Sexual Strategies Theory: Eine evolutionäre Perspektive auf die menschliche Paarung (Teil 4)

David Buss hat mit Sexual Strategies Theory eine sehr interessante Theorie entwickelt und es lohnt sich, sie hier zu besprechen.

Sexual Strategies Theory: An Evolutionary Perspective on Human Mating

Bisherige Teile finden sich hier:

Weiter geht es:

Parental Investment and Sexual Selection

Our theory takes as a starting point Trivers’s (1972) seminal theory of parental investment and sexual selection. Sexual selection, as originally proposed by Darwin (1871), refers to the evolution of characteristics that give organisms reproductive advantage, as contrasted with survival advantage. Survival is important only insofar as it affects reproduction.

Sexuelle Selektion ist etwas, was viele Leuten, die denken, dass sie die Evolutionstheorie verstehen, gar nicht auf dem Schirm haben. Ich muss zugeben, dass ich es auch erst im Rahmen dieses Blogs, durch Kommentare wirklich verstanden habe (Roslin, du fehlst!).

Und auch der Satz, dass Überleben nur dann überhaupt eine Bedeutung hat, wenn es die Fortpflanzung betrifft und in Verbindung damit, dass der am besten angepasste Körper irrelevant ist, wenn dessen Gene nicht in die nächsten Generationen kommen, bereitet vielen Leuten Schwierigkeiten.

Two paths to reproductive advantage are
(a) success at intrasexual competition (e.g., one male stag defeating another, with the winner obtaining access to the doe) and
(b) success at intersexual attraction (e.g., the male peacock displaying brilliant plumage that is attractive to peahens).

Das ist gar  nicht so leicht zu trennen. Denn der intrasexuelle Wettkampf ist ja gleichzeitig auch häufig etwas, was intersexuelle Begierden auslösen kann. Klar: Der Hirsch, der den anderen aus dem Revier vertreibt oder der Gorilla, der den anderen Gorilla im Kampf besiegt, lässt den Frauen in der Hinsicht keine andere Wahl (wobei es bei Gorillas durchaus vorkommen soll, dass gewisse Männchen von den Weibchen unterstützt werden). Und zu einem gewissen Grad besiegt eben der Pfau auch seine männlichen Konkurrenten, wenn er einen besonders schönen Pfauenschwanz hat.

Und auch beim Menschen liegt es dicht beieinander: Jobs mit einem gewissen wirtschaftlichen Erfolg und insbesondere solche die einen gewissen Status bewirken können sowohl einen Sieg innerhalb der sexuellen Selektion darstellen als auch einen für Frauen interessanter machen.
Natürlich gibt es aber auch Bereiche, in denen Männer untereinander in Konkurrenz treten und Frauen das ganze nicht wirklich interessiert. Das wäre evolutionär dann verständlich, wenn es eben

Characteristics that lead either to successful competition or to success at being preferentially chosen by the opposite sex will evolve simply because they give organisms reproductive advantage.

In der Tat und das sogar, wie man am Pfauenschwanz sieht, wenn sie ansonsten Nachteile bringen.

Trivers (1972) proposed that a central driving force behind sexual selection is the degree of parental investment each sex devotes to their offspring. Parental investment is denned as „any investment by the parent in an individual offspring that increases the offspring’s chances of surviving (and hence reproducing) at the cost of the parent’s ability to invest in other offspring“ (Trivers, 1972, p. 139).

jede Investition der Eltern in einen einzelnen Nachkommen, die die Überlebenschancen des Nachkommen (und damit seine Fortpflanzung) auf Kosten der Fähigkeit der Eltern erhöht, in andere Nachkommen zu investieren“ (Trivers, 1972, S. 139).

Das ist ein sehr spannendes Konzept und zwingt teilweise auch in bestimmte Evolutionswege hinein: Setzt man auf Quantität oder Qualität beim Nachwuchs?

Current conceptions of parental investment involve investment that increases an offspring’s chances of survival and reproduction at the expense of alternative forms of reproductive investment (e.g., competition for mates), whether or not they involve one’s own offspring (Clutton-Brock, 1991). Trivers proposed two related links between parental investment and sexual selection:
(a) The sex that invests more in offspring should be more choosy or discriminating about who they mate with (intersexual attraction), and
(b) the sex that invests less in offspring should compete more vigorously for access to the valuable high-investing members of the opposite sex (intrasexual competition).

(a) Das Geschlecht, das mehr in die Nachkommenschaft investiert, sollte wählerischer oder diskriminierender sein, mit wem es sich paart (intersexuelle Anziehung), und
(b) das Geschlecht, das weniger in die Nachkommenschaft investiert, sollte stärker um den Zugang zu den wertvollen, hoch investierenden Mitgliedern des anderen Geschlechts konkurrieren (intrasexueller Wettbewerb).

Das Geschlechterdilemma in etwas wissenschaftlicherer Sprache.

There has been widespread empirical support for Trivers’s (1972) theory of parental investment and sexual selection across dozens of species. Among mammals, for example, females typically invest more heavily than do males in offspring, and in hundreds of mammalian species, it has been documented that females are more selective, whereas males compete
more vigorously in intrasexual competition (Trivers, 1985).

