Juramama „Es gibt kein einziges Gesetz in Deutschland, das exklusiv in den Körper von Männern eingreift.“

Die Juramama schreibt einen Artikel zu dem Recht der Frauen auf Abtreibung und einige Passagen darin finde ich so bescheuert, dass ich sie, auch weil sie als „bester Text für den „goldenen Blogger“ nominiert war, gerne noch kommentieren möchte:

Um das also voranzustellen: Das Recht, ganz alleine über die Funktionen des eigenen Körpers zu bestimmen, muss endlich ganz grundsätzlich und überall nicht nur für Männer gelten, sondern auch für Frauen. Denn nur der Teil der Menschheit der über eine Gebärmutter verfügt, kann schwanger werden. Der andere Teil kann im Stehen akkurate Figuren in den Schnee pinkeln und das ist nicht nur in Wacken oder im Stau eine männlich einzigartige und von mir schwer beneidete Körperfunktion.

Es gibt kein einziges Gesetz in Deutschland, das exklusiv in den Körper von Männern eingreift.

Also abgesehen davon, dass man ihm einfach so die Vorhaut abschneiden darf, wenn die Eltern religiös sind. Oder was man diesen männlichen Körper zur Bundeswehr einberufen kann und zu Gewaltmärschen etc verpflichten kann.

Die Abtreibungsvorschriften greifen noch nicht einmal „in den Körper ein“. Sie verhindern allenfalls, dass eine Frau nach einer gewissen Zeit der Schwangerschaft und wenn sie gewisse formelle Anforderungen nicht erfüllt hat, wie die Beratung, in die körperlichen Prozesse eingreift. Das ein Mann als Vater die Schwangerschaft beendet verhindern sie übrigens vollkommen. Er kann sich in keiner Form den sich daraus ergebenden Pflichten entziehen, die im wesentlichen eine Arbeitspflicht begründen, die sogar über die normale Arbeitszeit hinausgehen kann. Das Abtreibungsrecht ist im Verhältnis zum Mann nicht eine Benachteiligung, es ist eine deutliche, deutliche Besserstellung. Letztendlich meckert sie hier, dass sie nicht noch besser gestellt wird als Männer, indem Frauen noch länger abtreiben können bzw Ärzte mtitteilen dürfen, dass sie Abtreibungen vornehmen. Und auch wenn ich finde, dass das Verbot, diese Eingriffe als von einem angebotene Dienstleistung zu erwähnen, ruhig abgeschafft werden kann, ist ihr Vorhalt, dass Frauen mit einem MEHR an Rechten schlechter gestellt werden als die Männer, geradezu bizarr.

Kein Gesetz „schützt“ den Mann vor etwas, zu dem sein männlicher Körper biologisch exklusiv in der Lage ist.

Es schützt auch kein Gesetz die Frau vor etwas, zu der der weibliche Körper biologisch exklusiv in der Lage ist. Denn der weibliche Körper treibt nicht von sich aus ab und wenn er das macht, dann ist es nicht strafbar.

Kein Gesetz knüpft eine Entscheidung über etwas, was nur ein männlicher Körper kann, an Strafbarkeiten oder Beratungen.

ja, wer hätte je die Zeugung eines Kindes an potentielle Strafbarkeiten geknüpft. Gab es da nicht mal diese nette Kopie von Schreiben des Jugendamtes, wo die Mutter zur Geburt des Kindes gratuliert worden ist und auf Beratungsangebote hingewiesen worden ist und dem Vater Fristsetzungen zur Unterhaltszahlungen gesetzt worden sind, bei Androhung einer Klage.

Und der Mann bekommt eben noch nicht einmal eine Beratungsmöglichkeit etwa mit der Mutter, wenn sie nicht zustimmt. Er kann sich nicht einschalten und deutlich machen, dass er die Abtreibung (oder das Kind) will.

Und wenn er ihr heimlich eine Pille danach ins Essen mischt, weil sie sie nicht nehmen will, dann braucht er eher selbst eine Beratung bei einem Rechtsanwalt ganz zu schweigen davon, dass er eine Fehlgeburt herbeiführt.

§ 218
Schwangerschaftsabbruch
(1) 1Wer eine Schwangerschaft abbricht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. 2Handlungen, deren Wirkung vor Abschluß der Einnistung des befruchteten Eies in der Gebärmutter eintritt, gelten nicht als Schwangerschaftsabbruch im Sinne dieses Gesetzes.

(2) 1In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. 2Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

1.
gegen den Willen der Schwangeren handelt oder

2.
leichtfertig die Gefahr des Todes oder einer schweren Gesundheitsschädigung der Schwangeren verursacht.
(3) Begeht die Schwangere die Tat, so ist die Strafe Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe.

(4) 1Der Versuch ist strafbar. 2Die Schwangere wird nicht wegen Versuchs bestraft.

 

Es gibt hier keinen mildernden Paragraphen: „Begeht der Vater die Tat…“ obwohl da ein Produkt seines Körpers, seiner Gene heranwächst, auch wenn er das Kind genau so gerne loswerden will wie die Mutter.

Warum sind eigentlich Samenspenden in Deutschland erlaubt, Eizellspenden aber verboten. Was genau macht Eizellen eigentlich heiliger oder wertvoller als Spermien und warum „schützen“ wir hier nur die Frau und nicht den Mann vor sich selbst und den Folgen? Wo ist die externe Konfliktberatung  für den Spermaspender?

Das ist wirklich … nicht so intelligent.

Der Unterschied liegt ja wirklich auf der Hand.  Muss man einer Mutter wirklich erklären, dass an Sperma sehr leicht ranzukommen ist, an noch funktionierende Eizellen aber nicht?

Während man für Spermaspender einen Becher und evtl ein paar Pornomagazine braucht, und Sperma quasi ein „Verbrauchsgut“ ist, welches eh immer wieder nachproduziert wird, braucht man für eine Eizellenspende zunächst eine medikamentöse Stimulation der Eizellen, damit mehrere heranreifen, die dann unter Narkose mit einer Punktation entfernt werden.

Die Hormonstimulation ist körperlich und seelisch sehr belasten und kann zu einem Überstimulationssyndrom führen kann. Der spätere Eingriff zur Entnahme ist mit Narkose- und Thromboserisiken verbunden. Auch Gewebeverletzungen sind möglich.

Insofern beugt das Verbot einer Kommerzialisierung der Eizellenspende vor, ebenso wie man (und hier auch: Mann) seine sonstigen Organe nicht spenden darf.

Auch die Einsetzung der Eizelle bietet einiges an Risiken,  was den Vorgang noch problematischer macht. Es gibt also zumindest für den Unterschied leicht nachvollziehbare Gründe, die nicht allein darauf beschränkt sind, dass man Frauen eben einfach gerne was verbieten will (was nicht bedeutet, dass die Eizellenspende verboten bleiben sollte, sie ist ja auch in anderen europäischen Ländern erlaubt, aber so zu tun als gäbe es keine Unterschiede ist doch wenig überzeugend.

 Oder umgekehrt: Kein Gesetz stellte es jemals unter Strafe, nicht mal zu konservativsten Zeiten, wenn sich ein fruchtbarer Mann unter 40 die Samenleiter durchtrennen wollte. Ich bezweifle eine Mehrheit im Bundestag, nicht mal unter Beteiligung der aktuell lächerlichsten SPD seit Gründung der SPD, für ein Gesetz, das Männer dazu verpflichtet zusätzlich zu dem Arzt seines Vertrauens in eine „pro Familia“ Beratungsstelle zu latschen und bei Kerzenschein und Keksen darüber zu reden, ob „seine zumutbare Opfergrenze“ wirklich überschritten ist, da er mit seiner Entscheidung fraglos zukünftiges Leben verhindert.

