Ihr Hoffnungen machen

„Klappt alles?“Frage ich bei einer Freundin über einen Chat nach.   Sie ist schon eine Weile Single und jetzt chattet sie seit ein paar Tagen mit einem Typen aus dem Internet. „Wir haben die ganze Nacht durchgeschrieben!“ kommt die frohe Nachricht zurück. Klingt doch ganz gut.

„Und, ist heute nicht euer Date?“ schreibe ich ihr später noch recht früh am Abend .“Ja, sind schon dabei!“ schreibt sie und fügt noch einige Smilies hinzu „Wir kochen bei mir!“. Ich wünsche ihr viel Spaß, man will ja nicht stören. Ein Kochdate bei ihr. Da ist ja eigentlich der weitere Verlauf des Abends klar.

„Konnte er denn …kochen?“ frage ich sie in einem weiteren Chat. „Jaaa und zwar gut :-)“ kommt es zurück. „Aber wahrscheinlich geht es nicht weiter. Vielleicht können wir uns Samstag mal treffen, dann erzähle ich dir alles“. Wir verabreden ein Treffen.

Am nächsten Tag kommt eine weitere Nachricht „Ich kann bis Samstag nicht warten. Brauche dringend deine Meinung“. Wir treffen uns also kurzfristig auf ein Bier. Das hat man davon, dass man den Ruf hat, Flirtsituationen gut analysieren zu können.

Sie erzählt. Zwei Wochen haben sie über Whatsapp gechattet. Sich dann einmal getroffen und rumgeknutscht und etwas gefummelt. Dann haben sie sich vier Tage später zum kochen getroffen und Sex gehabt. Sie zeigt mir den Chatverlauf.

Er fragt sie viel persönliches. Sie schicken Fotos hin und her. Er schickt eins von ihm und seine kleinen Nichte und schreibt so etwas wie das er sie großartig findet und alles für sie tun würde. Süsses kleines Kind. Sie reden über ihren letzten Freund, und das sie da an den falschen geraten ist. Er sagt bei ihm müsste sie keine Angst haben, er sei ganz lieb. Er fragt sie, ob sie Kinder will, er will zwei, sie könnte sich auch drei vorstellen. Er sagt ihr nach dem ersten Abend, dass es schön gewesen wäre endlich mal wieder ein so nettes Mädchen im Arm zu halten. Er gesteht ihr er sei schon etwas verliebt. Sie sagt ihm das gleiche.

Es ist eine hübsche Sammlung von Komfortmaterial. Nicht in dem Sinne, dass es abgeschrieben wirkt, das gar nicht. Aber dem Inhalt nach. Ich entdecke auch sonst nichts, was mir jetzt aus Pickup-kontexten bekannt vorkommt.

Es ist aber aus meiner Sicht eine gute Arbeit. Es liest sich gut. Ich kann vollkommen verstehen, dass sie ihr Herz etwas weiter geöffnet hat, Vertrauen gefunden hat, sich in die Gefühle für ihn reinsteigern konnte.

„Klingt alles gar nicht schlecht“ sage ich ihr. „Oder? Ich finde auch“ sagt sie „der Abend war auch super. Hat alles wunderbar geklappt. Er war nett, er hat sich nicht machohaft benommen, er hat mich gut behandelt, alles war super. Aber morgens beim Frühstück sagt er, dass bei ihm doch irgendwie kein Funke übergesprungen wäre. Es läge vielleicht daran, dass er eine alte Beziehung noch nicht wirklich verdaut habe. Deswegen könne er sich nicht wirklich auf etwas neues einlassen.“

„Klingt nach einer Ausrede. Ob ein Funke überspringt hätte er ja eigentlich bereits nach dem ersten Abend sagen können und danach hat er nichts davon geschrieben. Und wenn man so etwas schreibt, wie das man etwas verliebt ist, dann muss man schon etwas fairer sein, wenn man da Altlasten hat. Gerade wenn man merkt, dass der andere Gefühle investiert“.

„Es macht alles irgendwie keinen Sinn! Ich meine, erst ist alles schön und dann so etwas aus heiterem Himmel! Ich mein… vielleicht war er da einfach schlecht drauf?“ Sie schaut mich hoffnungsvoll skeptisch an.

„Wie ging es denn weiter an dem Morgen?“ frage ich. „Naja“ sagt sie „nach der Offenbarung war ich auch etwas enttäuscht. Ich habe ihm gesagt, dass wir uns dann nicht mehr treffen müssten und die Sache sich erledigt hätte. Er meinte, dass ich ihm gerne schreiben könnte, wenn ich wollte, dass wäre ja nett gewesen. Ich habe ihm gesagt, dass ich ihm garantiert nicht mehr schreiben werde und er solle es auch nicht machen. Ich meine, was soll das denn noch? Oder …. meinst du ich soll ihm noch mal schreiben? Vielleicht hatte er ja nur einen schlechten Tag?“

