Belltower, Amadeu Antonio Stiftung und „Alle Männerrechtler sind rechts und hassen Frauen“ (insbesondere anscheinend Crumar)

Der Blog wurde in einem Artikel bei „Belltower“ erwähnt, eine Plattform der Amadeu Antonio Stiftung. In dem Artikel geht es um den „Mythos des unterdrückten Mannes“. Und dort geht es über Pickup zu Incels und damit natürlich zu Terror (bekanntlich sind Incels ja eine Terrorgruppe), dem Kampf gegen Feministen und dann schließlich auch zur deutschen Szene. Hier heißt es:

Generell sind Portale, die über Männerrechte aufklären, teilweise eng mit der AfD vernetzt.

Generell teilweise eng vernetzt. Mhmmm, ah ja. Gut, dass man sich da klar ausdrücken kann.

Meines Wissens nach sind viele Blogbetreiber aus dem Bereich keineswegs gut auf die AfD zu sprechen, etwa Arne, Lukas und ich. Angeführt werden „Die freie Welt“, Wie viel Gleichberechtigung verträgt das Land wir über einen Kommentar bei mir aus dem Jahr 2013 dargestellt, unter einem Artikel, der dieses Portal kritisiert und der von DschinDschin stammt:

Das antifeministische Forum „Wieviel ‘Gleichberechtigung’ verträgt das Land?“ beschreibt ein User auf einem anderen Männerrechte-Blog wie folgt: „Das Forum ist das heiße Herz der Männerrechtsbewegung. Dort wird die rote Pille verabreicht, welche die Illusion beendet: Wellcome in the real world.“ […] PC vernebelt die Realtität, ist Neusprech, ist Lüge.“ [sic]

Leicht selektives Zitieren und Selektieren, aber gut.

Dann aber zum Blog hier:

Auch in den deutschen Männerrechtsforen finden sich also klare Bezüge zu den Verschwörungsfantasien der redpiller. In den Kommentarspalten im „alles evolution“-Blog geht es nach dem Amoklauf von Minassian darum, dass zwei Incel-Freunden eines Users einfach noch die „Aggressivität, Rücksichtslosigkeit und die Bereitschaft, den eigenen Vorteil zum Nachteil anderer zu nutzen“ fehle.

Da geht es um diesen Kommentar von LH:

Er schrieb zunächst:

„Heute dient der Begriff einer Gruppe von Männern, die von Frauen verachtet werden, als Definition ihres Daseins “

Exakt.

Dann schrieb ein anderer Kommentator:

Das Problem ist eben, dass sich diese Leute kaum in der Gesellschaft bewegen, sie sind unter ihresgleichen und bestärken sich in ihrer Verachtung auf alles Lebensbejaende. In gewisser Weise sind sie stolz auf ihr „Inceltum“. Die meisten von ihnen legen aber auch ein mehr als verachtenswertes Verhalten an den Tag, dass es einem wirklich schwer macht ihnen die Hand zu reichen und zu versuchen sie in die reale Welt zu integrieren

Und LH antwortet:

Wieso meinst Du das? Ich habe zufällig noch 2 Freunde aus Schulzeiten, die Incel sind. Als Freunde habe ich wenig an denen auszusetzen. Was denen fehlt ist Aggressivität, Rücksichtslosigkeit und die Bereitschaft den eigenen Vorteil zum Nachteil anderer zu suchen. Die glauben, dies seien ihre „bösen Seiten“, die sie von anderen Menschen fernhalten müssten, besonders natürlich von Frauen.

Es ging also gerade darum, dass diese gerade diese negativen Eigenschaften nicht zeigen wollen.

Ein weiterer Kommentar wird wie folgt zitiert:

Ein andere User schreibt, dass Minassian aus Selbsthass gehandelt habe, dessen Ursache „in der offenen gesellschaftlichen Misandrie“, also Männerfeindlichkeit, läge. Frauen sind also selbst Schuld an frauenhassenden Amokläufern. Weiter bezeichnet der User den Amoklauf als „sozialen Protest, [da] ein tatsächlicher sozialer Protest gegen perverse und gesellschaftliche Anforderungen“ nicht stattfinde.

Da hat er sich ja was herausgesucht! Gerade Crumar, der ansonsten meines Wissens nach dem Anarcho-Kommunismus anhängt und eher mit Leszek auf einer Wellenlänge liegt als Beleg für die rechten Tendenzen in der Männerrechtsbewegung: Crumar kommentierte damals:

Zwei Anmerkungen:

1. Der Artikel auf SPON war natürlich ein schlechter Scherz im journalistischen Sinne, den lionosys auf Geschlechterallerlei verrissen hat.
Er beginnt so und ich empfehle die Lektüre:

„Die Nachwuchsjournalistin Angela Gruber macht’s den Alten nach und instrumentalisiert in SPIEGEL ONLINE die Amokfahrt eines 25jährigen in Toronto für einen Rundumschlag gegen alles, was die heilige Kuh „Feminismus“ und ihre gottgebenen Vormachtsstellung ankratzen könnte. Tendenziöse Berichterstattung at it’s best.

