Die CDU/CSU Fraktion hat anscheinend eine Veranstaltungsreihe für die Frauen dieser Fraktion, der „Ladies Circle“, in dem es auch um Gewalt gegen Frauen ging. Dazu hatte man unter anderem auch Shelby Lynn, bekannt durch ihre Anschuldigungen gegen Rammstein, eingeladen.
Hier der Link zur Veranstaltung
Aus einem Bericht über das Thema:
Eine Irin brachte den Rammstein-Skandal ins Rollen, nun war sie bei der Unionsfraktion im Bundestag zu Gast. Bei dem Abend in Berlin ging es auch um die angekündigten Rammstein-Konzerte.
Zehn Mal wieder“ würde sie tun, was sie getan hat, sagte Shelby Lynn am Mittwochabend in Berlin. Sie ist die Frau, die mit Social-Media-Postings den Rammstein-Skandal ins Rollen brachte. Auf Einladung der Unionsfraktion im Bundestag war sie nun zu Gast bei deren frauenpolitischen Abend mit dem Namen „Ladies Circle“. Das Thema der Veranstaltung: „Gewalt gegen Frauen – Das Schweigen brechen“.
Dorothee Bär (CSU), stellvertretende Vorsitzende der Fraktion, interviewte Lynn. Es solle nicht darum gehen, was genau passiert oder nicht passiert sei, sagte Bär zu Beginn. Sondern sie wolle mit Lynn darüber sprechen, wie es ihr ergangen sei, nachdem sie an die Öffentlichkeit gegangen sei.
Sie habe die ekelerregendsten Dinge lesen müssen, die ihr im Leben begegnet seien, sagte Lynn. „I have a really thick skin“, sagte sie mehrfach – sie sei alles andere als dünnhäutig. Aber sie glaube, andere Frauen hätten nicht überstanden, was sie habe erleben müssen. Sie haben sehr viel Unterstützung von Familie, Freundinnen und Freunden und auch am Arbeitsplatz. Das habe ihr sehr geholfen.
Die Irin hatte sich im Mai nach dem Besuch eines Rammstein-Konzerts in Vilnius auf Twitter sowie Instagram über ihre Erfahrungen geäußert. Diese Berichte waren der Grund, warum sich viele weitere junge Frauen mit ihren Schilderungen an die Presse wandten. So konnte ein System aufgedeckt werden, das darauf ausgelegt ist, Till Lindemann während und nach Konzerten viele junge Frauen zuzuführen.
Gegen Shelby Lynn ist Lindemann mit dem Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung anscheinend gescheitert. Allerdings eben auch nur, weil sie es hinreichend vage formuliert hat. Das Gericht stellt darauf ab, dass sie nicht sagt, dass Lindemann sie unter Drogen gesetzt hat, sondern lediglich, dass sie ihren Zustand darauf zurückführt, dass da irgendwas irgendwo drin gewesen sein muss, was eine zulässige Meinungsäußerung sei.
Was den zentralen Vorwurf angeht, ohne ihr Wissen unter Drogen gesetzt worden zu sein („I got spiked“), kam das Gericht zu dem Schluss, dass darin keine angreifbare Tatsachenbehauptung liege, sondern eine zulässige Meinungsäußerung von Lynn. Im Kontext der weiteren Schilderungen von Lynn werde dem Leser klar, dass diese nicht behauptete zu wissen, wie ihr Drogen verabreicht worden seien oder gar wer ihr die Drogen verabreicht habe. Daher handele es sich bei ihrer Aussage nur um eine Schlussfolgerung aus unstreitigen Tatsachen, die als Meinungsäußerung zu behandeln seien.
Kann man anders sehen, ist aber letztendlich nicht die Bestätigung, dass ihr dort jemand Drogen gegeben hat.
Wie in anderen Artikel bereits gesagt halte ich es grundsätzlich nicht für problematisch, wenn ein Musiker mit Groupies Sex hat, die das wollen. Und das auf solchen Parties Drogen im Spiel sein können muss auch kein Problem sein, wenn diese eben nicht dazu da sind mit jemanden gegen seinen Willen Sex zu haben.
Die Gesellschaft müsse sich ändern, Frauen dürfe nicht entgegenschlagen, was ihr entgegengeschlagen sei. „Die Welt ist zugeschnitten auf weiße Cis-Männer, das ist die traurige, kalte Wahrheit“, sagte Lynn. „Frauen müssen schreien, um überhaupt gehört zu werden.“ Sie selbst würde wieder so handeln wie sie es getan habe: „ten times over, again and again and again“. Sie sagte aber auch, der Schritt habe Mut erfordert, und sie wolle nicht behaupten, es sei einfach gewesen.
