#ichwars

Endlich gestehen Männer ihre schändlichen Taten:

„Ich denke, dass jede intelligente Frau Männer hassen sollte“

Suzanne Moore muss sich leider im New Statesman mit ihrem Männerhass zurückhalten. (via Genderama) Heraus kommt dabei dieser Text:

Men. You can’t live with them. You can’t shoot them. Well, you can, but this is the New Statesman. And modern feminism spends most of its life not just bending over backwards, but in the doggy position, saying how much it likes men. “I’m a feminist but . . . I love men.” Obviously I’m being a bit binary here, and when I write “men”, I mean women, blokes, anyone fluid enough basically to be in charge.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie radikale Feministinnen das Nichthassen von Männern bereits als Anbiederung an Männer sehen. Und damit dann auch noch in großen Zeitschriften Texte veröffentlichen können ohne das es den Leuten peinlich ist. Das ist so als würde man Texte aus dem Gelben Forum in eine große Tageszeitung einstellen und alle würden es irgendwie okay finden das zu machen. Ich finde das immer noch erstaunlich

I once adhered to this. I didn’t want to put anyone off. I used to call feminism “sexual politics”, because that sounded way more sexy. Hey, I’m no man-hater – on the contrary. Look at me. Men? Can’t get enough of them, the poor, damaged critters. It’s not their fault. They’re as screwed up by the patriarchy as ordinary women, probably even more so.

Sie scheint mir der RadFem-Ecke zuzugehören, die den intersektionalen Feminismus ablehnt, weil er nicht deutlich genug macht, dass Männer insgesamt der Feind sind. Weil er Männlichkeit und nicht Männer an sich für alles verantwortlich macht und Männern insofern die Möglichkeit gibt, sich zu exkulpieren.

All the special boys. What about the ones who were abused at public school and now run everything but can’t express their emotions properly? All the man victims, trapped by masculinity. Who could hate them? Their oppression is structural. You can’t hate them individually, can you?

„Die Unterdrückung der Männer folgt aus der Struktur“ klingt so als könnten Männer im intersektionalen Feminismus Opfer sein. Aber dabei wird unterschlagen, dass sie, um einer Schuld zu entkommen, erst einmal ihre Schuld in Form ihrer Verantwortung für die Unterdrückung auch ihrer selbst als Männer akzeptieren müssen. Sie müssen ihre Privilegien hinterfragen und letztendlich Männlichkeit bekämpfen

You know what? I can. Please don’t confuse that with bitterness. I am in touch with my emotions enough to know the difference between personal hurt and class hatred. As a class, I hate men. I’ve changed my mind. I am no longer reasonable.

Der Hinweis, dass man einen bestimmten Unterschied kennt und er deswegen auf einen selbst nicht zutreffen kann, wird gerne zur eigenen Entlastung verwendet, ist aber häufig falsch. Ob es bei ihr tatsächlich Verbitterung ist oder einfach das Gefallen daran, Verantwortung für bestimmte Umstände oder eigenes Scheitern auf eine andere Gruppe von Menschen als Sündenböcke zu verlagern

I want to see this class broken. There can’t be even basic equality for women without taking away the power of men – and by that I don’t mean feeling sorry for them because they have no friends or suggesting that they have small genitals. I mean the removal of their power.

„Den Männern ihre Macht wegnehmen“ ist ein altes Thema im Feminismus. Dabei ist es eigentlich recht einfach in einer Demokratie mit mehr weiblichen Wählern. Wahlweise muss man eben Familie und Freizeit eintauschen gegen Überstunden und die Partnerwahl von dem gutverdienenden Statusmann auf den Kindergärtner umstellen. Oder Beziehungen aufgeben und nur noch mit hübschen Männern schlafen ohne wirkliche Bindung, nach der Art der Bonobos. Männer hätten plötzlich zu viel damit zu tun ins Fitnessstudio zu laufen statt Karriere zu machen.

When I used to give men the benefit of the doubt, that doubt was suffused with my desire for sex, babies, the whole shebang. It wasn’t difficult to get any of this, although the way in which women are encouraged to do so is stultifying.

