Von Mackern und dem Recht auf Widerstand und Gegengewalt

Ein neuer Shitstorm auf Twitter dreht sich um einen Tweet von Tofutastisch:

 

Tofutastisch hatte ein T-Shirt gebastelt, mit dem sie wirkungsvoll das Patriarchat bekämpfen kann, indem sie dort den Kampfspruch „Macker gibt’s in jeder Stadt, bildet Banden, macht sie platt“ zusammen mit einem Bild eines mit Stöcken/Keulen bewaffneten wohl feministischen Mobs verewigt hatte.

Das Bild sollte mit dem Tweet angezeigt werden.

Zuerst wurde es wohlwollend in ihrem feminstischen Umfeld wahrgenommen und favorisiert, dann fiel es auch Leuten außerhalb ihrer radikalfeministischen Bubble auf und erregte unverständlicherweise Unmut.

Neben sachlicher Kritik haben sich natürlich auch einige Leute vollkommen überzogen dagegen gewandt, einige Auszüge härterer Reaktionen hat Tofutastisch in in ihrem Blog Aplusranting zu einem Blogeintrag verarbeitet.

Aus Solidarität wurde anscheinend auch in den radikalfeministischen Kreisen sogleich ein Hashtag #mackergohome verwendet, in dem Schätze wie diese auftauschen:

https://twitter.com/baum_glueck/status/451861414580617217

https://twitter.com/baum_glueck/status/451855697240920064

https://twitter.com/Tofutastisch/status/451855537203060736

 

Also teilweise alte radikale Demosprüche umgedichtet. Ein Unrechtsbewußtsein hat man dabei nicht. Man kämpft ja schließlich für das Gute (das nimmt sich teilweise natürlich auf der Gegenseite auch nichts, auch dort wird durchaus übertrieben).

In der Darstellung in einem weiteren Blogartikel klingt das dann so:

Doch Gewalt erzeugt Gegengewalt. Vor ein paar Tagen twitterte @Tofutastisch ein Bild von ihrem selbstgemachten T-Shirt mit dem Spruch „Macker gibt‘s in jeder Stadt – bildet Banden, macht sie platt.“ Und über sie brach ein Shitstorm herein. (Der genaue Hergang ist hier nachzulesen) Ist also einmal nicht die Frau die bedrohte, sondern es wird von ihr eine mögliche Gewaltausübung an Männern* auch nur in den Raum gestellt, ist die Kacke am Dampfen: Wie kann sie sich anmaßen, Gewalt an Privilegierten verüben zu wollen! Diese Furie!

Der relativ naheliegende Gedanke, dass die Leute es generell nicht gut finden, wenn man generell Gewaltausübungen in den Raum stellt und das Gegengewalt nicht einfach so immer gerechtfertigt ist, schon gar nicht gegen so etwas abstraktes wie „Macker“, dass scheint nicht in den Sinn zu kommen.

Überhaupt stellt sich ja die Frage, was überhaupt ein Macker ist. Ich nehme mal an, ein man, der sich typisch männlich verhält und entsprechend auftritt. Was ja auch eine hübsche Abwertung ist. Aber gut: Männliches Auftreten ist ja auch das Übel dieser Welt im Feminismus.

Die Rechtfertigung geht weiter:

Was von den Shitstormern aber als erstgemeinter Aufruf zur Hatz auf Männer* interpretiert wird (ja, auch Vergleiche zum Holocaust wurden gezogen), ist nur ein „Zurückschlagen“ mit dem Mittel der Ironie bzw. der Umkehrung – ein Akt der Selbstermächtigung, denn schließlich will eins sich auch mal zur Wehr setzen und angestaute Aggressionen abbauen. Die Ironie des T-Shirt-Spruchs zeigt sich bereits durch die Wortwahl: Die Rede war explizit nicht von Männern*, sondern eben von Mackern – also einem bestimmten Typ Mann mit entsprechender Attitüde. Es wird also zum Gegenschlag gegen diejenigen aufgerufen, die beständig – verbal oder auch physisch – Gewalt gegen Frauen ausüben. Durch die strukturelle Ungleichheit ist das aber keine wirklich ernstzunehmende Drohung, denn wer würde sich denn nun wirklich einen Frauenschlägertrupp vorstellen, der marodierend durch die Straßen zieht und Macker vor sich hertreibt?

„Nehmt uns doch nicht ernst, wir sind ja eh machtlos, nur Frauen, wir können unsere Gewaltandrohungen gar nicht umsetzen“. Eigentlich lustig, gerade von radikalen Feministinnen. Wobei sie ja recht hat: Ich bezweifele auch, dass wir radikalfeministische Mobs sehen werden. Aber das ändert ja nichts daran, dass hier geistige Brandstiftung betrieben wird und radikalisiert und abgewertet wird.

Auch lustig, weil meines Wissens nach auch noch keine Feministin bisher von maskulistischen Banden zusammengeschlagen oder vergewaltigt worden ist, dennoch aber genau damit ja die „Gegengewalt“ begründet wird.

