Ablehnung einer Kritik aufgrund der Gruppenzugehörigkeit des Kritikers

Ist der Umstand, welches Geschlecht eher den Scheidungsantrag stellt, sehr aussagekräftig?

In verschiedensten Diskussionen wurde schon angeführt, dass Frauen eher, teilweise in 70% der Fälle, den Scheidungsantrag stellen sollen. Meist ohne Quellenangabe, wer die Quelle hat mag sie bitte in den Kommentaren ergänzen.

Daraus wird dann auch mitunter abgeleitet, dass die Frauen eher von der Scheidung profitieren oder jedenfalls auch die Trennung eher veranlasst haben oder weniger an der Beziehung hangen.

Das ist aber aus meiner Sicht gar nicht so leicht daraus herzuleiten, jedenfalls für das deutsche System.

Denn in Deutschland kann die Scheidung erst beantragt werden, wenn das Trennungsjahr abgelaufen ist oder jedenfalls kurz vor dem Ablaufen ist. Demnach spielt sich das ganze etwa ein Jahr nach der eigentlichen Trennung ab und natürlich kann bis dahin auch derjenige, der die Scheidung nicht wollte die Trennung akzeptiert haben oder sie inzwischen sogar dringender wollen als der andere.

Von den rechtlichen Vorteilen her sollte theoretisch derjenige, der mehr Geld verdient oder weiterhin Vermögen aufbaut so schnell wie möglich die Scheidung beantragen. Denn der Versorgungsausgleich wird bis und einschließlich zu dem Monat durchgeführt, in dem die Scheidung der anderen Seite zugestellt wird. Auch der Zugewinn wird bis zu diesem Zeitpunkt berechnet. Zudem ist der nacheheliche Unterhalt üblicherweise auch leichter anzugreifen und zu begrenzen als der Trennungsuntershalt, so dass auch dort Vorteile eines frühen Antrags bestehen.

Derjenige, der weniger verdient, häufiger die Frau, kann also sofern nicht ein Vermögensverfall droht ruhig abwarten und die Versorgungsbezüge des anderen mitnehmen und eine längere Ehedauer haben, die sich dann auf die Länge des nachehelichen Unterhalts auswirkt.

Es kann aber dennoch auch Gründe dafür geben, dass man auch wenn man die Trennung bedauert und nicht initiiert oder „verschuldet“ hat und auch wenn es bei wirtschaftlicher Betrachtung so gesehen besser wäre zu warten die Scheidung beantragt. Ich liste einfach mal ein paar ohne Anspruch auf Vollständigkeit auf:

  • Beide Eheleute wollen sich scheiden lassen, und zwar ganz einvernehmlich. Sie gehen zu einem Anwalt, der ihnen mitteilt, dass er nur einen von ihnen beiden vertreten kann, man aber die Scheidung unproblematisch einvernehmlich abwickeln kann. Über die Folgesachen sind sich die Eheleute auch einig, sie wollen nur geschieden werden´, und zwar so billig wie möglich. Der Rechtsanwalt schlägt vor, dass er die Scheidung im Namen der Frau einreicht, weil diese aufgrund ihres Gehalts Verfahrenskostenhilfe ohne Ratenzahlung erhalten wird (und auch die nächsten 4 Jahre keinen großen Gehaltszuwachs erfahren wird, wegen der Betreuung der Kinder), der Mann aber nicht. So wird es gemacht
  • Der Mann hat die Frau trotz eigentlich guter Ehe betrogen, belogen und die Ehe ruiniert. Er hat eine neue, die auch schon von ihm schwanger ist. Sie will so schnell wie möglich raus aus der Ehe um mit diesem Schwein abzuschließen. Die paar Monate Versorgungsausgleich sind ihr egal. Sie will auch so schnell wie möglich das Scheidungsurteil um dann mit diesem ihren alten Namen anzunehmen (nur als abstraktes, auch umkehrbares Beispiel, bei dem sie „unschuldig“ ist an der Trennung und raus will)
  • Sie trennen sich. Sie braucht einen Anwalt um den Unterhalt berechnen zu lassen. Ihr Rechtsanwalt notiert sich pflichtgemäß sogleich die Frist ab dem die Scheidung eingereicht werden kann und reicht dann auch die Scheidung ein. Er hat einen Rechtsanwalt beauftragt, der nur die Berechnung überprüft hat, aber sonst nicht groß aufgetreten ist, spart sich aber das Geld für den Rechtsanwalt im Scheidungsverfahren, weil sie ja schon einen hat und nur der Antragssteller einen braucht.
  • Sie hat das Gefühl, dass sie in der Ehe immer mehr gefangen ist, versucht es ihm mitzuteilen, merkt aber, dass er sich nicht ändern kann oder will. Sie arbeitet aus ihrer Sicht an der Ehe, bis sie merkt, dass es keinen Sinn mehr hat, weil die Vorstellungen zu verschieden sind und er ihr nebeneinander auch gar nicht ändern will. Dann resigniert sie, geht Streitigkeiten aus dem Weg, gibt eher nach, weil es sich aus ihrer Sicht einfach nicht mehr lohnt sich mit ihm zu streiten. Er findet das ganz gut, glaubt, dass sich alles beruhigt hat. Sie bereitet den Auszug vor, weil sie weiß, dass die Trennung, wenn sie sie ausspricht von ihm gar nicht verstanden wird, es sei doch alles super. Die Trennung kommt für ihn aus heiteren Himmel. Sie nimmt die Sachen in die Hand und bringt es voran. Er hatte sich ganz gut im Nebeneinander eingerichtet. Für sie war es wie ein Gefängnis

Buchbesprechung: Meike Stoverock: „Female Choice. Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“

Ein neues Buch zum Thema Evolutionsbiologie ist erschienen und es klingt so wenig durchdacht, dass ich es natürlich besprechen muss. Leider allerdings nicht nach dem Lesen des gesamten Buches sondern nur anhand eines Berichtes beim Deutschlandfunk:

Die männliche Zivilisation widerspricht der Natur: Das ist die These der Biologin Meike Stoverock. Sie hat ein Buch über das evolutionäre Prinzip der „female Choice“ geschrieben, wonach die Weibchen den Zugang zu Sex kontrollieren. Was heißt das für das künftige Verhältnis von Männern und Frauen?

„Female Choice“ ist in der Biologie erst einmal kein Problem, der Untertitel lässt einen aber bereits vermuten, dass das Buch wenig durchdacht sein könnte.  Da weiß man natürlich immer nicht, ob da der Verlag einen provokanteren Text wollte oder ob das wirklich die These des Buches ist.

Im Tierreich gilt Damenwahl. Ob Kranich, Riesenkänguru oder Paradiesvogel: Die Männchen fast aller Arten strengen sich an, um die Weibchen zur Paarung zu bewegen. Die promovierte Biologin Meike Stoverock beschreibt das so:

„Attraktive Männchen mit Hörnern, Geweihen, Schmuckfedern oder leuchtenden Farben machen ein Riesentamtam: Sie singen, schenken, bauen, drohen, sammeln, tanzen und imitieren Stimmen, dass den armen Weibchen ganz schwindelig wird vor Erotik.“Üblicherweise verfügen die Männchen über massenweise Samenzellen, mit denen sie die Weibchen begatten wollen. Für die Weibchen aber ist die Fortpflanzung viel aufwändiger, ihre Eizellen sind kostbar, die Brutpflege ist anstrengend. Deshalb sind sie wählerisch – sie bestimmen, welche Männchen sich paaren können.

Nicht alle Männchen kommen zum Zug, viele bleiben ohne Weibchen und ohne Sex. Das ist die Female Choice, ein Gesetz der Evolution.

Das ist in der Tat ein häufig zu findendes Element in der Natur – Eggs are expensive, sperm is cheap. Ein Mann kann sein Sperma theoretisch an jede Frau „verschwenden“, weil er direkt die nächste auch noch schwängern kann. Eine Frau hingegen kann – von sehr seltenen Ausnahmefällen abgesehen – nur von einem Mann schwanger werden und hat über die Schwangerschaft und die Stillzeit erheblich höhere „Mindestkosten“ als der Mann.

