„Warum kümmern sich Männer/Männerrechtler/Maskus eigentlich kaum um Jungs und Männer?“

Claudia Berlin hatte einmal folgenden Kommentar geschrieben, der schon damals für eine gewisse Diskussion sorgte, den ich aber noch einmal in einem eigenen Artikel zur Diskussion stellen möchte:

Gerade wegen der im Artikel gerühmten so super erfolgreichen Leistungen bzgl. der Unterdrückung der Frauen drängt sich allerdings eine Frage immer heftiger auf:

*** Warum kümmern sich Männer/Männerrechtler/Maskus eigentlich kaum um Jungs und Männer? ****

ENTSETZT muss ich in den Masku-Blogs berechtigte Klagen lesen:

-> Soviel mehr Obdachlose,
-> Süchtige,
-> Suizid-Opfer,
-> benachteiligte Jungs in den Schulen…

da füge ich hinzu:

-> desorientierte, agressive und/oder verzweifelte Teenys und Twentysomethings, denen niemand zeigt, wie man „Mann wird“. (Das ist nun wirklich kein Job für Mutti!)

Sollen diese Probleme denn die so erfolgreich unterdrückten Frauen lösen? Weil Ihr halt ungern „was mit Menschen“ macht – und erst recht ungern mit Männern?

Woran liegt das? Denkt mal drüber nach!

Ich bin eine 60plus, die die 2. Frauenbewegung miterlebt hat. Durchweg war es wesentlicher Teil der Bewegung, dass frau sich abwendete von den Erwartungen an Männer und auf verschiedensten Ebenen ausprobierte, was denn so mit Frauen geht. Sowohl bei den akuten Problemen ansetzend (Frauenhäuser, Wildwasser, zusammen mit bewegten Männern Kitas), als auch experimentierend in Sachen Arbeit, Kunst, Liebe.. bis hin zum Bau-Kollektiv! 🙂

Sowas seh ich nicht in der sog. „Männerbewegung“. Es wird sich am Feminismus gerieben, anstatt an den beklagten Defiziten SELBST zu arbeiten.
Wobei die deutschprachige bzw. EU-Fem-Szene offensichtlich nicht mal genug Material bietet. Ein Blog wie dieses muss recht oft nach USA gucken, um noch irgendwelche neuen Femi-Gemeinheiten zu finden…

Schöne Woche wünsch ich! 🙂

Das erinnert natürlich auch etwas an die alte Debatte der „Aktiven und der Bloggenden“.  

Natürlich machen Männer auch einiges. Sie sind ja meist bereits berufstätig und in allen Bereichen der Arbeit, Kunst und der Liebe vertreten. Männer haben beispielsweise mit MGTOW (Männer gehen ihren eigenen Weg) aber auch damit, dass sie immer später oder gar nicht heiraten oder Kinder bekommen, dass sie sich in Parallelwelten (Computerspiele oder andere Bereiche, wo Männer hauptsächlich  mit Männern interagieren) zurückziehen oder das sie sich zB im Flirten verbessern um so andere Möglichkeiten zu haben.

Aus meiner Sicht ist aber die Entwicklung eigener Theorien und die Gegendarstellung zu männerfeindlichen Theorien durchaus ein wichtiger Bereich der „Befreiungsarbeit“. Den hat der Feminismus natürlich auch genauso durchgeführt (wenn auch mit sehr negativen Ergebnis) indem sie Theorien entwickelt haben, die das Geschlechterverhältnis und seine Konstruktion beschreiben und darauf aufbauend gelebt haben, etwa indem sie „das private als politisch“ angesehen haben, „politisches Lesbenstum“ eingerichtet haben oder schlicht Männern die Schuld an allem gegeben haben.

Das war ein Großteil der feministischen Bewegung, der Anteil derer, die tatsächlich „Baukollektive“ gegründet haben ist dagegen verschwindend gering. Ebenso wie der Anteil derer, die heute im Feminismus an tatsächlichen Problemen arbeiten: Man studiert lieber Gender Studies, mit seiner Abkehr von Logik, Nachweis und Überprüfbarkeit und deren Ersetzung durch Glaube, Gefühle und Identitäten wohl der Studiengang der am ehesten zu weiblichen Klischees passt, statt Physik oder Bauingenieur zu studieren. Man ist nach wie vor lieber bei der Familie und in einem Halbtagsjob statt Überstunden zu machen.

Und natürlich geschieht ein Teil des Wandels auch schlicht in den privaten Familien: Männer übernehmen dort ganz selbstverständlich auch die Betreuung der Kinder und verlangen immer mehr, dass auch Frauen zum Familieneinkommen beitragen. Das Unterhaltsrecht und das Sorgerecht haben sich entwickelt und eine Frau kann keine lebenslange Versorgung auch bei kurzer Ehe nicht mehr erwarten. Sie verstehen sich auch nicht mehr per se als Beschützer oder diejenigen, die mit dem Schiff untergehen und die Rettungsboote den Frauen überlassen. Das Geschlechterverhältnis hat sich gravierend geändert und so zu tun als sei dies allein dem Feminismus und nicht auch einem anderen Verständnis der Männer entsprungen ist wenig überzeugend. Allerdings sehen viele Männer diese neuen Verhältnisse auch nicht als Geschlechterkampf. Sie wollen neue Ergebnisse mit den Frauen, sie müssen diese dazu nicht wie der Feminismus zum Feind erklären.

Der moderne Feminismus ist zudem wohl eine der größten Einschränkungen für Männer, der mit irrationalen Forderungen und ideologischen Vorhaltungen arbeitet. Sich gegen ihn zu stellen, ist aus meiner Sicht eine Notwendigkeit für Männer und Frauen.

Die Aktiven und die Bloggenden: Filterblasen und neue Möglichkeiten aktiv zu werden

Bei Arne gibt es über einen Leserbrief eine Fortsetzung von „Die Aktiven und die Bloggenden“. Er nimmt Bezug auf einen Artikel bei Heise, den er wie folgt zusammenfasst:

In ihrem Artikel Unbeholfenes Ansprechen als Auslaufmodell setzt sich Bettina Hammer auf Telepolis mit aktuellen Tendenzen zur Spaltung der Gesellschaft durch ein Sicherheitsdenken auseinander, das sie als „Darwinismus im Beziehungsreich“ bezeichnet.