Da dürften die gleichen Regeln wie bei einer Eileiterdurchtrennung oder Abklemmung gelten.

Es ist eben in diesem Fall auch kein drittes Element im Spiel, das Baby, welches schon einen gewissen Entwicklungstand hat.

Eine Vasektomie ist ja reversibel. Das stimmt. Aber auch eine Frau kann nach einem Abbruch erneut schwanger werden und es gehört nun mal zum Körper der Frau, dass sie zusätzlich zu den Eizellen noch einen Uterus hat, der aus Spermium und Eizelle überhaupt einen Menschen machen kann. „Eine Frau kann sich ja auch die Gebärmutter entfernen lassen“ ist eben nicht dasselbe. 

Sie muss sich ja auch nicht die Gebärmutter entfernen lassen, die Eileiter abklemmen reicht.

Wir haben eine Zusatzfunktion und die gehört alleine uns. Das macht die Mächtigen dieser Welt, die Herrscher über das geltende Recht, schon immer wahnsinnig, ohne dass sie die Verantwortung, die damit einhergeht, jemals tragen wollen würden oder trugen.

Was ist das genau? Narzissmus? Verfolgungswahn? Es ist ja nun nicht so, dass es rein Männer sind, die Abtreibungen kritisch sehen. Eine große Anzahl Frauen ist ebenfalls sehr konservativ und hat das immer mitgetragen.

Und ein Großteil der Mänenr sieht es im übrigen genauso wie viele Frauen. Ganz davon ab, dass Gesellschaften schon immer Verantwortung für Kinder getragen haben und Frauen unterstützt haben. Und Männer natürlich auch.

Was ist denn mit den weiteren körperlichen Eigenheiten, die nur Männer draufhaben? Spermien produzieren um Leben zu ermöglichen, zum Beispiel. Kein einziges deutsches Gesetz limitierte jemals Masturbation auf dreimal pro Woche, weil sonst moralisch übermäßig viel Lebenspotential in Kleenex Taschentüchern verendet. Oder verteilte Berechtigungsscheine, falls es doch mal mehr Palme-schütteln sein muss.

Faszinierend wie das jemand für einen schlauen Gedanken halten kann. Lediglich der Vollständigkeit halber muss ich hier zunächst das klassische Video „every sperm is sacred“ einstellen:

Es verhindert auch keiner, dass eine Frau sich Sperma aus dem Geschlecht wischt, eine Spülung ansetzt oder die Pille danach einwirft. Nur eben, wenn man eine tatsächliche Abtreibung vornehmen muss, dann werden nach der Rechtsprechung des BVerfG eben auch die Rechte des Kindes geschützt. Weil sich dort eben bereits ein neues Wesen gebildet hat. Das muss man nicht teilen. Aber man muss da doch den Unterschied zu Sperma erkenne. Und das gerade als Juristin, die ja nun mit der Rechtsprechung zu Art 2 GG vertraut sein sollte.

Es hat in der Geschichte einige kirchlich motivierte Ansätze gegeben, die männliche Masturbation zu verteufeln, jedoch ging es hier im Kern um genau das, worum es bei den sexuellen Rechten der Frauen heute noch immer geht: Die Macht sowas verbieten zu können. Macht hat nämlich unter anderem derjenige, der die Fortpflanzung kontrollieren kann und tiefe menschliche Bedürfnisse unter seine Herrschaft zwingt. Eine historische Konstante. Gesetzlich legitimierte Sanktionen aber gab es in unserer europäischen Rechtsgeschichte immer nur für Frauen, wenn Sexualität nicht allein der Fortpflanzung diente oder in einer ungewollten Schwangerschaft endete. Kein Gesetz in der Geschichte bestrafte jemals ausschließlich den Mann, der eine Frau schwängerte und verschonte die Frau. Umgekehrt fand das allerdings ständig statt. Unehelich oder ungewollt schwangere Frauen sind Jahrhundertelang reihenweise freiwillig von einer Klippe gesprungen und bringen noch heute ihre Babys heimlich auf Flughafentoiletten zur Welt, weil sie Recht und Gesellschaft fürchten mussten. Ich kenne keine Story, in der ein Mann von christlichen Fundamentalisten auf dem Scheiterhaufen verbrannt, von islamistischen Fundamentalisten geehrenmordet wurde oder lieber den Freitod wählte, weil er eine Frau versehentlich geschwängert hatte. Im Zweifel brannten, starben oder sprangen beide. 

Das ist auch eine gewagte These. Natürlich werden schon massenhaft Männer getötet worden sein, weil sie eine Frau geschwängert haben oder auch nur mit ihr geschlafen haben.

Selbst in der Bibel finden sich Passagen dieser Art: 5 Buch Moses 22:13 ff

23 Wenn ein unberührtes Mädchen mit einem Mann verlobt ist und ein anderer Mann ihr in der Stadt begegnet und sich mit ihr hinlegt,
24 dann sollt ihr beide zum Tor dieser Stadt führen. Ihr sollt sie steinigen und sie sollen sterben, das Mädchen, weil es in der Stadt nicht um Hilfe geschrien hat, und der Mann, weil er sich die Frau eines andern gefügig gemacht hat. Du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen.
25 Wenn der Mann dem verlobten Mädchen aber auf freiem Feld begegnet, sie festhält und sich mit ihr hinlegt, dann soll nur der Mann sterben, der bei ihr gelegen hat,
26 dem Mädchen aber sollst du nichts tun. Bei dem Mädchen handelt es sich nicht um ein Verbrechen, auf das der Tod steht; denn dieser Fall ist so zu beurteilen, wie wenn ein Mann einen andern überfällt und ihn tötet.
27 Auf freiem Feld ist er ihr begegnet, das verlobte Mädchen mag um Hilfe geschrien haben, aber es ist kein Helfer dagewesen.

Seine Verteidigungsmöglichkeiten scheinen mir da recht eingeschränkt nach den Vorschriften. Es reicht, dass sie hätte schreien können, auch wenn sie nicht geschrien hat und eben auch, wenn sie nichts dagegen hatte, mit ihm da Sex zu haben.

Es dürften auch genug Hexer verbrannt worden sein, die mittels ihrer Magie oder des Teufels Hilfe eine Frau verführt hatten oder andere Spiele dieser Art.

Wie man in weiteren Passagen der Bibel sieht war die „Strafe“ der Männer mitunter auch schlicht, dass sie diejenige heiraten und damit für immer versorgen mussten. (was auch die Strafe der Frau sein kann aber eben dazu diente, dass diese versorgt ist)

Aber auch ansonsten wurden Männer in vielen Bereichen weitaus schwerer bestraft, Männer durften eher gefoltert werden, eher grausam hingerichtet etc.

Richtig ist natürlich, dass die Jungfräulichkeit der Frau stärker beschützt worden ist als die des Mannes und das eine Schwangerschaft natürlich ein leichter Beweis der nicht mehr Jungfräulichkeit war, welches es bei einem Mann für die Schwängerung nicht gab. Hintergrund ist eben, dass das Prinzip der Vatersicherheit und der alte Grundsatz „Sperm is cheap, eggs are expensive“ mal wieder zuschlagen. Das ist wenig mysteriös, es ist eher schlichte Biologie.

