Das Gehirn steuert soziales Verhalten bei Männern und Frauen unterschiedlich (hier: bei Hamstern)

Eine interessante Studie stellt Geschlechterunterschiede im Gehirn dar:

ATLANTA–The brain regulates social behavior differently in males and females, according to a new study published today in the Proceedings of the National Academy of Sciences.

A team of researchers led by Dr. Elliott Albers, director of the Center for Behavioral Neuroscience and Regents’ Professor of Neuroscience at Georgia State University, and graduate student Joseph I. Terranova, has discovered that serotonin (5-HT) and arginine-vasopressin (AVP) act in opposite ways in males and females to influence aggression and dominance. Because dominance and aggressiveness have been linked to stress resistance, these findings may influence the development of more effective gender-specific treatment strategies for stress-related neuropsychiatric disorders.

“These results begin to provide a neurochemical basis for understanding how the social brain works quite differently in males and females,” said Albers.

Prominent sex differences occur in the incidence, development and clinical course of many neuropsychiatric disorders. Women, for example, have higher rates of depression and anxiety disorders such as posttraumatic stress disorder (PTSD), while men more frequently suffer from autism and attention deficit disorder. Despite profound sex differences in the expression of social behavior and the incidence of these psychiatric disorders, little is known about how the brain mechanisms underlying these phenomena differ in females and males. Further, limited knowledge exists regarding sex differences in the efficacy of treatments for these disorders. As a result, current treatment strategies are largely the same for both sexes.

In this study conducted in hamsters, the researchers investigated the hypothesis that 5-HT promotes and AVP inhibits aggression and dominance in females and that 5-HT inhibits and AVP promotes aggression and dominance in males. Their data show strong support for this hypothesis with the discovery that 5-HT and AVP act in opposite ways within the hypothalamus to regulate dominance and aggression in females and males.

This study also found that administration of the 5-HT reuptake inhibitor fluoxetine, one of the most commonly prescribed drugs for psychiatric disorders, increased aggression in females and inhibited aggression in males. These studies raise the possibility that stress-related neuropsychiatric disorders such as PTSD may be more effectively treated with 5-HT-targeted drugs in women and with AVP-targeted drugs in men.

The research team involved in this discovery included Dr. Zhimin Song, Tony E. Larkin, Nathan Hardcastle Alisa Norvelle and Ansa Riaz from Georgia State’s Neuroscience Institute.

The next step will be to investigate whether there are sex differences in the efficacy of 5-HT- and AVP-active drugs in reducing social stress.

 

Es ist interessant, dass sich solche Mechanismen in anderen Säugetieren finden lassen. Hier sind es sogar recht gegensätzliche Reaktionen: In einem „weiblichen Gehirn“ werden durch den gleichen Vorgang Aggression und Dominanz unterdrückt, in einem „männlichen Gehirn“ hingegen gefördert.  Das passt auch zu unterschiedlichen Reaktionen wie „Fight or flight“ eher bei Männern und „Tend and Befriend“ bei Frauen.

Interessant wäre natürlich, ob sich diese Unterschiede auch beim Menschen finden lassen. Aber das Vorhandensein solcher Unterschiede macht jedenfalls deutlich, dass solche verschiedenen Reaktionen grundsätzlich möglich sind.

 

Männer schneiden in Wissenstest im Schnitt besser ab als Frauen

Der Spiegel berichtete vor einiger Zeit über einen Wissenstest (danke an Only me für den Hinweis)

Mehr als 600 000 Menschen haben beim Studenten-Pisa-Test von SPIEGEL und studiVZ mitgemacht. Der Wissenstest lässt erahnen, wo Deutschlands klügste Köpfe studieren, und wirft eine große Frage auf: Warum schneiden Frauen schlechter ab als Männer?

Das hier das StudiVZ Partner war macht bereits deutlich, dass der Artikel etwas älter ist, nämlich aus dem Jahr 2009. Zum Inhalt der Fragen und dem Umfang:

Das Studenten-Pisa ist der vermutlich größte Test des Allgemeinwissens, den es jemals in Deutschland gegeben hat. Mehr als 1,5 Millionen Mal wurde er im März und April auf den Seiten von SPIEGEL ONLINE aufgerufen, mehr als 600 000 Menschen beantworteten ihren Fragenkatalog oder versuchten es zumindest. Von den Studenten machten mehr als 200 000 mit, ungefähr jeder zehnte Studierende in Deutschland.

Nun liegen die Ergebnisse vor und liefern viele Erkenntnisse über die Teilnehmer. Es sind erschreckende wie erstaunliche darunter. Nur eine Minderheit wusste etwa, wer eigentlich an diesem Samstag den Bundespräsidenten wählt (die Bundesversammlung), und nur eine knappe Mehrheit vermochte zu sagen, ob ein Perpetuum mobile in der Praxis funktionieren kann (kann es nicht).
180 Aufgaben umfasste der Fragenkatalog insgesamt. Die Aufgaben wurden von der Hamburger Psychologieprofessorin Sabine Trepte in einem Vortest überprüft. Jedem Teilnehmer des Studenten-Pisa wurde dann nach dem Zufallsprinzip eine gleich schwierige Auswahl von 45 Aufgaben präsentiert. Sie stammten aus fünf Wissensgebieten: Politik, Geschichte, Wirtschaft, Naturwissenschaften und Kultur.
Also eine relativ hohe Teilnehmerzahl, allerdings nicht unbedingt Repräsentativ für die Gesamtbevölkerung.
Die besten Testwerte erzielten im Durchschnitt
* Studenten mit den Hauptfächern Politikwissenschaft, Geschichte, Volkswirtschaftslehre oder Physik;
* die bekannten Universitäten in Berlin, Mannheim, Freiburg, Tübingen, Karlsruhe, Konstanz und Heidelberg;
* kleine Privathochschulen wie die WHU, die European Business School oder die Bucerius Law School;
* ältere Teilnehmer, insbesondere Rentner, die ungefähr so gut abschnitten wie Doktoranden;
* männliche Teilnehmer, sie erzielten im Mittel deutlich bessere Testergebnisse als die Frauen.

Das wird natürlich ein Problem darstellen, denn ein solches Ergebnis muss erklärt werden. Hätten die Frauen besser abgeschnitten wäre das vielleicht einfach als Fakt dargestellt worden und beklagt worden, dass sie trotzdem diskriminiert werden in der Gesellschaft.

