Der Preis des Verlobungsrings steht in einem Verhältnis zur Schönheit der Partner

Männer haben also für eine schöne Frau mehr ausgegeben und das gerade, wenn sie selbst nicht so gut aussahen.

Und schöne Frauen wollen auch teurere Verlobungsringe.

Interessant wäre, ob sie es einkommensbereinigt haben oder ob schönere Frauen sich schlicht finanzstärkerer Partner haben, von denen sie dann teurere Ringe erwarten.

vgl auch:Der Verlobungsring als Costly Signal

 

Virtue Signalling

Ein Begriff, der wunderbar zu der Theorie, dass in der menschlichen Gesellschaft das Signalisieren positiver Eigenschaften aus evolutionären Gründen sehr wichtig ist, passt, ist das „Virtue Signalling“, also das Signalisieren, dass man Tugendhaft und Gut im Sinne bestimmter Werte ist (die in der Subgruppe, für die das Signalling bestimmt ist als Gut gelten ohne damit moralisch von jedem als Gut empfunden zu werden).

Für die Grundlagen verweise ich auf diese Artikel:

Virtue Signalling dient dabei darzustellen, dass man die „richtigen Werte“ verkörpert, was natürlich für Gruppenzugehörigkeit und andere Bereiche sehr wichtig sein kann.

Das „urban dictionary“ definiert den Begriff wie folgt:

Saying you love or hate something to show off what a virtuous person you are, instead of actually trying to fix the problem.
Jane: „Wow! I hate Fox News! They’re so evil and they hate women!“
John: „Why don’t you actually do something instead of just virtue signalling about it?“
Jane: „OMG that would be WAAAAAAY too much work“ *goes back to shitposting on twitter*

oder:

To take a conspicuous but essentially useless action ostensibly to support a good cause but actually to show off how much more moral you are than everybody else.
Fred: I see George has changed his profile picture to show his support for refugees.
Barbara: Has he donated money or time? Is he giving English lessons? Is he making a room available?
Fred: No, no, he’s just virtue signalling.

Und in einem anderen Artikel stellt der „Erfinder“ der Phrase folgendes dar:

To my astonishment and delight, the phrase ‘virtue signalling’ has become part of the English language. I coined the phrase in an article here in The Spectator (18 April) in which I described the way in which many people say or write things to indicate that they are virtuous. Sometimes it is quite subtle. By saying that they hate theDaily Mail or Ukip, they are really telling you that they are admirably non-racist, left-wing or open-minded. One of the crucial aspects of virtue signalling is that it does not require actually doing anything virtuous. It does not involve delivering lunches to elderly neighbours or staying together with a spouse for the sake of the children. It takes no effort or sacrifice at all.

Since April, I have watched with pleasure and then incredulity how the phrase has leapt from appearing in a single article into the everyday language of political discourse. One of the first journalists to pick up on the phrase was Liz Jones in the Mail on Sunday on 3 May. Not long after, Libby Purves used it in the Times (11 May). Janan Ganesh in the Financial Times (20 July) wrote about Labour party leaders for whom ‘Europeanism is just a virtue-signalling gesture like wearing a charity ribbon’. Two days later, Helen Lewis used it in the New Statesman, saying ‘a lot of what happens on Facebook, as with Twitter, is “virtue signalling” — showing off how right on you are’.

Natürlich geht das in allen Bereichen: Auch wer in passenden Kreisen deutlich macht, dass er Flüchtlinge oder Ausländer hasst betreibt in Bezug auf diese Gruppen „Virtue signalling“. Die radikale intersektionale Feministin mag deutlich machen, dass sie alle weißen Feministinnen verabscheut, der radikale Maskulist, dass er niemals auch nur irgendeine Form von Feminismus akzeptieren wird.

Kurz gesagt kann man darunter also alle Signale an die (erweiterte) In-Group verstehen, die dazu dienen, einen als überzeugt von für diese wichtige und dort als moralisch richtig angesehene Werte darstellen und somit den eigenen Wert zu erhöhen.

Natürlich kann die Abgrenzung schwierig sein. Es kann durchaus angezeigt sein, dass man Zusammengehörigkeit darstellt, deutlich macht, dass man etwas verurteilt oder eine bestimmte Position bezieht. Dass man gut darsteht kann auch einfach ein Nebeneffekt einer tatsächlich guten Tat sein oder das Ganze insgesamt eine „Mischkalkulation“.

