#ohnemich – Frauen sollten ihren Körper nicht stärker zur Schau stellen als der durchschnittliche Mann

In der Zeit erschien ein kontroverser Artikel, in dem die Autorin vertritt, dass Belästigungen ihre Ursache darin haben, dass es Männern zu leicht gemacht wird, Frauen als knackige Körper und leichte Beute zu sehen.

Die #MeToo-Debatte hat ein enorm verbreitetes Verhalten zutage gefördert: die Selbstverständlichkeit, mit der Männer Frauen als knackige Körper und leichte Beute betrachten und ernsthaft glauben, ein kurzer Griff oder markiger Spruch sei kein Grund zur Aufregung. In gewisser Weise ist das aber nur die Oberfläche eines tiefergehenden Problems

Darunter liegt die sozial verfestigte Asymmetrie, dass es bei Frauen mehr aufs Aussehen ankommt als bei Männern.

Das geht etwas in „Dann mach doch die Bluse zu“, und kann dem Feminismus daher nicht gefallen.

Dabei ist es ja erst einmal ein einfaches Bild:

Wer als etwas anderes wahrgenommen werden will als als sexueller Reiz, der muss eben auch andere Signale senden und das sexuelle reduzieren. Gerade wer dagegen protestiert, dass Frauen als zu sexuell dargestellt werden, etwa in Werbungen etc, dem müsste der Gedanken durchaus einleuchten, dass es dann nicht hilft, wenn Frauen selbst sich so darstellen, wie man es in der Werbung nicht sehen möchte.

Die vorgeschlagene Lösung ist entsprechend simpel_

Wenn aber – mit Marx – radikal sein heißt, ein Problem bei der Wurzel zu packen, dann müssen Frauen schon auf dieser tieferen Ebene dazu ansetzen, aus dem asymmetrischen Regime des Gutaussehenmüssens auszubrechen. Sie müssen aufhören, sich zu schminken, zu schmücken und zu stylen, sich selbst permanent als Körper zu präsentieren. Sie müssen einfordern, dass berufliche Dresscodes symmetrisiert werden und auch für Frauen eine stilvolle, aber nicht körperbetonte Businesskleidung zur Verfügung steht. Der #MeToo-Diskurs muss zu einem #OhneMich-Diskurs weiterentwickelt werden, der die Botschaft verkündet und verbreitet: „Ich mache dieses Spiel nicht mehr mit. Ich tue nicht mehr für mein Aussehen als der durchschnittliche Mann, und ich stelle meinen Körper nicht stärker zur Schau als der durchschnittliche Mann.“

Da bestehen natürlich mehrere Probleme:

  • Jeder Mensch möchte sich gerne attraktiv darstellen, weil Attraktivität enorm wichtig in der Bewertung und im zwischenmenschlichen Verhalten ist. Es ist nicht so, dass Männer das nicht machen, sie stellen sich eben innerhalb der Attraktivitätsmerkmale, die Frauen eher interessieren, als attraktiv dar. Und da ist eine zu starke Betonung des sexuellen und damit des Körpers zeigen eben häufig uninteressanter als andere Sachen, wie Status und dezentere Hinweise auf einen guten Körper.
  • Es sind Maßnahmen innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz, die eben nicht nur auf Männer abzielen, sondern häufig auf die anderen Frauen. Männer stellen eher nur indirekt eine Rolle
  • Und natürlich gilt gerade im Feminismus: Niemals darf man verlangen, dass die Frau (oder breiter: der Nichtprivilegierte) etwas macht, das wäre Victim Blaming, denn alle Schuld muss auf den Mann (oder: den Privilegierten) projiziert werden, die Frau darf unverantwortlich bleiben

 

Hier müsste der Bruch beginnen, und nicht erst bei der Abwehr von Übergriffen. Solange wir uns bereit erklären, unsere Hintern in hautenge Hosen zu zwängen, unsere Beine in Strumpfhosen vorzuführen und auf hohen Absätzen daherzuklappern, brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn wir als „knackiger Hintern“ oder „scharfe Schnitte“ wahrgenommen werden. Dass enge Hosen und hohe Schuhe Männern kein Recht zum Grapschen und zu schlüpfrigen Sprüchen geben, bleibt dadurch unbenommen. Männer müssen sich kontrollieren und ihre Hände und Zunge im Zaum halten – selbst wenn die Wahrnehmung von Körperattributen sich aufdrängt, ist der Überschritt zum Handeln in keinem Fall erlaubt. Aber zwischen dem Recht auf körperliche und kommunikative Unversehrtheit und einem Auftreten im Geiste des Egalitarismus liegen Welten. Solange wir nur auf Erstere pochen, sind wir Teil des Systems. 

Nur das System gänzlich anders aussieht als sie denkt. Es wird immer ein System intrasexueller Konkurrenz geben, und wenn es Bekleidungsvorschriften gibt, dann gibt es immer Bemühungen diese bestmöglich zu umgehen.

Deshalb, Frauen, Schwestern, Geschlechtsgenossinnen: Lasst das Schminken sein! Legt die Kosmetikdosen in den Schrank und kauft sie nie mehr nach. Wenn ein Männergesicht ohne Tünche schön genug ist für die Welt, warum nicht auch ein Frauengesicht? Hört auf, jeden Tag schicke, formlich und farblich aufeinander abgestimmte Klamotten zu tragen! Zieht das an, was im Schrank gerade oben liegt. Spart die Energie, die das Schminken, Augenbrauenzupfen, Nägellackieren, Beinerasieren, Schmuckanlegen, Shoppen, Durchblättern von Modemagazinen kostet, und steckt sie in das Voranbringen eurer Karriere durch Lernen, Leistung, Sachverstand, oder wahlweise in Spaß und Erholung. Geht nicht mehr als einmal im Vierteljahr zum Friseur.

