Volksfeste und Anzeichen für gute Gene

Volksfeste in Deutschland mit ihren diversen Buden und Ständen bieten allerlei Möglichkeiten, die gerade auf das Zeigen von Stärke und Verbundenheit ausgerichtet sind.

1. Der Schießstand

Ein Mann beweist seine Geschicklichkeit mit einer Waffe und gewinnt eine billige Plastikrose für die ihn begleitende Frau, die diese dann als Zeichen ihrer Zuneigung annehmen kann.

Schießstand

Schießstand

2. Hau den Lukas

Eigentlich selbst erklärend. Eine gute Gelegenheit, entweder intrasexuelle Konkurrenz zu betreiben und den Plog höher oder zumindest bis zum Anschlag zu schlagen und damit vielleicht auch noch eine Frau zu beeindrucken (Risiko: Er kommt nicht hoch genug. Vorteil: Frau kann dann ihre Zuneigung zeigen, indem sie ihm versichert, ihn trotzdem toll zu finden

 

Hau den Lukas

Hau den Lukas

3. Lebkuchenherz

Wer keine Worte hat oder seine Zuneigung nach außen demonstrieren will, dem bleibt das Lebkuchenherz. Sollte man eigentlich nur verschenken, wenn man schon zusammen ist (eigentlich: auch dann nicht). Es wirkt etwas hilflos meiner Meinung nach.

Lebkuchenherz

Lebkuchenherz

 

4. Autoscooter

Meist wird er fahren, was er gut oder schlecht machen kann. Man kann zudem Frauenwagen jagen und rammen und so das alte „Ich mag sie, ich hau ihr die Schaufel über den Kopf“ fortsetzen. Es kann jedenfalls Emotionen auslösen, und was will man mehr als die Verbindung von Aufregung und Spass mit einem Selbst in ihrer Vorstellung.

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5. Den Maßkrug exen

Auf dem Oktoberfest gibt es einen Brauch, dass jemand mit einem (im wesentlichen) vollen Bierkrug auf einen der Tische steigen kann und den Bierkrug hochhaltend verkünden kann, dass er diesen exen werde. Bei einer solchen Ankündigung wendet sich die gesamte Ankündigung der Umgebung ihm zu und er wird begeistert angefeuert, was das ganze zu einem hervorragenden Costly Signal macht, weil man eben die Blamage vor allen anderen Leuten riskiert. Gelingt es, wird derjenige als Held gefeiert, erlebt also einen Statusaufbau.

Naheliegenderweise sind es meist Männer, die dies versuchen. Aber es gibt auch immer wieder Frauen, die ebenfalls exen und denen es auch gelingt (ja, schlechte Qualität, aber was soll man machen):

Bier exen

Bier exen

Sie wurde noch begeisterter gefeiert als die 3-4 Jungs davor, was ich auch durchaus angemessen fand, denn sie war eben das erste und einzige Mädel, welches dies probierte und dem es auch gelang. Es passte zu der guten Stimmung, die allgemein bei meinen bisherigen Besuchen auf dem Oktoberfest war.

Strip Clubs als Karrierehindernis für Frauen

Jetzt bereits mehrmals, unter anderem auch  bei Cordelia Fine, Delusions of Gender, las ich davon, dass einer der Gründe dafür, dass Frauen weniger Karriere machen, die Sitte ist, dass es im Geschäftsleben üblich ist, Geschäftspartner in einem Stripclub oder in ein Bordell mitzunehmen.

Ein Bericht, der diese Geschäftspraktiken wiedergibt:

At one point my job involved ‚client entertainment‘, meaning you take a client out in the hope of getting business out of him. I was very young and so were my clients. What you would try to do is forge a bond. If you managed to take a married man to a strip club, boom, that meant that from then on you had a relation, it was not only about work any more

Auch hier scheint mir eine Regelung wenig erfolgsversprechend. Der Artikel beschreibt, wie so etwas neben dem Stripclub abläuft:

„There was enormous drinking, helped by the fact that if you do coke, you can have eight pints and you won’t feel a thing. How it works with coke… You call your dealer who is driving around town in his car. He picks you up, you get in, and he tells you to open that box, take out the drugs and put in the cash. Or you pay by bank transfer. I swear that happens, you sit there taking the guy’s banking sort code.

