Carolin Emcke: „Politisch korrekt“ als Morsezeichen der Denkfaulen

Carolin Emcke findet den Ausdruck „politisch korrekt“ nicht korrekt genug und kritisiert ihn daher:

Anfangs mag es mitunter Ausdruck eines nachvollziehbaren Unmuts darüber gewesen sein, dass jede noch so unbedachte Äußerung mit einer Hermeneutik des Verdachts belegt werde, dass jeder Irrtum, jedes Unwissen, jede Ungeschicklichkeit sofort als Beleg tiefster Verfehlungen und also als „politisch unkorrekt“, gegeißelt werde. Aber davon ist nichts mehr übrig. Kaum jemand weiß mehr, wann der Begriff entstanden ist, welche Bedeutungen ihm einmal innewohnten. „Politisch korrekt“ ist eine bloße Chiffre geworden, seiner eigenen wandelvollen Geschichte beraubt. Es ist gegenwärtig das wirkmächtigste Instrument der Diffamierung eines Gegenübers. Das Urteil, etwas oder jemand sei „politisch korrekt“, ist die Kurzformel, die signalisieren soll, mit den kritischen Einwänden einer anderen Person oder Position brauche man sich nicht auseinanderzusetzen, deren Zweifel, Hinweise, Gründe können missachtet werden, weil sie, nun, „politisch korrekt“ seien. „Politisch korrekt“ ist das Morsezeichen der Denkfaulen, mit dem sich reflexhaft alles abwehren lässt, was eingeübte Überzeugungen oder Habitus infrage stellen könnte.

Das ist schon faszinierend:

Nimmt sie die „andere Seite“ gar nicht wahr?

Die, die Leute sogleich als Nazis beschimpft, sich als Mob auf jemanden stürzt, der meint, dass der Penis ein männliches Sexualorgan ist? Der nicht Leute mit beliebigen Pronomen anreden will oder meint, dass man Meinungen damit abtun kann, weil der andere das falsche Geschlecht (Mann) oder die falsche Hautfarbe (weiß) hat?

Nimmt sie gar nicht wahr, dass sie damit quasi das selbe macht, was sie anderen vorhält?

Wie kann man einen Absatz schreiben, in dem man Leuten vorhält, die bestimmte Wörter benutzen, dass sie zu Argumenten unfähig und unwillig sind und diese Worte dann gleichzeitig als solche ansehen, die nur von Denkfaulen kommen können, also deren weitere Ausführungen direkt abwerten ohne das sie eine inhaltliche Kontrolle übernimmt?

Natürlich kann „politisch korrekt“ sofort ein Argument folgen etwa:

„Es mag nicht politisch korrekt sein biologische Gründe für  Verhaltensunterschiede von Männern und Frauen zu sehen, aber diverse wissenschaftliche Studien zeigen, dass diese Position nicht haltbar ist“

Nichts einfacher als das. Leider folgt dann häufig der Hinweis, dass man als alter weißer Mann wegen seiner privilegierten Stellung die Klappe halten solle und man nur das Patriarchat stützen wolle.

Es ist ein geschickt arrangiertes Ensemble aus Worten und Motiven, die gemeinsam all jene diskreditieren wollen, die sich auf Menschen- und Bürgerrechte beziehen. Sie werden bespöttelt als „Moralisten“ – als müsse sich rechtfertigen, wer das Grundgesetz für ein schützenswertes Gut hält.

Hier spielt sie Burg und Festung (Motte-Bailey). Denn Menschen- und Bürgerrechte wäre auch nur ein Begriff, der der schnellen Entwertung von Kritik dient, aber keineswegs alles umfasst, was ansonsten als „politisch korrekt“ angesehen wird. Sie tut so als könne es kein „zuviel“ an „Moral“ geben.

Die Hexenverbrennungen zeigen als Extrembeispiel, dass das natürlich der Fall sein kann, wenn man davon ausgeht, dass zumindest einige Leute dort tatsächlich meinten, damit einem höheren Gut zu dienen. Und da wollte man eben auch nur Gottes Gesetze schützen.

Gerade das Grundgesetz hat allerdings auch nicht verdient, dass intersektionale Feministen sich darauf berufen, denn es ist gerade zum Schutz des Einzelnen, als Individualgrundrecht, aus dem Gesichtpunkt heraus geschaffen worden, dass man ein Individuum ist und nicht nur Teil einer Gruppe. Es schützt, wenn auch nicht unbeschränkt, die allgemeine Handlungsfreiheit und erlaubt einem damit auch „unkorrekt“ zu handeln, wenn man das für richtig hält.

Diejenigen, die unter Religionsfreiheit nicht nur Respekt vor katholischer und protestantischer, sondern auch vor jüdischer oder muslimischer Frömmigkeit verstehen, die Armut nicht nur für ein Problem der Umverteilung, sondern auch der Anerkennung halten, diejenigen, die Stigmatisierung von bestimmten Körpern oder bestimmten Familien kritisieren, werden als „Gutmenschen“ verhöhnt – als sei Zynismus neuerdings ein Ausweis der Kultiviertheit.

Auch das ist keine wirklich korrekte Zusammefassung der Positionen – denn auch hier wird ja wiederum von der anderen Seite verhöhnt. Eben weil sie meinen, dass sie die Guten sind, weil sie sich eine Theorie gebastelt haben, in der sie andere beleidigen können, weil diese die Bösen sind.

Dabei purzeln die Vorwürfe munter durcheinander: Mal wird bemängelt, die „politisch Korrekten“ seien „elitär“ und „weltfremd“, dann wiederum gelten sie als zu sehr in der Welt verhaftet und unfähig, in ästhetischen Kategorien zu denken, mal wird unterstellt, die „politisch Korrekten“ verstünden die Nöte der Menschen nicht, dann wiederum, wenn sie Nöte adressieren, wird das als „Identitätspolitik“ folklorisiert und als zimperlich infantilisiert.