Damit auch wirklich jeder kapiert, wohin die Reise des Artikels gehen soll, wird der Begriff „Frauenhass“ oder Synonyme davon (Frauenverachtung, Mysogenie, Krieg gegen Frauen, Online-Frauenhass usw.) im kurzen Beitrag gleich ein Dutzend mal aufgeführt.

Und dann geht das Feuerwerk der Begrifflichkeiten los: Incel, Reddit, 4chan, Gamergate, Alt-Right, MGTOW, Breitbart, Maskulinismus, Pick-up.

Aber Frau Gruber weist auch den richtigen Weg:
„Während sich Feminismus und die Gleichberechtigung der Frau im gesellschaftlichen Mainstream als wichtige Themen durchsetzen, Beispiel #MeToo, sammelte sich im Netz eine Gegenbewegung“

Gut, die Machthaber in China haben auch alles als „Konterrevolution“ bezeichnet, was ihnen nicht ins Schema paßte …“

Das erste *Ziel* des Artikels, dieses wüsten Breis aus Desinformation und Halluzination ist selbstverständlich die Produktion der Wahrnehmung von Kritik am Feminismus als „Hass“ und ebenso selbstverständlich gibt es den verschwörungstheoretischen Brückenschlag nach ganz rechts.
Das zweite Ziel ist die religiöse *Verdammung* und die wiederum äußert sich in den genüsslich beschriebenen *Verbannungen*. Alles muss weg und verboten werden was diese Weltsicht stört und jede Recherche unterbleiben, die zu kognitiven Dissonanzen führt.

Wenn die Faktenlage besagt, Elliot Rodgers war entschiedener Gegner von PU, als asiatisch-stämmiger Mann für die „white supremacy“ eher ungeeignet, seine ersten beiden Opfer waren asiatische *Männer* – also alles, was nicht in die Spatzenhirne feministischer Ideologen passt – dann hat die Realität eben Pech gehabt und muss gehen.

Ich habe keine Lust, eine faktenfrei argumentierende Ideologin als „Journalistin“ zu adeln und mich auf dieser Basis mit dem Text zu beschäftigen. Wenn SPON eine dauerlügende Propagandistin bezahlen will, ist das das Problem von SPON, mein Ratschlag zur Erhaltung des Rufs von SPON wäre: Frau Gruber muss sich ändern und journalistische Standards lernen *und* diese einhalten oder sie muss gehen. Sofort.

2. Amok, Definition: „Als Amok (von malaiisch amuk „wütend“, „rasend“) werden tateinheitliche und scheinbar wahllose Angriffe auf mehrere Menschen in Tötungsabsicht bezeichnet, bei denen die Gefahr, selbst getötet zu werden, zumindest in Kauf genommen wird.“

Zur Historie: „Etwa zeitgleich (…) traten im malaiisch-indonesischen Kulturkreis auch individuelle Amokläufe auf. Zum Beispiel versuchten sich zahlungsunfähige Schuldner ihrer unweigerlich drohenden Versklavung dadurch zu entziehen, dass sie so lange töteten, bis sie selbst getötet wurden. Dies war auch eine Form des sozialen Protestes, denn die Drohung eines Amoklaufes bei grober Ungerechtigkeit hielt Machtmissbrauch von Herrschern und Reichen in gewissen Schranken.“

Sieht der Wikipedia-Eintrag wenigstens *gesellschaftliche* Fehlentwicklungen (Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch) und soziale Konflikte als Ursache für einen Amoklauf vor, verschwindet gesellschaftliches komplett aus der aktuellen Berichterstattung.
Die Ursachen liegen nach dieser im männlichen Individuum, in der Biologie des Täters selbst. Ausgehend von einer biologischen Wesenheit namens „Männlichkeit“, die wiederum als Surrogatextrakt von „Gesellschaft“ dienen soll.
Ich leihe mir einen abgewandelten Titel eines Filmes aus der Schwulenbewegung aus, um zu verdeutlichen, was damit willentlich NICHT thematisiert wird:

„Nicht der Mann ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt“

Wenn man „pervers“ mit „widersinnig/verdreht/abartig“ übersetzt und die gesellschaftlichen Erwartungen (also die von Männern UND Frauen) an uns als *perverse* Zumutungen zu charakterisieren lernt, kämen wir einen Schritt weiter.
Beispiel: Von einem Mann völlig *traditionell* erwarten die Kontaktanbahnung zum anderen Geschlecht initiieren zu müssen, eine Ablehnung einzukalkulieren und trotzdem so tun zu müssen, als träfe er bei der Begegnung eine „emanzipierte“ Frau.
Die solche ersten Schritte aber lebenslang vermieden hat (weil sie es konnte). Das ist *pervers*.
Eine Ideologie, die solche *traditionelle, passive* Weiblichkeit fördert und sich kontrafaktisch „Emanzipation“ auf ihre Fahnen geschrieben hat ist *pervers*.
Dass Männer ernsthaft so tun müssen, als begegneten sie nach der *traditionellen* Kontaktanbahnung einer bis dahin *passiven* Frau aber „auf gleicher Augenhöhe“ ist pervers.

Der große Vorteil dieser MGTOW-Sichtweise ist, sich von gesellschaftlichen Anforderungen und Verhaltenscodes zu befreien die krank machen, weil sie krankhaft SIND.
Die „gesellschaftliche Normalität“ für Männer als eine Ansammlung von mehr oder weniger großen *Perversionen* zu begreifen und eine eigene Richtschnur zu entwickeln für das, was normal sein SOLLTE dient der eigenen Gesundung und Gesundheit.