Sie trinken und ziehen sich Coke rein. Wer sich Drogen reinzieht, der befindet sich in einem Bereich, wo Verbote eh überschritten werden. Einen Strip Club Besuch zu verbieten macht das Ganze dann allenfalls noch attraktiver, weil es ein noch größerer gemeinsamer Taboobruch ist.

Wenn Feministinnen hier etwas ändern wollen, dann kann es nicht darum gehen, dieses Verhalten einfach zu verbieten. Sie müssten andere Wege finden, mit denen man eine Beziehung über die Arbeit hinaus errichten kann. Einfach die Ausflüge zu verbieten bedeutet eben, dass der, der sie dennoch durchzieht, einen persönlichen Kontakt herstellen kann und der, der es nicht macht, dies nicht kann.

Der Taboobruch fungiert sozusagen als Costly Signal: „Wir beide können so etwas zusammen machen, auch wenn ich damit meine Frau betrüge oder Drogen nehmen, wir verstehen uns gut genug und ich weiß, dass nichts rauskommt“ Alkohol und besonders hartes Feiern erlaubt einen persönlicheren Zugang und das Gefühl, zusammen etwas durchgemacht zu haben. E geht insofern nicht darum, Frauen auszugrenzen oder zu benachteiligen. Es geht darum, die niedrigen Instinkte zusammen zu befriedigen und Grenzen zu überschreiten.

Sicher sind das alte Männerrituale um eine Freundschaft zu errichten. Vielleicht hören sie auf, wenn entsprechend viele Frauen in diesem Bereich aktiv sind. Vielleicht etablieren sich dann andere Regeln für eine Beziehung über den Job hinaus. Vielleicht trifft man sich und lässt die Kinder miteinander spielen oder findet andere Rituale, die eher Frauen entgegen kommen.

Man sollte sich nur bei allen Maßnahmen zunächst bewusst machen, warum diese Rituale in dieser Form gepflegt werden.

Jesus als „Costly Signal“

Der Gedanke der Opferung des Sohnes Gottes damit er selbst den Menschen vergeben kann erscheint mir etwas bizarr.

Die Kreuzigung Jesus wird, wenn man es zunächst mal als die Kreuzigung eines Menschen sieht, der bestimmte Lehren verkündet hat und der Sohn Gottes zu sein behauptet, als notwendig angesehen, damit der Mensch von der Erbsünde erlöst wird:

Der Karfreitag ist im Zusammenhang mit Ostern für die Christen einer der höchsten Feiertage. An ihm gedenkt die Kirche des Todes Jesu Christi in Erwartung seiner Auferstehung. Nach ihrem Glauben litt und starb Jesus als „Gottesknecht“ und nahm im Kreuzestod freiwillig die Erbsünde und Schuld aller Menschen auf sich. Durch Tod und Auferstehung Jesu wird allen Menschen erst Sündenvergebung und damit Errettung aus dem Tod und ewiges Leben ermöglicht. Gleichzeitig betont die katholische Theologie zunehmend die Konsequenz seiner Gottessohnschaft, deren Botschaft von der Zuwendung des Schöpfergottes zu den Menschen eben nicht an Gewalt und Tod ihre Grenzen findet.

Das Karfreitagsgeschehen ist nicht isoliert zu betrachten, sondern steht in einer Reihe mit Ostern, Christi Himmelfahrt und Pfingsten. Nicht das Opfer Jesu soll damit allein das Große sein, sondern der Sieg über Hölle, Tod und Grab.

Die Erbsünde ist eh ein interessantes Konzept:

Grundsätzlich ist es wohl der Umstand, dass Adam und Eva, als tatsächlich vorhandene erste Menschen, einen Apfel vom Baum der  Erkenntnis gegessen haben, gegen die Anweisung Gottes. Das hat dann wohl eine Trennung zwischen Gott und den Menschen verursacht:

Der Begriff wird in der orthodoxen, römisch-katholischen und den verschiedenen evangelischen Traditionen verschieden aufgefasst. Gemeinsam ist in allen christlichen Traditionen die Lehre der Trennung des Menschen von Gott, bedingt durch die Erbsünde. Mit Hilfe von Jesus Christus kann die Gemeinschaft mit Gott wiederhergestellt werden. Der Mensch allein besitzt nicht die Kraft dafür. Unterschiede bestehen innerhalb der christlichen Konfessionen hinsichtlich der Art des Weges, welcher zur Erlösung gegangen werden muss.