Hässlich sein dürfen ist ja durchaus ein sehr feministischer Gedanke. Nur darf er eben nicht mit Victim Blaming/fehlender Projektion/Verantwortung für eigenes Handlen kombiniert werden. Ein solcher „Stillhaltepakt“ in dem Wettlauf innerhalb der intrasexuellen Konkurrenz würde schlicht nicht klappen.

Werft die High Heels auf den Müll! (Oder reserviert sie für seltene private Gelegenheiten.) Der Mann trägt sein Leben lang Schuhe, die so geformt sind, dass sie der Anatomie des Menschen als Laufwesen angepasst sind. Dass Frauen dazu gebracht werden, Schuhe zu tragen, die des anatomischen Baus des Menschen spotten, ist ein haarsträubender Missstand, gegen den sich schon lange eine Bewegung aus Ergonomen, Ärzten und bewegungsbewussten Frauen hätte formieren müssen.

Aber sie machen längere Beine und betonen beim Gang das Becken. Und sie sind natürlich gleichzeitig auch ein gewisses Statussymbol, ein Signal dafür, dass man eine höhere Position hat (zumindest in Kombination mit Buisnesskleidung) und sie machen größer.

Frauen könnten sich auf neue Signale einigen, neue Berufskleidung erfinden, die weniger figurbetont sind und weniger auf Attraktivität abstellen. Aber eine solche Verabredung ist nachteilhaft, weil man eben die passenden Signale nicht mehr sendet.

Das Echo:

 

 

Advertisements

Selbstporträts sind geschlechterstereotypischer als Werbung

Eine interessante Studie hat „Selfies“ mit Werbung verglichen. Anscheinend ist dabei das Leben noch Stereotyper als die Werbung:

Selfies (self-portrait photographs often taken with a camera phone) are popularly used for self-presentation in social media like Facebook and Instagram. These modern user-generated self-portraits have the potential to draw a more versatile picture of the genders instead of reproducing traditional gender stereotypes often presented in mainstream media and advertising. To investigate the degree of gender stereotyping in selfies, a random sample of 500 selfies uploaded on Instagram (50% representing females, 50% males) was drawn and subjected to quantitative content analysis. The degree of gender stereotyping in the selfies was measured using Goffman’s (1979) and Kang’s (1997) gender display categories (e.g. feminine touch, lying posture, withdrawing gaze, sparse clothing) plus three social media-related categories (kissing pout, muscle presentation, faceless portrayal). Additionally, gender stereotyping in selfies was directly compared to the degree of gender stereotyping in magazine adverts measured in the same way (Döring & Pöschl, 2006). Results reveal that male and female Instagram users‘ selfies not only reflect traditional gender stereotypes, but are even more stereotypical than magazine adverts.

Quelle: How gender-stereotypical are selfies? A content analysis and comparison with magazine adverts (Volltext)

Die Ergebnisse noch mal als Tabellen:

Selfies sexistisch

selfies sexistisch2

Selfies sexistisch

Selfies sexistisch

Hier sind gerade die Unterschiede interessant und es scheint als würden die Leute bei dem Versuch sich selbst gut darzustellen, Stereotype lieben.

Ein naheliegender Gedanke wäre, dass die Stereotype etwas bedienen, was die Leute eben gut darstehen lässt. Bei Frauen scheint das Liegen, aus der Balance sein, der Blick weg vom Betrachter, und Kontrollverlust zu erfüllen. Leichte Bekleidung kommt in der Werbung aber häufiger vor, allerdings bei Männern und Frauen.

Aus einer Besprechung einer Besprechung:

„Selfies turned out to be even more stereotypical than the adverts in four of six categories,“ researchers Nicola Döring, Anne Reif, and Sandra Poeschl write in the journal Computers in Human Behavior. „User-generated content obviously does not automatically lead to a reduction in stereotypical gender portrayal.“
The researchers examined a random sample of 250 selfies featuring women, and another 250 starring men, taken from the popular photo-sharing platform Instagram. „The sample only contained selfies that were publicly available online,“ they note.
The images were compared with those used in 183 print ads for mobile communication systems published in popular German magazines from 2001 to 2003.
The researchers found women’s selfies were more likely than the ads to reflect gender stereotypes in four ways: They were more likely to feature a „feminine touch“ (using one’s fingers or hands to cradle or caress an object); a „withdrawing gaze“ (looking away from the camera, or closing one’s eyes); „imbalance“ (tilting one’s body one way or another, rather than standing straight); and „loss of control“ (implied by, among other things, exaggerated facial expressions).
„The biggest differences between selfies and magazine adverts appeared for the categories ‚imbalance‘ (85.6 percent of females in selfies vs. 50 percent of women in ads were not standing stable) and ‚loss of control‘ (79.5 percent of females in selfies vs. 50 percent of females in ads showed strong emotionality),“ the research team writes. „Only in two of the six categories the magazine adverts revealed more gender stereotyping: 77.8 percent of the adverts depicted women in a lying position, as opposed to 66.7 percent of the selfies, and in 79.5 percent of the magazine adverts, women were sparsely clothed, as opposed to 59.4 percent of the selfies.“
„Additionally, young females‘ selfies more often use social-media-specific gender expressions like the ‚kissing pout,‘ implying seduction/sexualization, and the ‚faceless portrayal‘ (implying focus on the body solely), while young males‘ selfies more often contain ‚muscle presentation‘ (implying strength),“ they add.

Aus der Besprechung innerhalb der Studie:

The study revealed that Instagram selfies reproduce traditional gender stereotypes and do so even to a larger extent than magazine adverts. Selfies produced and published by young females more often use visual codes of subordination defined by Goffman (1979) and Kang (1997): feminine touch, lying posture, imbalance, withdrawing gaze, loss of control, and body display. Additionally, young females‘ selfies more often use social-media-specific gender expressions like the kissing pout implying seduction/sexualisation and the faceless portrayal (implying focus on the body solely), while young males‘ selfies more often contain muscle presentation (implying strength). All gender effects were statistically significant with small to medium effect sizes. Comparing the degree of gender stereotyping in selfies with magazine adverts, the selfies turned out to be even more stereotypical than the adverts in four of six categories (feminine touch, imbalance, withdrawing gaze, loss of control), while ads were more stereotypical than selfies in two categories (lying posture and body display).