Weil es ja auch nur ein Verhalten, einen Sachverhalt, gibt, bei dem etwas als politisch korrekt bezeichnet wird. Wobei der Vorwurf, dass sie zu sehr in ästhetischen Kategorien denken, mich etwas überrascht. Hat den schon mal jemand angetroffen?

Die widersprüchlichen Zuschreibungen, die mit dem Label „politisch korrekt“ verbunden sind, entblößen die klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen.

Die „widersprüchliche Zuschreibung“ die ich einfach mal so in den Raum stelle aber keineswegs näher begründe, mit Beispielen belege oder bezüglich einer Position beispielhaft nachweise.

Und eine „klammheimliche Ideologie der Hierarchisierung von Menschen“, dass ist fast amüsant, weil es sehr stark spiegelt, was von vielen, die einer „politischen Korrektheit“ anhängen, tatsächlich gemacht wird.
Sie hierarchisieren in Gut und schlecht, in Opfer und Täter, das alles nach pauschalen Gruppen nach Hautfarbe und Geschlecht. Sie verwenden Personengruppen als Strukturen, ganz ungeachtet deren Heterogenität.

Es sollen nur manche als „echte“ Deutsche zählen, nur manche Frauen als „richtige“ Frauen gelten, es sollen nur manche Personen ihre Ängste artikulieren, nur manche Gruppen ihre Rechte selbstbewusst wahrnehmen dürfen. Die anderen werden als „wütend“, „humorlos“ oder „kosmopolitisch“ diskreditiert. Der Vorwurf der „politischen Korrektheit“ ist nur noch ein menschenverachtender Code, der jene „ab ins Körbchen“ kommandieren will, die es wagen, die Würde tatsächlich aller Menschen für unantastbar und die Grundrechte wirklich aller für unveräußerlich zu halten.

Was für ein billiger Text. Ein ehrlicher Text käme aus meiner Sicht nicht daran vorbei zunächst erst einmal darzustellen, was man als Übertrieben, als zu korrekt empfindet und dann zu schauen, inwieweit das tatsächlich ein Über-das-Ziel-hinausschießen sein kann. Und das kann ja ganz einfach in beide Richtungen der Fall sein:

Die „politisch korrekten“ können übertreiben, wenn sie in der Aussage, dass ein Penis ein männliches Sexualorgan ist, einen unglaublichen Frevel sehen, der das Patriarchat etc stützt.

Diejenigen, die „politische Korrektheit“ vorhalten können übertreiben, wenn sie meinen, dass jeder, der in Transsexuellen nicht schlicht Geisteskranke sieht, politisch korrekt ist.

Um mal Extrempositionen zu benennen. Statt dessen kommt sie mit der Würde des Menschen.

Und das bei Leuten, die Männer, Weißen und Heterosexuellen absprechen, sich überhaupt zu Themen äußern zu können, weil sie Unterdrücker sind.

Es geht dann im gleichen Stile weiter: Die einen wollen doch nur die Menschenrechte, die anderen sind Schurken, die die Menschenrechte mit Füßen treten. Durch die Verwendung einer Phrase.
Wenig durchdacht, schlecht argumentiert. Kaum Gehalt. Aber wenigsten politisch korrekt.

Jessica Yaniv sah es als Diskrimierung an, dass ihr Frauen, die bei anderen Frauen die Genitalien mit Wachs enthaart haben, nicht auch ihren „weiblichen Penis“ mit Wachs enthaaren: Klage abgewiesen

Der Prozess von Jessica Yaniv, die sich diskrimiert sah, weil Schönheitssalons, die „Waxing“ für Frauen anboten, bei ihr nicht auch ein Waxing durchführten, weil sie als Transfrau auch genau so eine Frau sei, ist beendet und sie muss sogar eine Strafe zahlen, weil die Klagen als mißbräuchlich eingestuft worden sind

Jessica “Jonathan” Yaniv, who infamously brought human rights complaints against multiple British Columbia estheticians for declining to perform services on her male genitals has lost her cases.

The Justice Centre for Constitutional Freedoms today issued a news release declaring victory on behalf of their clients, as an early ruling in favour of the mostly home-based salon workers was announced just one day after the Canadian federal elections.

According to the news release, The decision noted, “human rights legislation does not require a service provider to wax a type of genitals they are not trained for and have not consented to wax.” The decision further found that Yaniv “engaged in improper conduct,” “filed complaints for improper purposes,” and concluded Yaniv’s testimony was “disingenuous and self-serving.” Finally, noted the Tribunal, Yaniv was “evasive and argumentative and contradicted herself” while giving evidence.

The JCCF represented five of more than 10 aesthetician workers Yaniv brought complaints against, many of whom were immigrants or from visible minority or highly religious communities. This, along with Yaniv’s history of racially charged remarks, led many to speculate that the complaints were racist or xenophobic in nature.

Most significantly, the Tribunal ordered costs of $2,000 payable each to three of the five women represented by the Justice Centre, including one woman, Mrs. Hehar Gill, who had been forced to close her business due to Yaniv’s vexatious litigation. According to the JCCF’s news release, Mrs. Gill, a practicing Sikh, explained to Yaniv that she was only able to provide services to female clients due to her religion.

Wir leben in interessanten Zeiten, wenn so eine Klage überhaupt ausgebracht wird und ein Gericht darüber entscheiden muss. Um so mehr, wenn man sich noch nicht mal sicher ist, ob sie es nicht vielleicht doch gewinnt.

Aber immerhin scheint hier der Wahnsinn doch noch nicht so weit fortgeschritten zu sein. 30

Deutscher Gender Kongress am 02.11.2019 in Nürnberg

der Gender Kongress findet wieder statt:

Alle zwei Jahre trifft sich die Maskulistenszene in Deutschland zur Diskussion und zum Austausch, um daraus politische Forderungen abzuleiten.
Jetzt ist es wieder so weit – wir freuen uns, Sie einzuladen zum

DEUTSCHEN GENDER KONGRESS*
Männer – Väter – Jungen

am Samstag, den 2. November 2019 von 11:00-17:00 Uhr
in Nürnberg

Anmeldung auf www.genderkongress.de.