Im vorliegenden Fall war das *Ziel* des Attentäters ganz offensichtlich nicht nur der Mord an völlig unschuldigen Mitmenschen, sondern als großes Finale die eigene Tötung durch Dritte.
Es handelt sich damit quasi um einen erweiterten Selbstmord – der Abgang mit einem BIGBANG.

M.E. zu begreifen als individuelle Reaktion auf eine Vielzahl (narzisstischer) Kränkungen, verursacht durch perverse Anforderungen, die in einer Ausweglosigkeit gipfeln, welche gleichermaßen Hass und Selbsthass auf die Spitze trieb. In dem Fall wäre meinetwegen „Frauenhass“ gesetzt, es bliebe jedoch die Frage nach den Ursachen für den Selbsthass, diesen als Produkt der offenen gesellschaftlichen Misandrie zu sehen ist naheliegend.

Mit dem (feministischen) Diktat, dass es keine gesellschaftlichen Ursachen für diese Kränkungen geben DARF, liegt wiederum eine Begründung für die Vielzahl der Einzeltäter vor. In „Männlichkeit“ wird man hineingeboren; somit ist Biologie Schicksal und „selbst schuld!“ gleichermaßen feministisches und neoliberales Mantra.
Die Ursache für das Scheitern wird in die Individuen selber gelegt. Das Scheitern an den perversen gesellschaftlichen Anforderungen und Zumutungen wird dem Individuum als *individuelles Versagen* übereignet
Genau das wiederum führt zur Vereinzelung und zur individuellen Isolation.

Der Amoklauf ist letzter „sozialer Protest“, weil ein *tatsächlich* sozialer Protest gegen perverse gesellschaftlichen Anforderungen und Zumutungen nicht stattfindet.
Was einerseits bedeutet, diese (perverse) Gesellschaft züchtet die männlichen Amokläufer selbst, aber andererseits immer wieder auf unsere Untätigkeit verweist. Ein Tacken realweltlicher Aktionismus und männlicher Solidarität wären überaus wünschenswert.

Crumar schreibt also keineswegs, dass die Frauen selbst schuld sind, er schreibt sogar von „narzisstischen Kränkungen“, die zu Hass und Selbsthass führen.

Eigentlich ja eine sehr passende Situation: da wollen sie rechte Tendenzen belegen und zitierten einen der Linken aus diesem Blog. Aber gut.

Auch hier wieder das klassische Opfernarrativ. Eine verkürzte Kapitalismuskritik ersetzt eine umfassende Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse. Dass Männer ebenfalls mit gesellschaftlichen Erwartungen zu kämpfen haben und übermäßigem Druck ausgesetzt sind,  steht außer Frage. Nur sind weiße, heterosexuelle Männer nunmal strukturell nicht von Diskriminierung betroffen, da sie Teil der weißen Mehrheitsgesellschaft sind. Doch das sehen die Incels, PUA, MGTOW, Alt-Right-Aktivisten und gewisse Männerrechtler natürlich nicht so. Sie inszenieren sich als benachteiligte Männer, die im Kampf gegen einen übermächtigen Gegner stehen. Selbsthass, Depression und soziale Angststörungen, die sich vor allem in Incel-Foren finden, werden durch andere User befeuert. Der Hass wird externalisiert.

Gott, ist diese Denkweise billig – er ist nicht von Diskriminierung betroffen, also interessiert auch der zugestandene übermäßige Druck nicht mehr? Und wo wird hier der Hass befeuert? Oder gar externalisiert?
Und es ist eh etwas vermessen, wenn man anprangert, dass Selbsthass, Depressionen und soziale Anststörungen befeuert werden und gleichzeitig eine Ideologie verteidigt, die anderen aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Geschlechts per se abspricht, dass sie benachteiligt sein können und diese Schuld an allem seien.

Wie die Entwicklung in den USA zeigt, führte der Zusammenschluss von frauenhassenden, meist relativ jungen, Männern zu kollektiven Hasskampagnen und Terror. Antifeminismus und eine gekränkte weiße Männlichkeit fungieren auch in Deutschland als zentrales Bindeglied zwischen Misogynie und rechter Ideologie. Es wird versucht, die Angst vor dem vermeintlichen Statusverlust als Mann durch rassistische und antifeministische Hetze zu kompensieren. Politisch nicht korrekt zu sein, wird auch hier zum subversiven Akt erklärt, denn man müsse sich ja gegen die „Meinungsdiktatur“ des linken Mainstreams und die „Lügenpresse“ wehren. So wie bei der Alt-Right Antifeminismus für viele die Einstiegsdroge zu rechtsextremen Positionen war, sollte dieses Phänomen auch in Deutschland nicht unterschätzt werden.  Durch die „neurechten“ und rechtsextremen Netzwerke um die AfD gibt es leider viel Potenzial.

Tatsächlich setzen sich viele Männerrechtler eher dafür ein, dass Männern erlaubt ist Status zu verlieren, etwa indem sie aus dem Beruf aussteigen und verstärkt Vater sein können. Aber gut, es ist die übliche Hetze.