Als Ursachen macht sie zum einen eine schleichende geistige und körperliche Gleichschaltung durch zunehmende Digitalisierung aus, die dazu führt, dass man sich sowohl privat wie auch öffentlich, sowohl im Internet wie auch in der Realität, nur noch in einer Filterblase aus Gleichgesinnten bewegt:

Ein Leser, der ihn auf den Artikel aufmerksam machte, meinte dazu:

Bettina Hammers Artikel schlägt im Grunde in dieselbe Kerbe, wie die gestern geäußerte Kritik an dem eigentlich in allen Punkten zutreffenden Artikel von Stephan Schleim: Solange sich die Männerbewegung ausschließlich im Netz manifestiert, solange es dabei bleibt, daß in einer abgeschotteten virtuellen Welt Gleichgesinnte in Filterblasen miteinander „Dampf ablassen“, wird sich in der realen Welt nur wenig ändern – weil der Feminismus in dieser realen Welt auch weiterhin alle Schlüsselpositionen in Politik und Medien besetzt hält. Es reicht also nicht, lediglich ein AndersDENKENDER zu sein. Man muss wohl auch anders HANDELN als bisher.

Interessant fand ich dazu auch einen Abschnitt aus dem Artikel bei Heise:

Eine Bekannte erzählte mir, dass sie vor kurzem auch nachts nach Hause gefahren sei, es sei kalt gewesen und jemand habe das Fenster dennoch geöffnet. Sie hatte dann per Whatsapp einer Freundin erzählt, wie kalt es sei und wie sehr es sie nerven würde, dass Leute dauernd die Fenster öffnen, die Freundin pflichtete ihr bei. Auch später, als sie dies bei einem persönlichen Treffen ansprach, hätten sich viele genervt darüber geäußert, wie Leute abends im Zug die Fenster öffnen, auch wenn es sehr kalt sei. Die direkte Kommunikation mit demjenigen, der das Fenster geöffnet hatte, habe sie jedoch nicht gesucht, da sie ja wusste, „dass das nichts bringt“.

Und da wird denke ich direkt der Unterschied deutlich: Blogs und Twitter stellen nämlich gerade keine streng getrennte Filterblase dar, aus der heraus man nicht mit der anderen Seite kommunizieren kann wie bei streng abgeschirmten Diskussionen in einem Chatkanal. Sie stellen Veröffentlichungen und Kommunikationsmittel dar, die gerade erlauben, dass man mit den anderen redet, in ihren Blogs kommentiert, sie bei sich kommentieren lässt und Antworten mit Pingbacks zu anderen Artikeln schreibt. Das Internet ist nicht per se eine geschlossene abgeschirmte Filterblase, auch wenn man sie, wie der Feminismus es vormacht, dazu machen kann. Es ist vielmehr eine der offensten Kommunikationsformen überhaupt, weil es nahezu weltweite Kommunikation ermöglicht.

Abseits vom direkten Gespräch ist man kaum näher an jemanden dran, wenn man ihn über Twitter anspricht. Denn dort ist es anders als bei einer Email öffentlich und er antwortet „Live“ und ebenso öffentlich.

Hier zeigt sich also ein enormes Potential dafür, jemanden zu sagen, er möge bitte „das Fenster zumachen“. Ich habe bereits wiederholt Journalisten angesprochen, einmal beispielsweise nachdem Genderama auf einen Fehler in einer Statistik hingewiesen hatte, der Fehler wurde auf dieses Ansprechen hin korrigiert („das Fenster zugemacht“). Als die Süddeutsche ankündigte, dass man eine Reihe zur Gleichberechtigung machen würde wurden dort diverse Vorschläge aus der hiesigen Szene unterbreitet (wir waren eigentlich die Einzigen, die dort Vorschläge gemacht haben) und auch auf männerrechtliche Blogs und Diskriminierungen von Männern hingewiesen. Ich vermute, dass man deswegen auch Arne angesprochen hatte und nicht nur „Werner Stahl“ in dem Artikel auftauchte. Es gab auch weitere Aktionen wie etwa „#tüpischtüpen“ und „#article7“ auf Twitter und es gab bei diversen feministischen Aktionen auch gerade auf Twitter einen gewissen Gegenwind.

Wenn Männerrechtler irgendwo wahrgenommen werden, dann im Netz. Das dort der Begriff „Maskus“ aufgekommen ist und die Feministinnen sich beschweren, dass „Maskuhorden sich zusammenrotten“ ist weitaus eher ein Zeichen dafür, dass hier eine mediale Wirkung erzielt wird. Was der Leserbriefschreiber wohl vergessen hat: Das Internet ist ein Medium, welches man besetzen kann, in dem man Aufmerksamkeit erhalten kann und indem andere einen wahrnehmen. Es ist dies weitaus mehr als jeder Kreis von Aktiven, der in guter Arbeit Männer berät, aber damit eben nur in der Blase derer bleibt, die solche Hilfe benötigen und diese Vereine aufsuchen. Ein Genderkongress bleibt weit eher in einer Filterblase als ein Blog oder ein beständiger Twitteraktivismus. Man wird dort eben auch weitaus eher „unter sich“ sein als im Netz.

Die Vorstellung, dass man hier im Netz nur in einer Filterblase hockt „Dampf ablässt“ und „unter sich“ bleibt, zeigt vielleicht eher den Generationenumbruch: Man ist dort noch nicht in der digitalen Welt angekommen und kann die kommunikative Art von Medien wie Twitter, Facebook und Blogs nicht erkennen. Sicher können digitale Medien, wie in dem Chatbeispiel mit dem offenen Fenster, die Kommunikation einengen, aber „Filterblasen“ oder „nur unter Seinesgleichen sein“ kann man natürlich auch in der Offline-Welt. Gerade Vereine, die nur unter sich diskutieren, stellen da durchaus ein gutes Beispiel dar. Es war unter anderem genau diese Abgeschlossenheit, die ich zuletzt beklagt habe. 

Ich sagte es an anderer Stellte schon: Wer in die Medien kommen möchte, der muss deutlich machen, dass eine Vielzahl von Leuten hinter ihm stehen und das ist eben nur möglich, wenn man Sammelpunkte bildet, den Leuten deutlich macht, dass man in den passenden Netzwerken präsent ist, wenn man genau diese Leute anspricht und sie einen wahrnehmen.

