Komplimente am Arbeitsplatz – ganz böse Sache (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Ypsilonniks

Komplimente am Arbeitsplatz – ganz böse Sache

Liebe Leserin, verstehst Du das? Wenn ein Mann dir sagt, dass Du schön bist, dann will er nicht deine Kompetenzen anzweifeln, sondern seine Zuneigung ausdrücken. Er findet dich schön. Er mag dich. Er will dir nah sein. Er will deine Zuneigung.

Das wird geleugnet von verbitterten Feministen, die Slogans wie „Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad“ anhängen und damit unter Beweis stellen, dass ihnen nichts an einer liebevollen Beziehung zwischen den Geschlechtern gelegen ist sondern deren gegenseitige Entfremdung. Und diese Feministen sind mächtig. Aus Angst vor Millionenklagen verbieten verschiedene US-Konzerne ihren Mitarbeitern bereits, private Beziehungen zu führen. Da sind zwei Menschen, die sich mögen, die sich gerne nahe wären und es ist ihnen verboten, sich zueinander zu bekennen. Es ist ein Merkmal von Totalitarismus, dass den Menschen vorgeschrieben wird, wie sie sich im Privaten zu verhalten haben.

Im Berufsleben war es die als Befreiungsschlag gefeierte #metoo-Kampagne, die zu dem paradoxen Ergebnis führte, dass das kollektive Anklagen der scheinbar übergriffigen Männer die Situation für Frauen am Arbeitsplatz nicht verbesserte sondern verschlechterte (*1), da die Männer aus Angst vor einer willkürlichen Verleumdung auf Abstand gehen. Denn diese Anklagen sind tatsächlich willkürlich, denn bei diesen geht es nicht mehr um scharf umrissene, tatsächlich übergriffige Handlungen, sondern allein um die Befindlichkeiten der Klägerin, welche bereits „In die Augen blicken“ (*2) als sexuelle Belästigung werten will, wenn ihr danach ist, denn wie lautet die feministische Parole: „Belästigung ist das, was Du als Belästigung empfindest.“ – aber was ist mit dem Empfinden des Mannes, der sein Verhalten nicht als Belästigung empfindet, sondern als Ausdruck seiner Zuneigung? Oder der seinen Spruch nicht als Übergriff sondern als Ausdruck seines Humors sieht? Offensichtlich sind Empfindungen mancher Menschen mehr wert und gravierender als die anderer Menschen. Dass es Männer  nur selten wirklich böse meinen, zu dem Ergebnis kommt eine Studie ausgerechnet von Feministinnen, so schreibt Arne Hoffmann in „Sind Frauen bessere Menschen?“

Was die Theorie einer gezielten Schikane im Gegensatz zu einem simplen Missverständnis weiterhin widerlegt, ist das Ergebnis einer Befragung, die zwei feministische Autorinnen unter einhundert Frauen durchführten, die angaben, sexuell belästigt worden zu sein. Dabei kam zutage, dass »die Männer ihr Verhalten sofort änderten und korrigierten, wenn die Frauen unmittelbar darauf hinwiesen, dass sie sich durch bestimmte Verhaltensweisen sexuell belästigt fühlten. Sie entschuldigten sich, und manche schickten der Frau Blumen.«

Der Witz an der Sache ist, dass einigen Studien zufolge nicht fiese Männer das größte Hindernis für Frauenkarrieren sind, sondern ausgerechnet die lieben Geschlechtsgenossinnen, so eine Untersuchung (*3):

„Die größte Bedrohung einer weiblichen Karriere ist eine andere Frau. 58% der Frauen haben Erfahrungen mit toxischer Weiblichkeit im Berufsleben.“

Aber gut: Ich verstehe deine Sorge. Der führende Männerrechtler Warren Farrell, ehemaliges und einziges mannliches Vorstandmitglied in der größten amerikanischen, feministischen Organisation erklärt das so: Man stelle sich vor, ein Vater soll einer Jugendamtsmitarbeiterin beweisen, dass er ein guter Vater ist, geeignet zur Säuglingspflege. Dann sagt sie aber, während er sein Kind wickelt, dass er schöne, kräftige Hände habe, die gut geeignet seien, harte körperliche Arbeiten auszuüben. Der Mann würde sich wohl Sorgen machen, dass sie seine Kompetenzen als Vater aus dem Blick verliere. Diese Situation lässt sich aber entschärfen, indem sie auch ihre Anerkennung für diese Kompetenzen äußert.

Ein  Mann, der dir ein Kompliment macht, spricht dir nicht deine Kompetenz ab, oder aber anders rum: Ob dich ein Mann attraktiv findet oder nicht, ist komplett unabhängig davon, ob er diesem Empfinden Ausdruck verleiht oder nicht – seine Einschätzung ändert sich dadurch nicht. Wenn also Männer gut aussehende Frauen automatisch als inkompetent wahrnehmen würden, hätten diese auf der Karriereleiter nicht die geringste Chance, und das stimmt offenkundig nicht (*4).