„Also ich würde ihm nicht mehr schreiben, wenn ich du wäre. Wenn da bei ihm kein Funken geflogen ist, dann machst du dich ja nur selbst kaputt. Jedenfalls schätze ich dich so ein, dass du da gefühlsmäßig schon zu viel investiert hast und es schwierig für dich werden würde. Ich mein, wenn du sagst „Der Sex war gut, Liebe brauch ich von ihm nicht“ dann würde ich ihn noch mal anschreiben und das sagen. Aber in Liebesdingen verliert immer der, dem die Sache mehr bedeutet.“

„Nein Nein“ sagt sie mit leicht gesenkten Kopf  „das lass ich lieber bleiben. Aber dennoch: Zwei Wochen Chat! Und teilweise über die ganze Nacht! Und das alles nur für Sex? Da stimmt doch was nicht?“

„Mhmmm“ grinse ich „die andere Möglichkeit ist, dass du wahnsinnig schlecht im Bett bist und er es sich deswegen anders überlegt hat“ Sie knufft mich gegen den Arm und lacht. „Dreimal ist er gekommen, so schlecht kann es also nicht gewesen sein“.

„Tja“ seufze ich „man sollte nicht unterschätzen, was einige Männer für Sex zu tun bereit sind“

Attraktion und Komfort und deren Bedeutung in der Beziehung

Eine Unterscheidung, die ich für das Verstehen von Mann-Frau-Interaktionen für sehr hilfreich halte ist die Unterscheidung zwischen Attraktion (=sexueller Anziehung) und Komfort (=Vertrautheit, Gefühlsmäßige Verbindung).

Ich habe in dem Artikel „Pickup: Eine kurze Einführung“ schon kurz was dazu geschrieben.

Heartist hat einen Artikel dazu, wie sich das jeweilige Nachlassen in einem dieser Bereiche bei einer Frau auf die Beziehung auswirken kann:

Declining rapport can occur while the attraction remains strong, but declining attraction rarely occurs while rapport remains strong. To put it another way, within the context of a relationship, and particularly from the woman’s vantage point, rapport cannot exist without attraction, but attraction can exist without rapport.

(Note that declining rapport can be a function of either the man’s or the woman’s withdrawal, and that the originator matters for the course of action necessary to remedy it.)

When a woman is VERY attracted to her boyfriend, it will seem to her as if there is never enough rapport between them. If rapport DOES start to decline, she will paradoxically feel MORE attracted to him. This is her biology’s way of channeling her emotions toward the pursuit of bringing him “back into the fold”. (Double entendre intended.)

If a woman is losing attraction for her boyfriend (these things happen all the time), she will also lose her desire to maintain rapport with him. When a woman has stopped making efforts at rapport, there is nothing a man can do to reinitiate rapport except through reestablishing his attractiveness to her. The attraction MUST PRECEDE the rapport. Any supplicating efforts to “force rapport” will only result in her losing more attraction for him, and the cycle becomes a negative feedback loop ending in house celibacy (for him, only).

Es wäre auch eine gute mögliche Beschreibung für den Wulff-Artikel gewesen. Die sexuelle Anziehung war weg und seine Bemühungen den Komofrt /Rapport Bereich zu betonen haben insoweit eher dazu geführt, dass sie noch weniger von ihm wollte.

Ich denke viele Beziehungen enden auf diese Weise, wenn er in ihren Augen Status verliert und er nicht versucht diesen aufzubauen, sondern versucht einen Bereich auszubauen, auf den es gar nicht ankommt. Er wird dann eher als needy wahrgenommen werden und das wird das Ende eher noch verfestigen

Auf Heartiste heißt es weiter:

Men think intimacy means physical closeness garnished with pillow talk, but women have a different frame of reference. Intimacy to women means pillow talk garnished with physical closeness. (A general rule that breaks down at the margins, or during the ovulatory window in a woman’s monthly fertility cycle.) Rapport is intimacy in woman-world, so when rapport declines (as measured by frequency, intensity, or both) women start to fret about the stability of their relationships. Men don’t notice as much when rapport declines, as long as the sex is still on tap; to men, less chit chat in the bedroom is a sign of progress. But the reality is that less chit chat usually follows less sex, as most women are incapable of experiencing a closing off of the one without a closing off of the other. The take-home message for men is that a woman’s declining attraction is more crucial to guard against than is her declining rapport.

Das wäre auch eine interessante Erklärung, warum Frauen eher merken, dass die Beziehung vorbei ist. Wenn sie noch eine gewisse sexuelle Spannung fühlt, aber sich ihm nicht mehr nahe fühlt, dann stört der Wegfall dessen, was für viele Frauen vielleicht gerade die Bindung ausmacht, viele Männer gar nicht so stark. Weil die Frau sich schlicht nicht mehr für die gemeinsame Zukunft interessiert, weil sie merkt, dass sie sie nicht mehr betrifft, dann kann diese Gleichgültigkeit von ihm teilweise als angenehmer empfunden werden als die Phase, indem sie ihm dazu bringen will, sich zu ändern oder es mit ihm ausdiskutiert. Es ist ihr egal und insofern wird sein Leben leichter.

Für sie ist es hingegen ein beständiges emotionales Entfernen.