Ich möchte noch einmal mit meinem Schlusssatz aus dem letzten Artikel schließen:

Für die, die mit den „Bloggenden“ ein Problem haben: Wie wäre es mit einer neuen Perspektive? Statt aus einem „Nicht gut genug“-Aktivismus verächtlich auf die Bloggenden herabzuschauen solltet ihr euch bewußt machen, dass sie eben auf eine andere Weise an der gleichen Sache arbeiten. Dass sie Multiplikatoren und Öffentlichkeit für eure Aktionen sind.
Ich freue mich über jeden, der Aktiv etwas macht. Ich freue mich auch über jeden, der interessante Texte oder Kommentare schreibt, der unter Zeitungsberichten kritische Anmerkungen macht, der also daran mitarbeitet, dass die Ideen bekannter werden und man merkt, dass Leute es anders sehen. Auf welche Art sie das konkret machen oder machen können ist aus meiner Sicht da relativ egal. Alles hilft mit und an allen Bereichen kann man vieles erreichen.
Selbst wenn ihr davon ausgeht, dass euer Baustein größer ist, schadet ein weiterer Baustein an einer anderen Stelle auch nichts. Es ist ein (kleiner) Stein weniger, den ihr bauen müsst.
Tatsächlich glaube ich sogar, dass hier im Netz großartige Möglichkeiten auch für aktive Arbeit bestehen. Ich würde mir wirklich wünschen, dass zB Agens oder MANNdat das Internet für sich entdecken und ebenfalls anfangen Politiker und Journalisten auf Twitter direkt zu befragen oder auf männerrechtliche Probleme anzusprechen.
Ich glaube es ist eher ein Chance hier einmal tatsächlich aus der männerrechtlichen Blase herauszukommen und andere Leute auf männerrechtliche Arbeit aufmerksam zu machen.

 

Die Aktiven und die Bloggenden: „Echte Arbeit“ vs „sinnloses Rumdiskutieren“

Arne hat mit einem Artikel noch einmal das Thema „Die Aktiven und die Bloggenden“ aufgegriffen, welches hier schon mehrfach Thema war. Ich hatte ja schon in der letzten Diskussion einen leichten Rant in mir aufsteigen fühlen, den ich nachdem maddes8cht vorgelegt hatte erst einmal zurückgestellt habe, auch wenn es anderweitig auch noch diskutiert worden ist. (Emannzer / Pelzblog)

Ich möchte aber nunmehr doch noch etwas dazu schreiben, ein kleiner Rant zurück, an die, die es angeht:

1. Was tun wir euch eigentlich? 

Mich stört bei diesen Artikeln oder Kommentaren sehr, dass sie schnell einen aggressiven Unterton haben und das Bloggen abwerten. Der Ton ist so ungefähr „ihr sitzt zuhause und wir müssen die Drecksarbeit machen (und gehen dabei drauf)“. Das ist natürlich Blödsinn, denn wenn hier nicht geblogt und diskutiert werden würde, dann würde das eure Welt immer noch nicht verbessern. Ihr wärt dann nur ein Stücke alleiner, hättet aber die gleiche Arbeit wie bisher auch.

2. Warum dieses Entitlement?

Ich vermute also, dass ihr es so seht, dass diejenigen, die sonst bloggen oder in Blogs kommentieren dann, wenn es die Blogs nicht geben würde, bei euch mitmachen würden. Ist der Vorwurf wirklich, dass wir euch Leute klauen, die euch zustehen? Oder ist es mehr so eine Art „Wenn ich euch ECHTE MÄNNERRECHTLER  nennen wollt, dann macht auch ECHTE ARBEIT und setzt euch nicht einfach nur in einen Stuhl“?

Dazu will ich euch schlicht das folgende verraten:

Keiner hier schuldet euch irgendetwas.

Ihr habt kein Anspruch darauf, dass man auf eure Weise arbeitet. Ihr habt keinen Anspruch darauf, dass Leute eure Art sich für die Sache einzusetzen gut finden oder unterstützen. Weil ich über Geschlechterthemen und Männerrechtler blogge muss ich nicht mehr machen. Wenn ihr wollt, dass Leute bei euch mitmachen, dann ist es eure Aufgabe, sie davon zu überzeugen, dass sich das lohnt. Und wenn ihr meint, dass ihr verächtlich auf Leute herabgucken könnt, die nicht das machen, was ihr macht, dann seid ihr schlicht arrogante Säcke, die sich für etwas besseres halten und es anscheinend brauchen Andere abzuwerten. Und genau eine solche Haltung bewirkt, dass dann noch weniger Leute Lust haben, mit euch „aktive Arbeit“ zu machen.

3. Sich besser fühlen, indem man andere abwertet schadet der Sache

Seid gerne stolz auf was ihr macht. Wenn ihr aber nur dann stolz sein könnt, wenn ihr andere abwertet, was sagt das dann über eure Arbeit aus? Es zeigt dann vielleicht eher, dass ihr eigentlich eher das Gefühl des Status und des leidenden Martyrers braucht, der sich aufopfert. Macht dann diese Minderwertigkeitskomplexe bitte mit euch aus und hört auf, euch so zu überhöhen: Ihr und eure Arbeit seit nicht unersetzbar und da, wo ihr nicht tätig seid, da klappt es auch (gegebenenfalls schlechter oder teurer, aber niemand ist unersetzbar). Dieses „Da LEIDEN Männer und du schreibst nur einen Artikel statt zu helfen“ ist einfach nur eine widerliche Masche, ein Schuldgefühl zu erzeugen. Wenn ich darüber oder zu anderen Themen blogge, dann macht das die Sache nicht schlechter, im Gegenteil, eher erzeugt es Aufmerksamkeit. Statt Blogger anzumeckern solltest du lieber überlegen, wie du andere Menschen an das Thema heranführst, wenn du meinst, dass zu wenig Leute mitmachen.

4. Wenn ihr zu wenige seid, dann solltet ihr, statt zu meckern, eben mal überlegen, warum nicht genug Leute nachkommen

Warum sollte man eigentlich bei euch mitmachen? Habt ihr euch schon mal überlegt, was jemanden dazu bringen könnte, bei euch tätig zu sein, oder verfolgt ihr eher das Motto, dass man um zu so einen elitären Verein mitmachen zu können, eben engagiert genug sein muss?