Liebe Frauen: Feministen sind eine Minderheit, aber sie sind laut und sie vergiften die Liebe zwischen Mann und Frau. Wenn euch etwas an einem liebevollen Miteinander der Geschlechter gelegen ist, bezieht Position, wehrt euch gegen Vereinnahmung von sogenannten „Feministen“, die mit dieser ihrer  Selbstbenennung für sich in Anspruch nehmen, in eurem Namen zu sprechen. Solche Frauen gibt es bereit, zum Beispiel Tamara Wernli:

 

Verweise:

1: https://jungefreiheit.de/politik/ausland/2018/studie-metoo-schadet-den-beruflichen-chancen-von-frauen/

2: https://deutsch.rt.com/nordamerika/71956-sexuelle-belastigung-netflix-verbietet-mitarbeitern-augenkontakt/

3: https://allesevolution.wordpress.com/2019/06/16/intrasexuelle-konkurrenz-unter-frauen-und-frauen-die-andere-frauen-am-aufstieg-hindern-sisterhood-ceiling/

4: https://www.youtube.com/watch?v=ib3gNtYW6Zc

Die Trolle und die Wichtel – Wie wir es uns unnötig schwer machen, Debatten zu gewinnen (Gastbeitrag)

Gastbeitrag von Bean

Wir Männerrechtler (und ja, auch ich sehe mich als einer) stehen tagtäglich im Kreuzfeuer der öffentlichen Meinung. Wir gelten als Ewiggestrige, als Angehörige der Frauen-an-den-Herd- Fraktion und als Nazis, oder mindestens als AfD-Anhänger, egal wie unsere politischen Ansichten tatsächlich sein sollten. Man verhöhnt uns abwechselnd als verachtenswerte Schlaffsäcke, die keine Frau abbekommen und als Machos, die sich in ihrer Männlichkeit bedroht fühlen, wenn man sich ihnen nicht willenlos an den Hals wirft. Wir werden beschimpft, niedergemacht, mit sozialer Ächtung bedroht, und dass wir tatsächlich relevante Anliegen vertreten – von den Rechten der Kinder auf beide Eltern bis zur Stärkung der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Männergesundheit – wird schon alleine deswegen nicht ernst genommen, weil wir als Angehörige des Patriarchats ja sowieso bereits überall bevorzugt werden.

Es ist verrückt: Alle diese Argumente gegen Maskulismus sind Humbug, offensichtlicher Humbug, leicht zu entkräften, wenn man nur eine Minute lang einmal genauer hinschaut und sieht, woher wir kommen und was wir tun. Kaum jemand, der sich fünf Minuten mit Arne Hoffmann beschäftigt hat, oder mit Lucas Schoppe, oder mit der Arbeit eines Alexander Ulfig, kann noch glaubwürdig bestreiten, dass unsere Anliegen Lichtjahre entfernt von dem Zerrbild sind, das über uns verbreitet wird. Wie anders müssen da unsere Gegenspieler auf Seiten der Feministen und der Gender-Ideologen wirken, mit ihren Forderungen nach der Schließung eines nicht vorhandenen Gender-Pay-Gaps oder dem Ruf nach gesetzlich geregelter Elternzeit in Vorständen und Aufsichtsräten.

Warum gelingt es uns nicht, unsere Themen einzubringen? Warum tun wir uns so schwer damit, die öffentliche Debatte auf unsere Seite zu ziehen, trotz der wirklich für jeden leicht zu durchschauenden Schwächen der Gegenseite? Die Antwort auf diese Frage ist ebenso kurz wie schmerzhaft: Wir schießen uns in dieser Schlacht allzu oft in die eigenen Füße, indem wir uns auf das unterirdische Gesprächsniveau unserer Kontrahenten herablassen und teilweise alles tun, um dieses noch zu unterbieten.

Für jeden Maskulisten, der sachlich und überzeugend argumentiert, finden sich fünf, die ihre Position mit dem Selbstverständnis eines Al Bundy verteidigt. Jeder Fakt, der von einem von uns vorgebracht wird verschwindet in einem Meer von Ad-hominem-Beleidigungen, die aus unseren Reihen gegen unsere Kritiker ausgekotzt werden. All unsere Versuche, etwas Konstruktives zu den Debatten beizutragen, werden abgewiegelt, und man zeigt mit dem Finger auf diejenigen unter uns, deren Diskussionskultur sich regelmäßig in der Toilettenschüssel abspielt.

Das ist nicht einmal wirklich unsere Schuld. Das Internet hat in den vergangenen Jahren zu einer Verrohung im Umgangston beigetragen, die ihresgleichen sucht. In jedem Forum, in jedem Chat finden sich Trolle, die ihr Haupt erheben und ihre verbalen Fäkalien unters Volk streuen. Auch bei uns, den Maskulisten.

Und in den Medien sieht man die Trolle und schließt, wir Maskulisten seien allesamt Trolle.

Und wie reagieren wir?

Leider allzu oft genau so, wie es von uns erwartet wird. Wir werfen mit Beleidigungen um uns, die vielleicht noch bei schlecht erzogenen Achtjährigen finden würde. Wir bezeichnen Menschen, die eine andere Meinung als wir vertreten, als Idioten, Trottel, oder lallende Besoffene. Wir suchen bei unseren Debattengegnern nach kleinen Fehlern, die sie begangen haben könnten, nehmen diese Fehler mit der Pinzette bis aufs Kleinste auseinander und bezichtigen sie daraufhin der vollkommenen Inkompetenz.

Wir sollen Trolle sein? Die anderen sind bloße Wichtel!

