Costly Signals und Kultur

Aus meiner Sicht ist das Setzen von Signalen für die verschiedenen Aspekte von „Guten Genen“ ein Aspekt, der gerade beim Menschen vieles erklärt. Hiergegen wurde bereits eingewendet, dass die ursprüngliche Bedeutung von „Costly Signals“ wesentlich enger war und sich insbesondere auf körperliche Merkmale bezog und die Kosten dort meist wesentlich deutlicher erhöht wurden, etwa durch eine höhere Chance getötet zu werden, weil man durch lange Schwanzfedern eingeschränkt ist.

1. Lohnt sich Signaling nur bei sehr hohen Kosten?

Das Prinzip hinter dem Setzen von Signalen ist, dass diese den eigenen Wert gegenüber einem potentiellen Partner (sei es für Kooperation oder Fortpflanzung) signalisieren sollen. Bei nahe jeder menschlichen Interaktion ist dies von Relevanz, da immer die Frage ist, ob derjenige, mit dem man sie durchführt, der richtige ist, man ihm vertrauen kann, man nicht einen besseren bekommt. Bei jeder menschlichen Interaktion ist es daher wichtig, der anderen Seite die notwendigen Zeichen hierfür so deutlich wie möglich zu übersenden und es ist im Gegenzug für den Empfänger wichtig, diese Zeichen zu empfangen und „ehrliche Signale“ von „unehrlichen Signalen“ zu unterscheiden. Um so kooperativer dabei eine Spezies ist, um so weniger können solche Signale über „Kann sich vor Raubtieren schützen trotz Nachteil X“ gesendet werden. Diese haben in einem auf Handel ausgerichteten menschlichen Zusammenleben schlicht keinen Raum. Im übrigen kommen Signale außerhalb dieser Kategorie auch bei Tieren vor. Der komplizierte Gesang der Singvögel und dessen fehlerfreie Wiederholung zeigt beispielsweise an, dass dieser Teil des Gehirns fehlerlos erstellt ist und damit einen genetisch hohen Wert besitzt, was dann auf den übrigen Genanteil hochgerechnet wird. Komplizierte Balztänze haben eine ähnliche Funktion.

2. Intelligenz erzeugt Komplexität, Komplexität schlägt sich auch in den Signalen nieder

Ein weiterer Faktor ist, dass es in einer intelligenteren Spezies mit einem komplexen Sozialleben zu erwarten ist, dass der Partnerwert gerade auch über die Fähigkeit, in sozialen Situationen zu bestehen, dargestellt wird. Denn gerade im Zusammenspiel mit anderen und in der Konkurrenz mit anderen zeigt sich am deutlichsten der Vorteil von Intelligenz. Die Erkennung von „guten Partnern“ ist insoweit gerade unter den Bedingungen, in denen Menschen leben und evolviert sind, eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann. Daraus wiederum folgt, dass auch das Senden solcher Signale von überaus hoher Wichtigkeit ist. Deswegen ist es gerade in solchen auf hohe Zusammenarbeit ausgelegten Arten zu erwarten, dass die Position in der Gruppe, die Bündnisse, die bereits bestehen, die Ressourcen, die man gegen andere verteidigen kann oder von ihnen zugewiesen bekommt, als Signale ausgewertet werden. Um so komplexer ein Lebewesen in ein Beziehungsnetz eingebunden ist und um so eher das Lebewesen durch Arbeitsteilung und Zusammenarbeit Vorteile erlangen kann, um so eher ist es auf Signale angewiesen.

3. Kultur als Signal

Bei dieser Betrachtung ist es zu erwarten, dass Lebewesen, die ein besonders starkes Interesse an der Darstellung von Signalen und deren Erkennung haben, soziale Praktiken entwickeln, die gerade dieser Darstellung dienen. Soziales Interesse der jeweiligen Lebewesen wird gerade auf die Erkennung von Signalen und die Erlangung von Darstellungsmöglichkeiten gerichtet sein.

Darunter würden fallen:

Nimmt man all diese Bereiche, in denen Menschen Signale aussenden sollten, um ihren Wert anzuzeigen, dann wird deutlich, dass Costly Signals einen großen Teil der heutigen Kultur ausmachen oder auf diese zuzurückzuführen sind. Dabei greifen die Kategorien natürlich auch ineinander. Insbesondere bewirken viele Zeichen einen sonstigen hohen Wertes auch eine Erhöhung des Partnerschaftswerts für das andere Geschlecht.

