Warum weisen Menschen Gegenständen berühmter Leute einen besonderen Wert zu?

Gerade fand sich beim Spiegel eine Mitteilung, die man so ähnlich schon häufiger gelesen hat:

10,1 Millionen US-Dollar – Trikot von Michael Jordan bricht Auktionsrekord

Wenn es um Michael Jordan geht, sind Superlative der Standard. Doch das jüngste Auktionsergebnis ist selbst für den ehemaligen NBA-Superstar außergewöhnlich. Ein Trikot, das er bei seinem letzten Titelgewinn mit den Chicago Bulls getragen hat, ist für eine Rekordsumme im zweistelligen Millionenbereich versteigert worden.

Das Jersey, das der heute 59-Jährige in den 1998er-Finals der Profiliga NBA gegen die Utah Jazz trug, wechselte für 10,1 Millionen US-Dollar den Besitzer. Dies teilte das US-amerikanische Auktionshaus Sotheby’s am Donnerstag mit.

Jordan hatte das Jersey im ersten Spiel der NBA-Finals getragen. Er brachte es auf 33 Punkte, die Partie ging für die Bulls allerdings knapp verloren. Die Saison war in der Netflix-Doku-Reihe »The Last Dance« behandelt worden, was der Auktion noch weitere Aufmerksamkeit garantiert haben dürfte.

Jetzt ist das Trikot ein vollkommen normales Trikot und wird wahrscheinlich einen objektiven Wert von unter 100 € haben.
Aber es wurde eben von Michael Jordan getragen und das auch noch bei einem wichtigen Spiel. Und irgendwie bewirkt das, dass wir ihm einen höheren, eine Art mystischen Wert zuweisen:

Es enthält quasi etwas von der Essenz dieses Spielers und diesem Sieg.

Warum? Wäre interessant.

Ist unser Gehirn zumindest unterbewußt nicht in der Lage das zu unterscheiden und überträgt den Wert des Mannes auf seinen Gegenstand, weil sie dort eng verknüpft sind?

War es früher vielleicht häufig ein Zeichen einer Verbundenheit oder Zugehörigkeit zu den Mächtigen Sachen der mächtigen zu haben? “

Etwa in der Art von: „Gront hat ihm seinen Mantel gegeben, er hat mächtige Verbündete, ich bin lieber nett zu ihm “ oder „Das er den Mantel von Gront hat zeigt, dass die anderen ihn als seinen Nachfolger akzeptieren und damit ist er mächtig“?

Oder ist es einfach ein übereifriges Modul, welches menschliche Eigenschaften in allen möglichen Sachen sieht und daher den Gegenständen von Leuten in gewisser Weise menschliche Eigenschaften oder eine Übertragung von Eigenschaften zugesteht?

Gibt bestimmt andere Theorien für etwas, was eigentlich absolut unlogisch ist.

16 Gedanken zu “Warum weisen Menschen Gegenständen berühmter Leute einen besonderen Wert zu?

  1. Das ist magischer Glaube in Reinform, sehr eng mit der Reliquienverehrung sowie der (heutigen) Kunst verwandt.

    Das Tolle ist: wie bei Reliquien und in der Kunst sind fast alle Artefakte gefälscht – ein prima Geschäft. Wertvolle ätherische, also nicht direkt wahrnehmbare Eigenschaften sind einfach Bombe! Toller Indikator: Echtheitszertifikate.
    Lesetipp: Roger Peyrefitte, Die Kunst des Handels

    • Klassiker:
      „Lieber Adson, wäre jeder der Splitter vom Heiligen Kreuz, die in den Klöstern aufbewahrt werden, echt, wäre unser Heiland an einen ganzen Wald genagelt worden.“

      😉

      • Schöner finde ich noch das mit dem Heiligenschädel:

        »So ist es, Adson. Und es gibt noch reichere Schätze als diesen hier. Vor Jahren sah ich im Kölner Dom den Schädel Johannes‘ des Täufers im Alter von zwölf Jahren.«

        »Wirklich?« rief ich bewundernd aus. Und dann, von einem plötzlichen Zweifel erfaßt: »Aber der Täufer war doch viel älter, als er geköpft wurde!«

        »Der andere Schädel liegt sicher in einem anderen Kirchenschatz«,

  2. Funktioniert ja komischerweise auch bei Werbung. Oder glaubt jemand, Haribo schmeckt besser weil Thomas Gottschalk dafür Werbung macht. Dem sind die Goldbären ganz sicher egal, er will einfach die Kohle für den Spot.