Und leider, leider, reden so nicht die Trolle in unseren Reihen. So reden auch diejenigen unter uns, die manchmal die besten Argumente haben, die stärksten Fakten, die größte Kompetenz beim Herausarbeiten der Sachlage. Ausgerechnet die Leute in unseren Reihen, die ich am liebsten in jeder Diskussion zitieren würde, machen sich durch ihr eigenes Diskussionsverhalten unzitierbar.

Das liegt auch daran, dass unsererseits teilweise schamlos mit den selben schmutzigen
Methoden gearbeitet wird, die wir bei unseren Diskussionsgegnern zu Recht anprangern. Wir missverstehen Aussagen so lange, bis sie von einem irgendwie vertretbaren Standpunkt zu einem geifernden Extrem geworden sind und greifen dann mit aller nur möglichen Vehemenz dieses Extrem an, als wäre das schon immer der Mainstream-Standpunkt unserer Gegner gewesen. Wir suchen im Keller unserer politischen Gegner nach Zitatleichen, die sie vor Jahrzehnten einmal in einem völlig anderen Zusammenhang in die Welt gesetzt hatten und werfen ihnen vor, ihr heutiges Verhalten wäre in diesem Kontext zu verstehen.

Indem wir unsere Gegner so unfair angreifen, wie sie es bei uns tun, machen wir uns selbst angreifbar. Besser, als die anderen es könnten.

Wann fangen wir an, quer durch unsere Reihen die Ruhe und Selbstbeherrschung auszustrahlen, die wir bräuchten, um in den Augen der Öffentlichkeit endlich ernst genommen zu werden?

Bloggeburtstag: 10 Jahre „Alles Evolution“

10 Jahre „Alles Evolution“

10 Jahre, in denen ich viel gelernt habe und viele interessante Diskussionen geführt habe. Ich freue mich, dass hier so viele verschiedene Meinungen zusammen kommen, Leute aus ganz verschiedenen Richtungen diskutiert haben und immer noch diskutieren, dass hier – aus meiner Sicht – auch ein gemeinsamer Wissensschatz erarbeitet worden ist und eine gewisse Community entstanden ist, die immer wieder interessante Aspekte herausbringt und sich trotz aller unterschiedlichen Perspektiven über Geschlechterthemen unterhalten kann.

Vor 10 Jahren war der intersektionale Feminismus gerade in seinen Anfängen. Er war zumindest in Deutschland noch lange nicht vorherrschend und die Mädchenmannschaft war noch ein aktiver Blog, der zwar langsam immer weniger Diskussion zuließ.  Das große Zerwürfnis, die Callout Culture und die Glaubenskriege standen noch aus. Noch meinte man, dass es um Frauen gehen sollte, nicht um die inzwischen immer wichtigeren anderen „Diskriminierungsgruppen“. Bis dann auch dort der intersektionale Feminismus einzog und man erst noch dachte es würden doch alle miteinander auskommen, bis dann die Unduldsamkeit sich 2012 ganz deutlich auf einer Jubiläumsfeier „5 Jahre Mädchenmannschaft“ zeigte:

Auf der Veranstaltung wurden Rassismen reproduziert, weiße Dominanzstrategien konnten ausgeübt werden und wurden von Seiten der weiß positionierten MM-Orgas bis zum Abbruch der Veranstaltung nicht unterbunden.

Mich wundert gerade, dass ich den wunderbaren Artikel gar nicht besprochen habe oder ich habe es nur nicht gefunden.

Ich selbst hatte natürlich damals auch noch einen ganz anderen Wissensstand. Ich hatte beispielsweise sexuelle Selektion noch gar nicht begriffen, es war in den damals von mir gelesenen Büchern noch nicht so ein Schwerpunkt gewesen. Ich bin erst durch Roslin darauf gekommen, mich damit näher zu beschäftigen und die Wichtigkeit dieser Theorien zu verstehen. Ich bedanke mich auch bei Haselnuss für seine sehr umfangreiche Kritik gerade im Bereich der Statistik und in Hinblick auf mein Verständnis von wissenschaftlichen Studien und dort verwendeten Zahlen etc die mich dazu veranlasst hat, dort nachzulesen und mehr zu verstehen und insofern auch mehr aus Studien herausnehmen zu können. Ich weiß auch, dass ich dort noch erhebliche Defizite habe und freue mich immer über weitere Kritik und auch Erklärungen.

Einen Blog ins Leben zu rufen und „am Markt zu positionieren“ ist keine so leichte Aufgabe. Mir kam zugute, dass über Leute wie Arne schon eine gewisse Szene bestand und ganz am Anfang auch noch Backlinks bei der Mädchenmannschaft und anderen feministischen Blogs durchkamen.

So hatte man bereits am Anfang sowohl Leute, die den Feminismus kritisch sahen als auch Feministinnen, die damals noch diskutieren wollten und noch gar nicht erwarteten, dass man ihnen da Wissen aus anderen Bereichen entgegenhalten konnte.

Der Erste Beitrag hatte damals immerhin schon 25 Kommentare, der nächste 12 und der übernächste gar 54.  Gut, die Hälfte davon waren jeweils Kommentare von mir selbst, denn ich wollte ja gerade zu diesen Themen diskutieren und natürlich auch Kommentatoren deutlich machen, dass hier etwas los war und sie dazu verleiten wiederzukommen bzw anderen deutlich machen, dass es auch interessant war hier wieder reinzukommen.