4. Wandelbarkeit von Signalen

Weil die Art, nach der man diese Eigenschaften demonstrieren kann, auch davon abhängen, inwieweit Technik und Kultur oder andere Ausprägungen die Darstellung erlauben, kann ein Signal, welches früher ehrlich war, heute aussagelos sein.

Beispielsweise wäre in der Steinzeit die Herstellung oder der Besitz eines fehlerlosen Tontopfs (symmetrisch, ohne Ungenauigkeiten in der Ausführung etc.) ein Zeichen sowohl hoher Handwerkskunst als auch hoher Ressourcen gewesen. In Zeichen industrieller Herstellung ist aber Perfektion die Norm und nur ein zeichen der zeitunaufwändigen Herstellung, ein Tonkrug (zB als Blumentopf), der Unperfektheiten aufweist, kann heute als Zeichen einer Zeitaufwändigen manuellen Herstellung gerade aufgrund dieser ein besseres Zeichen sein.

Ebenso kann ein überaus verzierte Kleidung aus Seide, mit filigranen Schuhen auf Absätzen und Spitzenkragen ein Zeichen dafür gewesen sein, dass man sich zum einen die teure Seide leisten konnte (Ressourcen) und zum anderen nicht körperlich oder auch gar nicht arbeiten musste, weil andere dies für einen machen (Status). Mit einer Steigerung von Tätigkeiten im geistigen Bereich sinkt hingegen der Nutzen hiervon, zudem drückt praktischere Kleidung dann wieder eher Kooperationsbereitschaft aus, also auch die Bereitschaft wertvolle Arbeit zu leisten aus, die in einer Leistungsgesellschaft wichtiger ist als in einer Ständegesellschaft.

In einer Gesellschaft, in der mangels effektiver Verhütung sexuelle Treue besonders wichtig war, mag die Keuschheit und Unberührtheit einer Frau als Signal betont werden, während in Zeiten effektiver Verhütung Treue in einer Beziehung Keuschheit als Signal ablehnt und sexuelle Signale eine höhere Bedeutung erhalten. Eine Frau, die sich früher für Nacktfotos zur Verfügung gestellt hat, hat in bestimmten Bereichen Signale gesetzt, die negativ waren, etwa indem sie die üblichen Signale von Keuschheit und Unberührtheit durch starke sexuelle Signale überlagerte. Da heute diese Werte kulturell herabgestuft sind und emotionale Treue wichtiger ist, fällt der Malus in diesem Bereich teilweise Weg und die stärkere Aufwertung sexueller Signale führt dazu, dass das Ausziehen für den Playboy gesellschaftsfähig geworden ist. Auch heute aber müssen bestimmte Regeln eingehalten werden, die die Bilder „Stilvoll“ im Gegensatz zu „billig“ machen, wobei der Unterschied meist daran liegt, dass in den Bildern zwar eine Bewertung des Körpers (=Rückschluss auf „gute Gene“) erlaubt wird, aber ein sexuelles Anbieten durch entsprechende, den Sex ermöglichende Stellungen und die Betonung der eigenen sexuellen Erregung unterbleibt.

Solange die Macht von Kirchen besonders hoch war, konnte Religionszugehörigkeit ein Costly Signal dafür sein, dass man Bestandteil der Gruppe ist und insofern kooperationsfähig, dass man einen normalen sozialen Umgang pflegt (im Gegensatz dazu mit dem Teufel im Bunde zu sein).

5. Aufnahme als Zeichen trotz heute fehlender Ehrlichkeit

Viele Zeichen, die heute kulturell bestehen, fehlt es allerdings aufgrund des technischen und kulturellen Wandels an Ehrlichkeit. Weil sie aber einmal Costly waren, nehmen wir sie teilweise auch heute noch als Costly wahr. So ist der Besuch in einem feinen Restaurant insbesondere deswegen als Zeichen interessant, weil die Bediensteten einem besonders zuvorkommend und ehrergiebig behandeln und dabei selbst Zeichen eines hohen Status über ihre Kleidung tragen. Ebenso dient der Preis als Costly Signal von Ressourcen, obwohl diese heute auch mit einem normalen Gehalt zu stemmen sind. Ebenso können zB falsche Brüste als Imitat guter Gene gefallen, obwohl wir wissen, dass sie falsch sind. Und die Anonymität und der in das Berufsleben verlagerte Wettbewerb der heutigen Welt in Vergleich zu steinzeitlichen Welten erlaubt uns stärker, auch Statusverhalten, welches eigentlich nicht zu unserem Status passt vorzugeben. Es bestehen also viele Möglichkeiten, heute Zeichen, die früher eine hohe Aussagekraft hatten, zu fälschen.