Dazu vielleicht kurz etwas aus ihrem Leben aus einem anderen Artikel:

Moore had her first child, Scarlet, when she was at university in her mid-20s; she had Bliss in her early 30s; 10 years later, she had another daughter, Angel. She has been a single mother pretty much throughout. Given her experience of having a child in three separate decades, she says she „probably“ agrees with Hilary Mantel’s recent comments that women might sometimes benefit from having children when they’re young. „When I had Scarlet, I had no money but a lot of energy, and as you get older, you have – well, luckily for me – more money, but less energy. I’ve known so many people who have left it, and left it, and then had problems. You just want everyone to be aware of the choices they have to make.“

She has always had a feminist outlook, she says, formed partly as a result of seeing her mother, who was „in lots of ways really strong, but trapped by her relationships with men. Financially dependent. I think I decided very young that I would never be financially dependent on a guy.“ It is a decision she has stuck to. But Moore didn’t always call herself a feminist; at first she was „loth to identify with it, because while I thought that, as a woman, I could do whatever I liked, I also thought, ‚Yeah, but I do like lipstick.'“ After realising the two interests were compatible, she became one of the most popular feminist writers in the country.

Sie scheint also Männer für Sex gefunden zu haben, auch welche, mit denen sie Kinder hatte, aber keine, die geblieben sind. Dazu noch eine etwas vorbelastete Familiengeschichte als abschreckendes Beispiel.

Marriage, monogamy – a prison where you build your own walls. Familiarity breeds contempt, but this is the aftermath of romance. If you want to fetishise proximity, domesticity, and storage solutions from Ikea, why not go all the way and be a lesbian? If you want to service someone, have a baby. And if you want to rescue someone, get a dog.

Sure, there can be equitable relationships between men and women, in which one turns into the other’s carer. This is the ­optimal compromise, the prospectus that no one really gets until it’s too late.

Warum eine lesbische Beziehung so viel anders sein soll legt sie nicht da. Und warum Beziehungen mit Männern gerade die Frau unterdrücken auch nicht wirklich. Aber es folgt wahrscheinlich schlicht daraus, dass Männer einfach die Macht haben.

Having tried to live with various mishaps, I realise that this is not for me and it never will be. But then, nor will the kind of reasonable feminism in which we make allowances for men. Because they are men. I have had it all my life: pro-choice marches in which men insist that they walk at the front. A left-wing party that cannot deal with a female leader. The continuing pushing back of women’s rights.

If you are interested in the liberation of women, you’ll find that the biggest barrier to this is men: men as a class. I used to think, “I don’t hate all men.” I had therapy and everything. Now, I think that any intelligent woman hates men. There are very few problems in the world that don’t have, at the root of them, male violence and woman-hating.

Wenn man alles nur so auslegt, dass es Frauenhass ist, statt etwa biologische Unterschiede oder intrasexuelle Konkurrenz unter Frauen, dann mag das so erscheinen.

The more I hate men (#YesAllMen), the more I don’t mind individual ones, actually, as it is clear that some can be entertaining for a while. Before you even bother whingeing that my hatred of the taskmasters of patriarchy is somehow equivalent to systematic misogyny, to the ongoing killing, rape and torture and erasure of women, know this: I once made exceptions. I was wrong.

„Bevor du rumheulst, dass meine Hass für die Projektleiter des Patriarchats irgendwie das Gegenstück zu systematischen Frauenhass, zu dem andauernden töten, vergewaltigen und Auslöschen von Frauen ist, wisse dies: Ich habe Ausnahmen gemacht. Das war falsch von Mir“

Und das ist eine der beliebtesten Feministinnen Großbritaniens, die in vielen großen Zeitschriften veröffentlicht und auf Twitter immerhin 57.000 Follower hat. Ich glaube es ist kein männliches Gegenstück dazu zu finden, der entsprechenden Hass verbreiten dürfte.

„Erobert die Straße zurück“ #takebackthestreets

Ein klassisches Beispiel einer moralischen Panik war der Hashtag „takebackthestreets“ auf Twitter, mit dem dafür geworben wurde, dass Frauen sich die Straßen zurückerobern sollten. Dort wird der Eindruck erweckt, dass Frauen sich nicht mehr auf die Straßen trauen würden, weil dort eben die Gefahr für sie zu hoch ist belästigt zu werden bzw. Opfer sexueller Gewalt zu werden.