Der Blog hatte im Mai 2010 immerhin 66 Zugriffe pro Tag. Im nächsten Monat dann schon 127 und so ging es stetig bergauf. Ich glaube wirklich, dass es die Möglichkeit sachlich zu diskutieren war, die dem Blog ganz wesentlich geholfen hat und habe immer darauf hingearbeitet, dass dies hier möglich ist, dass nach Möglichkeit jeder seine Meinung sagen kann, solange er höflich ist und das nach Möglichkeit auch niemand niedergemacht wird oder vergrault wird. Die Diskussion um die Sache, die Fakten, sollten nach Möglichkeit im Vordergrund stehen, ein ganz anderes Konzept als sowohl in den damaligen feministischen Blogs als auch den damaligen teilweise noch sehr radikalen maskulistischen Blogs (etwa Manifold und das gelbe Forum).

Gar nicht sehr lange nach der Gründung des Blogs tauchte auch schon Südländerin auf, damals noch sehr zurückhaltend als jemand, mit dem ich befreundet war, dargestellt, auch wenn es der Anfang unserer Beziehung war. Damals war noch nicht abzusehen, dass es zur Heirat und dem süßesten Kind der Welt (meiner Welt zumindest) kommen würde. Am Anfang hatten wir wirklich gedacht, dass es eine eher kurze Sache wird, sie wollte eigentlich irgendwann nach Südland zurück. Aber wie sollte sie nachdem sie einen so tollen Mann wie mich kennengelernt hatte? (*hust*)

Der Blog selbst hat natürlich einiges an Arbeit gebracht, aber er war und ist immer noch etwas, was mir Spass macht. Früher hatte ich sicherlich mehr Zeit dazu, Südländerin und ich haben lange eine Fernbeziehung geführt und in der Woche war es wunderbar, sich Abends nach der Arbeit noch einmal hinzusetzen und eine lange Studie zu besprechen oder einen langen Artikel durchzugehen oder noch einmal die Kommentare durchzuschauen und selbst welche zu schreiben. Heute ist meine Zeit in vielen Fällen wesentlich knapper und sicherlich wird sich da auch schon ein „Qualitätsabfall“ bemerkbar gemacht haben, auch wenn ich nach wie vor im Rahmen meiner Möglichkeiten das beste herauszuholen versuche.

Den Blog täglich zu füllen bedeutet eben, dass man vor Urlauben nicht nur seinen Schreibtisch leer arbeiten muss, sondern auch noch 14 Artikel schreiben muss. Es bedeutet, dass ich zu der Zeit als die Geburt von Fräulein Schmidt sich nährte einen Vorrat von etwa 14 Artikeln vorgehalten habe, damit ich etwas Pause habe, wenn es losgeht und mich ganz Fräulein Schmidt widmen kann. Es bedeutet Weihnachtsartikel, Feiertagsartikel, Wochenendsartikel. Mitunter war das Arbeit.  Mitunter war einfach nichts mehr da, aus dem ich einen Artikel machen konnte und man durchsuchte das Netz nach irgendetwas, damit man etwas hat. Mitunter waren viel zu viele Ideen vorhanden und der Artikelvorrat füllte sich von selbst.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Ich will mich da gar nicht beschweren, ich finde es ein sehr schönes Hobby und ich kann es eben auch nur auf diese Weise betreiben, weil das für mich der beste Weg ist es nicht zu einem absterben kommen zu lassen, weil man eben an dem Tag gerade keine Zeit hat und man es dann einfach etwas verschiebt.

Interessant ist, welchen Widerstand man – trotz aller Unterstützung  für dich ich mich nicht genug bedanken kann – auch immer wieder erhält. Leute, die meinen, dass man irgendetwas machen müsse, sie besonders beachten müsse, weil… ja, einfach weil man eben den Blog betreibt. Leute, die einem alle möglichen Verschwörungstheorien andichten und einen am liebsten doxen würden, ganz egal, was sie damit bewirken, einfach nur weil sie nicht mit anderen Meinungen zurechtkommen. Das ist schon etwas erschreckend. Auch erschreckend wie sehr einem von beiden Seiten im Rahmen der Moderation teilsweise vorgehalten wurde, dass  man ihre Seite mehr moderiert. Eigentlich ja ein gutes Zeichen, wenn beide Seiten meckern. Leute haben sich auch beschwert, dass ich beispielsweise Gastartikel verlange ohne den Autoren etwas von den Werbeeinnahmen dieses Blogs abzugeben, dass würde ja nur mir nutzen. Ich erziele keinerlei Einnahmen durch diesen Blog, Werbung schaltet nur WordPress selbst, aber das ist vielleicht auch nicht für jeden ersichtlich.

Schade fand ich es mitunter, wie Diskussionen abgeglitten sind und teilweise zu bestimmten Zeiten schon beim ersten Kommentar. Mitunter hatte ich mich auf ein Feedback zu meinem Artikel gefreut, wollte dort andere Meinungen oder andere, zusätzliche Argumente hören oder (wie jeder Autor) ein Lob für eine gute Argumentation nur um dann eine erneute Diskussion über Kulturmarxismus zu lesen. Aber letztendlich müssen eben auch die geführt werden.
Gerade weil die Diskussionen so ausarteten und weil Leute auch ganz andere Sachverhalte einbringen wollten kam es dann zum (dem Konzept nach von der Mädchenmannschaft geklauten aber hier wesentlich besser angenommen) Selbermach Samstag, der dann um den Selbermach Mittwoch erweitert wurde.

