Wahlrecht ab 16 bei der Bundestagswahl

Das Wahlrecht ab 16 Jahren ist gerade mal wieder im Gespräch, gerade von linkeren Parteien, die sich dadurch mehr Wählerstimmen erhoffen.

Klassische Argumente dafür sind:

  • Die Jungen betrifft die Zukunft ja gerade, also müssen sie sie mit entscheiden können
  • Junge Leute ernst nehmen und an die Politik heranführen
  • in verschiedenen Landtagen und bei dem Kommunalwahlrecht klappt es für das aktive Wahlrecht ja auch

Klassische Argumente dagegen sind:

  • Mit 16 sind die meisten noch nicht hinreichend reif um solche Fragen mitzuentscheiden
  • es gibt diverse Schutzvorschriften, etwa im Strafrecht, bei Alkohol, beim Führerschein etc, wenn wir da meinen, dass Kinder die Verantwortung noch nicht schultern können, warum sollten sie dann wählen können?

Letztendlich scheint es mir eine sehr subjektive Frage zu sein, deren Befürwortung in den Parteien eher davon abhängt, wer Prozente dazu gewinnt oder verliert.
Was meint ihr?

 

 

 

#100JahreFrauenwahlrecht

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Wählen Frauen eher weibliche Politiker?

Eine interessante Studie zum Wahlverhalten von Frauen in Bezug auf das Geschlecht:

A common assumption people make about American elections is that women voters will be the most likely source of support for female candidates, a phenomenon referred to as the “gender affinity effect.” Using National Election Study (NES) data from 1990 to 2000, this project expands our understanding of forms that this affinity effect can take by examining two underutilized measures of reactions to candidates: information and candidate affect scores. The author also considers the impact of political party on women’s and men’s attitudes toward female candidates and examines whether any gender affinity effect in reactions to female candidates is related to people’s voting decisions.

Aus einer Besprechung der Studie:

While the research looked at gender affinity, and such other issues as the desire for gender-specific representation on certain political issues, and the political party affiliation of both the candidate and the voter, the research did not find an overwhelming or consistent gender gap supporting female candidates. Instead, information about the candidate herself, and her position on significant issues seemed to be more important to the voters‘ choice.

„As the number of women who seek elective office increases, we have increased our understanding of the sometimes complex dynamics that their candidacies raise,“ concludes the author in the article. „While women support female candidates, they are evaluated in the same way that all candidates are evaluated, through the lens of personal and political considerations that take many forms. Sometimes this leads to situations in which women are more likely to support female candidates than are men, but even in these situations, candidate sex may be only one of several important considerations.“

Das könnte auch der Grund sein, warum Frauen nicht schlicht die Partei mit den meisten Frauen gewählt haben:

Frauenanteil in den politischen Parteien in Deutschland 2016 Statistik

Frauenanteil in den politischen Parteien in Deutschland 2016 Statistik

Bundestagswahl Maenner Frauen

Bundestagswahl Maenner Frauen

Wie man hier sieht kommen die Parteien mit dem niedrigsten Frauenanteil auf 56% der Stimmen der Frauen.

Dennoch hat Merkel gerade mit Kandidaten für die Ministerposten durchgesetzt, die eine deutliche Frauenquote zeigen. Trotz des geringen Anteils an Frauen in der CDU sind die Hälfte der Ministerposten weiblich zu einer weiblichen Kanzlerin. Einige

Es scheint als würde die Politik die Bedeutung von Frauen auf Posten höher bewerten als von den Wählern. Und gerade die Politikerinnen scheinen sehr auf ihr Geschlecht zu setzen. Lucas Schoppe schreibt gerade:

„Wenn es einfach wäre, könnte es ja auch ein Mann machen,“erklärt Andrea Nahles zum von ihr angestrebten Parteivorsitz. Dass Frauen klüger seien als Männer, hatte schon kurz zuvor Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig betont, die in der Bevölkerung noch niemals eine Wahl gewonnen hat und deren schnelle Karriere ohne die Förderung wichtiger Parteimänner niemals möglich gewesen wäre.

Warum es die beiden Spitzenfrauen für eine gute Idee halten, ausgerechnet in der verzweifelten Krisensituation der Partei den 68% männlichen Mitgliedern und den verbliebenen männlichen Wählern ohne Not etwas „auf die Fresse“ (Nahles) zu geben, wird nicht recht deutlich. Statt wiederum diese Frage zu stellen, jubeln auch Qualitätsmedien über Nahles’ Geschlechtszugehörigkeit, als ob damit die gigantischen Probleme der SPD irgendwie schon weitgehend geklärt wären.