User-generated content obviously does not automatically lead to a reduction in stereotypical gender portrayal as was clearly demonstrated by the presented content analysis of Instagram selfies. Why is that the case? Gender stereotypes observed in mass media might be adopted by media users (as predicted by cultivation theory) and might be imitated or even exaggerated by young people in their selfies on Instagram and other social media sites. In addition to the influence of advertising and other mass media content on adolescents‘ selfie production, Instagram users‘ selfsocialization needs to be taken into consideration: Existing gender stereotypical Instagram selfies might be imitated by other Instagram selfie producers. However, further research is necessary to test these causal explanations.

Da finde ich die Schlussworte der „Besprechung einer anderen Besprechung“ ganz passend:

Of course, since this is the reliably liberal Pacific Standard, the conclusion that reporter Tom Jacobs draws isn’t that there could be genuine differences between the sexes that the „gender stereotypes“ promoted in selfies might accurately reflect. And that advertisers merely cater to those sex differences because they want to sell products.

Oh, no–heaven forbid! Jacobs concludes instead that the „media,“ including the advertising media, are so subtly and diabolically manipulative that they have managed to implant gender stereotypes so deeply within the brains of women that women do a better job of promoting the stereotypes than the ads themselves:

In other words, if you want to be popular, you portray yourself the way the your peers are portraying themselves—the rules for which they apparently absorbed from advertising.
It’s another example of how media imagery can mess with our minds.

Because women are so easily brainwashed. But wait! Isn’t that yet another gender stereotype?

Es ist eigentlich naheliegend, dass solche Bilder auf bestimmte evolutionär entstandene Signale zurückgreifen, die sie dann in ihrem Sinne ausnutzen. Und das die Medien und die Werbung das genau so macht. Schade, dass dieser Gedanke da gar nicht erwähnt wird.

vgl auch:

Mendelsche Regeln der Vererbung

Leserin Breakpoint machte ein paar Themenvorschläge, was immer gut ist und ich gerne aufnehme. Hier also etwas zur mendelschen Vererbung:

Die mendelschen Regeln besagen im wesentlichen, wie bei geschlechtlicher Fortpflanzung die Gene kombiniert werden. Das war ein Rätsel, das beispielsweise Darwin stark verwirrte, welches aber durch die Entdeckungen Mendels aufgeklärt wurde.

Das Problem war, dass bei einer einfachen Vermischung der Eigenschaften eine „Zucht“ auf eine bestimmte Eigenschaft nur schwer möglich ist. Wenn eine besonders ausgeprägte Eigenschaft vorliegt (der Einfachheit halber mal einfach beschrieben als „Eigenschaft auf 130%“), dann würde sie im folgenden immer weiter verwässert werden. Wenn der Sexpartner eine Eigenschaft von 80% hat, dann hätten die Nachkommen 105%, was noch etwas besser wäre. Bereits in der nächsten Generation würde es aber noch weiter sinken, etwa bei einer Weiterung Paarung mit einem Partner mit 80% auf 92,5% und so weiter. Wenn aber keine Verbindung stattfindet, dann wäre wiederum die geschlechtliche Fortpflanzung relativ sinnlos. Es fehlte also der Mechanismus, der beides möglich machte, eine Vermischung der Anteile beides Sexualpartner und eine Nichtverwässerung.

Mendel fand nun durch seine sehr methodischen Versuche heraus, wie dieses Problem zu lösen ist, indem er Vererbungsregeln entdeckte, die deutlich machen, dass bestimmte Informationseinheiten (wir nennen sie heute Gene) nach bestimmten Regeln gemischt werden, so dass zum einen eine Mischung aus beiden Sexualpartnern besteht, gleichzeitig aber auch bestimmte Informationsblöcke intakt weitergeben werden können und so eine tatsächliche Selektion auf Eigenschaften stattfinden kann.

Gene und Chromosomen waren damals noch nicht als solche bekannt, aber die Vererbungsregeln an sich konnte Mendel dennoch ableiten.

Das Konzept ist, wenn man das Grundprinzip erst einmal erdacht hat, relativ einfach und sieht in seinen Grundzügen so aus:

Lebewesen erhalten von ihren Eltern jeweils einen Chromosomensatz. Wir haben also sowohl die Gene der Mutter als auch des Vaters.  Weitergegeben wird aber nur von jedem Elternteil eine Mischung dieser Gene, die dann mit den Genen des anderen Elternteils einen neuen doppelten Chromosomensatz ergeben.