Wenn ein Mann anführen würde, dass eine Sängerin einer Band ihn mit Drogen gefügig gemacht hätte um Sex mit ihm zu haben, dann würde er wahrscheinlich ausgelacht werden. Und hier liegt es auch weniger daran, dass es Frauen sind (eher wird es nur dadurch letztendlich zu etwas, was Aufmerksamkeit bekommt) sondern, dass man versteht, dass einige Frauen mit Stars einfach so Sex haben wollen und das den Frauen auch klar war. Und natürlich hat ein Promi mit vielen Fans auch automatisch Stimmen bereits deswegen auf seiner Seite.
Teilnehmende forderten Stopp der Rammstein-Tour
Ihre Heimat Nordirland sei beim Thema Gewaltschutz für Frauen viel weiter als Deutschland. Lynn reagierte ungläubig und emotional sichtlich angefasst auf die Schilderung einer Diskussionsteilnehmerin, sie habe drei Jahre auf den Prozess gegen ihren gewalttätigen Ex-Partner warten müssen. Es handelte sich um Iris Brand, Gründungsmitglied der Initiative #DieNächste gegen häusliche Gewalt.Lynn sagte, sie sei stolz, dass sie andere Frauen habe retten können. Es gebe Gewaltopfer, die durch ihre Geschichte ermutigt worden seien, sich Hilfe zu suchen. Diese Frauen sollten nicht auf sie angewiesen sein, sondern andere Unterstützung haben, sagte Lynn. Doch davon gebe es nicht genug.
Man muss sich eben überlegen, was man will. Will man wild mit Stars feiern die vorher schon ein Video veröffentlich haben, wie sie Sex mit Frauen haben oder nicht?
Natürlich sind dann wieder gewalttätige Partner, die es ja unstreitig gibt, etwas anders. Aber auch da gibt es diese Fälle bei beiden Geschlechtern.
Zwei Personen aus dem Publikum brachten zur Sprache, dass Rammstein vor kurzem eine neue Tour angekündigt haben. Sie forderten die Union auf, diese Auftritte zu verhindern, wo sie lokalpolitisch in der Verantwortung sei. Diese Forderung wurde aber zurückgewiesen.
Julia Klöckner (CDU), wirtschaftspolitische Sprecherin der Unionsfraktion, ergriff das Wort. Sie sagte, in einem Rechtsstaat könnten solche Konzerte nicht einfach verboten werden, solange juristisch nichts erwiesen sei. Die Politik könne nicht der Aufforderung nachkommen, „nach Gutdünken“ zu entscheiden. Sie habe darüber unter anderem mit dem Berliner Kultursenator Joe Chialo (ebenfalls CDU) gesprochen.
Wenigstens Julia Klöckner hält da noch die Fahne des Rechsstaates hoch. In einem solchen muss es Beweise geben und entsprechende Entscheidungen müssen Gerichten vorbehalten bleiben.
Dem Sänger Till Lindemann wurde in diesem Frühjahr von mehreren Frauen – teils anonym – vorgeworfen, er lasse systematisch junge Fans für Sex rekrutieren. Bei Aftershowpartys soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein. Lindemann weist die Vorwürfe gegen ihn zurück.
Seine Anwälte verweisen auf Behauptungen in sozialen Netzwerken, Frauen seien bei Konzerten „mithilfe von K.-o.-Tropfen beziehungsweise Alkohol betäubt worden, um unserem Mandanten zu ermöglichen, sexuelle Handlungen an ihnen vornehmen zu können. Diese Vorwürfe sind ausnahmslos unwahr.“
Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelte von Amts wegen und wegen Anzeigen von nicht beteiligten Personen „wegen Tatvorwürfen aus dem Bereich der Sexualdelikte und der Abgabe von Betäubungsmitteln“. Die Ermittlungen wurden aufgrund eines nicht hinreichenden Tatverdachts eingestellt.
Es wurde eingestellt, weil es nichts konkretes gab. Weil keiner, der sich vorher gemeldet hatte, konkrete Angaben gegenüber der Staatsanwaltschaft machen wollte. Das bedeutet nicht, dass nichts geschehen ist. Jeder Mensch muss sich überlegen, ob er sich insoweit aus der Deckung traut und sich mit wesentlich finanzkräftigeren Leuten anlegen will. Aber aus Sicht des Rechtsstaates kann man dann eben nichts mehr machen.