Es ist meiner Meinung nach schon deswegen gut als „Moralische Panik“ zu erkennen, weil massig Frauen zu beliebigen Tagen unterwegs sind und anscheinend keine Probleme damit haben. Natürlich gibt es Vorfälle sexueller Gewalt und sicherlich auch blöde Anmachen oder Sprüche und sicherlich wird vielen Frauen im dunklen auch mal mulmig sein oder sie werden Angst haben, aber das alleine ist erst einmal nur ein relatives Gefühl, dass durchaus auch Männer kennen und das eben häufig schlicht unbegründet ist. Meist will der hinter einem hergehende Mann auch schlicht nach Hause oder irgendwo hin.

Hier einfach mal ein paar der Tweets:

https://twitter.com/gnusberflogge/status/640162092331466752

https://twitter.com/Wildfang_vs/status/640152608280342528

https://twitter.com/fill_thevoid/status/640586372030562304

 

Und der „Backlash“:

https://twitter.com/froschmann1968/status/640565672053968896

https://twitter.com/derXilef/status/640582986266734593

Ich hatte mir noch erlaubt hier einmal auf einen Widerspruch zu anderen feministischen Thesen hinzuweisen:

 

Selbst Bilder von Anti-Vergewaltigungskampagnen oder Berichten sind eigentlich Rape Culture

Bei der Mädchenmannschaft stellt Steinmädchen, von der ich auch hier schon mal einen Artikel besprochen hatte, klar, dass auch die Berichte über Vergewaltigungen selbst auf perfide Art Sexismus und selbst Rape Culture sind:

Doch eine Auseinandersetzung mit dem Strafrecht reicht nicht, solange unsere gesellschaftlichen Bilder über Vergewaltigung Männerfantasien entspringen. Männerfantasien haben in unserer Gesellschaft die seltsame Eigenschaft, zu Objektivität zu werden. Immer wieder wird diese mit allen Mitteln hergestellt, Realität geschaffen. Nicht nur Sprache schafft Wirklichkeit, sondern auch Bilder.

Dabei geht es jetzt nicht im irgendwelche Vergewaltigungsszenen in Filmen oder Gewalt in Pornos, sondern um Bilder und Berichte bzw. um Kampagnen gegen Vergewaltigungen, also zB um Bilder wie diese:

Vergewaltigung in dunkler Gasse

Vergewaltigung in dunkler Gasse

Vergewaltigung im dunklen Park

Vergewaltigung im dunklen Park

Hier wird kritisiert, dass diese Bilder ja Vergewaltigungsmythen bedienen, denn Frauen werden eben seltener im Park vergewaltigt oder in dunklen Gassen, sondern eher zuhause. Nach dieser Auffassung müssten entprechende Kampagnen demnach andere Bilder zeigen:

Sonst würden auf den Bildern auch nicht Parkbänke und Schummerlicht im Dunkeln zu sehen sein, sondern Wohnungstüren.

Geschlossene Räume müssten auf den Bildern sein und der liebende Boyfriend. Aber unsere Gesellschaft lehrt uns immer wieder: Nur das Fremde ist gefährlich. Andere Bilder würden sich nicht so gut verkaufen, sie würden zu tief reingreifen in unsere patriarchale und rassistische Gesellschaftsstruktur. Es ist Teil einer Männerfantasie, wie unsere Gesellschaft aufgebaut ist, Teil einer Fantasie, in der im nur der Andere ein Täter sein kann, in der sexualisierte Gewalt ihre eigene Frauen, ihren Besitz angreift. Das kann natürlich nur im Außen passieren.

Wer also bei einer Anti-Vergewaltigungskampagne nicht den liebenden Freund darstellt, der bedient Männerfantasien und schützt die Vergewaltigungskultur. Das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen. Bei Vergewaltigungskampagnen muss man sich die heimische Wohnung und den liebenden Freund vorstellen, sonst ist man quasi Teil des Patriarchats oder arbeitet diesem zu.