Im Durchschnitt wurden 24,5 der 45 Aufgaben richtig gelöst, also etwas mehr als die Hälfte. Frauen beantworteten 21,5 Fragen richtig, Männer hingegen 26,5 Fragen. Die Wissenslücke zwischen den Geschlechtern ist nicht nur statistisch signifikant, sondern auch überraschend. Denn normalerweise gibt es in Bildungsstudien eine dramatische Differenz zu Lasten der Männer.
So heißt es im Nationalen Bildungsbericht: „Mädchen und junge Frauen werden im Bildungssystem immer erfolgreicher“ – während die Autoren für das andere Geschlecht schwarzsehen: „Parallel zu dieser Erfolgsgeschichte entwickelt sich eine neue Problemkonstellation: Das Risiko für Jungen und junge Männer, im Bildungssystem zu scheitern, nimmt zu.“
Als die SPIEGEL-Redakteure, die an der Studie beteiligt waren, die Ergebnisse des Studenten-Pisa erstmals sahen, trauten sie deshalb ihren Augen nicht – und baten die beauftragten Mathematiker um Kontrollrechnungen. Doch wie man die Zahlen auch dreht und wendet: Die Lücke bleibt.

Immer wieder interessant, wenn die Realität sich anders verhält, als man dies will.

So macht es fast keinen Unterschied, dass die weiblichen Teilnehmer im Durchschnitt etwas jünger sind als die männ-lichen. Ebenso wenig wirkt sich der unterschiedliche Bildungsstand aus. Vergleicht man relativ gleiche Gruppen, nämlich Studentinnen und Studenten, zeigt sich ein kaum verändertes Ergebnis. Weibliche Studierende beantworteten 24 Fragen richtig, männliche hingegen 28,1 Fragen.

Es scheint also erst einmal nicht herauszurechnen zu sein.

Die Erklärung muss also eine andere sein, und Manfred Prenzel hat auch sofort eine parat. Der Professor hat viele Jahre lang die offiziellen Pisa-Untersuchungen der OECD in Deutschland geleitet. Es sei ja „sehr beeindruckend, dass so viele Menschen am Studenten-Pisa teilgenommen haben“, meint Prenzel. Doch ein Online-Test, bei dem jeder mitmachen könne, müsse immer Verzerrungen fürchten. „Das Ergebnis könnte schon dadurch zustande kommen, dass die intelligenten Frauen nicht in gleich hohem Maße teilgenommen haben wie die Männer“, sagt Prenzel. Solch ein Wissenstest spreche zudem vielleicht eher „Männer an, die ihn als echten Wettbewerb verstehen und dementsprechend motiviert mitmachen“.

Das ein Onlinetest immer eine gewisse Gefährlichkeit hat, weil man häufig kaum kontrollieren kann, wie repräsentativ die Gruppe ist, ist in der Tat etwas, was man überprüfen muss. Auch eine höhere Motivation könnte das Ergebnis verbessern, wobei man dann allerdings noch das Problem hat, warum die Männer eher auf Wettbewerb anspringen und wie sich das wohl in anderen Situationen auswirkt.
Eine weitere Erklärung könnte aus meiner Sicht noch sein, dass Prozentual mehr Frauen als Männer studieren und damit zwangsläufig auch weniger intelligente Frauen dabei sein müssten, was noch dadurch verstärkt werden könnte, dass die Kurve bei Männern anders verläuft, es gibt mehr intelligente Männer, aber auch mehr dumme. Die intelligenteren werden aber eher an der Uni sein. Wobei Wissen und Intelligenz ja auch nicht in einem Zusammenhang stehen müssen, es würde ein gutes Gedächtnis reichen.

Allerdings scheint dieses Ergebnis auch in anderen Tests immer wieder aufzutreten:

Das klingt erst einmal überzeugend. Beim Studenten-Pisa hätten demnach einfach zu viele schlaue, selbstbewusste, hochmotivierte Männer mitgemacht, als dass das Ergebnis aussagekräftig wäre.
Doch ganz so einfach ist es wohl nicht. Das zeigt der „Bochumer Wissenstest“ der Wissenschaftler Rüdiger Hossiep und Marcus Schulte. Es ist der einzige standardisierte Wissenstest in Deutschland, über viele Jahre entwickelt und seit vielen Jahren erprobt, und er liefert in all diesen Jahren ein immer gleiches Ergebnis: Frauen schneiden schlechter ab.
„Der Unterschied ist groß, deshalb überrascht mich auch das Ergebnis des Studenten-Pisa überhaupt nicht“, sagt Hossiep. Mehr als 10 000 Menschen hätten seinen Wissenstest bereits ausgefüllt. Bevor er erstmals Ergebnisse analysiert habe, im Jahr 2001, habe er etwas ganz anderes erwartet. „Mädchen sind die besseren Schüler, deswegen hatte ich gedacht, dass sie auch in unserem Test die besseren Ergebnisse erzielen“, sagt der Psychologe. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Diese Test scheinen die Ergebnisse zu bestätigen, es wäre interessant, wie repräsentativ dort die Ergebnisse für die Bevölkerung sind.

Seitdem sucht der Wissenschaftler nach einer Erklärung. An der Zusammensetzung der Stichprobe – dumme Mädchen, schlaue Jungen – liege es jedenfalls beim Bochumer Wissenstest nicht. „Stichprobenverzerrungen können fast gänzlich ausgeschlossen werden“, heißt es in den wissenschaftlichen Erläuterungen des Tests, „Ausbildungs- beziehungsweise Bildungsdefizite oder Sozialisationsunterschiede scheiden als mögliche Ursachen definitiv aus.“

Er scheint also davon auszugehen, dass er da die Hintergründe hinreichend ermittelt hat. Ich könnte mir vorstellen, dass sich hier der Umstand, dass Männer sich eher als Frauen für Sachthemen interessieren und Frauen eher als Männer für Personenthemen auswirkt.

Wenn diese Ursachen beim Bochumer Wissenstest ausscheiden, liegt auch beim Studenten-Pisa der Gedanke nahe, dass es andere Gründe für den Geschlechterunterschied gibt. Eine Vermutung, die Wissenschaftler wie der Tübinger Professor Ulrich Trautwein schnell äußern: Es liegt nicht nur an den Teilnehmern, sondern auch an den Fragestellern, also der SPIEGEL-Redaktion.
Anders als vermutet waren jedoch Männer wie Frauen beteiligt, als die Fragen erstellt wurden: Fachleute aus der Redaktion, der Dokumentationsabteilung und der Marktforschung des SPIEGEL. Das Redaktionsteam war paritätisch besetzt. Auf Sportfragen wurde bewusst verzichtet, gerade weil anzunehmen ist, dass etwa bei Fußballfragen ein Geschlecht im Nachteil sein könnte. Auch wurde auf manches allzu bunte Thema verzichtet, weil es dem Redaktionsteam zu unwichtig erschien.

