9 Gedanken zu “Jugendsterblichkeit über die letzten 2400 Jahre

    • Deutschland ist in der Grafik gleich zwei Mal vertreten mit einer Sterblichkeit von 60% im Zeitraum von 1692-1899 und 35% von 1700-1800.
      Ich nehme an, es handelt es sich um einen Fehler und gemeint ist 1692-1699 – womit über die Gründe der Absenkung im folgenden Jahrhundert nichts gesagt wird.
      Die Zahlen sind vor dem Hintergrund von „erreichten die Pubertät“ ziemlich sinnlos. Die Frage, ob jemand 15 werden konnte, wurde bereits bis zur Erreichung des fünften Lebensjahrs entschieden.

      Bei den Jägern und Sammlern erreichten Säuglinge 27% nicht einmal das erste Lebensjahr bis 1870 „sank“ diese Zahl in Deutschland auf 25%. Unter 10% sank diese Zahl erst in den 1920ern und ging erst nach dem zweiten Weltkrieg drastisch bergab.
      https://www.aerzteblatt.de/callback/image.asp?id=20316

      Wikipedia hier korrekt: „Ursache für den Rückgang waren der wachsende Wohlstand, konsequentes Stillen sowie beratende, soziale und hygienische Maßnahmen und auch die Kinderheilkunde. Der Rückgang ab 1970 ist zu einem großen Teil auf eine Weiterentwicklung der Geburts- und Perinatalmedizin zurückzuführen.“
      https://de.wikipedia.org/wiki/Kindersterblichkeit#Entwicklung_in_Deutschland
      Die Grafik ist also irreführend.

      • „Die Frage, ob jemand 15 werden konnte, wurde bereits bis zur Erreichung des fünften Lebensjahrs entschieden.“

        Dass die Wahrscheinlichkeit, das erste Jahr zu überleben, schon immer deutlich kleiner war als die Wahrscheinlichkeit, jedes der 14 folgenden zu überleben, ist fast völlig unabhängig davon, dass die Wahrscheinlichkeit vor 200 Jahren, das n. Jahr zu überleben, deutlich kleiner war als heute, für jedes n in N.

        Das kumuliert sich, genau wie bei der Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit für einen männlichen Menschen, sein n. Jahr zu überleben, nur ein paar Promillpunkte geringer ist als für einen weiblichen Menschen.
        Trotz der geringen Unterschiede pro Jahr sind 2 von 3 über-85-jährigen weiblich.

        • Na ja.
          Wenn die Hälfte der Sterblichkeit „bis 15“ tatsächlich „bis 1“ erfolgt, dann wird das Augenmerk der aktuellen Impfungen sich auf diesen Zeitraum richten. Tatsächlich erfolgen die Impfungen zur Grundimmunisierung gegen bspw. Tetanus und Diphterie im Säuglingsalter.
          Zusätzlich habe ich ein Problem mit dem von dir genannten Zeitraum, denn wirklich besser geworden ist es erst nach dem zweiten Weltkrieg und das ist 77 Jahre her und nicht 200.

      • Zur Illustration: Im Kinderzimmer (für die Jungs) der Villa Romana del Casale sind Jagdszenen, z.B. auf Hasen

        In einer der Szenen (falls die Linkeinbindung klappt: unten links)

        wird ein Junge von einer Ratte gebissen. Das war damals durchaus lebensgefährlich.

        Bis ins 19. Jh. war *jedes* Lebensjahr gefährlicher als heute.

  1. Das macht nochmal deutlich, dass die Fähigkeit viele Kinder zu gebären und durchzubringen ein zentraler Selektionsfaktor in der Menschheitsgeschichte ist. Nur wenn eine Frau mindestens fünf Kinder gebärt, trägt sie substanziell zum Genpool nachfolgender Generationen bei.

    Für Männer gilt dann auch, dass es zum Fortbestand seiner Gene viel sinnvoller sein kann, dafür zu sorgen, dass ein möglichst großer Teil seines Nachwuchs durchkommt, statt wild in der Gegend herumzuvögeln.

    „Sperm is cheap, eggs are expensive“ ist dann gar nicht mehr so bedeutend, weil das Hauptproblem darin besteht, die befruchteten Eizellen auch die nächsten 15 Jahre durchzubringen, was eine Frau, die dauerschwanger ist (bzw. sein muss), gar nicht alleine schaffen kann.

    • @LoD

      Meine Herv.: „Das macht nochmal deutlich, dass die Fähigkeit viele Kinder zu gebären und durchzubringen ein zentraler Selektionsfaktor in der Menschheitsgeschichte ist.“

      Meine Befürchtung ist, von vielen wird unsere jetzige Geschichte in die Vorgeschichte zurück transferiert.
      Wobei nicht berücksichtigt wird, welche Faktoren damals eine Rolle beim „durchbringen“ gespielt haben, weil sie heute keine mehr spielen.
      „Kindersterblichkeit“, für Mütter: „Tod im Kindsbett“, „Dürre“, „Kartoffelfäule“, „Pest, usw.“ – spielt heute so keine Rolle mehr.
      Damals starben Millionen, ganze Landstriche wurden entvölkert.
      Auch die Idee, dass Frauen immer älter geworden sind als Männer lässt sich nicht halten.

      Harte körperliche Arbeit, kurze Abfolge zwischen den Geburten, Mangelernährung während der Stillzeiten = keine Aussicht auf ein langes Leben. In der Jungsteinzeit in Deutschland wurde geschätzt, dass Frauen ca. zehn Jahre kürzer lebten als Männer.

      „Sperm is cheap, eggs are expensive“ ist dann gar nicht mehr so bedeutend, weil das Hauptproblem darin besteht, die befruchteten Eizellen auch die nächsten 15 Jahre durchzubringen, was eine Frau, die dauerschwanger ist (bzw. sein muss), gar nicht alleine schaffen kann.“

      Der Satz „sperm is…“ ist – so formuliert – sinnlos.
      Der kalorische (Mehr-) Bedarf in der letzten Phase der Schwangerschaft plus in der Stillzeit muss irgendwoher kommen.
      Irgendwer muss den decken, da die Frau dazu nicht in der Lage ist.

      „Für Männer gilt dann auch, dass es zum Fortbestand seiner Gene viel sinnvoller sein kann, dafür zu sorgen, dass ein möglichst großer Teil seines Nachwuchs durchkommt, statt wild in der Gegend herumzuvögeln.“

      Korrekt. Es macht sehr viel mehr Sinn, obwohl die zweite Variante mehr Spaß macht. 🙂

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