(Exkurs: meines Erachtens ist noch nicht bekannt, wie genau dieser Mechanismus funktioniert, er scheint mir aber aus der Sicht egoistischer Gene eine verständliche Lösung, deren Zustandekommen aber interessant ist. Theoretisch böte sich hier bei einfacher Betrachtung ein Mechanismus an, der die eigenen Gene eher weitergibt als die Gene des Sexpartners. Denn ein Gen, welches dafür sorgt, würde zu einer Anreicherung der eigenen Gene im Genpool führen und damit würde erst einmal eine starke Selektion auf Gene dieser Art stattfinden. Es wäre also zu erwarten, dass einige Gene genau darauf abzielen und andere Gene darauf ausgerichtet sind, eine solche bevorzugte Wahl zu unterbinden. Es müsste also auf genetischer Ebene ein erbitterter „Krieg“ darum stattfinden, welche Gene in der zweiten Generation landen. Dies wird ausgebremst dadurch, dass auch für das egoistische Gen die sexuelle Fortpflanzung erhebliche Vorteile hat. Ansonsten wäre der Weg hin zu ungeschlechtlicher Fortflanzung der einfache, da diese nicht mit den doppelten Kosten des Sex belastet ist. Denn seine Gene mit anderen Genen zu kombinieren führt zwar kurzfristig dazu, dass diese in geringerer Zahl in die 1. Generation kommen, gleichzeitig sind sie bezüglich der weiteren Generation weniger anfällig gegen Parasiten und Viren mit schnelleren Fortpflanzungsraten, die sich daher schneller auf uns einstellen können als wir auf sie. Damit würden bei einer Kombination langfristig auf diesem Weg mehr Gene dauerhaft in nächste Generationen kommen. Zudem können ungünstige Gene eher aussortiert werden. Ein Vorteil dürfte dabei sein, dass die Vorteile für die Evolution eines Blockiermechanismus sprechen: Er muss einfach nur in Kombination mit dem anderen Mechanismus eine Blockade des entstehenden Lebens verursachen, also keinen neuen Entwicklungsschritt schaffen, sondern irgendwo in der Kette der Entwicklungen zu einer Unterbrechung führen. Exkurs Ende)

Für die Frage, welche Gene dann jeweils ausgeführt werden gibt es bestimmte Regeln: Es gibt Gene, bei denen es sozusagen schlichtes Glück ist, welches ausgeführt wird, und solche bei denen eine der Varianten immer vor der anderen ausgeführt werden. Wird ein Gen immer vor einem anderen ausgeführt, dann spricht man bei dem ausgeführten Gen von einem dominanten Gen, bei dem nicht ausgeführten von einem rezessiven Gen.

Eine gute Übersicht, wie diese funktionieren, gibt das folgende Bild:

Vererbung Mendel

Vererbung Mendel

Hier sieht man die Vererbung von zwei Merkmalen bei Katzen mit Unterschieden in der Schwanzlänge und in der Fellfarbe. Große Buchstaben zeigen ein dominantes Merkmal, kleine Buchstaben ein rezessives Merkmal. Beide Merkmale sind jeweils doppelt vorhanden, eines der Gene wird weitergeben. F1 ist die erste Generation, in der sich bei „reinen Eltern“, also solche, die jeweils gleiche Gene für das Merkmal haben, das dominante durchsetzt. Gleichzeitig bleiben aber die anderen Gene vorhanden, sie wirken sich nur nicht aus. In der zweiten Generation F2 können dann alle Mischungen zum tragen kommen, wobei sich, da der kurze Schwanz und das braune Fell dominant sind, Tiere mit diesen Eigenschaften am häufigsten zeigen.

Was würde dies auf der Ebene sexueller Selektion bedeuten?: Es wäre daraus abzuleiten, dass man an einer Person nicht unbedingt erkennen kann, welche genetische Informationen er an gemeinsame Kinder weitergeben wird, weil man bei ihm nur erkennen kann, welche Gene bei ihm aktiv sind (wenn überhaupt). Zusätzliche Informationen können hingegen erlangt werden, wenn man auch die Eltern eines potentiellen Partners kennt. Damit würde dem Kennenlernen der Eltern eine doppelte Bedeutung zukommen: Die Eltern bewerten, ob der potentielle Partner des Kindes aus ihrer Sicht geeignet ist, eine gute Hälfte der Gene für die Enkelkinder beizusteuern. Der neue Partner bewertet die Gene der Eltern, aus denen sich die Gene des Partners zusammensetzen.

Vielleicht der Grund, warum uns unsere Eltern oft peinlich sind und wir wollen, dass sie bei solchen Vorstellungen einen guten Eindruck hinterlassen. Wir wissen, dass es auch gewisse Aussagen über uns zulässt. Insofern wäre davon auszugehen, dass eine „gute Familie“ ein Attraktivitätsmerkmal sein könnte,welches einer sexuellen Selektion zugänglich ist. Insofern müsste man testen, ob die sexuelle Attraktivität einer Person steigt, wenn ihre Eltern einen hohen Status der andere „hochwertige Merkmale“ haben.

Gibt es ein Wort für einen weiblichen Feigling?

Diesen Tweet fand ich einen interessanten Gedanken:

 

Just like there isn’t a term for male slut, there isn’t a term for female coward.

Das stellt darauf ab, dass bestimmte Eigenschaften eben gerade in Hinblick auf ein Geschlecht eine besonders negative Wertung haben.

Bei Frauen ist das aufgrund der mit einem „Schlampigsein“ seinerzeit verbundenen Vaterunsicherheit und den damit entstehenden Bedenken bei Männer gegen eine Langzeitstrategie bezüglich dieser Frau eben in sexueller Hinsicht der Fall.

Bei Männern hingegen fällt „Feigheit“, also der Umstand, dass man vor einer starken intrasexuellen Konkurrenz zurückschreckt und davon ausgeht, dort besser kein Risiko einzugehen, gravierender für eine negative Bewertung des Partnerwerts. 

Gesellschaftlicher Status in Abgrenzung zu sozialem Status als Attraktivitätsmerkmal

Status / der Platz in der Hierachie ist aus meiner Sicht im Rahmen sexueller Selektion ein wichtiges Attraktivitätsmerkmal für Männer bei der Wahl durch Frauen geworden. Diese These hatte ich hier schon mehrmals ausgeführt.

