„Der feministische Einfluss auf die Bundeswehr ist groß“

Ein Interview mit der Präsidentin der Bundeswehruniversität bietet erstaunliche Einblicke:

WELT: Frau Niehuss, hat sich die Bundeswehr durch die Öffnung für Frauen seit dem Jahr 2001 verändert?

Merith Niehuss: Absolut. Vergessen Sie nicht, dass die Frauen sich die Zulassung zum Dienst erst erklagen mussten. Innerhalb der Bundeswehr kam seitdem eine große Lockerheit im Umgang miteinander. Die rein männliche Atmosphäre ist zu einer lockeren, zivilen Atmosphäre geworden. Ich kann es nur anhand der Universität beurteilen. Bei uns sind die Frauen in den Seminaren ein wichtiger Faktor für gelassene Kommunikation.

Das kann ich mir durchaus vorstellen, man wird lockerer wenn Frauen dabei sind. Allerdings dürfte Frauen eben bei den wenigsten Kampfeinheiten dabei sein, so dass man bezweifeln darf, dass sich die Lockerheit auch dahin überträgt.
Die andere Frage wäre, ob dort eine Lockerheit überhaupt immer erwünscht ist. Immerhin ist ja die Bundeswehr keine normale Gesellschaft, sie soll Leute ausbilden Aufträge zu erfüllen, bei denen es um das Töten von Menschen geht.

Niehuss: Die Atmosphäre war männlicher geprägt. Sie müssen sich die Offiziere so vorstellen: Sie sind nach dem Abitur in die Bundeswehr gekommen und leben dort schon in ihren Truppenverbänden zusammen. Sie kennen sich bereits von den Offiziersschulen. Sie kommen hier als Gruppen an. Manchmal studieren sie sogar das Gleiche. Diese Gruppenbildung rein männlicher Art ist durchbrochen worden durch die Frauen.

„Männlich geprägt“ sagt ja erst einmal wenig aus. Überhaupt kommt mir eine Leiterin einer Bundeswehrinstitution, die etwas gegen eine männlich geprägte Atmosphäre hat, merkwürdig vor. Der Großteil der Bundeswehr ist ja nun einmal männlich und der wichtigste Teil, die eigentliche kämpfende Truppe, ist noch weniger mit Frauen besetzt.

WELT: Gibt es weniger Härte im Umgang?

Niehuss: Die Bundeswehr ist hierarchisch geprägt. Das muss eine Armee sein, die Bundeswehr ist im Vergleich zu anderen Armeen aber weniger hierarchisch. Es gibt eine große Durchlässigkeit. Vor allem im Kommunikationsstil unterscheidet sich die Bundeswehr von anderen Armeen.

Wenn hier ein General über den Campus geht, kann er ganz normal einen Soldaten ansprechen, und der fällt nicht vor Schreck um. Das ist in anderen Armeen in Europa anders. Die Bundeswehr war noch nie so hierarchisch, dass man davor Angst haben musste. Die Frauen haben eben gefehlt.

Ich glaube da fehlt ihr vielleicht etwas die Erfahrung aus den Kasernen. Klar, an den Unis ist alles ziviler. Das war schon bei meinem Lehrgang für den Panzerführerschein so. Ein wesentlich zivilerer Umgangston. Alles wurde nicht so ernst genommen.

Hingegen war es einer der Totsünden eines Wachdienstes (Kontrolle der Zutrittsberechtigung zu der Kaserne) den General nicht zu erkennen oder ihn nach seinem Bundeswehrausweis zu fragen.

Etwas unverständlich finde ich den Absatz “ Die Bundeswehr war noch nie so hierarchisch, dass man davor Angst haben musste. Die Frauen haben eben gefehlt.“

Was soll das bedeuten? Sonst wäre es hierarchischer gewesen? Sonst macht es irgendwie keinen Sinn.

WELT: Welchen Einfluss hatten feministische Bewegungen auf die Öffnung der Bundeswehr ?

Niehuss: Der Einfluss ist groß. Die Bundeswehr folgt hier aber einem gesellschaftlichen Trend. Sie geht hier nicht voran. Vergessen Sie nicht, es gibt diverse Horte von Männlichkeit in dieser Gesellschaft. Denken Sie an Kirchen, denken Sie an Leistungssport, der nach Geschlechtern getrennt ist. Frauenfußball guckt man mal, Männerfußball ist aber der interessantere Sport.

Was sind denn das für Aussagen einer Präsidentin einer Bundeswehruni? Horte von Männlichkeit, unterrichtet die dort Gender Studies? ich habe es gleich mal nachgeschlagen:

Niehuss wurde als erstes von zwei Kindern eines Journalisten und einer Hausfrau in Bielefeld geboren. Sie verlebte die ersten Jahre in Westfalen bevor die Familie nach München zog. Dort besuchte sie ab 1964 das Luisengymnasium.

