener, einer konzentriert sich mehr auf die Kinder) herum? Wenn ihr Kinder habt: Habt ihr euer Pläne umsetzen können? Wie ist es im Falle einer Trennung vom Partner: Wie geht es  mit den Kindern weiter, was läuft da schief, was muss geändert werden? Was war für euch das Schönste mit Kindern? Was habt ihr als Eltern gelernt, was ihr vorher nicht wusstet? usw

Wie können Männer mit ihren Privilegien umgehen?

Lightyear mag mich zwar nicht mehr, aber ich wollte dennoch noch einen Text von ihm besprechen, in dem es darum geht, wie Männer mit ihren Privilegien umgehen:

Wie können nun Männer* mit den Privilegien, von denen sie tagtäglich profitieren nun umgehen?

Das ist eine Frage, die wirklich konkret leider viel zu wenig beantwortet wird. Insofern finde ich es gut, dass Lightyear das Thema aufgreift

(Zur Erinnerung: männliche Privilegien haben mit struktureller / institutionalisierter Gewalt zu tun, was nicht als “kulturell-böswillige Erfindung” zu bewerten, sondern sozial, kulturell, historisch entstanden / gewachsen ist; vgl. Meuser/Scholz 2005: 224).

Was wäre denn, wenn männliche Privilegien eine als „kulturell-böswillige Erfindung“ zu bewerten wären? Dann könnte man sie wahrscheinlich leichter abschaffen, so muss man aber hart daran arbeiten, weil Privilegien eben tief in der Gesellschaft verwurzelt sind.

– Klassische Geschlechterrollenklischees reflektieren: Zunächst ist es eine wichtige Voraussetzung zu erkennen, dass Mann* und Frau* keine natürlichen Kategorien sind.

Dass sind sie zwar doch, aber nur unter der Prämisse, dass es nur Häufungen und dazwischen durchaus fließende Übergänge, und also nur verschiedene Mittelwerte bei einer Normalverteilung sind.

– Reflektiere in Gruppen Verhaltensmuster von Männern*.

Da wären wir hier ja schon mal gar nicht so schlecht dabei, Verhaltensmuster werden hier immer wieder reflektiert. Ich vermute aber eher, dass man da im wesentlichen herausfinden soll, wie schlecht Männer doch sind und wie ihre Verhaltensmuster die Strukturen etc schaffen, die Frauen unterdrücken. Also ein eifriges im Kreis sitzen und sich jeweils die Büßerpeitsche über den Rücken ziehen

– Reflektiere deine eigenen Verhaltensweisen inklusive der Auswirkungen dieser Verhaltensweisen auf Menschen in einer sozialen Situation.

Also wohl „wie verhalte ich mich und warum unterdrückt der männliche Anteil meiner Verhaltensweisen die Frauen, während der Teil, den ich schon „entprivilegisiert habe, Frauen fördert.

– Verzichte auf alle Formen der (sexualisierten) Gewalt und der Kontrolle über Menschen.

Der erste Teil ist relativ einfach. Sexuelle Gewalt wende ich nicht an (bzw nur konsensual). Kontrolle über Menschen? Das ist natürlich ein großes Wort. Gerade wenn es wie im Feminismus sehr einseitig gebraucht wird, denn dort nehmen sich eben die Frauen bzw. die Feministinnen die Deutungshoheit heraus, was sie stört und was abzustellen ist und üben damit natürlich eine starke Form der Kontrolle aus. Das ist aber wahrscheinlich gute, weil weibliche Kontrolle.

– Beobachte dich selbst: verhältst du dich dominant? Andere darauf hinweisen, dass sie sich evt. dominant verhalten.