Ich habe bisher von zwei Vereinen (vier waren angeschrieben) Rückmeldungen auf meine Fragen zu ihrer Arbeit bekommen und diese waren bezüglich der Frage, wie man mithelfen kann:

Von Gleichmass:

8. Wenn jemand ihre Arbeit unterstützen möchte, wie kann er dies am besten?
a) aktiv vor Ort
b) finanziell (und wofür würden die Gelder eingesetzt werden)

Die Gelder würden für die o. g. Aktivitäten verwendet werden. Unter diesem Link findet man neben Spenden weitere Unterstützungsmöglichkeiten.

Von Mandat:

8. Wenn jemand ihre Arbeit unterstützen möchte, wie kann er dies am besten?
a) aktiv vor Ort
b) finanziell (und wofür würden die Gelder eingesetzt werden)

Aktivität im Verein per Internet und/oder finanziell.

Na da zeichnet sich doch ein deutliches Bild, man weiß genau, was einen erwartet, man bekommt gleich Lust, mitzumachen. Ihr führt potentiell Interessierte ja wirklich großartig an eure Arbeit heran. Auf eine direkte Frage, wie man bei euch aktiv werden kann, kommt:

Nichts.

Ich hatte die Frage extra gespalten, damit zu beidem etwas geschrieben werden kann, weil ja auch die Klage kam, dass man auch nicht die passenden finanzielle Unterstützung erhalte.

Nach all dem Jammern, dass da zu wenig Leute aktiv sind, hätte ich ja schon erwartet, dass man da einmal konkreter wird. Dass man mal schildert, wo ihr denn Unterstützung braucht, etwa einen Text wie:

„Wir suchen immer Leute, die uns helfen, Flugblätter zu erstellen, die grafisch versiert sind, die gut Texten können, wir schreiben Politiker an und brauchen Leute, die zu diesem und jenem Thema etwas zusammenstellen, du kannst dir einen Überblick über unsere Arbeit verschaffen, wenn du montags zu unserer Strategierunde dazu kommst, in der letzten ging es um das Thema X. Wir haben auch eine Chatrunde im Internet, an der du erst stiller Teilnehmer sein kannst, wenn du mal schauen willst, ob es was für dich ist. Gerne können wir dich auch zum Berater ausbilden, wenn du dann einen entsprechenden Service bei dir vor Ort anbieten willst. Oder du schreibst uns eine Mail und dann suchen wir gemeinsam ein Projekt welches deine Fähigkeiten am besten einbringt. Wir freuen uns auf jeden, der uns unterstützt

Oder zum finanziellen:

Eine finanzielle Unterstützung ist über eine Mitgliedschaft in unserem Förderverein möglich, der Beitrag beträgt X Euro. Man kann auch dem Verein so beitreten, da ist der Jahresbeitrag Y Euro. Zudem kann man folgende Projekte direkt unterstützen, etwa … und …. Oder man spendet an folgendes Konto… eine Spendenquittung stellen wir gerne aus. Wir brauchen das Geld insbesondere für…. Wenn wir mehr Geld hätten, dann könnten wir zum Beispiel dies und jenes machen.  Wir haben zudem ein Paetronkonto eingerichtet, wer das bequemer findet, man findet es unter…

Statt dessen konnte keiner der beiden Vereine auch nur einen Satz dazu schreiben, was man da nun konkret machen kann um aktiv mitzuarbeiten oder was man mit mehr Geld machen würde und warum man es braucht.

Erfährt man das an anderer Stelle? Aus meiner Sicht nicht. Ihr errichtet hohe Barrieren für einen Einstieg und wundert euch dann, dass keiner kommt. Und die, die sich für das Thema interessieren, die schreckt ihr (teilweise) noch mit Unfreundlichkeit und Beleidigungen ab und mit dem Gefühl, dass euch alles nicht gut genug ist.

5. Die alten Methoden sind alt, es lebe das Internet und die Öffentlichkeitsarbeit

Eine Folge davon, dass ihr euch in eurem Ruhm als die „echten Aktiven“ sonnt und Verachtung gegenüber Leuten, die im Internet aktiv sind, ist, dass ihr auf alte Methoden setzt und euch dann wundert, dass die nicht ziehen.

In einer Diskussion hat sich kürzlich jemand darüber aufgeregt, dass man irgendwann mal eine Demo in Berlin geplant hat und keiner gekommen ist. Anlässlich des Genderkongress hieß es ebenfalls, dass ja von den Bloggern keiner dagewesen wäre (was tatsächlich gar nicht mal stimmte).

Anscheinend bringt euch das aber gar nicht dazu, dass man mal überlegt, wie man dann die Sache publizieren kann, was man da machen kann außer meckern und ob eure Öffentlichkeitsarbeit nicht in der Hinsicht einfach schlecht ist.

Da habt ihr mit Arne einen Aktiven mit einem Blog und da kommt nebenher irgendwie mal ein kleiner Hinweis. Warum nicht in der vorherigen Zeit mal ein Interview mit den Leuten, die dort Reden halten, in denen sie das schon mal anreißen, warum ihnen das Thema wichtig ist, damit Leute interessiert sind? Warum die ganze Sache nicht streamen, damit Leute, die nicht anreisen können oder die sich einfach nicht sicher sind, ob es was für sie ist, da mal reinschauen können und beim nächsten Mal Lust haben zu kommen? Warum nicht mal ein paar positive Berichte in den Blogs positionieren, die die sicherlich gerne veröffentlichen. Und danach die Redemanuskripte online stellen, damit man es nachlesen kann. Und den Stream noch mal ins Internet stellen, damit man es sich zu jeder Zeit anschauen kann. Und es etwas hypen lassen. Und dann mit der guten Stimmung in das nächste Jahr gehen? Statt dessen: Verachtung gegen Blogger und Selbsttbeweihräucherung. Was für ein Kindergarten und wie unprofessionell.

6. Die Macht der sozialen Medien und des Internets

Wisst ihr, was Leute anzieht? Wenn schon viele Leute dabei sind und man immer wieder darauf stößt.

Wisst ihr, wonach Politiker den Einfluss einer Gruppe beurteilen? Danach, wie viel Aufmerksamkeit sie generieren können.

In den beiden Bereichen versagt ihr, wenn ihr das Internet nicht nutzt. Wenn ihr so tolle praktische Arbeit macht, dann müsst ihr eben auch die Zähne auseinander bekommen. Wenn ihr 300 Mitglieder habt, dann wissen die, wenn ihr nichts erzählt, vielleicht von eurer Arbeit. Wenn ihr euch damit beschäftigt, eine Social Media Präsenz aufzubauen, und über Twitter, Facebook und eine Internetseite von euren Taten redet (und zumindest 50 eurer Mitglieder sich ebenfalls einen Twitter- und Facebookaccount und eine Internetseite zulegen, sich darum bemühen, Interessierte auf sich aufmerksam zu machen und dann eure Beiträge verlinken, dann wissen es 10.000.

