Wie eine Ingenieurin ihre Benachteiligung in der Berufswelt erlebt

Ich hoffe ich mache nicht zu viele Artikel zu Martin Schröders Buch, aber ich habe auf Amazon diese Besprechung gefunden, die ich besprechenswert finde (sie hat auch so gesehen wenig mit dem Buch zu tun, sie ist mehr eine Klage einer Frau zur ihrer Situation)

Frauen geht es gut? Sie leben wie sie wollen?

Sorry, das kann ich mit meiner Lebensrealität seit vielen Jahrzehnten nicht in Übereinstimmung bringen.

Ständig höre ich Sätze wie „Das ist nichts für Frauen“, „das ist ein Jungsfach, kein Mädchenfach“. Ein stetiger Strom von Beschränkungen, mit denen Frauen von Kind an bestimmte Begabungen ausgeredet und geblockt werden. Eine jahrzehntelange Gehirnwäsche, die von Familie, Gesellschaft und Medien ausgeht.
Eine Sabotage von Begabungen, Selbstwertgefühl und Willenskraft bei Mädchen.
Knüppel zwischen die Beine, die ganze Kindheit.

Ich würde durchaus sagen, dass das geschieht. Und zwar für beide Geschlechter. Es gibt genug Leute, die ein geschlechtertypisches Verhalten einfordern. Natürlich gibt es  – und das gerade bei Frauen – auch die Gegenstimmen: Du kannst alles sein was du willst, du kannst Karriere machen und Kinder bekommen etc.

Und es gibt eben auch die Anforderungen an Männer: Ein Mann muss seine Familie versorgen können, er muss stark und selbstbewußt sein etc.

Das würde aber bedeuten, dass BEIDE Geschlechter einer gewissen Beeinflussung ausgesetzt sind so dass es schwer ist daran eine Benachteiligung von Frauen festzumachen.
Ganz zu schweigen davon, dass ein nicht geringer Teil dieser Vorgaben an beide Geschlechter auch von Frauen kommt. Ein anderer Punkt ist, dass die Regeln für den Schnitt der Geschlechter auch häufig nicht schlecht sind. Sie haben eine gewisse „Trefferrate“ die nicht unbedingt niedrig ist.

Fussball, Mathe, Physik, Karate? Das kannst Du nicht, willst Du nicht, kommt nicht in Frage.
(auch andersherum bei Männern: Ballett, Tanz, Erziehung …)

Aber auch nur in sehr konservativen Gegenden würde ich vermuten. Wobei meine Kinder ja auch noch jung sind, mal sehen, was ich noch alles mitbekomme.

Warum wollen wohl so viele Teenagerinnen zu Jungen umoperiert werden? Weibliche 90% der Kandidaten? Weil ihre Begabungen und ihre Träume sabotiert werden?

Meines Wissens nach ist die Rate der Mann zu Transsexuellen höher als die Rate der Frau zu Mann Transsexuellen.

Je mehr Wohlstand, je mehr Druck in vorgesehene Rollenbilder?

In meinem speziellen Fall, nach 5 (!) Generationen berufstätiger Frauen meiner Familie, wurde ich geschlechtsneutral erzogen.
Das war sensationell (und ich kenne keine andere solche Frau meines Alters).
Interessen und Studium habe ich frei gewählt.

Sport, Tanz, Mathe, Physik, Philosophie.

Bis dahin fühlte es sich wirklich frei an.

Wäre natürlich interessant welches Alter sie hat. Und für frühere Generationen kann ich mir das durchaus vorstellen. Aber heute kann aus meiner Sicht auch jede Frau ihr Studium auswählen. Natürlich mag sie Gegenstimmen haben oder Meinungen ob das schlau ist, aber sie wird dennoch jedes Studium ergreifen können, dass sie will. Und natürlich könnten Frauen sich verabreden und meinetwegen alle eine Uni aussuchen und dort zusammen ein Naturwissenschaft studieren und es zu einem Studienanteil mit einem hohen Frauenanteil machen.

Da dicke Ende kam dann als Ingenieurin im Industrie-Beruf, deutsche Techbranchen, Diskriminierung ohne Ende, massive Unterbezahlung, Machismo jeden Tag, ein Leben lang.

Sie alle möchte ich auf die brutale Situation von Ingenieurinnen, Physikerinnen, Informatikerinnen, also Frauen in MINT-Berufen in deutschen Techbranchen aufmerksam machen.

MINT-Frauen hatten jahrzehntelang die massivsten täglichen Attacken in den technischen Branchen auszuhalten, auch ohne je in Elternzeit gegangen zu sein.

Ich kenne einige Frauen, die Ingenieure sind (tatsächlich meist aus osteuropäischen Ländern). Sie melden das zumindest das nicht zurück. Aber sie sind vielleicht auch deutlich jünger als die Schreiberin.

(Kolleginnen in frauentypischen Bereichen wie Marketing oder Personal leben vergleichsweise auf einer Insel der Glücksseligen – ist meine subjektive Beobachtung.)

Ich teile hier einige langjährige Beobachtungen, und habe noch zahlreiche Berichte aus meinem Netzwerk von MINT-Kolleginnen im Hinterkopf.

Mal sehen, was kommt:

VERBALE ATTACKEN

Besonders in Meetings ist es gang und gäbe, dass einem das Wort abgeschnitten wird, herabwürdigende Bemerkungen fallen, die fachliche Kompetenz angezweifelt wird, Fehler in der Präsentation behauptet werden, verbales Runtermachen regelmäßig, Dirty Tricks ohne Ende, Jahr für Jahr. Langdauernd, niederschwellig, verschleißend.