Andererseits ist in dieser Ideologie die Gewalt gegen Frauen ja alltäglich, jede 3./6. Frau wird geschlagen oder/und vergewaltigt und Männer halten dieses System am Laufen, weil sie Frauen hassen und kleinkriegen wollen.

An diesem Beispiel wird deutlich, wie hegemoniale Männlichkeit funktioniert: WHMs geben mit ihrer Deutungshoheit vor, was als Gewaltandrohung gilt und was nicht. Zu beachten ist hierbei, dass diese optionale Androhung von Gewalt nicht nur Frauen trifft, sondern auch unterschiedliche Konzepte von Männlichkeit existieren, die in einer Hierarchie zueinander stehen: Als un-männlich geltende Männer (z.B. Schwule oder Feministen) stören die Geschlechterdichotomie, da sie angeblich effeminiert bzw. weibisch sind oder gar unter der Fuchtel von Frauen stehen.

Eigentlich gibt hier schon der reine Menschenverstand an, dass die obigen Sachen Gewaltandrohungen sind. Das wird aber schnell mal in ein System eingeordnet, in der jede Gegenäußerung schlicht ein Mundtot machen ist, eine hegemoniale Männlichkeit, mit der andere Ausgegrenzt werden, um unmännliche Männer und Frauen abzuwerten. Das vielleicht auch „un-männliche Männer“ und Schwule diese Aufrufe nicht gut finden oder „Mackerhaft“ auftreten können scheint ihnen gar nicht in den Sinn zu kommen. Wäre Brian Kinney ein Macker?

Kritik ist jedenfalls in dieser Ideologie nur ein Machtinstrument, sie hingegen kämpfen gegen Macker, also die Macht, die alles unterdrückt. Innerhalb dieses Kampfes ist dann alles erlaubt.

Weil man eben auf der guten Seite ist.

 

Umfrage zum #Aufschrei und Sexismus

Im Nachklang zum #Aufschrei (und Himmelreich und Brüderle) findet sich in der Zeit ein interessanter Bericht über die Meinung zu Sexismus gegen Männer:

Eine sehr große Mehrheit von 72 Prozent ist der Meinung , dass in der Sexismus-Diskussion die Männer zu kurz kommen, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag von ZEIT ONLINE ergab.

Frauen sehen dies mit 75 Prozent sogar noch häufiger als Männer (68 Prozent). Bei dieser Wahrnehmung spielt das Alter der Befragten kaum eine Rolle. Es gibt also keine Anzeichen dafür, dass zum Beispiel die jüngere Generation sensibilisierter gegenüber der Situation von Männern ist.

Das ist doch ein sehr erfreulicher Ausblick (also nicht, dass sie zu kurz gekommen sind, sondern die Meinung dazu). Es lässt auch ein gewisses Potential für einen Antiradikalfeminismus erkennen, denn die Übertreibungen kamen eben gerade aus diesem Lager.

Gefragt wurde natürlich auch nach den Sexismus-Erfahrungen von Frauen. Wir wollten wissen: Leben wir in Deutschland in einer männlich dominierten Gesellschaft, in der Frauen immer wieder Erfahrungen mit Sexismus machen?

Das ist schon erst einmal eine merkwürdige Frage, da sie ja eigentlich aus zwei Teilen besteht, der männlich dominierten Gesellschaft und der Frage von Sexismus gegenüber Frauen. Und dann auch noch „Erfahrungen“, also ein butterweicher Begriff. Klar werden Frauen je nach Definiton Erfahrungen mit Seximus machen. Ebenso wie Männer. Zählt man die ausgesetzte Wehrpflicht dazu, dann wäre das bei Männern sogar sehr einfach in hoher Zahl möglich. Aber auch Männer erleben Alltagssexismus, den sie aber vielleicht gar nicht als solchen bemerken. Gerade wegen dieser merkwürdigen Fragestellung ist allerdings dann die Antwort umso interessanter:

Die Deutschen sind an diesem Punkt unentschlossen. 44 Prozent sind dieser Ansicht, 47 Prozent sagen, sie können einer solchen Annahme eher nicht zustimmen. Frauen (55 Prozent) glauben deutlich eher an eine männlich dominierte Gesellschaft als Männer (33 Prozent).

Dabei ist interessant, dass Befragte im Alter von 35 bis 44 Jahren mit 38 Prozent am wenigsten daran glauben, dass die Gesellschaft männlich dominiert ist. Dabei ist dies das Alter, in dem Bürger normalerweise Karriere machen und eine Familie gegründet haben, also womöglich vermehrt Erfahrungen mit Sexismus machen.

Männer sehen sich zu einem recht großen Teil nicht in einer männerdominierten Gesellschaft (immerhin 67%) und auch bei Frauen widersprechen 45%. Allerdings sehen immerhin 55% der Frauen eine solche männlich dominierte Gesellschaft. Würde man sie auf bestimmte Punkte ansprechen, würde sich wahrscheinlich ein anderes Bild ergeben, etwa zu der Frage, wieviel Frauen in Beziehungen zu sagen haben, wie die meisten Ausgabenentscheidungen treffen oder ob sie ihre Lebensplanung in Bezug auf Aufgabenteilung in ihrer Beziehung umsetzen konnten. Hier werden viele schlicht vor Augen gehabt haben, dass Männer eher in Führungspositionen kommen, was aber wenig aussagt.