#Aufschrei wurde unter anderem deswegen ein Phänomen, weil eine kleine Anzahl von Feministinnen sehr viele Tweets geschrieben hat, um die Sache ins Laufen zu bringen und weil sie entsprechend mit Multiplikatoren vernetzt waren. Feministinnen können Forderungen durchsetzen, weil sie mit einem Shitstorm drohen können, der ein höhes Potential an Leuten mobilisiert und von einigen sehr aktiven zusätzlich geschürt werden wird. Auf Shitstormniveau muss man sich dazu gar nicht bewegen, aber wenn deutlich wird, dass man jemand ist, bei dem 10.000 Leute angepisst sind, wenn etwas sexistisches offengelegt wird, dann überlegt man eben als Politiker eher, ob man dieser Gruppe zuarbeitet und spricht ihr Bedeutung zu. Wenn man weiß, dass allenfalls 100 Vereinsmitglieder was davon erfahren und dann eine Email von deren Vorstand kommt, dann kann man das weitaus eher ignorieren.

MANNDat hat beispielsweise angegeben, dass sie im Internet aktiv sind und auf Diskriminierungen hinweisen wollen. Ich sehe aus der Richtung ehrlich gesagt nicht viel.

Wie diese Arbeit voranschreitet sieht man beispielsweise auch auf ihrem Twitteraccount.

Es ist schön, dass ihr einen Kongress ausgerichtet habt und Politiker dazu Grußworte geschickt haben, also immerhin diesen Bereich anerkannt haben. Es ist gut und sinnvoll, dass ihr persönlichen Kontakt zu Politikern aufbaut. All das und die damit zusammenhängende Arbeit will ich gar nicht abwerten. Nur analysieren Politiker eben auch die Stimmungen, schauen, wie viel Prozent der Leute dahinter stehen und dazu sind aktive Internetseiten, Kommentare unter Artikeln in der Zeitung etc alles wichtige Anzeichen.

Ein wichtiges Beispiel ist etwa Milo auf Twitter. Er hat Platz in Talkshows erhalten, nicht weil er aktive Arbeit macht und auf Politiker zugegangen ist, sondern weil er sich auf (soziale) Medien versteht und darauf einen Kult um sich zu generieren. Er hat damit 130.000 Follower aufgebaut, was jeden Auftritt von ihm gleichzeitig schon dadurch erfolgreicher sein lässt, weil er auf seinen Medien dafür wirbt.

Nun kann man von Agens und Co nicht erwarten, dass sie den Milo machen, dass würde nicht passen. Aber wenn sie sich mit passender Arbeit auf 5.000+ Follower bei Twitter hocharbeiten würden, dann würden sie auch in diversen Medienübersichten auftauchen, dann würden sie ggfs ebenso wie Marthadear zu bestimmten Punkten eher um Interviews gebeten werden, weil sie sie bereits kommentiert haben, dann hätte Kritik Gewicht über die Follower, die diese aufnehmen und verstärken. Man merkt dann, dass es einer Vielzahl von Leuten nicht gefällt und diese bereit sind, dass auch kundzutun. Dann wüßten auch mehr Leute, dass es sie gibt und was sie konkret machen.

Kurzum: Die Aktiven haben das Internet und die Öffentlichkeitsarbeit verschlafen. Statt sich zu freuen, dass sie im Internet eine Basis haben, werten sie diejenigen, die ihnen da den Einstieg erleichtern ab. Es ist vielleicht einfach mal Zeit von dem hohen Ross herunterzukommen.

7. Diskussionen sind nicht sinnlos, im Gegenteil, ihr braucht sie dringend

Und genau auf diesem hohen Ross sitzt man eben, wenn man meint, dass da Leute nur „die Kommentarspalten volldiskutieren“. In vielen Bereichen braucht ihr genau das: Einen Bereich, wo eine wahrnehmbare Diskussion stattfindet. Denn vieles, was aus euren Reihen kommt ist auch einfach weit hinter der Diskussion im Internet zurück: Wenn ein Verein, der sich für Männeranliegen mit einer konservativen Ausrichtung wie „die klassische Familie muss zurück “ kommt oder zumindest mit einem Text, den man so verstehen kann, oder Fragen zur Wahl mit einem aggressiven Ton und unterstellenden Fragen verbreitet werden, dann habt IHR eure Hausaufgaben erneut nicht gemacht und hättet eben lieber mal offen diskutieren sollen, damit deutliche Positionen herausgestellt werden, die dann hoffentlich auch etwas moderner sind.

Mir scheint, dass in den Vereinen bisher kaum eine Debatte stattgefunden hat. Das dort bisher weder Theorien entwickelt worden sind noch wirklich eine einheitliche Linie vorhanden ist oder zumindest herausgearbeitet wird. Bei meiner Kritik an den „Wahlprüfsteinen“ beispielsweise sagte man mir:

Christian, deine ausführliche und kritische Auseinandersetzung mit unseren Wahlprüfsteinen kommt bei uns AGENSern grundsätzlich sehr gut an. Wir fragen uns nur, warum du all die Zeit und Energie, die damit verbunden ist, nicht investierst, indem du VORHER bei solchen Projekten mitarbeitest, statt HINTERHER zu bemäkeln, was aus deiner Sicht unglücklich läuft. Das ist zwar noch etwas zeitintensiver (wie “man in th. middle” schon richtig schreibt, ist es viel einfacher, hinterher zu kritisieren, statt sich vorher mit anderen Leuten zusammenzutun und einen gemeinsamen Nenner an Formulierungen zu finden, auf den sich alle einigen können), aber es wäre auch deutlich erfolgversprechender.

Ich antwortete, dass ich das ja durchaus gerne gemacht hätte, wenn man mal darauf hingewiesen hätte, das da was geplant ist. Was natürlich nicht der Fall war. Man bekommt eben nichts mit und es scheint mir auch nicht wirklich über so etwas diskutiert worden zu sein (und wenn doch, dann wird allenfalls deutlich, dass dort sehr unprofessionell vorgegangen worden ist und sich anscheinend keiner traute, da mal was gegen zu sagen oder es keiner bemerkt hat. Beides wäre ein schlechtes Zeichen).