Also ein weiterer klassischer Einwand, der nicht greift.

„Der Test zeigt die SPIEGEL-Welt des Wissens“, sagt Trautwein. Viele Aufgaben könnten einfach eher von Männern gelöst werden, etwa Fragen nach Daimler-Chef Dieter Zetsche oder Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Wären mehr Fragen aus Bereichen wie Verbraucherschutz oder Gesundheit gestellt worden, hätten die Frauen besser abgeschnitten, vermutet der Tübinger Professor. Und tatsächlich betrifft eine der beiden Aufgaben aus dem Bereich Wirtschaft, die Studentinnen häufiger richtig gelöst haben als Studenten, das grüne, sechseckige Bio-Siegel, also ein Verbraucherschutzthema.
Insgesamt scheinen den Studentinnen die Fragen aus den Bereichen Naturwissenschaften und Kultur leichtergefallen zu sein. Bei mehreren dieser Fragen schneiden sie sogar besser ab als männliche Studierende. Mehr Frauen als Männer wissen um die Heimatstadt der „Buddenbrooks“ (Lübeck), nennen den Titel des Bestsellers von Daniel Kehlmann („Die Vermessung der Welt“) und kennen eine rachsüchtige antike Kindsmörderin („Medea“).

Es zeigen sich also deutliche Unterschiede in dem, was Frauen und Männer wissen. Frauen kennen sich im Bereich der Literatur besser aus, auch bestimmte kulturelle Frauen scheinen ihnen eher vertraut zu sein.

Den größten Vorsprung bei den Kulturfragen hatten die Studentinnen bei der Frage, wer seine Karriere nicht in der Kindersendung „Mickey Mouse Club“ begonnen habe: Britney Spears, Beyoncé Knowles, Christina Aguilera oder Justin Timberlake? Die richtige Antwort, Beyoncé Knowles, gaben 92 Prozent der weiblichen und 83 Prozent der männlichen Studierenden. Einen solch guten Wert, über 90 Prozent, erreichten die Studentinnen bei keiner anderen Aufgabe, egal aus welchem Fachgebiet.

Interessant wären jetzt die Fragen, bei denen die Männer besser abgeschnitten haben. Es scheint sich die übliche Trennung zu ergeben, denn Politik, Wirtschaft und Geschichte sind oben nicht angeführt.

Ein durchaus doppeldeutiger Befund. Er beruhigt, weil er zeigt: Frauen wissen auf bestimmten Gebieten besser Bescheid als Männer, sie wissen also nicht weniger, sondern nur anderes. Doch zugleich beunruhigt der Befund, weil Frauen bei staatsbürgerlichen Fragen deutlich schlechter abschneiden – und eine Sängerin wie Beyoncé Knowles, bei allem Respekt, dann eben doch nicht ganz so wichtig ist wie ein Bundespräsident. Wäre es wirklich hinzunehmen, wenn Frauen sich mit Pop auskennen und Männer mit Politik?

Es würde zumindest zu den Interessen der Geschlechter, die andere Studien festgestellt haben, passen.

„Das Ergebnis könnte auch damit zusammenhängen, dass vor allem Faktenwissen geprüft wurde und keine Verständnisfragen gestellt wurden“, sagt Wolfram Schulz, ein deutscher Wissenschaftler beim Australian Council for Educational Research. Bei solchen Faktenfragen, wie sie auch in Quiz-Shows normalerweise verwendet werden, scheinen Männer im Vorteil zu sein.

Vielleicht auch ein Grund, warum wir gerne „Mansplainen“, also gerne Fakten mitteilen und Frauen das nicht machen. Bzw andersrum: Weil Männer das gerne machen kennen sie auch mehr Fakten?
Interessant wäre, ob Männer bei Verständnisfragen tatsächlich schlechter abschneiden. Gibt es da Studien zu?

Schulz sitzt gerade an der Auswertung eines internationalen Vergleichs der politischen Bildung von Schülern. Die Forscher knüpfen an eine große Studie an, die vor rund einem Jahrzehnt erstellt wurde. „Bei den 14-Jährigen zeigten sich damals nur sehr geringe Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen, lediglich bei älteren Jugendlichen war die Differenz etwas größer“, sagt Schulz.

Das würde ich für verständlich halten, weil sich Kinder an sich weniger für Politik etc interessieren. Jungs würden sicherlich bei Dinosauriernamen besser abschneiden, Mädchen entsprechend in anderen Bereichen.

Nur: Solches Faktenwissen ist ja nicht immer wertlos. Selbst kritische Geister wie Ulrich Trautwein, der Professor aus Tübingen, sehen Faktenwissen keineswegs als veraltetes Konstrukt an, das keine Bedeutung mehr habe. „Vorwissen – und dazu zählt Faktenwissen – ist immer der beste Prädiktor für späteren Wissenserwerb“, sagt Trautwein. Das funktioniere nach dem „Matthäus-Prinzip“: Wer hat, dem wird gegeben. Auch andere Kompetenzen bedürften eines gewissen Wissensstands: „Natürlich ist Kritikfähigkeit wichtig, aber man kann sie nur lernen, wenn man ein wenig Ahnung hat von Strukturen und Systemen“, sagt der Professor. „Ohne Wissen ist Kritik nur ärgerlich und dumm.“

Das ist auch eine interessante Einleitung: Die Jungs wissen eben NUR Fakten. Aber schau an: Die müssen NICHT IMMER wertlos sein. Und natürlich braucht man zur Einarbeitung und dem Verständnis eines Themas Fakten, aus denen sich dann ein Gesamtbild zusammensetzt.

„Auf die Frage nach ihrem Erfolgsrezept gaben fast alle Alleswisser eine ähnliche Antwort. „Ich lese täglich Zeitung und schaue auch täglich ins Internet“, sagt Reinhard Zander, Rentner aus Essen. Der 61-Jährige glaubt, dass ihm sein Alter geholfen hat: „Ich stamme noch aus einer Zeit, in der etwas mehr Wert auf Faktenwissen gelegt wurde.““

Dazu noch aus einem anderen Artikel:

Tatsächlich informieren sich 62% der Männer am liebsten rund um den „Sport“. Im Vergleich dazu wollen nur 14% der Frauen gerne etwas über dieses Thema in den Printmedien erfahren. Wenn es um Politik geht, zeigt sich bei den Männern ebenfalls ein deutlich höheres Interesse. Doppelt soviele Männer (29%) wie Frauen (14%) setzen sich beim Lesen regelmäßig mit politischen Angelegenheiten auseinander. Für das Geschehen in der heutigen Finanzwelt interessieren sich 19% der männlichen und 18% der weiblichen Befragten – im Bereich Wirtschaft sind die Geschlechter somit wieder vereint. Geht es jedoch um die Themen „Mode“, „Unterhaltung“ oder „Boulevard“ liegt das männliche Interesse gerade einmal bei 9% – bei den Frauen sind es satte 42%. Das klare Fazit: Manche Vorurteile halten sich hartnäckig – und wie man sieht, einige zu Recht.