Was hat die Debatte schließlich bezüglich des eigenen Verhaltens gebracht:

udem war die heftig und emotional geführte Sexismus-Debatte des vergangenen Jahres nur für die wenigsten ein Anlass, das eigene Verhalten gegenüber dem anderen Geschlecht zu überdenken. Lediglich 24 Prozent der Befragten geben dies an. 70 Prozent sagen, sie hätten nicht über sich nachgedacht. Dabei ist der Anteil unter Frauen (71 Prozent) und Männern (70 Prozent) fast gleich hoch.

Also immerhin 1/4 der Befragten und auch wohl ca. 1/4 der Männer gaben an, dass sie ihr eigenes Verhalten überdenken wollten. Das ist gar nicht mal so wenig, es wäre interessant in welche Richtung: Wollen sie vorsichtiger mit Äußerungen sein, damit sie zB Frauen respektvoller behandeln oder wollen sie vorsichtiger sein, weil ihnen bewußt geworden ist, dass so etwas gefährlich sein kann und sie es insofern nur  noch bei Frauen verwenden, deren Reaktion sie einschätzen können?

„7 Probleme mit der Rape-Culture-Theorie“

Ein interessanter Blogbeitrag führt sieben Probleme mit der Rape Culture Theorie auf:

1. The theory assumes a community accepts rape. Most societies treat rape as one of the most serious crimes a person can commit. Where rapists are executed or castrated or incarcerated for years, does it make sense to say rape is normalized, excused, tolerated, or condoned?

In der Tat ist Vergewaltigung aus Sicht der allermeisten Menschen, auch in Deutschland, ein sehr schweres Verbrechen, es gilt nicht als leichte Tat und wird auch nicht gefördert. Vielmehr ist mit dem Vorwurf der Vergewaltigung eine starke Ächtung verbunden und bereits der Vorwurf der Tat kann ganz erhebliche Folgen haben.

2. The theory assumes a culture is defined by its crimes. The US’s most common crime is shoplifting. People joke about it and friends excuse it. Is the US a „shoplifting culture“? Aggravated assault is the US’s most common violent crime. Does the US have an „aggravated assault culture“?

Auch ein guter Einwand. Die Begründung dafür, dass gerade die Vergewaltigung einen erheblichen kulturellen Einfluss haben soll und insoweit die Kultur prägt fehlt meistens. Es wird einfach behauptet und absolut gesetzt. Wie so häufig ist diese feministische Theorie in den Einzelheiten sehr schlecht ausgebaut.

3. The theory assumes a culture is defined by the minority of men, women, and children who rape. Meet The Predators uses studies of rapists who have not been caught to conclude, „The vast majority of the offenses are being committed by a relatively small group of men, somewhere between 4% and 8% of the population.“ David Lisak, author of one of the studies, concluded that repeat rapists commit 90% of all rapes. If 5 to 9% of men are or have been rapists, do they define their culture? 16% of the US population is Hispanic—is the US’s culture Hispanic? 25% of the population identifies as Catholic—is the US’s culture Catholic?

Selbst diese Zahlen sind aus meiner Sicht noch deutlich zu hoch. Aber wenn man sie mal zugrundelegen würde, dann sind diese 5% nicht diejenigen, die die Gesellschaft bestimmen. Im Gegenteil: Sie unterliegen einer starken Ächtung. Es sind eben sehr wenige Männer, die den Großteil der Vergewaltigungen begehen.

4. The theory assumes sexual imagery promotes rape. But if, for example, the canonical advertisement of a woman in a bikini standing next to a new car promotes rape, does the image of the car promote theft?

Auch hier würde ich ebenso eine sehr geringe Verbindung sehen. Pornos beispielsweise reduzieren eher die Sexualverbrechen. Es fehlt auch an einem Nachweis, dass die Anzahl der Sexualverbrechen in anderen Zeiten niedriger war. Allgemein wurden die Zeiten entgegen dieser Theorien eher gewaltfreier, was auch die Vergewaltigungen betrifft.

5. The theory assumes the subject of a joke shows what a society approves. Does the US approve of pianos falling on people and roadrunners tricking coyotes into standing on the air until they look down and fall into canyons? Do dead baby jokes promote abortion and indifference to infant mortality rates?

Humor ist nicht Zustimmung. Auch hier zeigt sich wohl eher der Versuch, ein Taboo zu errichten, über das man keinerlei Witze machen darf. Es werden über alle möglichen Umstände Witze gemacht, Witze über harte Vergewaltigungen sind dabei aber sogar noch eher geächtet als solche über andere Gewalt. Viele Witze über Vergewaltigungen in Filmen betreffen zudem Männer als Opfer, würden also eher eine Rape Culture in diese Richtung fördern, was der Rape Culture, die ja der Unterwerfung der Frau dienen soll, wohl eher entgegen stehen würde.