Nach dem Abitur studierte sie Geschichte (M.A.), Anglistik und Soziologie (Diplom) in Regensburg und München. 1982 wurde sie bei Gerhard A. Ritter an der LMU München mit der Dissertation Arbeiterschaft in Krieg und Inflation: soziale Schichtung und Lage der Arbeiter in Augsburg und Linz 1910 bis 1925 zum Dr. phil. promoviert. 1993 habilitierte sie sich dort. Ihre Habilitationsschrift hatte das Thema Familie, Frau und Gesellschaft. Studien zur Strukturgeschichte der Familie in Westdeutschland und war ein Projekt der VolkswagenStiftung. 1994 erhielt Niehuss ein Heisenberg-Stipendium und vertrat den Lehrstuhl für deutsche und europäische Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts an der Universität der Bundeswehr München. Zwei Jahre später folgte sie dem Ruf, den Lehrstuhl als Professorin zu übernehmen. Die Forschungsschwerpunkte von Niehuss liegen im Bereich der Sozialgeschichte und der Gender-Forschung. Sie ist Autorin, Mitautorin und Herausgeberin mehrerer Bücher.

Die Leiterin der Bundeswehruni forscht zu Gender. Irgendwie pervers.

Die Bundeswehr ist durch die Frauen aber zwei Schritte weiter gegangen: Nicht nur die Frauen und die Gleichstellungsfrage haben Eingang gefunden, sondern zugleich auch die Diversity-Frage. Damit ist die Bundeswehr dem Rest der Gesellschaft wieder voraus, wo diese Frage nicht diskutiert wird.

Diversity, etwa Homosexualität oder Transgender oder andere Konzessionen wie Behinderungen, wird in vielen Institutionen nicht diskutiert und verfolgt als Thema. Homosexualität ist im Leistungssport tabu, ein absolutes Tabu. In der Bundeswehr nicht mehr.

Es ging ja schon der Witz um, dass der Verteidigungsministerin die Aufrüstung der Panzerfilter auf solche, die auch Schwangeren das Kriegsführen gefahrlos erlaubt, die oberste Priorität war. Und das bei einer Bundeswehr, die ansonsten eher einen schlechten Zustand hat.

WELT: Stichwort gläserne Decke – wie sehen die Aufstiegschancen für Frauen in der Bundeswehr aus?

Niehuss: Da muss ich jetzt rechnen. Frauen, die seit 2001 in der Bundeswehr sind, die können noch nicht im Generalsrang sein. Das ist zeitlich gar nicht möglich. Die, die jetzt in der Generalsebene sind, sind früher schon reingekommen.

Deswegen findet man Frauen im Bereich der Medizin und Pharmazie, wo sie eben traditionell schon stark vertreten waren. In der Luftwaffe findet man wenige. Da sind sie vom Karrieremuster her noch nicht angekommen.

Der Aufstieg von Frauen wird völlig gleichrangig behandelt. Von einer Benachteiligung kann keinesfalls die Rede sein. Eher davon, dass man sich für eine Frau entscheidet bei gleicher Befähigung der Kandidaten.

Frauen sind im Sanitätsdienst sicherlich gut angekommen. Und sicherlich auch in der Verwaltung. Die anderen Ebenen dürften da weitaus schwieriger sein. Auch interessant: „Da sind sie vom Karrieremuster her noch nicht angekommen“. Was soll das heißen? Es passt natürlich gut dazu, dass Piloten etc üblicherweise ein gutes räumliches Denken haben müssen, welches im Schnitt bei Frauen schwächer ausgeprägt ist.

WELT: Wieso studieren Frauen bei Ihnen an der Universität eher Erziehungswissenschaften anstatt Physik oder Ingenieurwissenschaften?

Niehuss: Es sind immer noch die weiblich geprägten Berufe. Und es ist immer noch die Angst davor, in männliche Domänen vorzudringen. Das beginnt ganz früh. Die Kindergärten und die Schulen müssen mehr machen. Das ist das alte gesellschaftliche Problem, das wir haben.

Oder es passt eben besser zu den Vorlieben und Interessen der Geschlechter. Sie scheint die Gesellschaft umbauen zu wollen.

WELT: Sollten Kindergärten und Schulen ein anderes Frauenbild vermitteln, damit auch Frauen sich später Naturwissenschaften zutrauen?

Niehuss: So sehe ich das. Diese Berufe könnten diese eingefahrenen Frauen-Männer-Aufteilungen mal auflösen. Aber wenn Sie sich heute einmal eine Spielwarenabteilung angucken, dann haben Sie schon eine Abteilung in Rosa für Mädchen und in Hellblau für Jungs. Das ist ja furchtbar. Das fängt auch da schon an. Der Junge spielt mit dem Spielzeugsoldaten, das Mädchen mit der Puppe. Ist es andersherum, werden die Eltern alarmiert.

Ob jemand, der so gar nicht bereit ist, mal über den Tellerrand seines Fachs zu schauen und der so klassisch feministische Ansätze bezüglich der Geschlechterrollen hat, wirklich für eine Bundeswehruni geeignet ist? Sollte man da nicht zumindest eine etwas positivere Einstellung gegenüber einer Männergesellschaft haben?

Vielleicht macht sie ihren Job ja sehr gut. Aber eine Präsidentin mit einem so kritischen Verhältnis zu „Männerbündnissen“ scheint mir etwas als jemand, der nicht zu einer solchen Uni passt.