Die enorme Bedeutung des eigenen Rufs auch in evolutionärer Hinsicht ist bei einer Spezies, die kommunizieren kann, leicht erkennbar. Es wäre also verständlich, wenn wir gerne entsprechendes Signalisieren wollen und Gelegenheiten dafür nutzen. Das vielleicht gerade dann, wenn wir unsere Gruppenzugehörigkeit als gefährdet ansehen oder für angreifbar halten – das wird auch der Mechanismus sein, der dazu führt, dass bei vielen Schwulenhassern herauskommt, dass sie selbst schwul sind. Sie signalisieren mit ihrer Ablehnung der Homosexualität eben ihre Tugendhaftigkeit, zB in religiösen Kreisen. Das Phänomen könnte auch gut bei männlichen Feministen greifen, die dann eben besonders signalisieren müssen, dass sie (toxische) Männlichkeit ablehnen und bei radikalen Maskulisten, die besonders deutlich machen müssen, dass sie Frauen verachten und sie abweisen (und nicht etwa andersherum).

Ich denke es ist ein Konzept, dass häufig einschlägig sein könnte.

Das Ausblenden der Unlogik im radikalen Feminismus als Costly Signal

Fefe hat einen interessanten Ansatz dargestellt, warum eine Ideologie mit einer starken Identitätspolitik schnell ins Extreme abdriftet.  Er nimmt dabei auf diesen Artikel hier Bezug.

Die wesentliche These ist, dass man extremer werden muss, wenn man in solch einer Ideologie die Gruppenzugehörigkeit demonstrieren will, weil man seine Loyalität mit normalen Verhalten nicht hinreichend darstellen kann.

Fefe dazu:

Dann geht die Argumentation weiter über Vergewaltigungsfälle. Von denen Fällen, die in den Medien groß aufgebauscht wurden, weil Feministen aufsprangen und die Story viral machten, haben sich krass überproportional viele als falsche Anschuldigungen herausgestellt. Feministen greifen sich also extra die am offensichtlichsten schwachen Fälle raus und springen auf die auf, um ihre These zu verbreiten, dass es egal ist, wie schwach der Fall aussieht, wichtig ist nur, dass das Opfer sich als Opfer wahrnimmt. Der Effekt ist wie bei PETA. Viel Kontroverse und am Ende haben die Feministen ihren Thesen mehr Schaden zugefügt als neue Anhänger gewonnen. Warum machen die Feministen das?

Seine These ist, dass Menschen ihre Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen signalisieren wollen. Dazu gehört, die moralischen Werte der Gruppe zu vertreten. Wenn man jetzt den moralischen Wert „Tiere sollten gut behandelt werden“ bei einem Fall von offensichtlicher Tierquälerei vertritt, dann gucken sich die Passanten das an und sagen: ja, klarer Fall von Tierquälerei, das muss beendet werden. Als Signal für die Gruppenzugehörigkeit eignet sich das daher nicht. Wenn du dich allerdings aus dem Fenster lehnst und die moralischen Werte in völlig überzogenen Fällen vertrittst, dann schreckst du damit zwar Außenstehende ab, aber um die ging es ja auch gar nicht. Es ging darum, innerhalb der Gruppe zu signalisieren, dass du so moralisch gefestigt bist, dass du die Prinzipien der Gruppe auch in unter Selbstaufgabe und Inkaufnahme von Schaden für den eigenen Ruf auf völlig abwegige Fälle anwendest.

Damit wäre etwas flapsig ausgedrückt Idiotie hier eine Costly Signal (ja, mal wieder)  für die eigene Verbundenheit mit der Gruppe. Man übertreibt die Verteidigung der Gruppenwerte so weit, dass es einen dumm dastehen lässt, weigert sich aber das wahrzunehmen, weil man es als Einstehen für die Gruppenwerte darstellt.

Das finde ich eine interessante Theorie: Danach brauchen Feministen letztendlich einen übermächtigen Feind gegen den sie sich stemmen können und müssen lächerlich wirkenden Benachteiligungen aufzeigen, weil sie nur so deutlich machen, dass sie die Gruppeninteressen tatsächlich ernst nehmen. Wie ich hier bereits einmal dargestellt habe entsteht dadurch etwas, was man in der Spieltheorie ein Prisoners Dilemma in der Form des“Race to the bottom“ also ein „Abwärtswettlauf“ nennt. Ich schrieb damals:

Im Privilegienfeminismus geht es darum, sich mit dem Opferstatus weitestgehend zu identifizieren und immer weitere Privilegien der anderen Gruppe zu entdecken. Da derjenige das Spiel gewinnt, der immer weitere Privilegien aufdeckt und Benachteiligungen ausmacht wird sich beständig unterboten, bis schließlich die normalsten Punkte – sich küssenden Heterosexuelle oder Babies – Privilegien und damit auch gleichzeitig Benachteiligungen sind.

