Toronto, Incels und die unfreiwillige Enthaltsamkeit

In Toronto hat ein Fahrer einen Wagen in eine Menge gelenkt und er soll wohl hauptsächlich von einem Hass auf Frauen getrieben worden sein. Der Spiegel schreibt:

Ein unbändiger Hass auf Frauen: Ersten Hinweisen der Polizei zufolge hat dieses Motiv den mutmaßlichen Attentäter von Toronto zu seiner Amokfahrt getrieben. Nun sind zehn Menschen tot, Angaben eines Polizisten zufolge sind es „überwiegend“ Frauen – und ein Schlaglicht fällt auf eine zutiefst frauenfeindliche, von Gewaltfantasien beherrschte Nische des Internets, die immer schwerer zu ignorieren ist.

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Genährt worden sein könnte der Frauenhass des 25-jährigen Alek M. wohl durch Misogynie – die Frauenfeindlichkeit – in einschlägigen Internetforen, beispielsweise auf Reddit. Auf der Onlineplattform tauschen sich Nutzer in vielen Unterforen, sogenannten Subreddits, über alle erdenklichen Themen in langen Kommentarspalten aus. Einige Mitglieder der Plattform kultivieren dort seit mehreren Jahren eine von Verachtung für Frauen geprägte Haltung.

Wenn er tatsächlich Frauen umbringen wollte, weil er sich abgelehnt fühlte und einen Frauenhass entwickelt hat, dann  ist er wirklich ein Idiot, der sich in eine fürchterliche Ideologie hineingesteigert hat. Er wäre auch ein gutes Beispiel dafür, was eine Gruppenbildung und die einseitige Verteufelung einer als Feind wahrgenommenen Gruppe, letztendlich also eine Identitätspolitik alles bewirken kann.

Man entmenschlicht die andere Gruppe und macht sie alleine für alles verantwortlich.

Im Spiegelartikel heißt es weiter:

„Incel“ ist die Abkürzung für den englischen Ausdruck „involuntary celibacy“, auf Deutsch bedeutet das „unfreiwillige Enthaltsamkeit“. Heute dient der Begriff einer Gruppe von Männern, die Frauen verachten, als Definition ihres Daseins und wird von ihnen als identitätsstiftender Kampfbegriff im Internet verwendet.

Unfreiwillige Enthaltsamkeit, also Männer, die bei Frauen nicht ankamen und von ihnen abgelehnt worden sind und wahrscheinlich in vielen Fällen den Grund nicht verstanden. Und bei denen das Ganze dann teilweise in Hass umgeschlagen ist.

In dem Bereich der „abgelehnten Männer“ im weiteren Sinne gibt es ein breites Feld an Bewegungen. Etwa könnte man zum Teil MGTOWs hier einordnen, da viele dort eben auch ihren Platz finden, die keinen Erfolg bei Frauen haben, wenn auch andere Teile der Bewegung schlicht das Risiko zu groß finden oder sich aus anderen Gründen dagegen entschieden haben, sich auf Frauen einzulassen. Andere wären die männlichen „Absoluten Beginner“, also Männer, die gerne etwas mit Frauen hätten, aber das „erste Mal“ trotz entsprechender Bemühungen nicht erreichen.

Auch Elliot Rodger, einen anderen Amokläufer, der insbesondere Frauen bestrafen wollte, wird man da irgendwie zuordnen können, vielleicht als „Incel“, was bei ihm Überschneidungen zur „Anti-Pickup-Szene“ hatte.

Im Spiegelartikel heißt es weiter:

Von den vielen Frauenhassern, denen man online begegnen kann, zählen die Incels mit zu den schlimmsten. Das beschreibt auch die Autorin und Wissenschaftlerin Angela Nagle in ihrem Buch über Online-Subkulturen „Kill all Normies“. Der Titel ihres Buchs ist an Incel-Sprech angelehnt, „Normies“ ist eine ihrer abfälligen Bezeichnung für andere Menschen.

„Schlampen (alle Frauen) können keine Incels sein.“

Wer verstehen will, woher die Incel-Bewegung kommt, muss einige Jahre zurückgehen und tief in die Nischen des Internets blicken, etwa auf Unterforen von Reddit oder der Seite 4chan. Während das notorische Subreddit r/Incels mittlerweile von der Plattform verbannt wurde, gibt es etliche Nachahmer-Unterforen.