Die Geringschätzung und Verbalattacken gehen von einem niedrigen Prozentsatz der Kollegen und Führungskräfte aus, machen einem aber das Leben mächtig schwer.

70% meiner Arbeitsenergie brauche ich für die dauernde Burgbefestigung, 30% bleiben für meine eigentliche Arbeitsaufgabe.

Das ist eine relative schlechte Auswertung ihrer Arbeitsenergie und spricht eher dafür, dass sie evtl auch nicht der einfachste Mensch ist um mit ihm zusammen zu arbeiten.

ISOLIERUNG

Ständig wird einem das Gefühl vermittelt, nicht dazuzugehören. Die Kollegen organisieren sich in informellen Clubs von Lagerfeuerkumpels, von deren Austauschen frau nichts erfährt.

Mündliche Informationen erhält man tendenziell zuletzt oder gar nicht.

In Abwesenheit werden weibliche Kollegen, besonders wenn sie ehrgeizig sind, als unfähig verleumdet. Das wird ständig wiederholt und irgendwann glauben es alle.

Kenne ich so auch nicht. Aber ich kann es mir bei ihr aufgrund ihres vorherigen Ausspruchs durchaus vorstellen. Und natürlich: Wenn sie nur 30% ihrer Energie für die Arbeit nutzen kann dann wäre es verständlich, wenn die Kollegen nicht die höchste Einschätzung haben.

SPEZIELLE AUFGABEN

Verbreitet ist das Vorgehen, unerfreuliche Aufgaben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Misserfolgen führen, an weibliche Kräfte zu delegieren. Psychisch Kranke im Team, korrupte Lehmschichten aufbrechen, fanatische Gewerkschafter im Team führen, unwirtschaftliche Bereiche sanieren – was so keiner machen will.

Danach ist frau dann das Team schnell wieder los, und bekommt anschließend als „Verbrannte“ einen Schreibtisch ohne Verantwortung.

Beim Automobilzulieferer war es noch schlimmer – in den 10 Jahren die ich in S. war, kamen Ingenieurinnen dort gar nicht erst auf Projektleiter- oder Führungskräfte-Stellen. Eine Frau als Boss im Engineering? Für Viele immer noch undenkbar.

Wäre die Frage wie typisch ihre Erfahrung heute noch ist. Denn in Martins Buch geht es ja gar nicht darum (denke ich), ob Frauen jemals Sexismus ausgesetzt waren, sondern ob sie es heute noch sind.

BEURTEILUNG

Auf der Tonspur wird einem im Jahresgespräch versichert, wie hervorragend die Leistungen sind. Auch die Hochwertigkeit und Schwierigkeit der Aufgaben, die einem neu übertragen werden, steigt regelmäßig an.

Dokumentiert bei der Beurteilung wird dann aber regelmäßig Mittelmaß, und beim Gehalt rangiert man in niedrigeren Bereichen gleichwertiger Aufgaben. Im Tarif wird frau regelmäßig 1 -2 Stufen niedriger eingruppiert als die männlichen Kollegen. Die minimalen Gehaltserhöhungen geben das Signal „Kannst gehen“.

Wenn man dann verhandelt, bekommt man als Antwort Schweigen, oder das Argument „Das bleibt jetzt so“.
Die Personalerinnen stellen sich mit dem Chef gegen Einen.

Das müsste man ja dann in Studien nachweisen können. Es passt nicht ganz dazu, dass gegenwärtig die Untersuchungen, wenn ein Betrieb überprüft wird, eher feststellen, dass Männer benachteiligt sind. Auch müsste sich das ja beim Gender Pay Gap sehr deutlich zeigen, es kommt aber nach Bereinigung gerade nicht raus.

FEHLENDE UNTERSTÜTZUNG

Bei Sachthemen oder Laufbahnthemen bekommt man in der Regel keinerlei Unterstützung von Kollegen oder Vorgesetzten.

Bei verbalen Attacken starren alle anderen auf den Tisch, regungslos. Auch der eigene Chef.

Ideen, Verbesserungen oder kleinste Karrierethemen müssen hart verteidigt oder proaktiv erkämpft werden. Oft gegen massiven Widerstand.

Auch Intrigen von Machos sind immer wieder beliebt.

Das ist für mich mit Abstand die schlimmste Form der Diskriminierung, unter Hunderten Kollegen gefühlt allein dazustehen.

Als weibliche Führungskraft im Engineering ist es nochmal verschärft – es schlägt einem von vielen Seiten eine Eiseskälte entgegen. Tag für Tag.

Das war nur eine Kostprobe. Ich kann noch viel mehr berichten.

Meine Boebachtung ist, dass MINT-Frauen eher nicht belästigt oder anzüglich angegangen werden.
Nein. In deutschen Industrie-Techbranchen werden sie als Kriegsgegner bekämpft!
Je brillianter die Ingenieurin, desto brutaler die täglichen Attacken.
Ziel: Reputation am Boden, beruflicher Tod.

Es wundert mich sehr, dass Ihre Forschung diese Situation nicht wiederspiegelt. Woran liegt das?

Vielleicht ist es nicht mehr so? Oder es liegt eben an ihr und anderen Frauen geht es besser.

Gendern – Weder eine Mehrheit der Männer noch der Frauen wollen Gendern, wichtigster Faktor für Befürwortung des Genderns ist, dass man will, dass der Staat viel regelt.