Man braucht also ein Opfer mit dessen Hilfe der Mensch wieder die Gemeinschaft mit Gott herstellen kann. Dazu opfert man den Sohn Gottes, der gleichzeitig er selbst ist., was ihm aber nicht bewusst ist, da er sich am Kreuz von Gott verlassen sieht, sich also nur als tatsächlichen Sohn sieht.

Insgesamt scheint mir das Konzept sehr konfus:

  • Die Erbsünde scheint etwas zu sein, was außerhalb des Einflusses Gottes liegt, was er also nicht ohne weiteres korrigieren kann oder will. Er benötigt hierzu anscheinend ein bestimmtes Opfer, welches die Sünden symbolisch auf sich nimmt (dann aber trotz Übernahme dieser Sünden an der Seite Gottes sitzt?)
  • Eine andere Betrachtung wäre, dass das Opfern Jesus Gott als Werkzeug dient, die außerhalb seines sonstigen Einflusses liegende Erbschuld zu überwinden
  • Eine etwas banalere Erklärung wäre, dass Erkenntnis aus naheliegenden Gründen eine Trennung zwischen Gott und den Menschen herbeiführt und dies aus Sicht jeder Religion sündig erscheinen muss. Mit der Akzeptanz Jesus als Sohn Gottes und Retter der Menschheit wäre wieder mehr Unkenntnis in der Welt, die mehr Glauben ermöglicht und damit in der Tat de Kluft zwischen Mensch und Gott verringert. (zu Religion selbst als Costly Signal)

Jedenfalls scheint es allgemein wichtig zu sein, dass Gott hier seinen eigenen Sohn opfert oder aber dieser sein eigenes Leben für die Gemeinschaft gibt.

Jesus sendet oder ist damit in dieser Religion ein „Costly Signal“, eine Schuld, der der Mensch gerecht werden muss.

Das passt gut dazu, dass Religion auch die Möglichkeit ist, mit einer höheren Instanz um ein besseres Leben zu verhandeln. Gott legt hier insofern vor.

 

Costly Signals und Kultur

Aus meiner Sicht ist das Setzen von Signalen für die verschiedenen Aspekte von „Guten Genen“ ein Aspekt, der gerade beim Menschen vieles erklärt. Hiergegen wurde bereits eingewendet, dass die ursprüngliche Bedeutung von „Costly Signals“ wesentlich enger war und sich insbesondere auf körperliche Merkmale bezog und die Kosten dort meist wesentlich deutlicher erhöht wurden, etwa durch eine höhere Chance getötet zu werden, weil man durch lange Schwanzfedern eingeschränkt ist.

1. Lohnt sich Signaling nur bei sehr hohen Kosten?

Das Prinzip hinter dem Setzen von Signalen ist, dass diese den eigenen Wert gegenüber einem potentiellen Partner (sei es für Kooperation oder Fortpflanzung) signalisieren sollen. Bei nahe jeder menschlichen Interaktion ist dies von Relevanz, da immer die Frage ist, ob derjenige, mit dem man sie durchführt, der richtige ist, man ihm vertrauen kann, man nicht einen besseren bekommt. Bei jeder menschlichen Interaktion ist es daher wichtig, der anderen Seite die notwendigen Zeichen hierfür so deutlich wie möglich zu übersenden und es ist im Gegenzug für den Empfänger wichtig, diese Zeichen zu empfangen und „ehrliche Signale“ von „unehrlichen Signalen“ zu unterscheiden. Um so kooperativer dabei eine Spezies ist, um so weniger können solche Signale über „Kann sich vor Raubtieren schützen trotz Nachteil X“ gesendet werden. Diese haben in einem auf Handel ausgerichteten menschlichen Zusammenleben schlicht keinen Raum. Im übrigen kommen Signale außerhalb dieser Kategorie auch bei Tieren vor. Der komplizierte Gesang der Singvögel und dessen fehlerfreie Wiederholung zeigt beispielsweise an, dass dieser Teil des Gehirns fehlerlos erstellt ist und damit einen genetisch hohen Wert besitzt, was dann auf den übrigen Genanteil hochgerechnet wird. Komplizierte Balztänze haben eine ähnliche Funktion.