 

vgl auch

In den USA können wohl bald auch Frauen zum Wehrdienst herangezogen werden

In den USA müssen sich jetzt auch Frauen zum Wehrdienst „einschreiben“, sie werden also vorgemerkt für einen eventuelle Wehrdienst, auch wenn gegenwärtig in den USA eine reine Freiwilligenarmee ihre Arbeit macht.

Hintergrund ist, das die Streitkräfte dort für alle Frauen für den freiwilligen Dienst geöffnet worden sind, womit aus Sicht vieler ein wichtiges Argument weggefallen ist.

Ein Artikel zu den Einzelheiten:

On Tuesday, the Senate passed a defense authorization bill that would require young women to register for the draft — the latest development in a long-running debate over whether women should sign up for the Selective Service. The provision would apply to women turning 18 in 2018 or later and would impose the same requirements and rules that currently apply to men.

The policy is still far from being law. The House, after considering a similar provision earlier this spring, ultimately passed an authorization bill that omitted it; the two branches of Congress now must resolve the differences between their bills. And the bill faces a veto threat from President Obama over other elements of the legislation, such as the prohibition on closing down the Guantanamo Bay military prison.

But the bill’s passage brings women a step closer to Selective Service registration — a historic change that has bipartisan support in Congress but is firmly opposed by some conservative lawmakers.

For decades, the U.S. policy of having a draft for men, and not women, was approved as constitutional by the Supreme Court.

But as NPR’s David Welna reported last year, the court’s reasoning relied on the fact that women were barred from combat roles.

Now that women are eligible for combat duty, „Congress seems to have lost its court-endorsed rationale for limiting Selective Service registration to males only,“ David wrote.

Zu meiner Zeit bei der Bundeswehr und Frauen bei der Bundeswehr hatte ich hier schon etwas geschrieben. Aus meiner Sicht sollte eher die Wehrpflicht ganz abgeschafft werden. Ich finde eine Wehrpflicht nicht mehr Zeit gemäß. Wenn man allerdings meint, dass eine Wehrpflicht bestehen soll oder auch nur eine Einziehungsmöglichkeit, dann ist es nur konsequent, wenn man diese auf beide Geschlechter erstreckt. Aufgrund der Körperkraftunterschiede sind zwar ein Großteil der Frauen für tatsächliche Kampfeinsätze wenig geeignet, aber es gibt genug andere Jobs, die man dort machen könnte, die keine Körperkraft erfordern.

Auch in Deutschland ist die Wehrpflicht nur ausgesetzt. Auch hier sollte man sich daher entscheiden: Entweder ganz abschaffen oder geschlechtsneutal.

Wehrdienst

Ein klassisches maskulistisches Thema ist der Wehrdienst als Zwangsdienst des Mannes. Er ist zwar gegenwärtig in Deutschland ausgesetzt, aber theoretisch jederzeit wieder einführbar. Nach wie vor allerdings lediglich für Männer.

1. Wehrdienst als Zwangsdienst

Der Wehrdienst ist ein Zwangsdienst, der nur Männer betrifft. Er hat eine umfassende Vergangenheit, die wohl auch dazu führt, dass man ihn nicht so direkt als einen solchen Zwangsdienst wahrnimmt, ganz im Gegensatz zu anderen Diensten, wenn sie denn eingeführt worden wären.
Der Hintergrund ist, dass frühere Kriege hauptsächlich breite Massen an Soldaten erforderten und Frauen aufgrund der geringeren Körperkraft und vielleicht auch aus anderen Gründen wie erhöhter Schutzbedürftigkeit, geringerer Abhärtung und der Gefahr einer Schwangerschaft für einen solchen Dienst schlicht nicht geeignet waren.

Erst in moderneren Zeiten setzte sich hier überhaupt die Erkenntnis durch, dass man niemanden zwingen kann, an der Waffe zu dienen, eine Vorstellung, die lange mit „Männlichkeit“ wohl gar nicht vereinbar gewesen wäre und schlicht als Feigheit ausgelegt worden wäre, als Fehlen der Opferbereitschaft für die Gemeinschaft. Etwas davon ist sicherlich auch noch geblieben, das Militär zerrt noch etwas von der Faszination des Kampfes, auch wenn der moderne Krieg dazu nicht mehr ohne weiteres in der Lage ist. Aber immerhin: Man kann verweigern. Auch diese Möglichkeit hat dazu beigetragen, den Wehrdienst weniger als Zwangsdienst erscheinen zu lassen: Wenn dir die Bundeswehr nicht passt, dann verweigere eben. Dabei ist der Zivildienst natürlich auch ein Zwangsdienst, der schließlich aus meiner Sicht sogar den Wehrdienst verlängert hat, denn es dürften viele Politiker davon ausgegangen sein, dass man die Zivildienstleistenden nicht einfach so wegfallen lassen konnte, auch wenn dies später wohl relativ unproblematisch der Fall war.