Gut, dass sich Feministinnen nie dominant verhalten, beispielsweise indem sie erklären, dass ihre Meinung die einzig richtige sei und man sie zu akzeptieren habe. Aber das sind ja auch Frauen. Als Mann soll man also nicht dominant sein, weil das böse ist. Ich halte auch nichts davon Menschen zu dominieren, aber das Problem ist halt, dass Frauen eine gewisse Form von Dominanz, gerade spielerische, enorm geil finden. Auch schön: Andere darauf hinweisen, dass sie evtl dominant verhalten. Ich hatte das gleich mal bei Lightyear selbst gemacht als er recht aggressiv vertrat, dass meine Meinung falsch war. Hat er leider nicht positiv aufgenommen. Muss toll sein in so einer feministischen Männergruppe: Alle arbeiten an der besseren Welt und versuchen das möglichst vorsichtig zu formulieren. Kekse gibt es aber nicht und als richtig und wichtig vortragen darf man es dann in weiblicher Gesellschaft auch nicht, denn damit transportiert man ja wieder Rollenbilder und nimmt Frauen Raum. Irgendwie kann das eigentlich nur in einer gewissen Unterwürfigkeit enden, eben in Gewissheit der eigenen Erbschuld für die Sünden der Männer.

– Männlichkeiten einfach abzuschaffen ergibt keinen Sinn, es ist ja in den Köpfen verwurzelt

Wäre es aber nicht verwurzelt wäre es anscheinend eine gute Lösung. Aber sonst hat der Feminismus nichts gegen Männer, sie sollen sich eben nur nicht Verhalten wie welche. Und Männer verhalten sich eben wie Schweine, so dass man ihr Verhalten eigentlich abschaffen sollte, dass geht aber leider nicht. Nein, wir haben wirklich nichts gegen Männer – solange sie sich die Büßerpeitsche über den Rücken ziehen und sich schlecht fühlen zumindest nicht.

Was schwer abzustellen ist, sind männliche Verhaltensweisen. Das ist das, was mann als männliches Privileg unbewusst kennen gelernt hat: Daher sollte eher auf klassische männliche Symboliken verzichtet werden, oder diese zumindest reflektieren (Schusswaffen als „ästhetisches Symbol“, Autos als Statussymbol, Mimik, Gestik, breitbeinig sitzen (zB. in Öffis, auch Frauen* ernst nehmen). Klarerweise hilft es nicht, die Symbolik zu ändern, wenn die Verhaltensweise dieselbe bleibt.

Auch geil: Bitte kein Signalling mehr mit klassisch männlichen Statussymbolen. Keine tollen Autos, keine Schußwaffen, kein breitbeiniges Sitzen bitte auch keine „männliche Mimik“ (hat da jemand mal ein Bild zu? Ist das so etwas in der Art?

männliche mimik 1

männliche Mimik 1

Oder eher so etwas:

maennliche mimik 2

maennliche Mimik 2

Und wie unterscheidet es sich von dieser sicherlich nicht zu beanstandenden Mimik:

eine sicherlich hinreichend reflektierte Mimik

eine sicherlich hinreichend reflektierte Mimik

Und auch dieses von Feministinnen genehmigte Beispiel kann vielleicht helfen:

Feminist Male Ryan Gosling

Feminist Male Ryan Gosling

Gut, dass Frauen männliche Männer einfach Mist finden. Wenn die männliche Mimik abgeschafft ist, dann wird die Welt ein besserer Ort. Und wenn alle Männer Kleinwagen fahren, dann ist die Welt gerettet.

– Strategien: Pluralität! Viele Formen! Aber nicht die eine bessere Form von Männlichkeit.

Wie wäre es, wenn man einfach so ist, wie man sein möchte? Die abwägige Auffassung, dass man deswegen Frauen nicht gleichberechtigt behandeln kann, und das so Privilegien verwirklicht werden, erscheint mir wenig plausibel. Warum sollte man zwangsläufig alles bunt durchmischen, wenn man das gar nicht will?