Ein interessanter Beitrag in der FAZ:

Man wolle „Politik für alle Menschen machen, und das bedeutet, auch alle anzusprechen“. So formulierte es die grüne Kanzlerkandidatin im Bundestagswahlkampf 2021. Ähnliche Texte lassen sich mühelos auf beinahe jeder Universitätshomepage, beim ZDF, in Stadtverwaltungen oder bei Unternehmen finden. Sogar Verlage fordern unverhohlen dazu auf, offizielle Schreibregelungen zu boykottieren, um mit einer als „gerecht“ betitelten Gendersprache endlich „alle anzusprechen“. Aber wer möchte überhaupt durch einen solchen Sprachgebrauch adressiert werden?

Das man Politik für alle Menschen machen möchte bedeutet gerade in intersektionalen Kreise natürlich nicht, dass man das macht, was die möchten. Sondern das man das macht, was nach der eigenen Theorie gut für sie ist, ob sie das akzeptieren oder nicht.

Ein Vergleich wären die Eltern kleiner Kinder, die natürlich auch „Politik“ für die Kinder machen, die dann eben gesundes Essen (statt der gewünschten Schokolade) oder Bettzeiten (statt so lange aufbleiben wie man will) beeinhaltet.

Dieser Frage ist unlängst der Politologe Sebastian Jäckle nachgegangen (Per aspera ad astra – Eine politikwissenschaftliche Analyse der Akzeptanz des Gendersterns in der deutschen Bevölkerung auf Basis einer Online-Umfrage, in: Politische Vierteljahresschrift 63/3). Um die bei solchen Themen erwartbare Emotionalität zu vermeiden, wählte er zur Erfassung der Sprachpräferenzen einen indirekten Weg. Seine mehr als zehntausend Probanden konnten sich anlässlich einer Befragung zu verschiedenen politischen Themen vorab selbst entscheiden, ob sie die einzelnen Fragen lieber in „gendergerechter“ Form oder wahlweise auch im generischen Maskulinum präsentiert bekommen.

Das ist aus meiner Sicht kein schlechter Ansatz, weil es dann eine Nebensache wird. Wobei ich auch folgendes Experiment interessant finden würde: Die Probanten müssen bestimmte Aufgaben bearbeiten, wobei diese als Text ausgestaltet sind und es einen Zeitrahmen gibt. Sie können ebenfalls vorher wählen, ob sie die Texte in „gendergerechter“ Form oder im generischen Maskulinum präsentiert bekommen wollen. Wer mehr Fragen richtig beantwortet bekommt eine bestimmte Belohnung. Man schaut, was die Leute wählen, wie viele Fragen sie überhaupt beantworten können und wie viele sie richtig haben.
Ihnen wird dann erzählt, dass sie zu den 10 Besten ihrer Gruppe gehörten und deswegen in die nächste Runde kommen, mit einer höheren Belohnung. Sie können erneut wählen, wie die Fragen formuliert sind. Wäre interessant, ob sie sich um entscheiden.
Auch interessant: Gleiche System, aber die Antworten erfordern einiges an Text. Und wer den Text gegendert liest muss auch gegendert schreiben. Mal sehen was das verändern würde.

Aber ich schweife ab:

Die Studie ist diese hier:

Dieser Artikel zeigt zunächst allgemein, welche Relevanz das identitätspolitisch aufgeladene Thema Gender in jüngster Zeit in der deutschen Politik gewonnen hat, sowie konkret, wie das Thema der sprachlichen Sichtbarmachung sämtlicher Geschlechter im Wahlkampf zur Bundestagswahl 2021 insbesondere von der AfD aktiv genutzt wurde, indem sie es als „Kulturkampf“ gegen eine fehlgeleitete Ideologie präsentierte. Die Hauptanalyse fokussiert auf die Akzeptanz des Gendersterns. Mehr als 10.000 Befragte eines Online-Surveys konnten, bevor die eigentliche Umfrage startete, auswählen, ob sie den Fragebogen mit Genderstern oder mit generischem Maskulinum präsentiert bekommen wollen. Diese Form der vergleichsweise unbewussten Abfrage der interessierenden Eigenschaft minimiert die Gefahr von Priming-Effekten und sozialer Erwünschtheit. Insgesamt wählten etwa 21 % der Befragten die geschlechtergerechte Version, 75 % die mit generischem Maskulinum (4 % trafen keine Auswahl). Die statistische Analyse zeigt, dass die Bereitschaft, die Variante mit Genderstern zu lesen, eng mit politischen Einstellungsmustern zusammenhängt: Personen, die generell eher staatlichen Eingriffen zustimmen, wählen diese häufiger, genauso wie eher linke und eher ökologisch-alternativ ausgerichtete Menschen. Diese Effekte überlagern auch größtenteils die Unterschiede in Bezug auf die Wahlabsicht. So lässt sich nach Kontrolle auf diese grundlegenden politischen Einstellungen beispielsweise kein Unterschied mehr zwischen Personen mit CDU- und AfD-Wahlabsicht feststellen. Ebenfalls eine höhere Wahrscheinlichkeit die Gendersternvariante zu wählen, haben Frauen, jüngere, höher gebildete und wohlhabendere Befragte sowie Personen aus Großstädten. Die politischen Einstellungseffekte sind allerdings stärker als diese Kontrollfaktoren. Das spricht dafür, dass das Thema Gendern tief liegende identitätspolitische Einstellungsmuster aktiviert und es damit auch in Zukunft ein großes politisches Konfliktpotenzial besitzen wird.

Quelle: Per aspera ad astra – Eine politikwissenschaftliche Analyse der Akzeptanz des Gendersterns in der deutschen Bevölkerung auf Basis einer Online-Umfrage

 

Die Ergebnisse fielen sehr eindeutig aus: Drei Viertel der Befragten bevorzugten die Ansprache im generischen Maskulinum; nur 21 Prozent bevorzugten die „gendergerechte“ Variante. Beliebter war Letztere bei Frauen im Vergleich zu Männern, bei Stadt- im Vergleich zu Landbewohnern, bei Sympathisanten von Grünen und Linken im Vergleich zu Sympathisanten von CDU, FDP und AfD sowie bei Personen mit formal höherer Bildung.