Aus meiner Sicht ist ein Wehrdienst militärisch nicht viel wert. Der Krieg mit vielen Soldaten ist trotz der gerade wieder stattfindenden kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa nicht zu erwarten und Krieg ist immer mehr etwas für Fachleute: Ein Soldat muss heute gut geschult sein, abgehärtet, Spezialisiert und auch mit den nötigen Routinen ausgestattet sein, um in einem Krieg handeln zu können, jedenfalls dann, wenn er einen Krieg der Art führt, wie er für deutsche Soldaten zu erwarten ist, also als Teil einer Einsatztruppe in einem anderen Land. Das kann ein Wehrpflichtiger aus meiner Sicht nicht leisten. Er ist dazu zu kurz dabei und muss dafür die Sache auch nicht ernst genug nehmen.

Insofern finde ich es auch richtig, dass man den Wehrdienst schließlich abgeschafft hat, er war nicht mehr zeitgemäß und hat auch eher wertvolle Ressourcen gekostet, denn ohne den Wehrdienst können junge Leute ein Jahr früher in das Berufsleben einsteigen und arbeiten damit ein Jahr länger, letztendlich geht damit dem Staat ein Arbeitsjahr eines voll ausgebildeten Profis verloren (und den Männern ein entsprechendes Jahr in der Rente etc).

2. Meine Bundeswehrzeit

Ich hatte mich damals für die Bundeswehr und nicht für eine Verweigerung entschieden, weil ich zum einen als Kind schon immer gerne mit Pistolen etc gespielt habe und man zudem dann ein Semester früher studieren konnte, da sich der Anfang des Studiums nur sehr kurz mit dem Ende der Bundeswehr überschnitt, während der Zivildienst 2 Monate länger war. Ich hatte keine direkten Vorstellungen von der Bundeswehr, aber ich fand die sozialen Berufe innerhalb des Zivildienst auch nicht unbedingt anziehend, hatte keine Lust auf Altenpflege oder Rettungsassistent. Ich konnte eh kein Blut sehen, also lieber zur Bundeswehr! Außerdem stellte ich mir vor, dass ich danach zumindest mal fit sein würde, was ja auch nichts schlechtes ist. Ich dachte mir, dass es so hart nicht sein kann, denn andere wesentlich unfittere würden ja auch dort sein und immerhin war es keine Berufsarmee, sondern nur ein Wehrdienst.

Die Musterung empfand ich dabei nicht als schlimm, die Ärzte etc haben sich normal wie andere Ärzte auch benommen, waren normal freundlich, ich fühlte mich nicht gedemütigt etc. Es gab eine körperliche Untersuchung und verschiedene Seh- und Hörtest, noch einige Fragebögen, dann war die Sache vorbei. Der Einplaner teilte mir mit, dass er mich als Marder-Schützenpanzer-Fahrer einplanen wollte, was mir auch durchaus interessant vorkam.

Marder Schützenpanzer

Marder Schützenpanzer

Gut, einen Leopard hätte ich interessanter gefunden, aber Panzer ist Panzer. Der kleine Junge in mir war angetan.

Bei Dienstantritt kam man in eine neue Welt: Die Bundeswehr hat ihre eigenen Regeln und man muss sie erst einmal lernen. Das fängt bei einfachen Sachen an, wie dem Umstand, dass man niemals niemals nie seine Hande in die Hosentaschen stecken darf („Wollen Sie verreisen, die Hände haben Sie ja schon eingepackt!“ „Haben Sie Angst vor Eichhörnchen oder warum halten Sie Ihre Nüsse fest?“ „Hände vom Sack! Sonst sind Ihre Hände weg, wenn Ihre Eier platzen.“) oder auch sich nie an eine Wand lehnen darf („Die Wand steht auch von alleine“) aber auch andere Punkte, wie die Leute mit Dienstgrad ansprechen, richtig grüßen, Meldungen machen, früh aufstehen, antreten etc. Man musste erst lernen, was man ernst nehmen musste und was nicht und wie man mit wem umgehen konnte. Gleichzeitig musste man mit 5 anderen Leuten auf der Stube („Zimmer gibt es im Puff“) zurechkommen, was aber recht problemlos ging, weil einen die Umstände sofort zusammenschweißen. Nicht, dass man da unbedingt bester Freund geworden ist, aber man hatte genug mit den Vorgesetzten zu tun.

In den ersten paar Wochen lernt man hauptsächlich diese Regeln, dazu formelles marschieren, was gar nicht so einfach ist, weil immer wer etwas aus dem Takt kommt. Man rennt die ersten Tage noch in Zivil herum, bis man dann eingekleidet wird. Dabei bekamen die „neuen Rekruten“ erst einmal die alten Nichttarnfarben-Uniformen, die wesentlich neuer geschnittenen und komfortableren Flecktarnuniformen musste sich die Kompanie erst „verdienen“. Damit ist auch schon eines der wichtigsten „Erziehungsmittel“ der Bundeswehr genannt: Errichtung einer Gruppenidentität und die Vorgabe von Hierarchien, die man erreichen konnte. Und das auf allen Ebenen.