Ich freue mich, dass aus „Alles Evolution“ eine gewisse Anlaufstelle geworden ist und der Blog einige Bekanntschaft erreicht hat. Es freut mich auch, dass er einige Leute dazu gebracht hat, selbst einen Blog zu betreiben, am meisten freut es mich, dass ich Lucas Schoppe dazu inspiriert habe, aber ich hoffe auch andere. Es freut mich, dass auch Feministinnen hier diskutiert haben und diskutieren, etwa  Lucia,  Starosczyk, Robin, Onyx , Maren, Semikolon etc. Und auch das nichtfeministische Frauen hier diskutiert haben, von Anna Nühm bis Erzählmirnix. Das hat nachgelassen, was zum einen damit zusammenhängt, dass „Mein-Feminismus-Feministinnen“ es schwer haben einzusteigen, weil wir die Argumente schon durchhaben und radikalere intersektionale Feministinnen ja nicht mit anderen diskutieren dürfen, weil sie damit anderen Meinungen Raum geben.

Aber ich freue mich ausdrücklich über jede Person mit anderer Meinung, die sich hierher verirrt und sich „traut“ hier in eine Diskussion einzusteigen. Ich versuche nach wie vor jede Diskussion in der Moderation sachlich zu halten und neue Kommentatoren aufzunehmen und hier willkommen zu heißen und ihnen deutlich zu machen, dass sie auch mit anderen Meinungen hier diskutieren können und ihre Argumente vorbringen können.

Wer noch Gastbeiträge zum Jubiläum schicken will, der kann das gerne tun. Ich freue mich auf eure Sicht auf die letzten 10 Jahre und würde eine Darstellung, wie ihr „Alles Evolution“ erlebt und wahrnehmt sehr interessant finden. Wer keinen Gastartikel schreiben will, dem stehen dafür natürlich auch die Kommentare offen.

Auf Alles Evolution, auf euch, meine lieben Leser und Kommenatoren! Möge die Diskussion auch in Zukunft stets lebhaft und sachlich sein!

 

Häusliche Gewalt in Italien: Gestiegene Zahlen

Einer Meldung aus Italien nach soll es dort nunmehr doch gestiegene Zahlen häuslicher Gewalt geben:

In Zeiten der Ausgangssperre verschärft sich in Italien das Phänomen der familiären Gewalt. In Italien haben im Zeitraum zwischen dem 2. März und dem 4. April 2.867 Frauen bei Anti-Gewaltzentren um Hilfe gebeten, das sind 74,5 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2019, meldete die italienische Frauenministerin Elena Bonetti am Sonntag.

Bei 28 Prozent der Hilferufe handelt es sich um Frauen, die sich zum erstmal an Anti-Gewalt-Zentren gewendet haben. „Die Ausgangssperre infolge der Coronavirus-Epidemie ist für viele Frauen, die Gewalt erleiden, ein Notstand im Notstand, denn sie sind gezwungen, während der Quarantäne mit Männern eingesperrt zu sein, die sie misshandeln“, sagte die Ministerin.

Oder aus einer italienischen Meldung, (mit Deepl übersetzt)

2.867 Frauen wandten sich während der Sperrung vom 2. März bis zum 5. April an die Anti-Gewalt-Zentren des D.i.Re Network: 74,5 Prozent mehr, das entspricht 1224 Frauen, im Vergleich zum Monatsdurchschnitt der letzten statistischen Erhebung vor zwei Jahren, der von 2018 (die letzte, deren Daten verfügbar sind) in den über 80 über ganz Italien verstreuten Zentren.

Die größten Bitten um Hilfe kamen aus der Lombardei und der Toskana. Von diesen 2.867 Frauen hatten sich jedoch nur 28% noch nie an ein Anti-Gewaltzentrum gewandt, während sie vor zwei Jahren noch 78% der Jaufgenommenen Frauen ausmachten; während es einen „signifikanten“ Anstieg der Unterstützungsanfragen von Frauen gab, die bereits von den Anti-Gewaltzentren des D.i.R.-Netzwerks verfolgt wurden und gezwungen waren, die Zeit der Quarantäne für den Coronavirus-Notfall zu Hause mit dem Täter zu verbringen.

„Weit über 1200 Frauen haben sich in etwas mehr als einem Monat an die Anti-Gewalt-Zentren der D.i.Re gewandt, verglichen mit der durchschnittlichen jährlichen Zahl der Kontakte, die in der letzten Umfrage verzeichnet wurden – weist Paola Sdao, die zusammen mit Sigrid Pisanu für die jährliche statistische Erhebung des D.i.Re-Netzwerks verantwortlich ist, darauf hin – eine Zahl, die bestätigt, wie das erzwungene Zusammenleben die Gewaltsituationen, die Frauen erlebten, weiter verschärft hat“. „Eine Datenlage, die uns beunruhigt – Sdao weist erneut darauf hin – sind die neuen Hilfsersuchen, die nur 28% der Gesamtzahl ausmachen, während sie im Jahr 2018 78% der Gesamtzahl der akzeptierten Frauen ausmachten. Und von diesen haben nur 3,5% die öffentliche Anti-Gewalt-Nummer 1522 durchlaufen“.