Doppelt so viele Männer, die regelmäßig etwas über Politik lesen führen eben auch zu mehr beantworteten Fragen auf dem Gebiet.

„Wollen wir Frauen das was der Feminismus fordert überhaupt?“

Auf dem Blog Wiase findet sich ein guter Artikel mit dem Titel „Höschen für den Weltfrieden“ in dem die Autorin einige interessante Sachen sagt:

Zu bisher von Männern dominierten Jobs:

Wie viele Frauen wollen so einen Job? Mal Hand auf’s Herz, liebe Mitstreiterinnen, habt Ihr wirklich und wahrhaftig Lust auf 12-Stunden-Tage mit millionenschwerer Verantwortung und dem Burnout, das schon hinter dem nächsten Meeting lauert (und zuhause warten die lieben Kinderlein)? Einigen wir uns mal darauf, daß es Frauen gibt, die das möchten. Aber bei aller Liebe, das sind nie und nimmer die meisten. Das ist ein Nischenproblem.

Das Karriere etwas anstrengendes ist, was man gar nicht will ist ein sehr einfacher Gedanke, der im Feminismus dennoch nie wirklich verwertet wurde. Es gilt eben das strikte Gleichheitsdiktat: Wenn Männer das wollen, dann müssen Frauen es genauso wollen. Was auch nicht näher begründet wird.

Zur Quotenfrau weiter:

Das hat nichts mehr mit den Anfängen des Feminismus zu tun, als es darum ging, allen Frauen die Gleichberechtigung zu erkämpfen. Dann führt halt meinetwegen die Frauenquote ein, obwohl ich davon überhaupt nichts halte. In welcher Führungsposition in männerdominierten Berufen könnte es wohl von Vorteil sein, die Quotenfrau zu sein?

Das Quotenfrau sein es einem nicht einfacher macht, war hier ach schon wiederholt Thema. Man macht sich damit eben gleich den Start schwieriger.

AH, Aufschrei, da ist es doch schon: männerdominierte Berufe! DAS ist doch das Problem erst überhaupt! (Rufen da die Feministinnen.) Ja, Mädels, es gibt männerdominierte Berufe, weil Männer physisch und psychisch anders sind als Frauen. Das ist die verdammte Biologie, die auch der Feminismus nicht bekämpfen kann. Und aus dem gleichen Grund gibt es frauendominierte Berufe (siehe: der komplette Sozialsektor), das wollen wir mal bei der ganzen Debatte auch nicht vergessen. Es ist so: Männer sind im allgemeinen belastbarer, sowohl körperlich als auch psychisch (jedenfalls im Beruf), was in eben diesen hohen Positionen wichtig ist. Männer fassen berufliche Kritik seltener als persönliche Beleidigung auf, was das Arbeitsklima deutlich verbessert. (Das ist eine empirische Beobachtung, unterfüttert mit eigenen Erfahrungen.)

Auch das wäre ja etwas, was viele Frauen vielleicht gar nicht wollen: Abhärten, damit man den Stress aushält. Und das eben auch gegen einen härteren Ton und Wettbewerb.

Und Männer bekommen keine Kinder. Immer noch nicht, diese faulen Schweine. Erklärt mir doch mal, warum ich als profitorientiertes Unternehmen statt eines Mannes eine Frau einstellen sollte, die noch Kinder bekommen möchte (das ist auch ihr gutes Recht, gar keine Frage) und damit zumindest für die Zeit des Mutterschutzes ausfällt? Wenn nicht länger, denn die Mutter ist in den ersten Jahren die wichtigste Bezugsperson für ein Kind, vor allem wenn sie stillt und das sollte sie bittebitte, und auch das ist Biologie und sollte nicht wegen einer vermeintlich wichtigen Karriere als unwichtig abgetan werden. Das Vaterschaftsurlaub-Argument lasse ich also nicht gelten. Hier muß man doch mal als Frau ehrlich zu sich sein und einsehen, daß Kind UND steile Karriere Aufgaben sind, die für 2 bis 3 Leben reichen würden und nun mal nicht in nur eines passen. Jedenfalls nicht, wenn man wenigstens eine davon richtig machen will. (Da kann mir Frau von der Leyen noch so viel erzählen.)

Auch hier ein sehr bekanntes Argument: Alles auf einmal geht eben nicht so einfach und wer eher aussetzt und auch aussetzen will, der wird weniger Karriere machen. Zumindest abseits des öffentlichen Dienstes, der das ignorieren muss.

Überhaupt verlangen wir von unseren Männern inzwischen doch sehr viel mehr, als nur abends ein erlegtes Mammut mitzubringen und nicht in der Höhle zu pupsen. Der Mann soll einfühlsam sein, Geld verdienen (möglichst viel), im Haushalt helfen, die Kinder hüten, trotzdem stark sein und maskulin, aber bitte seine Hormone im Zaum halten und nicht auf Frauenhintern starren, das ziemt sich nicht. Er soll unsere Bedürfnisse kennen und selbst möglichst wenige haben, immerhin ist er ja der Mann. Der Bart muß flauschig weich sein und darf nicht kratzen und der Einkauf trägt sich auch nicht von allein hoch. Und höflich muß er sein! Höflich, ganz wichtig. Platz in der Bahn anbieten und so.

Auch das ist wichtig: Frauen stellen Anforderungen an Männer und „Geld verdienen“ gehört dazu. Und vieles weiteres dazu.

Ja und wir Frauen wollen das auch alles dürfen, wir sind ja jetzt emanzipiert. Wir wollen auch viel Geld verdienen dürfen und einen flauschigen Bart tragen oder zumindest den Einkauf. Wir sind starke Frauen, wir können das auch alles ohne die Männer. Also, wenn wir wollen. Und das entscheiden immer noch wir, wann wir das wollen. Das müssen die Männer dann schon wissen, daß wir das jetzt wollen. Überspitzt: Wenn Frau ein kurzes Röckchen trägt (natürlich nur und ausschließlich für sich selbst), sollen die Männer schon auch kucken, aber nicht SO.