So wird die Amokfahrt von Toronto etwa auf /r/Braincels diskutiert, in einem Beitrag heißt es: „Schlampen (alle Frauen) können keine Incels sein.“

Natürlich wird auch dies direkt wieder an vielen Stellen in die klassischen feministischen Theorien eingeordnet, etwa die „Toxische Männlichkeit“:

Das ist eben eine sehr eindimensionale Betrachtung, denn die meisten Männern fahren keine Frauen um. Und natürlich reagieren auch Frauen auf Ablehnung. Der Kampf dagegen stehlt ein wesentliches Element für viele Feministen da.

Ich habe nichts dagegen, wenn sie die Gruppe der „Incels“ oder deren radikaleren Flügel, wenn es da auch gemäßigte gibt, angreift. Ich kann mir gut vorstellen, dass es da einige Foren etc gibt, die vor Frauenhass triefen.

Mein Gefühl sagt mir, dass sie aber als Gruppe hier eher „Männer“ ansieht.

Ich hätte kein Problem damit extreme Flügel von Männern zu verurteilen. Wenn ich sie auch keineswegs mit jemanden vergleichen möchte, der Frauen überfährt, dann habe ich beispielsweise Kritik an dem Gelben Forum geäußert.

Dennoch kann man sich natürlich davon distanzieren und darstellen, dass man ja auch ganz andere Theorien vertritt, die damit nichts zu tun haben. Leider wird da schnell  alles in einen Topf geworfen

Meiner Meinung nach ist der Hass dort schlicht aus der Frustation der Ablehnung und des eigenen Versagens geboren. Das hat wenig mit Männlichkeit zu tun, auch Frauen kennen diesen Frust sehr gut. Bei Männern mag er eher zu einem Handeln über Gewalt führen, aber Männer handeln allgemein eher direkt als Frauen. Das hat den Vorteil, dass sie sich in anderen Bereichen vielleicht eher in einen Wettbewerb stürzen und tolle Produkte erfinden oder unternehmen aufbauen und leider auch eher solche Aktionen durchführen, um sich zu beweisen.

Was aber bringt es nun, wenn man einem solchen Menschen, der sich beständig abgelehnt fühlt, den Frauen nicht wahrnehmen, egal, wie er sich angestrengt hat, vorhält, dass er toxische Männlichkeit lebt und seinen Privilegien entsagen soll? Oder wenn er ansonsten mit Theorien konfrontiert, die angeben, dass Männer alle Unterdrücken, die Bösen sind, es ihnen überall besser geht und sie davon eben lassen sollen?

Man richtet einen gefallenen Menschen nicht auf indem man ihm sagt, dass seine Gruppe schlecht ist und er ebenso. Der Feminismus hat keine positive Botschaft für Männer wie ihn.

Und meine Vermutung ist: Die gleichen Männern haben auch einen Hass auf die Männer, die besser bei Frauen ankommen. Die Coolen, die Gutaussehenden, die Alphamänner, die ebenso auf sie herabsehen. Sie sind häufig bereits eher „Beta“ und es frustriert sie gerade, dass sie damit nicht bei Frauen ankommen, während es die Alphamänner schaffen. Sie sehen sich als Underdogs, die es gerade verdient hätten, statt der anderen. Und sie werfen den Frauen vor, auf toxische Männlichkeit zu stehen und nicht auf Leute wie sie. „Seid nicht so männlich und gebt eure Privilegien ab“ muss ihnen dann wie Hohn vorkommen, wenn sie das Gefühl haben, dass die meisten Frauen sie verachten und für minderwertig oder jedenfalls nicht gut genug halten.

Weitaus eher würde jemand wie Jordan Peterson vielleicht etwas erreichen können, indem er eine Botschaft der eigenen Verbesserung bringt: Fange an, dein Leben in Ordnung zu bringen, suche die Schuld nicht bei anderen, räume dein Zimmer auf.

 

„Begeistert euch für Weicheier“ (weil das feministisch richtig ist)

Stevie Schmiedel appelliert an die Frauen, Weicheier gut zu finden, weil sie selbst merkt, dass diese nicht gut ankommen:

Dieser Text ist ein Plädoyer zur Aufwertung des Begriffs „Weichei“. Ein Traum von einer Welt von T-Shirts, auf denen „Weichei und stolz drauf“ steht, eine Ode an Männer, die mit toxischen Männlichkeitskonzepten hadern, an ihnen scheitern, aufstehen und überzeugt „Vergiss es, ich lass das einfach so“ ausrufen.