Ein Ausbruch wäre damit nur dann möglich, wenn innerhalb des Feminismus “kooperiert” wird und man sich auf eine Untergrenze einigt. Das ist allerdings in einem so fließenden Bereich und aufgrund des Gewinnes für den Einzelnen, der eine neue Benachteiligung darlegen kann nicht zu erwarten.

Der Feminismus befindet sich insoweit bezüglich seiner Privilegientheorien in der derzeitigen Form in einem klassischen Prisoners Dilemma.

Fefe schreibt weiter:

Man könnte also im übertragenen Sinne davon sprechen, dass man sich über solche Klogriffe als Märtyrer inszeniert. Märtyrern geht es ja auch nicht darum, den Gegner umzustimmen, sondern innerhalb der eigenen Gruppe Ansehen zu gewinnen. Und die Gruppe hat einen Anreiz, Märtyrer zu feiern, weil das den anderen gegenüber die Botschaft festigt, dass ihr eigenes Verhalten noch nicht weit genug geht (in unklaren Situationen sind Menschen immer versucht, ihre eigene Position in der Mitte des Spektrums zu suchen, und Märyrer treiben das Aktivismus-Extrem des Spektrums weiter nach außen, was auch die Mitte verschiebt).

Das Money Quote dazu ist:

In the same way, publicizing how strongly you believe an accusation that is obviously true signals nothing. Even hard-core anti-feminists would believe a rape accusation that was caught on video. A moral action that can be taken just as well by an outgroup member as an ingroup member is crappy signaling and crappy identity politics. If you want to signal how strongly you believe in taking victims seriously, you talk about it in the context of the least credible case you can find.

Das mit den Märtyrern steht nicht bei Slate Star Codex, das habe ich extrapoliert, das ist meine Deutung.

Innerhalb dieses Systems folgt es also durchaus einer inneren Logik, dass Feministinnen auch dann, wenn sonst jeder davon ausgeht, dass der Fall deutlich widerlegt ist oder zumindest sehr plausible Zweifel an der Tatschilderung bestehen, ein „#IStandwith…“ Hashtag herausgeben. Es erklärt auch, warum man in deren Welt Erzählmirnix eindeutig ablehnen muss: Wenn sie in einem Bereich gegen die Regeln verstößt, etwa weil sie sagt, dass Fett gesundheitschädlich ist, dann kann man mit ihrer Ablehnung auch wenn sie eigentlich recht hat und das durch Studien belegt eben zeigen, dass man auch an dieser unlogischen Position festhält. Ist man erst einmal in dieser Scheinlogik gefangen, in der es um Anerkennung innerhalb der Gruppe geht, dann ist das anerkennen irrationaler Positionen und die fehlende Bereitschaft sie zu hinterfragen plötzlich etwas gutes, ebenso wie das Ablehnen aller Andersdenkenden. Wer mehr Ungläubige geblockt hat, der zeigt nur wie sehr er solche Abweichler hast. Religionen bauen insofern auf einem ähnlichen Prinzip auf, weswegen ich auch dort schon einmal angeführt habe, dass der Glaube an dortige besonders aberwitzige Konzepte gerade besonders die Hingabe betonen können. Poststrukturalismus eignet sich insofern besonders für solche Identitätspolitik, weil man hier nahezu die gesamte Wirklichkeit ignorieren kann – sie ist eben nur konstruiert. Deren Irrationalität wird auf diese Weise von einem Nachteil zum Feature – nur wahre Gläubige können sich hier hineindenken und sich damit würdig erweisen.

Fefe weiter:

Nun, was kann man dagegen tun? Nicht viel. Man kann die Gegenseite nach rationalen Argumenten fragen, aber die gibt es natürlich nicht. Das war ja gerade der Punkt. Wenn es rationale Argumente gäbe, hätte sich derjenige einen anderen Fall für das Signalisieren der eigenen moralischen Überlegenheit gesucht.