Unser Programm: In Fachbeiträgen diskutieren wir Männer-, Väter- und Jungendiskriminierung und benennen deren Ursachen sowie Folgen. Darauf aufbauend erarbeiten wir gemeinsam in Workshops Forderungen an die Bundes-, Landes- und Kommunalpolitik, wie Gleichberechtigung erreicht werden soll.
Das vollständige Programm finden Sie auf www.genderkongress.org

Rahmenprogramm: Gerne können Sie das Wochenende in Nürnberg verbringen. Wir haben ein attraktives Begleitprogramm aufgesetzt – dank Sponsoren für Sie gratis.
Sogar Übernachtungen sind kostenfrei möglich. Bei Bedarf bitte bei der Anmeldung vermerken.

Lassen Sie uns gemeinsam für Gleichberechtigung und Abschaffung der Benachteiligungen von Vätern, Männern und Jungen eintreten.

Impressionen vom erfolgreichen letzten Kongress 2017 s. www.genderkongress.de/presse.
Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme! Bitte geben Sie uns bis zum 28.10. per Onlineanmeldung Bescheid, ob Sie kommen können.

Rainer Winter
Trade 5 GmbH Event & Kongress

Spendenkonto Deutscher Genderkongress: IBAN: DE14 6001 0070 0032 3357 09

*Mit „Gender“ im feministischen Sinne hat der Kongress wenig zu tun. Hier geht es um Gleichberechtigung, gleiche Rechte für Männer, Väter und Jungen in Gesellschaft, Politik, Justiz, Bildung und den Medien.

 

Samstag 02.11.2019 in Nürnberg, Königstr. 73

 

 

11:00 EMPFANG und Moderation
11:10 GRUSSWORTE aus der Politik von Vertretern (m/w) der CSU, SPD, FDP, LINKE, AFD, FW*
11:30 Gender Empathy Gap und das Schwarzbuch des Feminismus
Gunnar Kunz – Buchautor, Genderempathygap.de, Alternativlos-Aquarium, Cuncti.de
 
12:00 15 Jahre MANNdat. Was fordert die unabhängige, parteiübergreifende Männerbewegung?
Dr. Bruno Köhler – Vorstand, MANNdat e.V.
12:30 VERBÄNDE – Kurzpräsentationen
Referenten und Leiter der Arbeitsgruppen
 
13:00 Mittagessen und Networking
14:00 FACHVORTRÄGE UND PANELS I
I. Wissenschaft. Frauen- oder Männerdiskriminierung?
Dr. A. Beer – Liberale Männer e.V.
II. Vienna-Studie. Geschichte u. Zukunft der Frauen- u. Männer-Emanzipation?
Johannes Meiners – Politologe und Geschlechterforscher, Verfasser der Club of Vienna-Studie
III. Zwangsvaterschaft. Haben Männer reproduktive Rechte?
Dr. Elmar Diederichs, JungsUndMaedchen.wordpress.com
IV. Bildung. Plädoyer für eine geschlechtersensible Schulpädagogik.
Prof. Dr. phil. Markus Meier – Universitätsprofessor
V. Protest. 1 Tag Greta, 7 Monate Faisal
Dr. med. Faisal Ahmadiar – Kämpfer für Gleichberechtigung
VI. Häusliche Gewalt. Welche Maßnahmen eignen sich zur Gewaltprävention?
Alexander Brosien – MännerCafé e.V.
15:00 Networking Kaffeepause
15:30 FACHVORTRÄGE UND PANELS II
VII. Medienkompetenz. Mit welchen Methoden tricksen Ideologen? (1)
Gunnar Kunz – Buchautor, Genderempathygap.de, Alternativlos-Aquarium, Cuncti.de
VIII. Männliche Identität. Was macht die aus?
Thomas Fugner – Maennerschmie.de
IX. Schulbildung. Werden Mädchen und Jungen nach gleichen Maßstäben bewertet?
Dr. Bruno Köhler – Vorstand, MANNdat e.V.
X. Sprache. Wie ist geschlechtergerechte Sprache möglich?
Bernhard Lassahn – Schriftsteller und Kinderbuchautor, Berlin
XI. Trennung. Wie Vater bleiben? (2)
Dr. Jens Schirmer – Väter-Netzwerk e.V.
XII. Vater. Wo warst du, warum haben wir meine Kindheit verpasst? (3)
Jörg Langanke – Vorsitzender, Väter-Netzwerk e.V.
16:30 Kaffeepause mit Networking und Tombola
17:00 PRESSEKONFERENZ – Abschluss-Communiqué
Mit Vorstellung von Wahlprüfsteinen, Forderungskatalog an die Parteien zu Bundes- und Landtagswahlen
17:30 PODIUMSDISKUSSION – Geschlechterpolitik 2020
18:30 AUSBLICK – Kongress 2021 und Verabschiedung
19:00 Abendessen mit Networking
 
20:00 FILM – Ausstrahlung von „Weil Du mir gehörst“

Fügner von der AfD zu seinem Männerbild? Da wäre ich eher skeptisch, Meiners klingt ganz interessant.

Wie findet ihr das Programm? Will jemand von euch hin?

Crumar und Mark zu den Identitätstheorien im intersektionalen Feminismus

Ich fand diese Diskussion zwischen  Mark und Crumar in den Kommentaren interessant und möchte sie daher für einen Artikel verwenden:

Mark:

Vielleicht müsste man halt mal schon mal als Vorbedingung sagen: Rassismus ist das, was gewisse Menschen als Rassismus definieren. Nach der mutmasslichen Definition von Alice Hasters wird wohl jede Abweichung von Ergebnisgleichheit zwischen verschiedenen „Ethnien“ in Bezug auf gewisse Ressourcen, Positionen etc. als Rassismus deklariert werden. Das kann man machen, ich halte dies jedoch für eine falsche Definition von Rassismus, zumal die fehlende Ergebnisgleichheit überhaupt nicht durch Diskriminierung zustande kommen muss, sondern unterschiedliche Präferenzen oder unterschiedliche „Kulturen“ bzw. Sozialisationen erklärbar ist. Ausserdem ist nicht einzusehen, weshalb nicht auch nichtweisse Personen, die ja in eine rassistische Gesellschaftsstruktur verstrickt sind, selbst diese Strukturen reproduzieren. Und auf der Handlungsebene auch ganz rassistisch sein können. Das Problem scheint mir hier also zu sein, dass es wieder einmal in einem identiätspolitischen Duktus analysiert wird und sie nicht sieht, dass die verschiedenen Identitäten vollständig austauschbar sind.