Das viele Frauen selbst diese Fantasien einfach nicht haben wollen und das keineswegs aus patriarchalen Gründen, sondern weil es eine Sicht ist, die man einfach nicht gerne hat, das ist im Feminismus dieser Art schwer vermittelbar. Dort gilt eben, dass die Rape Culture so schonungslos wie möglich bekämpft werden muss und da darf man vor solchen Gedanken eben nicht zurückschrecken.

Auch die Frau, die dargestellt wird, entspricht nicht feministischen Anforderungen:

Eine Frau, die vergewaltigt wird, ist immer sehr feminin dargestellt. Sie entspricht den gesellschaftlichen, heteronormativen Vorstellungen von Weiblichkeit. Sie ist jung und schlank, hat keine sichtbaren körperlichen Einschränkungen, meist lange Haare und ist niemals androgyn, burschikos, gar trans – nichts an ihr stellt Weiblichkeitskonzepte in Frage. Das sind in diesen Bildern Frauen, bei denen sich vorgestellt werden kann, dass sie vergewaltigt werden. Hässlichkeit und Abweichung von Geschlechtsvorstellungen wirkt in diesen Bildern letztendlich als Gegenbild – geschützt vor Vergewaltigung und sexualisierter Gewalt durch Abnormitäten. Dass dies mit der Realität nichts zu tun hat, hindert nicht daran, diese Bilder immer wieder zu verbreiten. Denn sie sind Teil einer Männerfantasie, in der Vergewaltigung immer etwas Erotisches hat und das würde gestört werden, wenn deutlich werden würde, wer alles vergewaltigt wird.

In dieser Weltsicht ist das Schutz des Egos. Ich vermute, dass es der klassische Weg ist, der auch ansonsten in der Werbung eingeschlagen wird: Wer für ein Opfer werben will, der muss eine Identifikationsfläche bieten und den Wunsch zu beschützen hervorrufen. Und der entsteht eben bei schönen Menschen eher und mit schönen Menschen können wir uns auch eher identifizieren. Das kann man unter allgemeinen Schönheitszwang einordnen, also letztendlich unter Patriarchat, ich würde eher vermuten, dass es klassische Biologie ist: Leuten mit hohem Partnerwert will man eben eher helfen, man will lieber etwas schönes retten, findet es schlimmer, wenn etwas schönes angegriffen wird.

In Steinmädchens Sicht muss es natürlich eine Form der Erotik sein. Was schon eine sehr bizarre Sicht ist, was genau würde gestört werden, wenn auf so einem Plakat eine hässliche Frau abgebildet ist? Steinmädchen scheint die Männer masturbierend vor den Fotos von Anti-Vergewaltigungskampagnen sitzen zu sehen. Oder sie scheint die Ersteller dieser Kampagnen als Männer zu sehen, die sabbernd vor dem Foto sitzen und sagen „mach die mal hübscher, das hässliche Ding vergewaltigt doch keiner“. Was sollten Männer damit eigentlich erreichen wollen? Wenn Vergewaltigungskultur den Postern nach nur hässliche Frauen treffen würde, dann hätte wir sie aus meiner Sicht weitaus eher verharmlost („es trifft ja eh nur die hässlichen, die keinen Mann abbekommen, der sie beschützt, nimm also besser ab und mach Sport“).  Oder es würde zu Witzen einladen wie „eine hässliche wie die bekommt auch anders keinen Mann ab“. Es sind die hübschen Frauen, die Männer schützen und begehren wollen.

Auch die Haltung vergewaltigter Frauen ist nach diesen Bildern immer eindeutig: Zusammengekauert, mit den Armen die Beine umschlungen. (Habt ihr das mal probiert? Es ist keine so einfache Position! Ich schwöre, mit ein paar Fettfalten dazwischen funktioniert das zusammenkauern einfach nicht mehr.) Immer wieder werden diese Bilder reproduziert.

Das Gesicht der Frauen bleibt fast immer unsichtbar, ihre Augen sind bedeckt von Händen – oder der ganze Kopf ist gebeugt. Oft sind es eben auch die Bilder wie oben, der Blick des Mannes und Täters wird zur Blickrichtung auf die Frauen, die Bilder zeigen Männerfantasien. In den Bildern wir eins immer und immer wieder klar: Die Frau ist in sich passiv.

