WM 2022: Spiel gegen Costa Rica und Ausscheiden in der Vorrunde

Ich habe gestern vergessen einen Artikel zum Spiel zu machen, mein Tipp wäre aber ein 4:2 gewesen 😉

Ich mache jetzt einfach mal einen Ersatzartikel auch gleich zum frühen Ausscheiden

In der Hinsicht kann man nur den Japanern als Underdog ein Kompliment machen, keiner hat gedacht, dass sie eine Chance haben, aber sie haben sie genutzt und in einer Gruppe mit Deutschland und Spanien weiterzukommen ist erst einmal etwas, was eine große Leistung ist, die sie zu recht feiern. Mögen sie Weltmeister werden!

Ansonsten: Als jemand, der sonst kaum Fußball schaut kann ich nicht viel über die Spieler sagen und welchen Umbau man in der Nationalmannschaft so vornehmen müsste.

Müller, habe ich gehört, hat schon so halb seinen Rücktritt erklärt nach dem Spiel, braucht man einen großen Umbruch?
Ich befürchte Deutschland hat (mal wieder?) ein Stürmerproblem?

Hier können die Hobbynationaltrainer ihre Vorschläge einbringen.

Immerhin ist nach der WM ja vor der EM und da sind auch wieder nur 2 Jahre Zeit

14 Gedanken zu “WM 2022: Spiel gegen Costa Rica und Ausscheiden in der Vorrunde

  1. Geliefert wie bestellt.
    Fußball hat bei dem ganzen Zirkus nur eine untergeordnete Rolle gespielt. Ein weiterer Aspekt ist natürlich die Identifikation mit D.
    Ich habe das Spiel nicht gesehen, doch hat jemand die Truppe zutreffend als eine „emotionslose Söldnertruppe“ charakterisiert. Da wird was dran sein…

    • Emotionslos trifft es nicht so richtig, wie ich finde. Die haben sich schon gegen Spanien und auch gestern ganz gut reingehängt. Der deutsche Fußball hat nur über die letzten zwanzig Jahre überkompensiert. Wo man früher gerne sagte, die Deutschen könnten nur kämpfen und taktieren, böten aber fußballerisch nur bestenfalls Hausmannskost, verfügen wir derzeit fast nur noch über den Typus elegant und technisch gut, denen scheint aber Giftigkeit fremd zu sein, ebenso wie die Fähigkeit, bei Aufkommen des Gegners auch mal mit nicht immer schön anzusehenden Mitteln dagegen zu halten… am Ende vielleicht sogar mal mit der einen oder anderen (vorzugsweise fairen) Grätsche – Gott bewahre.

      Das von Christian angesprochene Stürmerproblem ist real und auch nichts Neues. Es fehlt konsequent eine verlässliche Anspielstation im Strafraum, gerade bei Flanken von Außen. Seit Jahren schlagen die Spieler in der Theorie gute Flanken und es ist so gut wie nie ein Abnehmer da. Damit fehlt, gerade für Phasen, in denen es nicht so gut läuft, ein elementares und vor allem einfaches Mittel, um Chancen zu kreieren. Auch eine komplette Umkehr. Der 98er-WM-Mannschaft warf man noch vor, dass hohe Bälle auf Klinsmann und Bierhoff, leider oft nicht mal gute, das einzige Mittel war, was das Team im Angriffsspiel überhaupt noch im Petto hatte. Das hat aber immerhin noch einigermaßen geklappt, weil beide eben einen guten Instinkt hatten und stark im Kopfballspiel waren. Derzeit ist es so, dass die Spieler fast dazu verdonnert sind, sich ihre Chancen durch schnelles Kombinationsspiel durch die Mitte oder über die Halbpositionen zu erarbeiten, weil es schlicht keinen dieser klassischen Brecher im Strafraum mehr gibt. Das sieht zwar, wenn es läuft, viel schöner aus, es bricht aber auch viel schneller zusammen, wenn es mal nicht läuft, weil es eben auch viel aufwändiger ist, als einfach nur über die Flügel zu kommen und Flanken zu schlagen.

      Füllkrug hat Ansätze eines Strafraumstürmers, aber ihn habe ich eher auf der Rechnung als einen dieser Spieler, die einmal kurz aufkommen, dann immer öfter gar nicht mehr für Länderspiele nominiert werden, bis eigentlich kaum einer mehr weiß, dass sie überhaupt jemals für Deutschland gespielt haben. Hinzu kommt: selbst träfe dies nicht für ihn ein, ist er mit 29 Lenzen nun auch nicht gerade eine Option für die Zukunft.