Crumar:

Fangen wir noch einmal von vorne an: „Erstmal mag das nach einer progressiven Haltung klingen, wenn jemand behauptet: ,Hautfarben spielen für mich überhaupt keine Rolle‘ – in der Theorie mag das stimmen. Aber wir schauen hier auf eine Geschichte von 500 Jahren Versklavung, 250 Jahre Rassentheorien, Kolonialismus – alles Dinge, die nicht wirklich aufgearbeitet und auch nicht in unserem kollektiven Gedächtnis verankert sind. Sagen wir mal so: Ich hab noch Redebedarf (lacht).“
https://editionf.com/alice-hasters-rassismus-interview/

LACHT finde ich immer gut! 🙂

Es gab keine Sklaverei in Deutschland, die Geschichte des deutschen Kolonialismus dauerte ca. 30 Jahre und war in Afrika faktisch 1915 beendet, als die deutschen Truppen im Rahmen des 1 WW vernichtend geschlagen worden waren.
Von „500 Jahren“, nicht einmal „250 Jahren“ kann gar keine Rede sein.
Der Profit dieses deutschen Kolonialismus hat nie existiert; es war ein ganz mieses Geschäft.
Es gab nach 1918 – auch offiziell – keine deutschen Kolonien mehr, denn die wurden unter den Siegermächten verteilt.

Wenn in Deutschland jemand mit (post-) kolonialen Theorien betteln und hausieren geht, hab ich in der Tat ebenfalls „Redebedarf“.
Sie versucht eine angelsächsische Theorie copy&paste 1:1 auf Deutschland zu übertragen und muss damit scheitern. Sie sucht mit ihrer Mitleidslenkung an einer „progressiven Haltung“ anzusetzen, die sie moralisch erpressen, die hier aber mangels historischer Voraussetzungen schlicht nicht existieren kann.
Sie ist eine Kopistin, die ich nicht weiter ernst nehmen muss – wichtig ist nur ihr zu spiegeln, sie ist eine Kopistin ohne Verankerung in der historischen Realität.

Das ist ja ein altes Problem der intersektionalen Theorien bei der Anwendung in Deutschland: Letztendlich haben diese einen US-Amerikanischen Hierarchiekonflikt gelöst indem sie verschiedene Opferkategorien ausgemacht haben („Männer sind Privilegiert, Frauen benachteiligt“ und „Weiße sind privilegiert und Schwarze bzw PoCs benachteiligt“). Das ist ein Konflikt, der in den USA sehr bedeutsam ist, in Deutschland aber letztendlich eine wesentlich geringere Rolle spielt, schon weil der Anteil der PoCs weitaus geringer ist. In den USA besteht auch eine ganz andere Situation, da dort eben die Sklavenhaltung einen erheblichen Umfang hatte und zu erheblichen Spannungen führte, die so in Deutschland eben nie praktiziert worden ist. Natürlich hat Deutschland ebenfalls eine rassistische Vergangenheit, aber die richtet sich weit eher gegen andere Weiße, eben Juden, als speziell gegen Schwarze. Die größte Ausländergruppe, die Türken waren in der Hinsicht noch nicht einmal wirklich Gegner im zweiten Weltkrieg. Insofern ist die Situation aus den USA schwerer zu übertragen.

Mark:

@crumar
Das Problem ist m.E. wie folgt: Rassismus, Sexismus, Klassismus und viele andere Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen mit Abwertungen, Diskriminierungen, Kriegen, Genoziden, Völkermorde, Massaker etc. gibt es doch seit Beginn der Menschheit und zwar überall auf der Welt. Sicherlich gibt es Unterschiede, aber schlussendlich unterscheiden sich die Menschen nur sehr graduell. Soll heissen: Für das allgemeine Verständnis von Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die ab und an damit einhergehenden Kriegen, Massenmorden, Genoziden etc. bringt es überhaupt nix, wenn man irgendwie eine Identität (hier beispielsweise die Hautfarbe) hervorhebt und so tut, wie ein Täterkollektiv nun speziell mit einer Hautfarbe assoziiert werden kann. Zentral wäre doch mal anzuerkennen, dass Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die damit einhergehenden Abwertungen, Diskriminierungen, Massakern, Genozide etc. nix mit einer besonderen Identität zu tun haben, sondern jede Identität (ob Schwarze, Weisse, Männer, Frauen, Deutsche, Schweizer, Bayern, Schwule, Heterosexuelle etc.) kann zu Tätern und Opfern werden.

In der Tat sind Ingroup und Outgroup Konflikte eine fast zwangsläufige Folge unser ansonsten kooperativen Natur, weil man sich zwangsläufig bei Leuten, mit denen man seltener zu tun hat, eher absichern muss und wir mit relativ kleinen Gruppen innerhalb unserer evolutionär wirksamen Vergangenheit zu tun hatten.

 

Ausserdem muss man gerade beim Rassismus zwischen Handlungs- und Strukturebene unterscheiden. Ein Individuum kann in einem Land leben, wo es strukturellen Rassismus gibt, aber das heisst noch lange nicht, dass dieses Individuum auf der Handlungsebene rassistisch wäre und für die rassistische Struktur kann es vielfach auch nichts, zumal es überhaupt nicht die Macht hat, alleine an der Struktur etwas zu ändern. Und wie ich schon vorher gesagt habe: Es ist nicht einzusehen, weshalb Schwarze in Deutschland, sollte es einen strukturellen Rassismus gegen Schwarze geben, diese Struktur nicht mitreproduzieren, wenn es ja angeblich auch alle Weisse tun. Wenn es alle Weisse tun, dann müssten es m.E. auch alle Schwarze tun. Also, m.E. ist die Argumentation von Alice Hasters nicht plausibel und widersprüchlich.