Die Zentren. „Unsere Daten bestätigen, dass die Anti-Gewalt-Zentren – kommentiert die Präsidentin der D.i.Re Antonella Veltri – ein Bezugspunkt für Frauen unabhängig von 1522 sind, wesentliche Dienste, die in den verschiedenen Dpcm nie erwähnt wurden, die ihre Aktivitäten trotz der Schwierigkeiten verfolgt und fortgesetzt haben“.

Veltri berichtet, dass „wir uns heute, immer noch in voller Not, in der gleichen Situation befinden wie vor 53 Tagen, als der erste Tod von Covid registriert wurde. Trotz der Tatsache, dass wir um außerordentliche Ressourcen und den notwendigen Schutz für die Organisation der Aufnahme gebeten hatten, mussten sich die Anti-Gewalt-Zentren und die Flüchtlingshäuser in den meisten Fällen selbst mit Sicherheit und Notunterkünften versorgen“. Die am 2. April von der Abteilung für Chancengleichheit freigegebenen Mittel für 2019 „müssen nun – betont er – für die Regionen durchlaufen: Es wurde keine Region aktiviert. Darüber hinaus handelt es sich nicht um zusätzliche Ressourcen, sondern um Mittel, die für wichtige zusätzliche Aktivitäten wie Ausbildung und Arbeitsvermittlung von Frauen bereitgestellt werden, die nun fehlen werden. „Und die 3 Millionen, die mit der Cura Italia angekündigt wurden, sind lächerlich, verglichen mit den Bedürfnissen der Zentren. Wir sind noch nicht aus der Notlage heraus – schlussfolgert Veltri – und jetzt, da die Zeit für die Wiedereröffnung des Landes näher rückt, ist keine Intervention geplant, um der Situation zu begegnen, während die Bitten um Unterstützung noch zunehmen könnten, wie es in China bereits geschehen ist. Die Regierung muss unbedingt ihre Strategie ändern“.

Anscheinend haben sich nach weiteren Maßnahmen mit neuen Gewaltzentren mehr Frauen gemeldet. Die meisten, die sich gemeldet hatten hatten vor Corona schon Gewalterfahrungen. Wäre interessant ob der Anstieg nun auf die neuen Maßnahmen zurückzuführen ist oder tatsächlich auf Corona. Aber vielleicht verstehe ich den Text auch falsch

Mittel zur Bekämpfung des Gender Pay Gaps, insbesondere Gehaltstransparenz

Ein Artikel im Handelsblatt zeigt auf, wie andere Länder den Gender Pay Gap bekämpfen wollen:

Der Druck auf deutsche Arbeitgeber von Seiten der Bundesregierung ist denkbar gering: Bis 2030 soll die Gehaltslücke der Geschlechter gerade mal von 21 auf 10 Prozent sinken, aber nicht zu unterschätzen ist der wachsende Druck für mehr Transparenz von außerhalb, aufgrund internationaler Gesetzes-Initiativen:

In Schweden und Norwegen sind die Daten der Steuererklärung also auch das Gehalt, online für alle einsehbar. Bei beiden Ländern reicht diese Tradition bis Anfang 1900 zurück. Alle Steuern und Vermögenswerte sollten erfasst und öffentlich zugänglich sein. Nun auch digital. Wer in Norwegen oder Schweden wissen will, was der Kollege verdient, kann einfach auf den Seiten der Behörden nachschauen – ohne Formulare ausfüllen oder Anträge stellen zu müssen.

Außerdem müssen Unternehmen in Norwegen mit mehr als 50 Mitarbeitern jährlich einen Gleichstellungsbericht ablegen. Gibt es hier Probleme, verpflichten sich die Unternehmen zu Maßnahmen. Derzeit liegt der Gender Pay Gap in Norwegen bei 14 Prozent, in Schweden bei 12 Prozent.

In Großbritannien etwa, wo der Gender Pay Gap ähnlich hoch wie in Deutschland ist, müssen Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern seit 2017 einmal im Jahr ihre Gehaltsdaten veröffentlichen. Am 1. April ist es wieder soweit. Auf einer Homepage der Regierung zeigt dann eine Graphik, wie sich Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau auf den verschiedenen Hierarchiestufen landesweit entwickeln. Von manch einem im Königreich wird dieses Chart mit mehr Spannung erwartet als Neuigkeiten von den Royals. Auch welches Unternehmen überhaupt Frauen auf Spitzenpositionen beschäftigt, wird veröffentlicht. Und noch einen Fortschritt in Sachen Transparenz ist zu erkennen: In Großbritannien ist es bereits Standard, dass Arbeitgeber bei der Stellenausschreibung das zukünftige Gehalt angeben.

Am radikalsten zwingt Frankreich Chefs zur Offenheit. Bis nächstes Jahr will das Land die Lohnlücke komplett beseitigen. Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten müssen seit 2018 eine Software installieren, die direkt mit ihren Lohn- und Gehaltsabrechnungssystemen verknüpft ist und ungerechtfertigte Lohnunterschiede aufzeigt. Außerdem müssen Unternehmen jährlich sämtliche Kennzahlen veröffentlichen, die die unternehmensinternen Lohnunterschiede zwischen Männern und Frauen betreffen.