– Daher ist es notwendig, vielfältige Identitäten denkmöglich und schließlich lebbar zu machen

Ich verstehe das so, dass man sie nicht generell in der Gesellschaft lebbar machen soll, sondern für sich. Also die Anforderung an den Einzelnen mit vielen Identitäten in seine Persona einzubeziehen. Das erste wäre die eine Sache: Natürlich soll jeder leben können, wie er will, solange er andere nicht ebenfalls in der Ausübung ihrer Persönlichkeit behindert. Da es nahezu alle Ausprägungen von Zwischenstufen zwischen den Geschlechtern auch nach den biologischen Theorien gibt, ist es klar, dass man diese trotz aller Häufungen nicht unterdrücken sollte. Gleichzeitig sehe ich aber wenig Sinn darin, mein Leben so auszurichten, dass nun auch 0,018% der Bevölkerung berücksichtigt werden. Sollte ich das mit allen möglichen Konstellationen machen, in denen die Bevölkerung 0,018% Anteile haben könnte, dann wäre eine Regelung schlicht nicht möglich. Bezüglich der zweiten Variante: Nein, ich muss nicht eine besonders weibliche Seite üben, damit sie mir denknotwendig erscheint und damit ich sie leben kann. Wenn es mir eine interessante Erfahrung erscheint, dann kann ich das natürlich ausprobieren. Aber männlich sein schränkt Frauen nicht ein. An dieser Fehlannahme krankt das ganze Konzept.

Die Fortsetzung finde ich besonders gut:

sowie „Sexualität ihrer vermeintlichen Natürlichkeit zu berauben und sie als ganz und gar von Machtverhältnissen durchsetztes, kulturelles Produkt sichtbar zu machen“ (Jagose 2001: 11).

Sexualität ihrer vermeintlichen Natürlichkeit zu berauben und sie als kulturelles Produkt sichtbar machen, dass ganz von Machtverhältnissen durchsetzt ist. Das klingt nach Spass im Schlafzimmer. Die Fussnote scheint mir auf Einführungsliteratur zur Queer Theory zu verweisen. Eine Zusammenfassung findet sich wohl hier. Anscheinend ist es zum Teil eine recht lange Darlegung, dass man den naturalistischen Fehlschluss nicht richtig verstanden hat, denn „natürlich“ heißt eben nicht „Moralisch richtig“ und insofern ist es auch unwichtig Sexualität ihrer Natürlichkeit zu berauben. Für jemanden, der heterosexuell ist, ist es eben verständlich, dass er den Wunsch hat, Sex mit dem anderen Geschlecht zu haben, für jemanden, der homosexuell ist, ist es verständlich, Sex mit dem gleichen Geschlecht zu haben etc. Eine moralische Wertung ergibt sich daraus nicht. Und über Machtverhältnisse nachzudenken, nur weil man seinen Penis in eine Vagina steckt bringt einen auch nicht weiter. Eher im Gegenteil, was den eigentlichen Akt betrifft (abgesehen davon, dass bestimmte Machtverhältnisse bestimmte Leute anregen). Der ganze Mist, dass mit Sex per se Macht ausgedrückt wird, mag für Mitbegründer der Queertheory und Männerfeinde wie Adrienne Rich interessant gewesen sein, aber so lange beide Spass daran haben und es machen wollen muss es rein gar nichts mit Machtverhältnissen zu tun haben.

Das Sex immer im Kontext von Macht zu sehen ist, ist glaube ich einer der größten Trugschlüsse des Feminismus.

Wichtig ist es außerdem, den Stellenwert von Sexualität in (Liebes)Beziehungen zu hinterfragen sowie zu überlegen, weshalb körperliche Nähe als Sexualität definiert wird. (Oftmals wird allein Penetration als „Sex“ definiert. Damit wird Sex als heterosexuelle, männliche Norm gesetzt, welche abzulehnen ist und kritisiert werden muss).

