Düsseldorfer Tabelle 2023: Zahlbeträge gestiegen, Selbstbehalt ebenso

Die Düsseldorfer Tabelle 2023 ist veröffentlich, ich weise mal auf ein paar Unterschiede zu der Düsseldorfer Tabelle 2022 hin:

Hier erst einmal die Tabellenbeträge, von denen für die Zahlbeträge aber noch das hälftige Kindergeld abzuziehen ist (siehe die Tabelle am Ende der Düsseldorfer Tabelle):

2022:

2023:

Düsseldorfer Tabelle

Das Kindergeld beträgt ab 2023 einheitlich je Kind 250,00 EUR.  Es sind demnach jeweils 125 Euro abzuziehen.

Vorher:

In 2022 beträgt das Kindergeld für das erste und zweite Kind jeweils 219 EUR, für das dritte Kind 225 EUR und das vierte und jedes weitere Kind jeweils 250 EUR.

Dadurch fällt die Erhöhung zumindest für erste, zweite und dritte Kinder nicht so deutlich aus, zb steigt der Unterhaltsbetrag in der 1. Alterstufe für ein erstes und zweites Kind um 26 €

Man sieht, dass auch der Bedarfskontrollbetrag gestiegen ist.

Zu dem Selbstbehalt gegenüber Minderjährigen Kindern:

Der notwendige Eigenbedarf (Selbstbehalt), § 1603 Abs. 2 BGB,
– gegenüber minderjährigen unverheirateten Kindern,
– gegenüber volljährigen unverheirateten Kindern bis zur Vollendung des 21.
Lebensjahres, die im Haushalt der Eltern oder eines Elternteils leben und sich in der allgemeinen Schulausbildung befinden, beträgt für den nicht erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen monatlich 1.120 EUR,
für den erwerbstätigen Unterhaltspflichtigen monatlich 1.370 EUR.

Hierin sind bis 520 EUR für Unterkunft einschließlich umlagefähiger Nebenkosten und Heizung (Warmmiete) enthalten.
Der angemessene Eigenbedarf, § 1603 Abs. 1 BGB, beträgt
mindestens monatlich 1.650 EUR. Hierin ist eine Warmmiete bis 650 EUR enthalten.
Der notwendige bzw. der angemessene Eigenbedarf sollen erhöht werden, wenn die Wohnkosten (Warmmiete) 520 EUR (notwendiger Eigenbedarf) bzw. 650 EUR (angemessener Eigenbedarf) übersteigen und nicht unangemessen sind

Vorher waren es für den nichterwerbstätigen 920 und für den Erwerbstätigen 1160 €, also beim Erwerbstätigen eine Erhöhung um 210 €. Das könnte in vielen Fällen zu einer Herabsetzung des Unterhalts führen, allerdings unter den Voraussetzungen einer gesteigerten Unterhaltspflicht beim Mindestunterhalt.

Auch beim Selbstbehalt gegenüber dem getrenntlebenden und dem geschiedenen hat sich etwas geändert:

2022

Monatlicher Eigenbedarf (Selbstbehalt) gegenüber dem getrennt lebenden und dem
geschiedenen Berechtigten:
a) falls erwerbstätig 1.280 EUR
b) falls nicht erwerbstätig 1.180 EUR

2023

Monatlicher Eigenbedarf (Selbstbehalt) gegenüber dem getrenntlebenden und
dem geschiedenen Berechtigten:
a) falls erwerbstätig 1.510 EUR
b) falls nicht erwerbstätig 1.385 EUR

 

17 Gedanken zu “Düsseldorfer Tabelle 2023: Zahlbeträge gestiegen, Selbstbehalt ebenso

  1. Ist es immer noch so, dass ein Mann 49% auf sein Kind aufpassen kann, aber zu deutlich mehr als 50% bezahlen soll, und verpflichtet werden kann dafür 48h/Woche zu arbeiten?