Dazu gehören etwa Entgeltunterschiede, Gehaltserhöhungen, Beförderungsmöglichkeiten, Rückkehr aus der Elternzeit und der Anteil von Frauen an den zehn bestbezahlten Positionen im Unternehmen. Daraus ergibt sich ein Index mit einem maximalen Wert von 100 Punkten, bei dem Lohngleichheit erreicht ist. Ergibt die Auswertung aber, dass ein Unternehmen unter 75 Punkte hat, drohen Bußgelder von bis zu einem Prozent des gesamten Gehaltvolumens über den Zeitraum, indem ungerecht gezahlt wurde. Der Gender Pay Gap liegt hier zwischen 12 und 15 Prozent.

Schließlich verfolgt Island einen deutlich einfacheren, wenn auch durchschlagenden Ansatz: Seit 2018 gilt in dem nordeuropäischen Land ein Gesetz, das Unternehmen vorschreibt, Männern und Frauen das gleiche Gehalt zu zahlen – wie ja auch in den anderen westlichen Ländern üblich. Mit einem gravierenden Unterschied: Bis 2022 will die isländische Regierung den Gender Pay Gap auf 0 bringen. Für wurde zum einen die Elternzeit neu geregelt. Mütter und Väter müssen die gleiche Zeit zu Hause bleiben. Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern müssen einen Nachweis erbringen, dass sie fair bezahlen. Andernfalls drohen Strafen.

Und so wächst der Zwang zur Gehälter-Transparenz für deutsche Konzerne, ob Allianz-Versicherung, Supermarkt-Kette Aldi oder Softwareproduzent SAP, über ihre Zweigstellen in Großbritannien, Frankreich oder Norwegen. Beraterin von Platen sagt zufrieden: „Wir merken das an vermehrten Anfragen.“

Da sind viele Faktoren interessant:

Was beispielsweise überprüft die Software und zeigt sie auch Gehaltsungerechtigkeiten gegenüber Männern an?

Wie berechnen andere Länder den Gender Pay Gap, beziehen sie zB Position des öffentlichen Dienstes und Freiberufler etc ein?

ist es tatsächlich die Transparenz, die zu dem niedrigeren GPG führt oder tragen andere Maßnahmen viel wesentlicher dazu bei, etwa umfangreiche Dritt-Kinderbetreuung?

Wie ist die Einstellung der Frauen in anderen Ländern zur Vollerwerbstätigkeit und wie ist die Teilzeitquote?

Wie werden Faktoren wie etwa mit dem Gehalt abgegoltene Überstunden oder aber andere weiche Faktoren bewertet?

Werden Frauen vielleicht einfach bevorzugt und nicht gerechter behandelt, weil man die Quoten bzw die Gehaltsanforderungen erfüllen muss?

Der Ansatz, dass es per se nur an Diskriminierung liegen kann behindert insofern eine tatsächliche Aufklärung eher.

Weniger häusliche Gewalt trotz Corona-Krise

Ein Bericht zur häuslichen Gewalt in der Corona-Krise:

Entgegen den Erwartungen von Experten deuten erste Zahlen auf einen deutlichen Rückgang der häuslichen Gewalt in der Corona-Krise hin. Während im März vergangenen Jahres noch 3003 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt registriert wurden, waren es im Vergleichszeitraum dieses Jahres lediglich 2112 Einsätze. Das entspricht einem Rückgang um 30 Prozent.

Eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums betonte allerdings, dass die Zahlen vorläufig seien. Oft werde ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt zunächst als Körperverletzung geführt und erst später auch als häusliche Gewalt ausgewiesen. „Wir müssen davon ausgehen, dass die häusliche Gewalt zunehmen wird“, hatte etwa Claudia Fritsche von der Koordinierungsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW gesagt.

Erinnert mich etwas an den befürchteten Anstieg der Zwangsprostitution bei der WM2006, der von Feministinnen beschworen wurde, dann aber nicht eintrat.

Das gleiche Bild zeichnete auch ein Bekannter, der Richter am Familiengericht ist und mit dem ich mich neulich unterhalten hatte. Alle Richter hatten mit einer Vielzahl von Gewaltschutzverfahren gerechnet, aber bisher sei es absolut ruhig.

Sicherlich kann ein Aufeinanderhocken mehr Spannungen auslösen. Aber es fallen ja gleichzeitig auch viele Gründe, die zu Gewalt führen können, weg:

Etwa das einer der beiden eine Affaire hat und spät nach Hause kommt, was dann zu einer Eskalation führt oder auswärtiges Feiern mit viel Alkohol. Vermutlich ist auch beiden klar, dass man sich weitaus weniger ausweichen kann und die Kinder auch betreut werden müssen und man lässt einfach Streitigkeiten weniger eskalieren.