Frauen waren ihren Kindern schon immer faktisch zum Unterhalt verpflichtet, denn sie mussten das geschützte Leben finanziell durchbringen. Die Väter dagegen waren bis weit in das 20. Jahrhundert hinein nur ihren ehelich gezeugten Kindern zum vollen Unterhalt verpflichtet. Mit unehelichen Kindern waren sie rechtlich bis 1970 nicht einmal verwandt! 1 9 7 0 ! Das war keine Diskriminierung von Vätern, sondern sollte sie hauptsächlich vor Ansprüchen der unehelichen Kinder, also vor einem Erbrecht dieses Kindes und vor vollen Unterhaltszahlungen bewahren.

Natürlich kann es auch eine Diskriminierung von Männern sein. Und natürlich schützte es hauptsächlich die Frau und die ehelichen Kinder, denn „den Mann vor einem Erbrecht des Kindes zu bewahren“ verschleiert etwas, dass der Mann dazu sterben musste.

Es beschützte die „Sittlichkeit“ und die Familie und beugte auch einer Reduzierung des Einkommens der Ehefrau vor.

Die Mutter eines unehelichen Kindes sollte für ihre „voraufgegangene, unsittliche Handlung“ bestraft werden.“ – so steht es in den Motiven für den entsprechenden damaligen Paragraphen im BGB. Der deutsche Staat verweigerte der Mutter als Strafe für ihr unverantwortliches Handeln, einfach unverheiratet schwanger zu werden, also unter Anderem einen vollen Unterhaltsanspruch des Kindes. Der Unterhaltsanspruch, den sie tatsächlich hatte, wurde nur bis zum 16. Geburtstag des Kindes gezahlt und zudem in der Höhe lustigerweise nicht danach bemessen, wie reich oder arm der Vater war, sondern wie die originäre Vermögenssituation der Mutter aussah.

Interessant, dass sie das als Beeinträchtigung sieht: Warum sollte sie mehr Geld für die Betreuung des Kindes bekommen, wenn der Vater besonders reich war? Sie baut nichts mit ihm gemeinsam auf wie es in der Ehe sein soll. Die Idee, dass man ihr ihren Verdienstausfall ersetzt scheint da ja durchaus nicht fernliegend.

Da freilich uneheliche Kinder mit dem Hausmädchen der Normalfall und mit der reichen Industrieerbin eher die Ausnahme waren, sieht man auch hier schön, wieviel Wert dem „geschützten Leben“ im Bauch einer ungewollt schwangeren Frau schon immer zukam. Aber damit nicht genug, nicht mal das Sorgerecht hatte die Mutter des unehelichen Kindes. Das Sorgerecht für dieses Kind wurde zwar nicht dem Vater, aber stattdessen automatisch auf einen Amtsvormund übertragen. Nur ausnahmsweise und „auf Antrag“, der sorgfältig vom Gericht geprüft wurde, durfte der Mutter eines unehelichen Kindes ab 1961 ein Elternrecht zugestanden werden. Sie hatte schließlich eindrucksvoll bewiesen, keine besonders verlässliche Person zu sein, da muss man die Kinder vor ihrem Einfluss schützen.  Das wurde erst 1970 nach unfassbaren Querelen geändert, uneheliche Kinder als „mit dem Vater verwandt“ erklärt und damit ein Unterhaltsanspruch und ein Erbrecht manifestiert. Die Väterrechtler von damals nannten sich übrigens „Verband der Unterhaltsverpflichteten für uneheliche Kinder in der BRD“ und kommentierten diese Verpflichtung mit dem Ergebnis des „größten Schieber- und Hurenstaates, der jemals auf deutschem Boden bestanden hat.“ Soviel zum schützenswerten Leben und um was es eigentlich geht: Geld.

Und da reitet sie so auf den Männern rum, dabei erkennt man da ja ganz gut, dass diese eigentlich in diesem Bereich ein eigenes Interesse an einer Abtreibungsmöglichkeit der Frau haben und nicht etwa der Feind sind, sondern weit eher Verbündete der abtreibenden Frau. Das scheint der Juramama aber irgendwie unvorstellbar: Sie baut eine feindliche Linie auf, Männer gegen Frauen. Männer versagen der Frauen Rechte, einfach weil sie Angst vor deren Gebährfähigkeit haben. Männer halten Frauen zurück. Frauen sind benachteiligt.

Eine interessante Form der Benachteiligung, bei der man mehr Rechte und mehr Einfluss auf den Vorgang hat als der Andere.

 

 

 

Gewollte Vaterschaft und Abtreibung (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel

Gewollte Vaterschaft und Abtreibung

Wenn das Thema Kinder, Schwangerschaft oder Abtreibung im Raum steht, kommt immer wieder auch die Idee einer „Abtreibung für Männer“ für den werdenden Vater auf. Worauf basiert die Forderung und wie würde man so etwas umsetzen?

Zunächst einmal dürfen Frauen in Deutschland bei Einhaltung einiger Voraussetzungen straffrei abtreiben. Manchen Frauen fällt das sicher leichter als anderen, die meisten Abtreibungen dürften jedoch realistisch betrachtet auf persönlichen Wunsch erfolgen und nicht wegen gesundheitlicher Gefahren der Mutter oder erheblicher wirtschaftlicher Not. Abtreiben kann nur die Mutter, auch wenn es sicherlich Fälle gibt, in denen vom Partner oder der Familie unter Druck gesetzt wird. Doch nur wer das Recht dazu hat, kann auch die Entscheidung treffen. Die potenziellen Väter haben (sofern sie von der Schwangerschaft wissen) keinerlei Mitsprache- oder Entscheidungsrecht, etwa in Form der Teilnahme am vorgeschriebenen Beratungsgespräch. Die Möglichkeit der Verhütung – oft als Argument genannt – haben alle Beteiligten. Wobei Frauen mit der Pille danach ein zusätzliches, nachträgliches Mittel zu Verfügung steht. Somit sind Frauen zwar von den unmittelbaren Folgen einer Schwangerschaft betroffen, haben jedoch umfangreiche reproduktive Rechte, während Männer fast gar keine solchen Rechte besitzen. Soweit die Basis für die Forderung.

Niemand möchte Männern die Möglichkeit geben, über die Abtreibung bei einer Frau zu entscheiden. Dies wäre nicht nur argumentativ inakzeptabel, sondern wahrscheinlich auch verfassungswidrig. Stattdessen kann man in der Analyse die Geburt eines Kindes und die rechtliche und persönliche Übernahme der Elternschaft trennen. Diese Trennung gibt es für Frauen in Form der (in unseren Nachbarländern) anonymen und in Deutschland in Form der vertrauliche Geburt [1] sowie durch die Einrichtung von Babyklappen. Letztere stehen theoretisch nicht nur den Müttern offen, allerdings nur aufgrund der zwangsläufigen Anonymität. Praktisch können Frauen also sowohl Geburt und Mutterschaft als auch nur letzteres beenden. An dieser Stelle ist nicht entscheident ob man das gut oder schlecht findet, sondern dass der potenzielle Vater keine dieser Rechte hat. Soviel zur Gleichberechtigung.

Gegen die Idee einer vom Vater gewollten Vaterschaft ist mit dem Argument zu rechnen, dass die Frau nur abtreiben können soll, weil sie körperlich stärker als der Vater von der Schwangerschaft betroffen sei. Das ist nachvollziehbar, allerdings hat eine Frau durch diesen Umstand auch die Möglichkeit, ein vom Vater gewolltes Kind abzutreiben. Somit hat sie einen Vorteil auf dem „Ja-Nein-Schachbrett“, welcher (wie bereits erörtert) für den Vater gar nicht gefordert wird. Die Formulierung „Abtreibung für Männer“ trifft also nicht zu und wahrscheinlich ist es auch besser, sie gar nicht zu verwenden.