Da haue ich hier gleich die Grafiken noch mal rein:

Die Grünen und die AfD vertreten also die Extrempositionen, die CDU, FDP und FDP haben erhebliche Fehlerbalken, aber sind insgesamt eher kritisch.

 

Wie man sieht sind Männer insgesamt eher im kritischen Lager, Frauen auch, wenn auch mit einem höheren Anteil als die Männer für das Gendern, divers sind wenig überraschend deutlich eher für das Gendern als Männer und Frauen, wobei auch hier das generische Maskulinum mehr Leute überzeugt. Auch über die Altersgruppen sind die Kritiker überwiegend, aber wie zu erwarten steigt der Anteil derer, die den Genderstern wählen mit abnehmenden Alter.

Darstellung des finalen Modells M6 aus Tab. 2 in Form von Odds Ratios

Darstellung des finalen Modells M6 aus Tab. 2 in Form von Odds Ratios

Keine Mehrheit für eine „gendergerechte“ Sprache

Ähnliche Ergebnisse waren aus früheren Umfragen bekannt. Der Neuheitswert der vorliegenden Untersuchung liegt in der tieferen Analyse der Präferenzen über das Antwortverhalten aus der politischen Befragung. Hier zeigt sich etwa, dass sich in keiner der vorbenannten Gruppen eine Mehrheit „gendergerechte“ Sprache wünscht. Die deutliche Mehrheit der Frauen lehnt diese ebenso ab wie die klare Mehrheit der unter Dreißigjährigen oder der Sympathisanten von Grünen und Linkspartei, bei denen es immerhin die relativ größten Minderheiten unter den Fürsprechern im Parteienspektrum zu verzeichnen gibt. Besonders eindrücklich: Noch unter Menschen, die ihr eigenes Geschlecht als „divers“ verstanden, konnte sich keine Mehrheit für „gendergerechte“ Sprache begeistern.

Es sind also keineswegs die in diesem Zusammenhang viel beschworenen „alten weißen Männer“, die keine Gendersprache lesen und hören möchten, sondern so gut wie alle Bevölkerungsgruppen einschließlich solcher, deren vorgebliche Interessen für diese oft fälschlich als Sprachwandel beschriebene Vorgabe in aller Regel angeführt werden. Mit Blick auf Parteipräferenzen zeigte im Übrigen die Gruppe der Nichtwähler die mit großem Abstand ausgeprägteste Abneigung gegen die selbstbetitelt „gerechten“ Schreibformen, noch weit vor den Wählern von AfD oder CDU.

Auch interessant, dass die Nichtwähler diejenigen sind, die die größte Abneigung haben. Vielleicht sind da auch viele drunter versammelt, die sich durch keine der Parteien mehr vertreten fühlen.

Präferenz bei Befürwortern staatlicher Regulierung

Wer steckt nun aber umgekehrt hinter der Minderheit von Personen, die die Verwendung von Gendersprache befürwortet? Auch hier liefert die Studie eine bemerkenswerte Antwort: Merkmale, die irgendetwas mit Sex oder Gender zu tun haben, spielten, wenn überhaupt, eine eher untergeordnete Rolle im Abgleich mit rein politischen Kategorien. Dabei markierte die Sympathie für bestimmte Parteien gar nicht das entscheidendste Merkmal. Viel wichtiger erschien eine markante Selbstbeschreibung als „politisch links“. Diese Verortung allein war allerdings immer noch nicht ausschlaggebend für die Vorliebe für Gendersprache. Hinzukommen musste ein weiteres Merkmal, das den vergleichsweise höchsten Einzelbeitrag zur Vorhersage für eine Präferenz von gegenderter Sprache lieferte: die starke Befürwortung staatlicher Regulierung.

Dazu aus der Studie:

Vorhergesagte Wahrscheinlichkeit für Männer und Frauen, die Variante mit Genderstern zu wählen nach links/rechts, sowie GAL/TAN-Selbstpositionierung und der Einstellung zu staatlichen Eingriffen (+95 % Konfidenzintervall)

Also um so mehr man staatliche Regulierung mag um so eher wird man auch den Genderstern wählen.

 

Goutiert wird die sogenannte inklusive Sprache also weder mehrheitlich noch vorrangig von denjenigen, die sie inkludieren soll, sondern von einer interventionistischen politischen Linken, bezeichnenderweise also von genau denen, die sich deren Durchsetzung auf allen Ebenen noch in den vermeintlichen Zielgruppen auf ihre Fahne geschrieben haben. Im Namen von Toleranz und Menschenfreundlichkeit, ja als Imperativ moralischer Notwendigkeit sollen andere so sprechen, wie nur sie es gerne hätten.

Ganz ähnlich bittet auch die „Politische Vierteljahresschrift“, in der die Studie erschienen ist, ihre Autoren darum, auf das Einreichen von Manuskripten im generischen Maskulinum zu verzichten. Der Text ist dort aus diesem Grund nur in gegenderter Form zu lesen – man möchte schließlich alle damit ansprechen.

Wer hätte es gedacht, es geht darum Leuten etwas vorzuschreiben.

Selbermach Samstag

Welche Themen interessieren euch, welche Studien fandet ihr besonders interessant in der Woche, welche Neuigkeiten gibt es, die interessant für eine Diskussion wären und was beschäftigt euch gerade?

Welche interessanten Artikel gibt es auf euren Blogs? (Schamlose Eigenwerbung ist gerne gesehen!)