Aus einer solchen Konstruktion auszubrechen kann in der Tat schwierig sein – den Kaiser in Kleidern zu sehen zeigt ja nur die Liebe zum Kaiser. Die rationalen Gegenargumente aufzuzeigen wird allerdings bewirken, dass der Einstieg in das Spiel schwieriger ist, weil gleich Zweifel verbleiben, über die man sich erst selbst belügen muss. Und es führt dazu, dass die „Schwachen“ (also die nicht so gläubigen und rational Denkenden) ausgesiebt werden und demnach die Ideologie zunächst radikaler wird. Ein Prozess der so aus meiner Sicht im Feminismus bereits begonnen hat.

Warum Frauen hinterherpfeifen / Hupen?

Ein bekanntes Phänomen ist das Hinterherpfeifen hinter Frauen oder gar das Anhupen von Frauen. Seinfeld fasst das Thema ganz gut zusammen:

 

Und auch ein Tweet geht in die gleiche Richtung:

https://twitter.com/mmttrrr/status/473813966880505856

In der Tat kann man kaum erwarten, dass die Frau wegen des Pfiffs oder noch weniger des Hupens gleich mit einem Sex haben will.

Ich vermute daher, dass andere Faktoren hineinspielen.

Vieles in unserem Verhalten ist unter Berücksichtigung der Signalling Theorie zu verstehen. Gerade in einer Spezies, die auf Hierarchien und Status setzt und zudem langfristige Partnerschaften eingeht, bei denen die Wahl des Partners besonders wichtig ist, ist es um so wichtiger, seinen Wert auch nach außen darzustellen und das geht am besten über „ehrliche Signale“, also solche, die man (jedenfalls unter Betrachtung der evolutionär wirksamen Zeiträume) schwer fälschen konnte. Dies sind insbesondere solche Zeichen, die mit starken Kosten (Costly Signals) verbunden sind, denn Personen, die die Signale fälschen wollen, können häufig die Kosten nicht tragen. Unsere Kultur ist insoweit durchzogen von Umständen, die einen Signale senden lassen, von Luxusgütern bis angesehenen Positionen bis hin zur Mode, die körperliche Signale erlaubt.

Gleichzeitig bzw. gerade deswegen haben wir eine starke Angst, uns vor anderen Menschen zu blamieren oder von diesen abgelehnt zu werden. Dass bezieht sich auf allgemeine Menschen, wie beim Lampenfieber, aber auch auf den Umgang mit dem anderen Geschlecht bei der Ansprechangst. 

Hinzu kommt, dass beim Menschen Kurzzeitstrategien bei der Partnerwahl einer gewissen Ächtung unterliegen und Langzeitstrategien höher geachtet sind. Eine gewisse Achtung erlangt allenfalls der Mann, der erfolgreich eine Kurzzeitstrategie umsetzen kann. Diese Achtung mag dabei insbesondere unter Männern höher sein als bei vielen Frauen, die zwar Preapproved bei Women durchaus hoch bewerten, aber bei denen sozial ein Umgang mit jemanden mit einer betonten Kurzzeitstrategie problematisch sein kann.

Aus diesem Gemisch lässt sich eine Theorie bauen, die ein hinterherpfeifen / hupen erklärt, auch wenn es sinnlos ist.

Es betont, dass man keine Ansprechangst hat und ist ein Umstand, der in der passenden Gruppe sehr schnell sozial bestraft werden kann. Da ein Hinterherpfeifen oder Hupen auch meist rein auf die Schönheit der Frau anspricht und insofern auch häufig sexuelles Gefallen bekundet, stellt es auch eher auf eine Kurzzeitstrategie ab, ein tatsächliches Interesse an der jeweiligen Person wird nicht bekundet. Es ist zudem eine Zeichen „Schau hier her, ich will dich“, was impliziert, dass man sich für gut genug hält, nicht abgelehnt zu werden oder zeigen zu können, dass einen die Ablehnung der Frau oder Sanktionen der Gesellschaft wegen der Überschreitung von Regeln nicht interessieren („Outcome Indifference„).