Soweit besteht Einigkeit. Und natürlich klingt „Female Choice“ für eine Feministin oder jemanden der – im Rahmen eines naturalistischen Fehlschlusses – daraus eine Art „richtige und besser Form des Zusammenlebens machen will erst einmal gut.

Aber die Diskussion dazu ist ja längst viel Weiter. Die Diskussion wird teilweise unter dem Begriff des  „Bateman Prinzip“ geführt und die ursprüngliche Regel, dass Frauen die Wahl haben, ist längst daraufhin erweitert worden, dass jeder, der für die Partnerwahl gewisse Kosten zu tragen hat, die zu einer Begrenzung seiner Fortpflanzung führen, ein Interesse an einer Auswahl der Sexualpartner hat.

Glücklicherweise habe ich dazu schon einiges geschrieben, beispielsweise hier:

Wer etwas mehr dazu lesen will, den verweise ich auf Geary, Male Female, der in Kapitel drei ausführlich darstellt, unter welchen Bedingungen Spezien dazu neigen einen Selektionsdruck zu erfahren oder in eine intrasexuelle Konkurrenz um das andere Geschlecht zu treten. Ich zitiere einmal den Passus zu male Choice:

Although male choice has not been found in all species in which it has been studied, discriminating males have been found in dozens of species of insect (Bonduriansky, 2001; LeBas, Hockham, & Ritchie, 2003), many species offish (Amundsen 6k Forsgren, 2001; Berglund 6k Rosenqvist, 2001; Widemo, 2006) and bird (Amundsen 6k Parn, 2006; Pizzari, Cornwallis, 1.0vlie, Jakobsson, 6k Birkhead, 2003; Roulin, Jungi, Pfister, 6k Dijkstra, 2000), and in some mammals ( M . N . Muller, Thompson, 6k Wrangham, 2006; Szykman et al., 2001). Across these species, the traits males use to make their mate choices include indicators of female sexual receptivity, the risk of sperm competition, social dominance as determined by female-female competition, female quality, and the quality of parental care the female is likely to provide. An intriguing possibility is that some of these traits may be honest signals of the quantity or quality of eggs the females carry. The female barn owl (Tyto alba) provides one example. Females display a Varying number of black spots on their breast plumage, and male mate choice indicates the more the better (Roulin, 1999). Although males do not have as many plumage spots as females, they do have some and, again, the more the better. Sexy females lend to pair with sexy males and males with sexy mates work harder to provision their offspring. An immune challenge experiment demonstrated that the robustness of the immunsystem is predicted by the number of black breast spots for females but not for males. These spots are indeed an honest indicator of female but not male health and an apparent indicator of the general health and immunocompetence of her offspring (Roulin, Ducrest, Balloux, Dijkstra, 6k Riols, 2003; Roulin, Riols, Dijkstra, 6k Ducrest, 2001). Pizzari et al. (2003) also found evidence for condition-dependent female ornaments in red jungle fowl as well as for direct and cryptic male choice. Female jungle fowl sport red combs, although smaller and less colorful than those described earlier among males; when females have ornaments, they are typically less conspicuous than those of conspecific males (Amundsen 6k Parn, 2006). Females with relatively large combs produce larger eggs with more yolk than their peers, and male mate choices indicate they prefer these females to females with smaller combs. Cryptic male choice was demonstrated by the finding that males transfer more sperm when copulating with females with larger combs; this effect is particularly pronounced for high-status males. Another interesting twist on male choice is found for the paternal pipefish (Syngnathus typhle); in this species males copy the mate choices of other males (Widemo, 2006). Copying presumably reduces the costs of finding a mate, but scientists do not know how often this happens in other species. As I describe i n the Paternal Investment section of chapter 4, the conditions associated with male parenting and male choice differ in important ways from female parenting and female choice. My point for now is that when males shift reproductive effort from mating to parenting, they compete less intensely with one another and become choosier when it comes to mates. This is not to say that male choice is always associated with male parenting. Male choosiness can evolve when females vary greatly in the quantity and quality of eggs they carry or when there are limitations—other than parenting— on males‘ reproductive potential (e.g., as a result of sperm depletion; Saether, Fiske, 6k Kalas, 2001).

Danach folgt ein ebenfalls interessantes Kapitel zu female-female competition, also den Wettbewerb von Frauen um Männer. Ich empfehle insofern das Buch nochmals.

Bei Fischen findet man Male Choice übrigens häufiger, weil dort die Weibchen im Vorteil sind: Sie legen die Eier ab und die Männchen müssen sie dann besamen, was den Weibchen die Gelegenheit gibt sich davon zu machen. Deswegen kann es dazu kommen, dass die Männchen dann in Zugzwang sind die besamten Eier zu bewachen.  Aus dem gleichen Grund gibt es auch „Schwangere Seepferdchenmännchen“

Andere Möglichkeiten sich in die „Female Choice“ einzumischen findet man beispielsweise bei den Gorillas:

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz ist der Gorilla: Ein Männchen lebt mit einem Harem von Weibchen und dem Nachwuchs, um den er sich durchaus liebevoll kümmert. Er kann sich ziemlich sicher sein, dass es sein Nachwuchs ist, weil er als dominanter Silberrücken des Harems jeden anderen Gorilla vertreibt, der sich seinem Harem nährt. Die Folge sind sehr kräftige und kampfstarke Männchen. Diese Kraft hat sich entwickelt, weil sich jeweils die Gorillamännchen, die die Kämpfe mit anderen Gorillamännchen gewonnen haben, fortgepflanzt haben, gehalten haben.

Hier können die Gorilla-Weibchen zwar einen Favoriten haben und diesen unterstützen, aber der wesentliche Kampf findet schon aufgrund des gewaltigen Stärkeunterschiedes zwischen den Männchen statt. Gorillas sind aus diesem Grund, genau wie Löwen Kampfmaschinen.

Und ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz unter Weibchen um Männer:

Ein Beispiel intrasexueller Konkurrenz der Weibchen findet sich beispielsweise bei den Odinshühnchen. Bei diesen übernehmen die Männchen die Brutpflege, die etwa 3 Wochen dauert, während das Weibchen etwa 1 Woche braucht um ein neues Gelege produzieren zu können. Dadurch wird es für die Weibchen interessant um die Männchen zu werben, da für jedes Weibchen, dass zwei Gelege mit 2 Männchen produziert ein anderes Weibchen leer ausgeht.

Dieses Beispiel ist besonders interessant, weil es näher am Menschen ist: Auch hier kann die Unterstützung des Mannes bei der Brutpflege enorm wichtig sein. Die Frauen wählen also nicht nur aus, sie müssen sich um die Männer bemühen, weil diese ihrerseits eine Wahl treffen, welches der Weibchen sie auswählen.

Aber weiter in der Buchbesprechung:

„Sex ist für Männchen eine begrenzte Ressource, die die Weibchen kontrollieren. Dass Männchen oft und hartnäckig versuchen, sexuelle Kontakte zu Weibchen herzustellen, und Weibchen diese Versuche fast immer ablehnen, ist kein Fehler des Systems – es ist das System.“

Und natürlich kommt uns auch als Menschen das Werben um Frauen, die eine Wahl treffen, bekannt vor. Die Tinder-Ökonomie (Männer bekommen kaum oder nur schwer Dates etc während Frauen in Anfragen untergehen) ist ein gutes Beispiel dafür.

Aber gleichzeitig ist es naiv zu glauben, dass es dort allein eine weibliche Wahl gibt. Frauen wissen, dass sie sich in einer intrasexuellen Konkurrenz um Männer befinden, was nicht der Fall wäre, wenn es allein um die weibliche Wahl gehen würde und Frauen sich nicht beweisen müssten.

Dazu muss man von der Betrachtung der Kurzzeitstrategie auf die Langzeitstrategie wechseln:

Wenn es nur um female Choice gehen würde, dann könnten Menschenfrauen sich gleich dem Schimpanzen zu einem überwiegenden Teil von den Statushohen Männern begatten lassen und es wäre ihnen egal, ob die nächste Frau auch von ihm besamt wird. Denn sie hätte ja alles, was sie will, den Samen eines starken Mannes. Es gäbe keinen Grund für Liebe, Eifersucht und Paarbindung, für weitergehende Einbindung in der Vaterschaft oder etwas in der Art. Dies entspricht aber eben gerade nicht der menschlichen weiblichen Sexualität. Sie sind im Gegenteil sehr an Paarbindung interessiert, sie sind Eifersüchtig, wenn jemand mit ihrem Partner Sex haben will, sie verlieben sich und betreiben Paarbindung – und verlangen das auch noch von den Männern.