Es ist also nicht ein „weniger“ an Diskussion notwendig, eher ein mehr. Es wird zu wenig kommuniziert, zu wenig diskutiert und zu wenig einbezogen. Ihr braucht ein paar (interne?) Kommentarspalten, die man (ihr) vollschreiben kann.

Welcher Weg für euch da der beste ist oder ob ihr das tatsächlich machen wollt, das ist natürlich euch selbst überlassen, wie wäre es mit einem Forum, welches jeder lesen kann, aber in dem nur Mitglieder schreiben können? Da wäre bei guten Diskussionen oder Planungen von Aktionen ein Leser, der sich einbringen will, eher bereit, sich anzumelden:

Er wüßte zumindest wozu und mit wem er sich einlässt.

Wie wäre es damit, Aktionen weitaus mehr darzustellen und zur Mitarbeit aufzufordern? Welche Gelegenheit haben den Leute bei euch sich einzubringen, die etwa nicht vor Ort wohnen oder die erst einmal reinschauen wollen?

Wer will, dass Leute sich beteiligen, der muss auch sagen, wie man sich beteiligen kann. Der muss den Leuten zeigen, wie sie sich einbringen können und die Hürden niedrig gestalten.

Natürlich ist es einfach, sich selbst aufzuwerten und über die „Kommentarspaltenvolldiskutierer“ zu lästern. Es bringt nur in der Sache nicht. Wohlgemerkt: Ich möchte das auch gar nicht allen „Aktiven“ vorhalten. Das genaue Meinungsbild innerhalb der Szene ist mir ja nicht bekannt. Vielleicht gibt es auch viele, die hier oder in anderen Blogs neben der aktiven Arbeit mitlesen oder mitdiskutieren und das einfach nicht so publik machen.

8. Wie wäre es schöner?

Für die, die mit den „Bloggenden“ ein Problem haben: Wie wäre es mit einer neuen Perspektive? Statt aus einem „Nicht gut genug“-Aktivismus verächtlich auf die Bloggenden herabzuschauen solltet ihr euch bewußt machen, dass sie eben auf eine andere Weise an der gleichen Sache arbeiten. Dass sie Multiplikatoren und Öffentlichkeit für eure Aktionen sind.
Ich freue mich über jeden, der Aktiv etwas macht. Ich freue mich auch über jeden, der interessante Texte oder Kommentare schreibt, der unter Zeitungsberichten kritische Anmerkungen macht, der also daran mitarbeitet, dass die Ideen bekannter werden und man merkt, dass Leute es anders sehen. Auf welche Art sie das konkret machen oder machen können ist aus meiner Sicht da relativ egal. Alles hilft mit und an allen Bereichen kann man vieles erreichen.
Selbst wenn ihr davon ausgeht, dass euer Baustein größer ist, schadet ein weiterer Baustein an einer anderen Stelle auch nichts. Es ist ein (kleiner) Stein weniger, den ihr bauen müsst.

Die Bloggenden und die Arbeitenden: Zum Rücktritt von Tristan Rosenkranz

Über Genderama bin ich auf diese Mitteilung von Tristan Rosenkranz gestoßen, der sich aus der aktiven Arbeit zurückziehen will.

Tristan scheint ausgebrannt zu sein, sieht insgesamt zu wenig Unterstützung und zuviel Rangeleien. Das ist schade und ich hoffe er erholt sich schnell wieder.

Als Gründe dafür führt er unter anderem an:

  • Männer, die in Foren und Blogs endlose und unglaublich schlaue Debatten führen, aber nirgends da draußen für jene in Erscheinung treten, über die debattiert wird

Die Diskussion hatten wir ja hier auch schon, auch ich mit Tristan. Wir haben da verschiedene Positionen, den ich bin zumindest der Auffassung, dass ihm mein Bloggen nicht schadet und im Zweifelsfall eher Leute für das Thema interessiert, die dann was machen wollen.

Auch Arne gibt seine Erfahrungen wieder und zu einigen Punkten davon ein paar Anmerkungen:

– Du musst damit klar kommen, dass sich 95 Prozent der Männerbewegung auf den sogenannten slacktivism beschränken, also Foren und Kommentarspalten vollbloggen, um sich hinterher mit großen Augen darüber zu wundern, dass trotz „all dieser jahrelangen Arbeit nichts passiert“. Politische Aktionen wie in anderen Ländern wird es hierzulande und in dieser Generation der Männerbewegung nicht geben, und sie wird dadurch viel weniger effektiv sein. Damit muss man sich abfinden.

Aus meiner Sicht ist einiges passiert, seit ich mit dem bloggen angefangen habe. Als ich angefangen habe, waren die Schweizer IGAF, Sons of Perseus und das Gelbe Forum die vorherrschenden und Arne hat noch auf seinem Schreibtisch-Blog gepostet, aber mit mehr Lücken dazwischen als heute. Es gab abseits des Radikalen kaum eine Gelegenheit über Maskulismus zu diskutieren. Ich bin froh, dass inzwischen eine ganz andere Szene vorhanden ist und das radikale insgesamt eine geringere Bedeutung steht (Disclaimer: Ich sage nicht, dass es an mir liegt, ich sage lediglich, dass seit dem eine Szene entstanden ist, die weit aus liberaler ist.

– Du musst damit klar kommen, dass etliche Menschen auf unterschiedlichste Weise deine Zeit fressen möchten, und du musst diese Leute abblocken können. Dazu gehören beispielsweise die von Tristan Rosenkranz angesprochen „Man-müsste-mal“-Arschlöcher (etwa: „man müsste mal eine Petition an den WDR schreiben“), was im Klartext IMMER bedeutet: „Macht ihr mal, ich habe mit dieser Arbeitsanweisung nun wirklich genug geleistet“. Dazu gehören Leute, die endlos über irgendwas diskutieren wollen und vollkommend taub reagieren, wenn man ihnen erklärt, gerade wirklich im Stress zu sein und keine Zeit zu haben. (Ich hatte gerade diesen Sonntagvormittag das Vergnügen mit einem Vogel auf Facebook, der unbedingt mit mir über Syrien diskutieren wollte, dem ich viermal erklärte, dass ich gerade zwei Stunden an Genderama-Beiträgen gearbeitet hatte und noch einiges beruflich tun müsste, und der darauf immer pampiger wurde, bis er sich irgendwann zu „du hast ’nen Knall“ gesteigert hatte.) Solche Leute haben neben Rechtsradikalen die höchste Chance von allen, von mir zügig blockiert zu werden. Generell gesprochen scheint Facebook Missionare, Verschwörungstheoretiker und Menschen mit einem narzisstischen Sozialverhalten anzuziehen. In den meisten Fällen muss man solche Leute aber nicht entfreunden; es genügt, wenn man von „abonnieren“ auf „nicht mehr abonnieren“ wechselt.