6. The theory assumes teaching people the theory of rape culture will reduce or eliminate rape. But if rapists thought society approved or tolerated rape, why would they hide their identities? Only the most insane rapists don’t try to conceal their crimes. Would teaching repeat rapists the theory of rape culture change their behavior?

Das habe ich auch nie verstanden. Die Betonung, dass wir in einer Rape Culture leben wird es ja eher leichter machen, eine solche aufrecht zu erhalten. Um so mehr Männer glauben, dass sie in einer Rape Culture leben, um so mehr würden sich nach dieser Theorie auch entsprechend verhalten.

7. The theory does not include an explanation for rape culture or practical steps toward a solution. We live in a rape culture because people are rapists? Men are rapists? Greedy people are rapists? How do we make things better? Some feminists want to change the law so that people accused of sexual crimes are presumed guilty, but we know false charges of rape occur.

Ja, die Erklärung ist ein einfaches „Weil sie halt Frauen unterdrücken wollen“. Wie genau Rape Culture eigentlich funktioniert wird nicht besprochen. Der einzige feministische Plan, den man insoweit erkennen kann, ist eine erhebliche Einschränkung der Unschuldsvermutung oder eine massive Errichtung sozialer Regeln bezüglich des Sexes, die bei (Serien-)Vergewaltigern schlicht auch keine Wirkung hätten, da diesen Zustimmung schlicht egal sind.

Falschbeschuldigungen: Ein paar Fälle

Falschbeschuldigungen wegen Vergewaltigungen waren schon häufiger Thema hier:

Hier ein paar Fälle aus Zeitungen, damit das ganze mal etwas plastischer wird (Nein, Einzelfälle belegen nicht viel, aber sie sind mitunter doch ganz interessant für das Drumherum):

Ein sehr krasser Fall aus England:

A woman who cried rape was jailed yesterday after a court heard it was her eleventh false claim. Compulsive liar Elizabeth Jones, 22, was exposed when CCTV footage disproved her allegation against a man she ‘did not like any more’. She had made her first false rape claim in 2004 when she was just 13, Southampton Crown Court heard. Between 2005 and 2007 she made another eight allegations which police investigated and dismissed, although she was not prosecuted. In 2009 she was sentenced to a ten-month detention and training order for a similar offence. Jones’s latest victim was a boyfriend against whom she made the allegation after the pair had an argument. (…)

Miss Rickman said: ‘There is a history of her making false allegations of this nature and this is the 11th incident. Police had to take her allegation seriously and carried out an appropriate investigation.‘She was later arrested and accepted she had lied about being raped. She said she did it because she did not like him.’ Jones admitted to attempting to pervert the course of justice and was jailed for 16 months.

Judge Derwin Hope said the offence was not only serious because of ‘the terrible emotional experience’ the man she accused had to endure, but also because it struck at the heart of the criminal justice system. In mitigation, Megan Topliss said Jones had had a disturbed childhood and had been in care. (…)

Detective Constable Blanche added: ‘After the previous ten false allegations, Judge Hope felt that it was the final straw. ‘The evidence in the case was so conclusive as the CCTV images were so clear. I imagine that with the previous allegations the evidence hasn’t been there. ‘We take rape allegations very seriously and those that make false claims need to face the consequences. ‘False allegations completely undermine the work that the police have done and make it harder for genuine rape victims to come forward.’

Hier finde ich es interessant, dass es anscheinend 11 falsche Beschuldigungen und einen Kamerabeweis benötigte, damit sie eine höhere Strafe bekommt. Natürlich wird betont, dass man es hauptsächlich macht, weil falsche Beschuldigungen die Polizeiarbeit behindern und es Vergewaltigungsopfern erschwert wird, eine Tat anzuzeigen. Das scheint sie so weit getrieben zu haben, dass sie das Risiko bereits eingeht, weil sie ihn nicht mag.

Und ein Fall vor dem Landgericht Klagenfurt:

Wegen Verleumdung und falscher Beweisaussage vor der Polizei steht eine junge Frau aus Faak am See vor dem Landesgericht in Klagenfurt. Die 19-Jährige, die zum Tatzeitpunkt in einer Beziehung war, traf im September des Vorjahres einen Bekannten in einem Lokal, der mehr als freundschaftliches Interesse an ihr zeigte. Im Anschluss kam es zwischen der Frau und dem Mann zu sexuellen Handlungen, in beiderseitigem Einverständnis.

Lüge mit Folgen

Am nächsten Tag geriet die Angeklagte, die eine Lehre zur Restaurantfachfrau absolviert, ihrem Freund gegenüber in Erklärungsnot. Als dieser mit seinen Fragen nicht locker ließ, behauptete sie, der andere Mann hätte sie vergewaltigt. „Er sagte, wenn das stimmt, müssen wir zur Polizei gehen“, so die Angeklagte. „Ich verstrickte mich aber zunehmend in Widersprüche. Die Polizei glaubte mir nicht mehr und wusste, dass ich gelogen habe“, gibt sie während der Hauptverhandlung zu Protokoll. Der vermeintliche Vergewaltiger wurde zwar nicht verhaftet, aber von der Polizei befragt. Mit ihrem Freund ist die Frau mittlerweile nicht mehr zusammen.