Gott, was für eine Sexualitätsfeindlichkeit. Sex zu wollen ist eben auch schon irgendwie Patriarchat und der Mann sollte sich gefälligst schämen, dass er da schon wieder Macht ausüben möchte. Ein viel einfacherer Grundsatz: Wenn dir Sex in einer Beziehung wichtig ist und du meinst, dass du davon zu wenig hast, dann such dir eine andere Beziehung, in der beide besser zusammen passen. Wenn du in deiner Beziehung Körperlichkeit willst, dann kannst du eben keine mit einem führen, der das nicht will. Das gilt ebenso andersherum. Und natürlich hat Sex viel mit Penetration zu tun, jedenfalls wenn zumindestens einer der beiden etwas hat, mit dem man penetrieren kann. Sei es beim Blowjob, beim vaginalen Sex oder beim Analsex. Wenn zwei Frauen Sex haben, dann kann es ihnen auch vollkommen egal sein, wenn ein Heterosexueller oder ein schwuler Mann beim Sex gerne penetriert. Dadurch ändert sich für die homosexuelle Frau nicht und wenn sie ihrerseits gerne einen Dildo, ihre Finger oder was auch immer nimmt oder will, dass das der Partner macht, dann sei ihr dabei entstehende sexuelle Lust ebenso gegönnt als wenn sie andere Praktiken verwendet. Was soll eigentlich dieses „ich kann nicht penetrieren also darf allen anderen das auch nicht wichtig sein!“?

Mit „queer“ sollen Identitäten verhandelt und politisiert werden und eine Auseinandersetzung mit Identitäten und den Grenzen von „Identitäts- und Reformpolitik“ stattfinden (vgl. Holzleithner 2001; Jagose 2001: 167).

Es ist eben ein Fall von „das Private ist politisch“. Was man selbst will ist unwichtig, wenn es nicht in das große Ganze passt und das wiederum muss sich auch noch nach extremen Sonderfällen ausrichten. Das eine Welt auch gut sein kann, in der Minderheiten einfach Minderheiten sind ohne das deswegen alle anderen ihr Verhalten ändern müssen kommt da nicht vor. Alles ist Diskriminierung, sogar, wenn man seinen Penis gerne in seine dies auch wollende Freundin steckt. Weil man damit Macht ausübt. Krank irgendwie.

– „Eine queere Forderung lautet deshalb, dass es nicht darum gehen kann, Politik auf einer Identität aufzubauen, die das Ergebnis von Herrschaft ist. Vielmehr ginge es darum, diejenigen gesellschaftlichen Praktiken und Kontexte, die diese Zuschreibung von ‚Identität‘ begünstigen, aufzuzeigen und anzugreifen“ (Jagose 2001: 167-168). Weiters ist es wichtig festzuhalten, dass queer an keine „bestimmte Identitätskategorie gebunden ist“ (Jagose 2001: 14). Der Begriff stellt auch keine neue Identität dar, sondern möchte vielmehr Kritik an Identitäten üben, um aufzudecken, wie Begriffe konstruiert sind (vgl. Villa 2007: 178).

Es muss den typischen männlichen Feministen stark frustrieren, wenn er sich in Geschlechtslosigkeit übt und er dann doch nur ein Dudebro ist. Denn gleichzeitig weiß er ja, dass er seine Privilegien nie ablegen kann. Er bleibt Mann und muss sich immer noch irgendwie selbst hassen. Er kann aber immerhin etwas Vergebung erhoffen, wenn er seine Identität aufgibt und bloß kein Mann ist. Gleichzeitig sollte er aber wohl nie von einer Frau verlangen, keine Frau zu sein. Das wäre gewiss Sexismus. Um Herrschaftsfrei zu sein muss er sich ganz der Herrschaft der Frau unterwerfen. Denn Frauen haben ja nie Macht und ihre Identität kann daher nie das Ergebnis von Herrschaft sein. Eigentlich erstaunlich, dass man dann im Kontext „Rasse“ so vehement darauf besteht, dass man sich aus einer anderen Kultur nichts aneignen darf, weil das denen etwas wegnimmt.