    • Die wollen da etwas ändern, aber damit lassen sie sich bestimmt noch Zeit. Soweit ich weiß gilt das mit den 49% noch.
      Bei der neuen Regelung wird dann so getan als ob 33% Betreuung genau so viel ist wie 0% Betreuung. Man sieht, da sind Menschen mit Verstand am Werk.

      • Die wollen da etwas ändern

        Ziemlich sicher nicht. Aber sie haben (z.B. Giffey als Familienministerin) einräumen müssen, dass die gültige Regelung zutiefst ungerecht und auch kinderfeindlich ist. Also haben sie etwas von Änderung gefaselt, eine solche aber nie wirklich in Angriff genommen.

    • Wenn ein Vater zum Beispiel 45% der Betreuung des Kindes übernimmt, dann muss er zusätzlich 100% Kindesunterhalt an die Mutter zahlen (die hoffentlich dem Kind etwas davon zukommen lässt).
      Wenn er so wenig verdient, dass er nicht den Mindestunterhalt zu 100% bezahlen kann, können ihm „erhöhte Erwerbsobliegenheiten“ auferlegt werden. Er muss also jeden Job annehmen auch jenseits seiner Qualifikation, der ein entsprechend hohes Einkommen bringt.

      Er zahlt trotz umfangreicher Betreuung (unter 50%) so viel Unterhalt, als würde er sich gar nicht um das Kind kümmern und kann davon keinerlei Aufwendungen für die faktische Betreuung (Zimmer, Essen, Ausflüge, Urlaube etc.) des Kindes abziehen. Zusätzlich trägt er alleine die Kosten und den Aufwand für das Holen und Bringen des Kindes.

      Daraus entsteht ein Catch-22: Wenn der Vater wenig arbeitet, um sein Kind umfangreich betreuen zu können, kann er ggf. der Mutter nicht mehr die 100% zahlen. Er muss ja auch die Betreuung des Kindes zusätzlich finanzieren. Wenn er nunmehr nicht mehr 100% plus Betreuungskosten zahlt, kann das dazu führen, dass er gezwungen wird mehr zu arbeiten, wodurch er sein Kind weniger betreuen kann.

      Solche Vater-Entsorgung hat bei uns System.

      • Nachtrag: Das Ganze gilt unabhängig vom Einkommen der Mutter. Wenn die jährlich eine Million einnimmt und er 30.000 macht das keinen Unterschied. Das wird erst bei einer Betreuungszeit ab 50% relevant, die aber im Matriarchat nur sehr selten Vätern zugestanden wird.

      • Nachtrag 2:
        Wer also sein Kind zu 45% betreut und nicht 100% Unterhalt an die Mutter übermittelt, der macht sich strafbar gemäß §170 StGB und wird in die Polizeiliche Kriminalstatistik unter „Partnerschaftsgewalt“ aufgenommen:

        Zwangsprostitution und mangelnder Kindesunterhalt gilt jetzt als Partnerschaftsgewalt

        Neu in die Tatverdächtigenstatistik aufgenommen wurden auch Zwangsprostitution und die Verletzung der Unterhaltspflicht § 170 StGB (ökonomische Gewalt), also auch eine Leistungsunfähigkeit hinsichtlich des Kindesunterhalts, aufgenommen wurde. So heißt es auf S.2 der PKS 2017:

        Ferner wurden die Daten zu Tatverdächtigen bei Straftaten gem. § 4 Gewaltschutzgesetz (Gesetz zum zivilrechtlichen Schutz vor Gewalttaten und Nachstellungen) und zur Verletzung der Unterhaltspflicht § 170 StGB (ökonomische Gewalt) betrachtet, für die in der PKS keine Opfererfassungen vorgesehen sind.

        https://manndat.de/gewalt-gegen-maenner/bka-statistik-partnerschaftsgewalt-objektive-statistik-oder-frauenpolitisches-werkzeug.html

        • Das mit §170 stimmt so nicht.
          Wer mindestens so viel wie Unterhaltsvorschuss bezahlt, ist vor Strafverfolgung sicher (nicht jedoch vor weitergehenden Forderungen). Sonst würde sich der Staat ja selbst strafbar machen.