Strafe auf Bewährung

Richterin Michaela Sanin verurteilt die geständige Angeklagte zu einer sechsmonatigen Gefängnisstrafe auf Bewährung und zum Tragen der Verfahrenskosten. Die Angeklagte nimmt das Urteil an.

Hier sieht man gut, wie es zu so etwas kommen kann. Man kann einen Seitensprung nicht erklären, also wandelt man die eigene Täterstellung in eine Opferstellung um. Eigentlich will man das nur vor dem Freund machen, aber der besteht darauf, dass man die Sache der Polizei mitteilt. Schon kann man nicht mehr zurück.

Hier ein weiterer Fall:

Wegen einer vermeintlichen Vergewaltigung einer Jugendlichen in der Würzburger Posthalle saß ein 21-jähriger Mann seit Rosenmontag in Untersuchungshaft. Seit Dienstag (19.02.13) ist der Mann wieder frei: Die 15-Jährige hatte gelogen.

Im Zuge der Ermittlungen förderte die Würzburger Kriminalpolizei immer mehr Hinweise zutage, die Zweifel an der Glaubwürdigkeit des 15-jährigen Mädchens aufkommen ließen. Schließlich räumte das vermeintliche Opfer ein, dass ihre Anschuldigungen gegen den 21-jährigen Würzburger nicht der Wahrheit entsprochen hatten. Der Mann wurde sofort aus der Haft entlassen. Gegen die 15-Jährige ermittelt die Polizei nun wegen Vortäuschens einer Straftat.

Rainer Brüderle, Laura Himmelreich und sexuelle Belästigung

Im Stern soll über sexuelle Belästigung durch Politiker berichtet werden, insbesondere anhand eines Vorfalls der Journalistin Laura Himmelreich mit Rainer Brüderle. Frau Himmelreich sollte Brüderle vor etwa einem Jahr interviewen und schildert dies wie folgt:

„Brüderles Blick“, schreibt Laura Himmelreich, wandert auf meinen Busen. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“ Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“ „Herr Brüderle“, sage ich, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin.“ „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, sagt er. Ich sage: „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell.“ „Am Ende sind wir alle nur Menschen.“

Gegen ein Uhr nachts tippt ihm seine Sprecherin an die Schulter. Brüderle verabschiedet sich von den umstehenden Männern. Dann steuert er mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu. Ich weiche einen Schritt zurück und halte meine Hände vor meinen Körper. Die Sprecherin eilt von hinten heran: „Herr Brüderle!“, ruft sie streng. Sie führte ihn aus der Bar. Zu mir sagt sie:“Das tut mir leid.“ Zu ihm sagte sie: „Zeit fürs Bett.“

Ein Bild im Dirndl von Laura Himmelreich war nicht zu finden, bereits ein Ganzkörperfoto ist schwer zu finden.

Laura Himmelreich

Laura Himmelreich

Hier zum Vergleich ein Foto von Rainer Brüderle:

Rainer Bruederle

Rainer Bruederle

Aber hier geht es natürlich nicht um aussehen. Man darf davon ausgehen, dass Politiker aufgrund ihres Status für viele Frauen durchaus attraktiv sind und in soweit häufiger auch mit blöderen Anmachen Erfolg haben, einfach weil Status attraktiv macht. Das kann dann natürlich auch zu unangemessenen Verhalten führen, welches belästigend ist.

Ich finde es bei der Schilderung oben erstaunlich, dass ihre Reaktionen nahezu vollkommen ausgeblendet werden:

„Brüderles Blick“, schreibt Laura Himmelreich, wandert auf meinen Busen. „Sie können ein Dirndl auch ausfüllen.“

Hier wäre es natürlich interessant zu sehen, wie das Dekollete des Dirndls aussah und wie sie sich präsentiert hat:

Dirndl Dekollete

Darf man auf ein prächtiges Dekollete einen entsprechenden Kommentar geben? Es ist ja immerhin ein sexuelles Signal (Victim Blaming), welches sich eigentlich auch nicht für ein Interview gehören würde. Es kann natürlich auch sein, dass sie etwas züchtigeres anhatte, aber eine weitergehende Information wäre schon interessant gewesen.

Auch dann stellt sich natürlich die Frage, welche Reaktion er hier noch bringen konnte. Bei entsprechender Präsentation ihrerseits finde ich es keinen absolut unvorstellbaren Kommentar.