Er ist aber genau so ein Appell an Frauen, sich diese Weicheier mal genauer anzuschauen. Oder besser: Nicht so sehr den Aggregatszustand der Eier, sondern ihre eigenen Erwartungen an „sie“. Woher genau kommt ihre libidinöse Prägung, ihre Abneigung gegen jede Konsistenz, die nicht der gängigen James Bond-Härte entspricht?

Eine Traumwelt, in der sich Männer sich so verhalten, dass sie nicht als attraktiv wahrgenommen werden und Frauen beständig versuchen müssen, dass zu ignorieren, weil es ideologisch richtig wäre, andere Männer attraktiv zu finden.

Die Alternative, nämlich sich einmal damit zu beschäftigen, warum Männlichkeit eben gerade nicht als attraktiv wahrgenommen wird und warum Männlichkeit damit keineswegs nur toxisch ist, stellt man lieber nicht an.

Immerhin wird erkannt, dass die Erwartungen der Frauen und deren Auswahlverhalten dazu beiträgt:

Neulich saß ich mit einer guten Freundin beim Wein, die rumjammerte, dass sie – als Feministin – eben keinen Mann haben kann. DIE wollten ja alle, dass sie – käme ein Kind – zuhause bleibe während er Karriere mache. DIE könnten alle nicht kochen und DIE würden auch noch erwarten, dass sie die Hemden bügele, wenn sie von der Arbeit käme. Sie verkehrt eher unter Wirtschaftsleuten. Was ja nicht heißt, dass man in seiner Freizeit, auf Parship oder in nächtlichen Clubwelten nicht andere Szenen frequentieren kann. Lila Pudel sind sicher auch in der Wirtschaft anzutreffen, unter Sozialwissenschaftlern, Künstlern oder Pädagogen trifft man sie trotzdem eher. Hat man aber bestimmte Vorstellungen, was DIE verdienen sollen, damit man sich gemeinsam den Tauchurlaub auf Bali leisten kann, legt das einen Filter fest.

Das eine Rollenumkehr selten gewünschst ist, dass die meisten Frauen allenfalls einen Mann wollen, der sie unterstützt, aber eben keinen Hausmann, wird, geht da auch etwas unter.

Aber nicht nur bei Unternehmer*innen und Wirtschaftsfrauen* finden wir hehre Ansprüche an die Kerle. Auch geerdete Vorstellungen, wie er beim gemeinsamen Zelturlaub das Wolfsrudel verjagt oder sie unter den Sternen auf seinen Armen trägt macht es Männern nicht gerade einfach, sich in einer Welt voll Ansprüchen zu orientieren. Wie neulich ein guter Freund zu mir sagte: „Es fällt mir so schwer, zu sagen, dass ich etwas nicht kann oder nicht weiter weiß. Ich habe das Gefühl, Mann zu sein heißt: Immer die Übersicht haben, immer voraus zu gehen, immer alles unter Kontrolle haben. Paddeligkeit ist so unsexy!“

Für eine Feministin wahrscheinlich nicht erklärlich und kaum zu ertragen: Da mögen die einfach alle toxische Männlichkeit. Fordern sie aktiv an. Lehnen andere Männer ab.

Meiner Freundin habe ich entgegen geschmettert, dass sie doch selbst schuld sei, wenn sie auf das ewig gleiche Männerbild setzt und sich nie und nimmer einen Partner auf einem Bruttogehalt von 2.200 Euro vorstellen könnte, der dafür aber ein begeisterter Sozialarbeiter ist. Die Antwort kam prompt: Und wie bitte, sollte der sie und die Kinder dann ernähren, wenn sie arbeitslos wird? Trotz manch emanzipierter Ansichten sitzen Geschlechterrollen doch tief

Oder gar einen, der Teilzeit arbeitet und noch weniger verdient. Auch schön, dass sie es schlicht auf die Geschlechterrollen zurückführt, wenn sich dort eine klare Anspruchshaltung zeigt, nachdem der Mann einen gewissen Lebensstandard abzusichern hat.