Auch schön gesagt: Die aus meiner Sicht sehr weibliche Sicht, dass sexuelle Signale bewundernd, aber ohne zu stören aufgenommen werden sollen, kommt so eben im Feminismus auch nicht vor.

Also bitte, besinnen wir uns vielleicht wieder auf die Unterschiede in unseren Geschlechtern und nehmen wir sie hin. Nur durch diese Unterschiede funktioniert der ganze Menscheitskram überhaupt. Verstehen wir doch Gleichberechtigung wieder als ein Gut, das jedem unabhängig von Geschlecht, Sexualität, Religion, Hautfarbe… zuteil werden soll, und nicht als Mittel, Rechte durchzusetzen, von denen letztlich keiner wirklich Gebrauch machen will.

Eine wesentlich abgeklärtere Sicht der Dinge als es die Gender Studies mit diversen Lehrstühlen und Fördergeldern je zustande bringen werden.

Geschlechterunterschiede in der Persönlichkeit

Hier mal ein paar Studien zu Geschlechterunterschieden in der Persönlichkeit:

Although large international studies have found consistent patterns of sex differences in personality traits among adults (i.e., women scoring higher on most facets), less is known about cross-cultural sex differences in adolescent personality and the role of culture and age in shaping them. The present study examines NEO Personality Inventory-3 (NEO-PI-3, McCrae, Costa, & Martin, 2005) informant ratings of adolescents from 23 cultures (N = 4,850) and investigates culture and age as sources of variability in sex differences of adolescents’ personality. The effect for Neuroticism (with females scoring higher than males) begins to take on its adult form around age 14. Girls score higher on Openness to Experience and Conscientiousness at all ages between 12 and 17 years. A more complex pattern emerges for Extraversion and Agreeableness, although by age 17, sex differences for these traits are highly similar to those observed in adulthood. Cross-sectional data suggest that (1) with advancing age, sex differences found in adolescents increasingly converge towards adult patterns with respect to both direction and magnitude; (2) girls display sex-typed personality traits at an earlier age than boys; and (3) the emergence of sex differences was similar across culture. Practical implications of the present findings are discussed.

Quelle: The Emergence of Sex Differences in Personality Traits in Early Adolescence: A Cross-Sectional, Cross-Cultural Study

Die Besprechung der Ergebnisse dort finde ich auch interessant:

The cross-sectional examination of how sex differences unfold in 12–17-year adolescents enabled us to investigate age as a possible source of inconsistencies that characterize the literature on sex differences in adolescents’ personality. Our study suggests that, with increasing age, the sex difference in N, N1: Anxiety, N6: Vulnerability, E6: Positive Emotions, and O5: Ideas becomes larger and that adolescent boys and girls converge with respect to E3: Assertiveness, O2: Aesthetics, and C4: Achievement striving. These findings put some of the seemingly contradictory findings from earlier studies into perspective. More specifically, some researchers (Branje et al., 2007; Costa et al., 2008) found no sex difference for N, while others did (Klimstra et al., 2009; McCrae, Costa, et al., 2005). Both sets of results are consistent with the present finding that the sex difference for N emerges at age 14, since studies that found no sex difference for N have typically used younger samples (Branje et al., 2007; Costa et al., 2008), compared to the studies that did find a sex difference for N (Klimstra et al., 2009; McCrae, Costa, et al., 2005). Furthermore, some have reported that girls score higher on C than boys (Klimstra et al., 2009; McCrae, Costa, et al., 2005), whereas others could not find a sex difference for this personality trait (McCrae et al., 2002). In the present study, girls scored higher than boys for C and its facets from age 12 onward, but both sexes tended to converge when moving toward adulthood (although this trend was only significant for C4: Achievement striving). As significant age effects were also found for facets of E and O, differences in age distributions between previously published studies might be responsible for inconsistent findings with respect to these personality traits as well (Soto et al., 2011).

As hypothesized, and in line with the biological changes that are thought to be underlying the sex gap in internalizing problems (i.e., depression), girls begin to score higher than boys on N and its facets from age 14 onwards. Most sex differences for the facets of A (with girls scoring higher than boys) emerge at age 17, although girls already score higher than boys by age 12 on A6: Tender-Mindedness. The latter suggests that the intensification of affiliative orientation in girls between age 11 to 13 years is predominantly associated with A6: Tender-Mindedness, and to a lesser extent with the other facets of A. The picture for E is somewhat more differentiated, as this component consists of an energy and an interpersonal component. As hypothesized, girls are found to score higher than boys on the interpersonal or affiliative facets (E1: Warmth, E2: Gregariousness, E3: Assertiveness) already by age 12. Less consistent sex differences are found for the energy facets (E4: Activity, E5: Excitement-Seeking, E6: Positive Emotions). Although we hypothesized that sex differences on these facets would emerge round age 14, boys already score higher on E5: Excitement-Seeking from age 12 onward, but adolescent girls score consistently higher than boys on E6: Positive Emotions from age 16 onward. No substantial sex differences between age 12 and 17 were observed for E4: Activity. Furthermore, the present study shows that although girls tend to be higher on C and its facets across the entire period of 12–17 years, more (substantial) sex differences for these personality traits occur in 12–14-year than in 15–17-year adolescents. The finding that boys tend to catch up with girls in personality development (also reported by Klimstra and colleagues, 2009) parallels the tendency that girls are generally ahead of boys in intellectual and cognitive functioning (e.g., executive functioning) during early adolescent years, but that boys tend to catch up at later adolescent age. Finally, although it has been demonstrated that intelligence and O share additive genetic effects (Bratko et al., 2012), the development of sex differences for O does not mirror the emergence of the sex gap in intellectual development observed in adolescence. In our study, we find that adolescent girls are higher than boys on O from age 12 onwards and that this sex difference mainly rests on sex differences for O2: Aesthetics and O3: Feelings. The masculine-typed effect for O5: Ideas begins to show by age 17.

Das Jungen sich etwas langsamer entwickeln ist für eine Spezies mit hoher intrasexueller Konkurrenz unter Männern durchaus üblich: Indem sie etwas länger Kinder sind, sind sie noch nicht der vollen Konkurrenz ausgesetzt und haben daher mehr Zeit zu wachsen und zu lernen. Es zeigt auch, dass einige Unterschiede erst unter der Einwirkung der Sexualhormone in der Pubertät entwickelt werden.