          • Ah, danke. Ich wusste nicht, dass der staatliche Unterhaltsvorschuss geringer ist als der Mindestunterhalt, da anteilig das Kindergeld abgezogen wird.
            Aber im Kern ist es dasselbe: 100% Unterhalt trotz 45% Betreuung – sonst §170 und Eintrag wegen „Partnerschaftsgewalt“ in der Statistik.

      • „erhöhte Erwerbsobliegenheiten“

        Hmmm. hier in der Schweiz kenne ich einen Fall, alles basiert auf Angaben der Mutter: Sie hat den Vater (wegen einer Affäre) heraus geschmissen. Er darf die einzige Tochter am Wochenende „haben“.
        Die Mutter arbeitet genau 1,5 Tage / Woche bei McDonalds. Nicht mehr, denn sonst würden die Unterhaltszahlungen sinken.
        Die Tochter geht schon zur Schule. Sie hat also in der Woche eine Menge Zeit.
        Also der Vater kümmert sich für 2 von 7 Tagen in der Woche um die Tochter. Bekommt dafür nichts. Sie arbeitet nur 12h/Woche und bekommt die Wohnung bezahlt und Unterhalt für sich und Kind.

        Erwerbsobliegenheiten gilt immer nur in eine Richtung

    • @Anne
      Dann zahlt er Unterhalt an sich selbst.

      Wenn der Unterhalt nicht für alle reicht wird eine Mangelfallberechnung durchgeführt. Insofern ist es nicht einfach eine Erhöhung des Selbstbehaltes um den Tabellenbetrag für das Kind, weil alle Kinder gleich behandelt werden sollen. Beispiele dafür siehe Ende der Düsseldorfer Tabelle. Aber kurz gesagt: Es wird gerechnet, welchen Unterhaltsanspruch alle Kinder hätten, dann wird geschaut, was er an Geld bis zu seinem Selbstbehalt hat.
      Also: Er hat aus jeder Alterstufe ein Kind, das jüngste lebt bei ihm. Das wäre dann nach Stand 2023:
      K3: 312
      K2: 377
      K1: 463
      Gesamt: 1152 €
      Sagen wir er hat nur 1000 € für den Unterhalt zur Verfügung. dann wäre 1000/1152: 86%

      Demnach wäre der Unterhalt für jedes Kind auf 86% des obigen Betrages zu zahlen, er würde also an sich selbst 268 € zahlen was in gewisser Weise natürlich einer Erhöhung des Selbstbehaltes entspricht.

  2. Der Unterhaltspflichtige muss also Jobs wechseln und immer dem Geld hinterher sein. Gilt das auch für die Unterhaltsepmfänger? Finde es ja schon komisch wie weit diese Tabelle in die Lebensjahre reicht.
    Gibt es da eine implizites Recht zur Hausfrau?

    • @nutellaSalz

      Unterhaltsempfänger ist das Kind, vertreten durch den Elternteil, bei dem er wohnt. Deswegen kann diesen Elternteil auch keine Erwerbsobliegenheit treffen, weil er gar nicht der ist gegen den sich der Anspruch richtet. Und das Kind hat sehr geringe Pflichten, weil es ein Kind ist. Natürlich muss es irgendwann eine Ausbildung machen, wenn es nicht studiert, und davon wird etwas angerechnet und ab 18 gilt eine Unterhaltspflicht für beide Eltern, aber letztendlich wird man mit Erwerbsobliegenheiten des Kindes nicht sehr weit kommen

    • „ Der Unterhaltspflichtige muss also Jobs wechseln und immer dem Geld hinterher sein. “

      Und dann wundern sie sich, dass Männer mehr verdienen (auf dem Papier)…

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