Ich glaube gerne, dass viele Bereiche anstrengend sind. Sowohl weil Leute sich einbringen als auch weil Leute sich nicht einbringen, aber meinen, dass man selbst das für sie machen müsste (interessant wäre, ob der Vorwurf an Blogger, sie seien nicht aktiv, nicht auch durchaus etwas in die Richtung ist). Nicht, dass ich nicht gerne Artikelvorschläge bekommen würde, im Gegenteil, dafür bin ich sehr dankbar, aber natürlich gibt es auch immer mal wieder Leute, die meinen, dass man sonstwas jetzt und auf eine bestimmte Weise schreiben müsste oder man gefälligst mehr Arbeit in dies oder das stecken müsste.

– Du musst akzeptieren lernen, dass du manche Verleumdungen ignorieren musst und nicht alles ausdiskutieren kannst. Eine Radikalfeministin, die nicht nur jeden deiner Beiträge, sondern auch jedes Blogpost, das du verlinkst, und jedes Buch, das du nennst, nach „bedenklichen“ Stellen durchforstet, um dich der „Frauenfeindlichkeit“ bezichtigen zu können, wirst du im Gespräch mit Sicherheit nicht überzeugen können, dass sie falsch liegt. Spar dir die Zeit, und versuche es gar nicht erst.

Gut, da ist Arne als Buchautor und als jemand, der unter Klarnamen schreibt natürlich wesentlich betroffener. Ich für meinen Teil wäre ja noch froh, wenn eine radikale Feministin auf meinen Blog verlinken würde.

Dasselbe gilt für aus der fundamentalistischen Männerszene gezielt gestreute Phantasien wie etwa, dass du dich nur deshalb gegen Rechtsradikale positionierst, weil dir dafür irgendein hochbezahlter Job in der Politik winke.

Das hatte ich auch schon und finde ich auch immer wieder lustig.

All dieser Dreck versendet sich; er ist es nicht wert, dass du deshalb zeitliche Abstriche bei wichtigen Dingen machst. Wenn du mit jedem Fanatiker im Web eine eigene Debatte führen würdest, hättest du viel zu tun. Auch wenn du von einem Blogger, der Schwule hasst, die ersten drei Blogbeiträge zu diesem Thema gelesen hast, brauchst du das bei den nächsten 17 nicht ebenfalls zu tun. Es steht höchstwahrscheinlich nichts Neues drin, du kannst allenfalls bei einer Zwangsneurose zuschauen.

Man kann nicht auf alles antworten und alles ausdiskutieren. Das würde ich auch so sehen. Wobei ich vielleicht eher das Glück habe, dass ich zu vielem schon einen Artikel habe, der was dazu sagt. Man baut sich ja langsam einen gewissen Bestand auf.

– Du musst damit leben lernen, dass die Unterstützung deiner Arbeit durch die Männerszene trotz einiger unermüdlicher Einzelkämpfer insgesamt sehr … ausbaufähig ist. Beispielsweise unterstützt nur ein Prozent der regelmäßigen Leser von Genderama dieses Blog auch durch Spenden. Nur ein Bruchteil der Leute, denen ich Gratisexemplare meines Buches „Not am Mann“ zuschickte, veröffentlichten dafür auch den im Gegenzug versprochenen Beitrag.

Auch das kann ich nachvollziehen, wobei ich dazu aus eigener Erfahrung wenig sagen kann, da ich ja bisher weder ein Buch geschrieben noch um Spenden gebeten habe.

Und als die männerfreundliche Feministin Robin Urban in der Kommentarspalte des Blogs Alles Evolution einmal vorschlug, dass man statt Bücher von Frauen wie „Tussikratie“ auch mal eines meiner neu erschienenen Bücher näher vorstellen könnte, war die Antwort vorhersehbar: Gruppenkeile gegen Robin natürlich. Wenn du mit solchen Dingen nicht klar kommst: Geh nicht an die Front der Männerbewegung.

Das finde ich schade, dass Arne das so sieht. Man kann es hier in den Kommentaren nachlesen. Robin wurde dort patzig, aus meiner Sicht, weil sie eben Kritik am Feminismus nicht mag und ein „lasst meinen Feminismus in Ruhe und kümmert euch lieber um euren Scheiß“ anführen wollte. Die „Gruppenkeile“ bestand darin, dass man sie darauf hinwies, dass ich es noch nicht gelesen hatte und das sie es natürlich gerne selbst besprechen könnte, statt hier rum zu meckern, wenn sie das schon hat. Denn wie Neuer Peter zutreffend sagte: „Er hatte halt noch keine Zeit und außerdem noch ein Leben, Alter. Christian ist nicht dein persönlicher Mietmaskulist.“  Natürlich schreibt sich eine Reaktion auf ein Interview und dort genannte Positionen auch schneller als eine Buchbesprechung. Es liegen einige viertelfertige Buch- und Filmbesprechungen in meinem Entwürfeordner, zu denen mir die Zeit fehlt.

Aus meiner Sicht fehlt durchaus die Verankerung zwischen einem theoretischen Teil wie dem Bloggen als auch einem praktischen Teil. Es fehlt auch die Bereitschaft aus der „aktiven Welt“ die Bloglandschaft als tatsächliche Chance zu nutzen.

Ich hätte kein Problem beispielsweise ein- oder zweimal im Monat (oder auch gerne häufiger) Gastbeiträge aus dem aktiven Leben zu veröffentlichen, etwa Hinweise auf eine konkrete Aktion, bei der man Unterstützung braucht oder auch nur der Vorstellung eines Textes, bei dem man um Verbesserungen oder Feedback bittet. Es hat auch meines Wissens noch keiner der aktiven mal auf die (Sammel-)Blogs verwiesen oder andere Verbindungen hergestellt.