Warum sollten sie das bei allein weiblicher Wahl tun? Damit alleine ist die Idee, dass „Female Choice“ das einzig natürliche Element beim Menschen ist schon wiederlegt:
Frauen konkurrieren um „Gute Männer“ und die Forschung hat immer wieder herausgearbeitet, dass dabei neben körperlicher Schönheit und Stärke auch Ressourcen und Status eine wichtige Rolle spielen, ebenso wie der Wunsch sich zu Binden, Anzeichen für Liebe und ein „es ernst meinen“ etc.

Meike Stoverock breitet das Panorama evolutionsbiologischer Zusammenhänge genüsslich aus – und die Schlussfolgerung drängt sich bei der Lektüre zwingend auf: Menschen sind auch nur Säugetiere. Aus naturwissenschaftlicher Sicht muss für sie ebenfalls das Prinzip der Female Choice gelten. So war es wohl auch mal, legt die Autorin überzeugend dar.

Das ist eben immer das Problem, wenn man ein Buch liest ohne im Thema zu sein. Dann kann vieles schlau klingen, was eigentlich dumm ist.

„Die heutige Weltbevölkerung hat ungefähr doppelt so viele weibliche wie männliche Vorfahren, in präkulturellen Zeiten haben sich also ungefähr 70% der Frauen mit 35% der Männer gepaart.“

Und das soll dann wohl als Beleg dafür gelten, dass die Frauen dies entschieden haben. denn der, der entscheidet, pflanzt sich fort.

Das ist natürlich ein Trugschluss. Zum einen stammen die Berechnungen häufig aus Betrachtungen der Y-Chromosome und das bestimmte Y-Chromosome sich durchgesetzt haben bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Paarung nur mit Trägern dieser bestimmten Y-Chromosome erfolgte und die anderen keinen Nachwuchs hatten. Wenn die Y-Chromosome einenen bestimmten Vorteil geboten haben, dann kann es schlicht sein, dass sie sich ähnlich angereichert haben wie etwa die Fähigkeit Milch auch als Erwachsener zu trinken. Auch hier haben sich Leute ohne dieses Gen fortgepflanzt, aber über die entsprechende Anreicherung blieben letztendlich in bestimmten Regionen nur noch Leute übrig, die Milch trinken konnten.

Aber auch die „Gorillatheorie“ ist möglich: Die Träger bestimmter Y-Chromosomen haben, etwa weil sie überlegene Waffen oder Gene hatten als Stamm andere unterworfen, die Männer getötet und die Frauen in ihren Stamm, etwa als Zweit- Dritt oder Viertfrauen besonders wichtiger Männer überführt. Dies führt auch dazu, dass nur die Y-Chromosomen dieser Männer übrig bleiben, aber bei den Frauen eine größere Vielfalt vorhanden ist, ohne das man das wirklich als Female Choice bezeichnen würde. (Siehe zu der Kriegsvariante auch die Besprechung dieser Studie)

Ehe verhindert männliche Sexualkonkurrenz
Was also ist passiert, dass wir heute in einer männlichen Zivilisation leben? Sehr kurz zusammengefasst erklärt es Meike Stoverock so: Mit der Landwirtschaft wurden die Menschen vor rund 10.000 Jahren sesshaft und die Frauen verschwanden im privaten Heim, wo sie sich um die Kinder kümmerten. Männer entschieden fortan über die Verteilung der Frauen. Sie erfanden die Ehe, um die männliche Sexual-Konkurrenz einzuhegen und den Zugang zu Sex zu sichern.

Die Paarbindung des Menschen ist weitaus älter als die Sesshaftwerdung des Menschen. Das sieht man schon daran, dass 10.000 Jahre einmal sehr kurz sind und wir Völker kennen, die immer noch als Jäger und Sammler leben und doch die Konzepte der Paarbindung, der Liebe und der Heirat in irgendeiner Form kennen.

Die Ehe nur als Erfindung des Mannes darzustellen ist schon deswegen wenig überlegt, weil sie ja biologisch gesehen für beide Geschlechter evolutionäre Risiken abfängt: Sie stellt für den Mann Vatersicherheit her, so dass es sich überhaupt erst lohnt in den Nachwuchs zu investieren, sie stellt für die Frau Versorgungssicherheit und Schutz her.  Die Frau profitiert ebenfalls davon, dass sie auf diesem Wege nicht der intrasexuellen Konkurrenz der Männer um sie aus gesetzt ist, denn zum einen erlaubt es Frieden innerhalb einer Gruppe, zum anderen gibt es ihr eine gewisse Sicherheit, dass sie ein anderer Mann nicht nur „benutzt“ um dann nicht bei der Aufzucht der Kinder zu unterstützen.

Das ist eine radikale These – und Meike Stoverock plädiert für nichts weniger als eine neue Weltordnung. Allerdings denkt sie als Kennerin der Evolutionsgeschichte nicht in Jahren und Jahrzehnten, sondern eher in Generationen und Jahrhunderten. Und sie will auch keine Rückkehr zur Female Choice in Reinform, denn, so schreibt sie: „friedliches Zusammenleben und hohe Sexualkonkurrenz“ schließen sich aus.

Das immerhin klingt schon mal vernünftiger. Aber sie müsste für eine (biologische) Änderung auch wohl eher in Jahrtausenden rechnen, denn gerade Produkte sexueller Selektion sind relativ stabil.

Allerdings wäre die Frage ob eine reine „Female Choice“ im biologischen Sinne für Frauen so interessant ist. Denn sie bedeutet zwangsläufig das Ende der Vaterschaft und einer Versorgung der Frau. Wie sehr sich Frauen für eine „Bonobo-Welt“ umgewöhnen müssten hatte ich hier schon einmal diskutiert

Das Phänomen der Incels
Doch sei die Zeit reif, das Zusammenleben von Frauen und Männern zu überdenken – zumal die Geschlechterverhältnisse ohnehin in Bewegung sind; Frauen zumindest in westlichen Gesellschaften werden freier und unabhängiger.

„Die Kultur, nicht die Evolution, hat bisher Frauen den Männern zur Verfügung gestellt – und damit brechen die Frauen jetzt.“

Das ist eine merkwürdige Sicht und eine gewagte These. Die Evolution hat immerhin auch über intrasexuelle Konkurrenz stärkere Männchen produziert, die die „Female Choice“ durchaus gerade dann überwinden können, wenn sie nicht durch die Kultur gebremst werden. Und natürlich verfügen die Männer auch gar nicht um die Frauen, sie müssen in vielen Fällen stark um sie werben.

Männer müssen bei der Lektüre dieses Buches tapfer sein – denn die Biologin geht davon aus, dass viele von ihnen keine Partnerin mehr finden werden.

Dazu müsste sie ja dann fast zwangläufig entweder in die Vielehe  – ein Mann viele Frauen – oder  auch die Frauen müssten keine Partner mehr finden. Alternativ finden alle keine Partner mehr weil eben Paarbindung keinen Sinn mehr macht, wenn nur ein Geschlecht wählt.

Was in dieser biologischen Sichtweise allerdings ausgeblendet wird: Männer und Frauen sind wohl mehr als die Summe ihrer Triebe. Sie binden sich nicht nur aneinander, um ein evolutionäres Fortpflanzungsprogramm zu absolvieren.

Tatsächlich binden sie sich nur darum aneinander. Das drum herum dient der „effektiven Fortpflanzung“ unter Berücksichtung evolutionär relevanter Zeiten.

Die Biologin dürfte aber mit ihrer Beobachtung Recht haben, dass die sogenannten Incels, die unfreiwillig zölibatär lebenden Männer, gefährlich werden können. Incels gebe es auch im Tierreich.

„Sie sind der ‚Rest‘, die Nicht-Premiummännchen, der nach dem evolutionären Aussiebungsprozess übrigbleibt und keine Chance auf Fortpflanzung hat. Nur durch die männliche Zivilisation, die Frauen kontrolliert und entrechtet hat, wurde dieses Phänomen bis heute unterdrückt.“

Etwas was für die Frauen gefährlich wird, wird unterdrückt. Ist es dann nur von Männern eingerichtet worden?