Was sind wir Männer doch für durchtriebene Schurken. Da machen wir mit den Postern zum einen noch Fat Shaming und stellen solche Frauen auch noch leidend und hilflos dar. Natürlich: Wir wollen ja damit auch nicht etwa Mitleid oder Schutzinstinkte ansprechen und über die Gesichtslosigkeit darstellen, dass es jede Frau treffen kann und über die Passivität auch nicht, dass sie Hilfe braucht, sondern wir wollen einfach nur deutlich machen, dass man sich als Frau nicht gegen Vergewaltigungen wehren kann und besser passiv bleiben soll:

Wenn das Wehren erfolgreich ist, wird dies in der Zeitung nicht so kommuniziert. Die Frau bleibt Opfer. Es ist, als könnte sie nichts anderes sein. Selbst wenn ein Täter in die Flucht geschlagen wird, er bleibt das Subjekt, sie flieht. Er bleibt immer Subjekt, sie Objekt. Es wäre leicht zu schreiben: Frau schlägt Vergewaltiger in die Flucht. Aber das ist nicht der Text, nicht das Bild. Ihr passiert, er tut. Manchmal kommt die Tat in den Fokus. Niemals ist es ihr Blick, der zählt.

Ich würde wirklich gerne mal ein von Steinmädchen entworfenes Bild sehen. Auf den ersten Blick würde man folgendes Motiv versuchen: Eine nicht hübsche, vermutlich schwarze queere Frau schlägt ihren Freund bei einer versuchten Vergewaltigung in die Flucht, sie als Mittelpunkt des Bildes, er fliehend. Würde ich gerne die feministische Reaktion drauf wehren: Sie muss sich also wehren, sind dann Frauen schuld die das nicht schaffen? Werden etwa nur hässliche Frauen vergewaltigt? Warum guckt sie so selbstbewußt, wenn sie eigentlich gerade von ihrem Freund traumatisiert wurde? Soll das leiden von Frauen herabgesetzt werden? Natürlich kann es gar kein richtiges Bild geben. Es ist klassischer „Nicht gut genug Feminismus

Es ist kein Wunder, dass in unserer Gesellschaft Vergewaltigung nicht verurteilt wird, wenn das die Bilder sind, die davon gepredigt werden, immer und immer wieder. Man kann noch so oft rufen: Vergewaltigern auf’s Maul, denn es gibt doch keine Täter. Vergewaltiger können dank dieser Bilder sagen: Das bin nicht ich, ich habe nicht in einer Unterführung gestanden und bin brutal über ein Frau hergefallen. Das war halt eine Freundin, die es eigentlich ja auch wollte.

Die Antivergewaltigungskampagnen sind schuld an den Freisprüchen von Vergewaltigern. Habe ich das gerade richtig im ersten Satz gelesen? Und die übrigen Sätze scheinen davon auszugehen, dass Vergewaltiger (ich vermute sie setzt hier eigentlich „Männer“ ein) Berichte über andere Taten lesen und sich denken „Vergewaltigung ist eine dunkle Gasse und eine kauernde Frau, da kann ich ja jetzt mal meine Freundin zum Sex zwingen, das ist ja nicht so schlimm, da sie gerade nicht kauert und wir auch nicht in einer dunklen Gasse leben“. Scheint mir eine geradezu bizarre Vorstellung zu sein.

Dank dieser Bilder können Betroffene sich keinen Glauben schenken. Es war ja nicht wie auf den Bildern. Also kann es nicht echt gewesen sein.

Steinmädchen hat die Lösung: Einfach keine Bilder mehr in Zeitungen und Antivergewaltigungskampagnen. Schon würden alle den Betroffenen glauben. Die Bilder hingegen scheinen in ihrer Vorstellung noch nicht einmal nur eine Mitschuld zu haben, sondern sie sind der Anlass. Das an sich ist schon eine sagenhafte Übertreibung, aber durchaus typisch für einen so radikalen Feminismus: Jede Kleinigkeit kann aufgebläht werden, bis sie gleich dem Patriarchat ist.