Die grundsätzliche Umsetzung der gewollten Vaterschaft sieht zunächst einmal so aus, dass ein werdender Vater bei Kenntnis dieses Umstands seine Vaterschaft erklären kann oder muss. Aus meiner Sicht zu bevorzugen ist die Variante, bei der Vaterschaft explizit abgelehnt werden muss. Warum so? Weil die Umstände nicht ignoriert werden dürfen, welche mit diesem Szenario einhergehen. Eine schwangere Frau befindet sich hormonell, sozial und nebenbei auch rechtlich in einer Ausnahmesituation. Daher darf eine solche Erklärung des Vaters nur für einen begrenzten Zeitraum nach Kenntnis über die Schwangerschaft bzw. potenzielle Vaterschaft möglich sein. Das gibt dem betroffenen Mann Bedenkzeit und der Schwangeren durch die Frist Sicherheit. Eine voreilige oder unter Druck abgegebene Erklärung für die Vaterschaft wäre nicht möglich.

Es gibt jedoch noch weitere positive wie negative Folgen. Positiv ist, dass der Vater sich gegen auf verschiedene Weise ertrickste Vaterschaft [2] samt Unterhaltspflicht wehren kann. Des weiteren stellt sich die Frage, weshalb die Geburt eines Kindes gegen den expliziten oder insgeheimen Wunsch des Vaters positiv für Kind und Familie sein soll. Politisch interessant dürfte sein, wie die Forderung im Lager der Abtreibungsbefürworter aufgenommen wird. Eine Befürwortung von Abtreibung aus humanitären, medizinischen oder Gründen der Selbstbestimmung kollidiert nicht mit der Idee der gewollten Vaterschaft. Anders sehen werden das die Feministen, für die Gleichberechtigung eine Einbahnstraße ist.

Last but not least hat Umsetzung einer gewollten Vaterschaft jedoch auch Folgen über die Situation hinaus, welche thematisiert werden müssen. Aus einer Frau, die mit einem Kind ohne Vater schwanger ist und nicht abtreiben möchte, wird wahrscheinlich eine Alleinerziehende, die auf Hilfe durch den Sozialstaat angewiesen ist. Das Kind wächst ohne Vater und mit erhöhter Wahrscheinlichkeit mit einem Mangel an männlichen Bezugspersonen auf. Eventuell macht es Sinn, das Recht auf gewollte Vaterschaft daher wie die Abtreibung mit weiteren Voraussetzungen zu versehen. Beispielsweise einer Beschränkung auf unverheiratete Personen. Die Ablehnung der Vaterschaft in einer festen Partnerschaft würde diese ohnehin häufig belasten. Schließlich bleibt noch das Argument einer sinkenden Kinderzahl, welche vermutlich zu erwarten ist. Da sind jedoch Gesellschaft und Politik gefragt, die Elternschaft attraktiver und Väter nicht nur zur Nebenerscheinung einer Familie zu machen.

[1] https://de.wikipedia.org/wiki/Anonyme_Geburt
[2]https://www.zeit.de/2018/13/ungewollte-vaterschaft-prozess-kinderwunsch-reproduktionsklinik

 

Vergleiche auch:

„Über Abtreibungen sollten nur Frauen entscheiden dürfen“

Gerade starten wieder einige Kampagnen zur Abtreibung und zur Werbung für Abtreibung.

Dabei scheint es einigen Frauen sehr wichtig zu sein, dass Männer da irgendwie Schuld sind, jedenfalls aber nicht mitzureden haben.

Und so weiter. „Mein Körper, meine Entscheidung“ ist in der Hinsicht natürlich ein alter Spruch und ich stimme auch zu, dass diese Entscheidung über die Abtreibung bei ihr letztendlich nur die schwangere Frau treffen kann. Eine Abtreibung gegen den Willen einer Schwangeren durchzuführen wäre wohl barbarisch.

Aber etwas anderes ist die Frage der Gesetzgebung zum Abtreibungsrecht. Hier ist es aus meiner Sicht etwas ganz anderes, denn in einer Demokratie werden auch sonst keine Fragen abgespalten, sondern eben alle durch ein Parlament entschieden. Dessen Zusammensetzung obliegt den Wählern, die im übrigen mehrheitlich Frauen sind, dennoch aber beispielsweise in der letzten Wahl mehrheitlich die Parteien gewählt haben, die vergleichsweise wenig Frauen in den Bundestag entsenden (CDU, AFD und FDP haben bei weiblichen wie bei männlichen Wählern über 50% der Stimmen erhalten):

Es ärgert mich um so mehr, weil ich glaube, dass Männer im Großen und Ganzen weitaus liberaler sind, was eine Abtreibung angeht. Sicherlich gibt es hier, ebenso wie bei Frauen religiöse oder sehr konservative, die etwas dagegen haben, aber der typische Mann wird bei einer ungewollten Schwangerschaft eher dafür beten, dass die Frau abtreibt und nicht das Kind austrägt und damit sein Leben nachhaltig durch Unterhalt in erheblicher Höhe, durch Erbansprüche und durch moralische Fragen, wie er nun zu dem Kind steht, belastet. Es dürften weitaus eher Frauen sein, die in diesem Bereich nachdenken, was sie machen und ob es richtig ist, abzutreiben. Denn zum einen haben die Frauen auch medizinische Folgen zu tragen, zum anderen sind sie in vielen Punkten auch ansonsten im Schnitt sensibler und babyaffiner.
Zudem ist die Abtreibung auch eine Spielwiese intrasexueller Konkurrenz: „Eine „ehrbare Frau“ braucht eben keine Abtreibung, sondern nur Schlampen, die herumschlafen und nicht verhüten“ mag eine konservativere Frau sagen, und kann damit betonen, dass sie eben keine Schlampe ist.  Zudem sind eben mehr alte Frauen am Leben als alte Männer und ältere Menschen sind eher gegen Abtreibungen, weil religiöser und konservativer. Eine Frau, die für sich entschieden hat, dass sie nicht abtreiben will, weil sie „kein Leben tötet“ kann ein Interesse daran haben, dass sie gar nicht abtreiben darf oder nur sehr kurz, um die Zeit zu verkürzen, in der man ihr das vorhält, etwa weil es alle für unvernünftig halten.

Das Frauen da weniger liberal sein können zeigen auch diese Umfragen:

“Polls consistently show … that women are more likely than men to support a reduction on the abortion limit. In the 2011 YouGov poll 28% of men supported a reduction, 46% of women did. In the 2012 YouGov poll 24% of men supported a reduction, 49% of women did. In the Angus Reid poll 35% of men supported a reduction in the limit, 59% of women did. In the ICM poll 45% of men supported a reduction to 20 weeks, 59% of women did.”

Other polls have appeared since that article, and they show the same thing. A 2013 YouGov poll on behalf of the University of Lancaster found 26% of men supporting a reduction or ban, versus 43% of women. Interestingly, 53% of women in that survey believed that life begins at conception, against 35% of men – not exactly „every sperm is sacred“, but not too far off.

Eigentlich müssten damit Befürworterinnen einer Lockerung der Abtreibungsvorschriften sehr daran gelegen sein, wenn sie Männer mit ins Boot holen könnten. Es würde schlicht die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass es zu einer Änderung kommt. Und es wäre aus meiner Sicht auch recht einfach:

Würdest du wollen, dass eine Frau, die von dir nach einem One-Night-Stand schwanger ist, das Recht hat abzutreiben?