Beispielsweise bestand eine Kompanie aus 4 (oder 5? ich bin etwas unsicher) Zügen und wenn man morgens nach dem Antreten erst einmal Liegestütze machte („Männer, zwanzig Liegestütze, ich zähle vor 1, 2, 3, …, 19, 19, 19, 20“) dann konnte man mit so etwas rechnen wie „Habt ihr gehört, der zweite Zug hat zwanzig Liegestütze gemacht, dann schafft der 1 Zug 25!“ oder eben so etwas wie „ihr seid der erste Zug, dass muss besser werden“ oder auch „ihr seid Panzergrenadiere, dass muss besser werden“. Alles wurde immer versucht in einen Wettbewerb zu stellen, was aber häufig auf wenig Enthusiasmus traf (Uns war es recht egal besser als der zweite Zug im Bereich Liegestütze zu sein, die kannten wir ja auch alle und wir wussten, dass es denen auch recht egal war).

Nach der Grundausbildung wurde es dann etwas militärischer, mit entsprechender Ausrüstung, insbesondere Kampfgeschirr, schießen etc. Die erste Wanderung in nicht eingelaufenen Stiefeln bescherte wohl der gesamten Kompanie Blasen und ist gerade mit vollen Gepäck und in lockerer Schützenreihe mit Gewehr, welches an den Armen zieht, verdammt anstrengend. Einer der Soldaten, der körperlich nicht sonderlich fit war, kam an die Spitze der Gruppe und ein Unteroffizier brüllte ihn die meiste Zeit an, dass er „Seinen inneren Schweinehund überwinden sollte“ und sich nicht so anstellen sollte. Die Bundeswehr brachte aber auch mich und die anderen Soldaten  bei solchen mühelos an die Grenzen unserer Belastung und teilweise etwas darüber hinaus, auch wenn ich  das Wandern von Ausflügen durchaus gewohnt war.

Einzelne, die nicht mithalten konnten, zeigten auch schnell eines der weiteren „Arbeitsmittel“ der Bundeswehr: Die Gruppenstrafe. Diese ist zwar meines Wissens nach eigentlich verboten, aber das ist leicht zu umgehen. Gruppenstrafe bedeutet, dass einer etwas falsch macht und die Gruppe deswegen zusätzliche Aufgaben übernehmen muss oder Übungen wiederholen muss. Dadurch ist der Einzelne in der Verantwortung, sich anzustrengen, wenn er nicht will, dass die anderen langsam sauer werden, weil sie immer länger etwas machen müssen. Die Umgehung besteht dann darin, dass man nicht anführt, dass der Einzelne etwas falsch gemacht hat, sondern das die Gruppe insgesamt einen bedauerlichen Ausbildungsrückstand hat, weswegen sie „nachsitzen“ muss, wobei man entweder darauf vertraut, dass alle genau wissen, wer mit „die Gruppe“ gemeint ist oder eben das ganze noch durch einen bedeutungsschweren Blick besonders hervorhebt.

In der Grundausbildung war es jedenfalls sehr hart. Die Leute reagierten darauf ganz verschieden. Teilweise mit Trotz und Stolz („Ich weiß, dass ich mit den Blasen heute krank machen könnte, aber die bekommen mich nicht klein“) teilweise mit dem Versuch, abzumildern, was eben ging oder eben auch mit einem sich drücken („Herr Leutnant, dieser Leberfleck, ich glaube der wird größer, da müsste ich mal zum Hautarzt außerhalb der Kaserne“).

Bei der Bundeswehr lernt man, dass einige Befehle nur dazu dienen, Zeit herum zu bekommen, beispielsweise die Reinigung des Gewehrs. Ein Gewehr vollkommen sauber zu bekommen ist nahezu unmöglich. Am Anfang denkt man aber noch, dass es darum geht das Gewehr sauber zu bekommen , putzt es, geht stolz zu dem aufsichtführenden Vorgesetzen und will es sich abnehmen lassen in der Auffassung, dann quasi frei zu haben. Dieser nimmt etwas weißes Papier, findet damit noch etwas Dreck und schickt einen wieder zurück. Je nach Dickköpfigkeit kann man das Spiel beliebig oft spielen, bis man merkt, dass am Ende der vorgesehenen Zeit alle Gewehre, sofern sie einigermaßen okay waren, als sauber bezeichnet worden sind und man das nächste Mal einfach die Zeit sinnlos pseudoputzend vertreibt und mit dem Nachbar klönt.