Sie scheint wirklich gewisse Sorgen vor einer „Verknappung“ für die anderen Männer zu haben, insofern wäre es schon interessant, was sie für ein Lebensmodell haben will.

Aber natürlich ist das Problem der „Männer ohne Chancen“ zu diskutieren. Es führt, wenn zuviele Frauen von anderen Männern monopolisiert werden (was sie vielleicht als Female Choice versteht) schnell zu Gewalt.

Nun macht Meike Stoverock Vorschläge, wie das Zusammenleben von Männern und Frauen in einer post-männlichen Zivilisation aussehen könnte, einer Weltordnung, in der Frauen im Lauf ihres Lebens tendenziell mehrere Alphamänner auswählen, in der aber nicht jeder Topf einen Deckel findet.

Ah, da sind wir in der Welt des bedeutungslosen Sexes oder doch noch der Paarbindung in der es dann zwangsläufig intrasexuelle Konkurrenz unter den Frauen gibt und Male Choice? Das wird hier nicht ganz klar. Wenn sie meint, dass die Alphamänner nicht wählen, zumindest nicht eine Hierarchie innerhalb „ihrer“ Frauen bilden, wäre das recht naiv. Wenn sie nur Casual Sex vor Augen hat, dann muss sie wesentlich mehr Evolutionszeit einplanen. Und Frauen werden sich davon verabschieden müssen, dass um sie geworben und für sie gearbeitet wird. Sie müssten sich dann in der Tat auch überlegen, warum man sie beschützen sollte und warum die Alphas sie nicht unterwerfen und an die „Incels“ geben um sich eine Gefolgschaft aufzubauen (wenn wir schon mal über radikale neue Welten reden).

Sie rechnet ab mit der Institution der Ehe, in der sie ein Instrument der Unterdrückung von Frauen sieht, fordert eine Abkehr von der romantischen Vorstellung, dass Männer und Frauen in lebenslanger Monogamie glücklich werden können.

Hehehe, ich glaube sie denkt, dass die Frauen dann dennoch die Macht behalten und einfach wählen können und die Männer das so hinnehmen. Ich glaube eine Welt ohne Paarbindung würde für Frauen keine schöne Welt sein.

Männer, die in dieser neuen Weltordnung keine Frauen mehr finden, sollen auf andere Weise versorgt werden – Stoverock denkt über Sexualassistentinnen nach und über die Rolle von Prostitution, sie bezeichnet Pornografie als mögliche „gesellschaftsverträgliche Stütze“ für Männer.

Sie denkt aber anscheinend nicht darüber nach, warum die Männer diese Welt lebenswert finden sollen bzw inwieweit sie Frauen darin den gleichen Platz geben sollen wie heute. Sie hat anscheinend eine friedliche Welt vor Augen, in der Männer weiterhin daran interessiert sind Status aufzubauen, der ihnen aber weitaus weniger bringt. Eine Frau und den eigenen Nachwuchs zu unterstützen macht Sinn. Frauen, mit denen man nur Sex hat, zu unterstützen macht weniger Sinn. Und wenn einen eh alle Frauen wollen, dann ist man der Preis und nicht sie.

„Männer, die nie oder nur sehr selten Sexpartnerinnen finden, müssen ethische und gesellschaftlich akzeptierte Möglichkeiten bekommen, ihre sexuellen Bedürfnisse zu erfüllen.“

Frauen könnten in einer solchen Welt weitaus mehr auf Prostitution angewiesen sein als die Autorin glaubt. Oder eben weitaus mehr arbeiten müssen.

Meike Stoverock hat ein aufwühlendes Buch geschrieben. Es ist radikal und provoziert manchen Widerstand. Damit geht sie klug und vorausschauend um und entkräftet Gegenargumente, die beim Lesen aufsteigen können. Man muss das nicht alles mögen, was sie schreibt, man kann sich empören über ihr Bild von Männern und Frauen, ihre Ablehnung der Ehe, die Art ihrer Religionskritik. Aber gerade deshalb ist ihr Buch so lesenswert – weil es dazu auffordert, völlig neu über das Verhältnis von Männern und Frauen nachzudenken und auch: zu streiten.

Wenn es einer gelesen hat wäre ich interessiert ob sie meine Argumente aufgreift und Gegenargumente präsentiert. Ich würde mich um eine Mitteilung freuen.

Meike Stoverock: „Female Choice. Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“,
Tropen Verlag, 351 Seiten, 22 Euro.

Mir ist es jedenfalls nach dem, was ich hier gelesen habe, keine 22 € wert. Ich lasse mich aber gerne eines besseren belehren

Beförderungen und das Risiko einer Scheidung: Frauen in hohen Positionen haben ein höheres Scheidungsrisiko als Männer

Eine interessante Studie:

We study how promotions to top jobs affect the probability of divorce. We compare the relationship trajectories of winning and losing candidates for mayor and parliamentarian and find that a promotion to one of these jobs doubles the baseline probability of divorce for women, but not for men. We also find a widening gender gap in divorce rates for men and women after being promoted to CEO. An analysis of possible mechanisms shows that divorces are concentrated in more gender-traditional couples, while women in more gender-equal couples are unaffected.

Quelle: All the Single Ladies: Job Promotions and the Durability of Marriage

Aus der Studie:

Man sieht, dass die Frauen eher eine kürzere Ehezeit hatten, die Männer hingegen eher noch eine etwas längere.

Aus einer Besprechung der Studie:

Getting a top job dramatically increases women’s chances of divorce, even in egalitarian countries. Why isn’t it the same for men?

Having a successful and enjoyable career alongside a fulfilling romantic relationship is a life goal for many of us. But even in the most gender-equal countries, finding a partnership that lasts is trickier for high-flying women than men.

In Sweden, which ranks first in the EU’s gender equality index thanks to factors like generous parental leave, subsidised daycare and flexible working arrangements, economists recently studied how promotions to top jobs affected the probability of divorce for each gender. The result: women were much more likely to pay a higher personal price for their career success.

“Promotion to a top job in politics increases the divorce rate of women but not for men, and women who become CEOs divorce faster than men who become CEOs,” summarises Johanna Rickne, a professor at Stockholm University and co-author of the research, which was published earlier this month in American Economic Journal.

The paper, which looked at the lives of heterosexual men and women working for private companies with 100 or more employees, found that married women were twice as likely to be divorced three years after their promotion to CEO level compared to their male counterparts. In the public sector, using three decades’ worth of records, women mayors and parliamentarians promoted after an election doubled their chances of splitting from their partners; 75% were still married eight years after the vote compared with 85% of those who didn’t get promoted, while there was no evidence of a similar effect for men. Female medical doctors, police officers and priests who progressed in their careers also followed the trend.

Natürlich muss man erst einmal anführen, dass die meisten noch verheiratet waren. Aber von 85% auf 75% ist schon ein deutlicher Wert. Insbesondere wenn die Chancen sich bei den Männern nicht verändern.

While Rickne’s research did not measure which party initiated divorce in each case, one theory is that the husbands of top managers who got promoted found the situation harder to deal with than wives who were married to high-performing men. She points out that the marriage market has not kept up with the labour market when it comes to gender equality, since it is “still seen as quite unusual for men to be the main supportive spouse in someone else’s career”.

“I think this norm changing is pretty far off,” she adds. Her team’s research, she argues, might therefore act as a lesson about what lies ahead for other countries that are moving towards more egalitarian economies.

Und weiter:

So how might women aiming for top jobs mitigate their chances of entering into a relationship that destabilises when they reach the top of their career ladder?

Rickne points out that, even in egalitarian countries like Sweden, women still tend to marry older men who start out having more money than them, harking back to traditional “prince in the fairytale” narratives that “try and teach us to find as successful a husband as possible”.

“High-income high-status women – they don’t marry a low-income man who wants to be a house husband. They tend to seek an even more high-income husband. But thinking forward to your possibilities in the labour market, this might not be ideal,” she argues. “Maybe try and get into a more egalitarian relationship from the start.”
Couples who were closer in age and took a more egalitarian approach to childcare were less likely to divorce following a wife’s promotion.
Her research in Sweden found that divorces after promotions were most likely in couples where the wife was younger than her husband by a larger margin and took a bigger share of parental leave (which, in Sweden, partners legally have the right to split evenly between them).