Religion als Costly Signal

Ich hatte in dem Artikel „Warum Menschen an Gott glauben“ schon ein paar Gründe aufgeführt, die zu der Entwicklung von Religion beigetragen haben könnten.

Jared Diamond stellt hier einen weiteren vor (via Jerry A. Coyne):

The more of one’s life is wrapped up with one’s group, the more crucial it is to be able to identify group members correctly and not to be deceived by someone who seeks temporary advantage by claiming to share your ideals but who really doesn’t. If that man carrying a Boston Red Sox banner, whom you had accepted as a fellow Red Sox fan, suddenly cheers when the New York Yankees hit a home run, you’ll find it humiliating but not life-threatening. But if he’s a soldier next to you in the front line and he drops his gun (or turns it on you) when the enemy attacks, your misreading of him may cost you your life.

That’s why religious affiliation involves so many overt displays to demonstrate the sincerity of your commitment: sacrifices of time and resources, enduring of hardships, and other costly displays that I’ll discuss later. One such display might be to espouse some irrational belief that contradicts the evidence of our senses, and that people outside our religion would never believe. If you claim that the founder of your church had been conceived by normal sexual intercourse between his mother and father, anyone else would believe that too, and you’ve done nothing to demonstrate your commitment to your church. But if you insist, despite all evidence to the contrary, that he was born of a virgin birth, and nobody has been able to shake you of that irrational belief after many decades of your life, then your fellow believers will feel much more confident that you’ll persist in your belief and can be trusted not to abandon your group.

Das ist letztendlich nichts anderes als der Gedanke, dass Religion gerade wenn sie gewisse absurde, unlogische Elemente hat, gut dazu geeignet ist, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, indem man sich zu einer Unlogik bekennt. Der Gedanke dahinter ist dann eben, dass dies nur jemand machen würde, der sich der Gemeinschaft besonders verpflichtet fühlt.

Durch die Unlogik wird also gerade das verbindende Element geschaffen, weil dieses zu akzeptieren eben gerade das Kostspielige ist.

Wie spielen Biologie und Gesellschaft bei den Unterschieden zwischen Mann und Frau zusammen?