Aus meiner Sicht ist das heute schwerer zu sehen (und wird vielleicht auch deswegen teilweise nicht akzeptiert), weil wir aufgrund der kulturellen Entwicklung in unserer Spezies teilweise ein erhebliches Auseinanderfallen von ein wichtigen Position im Konkurrenzkampf unter Männern und dem was Frauen als attraktiven Status wahrnehmen haben. Damit meine ich das folgende: Nehmen wir eine Jäger und Sammler Gruppe aus der evolutionär wirksamen prähistorischen Vergangenheit: Wir haben es hier üblicherweise mit Gruppen von maximal 150 Personen zu tun, die sich gut untereinander kennen. Die Hierarchien sind relativ flach und der Mensch ist noch wesentlich mehr Allrounder als heute. Jeder muss grundlegende Fähigkeiten wie Sammeln und Jagen haben (teilweise nach Geschlecht), dazu gegebenenfalls eine Spezialisierung zB auf bestimmte Tätigkeiten, sei es die Herstellung von Kleidung aus Fellen oder das Anfertigen von Waffen. Die Anerkennung für jede Fertigkeit ergab sich direkt aus der Wichtigkeit innerhalb der Gruppe bzw. auch dadurch, dass man die Ware gegen andere Waren mit befreundeten oder jedenfalls nicht befeindeten Gruppen tauschen konnte. Jeder wusste aber, was der andere konnte und welchen Platz er innerhalb der Hierarchie hatte. Wenn jemand jemanden anderem eine Anweisung geben konnte, weil er ein Anführer war, dann war dies keine abstrakte Position, sondern der andere musste sich entschließen, diese Position zu akzeptieren und der, der sich auf sie beruft musste die Fähigkeiten und/oder die soziale Einbindung haben, um diese Position zu halten. Aus der Position heraus folgt damit auch eine gewisse Anerkennung innerhalb der Gemeinschaft und damit tatsächlicher sozialer Status.

Das ist durch die gesteigerte Arbeitsteilung und die immer stärkere Anonymisierung durch immer größere Menschenansammlungen in vielen Fällen nicht mehr gegeben: Nehmen wir den Abteilungsleiter einer größeren Firma: Die Leute, die beruflich trifft, werden größtenteils andere sein als die, die er im Privatleben trifft. Seine „Privatfreunde“ bekommen insofern wenig von seinem Arbeitsleben mit, seine Handlungen wirken sich üblicherweise auf ihr Leben nicht aus. Er kann auch den Mitarbeitern in der Firma nur sehr eingeschränkt Anweisungen geben bzw. muss bei diesen noch nicht einmal einen hohen Status haben. Sie können ihn als nervigen Chef ansehen, der sie dank seiner zugewiesenen Position in bestimmten Fällen herumkommandieren darf, aber eben nur in einem bestimmten Maße und auch nur soweit die Arbeit betroffen ist. Auf einer privaten Ebene ist er ihnen bereits wieder gleichgestellt, er hat dort nur sehr eingeschränkt mehr Rechte. Auch andere Tätigkeiten können sehr abstrakt sein. Wenn jemand beispielsweise ein guter Programmier ist und darüber ein gutes Gehalt bezieht, dann kann er in seinem fachlichen Bereich sehr angesehen sein und sich auch einiges leisten können, zB an Statusobjekten.

Dieser Status überträgt sich aber nicht im gleichen Maße auf seine soziale Gruppe, also seine direkten Freunde. Denn sein Bankkonto bleibt sein Bankkonto, es hat auch keinen Einfluss auf das Leben derjenigen, die in seiner Gruppe sind. Während früher eine Gruppe im ganzen davon profitieren konnte, dass sie einen besonders guten Jäger hatten oder jemanden, der besonders gute Kleidung macht oder der besonders spannende Geschichten erzählen kann, und dieser damit dann auch in der Gruppe ein besonderes Gewicht bekommen hat, findet diese Übertragung in unserer Welt quasi nicht mehr statt. Wir ergänzen uns als Gesellschaft, aber diese ist zu groß geworden als das diese Ergänzungen noch direkt wahrnehmbare Auswirkungen auf den anderen haben.

Demnach muss Status auch immer mehr zusätzlich erarbeitet werden, auf einer persönlichen Ebene, weil diese Übertragung nur noch mittelbar stattfindet. Und das kann ein großer Unterschied sein. Denn anziehend wirkt auf einer direkten Ebene nur der direkte Status in der Interaktion mit anderen Menschen, der aber immer weniger die Begleiterscheinung und auch immer weniger die Notwendigkeit oder die natürliche Folge der hohen Position ist. Es kann reichen ein sehr spezialisierter schlauer Mensch zu sein um eine gute Position zu finden, Charisma und Anerkennung folgen daraus aber nicht, weil die Position zu abstrakt ist. Diese Abweichung kann dann insbesondere in den persönlichen Beziehungen eine Rolle spielen. Beispielsweise wenn jemand, der eine hohe Position erlangt, in gewissen Ebenen eine hohe soziale Position hat, diesen Status aber in seinem Privatleben nicht hinreichend projizieren kann: Er wäre dann quasi nach Außen dem Status nach ein Alpha, nach innen aber quasi ein Beta. Krauser greift etwas ähnliches einem Beitrag bei sich im Blog auf:

It is in the nature of learning that concepts begin muddy and confusing, then gradually refine until you can simply and precisely understand them. So it is with two commonly equivocated concepts: alpha and abundance. Consider a fairly frequently-observed case where a guy is lacking any strong alpha qualities but gets laid a lot and treats girls with the classic IDGAF frame. How can this be so? Aren’t girls supposed to be fucking ALPHAS? (…) There are many situations in which a man can become The Chosen without requiring a fundamental change to his mindset. It’s like the difference between getting rich from building a business versus buying a lottery ticket. The bank balance is the same, no matter how it was obtained. I think this explains the common mis-identification of alphas as “any guy getting laid a lot”. Once a beta is living in abundance he will naturally take on the IDGAF mindset because it’s a result of options rather than internal referencing. He really has more female options than time and motivation to bang them all, so he can aggressively filter, go direct, and walk away at any point. (…)It is not a reason to abandon the quest for alpha (or in my case, sigma). And the reason is:

  1. Betas will always eventually lose abundance
  2. Betas will always get rolled by a predatory female

Da geht es zwar um etwas anderes, aber es steckt teilweise das gleiche Grundprinzip dahinter. Über Reichtum, Geld oder Ruhm nach außen kann man sicherlich Frauen anziehen. Einige davon werden den nach außen dargestellten Status interessant finden, andere werden schlicht „Gold Digger“ (bzw. predatory Females) sein. Jedenfalls kann auch jemand, der einen sehr hohen Status hat, dann unglückliche Beziehungen führen, weil die Frauen einen Star/Alpha erwarten, tatsächlich aber einen Beta bekommen. Weil sie diesen dann deutlich werdenden unterschiedlichen Partnerwert nicht kompensiert bekommen und insofern indirekt mehr zu verlieren haben, hat der Partner dann die Hosen in der Beziehung an, obwohl nach außen der andere als der mächtigere erscheint.