Als Autorin ist eine „Luka Lara Charlotte Steffen“ angegeben. Kennt die jemand?

vgl auch:

Forschungsprojekt „KRisE der Geschlechter-VERhältnisSE? Anti-Feminismus als Krisenphänomen mit gesellschaftsspaltendem Potenzial“ (REVERSE)

Die Uni Marburg erhält knapp eine Million für die Erforschung von Antifeminismus. Aus einer Pressemitteilung:

Das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg erhält knapp eine Million Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für das Projekt REVERSE. Ziel ist die Erforschung anti-feministischer Diskurse in Deutschland, die Forscherinnen und Forscher als Gefährdung für die Demokratie einschätzen.

„In politischen und medialen Debatten wird die Modernisierung der Geschlechterverhältnisse häufig als Krise dargestellt“, sagt Prof. Dr. Annette Henninger, die das Projekt REVERSE leitet. „Oftmals ist von einem regelrechten ‚Gender-Wahn‘ die Rede, der Menschen in ihren Werten und ihrer Mündigkeit angreife. So wird beispielsweise gendergerechte Sprache als ‚Kulturfrevel‘ bezeichnet, und Gender Studies werden als unwissenschaftliche Ideologie gesehen.“ Gegen staatliche Gleichstellungspolitiken, Genderforschung und die gesellschaftspolitische Liberalisierung der Geschlechterverhältnisse formiere sich aktuell politische Kritik von rechts, die teils auch im konservativen oder liberalen Lager auf Zustimmung stoße. „Zwar adressieren diese Diskurse durchaus brisante Fragen in Bezug auf die gesellschaftliche Neuverhandlung der Geschlechterverhältnisse“, sagt Henninger. „Die Art und Weise, wie diese Themen verhandelt werden, bedroht zugleich aber auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Fragen von Geschlechterpolitik und geschlechtlicher beziehungsweise sexueller Identität seien verstärkt ideologisch aufgeladen und bisherige Errungenschaften würden zum Teil sehr aggressiv in Frage gestellt. Neu sei auch, dass Geschlechterforscherinnen und -forscher zunehmend mit persönlichen Drohungen konfrontiert seien. „Anti-Feminismus spaltet die Gesellschaft. Das gefährdet die Akzeptanz von Pluralität und damit verbunden auch die Werte einer Demokratie.“

Im Projekt REVERSE („Krise der Geschlechterverhältnisse? Anti-Feminismus als Krisenphänomen mit gesellschaftsspaltendem Potenzial“) soll diese Entwicklung innerhalb der zweijährigen Projektlaufzeit genauer analysiert werden. An dem interdisziplinären Forschungsprojekt sind die Fächer Politikwissenschaft, Psychologie, Kultur- und Sozialanthropologie, Europäische Ethnologie sowie die Erziehungswissenschaft beteiligt. Im Rahmen des Projekts werden Fallstudien zu Anti-Feminismus in der Wissenschaft, zur Debatte um „Frühsexualisierung“, zur Ethnisierung von Sexismus sowie zu Diskursen über Mutterschaft durchgeführt. Das Ziel: Die verschiedenen Dimensionen des Anti-Feminismus auszudifferenzieren und Handlungsempfehlungen zu entwickeln. „Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur empirischen Analyse anti-feministischer Bewegungen und Diskurse in Deutschland – bisher eine Forschungslücke. Wir möchten Erkenntnisse darüber gewinnen, was genau am Wandel der Geschlechterverhältnisse als krisenhaft empfunden wird, wie anti-feministische Diskurse vor diesem Hintergrund mobilisierend wirken und wie der gesellschaftliche Zusammenhalt wieder gestärkt werden kann“, sagt Henninger. Für das Vorhaben erhält das Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung der Philipps-Universität Marburg über 975.000 Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung. Prof. Dr. Henninger und ihr Team haben Anfang Oktober ihre Forschungsarbeit aufgenommen.

Seit 2001 verfügt die Philipps-Universität Marburg über ein Zentrum für Gender Studies und feministische Zukunftsforschung (ZGS), das interdisziplinäre Lehr- und Forschungsaktivitäten im Bereich der Geschlechterforschung bündelt und an verschiedenen Forschungsarbeiten zum Wandel der Geschlechterverhältnisse beteiligt ist. Dazu gehören unter anderem Projekte zu Arbeits- und Sozialpolitik und zur Demokratieentwicklung, z.B. das Projekt „Rechtsextremismus und Gender: politische Sozialisation und Radikalisierungsprozesse im ländlichen Raum. Eine Fallstudie“. Auch Studien zur Repräsentation der Geschlechterverhältnisse in Medien, Kunst und Kultur, zu Religion und Geschlecht und zu Fragen von Körper, Identität und Gesundheit werden am Zentrum durchgeführt.

Und von der Uni-Seite:

Angesichts des Wandels der Geschlechterverhältnisse formiert sich in Deutschland ein breites Spektrum gegen staatliche Gleichstellungspolitiken, Genderforschung und die weitere Liberalisierung der Geschlechterverhältnisse. Der Diskurs über den sogenannten ‚Gender-Wahn’ wird zum Teil sehr polemisch geführt. Dies trägt nicht zur sachlichen Auseinandersetzung über Geschlechterpolitik und geschlechtliche bzw. sexuelle Identität bei und bedroht die Akzeptanz von Pluralität als normativen Grundpfeiler einer demokratischen Ordnung.