Welche Artikel fandet ihr in anderen Blogs besonders lesenswert?

Welches Thema sollte noch im Blog diskutiert werden?

Für das Flüchtlingsthema oder für Israel etc gibt es andere Blogs

Zwischen einem Kommentar, der nur einen Link oder einen Tweet ohne Besprechung des dort gesagten enthält, sollten mindestens 5 Kommentare anderer liegen, damit noch eine Diskussion erfolgen kann.

Ich erinnere auch noch mal an Alles Evolution auf Twitter und auf Facebook.

Wer mal einen Gastartikel schreiben möchte, auch gerne einen feministischen oder sonst zu hier geäußerten Ansichten kritischen, der ist dazu herzlich eingeladen

Es wäre nett, wenn ihr Artikel auf den sozialen Netzwerken verbreiten würdet.

Frauen Ansprechen als Männersache und „Incelprobleme“ dabei

Pfundvogel stellte in den Kommentaren eine Frage:

Ich hatte ja bisher einige Incel-Thesen zur Diskussion gestellt. Jetzt möchte ich mal die Zukunft beleuchten.

Auch, wenn ich (47, schon immer Single) sicher kein Experte auf diesem Gebiet bin, habe ich mir doch einige Ratgeber (Kurse, Bücher, Videos) zum Thema Partnerschaftsanbahnung durchgelesen, absolviert, angeschaut.
Immer wieder trifft man auf einen Grundsatz: Ansprechen ist Männersache.
So hat auch Maximilian Pütz es formuliert: Männer, ihr müsst den ersten Schritt machen (und den zweiten und den dritten und den vierten usw.), denn Frauen machen nichts.

Das ist im Grunde auch mein Problem: ich habe dazu keine Kraft…

Aber mir geht etwas anderes durch den Kopf. Bekanntlich wird Männern ebendiese Initiative immer schwerer gemacht. Nicht nur der Feminismus nagt am männlichen Ego, sondern es gibt immer mehr Gesetze, die „anzügliche Kommentare, Hinterherpfeifen und ähnliches“ verbieten wollen (gegenwärtig in GB, demnächst vermutlich auch hier). Wenn man dann noch die immer höheren Ansprüche der Frauen und ihr mitunter alles andere als entgegenkommendes Gebaren hinzunimmt, lässt sich eigentlich nur sagen, dass der Tag nicht mehr fern ist, an dem kaum noch ein Mann es wagen wird, eine Frau anzusprechen.

Und dann werden es die Frauen wohl oder übel selbst machen müssen (oder Single bleiben).
Glaube ich zumindest.

Wie seht Ihr das?

Der „Cold Approach“, also das Ansprechen einer Frau einfach so, die man gar nicht kennt und mit der man auch eigentlich nichts zu tun hat, ist natürlich schwierig.

Und offensichtlich liegt es Pfundvogel nicht, was auch vollkommen okay ist. Was sollte er tun? Er sollte sich in Situationen begeben, in denen Frauen tatsächlich mit ihm etwas zu haben. Sei es Treffen mit Freunden die Freundinnen haben oder anderweitige Gruppen bei denen Frauen dabei sind. Das ist, wenn man nicht das passende Umfeld hat, mit 47 natürlich schwierig, weil man nicht mehr so viele Leute kennenlernt. Aber es ist durchaus möglich, etwa in Vereinen etc. Wenn man einen Freundeskreis vollkommen ohne Frauen hat, dann sollte man um so mehr überlegen, wie man das ändert.

Klar kann er auch den „Pickup Weg“ gehen und einfach so lange Frauen ansprechen, bis er sozial zum einen sicherer wird und zudem die Angst vor einer Absage abbaut, aber ich glaube nicht, dass das sein Weg ist.

Es hilft vielleicht auch, wenn man sich noch mal mit dem Aufbau eines potentiellen Flirts beschäftigt, wenn man nicht sehr erfahren ist und keine Ahnung hat, wie es läuft. Ich empfehle ja immer sich etwas Cocky&funny zuzulegen, vielleicht aber auch nur, weil es zu mir passt, und das mehr zu verwenden. Mit dem Ansprechen an sich ist es ja nicht getan. Sie müssen danach auch etwas haben, was sie interessant finden.

Wer sich nur vornimmt Frauen anzusprechen, aber danach kommt nichts, der wird eben immer nur Creepy wirken. Ein Großteil des Stresses fällt weg, wenn man über gemeinsame Bekannten einen Grund hat miteinander zu reden.

Dabei sollte man auch bedenken: Freundinnen und Frauen von Bekannten und Freunden, die einen als lustigen und etwas frechen Mann mit Selbstbewusstsein wahrnehmen sind eine gute Quelle für andere Frauen, Freundinnen von ihnen und eine Empfehlung einer Freundin macht die Sache wesentlich einfacher.

Niklas schreibt zu der Frage:

Hallo Vogel,

eine Frau anzusprechen ist ja nicht das Problem. Aber wenn du nicht attraktiv bist, ist die Erfolgsquote gleich Null. Der Vorteil ist, du kriegst sofort die klare Rückmeldung, mehr oder weniger freundlich vor den Latz geknallt. Du musst halt aufpassen, dass die Dorfbewohner nix mitbekommen sonst holen sie die Fackeln und Mistgabeln raus.
Ich habe mal nach einem Gespräch mit einem Bekannten, der sich auch immer Gedanken um da richtige Ansprechen machte, nach einigen Gläsern Hochprozentigem folgendes Experiment gemacht: Ich habe jedes weibliche Wesen in einer Disco angesprochen mit irgendwelchen Sprüchen die mir so einfielen. Es ging immer leichter, meine Sprüche immer lustiger und dreister, es machte sogar irgendwie Spaß. Ich habe natürlich nicht alle geschafft, war ein großer Club, aber 50 bis 60 Mädels waren es bestimmt. Das Feedback war durchweg negativ und reichte von „Sorry, aber ich will hier nur in Ruhe etwas sitzen“ bis zu einem Fußtritt dem ich aber ausweichen konnte. Mein Bekannter war jedenfalls beeindruckt und auch etwas nachdenklich geworden bezüglich der richtigen Strategie eine Freundin zu finden.