Couples who were closer in age and took a more egalitarian approach to childcare were less likely to divorce following a wife’s promotion. The paper calls for more research to explore the conditions that might encourage “women at the top of the ability distribution to expand their choice set of partners to ‘marry down’ and for men to do the opposite”.

Leider gar nicht diskutiert wird, dass die Frauen der beförderten Männer vielleicht jetzt einfach einen statushöheren Mann hatten, der ihnen ein angenehmeres Leben geboten hat und sie von der Arbeit freigestellt hat während die Männer der beförderten Frauen diesen Luxus nicht hatten, weil sie selbst Karriere gemacht haben bzw die beförderten Frauen dann, wenn der Mann seine Karriere hinten an gestellt hatte, plötzlich einen statusniedrigeren Mann hatten und dies für sie teilweise weniger attraktiv war.

Ein Tweet dazu:

I imagine a woman telling her female friends that her husband stays home and changes diapers hits a bit differently from telling them he bought her a high priced luxury bag.

Der Status des Ehepartners ist unter Frauen eben auch ein Statusobjekt.

Dazu kommt, dass sich die Partnerschaft mit der beförderten Frau auch für den Mann mit höheren Status weniger lohnen könnte: Beide sind gestresst, beide haben keine Zeit etc. Er ist gleichzeitig auch für andere Frauen interessanter, während die statushohe Frau nicht im gleichen Maße im Partnerwert steigt.

Und natürlich kann es daneben bei den Männer auch die Einteilung „Frau für die Familie, Geliebte für den Sex“ geben, die für die beförderten Frauen wahrscheinlich weniger interessant ist, aber „ehebewahrend“ sein könnte.

Frauenförderung, Frauenquoten etc 1

Kennt wer ähnliche Geschichten?

Reformen in der katholischen Kirche und „Maria 2.0“

Die katholische Kirche ist erneut von Mißbrauchsvorwürfen stark belastet, gerade durch ein Gutachten zu diversen (wenn auch teilweise länger zurückliegenden) Mißbrauchsfällen

Hier scheint nach wie vor innerhalb der Kirche ein erheblicher Widerwille zu bestehen solche Vorfälle aufzuklären, eine staatliche Aufklärung nachhaltig zu unterstützen und für den Fall, dass die Vorwürfe sich bestätigen, die Leute auch intern zu maßregeln. Statt dessen scheinen diesen nach wie vor hohe Ämter offen zu stehen. 

Das ist insofern interessant, weil eine Kirche natürlich immer das Gute vertreten soll und gerade die christliche Kirche sich auf die Fahnen geschrieben hat, dass man die Schwachen beschützen soll und Unrecht nicht hinnimmt. Natürlich: Auch das Vergeben von Taten bei Buße wäre Teil des Glaubens, aber das würde ja auch ein Eingestehen der Tat und eine Buße erfordern, die ich so nicht wahrnehme. 

Statt einer Aufklärung macht man anscheinend aber eher die Türen zu und regelt alles nur untereinander. Damit hat sich die katholische Kirche ein erhebliches Imageproblem eingefangen, an das aber anscheinend auch keiner wirklich ran will. Ein Leben im Zölibat ist allerdings auch kein Zuckerschlecken und eine unterdrückte Sexualität tut ohnehin niemanden gut. Vielleicht ist es diese Lage, die dann auch dafür sorgt, dass man lieber nicht zu viel Staub aufwirbeln will. 

Eine Reform fordert bereits seit längerem die Frauenbewegung „Maria 2.0“. Da die Tagesschau über einen „Thesenanschlag“ berichtete greife ich das hier mal auf:

Sie fordern, Frauen für Weiheämter zuzulassen und sexuellen Missbrauch aufzuklären: In Deutschland hat die Initiative „Maria 2.0“ für eine Reform der katholischen Kirche demonstriert. Die Leitung hat Glaubwürdigkeit verspielt, sagen die Frauen.

Die katholische Reformbewegung „Maria 2.0“ hat mit einem Thesenanschlag an Dom- und Kirchentüren im gesamten Bundesgebiet ihre Forderungen nach Reformen in der Kirche untermauert. Aktionen gab es unter anderem in München, Würzburg, Augsburg, Köln, Mainz und Freiburg.

In den sieben Thesen, die an zahlreichen Dom- und Kirchentüren aufgehängt wurden, kritisiert die Bewegung „eklatante Missstände in der katholischen Kirche“ und nennt Klerikalismus und Machtmissbrauch sowie den Umgang mit sexualisierter Gewalt bis hin zur Vertuschung. Außerdem spricht sie sich für den Zugang von Frauen zu allen Ämtern in der Kirche aus und für eine erneuerte Sexualmoral.


Konkret fordert „Maria 2.0“ „eine geschlechtergerechte Kirche mit dem Zugang für alle Menschen zu allen Ämtern sowie die Aufklärung, Verfolgung und Bekämpfung der Ursachen von sexualisierter Gewalt“. Außerdem geht es der Initiative um die Aufhebung des Pflichtzölibats und eine neue katholische Sexualmoral. Diese solle nicht mehr „lebensfremd und diskriminierend“ sein, sondern wertschätzend gegenüber allen Formen „selbstbestimmter, achtsamer Sexualität und Partnerschaft“.

Darüber hinaus wenden sich die Thesen gegen „Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger“. Diese hätten das Vertrauen tiefgreifend erschüttert. Kirche müsse verantwortungsvoll und nachhaltig das ihr anvertraute Vermögen nach christlichen Prinzipien verwalten. Die Kirchenleitung habe Glaubwürdigkeit verspielt, heißt es weiter.

Da schlagen die konkrete Thesen an die Türen der Kirche aber irgendwie scheint es kein Artikel, der darüber berichtet, für wichtig zu halten, diese einfach mal abzudrucken.

Immerhin waren sie auf der Homepage zu finden:

1. #gerecht – gleiche Würde – gleiche Rechte
In unserer Kirche haben alle Menschen Zugang zu allen Ämtern. Denn Menschenrechte und Grundgesetz garantieren allen Menschen gleiche Rechte – nur die katholische Kirche ignoriert das. Mannsein begründet heute Sonderrechte in der Kirche.

2. #partizipativ – gemeinsame Verantwortung
In unserer Kirche haben alle teil am Sendungsauftrag; Macht wird geteilt. Denn der Klerikalismus ist heute eines der Grundprobleme der katholischen Kirche und fördert den Machtmissbrauch mit all seinen menschenunwürdigen Facetten.

3. #glaubwürdig – respektvoller Umgang und Transparenz
In unserer Kirche werden Taten sexualisierter Gewalt umfassend aufgeklärt und Verantwortliche zur Rechenschaft gezogen. Ursachen werden konsequent bekämpft. Denn viel zu lange schon ist die katholische Kirche ein Tatort sexueller Gewalt. Kirchliche Machthaber halten immer noch Informationen zu solchen Gewaltverbrechen unter Verschluss und stehlen sich aus der Verantwortung.

4. #bunt – leben in gelingenden Beziehungen
Unsere Kirche zeigt eine wertschätzende Haltung und Anerkennung gegenüber selbstbestimmter achtsamer Sexualität und Partnerschaft. Denn die offiziell gelehrte Sexualmoral ist lebensfremd und diskriminierend. Sie orientiert sich nicht am christlichen Menschenbild und wird von der Mehrheit der Gläubigen nicht mehr ernst genommen.

5. #lebensnah – ohne Pflichtzölibat
In unserer Kirche ist die zölibatäre Lebensform keine Voraussetzung für die Ausübung eines Weiheamtes. Denn die Zölibatsverpflichtung hindert Menschen daran, ihrer Berufung
zu folgen. Wer diese Pflicht nicht einhalten kann, lebt oft hinter Scheinfassaden und wird in existentielle Krisen gestürzt.

6. #verantwortungsvoll – nachhaltiges Wirtschaften
Unsere Kirche wirtschaftet nach christlichen Prinzipien. Sie ist Verwalterin des ihr anvertrauten Vermögens; es gehört ihr nicht. Denn Prunk, dubiose Finanztransaktionen und persönliche Bereicherung kirchlicher Entscheidungsträger haben das Vertrauen in die Kirche tiefgreifend erschüttert und schwinden lassen.