Auch das ist etwas, was im Feminismus kaum vorkommt: Dass es bequemer und sicherer für die Frau sein kann, den besseren Lebensstandard über den Mann abzusichern und das es eben meist gerade keine Unterdrückung ist, sondern eben eher eine Anspruchshaltung, die mit feministischer Theorie nicht zu vereinbaren ist, weil man in der nur Opfer sein kann, und nicht Profiteur.

vgl. auch:3030

„Ich werde dich besser behandeln als dein jetziger Freund“

I won’t lie to you
I know he’s just not right for you
And you can tell me if I’m off
But I see it on your face
When you say that he’s the one that you want
And you’re spending all your time
In this wrong situation
And anytime you want it to stop

I know I can treat you better
Than he can
And any girl like you deserves a gentleman
Tell me why are we wasting time
On all on your wasted crime
When you should be with me instead
I know I can treat you better
Better than he can

I’ll stop time for you
The second you say you’d like me too
I just wanna give you the loving that you’re missing
Baby, just to wake up with you
Would be everything I need and this could be so different
Tell me what you want to do

Cause I know I can treat you better

Than he can
And any girl like you deserves a gentleman
Tell me why are we wasting time
On all on your wasted crime
When you should be with me instead
I know I can treat you better

Better than he can
Better than he can

Give me a sign
Take my hand, we’ll be fine
Promise I won’t let you down
Just know that you don’t
Have to do this alone
Promise I’ll never let you down

Cause I know I can treat you better
Than he can
And any girl like you deserves a gentleman
Tell me why are we wasting time
And all on your wasted crime
When you should be with me instead
I know I can treat you better…

Better than he can(oh)
Better than he can
Better than he can

 

Meist ein typisches aufs Podest stellen, welches unterschlägt, dass Teile eines „Arschlochverhaltens“ Attraction erzeugen können.

Gefühle zeigen vs Alphamann

Gerne wird Pickup entgegen gehalten, dass einzig und allein auf den harten Mann, den Alphamann abgestellt wird und Frauen doch tatsächlich aber gerade auch bei solchen Männern dahin schmelzen würden, die Gefühle zeigen.

Dabei wird dies gar nicht in dieser Ausschließlichkeit vertreten und hier gerade vorspiegelt, dass es da nur zwei Varianten gibt, den gefühlvollen oder den harten Mann. Das ist glaube ich auch das, was viele Männer verwirrt und was als Widersprüchlichkeit weiblichen Begehrens wahrgenommen wird. Sie will eben den harten Mann, der ihr gegenüber und denen, die ihm Nahe stehen aber Bindung, Vertrauen etc hat und deswegen auch Gefühle zeigen kann.

Es spricht also nichts dagegen im Pickup Gefühle zu zeigen, es muss eben nur an der richtigen Stelle und auf die richtige Art sein. Willing to emote ist ein Stichwort im Attractionbereich, bei dem es darum geht, dass die Darstellung, dass man zu gesunden Bindungen und Gefühlen in der Lage ist, attraktiv ist. Gesunde Bindungen sind dabei eben die an die eigene Familie oder an Freunde, ungesunde die, wo man needy ist und stalkt etc. Es steht dabei als eines der Merkmale, die als attraktiv wahrgenommen werden, nehmen anderen wie etwas „Anführereigenschaften“, bei Frauen begehrt oder Beschützereigenschaften.

Einen weiteren großen Anwendungsbereich haben Gefühle im Komfortbereich. Sich dort zu öffnen und Gefühle zu zeigen kann ja gerade Komfort bewirken
„Emotional Honesty“ ist ein Stichwort, bei dem es darum geht, dass sie merkt, dass man die Gefühle tatsächlich fühlt und nicht nur vorspielt, Verletzlichkeit beim Zeigen von Gefühlen ist gleichzeitig ein Costly Signal, dass Vertrauen zeigt, eine tiefe Verbindung suggeriert, ihr das Gefühl gibt, dass man bei ihr die Schranken oben lässt und das Schutzschild herunterfährt, was sie dann ebenfalls machen kann. Und es gibt ihr die Gelegenheit die passenden Gefühle selbst zu durchleben, was ebenfalls eine Verbindung schafft.

Dazu mal von einer Pickupseite zitiert:

A strong part of game is to not be afraid to expose one’s vulnerabilities. This does not mean pouring one’s heart out to the first girl that one talks with. Rather, it is being congruent with one’s humanity. For example:

HB: “You must have a lot of friends, watching you work the room like that”

PUA: “Actually, I can be a lone wolf sometimes. I enjoy time alone. It gives me clarity and time to think whenever I jog at night.”