Denn wahrhaft glaubhaft kann eine Vergewaltigung nur sein, wenn alle Mythen erfüllt werden, der Täter in rassistische Schemata passt, massive Verletzungen vorliegen – und am besten tödlich geendet hat

Oben war ich noch gar  nicht darauf eingegangen: Wo nimmt sie eigentlich das rassistische Schema her? Gibt es irgendwo auch nur eine Kampagne gegen Vergewaltigung, die andeutet, dass der Täter Ausländer ist? Es würde sich meiner Meinung nach keine Kampagne trauen.

Denn wenn es im eigenen Zimmer war, wenn sich nicht „genug gewehrt“ ™ wurde, dann muss sie es ja doch gewollt haben. Der Tod bietet die Gewissheit, dass sie es wirklich nicht gewollt hat. Vorher bleiben immer diese Zweifel, ob die Frau es nicht doch gewollt hat, die Tat herbeigeführt, provoziert hat. Eine seltsame Vorstellung, kombiniert mit der Vorstellung der absoluten Passivität gibt es hier eine Männeropferfantasie, die Hure, das Monster, die alle Männer ihrer Kontrolle beraubt.

Da der gesamte Diskurs mehr von Männerfantasien geprägt ist als von Realitäten, ist es kein Wunder, dass Vergewaltigung nicht verurteilt wird. Diese Bilder, die täglich in Berichten zu sehen sind, halten diese Mythen aufrecht, sie sind Teil der Fantasien.

Schon interessant, wie viel hier aus Bildern hergeleitet wird. In ihrem Artikel betont sie die Männerphantasie der Vergewaltigung. Das diese Bilder der Idee nach gegen Vergewaltigungen gerichtet sind, Mitleid und Sympathie gegenüber der Frau erzeugen sollen, dass hat in ihrem Weltbild keinen Platz.

In den Kommentaren in ihrem Blog schreibt sie immerhin:

Eine Männerfantasie ist es deshalb, weil es einen patriarchalen Blick auf Sexualität und Gewalt widerspiegelt. Diese Fantasie wird jedoch nicht nur von Männern geteilt, sondern zieht sich durch Geschlechter durch. Wirkmächtige Fantasien nisten sich in unseren Köpfen ein und sind schwer zu bekämpfen.
Deshalb benenne ich sie als Männerfantasie, nicht weil ich denke, dass alle Männer zwangsläufig diese Fantasien haben und Frauen und Transpersonen nicht, sondern ich benne sie so, um die strukturelle Herkunft dieses Blickes greifbarer zu machen.

Also auch Frauen scheinen darauf wert zu legen, dass Frauen eigentlich bei der Vergewaltigung irgendwie doch selbst schuld sind und scheinen zu denken, dass hässliche Frauen nicht vergewaltigt werden. „Strukturelle Herkunft“ ist dabei eine typische feministische Aussage: Irgendwie haben Männer und Frauen diese Gedanken, weil die Gesellschaft sie eben allen einpflanzt (und Frauen zu blöd sind um zu merken, dass sie in einer Vergewaltigungskultur leben und diese damit unterstützen), aber die Männer oder jedenfalls die hegemonialen Männer sind ja die eigentlichen Strippenzieher, die an allem Schuld sind.

Männermenschen bleiben letztendlich doch die Schlimmsten.

 

„Ich werde über meinen besten Freund nie sagen, dass er kein Vergewaltiger sein kann“

Joshua, ein männlicher „feministischer Ally“, macht in einem Text deutlich, was es bedeutet, sich als Mann ganz der Rape Culture Theory zu verschreiben: Es bedeutet, dass man zu allererst davon ausgehen muss, dass auch jeder der eigenen Freunde ein Vergewaltiger sein kann und man daher niemals als deren Verteidiger auftreten darf:

Er beschreibt seinen Freund so:

My best friend, Richie (not his real name), is one of the sweetest guys you’ll ever meet. He’s kind, caring, and as insistent upon consent as anyone I know. I would drop everything to help him at a moment’s notice and I’ve never known him to be anything but entirely honest. To my knowledge, Richie has never been accused of sexual assault. Were he to be accused, I would be shocked and I would find it very difficult to believe.