Es signalisiert damit in gewisser Weise eine hohe Position und ist insofern gerade innerhalb der Männergesellschaft ein Costly Signal innerhalb der sexuellen Konkurrenz, dass schnell teuer werden kann, wenn die Frau darauf reagiert und man dann doch Ansprechangst bekommt:

Eine Freundin erzählte mir mal, dass sie auf dem Weg zur Uni an ein paar 12jährigen vorbei gegangen waren, einer dieser rief ihr (etwa 24) hinterher „Eh, geiler Arsch, willst du ficken?“ was alle anderen Jungen natürlich aufgrund der Regelüberschreitung und dem damit verbundenen Hochgefühl super lustig fanden. Sie war gerade schlecht drauf und da kamen ihr ein paar freche 12 jährige gerade recht: Sie ging wutentbrannt zu diesen zurück, sprach den Jungen sehr wütend direkt darauf an, dass er sie also ficken wolle oder wie? Die direkte Konfrontation hielt er natürlich nicht aus, kniff, konnte nichts mehr sagen, und wurde noch etwas rund gemacht. Dann stürmte sie wütend davon. Die Jungs würden das wahrscheinlich so schnell nicht wieder machen (da es aber letztendlich keine Folgen hatte, da ja kein Bekannter dabei war, kann es auch das Gegenteil bewirkt haben).

Über solche intrasexuellen Wettbewerbe kann gleichzeitig, wenn die ganze Gruppe es macht und sich auf den Tabubruch einlässt auch ein gewisses Gemeinschaftsgefühl entstehen bzw das Gefühl, dass man einen hohen Status hat, weil man über den Regeln steht.

Das Hinterherpfeifen wäre damit in gewisser Weise ein Signal, dass zeigt, dass man Regeln mißachtet und das auch kann. Dass man sich traut, entsprechende Signale zu setzen, auch wenn sie einen stark bloßstellen können. Sie müssen daher gar nicht auf tatsächlichen Sex mit der Frau ausgerichtet sein (können es aber), diese ist gar nicht unbedingt der Empfänger dieses Signals, sondern nur die Möglichkeit anderen (oder auch sich selbst: „ich bin frei genug um solche starken Signale zu senden“) eine Position deutlich zu machen

Rap Musik als Ausdruck intrasexueller Konkurrenz und intersexueller Selektion

Rap Musik kennt einiges an Klischees, von den wackelnden Frauenhintern bis zu der Darstellung der eigenen Wichtigkeit.

Dabei bedienen diese Klischees klassische evolutionäre Strategien:

  • In der Regel werden die Rapper als Respektpersonen gezeigt, meist mit einer Entourage oder einer Gang, die sie als Anführer darstellt („Leader of men„, „Alphamann„).
  • Sie werden als stark und kampferfahren dargestellt, etwa mit gefährlichen Hunden oder Waffen, als Männer, die sich „auf der Straße auskennen“ und dort allgemein Respekt genießen (Anführereigenschaften, Betonung der Gefährlichkeit für eine intrasexuelle Konkurrenz)
  • Gleichzeitig wird dargestellt, dass sie genug Erfolg hatten um sich nicht mehr auf auf den Straßen aufhalten zu müssen: Dicke Auots, Reichtum, übertriebener Schmuck, Villen („Ansammlung von Ressourcen“).
  • Die Frauen gibt es üblicherweise in der Variante „Frau auf ihre sexuellen Reize reduziert und Massenware, eher Hintergrund für den Rapper“ („Preselected by other women“), das Desinteresse oder die Hinnahme der Frauen als selbstverständlich unterstreicht, dass der Rapper bei Frauen begehrt sind und keinerlei Ängste ihnen gegenüber hat, weil es für ihn klar ist, dass Frauen ihn wollen.
  • Ein guter Rapper braucht eine Hintergrundgeschichte, die deutlich macht, dass er von unten kommt und ein Gangster ist, mit dem nicht zu spaßen ist.
  • Gute Raptexte sind  gleichzeitig ein Zeichen für Intelligenz

Es sind damit kulturelle Ausformungen von intrasexueller Konkurrenz und Statusaufbau, abgestimmt auf ein bestimmtes Millieu. Wo ansonsten der intrasexuelle Konkurrenzkampf noch eher in die Arbeitswelt verlegt wurde oder Ressourcenansammlungen zurückhaltend dargestellt werden, damit man nicht zu protzerisch wirkt, ist dies in dem ärmeren Umfeld, aus dem Rap stammt nicht der Fall: Dort ist der Konflikt noch körperlicher, was sich auch in der Darstellung auswirkt und Reichtum ist so fern, dass man damit auch hemmungslos protzen kann und niemand Zurückhaltung erwartet.  Gerade der Umstand, dass man sich traut, seinen Reichtum zu zeigen ist hier ein Zeichen dafür, dass man den Reichtum auch verteidigen kann.