Im Rahmen des Abends gab es auch zwei Paneldiskussionen, eine davon zum Stand der Dinge im politischen Kampf gegen Gewalt.
Die Diskussionsteilnehmerinnen waren sich einig, dass es noch viel Handlungsbedarf gibt. Beispielsweise wenn um Sorgerecht oder Umgang gestritten werde. Gisela Pingen-Reiner, stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Vereins Frauenhauskoordinierung, berichtete von einem zehnjährigen Jungen, der aus dem Frauenhaus zu einem Umgang mit dem gewalttätigen Vater habe aufbrechen müssen. „Meine Mutter schützt ihr, aber mich nicht“, habe er gesagt.
Den Absatz fand ich eigentlich interessanter als das ja schon durchgekaute Rammsteinthema. Denn hier sieht man, dass bestimmte feministische Strömungen auch bei der CDU/CSU anscheinend einen gewissen Zugang haben und leider wird dort eben keine wirklich Gegenstimme eingeladen werden.
Denn natürlich kann man Kinder vor Gewalt schützen. Der Vater wird ja üblicherweise schon sein Umgangsrecht einklagen müssen, wenn es ihm nicht freiwillig gewährt wird und dabei können Gefahren für das Kind natürlich einbezogen werden.
Drohen solche, dann kann ein Umgang ausgesetzt werden oder aber als begleiteter Umgang durchgeführt werden (der dann auch dazu dient, dass man mal schaut wie Vater und Kind miteinander agieren). Das Frauenhaus kann, wenn die Mutter Umgang befürwortet obwohl dem Kind Gewalt droht, natürlich auch eine Gefahrenanzeige beim Jugendamt machen, welches das Kind dann in Gewahrsam nehmen kann.
Dieser Ansatz wird aber gern von Feministen (meist nicht intersektionalen, sondern eher „traditionellere“) angebracht, die vertreten, dass (behauptete) Gewalt gegen die Mutter dazu führen muss, dass der Vater auch die Kinder nicht mehr sehen darf. Weil „Wer die Mutter schlägt, der schlägt auch die Kinder“ oder „wer die Mutter schlägt ist ein Gewalttäter und spätestens wenn es bei einem Umgang nicht nach seinen Vorstellungen geht wird er die Probleme eben wieder mit Gewalt lösen, auch den Kindern gegenüber“.
Es ist letztendlich ein gutes Mittel um einen Vater auszuschließen und insofern sich zu Rächen, die Kinder in eine einseitige Position zu zwingen, den Einfluss über die Kinder vollständiger zu gewinnen und sich nicht mehr mit dem Ex abgeben zu müssen (sonst muss man Umgangskontakte abstimmen, ertragen, dass die Kinder den Ex positiv sehen, evtl noch seine neue Freundin mögen, gerne dort sind etc.)
In Großbritannien sei man weiter, dort würde Gewalttätern standardmäßig das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen.
Da sieht man wo es hingehen soll. Ich habe keine Ahnung ob das in Großbritannien tatsächlich so ist (und hoffe das es nicht stimmt, wer mehr weiß gerne in den Kommentaren), ich hoffe, dass es in Deutschland nicht kommt und wenn es kommt, dann das es für Verfassungswidrig erklärt wird. Natürlich kann auch in Deutschland einem Gewalttäter das Sorgerecht entzogen werden, etwa wenn er nach wie vor nicht bereit ist vernünftige Gespräche mit dem betreuenden Elternteil zu führen und erst recht, wenn er zur Durchsetzung seiner Meinung Gewalt einsetzt oder androht. Aber ein genereller Entzug des Sorgerechts ist nicht geboten, schon gar nicht, wenn man berücksichtigt, dass Gewalt beiderseitig sein kann und der andere Partner seinen Anteil getan haben kann, dass es dazu gekommen ist (Bill Burr hat es bereits dargestellt)
Auch sei es sehr problematisch, dass Frauen, die nicht von Transferleistungen leben, für einen Aufenthalt im Frauenhaus selbst zahlen müssten. Daran würde es in der Praxis oft scheitern.
Gut, da hat sie es immer noch besser als ein Mann, der noch nicht einmal eine entsprechende Möglichkeit hat.
Womit ich noch nicht einmal sagen will, dass die Zuzahlungen nicht sozialer abgefangen werden könnten.
Das derzeit laufende Förderprogramm des Bundes für den Ausbau der Frauenhäuser sei zu bürokratisch für kleine Träger, es müsse unbedingt vereinfacht werden und es brauche Planungssicherheit für eine Fortführung des Programms.
Kennt einer die Bürokratie dahinter?