Vielleicht bräuchte man einen „Blogbeauftragten“ dort, der Termine sammelt und weitergibt. Das wäre aus meiner Sicht eine interessante Position um Leute zu rekrutieren. Einen, der beispielsweise einfach mal Themen und Meinungen aus den Vereinen in die Blogs trägt und so Interesse bei Lesern weckt.

Was mich selbst wiederum abschreckt in entsprechenden Vereinen aktiv zu werden ist, dass da glaube ich noch ein für mich nicht übersehbarer Teil von betroffenen Leute vorhanden sind, deren Meinung ich nicht teile und mit für Diskussionen mit denen ich zusätzlich noch zu wenig Zeit habe. Solche, denen bestimmte Positionen aufgrund eigener Betroffenheit sehr sehr nahe gehen und die es als Angriff empfinden, wenn man dies so nicht teilt.

Ich habe über meine örtliche Gruppe da von allerdings Außenstehenden und aus Sichtung ihrer Materialien nicht soviel Gutes gehört und sie sind mir da eher mit Aktionen aufgefallen, die ich so nicht teile und bei denen bestimmte Amtsträger (Richter, Jugendamt) aus meiner Sicht unsachlich angegangen worden sind. Von anderen Gruppen habe ich anderes gehört und einige scheinen mir sehr professionell zu sein. Aber auch das kann ich  nur sehr eingeschränkt überblicken

 

„Einfach nur bloggen bringt nichts“

Der Hinweis kommt oft: „Einfach nur Bloggen bringt nichts, was tut ihr denn konkret für das, was ihr vertretet“.

Maren führte es beispielsweise gerade wieder auf Geschlechterallerlei an:

Kinder! Ich habe es schonmal gesagt und ich sag es wieder:
Bloggen bringt nichts, aber auch gar nichts! Da müsste man eventuell mal seinen Hintern in die richtige Welt bringen.

Ich sehe das anders und zwar aus den folgenden Gründen:

1. Blogs stellen Kristallisationspunkte dar

Blogs oder natürlich auch andere Seiten ermöglichen ein Zusammenfinden Gleichgesinnter, die große Stärke des Internets. Man kann unproblematisch Ideen austauschen und eine gewisse Szene kann sich auf diese Weise herausbilden. Solche Treffpunkte sind wichtig, gerade in den Anfangszeiten einer Bewegung, da man dann mit seinen Gedanken dazu nicht mehr allein ist und auch andere merken, dass da ähnlich denkende Vorhanden sind. Von solchen Blogs aus kann also eine Bewegung entsprechend wachsen.

2. Eine andere Perspektive durchdenken

Artikel im Internet geben einem genug Zeit sich mit einer anderen Perspektive zu beschäftigen und sie erst einmal zu durchdenken, bevor man aktiver wird. Lokale Gruppen können natürlich die gleiche Funktion haben, wenn sich ihre Mitgliederzahl ausweitet, aber sie bilden nicht den gleichen Einstieg, es ist schwieriger in ihnen Wissen auszutauschen und zusammen zu kommen. das Internet ermöglicht einen unproblematischen Erstkontakt.

3. Wissensansammlung und dessen leichte Verfügbarkeit

Blogs ermöglichen eine Ansammlung von Wissen und das Bereitstellen von Informationen. Es ist beispielsweise sehr schnell möglich, sich hier über diverse Kritik am Feminismus oder etwa biologische Theorien zu den Geschlechtern zu informieren. Auch findet man schnell Stellungnahmen zu vielen klassischen Argumenten im Geschlechterstreit und kann auch nachvollziehen, wer welche Argumente bringt. Es kann schnell verlinkt und kopiert werden und damit auch zB in Leserbriefen oder Diskussionsforen eine bereits vorformulierte Argumentation eingebracht werden

4. Der „Der Kaiser ist nackt“ Effekt

Der Gender-Feminismus hat den Vorteil, dass er eine Deutungshoheit über das Thema beansprucht, Kritik tabuisiert hat und einfach zB Pauschal auf Butlers Bücher verweist und im übrigen so tut als seien dessen Theorien gut abgesichert. Diese Haltung zu enttabuisieren dazu kann eine direkte Auseinandersetzung mit diesem Thema, die so wohl nur im Internet stattfinden kann, dienen. Dazu reicht es, dass Leute hier und in anderen Blogs Argumente aufnehmen und damit die Mystik weg ist. Es wird dann klar, dass dort keine tatsächliche wissenschaftliche Grundlage vorhanden ist und andere Forschung dagegen spricht. Die relativ einfachen Schema und Konstruktionen und auch die Art, wie dort mit vagen Begriffen und Widersprüchen argumentiert wird, kann so deutlich werden.

Dadurch, dass entsprechende Blogs als „Szene“ wahrgenommen werden kann also eine Entmystifizierung stattfinden und insofern Kritik normalisiert werden. Normalerweise wird eine Meinung dann erheblich an Gehalt verlieren, wenn Leute sie für unlogisch halten. Dieser Prozess wird durch eine Tabuisierung verzögert. Um so verbreiteter solche Argumente aber sind, um so schwerer ist es die Tabuisierung aufrechtzuerhalten.

5. Arbeitsteilung und gegenseitige Verstärkung

Aus dem oben genannten folgt, dass man sich die Arbeit durchaus auch teilen kann. Der eine schreibt, der andere ist eher praktisch orientiert. Wobei ich gegenwärtig die Zeit einfach noch nicht für hinreichend reif halte, um viel zu bewirken.

Eine Demo gegen das Unterhaltsrecht oder für ein Wechselmodell wäre sicherlich interessant, aber dazu ist die Szene noch nicht vernetzt genug und die meisten Leute würden wahrscheinlich nie etwas davon erfahren, so dass aufgrund der geringen Anzahl von Leuten wahrscheinlich auch ansonsten keine Berichterstattung darüber erfolgen würde. Es blieben nur Aktionen, die nicht durch die Anzahl der Leute auffallen, sondern auf andere Weise.

Hierzu ist wahrscheinlich auch noch eine bessere Vernetzung vielleicht auch mit aktiveren Gruppen wie Mandat etc erforderlich.

Ich denke, dass beide Seiten durchaus einander unterstützen und jeweils das Gute in dem Tätigkeiten der anderen sehen sollten.

Momentan sehe ich Aufklärung und Verbreitung von Ideen als einen sehr wichtigen Prozess an.

Wer lieber konkrete Aktionen planen will oder bereits plant kann dazu aber natürlich auch gerne etwas in den Kommentaren mitteilen.