Wo außerhalb der Szene die Darstellung protzerisch und billig und frauenabwertend wirkt, passt sie dort dazu und die Zeichen werden als stimmig gesehen, als Zeichen von hohen Status. In einem Drogen- und Gewaltmillieu zieht eben Reichtum natürlich auch entsprechende Frauen an und dieser Umstand wird weniger verklausuliert als in Szenen, wo man das sexuelle eher herunterspielen muss und Zeichen eines geordneten Lebens eher ein Ehepartner ist.

Intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen und Luxusgüter

Luxusgüter und ihre evolutionäre Einordnung waren hier schon häufiger Thema:

Eine weitere interessante Studie beleuchtet das Verhältnis von Frauen zu Luxusgütern:

Past research shows that luxury products can function to boost self-esteem, express identity, and signal status. We propose that luxury products also have important signaling functions in relationships. Whereas men use conspicuous luxury products to attract mates, women use such products to deter female rivals. Drawing on both evolutionary and cultural perspectives, five experiments investigated how women’s luxury products function as a signaling system directed at other women who pose threats to their romantic relationships. Finding showed that activating a motive to guard one’s mate triggered women to seek and display lavish possessions. Additional studies revealed that women use pricey possessions to signal that their romantic partner is especially devoted to them. In turn, flaunting designer handbags and shoes was effective at deterring other women from poaching a relationship partner. This research identifies a novel function of conspicuous consumption, revealing that luxury products and brands play important roles in relationships.

Quelle: Conspicuous Consumption, Relationships, and Rivals: Women’s Luxury Products as Signals to Other Women

Die Theorie der Studie wird in dieser noch einmal wie folgt zusammengefasst:

We propose that women use luxury products to signal to other women that their romantic partner is especially devoted to them. We hypothesize that women’s flaunting of luxury possessions therefore functions as an intra-sexual signaling system: women use luxury products to send signals to other women in order to deter those other women from poaching their romantic partner. The current research investigates whether such a system exists and how it works.

Die Theorie wäre also, dass Luxusgüter gleichzeitig signalisieren, dass die Frau einen hohen Status hat und es insoweit gefährlich ist, sich mit ihr anzulegen bzw. dass ihr Partner sie schätzt, da er ihr ansonsten solche Luxusgüter nicht überlassen würde.

Dazu aus der Studie:

The women were asked to “Imagine you are in a relationship and you go to a social event with your partner.” They then responded to four different yes/no questions regarding whether the women themselves believed that other women would infer that their relationship partner was more devoted to them based on the outfit and jewelry that the woman chose to wear. Specifically, the women were asked: “Do you think some women might judge that your partner cares about you more [is more committed to you] when they see you wearing a designer [more expensive] outfit and jewelry?” Results showed that more than half of the women indicated that they believe that other women would infer that their relationship partner was more devoted to them based on their own 10 outfit and jewelry. Specifically, a majority of women believed that other women would infer that a more expensive outfit and jewelry indicates that their partner cares more about them (61.8%) and is more committed (53.9%). Similarly, a majority of women believed that other women would infer that a designer outfit and jewelry indicates that their partner cares more about them (52.6%) and is more committed (55.3%). The findings from the pilot study indicate that over half of the women surveyed believe that their own displays of luxury products can be used to signal to other women how much their partner is devoted to them

Es scheint also schon einmal der Glaube daran vorhanden zu sein, dass Luxusgüter ihre Partnerschaft als fester darstellen können. Unter steinzeitlichen Bedingungen wären solche Gaben sicherlich auch ein guter Indikator dafür, insbesondere da damals Luxusgüter gerade nicht in einem Supermarkt oder einem Geschäft gekauft werden konnten.

Die Thesen aus der Studie:

  • H1: A woman with luxurious possessions should be perceived by other women as having a more devoted partner.
  • H2: Activating a mate guarding motive should trigger women’s desire for conspicuous luxury goods.
  • H3: A motive to guard a mate should lead women to seek publically conspicuous luxury products but not less conspicuous products that are generally used in private.
  • H4: A mate guarding motive should lead women to seek conspicuous luxury products when the products can be seen by other women who pose a threat to the relationship.