Nach der Grundausbildung wurde es etwas besser, zumindest für mich als Fahrer. Denn die Panzerfahrschule ist vom Umgangston quasi ein ziviler Bereich und mit einem Panzer durchs Gelände zu fahren kann schlicht ein ziemlicher Spaß sein. Danach ging es zurück in die Kompanie und es folgte eine Vielzahl von Manövern, teilweise im Winter. Dabei wurde deutlich, dass der Trick, dass man selbst die beste Kompanie sein musste, zumindest auch von ihren Vorgesetzten bei unseren Vorgesetzten mit Erfolg eingesetzt worden war: Wo andere Kompanien nach einem Manövertag in die nahe gelegene Kaserne fuhren, rühmten sich unsere Vorgesetzten, dass wir hart genug waren um draußen in der Kälte zu bleiben. bei Manövern in „Bergograd“ standen wir Wehrpflichtige fast vor einer Meuterei, zumal die Vorgesetzen ein beheiztes „Führungszelt“ hatten und bei einigen der 30 Jahre alten Mardern die Heizungen ausgefallen waren. Müdigkeit, Kälte und Stress führten dazu, dass man einen Klappspatenmord für Kleinigkeiten erwägte. Immerhin merkten auch die Vorgesetzen irgendwann, dass sie es übertrieben hatten und wir fuhren am vierten Tag ins Warme. Selten habe ich etwas so schönes erlebt wie die direkt nach dem Ankommen genommene heiße Dusche. Das Ablegen der nass-kalten Kleidung, dass Abwaschen des Drecks, das Gefühl von Wärme – so muss der Himmel aussehen. Auch interessant: Ein paar Kranke waren in der Kaserne geblieben, sie hatten schon von einem, der nach dem dritten Tag wegen etwas zurückgekommen war erfahren wie die Lage vor Ort war und hatten auch an unserem Blicken erkannt, dass wir nicht für Sprüche oder irgendwelche Spielereien zu haben waren. Keiner sagte einen der durchaus sonst üblichen Sprüche, ob es nicht zu kalt gewesen sei, hier habe man gar nichts gemerkt, sie sammelten Ausrüstung ein, und fingen an sie zu putzen etc mit einer „Ich weiß wir hatten es warm und ihr seid am Ende, euer Dreck ist unser Dreck, geht ihr mal erstmal unter die Dusche“ Haltung. Ein Spruch hätte aber an dieser Stelle wohl auch so ziemlich das Ende desjenigen bedeutet.

Gegen Ende wurde es dann je nach Zug entweder etwas lockerer oder auch wieder härter. Ich für meinen Teil hatte Vorgesetzte, die mit einer „Wenn ihr glaubt, dass ihr am Ende jetzt die Disziplin schleifen lassen könnt, dann habt ihr euch aber geschnitten“-Haltung an die Sache herangingen und alte Traditionen wie „Im Gleichschritt zum Frühstück“, während andere Züge ungeordnet und einzeln an einem vorbeigingen wiedereinführten. Das führte bei mir dazu, dass ich zum ersten und auch letzten Mal in meinem Leben eine „Wenn ich eine Kugel frei hätte…“-Liste hatte, die ich vergleichbar Arya Stark zu meiner eigenen Belustigung geistig führte.

Glücklich konnte man sein, wenn man dann Fahrer oder Richtschütze war, da man dann in den Zeiten, in denen nichts besonderes anstand, zur „Panzerwartung und Pflege“ eingeteilt war, was bedeutete, dass man in der Recht zivilen „Inst“ (Instandsetzung) abhing und dort die Kaffeepausen mitmachte bzw. danach den Panzer putze und mit Öl und Fettpresse zu Leibe rückte (was im Idealfall bedeutete, nichts zu machen, man konnte sich sogar ins innere des Panzers setzen und die Klappen zumachen, dann konnte auch keiner sehen, was man gerade machte).

Interessant waren die Vorgesetzten. Ein Oberfeldwebel war die absolute Autoritätsperson, schrecklich in seinem Zorn, gutmütig wenn alles so lief, wie er es wollte. Aufbrausend geradezu, aber gerecht auf seine Art. Er wollte Härte, machte auch alles mit, und wenn man mitzog, dann konnte er sehr gesellig sein. Man durfte sich nur nicht gegen ihn stellen. Ein Uffzs (Unteroffizier), dem man recht gut anmerkte, dass er nicht der hellste war und der aber trotzdem den autoritären heraushängen ließ. Man lernte irgendwann, dass es nichts brachte, ihn in schlechten Befehlen einen Tipp geben zu wollen: Die beste Art, wie ein Soldat sich in solchen Fällen zu Wehr setzt, ist den Befehl buchstabengetreu umzusetzen und dann darauf zu verweisen, dass man genau diesen Befehl erhalten hat. Der Leutnant, dem alles Recht egal war („Jetzt marschieren wir mal ganz ordentlich und wie der vorbildlichste Zug der Welt hinter diese Lagerhalle und dann rauchen wir erstmal eine“) . Den überpeniblen Fahnenjunker, der an einem der letzten Tage noch jemanden meldete, weil seine Haare zu lang für die Bundeswehrvorschriften waren und der auch ansonsten den Anspruch hatte, dass das alles doch wichtig sei und ordentlich gemacht werden müsse, selbst Kleinigkeiten. (Lustigerweise fing er nach mir in der selben Stadt an zu studieren und ich traf ihn nachts beim weggehen. Er wollte etwas mit mir plaudern und ich habe, weil ich ihn schon damals für ein Arschloch hielt, so kurz und kalt geantwortet, dass selbst er merkte, dass ich nichts mit ihm zu tun haben wollte. Meine Freund, die mit mir weg waren fragten mich dann auch, ob er mein Haustier umgebracht oder ähnliches schlimmes gemacht habe. Es war aber nur die Bundeswehr).

3. Die Zeit nach der Bundeswehr

Es ist erstaunlich, wie sehr man die Regeln in der Bundeswehr in sich aufnimmt. Die erste Zeit nach der Bundeswehr hat man seine Hände nicht in den Hosentaschen. In der Übergangszeit etwas später zieht man sie mitunter erschreckt und als wäre man ertappt worden blitzartig aus den Taschen. Es stört einen, wenn jemand eine Mütze nicht abnimmt, wenn er ein Gebäude betritt. Und ein Freund von mir gab an, dass er sich, als ein Freund ihn von hinten mit seinem Nachnahmen anrief, in der „richtigen“ Richtung drehte und beinahe in eine Habacht-Stellung endete. Es braucht etwas, bis man sich wieder einfach an eine Wand lehnt und es fühlt sich kurzzeitig wie ein kleines Stück Rebellion an.