7. #relevant – für Menschen, Gesellschaft und Umwelt.
Unser Auftrag ist die Botschaft Jesu Christi. Wir handeln danach und stellen uns dem gesellschaftlichen Diskurs. Denn die Kirchenleitung hat ihre Glaubwürdigkeit verspielt. Sie schafft es nicht, sich überzeugend Gehör zu verschaffen und sich im Sinne des Evangeliums für eine gerechte Welt einzusetzen.

Teilweise ja durchaus berechtigte Forderungen, aber die katholische Kirche wird den Teufel tun sie umzusetzen. Denn sie muss die Wirkungen weltweit im Auge behalten und kann nicht in einem Land plötzlich Priesterinnen oder gar eine Papstin zulassen und in anderen nicht. Sie riskiert damit eine Schisma, also eine Kirchenspaltung, wenn dies den Traditionellen nicht gefällt.

Genau das war ja das letzte Ergebnis von an Kirchentüren geschlagenen Thesen. Gegenwärtig ist Religion eher Tradition als wirkliche rationale Abwägung, welche der Kirchen einem besser gefällt und ich vermute mal, dass die katholische Kirche eher Mitglieder verliert, denen Religion relativ egal ist und die die Kirchensteuer nicht mehr zahlen wollen und nicht solche, die wegen der Skandale etwas in die evangelische Kirche übertreten. 

Und gerade der Prunk und das Erhabene mögen auch viele Leute ansprechen, die zu etwas aufblicken wollen, Teil von etwas großes sein wollen und die in den Priestern gerade Autoritätspersonen sehen wollen.

Dabei wäre die Aufhebung des Zölibats ja kirchlich sehr einfach zu begründen. Zum einen haben es viele andere christliche Kirchen, wie die evangelische und die orthodoxe auch nicht, zum anderen gibt es Bibelstellen, die gerade fordern, dass der Priester verheiratet ist. Und es würde Priesterstellen sicherlich auch interessanter für Leute machen, die ein „normaleres Leben“ führen wollen, zu dem ja Sex einfach dazu gehört. 

Noch einmal: Kostenlose Tampons

Der Lawen4cer schreibt auf Twitter:

 

Ich versuche mich mal an einer Antwort:

Für Feministen:

  • Eine Periode ist etwas was Frauen betrifft (und evtl Transmänner aber das wird in dem Fall nicht so hervorgehoben). Sie haben damit einen Nachteil gegenüber Männern. Es darf nicht sein.
  • Menstruation ist etwas, was üblicherweise diskret behandelt wird. Es ist aber auch etwas weibliches. Wenn Frauen etwas diskret behandeln müssen ist das frauenfeindlich und wertet Frauen ab. Es muss also in die Öffentlichkeit (siehe auch hier)
  • Frauen könnten in die Situation kommen, dass sie einmal keinen Tampon/keine Binde haben und das ist ein Skandal, denn Männer haben das Problem nicht
  • Alles drei zusammen ergibt, dass die Gesellschaft diese Probleme beseitigen muss. Dazu muss Aufmerksamkeit auf die Periode gelenkt werden, der Staat muss sich bewusst werden, dass er sie bezahlen muss und es muss eine möglichst breite Versorgung über all ohne Sonderkosten bereit gestellt werden. Alles andere ist eine Diskriminierung.

Warum mich diese Kampagnen stören:

  • Es wird etwas zu einem großen Problem aufgebauscht, was keines ist. Ein Tampon oder eine Binde in einer Handtasche oder Hosentasche unterzubringen ist kein großes Problem, man hat zwischen den Perioden genug Zeit zum nachfüllen um dann nicht überrascht zu werden. Ansonsten kann man in den meisten Gegenden recht unproblematisch welche kaufen oder sich von Freundinnen oder Bekannten etwas leihen. Zur Not (so sagten mir Frauen) überbrückt man eben mit Klopapier etc
  • Sie ist zu einseitig auf Frauen bezogen: Ich könnte noch verstehen, wenn man es in einen weiteren Rahmen eingebettet hätte. Etwa alle dringend benötigten Sanitärartikel, wie Klopapier oder Babywindeln müssten kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Aber die einseitige Fixierung auf „Frauenprodukte“ finde ich zu offensichtlich parteilich, dass ich es nicht unterstützen kann
  • Wir leben in einem sehr reichen Land mit einem guten sozialen Netz. Tampons sind billig. Ich glaube hier werden Horrorstories aus Ländern mit einem weitaus schlechteren Sozialsystem auf Deutschland übertragen. Aber selbst wenn man „Periodenarmut“ annimmt, dann wäre eine generelle Verteilung von Tampons ebenso nicht erforderlich. Meinetwegen kann man hier spezielle Programme für Bedürftige einrichten oder in Schulen einen Spender aufstellen oder eine Bezugsmöglichkeit im Sekretariat der Schule einrichten, aber das bedeutet nicht, dass man überall Tampons und Binden verteilen muss
  • Ich glaube, dass die Einrichtung kostenloser Spender durch die öffentliche Hand auch ein wenig effizienter und im Verhältnis deutlich teurerer Dienst ist. Als alter Kapitalist gehe ich davon aus, dass der freie Markt das wesentlich besser hinbekommt. 

„Die Ehefrau durfte bis in die 70er Jahre nicht ohne Erlaubnis des Ehemannes arbeiten“

Gerade stieß ich in einer Diskussion wieder auf das Argument, dass Frauen bis in die 70er eine Erlaubnis des Ehemannes benötigten um Arbeiten zu dürfen und war mir sicher, dass ich einen Artikel dazu habe. Hatte ich aber anscheinend nicht oder habe ihn nicht gefunden. 

Immerhin ist es in den Kommentaren diskutiert worden:

Dummerjan

(1) Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.
[2] Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

(2) Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf oder Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.“


Daraus willst Du die gesetzliche Hausfrauenehe konstruieren?
Das ist schierer Unsinn. Was dort steht heißt übersetzt:
DIe Frau führt den Haushalt und der Mann hat dort die Klappe zu halten und das Geld dafür zur Verfügung zu stellen. Doort steht kein „soll, muß“ o.ä.
Der Palandt von 1953 enthielt bereits einen Verweis darauf, daß eben der von Dir gezogene Schluß auf eine Hausfrauenpflicht nicht zu ziehen sei und auch dem Grundgesetz widerspräche (gilt auch für BGB 1358). Aber auch vorher bestand diese Pflicht nicht, jedoch war immer der Haushaltsführungsvorbehalt durch den Ehemann einklagbar. Es war aber eine Untersagung erforderlich und nicht, wie so oft behauptet, eine Genehmigung der Berufstätigkeit der Ehefrau, was völlig verschiedene Dinge sind.
Und mal ehrlich: Hast Du eine Idee davon was es Anfang des Jahrhunderts bedeutete Arbeiten zu gehen (12h Tag) und einen Haushalt zu führen? Letztlich handelte es sich hier um eine gesetzliche Rollenzuweisung: Wenn Du Ehefrau und von Mann unterhalten, dann DU Haushalt. Und es galt auch umgekehrt: Wenn Du Ehemann, dann bitte unterhalte Frau und Kinder.
Wir haben ähnliche Rollenzuteilungen auch heute noch: Für Kinder. Gern können wir diese Kinderdiskriminierung abschaffen…

vR direkt darunter:

Das Privileg der Hausfrauenehe war in der Tat ein Privileg, das die Frauen lange verteidigt haben.

Eigentlich sollte die entsprechende Regel §1358 BGB bereits 1958 fallen. Nach der zehnjährigen Erprobungsphase der BRD-Gesetze, die zum großen Teil aus den alten Gesestzesvorschriften der vorangegangenen deutschen Reiche übernommen worden sind, sollten alte Zöpfe, u.a. auch der §1356, fallen.