Finde ich eine wichtige Unterscheidung, die natürlich für das Gruppendenken der Identitätstheorien nicht praktikabel ist. Dort wird die Struktur ja immer von der Gruppe getragen und ein Individuum gibt es quasi nicht, man ist immer Zugehöriger verschiedener Gruppen – „alter weißer Mann“ ist eine berechtigte Schuldzuweisung und eine individuelle Betrachtung wird direkt als Versuch der unzulässigen Exculpierung angesehen -#Notallmen

 

Crumar:

Ich versuche kurz den historischen Rahmen zu verlassen und auf die linksidentäre Theorie und deinen Kommentar, speziell die Etablierten-Aussenseiter-Konstellation einzugehen:

„Für das allgemeine Verständnis von Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die ab und an damit einhergehenden Kriegen, Massenmorden, Genoziden etc. bringt es überhaupt nix, wenn man irgendwie eine Identität (hier beispielsweise die Hautfarbe) hervorhebt und so tut, wie ein Täterkollektiv nun speziell mit einer Hautfarbe assoziiert werden kann.“

So aber funktioniert ihre bizarre Denkweise und ich halte sie für ausgesprochen nützlich.
In der konkreten politischen Situation in D bspw. verdienen die Menschen in den 5 neuen Bundesländern objektiv weniger als in den alten Bundesländern und zwar stimmt hier ausnahmsweise der Befund: Für die gleiche Arbeit.

Als die Linksidentäre Ferda Ataman zum ersten Mal mit diesem Fakt konfrontiert wurde, reagierte sie in ihrer Spon-Kolumne ungläubig, das könne doch wohl nicht heißen, eine türkische Putzfrau im Westen verdiene weniger als eine im Osten.

Sie meinte implizit natürlich – in ihrer subjektiven, der identitären Logik – eine weißenicht „POC“. Während es sich eben objektiv genau so verhält.
D.h. die Linksidentären insistieren darauf, bevor man auch nur einen Blick auf die empirische Realität wirft, stehen „Opfer- und Täterkollektive“ – in ihrem Sinne – bereits fest.
Sagt die empirische Realität das Gegenteil, dann wird sie schlicht geleugnet.

Ihr Bemühen, das „allgemeine Verständnis“ identitär zu beeinflussen, läuft zwangsläufig darauf hinaus zu behaupten, die Menschen in den 5 neuen Bundesländern könnten gar nicht benachteiligt werden, weil sie weiß, Alemans, Kartoffeln usw. usf. sind (das wird man doch wohl noch sagen dürfen!)

Politisch läuft identitäre Logik zwangsläufig darauf hinaus festzustellen, bei den Menschen in den 5 neuen Bundesländern handelte es sich um den „Basket of deplorables“:
Mit der gleichen Volte, die auch für Männer gilt führt die Unterstellung von Privilegien dazu festzustellen, sie hätten aus ihren Privilegien eben nichts gemacht und seien daher selbst Schuld an ihrer miserablen Lage. In neoliberalem Mantra wird ihnen das Scheitern individuell übereignet, zugleich werden sie der Verachtung preisgegeben. Und Widerstand gegen diese miserable Lage zeigt in der bizarren Logik der Identitären immer nur den (natürlich nur unterstellten) Kampf um den Erhalt von Privilegien. Also wie und dass sie völlig im Recht sind.

In dieser Logik können gesellschaftliche Ausschlüsse für beliebige „Identitäten“ und „Täter-Kollektive“ konstruiert werden, man kann dabei ein gutes Gewissen haben und sich „progressiv“ fühlen, während objektiv eine neoliberale, reaktionäre, spalterische Politik verfolgt und eine Hetz- und „Hass“-Sprache etabliert wird.

„Zentral wäre doch mal anzuerkennen, dass Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen und die damit einhergehenden Abwertungen, Diskriminierungen, Massakern, Genozide etc. nix mit einer besonderen Identität zu tun haben, sondern jede Identität (ob Schwarze, Weisse, Männer, Frauen, Deutsche, Schweizer, Bayern, Schwule, Heterosexuelle etc.) kann zu Tätern und Opfern werden.“

Zentral wäre m.E. erstens vorab, dass uns die Identitären ihre Sicht auf uns aufdrücken wollen.
Ihr Narzissmus besteht zweitens daraus, sie unterstellen mir und uns, wir müssten eine „Identität“ gemäß eines biologistischen Determinismus entwickeln.

Die Denkweise und „Theorie“ ist drittens eine vormoderne und scheitert politisch spätestens, wenn ein als homogen halluziniertes Kollektiv „Männer“ sich nicht einmal auf ein einheitliches Wahlverhalten verabreden kann.
Eine entwickelte „Identität“ gemäß eines sozialen Milieus, in der Etablierten-Aussenseiter-Konstellationen nicht einheitlich sind und keiner binären Logik folgen stellt eine Überforderung dieser Theorie dar, sie wird – zwangsläufig – einer modernen Gesellschaft nicht gerecht.
Mit einer Jugend-Subkultur wie „Punk“ wird auch eine „Etablierten-Aussenseiter-Konstellation“ fragwürdig, denn die subkulturelle Logik besteht eben gerade darin, sichtbar Aussenseiter zu sein.

Das biologistische fundierte Stammes- und Clan-Denken unterstellt viertens jedem Individuum, Entwicklungsmöglichkeiten nur in den engen Grenzen eines Konzepts von „Identität“ zu haben, welches jedoch immer schon vorausgesetzt ist und dem es sich unterzuordnen hat.
Die Idee einer individuellen Wahlfreiheit in Sachen individueller Identität ist vor dem Hintergrund dieser Vorstellung absurd.
Umgekehrt ist jedoch das „Kollektiv“ der „People of Colour“ (s. Männer) eine Schimäre, denn eine gemeinsame kulturelle Identität haben bspw. Japaner und Nigerianer nicht.