Also eine Seele von Mensch und er würde es schwer finden, es zu glauben, dass er ein Vergewaltiger wäre.

Aber das wäre natürlich keine feministische Position, daher folgt:

None of that matters. Richie most certainly is capable of rape. All my other friends are capable of rape. All your friends, fathers, brothers, are capable of rape. I’m capable of rape. I feel like my knowledge of consent is strong and I’m insistent on an emphatic yes rather than „not no,“ but from an objective viewpoint no man that is physically capable of rape should be considered incapable of it.

In einer Rape Culture ist jeder in der Lage zu vergewaltigen. Und natürlich sind die meisten einigermaßen gesunden Männer rein körperlich in der Lage zu vergewaltigen. Ich hatte selbst einmal geschrieben, dass es wohl niemand völlig ausschließen kann, dass er eine solche Tat unter extremen Umständen vielleicht begehen könnte.

Dennoch kann man der Meinung sein, dass eine solche Tat sehr unwahrscheinlich ist und einen Freund, dem man so etwas nicht zutraut verteidigen. ich halte das sogar wenn die Umstände entsprechend sind, für eine sehr nachvollziehbare Haltung: Natürlich verteidige ich erst einmal einen Freund, dem ich eine solche Tat nicht zutraue. Und das natürlich auch um so eher, um so mehr ich die Tat für mich mit seinem Charakter nicht in Einklang bringen kann und um so eher sie davon abweicht. Das wäre natürlich gerade bei schweren Taten der Fall, denn wenn ich ihm einen Mord oder eine Vergewaltigung zutrauen würde, dann wäre ich wahrscheinlich nicht mit ihm befreundet.

But every rapist has their defenders. It’s quite common that the defenders of the rapist vastly outnumber the defenders of the survivor, whether they actively discredit and attack the survivor or just choose „not to get involved.“ Rape survivors are forced to encounter their rapists over and over, in class, at work, at parties. Rapists are often popular, or „nice,“ or „mean well,“ and people „don’t want to take sides,“ content with ignoring the fact that refusing to disassociate with someone you have been told is a rapist is to very clearly choose a side.

Not only is it completely inaccurate to state that you know someone not to be a rapist, it’s damaging to the survivor of not only the rape in question, but to rape victims everywhere. The idea that anyone can just know that a person is not a rapist is preposterous, but completely ingrained in our collective mindset that no one bats an eye when the claim is made, either on the news or face-to-face with a person that is literally, at that moment, saying that she’s been raped. It reinforces the dangerous idea that rapists are other people, criminals, not our friends and family and neighbors.

Da spielt natürlich die Deutungshoheit mit herein: Wer eine Vergewaltigung nicht glaubt schneidet diese dem Opfer ab. Auf eine Prüfung des Einzelfalls kommt es nicht an. Jedes Nichtglauben ist bereits falsch. Es stärkt Vergewaltigungsmythen etc.

So rapists are allowed to continue on with their lives, spending time with their friends, confident in the knowledge that we live in a culture that’s begging to believe them and they’re surrounded by people that will attest to their incapability to commit such a reprehensible act. Meanwhile, survivors are shunned, ostracized and told that they’re wrong, that what happened to them was „a mistake,“ that the person that raped them may have been an asshole, but let’s not overreact and call this something it’s not. The price for a rape survivor to maintain friendships and resume something resembling a normal life is too often to ignore and excuse and rationalize something that should never be ignored, excused or rationalized by anyone, much less the person who has been violated.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es für eine vergewaltigte Person schlimm sein muss, wenn die Tat totgeschwiegen wird und sie sich entscheiden muss, ob sie es ignoriert oder den Freundeskreis wechselt. Genauso schlimm ist es sicherlich aber auch für jemanden, der zu unrecht einer Vergewaltigung beschuldigt wird und nun das Misstrauen aller erleben muss, die ihn zu Unrecht für einen Vergewaltiger halten, zusammen mit der Furcht vor einer erheblichen Strafe und in Amerika einem Eintrag als Sexualverbrecher, die ihn den Rest seines Lebens begleitet (in Deutschland macht es sich auch nicht gut im Führungszeugnis).