2. Intelligenz erzeugt Komplexität, Komplexität schlägt sich auch in den Signalen nieder

Ein weiterer Faktor ist, dass es in einer intelligenteren Spezies mit einem komplexen Sozialleben zu erwarten ist, dass der Partnerwert gerade auch über die Fähigkeit, in sozialen Situationen zu bestehen, dargestellt wird. Denn gerade im Zusammenspiel mit anderen und in der Konkurrenz mit anderen zeigt sich am deutlichsten der Vorteil von Intelligenz. Die Erkennung von „guten Partnern“ ist insoweit gerade unter den Bedingungen, in denen Menschen leben und evolviert sind, eine der wichtigsten Eigenschaften, die ein Mensch haben kann. Daraus wiederum folgt, dass auch das Senden solcher Signale von überaus hoher Wichtigkeit ist. Deswegen ist es gerade in solchen auf hohe Zusammenarbeit ausgelegten Arten zu erwarten, dass die Position in der Gruppe, die Bündnisse, die bereits bestehen, die Ressourcen, die man gegen andere verteidigen kann oder von ihnen zugewiesen bekommt, als Signale ausgewertet werden. Um so komplexer ein Lebewesen in ein Beziehungsnetz eingebunden ist und um so eher das Lebewesen durch Arbeitsteilung und Zusammenarbeit Vorteile erlangen kann, um so eher ist es auf Signale angewiesen.

3. Kultur als Signal

Bei dieser Betrachtung ist es zu erwarten, dass Lebewesen, die ein besonders starkes Interesse an der Darstellung von Signalen und deren Erkennung haben, soziale Praktiken entwickeln, die gerade dieser Darstellung dienen. Soziales Interesse der jeweiligen Lebewesen wird gerade auf die Erkennung von Signalen und die Erlangung von Darstellungsmöglichkeiten gerichtet sein.

Darunter würden fallen:

Nimmt man all diese Bereiche, in denen Menschen Signale aussenden sollten, um ihren Wert anzuzeigen, dann wird deutlich, dass Costly Signals einen großen Teil der heutigen Kultur ausmachen oder auf diese zuzurückzuführen sind. Dabei greifen die Kategorien natürlich auch ineinander. Insbesondere bewirken viele Zeichen einen sonstigen hohen Wertes auch eine Erhöhung des Partnerschaftswerts für das andere Geschlecht.

4. Wandelbarkeit von Signalen

Weil die Art, nach der man diese Eigenschaften demonstrieren kann, auch davon abhängen, inwieweit Technik und Kultur oder andere Ausprägungen die Darstellung erlauben, kann ein Signal, welches früher ehrlich war, heute aussagelos sein.

Beispielsweise wäre in der Steinzeit die Herstellung oder der Besitz eines fehlerlosen Tontopfs (symmetrisch, ohne Ungenauigkeiten in der Ausführung etc.) ein Zeichen sowohl hoher Handwerkskunst als auch hoher Ressourcen gewesen. In Zeichen industrieller Herstellung ist aber Perfektion die Norm und nur ein zeichen der zeitunaufwändigen Herstellung, ein Tonkrug (zB als Blumentopf), der Unperfektheiten aufweist, kann heute als Zeichen einer Zeitaufwändigen manuellen Herstellung gerade aufgrund dieser ein besseres Zeichen sein.

Ebenso kann ein überaus verzierte Kleidung aus Seide, mit filigranen Schuhen auf Absätzen und Spitzenkragen ein Zeichen dafür gewesen sein, dass man sich zum einen die teure Seide leisten konnte (Ressourcen) und zum anderen nicht körperlich oder auch gar nicht arbeiten musste, weil andere dies für einen machen (Status). Mit einer Steigerung von Tätigkeiten im geistigen Bereich sinkt hingegen der Nutzen hiervon, zudem drückt praktischere Kleidung dann wieder eher Kooperationsbereitschaft aus, also auch die Bereitschaft wertvolle Arbeit zu leisten aus, die in einer Leistungsgesellschaft wichtiger ist als in einer Ständegesellschaft.