Eigentlich ja eine der Hauptfragen dieses Blogs: Wie spielen Biologie und Gesellschaft bei den Unterschieden zwischen Mann und Frau zusammen?
Meiner Meinung nach bildet häufig die Biologie die Grundlage und wird dann von der Kultur/ den gesellschaftlichen Normen ausgestaltet.
Nehmen wir Körperkraft. Aufgrund der anabolen Wirkung von Testosteron bauen Männer wesentlich schneller Muskeln auf und sind in der Regel stärker als Frauen. Dies kann dazu führen, dass gerade sehr kraftmuskelintensive Arbeit auf Männer verlagert wird. Wieviel dieser Arbeit auf Männer verlagert wird ist aber natürlich auch eine Frage der Gesellschaft. In der heutigen Zeit haben wir sehr viele Bürojobs, die keinerlei Körperkraft erfordern und mit denen man sein Brot verdienen kann. Eine Übernahme von Jobs, die reine Körperkraft erfordern, durch Frauen wird daher seltener erfolgen. Dies mag in einer Zeit, in der eine Familie irgendwie ein Pfeld pflügen muss oder in der Wassermassen für die Hausarbeit transportiert werden müssen, wieder ganz anders sein. Um so mehr Freiheit hier für die Frauen besteht Arbeiten, die eine höhere Körperkraft erfordern, nicht auszuüben, um so eher werden sie diese wahrnehmen.
Ein anderes Beispiel wäre Kleidung. Geht man davon aus, dass es biologisch abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale gibt und eines davon ist, dass Frauen Männer mit einem hohen sozialen Status attraktiv finden, dann bietet es sich an über die Kleidung diesen hohen Status wiederzugeben. Welche Kleidungsform dabei Status wiedergibt ist natürlich in einem überaus hohen Maße kulturabhängig und es hängt um so komplexer die Gesellschaft wird um so eher von den jeweiligen Vorlieben der betreffenden Frau ab. Man kann mit einem recht schlichten schwarzen Anzug heute Status wiedergeben, wo man zu anderen Zeiten Spitzenschuhe, große Kragen, Seidenkleidung und lange Perücken brauchte. Was genau den Status transportiert kann insofern lediglich als abstrakte Regel formuliert sein, die dann ausgefüllt wird, etwa indem die Darstellung von Kleidung, die Ressourcen erfordert ein gemeinsamer Nenner ist. Ob die Umsetzung über teure Seide oder den Markenanzug verbunden mit einer teuren Markenuhr erfolgt ist dann für die jeweilige Zeit höchst relevant, hat aber dennoch die gleiche Grundlage.
Ein anderes Beispiel wäre intrasexuelle Konkurrenz unter Männern. In gewissen Zeiten mag dies erfordert haben, dass man sich mit schweren Waffen die Köpfe einschlägt. Heute trägt man solche Kämpfe im Sport oder über berufliche Erfolge und damit verbunden mehr Geld aus.
Zudem können gesellschaftliche Entwicklungen natürlich auch die Biologie beeinflussen, hierzu braucht es allerdings üblicherweise sehr lange Zeiträume. Weil wir gelernt haben, Feuer zu machen, konnten wir mehr Nährstoffe aus dem Essen erhalten und zudem auf ein weniger komplexes Verdauungssystem umstellen. Oder auf Geschlechter bezogen: Weil immer mehr Arbeitsteilung erfolgte, konnten sich Männer und Frauen auf bestimmte Tätigkeiten spezialisieren, was wieder mehr Arbeitsteilung ermöglichte, was wieder mehr biologische Spezialisierung ermöglichte.
Ein schönes Bild ist die Landschaft, auf der eine Stadt gebaut wird. Man kann viele verschiedene Städte auf einer Landschaft bauen, aber die Häuser werden sich eben an den Bergen und den Landschaftsverläufen orientieren müssen.
Biologie erzeugt viele von unseren Wünschen. Wie wir diese dann ausleben können und dürfen ist wieder Kultur. Männer beispielsweise wollen im Schnitt aufgrund der Wirkung von Testosteron und wohl auch entsprechender Gehirnveränderungen mehr Sex mit mehr verschiedenen Partnern als Frauen. Man kann dennoch ein System errichten, welches außerehelichen Sex ächtet oder man kann Prostituition erlauben oder verbieten. Den Sexualtrieb an sich wird man hierdurch nicht wesentlich ändern. Männer (und natürlich auch Frauen) werden versuchen solche Normen nach Möglichkeit zu umgehen, es wird dann eben heimlichen außerehelichen Sex und Untergrundsprostituition geben.
Diese Flexibilität macht es notwendig, die Prinzipien hinter der jeweiligen kulturellen Umsetzung zu verstehen. Wer diese nicht kennt, der mag annehmen, dass Spitzenkragen und schwarze Anzüge nichts miteinander gemein haben oder das die verschiedenen Umsetzungsformen intrasexueller Konkurrenz keinen Zusammenhang haben. Im wird der kulturelle Spielraum größer erscheinen als er ist.
Ein Beispiel dafür sind auch Kinderspielzeugsachen. Hier herrscht ja einiges an Streit, ob es so etwas wie Spielzeug für Jungs/Mädchen gibt. Auch da wird beispielsweise angeführt, dass Jungs und Mädchen gerne mit einem Ball spielen. Interessanter ist aber die Frage, wie sie mit diesem Ball spielen. Wenn die Mädchen ihn sich locker hin und herwerfen, die Jungen aber ein Spiel um gewinnen oder verlieren spielen, dann ist „mit einem Ball spielen“ nicht die relavante Kategorie, diese wird dann eher dadurch bestimmt, dass Jungs hier intrasexuellen Wettbewerb einüben, Mädchen nicht. Ähnliches gilt für Puppen vs. Aktionfiguren. Was gerade als Spielzeug gewählt und vorhanden ist, mag Kultur sein. Die Spielvarianten bei Jungs und Mädchen können sich dennoch unterscheiden, sie werden sich für das Spielzeug und die Art mit ihm zu spielen entscheiden, mit dem man die jeweiligen Vorlieben besser umsetzen kann.

Anpassung väterlicher Investitionen im Verhältnis zu weiblicher Schönheit

Eine Studie zu dem väterlichen Investment nach Schönheit des Weibchens:

Introduction

The differential allocation hypothesis (DAH) predicts that individuals should adjust their parental investment to their current mate’s quality. Although in principle the DAH holds for both sexes, male adjustment of parental investment has only been tested in a few experimental studies, revealing contradictory results. We conducted a field experiment to test whether male blue tits (Cyanistes caeruleus) allocate their parental effort in relation to female ornamentation (ultraviolet colouration of the crown), as predicted by the DAH.