So auch beim  Menschen. Wenig überraschend sind Männer daher auch in Spitzenpositionen eher zu finden.

An even more compelling empirical test came with the discovery of several sex-role-reversed species (e.g., Mormon cricket, Panamanian poison-arrow frog, and several species in the pipefish seahorse family) in which males were observed to invest more in offspring than did the females. In these species, females are often larger than males, and they compete more aggressively with each other for access to the more choosy, heavily investing males (Trivers, 1985). In addition to providing powerful support for Trivers’s theory, these results highlight the fact that relative parental investment, not biological sex per se, drives the process of sexual selection.

In der Tat gibt es einige Spezien, bei denen es genau umgekehrt ist, zB gewisse Vögel, bei denen eine Chance besteht, dass sie zweimal in der Season brüten können, wenn der Mann sie passend unterstützt. Hatte ich auch mal was zu, finde ich gerade nicht.

Humans are like most mammals in that women tend to be the more heavily investing sex. This occurs in part because fertilization, gestation, and placentation are internal within women. Women carry the additional parental investment associated with lactation for as many as several years after the birth of a child: often for up to 4 years in tribal societies (e.g., Shostak,1981). These forms of investment constrain the number of children a woman can successfully produce; typically the upper bound is about a dozen under optimal conditions, and that upper bound is rarely reached. Men, in contrast, do not bear these forms of heavy parental investment, although they can and do invest heavily in other ways. The minimum investment by the man is the contribution of his sperm, and men, as a consequence, have a higher ceiling on their potential production of offspring. These sex differences in minimum parental investment, according to Trivers’s (1972) theory, suggest that women should be the more selective or discriminating sex with respect to mating partners, whereas men should be less discriminating and be more vigorous in intrasexual competition for mates.

Alles wenig überraschend und man braucht kein Patirarchat um solche Punkte zu verstehen.

It is important to note that these are generalizations for which there are many exceptions. Human males have many opportunities to invest in their offspring following birth (e.g., through provisioning, protecting, and promoting), and indeed humans arguably show greater parental investment than do any other mammals (Alexander & Noonan, 1979). Where men do invest heavily in their offspring, Trivers’s (1972) theory predicts that they will exert greater selectivity in their choice of mates relative to when they invest less in offspring. Thus, although humans are like most mammals in that women tend to be the more heavily investing sex, human males stand out among mammals as often investing substantially in their children, and there exists considerable individual variation within each sex in the amount of investment: a point to be taken up later.

Man könnte also sagen, dass Männer verschiedene Strategien fahren können: Schneller Sex, bei dem sie theoretisch nicht zu wählerisch sein müssen und eine Bindung, in der sie viel in den Nachwuchs investieren und demnach auch höhere Anforderungen an die Partnerin stellen sollten.

12 Gedanken zu “Sexual Strategies Theory: Eine evolutionäre Perspektive auf die menschliche Paarung (Teil 4)

  1. Ich gehöre offenbar eher zu den investierenden Männern. Eine Option, die man eher nicht rational wählt, scheint auch vererbt zu werden oder anerzogen zu sein. Bringt in der aktuellen Gesellschaft aber eindeutig Vorteile. Bei primitiveren Gesellschaften scheint die Quantität sehr viel mehr Bedeutung zu haben. Ein Clan, der einen schützt usw. mit ausreichend Redundanz, wenn es mal hart auf hart kommt…

    • Daumen hoch ! Auf den Punkt gebracht !
      Das zu verstehen, heißt sehr vieles in der Gesellschaft zu verstehen, von dem Mangel an Interessentinnen in den MINT Fächern über das Interesse der Frauen an Quoten statt Wettbewerb bis hin zu den Frauen hier deren Männer in der Ukraine sterben, bzw. umgekehrt den Männern aus dem Süden, die hier an Geld kommen wollen/müssen, wo zu Hause in Afrika die Frauen schon drauf warten…

  2. Pingback: Sexual Strategies Theory: Eine evolutionäre Perspektive auf die menschliche Paarung (Teil 3) - Aufklärung heute

  3. Wobei der Mensch wissen kann, dass er der Agent seiner Gene ist, und zur Feststellung gelangen kann, dass er seinen Genen nichts schuldet, sondern im Gegenteil, dass die schiere Masse an Genen schon von selbst dafür sorgen wird, dass sich langfristig die Gene durchsetzen, die das Überleben wahrscheinlich machen.

    • Das Problem: die Evolution ist blind.
      Die Menschheit ist seit langem in einer Situation, wo ein wesentlicher Selektionsfilter weibliches Partnerwahlverhalten ist.
      Dieses ist zwar für die eigenen Gene optimal, führt aber die Menschheit als Ganzes in eine Sackgasse. Das will oder kann man nicht erkennen. Deshalb bleiben auch alle Problemanalysen regelmäßig beim ökonomischen Zwang zur Profitmaximierung oder irgendeiner ominösen Gier des Menschen stehen. Beides wird nie weiter auf die Ursachen hinterfragt. Und so wird Hypergamie weiterhin die unbehandelte Krankheit sein, die die Menschheit und den Planeten weiter in eine ungewisse Zukunft treibt. Gegenläufige Faktoren sind z.Z. erkennbar zu schwach.

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