Lightyear schließt mit weiteren Fragen:

Weitere Fragen, welche für die Reflexion von Privilegien hilfreich sein können
• Wer macht die reproduktive Arbeit (Raum fegen, Abwasch, Essen vorbereiten, emotionale Beziehungsarbeit, Kindererziehung)?
• Wie ist unser Redeverhalten?
• Wie ist zahlenmäßig das Verhältnis Frauen* – Männer* in Gruppen?
• Warum nehmen Frauen* weniger am öffentlichen Leben teil?
• Haben wir gewaltfreie, liebevolle Beziehungen und Umgangsformen?
• Welche Rolle spielen Liebe und Beziehungen, gehen wir in der Sexualität achtsam miteinander um?
• Wie sind die ökonomischen Verhältnisse, wie gleichen wir diese aus?
• Wer organisiert / plant Kinderbetreuung, wer führt diese schließlich durch?
• Ist unsere Utopie und Praxis offen für vielfältigste Lebensentwürfe (kulturell, sexuell, religiös, spirituell, körperlich)?

Es gibt viel zu tun, wenn man seine Privilegien über Bord wirft. Und alles ist der Ideologie unterworfen, von der Aufteilung der Arbeit über das Redeverhalten, der Zusammensetzung des Freundeskreises oder der Zusammensetzung bei anderen Aktivitäten. Unter dieser Basis stelle ich mit ein liebevolles Zusammenleben eher schwieriger vor, gerade wenn auch Sex irgendwie in Richtung Unterdrückung geht. Hier stellt sich natürlich auch die Frage: Wie tief muss man es hinterfragen und reflektieren, wenn man aus ganz freien Willen und ohne irgendwelche Machtverhältnisse gerne „traditionell“ lebt, also sie die Kinderbetreuung etwas mehr übernimmt und er mehr verdient? Muss man beständig anführen, dass man das alles hinterfragt hat, damit andere nicht denken, man stärke hier doch die Geschlechterrollen?

 

Manuela Schwesig zu Arbeit trotz Kindern, Benachteiligungen etc

In einem Spiegelartikel führt Manuela Schwesig, die Familienministerin, an, welche Probleme sie gegenwärtig sieht und was sie ändern würde:

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht Frauen durch die gesellschaftlichen Rollenklischees benachteiligt. Schwesig sagte der „Bild am Sonntag“: „Als Frau kann man es eigentlich niemandem recht machen: Wer sich nicht für Kinder entscheidet, wird schräg angeguckt. Wer dann auch noch Erfolg im Beruf hat, ist die egoistische Karrierefrau. Wer sich für Kinder entscheidet und zu Hause bleibt, ist ’nur Hausfrau‘. Wer Kinder hat und arbeitet, ist die Rabenmutter. Diese Stereotype und Rollenklischees müssen endlich aufgebrochen werden.“

Ich denke tatsächlich, dass viele Frauen diese Lage als Druck wahrnehmen und die Frage, wie man diese Rollen auflöst, sollte sich auch eine Männerbewegung stellen. Allerdings entsteht der entsprechende Druck nicht, wie im Feminismus wohl angenommen, schlicht durch das Patriarchat etc, sondern in einem Zusammenspiel von Faktoren, etwa auch, dass viele Frauen tatsächlich gerne mehr von ihren Kindern haben wollen, dass sie auch ein gewisse berufliche Stellung wollen und das andere Frauen das Verhalten entsprechend überwachen, weil es auch darauf zurückschlägt, wie sie selbst bewertet werden.

Die Ministerin rät Frauen zu mehr Gelassenheit und verweist auf die Situation in Frankreich: „In Frankreich wird viel entspannter mit Kindern umgegangen. Die Frauen setzen sich und andere nicht so unter Druck. Von dieser Gelassenheit können wir lernen.“

Allerdings schaffen die französischen Frauen dies meines Wissens nach, weil auf eine frühe Fremdbetreuung der Kinder gesetzt wird und gleichzeitig das Wechselmodell auch die Kindererziehung weniger einseitig auf die Frau überträgt. Dieser bliebe in einem Wechselmodell eben häufig auch nichts anders übrig als früh zu arbeiten.