Hier wird anscheinend gedacht, dass es Stimmen bei Frauen bringt, wenn man sich kämpferisch gegen Männer zeigt, während die meisten Frauen wahrscheinlich eher an ganz anderen Dingen interessiert sind (etwa einer Lösung der Flüchtlingskrise oder andere Punkte).

Das es für weibliche Politikerinnen so wichtig ist könnte damit zusammen hängen, dass diejenigen, die am lautesten Schreien, dass sie diskrimiert sind, eher interne Gegner zum verstummen bringen und damit eher nach oben kommen. Sie reduzieren sich selbst eher auf ihr Geschlecht, weil sie wissen, dass jeder Angriff in diese Richtung schnell als frauenfeindlich abgewehrt werden kann. Wenn Nahles sagt „Wenn es einfach wäre, könnte es ja auch ein Mann machen“ , dann ist es politisch viel zu gefährlich ihr zu erwidern, dass dass ja nun so auch nicht stimme. Schon hat man den Ruf gegen Frauen zu sein an sich hängen.

Die Wichtigkeit von Frauen zu betonen könnte damit ein wichtiges Kriterium für den internen Machtkampf sein, gleichzeitig aber die weiblichen Politiker für den Wähler uninteressanter machen, der gar keinen Geschlechterkampf und keine Profilierung in diesem will.

Wie man bei allgemeinen, freien, geheimen Wahlen die Stimmen von Frauen im Patriarchat wirkungslos macht II

Nach den letzten Wahlen hatte ich bereits dargestellt, dass die Stimmen der Frauen in dem vom Männern geschaffenen Patriarchat vollkommen wirkungslos sind. Das hatte man 2013 bereits an dieser Grafik sehen können:

frauen-bundestagswahl 2013

frauen-bundestagswahl 2013

Die Frauen haben die CDU gewählt, gefolgt von der SPD, und bekanntermaßen waren diese nicht an der Regierung. Stattdessen haben die Männer mit 39% Prozent Union und 26 Prozent SPD ihre Vorstellungen voll durchsetzen können.

Auch dieses Mal hat das Patriarchat erneut alle Stimmen der Frauen unbeachtlich machen können:

Bundestagswahl Maenner Frauen

Bundestagswahl Maenner Frauen

Man sieht, hier wäre nach dem Wahlergebnis der Frauen eine ganz andere Regierung möglich gewesen als bei den Männern. Und eine viel feministischere noch dazu. Nämlich eventuell CDU-FDP alleine, oder aber eine Jamaika-Koaliton aus CDU-FDP-Grüne, ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob das gereicht hätte für die erste Variante.

Wie genial das Patriarchat erneut die Stimmen der Frauen ausbremst, trotz freier gemeiner Wahlen, sieht man auch an den Verteilungen:

Ich würde sagen, dass die Linke und die Grünen wahrscheinlich die feministischsten Parteien sind, sie kommen aber bei Frauen ungefähr so gut an wie bei den Männern. Dann dürfte die SPD kommen, die sogar ihren Wahlkampf teilweise extra auf den Abbau von Diskriminierungen ausgerichtet hat, zB mit Plakaten wie diesem:

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

SPD Frauen Lohnlücke aber das Patriarchat ist zu stark

Hat Frauen aber anscheinend nicht wirklich interessiert, sie wählten etwa in gleicher Anzahl wie die Männer und verhalfen der SPD damit zu einem seiner schlechtesten Ergebnisse seit langem.