      Bei einer nur annähernd üblichen Effizienz, eines nicht derart grandiosen Missverhältnisses von Aufwand und Ertrag, hätten sie gestern schon zur Halbzeit ohne weiteres mit 4 Toren führen können und damit eine gute Basis gehabt, gegen demoralisierte Ticcos ein Ergebnis zu erzielen, für das sich dann heute nicht die spanischen Medien bei den Deutschen für deren Schützenhilfe bedankt hätten. Oder man hätte schon die doofe Ausgangsposition vermieden, denn dann wäre der der Ausgleichstreffer der Japaner im Auftaktspiel kein Ausgleichs- sondern schon nicht mehr als Ehrentreffer gewesen.

      Und dieses Missverhältnis von teils herrlich herausgespielten Chancen zu letztlich zählbarem Ertrag verträgt sich halt nicht sehr gut mit der leider auch schon viel zu lange gepflegten Neigung der Mannschaft, sich in beinahe jeder Partie eine Phase zu erlauben, in der man mindestens zeitweise den Faden verliert und den Gegner aufkommen lässt.

      • Wir haben seit fast zehn Jahren ein Stürmerproblem, das stimmt, und daraus resultierend ein Problem mit der Effizienz im Angriff. Aber das ist nicht unser Kernproblem. Unser Kernproblem ist die mangelnde Effizienz der Abwehr.

        Ich schrieb bereits gestern am SmM, fünf Gegentreffer in drei Spielen sind einfach zu viele zum Weiterkommen. Wir kassieren diese Treffer aufgrund mangelnder Organisation, insbesondere bei Kontern, und das auch bereits seit Jahren. Begonnen hat das unter Löw, ich erinnere an die Niederlage gegen Frankreich 2016. Seitdem weiß eigentlich jeder Gegner um unsere Anfälligkeit bei Gegenstößen und hat sich darauf eingerichtet. Die Mexikaner, die uns 2018 in der WM-Vorrunde schlugen, hatten sich sogar schon monatelang auf dieses Spielschema eingerichtet. Ich hatte gehofft, dass es unter Flick besser wird, aber ich wurde enttäuscht.

        Das 1:1 gestern ist charakteristisch. Ein Ballverlust im Mittelfeld beim Spielaufbau – sicherlich ein dämlicher Ballverlust, aber sowas kann in 90 Minuten immer mal vorkommen – und ein Konter der Costa Ricaner in Unterzahl. Die deutschen Abwehrspieler rennen brav und engagiert nach hinten, die Costa Ricaner glänzen auch nicht durch clevere Laufwege, kein Kreuzen, kein Sich-im-Rücken-des-Abwehrspielers-davonmachen. Aber unsere Jungs haben keinen Zugriff, sind da, stören aber kaum die Gegenspieler, so dass diese fast unbedrängt kombinieren können. Ich weiß nicht, was da los ist, ob die sich nicht geeinigt kriegen, wer wen übernimmt, oder ob die zwanghaft den Raum statt den Mann decken wollen – jedenfalls ist das charakteristisch für die Tore gegen uns, die hinterher jeder Spieler als „viel zu leicht gefallen“ bezeichnet.

        Ein traumhaftes Angriffsspiel kann man nicht erzwingen, eine effiziente Abwehr kann man organisieren. Dafür ist in erster Linie der Trainer zuständig. Wenn dieser lieber tolle Kombinationen nach vorne üben lässt anstatt kollektives Verteidigen, sind das Resultat massig Gegentore. Und irgendwann lassen die sich nicht mehr durch noch so gutes Angriffsspiel kompensieren, insbesondere, wenn der Gegner sich auf Verteidigen versteht. Es ist im Fußball nunmal einfacher, das gegnerische Spiel zu (zer-)stören, anstatt ein eigenes Aufzuziehen. Und es ist ein gutes Rezept für Erfolg, insbesondere, wenn man vorne ein paar talentierte Leute hat – einen Dribbler, einen, der Fernschüsse kann, einen pfeilschnellen Konterspieler… wenn man hinten dicht hält, benötigt man vorne nur einen einzigen Treffer.

        Mangelnde Mentalität mag ich der Mannschaft auch nicht vorwerfen. Die sind gegen Spanien genau so zurückgekommen wie gegen Costa Rica, gegen die haben sie das Spiel nach Rückstand sogar noch gedreht. Himmel, wieviel Mentalität kann man noch wollen? Aber dass sie nicht mehr giftig sind, das stimmt. Das hat der Löw ihnen ausgetrieben, erst hat er Spieler wie Frings aussortiert, die auch mal austeilen konnten, dann hat er die Mannschaft in ein taktisches Korsett gezwängt. Die „högschde Disziplin“, die Löw immer verlangt hat, ließ keinen Raum für Tritte gegen den Gegner. Die sind unschön, aber manchmal nötig… wir haben ohne Not ein wichtiges Mittel aus der Hand gegeben.