I don’t think Richie has ever raped anyone. I like to think he’s not going to rape anyone. I certainly hope he never rapes anyone. But I don’t know he’s not a rapist. I’ll never know he’s not a rapist. And sorry buddy, but I’ll never tell anyone that you can’t be a rapist.

Der Loyalitätskonflikt wird hier also zugunsten der Definitonsmacht entschieden. Etwas anderes wäre letztendlich für einen Ally auch nicht möglich. Das Thema ist zu heikel für alles andere als ein Glaubensbekenntnis. Es läßt noch nicht einmal die Äußerung des Zweifels zu, dass der Vorwurf unberechtigt sein könnte.

„Ein Weltgastrecht für Frauen“

Die Emma schreibt:

Krieg ist nach wie vor Männersache, auch das macht ihn gespenstisch. Trotz Frauen im Soldatenberuf: In der Eskalation fallen die Geschlechterrollen wieder brutal auseinander. Schon lange sterben in Kriegen prozentual mehr Zivilpersonen als Militärs. Systematische Vergewaltigungen sind ein Instrument auch der Kriegführung des 21. Jahrhunderts. Und das Leben danach mit den Ex-Kämpfern, die das Vergewaltigen und Morden professionell betrieben haben? Frauensache. Das Grauen geht auch nach Kriegsende im Kleinen weiter.

Ein hübsch einseitiges Bild. Frauen, die einen Krieg unterstützen, den Gegner hassen, die Männer, die nicht kämpfen wollen, als Feiglinge ansehen, kommen darin nicht vor. Und anscheinend auch keine Männer, die von einer Seite angegriffen werden, die in einen Krieg hineingezogen werden, die zwangsverpflichtet werden und gegenüber den Frauen den Nachteil haben, erschossen zu werden, wenn sie sich weigern. Sicherlich ist Gewalt innerhalb männlicher intrasexueller Konkurrenz eher ein Mittel gewesen. Das bedeutet aber nicht, dass Männer per se dafür verantwortlich sind und Frauen daran keinen Anteil haben. Auch intersexuelle Selektion der Frauen auf kämpferisch erfolgreiche Männer hat sicherlich seinen Anteil beigetragen und wirkt sich auch heute noch darin aus, dass Frauen Feigheit und fehlende Bereitschaft, für die Gruppe zu kämpfen, wenn diese bedroht wrid, abwerten, wenn eine Gefahr vorliegt oder ein anderweitiger Kampf anstehen kann und die ganze Gruppe betrifft.

Im Bild: Vergewaltiger und Mörder

Im Bild: Vergewaltiger und Mörder

Daraus leitet die Emma dann her:

Ich habe einen Traum: Lasst uns in großem Stil weibliche Flüchtlinge aus Kriegsgebieten aufnehmen! Öffnet die Kindergärten für afghanische Mädchen, bietet ihren Müttern Wohnraum und einen Job, schafft Studienplätze für syrische Studentinnen, holt weibliche afrikanische Vertriebene – kurzum: Schafft ein Weltgastrecht für Frauen! Aufenthalt so weit und so lange sie es wollen. Nehmen wir den kriegführenden Parteien die andere Hälfte der Menschheit weg, ihr Ruhekissen und ihre Zukunft.

Angenommen, diejenigen, zu denen Soldaten, Waffenschmuggler, Milizionäre zurückkehren wollen, könnten mit den Füßen abstimmen.

Angenommen, ihre Frauen, ihre Mütter, ihre Töchter wären keine Geiseln des Territoriums mehr. Dann endlich würde Krieg sich nicht mehr lohnen.

Da würde mich mal eine Einordnung in die feministische Theorie interessieren. Schwarzer als Anhängerin Beauvoirs und damit einer Form des Gleichheitsfeminismus sollte ja eigentlich weniger von der Harmlosigkeit der Frauen ausgehen. Hier scheint aber der Frau etwas grundsätzlich friedfertiges unterstellt zu werden, dass sie zu einem reinen Opfer macht. Eine die entweder getötet oder vergewaltigt wird, oder beides oder danach mit einem Vergewaltiger und Mörder zusammen leben muss.

Es ist eine ziemlich naive und auch männerfeindliche Sicht der Welt.