Man muss dazu wissen, dass dieses Gesetz zuvor, vor Gründung der BRD, ausschließlich zum Schutz des Kindswohls angewendet wurde: gab es ein versorgungsbedürftiges (kleines!) Kind, dann konnte der Ehemann vor dem Vormundschaftsrichter ein Urteil beantragen, das es der Frau untersagte, eine ansonsten unanfechtbare Erwerbstätigkeit aufzunehmen. Nur der Richter konnte (und nur unter ganz bestimmten Umständen) der Frau die Tätigkeit zugunsten des Kindes untersagen, der Ehemann selbst – konnte das nie! Insofern bestand aus Männersicht schon eine hohe Hürde, um evtl Meinungsverschiedenheiten zu klären: der Rechtsweg zum Gericht war angesagt.

Es hat bis 1958 (und auch danach) keinen einzigen Fall in der BRD gegeben haben, in dem der §1358 BGB von einem Mann gegen seine Frau vor Gericht angewendet wurde! Für die Männer und Frauen der BRD hat der § nie eine Rolle gespielt!

Das Gesetz war insofern bereits seit langem anerkannt völlig überflüssig. Es konnte weg.
1958 sollte das er fallen: die – überwiegend Männer- des Deutschen Bundestages wollten den §1358 BGB nicht verlängern. Er wäre 1958 sang- und klanglos ausgelaufen. Verschwunden.

Aber: aus den Reihen der CDU-Frauenunion kam in letzter Sekunde erheblicher Widerstand. Es ging den Frauen dabei nicht darum, dem Patriachen in der Ehe den rein theoretischen Rechtsweg zum Vormundschaftsrichter zu erhalten. Ach was!

Warum habend die Frauen also so an der Bestimmung festgehalten?

Die nur auf dem Papier bestehende und nie angewendete Möglichkeit, mit diesem § einer Frau eine Erwerbstätigkeit richterlich untersagen zu lassen, war die eine Seite der Medaille. Die andere Seite hieß, insbesonder in Verbindung mit dem § 1356 BGB: Frauenprivileg, und zwar erheblich! Die Frauen wollten dieses Privileg nicht aufgeben! Auf Grund des zähen anhaltenden Widerstands der CDU-Frauenunion fielen diese Vorschriften darum letztlich erst 1977, lange nachdem die Wirtschaftswunderjahre und die Zeit der Vollbeschäftigung vorbei waren.

Das Hausfrauenprivileg:
Man muss sich dazu daran erinnern, dass es in den 50ern einen gehörigen Frauenüberschuss gab. Kriegsbedingt waren Männer – knapp. Weil sie tot waren. Oder verschollen. Die Männer die noch da waren, waren in Zeiten des Wirtschaftswunders gesuchte Arbeitskräfte. Vollbeschäftigung, steigende Löhne, es ging aufwärts! Zunächst begründete also das Ehefrauendasein einen gewissen bürgelichen bequemen Wohlstand auf Grundlage des Erwerbseinkommens des unterhaltsverpflichteten Ehemanns.

Der Anteil der Arbeit, die mit der Hausfrauentätigkeit verbunden war, reduzierte sich in den 50er Jahren erheblich: die Wirtschaftswunderanschaffungen Waschmaschine, Elektroherd, Kühlschrank und Staubsauger erleichterten den Hausfrauenalltag enorm! Die Zahl der kinderreichen Familien nahm rapide ab: die Anzahl der Kinder/Familie sank, und der Arbeitsaufwand für die Kinder nahm entsprechend auch ab. Ein durchaus angenehmes Leben! Eine sehr verlockende Chance also für jede Frau, sich einen der noch zu habenden, ledigen, heiratsfähigen und wirtschaftlich zukunftsträchtigen Männer zu angeln, und dann von diesem sofort nach Recht und Gesetz VOLL versorgt zu werden.

Jeder der in Saft und Kraft und Lohn und Brot stehenden Männer war, kein Wunder, selbstverständlich ein beliebtes und begehrtes Objekt der Begierde für die große Mehrheit der heiratswütigen Kriegerwitwen und ledigen Frolleins: Wirtschaftswunder, Vollversorgung bis ans Lebensende, DAS bedeutete das Privileg, eine verheiratete Hausfrau sein zu dürfen!

Den Frauen in den 50er Jahren war immer durchaus bewusst, welche Vorteile sie auf Grund der Hausfrauenehe nach dem damaligen BGB hatten. Sie wussten, dass dies ein echtes Frauenprivileg war und haben entsprechend lange um ihren Erhalt gekämpft.

Die Hausfrauenehe war nie das Unterdrückungsinstrument, zu dem u.a. die HERstory-Geschichtsschreibung sie verzerren will. Sie war, wie gesagt, ein Frauenprivileg! Was sie eigentlich immer noch geblieben ist, bis heute.

Wenn es nach dem Willen der Männer gegangen wäre, dann wäre dieses Privileg schon vor Jahrzehnten, 1958, abgeschafft worden…

Dummerjan wieder:

https://dejure.org/gesetze/BGB/1356.html 

Dort: Ältere Fassung
Palandt Kommentar zum BGB aktuell 76. Auflage 2016
Die einschlägige Fassung ist die 11. Auflage von 1953
Uwe Wesel, Geschichte des Rechts, 2. Aufl. 2001, Rdnr. 334 S. 557; zur Entstehungsgeschichte des GlBerG vgl. Ramm, Juristenzeitung 1968, S. 43 Fn. 7


II. Buch. II. Abschnitt. Ehe.

Der Ehemann als Schützer des Hauses hat diese Befugnis, denn sonst läßt sich ein Eindringen von Unlauterkeiten und Schlechtigkeiten in das Haus nicht verhüten (§ 1354 BGB.). Daraus ergibt sich endlich, daß der Ehemann einer geistes-kranken Frau die nötigen Vorsichtsmaßregeln anwendenmuß, um das Publikum zu sichern, und daß er dafür nach § 832 verantwortlich ist 1 ).

Daher kann auch der Ehemann seiner Frau den Betrieb eines Geschäfts insofern verbieten, als es die eheliche Wohnung mit in Anspruch nimmt. Will sie das Geschäft anderswo aufmachen, so kann der Mann sie nicht direkt hindern, er kann es aber indirekt tun, indem er eine Ordnung des Hauswesens einführt, welche mit dem Geschäft unverträglich ist.

Dem muß sich die Frau fügen, sofern die Bestimmung des Mannes nicht mißbräuchlich ist. Fügt sie sich nicht, so kann er ihr Unterhalt und Zusammenwohnen verweigern. In einem Falle kann er sich auch außerhalb des häuslichen Kreises in die Geschäftsangelegenheiten der Frau einmischen: er kann ein Dienstverhältnis, welches die Frau zu persönlichen Leistungen verpflichtet, kündigen, falls er nicht seinerzeit die Zustimmung hierzu erteilt hat, ist aber bei der Kündigung an die Genehmigung des Vormundschaftsgerichts gebunden (§ 1358 BGB.). Auch ein Werkvertrag oder ein Auftragsgeschäft, welches die Frau zu persönlichen Leistungen verpflichtet, gehört hierher, z. B. wenn sich eine Sängerin zu einem Gastspiel, eine Architektin zu einem Hausbau, eine Dilettantin zu einer Wohltätigkeitsvorstellung verpflichtet hat. Die Kündigung erfolgt kraft persönlichen Übergriffs aus der Sphäre des Mannes in die der Frau.

III. Die tatsächliche Übung des Hausstandes führt zum Besitz des Mannes an den dem Hausstand anvertrauten Sachen, nach den Grundregeln des Besitzes 2 ). Ein Mitbesitz der in Gemeinschaft lebenden Frau liegt vor, aber ein Mitbesitz untergeordneter, der Eigenart der Ehefrauenstellung entsprechender Art 3 ). “ aus Lehrbuch des Bürgerlichen Bechts
Von Dr. Josef Kohler
Geheimer Justizrat
ord. Professor an der Universität Berlin
Dritter Band, erster Teil
Familienrecht
Berlin
Carl Heymann
1915

Gern vergessen wir auch die Schlüsselgewalt der Frau im Haushalt gegen die auch der Ehemann nur gerichtlich vorgehen konnte:
„1. Wenn der Mann die Schlüsselgewalt der Frau beschränkt oder ganz aufhebt, und wenn die Frau behauptet, daß hierin ein Mißbrauch seines Rechts liegt, so kann das Ehegericht eingreifen und die entziehende oder beschränkende Verfügung des Mannes aufheben (§ 1357 BGB.) 3 ).
„(ebenda) https://de.wikipedia.org/wiki/Schl%C3%BCsselgewalt
M.a.W. zur Deckung des Haushaltsbedarfes durfte die Ehefrau auch ohne dessen Einwilligung beliebige Rechtsgeschäfte vornehmen. Diese waren bis zum gegenteiligen bescheid rechtsgültig. Auch das wurde abgeschafft. Zur Erleichterung vieler Ehemänner.