Das Forschungsvorhaben REVERSE will die anti-feministische Diskursproduktion, ebenso wie deren Akteurs- und Adressat_innen-Gruppen untersuchen. Dabei liegt ein Fokus auf der (De-)Thematisierung sozialer Fragen. Zugleich werden Anrufungen von (Handlungs- und Meinungs-)Freiheit sowie deren Verknüpfung zum subjektiven Erleben rekonstruiert. Fünf Fallstudien erlauben die vertiefende Betrachtung unterschiedlicher Diskursfelder, deren Querverbindungen ebenfalls in den Blick gebracht werden sollen. Das ermöglicht eine genauere Analyse des Phänomens Anti-Feminismus:


Fallstudie 1, Migrationsgesellschaft: Ethnisierung der Geschlechterverhältnisse

Fallstudie 2, Wissenschaft: Anti-‚genderistische‘ Argumentationen in akademischen Kontexten

Fallstudie 3, Sexualpädagogik: Der Kampf um sexuelle Bildung als Krisensymptom

Fallstudie 4, Elternberatung: Mutterschaft als Krisenarena

Fallstudie 5, Fallstudie zur ‚Ehe für alle‘

Gerade die zweite Fallstudie ist hier natürlich interessant:

Wissenschaft: Anti-‚genderistische‘ Argumentationen in akademischen Kontexten

Die Fallstudie analysiert die im akademischen Diskurs an Gender Studies, Gender Mainstreaming und der Infragestellung heteronormativer Zweigeschlechtlichkeit geäußerte Kritik. Antifeministische Argumentationen im Wissenschaftsbereich wurden bislang noch nicht untersucht, obwohl sie zur Erforschung gesellschaftsspaltender Potenziale höchst relevant sind, da die wissenschaftliche Diskursebene in Alltagsdiskursen im Sinne einer „Superstruktur“ als Letztbegründungsinstanz mit hoher Autorität fungieren. Anti-feministische Argumentationen werden nicht nur durch Evolutionsbiolog*innen oder Neurowissenschaftler*innen vorgebracht, sondern auch von Soziolog*innen oder Vertreter*innen anderer Fachrichtungen. Gender Studies werden dabei als Ideologie oder quasi-religiöse Strömung diffamiert und den Forscher*innen Wissenschaftlichkeit und somit die Zugehörigkeit zur Scientific Community abgesprochen. Gleichzeitig finden Gegenmobilisierungen statt, z.B. durch die Sektion Frauen- und Geschlechterforschung der Deutschen Gesellschaft für Soziologie und Netzwerke zur Unterstützung angegriffener Personen.

Leitung: Dr. Marion Näser-Lather (marion.naeser@staff.uni-marburg.de)

Eigentlich ein interessantes Thema, wenn man es nicht so ideologisch, sondern wissenschaftlich angehen würde. Hier wird bereits durch die Angaben wie „diffamiert“ deutlich gemacht, dass das Ergebnis der Prüfung bereits feststeht.

Von Marion Näser -Läther dürfte das nicht zu erwarten sein, sie wird wahrscheinlich ihren bisherigen Vortrag zu dem Thema noch mal etwas aufbessern und das war es.

Ich habe bereits früh dafür geworben, die Forschung zu unterstützen:

Ich befürchte allerdings, dass sie dort nicht auf diese Kritik eingehen werden

Abgrenzung Antifeminist vs. Männerrechtler

Im Rahmen der Diskussion zu den antifeministischen Widersprüchen kam auch die Frage zu einer Abgrenzung von Antifeministen und Männerrechtlern auf.

Das wäre aus meiner Sicht einfach:

  • Maskulist ist man, wenn man einen männlichen Standpunkt in der Geschlechterdebatte qualifiziert vertritt.
  • Antifeminist ist man, wenn die Kritik am Feminismus im Vordergrund steht  ohne das man dadurch zugleich Männerrechte wahren will

Damit können sich beide Bereiche überschneiden. Es kann aber auch klare Unterschiede geben. Antifeminist  zB kann auch jemand sein, der nur für Gleichberechtigung ist und deswegen den Feminismus kritisiert, aber keine speziellen männerrechtlichen Anliegen hat. Antifeminismus kann auch schlicht in einer Ablehnung eines feministischen Ansatzes liegen, etwa dem dortigen Sozialkonstruktivismus oder der Gruppentheorien des intersektionalen Feminismus. Kombiniert man das damit, dass man sich zusätzlich dafür einsetzt, dass Männeranliegen mehr beachtet werden, kann es ein maskulistischer Ansatz sein.

In einem Versuch die thematischen Inhalte von Männerrechtlern darzulegen schrieb ich in einem anderen Artikel:

  • Dabei werden Männerrechte insbesondere in den Bereichen diskutiert, in denen
    • Männern besondere Pflichten auferlegt werden
    • Männern bestimmte Rechte nicht oder nur eingeschränkt gewährt werden
    • Männer abgewertet werden.

    Dies scheinen mir die drei Hauptbereiche zu sein, in denen eine Diskussion um Männerrechte stattfindet und sinnvoll ist.