Im Laufe unseres Gesprächs greift er nach meiner Hand und küsst sie. „Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“

Auch hier erfährt man nicht, wie sie auf seinen ersten Spruch reagiert hat: Verschämtes Schweigen und umlegen eines Schals? Ungläubiges Entsetzen mit offenen Mund? Verschmitztes Grinsen und ein bestätigendes Nicken? Wie lief das Gespräch weiter? Wenn sie hier „Indicators of Interest“ gesendet hätte finde ich seine Reaktion nach diesem Spruch keineswegs schlimm. Ein Handkuss ist eher alte Schule und wenn sie auf den Busenkommentar passend reagiert hätte, dann konnte er wohl davon ausgehen, dass er einen Handkuss wagen kann zumal man auch hier langsam die Hand nehmen und zum Mund führen kann und erst dann, wenn sie es zulässt einen Kuss aufdrückt. Wir erfahren auch hier wieder sehr wenig über den gesamten Vorgang oder ihre Reaktion. Wie hat er ihre Hand genommen, wie hat er reagiert, war sie in einer Schockstarre und merkte er das? Es fehlt jegliche Schilderung, die den Handkuss abschätzbar macht.

„Ich möchte, dass Sie meine Tanzkarte annehmen.“

Wenn wir einmal von der vorteilhaftesten Version für Brüderle ausgehen, dann hat sie den Spruch über ihren Busen akzeptiert, den Handkuss akzeptiert, es spricht nichts dagegen sie um einen Tanz zu bitten. Wenn sie natürlich jeweils mit Abscheu reagiert hat, dann wäre es etwas anderes.

„Herr Brüderle“, sage ich, „Sie sind Politiker, ich bin Journalistin.“ „Politiker verfallen doch alle Journalistinnen“, sagt er.

Finde ich auch erst einmal einen unverdächtigen Dialog – ihr Argument ist ja in der Tat nicht zwingend. Joschka Fischers 3 und 4 Frau waren Journalistinnen (ebenfalls mit starken Altersunterschied),  Auch Gerhard Schröders vierte Frau war Journalistin. Christian Lindners Frau ist ebenfalls Journalistin. Sieht man es als reinen Shittest, dann reframed er ihn eigentlich ganz okay als Argument für eine Entscheidung für ihn. Auch hier erfahren wir nicht, ob sie es mit einem verschmitzten Lächeln und einem leichten Augenaufschlag sagt oder eher ablehnend.

Ich sage: „Ich finde es besser, wir halten das hier professionell.“ „Am Ende sind wir alle nur Menschen.“

Hier wird sie immerhin deutlicher. Und er bringt es in dieser Interaktion okay zu Ende.

Dann steuert er mit seinem Gesicht sehr nah auf mein Gesicht zu. Ich weiche einen Schritt zurück und halte meine Hände vor meinen Körper.

Hier wäre natürlich die Frage, wie nahe er ihr gekommen ist. Ihr einfach so ohne weitere Vorzeichen einen Kuss auf den Mund drücken zu wollen wäre ein absolutes No-Go. Aber auch hier erfährt man eigentlich zu wenig über konkrete Nähe oder überhaupt die näheren Umstände.

Im Ganzen wäre also sein Eingangsspruch wahrscheinlich über die Grenzen hinaus, sofern sie nicht ihrerseits Interesse signalisiert und ihren Busen besonders betont hat. Auch am Ende scheint er etwas viel gewollt zu haben. So richtig erfährt man aber auch nichts über die Einzelheiten, so dass ich an seiner Version interessiert wäre.

Bleibt noch die Frage, warum sie es gerade jetzt so darstellt:

Klar kann man da anführen, dass gerade weil er wieder mehr ins Rampenlicht geht die Bevölkerung auch ein Anrecht darauf hat, ihn entsprechend kennen zulernen. Aber es wirkt eben auch wie eine politisch motivierte Kampagne und ein sich ins Rampenlicht rücken.

Der Artikel schildert, dass auch ansonsten die Politiker wohl eifrig hinter den Frauen her sind:

Es fängt an bei einem bieder-braven CDU-Ministerpräsidenten, der vor den beiden jungen Journalistinnen, die ihn begleiten, plötzlich den Hirsch macht und angeberisch in der Tempo-30-Zone den Rennfahrer gibt; ein Testosteroneinschuss und ein Verhalten wie bei einem 14-jährigen Pubertanten. Es geht weiter beim Parteihäuptling, der zu vorgerückter Stunde auf einem Fest einer Mitarbeiterin so auf die Pelle rückt, dass die von Kolleginnen in Sicherheit gebracht werden muss. Und es hört auf bei einem ehemaligen Wirtschaftsminister, der bei seinen Besuchen im Ausland den Frauen in den jeweiligen Botschaften nachstellte – so impertinent, dass eine Order rausging, junge Frauen nicht mit diesem Mann alleine zu lassen.

Also klassisches Imponiergehabe, Statusaufbau, den starken Mann markieren. Würde mich interessieren, wie hoch da die Erfolgsquoten sind.