Vielleicht wäre eine „indirekte Eröffnung“ passender gewesen, wäre interessant, was die Sprüche so waren. Und was danach kam. Schlicht die Frage „Hey willst du was von mir?“ in irgendwelchen Variationen erzeugt eben schnell Abwehr.

Ich finde es viel kräfteraubender eine Frau, die du schon bei anderer Gelegenheit etwas kennengelernt hast, zu überzeugen, dass du als Partner in Frage kommen könntest. Also den Plot-Twist zu schaffen, bevor du in der Friendzone landest. Du musst deine Interessen klar kommunizieren, wird hier immer geraten, Körperlichkeit herstellen usw. Schwachsinn.

Da ist sicherlich eines der großen Probleme von Niklas. Er kann sich nicht positiv darstellen und weiß nicht, was er machen müsste, damit sie ihn interessant findet. Er sieht etwas als Mühe an, was Spass machen sollte. Einfach weil man Spaß mit der Frau hat, sie etwas aufzieht, es etwas hin und her geht. Man sie etwas herausfordert, auch mal über ernste Sachen redet etc.

Wer bei einer Frau, die bereit ist, ihn kennenzulernen, keine Ahnung hat, was er machen soll, der wird auch nicht gut ankommen, wenn er die Frau einfach direkt anspricht.

Frauen sehen Männer doch sonst auch als triebgesteuerte Sexbestien, aber ein Mann der sich den Arsch aufreisst um eine Frau zu bespaßen, der sucht doch bestimmt nur eine platonische Freundschaft, oder? Klar, wenn der Kerl Sex wollte, würde er ja Kindergärtner werden oder im Dunkeln joggen gehen. Ich denke Frauen wissen genau, ob ein Mann Interesse hat oder nicht, sie haben einfach Spaß an diesem ganzen Affentheater.

Die Fehlvorstellung ist, dass „sich den Arsch aufreißen um die Frau zu bespaßen“ per se attraktiv sein muss. Offensichtlich ist es es für die Frau eher nicht. Es ist vielleicht einfach der falsche Humor oder sie sind höflich. Erst recht wirkt es meist nicht sexy, wenn man merkt, dass derjenige sich eigentlich für unwürdig hält und eine Show abzieht um etwas zu erreichen.

„Zwölf «Queer-Beauftragte» und ein Paritätsgesetz: Um regieren zu können, macht die CDU alles mit“

Via Arne  bin ich auf diesen Artikel in der NZZ gestoßen, der darstellt, dass die Berliner CDU wokes Programm der SPD mitträgt:

Die Christlichdemokraten verzichten auf gesellschaftspolitische Selbstbehauptung. Die Berliner Landespolitik ist kein Einzelfall. Warum lässt sich die Partei auf die identitätspolitische Agenda ein? Dafür gibt es mehrere plausible Gründe.

(…)

Der Preis aber ist hoch, obwohl ihn die CDU lächelnd entrichtet: Wo immer die vermeintlichen Konservativen mit linken Parteien koalieren, übernehmen sie deren Gesellschaftsbild. Sie ergeben sich, ohne zu kämpfen.

Die Frage, in welcher Gesellschaft die Deutschen leben wollen, hat in den letzten Monaten an Brisanz gewonnen. Die wirtschaftlichen Herausforderungen sind ebenso wie die migrationspolitischen enorm, das soziale Klima wird rauer. Der Bundeskanzler diagnostiziert ein Ende der Gemütlichkeit und kündigt Gesetze und Regelungen «in grossem Umfang» an. Zugleich will seine Regierung dafür sorgen, «dass das Miteinander liberaler wird».

Damit liefert Olaf Scholz einer Opposition, die mehr sein will als das Ersatzrad im Kofferraum der Macht, eine Steilvorlage. Aus bürgerlich-konservativer Sicht erscheint der Wertungswiderspruch evident: Wie soll Liberalität wachsen, wenn die Regelungsdichte zunimmt und die identitätspolitische Aufteilung der Gesellschaft in anspruchsberechtigte Mikrogruppen forciert wird?

Das wäre eine interessante Frage, die man im Wahlkampf durchaus anbringen könnte. Es gibt viele gute Gründe gegen intersektionale Theorien zu sein als CDU.

Die Union jedoch gibt sich konservativ nur in der Opposition. Kaum sitzt sie am Kabinettstisch, erteilt sie einer gesellschaftspolitischen Achsenverschiebung nach links ihr Plazet. Die einzige Ausnahme ist Bayern, wo mit den Freien Wählern ein bürgerlicher Koalitionspartner zur Verfügung steht. Nur deshalb gefällt sich der wahlkämpfende Ministerpräsident Markus Söder in der Rolle des Grünenschrecks.

Merz hat ja in der Vergangenheit schon ein paar mal gegen intersektionale Theorien gewettert, wäre interessant wie dazu allgemein die Stimmung in der CDU ist.