Und die Ergebnisse:

  • Consistent with H1, findings showed that a woman was perceived as having a more devoted partner when she had designer compared to non-designer outfit and accessories (Ms = 5.40 vs. 4.82; t(67) = 2.01, p = .048, d = .24). Just as the majority of women have a lay belief that luxury goods can indicate how much their partner is devoted to them (see Pilot Study), Study 1 shows that other women infer that a man is more devoted to his partner when she has luxurious products.
  • Study 2 found that a mate guarding motive increased women’s desire for conspicuous consumption, as measured by wanting larger luxury brand logos. A mate guarding motive led women to draw luxury brand logos that were about twice the size compared to those in the other conditions (see Figure 1), and the effect of mate guarding persisted even when compared to control conditions that elicited similar levels of negative affect and arousal.
  • In summary, despite varying the method of how a mate guarding motive was elicited, Study 3 conceptually replicated the key finding from Study 2, showing that a mate guarding motive triggers women’s desire for conspicuous luxury products. In addition, Study 3 showed that mate guarding does not simply lead women to want any product, but is instead specific to products used for publically visible conspicuous consumption. Finally, Study 3 ruled out two possible alternative explanations for the effect of mate guarding, showing that this effect is not driven by threat to one’s self-esteem or by the mere presence of another woman.
  • In summary, Study 4 found that activating a mate guarding motive once again led women to seek luxury products. When women felt that their romantic relationship was threatened, they not only desired to spend more on designer handbags and shoes, but they also actually spent more money for a chance to win a real $200 luxury spending spree. Importantly, women sought conspicuous goods only when the products could be seen by another woman who posed a potential threat to her romantic relationship. Although this findings cannot rule out the possibility that women failed to seek luxury goods in the male audience condition due to feelings of shame or distress, the null finding in the male audience condition is consistent with past research showing that women do not seek conspicuous products when motivated to attract a mate (Griskevicius et al. 2007; Sundie et al. 2011). Furthermore, the fact that women did not increase their desire for luxury goods when another woman could not see the expensive products is consistent with the idea that women’s flaunting of designer goods is intended as a signal to other women rather than men.
  • In summary, Study 5 showed that a woman’s luxury products can effectively dissuade other women from poaching her romantic partner. Other women who would consider pursuing a taken man (women following a short-term mating strategy) were less willing to pursue him if his partner had a luxurious designer handbag and expensive jewelry. This effect was driven (mediated) by other women’s perceptions of the man as more devoted to his partner when she had luxury products. Importantly, the woman’s luxury products were not effective at guarding her mate when other women were explicitly told that the man had not contributed resources to her products. Consistent with the earlier finding that in ambiguous situations women spontaneously assume that the man paid for more than half (58%) of a woman’s luxury products, luxury products are effective at mate guarding for women because other women generally assume that a romantic partner has devoted at least some resources to his partner’s products.

Aus meiner Sicht eine durchaus stimmige Theorie. Sie zeigt mal wieder die Bedeutung von Costly Signals, die dann kulturell ausgestaltet werden. Was heute die Pradatasche oder das Luxuskleid sind mag früher ein besonderes Fellkleidungsstück oder eine besonders seltene aber schön geformte Muschel als Schmuckstück gewesen sein.

Natürlich nutzen auch Männer Luxusgegenstände nicht nur als Mittel um Frauen anzulocken, sondern auch in der intrasexuellen Konkurrenz. Vielleicht sogar auf eine sehr gleiche Weise: Ich würde vermuten, dass auch viele Männer davon ausgehen würden, dass sie die Frau eines sehr reichen Mannes schwerer erobern können und dies auch potentielle Konkurrenten abschreckt. Hier wird aber weniger darauf abgestellt werden, dass die Gegenstände Ausdruck einer besonderen Gunst der Frau sind, da bei diesen eine Versorgereigenschaft evolutionär nicht von der gleichen Bedeutung ist.

Es ist jedenfalls interessant, dass Eifersucht Frauen zu Luxusmarken führt und Luxusmarken ihnen auch in einer Partnerschaft Sicherheit geben können.

„Wolle Rose kaufen?“

Rosenverkäufer haben aus meiner Sicht eine Wandlung durchgemacht und werden von den meisten Leuten nur noch als nervig angesehen. Sie verkörpern den Umbruch zwischen dem alten Flirtverhalten und dem modernen Geschlechterverhältnis.

wolle Rose kaufen?

wolle Rose kaufen?

In einem Spiegelartikel über einen Rosenverkäufer ist die Reaktion auf ihn gut wiedergegeben:

auf sein „Guten Abend“ erntet er allerorts böse Blicke und schüttelnde Köpfe. Junge Männer seien keine Rosenkavaliere, weil sie bei den Frauen damit nicht punkten könnten. „Die Frauen wollen das Geld heute lieber in Bier investieren“, ist Khan fest überzeugt. Anders kann er sich nicht erklären, warum eine Dame seine Rosen verschmäht.