Der Vorteil ist: Man hat viel zu erzählen, allerdings verstehen nur andere Wehrdienstleistende die Geschichten wirklich und anderen gehen sie mitunter auf die Nerven, weil sie sie nicht nachvollziehen können: Sie verstehen das Gefühl nicht, nach der Grundausbildung zum ersten Mal wieder Frauen abseits den (in meiner Kaserne recht hässlichen) Kantinenpersonal zu sehen und festzustellen, dass die eigene Stadt plötzlich von Schönheiten bevölkert ist. Sie verstehen nicht, was man an bestimmten Ausbildersprüchen trotz ihrer Dämmlichkeit lustig findet.

Würde ich es heute noch mal machen, wenn ich mich zwischen Bundeswehr und Zivildienst entscheiden müsste? Vielleicht, als Erfahrung war es gleichzeitig faszinierend und bescheuert und es hat mir ein halbes Jahr gespart.

Hat es mir etwas gebracht? Vielleicht eine gewisse Abhärtung: Ich bezweifele, dass mich jemand so anschreien wird wie bei der Bundeswehr und mich so ohne das ich es will an meine körperlichen Grenzen bringen wird. Ich habe mich bei der Bundeswehr von Schluchten abgeseilt, bin über Hindernisbahnen geklettert, bin von Türmen gesprungen, habe mit den Tücken der Technik eines alten Panzers gearbeitet bei sonst technisch geringer Ahnung, habe Kontakt mit Menschen aus allen Schichten und Hintergründen gehabt und bin mit ihnen gut zurechtgekommen (ich war für ein weiteres Manöver an eine andere Kompanie als Fahrer ausgeliehen, in der statt wie bei mir ein „Abitureinzugstermin“ ein „Ausbildungsabbrecher, Schulversager und Schwerverbrecher“-Einzugstermin war (so wurde es mir jedenfalls mitgeteilt) und es war eines der entspannteren Manöver, die ich hatte, weil die alle anders im Leben standen als wir Abiturienten und die Unteroffiziere deswegen auch anders mit ihnen umgingen. Beispielsweise wurde erst einmal ein Kasten Bier in den Panzer geladen mit der Maßgabe, dass der Fahrer nichts trinken durfte, man ihm aber nach Wunsch geschmierte Brote nach vorne reichen sollte, er konnte sie ja während der Fahrt nicht selbst schmieren. Abends fuhr man natürlich in die Kaserne und machte ein letztes Antreten, bei dem auf die Mitteilung „Dienstschluss“ allgemein laut knallend die Flensbügelverschlüsse geöffnet worden).

ich würde auch sagen, dass man bei der Bundeswehr sehr nachhaltig lernen kann, dass Krieg großer Mist ist. Wer auf einem Manöver 10-mal die Meldung erhält, dass man gerade abgeschossen wurde und das ohne das die Luftwaffe oder Artillerie mit einbezogen wurde, der weiß, dass man in einem Krieg einfach verdammt schnell sterben kann und man dazwischen kalt, nass und dreckig ist.

Allerdings würde ich nicht sagen, dass deswegen die Bundeswehr als „die Schule der Nation“ wichtig wäre. Zivildienstleistende haben ebenso Erfahrungen anderer Art gemacht und solche, die irgendwie ganz um die Bundeswehr herum gekommen sind, wirkten im Studium jetzt auch nicht als hätten sie einen wichtigen Entwicklungsschritt verpasst.

4. Frauen  und Bundeswehr/Wehrdienst

Die Bundeswehr in der damaligen Form war in jedem Fall eine „Männerwelt“ und ich bezweifele, dass viele Frauen einen Wehrdienst dort wirklich lange durchgehalten hätten, wenn sie nicht mussten. Und man kann auch während der Bundeswehr jederzeit verweigern, was auch einige gemacht haben. Es ist eine Machogesellschaft, auf Wettbewerb, Stolz, Durchhalten und sich nicht unterkriegen aufgebaut, genauso wie darauf, dass System zu umgehen und sich einen Raum zu suchen, an dem man nicht gestört wird. Als Berufssoldat wird es sicherlich noch einmal anders sein und in den Bereichen, in denen Frauen wahrscheinlich häufiger tätig sein wollen, nämlich außerhalb der Kampfeinheiten, auch noch mal deutlich ziviler.

Aus feministischer Sicht interessant wäre vielleicht der Gedanke der Abhärtung. Frauen durch einen Grundwehrdienst zu schleusen wäre vielleicht eine interessante Sache, wenn sie dann genauso behandelt werden. Ich vermute aber, dass bei Einführung einer weiblichen Wehrpflicht die Verweigerungsquote bei 95% wäre.

Ich hatte dazu auch schon mal am Anfang dieses Blogs in Auseinandersetzung mit einer feministischen Äußerung zum Wehrdienst als Benachteiligung von Männern etwas geschrieben:

Zwangsdienste
Ich bin Pazifistin, Zwangsdienste find ich echt blöd, aber dagegen sollte kämpfen, wer davon betroffen ist.