Wenn also der „innere Status“ also der Status im Umgang mit anderen Leuten und auch die innere Wertschätzung dazu nicht passt bzw. der auf diese Weise erlangte Status von dem abweicht, den man innerhalb der Beziehung und im Umgang mit anderen Leuten zeigt, dann entsteht ein inkongurentes Bild:

  • Auf der einen Seite werden positive Eigenschaften signalisiert
  • Diesen stehen aber die negativen Signale aus dem dirketen Kontakt gegenüber.

Damit kann dann intern der Partnerwert des Mannes deutlich sinken, und sei es nur unterbewußt, weil er in dem persönlichen Kontakt keinen Status generieren kann.

Insofern könnte man zwischen äußeren Status und sozialen Status für die Kleingruppe unterscheiden. Ist letzeres nicht da, dann sendet dies starke Signale für eine unterbewußte Abwertung des Partnerwertes der jeweiligen Person. Denn der innere soziale Status ist, da er auf Leuten beruht, die denjenigen kennen, das ehrlichere Signal. Während der äußere Status also „Gute Gene“ sendet, sendet der innere soziale Status in solchen Fällen das Signal „schlechte Gene“. Und weil Eier teuer sind und Sperma billig besteht wohl eher eine Disposition, Signale für schlechte Gene höher zu bewerten.

Ich vermute, dass einige Männer mit guten Jobs in diese Falle fallen, bei denen sie für ihr Game zu hübsche Frauen heiraten, die dann nach einiger Zeit merken, dass die Anziehung weg ist, wodurch es zum Streit kommt und man sich scheiden lässt. Er findet es ungerecht, weil er ihr doch alles geboten und alles für sie gemacht hat. Sie findet es ungerecht, weil sie ja nichts dafür kann, er stellt sich eben auch wie ein kleines Kind an, wie soll sie ihn da attraktiv finden? „Game“ könnte man dann als die Kunst sehen, möglichst viele positive Signale gerade ausgerichtet auf die innere soziale Gruppe zu senden.

Natürlich kann beides auch zusammenfallen. Es fällt aber eben heute weitaus weniger automatisch zusammen als früher.

Der Versuch der Umformung männlichen Begehrens durch Beschämung

Neuer Peter schreibt in einem Kommentar

„Von daher präsentiert sie sich als unabhängig und mutig, und das ist nunmal etwas, was viele Männer (und nicht die besten unter ihnen) unsexy finden“

Schön übrigens auch die Beschämungsstrategie, die hier durchscheint. (…) Hier haben wir einen Fussel des Fadens, der sich durch die feministischen Anstrengungen der neuesten Zeit zieht: Die Umformung männlichen Begehrens durch Beschämung. Das läuft unter den Labels fat-acceptance, anti-ageism, lookism etc.

Der Tenor: Wagen es Männer Standards zu haben und wollen sie lieber junge, hübsche, athletische, und angenehme Frauen vögeln, ist das eine fiese Unterdrückung der fetten, häßlichen und alten Zicken, die abgeschafft gehört. Man up, ihr Memmen, und begehrt mich!!!

Und auch diese Tendenz ist ja wieder nur ein Puzzlestück des großen feministischen Ganzen: Die Preise auf dem Partnermarkt zugunsten von Frauen zu manipulieren, damit diese sich über Wert verkaufen können und Männer sich unter Wert verkaufen müssen

Man könnte auch sagen, dass es diesen Bewegungen darum geht, allgemeine Gleichheit durchzusetzen, alle Körper, alle Charaktere, alle Alterstufen müssen gleich viel wert sein. Was natürlich für alle Frauen, die sonst nicht als schön gelten, eine Preissteigerung ist. Es ist ein Appell an die Gleichheit und der zudem nach außen auf die Männer verlagert wird, die nach dieser Vorstellung den Konkurrenzdruck bewirken.

Schönheit und Attraktivität sind eine Folge von Adaptionen zur bestmöglichen Partnerwahl (David Buss)

Leser Roslin weist auf einen interessanten Text von David Buss hin

For most of the past century, mainstream social scientists have assumed that attractiveness is superficial, arbitrary, and infinitely variable across cultures. Many still cling to these views. Their appeal has many motivations.

  • First, beauty is undemocratically distributed, a violation of the belief that we are all created equal.
  • Second, if physical desirability is superficial („you can’t judge a book by its cover“), its importance can be denigrated and dismissed, taking a back seat to deeper and more meaningful qualities.
  • Third, if standards of beauty are arbitrary and infinitely variable, they can be easily changed.

Da hat er aus meiner Sicht die Motivationen dafür, dass Schönheit rein subjektiv und sozial bedingt sein soll gut zusammengefasst. Deswegen kann eben auch „Schönheit“ ein Privileg sein, weil man „rein zufällig“ mit dem gerade herrschenden sozial konstruierten Schönheitsideal übereinstimmt. Zudem ist Schönheit als fester Faktor eben auch eine Form intrasexueller Konkurrenz, die man dann ebenfalls gerne ausschaltet, wenn man sie nicht erreichen kann oder dies anstrengend findet. Zudem ist eben Schönheit auch etwas, was viele eher einer Kurzzeitstrategie und dem sexuellen zuordnen und damit eher abwerten, wenn sie Langzeitkriterien wie Bindung, Vertrauen etc betont wissen wollen. Zudem ist ein Teil vielleicht einfach auch Unverständnis gegenüber der stärkeren Gewichtung dieses Kriterium durch Männer bei Frauen als es andersherum für Frauen eine Rolle spielt.