Ich glaube das würde die meisten Männer schon überzeugen.

Meinetwegen auch:

Deine Frau oder Freundin wurde vergewaltigt und ist schwanger. Sollte sie abtreiben können? Wäre es nicht vorteilhaft, wenn ein Arzt sie darauf hinweisen kann, dass er sich auf dem Gebiet auskennt und da besonders hohe Fachkenntnisse hat?

Oder sogar relativ geschlechtsneutral:

Dein Sohn hat betrunken Sex und das Mädchen ist schwanger. Sollte sie abtreiben dürfen?

Dennoch habe ich so ein „Werben um Männer“ nirgendwo gesehen. Nur die Aufforderung, dass sie lieber den Mund halten sollen.

Ich führe das zum einen darauf zurück, dass die Diskussion gerade von feministischer Seite geführt wird (denn das Recht auf Abtreibung gibt es ja und es dürfte auch nicht so schwer sein über einen Frauenarzt heraus zu finden, wer in dem Bereich spezialisiert ist, selbst wenn diejenigen keine Werbung machen dürfen) und man da eben schwer vom Feindbild man wegkommt. Der Mann muss es verhindern, er verhindert ja sonst auch alles Gute für die Frau. Das Frauen selbst da etwas verhindern, dass ist in diesem Weltbild nur schwer vorstellbar und auch schlechter für die Identitätspolitik, die Gruppenidentität.

Zum anderen dürfte es auch weiter gefasst sein, denn es geht ja nicht nur um das Recht auf Abtreibung, sondern auch um das Recht, dass dieses unhinterfragbare Entscheidung der Frau ist, in die der Mann nicht reinreden darf, und zwar in keine Richtung, weder dafür noch dagegen. Er soll schlicht die Entscheidung der Frau hinnehmen und da bietet es sich an, dass man ihm schon die Grundentscheidung abspricht.

Das ist aus meiner Sicht keine kleine Sache, denn natürlich verändert ein Kind, gerade ein ungewolltes außerhalb einer Partnerschaft, die Sache erheblich. Zum einen führt es dazu, dass ich ein Verhältnis zu einer Frau haben muss, die mich vielleicht gar nicht interessiert und mit der ich nur einmal Sex haben wollte, zum anderen drohen hohe finanzielle Einbuße, die Einfluss auf viele Faktoren im Leben haben, nicht zuletzt auch die Frage, wie ich später ein Familienleben führen kann und was ich von meinen Einnahmen in dieses investieren kann.

Das Recht auf Abtreibung ist insoweit natürlich nicht lediglich ein Frauenrecht, sondern auch ein Männerrecht, es schützt Interessen von Männern, auch wenn sie es nur mittelbar ausüben können.

Gerne wird gegen solche Interessen angeführt, dass Geld doch da nun wirklich nicht wichtig sein dürfte. Es gehe doch auf Seiten der Frau um viel wichtigeres. Aber auch die Frau wird eben eine Abwägung nach Kriterien wie „passt es in mein Leben und will ich das“ durchführen, die genau so „triviale“ Entscheidungsgründe enthält.

Das alleine reicht schon um das Argument, dass es diejenigen, die es betrifft, entscheiden sollen, auszuhebeln. Man könnte es noch weiter führen, indem man darauf abstellt, dass auch genug Frauen nicht schwanger werden können, seien es die Alten, die unfruchtbaren, die Lesbischen oder Asexuellen etc abseits des Rechts auf Abtreibung nach Vergewaltigung etc.

 

Als evtl Vater Geld bieten für eine Abtreibung

Ich hatte ja bereits in diesem Artikel angeführt, dass ich es für vollkommen richtig halte, dass die Abtreibung in Deutschland möglich und straffrei ist (unter bestimmten zeitlichen Bedingungen).

Jetzt stelle ich mal diesen Fall zur Diskussion:

A model claims her high-flying hedge funder ex-boyfriend offered her $75,000 to have an abortion, and is now denying he is the father of their baby daughter.

Elmira Naymark, 32, is suing Ron Ozer, 29, a portfolio manager at Citadel who specializes in natural gas deals, for child support for the child she says they conceived together during a two-and-a-half year relationship, according to the New York Post.

Naymark says as soon as she announced she was expecting, the formerly doting Ozer suddenly turned cold, and told her to ‚take a pill‘ and ‚call the clinic‘.

The financier then said he would deny the baby and was already preparing to distance himself from the youngster, according to the suit filed in Manhattan Supreme Court last week.

When she said she intended to keep the child, he told her: ‚I f***ing hate you,‘ calling her ‚white trash‘ and ‚disgusting,‘ according to the suit.

Er ist vermögend, seine Freundin wird schwanger, er ist für eine Abtreibung, sie nicht, er bietet ihr Geld an, um sie zu überzeugen. Sie lehnt ab. Er beschimpft sie.

Ich finde es verständlich, dass er will, dass sie abtreibt. Anscheinend wollte er noch kein Kind, vermutlich wird er sogar das Gefühl haben, dass sie ihm das Kind untergeschoben hat, was durchaus verständlich wäre. Er weiß, dass das Kind sehr sehr teuer wird und eine Vielzahl weiterer Probleme aufwerfen wird.

Warum soll er ihr kein Geld dafür bieten? Wenn man ihre freie Entscheidung respektiert, es einfach ohne Grund abzutreiben (Selbst wenn er es wollte), dann sollte man auch akzeptieren, wenn er ihr für diese Handlung Geld bietet.

Zur weiteren Entwicklung und seinem Vermögen:

Ozer, who went to MIT and reportedly owns a $2million West Village apartment that used to belong to Robert DeNiro, then allegedly had a colleague text Naymark with an offer he hoped she couldn’t refuse: to have an abortion for a significant amount of money.

‚He wants to help you out and take care of this,‘ the text allegedly said. ‚This isn’t the only chance for you to have children.

‚You don’t have to force this and do it alone. He’d be willing to offer a lump sum of money to you. I’m sure he would have no problem with 50k-75,000+.‘

Naymark turned down the offer and had a baby girl in September.

Despite the fact that Naymark says Ozer made $60million in one deal last year, she says he is not contributing to the child’s care and she has been forced to go on food stamps and Medicaid.

Würde ich ihm vor einem Vaterschaftstest auch so raten.

Die Folgen sind durchaus weitreichend:

Naymark is asking for child support ‚proportionate with [Ozer’s] vast wealth and income,‘ according to the Post.

Additionally, she is seeking a paternity test, full custody of the baby, health insurance for the baby, funding for private schools and summer camps, and a $5million life-insurance policy listing herself and their daughter as beneficiaries in case of Ozer’s death, reports the outlet.

She also said she is trying to get her real estate license and that her mother provides child care.

Sie hat also quasi ausgesorgt, wenn es tatsächlich sein Kind ist. Denn „Unterhalt nach seinem Status und Einkommen dürften in Amerika einige Tausend Euro pro Monat sein. Angesichts seines Vermögens sind 75.000 € eher Peanuts. Vielleicht sollte er insofern mehr bieten.

Aber die eigentliche Frage ist natürlich, ob es zu verurteilen ist, dass er überhaupt etwas bietet. Oder weiter gefasst: Was ist noch zulässige Interessenwahrnehmung des Mannes bei der Frage, ob sie abtreibt.

Sind mehr Frauen als Männer gegen Abtreibung?