In einer Gesellschaft, in der mangels effektiver Verhütung sexuelle Treue besonders wichtig war, mag die Keuschheit und Unberührtheit einer Frau als Signal betont werden, während in Zeiten effektiver Verhütung Treue in einer Beziehung Keuschheit als Signal ablehnt und sexuelle Signale eine höhere Bedeutung erhalten. Eine Frau, die sich früher für Nacktfotos zur Verfügung gestellt hat, hat in bestimmten Bereichen Signale gesetzt, die negativ waren, etwa indem sie die üblichen Signale von Keuschheit und Unberührtheit durch starke sexuelle Signale überlagerte. Da heute diese Werte kulturell herabgestuft sind und emotionale Treue wichtiger ist, fällt der Malus in diesem Bereich teilweise Weg und die stärkere Aufwertung sexueller Signale führt dazu, dass das Ausziehen für den Playboy gesellschaftsfähig geworden ist. Auch heute aber müssen bestimmte Regeln eingehalten werden, die die Bilder „Stilvoll“ im Gegensatz zu „billig“ machen, wobei der Unterschied meist daran liegt, dass in den Bildern zwar eine Bewertung des Körpers (=Rückschluss auf „gute Gene“) erlaubt wird, aber ein sexuelles Anbieten durch entsprechende, den Sex ermöglichende Stellungen und die Betonung der eigenen sexuellen Erregung unterbleibt.

Solange die Macht von Kirchen besonders hoch war, konnte Religionszugehörigkeit ein Costly Signal dafür sein, dass man Bestandteil der Gruppe ist und insofern kooperationsfähig, dass man einen normalen sozialen Umgang pflegt (im Gegensatz dazu mit dem Teufel im Bunde zu sein).

5. Aufnahme als Zeichen trotz heute fehlender Ehrlichkeit

Viele Zeichen, die heute kulturell bestehen, fehlt es allerdings aufgrund des technischen und kulturellen Wandels an Ehrlichkeit. Weil sie aber einmal Costly waren, nehmen wir sie teilweise auch heute noch als Costly wahr. So ist der Besuch in einem feinen Restaurant insbesondere deswegen als Zeichen interessant, weil die Bediensteten einem besonders zuvorkommend und ehrergiebig behandeln und dabei selbst Zeichen eines hohen Status über ihre Kleidung tragen. Ebenso dient der Preis als Costly Signal von Ressourcen, obwohl diese heute auch mit einem normalen Gehalt zu stemmen sind. Ebenso können zB falsche Brüste als Imitat guter Gene gefallen, obwohl wir wissen, dass sie falsch sind. Und die Anonymität und der in das Berufsleben verlagerte Wettbewerb der heutigen Welt in Vergleich zu steinzeitlichen Welten erlaubt uns stärker, auch Statusverhalten, welches eigentlich nicht zu unserem Status passt vorzugeben. Es bestehen also viele Möglichkeiten, heute Zeichen, die früher eine hohe Aussagekraft hatten, zu fälschen.

Religion als Costly Signal

Ich hatte in dem Artikel „Warum Menschen an Gott glauben“ schon ein paar Gründe aufgeführt, die zu der Entwicklung von Religion beigetragen haben könnten.

Jared Diamond stellt hier einen weiteren vor (via Jerry A. Coyne):

The more of one’s life is wrapped up with one’s group, the more crucial it is to be able to identify group members correctly and not to be deceived by someone who seeks temporary advantage by claiming to share your ideals but who really doesn’t. If that man carrying a Boston Red Sox banner, whom you had accepted as a fellow Red Sox fan, suddenly cheers when the New York Yankees hit a home run, you’ll find it humiliating but not life-threatening. But if he’s a soldier next to you in the front line and he drops his gun (or turns it on you) when the enemy attacks, your misreading of him may cost you your life.

That’s why religious affiliation involves so many overt displays to demonstrate the sincerity of your commitment: sacrifices of time and resources, enduring of hardships, and other costly displays that I’ll discuss later. One such display might be to espouse some irrational belief that contradicts the evidence of our senses, and that people outside our religion would never believe. If you claim that the founder of your church had been conceived by normal sexual intercourse between his mother and father, anyone else would believe that too, and you’ve done nothing to demonstrate your commitment to your church. But if you insist, despite all evidence to the contrary, that he was born of a virgin birth, and nobody has been able to shake you of that irrational belief after many decades of your life, then your fellow believers will feel much more confident that you’ll persist in your belief and can be trusted not to abandon your group.