Recht ist kein Rosinenpicken in Paragrafen, sondern ein abgestimmtes Verhältnis von Rechten und Pflichten.

Und vR wieder auf die Frage nach Quellen:

@Matze:
leider nicht ausreichend. Diese Dinge habe ich vor bald 2 Jahren gelesen, in einem Fachartikel, im Zusammenhang mit den anderen Mythen über die „Trümmerfrauen“, die es so nicht gegeben hat, und die weitestgehend falschen Schauergeschichten „Frauen durften kein Konto haben und Vergewaltigung in der Ehe war legal!“.

Ein Satz damals, den der wohl juristisch versierte Artikelverfasser so brachte: „Es wäre mal eine Aufgabe für einen Rechtshistoriker herauszufinden, ob es jemals in der Geschichte der BRD einen solche Fall gegeben hat, wo ein Mann vor Gericht gegangen ist um seiner Frau die Arbeitsaufnahme untersagen zu lassen. Ich persönlich habe jedenfalls keinen Fall gefunden. Vielleicht ist ja jemand anderes erfolgreich!“ (so in etwa stand das da, zitiert aus dem Langzeitgedächtnis).

Ich habe ad hoc nur etwas über den 1358 bei wikimannia gefunden: http://de.wikimannia.org/1358_BGB
Hier wird darauf hingewiesen, dass die zeitgenössische Kommentierung ausdrücklich die Nichtanwendung von 1358 ZWINGEND geboten sah, wegen der überragenden Bedeutung des Art 3 Grundgesetz. Die 50-er Jahre-Juristen waren nach damaliger herrschender Meinung der Auffassung, dass §1358 BGB nicht(mehr) anwendbar war! Zumindest was die Möglichkeit der Beschränkung der Berufsausübung einer Ehefrau betraf.

Das würde auch erklären, warum es gar keine tatsächlichen Anwendungsfälle mehr in der BRD gegeben hat.

Es scheint mir also relativ leicht, unter Verweis auf diese alten BGB-Kommentare festzustellen: kein Mann hatte in der BRD seit Inkratftreten des GG jemals das Recht, seiner Frau die Berufsausübung zu verbieten! Und keiner hat es je vor Gericht versucht!

Über die Einflussnahme der CDU-Frauenunion zur Erhaltung des Hausfrauenprivilegs und der Verschiebung des Gesamtpakets der Abschaffung der §§1356, 1358 usw BGB habe ich so ratz fatz bislang nichts gefunden. Ich fürchte, dass ich nach dem Artikel suchen muss, den ich vor langer Zeit gelesen habe. Das wird schwierig – keine Ahnung wo und wann das genau war…. Oder ich müsste in zeitgenössischer Presse, Archiven und Parlamentsprotokollen recherchieren. Wozu mir leider Zeit und Möglichkeiten fehlen.

Und hier noch mal die Regelungen des BGH in den jeweiligen Fassungen:

a) 1900

§ 1354 BGB i.d.F. v. 18.8.1896, RGBl 1896, 195 m.W.v. 1.1.1900

1Dem Manne steht die Entscheidung in allen das gemeinschaftliche eheliche Leben betreffenden Angelegenheiten zu; er bestimmt Wohnort und Wohnung.

2Die Frau ist nicht verpflichtet, der Entscheidung des Mannes Folge zu leisten, wenn sich die Entscheidung als Mißbrauch seines Rechtes darstellt.

§ 1356 BGB i.d.F. v. 18.8.1896, RGBl 1896, 195 m.W.v. 1.1.1900

1Die Frau ist, unbeschadet der Vorschriften des § 1354, berechtigt und verpflichtet, das gemeinschaftliche Hauswesen zu leiten.

2Zu Arbeiten im Hauswesen und im Geschäfte des Mannes ist die Frau verpflichtet, soweit eine solche Thätigkeit nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.

 

b) ab 1958 BGB

§ 1356 BGB i.d.F. des Gleichberechtigungsgesetz v. 18.6.1957, BGBl I 1957, 609 m.W.v. 1.1.1958

1Die Frau führt den Haushalt in eigener Verantwortung.

2Sie ist berechtigt, erwerbstätig zu sein, soweit dies mit ihren Pflichten in Ehe und Familie vereinbar ist.

3Jeder Ehegatte ist verpflichtet, im Beruf und Geschäft des anderen Ehegatten mitzuarbeiten, soweit dies nach den Verhältnissen, in denen die Ehegatten leben, üblich ist.

c) ab 1977

§ 1356 BGB i.d.F. des Ersten Gesetzes zur Reform des Ehe- und Familienrechts (1. EheRG) v. 14.6.1976, BGBl I 1976, 1421 m.W.v. 1.1.1977

(1) 1Die Ehegatten regeln die Haushaltsführung im gegenseitigen Einvernehmen.

2Ist die Haushaltsführung einem der Ehegatten überlassen, so leitet dieser den Haushalt in eigener Verantwortung.

(2) 1Beide Ehegatten sind berechtigt, erwerbstätig zu sein.

2Bei der Wahl und Ausübung einer Erwerbstätigkeit haben sie auf die Belange des anderen Ehegatten und der Familie die gebotene Rücksicht zu nehmen.

Gerne ergänzen

Redhandday – Aktion gegen Kindersoldaten

Am 12.2.2021 war Redhandday – Politiker, Promis etc malen sich eine Hand rot an, was nehme ich an an eine blutige Hand erinnern soll und sprechen sich gegen Kindersoldaten aus. Das ist zweifellos eine gute Auktion, wenn sie auch an der konkreten Situation nichts ändern wird. Immerhin mag es einzelne für das Problem sensibilisieren.

Ich habe die Aktion über Twitter wahrgenommen und fand es einfach mal interessant zu schauen, wie ein Problem dargestellt wird, was ganz überwiegend Jungs oder junge Männer betrifft.
Hier etwas zu den Zahlen:

There is not enough data on girls’ association with armed forces and groups, and 2019 data from the UN-led Monitoring and Reporting Mechanism (MRM) on the six grave violations against children in conflict, for example, shows that only 8% of the 4,594 CAAFAG identified in 11 countries were girls.

Also etwa 92% Jungs.

Bei Kampagnen, die zu 92% Mädchen betreffen würden, würde man glaube ich sehr deutlich machen, dass gerade Mädchen betroffen sind.

Mal sehen wie es bei Jungs ist. Ich verlinke mal die „Top Tweets“ unter dem Hashtag #Redhandday

Frau Jelpke von den Linken (die neulich  vermeiden wollte, dass man Hass gegen Männer von Feministinnen aus Versehen strafbar macht) wendet sich erst einmal nur gegen die Bundeswehr und hält es Geschlechtsneutral

Terre des Hommes hält es geschlechtsneutral und schließt auch Transpersonen ein.

Künast hält es mit „Kindern“ neutral

Ricarda Land spricht auch nur von Kindern.

Die Linke bleibt auch bei Kindern und im Video „Kindersoldat:innen“

Herr Bartsch bleibt auch bei Kindern

Man muss einige Zeit scrollen, dann kommt immerhin ein Tweet, der auf Jungen abstellt:

Er bleibt aber recht einsam

Sucht man nach „#Redhandday Jungen“ dann findet man meist Tweet, die von „Mädchen und Jungen“ oder „Jungen und Mädchen“ sprechen.

Jetzt ist natürlich auch nichts dagegen zu sagen, dass man sich allgemein gegen Kindersoldaten wendet und es bei Jungen und Mädchen verurteilt. Zumal ein Tweet, gerade ein solcher, der ja eine Teilnahme an einer solchen Aktion ist, auch nicht zuviel Platz für Differenzierung bietet.

Insofern sollte man es auch nicht überbewerten. Aber ich wollte es zumindest mal festhalten und bei Auftauchen einer ähnlichen Aktion mit umgekehrter Geschlechterbetroffenheit mal vergleichen.