    • Kompletter Kappes, diese Theorien. Spanien war gestern einige Minuten sogar weg vom Fenster, denn ein Sieg Costa Ricas hätte bedeutet, dass Japan und Costa Rica weiterkommen und Deutschland und Spanien beide rausgehen, was aus einer veritablen Überraschung, welche das Ergebnis der Gruppe so schon ist, eine Riesensensation gemacht hätte. Wenn das Absicht gewesen sein sollte, dann haben die Spanier weit höher gepokert als es gut für sie war.

      Irgendwo wurde auch in einer spanischen Publikation sogar fast etwas verschämt festgestellt, dass Deutschland Spanien Schützenhilfe gab, Spanien dies aber nicht zurückgezahlt hätte. Die spanische Presse scheint mir über das Weiterkommen zwar erleichtert, über das Zustandekommen aber not amused.

        • Warum sollten die Spanier denn mehr Angst vor „Deutschland“ haben, als vor der Mannschaft, die sie gerade besiegt und zuvor auch die deutsche Mannschaft besiegt hat? Für mich klingt das nach mindestens sehr fragwürdiger Logik.

          Ich hätte es übrigens ganz famos gefunden, wenn sowohl D als auch E rausgeflogen wären. Das wäre eine der bemerkenswertesten Situationen gewesen, die es bei einer WM jemals gab und hätte vielleicht sogar dafür gesorgt, daß ich doch noch ein Spiel schaue 😉

          • Ich denke, das Ranking in de Köpfen ist schon vorhanden und hat auch seine Berechtigung. D wird schon als ein problematischer Gegner empfunden als Japan oder Costa Rica.

  2. Ich begrüße das WM-Ende für die BRD.

    Jetzt können wir uns wieder um wirklich wichtige Dinge kümmern:
    Energiekri… nee, Migrationskri… nee, Altersarm… nee, Pflegenotsta… nee, Bildungskri… nee, naja, irgendwo wird schon noch ein Klohäuschen rumstehen, daß irgendeine Minderheit beleidigt.

    Oder man findet heraus, daß die Armbinde von Nancy mit Kinderarbeit produziert wurde.

    • Peinlich aber nicht doch, die SPD hat hier wieder die alte deutsche Tradition, mit politischer Armbinde am linken Arm aufzutreten, wieder belebt und dabei sagt man immer die SPD hätte was gegen deutsche Tradition.

  3. „Ich befürchte Deutschland hat (mal wieder?) ein Stürmerproblem?“

    Ein Haltungsproblem, die Spieler haben zu wenig Haltung für die LSDPBCGOW+XYZ Community gezeigt.
    Hätten sie in dem Bewusstsein spielen können das sie mit dem Zeigen ihrer Armbinde den Weltfrieden und die Rechte der LSDPBCGOW+XYZ Community Weltweit durchsetzen dann hätten sie garantiert jedes Spiel 10:0 Gewonnen aber da es keine Tampons für Männer gibt konnte man ohne Binde nicht siegreich sein.

  4. Nach dem Fotostunt haben in meiner Bubble alle auf Ausscheiden gewettet, mit den entsprechenden Sprüchen und Bildern. Daher ist das jetzt nicht so die große Überraschung.

    Eigentlich sind unsere Spieler arme Schweine. Um an dem Platz sein zu dürfen, mussten sie zum totalen Mitläufer werden. Was passiert, wenn sie es nicht machen, hat der Fall Kimmich ja recht schön offenbahrt.

    Und in einem solchen Umfeld spielt es sich schlecht Fußball. Zum einen darf es keinen Nationalstolz mehr geben, weder bei „Die Mannschaft“, noch bei den Fans, dann muss ein politisches Zeichen gesetzt werden und dann fehlt auch noch die Vorbereitungszeit.

    Hätte man Katar wirklich von unseren Werten überzeugen wollen, hätte es andere Mittel gebraucht. Hätten deutsche Frauen und Männer auf der Tribüne in normaler westlicher Kleidung gefeiert und ihre gute Laune gezeigt, wären deutsche Politiker zu Shakehands und ohne Binde angereist, wäre deutlich mehr gewonnen als durch solche Zeichen und bettelnde Wirtschaftsminister.

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