(…)

Der Gegner heisst Antifeminismus

Kai Wegner wiederum liess sämtliche identitätspolitischen Anliegen der SPD passieren. Künftig wird es mit dem Segen der CDU in jedem der zwölf Berliner Bezirke einen «Queer-Beauftragten» geben, «als Vollzeitstelle». Berlin will unter Wegner «Regenbogenhauptstadt» bleiben und die «lesbische Sichtbarkeit» erhöhen. Den Kampf gegen «Antifeminismus» unterstützt die CDU ebenfalls. An einem andernorts mehrfach gescheiterten «Paritätsgesetz» will sie sich versuchen.

Das Wahlalter soll auf 16 Jahre gesenkt, der «Internationale Tag gegen Islamfeindlichkeit» öffentlich begangen, das ressortübergreifende «Gender Budgeting» vorangetrieben werden. Im 135-seitigen Koalitionsvertrag, teilweise wortgleich mit dem vorherigen Vertrag von SPD, Grünen und Linken, kommen die Begriffe «bürgerlich», «liberal» und «konservativ» nicht vor. «Queer» wird 32-mal erwähnt.

Ich glaube eines der Probleme ist, dass ein paar zusätzliche Queerbeauftragter Peanuts in finanzieller Hinsicht sind. Es ist leicht sie in Koalitionsverhandlungen zuzugestehen, wenn man dafür andere für einen interessante Punkte durchbringt. Und auch der Kampf gegen „Antifeminismus“ ist vermutlich etwas, was schnell Zustimmung findet, man möchte ja auch keine Pressemitteilung, dass man gegen die Gleichberechtigung von Frauen ist.

Ich glaube die CDU hat in der Hinsicht noch nicht verstanden, was sie sich damit ins Haus holt. Denn daraus resultieren ja wieder Programme und Maßnahmen, die einen intersektionalen Inhalt haben und für diese Theorien werben und Gelder in dem Sinne verteilen. Und jemand, der von intersektionalen Theorien überzeugt wird, der wird eben nicht CDU wählen.

Klar kann man auch einem neuen Paritätsgesetz zustimmen, wenn man sich recht sicher sein kann, dass es eh scheitert.

Natürlich sind Koalitionsverträge Dokumente eines Kompromisses. Die CDU räumt jedoch gesellschaftspolitische Positionen schneller, als diese bezogen werden könnten. Ein Fanal für die Partei war es, als der Hannoveraner Bundesparteitag im vergangenen Herbst für Gleichstellung als programmatisches Ziel und damit für eine etatistische Verkürzung der Gleichberechtigung votierte.

In Landesregierungen mit CDU-Beteiligung wird um solche Feinheiten eh kein Federlesen gemacht. Das schwarz-grün regierte Schleswig-Holstein will «Vorreiter bei Gleichstellung und Diversität» sein. In Nordrhein-Westfalen wird unter derselben Konstellation ein «Landesgleichstellungsprogramm» finanziert.

Mal sehen wie die Entwicklung in den konservativen-liberalen Parteien weitergeht. Irgendwie traut sich da kaum jemand sich mit diesen Themen anzulegen. Ich vermute mal die CDU hat da selbst einige Frauen, die konservative Politik gerne mit intersektionalen Theorien mischen will.

Eigentlich sollte sich auch die SPD überlegen, ob ihr das langfristig etwas bringt. Denn wer intersektionale Theorien fördert, der wird eher die Grünen stärken als die SPD.

Ohne intellektuelles Rüstzeug

Vier mögliche Gründe gibt es für das allzeit erwartbare Einknicken – und keiner schmeichelt der Partei Adenauers und Kohls. Es könnte sein, dass man Gesellschaftspolitik irrigerweise für Gedöns hält, für ideologische Glasperlenspiele, die verblassen neben den Kernfeldern Sicherheit, Sauberkeit, Wirtschaft.

Das ist im Prinzip mein Ansatz oben: Lassen wir ihnen die Kleinigkeiten, dafür besetzen wir wichtigere Felder.

Oder aber die inhaltlichen Schnittmengen sind derart gross, dass die markigen Sprüche zur Oppositionszeit nur für die Kulisse angestimmt werden.

Das wäre fatal. Da hat die CDU nicht viel zu gewinnen.

Vielleicht sagt man aus taktischen Gründen Ja, um jene heiklen Punkte «abzuräumen», gegen die aufzubegehren viel Zeit und Energie beanspruchte.

ja, das könnte ich mir vorstellen. Allerdings bleibt dann die Frage ob das schlau ist.

Oder aber es fehlt CDU und CSU am intellektuellen Rüstzeug, eigene Positionen im Widerstreit zu formulieren.

Oder eben am Mut. Das Presseecho könnte fatal sein, wenn der Sache ein Spin in Richtung „CDU gegen Frauen und Queere“ geht. Wäre die Frage ob die CDU das Gefühl hat sich das in Berlin nicht leisten zu können.

Auf jeden Fall zeigt der Gehorsam gegenüber einem identitätspolitischen Zeitgeist, wie er sich weit eher in Medien, Verbänden und Unternehmen manifestiert als in der vielbeschworenen «Breite der Gesellschaft»: Wer Kulturkämpfe scheut, der wird sie verlieren.

Die USA sind uns da etwas voraus, dort haben die Intersektionalen Theorien früher angefangen und jetzt ist der Kulturkampf schon im vollen Gange und die Republikaner positionieren sich recht deutlich dagegen. Es wird also irgendwann auch hier ankommen.

Titiat Scriptor zu Martin Schröders „Wann sind Frauen wirklich zufrieden?“

Titiat Scriptor hat eine kurze Besprechung des Buches von Martin Schröder auf Twitter gemacht:

Die Aufregung rund um das neue Buch von

hier auf Twitter und in den Medien habe ich mit Interesse verfolgt. Immerhin schreibe ich gelegentlich zum selben Thema. Jetzt hatte ich Zeit, das Werk durchzusehen und versuche es gerne mal mit einer sachlichen Kritik.  |1

2| Das Wichtigste: Der Autor betreibt hier prinzipiell völlig vernünftige empirische Sozialwissenschaft mit etablierten quantitativen Methoden und seriösen Daten wie dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP), ergänzend mit großen Studien z.B aus Wirtschaft, Soziologie und Psychologie.