Das “Pazifistin Argument”, gerne auch in der Langform “ich bin eh gegen die Bundeswehr und alles Militär” kommt häufig bei einer Argumentation über die Wehrpflicht. Weil es sonst schwer ist nicht zuzugeben, dass diese die Männer diskriminiert ohne sich gleichzeitig auf anderen Bereichen verwundbar zu machen

Wer es mit “Frauen haben die Nachteile durch die Kindergeburt und Erziehung” versucht bekommt schnell zu hören “Wegen der Geburt des Kindes selbst setzt die Mutter nicht sehr lange aus und hat zudem den Mutterschutz, Kindererziehung können ja wohl beide Geschlechter machen oder meinst du das ist Frauensache?”. Wer sich mit einem “Machen aber trotzdem überwiegend die Frauen” rettet setzt sich dem Gegenargument aus, dass man dann ein “Ausgleichsdienst” der Männer wohl kaum im Interesse der Gleichberechtigung sein könnte und zudem ein Mann, der die Kinder erzieht dann in eine Sippenhaft genommen werden würde.

Wer damit kommt, dass Frauen von Natur aus friedlicher sind der muss zum einen erklären, warum dies der Fall ist und damit die Gleichheit von Mann und Frau aufgeben und setzt sich zum anderen dem Argument aus, dass sie wegen dieser Friedfertigkeit dann eben auch in Führungsetagen nicht so häufig vertreten sind.

Wer auf die Kraft anspielt, der wird auf die moderne Kriegsführung und die Automatikschaltung eines Panzers verwiesen und darauf, dass es auch genug Jobs im Nachschub oder anderen technischen Bereichen gibt (zB Flugabwehr)

Das gilt auch für das zusätzliche Vergewaltigungsrisiko der Frau, dass zum einen in den oben genannten Bereichen gering sein dürfte und zum anderen das Gegenargument auslöst, dass Frauen ja gerade um dieses für andere Frauen zu vermindern besonders zahlreich in der Bundeswehr vertreten sein müssten.

Zudem könnte natürlich auch jede Frau, die zum Wehrdienst eingezogen wird, einfach verweigern.

Bleibt also nur die “Ich bin eh gegen das Militär, dass Problem betrifft mich nicht”.

Ich bin Arbeitnehmer. Muss mich also nicht interessieren, das die Arbeitgeber weiblichen Arbeitnehmern niedrigere Löhne zahlen? Wohl kaum eine feministische Position.

Hinzukommt, dass an anderer Stelle gerade darauf verwiesen worden ist, dass alles mit allem verbunden ist in der Geschlechterdiskussion  und zudem Männer und Frauen nur konstruierte Prinzipien sind.

Wer dies ernst nimmt sollte hinterfragen, wie die Wehrpflicht für Männer das Bild der zu beschützenden Frau stützt, Männer an Gewalt gewöhnt, eine Männergesellschaft aufrechterhält und Männer zudem in das Rollenbild, das wohl auf keinen Beruf mehr zutrifft als auf den des Soldaten drängt.

Wie dekonstruierend wäre hingegen eine gemischte Wehrpflicht oder sogar eine Wehrpflicht nur für Frauen! Eigentlich sollte das eine feministische Forderung sein. Alle Waffen alleine in der Hand von Frauen, Frauen die männlich auftreten, Frauen, die auf Mannövern zeigen, dass sie alles genauso gut können! Die Entscheidung über den Einsatz der Waffen in Frauenhand! Eigentlich ein feminstischer Wunschtraum! Aber eben etwas unpopulär bei den betroffenen Frauen.

Aber gut, die Frage ist in Deutschland nicht mehr wirklich aktuell, seit die Wehrpflicht abgeschafft worden ist.

5. Rechtliches
Weil es in Diskussionen immer wieder auftaucht:

Artikel 4 Europäische Menschenrechtskonvention

Verbot der Sklaverei und der Zwangsarbeit

(1) Niemand darf in Sklaverei oder Leibeigenschaft gehalten werden.

(2) Niemand darf gezwungen werden, Zwangs- oder Pflichtarbeit zu verrichten.

(3) Nicht als Zwangs- oder Pflichtarbeit im Sinne dieses Artikels gilt

a) eine Arbeit, die üblicherweise von einer Person verlangt wird, der unter den Voraussetzungen des Artikels 5 die Freiheit entzogen oder die bedingt entlassen worden ist;

b) eine Dienstleistung militärischer Art oder eine Dienstleistung, die an die Stelle des im Rahmen der Wehrpflicht zu leistenden Dienstes tritt, in Ländern, wo die Dienstverweigerung aus Gewissensgründen anerkannt ist;

c) eine Dienstleistung, die verlangt wird, wenn Notstände oder Katastrophen das Leben oder das Wohl der Gemeinschaft bedrohen;

d) eine Arbeit oder Dienstleistung, die zu den üblichen Bürgerpflichten gehört.

Damit wäre ein Zivildienst ohne Wehrdienst eine unzulässige Zwangsarbeit.