Und selbst Bilder, die Frauen in technischen Bereichen zeigten und Lohngerechtigkeit herstellen wollten, also zeigten, dass die SPD da ganz modern denkt, halfen nicht:

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

SPD Frauen im technischen Bereich halfen auch nicht

Ich finde das Motiv eh interessant: Es ist in gewisser Weise ein Bekenntnis dazu, dass man Frauen natürlich auch technische Berufe zutraut. Nur arbeiten eben die wenigsten Frauen im Blaumann an Großmaschinen. Theoretisch schwächt es damit die Botschaft eher bei der typischen Wählerin ab: Sie arbeitet gerade nicht in einem technischen Bereich, sie arbeitet mit weitaus höherer Wahrscheinlichkeit in einem Büro mit sehr vielen weiblichen Kolleginnen, und das häufig eher Halbzeit. Sie ist sich wahrscheinlich sehr bewußt, dass männliche Kollegen auf einer 100% Stelle eben auch eher befördert werden als Frauen auf einer 50% Stelle. Sie nehmen für sich selbst auch keine Lohnungerechtigkeit in ihrem konkreten Job wahr, allenfalls für Frauen allgemein, aber das bringt ihnen selbst ja wenig. Es ist ein Wahlversprechen, welches der einzelnen Frau in ihrer konkreten Situation nichts bringt.

Was wählen Frauen stattdessen mehr als Männer: Die CDU. Also die konservativste Partei abseits der radikalen AfD. Aber auch die schneidet nicht schlecht bei ihnen ab, ein (so nicht zu erwartendes) Bündnis von CDU und AFD hätte bei den Männern 46% und bei den Frauen…tata… 46%.

Auch hier wieder beachtliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen.

Auch interessant ist eine Aufschlüsselung der AfD-Wähler nach Geschlecht:

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Bundestagswahl AfD Männer Frauen

Wie man hier sehr deutlich sieht sind die regionalen Unterschiede wesentlich größer als die zwischen den Geschlechtern. Trotz geringeren (8%) Gender Pay Gap im Osten als im Westen (23%), also anscheinend ja schwächerer Unterdrückung und mehr Emanzipation wählen die Frauen hier mit 17% die Partei, welches sich am meisten von Genderthemen abgrenzt und den Genderfeminismus und den intersektionalen Feminismus wohl am nachhaltigsten beseitigen möchte.

Eine interessante Leistung des Patriarchats. Wie immer.

Merkels Strategie?

Natürlich ist es immer gefährlich, eine Strategie zu unterstellen, wenn auch ganz andere Motive bestehen können. Aber ich möchte einfach mal folgendes in den Raum werfen.

Die Flüchtlingskrise wird von Merkel – ganz christlich – als menschliches Anliegen gesehen, bei dem sie helfen muss. Gleichzeitig könnte sich hier aber auch eine Strategie für sie bieten:

Merkels Strategie könnte schlicht die Absicherung nach links sein.

Kohl als Vorgänger von Merkel wurde abgelöst als mit Schröder und Fischer zwei Politiker auftraten, die die SPD bzw die Grünen mehr zur Mitte rückten.

Merkel bietet der SPD quasi keine Angriffsfläche mit den klassischen Themen. Der Ehe für alle hat sie bereits vor der Wahl zugestimmt. In der Flüchtlingskrise werden viele in der CDU eigentlich einen schärferen Kurs wollen, sie hält aber nach wie vor einen eher linken Kurs der großzügigen Einreise.

Das Thema dürfte eines der ganz zentralen Themen dieser Wahl sein. Aber auf der linken Seite kann man Merkel damit nicht angreifen. Dazu müsste man fast schon über die CDU hinaus in die Mitte rücken. Das bekommen die SPD, die Linke und die Grünen aber nicht hin, im Gegenteil sie sind eher noch unterstützender.

Alle anderen Themen sind vergleichsweise wischi-waschi. Ein klares Profil, eine Abgrenzung zwischen SPD und CDU ist kaum möglich. Die die „mehr Sicherheit“ wollen müssen dennoch eher CDU und FDP wählen, wenn ihnen die AFD zu rechts ist (was bei vielen der Fall sein wird). Ähnlich wie nach dem Ruck zur Mitte die Linke gestärkt wurde musste die CDU vielleicht auch mit einem erstarken der AFD rechnen, aber man kann gut begründen, dass das ein kleineres Risiko ist als eine SPD, die sich stärker profilieren kann.

Eine Krise auf einem Gebiet, auf dem die Gegenseite Probleme hat, sich zu etablieren, weil die Mittel dazu nicht zu dem passen, was ihre Wähler üblicherweise vertreten, kann durchaus günstig sein. Und gerade in Krisen wählt man auch eher die Beständigkeit statt eines neuen vergleichsweise unbekannten Kandidaten.

Ein Schröder könnte das vielleicht verwerten, weil er es mit genug Charme verbinden könnte um es für die eigenen Genossen abzumildern. Ein Schulz kann es glaube ich nicht.