Auch interessant, dass wohl das Verhalten von Journalistinnen auch nicht immer einwandfrei ist:

Zur vollen Wahrheit gehört allerdings auch, dass in manchen Redaktionen junge, attraktive Frauen strategisch eingesetzt werden. Dabei geht es nicht nur um einen anderen, weiblichen Blick. Sondern darum, eine größere Nähe zu Politikern herzustellen, eine anders geartete Nähe. Offenherzigkeit gegen tiefes Dekolleté und klimpernde Wimpern. So einfach ist das manchmal wirklich, leider. Und auch das ist Sexismus, nur anders herum. Ein Spiel mit den Trieben.

Ein tiefes Dekollete und klimpernde Wimpern. Inwieweit Laura Himmelreich diese eingesetzt hat um als relativ junge Journalistin einen hohen Politiker besser interviewen zu können, lässt ihre Version schon aus meiner Sicht noch offen.

Die Forderungen daraus:

Ja, es ist ein schmaler Grat. Nein, es geht nicht um das gemeinsame Weinchen in entspannter Atmosphäre. Das sei allen gegönnt, auch Rainer Brüderle. Aber es geht darum, auf welcher Basis sich Journalistinnen und Politiker begegnen. Auf Augenhöhe, wie das etwa der verstorbene Peter Struck mit rauem Charme beherrschte? Oder auf Brusthöhe, wie Brüderle und die anderen schamlosen Böcke in Nadelstreifen. Es ist eine Frage des Respekts, den man sich gegenseitig entgegenbringen sollte, egal welchen Alters, egal welchen Geschlechts. Es geht schlicht um ein Mehr an Zivilisation.

Interessant auch, dass man die Journalistinnen, die Politiker anflirten, hier außen vorlässt. Auf ihr Verhalten dürfte ein Teil des Verhaltens der Politiker ja durchaus zurückzuführen sein, weil sie dort Erfolgserlebnisse abholen, die sie annehmen lassen, dass ihr Verhalten erfolgreich ist.

Hier noch ein paar Stimmen von Twitter:

Wie Frauen die Rape Culture fördern: Angst vor Vergewaltigung und gute Ratschläge

Anlass der Slutwalks war ja, dass ein Polizist Frauen Tipps gegeben hat, wie sie Vergewaltigungen verhindern können. Der danach folgende Aufschrei war dadurch bedingt, dass man von Opfern nicht erwarten kann, dass sie etwas gegen ihre Benachteiligung tun, sondern die Täter diejenigen sind, die zur Verantwortung gezogen werden müssen und die ihr verhalten ändern müssen. Dies ist insbesondere im Zusammenhang damit zu sehen, dass die Täter nur deswegen vergewaltigen, weil die Gesellschaft überhaupt eine Rape Culture zulässt. Durch Tipps, wie man Vergewaltigungen verhindert, weist man hingegen dem Opfer zumindest indirekt eine Mitschuld zu: Hätte es die Tipps umgesetzt, dann wäre es eben nicht vergewaltigt worden.

Ich hatte zur Rape Culture schon einiges geschrieben

Meiner Meinung nach ist diese Auffassung auch deswegen so lebensfremd, weil ganz überwiegend Frauen genau diesen Gedanken hochhalten. Frauen wollen häufig nicht alleine nach Hause laufen. Eben weil sie Sorgen haben. Ebenso wie Eltern. Sie können sich wohl leichter vorstellen, dass ein Mädchen vergewaltigt wird als das ein Junge zusammengeschlagen wird. Oder sie gehen davon aus, dass ein Junge sich eher wehren kann.

Es mag dazu beitragen, dass ein Vergewaltiger meist ein Ziel hat, dass gerade in der Vergewaltigung liegt, ein Dieb aber meist nur hinter dem Geld her ist, die Gefahr von Gewalt insofern geringere Folgen hat. Hier scheinen mir jedenfalls Frauen und Mütter weitaus deutlicher die “Rape Culture” zu fördern, indem sie so etwas als gefährlich ansehen. Was auch kein Wunder wäre, wenn sie etwa die feministischen Zahlen glauben.

Es ist insofern interessant, dass eigentlich keine Richtung Frauen mehr Angst vor Vergewaltigung macht als der Feminismus und damit indirekt die Rape Culture fördert, wenn es sie den geben sollte. Meine Mutter beispielsweise hat meine Schwestern weitaus häufiger abgeholt als mich, weil ihr nicht wohl dabei war die beiden jeweils durch die Nacht laufen zu lassen, Beide haben das auch durchaus gern angenommen. Meine Position war eher “dann fahrt halt gerade mit dem Rad, um die Zeit ist eh nichts los” was aber mit dem Hinweis “das verstehst du nicht, du bist ein Mann” abgebügelt wurde.