Der deutschen Wirtschaft gibt Schwesig eine Mitschuld an der niedrigen Geburtenrate hierzulande. „Ganz viele haben zwar einen Kinderwunsch, realisieren ihn aber nicht, weil sie in der Arbeitswelt an Hürden stoßen. Befristete Arbeitsverträge wirken stärker auf die Geburtenrate als die Pille. Wer sich von Jahresvertrag zu Jahresvertrag hangelt, traut sich oft nicht, sich für ein Kind zu entscheiden.“ Die Zahl grundlos befristeter Jobs sei seit 2001 auf 1,3 Millionen gestiegen.

Lustigerweise ist meines Wissens nach gerade der öffentliche Dienst in vielen Bereichen ein sehr großer Freund immer wieder neuer befristeter Verträge, je nach dem ob die Fördermittel etc in dieser Form weiterhin bewilligt werden.

Die Ministerin forderte die Wirtschaft auf, Arbeitnehmer nur noch dann befristet einzustellen, wenn es einen Sachgrund gebe, also zum Beispiel eine Schwangerschaftsvertretung. Den derzeitigen Umgang mit unbefristeten Arbeitsverhältnissen bezeichnete die Ministerin als familienfeindlich: „Leider ist es heutzutage auch möglich, ohne Grund zu befristen. Die Unternehmer müssen mehr Rücksicht nehmen auf die Belange von Familien. Vollzeit arbeiten, am besten über Handy und E-Mails rund um die Uhr zur Verfügung stehen, sich gleichzeitig um Kinder und pflegebedürftige Eltern kümmern – das bringt Familien an die Grenze ihrer Belastung. Es wäre ein Riesenfortschritt, wenn in der Arbeitswelt auf Familienzeiten geachtet würde.“

Das bringt viele Familien nicht an die Grenze der Belastung, wenn die Ehe noch gut läuft. Dann wird die Frau häufig einen „familienfreundlichen“ Job gesucht haben und der Mann eher einen, in dem er gut verdient. Es wäre interessant, wie viele tatsächlich zu einem Wandel bereit wären.

Um berufstätige Frauen zu entlasten, will Schwesig die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mithilfe eines 100-Millionen-Euro-Programms für Kitas mit langen Öffnungszeiten stärken: „Wir können es den Familien wesentlich einfacher machen, wenn es endlich in ganz Deutschland Kitas und Ganztagsschulen geben würde. Ich will jetzt mit einem 100-Millionen-Euro-Programm Kitas mit Öffnungszeiten am Abend, in der Nacht und früh morgens ausbauen.“

Aus meiner Sicht die einzige Möglichkeit, die man hat, wenn man will, dass Frauen sich weitergehender am Berufsleben beteiligen. Eine weitere Schraube wäre das Unterhaltsrecht mit frühen Erwerbsobliegenheiten.

Hätte sie ein unbegrenztes Budget zur Verfügung, würde Schwesig in der Familienpolitik drei Projekte umsetzen: “

  • Deutschlandweit gebührenfreie Kitas und Ganztagsschulen.
  • Eine 32-Stunden-Woche für Eltern als Familienarbeitszeit mit einer kleinen Finanzspritze vom Staat.
  • Ein moderneres Steuerrecht, was alle Familien besser unterstützt und nicht nur einseitig auf das Ehegattensplitting setzt.

Da würde natürlich viel von der Ausgestaltung abhängen.

Was haltet ihr von ihren Vorstellungen?

