Axiomische Antihaltungen im Feminismus

Teardown zählt nach seiner Auffassung im Feminismus aufzutreffende Antihaltungen auf:

Also nach dem was ich so von Feministinnen lese und höre, würde ich vier Antihaltungen im Feminismus als axiomisch erkennen:

Zu den Antihaltungen zählen der Antikapitalismus, Antinaturalismus, Antisubjektivismus und Antiindividualismus.

  • Als kapitalistisch gilt die männliche Welt, hierunter lassen sich z.B. die Sünden der Menschheit subsumieren: Gier, gnadenlose Konkurrenz und Ausbeutung, Umweltzerstörung etc. Alles Dinge die immer wieder einer Hälfte der Bevölkerung vorgeworfen werden.
  • Als naturwissenschaftlich und mit Hilfe der Evolutionstheorie gilt die einzig angemessene Herangehensweise an die Existenz der Geschlechter. Da aber alles konstruiert ist, ist alles nurtured by culture und nicht by nature. Hieraus ergibt sich ein starker Antinaturalismus, der alle bisherigen wissenschaftlichen Standards, sowie logische und induktive Schlüsse als Ausdruck männlichen Hegemonialdenkens ablehnt (feministische Wissenschaftskritik).
  • Nur der Feminismus hat die Definitionsmacht, nur Feministinnen bestimmen wie Männer und Frauen „richtig“ oder „falsch“ denken, fühlen, sehen, handeln ect. Frauen und Männer werden durch diesen Antisubjektivismus zu Objekten, die nur vollkommenes Subjekt sind, wenn sie so handeln wie vom Feminismus erwünscht.
  • Das führt direkt in den Antiindividualismus, jeder soll gleich sein, alles muss gleichgestellt sein, Unterschiede werden rigoros abgelehnt und nivelliert. Die Aufgabe der freiheitlichen Individualität mit ihren individuellen Risiken ist der Preis für das kollektivistische feministische Paradies.

Diese vier Antihaltungen fußen auf einem allen Femistinnen gemeinsamen Fundament, die Ablehnung, Geringschätzung oder Haß auf alles Männliche und oder die Zustimmung, Wertschätzung oder Liebe alles Weiblichen in der ein oder anderen ausgeprägteren Form. Beides muss nicht gleichzeitig in einer Feministin vorhanden sein, und auch ohne Männerhaß kann sie durch weibliches Anspruchsdenken durchaus feministisch sein, indem sie ein Surplus einfordert, das IHR zusteht. Letztere sind meiner Meinung nach die absolute Mehrzahl der feministischen Mitläuferinnen….

Beim Kapitalismus wird Leszek sicherlich etwas schreiben, allerdings scheint vieles aus dem Bereich in der Tat schnell als patriarchisch abgewertet zu werden.

Das der Feminismus antidarwinistisch ist, hatte ich hier bereits behandelt und ist eh ständiges Thema dieses Blogs. Auch sonst werden Naturwissenschaften gerne abgewertet („rape manual“ ist ein extremes Beispiel) weil sie bei einer poststrukturalistischen Betrachtung zu „fest“ sind und häufig einer Darstellung als reiner Konstruktion entgegenstehen.

Die Frage, wie viel Subjektivität Feminismus zuläßt ist schon deswegen interessant, weil Feministinnen sagen werden, dass sie gerade sehr individuell sind und jeder so sein kann wie er will… außer er ist männlich und verhält sich klassisch männlich… oder sie möchte Hausfrau sein …oder den Namen des Mannes annehmen… oder sich prostituieren oder oder oder. Es gibt in den „genehmen Bereichen“ viele Freiheiten, aber es gibt eben auch nicht genehme Bereiche.

Das geht dann in der Tat fließend in die Individualität über. Wenn man sich individuell für einen Massengeschmack entscheiden will, dann ist dies eben Falsch und nur eingeredet, entscheidet man sich gegen den Maßengeschmack und „feministisch richtig“, dann hat man sich als freies Individuum entschieden.

Axiomische Überlegungen, die als Ausgangspunkt nicht mehr hinterfragt werden

Maddes8cht schreibt:

Die axiomatische behauptung des frauenverachtenden Patriarchats wird an den Anfang aller überlegungen gesetzt und alles weitere daraus abgeleitet. Das hat alles dann eine gewisse “Logik”, wenn man die Anfangsüberlegung axiomatisch voraussetzt.

Daher führt es auch zu nichts, unter solchen Voraussetzungen mit jemandem zu diskutieren, um das axiom in Frage zu stellen. In einem Logiksystem, in dem eine Aussage das Anfangsaxiom verletzt, diskreditiert sich folgerichtig die Aussage, die dem Axiom widerspricht.
Ganz Logisch, Beweis durch Widerspruch: Aussage widerspricht dem Ausgangsaxiom => Aussage ist Unfug. qed.

Das scheint mir ein Problem vieler radikaler ideologischer Ansätze zu sein: Sie errichten Tabus um ihre Grundthesen, die dann nicht mehr hinterfragbar sind. Gespräche über diese werden dann üblicherweise abgeblockt und es soll nur noch über die Folgen daraus diskutiert werden.

Um das abzusichern gibt es verschiedenste Strategien: Beispielsweise wird im Feminismus ein Kritisieren der Grundlagen gerne als „Derailing“ angesehen oder angeführt, dass man sich eben erst einmal Grundlagen anlesen solle, man habe keine Zeit diese allen neuen zu erklären.

Zur Absicherung dieser Grundlagen, die man eigentlich nicht beweisen kann, die aber gleichzeitig der Grundbaustein sind, wird dann gerne auf nebelhafte Begriffe wie „Patriarchat“ „patriarachale Strukturen“ oder „Rape Culture“ ausgewichen, die man dann einfach voraussetzt oder die weit genug sind, um damit alles begründen zu können. Gerne wird es auch hinter nebelhaften Fachbegriffen und komplizierter Sprache versteckt, wie bei Butler.

Das ist natürlich nicht auf den Feminismus beschränkt, Elmar beispielsweise macht mit seinem „nichtreduzierbaren Pysikalismus“ und dessen angeblicher Unvereinbarkeit mit einem „Biologismus“ genau das Gleiche: Er hat entschieden, dass diese Begründung irgendwie gegen Biologie und deren Einfluss auf menschliches Verhalten sprechen muss, kann aber auf Nachfrage nicht erklären, warum dies der Fall ist, kann die gängigsten Fälle aus dem Bereich nicht erklären, und verfällt in dem Versuch ein Tabu zu errichten in Aggression.

Das ist davon abzugrenzen, dass man von etwas überzeugt ist und bereit ist die Grundlagen darzulegen, ebenso wie die Argumente dafür und darüber zu diskutieren. Eine Überzeugung zu haben und darauf aufzubauen ist nicht zu beanstanden, solange man deren Grundlagen nicht tabuisiert.