Results

We reduced the UV reflectance in a sample of females and compared parental care by their mates with that of males paired to sham-manipulated control females. As predicted by the DAH our results demonstrate that males paired with UV-reduced females invested less in feeding effort but did not defend the chicks less than males paired with control females.

Conclusions

To our knowledge, this is one of the first studies providing support for male differential allocation in response to female ornamentation.

Quelle: Female attractiveness affects paternal investment: experimental evidence for male differential allocation in blue tits (PDF)

Hier aus der Studie zu den Ergebnissen:

According to the basic idea that individuals choose mates on the basis of ornaments that reflect quality, males paired with females in poor condition might face the problem of producing offspring with low reproductive success. In other words, because of reduced female quality the reproductive value of the offspring will be reduced, also from the male’s perspective. The difference in male feeding investment in response to the female treatment is therefore consistent with the prediction that DA is strongly related to reproductive lifehistory. Our results on paternal care investment complement other studies, which demonstrated the female’s differential allocation of parental care in blue tits in response to the manipulation of male UV coloration of the crown [28,29]. Both studies indicate that male UV coloration is under selection pressure, created by the female allocation of parental care. Based on our results and other studies [32,33], which likewise showed assortative mating in response to UV reflectance, we suggest that male differential allocation may affect selection on female UV coloration.

 Demnach würden die Spatzen also bei schönen Weibchen mehr investieren als bei nicht so schönen, wobei „schön“ letztendlich anhand bestimmter  Attraktivitätsmerkmale für gepflegtes Federkleid festgemacht wird, ein klassisches Signal, weil es üblicherweise auch für eine gewisse Parasitenfreiheit etc spricht.

Aus einer Darstellung des Artikel:

Die UV-Reflexion des Gefieders der Weibchen wirke sich unmittelbar auf das Verhalten ihrer männlichen Partner aus, hiess es. Bei der Studie handelt es sich um eine seltene Untersuchung männlicher Reaktionen auf weibliche Schönheit in der Tierwelt. Die Ergebnisse zeigen, dass weibliche Blaumeisen viel Zeit damit verbringen müssen, ihr Gefieder zu putzen, um für die Männchen attraktiv zu bleiben.

Das Pflegen des Haares ist ja auch menschlichen Weibchen nicht fremd, eben weil dieses ebenfalls ein gutes Signal sind.

Hier noch einmal eine Darstellung der zugrundeliegenden Theorie, die für Männchen und Weibchen gilt, aber häufiger in Bezug auf die Weibchen als diejenigen, die ihre Investition variieren vorzufinden ist:

Females frequently choose males on the basis of traits [1] that may signal individual quality [2]. As a consequence they gain direct benefits, e.g. through high-quality territories and paternal investment, or indirect benefits, because attractive mates may provide genes for passing viability and attractiveness to the offspring [2]. On the other hand little is known about why females of several species also possess elaborate traits [3,4]. For a long time the presence of female ornaments was interpreted as being the consequence of genetic correlation with male ornamentation [3,5]. However, recent studies have suggested that female ornaments play a role in female – female competition (intrasexual selection) [6-10] or are sexually selected by males (intersexual selection) [11-17]. In species with biparental care males may gain benefits from choosing “high quality females” and adjust their parental investment to female quality. This may happen if there is much variance in female quality, if the latter affects offspring survival and if the males parental provide some parental investment and/or remating opportunities are low [2]. The idea of adjusting parental effort in response to the aesthetic traits of partners, when they represent honest signals of quality, is known as the Differential Allocation Hypothesis (DAH). Differential allocation is expected whenever individuals face a trade-off between current and future reproduction and the reproductive value of the offspring is connected to the attractiveness of the mate [18,19]. Since its original formulation, the DAH has been tested and supported in a number of taxa possessing different attractiveness traits and levels of parental care [20] but such studies have almost exclusively related female breeding investment to male attractiveness [21]. Given that female traits can indicate quality [9,11,14,22,23], males may differentially allocate parental investment in response to female attractiveness [24,25]. Some studies have explored the importance of female ornaments in male mate choice and as possible signals of female quality but very few have considered how they influence male parental investment [9,21,24,25].

Es leuchtet aus meiner Sicht unmittelbar ein, dass man mehr in besonders hochwertigen Nachwuchs investiert und weniger in weniger hochwertigen. Dies gilt aber nur dann, wenn die Nachwuchsfolgen hinreichend hoch sind, dass man eine solche Differenzierung treffen kann. Bei schnell brütenden Vögeln geht das schneller als bei menschlichen Kindern, die lange betreut werden müssen.