„Familienleitbilder in Deutschland“

Eine Studie soll die „Familienleitbilder in Deutschland“ untersuchen. Diesbezügliche Pressemitteilung der Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung dazu findet sich hier

Dort werden die wichtigsten Ergebnisse wie folgt dargestellt:

• Elternleitbilder und Wirklichkeit klaffen auseinander 
Leitbilder der Elternschaft und Alltagspraxis sind häufig widersprüchlich. So leben immerhin 28,5 % der Befragten, die das komplementäre Elternschaftsleitbild (Vater=Ernährer/Mutter=Hausfrau) ablehnen, dennoch das männliche Alleinverdienermodell. Dies ist die Folge der noch unzureichend ausgebauten Kinderbetreuungsinfrastruktur (besonders in Westdeutschland) sowie der Mechanismen innerhalb der Arbeitswelt, die es Müttern nach Erziehungszeiten erschweren, einen Wiedereinstieg in den Job zu finden.

Das Baby ist kein Feminist (und auch kein Maskulist). Ich kenne auch einige Eltern, die geplant haben, dass sie sehr schnell wieder Vollzeit arbeitet, aber dann festgestellt haben, dass das mit einem Kind gar nicht so einfach ist. Viele wollen eben auch ein einjähriges Kind nicht in die Fremdbetreuung geben, es soll eben auch „was von den Eltern haben“.

• Leitbild der Elternschaft ist überfrachtet
Es bestehen hohe Ansprüche an die Voraussetzungen und Bedingungen für Elternschaft. So meint ein gutes Viertel der befragten 20- bis 39-Jährigen, dass Eltern ihre eigenen Bedürfnisse komplett hinter die ihrer Kinder zurückstellen sollten. Über die Hälfte der jungen Erwachsenen setzen für die eigene Familiengründung sowohl die materielle Absicherung als auch die berufliche Etablierung der Frau voraus.

Würde mich interessieren, wie die Frage hier formuliert war. Sicher werden viele sagen, dass sie die eigenen Bedürfnisse komplett hinter die ihrer Kinder zurückstellen. Schließlich sind Kinder ja auf die Hilfe der Eltern angewiesen. Es fragt sich aber, was sie konkret damit verbinden und was es tatsächlich bedeutet im täglichen Leben.

Dass viele eine materielle Absicherung und auch berufliche Etablierung der Frau voraussetzen finde ich auch verständlich: Wenn eine Frau keine Ausbildung hat, dann macht sie das im Unterhalt sehr gefährlich und entgegen der Vorstellungen von radikalen Feministinnen sind viele Männer dafür, dass auch die Frauen arbeiten, ebenso wie viele Frauen (dann vielleicht im Gegensatz zu der Vorstellung radikaler Maskulisten) durchaus auch arbeiten wollen. Wenn man etwas studiert hat, dann werden die meisten erst einmal ein paar Jahre arbeiten wollen, denn wenn sie gleich aussetzen ist die Gefahr groß, dass man nicht mehr in den Beruf hineinkommt.

• Leitbild der guten Mutter 
Hoher Erwartungsdruck an Mütter, für die Kinder da zu sein. Die „verantwortete Mutterschaft“ spiegelt den hohen individuellen und gesellschaftlich wahrgenommenen Qualitätsanspruch an Mütter wider. Über drei Viertel der Befragten sind der Ansicht, dass Mütter nachmittags Zeit haben sollten, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Innerhalb der Gesellschaft nehmen sogar rund 87 % wahr, dass es diese Erwartung an Mütter gibt.

Über drei Viertel der Befragten sind der Meinung, dass die Mutter nachmittags die Zeit haben sollte, um ihren Kindern beim Lernen zu helfen. Das sollte man sich auch aus maskulistischer Sicht bewußt machen: Genug Männer wollen eine aussetzende Frau, die dann lieber mit den Kindern lernt und diese fördert. Ich kann mir vorstellen, dass diese Erwartungshaltung durchaus auch Männer trifft, die auch mit Kindern lernen sollen etc, wobei hier aufgrund der Rollenverteilung eben davon ausgegangen wird, dass der Job vorgeht.