Mitfahrerinnen über die Mitfahrzentrale haben regelmäßig die Nummer meines Autos an eine Freundin gesimmst un das eben recht ausdrücklich, obwohl das Auto drei weitere Mitfahrer hatte, damit mir deutlich gemacht wird, dass man mein Auto zuordnet, wenn sie nicht ankommen. Nach einer Fortbildung, die Samstag an einem frühen Nachmittag endete sass ich mit ein paar Teilnehmern und Teilnehmerinnen noch auf ein Bier an der Hotelbar. Eine etwas dickere Teilnehmerin um die fünfzig, Geschäftsfrau, erklärte, dass sie noch Geld abholen müße, von der Bank 30 Meter von dem Hotel entfernt. Sie erklärte, dass ihr etwas unwohl sei dabei, aber man könne ja nichts machen. Als sie dann in das helle Sonnelicht hinausging meinte eine der bei uns sitzenden Teilnehmerinnen, dass ja wenigstens einer der beiden jungen Männer Gentleman hätte sein können und sie eben hätte begleiten können. Ich erwiderte, dass es hell draussen sei und wir den Bankautomaten von hier aus fast sehen könnten und das Hotel in einer belebten Gegend sei. Sie erwiderte, dass man ja nie sicher genug sein könnte.

Den Vorwurf, vorsichtig zu sein, nun gerade als Förderung der Rape Culture den Männern anzulasten halte ich dann doch für stark überzogen. Dies zeigt eher die besondere Stellung der Vergewaltigung, insofern vergleichbar etwa mit Kinderentführung, bei der trotz sehr geringer Zahlen ebenfalls solche Hinweise erfolgen. Eher wird an diesen Beispielen meiner Meinung nach deutlich, dass ein gewisser Schutz der Frauen erwartet wird und dafür aufgewandte Mühen nicht im Verhältnis zu der Gefahr stehen müssen. Eine Vergewaltigung gilt als eines der Verbrechen, dass man auf jeden Fall verhindern will und vor dem jede Frau zurecht Angst haben darf. Der Hinweis, dass ihre Ängste irreal sind, wird üblicherweise nicht akzeptiert.

Aus dieser Konstellation folgt meiner Meinung nach, dass ein entsprechender Schutz gegen Vergewaltigung als selbstverständlich angesehen wird. Kann ihn niemand aktiv leisten und soll dennoch Vorschläge machen, dann führt das eben zu den Vorschlägen des Polizisten, dass die Frauen selbst aktiv sein sollen. Es ist so gesehen die logische Folge der geäußerten Angst. Wenn an Polizisten die Erwartung herangetragen wird, dass er Vergewaltigungen verhindert, dann folgt darauf logisch auch ein Eigeninteresse des potentiellen Opfers solche Vergewaltigungen zu verhindern.

Es wäre eine gewisse Ironie, wenn der Polizist nur die gute Ratschläge, die seine Mutter seinen Schwestern erteilt hat, an die Frauen weitergegeben hat, und nunmehr deswegen als Aushängeschild des Patriarchats und der Rape Culture gilt. Es ist mir auch nach wie vor unverständlich, wie man von einer extrem hohen Vergewaltigungsrate von „jede 4 Frau“ oder „jede 6 Frau“ ausgehen kann und nicht gleichzeitig erwarten kann, dass Frauen sich schützen und Schutz verlangen sowie das Männer schützen wollen und Schutz anbieten.

Das führt dann bei Anwendung der Theorie zu der etwas bizarren Lage, dass ein Mann immer wieder von Frauen Angst vor einer Vergewaltigung erfahren kann, immer wieder aufgefordert werden kann, Schutz zu bieten, ihnen vielleicht sogar immer wieder sagt, dass sie übertreiben, aber die Rape Culture fördert, wenn er ihnen statt auf seinen Schutz zu vertrauen, die Teilnahme an einem Selbsthilfekurs nahelegt.

Rape Culture: Betrunkener Sex

Ich bin mit Südländerin und ein paar Freunden von ihr auf einem Südländerabend. Weil es eher ihr Anlass ist als der meine, er aber gleichzeitig etwas weiter weg ist, fahre ich und trinke demzufolge nicht.

An unserem Tisch heißt es hingegen eifrig hoch die Tassen mit Südländerschnaps.

Eine Freundin von Südländerin sagt: „Christian, schade, dass du fahren musst und nicht mittrinken kannst, es ist ja nichts fürchterlicher als nüchtern neben den ganzen Betrunkenen zu sitzen“

Südländerin wirft schon etwas lallend ein „Ach, der freut sich doch! Gleich bin ich vollkommen betrunken und dann kann er mit mir armen Ding heute Nacht machen, was er will!“

Sie klingt leicht empört, setzt ihren unschuldigsten Blick auf, schon leicht schräg aufgrund des Alkohols.

Die Freundin lacht und winkt gleich die Bedienung heran „Noch eine Runde für alle und ein extra großes Glas für Südländerin!“ bestellt sie und  zwinkert mir schelmisch zu.

Die Schnäpse kommen. Die Runde stößt lachend mit Südländerin an und prostet mir zu.

Aufgabenstellung:

  • Erläutern Sie, wie sich an dieser Szene zeigt, dass wir in einer Rape Culture leben.
  • Verwenden Sie die Begriffe „Privileg“ und „hegemoniale Männlichkeit“.
  • Erläutern sie dabei, wie die Freundin zu ihrem Handeln durch die vorgegebenen sozialen Regeln verleitet wurde und warum Witze über Sex mit Betrunkenen nie lustig sein können, selbst und gerade wenn diese sie machen.