Und dann zu dem dortigen Dritten Punkt:

c) Männerrechte als Abwehr von Abwertungen

Ein dritter Bereich ist aus meiner Sicht die Abwehr von Abwertungen. Männer sind keine schlechteren Menschen, sie sind vielleicht anderes als Frauen, aber das rechtfertigt es nicht, ihre Art und Weise als moralisch verwerflich darzustellen. Natürlich ergibt sich daraus auch nicht, dass diese moralisch richtig ist. 

Häufige Bereiche, in denen Männerrechte durch Abwertungen beeinträchtigt sind, sind:

  • Die Sexualität: Der Mann als Schwein, die Abwertung von männlichen Interessen an schönen Frauen, Busen, schnellen Sex, als primitiv und verachtenswert. Die Dämonisierung männlicher Sexualität
  • Die Einordnung von Männern als Unterdrücker von Frauen

In diesem Bereich ist eine Überschneidung von Männerrechten mit einem Antifeminismus vorhanden, nämlich insoweit als im (radikalen) Feminismus diese Abwertungen gegenüber Männern erfolgt, indem Männern hier wie oben dargestellt abgewertet werden. Ein Einsatz für Männerrechte erfordert insofern, diesen einseitigen Abwertungen eigene Positionen gegenüber zu stellen und deutlich zu machen, dass Unterschiede nicht per se eine Unterdrückung als Grund haben müssen. Es ist aus meiner Sicht auch eine männerrechtliche Position darzustellen, dass männliche Sexualität ihre eigenen Rechte hat und hier die weiblichen Vorstellungen keinen Deutungsvorgang in moralischer Hinsicht haben.

Wer also seine Feminismuskritik gerade deswegen betreibt, weil er die dortige Abwertung von Männern und auch die Anspruchshaltung („Hinterfragt eure Privilegien und tut Buße für eure Männlichkeit“) abwehren will, der kann insoweit einen aus einer maskulistischen oder aber auch humanistischen Position, je nach Ausrichtung,  heraus Antifeminismus betreiben

Laci Green und die „Red Pill“

Laci Green hat ein bemerkenswertes Video veröffentlicht, in dem sie anführt, dass sie viele Positionen auch von Antifeministen interessant und durchaus nachvollziehbar findet und meint, dass man mehr miteinander reden sollte. Sie führt an, dass sie sich in einer skeptischen Tradition sieht, in der man immer alles hinterfragen kann und will. Sie wolle daher nunmehr auch Gespräche mit Feministen und Antifeministen führen und sich sachlich mit diesen Positionen auseinandersetzen.

Am Ende des Videos lässt sie offen, ob sie nicht doch vielleicht die „rote Pille“ nehmen will. Das Echo ist durchaus interessant:

 

 

Der Wandel kündigte sich an als sie ein Interview mit Blaire White machte. Ob sie da einfach mal vorgefühlt hat, wie die Reaktionen sind, weil eine Transsexuelle da ja noch vergleichsweise unverdächtig ist, wäre interessant.

Hier noch ein paar Videos mit Reaktionen:

Die 32 verschiedenen Typen von Antifeminismus

Auf der Seite Everyday Feminism werden die 32 verschiedenen Typen von Antifeminismus dargestellt:

32 verschiedene Typen von Antiifeminist

32 verschiedene Typen von Antifeminist

Das sind natürlich alles ziemliche Strohmänner, dennoch interessant für eine Besprechung.

Für die Zuordnung schlage ich das System „Reihe X, Bild Y“ vor. Reihe 7, Bild 4 wäre demnach die Karrikatur von Hoff-Sommers (oder wer da auch immer Vorbild gewesen sein sollte). Das Strohmannige ist hier, dass man es erstens recht problemlos auf Feministinnen übertragen könnte „Männer sind das das Böse, oh ein neuer Buchdeal/eine Position als Schreiberin/eine Einladung zu einer Talkshow“ etc. Interessant auch Reihe 3, Bild 1, die Frau, die Männer nicht hasst. Natürlich ist teilweise auch etwas Wahrheit vorhanden, sicherlich gibt es dort auch genug Verbitterte und Weltverschwörer und solche, die das Abendland untergehen sehen. Dennoch recht plump, hier anscheinend jede Form der Kritik zu entwerten.

Es gibt auch schon eine „korrigierte Version“ im Netz, die ich hier nicht vorenthalten möchte:

32 Typen von Antifeminismus

32 Typen von Antifeminismus

Warum es nicht schlimm wäre, wenn nach Plänen der EU Antifeminismus verboten wird

Seit einiger Zeit wird ein Schreckgespenst an die Wand gemalt, nämlich ein Verbot der Kritik am Antifeminismus. (Ein Artikel dazu zB beim Jüngling)

Dies geht auf ein „Toleranzpapier“ der EU zurück, in dem es heißt:

The purpose of this Statute is to: (a) Promote tolerance within society without weakening the common bonds tying together a single society. (b)Foster tolerance between different societies. (c) Eliminate hate crimes as defined in Section 1(c). (d)Condemn all manifestations of intolerance based on bias, bigotry and prejudice. (e) Take concrete action to combat intolerance, in particular with a view to eliminating racism, colour bias, ethnic discrimination, religious intolerance, totalitarian ideologies, xenophobia, antiSemitism, anti-feminism and homophobia.