Two movements in the 20th century seemed to lend scientific support for these views.

  • The first was behaviorism. If the content of human character was built through experienced contingencies of reinforcement during development, those contingencies must have created standards of attractiveness.
  • The second was seemingly astonishing ethnographic discoveries of cross-cultural variability in attractiveness. If the Maori in New Zealand found particular types of lip tattoos attractive and the Yanomamo of the Amazon rain forest prized nose or cheek piercings, then surely all other beauty standards must be similarly arbitrary.

Es ist eigentlich eine interessante Frage, wie Behaviorismus und Feminismus zusammenspielen. Beide gehen von einer sehr starken gesellschaftlichen bzw. sozialen Konstruktion des Menschen aus. Dem Behaviorismus fehlt wohl die Einordnung in eine gesellschaftliche Unterdrückungstheorie, in der Machtstrukturen abgesichert werden.

Gerade in der Erforschung der kulturellen Unterschiede wurde wohl auch viel auf die Unterschiede abgestellt und die Besonderheiten der Gemeinsamkeiten nicht hinreichend beachtet. Hinzu kommt, dass viele kulturelle Ausschmückungen auch Ausformungen von Status oder kostspielige Signale (Costly Signals) sind. Wer zB teure Ringe leisten kann oder wessen Tattoos die Geschichten großer Taten erzählten, der konnte eben darüber Status gewinnen. Wer über Männlichkeitsrituale deutlich machen konnte, dass er mutig und stark ist und in den Kreis der Männer (oder der Frauen) aufgenommen ist, der gewinnt eben darüber an Attraktivität. Hinzu kommen Übertreibungen bestimmter Schönheitsmerkmale, etwa Überlange Hälse, kleine Füsse, Kleidung, die einen zB über Federschmuck größer oder die Schulter breiter macht.

The resurgence of sexual selection theory in evolutionary biology, and specifically the importance of preferential mate choice, created powerful reasons to question the theoretical position long held by social scientists. We now know that in species with preferential mate choice, from scorpionflies to peacocks to elephant seals, physical appearance typically matters greatly. It conveys critical reproductively valuable qualities such as health, fertility, dominance, and ‚good genes.‘ Are humans a bizarre exception to all other sexually reproducing species?

In der Tat handelt es sich um einen enorm tiefen Einschnitt bis vorteilhafte Schemata für eine Partnerschaft wegfallen können. Gerade durch sexuelle Selektion entstandene Partnerwahl ist bis zu einem gewissen Grad ein sich selbst stützender Prozess: Wer Partner wählt, die nicht dem Schema der anderen entsprechen, der bekommt mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit Kinder, die nicht dem Schema der anderen entsprechen und daher mit geringerer Wahrscheinlichkeit selbst einen guten Partner bekommen. Eine Änderung lohnt sich also nur, wenn dadurch eine Partnerwahl sichergestellt wird, die diesen Nachteil durch andere Vorteile ausgleicht. Das ist aber bei einer freien Wahl nicht der Fall, im Gegenteil, diese ist hoch gefährlich. Denn es kann sich eben ein kultureller Trend festsetzen, der auf eine geringere Fruchtbarkeit abzielt (sagen wir mal breite Schultern oder Schnurbärte bei Frauen). Ich kann mir eine positive Selektion darauf, dass Schönheit vollkommen frei gegeben wird, schlichtweg nicht vorstellen. Sie wäre wohl immer nachteilhaft.

Evolutionary theorizing, long antedating the hundreds of empirical studies on the topic, suggested that we were not. In mate selection, Job One, as someone in business might say, is the successful selection of a fertile partner. Those who failed to find fertile mates left no descendants. Everyone alive today is the product of a long and literally unbroken line of ancestors who succeeded. If any had failed at the critical task, we would not be here today. As evolutionary success stories, each modern human has inherited the mate preferences of their successful ancestors.

Hier führt es Buss auch noch einmal kurz aus: Alle Menschen, die heute leben, sind Nachkommen von Menschen, die einen fruchtbaren Partner gefunden haben, und das seit vielen Generationen. Wer eine falsche Entscheidung getroffen hat, der hat dann eben keine Nachkommen gehabt. Gene, die dazu führen, dass man eine richtige Entscheidung trifft, reichern sich daher schnell im Genpool an. Partnerwahl ist nicht irgendetwas nebensächliches innerhalb von Selektionsvorgängen, es ist einer der Vorgänge bei dem sehr schnell eine positive Selektion auf ein bestimmtes Merkmal hin eintreten kann. Gene von jemanden, der sich nicht fortpflanzt, können nicht in die nächste Generation kommne.

Cues recurrently observable to our ancestors that were reliably, statistically, probabilistically correlated with fertility, according to this theory, should become part of our evolved standards of beauty. In both genders, these include cues to health—symmetrical features and absence of sores and lesions, for example.

Man muss sich in der Tat bewusst machen, dass körperliche Schönheit erst einmal eine Sammlung wichtiger Hinweise ist, die etwas über die Vorteile, diese Person zu wählen aussagen. Sie nicht zu verwerten, sondern sich rein kulturell festgelegten Regeln anzuvertrauen bedeutet einen enormen Wissenschatz ungenutzt zu lassen. Im Endeffekt werden bestimmte am Körper ablesbare Informationen verwertet und stark vereinfacht in einen Partnerwert umgewandelt, der dann als Gefühl, dass diese Person als Partner interessant ist, ausgegeben wird. Dabei gibt es Informationen, die für beide Geschlechter wichtig sind, und Informationen, die für ein Geschlecht wichtiger sind als das andere. Symmetrie beispielsweise verrät, dass der Bauplan sauber umgesetzt worden ist, weswegen es kein Zufall ist, dass starke Attraktivivätsmerkmale wie zB die weibliche Brust aber auch das Gesicht und der übrige Körper doppelt bzw. gespiegelt angelegt sind.