Diese Theorie ist auch nicht „kollektivistisch“, denn ihre Konstruktion eines Kollektivs erfolgt nicht gemäß gemeinsamer Interessen oder einer gemeinsamen sozialen Lage, sondern unterstellt diese auf der Basis biologischer Merkmale. Das ist eine insgesamt von der empirischen Realität völlig entkoppelte Theorie.

Mein Verdacht ist, dass die US-Linke und Linksliberale diese unterkomplexe, vormoderne „Theorie“ angenommen haben, weil sie an den gesellschaftlichen/sozialen Differenzierungsprozessen in ihrer Heimat gescheitert sind.

Abschließend: Kriege, Massenmorde, Genozide sind historisch durchgängig bei allen Kulturen anzutreffen. Die identitäre Verkürzung der Weltgeschichte auf die Kolonialgeschichte muss „POC vs. POC“ Grausamkeiten jedoch leugnen/herunterspielen und erzeugt einen Kollateralschaden: Die wahre Geschichte der Menschheit begann erst mit dem Auftritt der Weißen! 😉

Feminismuskritik und Männerrechte – Deadlock statt Dreamteam (Gastartikel)

Dies ist ein Gastartikel von Tobias

Die These

Feminismuskritik und Männerrechte sind im Grunde zwei unterschiedliche Angelegenheiten. Eine große Mehrheit der Frauen in diesem Land sieht sich selbst nicht als feministisch, hat aber gleichzeitig mit der Männerrechtsbewegung nichts am Hut. Die persönliche Einstellung zu Feminismuskritik und Männerrechten kann sich also durchaus unterscheiden, obwohl es inhaltlich häufig um die gleichen Themen geht. Andersherum betrachtet, existiert Misandrie auch bei Frauen und Männern ohne feministisches Weltbild. So gab es in den letzten Jahren Kritik am vergleichsweise überproportionalen Anteil männlicher Flüchtlinge. Der dazu aufgespannte Alice-Schwarzer-Feminismus begründet das mit dem Frauenbild der Flüchtlinge (natürlich nur der Männlichen). Speziell mit dem Aspekt „männliche Flüchtlinge“ hantieren jedoch ansonsten politische Gruppen, welche man mit Feminismus ganz bestimmt nicht in Verbindung bringt. Dennoch werden Kritik am Feminismus und die Männerrechtsbewegung gerne implizit in einen Topf geworfen oder gleich mit Frauenhass gleichgesetzt.

Der heutige Feminismus ist ziemlich erfolgreich, wenn man bedenkt, dass der sich der Großteil der Bevölkerung nicht als feministisch bezeichnet [1] [2]. Feministische Forderungen führen zur Reform des demokratisch sensiblen Wahlrechts in einzelnen Bundesländern, während es eine große Koalition im Bund in jahrelangen schwierigen Verhandlung kaum schafft, die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts zu Überhangmandaten umzusetzen. Feministen kritisieren ungestört den sogenannten Gender Pay Gap sowie den statistisch höheren Zeitanteil der Frauen an der Haus- und Familienarbeit, obwohl beides offensichtlich zusammenhängt. Eine angespannte Regierungskoalition bricht fast auseinander, weil sie sich in einer feministisch induzierten Abtreibungsdebatte (siehe [3]) nicht einig wird, die in der Bevölkerung fast niemanden interessiert. Demokratische Mechanismen wie Kritik oder ausgewogene Berichterstattung setzen bisweilen aus, wenn es um Feminismus geht.

Für diesen Sonderstatus muss es Gründe geben. Die hier vertretene These lautet, dass der politische Feminismus erfolgreich mit normativer Weiblichkeit kooperiert, insbesondere im Hinblick auf den Opferstatus. Die Kombination von Maskulismus und Feminismuskritik profitiert hingegen nicht in vergleichbarer Form. Eine solche Kombination ist zudem in der politischen Auseinandersetzung mit dem Mainstream-Feminismus besonders anfällig für den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit und Tätlichkeit. Im Anschluss wird auch diskutiert, welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden sollten.

Feminismus und die Weiblichkeit

Nun kann man der Meinung sein, Feminismus und Frauentum wären selbstverständliche Partner, schon aufgrund des Begriffs. Vergleicht man jedoch feminine Attribute wie Ästhetik, Sensibilität oder Schüchternheit mit dem heutigen Feminismus, so lassen sich nur schwer Gemeinsamkeiten finden. Im Gegenteil, feministische Kampagnen fordern Frauen dazu auf diese Attribute abzulegen, etwa im Arbeitsleben. Der Feminismus stellt nicht den politischen Arm der Frauen in der Bevölkerung dar, sondern eher eine Art modernes Amazonentum [4]. Seine Kooperation mit normativer Weiblichkeit ist insbesondere von rechtfertigender und auch parasitärer Natur.

Nun existiert in menschlichen Gesellschaften ein tief sitzender Frauenschutzinstinkt. Frauen erleiden zwar zweifelsohne Gewalterfahrungen, allerdings wird ein Mensch viel eher als Opfer anerkannt, wenn es sich nicht um einen Mann handelt. Beispiele für diesen Effekt gibt es haufenweise, eines davon ist die mittelalterliche Hexenverbrennung. Diese betraf mehrheitlich Frauen, circa ein Viertel der Betroffenen waren jedoch männliche Hexer. Die öffentliche Wahrnehmung des Phänomens richtet sich jedoch weitestgehend auf die beschuldigten Frauen. Diese Asymmetrie mag zwar in manchen Fällen berechtigt sein, sie zieht sich jedoch wie ein roter Faden durch politische und soziale Themen. Und auch Männer tragen in der Rolle als Retter und Helfer dazu bei, obwohl sie selbst dadurch zum Verschleißsubjekt werden. Ein Paradebeispiel dafür liefert eine Aussage aus dem Film Sin City: „An old man dies, a young woman lives; fair trade“ [5]. Der politische Feminismus nutzt diesen Instinkt, indem er sich als Vertreter immerzu benachteiligter Frauen darstellt. Er legitimiert seine ideologischen Forderungen mit Hilfe tradierter Schutzinstinkte. Allerdings vertritt der heutige Feminismus die Bedürfnisse der Frauen natürlich nicht, vielmehr versteckt er mit diesem Manöver seine ganz eigenen Interessen.