Eine weitere Erwähnung von Feminismus oder Antifeminismus erfolgt nicht. Allerdings heißt es in den Definitionen dann weiter:

For the purposes of this Statute:

(a) „Group“ means: a number of people joined by racial or cultural roots, ethnic origin or descent, religious affiliation or linguistic links, gender identity or sexual orientation, or any other characteristics of a similar nature.

(b) „Group libel“ means: defamatory comments made in public and aimed against a group as defined in paragraph (a) – or members thereof – with a view to inciting to violence, slandering the group, holding it to ridicule or subjecting it to false charge

Und unter den Maßnahmen:

a) The following acts will be regarded as criminal offences punishable as aggravated crimes:

(i) Hate crimes as defined in Section 1(c).

(ii) Incitement to violence against a group as defined in Section 1(a).

(iii) Group libel as defined in Section 1(b).

(iv) Overt approval of a totalitarian ideology, xenophobia or anti-Semitism.

(v) Public approval or denial of the Holocaust.

(vi) Public approval or denial of any other act of genocide the existence of which has been determined by an international criminal court or tribunal

Also sollen bereits verleumderische Bemerkungen in der Öffentlichkeit, die darauf ausgerichtet sind, Gewalt gegen eine solche Gruppe zu verursachen, sie verächtlich oder lächerlich zu machen oder ihnen bestimmte Taten fälschlicherweise zu Last zu legen, bestraft werden.

Diesbezüglich möchte ich zunächst erst einmal auf § 130 StGB hinweisen:

§ 130
Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,

wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. eine Schrift (§ 11 Absatz 3) verbreitet oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder einer Person unter achtzehn Jahren eine Schrift (§ 11 Absatz 3) anbietet, überlässt oder zugänglich macht, die
a) zum Hass gegen eine in Absatz 1 Nummer 1 bezeichnete Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer in Absatz 1 Nummer 1 bezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung aufstachelt,
b) zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen in Buchstabe a genannte Personen oder Personenmehrheiten auffordert oder
c) die Menschenwürde von in Buchstabe a genannten Personen oder Personenmehrheiten dadurch angreift, dass diese beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
2. einen in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht oder
3. eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in Nummer 1 Buchstabe a bis c bezeichneten Inhalts herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, bewirbt oder es unternimmt, diese Schrift ein- oder auszuführen, um sie oder aus ihr gewonnene Stücke im Sinne der Nummer 1 oder Nummer 2 zu verwenden oder einer anderen Person eine solche Verwendung zu ermöglichen.

(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.

(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.

(5) Absatz 2 Nummer 1 und 3 gilt auch für eine Schrift (§ 11 Absatz 3) des in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalts. Nach Absatz 2 Nummer 2 wird auch bestraft, wer einen in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalt mittels Rundfunk oder Telemedien einer Person unter achtzehn Jahren oder der Öffentlichkeit zugänglich macht.

(6) In den Fällen des Absatzes 2 Nummer 1 und 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, ist der Versuch strafbar.

(7) In den Fällen des Absatzes 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, und in den Fällen der Absätze 3 und 4 gilt § 86 Abs. 3 entsprechend.

Ein Großteil der Regelung wird also bereits von § 130 StGB erfasst. Ich erwarte in strafrechtlicher Hinsicht da keine großen Änderungen in der Praxis.

Der Anti-Feminismus ist insoweit in der Einleitung erwähnt, aber diese ist nicht das Gesetz. Ein solches Gesetz wird immer so formuliert sein, dass es solche Taten „aufgrund des Geschlechts“ verbietet, also geschlechtsneutral. Sonst wird es schlicht nicht zu halten sein.

Und dann wird es aus meiner Sicht ein großartiges Eigentor für den feministischen Bereich werden. Denn weil ein solches Gesetz neutral geschrieben sein muss, darf man eben auch keine Weißen beschimpfen, keine Männer verächtlich machen, sprich man darf gerade nicht „nach oben treten„.

Die gesamte Ideologie des Feminismus ist hier weitaus gefährdeter als alles andere. Denn sie ist in ihren radikalen Ausrichtungen (also leider der Hauptströmung) totalitär, sie verlagert die Schuld auf Gruppen und greift diese dann an.

Ein schönes Beispiel, wie sich solche Gesetze auswirken können, ist gerade aufgetaucht:

A student diversity officer who came to prominence in a race row after allegedly tweeting the hashtag #killallwhitemen has been charged by police with sending a threatening communication.

Bahar Mustafa, of Goldsmiths, University of London, is set to appear at Bromley magistrates court on 5 November.

The 28-year-old from Edmonton, north-east London, faces two charges. One is sending a communication conveying a threatening message between 10 November 2014 and 31 May 2015. The second is for sending a grossly offensive message via a public communication network between 10 November 2014 and 31 May 2015.

Mustafa was initially accused of racism for asking white men not to attend a students’ union meeting intended for ethnic minority women and non-binary attendees.

Bahar Mustafa ist die Mitarbeiterin, die weiße Männer aus Seminaren ausschließen wollte und nicht eingesehen hat, dass das rassistisch ist und die „#killallwhitemen“ tweete. Ich denke es sind weitaus eher die Tugendfurien dieser Welt, die dann Probleme bekommen werden, weil sie eben eine hochradikale Theorie haben.