Since fertility is sharply age-graded in women, more so than in men, cues to youth should figure prominently in gender-specific standards of attractiveness. Clear skin, full lips, an unclouded sclera, feminine estrogen-dependent features, a low waist-to-hip ratio, and many other cues to female fertility are now known to be pieces of the puzzle of universal standards of female beauty.

Fruchtbarkeit ist ein wichtiges Kriterium, es bringt eben zur Weitergabe der Gene wenig viele Ressourcen in eine nichtfruchtbare Selektion zu stecken. Da diese im starken Maße alterabhängig ist und Menschen zudem in einer Paarbindung leben, wird das Alter bei Frauen ein noch wichtigerer Faktor. Dazu kommen Merkmale, die auf einen hohen Anteil von Östrogen hinweisen, da auch dies die Fruchtbarkeit erhöht.

Women’s evolved standards of male attractiveness are more complex. Masculine features, hypothesized to signal healthy immune functioning in men, are viewed as attractive more by women seeking short-term than long-term mates, more when women are ovulating than when in the luteal phase of their menstrual cycle, and more by women higher in mate value, perhaps because of their ability to attract and control such men. Women’s judgments of men’s attractiveness are more dependent on multiple contexts—cues to social status, the attention structure, positive interactions with babies, being seen with attractive women, and many others. The greater complexity and variability of what women find attractive in men is reflected in another key empirical finding—there is far less consensus among women about which men are attractive than among men about which women are attractive.

Das enthält neben dem hier schon oft besprochenen Umstand, dass Status Männer attraktiv macht einige interessante Passagen. Buss stellt darauf ab, dass Frauen mit einem hohen Partnerwert und solche, die in der fruchtbaren Phase sind, eher auf Kurzzeitstrategien bei Männern achten, also mehr auf das, was man im Pikcup unter Attraction zusammen fasst. Dann nennt er auch einige soziale Komponenten der weiblichen Partnerwahl, wie eben den sozialen Status, die „Aufmerksamkeitsstruktur„, also die Frage, wer aus der Gruppe die meiste Aufmerksamkeit bekommt, auf wen die anderen reagieren, sprich in gewisser Weise die soziale Hierarchie der Gruppe („Leader of Men„), die Frage, wie man auf Kinder reagiert und mit ihnen umgeht als Basis für „gesunde Gefühle“ („Willing to emote, protector of loved ones„) und wie andere Frauen einen bewerten („preselected by other Women„) (hier sieht man mal wieder, dass Pickup und Evolutionäre Psychologie teilweise zu gleichen Ergebnissen gekommen sind).

The theory that ‚beauty is in the eyes of the beholder‘ in the sense of being superficial, arbitrary, and infinitely culturally variable can safely be discarded. I regard it as one of the ‚great myths‘ perpetrated by social scientists in the 20th century. Its scientific replacement—that beauty is ‚in the adaptations of the beholder‘ as anthropologist Donald Symons phrases it—continues to be disturbing to some. It violates some of our most cherished beliefs and values. But then so did the notion that the earth was not flat or the center of the universe.

Wenn man versteht, was sexuelle Selektion ist und warum sie so wichtig ist und welche enorme Bedeutung Fortpflanzung und Partnerwahl innerhalb der Evolution haben, dann erscheint einem der Gedanke, dass Schönheit rein kulturell sein kann, sehr abwegig. Es ist dann eine geradezu bizarre Annahme, dass gerade wir Menschen erst die biologischen Regeln der Partnerwahl abgelegt haben sollen um sie dann durch kulturelle Regeln, die ziemlich genau dem entsprechen, was unsere biologischen Regeln vorgegeben haben müssten, wenn man uns mit unseren Verwandten vergleicht und unsere Situation bei der Partnerwahl spieltheoretisch auschlüsselt. Die Probleme, die damit verbunden wären, eine rein freie, kulturell bestimmte Partnerwahl zu entwickeln und dann durchzuführen wären enorm, eine solche Theorie ist abseits der bloßen Behauptung kaum zu begründen oder logisch darzustellen (wie soll die Selektion gegen die biologischen Regeln erfolgt sein, die wir unstreitig einmal hatten? Wie wurde eine absolute Auseinanderzüchtung der Menschen aufgrund der kulturellen Zuchtprogramme vermieden (wenn eine rein kulturelle Zucht betrieben wird, dann kommt man fast automatisch zu vielen sehr unterschiedlichen Rassen wie bei Hunden). Warum verhalten wir uns noch genauso als würden wir diesen Regeln folgen?). Sprich: Wenn man sich etwas mit biologischen Modellen beschäftigt, dann erkennt man erst, wie unlogisch die rein kulturellen Theorien sind.

Dass die biologischen Theorien dafür aus anderen Gesichtspunkten eine komische Vorstellung sein, etwa weil sie uns ungerecht erscheinen oder weil sie Vorstellungen von Gleichheit und höheren Kriterien der Partnerwahl entwerten (die letztendlich nur höher erscheinen, weil sie für ein in Paarbindung lebendes Wesen eher ein Kooperationsmodell mit der Bündelung der Arbeitsleistung bilden) und weil uns der Gedanke nicht gefällt, dass so ein emotionaler Vorgang recht trockenen Selektionen gefolgt ist, die den Vorgang entzaubern, sollte uns nicht daran hindern, uns diesen Theorien logisch zu nähren.