    • Ob’s bei Werbung funktioniert ist ja nicht wirklich so sicher, gerade das Haribo Beispiel, die Kampagne mit Thomas Gottschalk,.
      Die Frage ist ja hat Gottschalk der Marke Haribo glanz verliehen oder hat die Haribo Werbung Gottschalk im öffentlichen bewustsein gehalten, oder lenkt am Schluß die Berühmtheit von der Marke ab denn Haribo ist die bekannteste Süßigkeiten Marke Deutschlands.

  3. Aus dem gleichen Grund, aus dem eine fette, alte, in der DDR sozialisierte Matrone in einem Fußballstadion in fremdschamerzeugender Schauspielkunst den Spielern zujubelt und sich anschließend in der Kabine ablichten läßt.
    Wohl die Hoffnung, daß der Glanz der anderen ein wenig auf einem selbst übergeht.
    Mit fremden Federn schmücken.

    Die Höhe der Idiotie wird dann halt nur durch die Fülle des Bankkontos oder der gesellschaftlichen Position begrenzt.

  4. Ich denke, es ist einfach eine Art Denkmal, welches man dem Protagonisten zu setzen glaubt. In zweiter Linie ist es, die Signalisierung einer Haltung bzw. Meinung nach außen.

  5. Jeder von uns hat sich in Museen bereits Kleidung, Waffen, Spazierstöcke, Schnupftabakdosen, Brillen von berühmten und mächtigen Männern angesehn.
    Warum? Auch, weil es die Phantasie anregt, ein innerer Film abläuft, wie es wohl gewesen sein könnte.

  6. Na ja, im Mittelalter hatte auch jede Kathedrale, die etwas auf sich hielt, einen Span vom Kreuz Christi oder eine Stück von dem Schwamm, mit dem man ihm Essig zu trinken gab.

  7. Müssen gar nicht berühmte Leute sein. So ein kleines Fläschchen Male Tears hat ja auch einen sehr hohen Preis – ich glaube sogar höher als Wimpern-Turbowuchs-Serum aus dem Online-Versand.
    Male Tears sind offenbar eine Art feministisches Weihwasser.

    Eigentlich ne super Geschäftsidee. Echte Male Tears (von Maskulisten rausgedrückt) in kleinen schicken Fläschchen mit Pipette. 28,99 für 2 ml.

    Wenn der Pudel mal wieder trotzig ist – Male Tears! Nur echt mit dem Ausrufezeichen.
    oder
    Warum alleine weinen? Male Tears! Ein Muss in jeder empowerten Frauenhandtasche.

  8. Der einzige Gedanke den ich habe, das Vermögen ist auf der Welt extrem ungerecht verteilt wenn jemand 10 Mio für ein Kusntwerk, Sammlerstück oder ähnliches ausgeben kann.
    Das Macht man ja nur wenn einem die 10 Mio nicht weh tun wenn sie weg sind.

    Denn in einer Krise ist das Ding wertlos.

  9. Solche T-Shirts werden neu im Fußball für 70€ verkauft (bzw. wurden vor wenigen Jahren), aber ohne den Vereinsaufdruck, der selbst ja schon mit Lizenzgebühren verbunden ist, obwohl auch fett der aktuelle Hauptsponsor draufsteht und in 2, 3 Jahren nicht mehr aktuell ist, da muss dann ein neues her.
    Neutral gestaltet sind die vielleicht 10€ wert, wie die Fälschungen.

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