Das ist letztendlich nichts anderes als der Gedanke, dass Religion gerade wenn sie gewisse absurde, unlogische Elemente hat, gut dazu geeignet ist, ein Gemeinschaftsgefühl zu erzeugen, indem man sich zu einer Unlogik bekennt. Der Gedanke dahinter ist dann eben, dass dies nur jemand machen würde, der sich der Gemeinschaft besonders verpflichtet fühlt.

Durch die Unlogik wird also gerade das verbindende Element geschaffen, weil dieses zu akzeptieren eben gerade das Kostspielige ist.

Wie spielen Biologie und Gesellschaft bei den Unterschieden zwischen Mann und Frau zusammen?

Eigentlich ja eine der Hauptfragen dieses Blogs: Wie spielen Biologie und Gesellschaft bei den Unterschieden zwischen Mann und Frau zusammen?
Meiner Meinung nach bildet häufig die Biologie die Grundlage und wird dann von der Kultur/ den gesellschaftlichen Normen ausgestaltet.
Nehmen wir Körperkraft. Aufgrund der anabolen Wirkung von Testosteron bauen Männer wesentlich schneller Muskeln auf und sind in der Regel stärker als Frauen. Dies kann dazu führen, dass gerade sehr kraftmuskelintensive Arbeit auf Männer verlagert wird. Wieviel dieser Arbeit auf Männer verlagert wird ist aber natürlich auch eine Frage der Gesellschaft. In der heutigen Zeit haben wir sehr viele Bürojobs, die keinerlei Körperkraft erfordern und mit denen man sein Brot verdienen kann. Eine Übernahme von Jobs, die reine Körperkraft erfordern, durch Frauen wird daher seltener erfolgen. Dies mag in einer Zeit, in der eine Familie irgendwie ein Pfeld pflügen muss oder in der Wassermassen für die Hausarbeit transportiert werden müssen, wieder ganz anders sein. Um so mehr Freiheit hier für die Frauen besteht Arbeiten, die eine höhere Körperkraft erfordern, nicht auszuüben, um so eher werden sie diese wahrnehmen.
Ein anderes Beispiel wäre Kleidung. Geht man davon aus, dass es biologisch abgespeicherte Attraktivitätsmerkmale gibt und eines davon ist, dass Frauen Männer mit einem hohen sozialen Status attraktiv finden, dann bietet es sich an über die Kleidung diesen hohen Status wiederzugeben. Welche Kleidungsform dabei Status wiedergibt ist natürlich in einem überaus hohen Maße kulturabhängig und es hängt um so komplexer die Gesellschaft wird um so eher von den jeweiligen Vorlieben der betreffenden Frau ab. Man kann mit einem recht schlichten schwarzen Anzug heute Status wiedergeben, wo man zu anderen Zeiten Spitzenschuhe, große Kragen, Seidenkleidung und lange Perücken brauchte. Was genau den Status transportiert kann insofern lediglich als abstrakte Regel formuliert sein, die dann ausgefüllt wird, etwa indem die Darstellung von Kleidung, die Ressourcen erfordert ein gemeinsamer Nenner ist. Ob die Umsetzung über teure Seide oder den Markenanzug verbunden mit einer teuren Markenuhr erfolgt ist dann für die jeweilige Zeit höchst relevant, hat aber dennoch die gleiche Grundlage.
Ein anderes Beispiel wäre intrasexuelle Konkurrenz unter Männern. In gewissen Zeiten mag dies erfordert haben, dass man sich mit schweren Waffen die Köpfe einschlägt. Heute trägt man solche Kämpfe im Sport oder über berufliche Erfolge und damit verbunden mehr Geld aus.
Zudem können gesellschaftliche Entwicklungen natürlich auch die Biologie beeinflussen, hierzu braucht es allerdings üblicherweise sehr lange Zeiträume. Weil wir gelernt haben, Feuer zu machen, konnten wir mehr Nährstoffe aus dem Essen erhalten und zudem auf ein weniger komplexes Verdauungssystem umstellen. Oder auf Geschlechter bezogen: Weil immer mehr Arbeitsteilung erfolgte, konnten sich Männer und Frauen auf bestimmte Tätigkeiten spezialisieren, was wieder mehr Arbeitsteilung ermöglichte, was wieder mehr biologische Spezialisierung ermöglichte.
Ein schönes Bild ist die Landschaft, auf der eine Stadt gebaut wird. Man kann viele verschiedene Städte auf einer Landschaft bauen, aber die Häuser werden sich eben an den Bergen und den Landschaftsverläufen orientieren müssen.
Biologie erzeugt viele von unseren Wünschen. Wie wir diese dann ausleben können und dürfen ist wieder Kultur. Männer beispielsweise wollen im Schnitt aufgrund der Wirkung von Testosteron und wohl auch entsprechender Gehirnveränderungen mehr Sex mit mehr verschiedenen Partnern als Frauen. Man kann dennoch ein System errichten, welches außerehelichen Sex ächtet oder man kann Prostituition erlauben oder verbieten. Den Sexualtrieb an sich wird man hierdurch nicht wesentlich ändern. Männer (und natürlich auch Frauen) werden versuchen solche Normen nach Möglichkeit zu umgehen, es wird dann eben heimlichen außerehelichen Sex und Untergrundsprostituition geben.
Diese Flexibilität macht es notwendig, die Prinzipien hinter der jeweiligen kulturellen Umsetzung zu verstehen. Wer diese nicht kennt, der mag annehmen, dass Spitzenkragen und schwarze Anzüge nichts miteinander gemein haben oder das die verschiedenen Umsetzungsformen intrasexueller Konkurrenz keinen Zusammenhang haben. Im wird der kulturelle Spielraum größer erscheinen als er ist.
Ein Beispiel dafür sind auch Kinderspielzeugsachen. Hier herrscht ja einiges an Streit, ob es so etwas wie Spielzeug für Jungs/Mädchen gibt. Auch da wird beispielsweise angeführt, dass Jungs und Mädchen gerne mit einem Ball spielen. Interessanter ist aber die Frage, wie sie mit diesem Ball spielen. Wenn die Mädchen ihn sich locker hin und herwerfen, die Jungen aber ein Spiel um gewinnen oder verlieren spielen, dann ist „mit einem Ball spielen“ nicht die relavante Kategorie, diese wird dann eher dadurch bestimmt, dass Jungs hier intrasexuellen Wettbewerb einüben, Mädchen nicht. Ähnliches gilt für Puppen vs. Aktionfiguren. Was gerade als Spielzeug gewählt und vorhanden ist, mag Kultur sein. Die Spielvarianten bei Jungs und Mädchen können sich dennoch unterscheiden, sie werden sich für das Spielzeug und die Art mit ihm zu spielen entscheiden, mit dem man die jeweiligen Vorlieben besser umsetzen kann.