Eine männliche Anpassung der Investition kann es zudem nur geben, wenn überhaupt investiert wird. Bei Tierarten, bei denen die Mütter Betreuung und Versorgung übernehmen ist eine solche Anpassung nicht zu erwarten.

Es ist aber interessant, dass solche Berechnungen auf der Tierebene tatsächlich stattfinden. Vielleicht spiegeln sie sich beim Menschen in Anpassungen der väterlichen Investition nach Vaterschaftswahrscheinlichkeit. Um so wahrscheinlicher eine Vaterschaft ist um so eher lohnt sich eine Förderung des Kindes.

Political Correctness

Ich finde die Frage interessant, was genau Political Correctness eigentlich erreichen kann.

„Selbst-Diskriminierung“ oder „Selbstironie“ hat meiner Meinung nach den Effekt, dass man eine gewisse Entspannung zeigt. man macht deutlich, dass der andere nicht auf Zehenspitzen um solche Themen herumschleichen muss, sondern man damit umgehen kann. Wenn eine Frau sagt „

Ich habe – Frau wie ich bin – fünf Versuche gebraucht, um in die Parklücke zu kommen“,

dann ist dieses Eingeständnis, in diesem Punkt unter ein Klischee zu fallen, ein Signal, dass man den Umgang der Geschlechter entspannter sieht. und es erlaubt ihr Schuld von sich an die Gruppe (in diesem Fall Frauen abzugeben) Gleichzeitig ist – insbesondere nach einer solchen Erklärung – ein ebenfalls sexiistscher Witz der Gegenseite ein Zeichen, dass man sich nicht als Feind begreift. Den ein Freund oder eben auch ein Nichtfeind, darf einen Tabubruch eher begehen, eben gerade weil man weiß, dass er damit nichts böses bezweckt.

Dabei dient innerhalb dieses Tabubruchs die Überhöhung dazu, genau diese Nichtfeindlichkeit zu demonstrieren.

Unausgesprochen sagt der Verwender das Folgende:

Wenn er „Selbst-Diskrimierend“ ist:

Ich weiß, dass es Vorurteile über mich oder die Gruppe, der ich angehöre, gibt. Hier, ich spreche sie selbst aus. Keine Angst, ich kann mit diesen Vorurteilen umgehen, es ist kein Taboo um das du herumschleichen musst.“

Der „Diskriminierer“ sagt:

Ich mache hier mal einen Taboobruch. Ich begebe mich damit etwas in deine Hände. Denn du kannst mich daraufhin als Diskriminier outen oder mich deswegen ablehnen. Ich vertraue dir aber genug, um zu wissen, dass du mich richtig verstehst und weißt, dass ich nichts gegen dich habe“

Er kann, wenn die diskriminierte Minderheit nicht dabei ist, natürlich auch einen entsprechenden Appell machen:

Seht ihr ich mache mich angreifbar, indem ich etwas politisch nicht korrektes sage. Ich vertraue aber darauf, dass ihr das nicht gegen mich verwendet.

Letztendlich kann damit Diskriminierung ein Costly Signal sein, mit dem man eine In-Group erzeugt. Das macht bei „freundlicher Diskriminierung“, also der Benennung von Klischees ohne Böshaftigkeit gegen die Gruppe, die diese betreffen, den „Wert“ aus.

Das rechtfertigt natürlich nicht Diskriminierung an sich. Bösartige Diskriminierung oder Abwertung aufgrund einer Gruppenzugehörigkeit oder das Festhalten an Klischees ohne Berücksichtigung des Individuums schon gar nicht. Ebenso sollte man Berücksichtigen, dass viele betroffene Menschen solche Anmerkungen eben sehr stören können, gerade wenn sie den anderen nicht einschätzen können und die Frage, ab wann ein Spruch ins bösartige umschlägt, von jeder Person anderes bewertet werden kann.

Es macht aber auch deutlich, warum die Leute auf übertriebene political Correctness genervt reagieren. Denn in diesem Fall wird dem Diskriminierten das Signal genommen, dass er die Sache entspannt sieht und dem Gesprächspartner des (potentiell) Diskrimierten die Möglichkeit, durch überzogene Diskriminierung Harmlosigkeit zu signalisieren.

Vielmehr bleibt die Gruppenzugehörigkeit evtl im Raum stehen, ohne das jemand etwas dazu sagt, was es viel unangenehmer machen kann.