Eine andere Studie:

Using data from over 200,000 participants from 53 nations, I examined the cross-cultural consistency of sex differences for four traits: extraversion, agreeableness, neuroticism, and male-versus-female-typical occupational preferences. Across nations, men and women differed significantly on all four traits (mean ds = -.15, -.56, -.41, and 1.40, respectively, with negative values indicating women scoring higher). The strongest evidence for sex differences in SDs was for extraversion (women more variable) and for agreeableness (men more variable). United Nations indices of gender equality and economic development were associated with larger sex differences in agreeableness, but not with sex differences in other traits. Gender equality and economic development were negatively associated with mean national levels of neuroticism, suggesting that economic stress was associated with higher neuroticism. Regression analyses explored the power of sex, gender equality, and their interaction to predict men’s and women’s 106 national trait means for each of the four traits. Only sex predicted means for all four traits, and sex predicted trait means much more strongly than did gender equality or the interaction between sex and gender equality. These results suggest that biological factors may contribute to sex differences in personality and that culture plays a negligible to small role in moderating sex differences in personality.

Quelle: Sex differences in personality traits and gender-related occupational preferences across 53 nations: testing evolutionary and social-environmental theories.

Auch hier ein kleiner Auszug aus der Besprechung:

The mean effect sizes in Table 1 show that agreeableness and neuroticism were the Big Five traits showing the largest gender differences (mean ds = 0.40 and 0.34, respectively), with women moderately higher than men on both traits. Gender differences in the other Big Five traits were smaller in magnitude, with women tending to be higher than men on all traits. Thus, in terms of gender differences, agreeableness and neuroticism appear to
be the ‘big two’ of the Big Five.

It is worth noting that although gender differences are ‘small’ for three of the Big Five traits, they are sometimes larger for trait facets. For example, Costa et al. (2001) reported that, despite small gender differences in overall extraversion, women tended to be moderately higher than men on the extraversion facets of warmth, gregariousness, and positive emotions, whereas men tended to be higher than women on the extraversion facets of
assertiveness and excitement seeking. Similarly, women tended to score higher than men on the ‘esthetics’ and ‘feelings’ facets of openness, whereas men tended to score higher than women on the ‘ideas’ facet of openness.
For the people–things dimension of interests, the results in Table 1 are clear, strong, and unambiguous. Men tend to be much more thing-oriented and much less people-oriented than women (mean d = 1.18, a ‘very large’ difference, according to Hyde (2005) verbal designations). The Su et al. (2009) meta-analysis generated the smallest effect size (d = 0.86). However, as Su et al. note in their paper, a number of the interest inventories that fed into their meta-analysis used item selection strategies intentionally designed to reduce gender differences. Thus, the Su et al. estimate for the overall gender difference in people-versus-thing orientation is almost certainly an underestimate

Das bedeutet, dass man sehr genau schauen muss, was man prüft. Wenn bestimmte Bereiche abgeprüft werden, dann können Männer in dem einen Teil dieses Bereiches und Frauen in dem anderen besser abschneiden. Rechnet man beide zusammen, dann ergibt sich ein sehr kleiner Unterschied und die zwei bestehenden Unterschiede werden ausgeblendet.

Und hier noch eine Studie:

Men are over-represented in socially problematic behaviors, such as aggression and criminal behavior, which have been linked to impulsivity. We organize our review of impulsivity around the tripartite theoretical distinction between reward hypersensitivity, punishment hyposensitivity, and inadequate effortful control.

Drawing on evolutionary, criminological, developmental, and personality theories, we predicted that sex differences would be most pronounced in risky activities with men demonstrating greater sensation seeking, greater reward sensitivity and lower punishment sensitivity. We predicted a small female advantage in effortful control. We analyzed 741 effect sizes from 277 studies, including psychometric and behavioral measures. Women were consistently more punishment sensitive (d = -.33), but men did not show greater reward sensitivity (d = .01). Men showed significantly higher sensation seeking on questionnaire measures (d = .41) and on a behavioral risk taking task (d = .36). Questionnaire measures of deficits in effortful control showed a very modest effect size in the male direction (d = .08). Sex differences were not found on delay discounting or executive function tasks. The results indicate a stronger sex difference in motivational rather than effortful or executive forms of behavior control. Specifically, they support evolutionary and biological theories of risk taking predicated on sex differences in punishment sensitivity. A clearer understanding of sex differences in impulsivity depends upon recognizing important distinctions between sensation seeking and impulsivity, between executive and effortful forms of control, and between impulsivity as a deficit and as a trait.

Frauen lassen sich also eher durch Bestrafungen abschrecken, Männer sind eher darauf aus, aufregende Erfahrungen zu machen und gehen eher Risiken ein.

Wie aus kleinen Unterschieden zwischen den Geschlechtern Rollen entstehen können

Creedinger hatte in einem  Kommentar angemerkt, dass die Unterschiede zwischen den Geschlechtern gering sind. Ich hatte erwidert, dass auch bereits kleine Unterschiede zu recht klaren Aufteilungen führen können:

Nehmen wir mal an, dass Männer aus biologischen Gründen lieber zu 51% den Versorgerpart übernehmen wollen und “Karriere” machen wollen und zu 49% die Kinderbetreuung übernehmen wollen und dafür in der Karriere zurückstehen würden und es bei Frauen umgekehrt wäre (also ein kleiner Unterschied). Dann wäre es dennoch in jeder Beziehung so, dass der beste Weg für beide, ihre Interessen umzusetzen, darin besteht, dass er Karriere macht und sie die Kinder versorgt. Wenn beiden das auch schon vorher klar ist, dann vertieft sich das sogar noch: Beide würden ihr Leben entsprechend ausgestalten, sie würde sich also eher einen Job im öffentlichen Bereich suchen, in dem sie besser aussetzen kann, er einen Job im privaten bereich, in dem er mehr Geld verdient. Bereits kleine Unterschiede können also bereits zu größen Unterschieden in der Rollenverteilung führen.
Tatsächlich kommen noch andere biologische Faktoren dazu, die dies stabilisieren, etwa der Umstand, dass Frauen gute versorger und Männer mit Status als Partner bevorzugen und Männern dies durchaus bewusst ist. Sie verdienen daher auch häufig mehr als die Frauen und verlieren mehr, wenn sie das aufgeben.

David bringt dazu noch folgendes Beispiel:

Wenn 51% aller Menschen lieber Cola mögen, und 49% aller Menschen lieber Pepsi, haben wir in etwa einen ausgeglichenen Marktanteil

Wenn aber alle (oder aber die meisten) Cola nur ein kleines bisschen lieber mögen (auch das dürfte dann biologisch bedingt sein), kann Pepsi den Laden dicht machen.
Weil es praktisch niemand mehr kaufen würde.