Anpassung väterlicher Investitionen im Verhältnis zu weiblicher Schönheit

Eine Studie zu dem väterlichen Investment nach Schönheit des Weibchens:

Introduction

The differential allocation hypothesis (DAH) predicts that individuals should adjust their parental investment to their current mate’s quality. Although in principle the DAH holds for both sexes, male adjustment of parental investment has only been tested in a few experimental studies, revealing contradictory results. We conducted a field experiment to test whether male blue tits (Cyanistes caeruleus) allocate their parental effort in relation to female ornamentation (ultraviolet colouration of the crown), as predicted by the DAH.

Results

We reduced the UV reflectance in a sample of females and compared parental care by their mates with that of males paired to sham-manipulated control females. As predicted by the DAH our results demonstrate that males paired with UV-reduced females invested less in feeding effort but did not defend the chicks less than males paired with control females.

Conclusions

To our knowledge, this is one of the first studies providing support for male differential allocation in response to female ornamentation.

Quelle: Female attractiveness affects paternal investment: experimental evidence for male differential allocation in blue tits (PDF)

Hier aus der Studie zu den Ergebnissen:

According to the basic idea that individuals choose mates on the basis of ornaments that reflect quality, males paired with females in poor condition might face the problem of producing offspring with low reproductive success. In other words, because of reduced female quality the reproductive value of the offspring will be reduced, also from the male’s perspective. The difference in male feeding investment in response to the female treatment is therefore consistent with the prediction that DA is strongly related to reproductive lifehistory. Our results on paternal care investment complement other studies, which demonstrated the female’s differential allocation of parental care in blue tits in response to the manipulation of male UV coloration of the crown [28,29]. Both studies indicate that male UV coloration is under selection pressure, created by the female allocation of parental care. Based on our results and other studies [32,33], which likewise showed assortative mating in response to UV reflectance, we suggest that male differential allocation may affect selection on female UV coloration.