Aber auch ganz profane Gründe können zu einer Deeskalation führen: Wenn der Mann  und man selbst in Kurzarbeit ist, dann bekommt man bei einem Auszug keinen oder geringeren Unterhalt. Das macht eine Trennung schwieriger als wenn man danach mit einer guten Unterhaltszahlung rechnen kann. Und auch zu den Eltern ziehen kann schwieriger sein, wenn diese jedes Corona Risiko gering halten wollen

An Corona gestorbene Ärzte in Italien: 60 Männer, drei Frauen

Arne hatte auch berichtet, hier noch etwas aktualisierte Zahlen:

Immer mehr Ärzte, die in Italien alles in ihrer Macht stehende tun, um Corona-Patienten vor dem Tod zu bewahren, bezahlen ihren Einsatz mit dem Leben. Auf ihrer Webseite zählt die italienische Ärztekammer (FNOMCeO) jeden einzelnen Mediziner und jede einzelne Medizinerin auf, die an den Folgen einer Corona-Infektion gestorben sind. Stand heute stehen 63 Namen auf der Liste, 60 Männer und 3 Frauen.

Das ist angesichts des Umstandes, dass Medizin ein sehr weibliches Studium ist, eine durchaus erstaunliche Zahl.

Gestorben sind Ärzte im Alter zwischen 49 und 90 Jahren, sie stammen aus ganz Italien von Como bis Caltanissetta. Die meisten Fälle gibt es in Bergamo und Umgebung. Aus der am schwersten betroffenen Region Italiens sendeten Klinikärzte vor einer Woche schockierende Bilder aus einer Notaufnahme. In Bergamo verlor auch der 90-jährige Flavio Roncoli sein Leben. Wie viele der verstorbenen Mediziner kehrte der pensionierte Arzt in seinen Beruf zurück, um Kollegen und Patienten in der Krise zur Seite zu stehen. Ebenfalls in Bergamo arbeitete eine der drei Ärztinnen, die nach einer Corona-Infektion verstarben. Vincenza Amato war als Ärztliche Direktorin zuständig für Hygiene und Gesundheitsprävention. Im kommenden Jahr wollte die 65-Jährige in Pension gehen.

Das gerade Ältere sterben könnte natürlich zu der Geschlechterquote beitragen. Einfach weil heute 60jährige eben zu einer Zeit studiert haben als vermutlich das Geschlechterverhältnis in der Medizin noch männlicher war.

Es wäre natürlich aber auch interessant, ob sich mehr pensionierte Männer zurückmelden, um die gefährliche Arbeit zu machen. Dazu fehlt es hier leider an Zahlen.

Auch eine Erklärung könnte die Fachrichtung der jeweiligen Ärzte sein. Frauen sind beispielsweise überproportional in der Frauenheilkunde und Geburtshilfe tätig. Wie die Verteilung bei Lungenfachärzten ist habe ich leider nicht gefunden.

Die Mehrzahl der in den letzten Wochen verstorbenen Mediziner waren Hausärzte. Dass besonders sie häufig angesteckt wurden, hat einen Grund: Sie waren schon vor der offiziellen Ausbreitung der Epidemie in Kontakt mit zahllosen Patienten, die vermutlich bereits an Covid-19 erkrankt waren und in ihre Praxen kamen. An Schutzkleidung hatte zu dem Zeitpunkt noch niemand gedacht.

Auch Hausarzt dürfte eine eher von Männern ausgeübte Tätigkeit sein, schon weil sie üblicherweise Selbständigkeit erfordert und damit schwerer mit Kinderbetreuung unter einen Hut zu bringen ist.

Einer dieser Ärzte war Marcello Natali. Der 57-Jährige schlug schon kurz nach dem Ausbruch der Epidemie in Italien Alarm, dass das Land auf eine medizinische Katastrophe zusteuere. Wie recht er hatte, musste der Allgemeinmediziner jeden Tag in seiner Praxis in Codogno hautnah miterleben. Codogno liegt etwa 60 Kilometer südöstlich von Mailand und war eine der ersten Städte, die in Italien zur „Roten Zone“ erklärt und abgeriegelt wurden. Im örtlichen Krankenhaus soll sich der sogenannte „Patient eins“, der inzwischen genesen ist, mit dem Coronavirus angesteckt haben.
Als die Fallzahlen stiegen und viele seiner Kollegen in Quarantäne gehen mussten oder krank wurden, öffnete Natali seine Praxis auch für deren Patienten, um sie in einer so schwierigen Situation nicht alleine zu lassen. Das berichtete eine Kollegin der Zeitung „Il Resto del Carlino“. „Er hat sich nie geschont, obwohl wir keinen angemessenen Schutz hatten.“ In einem der letzten Interviews, die er vor seinem Tod gab, erzählte Natali dem Sender „Euronews“, dass er bei der Behandlung von Corona-Patienten keine Handschuhe tragen konnte. Es gab einfach nicht genug für alle.

Eigentlich ein guter Text, wenn man mal etwas der „toxischen Männlichkeit“ entgegen halten möchte. Denn das Aufopfernde, das Durchhalten trotz großer Gefahren, das stoische Hinnehmen der Risiken, dass kann eben auch alles Männlichkeit sein und beides, dieses Verhalten und das Verhalten, welches gern als toxische Männlichkeit dargestellt wird, bei dem man eben keine Schwäche und keine auf sich bezogenen Emotionen zeigt, kann sehr dicht beieinander liegen. „Er hat sich nie geschont“ und „er hat keine Handschuhe tragen können, weil keine mehr da waren“ kann man durchaus unter „toxische Männlichkeit“ fassen – er würde wahrscheinlich noch leben, wenn er nicht seine eigene Gesundheit hinten an gestellt hätte. Aber das wird dem, was er dort getan hat, wohl kaum gerecht.