Daher treffen insbesondere Männerrechtler in Öffentlichkeit, Politik und Staat auf einen institutionellen Feminismus, der zumindest offiziell kaum hinterfragt wird. Dieser kann seine Gegner nach Bedarf und Belieben als Frauenhasser, rechte Reaktionäre oder Machos diffamieren. Zudem lassen sich unterschiedlichste politische Gruppierungen ansprechen, wenn man wahlweise ein schickes feministisch-progressives Narrativ oder einen dringenden Bedarf zum ritterlichen Schutz der Frauen servieren kann. In jedem Fall dürfen Frauen durch Maßnahmen erheblich bevormundet werden, für die sich eine feministische Begründung findet. Auch beim Platzieren feministischer Meinungen in den Medien hilft der Einsatz des weiblichen Opfernarrativs, denn es sorgt für Klicks und Quote.

In der Auseinandersetzung mit Männerrechtlern funktioniert dieser Feminismus wie ein ausgestreckter Zeigefinger: „Ihr (Männer) seid selbst schuld und außerdem sowieso böse“. In dieser Form stärkt die Konfrontation also das Band zwischen Feminismus und politisch wirksamer Femininität in der gesamten Gesellschaft. Die Geschlechterfrage immunisiert so auch gegen Kritik am Feminismus selbst. Äußern sich etwa Frauen kritisch zum Feminismus, wirft man diesen einfach Verrat an ihren Geschlechtergenossinnen vor. Feministische Ideologie mit tradierten Schutzinstinkten im Schlepptau taugt somit besonders gut als Bollwerk gegen die Männerrechtsbewegung, wenn diese sich durch irgendeine Kritik am Feminismus begründet. Ein Dilemma.

Was nun?

Es ist wenig überraschend, wenn sich zum Beispiel die Wut mancher entsorgter Trennungsväter irgendwann auf Frauen im Allgemeinen projiziert. Jedoch besteht die Gefahr, damit den Feministen ihre These eines Klassenkampfes zwischen den Geschlechtern zu erfüllen. Männerrechtsaktivismus und Feminismuskritik passen für Feministen ideologisch wunderbar zusammen, institutioneller Feminismus reproduziert Geschlechterkrieg daher schon aus Eigennutz. Wenn Männerrechtler ihre Forderungen im Gegensatz zu Interessen von Frauen definieren, werden Feministen nur zu gerne Partei auf Seiten der Frauen ergreifen und damit den Maskulismus gesellschaftlich isolieren.

Wenn Feminismuskritik an Geschlechtermechanismen scheitert, dann macht es Sinn beides separat zu halten, sodass Feministen sich nicht mehr als Placebo für die Interessen der Frauen anbieten können. Maskulisten sind dann gegenüber dem Feminismus nicht mehr in der Rolle des Gegners. Nur in bestimmten Situationen ergibt sich weiterhin zumindest ein Konkurrenzverhältnis – etwa um Ressourcen der öffentlichen Hand – mit zum Teil feministschen Frauen- und Mutterverbänden. Vielleicht erhält die Männerrechtsbewegung dadurch mehr gesellschaftlich Rückenwind und kann so ihre Forderungen einfacher mit normativ positiver Männlichkeit verbinden, da sie nicht mehr so stark von außen gebrandmarkt wird.

Als Gegner für den politischen Feminismus braucht es hingegen eine dedizierte Opposition. Diese basiert darauf, dass radikale feministische Ansichten nicht die Situation zwischen den Geschlechtern abbilden, sondern nur eine politische Meinung unter vielen. Folglich gibt es zu diesen Forderungen auch eine demokratisch legitime Gegenmeinung. Eine solche gibt es schließlich auch zum Kapitalismus, einer Erhöhung der Staatsschulden und dem geplanten Neubaugebiet in der Kommune. Eine Normalisierung des Feminismus und von Kritik am Feminismus im politischen Raum gehen Hand in Hand. Gelingt die definitorische Trennung der Frau vom Feminismus, wird Kritik an letzterem in Öffentlichkeit, Institutionen und Parteien praktizierbar.

Die stärkere Unterscheidung von Feminismuskritik und der Männerrechtsbewegung bietet darüber hinaus für beide Seiten weitere Vorteile:

  • sie führt zu einer besseren Mobilisierung von Menschen
    • insbesondere vieler Frauen
    • die dem etablierten Feminismus kritisch gegenüberstehen, auch wenn diese sonst mit dem Thema Männerrechte nichts am Hut haben
  • dem Feminismus eine Verletzung der Interessen der Frauen vorzuwerfen ist einfacher, wenn die Kritiker selbst keine spezifischen Geschlechterinteressen vertreten
  • die öffentliche Diskussion von Fällen, in denen eine Hidden Agenda durch den Tarnmantel Feminismus verhüllt werden soll ist einfacher zu legitimieren
  • das Mittel der Diffamierung selbst von linken bzw. progressiven Maskulisten als politisch reaktionär wird noch unglaubwürdiger und damit steigt das Potenzial für breite Akzeptanz im politischen Raum

Der größte Fortschritt wäre allerdings, dass die sexistische Wirkung des heutigen Feminismus auf die Geschlechterpolitik thematisiert werden kann. Radikalen Feministen ist vorzuwerfen, dass sie durch ihr Weltbild eine verbindende Geschlechterpolitik und zugleich ein egalisierendes Menschenbild verhindern. Zunächst müssen Männerrechtler als auch Feminismuskritiker allerdings ihre Narrative neu justieren, um aus der Ecke herauszukommen, in der sie platziert werden.