Ein für mich überraschendes Ergebnis von Umfragen wird beim Guardian dargestellt:

Polling on abortion, as highlighted by UKPollingReport back in 2012, is pretty clear when it comes to the attitudes of men and women:

“Polls consistently show … that women are more likely than men to support a reduction on the abortion limit. In the 2011 YouGov poll 28% of men supported a reduction, 46% of women did. In the 2012 YouGov poll 24% of men supported a reduction, 49% of women did. In the Angus Reid poll 35% of men supported a reduction in the limit, 59% of women did. In the ICM poll 45% of men supported a reduction to 20 weeks, 59% of women did.”

Drilling down into the numbers doesn’t reveal anything untoward. YouGov’s 2012 poll suggests that slightly more men than women want to ban abortion completely (8% vs 5%), but the result isn’t statistically very significant, and the effect disappears in the Angus Reid poll (the question isn’t asked in ICM’s). The YouGov numbers are lower than those found by Angus Reid and ICM, but the gender differences are still consistent.

Other polls have appeared since that article, and they show the same thing. A 2013 YouGov poll on behalf of the University of Lancaster found 26% of men supporting a reduction or ban, versus 43% of women. Interestingly, 53% of women in that survey believed that life begins at conception, against 35% of men – not exactly „every sperm is sacred“, but not too far off.

The difference even holds up when you poll Catholics. A second University of Lancaster survey carried out last autumn found that 40% of Catholic men supported a reduction or ban, against 57% of Catholic women. Exactly the same difference in percentage points that they found among the general population.

Das ich Abtreibung als ein Recht sehe, dass auch für Männer wichtig ist, hatte ich bereits in diesem Artikel dargestellt. Ich verstehe auch die Männer nicht, die gegen eine Abtreibung sind, es wird in einer ernsten Beziehung selten dazu kommen und ansonsten bedeutet es häufig, dass man Kindesunterhalt zahlen wird, über die Elternschaft an eine Person gebunden ist, die anscheinend nicht genug Vertrauen in die Sache hat, um das Kind mit einem gemeinsam zu wollen oder die es sich gegenwärtig selbst nicht zutraut. Die Ausgangslage ist insoweit denkbar ungünstig.

Frauen, die dagegen sind, verstehe ich noch weniger. Immerhin haben ja letztendlich Frauen die Entscheidung, ob sie es machen oder nicht und können damit für sich selbst die ihnen genehme Lösung wählen.

Andererseits waren es in (theoretische) Diskussionen um eine Abtreibung auch eher Frauen, die mit Argumenten wie „Es ist ja immerhin ein Kind“ kamen, die meisten Männer sahen das eher praktisch. Wenn es nicht passt, dann ist es besser, dass das Kind erst gar nicht geboren wird. Frauen schienen da häufig eine emotionalere Position zu zu haben und es auch noch neben dem medizinischen Gesichtspunkt unter dem Gesichtspunkt „kann man das mit einem Embryo wirklich machen“ zu betrachten.

 

Selektive Abtreibung nach Geschlecht

Aufgrund der Möglichkeit, das Geschlecht vor der Geburt zu bestimmen, haben sich neue Möglichkeiten entwickelt, das Geschlecht der Kinder, die man tatsächlich bekommt über geschlechts-selektive Abtreibungen zu bestimmen.

Zunächst erst einmal zu der Frage, warum es überhaupt eine ungefähr gleiche Anzahl von Männern und Frauen gibt: Fishers Prinzip:

W.D. Hamilton gave the following basic explanation in his 1967 paper on „Extraordinary sex ratios“,[4] given the condition that males and females cost equal amounts to produce:

  • Suppose male births are less common than female.
  • A newborn male then has better mating prospects than a newborn female, and therefore can expect to have more offspring.
  • Therefore parents genetically disposed to produce males tend to have more than average numbers of grandchildren born to them.
  • Therefore the genes for male-producing tendencies spread, and male births become more common. As the 1:1 sex ratio is approached, the advantage associated with producing males dies away. The same reasoning holds if females are substituted for males throughout.
  • Therefore 1:1 is the equilibrium ratio.

In modern language, the 1:1 ratio is the evolutionarily stable strategy (ESS).[5] The claim previously made here that „all strategies have equal fitness when the sex ratio is 1:1 (i.e. an individual who produces strictly sons has just as many offspring as an individual producing sons and daughters with equal probability), and thus can invade the population“ is incorrect because it does not consider that the fitness of the sons is reduced due to an excess of males, and therefore the strategy cannot invade the population.

Demnach sollte sich normalerweise ein ungefähres Gleichgewicht einstellen.

Allerdings können bestimmte Umstände dazu führen, dass es günstiger ist, Mädchen oder Jungen zu bekommen: Das Trivars-Willard-Prinzip:

Das Trivers-Willard-Prinzip wurde 1973[1] von Robert Trivers und Dan Willard als soziobiologischer Effekt beschrieben. Das Prinzip besagt, dass aus Gründen der genetischen Fitnessmaximierung statushöhere Eltern eher in die Aufzucht von Jungen investieren, statusniedrigere dagegen eher in die Aufzucht von Mädchen.

Der Grund hierfür ist vermutlich, dass im Rahmen der sexuellen Selektion, das heißt im weitesten Sinne der Partnerwahl, Männer mit guten (materiellen) Ressourcen bessere Chancen bei Frauen haben, da diese Väter für ihre Kinder bevorzugen, die deren Überleben sichern können. Wenn eine statusniedrige Mutter in die Aufzucht ihres männlichen Nachwuchses investiert, muss sie davon ausgehen, dass dieser bei der Partnersuche keine oder eine geringe Chance hat, eine geeignete Partnerin zu finden. Für Mädchen gilt dies nicht.

Ihre Chancen werden durch Jugendlichkeit und Gesundheit maximiert, was durch eine gute Pflege gegeben werden kann, unabhängig von anderen Ressourcen wie Status, Geld und Einfluss. Andersherum kann eine statushohe Mutter davon ausgehen, dass ihr männlicher Nachwuchs mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine geeignete Partnerin finden wird. Die Investition in dessen Aufzucht lohnt sich somit. Andererseits stellt die Aufzucht eines Mädchens für diese Mutter ein gewisses Risiko dar, da der weibliche Nachwuchs auch mit Mädchen aus niedrigeren Statusklassen konkurrieren muss und darum keine so hohe Sicherung des Reproduktionserfolges darstellt. Einer Untersuchung britischer und US-amerikanischer Daten zufolge haben misshandelte Frauen, die mit gewalttätigen Männern zusammen sind, signifikant mehr Söhne als Töchter. Diese Beobachtungen sind konsistent mit dem Trivers-Willard-Prinzip

Diese evolutionären Prinzipien spielen aber als biologische Prozesse bei der Abtreibung keine Rolle, wenn die dahinterstehenden Erwägungen andererseits auch mit in die Abtreibungsdebatte mit reinspielen.

Beispielsweise kann bei einer Ein-Kind-Politik wie in China ein Grund sein, dass man als relativ gut gestelltes chinesisches Paar der Mittelschicht einen Sohn wesentlich besser fördern kann, weil bei ihm eben Status einen wesentlich höheren Effekt hat.