• Krippenbetreuung akzeptiert, jedoch im Westen eher ältere Kinderund mit kürzerer Betreuungszeit als im Osten

Externe Betreuung von unter 3-Jährigen ist prinzipiell akzeptiert, jedoch im Westen tendenziell erst, wenn Kinder älter sind und seltener ganztags. Offenbar gibt es in einigen Teilen der westdeutschen Gesellschaft ein Akzeptanzproblem gegenüber externer Fremdbetreuung von U-3-Jährigen.

Auch das haut in die gleiche Kerbe, zumindest im Westen. Seine Kinder zu schnell fremdbetreuen zu lassen gefällt hier vielen nicht. Auch das macht eher erforderlich, dass einer der beiden aussetzt. Was dann eben eher die Frau sein wird.

• Vatersein heißt ernähren UND erziehen, aber im Alltag droht die Retraditionalisierung
Vor allem Männer glauben heute oft, beides sein zu müssen: Der „klassische“ Vater, der das Familieneinkommen bestreitet, und der „aktive“ Vater, der sich gleichberechtigt in die Betreuung und Erziehung der Kinder einschaltet. Die Vereinbarkeitsproblematik ist demnach auch für Männer ein wichtiges Thema geworden. Jedoch verändern sich durch die Familiengründung häufig die Vaterleitbilder, d. h. Väter und Mütter sehen im Vater dann wieder eher den Familienernährer.

Ich vermute, dass auch hier wieder der Praxisschock zuschlägt. Eine Betreuung durch beide in gleichwertiger Form ist meist nur schwer zu organisieren, die Arbeitsteilung ist häufig effektiver und auch finanziell günstiger.

• Verantwortete Elternschaft als Barriere für Familiengründung bzw. -erweiterung
Die Ergebnisse verdeutlichen: Je höher das Anspruchsniveau an Elternschaft ist, desto niedriger ist der Kinderwunsch. „Der Wunsch nach Perfektion erschwert Elternschaft“, sagt Prof. Dr. Norbert F. Schneider. Insgesamt geht daher vom Leitbild der verantworteten Elternschaft ein ungünstiger Impuls für die Geburtenentwicklung in Deutschland aus.

Also ein Fall von „Es passt halt nie, wir waren beide beruflich zu eingespannt“. Dennoch ein merkwürdiger Satz „von der verantworteten Elternschaft“ geht ein ungünstiger Impuls aus. Ich würde ja eher vermuten, dass beide sich bewusst sind, dass ein Kind Zeit kostet und man es dann immer weiter hinausschiebt oder teilweise auch einfach kein zweites Mal aussetzen möchte. Ich kenne Frauen, die meinten, dass ihnen aus dem Grund ein Kind reicht und sie die Phase des zuhause seins mit einem Kleinkind auch relativ langweilig fanden.

Impulse für die Politik
Politische Maßnahmen, die auf die Familie abzielen, sollen u. a. den Druck auf Eltern reduzieren helfen und die Lebensqualität von Menschen verbessern, um sie bei der Verwirklichung ihrer Lebensplanung unterstützen. „Zufriedene Eltern sind gute Eltern, denn Elternwohl und Kindeswohl gehören zusammen. Wir können das Elternwohl verbessern, indem wir z. B. stärker auf die Qualität von Krippenbetreuung setzen, Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie erleichtern, den finanziellen Spielraum durch alternative Steuermodelle erweitern oder alle
Lebensformen, in denen Menschen Verantwortung füreinander übernehmen, rechtlich gleichstellen“, so Prof. Norbert F. Schneider vom BiB.

Das sind sicherlich alles interessante Ansätze. Und eine gut Akzeptanz für die Kinderbetreuung hat ja auch in Frankreich soweit ich weiß dazu geführt, dass dort Frauen mehr arbeiten als hier.

Allerdings hat man dort auch eine Art „Ehe light“ eingeführt und praktiziert wohl sehr häufig auch das Wechselmodell. Es wäre interessant, ob auch das die Bereitschaft erhöht.