[1] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1002977/umfrage/zustimmung-der-deutschen-bei-aussagen-zur-gleichberechtigung-nach-geschlecht-2019/

[2] http://big.assets.huffingtonpost.com/tabs_gender_0411122013.pdf

[3] https://www.spiegel.de/politik/deutschland/gesetzesentwurf-zur-ergaenzung-von-219a-union-und-spd-raufen-sich-zusammen-a-1250587.html

[4] https://allesevolution.wordpress.com/2019/08/31/studie-feministinnen-sind-maskulinisiert-in-bezug-auf-praenatales-testosteron-und-im-bereich-dominanz/

[5] https://en.wikipedia.org/wiki/Sin_City_(film)#That_Yellow_Bastard_(Part_2)

Katharina Schulze zu einer Tat, bei der ein Mann 2 Frauen und drei Männer erschossen hat: Es ist ein Femizid

In Kitzbühl hatte sich eine schreckliche Tat ereignet:

Die 19-jährige Ex-Freundin hatte sich laut Polizei vor zwei Monaten von dem 25-Jährigen getrennt. Nach der Bluttat hatte sich der 25-Jährige bei der örtlichen Polizei am Sonntagmorgen gestellt. „Ich habe soeben fünf Personen ermordet“, sagte der Einheimische, als er auf der Wache erschien. Der mutmaßliche Täter habe somit seine Ex-Freundin, deren neuen Freund, die Eltern und den Bruder der Ex-Freundin erschossen. (…)

„Es geht uns allen sehr schlecht, auch meinem Sohn“, sagte die Mutter des Tatverdächtigen dem Portal RTL.de. Ihr Sohn und die 19-Jährige seien seit fünf Jahren zusammen gewesen und hätten im kommenden Jahr heiraten wollen. Laut Polizei hatte sich das Paar vor zwei Monaten getrennt.

In der evolutionären Theorie würde man das unter „Mate Guarding“ (also das „Abschirmen“ des Partners) einordnen. Es ist natürlich eine schreckliche Tat,  und das die Täter in den meisten Fällen Männer sind ist auch nicht wegzudiskutieren.

Lucas greift eine Reaktion von der Grünen-Politikerin und Feministin Katharina Schulze auf

Ein Femizid, bei dem 2 Frauen und 3 Männer sterben. Das allein zeigt eigentlich schon, dass sie eine sehr merkwürdige Wertung vornimmt.

Die Endung „-zid“ hat folgende Bedeutung:

Bedeutungen:

[1] Wortbildungselement mit der Bedeutung tötendvernichtend
[2] Wortbildungselement mit der Bedeutung TötungMord

Es ist aus meiner Sicht etwas ein „Modewort“ in Teilen des Feminismus geworden alle Taten, bei denen Frauen Opfer waren, als Femizid zu bezeichnen, was erkennbar nicht nur die Tötung einer Frau darstellen soll, sondern eine Art „Vernichtung der Frau“ ähnlich wie ein Genozid auch nicht vorliegt, wenn ein Vertreter eigens Volkes getötet wird, sondern wenn dahinter die Absicht, der Plan oder zumindest der mögliche Erfolg stehen soll, möglichst viele Vertreter dieser Gruppe zu töten.

Was natürlich Blödsinn ist: Niemand möchte die Gruppe Frau vernichten oder auslöschen, weitaus eher sind Männer in höherer Zahl Opfer von Gewalttaten, aber selbst dann sind die prozentualen Zahlen in zivilisierten Gesellschaften so gering, dass es absurd ist so zu tun als wäre es in irgendeiner Form mit einem Genozid vergleichbar.

Wenn man etwas als einen „Geschlechter“zid bezeichnen möchte, dann vielleicht die Schützengräben des ersten Weltkrieges oder andere erbarmungslose Schlachten der Geschichte. (wäre das ein „Maskuzid“?)  aber auch da trifft es nicht zu, denn man wollte ja gerade nicht Männer vernichten, weil man etwas gegen die Gruppe Mann hatte.

Genau so wenig dürfte der Täter hier etwas gegen die Gruppe Frau gehabt haben: Er konnte es anscheinend schlicht nicht ertragen, dass DIESE Frau ihn nach fünf Jahren verlassen hat und hat deswegen sie, den aus seiner Grund bestehenden Grund der Trennung und vermutlich die anderen Anwesenden erschossen. Das ist keine Rechtfertigung seiner Tat, es geht nur darum, dass er die Tat nicht gegen Frauen gerichtet hat.

Dagegen wird man ihm Feminismus oder aus Sicht der Frau Schulze vielleicht einwenden, dass ja Täter solcher „Beziehungstaten“ ganz überwiegend Männer sind und deswegen eine Tat der Gruppe Männer gegen die Gruppe der Frauen vorliegt, was die Bezeichnung Femizid rechtfertige: Nur Männer würden sich so gegenüber Frauen verhalten.

Aber das verkennt ja wieder einmal, dass da kein gemeinsamer Plan dahinter steckt, dass es äußerst selten vorkommt und eben gerade deswegen darüber berichtet wird, weil es eine seltene Tat ist.

Dagegen wiederum wird dann angeführt, dass es keineswegs selten sei:

Das „jeden Tag“-Argument ist angesichts von ca. 7.600.000.000 Menschen auf dieser Erde und 365 Tagen ein sehr schlechtes Argument. Alles, was einem mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 0,0000048%  Wahrscheinlichkeit passieren kann, passiert damit im Durchschnitt einem Menschen pro Tag. Und selbst auf Deutschland bezogen liegt die Wahrscheinlichkeit für etwas, was einmal am Tag passiert bei 80.000.000 Menschen bei 0. 00045%.

Oder zu dem Tweet:

Das sind dann 87.000 Tötungen zu  von 3.800.000.000 Frauen. Also 0,002% Im gleichen Zeitraum wurde etwa die dreifache Anzahl von Männern ermordet. Allein(!) in Brasilien jedes Jahr etwa 45.000. Von einem wasauchimmer-zid ist das weit entfernt. 

Aber es ist aus der Sicht derjenigen, die eine Opferhaltung leben wollen, natürlich ein sehr hilfreiches Wort.

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