GPUAs often make the mistake of trying to hide away all of their vulnerabilities by putting on a strong face for the girl they are interested. However, hiding one’s weaknesses actually comes across as incongruent, insecure, and dishonest.

The better strategy is to actively and confidently demonstrate one’s weaknesses. Doing so displays confidence, which is an attractive quality to women. It seems counterintuitive, but a weakness is only a weakness if the PUA sees it that way, and tries to hide it—a weakness that is confidently displayed is actually a strength.

Und hier noch eine andere interessante Stelle dazu:

For instance, making yourself vulnerable doesn’t just mean being willing to share your fears or insecurities. It can mean putting yourself in a position where you can be rejected, saying a joke that may not be funny, asserting an opinion that may offend others, joining a table of people you don’t know, telling a woman that you like her and want to date her. All of these things require you to stick your neck out on the line emotionally in some way. You’re making yourself vulnerable when you do them.

In this way, vulnerability represents a form of power, a deep and subtle form of power. A man who’s able to make himself vulnerable is saying to the world, “I don’t care what you think of me; this is who I am, and I refuse to be anyone else.” He’s saying he’s not needy and that he’s high status.

Most people think of a man who’s vulnerable as a man who cowers in the corner and begs others to accept him or not hurt him. This is not vulnerability, this is weakness and neediness.

Think of it this way, there are two men. One stands tall, looks straight ahead. Looks people in the eye when he speaks to them. Says what he thinks and is unconcerned with what others think of him. When he makes a mistake, he shrugs it off and maybe apologizes. When he sucks at something, he admits it. He’s unafraid to express his emotions, even if that means he gets rejected. He has no problem moving on to people who don’t reject him, but like him for who he is.

Das ist eine Darstellung, wie Gefühle zeigen und eine gewisse Stärke zusammenspielen können. In dem Moment, wo es authentische Gefühle sind, die zu dem gehören, was man ist, die für einen stehen, können sie mit Stärke durchaus kombinierbar sein. Sie können einen dann sogar stärker wirken lassen, weil man weniger von der Reaktion anderer abhängig ist.

Weil einen Mann bestimmte Gefühle schwach wirken lassen können, kann es eben auch ein Costly Signal sein, diese darzustellen. Um so mehr man sie mit ansonsten bestehender „Männlichkeit“ ausgleicht um so eher ist die unproblematisch und kann eine tiefer gehende Verbindung schaffen. Das gilt um so mehr, wenn es die „richtigen“ Gefühle sind, also solche, die eben nicht zB Neediness ausdrücken.

„Status macht attraktiv“ vs „Anerkennung durch Sex“

Bei den Störenfriedas ist ein interessanter Artikel erschienen:

Ich habe jahrelange eigene, internationale Berufserfahrung, in einem Bereich in dem Frauen sehr selten verantwortliche Positionen einnehmen und dessen Attitude man leicht mit dem altbekannten “Sex, Drugs & Rock n Roll” zusammenfassen könnte. (…)

In diesem Bereich sind Männer qua Status interessant für Frauen, egal ob sie attraktiv sind oder sich pflegen. Ich habe erlebt, dass Frauen diese Männer als uninteressant bewerteten und erst nachdem sie des Status gewahr wurden ihre Meinung änderten. Viele werden jetzt bestimmt denken: “Ich habs doch schon immer gesagt, Frauen sind alle käuflich”. Ich will an der Stelle betonen, dass Geld hier tatsächlich überhaupt keine Rolle spielt: Nicht mit jedem Status ist Reichtum verbunden.

Das klingt nach einem Absatz, dem ich vollkommen zustimmen kann. Gerade wenn es um den Musikbereich geht, ist Status auch abseits des Geldes sehr interessant, es geht inbesondere darum, dass man denjenigen kennt und das er bewundert wird.