Um das noch einmal etwas auszuformulieren:

Nehmen wir an, wir hätten zwei Gruppen. Die Mitglieder der einen Gruppe mögen Coca Cola etwas lieber als Pepsi, die Mitglieder der anderen Gruppe mögen hingegen Pepsi etwas lieber als Coca Cola.

Nun werden immer zwei Mitglieder der Gruppen zusammengetan und müssen überlegen, wie zwei Flaschen, einmal Cola einmal Pepsi, zwischen ihnen beiden verteilt werden, so dass jeder eine Flasche hat.

Die Aufgabe ist sehr einfach zu lösen: Der, der die Coca Cola etwas lieber mag bekommt diese, der die Pepsi etwas lieber mag, bekommt die Pepsi. Diese Aufteilung ist für beide eine Win-Win Situation und sie wären mit jeder anderen Lösung schlechter dran. Egal wie viele Paarungen man vornimmt, das Ergebnis ist, wenn der leichte Unterschied vorliegt und beiden bekannt ist, immer gleich. Es gibt keine Verteilung, es gibt eine klare Trennung, auch wenn der Unterschied vergleichsweise klein ist.

Wenn man als die zwei Gruppen nun Mann und Frau nimmt, und Männer etwas lieber die Versorgerrolle übernehmen als sich beruflich einzuschränken und dafür das Kind zu hüten und Frauen etwas lieber die Versorgerrolle abgeben und dafür das Kind versorgen, dann hat man ebenfalls sehr deutliche Unterschiede.

Warum verstehen Feministinnen so selten was „im Schnitt“ bedeutet?

Viele gerade aus dem Lager der Feministinnen (aber nicht nur dort) scheinen mir erhebliche Schwierigkeiten damit zu haben, dass „im Schnitt“ nicht bedeutet, dass man diese Eigenschaft nicht generell allen Männern und Frauen zuweist, sondern innerhalb der Gruppen erhebliche Unterschiede auftreten können und zudem auch zwischen den Gruppen erhebliche Überlappungen vorliegen können.

 Dazu hatte ich eigentlich schon einige Artikel:

 Kürzlich hatte ich auch eine weitere Diskussion zum Thema mit Nick. Dieser schrieb in einem Kommentar:

“Im Schnitt” ist für Feministinnen offenbar deshalb per se eine Essenzialisierung, weil von der eigenen Denke auf andere geschlossen wird. Wie auch sonst sollte die ganze “Männlichkeitskritik” “begründet” werden?

Dass nicht alle Männer deshalb Vergewaltiger sind, weil die Mehrheit der Vergewaltiger männlich ist geht gerade noch rein in den Kopf – allerdings ist damit regelmäßig felsenfest “belegt”, dass es sich um eine art “Spitze des Eisberges” handelt.

Nur allzu folgerichtig wird deshalb die Aussage “Im Schnitt sorgen Verheiratete Eltern besser für ihre Kinder” als Aussage dahingehend gewertet, dass nichtverheirtete Eltern ein inhärentes Manko hätten.

Der Gedanke, dass die Kausalität beispielsweise umgekehrt sein könnte, nämlich dass “bessere” Eltern im Schnitt eine stärkere Tendenz zum Heiraten haben, kommt lieber nicht auf, denn dann müsste man ja so einige Aspekte seines Weltbildes infrage Stellen: Wenn der Schluß von der Verteilung in der Gruppe der Verheirateten auf Eigenschaften Verheirateter nicht möglich ist, dann wäre auch der Schluß von der Kriminalstatistik auf Eigenschaften von Männern nicht möglich.

Ich schrieb dazu noch:

@Nick

““Im Schnitt” ist für Feministinnen offenbar deshalb per se eine Essenzialisierung, weil von der eigenen Denke auf andere geschlossen wird. Wie auch sonst sollte die ganze “Männlichkeitskritik” “begründet” werden?”

Es scheint der Gedanke schwer zu fallen, dass eine Eigenschaft, die im Schnitt in einer gewissen Höhe vorliegt, dennoch ganz verschieden ausgeprägt ist. Dabei muss man sich ja nur Äußerungen wie “Im Schnitt sind Männer größer als Frauen” vorstellen.
Das schließt eben kleine Männer und große Frauen nicht aus, eine alltägliche Beobachtung.
Dennoch wird ja bei so etwas mit dem alten “der unterschied innerhalb der Gruppe ist größer als zwischen den Gruppen” argumentiert, was dann die Eigenschaft beliebig machen soll.

Die Essenzialisierung findet dann ja auch bei “Frauen verdienen 23% weniger” statt, bei dem auch so getan wird, als würde in jeder Arbeit jede Frau 23% weniger verdienen als ihr Kollege neben ihr.

“Dass nicht alle Männer deshalb Vergewaltiger sind, weil die Mehrheit der Vergewaltiger männlich ist geht gerade noch rein in den Kopf – allerdings ist damit regelmäßig felsenfest “belegt”, dass es sich um eine art “Spitze des Eisberges” handelt.”

Wobei der Unterschied bei “Schrödingers Vergewaltiger” ja wieder teilweise aufgehoben ist. Jeder Mann ist potentiell eine Vergewaltigungsgefahr, weil die Mehrheit der Vergewaltiger männlich ist.

“Nur allzu folgerichtig wird deshalb die Aussage “Im Schnitt sorgen Verheiratete Eltern besser für ihre Kinder” als Aussage dahingehend gewertet, dass nichtverheiratete Eltern ein inhärentes Manko hätten.”

Vielleicht trägt dazu bei, dass man ja von gesellschaftlichen Formungen ausgeht, die Männer und Frauen als Gruppe betreffen, wobei gleichzeitig alle Menschen abgesehen davon gleich wären, wenn es eben diese Formungen nicht geben würde. In der Denkweise ist es einfach, solche “Im Schnitt” Aussagen der kompletten Gruppe zuzuordnen, denn dieser Unterschied muss ja durch die Gesellschaft entstanden sein, also der gesellschaftliche Druck auch jede Frau betreffen.
Verbindet man das mit der Auffassung, dass jede Zuweisung einer negativen Eigenschaft, die eine Minderheit oder eine Personengruppe, der die jeweilige Person sich zugehörig fühlt oder mit der sie (ggfs wegen ihr nahestehender Personen) sympathisiert, ein gesellschaftliches Vorurteil ohne Grundlage sein muss, dann ergibt sich natürlich auch, dass dieses Vorurteil eben nur diese Gruppe als ganze treffen kann.
Wenn der einzige Weg, wie nichtverheiratete Eltern schlechtere Eltern sein können, Vorurteile oder jedenfalls externe Erschwernisse sind, dann müssen diese die Einzelpersonen aus der Gruppe betreffen, es wäre dann ein Schnitt mit sehr geringer Varianz.