Aber nehmen wir mal an, dass in der entgültigen Version eine Klausel steht, die tatsächlich dezidiert Antifeminismus verbietet. Was wäre dann?

Sie würde aus meiner Sicht wegen Verstoß gegen den Bestimmtheitsgrundsatz unwirksam sein. Eine Strafklausel muss genau bestimmen, was verboten sein soll. „Antifeminismus“ ist nicht bestimmbar. Der Differenzfeminismus ist schließlich Antifeminismus zum Gleichheitsfeminismus. Der alte Einwand, dass es DEN Feminismus nicht gibt würde sich hier vorteilhaft auswirken.

Sie müssten also genau definieren, was eigentlich genau Feminismus sein soll. Viel Spass dabei, dass gerichtsfest zu definieren. Wenn es um „Gleichberechtigung der Frau“ geht, dann sehe ich wenig Probleme.

Sollten sie aber meinetwegen über diese Hürde hinweg kommen und tatsächlich Kritik am Genderfeminismus verbieten ohne das deswegen andere Feministinnen betroffen sind und ohne das man sich darauf berufen kann, dass man selbstverständlich einen Equityfeminismus und keinen Antifeminismus vertritt, dann wird es ja noch lustiger:

Man stelle sich vor ein Polizeirevier und lese aus einem Lehrbuch der Evolutionsbiologie vor oder etwa Statements wie diese von Pinker, wie diese oder diese vor. Oder meinetwegen Warren Farrell oder auch nur Gutachten des statistischen Bundesamtes. Man lese einen Text zur Unschuldsvermutung vor und kritisiere, dass es nicht das Unwort des Jahres sein sollte. Und dann mache man eine Selbstanzeige unter Beifügung des Textes und einer Erläuterung, warum er Feminismuskritik entspricht.

Das wird ein interessanter Prozess. Die feministischen Theorien sind in der Hinsicht so ohne wissenschaftliches Fundament, so gegen Erkenntnisse anderer Wissenschaften verstoßend, sie lehnen so deutlich die wissenschaftliche Methode ab, ja selbst den Rechtsstaat, dass ein Gericht gar nicht anderes könnte als entweder einen Skandalurteil zu produzieren („Evolutionstheorie verboten, weil Antifeministisch“) oder eben freizusprechen und damit die feministische Theorie für bescheuert zu erklären.

Man könnte Leute wie Richard Dawkins, Pinker und Co einladen, aus seinen Texten zu lesen und dann eine gemeinsame Selbstanzeige vorzunehmen. Ich könnte mir vorstellen, dass sie sich das nicht entgehen lassen würden (und ein Kamerateam dabei hätten, dass den Prozessverlauf beobachtet und berichtet).

Natürlich blieben andere Gefahren, etwa „Toleranzschulungen“, die Einfallstore sein könnten für politische Indoktrinierung, aber auch da muss man sich erst einmal die Umsetzung anschauen.

Es schadet ja in der Tat nichts, wenn etwas gegen Rassismus und Homophobie unternommen wird. Es sollte aber eben nicht umschlagen in die Darstellung von Hass gegen andere Gruppen, etwa Männer und Weiße. Eine „Toleranzschulung“ durch das deutsche Äquivalent einer Bahar Mustafa oder einer Adria Richards wäre wenig geeignet tatsächliche Toleranz zu erlernen.

Mit diesem Beitrag möchte ich die Sache etwas in die aus meiner Sicht richtige Perspektive rücken: Niemand wird Kritik am Feminismus in einem Rechtsstaat nachhaltig verbieten können.

Was nicht bedeutet, dass eine Ausweitung der Einschränkung der Meinungsfreiheit nicht problematisch wäre. Meinungen zu verbieten ist ein gefährlicher Weg.
Ein Statement dazu von Milo anhand der Verhaftung von Bahar Mustafa:

I think pretty much everyone secretly wants to see Mustafa humiliated for her stupidity and many people want to see her out of her job. Personally, yes, I think she should be fired. She shouldn’t be in a publicly-funded position with a hateful attitude like that. But should she be arrested? No. She’s not a dangerous criminal, just a useful idiot whose head has been filled with progressive claptrap and who doesn’t realise how out of date her cultish ideology is.

We do ourselves no favours when we lower ourselves to the level of screeching authoritarian leftist outrage-mongers by pretending that “kill all white men” is a literal incitement to violence or a “violent speech act.” No, it’s a dumb thing that deserves to be mocked, and which might make you unemployable… but please save prison for actual criminals.

I’ve seen Mustafa supporters on Twitter confused and furious that “right-wingers” and “misogynists” and so on are supporting her right to free speech, but we do. What remains to be seen is whether the authoritarian Left will extend the same courtesy to others. I’m not holding my breath.

Oder hier ein Video dazu:

Gewisse Ansichten muss eine Gesellschaft nun einmal aushalten. Öffentliche Verhetzungen und Aufrufe zu Gewalt müssen allerdings nicht von der Meinungsfreiheit umfasst sein, man sollte sich aber auch bewußt machen, dass man hier in ein kostbares Recht eingreift.