 Demnach würden die Spatzen also bei schönen Weibchen mehr investieren als bei nicht so schönen, wobei „schön“ letztendlich anhand bestimmter  Attraktivitätsmerkmale für gepflegtes Federkleid festgemacht wird, ein klassisches Signal, weil es üblicherweise auch für eine gewisse Parasitenfreiheit etc spricht.

Aus einer Darstellung des Artikel:

Die UV-Reflexion des Gefieders der Weibchen wirke sich unmittelbar auf das Verhalten ihrer männlichen Partner aus, hiess es. Bei der Studie handelt es sich um eine seltene Untersuchung männlicher Reaktionen auf weibliche Schönheit in der Tierwelt. Die Ergebnisse zeigen, dass weibliche Blaumeisen viel Zeit damit verbringen müssen, ihr Gefieder zu putzen, um für die Männchen attraktiv zu bleiben.

Das Pflegen des Haares ist ja auch menschlichen Weibchen nicht fremd, eben weil dieses ebenfalls ein gutes Signal sind.

Hier noch einmal eine Darstellung der zugrundeliegenden Theorie, die für Männchen und Weibchen gilt, aber häufiger in Bezug auf die Weibchen als diejenigen, die ihre Investition variieren vorzufinden ist:

Females frequently choose males on the basis of traits [1] that may signal individual quality [2]. As a consequence they gain direct benefits, e.g. through high-quality territories and paternal investment, or indirect benefits, because attractive mates may provide genes for passing viability and attractiveness to the offspring [2]. On the other hand little is known about why females of several species also possess elaborate traits [3,4]. For a long time the presence of female ornaments was interpreted as being the consequence of genetic correlation with male ornamentation [3,5]. However, recent studies have suggested that female ornaments play a role in female – female competition (intrasexual selection) [6-10] or are sexually selected by males (intersexual selection) [11-17]. In species with biparental care males may gain benefits from choosing “high quality females” and adjust their parental investment to female quality. This may happen if there is much variance in female quality, if the latter affects offspring survival and if the males parental provide some parental investment and/or remating opportunities are low [2]. The idea of adjusting parental effort in response to the aesthetic traits of partners, when they represent honest signals of quality, is known as the Differential Allocation Hypothesis (DAH). Differential allocation is expected whenever individuals face a trade-off between current and future reproduction and the reproductive value of the offspring is connected to the attractiveness of the mate [18,19]. Since its original formulation, the DAH has been tested and supported in a number of taxa possessing different attractiveness traits and levels of parental care [20] but such studies have almost exclusively related female breeding investment to male attractiveness [21]. Given that female traits can indicate quality [9,11,14,22,23], males may differentially allocate parental investment in response to female attractiveness [24,25]. Some studies have explored the importance of female ornaments in male mate choice and as possible signals of female quality but very few have considered how they influence male parental investment [9,21,24,25].

Es leuchtet aus meiner Sicht unmittelbar ein, dass man mehr in besonders hochwertigen Nachwuchs investiert und weniger in weniger hochwertigen. Dies gilt aber nur dann, wenn die Nachwuchsfolgen hinreichend hoch sind, dass man eine solche Differenzierung treffen kann. Bei schnell brütenden Vögeln geht das schneller als bei menschlichen Kindern, die lange betreut werden müssen.

Eine männliche Anpassung der Investition kann es zudem nur geben, wenn überhaupt investiert wird. Bei Tierarten, bei denen die Mütter Betreuung und Versorgung übernehmen ist eine solche Anpassung nicht zu erwarten.

Es ist aber interessant, dass solche Berechnungen auf der Tierebene tatsächlich stattfinden. Vielleicht spiegeln sie sich beim Menschen in Anpassungen der väterlichen Investition nach Vaterschaftswahrscheinlichkeit. Um so wahrscheinlicher eine Vaterschaft ist um so eher lohnt sich eine Förderung des Kindes.