“Der Gedanke, dass die Kausalität beispielsweise umgekehrt sein könnte, nämlich dass “bessere” Eltern im Schnitt eine stärkere Tendenz zum Heiraten haben, kommt lieber nicht auf, denn dann müsste man ja so einige Aspekte seines Weltbildes infrage Stellen: Wenn der Schluß von der Verteilung in der Gruppe der Verheirateten auf Eigenschaften Verheirateter nicht möglich ist, dann wäre auch der Schluß von der Kriminalstatistik auf Eigenschaften von Männern nicht möglich.”

Ja, das stimmt.
Die Frage ist, ob vom Ziel oder vom Grund her gedacht wird. Ich vermute es ist eher der Grund

 Demnach wäre es vielleicht darauf zurückzuführen, dass Theorien, die von gesellschaftlichen Prägungen und einer strikten Beeinflussung durch Geschlechterrollen ausgehen, letztendlich auf einen starken Essentialismus zurückgreifen müssen. Nur in diesem Bild kann ja eine Geschlechterrolle letztendlich greifen. Theorien, die davon ausgehen, dass Menschen als Teil der Gruppe bestimmten Regeln unterliegen an die sie sich halten, können eigentlich weniger Abweichungen zulassen und dies um so mehr, um so deutlicher ihre Theorien auf einen starken Gruppenzwang abstellen.

Lewis Wolpert: „Warum können Frauen nicht mehr wie Männer sein?“

Ein Beitrag im Telegraph bespricht ein Buch des Entwicklungsbiologen Lewis Wolpert.

Heartiste hat den Inhalt der Zusammenfassung in Schlagwörtern zusammengefasst:

The biological differences that can be found between the bodies and brains of males and females are largely due to the way these embryos develop in the womb.

– There are also fundamental differences in brain development between men and women, which are clear from the early behaviour of children. A few hours after birth, girls are more sensitive than boys to touch, and 40 hours after birth girls look longer at a face than boys, while boys look longer at a suspended mechanical mobile.

– At four months old, if babies are frightened in a strange room, twice as many girls as boys cry.

– At 12, 18 or 24 months, girls look at dolls much more than boys, while boys look at cars much more than girls. It is hard to attribute these basic differences at such young ages to purely social influences.

– The development of the brain leads to many other differences and it has been claimed that clear sex differences exist in every brain lobe. There are some visible structural differences, such as a cluster of cells in the hypothalamus that is believed to relate to sexual behaviour and which is twice as big in men as in women. Evolution has selected differences between men and women so as to make their reproduction as successful as possible, which is its overriding aim.

– Small boys often get erections after the age of about seven, and by puberty more than half of all males will have tried to masturbate. It is only when girls reach puberty that they may begin to do so.

– About half of men think about sex every day or several times a day, which fits with my own experience, while only 20 per cent of women think about sex equally often.

– Men are far more likely to be sexually promiscuous, a throwback to evolution where procreation was all-important. The need for a more emotional attachment found in women must also have an evolutionary basis.

– Men are more likely to have an orgasm when sex includes vaginal intercourse, while many women are more likely to experience it when they engage in a variety of activities such as oral stimulation

– Hard-wired into the male brain, after millions of years of evolution, is a desire for sex in response to the sight of a good-looking young woman. In contrast, both male and female erotica cause sexual arousal in women, whether heterosexual or lesbian.

– A recent worldwide survey showed that visual stimuli play a much greater role in male sexual behaviour than in that of women, who value status, ambition or wealth more highly.

– Women show their emotions more than men and are more facially expressive for both positive and negative feelings.

– A major difference between the emotions of men and women lies in the expression of aggression, for which men enjoy a pronounced physical advantage. It has an evolutionary origin related to hunting and protection. This matters, as men have discriminated against women and dominated them in all societies from the earliest known times. Women can be aggressive but their aggression tends to be less physical. But girls and women with congenital adrenal hyperplasia (CAH), which increases testosterone in the womb, are more like males, with an increase in physical aggression.

– Almost the opposite of aggression is empathy, an emotion that marks a fundamental difference between the two sexes, being much stronger in women.

– Simon Baron-Cohen’s theory is that the female brain is predominantly hard-wired for empathy, while the male brain is predominantly hard-wired for systemising, that is, for understanding and building systems. So, for example, it is claimed that a systemiser will probably choose to read about computers, technology or science, whereas an empathiser will choose romance or fashion. Significantly, boys born with an insensitivity to testosterone are worse at systemising, and girls born with CAH have enhanced systemising capability and lower empathy.

– Other emotional differences are that women generally report greater disgust than men, especially sexual disgust, and men engage in more risky behaviour.

– As regards humour, according to Prof Robert Provine, professor of psychology at the University of Maryland, Baltimore, “Females are the leading laughers, but males are the best laugh getters.”

– A surprising finding is that distinctive words, syntax, colloquialisms, repetition and other features of written text can expose the gender of an author. An analysis of 14,000 text files from 70 separate studies found that, while men referred more to the properties of objects and impersonal topics, women used more words related to psychological and social topics.

– The areas in the brain where men and women generate their intelligence differ significantly. Men excel at mental rotation, where a subject is asked to compare two three-dimensional objects or shapes, and say if they are the same or mirror images, while females struggle. Women do better on precision manual tasks involving fine motor co-ordination, such the assembly of circuit boards in a factory, which may be a result of foraging skills that evolved long ago.

– Women perform better than men, on average, in tasks related to declarative memory, the retrieval of long-term memories of specific events and facts, and on tests of object-location memory. They are thus better at remembering family history and where they left the car keys.

– Many illnesses are strongly genetically associated with one or the other sex. Those that are more common in women include certain mental illnesses such as depression, eating disorders such as anorexia and bulimia, panic attacks and phobias. Also more common in women are autoimmune diseases such as multiple sclerosis and rheumatoid arthritis, chronic fatigue syndrome and osteoporosis.

– Very few autoimmune disorders show a male predominance. Males suffer more physical illnesses such as heart attacks and stroke. Other diseases more common in men include neurological disorders such as Parkinson’s disease, autism, attention deficit syndrome, dyslexia and addictions such as alcohol and drug abuse.

– Women live longer than men but only by an average of about four years.

Eine nette Ergänzung zu anderen Sammlungen wie dieser und dieser.