Ich muss zur Ehrenrettung der Männer sagen, dass nicht alle ihre Möglichkeiten schamlos ausnutzen. Sehr viele sind nicht interessiert die auch häufig vorkommende Abwesenheit von zu Hause für beispielsweise Seitensprünge oder den “schnellen und unkomplizierten Sex” zu nutzen. Aber bei denjenigen die es tun ist eines mir immer wieder aufgefallen: Die zu 90% vorhandene Respektlosigkeit den Frauen gegenüber mit denen sie in die Kiste gehüpft sind. Wie heißt es immer so schön “Der Gentleman schweigt und genießt”? Forget it! Diese Gentlemänner muss man suchen wie die Nadel im Heuhaufen. Gegenüber den Frauen geben sie sich respektvoll und supernett. Es kommt nicht selten vor, dass auf einer sehr liebevollen Ebene Kontakte weitergepflegt werden bis zu einem Wiedersehen, an dem Mann die Bettgeschichte wiederholen kann. “Warm halten” heißt das wohl. Hinter dem Rücken der Frauen wird jedoch abfällig über sie geredet und sie wird niemals die Chance haben wieder auf eine Augenhöhe mit diesem Mann zu kommen, von ihm respektiert oder als gleichwertiger Mensch anerkannt zu werden. Sie bekommt einen Stempel “kann gut blasen” oder “für alles offen” und darauf wird sie reduziert. Interesse an der Persönlichkeit besteht nicht.

Warum sollte auch Interesse an der Persönlichkeit bestehen, wenn man mit ihr nur Sex haben möchte? Da ist sie wieder, diese Form des „weiblichen Entitlements„: Ich schlafe mit ihm, also muss er ein Interesse über Sex hinaus an mir haben. Immerhin haben die Frauen ja insoweit auch das sexuelle Interesse an den Männern und diese nehmen nur mit.

Bei der Gruppe derjenigen, die ihren Status nicht ausnutzen, kann man nochmal unterscheiden zwischen jenen, die sich nur über die “dummen Küken” offen lustig machen und jenen die sowohl von ihren Kollegen als auch den Frauen mit denen sie verkehren belustigt sind. Letztere sind meines Erfahrung diejenigen die keinen Unterschied in der Bewertung der jeweils Beteiligten machen und die am ehesten Frauen generell mehr Respekt entgegen bringen. Sie schreiben eine Frau auch nicht grundsätzlich ab, sondern können unter Umständen ein Interesse auf einer anderen Ebene entwickeln.

Das sind dann anscheinend die besseren Menschen.

Was ich sagen will: Aus meiner Erfahrung meinen viele der Frauen, von denen ich einige auch auf einer sehr freundschaftlichen Ebene näher kennen gelernt habe und ihnen schon seit vielen Jahren immer wieder begegne, aus ihrer offenen Sexualität Anerkennung zu ziehen. Das tun sie jedoch nicht. Sie werden von den Männern ausschließlich (!) auf ihre Verfügbarkeit als Sexpartnerin reduziert.

Schlimm, wenn man in der Fuckzone landet. Aber die Folge davon, wenn man meint, dass man bei einem Überangebot an Anbietern bei dem „Käufer“ den Preis diktieren kann. Das ist sicherlich in der Hinsicht ungewohnt für Frauen. Aber eben eine Frage, mit welchen Männern sie sich einlassen.

Die Schlußfolgerung der Autorinnen:

Für mich steht aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen jedenfalls fest: Der Versuch als Frau durch Sex Anerkennung von einem Mann zu erlangen ist zum Scheitern verurteilt. Mir ist wichtig zu betonen, dass es mir nicht darum geht irgendwen zu verurteilen, sondern nur aufzuzeigen welche gesellschaftlichen Mechanismen ich wahrnehme. Mein Umgang damit muss auch keinesfalls für jede der Richtige sein. Er ist nur einer von vielen Versuchen im Patriarchat möglichst schadlos zu überleben…

 

Anerkennung erhält man sicherlich nicht durch Sex. Warum auch? Man kann es sicherlich in einem günstigeren Markt oder bei geschickteren Einsatz durchaus für Vorteile verwerten, aber eben nicht, wenn man nur eine von vielen und eine Nummer ist. Daraus Rückschlüsse auf die allgemeine Möglichkeit, Sex in Vorteile zu verwandeln zu ziehen, ist aber sicherlich nicht ohne weiteres möglich. Männer sind durchaus bereit einiges für Sex aber vielleicht noch mehr für die Liebe, Zuneigung und die Anerkennung einer für sie sexuelle attraktiven Frau zu machen, müssen dabei aber eben diese Frau auch als etwas besonderes ansehen. Viele Frauen können Sex durchaus für Machtspiele einsetzen. Aber eben nicht so plump, dass sie einfach mit jemanden Sex haben, der eh genug andere Frauen hat.