Was früher noch eine nette Geste war, wirkt heute häufig eher etwas needy, weil man meint ihr mit einer Rose imponieren zu können oder damit ihre Gunst zu erlangen. Sie muss dann aber den Abend über die Rose mit sich rumschleppen und hat in einer Datesituation zudem ein Geschenk angenommen, was sie vielleicht irgendwie verpflichten könnte.

Die Gleichberechtigung der Geschlechter führt zudem dazu, dass ein Mann ein solches Geschenk nicht mehr machen muss, es gehört nicht mehr so klar zum guten Ton, er kann sich das Geld sparen.

Wenn er es macht, dann muss es entweder die große Geste sein, die man möglichst beiläufig macht (das costly Signal läßt grüßen):

Nette Kunden, findet er. Aber es gebe noch viel nettere. „Meine Stammkunden kaufen jedes Mal, wenn sie mich sehen und dann gleich für alle Frauen im Lokal.“ Khan spricht bewundernd über diese großzügigen Männer. Geschäftsleute oder Anwälte, mit viel Geld, großem Geltungsdrang und glücklicherweise mit Sympathien für den unermüdlichen Rosenkavalier. „Ich bin ein guter Mensch und das wissen die“, sagt Khan.

Kann natürlich auch schnell angeberisch oder großkotzig wirken.

Oder es muss eben eher ein spontanes Gefühl sein aus dem heraus man ihr eine Freunde machen will ohne sich damit anzubiedern oder eben weil man den Rosenverkäufer kennt und ihn ein paar Rosen abkauft, weil man ihn mag:

„Huhu, Herr Khan“, zwei Tische entfernt winkt eine lärmende Gruppe Mittfünfziger ihm zu, Khans Mund formt ein breites Grinsen. Es folgen die immer gleichen Gespräche, wie es denn so gehe: „Nix los“, klagt Khan. Dann das Geschäftliche: „Ganz frisch vom Hamburger Großmarkt“, wirbt Khan und wirbelt mit den Rosen gefährlich nah vor der Nase einer Dame herum. Belustigt blickt sie auf ein schlappes Blütenblatt. „Wenn Herr Khan lügt, sieht man nicht mal, dass er rot wird“, grölt ihr Sitznachbar. Eine einträgliche Erheiterung für Herrn Khan, zehn Rosen bleiben am Tisch.

Ich selbst mag Rosenverkäufer nicht. Sie nutzen sozialen Druck auf Männer aus um Blumen zu verkaufen.

Peinlicherweise habe ich das allerdings selbst mal einen Abend gemacht

Ich war mit einer gemischten Gruppe unterwegs und wir waren schon relativ betrunken. Da eine der Mädels zufälligerweise an dem Tag Geburtstag hatte und wir beim verlassen der Kneipe auf einen Rosenverkäufer stießen kaufte einer aus der Gruppe dem Geburtstagskind fünf Rosen, die wir notgedrungen mit in die Disko nahmen (erstaunlicherweise war das auch kein Problem). Irgendwie fanden wir es lustig sie dann dort selbst zu verkaufen, weil wir sie ja gerade selbst gekauft waren und sie keine Lust mehr hatte, sie herumzuschleppen, wir wollten ja tanzen. Nachdem wir mit „wolle Rose kaufen?“ nicht so sehr weit kamen, kamen wir auf den ultimativen Verkaufstrick: Man schaute, welcher Mann sich für eines der Mädchen interessierte, mit denen wir unterwegs waren und fragte dann direkt „Hey, willst du ihr ne Rose kaufen?“ Wollten so direkt angesprochen und von ihr angelächelt die meisten Männer. Sie unterhielt sich kurz mit ihm und wenn sie nicht interessiert war, dann hatten wir eine neue Rose zum (erneut) verkaufen.

Wir hätten glaube ich mit einem hübschen Gewinn weggehen können, aber auch betrunken macht so etwas nur kurz Spaß. Wir beendeten unsere Rosenverkäuferkarriere nach ca. 4 „verkauften“ Rosen, allerdings noch mit 5 Rosen im Warenbestand und schwangen lieber das Tanzbein.

Die Rosen fanden wir beim Rausgehen vertrampelt vor der Theke auf die wir sie gelegt hatten.