Auf Wikipedia finden sich die folgenden Gründe für eine selektive Abtreibung nach Geschlecht:

Cultural preference

The reason for intensifying sex-selection abortion in China and India can be seen through history and cultural background. Generally, before the information era, male babies were preferred because they provided manual labor and success the family lineage. Labor is still important in developing nations as China and India, but when it comes to family lineage, it is of great importance. The selective abortion of female fetuses is most common in areas where cultural norms value male children over female children.[1] A son is often preferred as an „asset“ since he can earn and support the family; a daughter is a „liability“ since she will be married off to another family, and so will not contribute financially to her parents. The patriarchal structure of a society is the single most important factor skewing the sex ratio in favor of males, accentuated in some cultures by the burden of raising a dowry for a daughter’s marriage. Openness to the very concept of sex selection is a significant factor: among societies which practice selective female abortion nowadays, many were systematically practicing female infanticide (either directly or by withholding postnatal care from children of undesirable sex) long before abortion became a viable option.[32] Furthermore, in some cultures sons are expected to take care of their parents in their old age.[33] In modern East Asia, a large part of the pattern of preferences leading to this practice can be condensed simply as a desire to have a male heir. Monica Das Gupta (2005) observes that, in late 1980s to early 1990s China, there was no evidence of selective abortion of female fetuses among firstborn children, or in families with one or more existing sons (in fact, families with multiple sons were, if anything, more likely to abort a boy than a girl). But, at the same time, families with existing daughters appeared very likely to abort any further female fetuses, resulting in heavily skewed sex ratios.[32]

Sexual discrimination

The role of many women in nations that are prone to sex-selection abortion is to stay home, do house chores, and raise children. She is mutely banned to work in the society, pressured by family and discouraged by society. Lower salary, working in temporary or non-regular jobs, and lower status at work is often the case even for women who do work. In these societies, mothers are compelled to assist their husbands and raise their children, sparing no time for self-development. All in all, in cultures that practice sex-selective abortion, women are prone to sexual discrimination and are viewed as inferior to men.[citation needed]

One-child Policy

The 1960s scare for overpopulation led governments to implement laws to control birth rate such as the one-child policy. Accordingly, it led to consequence where parents highly value boys over girls; even to a point were words such as „infanticide“ come into existence. Infanticide has come to be known as the „Holocaust for baby girls“. What’s more, her child will follow the husband’s surname and is restricted to visit her parents whenever she wishes. These kinds of cultural practice mixed with the government implications of one-child policy have caused one-daughter parents to become ‘’childless’’ after the marriage. As a result, these parent no longer have a financially supporting or lineage successor. Thus, for parents to ensure financial dependence and hereditary successor, a boy must be born. In this regard, the pervasion of male dominant culture and one-child policy heightens the sex-selective abortion.

Trivers–Willard hypothesis

The Trivers–Willard hypothesis argues that available resources affect male reproductive success more than female and that consequently parents should prefer males when resources are plentiful and females when resources are scarce. This has been applied to resource differences between individuals in a society and also to resource differences between societies. Empirical evidence is mixed with higher support in better studies according to Cronk in a 2007 review. One example, in a 1997 study, of a group with a preference for females was Romani in Hungary, a low status group. They „had a female-biased sex ratio at birth, were more likely to abort a fetus after having had one or more daughters, nursed their daughters longer, and sent their daughters to school for longer.“[34]

Genetic

Gender-linked genetic abnormalities, such as several forms of colorblindness, are linked to recessive genes on the X chromosome. Pre-implantation genetic diagnosis can identify some life-threatening genetic abnormalities in embryo. The easiest way to select against embryos which may have a gender-linked genetic abnormality is to choose only female embryos. Embryos which are not implanted are usually discarded.

Die Gründe für die Bevorzugung von Jungs werden auch in diesem Artikel behandelt:

In many countries, however, the sex ratio deviates from these norms because of the tradition of son preference. Son preference is most prevalent in an arc of countries from East Asia through South Asia to the Middle East and North Africa (23).

Sons are preferred because

(i) they have a higher wage-earning capacity, especially in agrarian economies (24);

(ii) they continue the family line; and

(iii) they are generally recipients of inheritance (25, 26). Girls are often considered an economic burden because of the dowry system; after marriage they typically become members of the husband’s family, ceasing to have responsibility for their parents in illness and old age (27).

Son preference is manifest prenatally, through sex determination and sex-selective abortion, and postnatally through neglect and abandonment of female children, which leads to higher female mortality (28). Since prenatal sex determination became available in the mid-1980s it has made a major contribution to imbalances in the sex ratio seen in many Asian countries (29). However, it is the combination of sex-selective technology and a small-family culture that has caused the highest sex ratios (29, 30). When large family size is the norm and access to contraception is limited, son preference has little influence on sex ratio because couples continue bearing children, largely irrespective of the gender of the children (31). Female infanticide, abandonment of newborn girls, and neglect of daughters have been used in such societies to increase the male-to-female ratio in families, especially in situations where poverty has limited the number of desired children (25). When the family size norm is moderate and only contraceptive methods are available, couples may consider the sex distribution of their existing children and decide whether or not to use family planning, weighing the need for a son against their desired family size (31). However, when fertility rates are low, by choice or coercion, female births must be prevented to allow for the desired number of sons within the family size norm.

Postnatally, discrimination against daughters leads to neglect of their health care or nutrition, resulting in higher female mortality. A number of studies have shown that unequal access to health care is the most important factor (32, 33). This is especially the case in societies where health care costs have to be borne by the family (34–36). In 1990, Sen (21) estimated that differential female mortality had resulted in ≈100 million “missing females” across the developing world. Klasen (30) and Coale (5) arrived at figures of ≈93 million and ≈90 million, respectively, with the highest percentages of missing females occurring in the Indian subcontinent: Pakistan (11% of all missing females), India (9.4%), and Bangladesh (8.9%).

Since the mid-1980s, female disadvantage in mortality has declined substantially, only to be replaced by a different type of disadvantage: sex-selective abortion (28). The combination of widespread access to noninvasive sex-selective technology (ultrasound) and the advent of the small-family culture happened to coincide in some Asian countries in the mid-1980s and has led to a greatly increased sex ratio at birth (25, 31, 37). Realization of the potentially disastrous effects of this distortion has led many Asian governments, including those of India and China, to outlaw prenatal sex determination and sex-selective abortion, yet these techniques are still being carried out on a large scale, with virtual impunity (38, 39).

Es sind also aus der Sicht der jeweiligen Familie durchaus wirtschaftliche Gründe, die dazu führen, dass sie lieber Söhne hätten. Das macht die Praxis nicht richtig, wer sie allerdings ändern will, der muss sich mit diesen Gründen auseinandersetzen.

Gegen das Recht je nach Geschlecht abzutreiben regen sich allerdings auch unerwartete Stimmen: Einige Feministinnen meinen, dass ein Eingriff in das Recht zur Abtreibung schwerer wiegt als der Umstand, dass überwiegend Frauen abgetrieben werden:

An even more compelling argument against sex-selective abortion bans is that restrictions on access to prenatal technologies and to abortions can create barriers to health care for women with legitimate medical needs; scare health care providers from providing safe, otherwise legal abortion services; and force women who want to terminate their pregnancies into sidestepping the regulated health care system and undergoing unsafe procedures. Accordingly, the joint UN statement stresses that “States have an obligation to ensure that these injustices are addressed without exposing women to the risk of death or serious injury by denying them access to needed services such as safe abortion to the full extent of the law. Such an outcome would represent a further violation of their rights to life and health.”

Oder hier:

As women, when we decide whether or not to continue our pregnancies, we deal with what is, not with what should be or what is theoretically palatable. This woman knows she cannot provide for this child in some way that matters, in some way that matters to her.