3| Das ist klassische datenbasierte, hypothesengetriebene Sozialwissenschaft und im Grundsatz ein sehr angemessener Zugang zur Frage nach Gleichberechtigung auf der Ebene sozialer Gruppen. So mache ich das in meinen Threads auch. Gerade für Laien wird alles verständlich erklärt.

4| Auf diese Weise möchte der Autor im Kern die markierte These plausibel machen. Die öffentliche Wahrnehmung sei viel negativer, als die Daten zeigten. Es gibt Kapitel zur Lebenszufriedenheit, zum Arbeitsmarkt, zum Privatleben sowie Thesen, wo die negative Wahrnehmung herkommt.

Bild

10| Das ist bedauerlich, weil das ein oder andere Argument so ohne Not ein bisschen in Strohmann-Verdacht gerät und agreifbar wird. Auch gerät der Tenor des Buchs darüber m.E. hier und da unnötig konfrontativ. Meine Meinung dazu: Gute Daten und Argumente können für sich stehen.
11| Fazit: interessant als konsequent daten- und faktenbasierte Zusammenstellung interdisziplinärer Forschung für Laien. In der Gesamtinterpretation für mich zu forsch und optimistisch mit einzelnen blinden Flecken. Größte Schwäche ist m.E. das Abarbeiten an den Gender Studies.

12| Das Buch: Schröder, Martin. 2023. Wann sind Frauen wirklich zufrieden? Überraschende Erkenntnisse zu Partnerschaft, Karriere, Kindern, Haushalt. München: Bertelsmann.

Die Abgrenzung Gender Studies – Seriöse Genderforschung ist dabei ganz interessant, die Frage wäre, welche das sein sollte und was man darunter alles zusammenfassen will. Ist etwa David Geary noch „seriöse Genderforschung“ oder eher „Geschlechterforschung“? Und natürlich krankt die meiste Genderforschung schlicht an bestimmten Grundannahmen, die den Gender Studies zugrunde liegen.
Martin Schröder, der Autor, hat kurz geantwortet:
Eine Kritik, wie man sie von Ihnen kennt, @titiatscriptor:
unaufgeregt und fundiert. Ich denke Ihre Kritikpunkte sind auch valide. Sie gehen auf Entscheidungen zurück, die man als Autor trifft, jedoch auch anders hätte treffen können. Vielleicht zur Erläuterung, wie es dazu kam:

1) Ja, liegt viel Gewicht liegt auf subjektiven Indikatoren (sind Männer und Frauen gleich zufrieden, auch mit einzelnen Lebensbereichen). Der Grund ist mein Hintergrund in der Zufriedenheitsforschung, vor dem ich argumentieren würde: Lebenszufriedenheit ist das „höchste Gut“ 2/n

Dass es auch tatsächlich gleiche Chancen gibt, nicht nur ähnliche Zufriedenheit mit den Ergebnissen, belege ich mit Studien wie doi.org/10.1093/esr/jc, aber das hätte man sicher noch stärker machen können. 3/n
academic.oup.com
Gender Discrimination in Hiring: Evidence from a Cross-National Harmonized Field Experiment
Abstract. Gender discrimination is often regarded as an important driver of women’s disadvantage in the labour market, yet earlier studies show mixed results. 
2) Auch behaupte ich, wie sie sagen, dass bspw. Mütter und Alleinerziehende diskriminiert werden. Dafür zitiere ich bspw. journals.uchicago.edu/doi/10.1086/51, belege das aber Ihrer Meinung nach nicht ausreichend. Auch diese Kritik kann man sicher so vertreten. 4/n
Getting a Job: Is There a Motherhood Penalty?1 | American Journal of Sociology: Vol 112, No 5
Survey research finds that mothers suffer a substantial wage penalty, although the causal mechanism producing it remains elusive. The
Der Grund dafür war, dass die Behauptung, jemand werde diskriminiert, mir als akzeptierter Stand des Wissens erschien und deswegen weniger belegt werden muss. Bei 250 zitierten Studien, 450 Fußnoten ist die Frage, wo man Schluss macht. Aber hier hätte ich nachlegen können. 5/n
3) Ja, die Kritik an Gender Studies/Feminismus ist deutlich und ich hätte mir das Leben leichter machen können, wenn ich diese Kritik einfach weggelassen hätte. Aus meiner wissenschaftlichen Laufbahn kenne ich allerdings die Herangehensweise, dass es nicht reicht zu sagen, 6/n

was man rein empirisch herausgefunden hat, sondern man sollte auch zeigen, wer Unrecht hat, wenn die eigenen Daten stimmen, damit es eine Weiterentwicklung bestehender Theorien geben kann. Aber Sie haben Recht, man hätte auch einfach die Daten/Studien wiedergeben können. 7/n

So wie ich es jetzt mache, tritt in der Tat das Problem auf, dass einige sich angegriffen fühlen und es zu recht unsachlicher Gegenkritik kommt, wie (wenn ich das einmal posten darf) hier: amazon.de/Wann-sind-Frau 8/n

Ich bin noch nicht dazu gekommen, das Buch zu lesen, evtl mache ich dann auch noch einmal eine Besprechung. Wer gerne eine Besprechung schreiben will kann diese natürlich gerne als Gastbeitrag einreichen.

Selbermach Mittwoch

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