Is it any different than knowing one cannot provide economically for a child and choosing an abortion for this reason? No. Will we tell the woman of no economic means that this is not a good reason to have an abortion? No. We all know we wish it weren’t so, that in a perfect world all women would be capable of supporting their families, but in our world, the imperfect world, they are not. Women still earn much less than men and have less steady work, work in lower paid part time jobs and without benefits. We lack affordable and decent child care. These are issues we all know about. (…)

Ultimately, when we factor out all the “reasons” for abortion, whether they be economic or social, there will still be abortions. What happens when we only have women left who choose abortion because they simply don’t want to have a child? Do we tell these women that this is not a good reason? That this is selfish? No. We would not do this.

The whole line of thinking that some abortions are done for reasons that are more valid than others, because someone was raped, for example, is problematic. Any woman can choose an abortion for any reason, and she doesn’t have to tell us what it is. It’s none of our business.

Meanwhile, we do not stop striving to make the world a place where little girls are as wanted as little boys, where the systemic discrimination of women is a thing of the past. As we all know, taking away a woman’s right to control her own body, to be fully informed and make fully informed choices, is not a way to do this.

Demanding a woman give birth to an unwanted girl to make some sort of anti-sexist point is to sacrifice her will for ideology. It is as coercive as demanding she abort the girl, also a demand that sacrifices her will for ideology.

We assume, and I think we assume wrongly, that women who have an abortion for reasons of sex selection do so unwillingly. To impose our ideas on another woman’s life is patronizing. We can’t know. We don’t need to know. Again, it’s none of our business. As always, the pregnant woman is the best person to make this choice about her own body and her own family. No one can take this away from her. To do so would be truly sexist.

Eine Nation, in der der Trend zur selektiven Abtreibung von Frauen gestoppt wurde ist wohl Südkorea. Dort ist die Geschlechterrate wohl inzwischen wieder normalisiert. Grund waren soziale Änderungen, die die Kostenrechnung veränderten:

The preference for boys here is centuries old and was rooted in part in an agrarian society that relied on sons to do the hard work on family farms. But in Asia’s Confucian societies, men were also accorded special status because they were considered the carriers of the family’s all-important bloodline.

That elevated status came with certain perquisites — men received their families’ inheritance — but also responsibilities. Once the eldest son married, he and his wife went to live with his family; he was expected to support his parents financially while his wife was expected to care for them in their old age.

The wife’s lowly role in her new family was constantly reinforced by customs that included requiring a daughter-in-law to serve her father-in-law food while on her knees.

“In the old days, when there was no adequate social safety net, Korean parents regarded having a son as kind of making an investment for old age security,” Professor Chung said. It was common for married Korean men to feel ashamed if they had no sons. Some went so far as to divorce wives who did not bear boys.

Then in the 1970s and ’80s, the country threw itself into an industrial revolution that would remake society in ways few South Koreans could have imagined.

Sons drifted away to higher-paying jobs in the cities, leaving their parents behind. And older Koreans found their own incomes rising, allowing them to save money for retirement rather than relying on their sons for support.

Married daughters, no longer shackled to their husbands’ families, returned to provide emotional or financial support for their own elderly parents.

“Daughters are much better at emotional contact with their parents, visiting them more often, while Korean sons tend to be distant,” said Kim Seung-kwon, a demographer at the government’s Korea Institute for Health and Social Affairs.

Ms. Park, the newspaper executive, said such changes forced people to rethink their old biases. “In restaurants and parks, when you see a large family out for a dinner or picnic, 9 out of 10, it’s the wife who brings the family together with her parents, not the husband with his parents,” she said. “To be practical, for an old Korean parent, having a daughter sometimes is much better than having a son.”

Inzwischen kann es also wohl sogar vorteilhaft sein, wenn man eine Tochter bekommt.

Insgesamt ist es denke ich gut, wenn der Trend gebrochen wird. Ein hoher Männerüberschuß bedeutet auch hohe intrasexuelle Konkurrenz unter Männern und das wiederum begünstigt nicht unbedingt eine friedliche Welt.

Meine Position zur Abtreibung

Ich bin vollkommen für ein Recht auf Abtreibung.

Als Atheist sehe ich den Fötus bis zu einem gewissen Grad zunächst als ein paar Zellen an, die keinen heiligen Schutz für sich in Anspruch nehmen können. Aus diesen Zellen entwickelt sich graduell ein Mensch und irgendwann ist diese Entwicklung so weit fortgeschritten, dass eine sinnvolle Abgrenzung zu einem bereits geborenen Mensch nicht mehr möglich ist. Solange aber noch nicht einmal Gehirnfunktionen oder ähnliches eingesetzt haben oder diese in einem sehr geringen Umfang vorhanden sind, habe ich keine moralischen Bedenken gegen eine Abtreibung aus welchen Gründen auch immer.

Natürlich kann man dabei über den Zeitpunkt schreiten, ab dem der Fötus so weit entwickelt ist, dass eine Abtreibung zu einer Tötung wird. Da finde ich allerdings die gegenwärtig bestehende zeitliche Regelung durchaus nicht verkehrt. Sie gibt der Mutter genug Zeit sich zu entscheiden und enthält damit einen Kompromiss zwischen dem Schutz des Menschens und den Interessen an einer Abtreibung.

Damit haben meiner Meinung nach Mutter und Vater ein berechtigtes Interesse an einer legalen Abtreibung. Vielleicht sollten auch die Abtreibungsbefürworter ihr Arsenal erweitern indem sie nicht nur auf das „Selbstbestimmungsrecht der Frau abstellen“, sondern auch darauf, dass das Abtreibungsrecht auch den Männern erheblich zugute kommt. Schließlich erspart das Abtreibungsrecht der Frau auch den Männern einiges, wenn sie in diesem Moment oder mit dieser Frau keine Kinder wollen.

Ich bin zB aus vollkommen eigennützigen Gründen für ein Abtreibungsrecht, weil ich nicht will, dass bei einer Panne in der Verhütung keine Wahl bleibt als ein Kind zu bekommen, was mich erheblich einschränken würde.

Das allein wäre für mich ein starker Grund, mich für ein Abtreibungsrecht einzusetzen.

Dabei geht es meiner Meinung nach allerdings nicht anders als das Recht letztendlich über eine Abtreibung zu entscheiden, in die Hände der Frau zu legen. Das ist für den Fall, dass sie nicht abtreiben will denke ich auch allgemein geteilte Meinung: Eine Abtreibung gegen ihren Willen wäre ein barbarischer Akt.

Die Frage wäre wohl, ob man von ihr verlangen könnte, dass Kind auszutragen. Ich meine, dass man dies innerhalb der zeitlichen Grenzen eigentlich nicht machen kann, weil eine Schwangerschaft ein zu starker Eingriff ist.

Die Frau hat insoweit eine Wahlmöglichkeiten und Entscheidungsfreiheit.

Die Lage des Mannes ist wesentlich schwieriger. Weil er von einer fremden Entscheidung abhängig ist, die aber sein gesamtes weiteres Leben betrifft. Frauen wehren sich in der Abtreibungsdebatte dagegen, dass andere ihnen die Entscheidung über eine Abtreibung verbieten. Für Männer ist dies Alltag, zwar aus gutem Grund, weil eine Abtreibung eben ein Eingriff in den Körper der Frau ist, aber dennoch entscheidet eben jemand anders.

Dieses Dilema läßt sich wohl nicht zufriedenstellend auflösen. Das ist aber aus meiner Sicht kein Grund gegen eine Abtreibung zu sein.